Kapitel 21
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Kapitel 21
unfaire Taktik
Viranda und Alathfar von Tabalth hörten aus den festridischen Nachrichten, dass es eine Invasion gab. Beide konnten sich nicht vorstellen wer dahinter steckte.
Es war lediglich die Rede davon, dass es sich um eine starke Übermacht handelte und scheinbar eine Armee von Robotern. Nicht einer war sich der wirklichen Herkunft bewusst und noch weniger, dass es keine rein künstlichen We-sen waren. Für den außenstehenden Betrachter mochte dieser Eindruck entstehen, da die Vierbeiner Waffenphalanxen trugen, welche diesen aus dem Körper ragten und ihre Bewegungen etwas eckig erschienen.
Allerdings wurde der Angreifer auch selbst zum Opfer und es gelang immer wieder den Einen oder Anderen in einen Hinterhalt zu locken und zu erlegen.
So kam es zu Kämpfen innerhalb der U-Bahnschächte, welche an den Nerven zerrten.
<„Trupp Eins, hier Trupp Vier! Wo befindet ihr euch?”>, flüsterte ein kampferprobter Stier namens Haliar ins Headset, welcher seit eh und jäh zur Planetenverteidigung gehörte, damit quasi verwachsen war.
<„Hier Trupp Eins! Wir sind im Quergang zwischen der obersten Zugangsebene und dem Tiefenschacht zum nächsten Tunnelquerschlag“>, raunte Malora zurück. Die neu zur Truppe aufgerückte Jaguarin war vor den Angriffen bei einem kleinen Sicherheitsunternehmen und für ein Softwareunternehmen tätig.
<„Bleibt dort und wartet auf weitere Anweisungen. Verhaltet euch ruhig und bleibt dicht an den Wänden. Wir prüfen gerade die mittlere Ebene.“>
<„Verstanden. Wir bleiben hier.“>
<„Trupp Drei, wo seid ihr?“>
<„Hier Drei, Xadron! Wir sind unter dem Sitz des Geheim- und Aufklärungsdienstes. Mehrere Signale vom Feind in den Kellergewölben. Der Zugang zur U-Bahn ist abgeschnitten. Mehrere tote Zivilisten an der Oberfläche und im Gebäude.“>
<„Verstanden, Truppführer Xadron! Bleibt mit eurem Hintern in Deckung. Bei direktem Kontakt feuern und beten“>, befahl Haliar.
<„Beten liegt mir zwar nicht, aber ich weiß was du meinst.“>
<„Na wenigstens das … Trupp zwei, hört ihr mich?“>
<„Ja, hier Truppführer Vidro“>, ertönte der Bariton eines Schakals.
<„Statusmeldung.“>
<„Sind am unteren Ende des Tiefstiegs zum Transit.“>
<„Habt ihr Feindkontakt?“>
<„Bisher nicht und ich hoffe, dass das so bleibt.“>
<„Wird wohl leider nicht passieren. Steigt weiter runter und bewegt euch durch den Haupttunnel in Richtung der Aufklärung. Trupp Drei sitzt dort in der Falle und hat entfernten Kontakt zum Angreifer. Daher Vorsicht!“>
<„Das habe ich gehört und bin nicht begeistert. Wir machen uns auf den Weg und halten die Augen offen.“>
<„Nur Mut und viel Glück. Haliar, Ende!“>
Der Stier schaute zu seiner dreißig Anthros starken Truppe und hob eine Hand, kreiste mit ihr und erhob sich. „Auf geht’s Leute. Wir haben einen Auftrag und es gibt bereits zu viele Opfer unter der Bevölkerung. Es muss hier und jetzt enden.“
Zustimmendes Gemurmel ertönte, wenn auch deutlich zu vernehmen war, wie der Satz, „wäre ich bloß mit dem Arsch zuhause geblieben“, fiel.
Trupp Drei bewegte sich langsam durch die undurchdringliche Dunkelheit, mittels der Nachtsichtgeräte hatten sie wenigstens ein grau-grünes Bild vor den Augen.
Der Betrieb der U-Bahn war mit das erste was nach der Landung der Aggressoren eingestellt wurde. Längst standen die Waggons und unbesetzten Verbandsegmente in den Tunneln der Zwischenebenen oder in den oberen Einstiegsstationen still. Waren die Fahrgäste die ersten Opfer beim Eintreffen der vier-beinigen Klonsoldaten, eingeschlossen im sonst sicheren System und damit in einer ausweglosen Falle gelandet.
Haliar hob eine Hand und legte einen Finger vor den Mund, dann ging er in die Hocke und deutete mit der nach unten gesenkten Handfläche an, dass es ihm alle nachzumachen hatten.
Unter leisem Klappern der Ausrüstung waren alle so dicht am Boden wie es nur ging.
Haliar drehte sich langsam um, sah zu einem schmalen Löwen und deutete auf ihn. „Barbas, zu mir!“
Der 20jährige Jungspund der Truppe, seufzte leise und strich sich kurz durch die schüttere Mähne. Augenblicke später kniete er neben dem Anthro-Stier.
„Ich höre!“, sagte er kleinlaut.
„Wir beide machen uns auf einen kleinen Ausflug. Du hast den Bewegungsmelder bei dir?“
„Ja, hab ich.“
„Ich erkenne in etwa hundert Metern Entfernung einen liegengeblieben Waggon. Wir gehen da mal hin. Halte die Augen auf und das Display deines Scanners im Blick. Ich hoffe, dass mich mein Bauchgefühl trügt, aber es kann sein, dass ich da was hörte.“
„Aye!“
Während der Rest des Trupps zurückblieb und sich an die Wände lehnte, machten sich Stier und Löwe auf den Weg, sahen sich vorsichtig um.
Leises Klappern und Rascheln war zu hören, aber weit entfernt. Das Summen der Transportmagnete war schon seit Ewigkeiten verstummt und eine gespenstische Stille eingezogen, lediglich die langsam aufsetzenden Hufe und Pfoten der beiden Cherit waren zu hören.
Abrupt hielt Barbas inne. „Da war was“, flüsterte er.
Haliar blieb stehen und schaute den Löwen an. „Hast du eine genaue Richtung?“
„Wie es aussieht kam es exakt aus dem Waggon.“
„Aus dem Waggon? Ein Überlebender?“
„Kann ich nicht sagen. Möglich wäre es.“
„Okay. Weiter geht’s.“
Wieder war ein leises Klappern zu hören und zusätzlich ein Wimmern zu vernehmen. Das war das I-Tüpfelchen. Der Stier ließ alle Vorsicht fahren und begann zu rennen. Barbas riss erschrocken die Augen auf, aber folgte ihm wenige Sekunden später, erreichte ihn schließlich und schaute auf die Stirnwand des U-Bahnwaggons, in welchem Haliar schon halb verschwunden war.
Plötzlich schrie der Stier: „Barbas, schnell“, tippte er auf den Com-Taster seines Head-Sets: <„An den gesamten Trupp Drei, sofort zu mir. Ich habe einen Überlebenden.“>
Augenblicke später hatten sich alle um den Waggon versammelt, sicherten die Umgebung ab, drangen zwei weitere Anthros ins Wageninnere vor und umringten kniend einen Wolf.
„Bleiben sie liegen, wir holen sie hier raus. Wie ist ihr Name?“
Der Angesprochene war schwach, extrem schwach sogar und sein Blick trübe.
„Wasser, sofort“, befahl Haliar.
„Hier, Sir!“
„Na fantastisch. …. Hier, Sir! Trinken sie etwas.“
Der Wolf ließ sich die Öffnung der Flasche an die Lippen drücken und begann langsam zu schlucken. Mit jedem kleinen Tropfen der kühlen Flüssigkeit sah man das Leben in die Augen des eindeutig Verletzten zurückkehren, schöpfte er scheinbar mehr und mehr Lebensmut.
„Können sie mich verstehen?“, fragte der Stier.
„Ja“, kam zögerlich die Antwort, gefolgt von einem schmerzverzerrten Stöhnen.
„Wie ist ihr Name?“
„Grandur.“
„Grandur?“, wiederholte der Stier fragend, während der junge Löwe einen Kloß im Hals bekam und erstickt auf murrte.
Haliar drehte sich zu ihm um. „Was hast du?“
„Grandur ist der Befragende.“
„Du meinst, er ist in der leitenden Stufe des Aufklärungsdienstes?“
„Ja.“
„Okay! Danke für die Info“, entgegnete er und gab die Lage über Funk an alle weiter.
Plötzlich schrie einer der Soldaten von außerhalb des Wagens auf. „Wir kriegen Besuch!“
Der Stier sprang auf und hechtete über den Wolf hinweg, zwischen zwei seiner Soldaten hindurch, zum hinteren Ende des Waggons. „Wo? Wie viele?“
„Entfernung Vierhundert, kommt schnell näher. Mehrere Signale, mindestens zwanzig.“
„Verdammte Scheiße! Barbas, Hyvor, Qupier. Zu mir. Schnappt euch den Verletzten und dann Rückzug in den höher gelegenen Korridor. Alle anderen so-fort in Feuerbereitschaft. Feuern auf meinen Befehl! Haltet den dreien den Arsch sauber!“
Die Angesprochenen packten so vorsichtig es ging den Wolfsrüden, trugen ihn aus dem Waggon und sputeten sich den befohlenen Weg zu nehmen.
Der Stier schaute dem Gespann noch kurz hinterher und drehte sich wieder in Richtung des Kontaktsignals, schwieg einstweilen.
….
….
….
….
„Meldung zum Kontakt!?“, sagte Haliar nach einer Weile.
„Entfernung bei Hundertfünfzig.“
„Dann müsste gleich was zu sehen sein.“
Der Trupp ging in Stellung und legte an. Sekunde um Sekunde verstrich, aber die bereits gewohnten roten Rubinlaser der feindlichen Zielsuchgeräte bleiben aus. Unsicher werdend suchte der Stier mit leicht zusammengekniffenen Augen den Hintergrund des Tunnels ab.
Dann hörte man das Aufbrüllen eines Tigers und kam die Entwarnung. „Nicht feuern!“, hörte man einen tiefen Bass und Nurmas tauchte auf.
„Verdammter Blödmann!“, brüllte Haliar in den Tunnel hinein. „Ihr wollt wohl jung sterben?!“
„Nö, aber wir hatten gehört, dass ihr einen Überlebenden habt und sind los geflitzt.“
„DAS, mein Lieber, hätte euch das Leben kosten können.“
„Hat es aber nicht und jetzt seid ihr wenigstens munter“, konterte der Tiger frech.
„Du bist einfach unmöglich und irgendwann fliegt dir dafür der Hintern weg“, schnaubte Haliar wütend.
„Du siehst das viel zu eng, mein Süßer.“
Einige innerhalb der beiden Trupps konnten sich ein Kichern nicht verkneifen und dem Stier stieg die Zornesröte bis in die Hornspitzen. „Du gehst zu weit, Kater! Deine neun Leben laufen langsam ab.“
„Okay, okay. Jetzt beruhige dich wieder“, wiegelte er ab und drehte sich zu seinen Soldaten um, „Und ihr haltet die Klappe, wenn sich Erwachsene unterhalten. Wir sind hier nicht im Welpenzwinger.“
Das Gekicher verstummte schlagartig.
„So, ihr habt also einen Verwundeten?“, wechselte Nurmas das Thema.
„Wir hatten. Qupier, Hyvor und Barbas schleppen ihn gerade in einen höher gelegenen Tunnelbereich.“
„Keine gute Idee.“
„Wieso?“
„Weil die unangenehme Möglichkeit besteht, dass der Feind über einen der stillgelegten Querschläge vom Aufklärungsgebäude hierher findet.“
„Gibt es da überhaupt einen?“
„Aber sicher doch. Deshalb konnten sich die Mistviecher ja auch so schnell ausbreiten und innerhalb von einer Woche das komplette U-Bahnsystem lahm legen.“
„Verdammt. Dann sollten wir schnellstmöglich hinterher“, entschied Haliar.
„Eine gute Idee.“
„Hast du auch noch andere Sprüche auf Lager?“, polterte der Stier.
„Ja, aber die gebe ich hier besser nicht zum Besten“, flüsterte Nurmas und zwinkerte.
„Ich warne dich. Du weißt was passiert, wenn gewisse Sachen bekannt werden.“
„Ich weiß. An sich ist es ja nicht schlimm, dass wir beide ein heimliches Paar sind“, murmelte Nurmas verschwörerisch.
„Ja, aber es stünde trotzdem dem Respekt der Truppen im Wege. Toleranz und Schultern zucken ist das Eine, aber Befehle zu geben etwas Anderes.“
„Verstanden, Sir!“, rief der Tiger plötzlich zur Ablenkung und deutete auf den Tunnelausgang und damit den Hochstieg zur höheren Ebene. „Leute, wir machen uns auf den Weg nach oben. Auf geht’s!“
Halias atmete erleichtert durch und folgte mit seinem Trupp dem Übermütigen.
Trupp Eins, unter dem Gebäude des Geheimdienstes, hatte leider nicht so viel Glück und die entfernte Registrierung von Feindaktivitäten näherte sich unaufhaltsam.
„Pardo, wie sieht es aus? Entfernungsdaten!“, flüsterte Truppführer Rybor. Sichtlich nervös schaute der langmähnige Anthro-Hengst zu seinem linken Flankenführer.
Der Königsgepard ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und entgegnete kühl: „Zehn Stück, hinter der nächsten Biegung, auf sechshundert Meter.“
„Sprung auf, Marsch!“, befahl der Hengst daraufhin und stürmte vorwärts, gefolgt von seiner sechzig Anthros starken Gruppe.
Drei Minuten später erreichten sie die Biegung und stoppten. Rybor hob einen Zeigefinger und deutete an, dass sie sich aufteilen und keinerlei Geräusch von sich geben sollen. Pardo stand an seiner Seite und hielt ihm wortlos den Bewegungscanner vor die Nase. Die Anzeige war eindeutig und mehrere kleine rote Punkte bewegten sich zielstrebig durch die Dunkelheit auf sie zu. Immer deutlicher hörte man die Schritte der gegnerischen Einheit und dazu das Sum-men und leise Jaulen der Servos.
Alles schaute auf den Anführer und das Zeichen zum Angriff. Gefühlte Ewigkeiten später hob der Hengst leicht den Kopf und wieherte kurz schrill auf. Das Zeichen war gegeben und mit einem gewaltigen Satz war die komplette Gruppe um die Biegung herum, stand dem Feind direkt gegenüber und eröffnete das Feuer.
Die vierbeinigen Waffenträger-Cyborgs erwiderten schnell den Übergriff, feuerten ihrerseits zurück und trafen eine Hyäne direkt am Kopf. Mit einem stummen Schrei ging sie zu Boden und rührte sich nicht mehr. Der neben ihr stehenden Wölfin erging es nicht besser und ein Treffer im Unterleib ließ sie ebenfalls zu Boden gehen.
Aber das Blatt wendete sich, als mehrere gezielte Treffer einen der Aggressoren zu Fall brachten und in einem Funkenregen die Servomotoren kurzschlossen. Weitere Angreifer wurden ebenfalls getroffen, konnten jedoch flüchten. Warum auch immer, sie hatten es zum ersten Mal geschafft den Feind zum Rückzug zu zwingen.
Etwas hatte sich geändert und keiner wusste warum. Es war nicht die erste Kampfhandlung, aber immer waren es die Cherit die fast ergebnislos das Feld räumen mussten. Diesmal war es anders herum.
Rybor und Pardo, nebst einer Wölfin namens Wigora beobachteten den sortierten Rückzug und bewegten sich langsam auf die Stelle zu, an welcher der Roboter lag.
Die Kurzschlüsse hatten ihn lahmgelegt. Aber das Entsetzen war groß als sie sich daneben knieten, ihn genauer unter die Lupe nahmen und feststellten um was es sich wirklich handelte. Bisher war so etwas nicht gelungen und daher ein doppelter Erfolg.
„Verdammt noch mal“, murmelte Wigora, „seht euch den Mist mal an.“
„Schon dabei“, verkündete Pardo und stupste die vor ihnen liegende Kreatur an. „Sieht aus wie ein Raubtier, aber irgendetwas ist faul. Sowas kenne ich nur aus Schauermärchen.“
„Ich weiß was du meinst“, hub Rybor an. „Das sieht nach einem Cyborg aus. Wer immer das Ding erschaffen hat, sollte in der Hölle schmoren.“
„Wir sollten ihn mitnehmen und in ein passendes Labor schaffen. Vielleicht fin-den die eine Schwachstelle und vor allem heraus wo die herkommen“, sagte Wigora.
„Gute Idee!“, verkündete Rybor, stand auf, drehte sich um und deutete auf vier herumstehende Servale, welche seiner Meinung nach gerade nichts Besseres zu tun hatten.
Zwei weitere Truppmitglieder kümmerten sich derweil um die verwundete Hyäne und Wölfin. Bei ersterer konnte selbst ein Laie erkennen, dass sie tot war, denn mit halbem Kopf ließ es sich schlecht leben. Bei der Wölfin sah es anders aus, sie war zwar schwer verletzt, aber zeigte Lebenszeichen.
Die vier Servale derweil traten heran, beugten sich über den Cyborg und woll-ten ihn hochheben, aber dieser bewegte sich plötzlich, wenn auch schwerfällig und ein tierisches Stöhnen entfuhr ihm.
„Was war das denn für ein Scheiß?!“, brüllte Pardo.
„Das... ist jetzt was Besonderes. Er scheint noch zu leben. Los hoch mit dem und raus hier! Ich weiß nicht wie lange die Ruhe noch anhält und ob nicht gleich Verstärkung eintrifft. Und vergesst mir Acca und Olana nicht. Ich mag es nicht, wenn unsere Verwundeten denen in die Hände fallen“, befahl Rybor.
„Aye!“
Der Cyborg war in der Tat so schwer, dass alle vier Servale mächtig zu schleppen hatten. Aber sie schafften es, erreichten den Hochstieg zur nächsten U-Bahnebene und gelangten durch einen stillgelegten Quertrieb an die Oberflä-che.
„Perfekt!“, frohlockte der Truppführer. „Legt sie hier ab. Ich rufe Verstärkung und ein passendes Transportmittel“, sagte er noch, wandte sich ab, diskutierte kurz in sein Head-Set hinein und drehte sich wieder um. „So, jetzt heißt es warten.“
Minuten später traf eine klobig anmutende Kleinfähre ein und es entstiegen zwei Sanitäter sowie ein Arzt. Zum Leidwesen aller konnte dieser bei der Hyäne Acca nur den Tot bestätigen. Die Wölfin Olana hingegen wurde auf eine Trage gelegt und eilends ins nächste Hospital geschafft. Ihre Chancen standen laut seiner Aussage bei 50%, aber sie würden alles tun was in ihrer Macht steht.
Mit dem Cyborg hingegen konnten sie nichts anfangen, wollten es auch nicht.
Allerdings war dies kein Hindernis, denn in Windeseile hatte sich die Meldung verteilt, dass da etwas in ihre Hände geraten war, was ein neues Licht auf alles werfen könnte und so erschien eine weitere Fähre und zwei Löwen-Anthros in schwarzen Anzügen entstiegen ihr.
„Oh nein!“, entglitt es Pardo zynisch. „Das obergeheime Geheimkommando.“
„Guten Morgen, ihr Helden“, hub einer der beiden an.
„Was verschafft uns denn die Ehre, dass ihr persönlich bei uns Frontschweinen auftaucht und euch die Anzüge schmutzig macht?“, entgegnete Rybor.
„Also, ich bitte dich. Diese Bemerkungen passen eher zu Stuten und ihren Beißereien, aber doch nicht zu einem Hengst.“
„Ehhhhh, ich darf mal bitten“, schnauzte Milana. Die mausgraue, muskulöse Stute war sichtlich getroffen und ging in eine herausfordernde Pose.
„Oh, Entschuldigung. Anwesende natürlich ausgenommen“, beschwichtigte der Löwe.
„Zu spät Meister und dein Anzug rettet dich auch nicht mehr.“
Der Löwenkater zuckte daraufhin lediglich mit den Schultern und wandte sich dem am Boden liegenden Cyborg zu. „Saubere Arbeit. Wir schaffen ihn sofort in den Wagen und ins Zentrallabor. Unsere Wissenschaftler werden sich freuen.“
„Sehr gut, sehr gut“, schob Milana bissig nach.
Die beiden Anzuglöwen zogen es vor nichts mehr zu sagen, ließen ihre Kampfbeute von den vier Servalen in den Wagen legen und verschwanden wortlos vom Ort des Geschehens.
„Na toll und was machen wir jetzt?“, fragte Pardo.
„Wir ruhen uns erstmal aus und bleiben hier“, entschied Rybor.
„Gute Idee“, hub Milana böse an. „Wird Zeit, dass ich mal wieder an mir rumspiele, vielleicht bin ich danach nicht mehr so zickig.“
„Hast du keinen Hengst dafür?“, entfuhr es Wigora.
„Nö, die machen nur Arbeit und für die zwei Minuten reichen meine Hände.“
Rybor schüttelte nur den Kopf. „Ich wusste schon immer, dass du ein frivoles Vieh bist.“
„Pöh. Bist ja nur neidisch, weil ich dich nicht ran lasse.“
„Oh nein! Nicht auch das noch. Ich habe schon genug Stress mit dir und den anderen.“
Milana drehte sich daraufhin einfach um und verschwand.
„Das glaube ich jetzt nicht“, murmelte Wigora. „Die macht das wirklich?“
„Glaub es ruhig“, wandte sich Rybor an die Wölfin. „Wenn die was ankündigt, dann kannst du Gift drauf nehmen, dass sie es auch locker durchzieht.“
„Was für ein versautes Stück.“
„Oh ja. Daher würde ich mit ihr auch niemals etwas anfangen“, fuhr Rybor fort, „denn das ginge nicht mal ansatzweise gut.“
„Das wiederum glaube ich dir sofort.“
'Fünf Jahre hat es gedauert um mich von dieser unheilvollen Liebschaft zu lösen', dachte sich der Hengst noch.
In diesem Augenblick tauchte Milana wieder auf und machte einen ziemlich entspannten Eindruck. „So, fertig“, verkündete sie und hob den Mittelfinger ihrer Linken.
Wigora verdrehte die Augen, Rybor seufzte, schaute stur geradeaus und an der Stute bewusst vorbei, während Pardo den Kopf schüttelte und aus den hinteren Reihen der restlichen Truppe ein verhohlenes Gekicher ertönte.
Was allerdings niemand so recht begriff war, dass nicht nur Milana verschwand, sondern auch ein Mitglied des ersten Trupps. Ein kleiner und eher unauffälliger Hengst, welcher in Fellfarbe, -konsistenz und Mähne stark einem irdischen Haflinger glich, verabschiedete sich, nachdem die Stute ihre Aktivität angekündigt hatte, mit dem Vorwand, dass er sich mal erleichtern müsse.
Keine dreißig Sekunden nachdem Milana wieder bei Rybor und dem Rest des Trupps aufgetaucht war, kehrte auch er zurück und wie auch die Stute selbst machte er einen deutlich zufriedeneren Eindruck.
Der Einzige, der es scheinbar halbwegs bemerkte war Rybor und warf Milanas neuem Opfer einen mehr als zweideutigen Blick zu.
In einem etwas weiter entfernten Gebäude wurde zur gleichen Zeit der erlegte Cyborg auf einen Untersuchungstisch gelegt und umringte ihn ein Team von Fachleuten, nebst den beiden Anzug-Löwen.
„Was habt ihr uns denn da angeschleppt?“, fragte Philas.
Einer der beiden Löwen schaute den Fuchs scharf an. „Frag' lieber nicht was wir gemacht haben, sondern unsere Truppen. Fakt ist, dass sie den Angreifer wohl in die Flucht geschlagen haben, was an sich schon ein Wunder ist. Das Resultat der erfolgreichen Abwehr liegt vor euch.“
„Okay. Den Rest müssen wir wohl selbst rausfinden, vor allem warum wir einen hier liegen haben und der Rest sich einfach aus dem Staub gemacht hat“, setzte Philas nach.
„An die Vitalmonitore mit ihm und seine biologischen Funktionen überwachen“, ordnete einer der Ärzte an.
„Schaut einfach nach ob ihr eine Schwachstelle findet und um was genau es sich handelt“, wandten sich die Löwen vom Geheimdienst an den Fuchs.
„Na schön, dann wollen wir mal. … So Leute, es geht ans Eingemachte. … Wie sehen die Funktionswerte aus?“, verkündete er und wandte sich dann nochmals kurz an die Löwen: „Und ihr beide verlasst jetzt den Raum. Wir werden zur Sicherheit ein Siegel aufbauen.“
„Meinst du allen Ernstes, dass jetzt noch etwas passieren könnte?“
„Weißt du warum er einfach geopfert wurde, denn wie es mir erscheint ist er das wohl?!“
„Hmmm... ich hoffe, dass du unrecht hast und es keine Falle wird.“
„Das hoffe ich auch und jetzt raus mit euch.“
„Wir gehen ja schon“, maulten beide noch, verließen aber den Raum.
„Gut! Quarantänesiegel aktivieren“, ordnete Philas an.
„Blutdruck sehr niedrig, Puls extrem schwach. Er wird es nicht schaffen“, kam aus dem Hintergrund die Stimme eines Assistenten.
Im gleichen Moment begannen die ersten beiden Wissenschaftler schon mit den Untersuchungen. Sie scannten den Torso und tasteten die Implantate ab.
Der Leib des Cyborg zuckte nur unmerklich. Er allein wusste warum er den Cherit in die Hände fallen sollte, er allein war sich dessen bewusst was er in diesem andauernden und sich sinnlos hinziehenden Stellungskampf zu bezwecken hatte und sollte es in Kürze in die Tat umsetzen.
Noch während die Scannerdaten ausgewertet wurden und einer der Ärzte anfing die Wunden zu versorgen, war der richtige Zeitpunkt gekommen.
Keiner der Cherit ahnte, was sich in den Genlaboratorien der Erde an perfiden Gedanken angesammelt hatte. Keiner war sich der drohenden Gefahr bewusst und dass sie sich selbst zum Opfer gemacht hatten.
Unter einem lauten Aufstöhnen aktivierte der Klon-Cyborg tief in seinem Inneren eine Automatik.
Während man sich um die Wunden kümmerte und mit den ersten tieferen Untersuchungen begann, lief die Uhr ab.
Viranda und Alathfar lagen eng umschlungen in ihrem Bett. Der Krieg war entfernt, aber die Lage auf den Straßen und Plätzen ihres Stadtteils angespannt. Bisher hatte in dieser Gegend keiner einen der Angreifer gesehen, waren jedoch die U-Bahnschächte stark bewacht und für die Nächte ein begrenzter Ausgang empfohlen worden.
Noch war es ruhig, aber von einer Sekunde zur anderen nicht mehr.
Ein lauter Knall ließ beide hochschrecken, trieb sie zum Fenster und mit Entsetzen erkennen, dass das nur zehn Blocks entfernt stehende Hospital in eine Staubwolke gehüllt war.
Die Uhr im Inneren des Cyborg war abgelaufen und eine extrem starke Sprengladung detonierte. Zerriss in Sekundenbruchteilen die umherstehenden Ärzte, Wissenschaftler und deren Assistenten, ließ das Quarantänesiegel erlöschen, zerbarsten Scheiben und ließ das halbe Gebäude einstürzen.
Und genau auf dieses Zeichen hatten die restlichen Angreifer gewartet. Wie aus dem Nichts tauchten sie plötzlich aus dem Untergrund auf, gingen zum Frontalangriff über und begannen mit einer neuen Welle der Gewalt.
Mit der Ruhe war es auch bei Rybor und seinem Trupp vorbei, als die Detonation und anschließend die Alarmsirenen zu hören war.
Mit einem Satz waren alle aufgesprungen und schauten in die Richtung aus dem der Knall gekommen war.
„Verdammte Scheiße“, entfuhr es Milana.
„Wir müssen handeln! Auf geht’s!“, schrie Rybor.
Aber die weitere Entscheidung wurde ihm abgenommen, als plötzlich zehn Cyborgs aus dem Untergrund auftauchten und sofort das Feuer eröffneten.