Kapitel 1

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Impressum

Guido Zinnen

Seth@God-of-Chaos.de

© 2019/2020

Der Inhalt des Buches enthält geschichtliche Fakten, welche mit Fertigstellung des Buches aktuell waren. Alle weiterführenden Protagonisten sind frei erfunden und entsprechen nicht der Realität, sind somit reine Fiktion.

Selestral 4

Zerstörung, Mythen, Anfang, Legenden

Prolog

Die Erde vor circa zwei Milliarden Jahren.

Die Abiogenese war schon längst abgeschlossen, das Hadaikum und Eoarchaikum schon ein Tropfen in der Geschichte des Planeten, da entstanden die ersten Prokaryoten. Diese bildeten den sogenannten Urschleim, aus welchem wiederum die bis heute bekannte Biogenese hervor ging.

Später entstanden im erwähnten Zeitraum die ersten Ein- und Mehrzeller, begannen, durch die in ihnen beinhalteten Chloroplasten und durch eine sie schützende feste Zellwand, die existierenden Urozeane zu erobern, bildeten, mittels Wasser und Sonneneinstrahlung, Sauerstoff und schickten sich an, die Atmosphäre nachhaltig zu verändern.

Das Ergebnis ist bekannt. Es entstanden in einem zunächst atemberaubend langsamen, später jedoch schneller werdenden Prozess immer mehr Pflanzen, einfache Tierarten, welche ihrerseits später die Lust verspürten immer größer zu werden und so ziemlich alles platt trampelten was ihnen auf ihrem Weg unter die Füße kam.

So entstanden unter anderem vor 245 Millionen Jahren die ersten Vertreter der salopp als Dinosaurier bezeichneten Spezies, die hier im Detail nicht weiter erwähnt werden sollen, da sie vor etwa 64 Millionen Jahren schneller vom Antlitz der Erde verschwanden, als sie für Aufbruch und Dominanzverhalten benötigten.

Die mittlerweile angenommene Theorie zum Aussterben dieser Lebewesen ist der Einschlag eines Asteroiden und den passenden Chicxulub-Krater hat man im Bereich des Yucatan auch gefunden. Was nach dem Niedergang des Weltraumgeschosses geschah ist zwar umstritten, aber es kristallisiert sich heraus, dass es vermutlich mehrere Auswirkungen gehabt haben könnte.

Nach dem Einschlag wirbelten Unmengen Staub in die Atmosphäre, zusätzlich je-doch wurde ein gigantisches Ölfeld in der Nähe des Einschlagortes getroffen und dass darin befindliche zähflüssige Medium entzündet, verbrannte und sorgte für eine extreme Verdunkelung der Atmosphäre auf globaler Ebene, wobei die Temperatur bis zu 26°C absank. Als ob diese Umstände nicht schon gereicht hätten, kam es zusätzlich noch zu saurem Niederschlag und vermehrten Vulkanausbrüchen.

Die Spuren findet man noch heute im Sedimentgestein. Allein der Umstand der zu diesem Drama führte, wird auf einen natürlichen Ursprung zurückgeführt.

Was aber, wenn dieses Drama noch ganz andere Ursachen hatte?

Was wäre, wenn der Auslöser des Desasters einen ganz anderen Hintergrund hatte, welcher sich uns verschließt?

Was, wenn alles nur zur Hälfte stimmt und …?

Kapitel 1

ein Test mit gravierenden Folgen

das Jahr 2,0 Milliarden vor unserer Zeit

Dass uns bekannte Universum, circa 14 Milliarden Jahre alt, zuvor eine Singularität, in welcher nichts existierte was uns heute bekannt ist. Es gab keine physikalischen Dimensionen mit deren Hilfe wir unsere Umgebung, egal ob nah oder fern, definieren.

Es gab kein Raum-Zeit-Gefüge in bekannten Maßstäben, sondern nur einen massiven Punkt, in welchem alles brodelte und waberte.

Dann kam der berühmte Urknall und bescherte uns quasi von jetzt auf gleich die uns zahlreich beschäftigenden Größen, Formen und Regeln der Physik.

Ein uns unbekanntes Universum, circa 20 Milliarden Jahre alt. Ebenso entstanden wie das unsrige. Jedoch gibt es einen gravierenden Unterschied. Einige intelligente Spezies, extrem hoch in der Technologie, kamen auf die Idee, dass es neben ihrem Weltall auch noch andere, parallele Welten geben könnte.

Sie wurden von großer Neugier umtrieben, stellten Berechnungen an, experimentierten und fanden vor 9 Milliarden Jahren schließlich heraus, dass es mindestens ein Paralleluniversum geben muss.

Was lag also näher als die Berechnungen in Fakten umzuwandeln?

Eine dieser Spezies sind die Antermerianer. Diese gehen aufrecht, haben eine komplexe Sprache, eine Zeichenschrift und sind technisch extrem hoch entwickelt. Sie bereisen in ihrem Universum fast jeden erdenklichen Winkel, haben eine Vielzahl von Kontakten zu anderen Rassen und Lebensformen.

Ihr Wissen umfasst das von unzähligen Generationen. Ihre Technologie ist so weit fortgeschritten, dass sich die Bevölkerung aus den Klonen der unterschiedlichsten Vorbilder zusammensetzt.

Während die Klone eine Lebenserwartung von umgerechnet 1.000 Erdenjahren haben, sind die Originale quasi unsterblich und nehmen eine leitende Sonderstellung auf dem Heimatplaneten Antermerius ein.

Um das erworbene Wissen der einzelnen Klone bei deren Ableben nicht zu verlieren, wurde eine Technik entwickelt, welche einen implantierten Chip im Hirn eines Jeden umfasst und ein zentrales Netzwerk, in welches eben jenes Wissen, jene Erfahrungen übermittelt werden. Da die Gefahr besteht, dass diese Datenübermittlungen durch private Vorlieben, Abneigungen oder Wertschätzungen allgemeiner Natur verwässert werden könnten, sind dem Netzwerk entsprechende Filter vorgeschaltet, die das Einfließen eben dieser verhindern.

Die Datenübermittlungen sind einerseits freiwillig und können willkürlich ausgelöst werden und andererseits automatisiert und in einem festen Zeitfenster verankert.

Damit begann das Problem.

Noch während die Antermerianer den Bau eines Experimentalschiffes anstrebten, kam es auf ihrer Heimatwelt zu internen Querelen. Es bildete sich zunächst unbemerkt eine Art Sekte, welche jedoch in zunehmendem Maße an Bedeutung und an Mitgliedern gewann. Es war eine Gruppierung, welche eine Bedrohung darin sah, dass jedem Antermerianer ein Chip ins Gehirn implantiert wurde, welcher in einem vorbestimmten Zyklus das reine Wissen in ein zentrales Netzwerk übertrug und damit jedem zugänglich machte.

Auch war es ihnen ein Dorn im Auge, dass allein schon der Bau des Dimensionsschiffes eine Aufgabe über Jahrtausende sein könnte, damit zu normalen Lebzeiten nicht zu vollenden und zusätzlich der Entschluss fiel, dass man nicht nur das Wissen speichern und weitergeben musste, sondern auch die entsprechenden Personen klonierte.

So wurden die Antermerianer zu einem Volk von Originalen und Klonen. Die sogenannten Abtrünnigen zettelten einen Aufstand an, flohen von ihrer Heimatwelt und waren seither nicht mehr gesehen.

„Guten Morgen“, frohlockte Osiris, als er die Brücke des Antermerius-Dimensions-Transfer-Schiffes kurz A-D-T-S Vintara betrat. „Wie geht es euch? Alle gut geschlafen und bereit für den großen Schritt?“

Isis schaute ihren Ehemann mehr als irritiert an. „Was hast du heute gefrühstückt?“

„Ganz normal, rein pflanzlich“, versicherte Osiris.

„Sicher?“, hakte Isis nach und entfaltete dabei demonstrativ ihre schneeweißen Flügel.

„Absolut sicher, aber wie es scheint bist du etwas ungehalten?“

„Das nicht, aber schon etwas nervös.“

„Kann ich dir nicht verdenken, auch wenn das nicht der erste Test im Bereich des Dimensionstransfers ist.“

„Das schon, allerdings nicht mit einem Schiff, nicht in dieser Größe und auch nicht mit dem Risiko eventuell auf den Feind zu stoßen.“

„Du meinst, dass uns die Abtrünnigen einen Strich durch die Rechnung machen könnten?“

„Wäre vermutlich nicht das erste Mal, auch wenn wir es ihnen nicht nachweisen können und sie weiterhin als verschollen gelten. Und wenn es mitten im Transfer geschieht, dann könnte es das A-D-T-S sonst wohin katapultieren. Du darfst nicht vergessen, dass wir ein unbemanntes Testobjekt vor dreitausend Jahren verloren haben und keiner weiß was wirklich geschah.“

„Hmmm..., dann malen wir den Teufel mal nicht an die Wand und alles wird gut gehen“, versuchte Osiris seine Gemahlin zu beruhigen.

„Wenn du das sagst, dann wird es wohl auch so kommen.“

„Vertrau' mir.“

„Was sagen denn die anderen Stationen?“

Osiris schaute auf die Monitore und schob einige Datenoberflächen herum. „Seth hat nichts zu vermelden und die Sicherheit ist bereit. Maahes und Sachmet melden ebenfalls Bereitschaft, ebenso Sobek in der Technik.“

„Sind unsere Mediziner unter Horus auch bereit und vor allem... wo ist Bes?“

„Der medizinische Bereich hofft auf wenig bis gar keine Arbeit und unser laufendes Standgebläse ist im Hangar und hat die Transportschiffe fest im Griff.“

„Ein was bitte?“, fragte Isis sichtlich amüsiert.

„Was?... Ach so. Diesen Spitznamen hat ihm Maahes verpasst.“

„Typisch für den Löwenkater. Kann halt nicht jeder so groß sein wie er.“

„Muss ja auch nicht.“

Isis schaute zum Frontschirm und nickte kurz. „Dann lass' uns anfangen.“

Osiris setzte sich in den Administratorensessel und klappte die Bedienpulte seitlich über seine Oberschenkel, während Isis es sich im Sessel des Commanders bequem machte.

Anschließend tippte sie auf das Intercom. <„An alle Decks, Stationen und Einsatzbereiche. Bereit machen für den Sprung – Technik, gelber Bereitschaftsmodus - alle anderen Kräfte bleiben auf Status grün. Isis, Ende.“>

„Ausgezeichnet! Navigator, Ziel setzen auf Elara-System, Dimensionstunnel Alep3.“

„Aye, Administrator.“

„Steuermann, sobald der Tunnel passend geöffnet ist, hineinfliegen und beten.“

„Was kommt zuerst?“, mischte sich Nephtys, welche sich an der Navigationskonsole befand, ein.

„Zuerst der Tunnel, bitte“, erwiderte Osiris.

„Verstanden, Administrator.“

„Genau! Beten können wir dann immer noch“, witzelte Isis.

„Wieso? Du sitzt ja nicht an der Steuerung“, entfuhr es Osiris, woraufhin er einen mehr als finsteren Blick erntete.

„Sieh' zu, dass du keine Delle in unser A-D-T-S machst“, konterte Isis noch und schwieg im weiteren Verlauf.

<„Osiris an Maschinenraum. Wir starten den Transfer.“>

<„Aye, Administrator! Dimensionsverzerrer ist in Bereitschaft, Feldgenerator wird aufgeladen.“>

<„Ausgezeichnet, wann sind wir fertig zum Sprung?“>

<„In zehn Minuten, Sir.“>

<„Geben sie Bescheid, wenn sie so weit sind.“>

<„Verstanden!“>

„Also immer noch warten. Ich wünschte diese Felderzeugung würde nicht so lange dauern. Ob es beim Feind auch so langsam geht, wenn er sowas haben sollte?“

„Das will ich doch schwer hoffen. Vor allem, wenn es das Nachfolgerschiff betrifft, denn eine Kampfinsel ist nicht zu verfehlen“, brach Isis ihr Schweigen.

„Hauptsache die Abtrünnigen merken nichts von unserem finalen Großtest. Die kleineren Testobjekte blieben bisher fast unbehelligt, wer weiß ob die jetzt nicht im falschen Moment doch auftauchen“, gab Osiris seine unbehaglichen Gedanken preis.

„Ich denke, dass die eher anderes zu tun haben“, versuchte ihn seine Gemahlin zu beruhigen.

„Deine Frohnatur mö...“, setzte er an, als sich plötzlich ein Subraumtunnel öffnete und im ersten Moment leer blieb. „... WAS ZUM...?“ Weiter kam er nicht.

Von einer Sekunde zur anderen hatte sich alles geändert und im violett-grauen Wirbel erschien erst langsam, dann immer schneller und größer werdend, ein voll-kommen unbekanntes Schiff. Wobei der Begriff des Schiffes eher wohlwollend untertrieben war, denn etwas Unförmigeres hatte niemand zuvor gesehen. Es handelte sich eher um eine gigantische Konstruktion aus Titan, Duranium, Carbon und allem möglichen an Legierungen. Osiris musste in diesem Augenblick erkennen, dass er Unrecht hatte und seine Gemahlin mit ihrem Bauchgefühl absolut richtig lag.

Der Systemvernichter der abtrünnigen Antermerianer war ihnen auf die Spur gekommen und leider zu unpassendster Zeit eingetroffen.

Osiris schlug wütend auf den Alarmauslöser. <„An alle Stationen! Gefechtsalarm! Ich wiederhole, Gefechtsalarm! Alle Stationen sofort bereit machen und melden!“>

Sekunden verstrichen, dann hatten sich die Bereiche rückgemeldet und auch der Feldgenerator für den Transfer war komplett aufgeladen, gab die entsprechende In-formation an den Befehlsstand.

„Na perfekt!“, knurrte Osiris. „Jetzt wären wir soweit. - Com! Öffnen sie die Frequenzen. Ich will wissen was die wollen.“

„Aye, Administrator! Verbindung steht“, kam die Bestätigung von Anubis.

„Auf den Schirm!“

Als das Frontdisplay sein Bild änderte und eine Gestalt erschien, hätte man sich jede weitere Frage ersparen können. Aber sei es drum, wollte Osiris seine Stimme erheben, aber wurde noch beim Luft holen harsch abgewürgt.

<„Administrator Osiris! Ich denke, dass ich mich nicht weiter vorstellen muss und warum wir hier sind bedarf wahrscheinlich auch keiner weiteren Erklärung.“>

Beide kommandierenden Offiziere musterten sich per Video und schwiegen zunächst.

'Ausgerechnet Marduk', dachte sich Osiris. 'Hätten es nicht Loki oder Freya sein können, meinetwegen auch Thor. Warum ausgerechnet der Anführer der Meuterei?'

<„Ich grüße sie, Marduk“>, zog er es vor höflich zu bleiben, obwohl klar war, dass er mit der Masche nicht durch kam.

<„Ja ja. Höflich bis zu Letzt. - Ergeben sie sich und bereiten sie sich darauf vor, dass wir ihr Schiff übernehmen. Sie haben zwanzig Minuten Zeit den Phasengenerator zu neutralisieren und auf ein unkritisches Energieniveau zurückzuführen.“>

<„Welche Garantien habe ich, dass wir die Übernahme überstehen?“>

<„Gar keine. Sehen sie, wir sind die Freiheit und sie sind die zwanghafte Kontrolle des Bewussten und diese Form des Seins mögen wir nun einmal überhaupt nicht.“>

<„Warum vernichten sie uns nicht einfach?“>, bohrte Osiris.

<„Och nö!“>, entglitt es Marduk. <„Das wäre doch langweilig. Außerdem bin ich zu neugierig was sie da schönes zusammengebastelt haben.“>

<„Das könnte ihnen so passen“>, grollte Osiris barsch zurück, drehte sich kurz zur Waffenstation und nickte leicht.

Sekunden später schoss ein Gravitonenstrahl auf das Schiff der Abtrünnigen zu, schlug auf der Hülle des Systemvernichters ein und sah man auf dem Schirm wie deren Schiff heftig getroffen zu beben schien.

<„Maschinenraum! Sobek, sag' mir, dass wir springen können!“>, schrie Osiris ins interne Com.

<„Aye!“>, kam die kurze Antwort.

„Steuermann! Jetzt!“

Vor dem Bug des A-D-T-S bildete sich eine grünliche Wand, welche zunächst wie ein Spiegel wirkte, dann jedoch immer durchsichtiger wurde und schließlich einen Blick auf vollkommen unbekannte Sternenkonstellationen frei gab.

„Sprung! Bereit halten für den Übergang, es wir ungemütlich.“

An Bord des Systemvernichters registrierte man das Vorhaben der systemtreuen Antermerianer und bereitete augenblicklich einen ebensolchen Transfer vor. Allerdings war man technologisch einen abgewandelten Weg gegangen und in der Lage den Generator zur Sprungtorerzeugung wesentlich schneller aufzuladen. So ergab es sich, dass sich innerhalb von Minuten neben der Sprungverzerrung des A-D-T-S ein weiterer Wirbel bildete, welcher jedoch nicht separat in Raum und Zeit schwebte, sondern sich jetzt zum größten Teil mit dem anderen überschnitt.

Osiris der es gewahrte sprang in Panik auf und schaute ungläubig auf den Wandschirm. „Was haben die vor?“, flüsterte er gepresst.

„Sieht so aus, als ob die unseren Sprung stören wollen“, entgegnete Isis.

„Das wird sich noch zeigen“, hub er an und drehte sich entschlossen zum Waffenoffizier um. „Taktik“, begann er, „sofort unsere Jagddrohnen starten. Die sollen das Feindschiff umzingeln und unter Beschuss nehmen. Vielleicht lenken wir sie ab und ihr Tunnel bricht zusammen.“

„Aye, Administrator! Drohnen starten.“

Binnen Minuten erschien ein Schwarm von einhunderttausend kleineren Flugobjekten im Raum zwischen dem A-D-T-S und dem Systemvernichter, formierten sich in mehreren Gruppen und gingen auf Kurs.

„Viel Schaden werden die nicht anrichten bei einem Koloss dieser Größenordnung, aber wenigstens bleibt die Hoffnung, dass sie ihr Vorhaben abbrechen“, intonierte Osiris.

„Und was, wenn nicht?“, fragte Nephtys und drehte sich um.

„Dann weiß ich nicht was passiert. Eine solche Situation steht in keiner Simulation zur Debatte. Entweder geschieht gar nichts oder wir werden zerrieben, oder aber wir springen und ziehen den Vernichter mit und landen sonst wo, weil die Massenstabilität nicht mehr gewährleistet ist.“

„Was wäre die bessere Alternative?“

„Das ist egal. Es wird so oder so mehr als übel.“

„Also die Wahl zwischen Teufel, Satan und Beelzebub“, seufzte Isis.

„Genau. Willkommen in der Hölle“, entgegnete Osiris und grinste zynisch.

Während die Jagddrohnen den Systemvernichter erreicht hatten und unter Be-schuss nahmen, ließ dieser sich jedoch nicht irritieren, steuerte stattdessen auf seinen eigenen Sprungtunnel zu, war etwas schneller als das A-D-T-S, schnitt ihm den Weg ab und berührte den Transferhorizont als erster.

Von einem Augenblick zum anderen erfasste das A-D-T-S eine eiserne Faust, packte es, schüttelte es durch, ließ nicht mehr los und fesselte es geradezu magisch an den Systemvernichter.

Mitgerissen und nicht mehr in der Lage sich zu befreien, konnte die Brückenbesatzung nur noch den Zuschauer mimen und musste unter Entsetzen beobachten wie die ursprünglichen Koordinaten zu einem matschigen Brei wurden, verblassten und der Vernichter die führende Rolle übernahm.

Allerdings hatte man auch dort mit der Entwicklung der Dinge in einer solchen Form nicht gerechnet und war doch leicht überrascht vom Ergebnis.

Beide Schiffe traten in die Verzerrung ein, verschoben sich direkt hintereinander deren Phasen. Jedoch war da noch ein, durch das Massenungleichgewicht ausgelöster, unangenehmer Nebeneffekt entstanden.

Geplant waren, das Durchqueren der Transferdimension innerhalb von wenigen Sekunden, maximal einigen Minuten und dann der Eintritt in das anvisierte Paralleluniversum, was aber nun nicht mehr möglich war. Stattdessen waren beide Schiffe und deren Besatzungen in einer Art Verzögerung gefangen. Der Durchstoß erfolgte zwar, allerdings nicht im gewünschten Zeitraum.

Fast eine halbe Millionen Jahre später öffnete sich im uns bekannten Universum eine Raum-Zeit-Verwirbelung, öffnete sich das andere Ende des Transfertunnels und entsprangen zwei gigantische Schiffe, hatten diese ihre Gefangenschaft überwunden.

Was innerhalb des Zeitraums geschah, kann man nur mutmaßen. Die Datenübermittlungen waren zerstückelt und sehr vage, aber es schien fast so, dass sich in dieser langen Zeit die Materie beider Schiffe aufzulösen schien, sich vermischte, Osiris zum Teil Marduk war und umgekehrt, später wieder korrekt zusammengesetzt; sich Maschinenteile im Antriebsteil ebenso austauschten und später wieder präzise an ihren vorherbestimmten Platz fielen.

Als beide Schiffe in unserem Raum-Zeit-Gefüge eintrafen waren sie zu hundert Prozent sie selbst und ebenso ihre Besatzungen.

„Wo sind wir?“, fragte Osiris gereizt.

Bes, welcher in der Zwischenzeit auf der Brücke angekommen war und sich in den Sitz des Navigators bequemt hatte, tippte eifrig auf der Konsole herum. Schließlich machte er ein nachdenkliches Gesicht und drehte sich zu Osiris um. „Wir sind nicht da wo es geplant war.“

„Habe ich bereits befürchtet, aber wo genau?“, erwiderte Osiris.

„Laut Datenabgleich befinden wir uns 30 Lichtjahre entfernt vom Elara-System, in einem System dessen Zentrum ein Stern vom Typ G darstellt. Dieser wird von neun Planeten umkreist, einer davon innerhalb des habitablen Rings, ein weiterer am Rande dessen.“

„Danke! Wo befindet sich der Feind?“

„Im Moment ist er nicht in Sensorenreichweite“, antwortete Bes.

„Wenigstens etwas“, murmelte Isis und lehnte sich zurück. <„Gibt es Lebenszeichen in diesem System?“>, wandte sie sich anschließend per Com an die Astrobiologie.

<„Hier Astrobiologie, Min! Wir registrieren extrem schwache Anzeichen auf dem dritten Planeten des Systems.“>

<„Anzeichen von fortschrittlicher Intelligenz?“>

„Negativ“, mischte sich die Taktik aus dem Brückenhintergrund ein, „keinerlei aktive Video- oder Audio-Kanäle. Vielmehr registrieren wir eine Art Biomasse, welche sich im Anfangsstadium befindet.“

<„Ausgezeichnet! Danke Bio-Abteilung“>, sagte Isis, schloss den internen Kanal und Osiris drehte sich zu Sobek um. „Danke, Echsenkopf.“

„Gern geschehen, Bleichgesicht“, kam dessen patzige Antwort.

Plötzlich vernahm man einen metallischen Knall und eine deutliche Erschütterung ging durch das Schiff.

„Verdammt, was war das?“, schnauzte Osiris.

„Schwerer Treffer im Heckbereich. Deck 13, Position 23 im Sektor 2 ist beschädigt und wurde automatisch versiegelt“, antwortete Seth.

„Verletzte?“

„Zwölf Leichtverletzte, zwanzig Sachmet-Klone verlustig.“

„Was hat uns getroffen?“

„Ich registriere die Ankunft eines Schiffes, Sir!“, rief Sobek dazwischen.

„Auf den Schirm, maximale Vergrößerung!“

Der entsprechende Bereich, zunächst mehr dunkelschwarz, wurde von den Sensoren durchdrungen, holten diesen entfernten, in greif- und sichtbare Nähe. Bruchteile von Sekunden darauf gab Sobek die unangenehme Erkenntnis lautstark Preis. „Die Abtrünnigen haben uns gefunden. Ankunft des Vernichters in vierzig Minuten, bei anhaltender Geschwindigkeit.“

„Ich bin alles andere als begeistert. Navigator, Steuermann! Kurs setzen auf die inneren Planeten. Wenn wir in einen Kampf verwickelt werden sollten, so können wir zur Not auf einen der zwei bewohnbaren Planeten ausweichen. Anschließend Datenabgleich von jedem einzelnen des Schiffes mit dem Zentralrechner von Antermerius. Falls wir notlanden müssen oder zerstört werden, haben die Anderen wenigstens umfangreiche Informationen im Netzwerk, welche belegen was hier los war.“

„Verstanden, Administrator!“

„Wie sieht es mit unseren Verteidigungssystemen aus?“, fragte Osiris.

„Sind offline, aber die Technikteams arbeiten daran.“

„Also sind wir lediglich eine Zielscheibe“, seufzte Isis dazwischen.

„Im Moment ja.“

Minuten des Schweigens verstrichen, Minuten in denen Osiris mit seiner Frau Isis tu-schelte und sich beide versuchten über die Lage im Klaren zu werden.“

„Wenn du mich fragst“, hub Isis an, „dann weiß ich nicht was uns da getroffen hat. Falls es vom Systemvernichter kam, dann spürten wir nur einen Bruchteil dessen was der anrichten kann.“

„Ich befürchte, dass du recht hast. Wir müssen ihn aufhalten, egal was passiert.“

„Du meinst uns auf ihn stürzen und uns notfalls opfern?“, konstatierte Isis.

„Genau das meine ich damit. Dieser Vernichter darf auf keinen Fall einem der be-wohnbaren Planeten näher kommen.“

„Administrator!“, rief Min, „das System vor uns enthält einen Asteroidengürtel, wenn wir den erreichen, dann hätten wir eine wesentlich höhere Chance uns zu verteidigen als zwischen dem sechsten und siebten Planeten.“

„Ausgezeichnet!“, verkündete Osiris. „Flieg uns rein.“

„Aye, Administrator!“

„Wenn wir zwischen den Felsbrocken sind, dann haben wir eine höhere Chance eine weitere Konfrontation zu überstehen als hier.“

„Was ist mit den Planeten in nächster Nähe?“, fragte Bes.

„Die Abtrünnigen wären blind, wenn sie keinen Scan ausgeführt und nicht bemerkt hätten, dass einer von denen bewohnbar ist. Zumindest trägt er den Ansatz für die Entwicklung eigenen Lebens, wenn auch nicht vernunftbegabt in unserem Sinne, aber wer weiß.“

„Sollten wir es schützen?“

„Auf jeden Fall. Wer weiß, wenn das Leben dort vernunftbegabt werden sollte, ob wir deren Hilfe irgendwann noch mal brauchen und es wäre blöd, wenn wir sie als diejenigen besuchen würden, die eine Massenvernichtung in der früher Vorgeschichte zu verantworten haben.“

„Klingt logisch“, erwiderte Bes und drehte sich wieder zu seiner Steuerungskonsole um. „Ankunft in zwanzig Minuten“, verkündete der kleinwüchsige Steuermann und schaute auf seine Anzeigen.

„Administrator!“, rief plötzlich Sachmet aus dem Hintergrund. „Der Systemvernichter hat unseren Plan wohl durchschaut und ist auf direktem Abfangkurs. Ankunft in achtzehn Minuten.“

„Och nö!“, entglitt es Osiris. „Verdammt! Uns fehlen zwei lausige Minuten.“ Er tippte auf den Com-Taster. <„Leitstand an Technik. Bitte sagt mir, dass ihr unsere Waffensysteme wieder online habt.“>

<„Negativ, Administrator. Die Schäden sind zu gravierend. Die Reparatur wird voraussichtlich mehrere Adaster brauchen.“>

<„Na toll“>, knurrte Osiris, <„was Besseres habt ihr nicht zu bieten?“>

<„Nein, leider nicht.“>

<„Danke! Osiris, Ende.“>

„Jetzt heißt es die Backen festhalten und hoffen, dass ein Wunder geschieht“, seufzte Isis.

„Administrator!“, rief Bes aufgeregt, „Vor uns befindet sich ein massiver Felsbrocken. Wir werden ihn in sieben Minuten erreichen. Er ist nach den Scannerdaten groß genug um uns einstweilen Schutz zu bieten.“

„Fantastisch. Abmessungen?“

„Länge bei maximal 9 Kilomitrox, Breite und Höhe bei 1 bis 4 Kilomitrox.“

„Ausgezeichnet! Mach' es so.“

„Aye, Administrator!“, antwortete Bes, kam jedoch nicht weiter.

Die Vintara wurde plötzlich wiederholt von einer eisernen Faust gepackt, heftig geschüttelt und aus der geplanten Route geworfen. Statt sich zielstrebig dem anvisierten Felsbrocken zu nähern, kam sie ins Trudeln, schleuderte durch den luftleeren Raum und kollidierte schließlich mit diesem, anstatt dahinter halbwegs Schutz zu finden.

Der Systemvernichter der Abtrünnigen registrierte den Vorgang, entlockte er Marduk einen Aufschrei der Freude und des Sieges. Allerdings kam er auch nicht weit.

Der Vernichter wurde ebenso wie das A-D-T-S Vintara aus der Flugbahn geworfen, erlitt schließlich das gleiche Schicksal.

Beide Schiffe trudelten somit unkontrolliert, schwer beschädigt, ohne jede Möglichkeit der Kommunikation und ohne Chance der Situation zu entkommen, auf die inneren Planeten des Sonnensystems zu, wurden beide aufgrund ihrer unterschied-lichen Masse auf abweichende Kurse, ebenso bedingt durch die Gravitation des Jupiters, geschickt.

Während Wochen später der Systemvernichter der Abtrünnigen vom vierten Planeten eingefangen wurde und mit Glück im Unglück in einer harten Landung dessen Oberfläche erreichte, erlitt die Vintara einen kompletten Verlust. Sie schlug in einer direkten Flugbahn auf dem dritten Planeten ein, explodierte in den oberen Schichten der Atmosphäre, glühte als Feuerball auf und versank in dutzenden Trümmern schließlich im Urozean, welcher diese begrüßend umschloss, sie brodelnd, dampfend und zischend in sich aufnahm.

Die noch erhaltenen DNA-Spuren der Antermerianer lösten sich im Laufe der kommenden Jahrmillionen auf, verbanden sich mit dem lebensspenden Wasser.

Auf diese Art und Weise vermischten sich biologische Zellstrukturen mit dem bereits vorhandenen Biobrei und nahm die Entwicklung eine vollkommen andere und vor allem beschleunigte Entwicklung.

So war es nicht geplant und sollte im Laufe der nächsten Jahrmillionen auf dem dritten Planeten des Systems, welcher später Erde genannt werden sollte, teils zielstrebige, teils skurrile Lebensformen hervorbringen.

Ebenso sollte sich ähnliches auf dem vierten Planeten, später Mars genannt, ab-spielen. Hier war es allerdings so, dass die Abtrünnigen zum größten Teil überlebten, unsanft gelandet waren und begannen sich auszubreiten, den Planeten in großen Teilen besiedelten.