Kapitel 2
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Kapitel 2
Die zweite Ankunft
Leise und einsam umrundete das Schiff den fremden Planeten, welcher, außer einer extrem dichten Wolkendecke, einigermaßen atembarer Luft, starken atmosphärischen Turbulenzen und einem unspektakulären Ringsystem nichts Interessantes zu bieten hatte. Ausgerechnet hier sollte etwas zu finden sein, was den Menschen angeblich Angst gemacht hatte, sodass sie die Oberfläche zur Sperrzone erklärt hatten. Aber was immer es auch war, es hatte Interessen-ten gefunden. War es, was immer es sein mochte, unter Umständen eine Waffe, eine Waffe die man einsetzen wollte. Wenn ja, um was handelte es sich genau?
„Wo sind die geblieben?“ Captain Melina sträubten sich die Mähnenansätze, wenn sie nur daran dachte was ihren Freunden alles passiert sein könnte auf diesem ehrlosen Planeten. Bei ihrer Frage wandte sie nicht eine Sekunde den Blick vom Wandschirm, starrte ihn an, als ob er etwas verheimlichen würde.
„Ich weiß es nicht, Captain. Es gibt zu viele instabile Elemente die wir nicht vorher sehen konnten“, entgegnete Selestral.
Die stark in die Jahre gekommene Stute drehte sich zur Jaguarin um, stand auf und stellte sich neben sie. „Ach? Rechnen wir nicht immer mit dem Un-möglichen? Sind wir mittlerweile so feige und schlapp geworden, dass wir nur noch auf Nummer sicher gehen?“
„Nein, Captain! Natürlich nicht.“
„In der Tat nicht? Ich habe eher das Gefühl, dass ich hier von Rentnern umgeben bin, die sich, seit dem sie in Frieden mit den Menschen leben, lieber in ihre Häuser verziehen. Nur noch schlaff und träge, eher winselnd, als sich einem ordentlichen Kampf stellend. Früher war das mal anders.“
Der Captain der Horem-hab war eine Stute, aufrechtgehend, vom Grundtyp her einem irdischen Friesen ähnlich und ganz dem Alter entsprechend leicht ergraut. Jedoch bestand sie auf absoluter Loyalität und Aufopferung für die bevorstehende Sache.
„Nein Captain. Es drückt sich keiner“, entgegnete Sitral und wünschte sich augenblicklich, dass sie lieber die Klappe gehalten hätte.
Melina schärfte ihren Blick und schaute sie unverwandt an. „So, so. Du scheinst ja doch etwas Mut zu haben. Wagst es mir übers Maul zu fahren und wagst es mir in meine Wut zu fallen.“
Sitral zuckte zusammen und versuchte sich möglichst unsichtbar zu machen. Aber es geschah etwas anderes, als sie erwartet hatte.
Der Captain straffte sich zu voller Größe, begann plötzlich mit den Ohren zu wackeln und drehte sich zu ihrer übrigen Brückenbesatzung um. „Das ist der Geist den ich hier erleben will. Nehmt euch gefälligst ein Beispiel an ihr. Ich weiß, dass es nicht leicht ist für alle, nachdem vor zwölf Jahren Captain Drekal und auch ihr Partner Syrgon ums Leben kamen. Wir hatten seinerzeit viele gute Leute verloren und ich weiß auch, dass ich die Wölfin nicht ersetzen kann, aber trotzdem bin ich hier der Captain. Ist das klar?“
Sitral und Selestral sahen sich zunächst in die Augen, dann wanderten ihre Bli-cke zu Apophis, Jody Thorn, Zoya, welche die Jüngste in der Crew war, und dann zu Chiron nebst Tarja.
„Aye, Captain! Darf ich offen reden?“, startete Zoya plötzlich eine Offerte.
„Nur zu!“, forderte Melina barsch.
„Captain! Bei allem Respekt, aber es liegt an ihrem Auftreten der Mannschaft gegenüber. Sie sind selbst in normalen Situationen ungewohnt harsch.“
„Bitte was?“, die Stute zuckte mit einer Augenbraue und starrte die junge Mensch-Säbelzahntiger-Hybridin scharf an.
„Ich dachte ich hätte mich gerade klar geäußert“, entgegnete Zoya, erhob sich langsam vom Navigationspult und breitete ihre schneeweißen Schwingen aus.
„Das beeindruckt mich gar nicht, aber danke für ihre Bedenken. Ich habe sie zur Kenntnis genommen und werde mir eine entsprechende Umsetzung über-legen.“
„Danke, Captain! Das wäre dann alles von meiner Seite“, schloss Zoya ab.
„Nun gut. Seht zu, dass ihr eine Verbindung zu unserem Landungstrupp be-kommt. Wenn sie noch leben sollten, will ich einen verdammten Statusbericht. Sollten sie jedoch tot sein, haben wir ein großes Problem.“
„Jawohl Captain“, tönte es fast gleichzeitig aus fünf Kehlen, wobei Zoya nur die Augen verdrehte, sich aber der Stimme enthielt.
„Wenn ihr etwas Neues habt, dann ruft mich. Ich ziehe mich in mein Quartier zurück. Selestral, du hast die Brücke.“
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verließ sie die Brücke, machte sich auf den Weg zu ihrem Quartier, während sich die angesprochene Jaguarin in den Captainsessel setzte und ihre Codierung eingab.
Melina war ein Captain wie er im Buche steht und hatte das Kommando über die Horem-hab nicht umsonst. Ihr erster Offizier und Partner Cebal war leider bei einem Gefecht mit einem Kampfschiff der Sektierer, welche die Vernichtung der nicht menschlichen Spezies vorantreiben wollten, getötet worden. Hatte sie dieser Verlust in Folge erkalten, gefühllos und hart werden lassen. Wie sie mit ihrer Besatzung umging war der beste Beweis, aber die Ereignisse noch zu frisch und der Auftrag zu ernst, um gerade jetzt sich Gedanken um einen Kuschelkurs zu machen. Der Feind war wahrscheinlich schon auf dem Planeten LV426 angekommen und auf der Suche nach der alles entscheidenden Waffe.
Sie war an ihrer Tür angekommen, öffnete sie und trat in ihre Kabine.
Als sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte, atmete sie tief durch. Es roch nach Männchen. Sie ging um die Sitzgruppe, die zentral im Raum stand, herum, warf im Vorübergehen kurze Blicke auf die an den Wänden hängenden Monitore und näherte sich dem Durchgang zum Schlafgemach. Sie hielt inne. Tatsächlich hatte ihr Geruchssinn sie nicht getäuscht.
Als Captain besaß sie in ihrem Quartier einen kleinen Vorteil, einen gewissen Luxus und das Hologramm war perfekt und entsprechend ihrer Stimmung passend eingestellt. So lag lasziv ausgestreckt ein stattlicher Friesenhengst auf den Laken und schaute sie erwartungsvoll an.
Sie setzte sich neben den Hologrammpartner und betrachtete ihn ausgiebig.
„Was für ein wundervoller Anblick“, flüsterte er leise in ihre Richtung und winkelte ein Bein an, präsentierte sich aufreizend, streckte einen Arm aus und strich mit seiner linken Hand über ihren Rücken. Sie bildete ein leichtes Hohlkreuz und schnaubte lustvoll auf.
Er lag einfach nur da, streichelte sie weiter und beobachtete ihr Gebaren. „Was ist los, meine Geliebte? Gelüstet es dich nicht, deine Triebe an mir auszuleben, deine angestaute Energie an mir abzubauen und uns beide zum Höhepunkt der Lust zu bringen?“
Sie schaute ihn an, strich mit ihrem Zeigefinger über seine Brust, wanderte weiter hinunter und erreichte schließlich den Unterbauch mit der anliegenden leicht felligen Vorhauttasche, verharrte dort kurz und blinzelte versonnen.
Sie war hin und her gerissen. Auf der einen Seite machte sie sich Sorgen um Tripal, Kira und Cyron, welche sich entschlossen hatten beim Abenteuer mitzumachen und von Genro angereist waren, aber auf der anderen Seite spürte sie die Lust in ihren Lenden. Die Lust darauf den Frust über einen befriedigenden Höhepunkt abzubauen, egal ob es gerade sinnig war oder nicht. Sie zögerte.
„Was bedrückt dich?“, fragte der Hengst plötzlich frei heraus. Die Simulation war in der Tat sauber abgestimmt und reagierte extrem empathisch.
„Das ist nicht so einfach zu sagen“, seufzte Melina.
„Versuche es einfach, meine Gebieterin.“
„Ich mache mir Sorgen um drei Mitglieder meiner Mannschaft. Der Auftrag scheint schwieriger zu sein als wir dachten.“
„Wo liegt das Problem und um was genau geht es eigentlich?“
Sie sah ihn scharf an. Programm hin oder her. Gewisse Fragen waren ein Tabu, vor allem, wenn man durch geschicktes Ausfragen ein temporäres psychologisches Profil erstellen konnte. Aber ihr war es in diesem Moment egal, sie war froh, dass ihr jemand einen privaten Augenblick schenkte, eine Aufmerksamkeit die sie gerade brauchte.
„Du weißt doch, dass wir hierher geschickt wurden, um herauszufinden, warum diese Sektierer“ – sie sprach das Wort so verächtlich aus, wie sie konnte – „den Planeten, welcher zwar terraformt werden sollten, aber plötzlich mittendrin alles aufgegeben wurde und die Landentwickler verschwanden, so interessant finden.“
Der Hologrammhengst nickte.
„Von uns wird erwartet, dass wir herausfinden, ob es sich dabei um eine effektive Waffe handeln könnte. Man möchte wissen, ob hier etwas herumliegt was diesen Sektierern zum gewünschten Erfolg verhelfen könnte. Vor zwei Tagen haben wir eine Dreiergruppe mit einem der Gleiter zur Oberfläche geschickt. Sie meldeten sich alle 30 Minuten. Aber nach etwa 32 Stunden waren sie verstummt. Das Letzte was sie sagten war, dass sie ein gewaltiges Raum-schiff gefunden hätten und ein kleineres irdisches davor. Dann hörten wir ein Geräusch, ein schrilles Kreischen. Seitdem ist der Kontakt komplett abgerissen.“
Der Hengst hörte interessiert zu und schürzte die Lippen. „Das hört sich in der Tat besorgniserregend an. Aber es bringt nichts, wenn du dir jetzt den Kopf darüber zerbrichst. Du hast wirklich eine gute Besatzung auf deinem Schiff und sie werden alles tun was in ihrer Macht steht, um den Kontakt wieder herzu-stellen. Glaube mir!“
Melina legte die Ohren seitlich an den Kopf und schaute zur Decke. „Du hast recht“, seufzte sie. „Es ändert nichts an der Tatsache, dass sie wahrscheinlich tot sind, auch wenn ich mir jetzt den Kopf zerbreche und dich hier so liegen lasse.“
Sie stand auf, trat ein Stück zur Seite und streifte ihre Kleidung ab, sah zum Hengst.
Der ließ sich nicht lange bitten, kam seiner Programmierung nach und brachte augenblicklich das entsprechende Körperteil in die benötigte Arbeitsstellung, legte sich seitlich und strich mit einer Hand sinnlich darüber, wieherte leise auf.
Melina setzte sich neben ihn, nahm ihn bei der Hand und legte diese an ihr Gesicht, drückte sich dagegen, schloss die Augen und schnaubte zufrieden.
Wenige Augenblicke später öffnete sie diese wieder, drückte ihn rücklings aufs Bett, erhob sich über seinen Schoß, überstieg diesen und ließ sich langsam auf dessen Männlichkeit nieder.
Laut stöhnte er auf, als er hart in sie eindrang, schloss die Augen und begann sich mit der Stute unter ihren wiegenden Bewegungen zu paaren. Sie ließ sich Zeit dabei, näherte sich nur langsam dem Höhepunkt und sie wusste, dass das Hologramm mit ihrer sexuellen Stimulation synchronisiert war.
Während sie sich langsam auf und ab bewegte, versuchte den Druck abzubauen, endlich zum Ende kommen wollte, schossen ihr wieder die drei Verschollenen durch den Kopf. Was wird sie da unten erwartet haben? Sind sie wirklich tot oder ist es nur eine Unterbrechung der Kommunikation?
Durch diese Gedanken abgelenkt, entfernte sie sich immer weiter vom angestrebten Ziel, genoss sie nur halbseiden die raumfüllende Mächtigkeit des Hengstes und fällte noch mitten im Akt eine Entscheidung.
„Das wird so nichts“, knurrte sie durch die zusammengebissenen Zähne hin-durch. Öffnete die Augen, saß still über dem Hologramm, schaute den Hengst lange an und seufzte. „Tut mir Leid Süßer, aber das war eine dämliche Idee. Trotzdem danke, dass du es versucht hast.“
Die Simulation schaute die Stute verwirrt an und zuckte mit den Schultern. „Kein Problem, Melina. Ich bin da, wann immer du mich brauchst und Lust auf Entspannung hast.“
„Alles klar. – Computer! Hologramm beenden.“
Sekunden später verschwand der künstliche Liebhaber von der Bettdecke, gab den Raum unter ihrem Schoß wieder frei, saß die Stute noch eine Weile breitbeinig kniend auf dem Bett, schaute gedankenverloren an sich herab, be-trachtete wie eine Fremde ihre nunmehr leere Scham, atmete tief durch und erhob sich schließlich.
„Was hatte ich erwartet?“, fragte sie sich selbst. „Die pure Befriedigung? Einen Hengst der mir die Gedanken wegvögelt? So eine verdammte Scheiße.“
Während sie vor sich hin fluchte, hatte sie sich ihre Uniform angezogen und war auf dem Weg zur Tür. Da schrillte auch schon das Intercom.
„Ja“, schnauzte Melina in das Mikro.
„Captain! Wir haben etwas gefunden. Würden sie bitte zur Brücke kommen? Wir müssen ihnen etwas zeigen.“
„Was gibt es denn wichtiges?“
„Das ist schwer zu beschreiben. Aber sie sollten sich mal die Bildschirme der Scanner ansehen.“
„Habt ihr die Drei gefunden?“
„Nicht direkt, aber dafür etwas anderes.“
Melina knurrte leise. „Ich bin gleich bei euch.“
„Aye, Captain!“
Die Verbindung wurde getrennt und der Lautsprecher verstummte. Sie atmete tief durch, schloss kurz die Augen, öffnete sie wieder und schaute sich um. Sie sog die Atmosphäre ihrer Kabine in sich auf.
Es gab einige Bilder an den Wänden. Auf einem seitlich stehenden Schreibtisch stand ein Bild von Cebal und ihr, wie er sie in seinen Armen hielt. Es war schief aufgenommen und ihr Lächeln eher künstlich. Sie hasste Kameras und vor allem, wenn man auf Kommando dümmlich zu grinsen hatte.
Ihr Blick löste sich vom Bild und sie sich von ihren Erinnerungen an die Vergangenheit. Es machte keinen Sinn sich um Zurückliegendes zu sorgen. Die Gegenwart war viel besorgniserregender.
Melina durchschritt derweil die Gänge ihres Schiffes. Trotz ihrer Unruhe war sie milder gestimmt, wenn auch nicht zufrieden. Sie verspürte keinen Hunger, hatte sich paaren wollen, aber eine eigenständige Entscheidung getroffen und das tat gut.
Außerdem war sie der Kommandant und hatte es ziemlich schnell zu einem Bekanntheitsgrad gebracht. Sie sah trotz ihres Alters stattlich aus und genoss Ansehen und Respekt bei ihrer Besatzung. Auch, wenn sie mehr wollte, sie konnte zufrieden sein und mehr war im Augenblick auch nicht möglich. Lediglich am Umgangston musste noch gearbeitet werden. Vielleicht hatte diese Zoya ja auch recht und sie war etwas zu barsch im Tonfall und der Wortwahl.
Auch, wenn sie noch recht gediegen aussehen mochte, den Gängen des Schiffes sah man das Alter hingegen deutlich an, denn an vielen Stellen war die Farbe abgeblättert und auf dem Boden zeichneten sich sehr stark die Trampelpfade ab, die sich im Laufe der Jahrzehnte gebildet hatten. Aber trotzdem mochte sie ihr Schiff und auch ihre Mannschaft, welche jetzt zu ihr sah, nachdem sich zischend die Tür zur Brücke geöffnet hatte.
„Ich höre!“, forderte Melina kurz und bündig auf.
Allen Beteiligten fiel sofort auf, dass der Captain vor kurzem intim gewesen sein musste, da sie zum einen den typischen Geruch eines Hengstes mit sich trug und zum anderen ihre Worte mit einem leicht samtigen Ton aussprach.
„Hier Captain!“, entgegnete Sitral, die mit Colras in geradezu kuscheliger Zweisamkeit einen der Scannerbildschirme betrachtete.
Sie ging auf die beiden zu und baute sich neben ihnen auf. „Was wollt ihr mir zeigen?“
„Da ist es, Captain“, erwiderte Sitral und zeigte auf den Bildschirm.
„Soll das ein Witz sein?“
„Nein, ganz bestimmt nicht.“
„Lüg mich nicht an“, brüllte sie plötzlich.
Der an der Kommunikationskonsole sitzende Leopard Ionos zuckte zusammen, legte die Ohren zur Seite und zog den Kopf ein, was sehr deutlich seine Angst vor einem Wutausbruch der ohnehin leicht reizbaren Stute zeigte.
Melina drehte die Ohren nach hinten und legte sie eng an den Kopf, bleckte die Zähne, hob drohend die Hand und deutete damit auf Sitral. „Du hast Glück, dass ich in guter Stimmung bin. Sonst hätte ich dir jetzt eine Lektion erteilt.“
„Und immer noch nichts gelernt“, murmelte Zoya in sich hinein, schaute traurig auf ihre Navigationsanzeigen.
Colras, der an der Wissenschaftsstation Platz genommen hatte, mischte sich ein. „Wir machen bestimmt keine üblen Scherze, Captain. Wir hatten die Daten bei unserer Ankunft hinreichend ausgewertet. Aber es hat sich alles irgendwie verändert.“
„Na schön, wie ihr meint. Klärt mich auf“, sagte Melina und schien sich wieder zu beruhigen.
Selestral ergriff das Wort. „Als wir in den Orbit einschwenkten, erfassten unsere Sensoren keinerlei Lebenszeichen. Es gab nur eine sehr intensive, aber nicht bedrohliche radioaktive Strahlung. Außerdem fanden wir eine total zerstörte Basis, mehrere terraformende Generatoren, einige zerstörte Nebenanlagen und Maschinen. Nachdem wir den Planeten mehrmals umrundet hatten, fanden wir außerdem ein unbekanntes Raumschiff.“
„Das weiß ich auch. Immerhin bin ich weder blind noch taub. Wie wäre es, wenn du mir etwas Neues erzählst.“
„Dazu komme ich jetzt. – Über das fremde Schiff auf der Oberfläche, kann ich nichts Neues berichten. Keiner unserer Abtaster kommt durch seine Hülle hin-durch, lediglich seine Form ist mehr als merkwürdig.“
„Hmhm… also Bauform unbekannt, Erbauer unbekannt, Herkunft unbekannt, Auftrag unbekannt. Das gefällt mir nicht. War das Schiff auf dem Planeten bevor die Menschen mit der Atmosphärenumwandlung begannen oder erst danach?“, fragte Melina.
„Hrrrrrrrrrrrrrrr… das ist ja das Problem. Es war laut den Daten schon auf der Oberfläche, als das erste Mal Menschen hier ankamen. Aber merkwürdiger-weise hat keiner von denen etwas damit anfangen können.“
„Das ist in der Tat sehr merkwürdig. Was ist mit den Trümmern und den zerstörten Einrichtungen?“
„Sie sind fast gänzlich zerstört. Es gibt keine nennenswerte Energieerzeugung, lediglich einen Notgenerator mit spärlicher Leistung. Der Hauptgenerator ist einer Explosion zum Opfer gefallen. Das Hauptgebäude ist an wenigen Stellen intakt und könnte als Zufluchtsort für unseren Erkundungstrupp in Frage kommen. Aber bisher haben wir ihre Lebenszeichen nicht orten können.“
„Auch das ist sehr merkwürdig“, sinnierte der Captain. „Gibt es sonst noch was zu berichten?“
„Ja. Es gibt Bewegungen auf der Oberfläche.“
„Was gibt es?“, knurrte sie. „Wo kommen Aktivitäten her, wenn es nichts Lebendes gibt, außer unseren drei Leuten, die wir nicht finden?“
„Das wissen wir noch nicht. Es kann mit unserem Landungstrupp zu tun haben oder aber das Schiff der Sektierer ist bereits eingetroffen, hat einen Trupp abgesetzt und umrundet den Planeten exakt um 180° versetzt und damit auf der anderen Seite.“
„Wissenschaftsstation“, wandte sich Melina an Ionos, welcher plötzlich kerzen-gerade saß, „Wo genau sind die Aktivitäten zu orten gewesen und was sagt die Biometrie?“
Ionos deutete mit einer ausgestreckten Kralle auf verschiedene Punkte und erregte die Aufmerksamkeit des Captains.
„Was ist das?“, fragte die Stute, nachdem sie sich neben ihn gestellt hatte und auf die Monitore sah.
„Das scheinen Erdlöcher zu sein. Was immer sich dort unten bewegt, es scheint unter dem Boden zu leben und kommt an die Oberfläche gekrochen. Damit scheidet unser Dreiertrupp aus und auch eine Besatzung der Sektierer.“
Melina schnaubte verächtlich. „Wenn die im Boden leben, können die uns kaum gefährlich werden. Außerdem sind wir eine sehr gut aufgestellte Besatzung und haben ganz andere Situationen gemeistert.“
„Das mag sein. Aber wir haben immer noch keine Spur von unserem Landungstrupp entdecken können. Tripal, Cyron und Kira sind geradezu von der Oberfläche verschwunden“, entgegnete Colras und starrte den Captain an.
„Ach! Fällt es dir auch auf?“, grollte Melina.
„Ja, Captain. Sie könnten sehr wahrscheinlich in eines der Erdlöcher eingedrungen sein und sind somit für uns nicht mehr erreichbar.“
„Du denkst scheinbar doch noch mit. – Macht eine zweite Landungsfähre start-klar. Du und Selestral, ihr werdet mich begleiten. Ich will persönlich unsere Feinde kennenlernen oder was immer sich auch da unten befindet.“
Plötzlich schrie Colras etwas in den Raum und alle sahen zu ihm.
„Was ist mit dir?“, fragte Melina.
„Ich weiß nicht ob es etwas von Bedeutung ist, aber ich habe alle Frequenzbänder nochmals überprüft und etwas aufgefangen.“
Er stellte auf Lautsprecher um und unter Pfeifen und Rauschen konnte man eine Stimme erkennen. Sie schien einer Frau zu gehören.
„…. Lieutenant Ripley …. Alle sind tot …. einzige Überlebende …. In zwölf Mona-ten die Außenposten ….“
Sie sahen sich fragend an, als eine sehr aufgebrachte donnernde Stimme er-tönte.
<„Hier ist Lieutenant Timotheus Horn von der UNSN der Erde. Cheritkreuzer, wir haben sie auf unserem Radar entdeckt. Bleiben sie wo sie sind bis wir bei ihnen eintreffen. Setzen sie keinerlei Truppen auf der Oberfläche ab. Bleiben sie dem Planeten fern, denn er ist Sperrgebiet. Nehmen sie unverzüglich Kontakt zu uns auf. Ich wiederhole. Setzen sie keinerlei Truppen auf dem gesperrten Planeten ab, es besteht höchste Lebensgefahr. Halten sie sich von der Oberfläche fern und nehmen sie unverzüglich Kontakt zu uns auf. Horn, Ende.“>
Melina begann schief zu grinsen. „Das wird ja immer besser. Also doch eine Waffe? Wollen die uns an der Entdeckung hindern? Was haben die hier ver-steckt, was wir nicht finden dürfen? Und vor allem, wer zum Geier ist dieser Horn, Sektierer oder Patrouille?“
„Captain! Vielleicht sollten wir darauf hören? Immerhin haben wir den Kontakt zu unserem ersten Landungstrupp verloren und somit deutet alles darauf hin, dass es sich nicht um eine Falle handelt. Vielleicht hat dieser Horn recht?“, gab Ionos zu bedenken.
„Ionos! Verlassen sie auf der Stelle die Brücke! Das ist ein Befehl. Ich werde mich später mit ihnen beschäftigen“, flüsterte Melina gefährlich. „Und besetzt die Station mit Zeus. Vielleicht hat dieses schwarze Einhorn mehr Biss.“
„Aye, Captain!“, kam seine gedrückte Antwort.
„Und ihr zwei kommt jetzt mit. Ich glaube diesem Horn nicht. Das ist nur ein Trick und es existiert keine echte Gefahr für uns. Die machen uns nur etwas vor und arbeiten auf der Seite der Sektierer.“
Zu dritt verließen sie die Brücke und gingen zum Hangar.
„Was machen diese verrückten Cherit da?“, fragte Juliana Thomson an Horn gewandt.
„Ich weiß es nicht. Entweder wissen die nicht, dass der Planet eine Todesfalle ist oder sie sind dämlicher als wir dachten und ignorieren daher jede Warnung.“
„Ich fürchte letzteres“, warf Peter Kromberg ein.
„Wie kannst du dir so sicher sein?“, fragte Thomson.
„Ganz einfach. Sie setzen gerade mit einer Fähre zur Landung an.“
„Die machen was? Die sind wohl vollkommen bescheuert. So blind kann man nicht sein.“
„Bei denen ist alles möglich, selbst das.“
„Können wir schneller fliegen?“, fragte Horn.
„Nein, noch schneller geht es nicht. Selbst, wenn wir aussteigen und schieben würden, dürfte das nur wenig bringen. Abgesehen davon, warum machst du dir solche Gedanken um die Cherit?“
„Mir geht es nicht allein um die. Siehst du die Gefahr, die auf uns zukommt?“
„Welche Gefahr?“
„Die gleiche Gefahr die einst uns bedrohte, als niemand wusste um was es sich handelte.“
Thomson überlegte und biss sich auf die Lippen. „Scheiße“, entfuhr es ihr.
„Genau das trifft es“, sagte Kromberg und lachte leise.
Horn fuhr fort. „Angenommen auch nur einer der Xenomorphe schafft es, sich einen der Cherit als Wirt zu krallen. Die holen ihn sich, der Facehugger vollendet sein Werk und dann bricht das Chaos aus, wenn der Chestburster ans Licht kommt. Und ich will gar nicht erst wissen, was da aus einem Anthro-Pferd oder Anthro-Löwen herauskommen kann. Immerhin wissen wir, dass die Aliens sich dem Wirt anpassen und aus seiner DNA gar lustige Sachen kreieren können. Außerdem sind wir mit den Cherit und auch den Antermerianern verbündet und sollten aus der Vergangenheit gelernt haben.“
„Ich glaube, das eine will keiner wissen und das andere ist logisch“, murmelte Kromberg. „Ich hasse diese blöden Überwachungsflüge um LV426.“
„Warum? Es war doch bisher immer schön ruhig.“
„Das ist das Stichwort. Bisher! Denn jetzt haben wir echte Probleme. Und man könnte es von Seiten der Cherit als eine von uns gelegte Falle auffassen, zumal meines Wissens nach eine stark angewachsene Gruppe von Sektierern existiert, die die weg haben will. Abgesehen davon werde ich langsam zu alt für diesen Mist. Ich wollte mit meinen 57 Jährchen eigentlich am Ufer eines schönen Sees sitzen, angeln und einen leckeren Whiskey schlürfen.“
Horn schaute ihn schief an. „Das Erstere will ich nicht hoffen, denn sonst bedeutet das sinnlose Diplomatie und einen neuen Krieg, den wir nicht gewinnen können.“
„Hältst du es für möglich, dass sich ein vollkommen anderer Xenomorph aus einem Cherit heraus entwickelt?“, fragte Thomson an Horn gewandt und fühlte sich sichtlich unbehaglich.
„Hmmm… Möglich wäre es. Die Königin, die von Ellen Ripley auf LV426 ihrer Zeit getötet wurde, stammte wahrscheinlich aus dem gestrandeten Alienschiff, welches auch die Brut trug. Und die Königin schlüpfte wahrscheinlich aus dem Körper eines riesigen außerirdischen Wesens, dessen Herkunft heute noch unklar ist. Vielleicht bestimmt die Größe des Wirtes was am Ende raus kommt, also ob Königin, Arbeiter oder Soldat?“
„Das klingt im ersten Moment logisch, aber die Sache hat einen Haken“, entgegnete Kromberg.
„Und der wäre?“
„Es gibt keine zwei Königinnen.“
„Das ist Spekulation. Wir wissen zu wenig über diese Spezies. Sahen nur Phasen in der Entwicklung und am Ende nur tote Opfer.“
„Mag sein, aber aus Ripley wurde auch eine Königin ans Licht befördert.“
„Tja, aber das war ein genetisches Produkt, weil Ripley unbedingt in siedendes Blei springen musste und sich die Zellen von ihr und dem Xenomorph verbanden. Außerdem war sie von LV426 geflohen und mit der Sulaco auf dem Weg in ein für die Aliens neues Gebiet, dass es zu besiedeln galt. Scheinbar sind diese Viecher in der Lage ihre Entwicklung im Wirt den momentanen Erfordernissen anzupassen und sich vielleicht auch weiterzuentwickeln. “
„Gott, Horn“, entfuhr es Thomson. „Hör’ auf solche Schauermärchen zu erzählen. Das wäre sonst Evolution von jetzt auf gleich.“
„Und was, wenn es so sein sollte? Was ist, wenn diese Xenomorphe sich plötzlich einen Antermerianer krallen? Gott stehe uns bei, denn die Originale von denen sind so gut wie unsterblich“, knurrte Horn.
Kromberg überlegte. „Wenn da unten bereits eine Königin existieren sollte, dann wird aus dem Cherit eine Drohne hervorbrechen. Gibt es aber noch keine Königin, so kann uns etwas erwarten, was wir noch nie hatten.“
„Oh, oh, oh. Übelste Sache“, brummte Horn.
„Hatte die damalige Weyland Yutani Corporation eigentlich alle Unterlagen freigegeben?“, fragte Thomson beiläufig.
„Ich glaube zu wissen, dass es diesbezüglich eine Menge Ärger gab, weil viele Akten spurlos verschwanden.“
„Na Klasse. Dann geht wohl alles wieder von vorne los.“ Thomson vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. „Soweit zur Anwerbung für diese Mission: Suchten sie schon immer einen relativ ruhigen Platz auf einem guten Schiff, einer guten Crew und trotzdem hoher Verantwortung? Dann wechseln sie zu uns, zum planetarischen Überwachungsressort. Wir sind die Guten und sorgen für absolute Sicherheit.“
„Ja, wir kennen alle den Werbeslogan, wissen es aber besser und einfach mal ein Abenteuer suchen und finden ist in unserem Job nicht drin. Entweder es ist sterbenslangweilig und du faulst vor dich hin oder du erwischst die Arschkarte“, grummelte Kromberg vor sich hin.
„Dann haben wir gerade die Arschkarte gezogen. Egal wie, ich versuche noch mal den Cheritkreuzer zu erwischen. Die müssen doch antworten“, lenkte Horn schnellstmöglich ab.
Juliana Thomson war eine Mittdreißigerin und hatte sich ihre Zukunft anders vorgestellt, wollte Abenteuer in unerforschten Raumgebieten erleben, aber es kam anders und als sie wieder auf den Frontschirm blickte fühlte sie sich plötzlich sehr alt.
Captain Melina, Colras und Selestral waren im Hangar angekommen, hatten die Fähre bestiegen und flogen nun in Richtung der Planetenoberfläche.
Sitral hatte von Melina den Auftrag den Funkkontakt zum Schiff aufrecht zu halten und gleichzeitig den Kontakt zum verschollenen ersten Landungstrupp herzustellen. Die einzige Verbindung existierte nur zwischen Fähre und Schiff, alles andere war lediglich statisches Rauschen.
„Immer noch nichts, Captain“, murmelte Colras.
„Mach weiter. Die müssen noch am Leben sein. Es gibt fast nichts was drei gut ausgebildete Cherit aufhalten kann.“
„Ich hoffe, dass sie recht haben.“
„Natürlich habe ich recht oder habe ich dir jemals Anlass dazu gegeben etwas anderes zu denken?“ Melina schärfte ihren Ton.
„Nein, Captain! Verzeiht mir.“
Sie schnaubte nur leise und ihr Schweif wedelte gereizt.
Allmählich kam die Oberfläche näher, wurde größer und man sah Gebilde die Ameisenhügeln täuschend ähnlich sahen.
„Geh’ in einem Gleitflug drüber. Ich will mir das erstmal genauer ansehen, be-vor wir landen.“
Selestral nickte nur kurz und ließ die Fähre in einigen Metern Höhe entlang gleiten. „Seht! Diese Gebilde sind nach oben hin offen und scheinen geradewegs ins Innere des Planeten zu führen.“
Die Stute überhörte die geradezu vertrauliche Aufforderung und nickte. „Du hast recht. Den Eindruck kann man tatsächlich bekommen. Dreh’ noch eine Runde, dann setz’ am Rande des Hügelfeldes auf.“
„Aye, Captain!“
Die Fähre schwang in einer weiträumigen Kurve um die letzten Hügel herum, um dann in die entgegengesetzte Richtung einschwenken zu wollen.
Doch beim wollen blieb es auch. Denn plötzlich und wie aus dem Nichts rasten fünf spinnenartige Wesen aus mehreren Hügeln heraus, sprangen gegen die Fähre, brachten sie aus dem Gleichgewicht. Das Fluggerät begann zu schwan-ken und sackte kurz nach unten ab, aber das reichte schon. Durch die ohnehin schon sehr geringe Flughöhe berührte die Fähre jetzt den ersten Hügel, dann den zweiten, wurde abrupt gebremst und bohrte sich regelrecht in den nächsten.
Stille!
An Bord des Cheritkreuzers stellte man mit Bestürzung fest, dass der Kontakt zur zweiten Landefähre abgebrochen war.
„Was jetzt?“, fragte Zeus an Sitral gewandt.
„Das sieht nach einer Falle aus und die Sektierer sind tatsächlich schon auf der Oberfläche angekommen. Wir brauchen Ionos wieder auf der Brücke.“ Sie aktivierte die interne Schiffskommunikation. „Ionos für Brücke.“
„Hier Ionos, was gibt es?“
„Wenn es dir recht ist, dann komme sofort auf die Brücke. Wir brauchen dich hier.“
„Oh, okay. Wenn du fragst, dann bin ich schon auf dem Weg.“
„Ausgezeichnet. Die zweite Fähre mit Captain Melina, Colras und Selestral ist auch verschwunden.“
Wenige Minuten später stand er auf der Brücke und grollte leise vor sich hin: „Wie konnte das passieren?“
„Wir wissen es nicht. Der Kontakt riss genauso plötzlich ab, wie bei der ersten Fähre.“
„Das hat uns gerade noch gefehlt. Ausgerechnet Captain Melina.“
„Auf der einen Seite tragisch, auf der anderen Seite ist es jetzt entspannter“, zynelte Zoya.
„Lass bloß diese Sprüche“, ermahnte Apophis sie, „Du kennst ihre Ausbrüche und wenn wir sie nicht schnellstens finden… … … Wobei“, er hob einen Zeige-finger, „wenn ich es recht überlege… Ich möchte kein Sektierer oder irgendwas anderes sein und ihr jetzt über den Weg laufen. Melina ist bestimmt auf Tempo und mächtig unter Dampf.“
„Was sollen wir tun?“, fragte Zeus quer durch die Brücke ohne jemand direkt anzusprechen.
„Ich übernehme das Kommando über die Horem-hab, solange Melina und Selestral nicht aufzufinden sind“, verkündete Sitral.
„Aye!“, kam die kurze Bestätigung der Anwesenden.
„Jetzt werden wir warten. Es ist davon auszugehen, dass eine dritte Fähre genauso enden dürfte wie die zweite und die Besatzung der ersten. Wir ändern die Taktik. Verbindet mich mit diesem vermeintlichen Patrouillenschiff.“
„Aye!“
„Ach nee“, flötete Kromberg plötzlich. „Unsere Cheritfreunde melden einen Gesprächswunsch an.“
„Dann gib mir die Flauschigen mal auf den Kanal. Bin schon sehr gespannt“, sagte Horn und grinste breit.
„Kanal offen.“
<„Cheritkreuzer. Mein Name ist Timotheus Horn, ich bin Lieutenant bei der UNSN und gleichzeitig der kommandierende Offizier der Guardian. Wie ist ihr momentaner Status?“>
<„UNSN-Patrouillenschiff Guardian. Ich bin Sitral und habe das temporäre Kommando über die Horem-hab. Sechs Besatzungsmitglieder sind auf dem Planeten verschollen. Wir würden gerne wissen, was da unten vor sich geht und ob sie Informationen für uns haben. Ich glaube mittlerweile fest daran, dass es sich um eine tückische Falle handelt und die Sektierer dahinter stecken.“>
Horn schaute Thomson merkwürdig grinsend an. „Na da haben wir ja mal ein ganz cleveres Mädchen erwischt“, flüsterte er und antwortete laut: <„Tja, Captain Sitral, dass wir keine Sektierer sind sollte klar sein, denn, wenn es sich um eine von uns aufgebaute Falle handeln sollte, dann würden wir es ihnen A) nicht auf die Nase binden und B) hätten wir dann keinen Kontakt zu ihnen aufgebaut, um sie zu warnen.“>
Er hielt das Mikro zu und drehte sich zu Kromberg und Thomson um. „Was denkt die eigentlich wer sie ist?“
Kromberg biss sich auf die Unterlippe um nicht zu lachen und verdrehte die Augen.
Sitral merkte, dass ihre Bemerkung nicht gerade von kluger Taktik begleitet war und eher den Sektierern einen Vorteil verschaffen würde.
Sie erhob sich und begann auf der Brücke hin und her zu gehen. <„Lieutenant Horn“>, sagte sie laut und deutlich.
<„Ja, ich höre“>, kam die deutliche Antwort.
<„Ich möchte sie bitten uns ihre Informationen über den Planeten zu übergeben. Als Zeichen unseres guten Willens würde ich sie gerne auf unser Schiff einladen. Im Moment ist das Verhältnis zwischen uns und den Menschen auf eine harte Probe gestellt und wir wissen nicht wem wir noch vertrauen können.“>
Die Brückenbesatzung schaute auf und drehte sich zu Sitral. Die Schneeleopardin hatte zwar den Weg der Diplomatie eingeschlagen, aber unbewusst ein Misstrauensvotum ausgesprochen. Einen Satz geäußert der verhängnisvoll werden könnte.
Horn schaute abwechselnd zu Thomson und Kromberg. Die sagten nichts, aber die Blicke wechselten entsprechend ihrer Stimmung und spiegelten Er-staunen, Argwohn und Zweifel wieder.
Vergangene Zeiten traten wieder in den Vordergrund. Zeiten in denen Cherit und Menschen Feinde waren. Zeiten in denen Menschen auf einem fernen Planeten und auf der Erde Klone gezüchtet hatten, um sie in einen Krieg zu schicken, in einen Krieg mit eben diesen Cherit. Die wenigen Jahrzehnte des Miteinanders konnten den über Jahrhunderte schwelenden Konflikt nicht beerdigen und alle merkten, dass durch die Strömung der Sektierer wieder alles auf Messerschneide zu stehen schien.
<„Wie lautet ihre Entscheidung?“>, kam Sitrals Stimme aus dem Lautsprecher.
Horn zuckte mit den Schultern und bekam von Thomson und Kromberg ein kurzes Kopfnicken als Antwort. <„Gut Commander Sitral. Wir nehmen ihr An-gebot an. Laut unseren Daten sind wir in drei Stunden bei ihnen und kommen an Bord.“>
<„Sehr gut, Lieutenant. Wir werden sie erwarten.“<
Die Verbindung wurde unterbrochen.
„Sollte die letzte Äußerung eine Drohung sein oder nur eine nette Ankündigung?“, fragte Kromberg.
„Keine Ahnung. Aber wir werden unbewaffnet deren Schiff betreten. Ich habe keinen Bock darauf die Ursache für einen erneuten Krieg zu sein.“
„Seid ihr in Ordnung?“, fragte Melina.
„Ja, Captain. Wie es scheint ist noch alles dran.“
In der Tat war der Aufprall zwar hart gewesen, aber die schnell reagierenden Dämpfungsfelder hatten die Körper der Cherit schlagartig umhüllt und somit vor den schädlichen Auswirkungen der abrupten Bremsung geschützt.
„Was war das?“, fragte Selestral.
„Ich weiß es nicht. Aber es kam aus dem Nichts und hat uns regelrecht abgeschossen“, schnaubte Melina.
„Waren das Waffen oder Lebewesen?“
„Das werden wir in Kürze herausfinden. Wir steigen jetzt aus und sehen uns mal um. Macht eure Waffen scharf und bleibt dicht beieinander.“
Die Luke öffnete sich und sie standen auf der zerklüfteten Oberfläche, umgeben von circa zehn Meter hohen Kegelstümpfen.
„Auf geht’s“, forderte Melina auf und ging drei Schritte vorwärts.
Weiter kam sie nicht.
Wie aus dem Nichts schoss plötzlich ein gewaltiges spinnenartiges Etwas auf sie zu und packte sie, bevor sie ihre Waffe ziehen konnte. Nur Sekundenbruch-teile später war der Spuk vorbei und weder das Spinnenwesen noch die Stute waren zu sehen.
Colras brüllte entsetzt auf. „Verdammter Mist! Was war das?“
„Keine Ahnung, aber es war das Gleiche, das unsere Fähre zum Absturz gebracht hat“, murmelte Selestral. „Ich befürchte, dass Tripal, Cyron und Kira das Gleiche widerfahren ist.“
„Ja, du hast recht. Aber um was handelt es sich? Sind das Lebewesen oder sind wir auf eine Waffe gestoßen?“
Selestral schwieg. Beide hatten die Ohren angelegt und ihre Schwänze zuck-ten nervös hin und her, während sie sich umsahen und jeden Zentimeter musterten.
Vorsichtig ging Colras einen Schritt vor und sah sich nochmals genauer um.
Der Planet war so ziemlich das Trostloseste was er je gesehen hatte. Es gab keinerlei Vegetation. Nur die nackte Oberfläche, welche graubraun war, bot sich seinem Blick dar.
Geplant war, dass sie am Rande des Hügelfeldes landeten, aber nunmehr standen sie mittendrin, waren von Feindseligkeit umzingelt. Colras seufzte und schaute in den Himmel. Selbst der war trostlos und hinter einem dichten grau-braunen Nebelschleier verborgen. Überhaupt war die ganze Luft auf diesem unwirtlichen Felsen widerlich. Es roch leicht nach Aas, in der Ferne stiegen leichte Dampfwolken aus der Planetenoberfläche auf. Die Sichtweite betrug kaum einhundert Meter und das dumpfe Brummen irgendwelcher Anlagen, welche das auch sein mochten, war stetig zugegen, ebenso ein diffuses Zischen und Murmeln aus einer ebenfalls unbekannten Quelle.
‚Ist das unser Ende? Alles aus und vorbei?’, fragte sich der Tiger.
Plötzlich hörte er Selestral sprechen:
„Wir sind die Jäger der Nacht,
wir schlagen unsere Beute bis der Morgen erwacht.
Wir sind die Jäger des Tages,
nehmt euch in Acht, denn, wenn wir weiterziehen,
dann hören wir nur noch Schreie und Laute des Wehklages.“
Der Tigerkater drehte sich zur Jaguarin um. „Woher hast du denn diesen blöden Reim?“
„Keine Ahnung. Er kam direkt aus meinen Gedanken, aber ich kann mich nicht erinnern ihn jemals zuvor gehört zu haben.“
Colras musterte sie intensiv und stellte plötzlich die Ohren auf. „Was ist los?“
„Was meinst du?“, fragte Selestral verunsichert.
„Du hattest gerade wieder einen merkwürdigen Spruch losgelassen.“
„Habe ich nicht. Warum sollte ich?“
„Warum hast du den anderen Reim angestimmt?“
„Ich weiß es nicht. Was hatte ich denn jetzt gesagt?“
Colras überlegte kurz und stimmte an:
„Das war erst der Anfang,
wir beginnen immer ganz langsam.
Seid auf der Wacht,
schaut euch gut um und gebt Acht.
Seid gut auf der Hut,
schaut euch um, denn wir sind überall und
unser Clan tut seinen Feinden niemals gut.
Wenn ihr denkt, wir sind dumm,
dann habt ihr euch getäuscht und
bringen euch qualvoll um.
Wir werden euch jagen bis die Sonne untergeht
und aus euren Körpern das Leben vergeht.
Wir kämpfen für unseren Stamm
und am Ende sind eure Glieder vor Angst ganz klamm.
Wenn euer Puls rast und euer Herz
den Brustkorb zu sprengen droht, dann ist es Nacht,
wir sind immer bei euch, bis der Morgen wieder erwacht.“
Das ist doch Blödsinn. Das habe ich niemals gesagt“, entrüstete sich die Jaguarin.
„Wer dann?“, blaffte Colras zurück.
Plötzlich riss Selestral die Augen auf und schaute entsetzt auf einen der Erdhügel.
Colras selbst schaute sie mürrisch an und schloss die Augen zu schmalen Schlitzen. „Was siehst du?“
„Hinter dir, auf einem der Hügel, da steht eines dieser Dinger und starrt uns an“, flüsterte die Raubkätzin.
Langsam drehte sich der Tiger um und versteinerte. Tatsächlich stand dort etwas, was keiner der beiden je zuvor gesehen hatte.
Die Cherit wussten nichts von den Aliens auf LV426 und leider hatte ein solches Alien wie dieses, auch selbst ein Mensch nie zuvor gesehen.
Diese Aliens hatten, bedingt durch die atomare Verseuchung des Planeten, eine Mutation erfahren. Dieser Xenomorph war vollkommen anders als seine Vorgänger, machte seinem Namen alle Ehre.
Er hatte einen waagerechten, länglichen Körper von dem drei Beinpaare ausgingen. Sein Kopf war der eines typischen Aliens und saß abgewinkelt vom Körper auf einem kurzen Hals. Der ganze Körper war überzogen mit Rippen eines Exoskeletts, war pechschwarz und glänzte metallisch. Es hatte zwei lange Arme, an deren Enden sich starke, mit Klauen versehene, dreifingerige Hände befanden und es hatte einen extrem langen Gliederschwanz mit einem Hornstachel als Ausläufer.
Es schien zu grinsen und entblößte fletschend messerspitze Zähne. Als ob das nicht reichen würde, öffnete es das Maul und schob eine Art Verlängerung aus dem Rachen hervor, welche ebenfalls mit messerscharfen Zähnen besetzt war.
Fünf Minuten standen alle Beteiligten wie angewurzelt und musterten einander.
Dann geschah etwas Unfassbares und die beiden Cherit begriffen plötzlich woher diese fremden Sprüche kamen.
„Da steht ihr versteinert herum, ihr Narren,
zur Flucht ist es zu spät, denn ich bin hier um meinen Clan zu bewahren.
Dieser Planet gehört unserer Königin, uns und auch mir,
um alle zu töten, nur darum seid ihr hier.
Ins Nest einzudringen, das ist euer Ziel,
doch euch zu stoppen ist mir ein Wunsch und dazu gehört nicht viel.“
„Beim Heiligen von Tabalth“, flüsterte Selestral, „Diese Kreatur ist die Quelle.“
Colras ließ das Alien keine Sekunde aus den Augen und nickte nur kurz.
Das schien das Startsignal gewesen zu sein. Das Alien stieß einen schrillen, durchdringenden Schrei aus und sprang auf die beiden Raubkatzen zu. Ohne zu zögern brüllten beide auf, zogen ihre Laserwaffen, duckten sich kurz und feuerten, allerdings war das Wesen zu schnell und sie verfehlten das Ziel.
Dieses fremde Wesen war telepathisch veranlagt und hatte es gewagt in die Gedanken der beiden Cherit einzudringen. Es war eine Rechnung zu begleichen, ein Kampf auf Leben und Tod entflammte.
Als sie aufeinander trafen, schlug das Alien Colras die Waffe aus der Hand, wirbelte dieser geschickt herum, wich aus, zog ein Kampfmesser, holte noch in der Drehung aus, bohrte die Klinge tief in das Fleisch des Aliens und zog eine lange Schneise der Verwundung.
Zischend löste sich die Klinge, benetzt von der Säure, auf und Colras ließ mit einem entsetzten Aufschrei das Heft der Waffe fallen. Das Alien selbst schrie panisch auf. Mit so einem schwierigen Gegner hatte es nicht gerechnet. Es schlug wild um sich, traf den Tigerkater am linken Arm und riss bei ihm eine klaffende Wunde.
Er brüllte auf und wälzte sich am Boden vor Schmerz. Selestral hingegen landete, rollte sich ab, zog noch im Aufrichten ihren Blaster und schoss. Kreischend versuchte das Alien einen erneuten Angriff zu starten, aber das schaffte es nicht mehr. Der Blasterstrahl drang in seinen Körper ein und löschte sein Leben aus. Reglos schlug es auf der geröll- und sandbedeckten Planetenoberfläche auf.
Die Jaguarin feuerte zur Sicherheit nochmals auf das Alien, dann rannte sie zu ihrem Begleiter. Der hielt sich den verletzten Arm und verzog das Gesicht.
„Das war reichlich knapp“, grollte sie.
„Was immer es war, es ist ein verdammt schneller und effektiver Killer.“
„Colras?“
„Ja?“
„Ich… Ich…“, Selestral versagte die Stimme.
„Ich höre. Sprich dich ruhig aus.“
„Ich habe Angst“, kam die Antwort und sie zitterte plötzlich am ganzen Kör-per.
„Ich weiß. Deine Angst ist deutlich zu riechen. Aber es bleibt unter uns, denn mir geht es nicht viel besser. Ich bin sicher, dass der Captain auch Angst hat.“ Colras nahm seine Freundin in die Arme, streichelte sie zärtlich und tröstend, um nach wenigen Augenblicken ihr einen hingebungsvollen Kuss zu geben.
Das war ein Zeichen der Zuneigung, welches es nicht hätte geben sollen, denn der Tigerkater war der Ehepartner von Sitral und die saß auf der Brücke der Horem-hab, machte sich garantiert Sorgen und rannte wahrscheinlich nervös auf der Brücke herum.
Aber bei den beiden war es anders, denn das Band, welches beide zusammenschweißte, war aus purer Freundschaft geschmiedet, hatten sie sich doch zwar erst sehr spät kennengelernt, aber viel miteinander durchgemacht und sich nicht nur einmal gegenseitig das Leben gerettet. Lediglich dem Trieb der Lust gaben sie nicht nach, wollten ihr Verhältnis nicht belasten. Aber was war in diesem Moment, in dieser nicht nur bedrohlichen Situation, sondern komplett ausweglosen Lage noch normal?
„Was wir tun ist gefährlich“, flüsterte Selestral.
Sie war kleiner und wesentlich zierlicher gebaut als der Tigerkater, aber hatte das Herz eines Löwen, eines Kriegers.
„Ich weiß, meine geliebte Freundin. Aber unsere innige Beziehung ist etwas ganz besonderes und das würde ich niemals aufgeben.“
Die Jaguarin nickte, legte die Ohren leicht zur Seite, wandte den Blick ab und flüsterte ausweichend: „Jetzt sollten wir aber sehen, dass wir hier verschwinden und in die Fähre zurückkehren, um deine Wunde zu versorgen.“
Selestral half ihrem Partner, stützte ihn und so schleppten sie sich gemeinsam zurück und verschlossen die Luke hinter sich.
Langsam näherte sich der Patrouillenkreuzer Guardian dem Cheritkreuzer Horem-hab. Das Kampfschiff war grobschlächtig gebaut, ganz für den Kriegseinsatz gedacht und wies keinerlei Eleganz auf. Demgegenüber stand das wesentlich kleinere UNSN-Schiff, welches geradezu als windschnittig durchgehen konnte.
„Wow!“, sagte Horn. „Seht euch das Teil an.“
„So nah ist kaum ein Mensch an einen Cheritkreuzer herangekommen und wenn doch, dann nur durch einen unglücklichen Zufall“, warf Thomson ein.
„Vergessen wir einfach mal die Vergangenheit und diesen bekloppten Krieg. Immerhin landeten vor wenigen Jahren mehrere dieser Raumkolosse auf verschiedenen Erdteilen“, sagte Kromberg, „und wie es aussieht wollen die, trotz des momentanen Misstrauens, tatsächlich mit uns reden. Bei der Bewaffnung hätten die uns schon längst erledigen können.“
„Das können sie immer noch. Und Zähne und Klauen scheinen den Cherit definitiv nicht auszureichen.“
„Da vorne ist die Andockvorrichtung“, wechselte Thomson das Thema.
Zwanzig Minuten später standen die drei Menschen einer imposanten Gestalt gegenüber.
„Hallo, mein Name ist Zeus. Bitte folgen sie mir zur Brücke. Commander Sitral erwartet sie.“
Der schwarze Einhornhengst deutete ein kurzes Nicken an und ging voraus.
Horn, Kromberg und Thomson folgten ihm und tuschelten miteinander.
„Der sieht ja richtig knuffig aus“, flüsterte Thomson.
„In der Tat. Unser Weggefährte hat ein sehr gepflegtes Fell und macht einen energiegeladenen Eindruck.“
Plötzlich blieb der Hengst stehen und drehte sich um. „Wir mögen vielleicht gewöhnungsbedürftig anmuten, aber glauben sie mir, die Menschen waren es für uns ebenso.“
Thomson atmete tief durch. „Sie haben recht. Wir entschuldigen uns dafür und wollten sie nicht beleidigen.“
„Na gut. Gehen wir weiter. Ach ja. Eines noch vorweg. Die Stimmung an Bord ist momentan sehr gereizt. Die Sektierer hängen uns im Genick, wollen uns scheinbar mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln loswerden. Dieser Planet behütet wie es aussieht ein lange gehütetes Geheimnis, etwas was diese fremdenfeindliche, nationalistische Vereinigung unbedingt haben will und unglücklicherweise waren wir wohl nicht ausreichend darauf vorbereitet.
Sitral ist der vorübergehende Captain des Schiffes, da Captain Melina auf der Oberfläche verloren ging. Dementsprechend liegen die Nerven etwas blank. Und BITTE, nennen sie uns nicht kuschelig, knuddelig oder vielleicht noch süß. Wir sind keine Plüschtiere und auch keine Tiere, wie man sie auf der Erde gerne verkauft. Wir sind vernunftbegabte, intelligente Lebewesen und wer es nicht glaubt kann von uns gerne überzeugt werden.“
Als Beweis entblößte Zeus die Zähne. Es kamen blütenweiße Schneidezähne zum Vorschein, welche durch pferdeuntypische, leicht verlängerte Eckzähne ergänzt wurden.
„Schon gut. Schon gut“, sagte Horn beschwichtigend, „Können wir jetzt auf die Brücke gehen? Danach können wir uns immer noch Wortgefechte liefern.“
Zeus nickte und ging weiter. Wenige Meter weiter öffnete sich zum Gang hin eine Tür und eine Tigerin trat hervor.
„Wo ist Cyron? Zeus? Wo ist mein Ehekater?“, knurrte sie aufgebracht.
„Cyron war mit Tripal und Kira auf dem Planeten gelandet und gilt seither als vermisst.“
„WAS BITTE? Ihr Wahnsinnigen. Bewegt eure Ärsche und bringt mir meinen Mann zurück. Ich werde euch jagen, wenn er nicht lebend zurückkehrt.“
„Stella, beruhige dich bitte wieder!“, herrschte das Einhorn die Tigerin an. „Wir tun was in unserer Macht steht. Diese drei Menschen hier“, er deutete hinter sich, „stammen von einem Patrouillenschiff und haben Informationen die uns vielleicht helfen können.“
Stella musterte die Drei. „Ich weiß, dass es Zeiten gab, da hatten wir keinerlei Vertrauen zu euch, Zeiten in denen wir erkennen mussten was für eine Spezies ihr seid und zu was ihr fähig seid, wenn es um Macht geht. Aber diese Zeiten sollten wir ruhen lassen. Wenn ihr etwas wisst, dann bringt mir meinen Kater zurück. Wir haben schon genug Freunde verloren um euch vor den Abtrünnigen zu schützen. Ihr schuldet uns diese eine Gegenleistung!“
„Ruhm, Macht und falsche Ehre sind für uns uninteressant“, entgegnete Horn. „Aber wir werden sehen, ob Sitral mit den Daten etwas anfangen kann.“
„Sitral? Was ist mit Captain Melina? Was ist hier überhaupt los? Zeus! Meine Nerven liegen blank. Ich hatte mir das Ganze etwas anders vorgestellt. Es ging um eine einfache Forschungsmission mit der eventuellen Möglichkeit auf etwas Unangenehmes zu stoßen. Es ging nicht darum hier eine neue und noch längere Verlustliste zu eröffnen. Ich fühle mich mit meinen 58 Jahren nicht mehr jung genug um noch ganze Berge zu versetzen. Außerdem bin ich Urgroßmutter.“
„Tripal, Cyron und Kira sind auf dem Planeten gelandet und gelten als Ver-schollen. Captain Melina war mit Colras und Selestral gefolgt und ist seit circa 72 Minuten ebenfalls vom Radar verschwunden“, warf Zeus seufzend ein.
Die Tigerin kniff die Augen zusammen. „Ich komme mit. Ich will alles wissen.“
Zeus wedelte nervös mit dem Schweif, da er eine Katastrophe aufziehen spürte und Stella gerade launiger war wie der Captain. „Wenn du darauf bestehst. Folge mir!“
„So ein verdammter Mist. Sollte Cyron irgendwas zugestoßen sein, dann wird jemand dafür bitterlich büßen. Ich hatte gehofft, dass dieser Müll endlich ein Ende gefunden hätte und wir unseren Frieden auf der Erde genießen könnten“, fauchte sie dem Hengst hinterher.
Thomson grinste. „Sie gefällt mir. Eine selbstbewusste Giftspritze wie sie im Buche steht.“
„Ihr seid auch nicht besser“, schnauzte Stella sie an.
„Hmmm… das wäre auch nicht im Sinne des Erfinders.“
„Ansonsten wäre mein Sohn Apophis auch keine Bindung mit Jody Thorn ein-gegangen und hätten die beiden keine Tochter.“
„Moment!“, stutzte Thompson und bekam leuchtende Augen, „Du bist Stella? Die Stella? Und dein Sohn ist der bekannte Apophis und du hast eine Urenkelin namens Zoya? Wow! Ich hätte nie gedacht, dass ich mal solchen Berühmtheiten begegnen würde. Du musst mir dringend erzählen wie es dazu kam.“
„Das sind Fragen, die ich dir gerne zu einem späteren Zeitpunkt beantworte, aber jetzt lasst uns zur Brücke gehen. Ich will wissen was los ist.“
Kromberg verdreht die Augen. „Eine sprechende Tigerin mit Berühmtheitsego. Na entzückend.“
Als Antwort fauchte Stella ihn an, drehte sich um und ging mit leicht wiegender Hüfte, mit Zeus sowie den drei Menschen im Schlepptau weiter zur Brücke.