Kapitel 4

Story by SethGodofChaos on SoFurry

, , , , ,

Imported from SF2 with no description provided.


Kapitel 4

Zusammenkunft und Fortschritte

Captain Melina unterhielt sich derweil mit Tripal. „Eines solltest du mir aber erklären.“

„Was ist dein Begehr?“

„Wer schlug mich nieder?“

„Was meinst du damit?“

„Ich war in einer klebrigen Substanz gefangen. Jemand erschien und befreite mich. Als ich denjenigen zur Rede stellen wollte, kamen keine Antworten. Stattdessen wurde ich durch einen gewaltigen Hieb niedergestreckt. Also frage ich mich, wer von euch das war.“

„Ich weiß nicht wovon du redest. Wir waren mit den Aliens beschäftigt und fanden dich eher zufällig. Du lagst bewusstlos am Boden.“

„Hmhm …“, die Stute legte belustigt die Ohren seitlich. „Und du denkst, dass ich dir das glaube?“

„Wenn es die Wahrheit ist. Ich wüsste nicht warum ich dich belügen sollte.“

„Meinetwegen“, schnaubte sie. „Der Schuldige wird sich irgendwann verraten. Gebt nur Acht, mit dem was ihr tut.“

„Schrott. Nur Schrott“, resignierte Thomson.

„Woran hapert es denn?“, fragte Horn.

„Im jetzigen Zustand kann ich mit keinem der Computer was anfangen, denn mir fehlt schlichtweg der Strom.“

„Die Energiegeneratoren arbeiten nicht mehr, außerdem ist zwischen dem Generatorendom und der Wohnanlage zu viel zerstört worden. Ich glaube nicht, dass auch nur eine der Leitungen die Explosion überlebt haben dürfte“, erklärte Kromberg.

„Ihr braucht Energie?“, fragte Colras.

Thomson nickte.

„Wie wäre es, wenn ich aus der zerstörten Fähre Baugruppen berge und einen Konverter improvisiere? Den könnten wir als Kopplung zwischen unsere intakte Fähre und die Computer schalten.“

Zeus sah ihn scharf an. „Das ist die Idee schlechthin. – Die drei Menschen und Selestral bleiben hier. – Wir beide fliegen ins Hügelfeld und holen Bergegut. – Sichert den Zugang so gut ihr könnt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Viecher wissen wo wir sind.“

Alle nickten zustimmend.

Colras und Zeus zogen vorsichtig die Außentür der intakten Komplexzelle auf, schauten sich um und rannten zum Außenschott der Fähre. Nach vierzig Minuten Flugzeit erreichten sie das Hügelfeld und landeten an dessen Rand.

„Okay. Das ist absoluter Wahnsinn was wir vorhaben“, sagte Zeus.

„Ich weiß, aber die Zeit drängt. Wir haben nur zweiundsiebzig Stunden zur Verfügung und können es uns nicht leisten acht Stunden davon zu verschwenden, weil wir auf das Tageslicht warten.“

„Hoffen wir, dass unsere Feinde in der Finsternis ein Handicap haben.“

Der Tigerkater schüttelte den Kopf. „Nein. Das haben sie nicht, ganz im Gegen-teil.“

„Was?“, fuhr der Hengst hoch.

„Ja. Sie hatten mit uns eine Verbindung hergestellt und uns zu verstehen gegeben, dass sie Tag und Nacht hervorragende Jäger sind. Ich vermute, dass sie ihre Umgebung im Infrarotbereich wahrnehmen.“

„Das ist wirklich reizend von dir, dass du mir das sagst.“ Zeus legte die Ohren an. „Ach, scheiß was drauf. Das ist echter Kampfgeist. Zu keiner Sekunde vor dem Angreifer kuschen und ihm auch in der Ausweglosigkeit die Stirn bieten.“

„Har har…“, antwortete Colras.

„Wie packen wir es am besten an?“

„Wir rennen so schnell wir können, schlagen dabei Haken und verriegeln die Luke der zerstörten Fähre hinter uns. Ich weiß, was ich brauche und denke, dass ich nach zehn Minuten alles beisammen haben dürfte“, erklärte Colras.

„Hört sich gut an.“

„Dann los.“

Sie traten ins Freie und Zeus schloss das Außenschott. „Okay. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.“

Colras nickte und sah sich um. „Dort entlang“, sagte er und zeigte in die entsprechende Richtung.

Sie liefen los und sicherten sich nach allen Seiten ab. Das war auch gut so, denn nur 200 Meter weiter hörten beide die Schreie aus mehreren Alienkehlen.

Während ein in die Jahre gekommener Tigerkater und ein auch nicht mehr taufrischer Hengst weitere Bekanntschaften schlossen, versuchten Thomson, Horn und Kromberg einen besseren Kontakt zu Selestral herzustellen.

Sie saßen ziemlich nutzlos herum, warteten auf die Rückkehr des ausgeflogenen Cherit und Chafren und betrachteten einander.

„Sie hat eine sehr schöne Fellzeichnung“, flüsterte Thomson, an Horn gewandt.

Der nickte nur und legte seinen linken Zeigefinger bedeutungsvoll auf seine Lippen.

„Ihr Hinweis darüber zu schweigen war durchaus berechtigt, Mister Horn. Miss Thomson, wir Cherit haben ein extrem gutes Gehör und ihre Bemerkung mag zwar berechtigt sein, stellt aber für mich eine Beleidigung dar. Wenn sie ein altägyptischer Krieger unter Ramses II. wären, dann würde ich sie jetzt zu einem Kampf herausfordern.“

„Einen Kampf?“, fragte Thomson.

„Ja. Ein Kampf auf Leben und Tod. Ich würde lieber sterben, als dass ich mit dieser Schmach leben müsste. Es stellt für mich eine Reduktion auf mein Äußeres dar.“

„Ein Cherit wie er leibt und lebt, wenn auch in der Vergangenheit“, warf Kromberg ein.

Horn kniff die Augen zusammen und ahnte, was jetzt kommen würde.

„Was wollen sie damit sagen, Mister Kromberg?“, fragte Selestral scharf.

„Ich denke, dass er damit nur sagen wollte, dass sie eine sehr anmutige und hochintelligente Raubkatze sind“, mischte sich Horn ein.

„Nein, das wollte ich nicht“, brummelte Kromberg. „Vielmehr wollte ich damit zum Ausdruck bringen, dass das Denken gegen all die Reduktionen auf auffällige Merkmale ein albernes und altertümliches Relikt ist. Dahingehend seid ihr noch lange nicht innerhalb der Menschheit angekommen. Mit diesem Denken provoziert ihr Konflikte. Für eine menschliche Frau ist es ein Kompliment, wenn man ihr sagt, dass sie gut aussieht.“

Selestral fletschte die Zähne.

„Seht ihr, das ist genau das was ich meine. Immer auf Angriff, immer auf der Suche nach Streit. Bloß nicht nachdenken.“

„Mister Kromberg! Ich würde ihnen empfehlen ihren Ton zu mäßigen.“

„Warum? Vertragen die Cherit keine Wahrheiten? Was meinst du, warum ihr den Krieg gegen uns verloren habt? Es lag nicht an militärischer Stärke oder besserer Taktik von unserer Seite. Es lag daran, dass wir einen besseren Zusammenhalt haben, wenn wir gegen eine Bedrohung vorgehen. Wir zerfleischen uns nicht gegenseitig wegen der Wortwahl.“

Selestral legte die Ohren extrem flach an. „Was wisst ihr Menschen über unsere Vergangenheit? Ihr urteilt, ohne genügend Daten zu haben. Menschen sind oberflächlich und voll von Vorurteilen. Außerdem haben nicht wir den Krieg verloren, den die Menschen angefangen hatten und wenn die Antermerianer und Haldoraner nicht mit eingeschritten wären, dann wären sie jetzt unter der Sklaverei von Marduk und Konsorten gefangen.“

„Ich habe genug von euren Einflüssen auf die Menschheit gehört, um mir ein Urteil erlauben zu können.“

„Schön für sie, Mister Kromberg. Ich habe mir die Kriege nicht ausgesucht, muss aber damit leben.“

„Kriege? Sie sprechen in der Mehrzahl?“, hakte Horn nach.

„Ja, Mister Horn und dann gebe ich ihnen mal eine kurze Auffrischung Mister Kromberg. Sie sind nicht auf dem neuesten Stand“, schnauzte Selestral.

„Dann bin ich ganz Ohr“, witzelte Kromberg gespielt.

„Ich bin Selestral vom Stamme der Jaguare und wir Cherit waren schon seit Beginn der ersten aufstrebenden Frühzivilisationen auf der Erde. Wir erlebten Auf- und Untergang der Azteken, Inkas, Mayas und letztendlich auch der Ägypter und Babylonier. Aber nicht einen Untergang haben wir hervorgerufen. Das konntet ihr Menschen ganz allein.“

„Das ist ja mal starker Tobak.“

„Mitnichten, Mister Kromberg. Ich kämpfte an der Seite der Hethiter gegen die Truppen von Ramses II. bei Kadesch. Wir schlugen als Jaguarclan die entscheidende Schlacht, stand ich dem großen Pharao persönlich gegenüber und sorgte dafür, dass er vernichtend geschlagen heimkehren musste.“

„Wie das?“, fragte Horn neugierig, „Es gibt keinerlei Aufzeichnungen über euch.“

„Oh doch, es gibt zumindest Hinweise, welche aber so geschickt getarnt sind, dass sie sehr leicht zu übersehen sind.“

„Und die wären?“, bohrte Horn ungeduldig.

„Die Hethiter selbst warteten auf Ramses II. seitlich des Gebirges, weil diese Wege die leichtesten für seinen Angriff gewesen wären. Leicht zu überwinden für seine Truppen. Aber er war ein guter Taktiker und nahm den schweren über die Berge und mittig hindurch. Die Hethiter waren nicht in der Lage schnell genug zu reagieren und Ramses wäre durchgekommen. Allerdings hatte er nicht mit uns gerechnet und wir stellten ihn, zerschlugen sein Heer und zwangen ihn zum Aufgeben.“

„Klingt verrückt, aber plausibel. Doch wo sind die Hinweise versteckt?“

„Ganz einfach Mister Kromberg. In den Aufzeichnungen versteckt sich immer wieder der Hinweis, dass die Hethiter wie wilde Tiere waren. Wilde Tiere, das war die Bezeichnung die schon unter Amenophis III., euch bekannt unter dem Namen Echnaton, für uns verwandt wurde. Und der andere Hinweis ist extrem schwer zu übersehen. Der Name, Mister Kromberg. Cherit! – Chittim – Cherim! Verstehen sie jetzt was ich meine.“

„Pffffft. Das ist jetzt aber mal etwas hart. Aber laut den Überlieferungen war Ramses II. siegreich“, fügte Thomson ein.

„Das war ein Abkommen damit es zum Pakt kommt. Er war geschlagen und wir hätten mit einem einzigen Schlag alles beenden können. Allerdings war das nicht unser Bestreben. Wir wollten nur unsere Ruhe haben und schlugen daher vor, dass er abziehen soll, von uns kein Wort verliert und den Sieg für sich beanspruchen kann.“

„Das klingt jetzt wirklich logisch. Aber warum hast du so aggressiv auf die Bemerkung mit dem Fell reagiert? Ich frage mich, ob ihr alle so reagiert?“

„Nein. Ich glaube, dass es an mir liegt.“

„Aha und warum?“, fragte Thomson sanft.

„Wir hatten einen Spähtrupp ausgesandt, um die Taktik vor der Schlacht auszukundschaften. Der Trupp kehrte nie zurück. Später erfuhren wir was mit ihnen passierte. Sie gerieten in Gefangenschaft, wurden gefoltert und getötet. Aber damit nicht genug, Ramses erdreistete es sich sie häuten zu lassen und trug die Felle als Triumph. Daher ist eine Bemerkung, wie die ihre, für mich ein absolutes Reizthema.“

Kromberg verstummte endgültig und biss sich auf die Unterlippe.

„Viele Sachen sind passiert, die nicht so sind wie ich sie mir wünsche.

Ich bin nicht scharf drauf, ständig um den heißen Brei reden zu müssen und mich zu erklären. Ich muss es aber tun, weil ich sonst überhaupt keine Ruhe finde.

Ich wurde vor über 7000 Jahren in Stasis gelegt, schlummerte in einem Granitsarkophag, wurde im dritten Jahrtausend ihrer Zeit ins Leben zurückgeholt, kam aus einem Krieg, verschlief weitere, wurde von Untreue und Lügen gezeichnet und gestraft.

Vor etwas mehr als zehn Jahren hatten wir wieder einen Krieg. Ich verlor wieder Freunde und damit nicht genug auch noch Captain Drekal, die mir wie eine Schwester war.

Jetzt, in diesen Tagen stehen wir vor einem erneuten Feind; abtrünnigen Menschen, welche uns auslöschen wollen. Ich bin mittlerweile 7548 Jahre alt, wenn man es streng nimmt und sie fragen mich, warum ich die Nase gestrichen voll habe und nur noch meine Ruhe haben will und diese nicht finde?“

Thomson mischte sich ein. „Ich kann dich sehr wohl verstehen.“

„Schön und jetzt will ich von diesem Thema nichts mehr hören. Es ist alles geklärt und kann nur noch zerredet werden. Selestral hat in der Tat mehr erlebt als wir es uns vorstellen können“, ging Horn energisch dazwischen.

Die Jaguarin schaute Horn dankbar an und drehte sich zu den Computerkonsolen um, welche sie blind, taub und stumm anstarrten.

„In Deckung“, brüllte Colras.

Zeus hechtete hinter einen größeren Felsbrocken, als genau in diesem Augenblick eines der Aliens nach ihm griff. Die Klauen des Monsters schlugen ins Leere. Enttäuscht kreischte es auf, bremste seine Bewegung, drehte sich um und stürzte erneut auf den schwarzen Einhornhengst zu. Der zog seinen Blaster und wollte gerade schießen, als ein zweites Alien seitlich auf ihn zu raste und von den Beinen fegte.

Wie ein Stein ging er zu Boden, versuchte den Überblick nicht zu verlieren, zielte auf den zweiten Angreifer und schoss. Der Schuss durchdrang den Schädel des Aliens, fraß sich durch das Hirn des Aggressors und trat auf der gegen-überliegenden Seite wieder aus.

Gerade wollte das Wesen dem am Boden liegenden Offizier der Horem-hab mit einer seiner Klauen die Kehle aufreißen, als es vom Schuss getroffen inne hielt und schlagartig in sich zusammenbrach.

Das andere Alien bemerkte den Verlust, schrie auf und schlug Zeus den Blaster aus der Hand. Die Waffe flog quer durch die Luft und verschwand in einem der Erdhügel.

Er schrie auf.

Das Alien hatte ihm die Hand zerfetzt und schlaff und nutzlos hing sie an seinem rechten Arm. Doch damit nicht genug. Das Alien holte plötzlich aus, schlug ihm direkt ins Gesicht und brach ihm das Nasenbein. Blut lief aus beiden Nüstern, über die Lefzen, drang über die Lippen in den Mund ein und ließ ihn seinen eigenen Lebenssaft schmecken.

Er brüllte wütend auf, zog sein Messer und stach zu.

Zischend lief die Säure des Aliens über die Klinge, brachte sie zum Schmelzen, breitete sich über den Messerschaft aus und erreichte seine Hand. Innerhalb von Sekundenbruchteilen lösten sich die Finger, der bis dahin noch gesunden linken Hand auf, tropften zu Boden, fraß sich die ätzende Flüssigkeit über die Handfläche bis zum Gelenk weiter.

Entsetzt sah Zeus dabei zu, wie er den linken Arm bis zum Ellenbogen verlor.

Das Alien brach tödlich getroffen zusammen und der Hengst ging bewusstlos gleichzeitig mit ihm zu Boden.

Colras registrierte das Ganze nur am Rande, hatte er doch selbst alle Hände voll zu tun. Er schoss ein Alien nach dem anderen nieder. Den vorerst letzten Angreifer tötete er mit einem Nahschuss, rollte sich geschickt zur Seite, um nicht vom Alienblut getroffen zu werden.

Mehrere Augenblicke blieb er liegen. Es folgte kein weiterer Angriff.

Er sprang auf. „Zeus!“, schrie er.

Keine Antwort.

Suchend blickte er sich um und fand eine schwarze Gestalt am Boden liegend. „Bei allen Göttern“, flüsterte er entsetzt.

Er packte den verwundeten Hengst, schleifte ihn zurück und damit in den Schutz der intakten Fähre. Nachdem er das Außenschott geschlossen und gesichert hatte, schaltete er ein paar der Modifikationen ein.

„So was Dummes. Warum haben wir nicht von Anfang an diese Fähre benutzt? Dann hätten wir uns den ganzen Scheiß erspart. Jetzt bin ich kein Stück weiter“, murmelte er wütend.

Fauchend nahmen die Blastergeschütze ihre Arbeit auf und eliminierten mehrere Aliens, ließen sie wie Wassertropfen zerplatzen.

Colras aktivierte den Autosani und übergab Zeus den Apparaturen. Mehr konnte er nicht tun im Moment, der Rest musste von ihm selbst kommen.

Er sah sich um und überlegte. Wie sollte er jetzt noch an die zerstörte Fähre herankommen? Wie sollte er sie finden? Zu Fuß war es eh schon schwierig und hing vom Orientierungssinn ab, aber mit der Fähre, über dem Hügelfeld schwebend, war es aufgrund der veränderten Perspektive ungleich schwieriger. Zu tief fliegen durfte er nicht, da Gefahr von den Aliens drohte und die Geschütze nicht alle Ecken abdecken konnten. Zu hoch durfte er aber auch nicht aufsteigen, da er sonst nichts sehen konnte und das Radar durch den hohen Siliziumanteil der Hügel als Hilfsmittel ein schlechter Scherz war.

Die Situation war aussichtslos und drohte endgültig in einer Katastrophe zu enden.

Er sah hinüber zu Zeus, welcher immer noch bewusstlos auf der Liege des Autodocs lag. Sein linker Arm war bis zum Ellenbogen verschwunden und an seiner rechten Hand fehlte ein Finger und die restlichen waren teilweise zerfetzt.

‚Vielleicht wäre es für ihn besser gewesen zu sterben’, sinnierte er.

Aber das war nicht die Zeit für solche Gedanken. Andere Sachen hatten Vorrang.

Colras setzte sich an die Steuerungskonsole und starrte durch die Stirnscheibe der Fähre. Die Geschütze waren verstummt und die Angriffe offensichtlich verebbt. Waren die Aliens demoralisiert worden? Ginge das überhaupt? Wenn ja, dann war es jetzt die beste und vielleicht einzige Chance die andere Fähre zu finden.

Er startete die Triebwerke, hob ab und setzte zum Tiefflug an.

„Verdammt“, brummte Kromberg. „Wo bleiben die nur?“

Selestral schaute mit bitterer Miene zu ihm hinüber.

„Diese Warterei macht mich ganz verrückt“, polterte Thomson.

„Erzähle doch mal was über die Chafren“, bat Horn.

„Was soll ich über sie erzählen? Sie sind wie wir Cherit, haben den gleichen genetischen Ursprung. Lediglich die Tatsache, dass sie als Waffe gedacht waren unterscheidet uns.“

„Davon habe ich gehört, aber das ist schon lange her“, merkte Horn an.

„Im Elara-System gibt es den Planeten Genro. Der wurde zur Klon-Zucht auserkoren und letztendlich ging wohl alles schief und die Chafren entstanden. Den Ursprungsklon namens Andrew haben wir als Besatzungsmitglied an Bord der Horem-hab.“

„Sieh an, sieh an“, sagte Kromberg und grinste süffisant.

„Und trotzdem haben sich die Cherit und die Chafren für die Rettung der Erde und der Menschheit entschieden. Eigentlich hätten wir euch doch egal sein können“, merkte Thomson an.

„Vielleicht sind wir das, was ihr Menschen gerne wärt. Selbstlos und ohne Hintergedanken.“

„Och bitte“, knurrte Kromberg, „Nicht die alte Leier.“

„Wieso? Nur weil sie nicht die Wahrheit vertragen?“

„Eins zu Eins und damit Ausgleich“, rief Horn dazwischen.

„Wie lange sind die beiden eigentlich schon weg?“, fragte Thomson und wechselte damit das Thema.

„Seit etwa zwei Stunden“, erwiderte Selestral.

Colras umflog geschickt jeden Hügel und bekam nach und nach einen Über-blick über die Größe des Areals. Wenn er richtig geschätzt hatte, dann handelte es sich um eine Ausdehnung von circa zwanzig Quadratkilometern, wobei die Hügel im Abstand von jeweils zweihundert Metern standen, was eine Anzahl von hundert Hügeln ergab. Das gesamte Areal schien in einem perfekten Quadrat angelegt zu sein, so als ob jemand aus großer Höhe mit einem Winkel- und Abstandsmesser nachgeprüft hätte.

Die Blastergeschütze zerstäubten ein paar Angreifer in größerer Entfernung.

Der Tigerkater sah sich die Umgebung genauer an und erkannte eine bestimmte Unregelmäßigkeit an einem der Hügel. Er sah nicht so gleichmäßig aus wie die anderen, er war etwas breiter, aber flacher. Er zog die Fähre in einem scharfen Bogen nach rechts und hatte endlich die gestrandete Fähre im Blickfeld.

An Bord der Horem-hab war unterdessen Resignation eingezogen. Das lange Warten zerrte an den Nerven.

„Was machen wir, wenn wir in nächster Zeit immer noch nichts hören?“, fragte Stella kleinlaut.

„Dann werde ich auf den Planeten gehen“, entgegnete Sitral.

„Und noch einen Verlust erleiden?“, warf Zoya ein. „Entschuldige bitte, aber eine noch verrücktere Idee konntest du jetzt nicht haben.“

Sitral schaute die junge Säbelzahntigerhybridin fragend an, blinzelte etwas und lehnte sich zurück.

Colras landete direkt vor der zweiten Fähre und drehte sich zu Zeus um. Der stöhnte leise und bewegte sich etwas. Das war nicht viel, aber immerhin eine erste Reaktion und die war gut, denn sie bedeutete, dass der Hengst auf dem Wege der Besserung war.

Der Kater überlegte kurz.

Konnte er es riskieren den Verwundeten hier allein zu lassen? Seine Gewissensbisse verjagte er aber augenblicklich, da er keine andere Möglichkeit hatte.

Er verließ die Steuerungskonsole, entriegelte das Außenschott, schloss es hinter sich, verriegelte es wieder und sah sich um. Er brachte seine Waffe in An-schlag und sondierte die Lage genauer. Es war nichts zu hören, nur das leise Pfeifen des Windes war zu vernehmen und ein fernes Säuseln. Colras legte den Blaster über die Schulter und marschierte direkt auf die gestrandete Fähre zu.

Es erfolgten keinerlei Angriffe. Unbehelligt betrat er diese und machte sich an die Arbeit. So schnell er konnte, sammelte er die benötigten Elektronikkomponenten zusammen, stapelte sie auf einer der Konsolen. Jetzt musste er noch für die Konvertierung der Energie sorgen. Er legte sich auf den Boden der Fähre und rutschte unter eine der Konsolen, öffnete ein Abdeckgitter und griff in die Wartungsluke. Nach fünf Minuten hatte er das benötigte Bauteil in der Hand, packte die schon gesammelten Teile und drückte mit dem rechten Ellenbogen den Taster zur Bedienung des Außenschotts. Polternd fielen drei der Platinen zu Boden.

„Ach, verdammter Mist“, knurrte er, bückte sich um alles aufzuheben.

Das tat er keine Sekunde zu spät.

Kaum war er etwas in die Knie gegangen, schoss ohne Vorwarnung und ohne einen Schrei der Ankündigung ein Alien über ihn hinweg. Es wollte eigentlich den Tiger erwischen und hatte seinen Sprung auch entsprechend eingerichtet. Da sich der aber unvermittelt aus der Flugbahn bewegte, war der Plan nicht aufgegangen und es endete mit einem lauten Krachen zwischen den Konsolen im hinteren Teil der Fähre.

Das Alien versuchte sich aufzurappeln und verfing sich zwischen den vielen Kabeln, welche durch den zurückliegenden Absturz herausgerissen waren. Ge-nervt fauchte und zischte es, schlug um sich, was aber nicht den gewünschten Erfolg hatte. Es verhedderte sich immer stärker und als es mit Gewalt versuchte der Falle zu entkommen, riss es sich eines der linken Beine ab. Schmerzerfüllt kreischte es und rannte auf Colras zu.

Der hatte das Ganze mitbekommen, die Fähre verlassen, drehte sich zu dem Alien um und drückte auf den Taster zur Außenschottschließung.

„Leb wohl“, sagte er noch und hörte wie es krachend gegen das Schott rannte. Zur Sicherheit zog er den Blaster und feuerte auf die Schalttafel, schloss damit die Schottsysteme kurz. Dann ward Stille.

Fünfzig Minuten später setzte die Fähre vor der Wohnkomplexzelle auf und der Kater trat vor die Außentür.

Er nahm Verbindung zu Selestral auf. „Kannst du mich hören?“

„Ja, ich verstehe dich, du bist laut und deutlich zu hören. Warte einen Moment, ich entriegle die Zugangstür“, antwortete die Jaguarin.

Deutlich war das Klacken der Verrieglungszylinder zu vernehmen. Aufgrund der fehlenden Energieversorgung mussten sie manuell betätigt werden, was etwas Kraft und Zeit beanspruchte.

Plötzlich hörte man einen erstickten Aufschrei und die Tür wurde wieder geschlossen und verriegelt.

Horn, Thomson und Kromberg machten lange Hälse und schielten in die entsprechende Richtung.

„Wo ist das Einhorn?“, fragte Horn besorgt.

„Wir wurden angegriffen. Zeus wurde von zwei Aliens gleichzeitig attackiert. Ich konnte ihm leider nicht helfen, da ich ebenfalls zu tun hatte mir die Viecher vom Hals zu halten.“

„Ist er verletzt?“, fragte Horn nachdrücklicher.

„Ja, er liegt im Autodoc der Landefähre. Er hat Teile der rechten Hand verloren und der linke Arm existiert nur noch zur Hälfte.“

Entsetzen machte sich auf den Gesichtern breit.

„Hältst du es für eine gute Idee, ihn da draußen zu lassen?“, fragte Thomson mit leichenblasser Miene.

„Was würdest du denn tun?“, fragte Colras gereizt.

„Ich würde ihn reinholen. Da draußen ist er einem eventuellen Angriff schutzlos ausgeliefert.“

„Das ist er nicht. Die Fähre vor der Tür ist zufälligerweise ein Einzelstück und enthält jede Menge Spielereien, die ich persönlich eingebaut habe.“

„Und die wären?“

„Blastergeschütze, welche eine Freund-Feind-Erkennung haben und mittlerweile auf die Aliens ausgerichtet sind. Außerdem habe ich einen Schutzschild-generator eingebaut, den ich nur durch eine spezielle Fernbedienung abschalten kann, welche ich bei mir trage. Da kommt keines dieser Monster durch. Er ist in der Fähre definitiv sicherer als hier drin. Abgesehen davon dürfte es ihm eh nicht besonders bekommen, wenn ich ihn aus dem Autodoc hole. Die Verletzungen sind zu gravierend, als dass ich die Behandlung unterbrechen oder ganz beenden könnte. Er würde sterben.“

„Das ist ein gutes Argument. Auch, wenn mir der Gedanke nicht sonderlich gefällt.“

„Das ist nicht das Problem. Ich habe die Bauteile aus der abgestürzten Fähre retten können und kann eine provisorische Energieversorgung herstellen. Für Hilfe wäre ich wirklich dankbar.“

„Okay“, seufzte Kromberg. „Helfen wir dem Tiger.“ Der Mann erhob sich.

Colras zuckte zusammen und schaute scharf zu Selestral. Die zuckte kurz mit den Schultern.

„Wir hatten eine Diskussion über eine heftige Reaktion der Jaguarin bezüglich einer Bemerkung über ihr gepflegtes Fell“, beschwichtigte Horn.

„Und was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?“, fragte Colras grimmig.

„Es ging um Selestrals Vergangenheit“, hub Horn nochmals an.

„Ach so. Lassen sie es dabei beruhen“, beendete Colras das Thema.

Die drei Menschen nickten fast gleichzeitig.

„Gut. Dann machen wir weiter. Selestral! Du begleitest mich zur Fähre. Wir holen jetzt die Bauteile und bringen sie rein. – Lasst die Außentür offen. Ich glaube kaum, dass sich eines der Aliens im Moment hierher traut.“

Beide Cherit traten ins Freie und legten die fünfzig Meter an der Oberfläche unbehelligt zurück. In der Nähe der Fähre betätigte Colras die Abschaltfernbedienung des Schutzschildes. Mit einem leisen Zischen verschwand es und beide betraten das Innere der Fähre.

Zehn Minuten später befanden sie sich wieder in der Wohnzelle und begannen die Teile zusammenzusetzen.

Es war ein heilloses Durcheinander, denn die Verbindungsleitungen waren kunterbunt und scheinbar ohne jeden Sinn auf die Platinen gelötet, teilweise waren die Enden von Glasfaserkabeln nur mit einem der Platinenenden verdrillt und nicht weiter befestigt worden und die Platinen selbst ergaben eine voll-kommen lose Anordnung. Keiner sah so recht durch, außer Colras und Selestral.

„Fertig“, intonierte er schließlich.

„Und was jetzt?“, fragte Thomson.

„Ich werde unsere Improvisation jetzt mit der Energieeinspeisung der Computer hier verbinden und dann eine Übertragungsleitung zur Fähre herstellen. Ich habe aus der defekten Fähre genügend Kabel herausgeholt.“

Thomson nickte.

Der Tiger legte sich auf den Boden, schob sich mit den Beinen unter eine der Konsolen und kam nach drei Minuten wieder zum Vorschein. „Das müsste es eigentlich gewesen sein. Ich gehe jetzt wieder raus und hoffe, dass unsere Energie dem Rechnerschrott hier schmeckt. Wenn nicht, haben wir ein größeres Problem als bisher.“

Er verschwand und fünfzehn Minuten später flackerten einige Warnlampen neben den Computerkonsolen, dann gingen sie wieder aus. Weitere fünf Minuten vergingen und es herrschte Stille. Dann flackerten die Warnlampen nochmals, erloschen wieder und die Konsolen erwachten zum Leben. Augenblicke später erschien Colras im Raum und er war nicht allein.

„Ich habe jemanden mitgebracht“, sagte er sichtlich erleichtert.

„Ja, wen haben wir denn da?“, versuchte Kromberg zu witzeln. „Wenn das nicht Dornröschen ist.“

Zeus fand die Bemerkung despektierlich und schnaubte verächtlich.

„Ah! Sehr gut“, entgegnete Kromberg. „Ihm scheint es in der Tat besser zu gehen, er kann schon wieder zum Kampf auffordern.“

Colras schüttelte den Kopf und legte die Ohren zur Seite. Das sollte das Zeichen dafür sein, dass sich Kromberg zurückhalten sollte. Der Verstand es scheinbar auch richtig und zog es vor wieder zu schweigen.

„Was hast du mit den Computern überhaupt vor?“, fragte Selestral.

„Ich will versuchen an Daten heranzukommen. Ich möchte gerne wissen, was hier wirklich passiert ist. Vielleicht erfahren wir sogar, warum die Aliens mutieren konnten. Ich glaube nicht, dass diese Spinnenentwicklung reiner Zufall ist“, antwortete Thomson.

„Was willst du denn damit anfangen? Ich empfinde diese Daten als vollkommen nutzlos“, grollte Zeus leise.

„Das empfinde ich aber anders. Vielleicht kriegen wir so raus, wo sie ihre Schwachstelle haben und können uns somit effektiver verteidigen.“

„Dann mach das“, knurrte der Hengst, ging leicht gebeugt zu einem der Stühle und setzte sich.

In dessen Armstumpf steckten verschiedene Versorgungsschläuche, welche mit einem Gerät verbunden waren, dass er an einem Gürtel um die Hüften geschnallt trug. Man sah hin und wieder, dass verschiedene klare Flüssigkeiten zugeführt wurden und etwas trübere abgesaugt. Zweifelsohne handelte es sich um einen leichten, tragbaren Autodoc für lokale Verletzungen. Der Offizier der Horem-hab schien somit wirklich aus dem Gröbsten raus zu sein.

Thomson machte sich über die Computer her. Alle waren betriebsbereit und warteten auf die ersten Eingaben.

„Ich finde es etwas verwunderlich, dass die Dinger überhaupt noch funktionieren“, warf Horn ein.

„Das liegt wohl daran, dass die Kernexplosion am anderen Ende der Anlage erfolgte und somit sehr weit entfernt war. Wir dürfen nicht vergessen, dass der ganze Komplex etwa zwanzig Quadratkilometer groß ist, wenn man die Versorgungsgebäude und den Generatorendom hinzu rechnet.“

Plötzlich stutzte Colras. „Einen Moment bitte. Wie groß ist die Anlage?“

„Was ist denn Colras?“, kam Thomsons Gegenfrage.

Der Tigerkater blinzelte leicht verlegen und dankbar dafür, dass sich wenigstens die Frau an einen freundlicheren Umgangston hielt. „Du sagtest gerade etwas von einer Fläche von zwanzig Quadratkilometern“, hakte er nach.

„Ja, das ist die Standardgröße bei den Erstbesiedlungsstationen. Warum?“

„Kann ich einen Plan von der Station sehen?“

„Mal schauen ob ich einen hervorzaubern kann“, sagte Thomson und grinste frech.

Wenige Augenblicke später leuchtete der gewünschte Grundriss auf. „Das ist der Generatorendom. Besser gesagt, dass war er“, sagte sie und zeigte auf eine weit außerhalb liegende Anlage.

„Und was ist das und das?“

„Das eine ist der Wohnkomplex, an dessen äußerem Ende wir uns befinden und das andere ist das Gewächshaus.“

Der Kater nickte und schloss die Augen.

„Warum hast du gefragt?“, fragte Horn neugierig.

„Als ich das Hügelfeld überflog, habe ich eine augenscheinliche Vermessung vorgenommen.“

„Ja und?“

„Das Hügelfeld hat scheinbar die exakten Abmessungen der Station.“

„Was? Du machst einen Scherz oder?“

„Nein. Mir ist nicht nach humorvollen Einlagen zu mute. Das Hügelfeld hat eine Abmessung von zwanzig Quadratkilometern und ist exakt quadratisch an-gelegt. Der Grundriss des Generatorendoms liegt auf diesem Plan exakt an der gleichen Stelle, an der im Hügelfeld ein anders geformter Kegelstumpf steht.“

„Wie sieht der aus?“

„Er liegt etwas abseits, aber innerhalb des Quadrates. Er hat die gleiche Grundform wie auch die anderen Gebilde, aber er ist an der Basis größer und nach oben deutlich höher.“

„Mimikry?“, flüsterte Thomson laut genug, dass es jeder hören konnte.

„Es hat den Anschein“, antwortete Colras.

„Aber warum? Welchen Sinn sollte das haben?“

Horn riss plötzlich die Augen auf. „Taktik.“

„Wie meinst du das?“, fragte Kromberg sichtlich beunruhigt.

Zeus gab die Antwort. „Es ist eine taktische Karte der Station.“

„Was?“

„Ja. Die Aliens kamen nicht an die Computerdaten, wussten aber um den Grundriss der Station und um die wichtigen Eckdaten, also Lage der Generatoren, des Wohnkomplexes und des Gewächshauses. Daraufhin legten sie ihr Hügelfeld als exaktes Abbild der Weyland Jutani Station an. Sie konnten auf diese Art und Weise ihre Angriffe perfekt koordinieren und das weit außerhalb der Station. Es hat wahrscheinlich nicht mal jemand gemerkt.“

„Das kann ich einfach nicht glauben. So viel Intelligenz können die nicht haben“, wetterte Kromberg.

„Die sind vielleicht noch intelligenter als sie denken, Mister Kromberg“, raunte Selestral.

„Wie meinst du das?“

„Sie hatten mit uns Kontakt aufgenommen.“

„WAS? WIE? Wie sollte das gehen?“, fuhr Thomson hoch.

„Sie scheinen telepathisch veranlagt zu sein und projizieren ihre Gedanken in Interspeak.“

„Au verdammt. Ich glaube die Probleme werden immer größer.“

Horn nickte. „Wir dachten bisher, dass ihre Intelligenz eher einem reinen Raubtier entspricht und dass der Angriff in der Meute mehr ein Zufall war, als eine direkte Strategie. Vor allem rechneten wir nicht damit, dass ihre Angriffe an strategisch wichtigen Punkten, System hatten. Wir haben uns in allem geirrt. Wir haben es mit einer hochintelligenten Spezies zu tun, welche uns auslöschen wollte und wahrscheinlich immer noch will.“

„Nicht nur euch. Ferner haben wir jetzt das Problem, dass eure Daten über die-se Wesen mehr als nur lückenhaft sind und wir tatsächlich nicht wissen, was alles auf uns zu kommt.“

Thomson nickte und schaute betroffen zu Boden. „Was jetzt?“

„Setz dich an die Rechner und sieh zu, dass du möglichst viel herausfindest. Wir müssen wissen mit was wir es zu tun haben und vor allem müssen wir wissen in welcher Richtung wir die anderen drei Besatzungsmitglieder, inklusive Captain Melina, suchen müssen. Und beeil dich bitte. Die Zeit drängt“, sagte Horn fordernd und wandte sich an die Anderen. „Wenn die wirklich so intelligent sind, besteht Gefahr im Verzug und jedes Manöver, jeder Angriff und jede Ruhephase hat einen tieferen Sinn und ist nicht zufällig.“

Kromberg schluckte. „Wenn man wüsste mit wie vielen Viechern wir es zu tun haben?“

„Wahrscheinlich ein paar Hundert, wenn nicht sogar Tausend“, murmelte Horn.

„Wir sollten herausfinden, was sie als nächstes planen“, warf Zeus ein.

Einhellige Zustimmung.

„Okay. Brechen wir unser Lager hier ab. Die Daten kann man später immer noch aus den Rechnern ziehen. Wir starten unverzüglich und überfliegen das Hügelfeld in großer Höhe. Vielleicht bekommen wir einen noch besseren Überblick über das Areal und können sogar eine genaue Vermessung vornehmen“, sagte Selestral.

Sie trennten die Glasfaserverbindung zwischen Fähre und Rechnern der Komplexzelle und hoben ab.

Einige Zeit später rückte das Feld in Sichtweite.

„Okay, die Störfelder der Siliziumbauten sind minimal. Ich beginne mit der Vermessung“, rief Colras.

„Großer Gott“, sagte Thomson. „Seht euch nur diese perfekte Regelmäßigkeit an. Das ist geradezu schockierend.“

„Wir haben uns in der Tat getäuscht. Sie sind zu extremen Denkleistungen fähig. Wir hatten es die ganze Zeit vor Augen und nicht gesehen“, entgegnete Kromberg.

„Ich habe die Daten jetzt auf dem Monitor“, warf Colras ein. Alle starrten auf den Bildschirm.

„Es sind exakt die Abmessungen der Station. Der größte Hügel befindet sich an der Stelle, an welcher der Generatorendom stand. Zwei weitere Hügel, die et-was größer sind, stehen an den Stellen, an denen sich das Gewächshaus und das Zentrum des Wohnkomplexes befinden. Was ist eigentlich im Zentrum der Wohneinheiten?“

„Dort befindet sich die Krankenstation und das Labor“, sagte Thomson und biss sich auf die Unterlippe.

„Moment mal“, sagte Colras plötzlich. „Da stimmt was nicht. Ich bekomme noch einen dieser Siliziumhügel angezeigt.“

„Wo? Wo befindet der sich?“

„Er liegt außerhalb des Hügelfeldes und ist circa drei Kilometer entfernt von unserer jetzigen Position.“

„Was?“, kreischte Horn auf und reckte den Hals.

Tatsächlich. Es wurde eindeutig ein weiterer Hügel angezeigt.

„Was hat der da zu suchen?“, fragte Selestral verunsichert.

„Der Hügel befindet sich an der Stelle, an der das Alienmutterschiff gestrandet ist“, sagte Horn finster und schloss die Augen.

„Na Klasse. Das ist ja wirklich entzückend“, grummelte Kromberg.

„Ich habe eine Idee und eine Vermutung“, sagte Horn. „Wir sollten abdrehen und Kurs auf das Mutterschiff setzen. Unsere Alienfreunde wollen sich schein-bar nicht in die Karten gucken lassen und verhalten sich ruhig. Vielleicht bekommen wir dort mehr Informationen.“

„Gute Idee“, entgegnete Colras und setzte den entsprechenden Kurs.

„Captain!“, sagte Tripal.

„Was gibt es?“

„Ein Scan der Umgebung zeigt an, dass sich etwas unserer Position nähert. Die Sensoren der tragbaren Einheiten sind zu schwach um präzises sagen zu können, aber es scheint zu fliegen und nähert sich sehr schnell.“

Melina legte die Ohren an den Kopf. „Das klingt nach Verstärkung die da an-kommt. Behaltet das Ding im Auge und achtet ab jetzt vor allem verstärkt auf Feindaktivitäten. Wenn es eine Fähre der Horem-hab sein sollte, dann will ich es nicht riskieren sie zu verlieren.“

„Aye, Captain!“

Die drei Cherit bauten sich am Eingang auf und beobachteten die Umgebung noch genauer.

Eine knappe Stunde später setzte die Fähre mit Zeus, Colras, Selestral sowie Horn, Thomson und Kromberg an Bord direkt vor dem Zugang zum Mutter-schiff auf.

Kira rannte zu Melina. „Captain! Es ist tatsächlich eine der Fähren unseres Kreuzers. Sie ist soeben gelandet.“

Die Stute drehte sich zur zierlichen Luchsin um. „Dann empfangen wir sie doch gebührend“, sagte sie und lächelte leicht.

„Aye, Captain!“ Kira war es deutlich anzusehen, dass das Lächeln des Captains einen aufmunternden Effekt hatte.

Melina schloss die Augen und atmete tief durch. Hatten sie es geschafft, waren sie endlich dieser Hölle entkommen? Egal was auch passieren sollte, ihre neue Mannschaft war doch die Beste in der ganzen Cheritflotte, was vor allem ihrer Vorgängerin zu verdanken war. „Danke, Drekal!“, murmelte sie in sich hin-ein.

„Captain!“, unterbrach Kira ihre Gedankengänge.

„Was ist?“

„Die Besatzung der Fähre wollte sofort zu dir.“

„Oh, okay. Ausgezeichnet. Einen Weg gespart.“ Sie drehte sich um und musterte die Ankömmlinge. Die drei Cherit und Chafren waren ihr bekannt, aber nicht die Menschen. Sie schnaubte leise. „Hallo, mit wem habe ich die Ehre?“

„Captain“, ergriff Zeus das Wort, „ich darf ihnen Juliana Thomson, Mister Kromberg, dessen Vornamen ich nicht kenne und Mister Horn vorstellen.“

Thomson schaute den Captain an und begann zu lächeln.

„Nun schön. Es tut gut zu sehen, dass ihr alle noch am Leben seid, wenn auch der Eine oder Andere nicht mehr ganz vollständig“, intonierte die Stute und deutete auf Zeus‘ Armstumpf sowie auf die Verletzung an Colras‘ Arm.

„Das ist nichts weiter und nur eine vorübergehende Sache“, versuchte der Einhornhengst abzuwiegeln.

„Na ja. Kira wird dir schon einen praktischen Ersatz basteln. Kira?“

„Ich gebe mein Bestes“, antwortete die Angesprochene.

Captain Melina nickte und begann zu Grinsen, was für eine kurze Phase der Irritation sorgte. „Ihr seid wirklich die Besten. Captain Drekal war zu Recht stolz auf euch und in diesem Moment bin ich es auch. Aber die vor uns liegende Aufgabe wird alles abverlangen.“

Colras nickte und deutete eine leichte Verbeugung an. „Mit dem besten Captain als Vorgesetzten wird man zu Höchstleistungen motiviert.“

Melina schaute plötzlich zur Decke und fing an zu lachen. „Schmier‘ mir nicht so viel Honig ums Maul, das gehört sich nicht.“

„Aye, Captain!“

„Aber es gefällt mir und wenn ich das des Öfteren höre, dann glaube ich das irgendwann auch noch.“ Captain Melina klopfte Selestral kurz auf die linke Schulter. „Lass uns die weitere Vorgehensweise beraten und vor allem benötige ich umfassende Informationen.“