Kapitel 2
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Kapitel 2
Geheimniskrämerei
Die Verbindung wurde unterbrochen, aber gehalten. Mit großen Buchstaben prangte „Please hold the line“ auf dem Brückenwandschirm der Horem-hab.
„Wie in ganz alten Zeiten“, entfuhr es Jody Thorn und sie konnte sich ein Kopfschütteln nicht kneifen.
„Merkt ihr was?“, knurrte Cyron.
„Ja. Das ist in der Tat sehr merkwürdig“, konstatierte Kira.
„Eben. Normalerweise sollte Zoran die Ruhe selbst sein und nicht so auf Zeit drängen“, stellte Cyron fest.
„Termindruck?“, fragte Colras in den Raum.
„Während wir da draußen eine enorme Bedrohung fanden und deren einstweiligen Ursprung eliminieren konnten, baut sich hier ein Termindruck auf?“, hinterfragte Andrew. „Da ist was im Busch und Zoran will nicht mit offenen Karten spielen.“
„Oder er will es und kann aber nicht, da sich hinter seinem Rücken etwas zusammenbraut und er mit uns kollaborieren will“, ergänzte Melina die Ausführung.
„Ich will hoffen, dass es letzteres ist, denn dann wüssten wir, dass wir wenigstens eine Person haben, der wir vertrauen können“, stellte Stella fest.
Der Captain der Re-Harachte schien sich ähnliche Gedanken zu machen und kontaktierte das Schwesterschiff.
„Hallo Seth!“, grüßte Melina den Anthro-Esel.
„Hallo, meine Teure. Ich mache es kurz. Hier stimmt was nicht, zumindest werde ich das Gefühl nicht los.“
„Du wirst lachen, aber wir teilen deine Vermutung“, gab die Stute zu. „Wir haben eine Verbindung zu Norad und damit zu Zoran Grain, aber er stellt uns in eine Warteschleife.“
„Sehr interessant.“
„Warts ab, es wird noch besser. Die Warteschleife begann erst nachdem jemand Einlass in sein Büro begehrte und dieser Jemand scheint immer noch da zu sein. Zumindest warten wir seit geraumer Zeit.“
„Das wird immer interessanter.“
„Ich hege mittlerweile Bedenken, welche meine Crew teilt, uns der Erde weiter zu nähern“, sagte Melina und hob eine Hand in Richtung Sitral, welche an der Steuerung saß.
Seth seinerseits nickte nur kurz und fuchtelte in Richtung seitlich des Wandschirmes.
„Die Re-Harachte verringert die Geschwindigkeit zum Stopp“, bestätigte Colras an der Taktikkonsole der Horem-hab, Seths Handbewegung.
„Sofort stoppen“, befahl Melina ihrerseits. „Captain Seth! Ich sehe, dass wir einer Meinung sind.“
„Davon kannst du ausgehen. Ist Grain immer noch in der Warteschleife?“
„Ja.“
„Ich schalte die Byblos dazu“, entschied der Eselhengst und nickte seinem Com-Offizier zu.
Sekunden später befand sich Osiris‘ Konterfei ebenfalls auf den Schirmen der Kreuzer und wirkte befremdlich. „Darf ich fragen, was ihr da macht?“
„Ja, Administrator!“, hub Melina an. „Ich habe eine Verbindung zu Norad aufgebaut, aber es scheint etwas nicht zu stimmen. Der General bekam Besuch und hat uns in die Warteschleife gelegt, außerdem schien er mächtig unter Zeitdruck zu stehen.“
„Danke“, erwiderte Osiris, „die Probleme scheinen größer zu werden und ich sehe die Zukunft in weite Ferne rücken.“
„Wir sollten trotzdem die Verhandlungen auf Genro beginnen und vorantreiben. Nichts wäre giftiger als auch noch Das vor uns herzuschieben“, gab Zoya zu bedenken.
„Hmmm…“, brummelte Osiris vor sich hin. „Du bist die Unterhändlerin …“
„Administrator!“, fuhr Zoya fort. „Wenn wir nicht starten, dann haben wir zwei Baustellen und welche von den beiden die größere ist brauche ich wohl nicht zu betonen. Wenn auf der Erde wirklich eine Art der Verschwörung im Gange sein sollte und sich gewisse Kreise für eine, ich nenne es mal Säuberungsaktion, zusammenschließen, dann könnte es für Marduk und seine Anhänger unter Umständen der Punkt sein, an dem sie Angreifen könnten.“
„Das klingt bedenklich“, bestätigte Osiris den Hinweis.
„Nicht nur das. Wir gefährden das Leben einer ganzen Zivilisation, wenn beide Parteien, welche uns nicht wohlgesonnen sind, sich zusammenschließen. Wir müssen wenigstens eine binden.“
„Bestätigt! Wir stoppen und ich werde mich mit Shar’tark in Verbindung setzen oder einem seiner Nachfolger. Wenn ich die Haldoraner mit ins Boot be-komme, dann sollte den Verhandlungen nichts im Weg stehen.“
„Sehr gut, Administrator“, stimmte Seth zu. „Und jetzt mache ich noch etwas ganz anderes …“
„Oh nein, bitte nicht“, entfuhr es Melina.
„… Nein, meine Gute!“, setzte Seth nach, „Ich werde jetzt was ganz anderes machen. – Althais! Subraumverbindung nach Festrid. Sieh zu, dass du Maahes in die Leitung bekommst. Ich will die Nephtys, die Amun-Re und die Osiris haben.“
„Du beeindruckst mich gerade“, witzelte Melina.
„Ich stecke immer voller Überraschungen“, gab der Eselhengst zu Protokoll.
„Ja und diesmal sogar sinnvoll“, erwiderte die Stute.
„Captain Seth! Ich habe eine Verbindung nach Festrid. Ich habe Admiral Brolk in der Leitung, ebenso die gewünschten Kreuzer.“
„Ah! Sehr gut. Auf den Schirm, Querverbindung zu allen Schiffen“, ordnete Seth an.
„Grüße an dich da draußen, alter Esel. Was macht die Kunst?“, begann Captain Maahes. Der Löwe war auch in die Jahre gekommen und seine einst sehr üppige Mähne sah etwas ausgefallen aus.
„Hallo, alte Graumähne. Du hattest auch schon bessere Tage“, konterte Seth.
„Ja, ja. Mach dich noch lustig. Jetzt sag schon, was ist los? Umsonst wirst du mich wohl nicht anrufen.“
„Redet auch mal jemand mit mir?“, polterte Brolk dazwischen. „Immerhin habe ich das Kommando und nicht sie.“
„Entschuldigung Admiral“, versuchte Seth zu beschwichtigen. „Wir sind halt nun mal die Frontgarde und haben einen sehr engen Zusammenhalt.“
„Meinetwegen“, knurrte der Wolf, „was planen sie im weiteren Verlauf?“
„Darauf kommen wir gleich zu sprechen“, stellte Seth den Admiral nochmals hinten an.
„Ihr kennt ja noch Captain Melina und auch Administrator Osiris?“
„Aber sicher doch. Schade das Theseus gerade nicht anwesend ist, der hat mit der Stute noch was zu bereden“, setzte Maahes nach.
„War ja klar“, flüsterte Melina und verdrehte die Augen.
„Ist ja alles schön und gut, aber wir sollten zum Kern kommen“, polterte Osiris dazwischen und Brolk nickte zustimmend.
„Dann schießt mal los“, forderte Maahes auf.
Nachdem alle ihre Gedanken und Bedenken geäußert hatten und Maahes eine geraume Zeit auf den Lippen gekaut hatte, schaltete sich plötzlich das „Please hold the line“ weg und das Gesicht von Zoran Grain erschien.
„Tut mir Leid, dass es etwas länger gedauert hat, aber hier sind einige unschöne Sachen im Umlauf und wir sollten nichts über diesen Kanal be-sprechen“, beschwor der Gepard-Mensch-Hybrid die Zugeschalteten.
„Oha! Hatten wir den richtigen Riecher“, entfuhr es Sitral an der Steuerung.
Grain schaute auf einige Monitore im gegenüberliegenden Hintergrund und nickte zufrieden. „Schickt ein paar Leute nach Norad und ansonsten will ich keinerlei Kontakte über diese ungesicherten Frequenzen. Lasst euch was ein-fallen, dass ihr sicher hierher kommt, der Rest bleibt wo er ist. Ich meine es tot ernst. Alles weiter besprechen wir persönlich. Grain, Ende!“
„Hervorragend!“, knurrte Colras. „Vom Regen in die Traufe.“
„Ich hatte es doch gesagt“, hub Cyron an und winkte schließlich ab.
„Wen schicken wir?“, fragte Osiris vom Wandschirm her und schaute in überlegende Gesichter.
„Ich bin dabei, auf jeden Fall“, begann Andrew.
Apophis und Zoya schlossen sich an, ebenso Selestral und Sitral.
„Bestens! Ich werde nicht mitkommen“, entschied Osiris. „Die Byblos ist im Alarmzustand, die Attikon bleibt wo sie ist. Was ist jetzt mit den anderen Kreuzern?“
„Maahes?“, fragte Seth in Richtung seines Wandschirmes.
„Ich bin bereit, aber bedenkt mein Alter, also nichts Wildes mehr.“
„Können wir nicht garantieren“, stichelte Melina dazwischen.
„Na schön. Ich werde Theseus und Ramos verständigen. Wir werden mit drei Kreuzern kommen.“
„Ausgezeichnet. Aber es wäre besser, wenn Theseus und Ramos nach Genro fliegen und sich dort aufhalten. Die sollen sich gleich mit den Chafren in Verbindung setzen und alle darauf vorbereiten, dass sich in Kürze eine Delegation auf den Weg machen wird und das Friedensverhandlungen stattfinden werden. Die sollen sich einen geeigneten Platz aussuchen.“
„Verstanden! Wir sind quasi auf dem Weg“, bestätigte Maahes und verschwand vom Schirm.
„Gut! Wir haben soweit alle zusammen“, konstatierte Seth. „Ihr bemannt die Fähre. Ich schicke zwei Fähren gestaffelt von der Re-Harachte raus und lasse die auf autonom laufen. Falls was sein sollte, dann wird wohl die erste dran glauben müssen.“
„Ich sehe, dass du mitdenkst und bin einverstanden“, bestätigte Melina die Ausführungen. „Legen wir los.“
Der Wandschirm verdunkelte sich kurz und gab dann den Blick auf den Sternenhimmel frei.
Captain Melina runzelte die Stirn. „Das gefällt mir alles überhaupt nicht und vor allem, dass Zoya auch mitfliegt. Ich würde es begrüßen …“
„… wir nehmen noch Zeus als Begleitschutz mit“, fiel ihr Sitral ins Wort.
„… dann eben so“, schloss Melina kurz ab.
„Re-Harachte startet gerade die Fähren“, meldete Colras.
„Danke. Geht zu Zeus, rüstet ihn aus und dann ab in Richtung Erde.“
„Aye, Captain!“
Die Viergruppe verschwand im Aufzug und ward auf dem Weg zu Zeus‘ Quartier, aber soweit brauchten sie sich gar nicht erst zu bewegen, denn der schwarze Einhornhengst kam ihnen schon auf halbem Weg entgegen.
„Großartig!“, entfuhr es Sitral. „Wenn man vom Teufel spricht.“
„Was?“, schnaubte Zeus entrüstet auf. „So schlimm bin ich nun auch wieder nicht.“
„Da habe ich andere Sachen gehört. Aber nichts destotrotz, wir brauchen dich.“
„Oh, das freut mich, aber nur, wenn es nicht so wild wird.“
„Wo habe ich das schon mal gehört?“, fragte Zoya rhetorisch und kicherte.
„Um was genau geht es denn?“, hakte Zeus nach.
„Du begleitest als persönlicher Schutz Zoya und uns zur Erde. Da gibt es einige Sachen die General Grain mit uns nur persönlich besprechen will.“
„Ärger?“
„Mit Sicherheit.“
„Klingt nach einer Menge Spaß.“
„War da nicht etwas mit dem Alter?“, stichelte Zoya.
„Ich werde dir zeigen, was ich in meinem Alter noch alles kann.“
„Oh, nein. Bitte nicht“, wies ihn Andrew zurecht.
„Andrew, ich kann mich sehr gut zur Wehr setzen, wenn er zu aufdringlich wird“, gab Zoya zu bedenken.
„Das glaube ich dir aufs Wort“, entgegnete der Säbelzahnlöwe und fing laut an zu lachen. „Aber jetzt gehen wir erstmal in die Technik und lassen Zeus aufrüsten. Wir sollten uns auf das Schlimmste vorbereiten.“
In der Technik trafen sie auf Tripal und Sachmet 4509. Während der Löwinnen-Klon hektisch herumlief, saß die Säbelzahntigerin im Rollstuhl und schmollte.
Da kam der unerwartete Besuch gerade recht.
„Gut, dass ihr da seid. Ich sterbe hier noch“, begrüßte sie die fünfköpfige Gruppe.
„Na ja, rein praktisch gesehen …“, begann Zoya.
„… oh nein. War ich nicht. Das ist nur ein Kratzer“, unterbrach Tripal sie.
„Ah. Jetzt kannst du schon wieder streiten. Das ist gut“, witzelte Zeus. „Dann wird es dir bestimmt nichts ausmachen mir wieder ein paar nette Sachen zu geben.“
„Nächstes Gefecht?“, hakte Tripal nach.
„Ja. Aber wir hoffen nicht, zumindest nicht so schlimm“, ergänzte Andrew.
„Lasst uns mal sehen was wir da haben“, frohlockte Tripal. „Ich würde euch ja zu gerne begleiten, aber ich habe da ein kleines Problem.“
„Nun ja“, überlegte Zoya. „Da Zeus ja mein Begleitschutz ist, wäre für dich vielleicht Ionos da. Wenn er mitkommen will.“
„Das wäre toll“, kreischte die Säbelzahnkatze begeistert. „Und Ionos wäre bestimmt gerne bei mir.“
„Ja, das kann ich mir vorstellen“, lenkte Andrew schnell die Gesprächsrichtung, bevor es unanständig würde. „Aber jetzt sollten wir erstmal eine passende Waffenausrüstung für Zeus‘ Unterarmprothese finden.“
„Was hättet ihr denn gerne?“, fragte Tripal während sie in eine Richtung den Gang hinunter deutet und mit dem Rollstuhl langsam vorausfuhr.
Andrew schaute nur zu Zeus und zeigte auf Tripal. „Deine Runde, mein Freund.“
„Ach ja …“, begann der schwarze Einhornhengst und schnaubte kurz. „Ich bräuchte etwas für den Nahkampf und etwas für größere Entfernungen.“
„Größere Entfernungen? Wie fern ist denn fern?“
„Naja, normale Reichweite, also so etwas wie einen leistungsstarken Laserstrahler.“
„Das ist ja simpel. Ich dachte, dass du sowas wie einen Granatwerfer oder einen Schalldruckwerfer ins Auge gefasst hättest“, seufzte Tripal.
„Schalldruckwerfer?“, fragte Zeus unsicher.
„Ja, ist ganz was Feines. Zerstört nur lebendes Gewebe durch die Abgabe von Schallwellen auf extrem niedrigen Frequenzen in einem definierten Band. Genial und echt blutig.“
„Du bist ja mal ganz makaber.“
„Kriege sind unfair und derjenige der die perversesten Waffen hat gewinnt“, entgegnete Sachmet 4509 aus einer anderen Ecke des Lagers heraus.
„Dann nehme ich die noch dazu“, erwiderte der Hengst und knirschte leise mit den Zähnen.
„Gut. Dann nehmen wir einen Rubinlaser, einen Schallwerfer und … - ähm … Sachmet … bist du so lieb und reichst mir noch ganz oben einen der Granatwerfer und die passende Munition?“
„Hört sich an, als ob der Gute in eine Privatarmee verwandelt werden soll“, witzelte die Klon-Löwin.
„Na ja“, hub Zeus an, „ich soll Zoya einstweilen auf der Erde beschützen und später nach Genro begleiten.“
„Oh, was gibt es denn da wichtiges?“
„Friedensverhandlungen mit den Abtrünnigen.“
Das war jetzt ein Moment in welchem man eine Anthro-Löwin, welche der altägyptischen Göttin Sachmet bis aufs Detail glich, nein, eher war sie das Vorbild derer, erleben konnte, die kurzfristig in den Zustand der Schnappatmung überging. Als diese Phase überwunden war, weiteten sich die Pupillen und der Blick wurde starr. In der folgenden fand sie ihre Sprache wieder: „Die haben allen Ernstes klein bei gegeben und wollen mit uns verhandeln?“
„So sieht es aus und so ist der Plan.“
„Wird immer toller hier. Und was gibt es auf der Erde?“
„Wir fliegen zu einem persönlichen Gespräch, da man scheinbar mit dem Vertrauen sehr vorsichtig sein muss.“
„Klingt so, als ob ihr Verstärkung brauchen könntet“, stellte die Klon-Löwin fest.
„Tripal ist schon mit dabei und Ionos begleitet uns auch. Aber vielleicht wäre eine Sachmet auch nicht schlecht“, sinnierte Zeus. „Oder was denkt ihr?“
Andrew atmete deutlich hörbar ein und dann wieder aus. „Meinetwegen. Aber mehr kommen jetzt wirklich nicht mehr mit. Sonst wird mir das langsam aber sicher zu voll und geht in Richtung eines Sommerausfluges.“
„Mit Sicherheit nicht und ich nehme dankend an“, schloss der Sachmet-Klon und reichte Tripal die gewünschte Waffe.
„Okay, muss ich meine Prothese abnehmen?“, fragte Zeus an Tripal gewandt.
„Ja, zur Montage wäre es von Vorteil, danach verkabeln wir dich wieder.“
Eine halbe Stunde später war es vollbracht und der kybernetische Arm wieder an seinem Träger.
„Muss ich etwas Besonderes beachten?“
„Nicht wirklich. Es sei denn du willst ganze Plätze entvölkern und feuerst alle Waffensysteme gleichzeitig ab“, warf Sachmet 4509 ein.
„Was würde dann passieren?“
„Mach es einfach nicht. Das sollte als Hinweis reichen“, entgegnete Tripal mit einem Augenzwinkern, während Sachmet 4509 sich ein Kichern nicht ver-kneifen konnte.
„Sprich, keine Heldentaten?“, fragte Zeus.
„Mach einfach keine Dummheiten“, seufzte Tripal und gab ihm einen leichten Schlag auf den Hintern.
Leise grummelnd ging er zur Tür, während Sachmet 4509 und Tripal ihm folgten.
Im Fährenhangar trafen sie auf den Rest der Gruppe und konnten starten, wenn auch nicht gänzlich ohne Diskussion.
„Tripal…“, hub Tarja an, wurde jedoch von der Säbelzahntigerin unterbrochen. „… vergiss was du sagen willst. Ich komme mit, immerhin bin ich eine Kämpferin und Ionos ist ja auch da.“
„Und du meinst, dass das eine gute Idee ist?“, fragte Andrew dazwischen.
„Ich finde es viel gewagter meine Enkeltochter mitzunehmen. Was ist, wenn ihr etwas passiert? Was wird dann aus den Verhandlungen? Sollte sie nicht besser auf dem Weg nach Genro sein?“
„Ich bin auf besagtem Weg, wenn es soweit ist und wir die Information erhalten, dass die Haldoraner und auch die Osiris, die Amun-Re sowie die Nephtys vor Ort sind. Erst dann sind der Planet und das Elara-System sicher. Das ist kein Spaziergang“, fauchte Zoya harsch.
„Meinst du, dass das hier etwas anderes ist?“, schnauzte Tripal zurück.
„Wäre es nicht besser beide hierzulassen?“, fragte Sachmet 4509 dazwischen.
„Halt die Klappe“, knurrten Tripal und Zoya gleichzeitig die Löwin an.
„Schon gut, schon gut. Das fängt ja richtig gut an“, stöhnte Zeus und schaute auf seinen künstlichen Arm. Er überlegte scharf, ob es nicht besser wäre, wenn er alle Waffen gleich jetzt zünden würde, verwarf jedoch den Gedanken. Aber eine Möglichkeit wäre es gewesen.
„STARTEN WIR JETZT ENDLICH?“, brüllte Selestral genervt. „Ich habe keine Lust noch länger zu warten! Hinsetzen und anschnallen! Sitral zu mir und an die Taktikkonsole. Der Rest darf gerne beten, dass wir heil ankommen.“
Sitral, welche sich brav setzte, den Mund aufmachte um etwas zu sagen, Selestral gleichzeitig mit aufgerissenen Augen ansah, registrierte noch wie diese die rechte Hand hob und den Mittelfinger demonstrativ nach oben streckte. Weiter kam sie nicht. Sie machte noch rechtzeitig den Mund zu, aber nur um kurz darauf überrascht aufzubrüllen, da die Jaguarin unvermittelt zum Blitzstart überging und die Fähre mit maximaler Beschleunigung den Hangar verließ.
„Wir sind auf Kurs“, begleitete Selestral den Flugbeginn.
„Das nächste Mal bitte mit Ankündigung“, raunte Zoya und zwinkerte ihrer Urgroßmutter Tarja liebevoll zu.
„Erinnert mich entfernt an Groodarn. Der hatte auch solche Überraschungen parat“, raunte die Tigerin mit einem Anflug von Sarkasmus.
„Schöner Vergleich“, prustete Sitral los und schaute Selestral von der Seite her schief an. „Aber wir sind hier nicht auf Genro und …“
„… befinden uns unter Umständen auf einem Feindflug. Zumindest bereiten mir die seltsame Verschwiegenheit und Geheimniskrämerei von Grain Kopf-schmerzen“, unterbrach Selestral die Schneeleopardin.
„Was genau haben wir jetzt geplant?“, fragte Zeus.
„Als erstes möchte ich sicher in Norad landen, dann sehen wir weiter. Ich kann nur hoffen, dass der General uns persönlich empfängt“, antwortete die Jagua-rin. „Ich könnte echt kotzen. Als ob tausende Jahre zurückliegend nicht schon Ramses genug Ärger bereitet hätte. Es hätte alles so schön sein können - aber nein – es muss ja wieder mal alles kompliziert werden.“
„Kopf hoch, Süße!“, munterte Sitral sie auf. „Wird schon schief gehen.“
„Wir sind auf direktem Kurs“, warf Selestral in die Kabine, „bisher keinerlei Kontakte zu anderen Flugobjekten.“
„Das ist jetzt merkwürdig. Normalerweise sollte eine Eskorte auftauchen“, murmelte Zeus.
„Vielleicht ist es besser, wenn es nicht so ist“, mutmaßte Tarja.
„Oder es ist so, weil wir eine bessere Zielscheibe abgeben“, warf Zeus bitter ein.
„Nein. Wenn dem so wäre, dann hätten wir schon eine Warnung auf dem Radar, aber da rührt sich nichts“, hielt die Jaguarin gegen.
„Wie lange noch bis zum Eintreffen?“, fragte Zoya nach.
„Etwa fünfzehn Minuten, wenn wir den Kurs nicht ändern müssen“, gab Selestral zur Antwort.
„Sehr schön. Dann sollte auch nichts weiter passieren.“
Der restliche Flug selbst stellte sich letztendlich als sehr ruhig heraus und die Fähre wurde nicht behelligt. Alles in allem stellte es sich beunruhigend leicht dar.
„Nichts, überhaupt nichts in der Luft. Es geradezu wie ausgestorben“, raunte Selestral. „Ich ziehe eine ruhige Schleife über dem Hauptquartier und prüfe sicherheitshalber die Lage.“
„Solange du nicht darauf abzielst doch noch jemanden anzulocken …“, begann Tarja den Satz, wurde durch Zoyas sanften Seitenhieb jedoch abgewürgt.
„Ah. Die beiden autonomen Fähren der Re-harachte stehen vor der Basis und scheinen unbeschädigt. Ich gehe runter“, tat Sitral kund.
Nach erfolgter Landung in Norad bemerkten alle Beteiligten, dass die voraus-geschickten Roboterfähren in der Tat in einem Stück auf der Basis angekommen waren und sich nicht nur Grain eingefunden hatte. Neben ihm stand der Säbelzahntigerhybrid Major Altarion Rogers und zog eine finstere Miene. Allein das ließ die Stimmung noch weiter sinken.
„Hallo, ihr Helden!“, begann General Grain das Treffen. „Folgt mir, es gibt viel zu besprechen. Was macht Zoya hier? Die sollte auf dem Weg nach Genro sein.“
„Eins nach dem anderen“, hielt die säbelzähnige Hybridin dagegen. „Genro kann warten, wir müssen erst einmal hier für Ordnung sorgen.“
„Hmmm …“, hub Rogers an, „ich halte es für gewagt, aber meinetwegen. Kommt mit. Wir wollen einen ausführlichen Bericht aus eurer Sicht und dann kommen wir zu einigen anderen Dingen.“
Die Gruppe schritt los und betrat die Basis.
„Was genau ist passiert?“, fragte Zeus barsch. „Ihr hüllt euch in einen Vorhang des Schweigens und wir sind berechtigt misstrauisch.“
„Das hat seine Gründe“, knurrte Altarion Rogers und breitete entrüstet seine schwarzen Schwingen aus.
„Auch diese Geste beruhigt uns nicht sonderlich“, seufzte Zoya.
„Es gibt Entwicklungen, die es auch nicht sollten und ihr habt nur die Spitze des Eisberges auf LV426 gesehen“, wurde Rogers ungehaltener. „Einige Sachen haben wir ja schon brühwarm gehört, aber wir möchten gerne eure Sichtweise einfügen.“
„Was habt ihr gehört und vor allem von wem?“, bohrte Sachmet 4509.
„Das werdet ihr gleich sehen. Wir waren, sagen wir mal, überrascht.“
„Wenn euch das überrascht hat, dann werden wir es wohl auch sein“, entfuhr es Tripal, welche ihren Rollstuhl eifrig neben Ionos her bewegte und den jungen Leopardenkater plötzlich anschnauzte: „Kannst mir ja mal helfen, anstatt mich den Mist hier allein machen zu lassen.“
„Entschuldige bitte, aber ich wollte dich nicht zu unselbständig wirken lassen“, erklärte sich Ionos.
„Ich gebe dir Bescheid, wenn ich mich zu unselbständig fühle, bis dahin darfst du mir gerne zur Hand gehen.“
Der Leopard ging hinter den Rollstuhl und begann die Säbelzahntigerin zu schieben.
„Schon besser. Immerhin willst du ja auch etwas von mir, wenn ich wieder auf den Beinen bin.“
„Dafür brauchst du keine Beine“, entgegnete Ionos und lief an der Nasespitze leicht rot an.
„Oh doch, Süßer. Ich will ja verhindern, dass du mir mittendrin entkommst.“
„Och bitte“, mischte sich Zoya ein, „nicht gerade jetzt dieses Thema.“
„Meinetwegen. Entschuldige bitte“, gab Tripal klein bei.
„Und entschuldigt euch nicht immer“, murmelte Zoya halblaut.
„Entschuldige bitte, wenn wir uns immer entschuldigen“, warf Ionos ein.
„Schluss jetzt“, schnauzte Grain. „Ist ja nicht auszuhalten. An der nächsten Ecke geht’s nach links und dann gleich in den Besprechungsraum.“
„Aye, General!“, bestätigte Zeus und nickte zusätzlich.