Camilla - Die Eroberin, Kapitel 4
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Kapitel 4
Als Camilla erwachte war es bereits hell.
Ihr Butler Frank Simson war heute Morgen nicht in ihrem Zimmer.
Verwundert sah sie sich um, denn irgendetwas schien nicht zu passen, etwas war anders als sonst.
Langsam musterte sie ihre Umgebung. Alles war an seinem Platz und doch war etwas … ‚Die Tür ist offen', schoss ihr durch den Kopf. ‚Was zum Teufel …'
„Guten Morgen Miss Queen“, ertönte die Stimme der Roboters, welcher einem Tauren-Anubis nachempfunden war.
„Ehm… Guten Morgen … Anubis“, suchte sie nach Worten. „Was führt dich denn um diese Zeit zu mir? Wo sind Frank und Stephen?“
„Wenn sie ihren Butler und Stiefbruder meinen, die beiden befinden sich im Speisezimmer und erwarten sie.
„Sehr schön, aber warum bist du hier und nicht Frank?“
„Die beiden beraten sich, wer die Kabine mit Aussicht bekommen soll und wer, wie sagte ihr Stiefbruder, den Katzenplatz bekommt“, antwortete der Roboter.
„Das ist aber nur die Hälfte von dem was ich fragte“, bohrte Camilla, „irgendwie bist du merkwürdig.“
„Es freut mich sehr, dass meine Anwesenheit sie begeistert“, sagte der Anubis-Roboter und wich wiederholt einer Antwort aus.
„Also“, hub Camilla ihre Stimme an, „was machst du in meinem Zimmer?“
„Die Tür stand offen und ich trat ein.“
„Anubis!“, herrschte die Fuchs-Wölfin ihn an. „Du weichst meiner Frage aus. Was ist los mit dir? Du hast eine KI kommst mir aber vor, als ob du mit mir spielst.“
„Wenn ich mit ihnen spielen wollte, dann würde ich sie zum Spiel auffordern.“
„Was ist dein Auftrag?“
„Darüber kann ich keinerlei Auskunft erteilen.“
„Was? Willst du mir gerade wirklich zu verstehen geben, dass du einen speziellen Auftrag hast, aber mich darüber nicht informieren darfst?“, hakte die Fuchs-Wölfin nach und wurde ungehalten.
„Das kann ich nicht bestätigen. Trotzdem sollte sie das nicht beunruhigen, ich bin Anubis und ich bin auf sie programmiert. Nur sie können mir Aufgaben erteilen. Eine etwaige Unterprogrammierung bleibt unberührt, stellt für alle beteiligten jedoch keinerlei Bedrohung dar“, gab der Roboter endlich mehr Preis.
„Aha, da habe ich dich erwischt. Du hast einen Auftrag, der mit mir zu tun hat, wirst mir aber keinen Schaden zu fügen. Wirst du mich beschützen?“
„Das ist eine meiner Aufgaben.“
„Immerhin. Beantworte mir noch eine Frage“, forderte Camilla.
„Sehr gerne Miss Queen.“
„Warst du vergangene Nacht in meinem Zimmer?“
„Was meinen sie damit?“
„Vielleicht hat es nichts zu bedeuten, aber ich sah dich in meinem Zimmer, auf meinem Bett.“
„Was soll ich auf ihrem Bett?“
„Das musst du mir erklären und vor allem solltest du mir auch erklären was für Geheimnisse du noch in dir trägst.“
„Miss Queen, ich versichere ihnen, dass ich des Nachts nicht in ihrem Zimmer war. Außerdem habe ich keinerlei Geheimnisse die ich ihnen verraten würde.“
„Wie darf ich das jetzt verstehen?“
„So wie ich es sagte. Wo wäre denn der ganze Spaß, wenn ich gleich alles Preis geben würde“, entgegnete der Roboter, sah Camilla plötzlich etwas schief an und schien zu grinsen.
„Ich behalte dich im Auge, mein Freund.“
„Sehr wohl Miss Queen. Ich werde mich nicht verstecken.“
Das wurde Camilla zu bunt.
Sie sprang aus dem Bett und baute sich vor dem Anubis-Tauren auf. „Carbonit, Aluminium, Elekronik hin oder her, egal. Du bist ein sehr merkwürdiges Kerlchen.“
„Ich stecke voller Überraschungen“, kam die freche Antwort.
„Da bin ich mir absolut sicher.“
„Sie sollten duschen und sich etwas anziehen, Miss Queen. Es ist heute etwas kühl und ich möchte nicht, dass sie sich erkälten. Das wäre unserer Abreise nicht zuträglich.“
„Immerhin ist dir nicht aufgefallen, dass ich nackt bin.“
„Es ist mir sehr wohl aufgefallen. Aber ich wäre töricht es anzumerken und sie in Verlegenheit zu bringen.“
„Wer bist du wirklich? Du bist kein Lastenroboter. Lastenroboter haben nicht solche Gedanken. Die sollten sich deiner KI eh verbieten.“
„Ich programmiere mich selbst und passe mich ihnen an, Miss Queen.“
„Geh bitte ins Speisezimmer und sage Stephen und meinem Butler Bescheid, dass ich mich beeilen werde.“
„Sehr wohl Miss Queen.“
„Ausgezeichnet.“
Der Roboter drehte sich um, wandte sich der Tür zu, während Camilla ihm dabei zusah und es sich nicht nehmen ließ einen prüfenden Blick zwischen seine Hinterbeine zu riskieren.
Nichts, es war dort nichts zu sehen. Die Fuchswölfin atmete leise durch.
Als der Anubis-Roboter die Tür erreicht hatte, hielt er kurz inne, sah zu Camilla: „Wenn ich sie nach Sirius D begleiten soll, dann brauche ich Fell. Als Roboter ist dieser Bereich für mich Sperrgebiet. Ich könnte auf Sirius A eine entsprechende Quelle organisieren.“
Noch bevor die Fuchs-Wölfin etwas erwidern konnte, war er gegangen.
Zwanzig Minuten später stand Camilla im Speisezimmer. „Guten Morgen Stephen und guten Morgen Frank. Ich wünsche wohl geruht zu haben“, hub die Fuchs-Wölfin an.
„Hallo Schwesterchen, wie war die Nacht?“, fragte Stephen.
„Wie haben sie geschlafen, Miss Queen?“, schloss sich Frank Simson an.
„Keine Ahnung, ich bin ausgeruht.“
„Hast du unseren Lastenträger gesehen?“, fragte Stephen.
„Wieso fragst du? Ihr habt ihn mir doch geschickt.“
„Wir haben was?“
„Anubis stand bei mir im Zimmer und sagte, dass er von euch geschickt wurde.“
„Nein. Haben wir nicht. Wir hatten ihn ins Arbeitszimmer geschickt, um die Ausrüstung vorzubereiten.“
„Stop! Stop! Ganz langsam. Er stand in meinem Zimmer, gab komische Antworten auf meine einfachen Fragen und benahm sich auch sonst etwas merkwürdig“, entrüstete sich Camilla.
„In deinem Zimmer? Wir haben ihn aber nicht zu dir geschickt“, erklärte Stephen.
„Wir sollten ihn unbedingt im Auge behalten. Da stimmt etwas nicht“, flüsterte Camilla verschwörerisch.
„Wenn es ihr Begehr ist, Miss Queen“, mischte sich Butler Frank ein.
„Danke!“
„Aber was hat er denn gesagt, dass du so nervös bist?“, hakte Camillas Stiefbruder nach.
„Er meinte, dass er eine Aufgabe hat, mich beschützen soll, hat zusätzlich einen Auftrag den er nicht nennen darf, aber wir uns keine Sorgen machen sollen, da keine Bedrohungslage vorliegt.“
„Klingt nicht gerade beruhigend“, murmelte Stephen.
„In der Tat. Mister Lang hat Recht. Miss Queen, würden sie es nicht doch bevorzugen von einem Ausflug nach Sirius D abzusehen?“, sorgte sich Frank Simson.
„Nein, gerade jetzt erst recht nicht.“
„Wie sie wünschen“, schloss der Dobermann-Butler ab.
„Ach ja. Unser lieber blecherner Anubis hat mittlerweile die gleichen Floskeln drauf wie Frank, außerdem weiß er, dass ich nach Sirius D möchte.“
„Das ist nicht möglich. Wir hatten es in seiner Gegenwart nicht erwähnt, er dürfte höchstens vom Osiris-Fragment auf Sirius B wissen, aber selbst das hatten wir in seiner Gegenwart nicht erwähnt“, gab Stephen zu bedenken.
„Er will mich nach Sirius D begleiten und braucht dafür Fell, damit er nicht auffällt. Er hätte angeblich auch schon eine Quelle.“
„Stille Wasser sind tief“, sinnierte Butler Frank.
„Das Wasser in dem Anubis schwimmt ist nicht nur tief, es ist verdammt trübe“, ergänzte Stephen.
„Miss Queen“, säuselte der elektronische Anubis als er ins Zimmer trat.
„Anubis!“, hub Camilla an, „hatte ich dir nicht gesagt, dass du meinem Stiefbruder und Frank sagen sollst, dass ich in Kürze da bin?“
„Ich war im Arbeitszimmer und habe die Ausrüstung final überprüft, so wie es mir ihr Stiefbruder auftrug.“
„Dein Auftrag war nicht“, hub Stephen an, „in Camillas Zimmer zu gehen und dich kryptisch auszudrücken.“
„Da stimme ich zu“, antwortete der Roboter-Taur. „Und gebe hiermit nochmals zu Protokoll, dass ihnen keinerlei Gefahr droht. Meine Unterprogrammierung wird zu gegebener Zeit aktiv und sie werden verstehen.“
„Damit ist die Katze aus dem Sack“, hauchte Camilla und atmete laut durch. „Wie viel weißt du über unsere Mission. Ich gebe dir hiermit den Auftrag, all dein Wissen darüber offenzulegen.“
„Unser Reiseziel ist Sirius A. Dort werden wir uns eine Transportmöglichkeit nach Sirius B suchen, wo angeblich ein Osiris-Fragment liegen soll. Sie selbst, Miss Queen, möchten aber nach Sirius D, da sie interessiert was dort geschehen sein muss, dass es für Personen wie mich zum Sperrgebiet erklärt wurde“, antwortete der Roboter brav.
„Hattest du gerade über dich selbst als Person gesprochen?“, hakte Camilla nach.
„Ich bin mir dessen nicht bewusst“, wich der Roboter aus.
„Was stimmt nicht mit dir? Wir drehen uns im Kreis und es wird immer merkwürdiger.“
„Ich bin vollkommen in Takt und alle Systeme sind im nominalen Bereich.“
„Wann soll das Flugtaxi da sein?“, wechselte Camilla das Thema.
Der Dobermann-Butler schaute auf die Uhr. „In einer Stunde. Wir sollten die Ausrüstung auf den Lastenträger laden und unser privates Gepäck sortieren.“
„Eine sehr gute Idee“, erwiderte Camilla und schaute zum Roboter. „Anubis kommst du mit?“
„Sehr wohl Miss Queen. Ich vermute, dass wir zum Arbeitszimmer gehen?“
„Richtig!“, bestätigte die Fuchs-Wölfin, sah dann zu ihrem Stiefbruder. „Ihr kümmert euch um unser Gepäck. Um Anubis und die Ausrüstung kümmere ich mich allein.“
„Meinst du, dass das eine gute Idee ist?“, fragte der Wolf sorgenvoll.
„Ja. Ich bin mir sicher, dass mir nichts passieren wird.“
„Wie du meinst.“
Camilla und der Schakal-Tauren-Roboter verließen das Zimmer und schritten den Flur entlang.
„Darf ich sie etwas fragen, Miss Queen?“, hub der Taur plötzlich an.
„Schieß los.“
„Warum wirken alle so irritiert seitdem ich hier bin? Immerhin haben sie mich doch bestellt.“
„Lass es mich ganz einfach ausdrücken“, begann Camilla und führte ihre Gedanken fort: „Wir hatten einen einfachen Lastenträger, einen BD Supreme bei Taxon bestellt. Und dann kamst du auf den Plan.“
„Ich bin kein BD Supreme, ich bin ein Plus. Das dürfen sie nicht vergessen. Ich bin das gewisse Etwas, daher bin ich wie ich bin und was ich bin.“
„Du meinst, dass das alles vollkommen normal ist?“
„So normal wie sie es möchten, Miss Queen.“
„Und was war letzte Nacht in meinem Zimmer?“
„Darüber gebe ich keine Auskunft, da mir die nötigen Daten fehlen.“
„Kannst du keine Auskunft geben, weil es keine Daten gibt oder weil ich dir nicht genug Daten gebe?“
„Miss Queen. Meine Programmierung sieht grundsätzlich vor mit ihnen zu interagieren, ihre Ausrüstung zu tragen. Alles andere sind Optionen, welche sie durch ihr Verhalten und ihre Gespräche, welche ich sehr wohl höre und entsprechend zu Daten verarbeite, aufrufen. Meine KI ist entsprechend höher entwickelt und kann sich auf Situationen einstellen, kann Wünsche befriedigen, die der Kunde unbewusst, aber deutlich genug, zum Ausdruck bringt.“
„Das heißt, dass du vergangene Nacht auf meinem Bett warst und mir etwas gezeigt hast, was ich unbewusst nach außen zeige?“
„Ich bestätige den Ansatz ihrer Gedanken, welche sie gerade zum Ausdruck bringen.“
„Aber du bist ein Roboter, du bist rein mechanisch, wie kommst du verdammt nochmal an einen harten, dicken, fleischigen Rüdenschwanz?“
„Miss Queen, ich darf doch sehr bitten. Wo sollte ein solches Organ bei mir herkommen?“
„Du hattest heute früh selbst gesagt, dass du voller Überraschungen steckst und es unfair wäre, wenn du alle deine Geheimnisse schon vorab verraten würdest.“
„Das stimmt inhaltlich. Aber, Miss Queen, ich gebe das Frage-Antwort-Spiel gerne zurück. Warum fragen sie mich die ganze Zeit immer das Gleiche? Warum soll ich Fragen beantworten, wenn sie die Antworten schon kennen?“
„Okay, okay“, seufzte die Fuchs-Wölfin entnervt. „Hat das ganze etwas mit dem Osiris-Fragment zu tun? Hast du Informationen über Sirius D?“
Im Zuge des Gespräches waren Camilla und der Anubis-Roboter-Taur nicht stehen geblieben, sondern hatten das Arbeitszimmer erreicht.
Während der Taur das Zimmer betrat und die Fuchs-Wölfin ihm folgte, antwortete er kurz und knapp: „Ja, Miss Queen.“
„Danke! Dann lass uns jetzt einfach die Ausrüstung aufladen“, lenkte Camilla schnell ab.
„Miss Queen, darf ich sie um etwas bitten?“
„Ich höre.“
„Darf ich sie einmal umarmen?“
„Bitte was?“
„Ich möchte sie umarmen und spüren. Ich habe sehr viele Sensoren auf meinen Oberflächen.“
„Das ist jetzt eine sehr seltsame Bitte, findest du nicht?“
„Mag sein, aber sie werden sehr schnell verstehen warum.“
„Meinetwegen. Töten wirst du mich ganz sicher nicht“, willigte die Fuchs-Wölfin ein.
Der Roboter ging langsam auf sie zu, breitete seine Arme aus und umschlang Camilla erst sehr zögerlich, dann fester.
Seine metallische Oberfläche irritierte sie. Hatte sie erwartet, dass sie kalt war, so war sie erstaunlich warm, ähnelte fast der Temperatur eines Lebewesens.
Plötzlich begann Anubis zu flüstern, hauchte ihr ins Ohr. „Camilla! Egal was passiert ist und was passieren wird. Alles hat seinen Zweck, fürchte dich also nicht. Wir sind einander bestimmt, ich gehöre dir seit ihr mich bestellt habt. Ich bin nicht umsonst so wie ich bin. Alles was du siehst und spürst ist in dir, in denen Wünschen, deinen Sehnsüchten und wird nach und nach real werden. Wir müssen nur zusammenarbeiten.“
Camilla drückte den Roboter von sich und sah ihn erstaunt an. „Was meinst du damit?“, flüsterte sie.
„Ich weiß nicht was sie meinen, Miss Queen“, antwortete der Roboter zwar sanft, aber deutlich.
„Ich meine das, was du mir gerade ins Ohr geflüstert hast.“
„Entschuldigen sie, Miss Queen, aber ich bin nicht in der Lage zu flüstern, denn das gibt mein doch recht einfacher Stimmmodulator nicht her. Ich mag zwar das Plus sein, aber an einer Stelle hat Taxon doch gespart.“
Camilla stand im Arbeitszimmer, begann an ihrem gesunden Verstand zu zweifeln und beobachtete den Lastenträger dabei, wie der anfing die Ausrüstung auf seinen Körper zu verladen und zu sichern.
Ein Schellen der Türglocke zeigte an, dass sie sich beeilen sollten, da das Flug-Taxi zum Space-Port angekommen war.
Fünfzehn Minuten später schloss Butler Frank die Villa ab, hatten der Wolf Stephen Lang, die Fuchs-Wölfin Camilla Queen, der Lastenträger Anubis sowie der Dobermann-Butler Frank Simson das Großraumtaxi bestiegen, Platz genommen und waren auf dem Weg ins Abenteuer, auf dem Weg auf ein Ziel, welches keiner wirklich kannte, keiner, bis auf Anubis, der jetzt sehr ruhig wirkte und scheinbar ein verschlossenes Lächeln auf den mechanischen Lefzen hatte.