Kapitel 4

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 4

Groodarn

Der Morgen graute herauf und kündigte einen neuen Tag an. Sitara und Tarja waren die ersten, die wach wurden. Sitara lächelte vergnügt in Tarjas Richtung und die junge Tigerin sah Sitara aus verkniffenen Augen an.

„Warum hast du es meinen Eltern erzählt?“

„Du kommst mit zu uns, also stimmt das Ergebnis. Zerbrich dir nicht den hübschen Kopf über Sachen, die keine Rolle mehr spielen.“

„Oh doch. Das spielt eine Rolle. Ich will das hier und jetzt geklärt haben. Immerhin hast du mein Vertrauen missbraucht. Du hattest mir versprochen es nicht zu erzählen. Abgesehen davon; habt ihr uns denn wirklich gesehen? Wo-bei sich meine Frage erübrigt, denn du hast so detailliert geschildert, dass kannst du dir nicht aus den Fingern gesogen haben.“

„Genau. Und um deine Vorwürfe zu entkräften, sage ich dir folgendes. Ich ken-ne unseren Vater auch und ich kenne ihn als Adoptivtochter und aus einer Zeit bevor du geboren wurdest. Er war schon immer engstirnig und hartnäckig. Es war die einzige Chance, ihn von unserem Vorhaben zu überzeugen.“

Tarja holte tief Luft und rang sich ein Lächeln ab.

„Du hast Recht. Ich glaube, ihr hättet mich nie hier wegbekommen, wenn ihr ihn nicht dermaßen schockiert hättet.“

„Siehst du. Du verstehst es also. Aber sei getröstet. Normalerweise ist das nicht meine Art, ich breche nie Versprechen und missbrauche auch nicht das Ver-trauen von anderen. Das war wirklich nur aus der Not der Situation heraus geschehen.“

Tarja akzeptierte Sitaras Aussage und nahm sie als Entschuldigung an.

Die beiden standen auf und teilten sich das Bad für die morgendliche Körper-pflege. Während Tarja sich die Zähne putzte und dabei besonders auf ihre Fangzähne achtete, machte sich Sitara ans duschen.

„Sitara“, meinte die Tigerin plötzlich, „Was hast du eigentlich mit dem Rüden erlebt, von dem du erzählt hast, aber es bei Andeutungen belassen hast?“

Sitara schnappte nach dem Wasserstrahl der Dusche und überlegte sichtlich, was sie antworten sollte.

„Sei ehrlich, ich bin kein Kind mehr.“

„Hmmm …, weißt du, das ist gar nicht so einfach zu erklären, aber ich will es versuchen. Ich sagte dir gestern schon, dass ein Rüde anders gebaut ist als ein Kater.“

Tarja nickte zustimmend und die Leopardin konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Tja, nachdem ich damals von hier weg ging, irrte ich eine Zeit lang umher, wurde letztendlich von einem Wolf aufgenommen. Er gab mir ein Heim sowie genug Nahrung. Allerdings wollte er sich auch irgendwann mit mir paaren und da ich natürlich auch diesen Trieb in mir habe, passierte es halt. Anfangs war es eine sehr angenehme und zärtliche Erfahrung. Wir probierten sehr viele Sachen aus, hatten Spaß, vergaßen schnell unsere speziellen Unterschiede und das wurde mir eines Tages zum Verhängnis. Es ging mit uns durch und leider schief. Ich hatte extreme Schmerzen und wehrte mich. Ich zerkratzte ihm das Gesicht und er rührte mich nicht mehr an. Die Schmerzen hörten aber nicht auf, sie wurden schwächer, waren aber immer präsent.

Irgendwann wurde es ihm zu viel und er setzte mich einfach vor die Tür. Caniden sind sehr triebgesteuert. Man kann viel Spaß mit ihnen haben, aber es hat seinen Preis. Und seit diesem Moment sind sie zwar meine Freunde, aber mehr auch nicht. Und ich kann dir, meine Liebe, nur davon abraten etwas mit einem Rüden anzufangen. Ich habe meinen Preis bezahlt, ich bin unfruchtbar geworden. Du kannst dir so etwas ersparen. Denke bitte immer daran!“

Tarja ging zu Sitara unter die Dusche, umarmte sie heftig und wollte Sitara trösten.

Die Leopardin nahm sie in die Arme und so standen sie zehn Minuten gemeinsam unter den warmen Wasserstrahlen und hielten sich gegenseitig fest.

Finlay stand unterdessen schon vor der Badezimmertür und trat von einer Hinterpfote auf die andere, da er dringend auf die Toilette musste. Der Met wollte seinen Körper mit Macht verlassen.

Er klopfte an die Tür. „Es ist mir egal wer da drin ist und auch was er tut. Er soll sich beeilen, denn andere müssen auch mal ins Bad.“

Tarja schlüpfte unter der Dusche hervor, trocknete rasch ihr Fell ab und verließ das Zimmer, während Sitara noch unter den kosenden Wasserstrahlen blieb. Finlay trat ein und verschaffte sich die ersehnte Erleichterung. Da trat Sitara unter der Dusche hervor. Ihr Fell war nass und roch verführerisch. Sie ging wieder zurück und lockte ihn mit ihrem Zeigefinger. Er ließ sich nicht lange bitten, stellt sich zu ihr und das warme Wasser durchpflügte seinen Pelz. Hart trafen die Wasserstrahlen seinen Körper, die Arme, die Beine, den Unter-leib und auch seine Männlichkeit, an der sich Sitara vor ihm kniend zu schaffen machte. Finlay hielt es nicht lange aus und explodierte unter einem lauten Auf-schrei.

Der Kater lächelte zufrieden, nahm sie beim Kopf und zog sie zu sich hoch.

„Auf zur zweiten Runde“, sagte er begierig.

Sie legte die Arme um seinen Hals, zog sich an ihm in die Höhe und umschlang seine Taille mit ihren Beinen. Beide schnurrten ununterbrochen. Das Schnurren wurde immer lauter und heftiger und ging am Ende in einen gemeinsamen lauten Schrei über, als sie gleichzeitig zum Höhepunkt kamen. Erschöpft, glücklich und befriedigt traten sie aus der Dusche - und trafen auf Tarja.

Sie hatte im Bad etwas vergessen und war unbemerkt eingetreten, hatte alles mit angesehen und die Vorstellung sichtlich genossen. Ihre Augen waren weit aufgerissen und ihr Körper bebte vor Erregung. Sitara schob sie kurzerhand unter die Dusche und drehte das kalte Wasser auf.

Das brachte Tarja wieder zur Besinnung. „Verdammt, was soll das?“

Empört schaute sie ihre Stiefschwester an.

„Du warst etwas abwesend und das was du gesehen hast, ist eh nicht gut für dich.“

„Du musst das gerade sagen. Außerdem fand ich das sehr interessant und lehr-reich.“

Finlay lachte und sagte an seine Gefährtin gewandt: „Siehst du, du bist gut für sie. Sie hat schon was von dir gelernt.“

„Hör auf zu lachen, du Depp. Vielleicht hat Cyron doch Recht. Sie hat zwar was gelernt, aber garantiert nicht das Richtige.“

Sie überlegte intensiv ob wirklich alles so richtig war wie es gerade lief und sie und ihr ebenso lüsterner Kater mussten sich höllisch zurücknehmen, damit die junge Tigerin mit Reizen nicht überflutet würde und eventuell weitere Dummheiten beginge. „Du wirst erst mal deinen Welpen zur Welt bringen und alles Weitere wird sich zeigen.“

Sie trockneten sich ab, Tarja zum zweiten Mal und begaben sich die Treppe hinunter. Unten angekommen schauten sie sich um. Weder Cyron, noch Stella waren zu sehen.

„Ich gehe dann mal meine Sachen zusammensuchen“, merkte Tarja kurz an und war wieder in ihrem Zimmer verschwunden.

„Und wir werden jetzt mal das Frühstück vorbereiten“, stellte Finlay fest.

Sitara nickte begeistert, denn sie war durch das ausgiebige Duschen hungrig geworden. Er ging zum Küchenschrank, öffnete ihn und inspizierte seinen In-halt. Nach kurzem Suchen fand er auch das Gewünschte und stellte Teller und Tassen auf den Tisch. Sitara durchwühlte derweil den Vorratsschrank und fand Wasser und Fleischreste.

„Damit kann man aber kein Frühstück bestreiten“, meinte sie kurz und mehr in Gedanken und ging in den Keller, in welchem sich auch der Vorratsraum be-fand.

Sie machte die Tür auf, sah sich um und erschrak förmlich. „Bei Bastet, da hängt ja fast gar nichts mehr.“

Sie nahm so ziemlich den letzten Fleischbatzen von einem der Haken und mar-schierte wieder in Richtung Küche und Esstisch.

Unterwegs traf sie auf Stella.

„Guten Morgen, Mutter“, begrüßte Sitara die Tigerin.

„Oh, auch dir einen guten Morgen. Wie ich sehe seid ihr schon wach. Cyron schläft noch, der Met scheint ihm ziemlich zugesetzt zu haben.“

„Nicht nur der Met, fürchte ich.“

„Was meinst du damit?“

„Warst du in letzter Zeit schon mal im Vorratskeller?“

Stella überlegte kurz und verneinte. „Ich war das letzte Mal vor Wochen da unten. Seitdem hat mir mein Kater immer diesen Weg abgenommen. Ich fand das ziemlich komisch, aber habe mir nichts dabei gedacht.“

„Dann komm mal mit, ich muss dir nämlich was zeigen“, forderte Sitara sie auf.

Beide gingen hinunter und Stella ahnte, dass etwas Furchtbares geschehen sein musste. Jedenfalls benahm sich ihre Tochter nicht normal.

„Schau dir das mal an“, sagte diese schließlich und riss die Tür auf.

Stella traf der Schlag. „Die ist ja leer!“

„Ja. Genauso habe ich vor fünf Minuten auch da gestanden. Genau an dieser Stelle und habe genauso geschaut wie du.“

„Das kann ich einfach nicht glauben. Die Kammer war immer reichlich gefüllt. Da waren Vorräte für Monate drin. Jetzt gibt es hier nur noch …“, die Tigerin ging zu einem der Holzfässer und öffnete den Deckel, „…Pökelfleisch. Und das, wo ich das Zeug nicht mag.“ Sie schüttelte sich.

„Das ist doch nicht normal oder? Ich meine, als ich noch bei euch wohnte hatte Vater immer ein riesiges Jagdglück und die Kammer quoll förmlich über vor Nahrungsmitteln. Und jetzt?“

„Da stimmt was nicht und ich werde es herausfinden. Cyron ist mir eine Erklärung schuldig. Und jetzt wird mir auch klar warum er immer selbst das Fleisch hoch holen wollte. Er wollte das alles vor mir verbergen.“ Sie schüttelte den Kopf und legte die Ohren an. „Na warte, mein Lieber. Sitara, du hältst dich da raus, das ist eine Angelegenheit zwischen mir und deinem Vater.“

Sitara nickte zustimmend und die Tigerin hatte einen Blick drauf, den nur eine Kätzin haben kann. Sie gingen beide hoch, Sitara in die Küche und damit zu-rück zu Finlay und Stella erstmal ins Bad.

Bevor die Tigerin die Tür hinter sich schloss, merkte sie noch schnell an: „Pack das Fleisch mal in einen der Schränke. Ich will einen Test machen.“

Nach zwanzig Minuten tauchte dann auch endlich der gestreifte Kater des Hauses auf und hatte noch immer das Kopfkissen im Gesicht.

„Ich brauche jetzt etwas um richtig munter zu werden“, murmelte er.

„Ah, guten Morgen!“, sagten die beiden Leoparden gleichzeitig.

Der Guten-Morgen-Gruß von Cyron kam nur als unverständliches Gebrummel über dessen Lippen. „Wo ist eigentlich meine Frau hin?“, war einer der verständlicheren Sätze, die er von sich gab.

„Die ist noch im Bad“, entgegnete Finlay.

„Aha, alles klar.“

Plötzlich stand Stella hinter ihrem Mann und tippte ihm sanft, aber bestimmt auf die linke Schulter. Er drehte sich um und sah ihr in die Augen.

Sie lächelte ihn gutmütig an und küsste ihn hingebungsvoll. „So, mein Lieber. Auch von den Toten auferstanden?“

Er schlug die Augenlieder nieder. „Hmhm.“

„Fein. Das freut mich. Dann gehst du jetzt mal ins Bad und derweil machen wir das Frühstück fertig. Ich werde gleich mal in den Keller gehen und Fleisch hoch holen.“

Das war das Stichwort!

Vor wenigen Minuten sah man noch einen vollkommen verschlafenen Tigerkater in die Küche tapsen, der irgendwas murmelte, dass er bräuchte um munter zu werden, aber jetzt vollkommen munter zu sein schien, ausgewechselt wie von Geisterhand und in heller Aufregung.

„Nein, nein. Stella, Liebste! Du brauchst da nicht runter. Das mache ich für dich. Das ist Katerarbeit und viel zu schwer für dich.“ Er grinste sie breit an und schaute zu seiner Stieftochter.

Aber weder Sitara, noch ihr Mann Finlay, konnten das Grinsen erwidern.

Er stutzte und drehte seinen Kopf langsam zu Stella.

Die sah ihn ohne eine Miene zu verziehen an und legte wieder diesen Blick auf. „Wenn Blicke töten könnten, dann lägest du jetzt schon am Boden, mein Freund!“

Cyron spürte, dass eine riesige Gewitterwolke über seinem Haupt schwebte. „Verdammt! – Lass mich raten. Ihr wollte das Frühstück vorbereiten und wart schon im Vorratskeller.“

„Genau! Und das was ich da sehen musste, hat mir die Tränen in die Augen getrieben und die Sprache verschlagen.“

„Nun, wie ich merke hat das aber nicht lange angehalten.“

Stella funkelte ihn an. „Lass diese dummen Sprüche!“

Er wurde sichtlich ein paar Zentimeter kleiner.

„Was hast du dir dabei gedacht? Meinst du etwa, es wäre mir nie aufgefallen?“

„Das hatte ich gehofft und bevor es zu spät gewesen wäre, hätte ich die Kammer wieder gefüllt.“

„Ach ja und du meinst, es wäre einfach so an mir vorbei gegangen?“

Cyron nickte eifrig.

„Au Mann. Du bist wirklich unverbesserlich.“ Sie konnte nur den Kopf schütteln.

Cyron tapste die Treppe hinauf und verschwand im Bad. Er hatte gerade die Tür hinter sich geschlossen, da wurde eine andere geöffnet und Tarja kam die Treppe hinunter und hatte ihre Sachen dabei.

„Moment mal, meine Kleine. So schnell verlässt du das Haus nicht. Erstmal wird gefrühstückt.“ Stellas üble Laune war nicht zu übersehen.

Tarja stellte ihre Sachen ab und gesellte sich zu ihrer Stiefschwester, die sie lieb anlächelte.

„Was war denn eigentlich los? Hat irgendjemand was verbrochen?“, fragte sie in den Raum.

„Warum?“, fragte Sitara.

„Ich habe die Stimme meiner Mutter gehört und die war mehr als nur streng.“

„Ja, meine Teure. Ich hatte einen kleineren Disput mit deinem Vater. Und der ist noch nicht beendet“, knurrte Stella.

„Oh! Worum ging es denn?“

„Das braucht dich nicht zu interessieren, das ist eine Sache zwischen ihm und mir und wir müssen damit leben und klar kommen.“

„Huch. Bist du etwa wieder schwanger geworden?“

Stella guckte ihre Tochter schief an. „Was bitte?“

Tarja zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Hätte ja sein können.“

„Wie kommst du denn auf den schiefen Pfad?“

„Ich dachte nur. Ich hatte letzte Nacht ein Stöhnen aus eurem Schlafzimmer gehört.“

„Das war ich. Ich habe lediglich gestöhnt, weil dein Vater mal wieder den halben Regenwald roden wollte.“

Sitara kicherte albern und Finlay wäre fast mit dem Kopf auf den Tisch geknallt, warum auch immer.

Die Leopardin stand auf, holte die erfolgreich gelegte Falle, besser gesagt das Fleisch, aus dem Schrank und stellte es auf den Tisch. Kurze Zeit später tauchte Cyron aus dem Bad auf und setzte sich mit an den Tisch.

„So, nun greift mal zu, als gäbe es nie wieder was“, meinte er und biss sich auf die Zunge.

„Das war jetzt reichlich daneben, du Kerl, du“, herrschte ihn Stella an.

Er wurde nochmals etwas kleiner. „Du hast ja Recht, meine Gattin.“

Das wollte die Tigerin aber nicht so recht besänftigen und sie bohrte weiter: „Was hast du denn jetzt schönes vor? Wie willst du denn in so kurzer Zeit die fehlenden Nahrungsmittelbestände auffüllen?“

Tarja erschrak und mischte sich ein: „Ihr habt nichts mehr zu essen?“

„Doch, mein Kind. Wir haben noch was zu beißen. Aber jeden Tag nur Pökelfleisch, das möchte man seinem ärgsten Feind nicht zu muten.“

„Wir hatten in der letzten Zeit sehr viel Pech auf der Jagd. Dann kamen die Hyänen dazwischen. Hadron flippt immer aus, wenn er Hyänen sieht. Es kam zum Streit und wir gingen leer aus. Stattdessen haben wir uns in die Schänke verzogen und Met getrunken.“

Stella fiel aus allen Wolken. „Na, das ist ja entzückend.“

„Ich weiß, das ist alles großer Mist. Jedenfalls kamen in letzter Zeit so merk-würdige Dinge dazu.“

„Was meinst du damit und komm mir jetzt bloß nicht mit irgendwelchen billigen Ausreden. Dass dein Freund Hadron von gestern ist und sich mit den Hyänen ständig überhäuft, ist mir bestens bekannt. Lass dir mal was Neues einfallen.“

„Das versuche ich ja gerade.“

„Wie meinen?“

„Ähm … Also … ja … weißt du … du wirst es nicht glauben, ich würde es ja selbst nicht glauben, wenn ich nicht dabei gewesen wäre. Gestern kamen doch glatt drei Hyänen aus dem Wald gerannt und behaupteten sie wären von einem Schatten verfolgt worden. Eine meinte sogar es wäre ein Drache gewesen. Dummes Zeug, nicht war? Wir glaubten ihr natürlich nicht. Aber etwas anderes fiel uns auf. Es lag kurze Zeit vorher ein deutlich vernehmbarer Summton in der Luft, der teilweise an ein hohes Brummen erinnerte.“

Die beiden Leoparden sahen sich zwar nur kurz, aber vielsagend in die Augen.

„Vielleicht eine Funktionsstörung in einem der nahegelegenen Kraftwerke?“, fragte Finlay dazwischen.

„Nein, nein. Der Ton war ganz anders und sehr fremdartig. Fast wie nicht von dieser Welt.“

„Huhu, ich kriege Angst. Jetzt kommen die außergenroischen Katzenfresser und holen uns alle“, bemerkte Sitara an Tarja gewandt.

„So ein Quatsch“, rutschte es Stella heraus.

Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, fuhr Cyron fort: „Das hört sich zwar alles sehr lustig an, ist es aber nicht. Die Sache ist ernst, sehr ernst sogar. Das Wild wird immer weniger, wir müssen unsere Jagdreviere vergrößern und wenn ich sage vergrößern, dann meine ich das auch. Ich rede hier nicht nur von ein paar hundert Metern, sondern von Quadratkilometern. Das bedeutet wieder-um, dass ich unter Umständen mehrere Tage unterwegs bin mit den Anderen, bevor ich wieder nach hause komme.“

Stella rutschte in sich zusammen. „Tarja geht aus dem Haus und ich sitze mutterseelenallein hier und warte darauf, dass du irgendwann heim kehrst. Immer mit der Sorge, dass du vielleicht einen Unfall hast und gar nicht wieder kommst oder heim getragen wirst.“

Cyron seufzte und nickte.

Stella schluchzte kurz und bekam glasige Augen. An die anderen gewandt, sagte sie: „Wie ich sehe habt ihr euer Fleisch schon gegessen. Das freut mich.“ Und an Cyron gewandt: „Und, wie soll es jetzt weitergehen?“

„Heute ist Markttag in Han-Dun. Ich dachte, ich nehme dich einfach mit. Ich habe zwar nichts zu verkaufen, aber wir kaufen gemeinsam ein und finden unterwegs vielleicht ja sogar heraus, was mit unseren Beutetieren passiert.“

Stella stutzte kurz und schien zu überlegen, dann hellte sich ihre Miene merklich auf. „Das würdest du tun?“

„Ja!“

„Das finde ich eine tolle Idee. Das Angebot nehme ich an.“

Damit war die Sache geritzt und auf allen Gesichtern zeichnete sich ein Wohl-wollen ab. Die beiden Leoparden sprangen vom Tisch auf und gingen ihre Sachen packen.

„Wie seid ihr eigentlich hergekommen? Zu Fuß oder mit einem Fuhrwerk?“, rief Cyron hinterher.

„Ein Freund von mir hat uns hier abgesetzt. Wir haben einen Termin mit ihm ausgemacht, wann er uns hier wieder abholen soll“, rief Finlay durchs Haus.

„Okay, dann macht das so“, sagte Cyron.

Er war froh, dass die ganze Sache so gelaufen war. Es hätte in der Tat noch schlimmer kommen können. Normalerweise geht er ja immer mit seinen Freunden zum Markt und jetzt musste er ihnen nur noch schonend beibringen, dass er sein Weibchen mitnimmt.

‚Na ja, sie werden es schon merken wenn es soweit ist, schließlich kann man sie ja nicht übersehen’, dachte er.

Finlay und Sitara kamen nach kurzer Zeit mit gepackten Taschen die Treppe herunter. „Hast du auch nichts vergessen? Finlay, ich rede mit dir!“, polterte Sitara.

„Was? Nein, nein. Ich habe alles eingepackt. Warst du noch mal im Bad und hast die Zahnbürsten und Becher eingepackt?“

„Japp, habe ich.“

„Gut, dann sind wir so weit.“

Stella war etwas nervös. „Moment noch. Habt ihr noch etwas Zeit?“

Finlay schaute auf seine Uhr und nickte. „Mein Freund kommt in etwa einer Stunde vorbei und wartet etwas außerhalb des Dorfes.“

„Okay. Wir beeilen uns und kommen mit euch. Wir verabschieden uns dann vor Ort. Warum kommt dein Freund denn nicht direkt bis vor die Tür?“

Finlay druckste etwas herum, antwortete aber schließlich: „Wir und vor allem auch er, glauben, dass es besser so ist, wir wollen die Leute doch nicht unnötig erschrecken.“

„Wieso? Wer ist denn dein Freund? Bestimmt kein kleines grünes Männchen oder vielleicht ein Drache.“

Stella amüsierte die Vorstellung, dass plötzlich ein Drache vor ihrer Haustür landen würde und wäre wirklich zu sehr auf Cyrons Gesicht gespannt.

Finlay sah sie durchdringend an und Stella spürte, dass sie auf einer heißen Spur war.

Sie sah ihn an und ihre Augen wurden immer größer. „Das wäre ja mal ein Ding und Cyron würde endlich überzeugt werden. Wisst ihr, er glaubt nicht an Drachen und das wäre sehr heilsam für ihn.“ Der Gedanke belustigte sie immer mehr.

„Er hätte vor eurer Haustür keine Landefläche, lediglich auf dem Dorfplatz.“

„Dann soll er auf dem Dorfplatz landen“, bestimmte Stella.

„Wie du wünschst. Er wird uns dort finden.“

Cyron kam ins Erdgeschoss, hatte die Unterhaltung aber nicht mitbekommen.

„So, wir haben unsere Sachen auch zusammen“, merkte er feierlich an, „Wir bringen euch noch zu eurem Freund und verabschieden uns dann vor Ort.“

„Toll. Mutter hatte die gleiche Idee und es erwartet dich noch eine Überraschung“, platzte es aus Tarja heraus.

Cyron staunte. „Eine Überraschung? Wow. Womit habe ich denn die verdient?“

„Die hast du nicht verdient, aber die bekommst du trotzdem“, sagte Stella.

„Was ist es denn?“

„Wenn ich dir das jetzt verrate, dann ist es keine Überraschung mehr.“

Cyron knurrte: „Ich mag keine Überraschungen, auf die man warten muss und von denen man überrascht wird.“

„Oh doch. Du wirst die Überraschung mögen und noch tagelang von schwär-men.“

„Nun gut. Dann gehen wir zum Dorfplatz“, kündigte Finlay an.

Sie gingen alle hinaus und Stella schloss die Tür hinter ihnen. Auf dem Weg zum Platz begegneten sie den verschiedensten Freunden und Bekannten. Die einen grüßten freundlich, wünschten einen guten Tag und gingen dann wieder ihren Beschäftigungen nach und wieder andere standen zusammen, grüßten und tuschelten dann hinter ihrem Rücken.

Irgendwann reichte es Cyron und er trat zu zwei tratschenden Gepardenweibchen: „Habt ihr irgendein Problem?“

Die beiden schreckten zurück und verneinten.

„Gut so. Tarja ist meine Tochter und ich bin stolz auf sie und ja, sie hatte Sex, denn immerhin will sie am Ende nicht so ausgetrocknet und schrullig enden wie ihr.“ Damit war er fertig und schloss sich den anderen vieren wieder an.

Tarja war in diesem Moment extrem stolz auf ihren Vater und liebte ihn über alles. Sie schien über alle Backen zu strahlen.

Auf dem Platz angekommen stellten sie ihre Taschen ab und Cyron trennte sich kurz von allen, um seine Freunde zusammen zu trommeln.

Nach fünfzehn Minuten kam er wieder und war allein. „Die Anderen haben keine Lust mitzukommen und Hylas scheint schon auf dem Markt zu sein.“

„Dann gehen wir eben allein hin“, tröstete Stella ihren Mann.

Der lächelte sie an und freute sich sichtlich. Dass die Anderen nicht mit wollten, weil er sein Weibchen mitnahm, verschwieg er aus Taktgefühl, aber Stella konnte er nichts vormachen. Die wusste das eh schon oder ahnte es zumindest und ließ es sich nur nicht anmerken.

Plötzlich richtete Finlay sein Wort an alle Katzen, die auf dem Dorfplatz standen oder sich anschickten ihn zu überqueren. „Meine lieben Mitbewohner! Dürfte ich einen Moment um eure Aufmerksamkeit bitten. Ich möchte, dass ihr jetzt den Dorfplatz verlasst, da wir in Kürze jemanden erwarten und der braucht dann den Platz hier. Ihr braucht aber keine Angst vor ihm zu haben, er ist ein sehr guter Freund von mir und tut wirklich niemandem etwas zu leide.“

Cyron schluckte. „Gut gesprochen Finlay. Aber, wen erwartest du?“

„Unsere Transportmöglichkeit.“

„Und die braucht den ganzen Platz hier?“

„Japp, braucht er.“

In der Zwischenzeit und unter ungläubigem Gemurmel hatten alle den Dorfplatz geräumt, schauten sich um und waren gespannt was nun passieren würde.

Wie auf Kommando hörte man plötzlich einen leisen Summton einsetzen, der Cyron sehr bekannt vor kam. „Eh, den Ton kenne ich. Das ist genau das Geräusch, das wir gestern gehört haben.“ Bei seinen letzten Worten stutzte er. „Moment, ihr seid doch gestern hier angekommen. Kann es sein, dass ihr mit diesem Summton zu tun habt?“

„Wir nicht“, entgegnete Sitara, „aber er“, und deutete nach oben.

Alle starrten in den Himmel, an dem sich ein Schatten deutlich abzeichnete und schnell größer wurde.

Finlay nahm etwas aus seiner Tasche und richtete es kurz auf den Schatten. Der blieb plötzlich in der Luft stehen und schoss dann unvermittelt in ihre Richtung hinab.

Cyron stand da wie angewurzelt. „Was ist das?“

„Das ist die Überraschung“, sagte Stella freudestrahlend und voller Begeisterung.

Der Schatten nahm Gestalt an und entpuppte sich als ein ausgewachsener Drache.

„Das kann nicht sein“, schrie Cyron auf, „Die gibt es nicht.“

„Doch, es gibt sie und da hast du einen von ihnen“, rief Finlay zurück.

Cyron wollte seinen Augen nicht trauen. Das war nicht richtig. Drachen sind doch nur Legenden und nicht real, aber da kam einer angeflogen und direkt auf ihn zu. Und ihm wurde klar, dass es sich um den Schatten handelte, den die Hyänen gesehen hatten und welcher sie so in Angst versetzt hatte. Die anderen Dorfbewohner starrten auch ungläubig drein. Die meisten wussten, dass es Drachen gibt, aber gesehen, nein, gesehen hatte bisher noch keiner einen. Es war also für alle eine echte Premiere.

Der Drache war riesig, umkreiste den Platz noch einmal, um die Größe abzuschätzen und setzte dann zur Landung an. Er hatte gigantische Flügel und keinerlei Fell. Die ganze Haut war von einer Art Schuppenpanzer bedeckt.

Tja, da stand er nun, mitten auf dem Platz und schaute zu Finlay. Der ging auf ihn zu, begrüßte ihn freudig und gab ihm doch tatsächlich zur Begrüßung einen Kuss auf die Nase oder zumindest auf die Stelle, an der Katzen eine Nase haben.

„Das ist euer Freund?“

„Ja. Das ist er“, sagte Sitara voller Stolz.

„Das ist ja mal ein Ding. Ihr könnt vielleicht ausgefallene Freunde haben. Ich glaube, Tarja ist bei euch in den richtigen Händen und ihr wird garantiert nichts passieren.“

„Keine Sorge, wir passen gut auf sie auf.“

Finlay hatte inzwischen das Gepäck auf dem Rücken des Tieres verstaut und schien mit ihm über irgendetwas zu verhandeln.

„Was hat er vor?“, fragte Cyron an Stella gewandt.

„Das wird, wenn es klappt, der Überraschung zweiter Teil. Mehr wird’s dann aber auch nicht werden. Ich glaube nämlich, dass es dann für dich genug ist für heute.“

Die Leopardin schaute Stella an und zwinkerte ihr zu.

Finlay hatte sein Gespräch mit dem Drache beendet und kehrte zu den Anderen zurück. „Okay, er ist einverstanden. Der kleine Schlenker macht ihm nichts aus.“

„Was für ein Schlenker? Was habt ihr vor?“

„Das wirst du gleich sehen.“

Finlay schickte sich an, Stellas und Cyrons Taschen ebenfalls auf den Drache zu laden.

„Das ist doch wohl nicht euer ernst?“

Stella packte ihren Mann an der Schulter. „Oh doch. Ich glaube, das ist sein fester Entschluss.“

Sitara ging zu Finlay und winkte Cyron und Stella zu, dass sie aufsteigen sollen.

Tarja saß schon, als Finlay sich zu ihr setzte und den Gurt bei ihr fest zog. „So. Damit du uns nicht runter fällst.“

Es nahmen so nach und nach alle Platz, bis auf Cyron. Der stand immer noch unschlüssig herum.

„Geh und sprich mit ihm, wenn es dich beruhigt“, rief Finlay herunter.

Der Drache drehte den Kopf in Richtung des Tigers. „Womit kann ich dir helfen und dich beruhigen?“, fragte der mit tiefer sonorer Stimme.

„Wie kann es sein, dass ich jetzt auf dir sitzen soll, wenn ich vor einer Stunde noch nicht einmal an eure Existenz geglaubt habe?“

„Auch du lernst ständig dazu. Du bist lediglich älter und erwachsener und hast dir ein festes Weltbild geschaffen. Das ist nicht verkehrt, es hilft dir jeden Tag zu überleben, da es bestimmte Erwartungen mit bestimmten Situationen verknüpft.

Es ist aber verkehrt dieses Weltbild zu nutzen, um seinen Blick zu verschließen und nur noch Dinge zu sehen, die man sehen will. Öffne dich für das Unbekannte und begrüße es. Du musst es nicht umarmen und auch nicht zu deinem Freund machen, du musst es nur an dich heranlassen, um es zu verstehen.“

Cyron stand ganze zehn Minuten vor dem Kopf des Draches und Begriff schließlich, was der ihm sagen wollte. „Du hast Recht. Ich sollte endlich mal von meinen verbohrten, engstirnigen Vorurteilen abrücken und mehr an mich her-an lassen. Viel zu oft habe ich mich von meinen Gewohnheiten beeinflussen und lenken lassen, obwohl ich es hätte anders machen können. Ich glaube, ich habe mit meiner Tochter den ersten Schritt getan und werde jetzt den zweiten Schritt machen.“

Der Drache brummte gütig.

„Danke, mein Freund. Du hast mir die Augen geöffnet“, schloss Cyron seine Gedanken ab und gab dem Drache einen Kuss.

Stella, die alles mit angesehen hatte, war mehr als verblüfft.

Das war doch nicht mehr der Tigerkater, den sie kannte. Er hatte sich in nur wenigen Minuten vollkommen verändert. Sie schüttelte ungläubig den Kopf und stellte die Ohren steil nach oben.

Der Drache lächelte den Tiger an. Tatsächlich, Drachen können sogar lächeln, bemerkte Cyron und stieg mit auf den Rücken. Das Tier stieß einen lauten Schrei aus und breitete die Flügel aus.

Finlay rief laut: „Nächster Halt, Han-Dun Marktplatz.“

Cyron wollte noch etwas erwidern, kam aber nicht mehr dazu.

Der Drache erhob sich in die Luft und verschwand mit den Fünfen in der Ferne. Die Tiger, die noch nie geflogen waren, genossen das Gefühl mit allen Sinnen.

Nachdem der Drache mit seinen Fluggästen verschwunden war, lösten sich die Dorfbewohner aus ihrem Erstaunen. Die Gespräche, die entstanden, bewegten sich zwischen ungläubigem Staunen, Begeisterung und Ehrfurcht. Pathenon und Hadron hatten sich mit unter die Masse gemischt und alles aus sicherer Entfernung gesehen. Sie bereuten, dass sie sich der Gruppe nicht mit angeschlossen hatten und beneideten ihren Freund Cyron aufrichtig.

Nach nicht mal einer Stunde Flugzeit, tauchte im Bereich des Blickfeldes Han-Dun auf. Cyron umschlang seine Partnerin und hielt sie fest zwischen seinen Armen. Beide konnten ihre Begeisterung kaum zurückhalten. Sie jauchzten und quietschten wie zwei kleine Welpen im Spiel. Tarja war begeistert, hielt sich aber zurück und fand ihre Eltern einfach nur peinlich. Finlay war eingeschlafen und Sitara genoss, wie immer auf solchen Reisen, die herrliche Aussicht.

Sie tippte Finlay auf die Schulter. „Huhu, aufwachen!“

Er gähnte herzhaft. „Hach, war das entspannend. Wo sind wir denn? Ach, ich sehe schon.“

Und an Stella und Cyron gewandt: „So, meine Lieben, wir sind gleich da. Be-finden uns schon im Landeanflug.“

„In was für nem Anzug?“, fragte Cyron.

„Ich sagte im Landeanflug.“

„Ach so, ich hatte mich verhört. Muss am Wind liegen.“

„Jetzt haltet euch fest, es geht abwärts.“

„Hast du gehört, meine Liebste“, flüsterte Cyron in Stellas Ohr, „mit uns geht es abwärts.“

Sie versuchte, sich so gut wie sie konnte zu ihm umzudrehen. „Mit dir gehe ich überall hin und wenn es abwärts geht, dann falle ich mit dir.“

Sie küssten sich, aber nur kurz, da in diesem Augenblick der Drache in einen Sturzflug überging. Für einen kurzen Zeitraum erlebten sie das Gefühl der Schwerelosigkeit und hatten damit zu kämpfen, dass sich der Mageninhalt nicht nach oben und damit ins Freie bewegt.

Sie begleiteten den Sturzflug des Draches mit lautem Gejohle, nachdem sie zuerst die Ohren angelegt hatten.

Dem Drache gefiel das und er bremste abrupt ab, stand einen Moment in der Luft, damit sich alle kurz sortieren konnten. Das hatte er aber nur getan, um im gleichen Augenblick wieder zum Sturzflug überzugehen und die Ordnung wie-der durcheinander zu bringen.

„Er hat solche Scherze drauf und macht das nur zu gerne“, merkte Finlay an.

Stella wurde es schlecht und sie wurde sehr blass um die Nase.

Gerade noch rechtzeitig bremste der Drache ab und setzte ein Stück außer-halb von Han-Dun sanft auf. Die erste, die ihren Gurt geöffnet hatte, war Stella.

Wie von der Tarantel gestochen schoss sie vom Drache herunter und hinter das nächste Gebüsch, wo sie sich übergab. Die Laute, die sie dabei von sich gab, waren herzzerreißend. Cyron stieg ab und ging langsam in Richtung des Gebüschs.

Tarja, Finlay und Sitara sahen sich besorgt an.

„Das habe ich nicht gewollt“, sagte der Drache.

„Natürlich hast du das nicht gewollt. Vielleicht hast du es nur etwas über-trieben. Es war immerhin ihre erste Flugreise“, erwiderte Finlay.

„Oh, wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mich zurückgehalten.“

„Na ja, nichts für ungut. Ist ja nichts passiert. Sieh nur, da kommen sie schon wieder zurück.“

Stella hatte mittlerweile ihre rosige Nasenfarbe wieder zurück gewonnen und bewegte sich auch sonst relativ normal. Sie ging auf den Drache zu, streichelte ihn am Kopf und gab ihm ein Küsschen.

„Danke, das hat wirklich Spaß gemacht.“

„Wir können das gerne wiederholen“, trumpfte der auf.

„Nun mal nicht so schnell“, ging Cyron dazwischen, „Erstmal gehen wir beide zum Markt und der Drache … Wie heißt du überhaupt?“

„Mein Name ist Groodarn.“

„Ah! … Groodarn muss die drei erstmal in Strongham absetzen.“

„Mach dir keine Sorgen, Tiger Cyron. Für uns Drachen sind diese Entfernungen klein.“

Cyron schaute den Drache schief an, dann auf sein Weibchen, dann wieder auf den Drache. „Wann könntest du uns denn hier wieder abholen und zurück-bringen?“

„Wann immer ihr wünscht, frühestens aber in vier Stunden.“

„Das ist gut. Würdest du es denn wirklich tun und uns in fünf Stunden hier ab-holen?“

„Ja. Ich sehe da kein Problem.“

„Fein, aber nur, wenn du mir versprichst, nicht wieder solche Sturzflüge hinzu-legen“, sagte Stella.

„Ich werde es mir zu Herzen nehmen.“

„Habt Spaß, amüsiert euch und kauft euch was feines“, sagte Sitara. Sie um-armte die beiden und verabschiedete sich.

Finlay war in seine Einsilbigkeit zurückgefallen und verabschiedete sich entsprechend. Bei Tarja fiel die Verabschiedung länger aus und war wesentlich schwerer.

„Macht’s gut. Ich liebe euch beide und vermisse euch jetzt schon. Ich bin stolz auf euch, aber es ist besser so.“

„Mach dir keine Sorgen, mein Kind, wir kommen schon zurecht, und außerdem sind wir ja nicht aus der Welt.“

Tarja nickte, musste aber trotzdem weinen. Stella wischte ihr die Tränen weg und schickte sie zu Finlay und Sitara, die schon wieder auf dem Drache Platz genommen hatten.

„Es war geschickt, nicht mitten in Han-Dun zu landen“, sagte Cyron noch.

„Das wäre auch nicht gut gewesen, Tiger Cyron. Da unten ist es zu voll und ich will ja niemanden verletzen und mir den Zorn der Bevölkerung zuziehen“, kam die Antwort von Groodarn.

Cyron nickte zustimmend, trat mit Stella ein paar Schritte zurück und winkte den dreien zu, während sich Groodarn erhob und rasch kleiner wurde.

„Tja, meine Liebste. Nun sind wir allein.“

Stella sah ihn aus traurigen Augen an. „Haben wir wirklich das Richtige getan oder etwa unsere Tochter verstoßen?“

„Den Eindruck könnte man im ersten Moment tatsächlich kriegen. Aber bedenke doch mal folgendes: Was könnten wir ihr bieten, was die beiden nicht können, abgesehen von unserer Elternliebe? Was kann sie bei uns beiden Stur-köpfen lernen? Was sieht sie alles von der Welt, wenn sie bei den beiden ist und was erlebt sie alles? Sie hat dort jetzt sehr viele Freunde und Freundinnen, allein schon durch Sitara und Finlay. Wenn das Junge geboren wird, wer kann ihr hier schon helfen, außer uns beiden und vor allem, was wäre denn passiert, wenn sie geblieben wäre? Sie hätte die Schule hier beendet, gut. Aber das Ge-rede hinter ihrem Rücken, sie hätte Freundinnen verloren, sich mit allen möglichen Idioten angelegt und das hätte sie am Ende vielleicht noch zermürbt.“

„Du weißt aber auch, dass der Welpe einen Vater hat und der hätte sich auch kümmern können.“

„Das stimmt, aber wer weiß wer er ist? Wenn Tarja schon nicht mal seinen Namen verraten wollte“, gab Cyron zu bedenken.

„Sie wollte ihn nicht verraten, weil sie Angst hatte, dass du ihm was antust. Schon vergessen? Sie scheint also sehr an ihm zu hängen und er auch an ihr. Sonst würde sie ihn nicht so beschützen wollen. Wahrscheinlich ist es jemand, den wir kennen, zu dem wir aber keinen so guten Kontakt haben.“

„Wer sollte das schon sein? Da fällt mir im Augenblick keiner ein, dem ich das zu trauen würde.“

„Mir schon, aber er ist eher wie ein Geist. Man weiß, dass es ihn gibt und dass er lebt, aber man bekommt ihn nie zu Gesicht.“

„Du meinst doch nicht etwa …?“

„Doch, genau den meine ich“, hauchte Stella.

„Chiron?“

„Japp.“

„Ach herrje. An den habe ich ja gar nicht mehr gedacht. Aber wieso sollte er sein Urwaldleben aufgeben, auf Tarja treffen und dann ausgerechnet auch noch das Mädchen schwängern. Also, noch mehr Spuren kann man ja nicht hinterlassen.“ Cyron tippte sich an die Stirn. „Keine Ahnung. Aber irgendwas ist da faul. Vielleicht ahnt er ja noch nicht mal was von seinem Glück.“

„Sollten wir ihm einen Besuch abstatten und mal mit der Nase drauf stoßen?“

„Hältst du das für eine gute Idee?“

„Auf jeden Fall besser als zu schweigen und das Pärchen auseinanderzureißen.“

„Wir reden nachher mal mit Groodarn. Vielleicht ist er einem Abstecher nicht abgeneigt und wir sparen uns den Fußweg.“ Er zwinkerte seiner Frau zu.

Während des Gespräches waren beide in Richtung Han-Dun gegangen und hatten die Stadtgrenze erreicht.

Sie nahmen sich bei der Hand und tauchten im Gewühl der Chafren unter.

Die beiden Leoparden und Tarja hatten einen langen, aber ruhigen Flug hinter sich, als der Drache am Rande der Stadt Strongham ankam und sanft landete. Es war schon Nachmittag geworden und die Sonne hatte den Zenit überschritten.

Die Hitze war fast unerträglich und erschien jetzt noch erbarmungsloser, da während des Fluges der Wind Abkühlung verschafft hatte. Sie luden ihr Gepäck ab und verabschiedeten sich von Groodarn. Finlay gab ihm wie immer einen Kuss und auch Sitara tat es ihm gleich. Der Drache fühlte sich dadurch geschmeichelt und schnaubte zufrieden. Tarja ging als letzte zu ihm und streichelte ihm über den Kopf.

Der Drache schaute sie an und sagte: „Junge Tigerin Tarja, nimm folgenden Rat mit auf den Weg. Setze deinen begonnen Weg fort, egal was man von links oder rechts an dich heranträgt. Erfülle die Wünsche der Anderen, aber kehre stets auf den rechten Pfad zurück. Lass dich nicht beirren. Du hast ein goldenes Herz und im Zwiespalt zwischen deinem Verstand und deinem Herzen folge dem Herzen. Du hast es schon einmal getan und ich weiß, dass es richtig war.“

Tarja schaute diesmal nicht verständnislos drein. Die Worte ergaben einen Sinn für sie und plötzlich fiel ihr Chiron ein. Sie vermisste ihn unendlich und wollte am liebsten zu ihm, sie hatte sich nicht mal von ihm verabschieden können.

„Groodarn, kannst du mir einen Gefallen tun?“

„Was denn, meine junge Tigerin?“

„Kannst du, wenn du meine Eltern daheim abgesetzt hast, bei meinem Liebsten vorbeifliegen und ihn von mir grüßen und alles erzählen, ich meine, was vorgefallen ist.“

„Das mache ich gerne, junge Tigerin Tarja.“

Ihr fiel ein Stein vom Herzen. Sie hatte bei den ganzen Ereignissen, bei dem ganzen Trubel doch glatt Chiron vergessen. Wie konnte ihr das nur passieren?

Das war ein unverzeihlicher Fehler. Groodarn breitete wieder einmal seine Schwingen aus und verschwand mit einem leisen Summton in den Wolken.

Tarja starrte ihm kurz hinterher und wandte sich dann ihren beiden Ersatzeltern zu: „So und nun?“

„Nun gehen wir die letzten Meter zu Fuß und machen uns erstmal einen gemütlichen Nachmittag“, sagte Finlay.

Die beiden Tiger Stella und Cyron vergnügten sich derweil auf dem Markt von Han-Dun. Sie schlenderten zwischen den Ständen hin und her, schauten hier-hin und dorthin.

Mal kaufte sich Cyron einen neuen Speer, mal einen Bogen und flugoptimierte Pfeile für die Jagd.

Bei allen modernen Sachen die sie hatten, die Jagd musste fair und traditionell sein. Man musste um seine Beute kämpfen, sonst schmeckte ihr Fleisch hinterher nicht richtig.

Stella wühlte in den verschiedensten Sachen. Sie kaufte sich Schmuck und dünne, fast durchsichtige Gewänder. Auch wenn sie fast nackt waren, wie alle Anderen übrigens auch, da Nacktheit normal war, schmückte man sich hin und wieder gerne mit leichten und angenehmen Stoffen. Es war zudem der letzte Schrei und wer wollte dem schon hinterherhinken.

Die Tigerin war berauscht von den Eindrücken, zumal sie noch nie hier war. Wenn sie mal auf den Markt ging, dann war es einmal in der Woche im Dorf und auf dem gab es auch nur die typischen Kleinigkeiten, die man schon kannte und es diente eher dazu, seine angebrochenen Reserven aufzufüllen. Aber die Angebote hier erschlugen sie regelrecht.

Beide konnten bei einem Obsthändler aus Festan nicht widerstehen und kauf-ten Äpfel, Birnen, Bislarzels und noch ein paar Kirschen. Der Händler schaute die beiden zwar etwas merkwürdig an, weil Raubkatzen bei ihm nie etwas kauf-ten, aber wenn die es so wollten, warum nicht.

Sie waren schon recht voll bepackt als Cyron rückwärts ging und Stella gerade etwas sagen wollte. Da prallte er gegen jemanden und dieser jemand war kleiner als er, ein ganzes Stück kleiner sogar und ging zu Boden. Cyron dreht sich erschrocken um und wollte sich gerade entschuldigen, als er den im Sand liegenden erkannte.

„Hylas, du Luchs“, sagte er erfreut. „Hier treibst du dich also herum.“

„Wo sollte ich denn sonst sein, wenn nicht hier. Du weißt doch, heute ist großer Markttag. Aber wo sind denn die Anderen?“

„Die sind nicht mitgekommen. Die hatten keine rechte Lust.“

„Oh, das ist interessant. Ich habe übrigens gehört was bei euch vorgefallen ist. Also, das mit eurer Tochter und Chiron.“

„Aha! Also doch Chiron.“

„Heißt das etwa, dass du den Namen von Tarjas Verehrer nicht kanntest?“ Hylas rutschte in sich zusammen, weil er merkte, dass er sich verplappert hatte und aus der Nummer garantiert nicht mehr heraus kam. Er schaute sich irritiert um, so als suche er einen Fluchtweg.

Aber Cyron schien das überhaupt nicht zu erschrecken. Ganz im Gegenteil, er wirkte eher sehr ruhig und aufgeschlossen, regelrecht wie ausgewechselt. Das allerdings irritierte Hylas noch mehr. Plötzlich winkte Cyron irgendjemandem zu und bedeutete demjenigen, zu ihnen zu kommen. Hylas wurde es flau in der Magengegend. Und dann stand Stella vor ihm.

„Ihr beide kennt euch ja schon“, sagte Cyron.

„Stella, meine Teure. Wie geht’s dir?“, fragte der Luchs überschwänglich.

„Alter Schleimbolzen“, kicherte die Tigerin.

„Rate mal was ich soeben erfahren habe?“, sagte Cyron an seine Gemahlin gewandt.

„Was denn?“

„Unser Luchsfreund hatte sich gerade verplappert, weil er dachte wir wüssten den Namen von Tarjas Liebhaber.“

„Nein, den kennen wir doch gar nicht. Tarja hat ihn fein säuberlich verschwiegen.“

Über Hylas brauten sich dunkle Wolken zusammen und er wollte in der Menge verschwinden.

„Nicht so hastig, mein Bester. Du brauchst deswegen keine Angst zu haben. Jetzt ist es eh raus und wir kennen den Namen.“

Stella schaute ihren Mann aus glänzenden Augen an. „Was für eine Überraschung“, stellte sie fest.

„Ja und stell dir mal vor, du lagst mit deiner Vermutung genau richtig.“

„Nein!“

„Doch!“

„Das glaube ich nicht. Da marschiert der Kerl doch tatsächlich aus seinem Urwald in unser Dorf, trifft auf unsere Tochter und landet den perfekten Schuss.“

Hylas fing an zu lachen. „Das ist also passiert. Keiner wusste genau worum es eigentlich ging.“

Die beiden Tiger schauten sich an und seufzten gleichzeitig.

„Haben wir die ganze Aufregung doch umsonst gemacht?“, fragte Stella.

„Nein, ich glaube nicht. Es war besser so, irgendwann wäre es sowieso raus gekommen.“

Hylas musste jetzt einfach fragen, denn er platzte vor Neugier. „Was ist denn eigentlich passiert?“

„Wir haben Tarja zu ihrer Stiefschwester gegeben, weil es für sie besser so ist. Sie ist von Chiron geschwängert worden.“

Hylas kicherte erneut. „Das ist ja mal ne Sache. Ich wusste zwar schon immer, dass frische Luft und viel Grünzeug in der Umgebung gesund halten, aber dass das Zeug auch noch die Superpotenz beschert …“

Cyron grummelte etwas vor sich hin.

Hylas beschloss mit den beiden über den Markt zu streifen, da er auch noch nach Fleisch suchte und Stella ihren Mann daran erinnerte, dass sie beide das gleiche Ziel haben. Nach drei Stunden fanden sie auch endlich den gesuchten Stand. Er quoll förmlich über vor Fleisch. Sie kauften, was sie gerade noch tragen konnten und als ein Taur vorbeikam und seine Tragedienste anbot, be-zahlten sie ihn, es war nicht teuer, und luden die Lebensmitteleinkäufe in die umgeschnallten Tragetaschen. Auch Hylas tat das Gleiche und somit konnte man das lustige Einkaufstreiben noch etwas fortführen.

Stella entdeckte an einem kleinen Stand noch künstliches Haar zum einflechten.

„Das muss ich unbedingt noch haben“, sagte sie und kaufte es prompt, ohne auch nur auf eine Antwort zu warten.

Die beiden Kater schauten sich an. Cyron verdrehte die Augen und Hylas zuckte mit den Schultern. Nachdem sie nun genug gekauft hatten und die Zeit auch schon vorangeschritten war, entschlossen sie sich zu gehen.

„So, wir machen uns jetzt auf den Weg. Wir müssen aus der Stadt raus, um an unsere weitere Transportmöglichkeit heranzukommen. Wenn du möchtest, nehmen wir dich mit und setzen dich daheim ab“, sagte Cyron zu Hylas.

Hylas freute sich ungemein über das Angebot und nahm dankend an. Sie deuteten dem Taur an, dass sie gehen wollten. Er folgte ihnen auch brav aus der Stadt und blieb mit ihnen zusammen, bis Cyron plötzlich bedeutete, dass sie stehen bleiben sollten.

Er wandte sich an Hylas und auch an den Taur: „Bleibt ganz ruhig und habt keine Angst, es wird euch nichts passieren.“

„Was sollte uns denn passieren?“, fragte der Taur unsicher.

„Nun, sagen wir mal so. Unsere Transportmöglichkeit ist etwas gewöhnungs-bedürftig.“

Wie auf Kommando sauste ein riesiger Schatten auf die Gruppe zu und landete zielsicher vor ihren Pfoten.

„Hallo, Tigerin Stella und Tiger Cyron“, grüßte sie der Drache.

Hylas und der Taur waren schwer beeindruckt. „Das ist …“, setzte Hylas an.

„… ein Drache“, beendete Cyron den Satz.

„Wie kommst du denn zu dem? Warst du nicht immer der Meinung, dass es keine Drachen gibt? Was ist eigentlich los, ist dir nicht gut oder bist du krank, hat man dich ausgetauscht oder das Hirn manipuliert?“

Cyron kicherte und Stella grinste breit. „Mitnichten, mein Bester. Mir geht es gut. Ich habe mich nur von bestimmten alten Urteilen verabschiedet.“

Der Luchs pfiff nur.

„Wie ich sehe, habe ich einen Fluggast mehr zu befördern und eine Menge Waren“, bemerkte Groodarn.

„Ja, vorausgesetzt, dass du dazu bereit bist. Es wäre auf jeden Fall sehr lieb von dir.“

„Gut. Dann packt mal eure Einkäufe rauf und nehmt Platz. Ich muss nämlich anschließend noch weiter.“

„Oh, du hast noch was vor?“, fragte Stella.

„Ja. Ich muss noch einen Tigerkater besuchen und ihm etwas ausrichten.“

Das Aufladen war dank der Hilfe des Taur schnell erledigt. Die drei nahmen Platz, verabschiedeten sich noch von ihrem freundlichen Lastenträger, schnallten sich an und schon ging die Reise los.

Der Taur blieb zurück, schaute hinterher, drehte sich um und schwor sich in Zukunft bei Transportanfragen von Raubkatzen etwas vorsichtiger zu sein.

Hylas war hin und weg. So was hatte er noch nicht erlebt und schon gar nicht von seinem erzkonservativen Freund Cyron.

Cyron, der Ich-glaube-nicht-an-Drachen-Tiger. Hylas musste innerlich nur mit dem Kopf schütteln, da er seinen langjährigen Freund in der Tat nicht mehr wiedererkannte. Nach circa einer Stunde Flugzeit, einem sanften Anflug und einer sehr weichen Landung baten die Tiger den Drachen noch einen Moment zu warten. Sie packten ihre Sachen soweit sie konnten zusammen und liefen schnellen Schrittes ins Dorf. Sie verabschiedeten eilig Hylas und stapelten ihre Sachen in der Küche.

Anschließend liefen sie zurück vor das Dorf und wandten sich an den Drache: „Wir haben eine Bitte an dich, Groodarn.“

„Worum geht es denn, ihr beiden?“ Er lächelte sie an.

„Tja, also. Es ist vielleicht etwas vermessen. Aber gut. Kennst du einen Chiron?“

Der Drache tat so als überlegte er kurz und bejahte die Frage.

„Fein. Das ist sehr gut. Den würden wir nämlich gerne finden und uns mit ihm unterhalten, ihn kennenlernen.“

Der Drache überlegte wieder kurz: „Das ist auch mein Ziel. Er ist nämlich der Tiger, dem ich etwas ausrichten soll.“

„Lass mich raten. Du sollst ihn von unserer Tochter grüßen?“

„Ja. – Bringt schnell eure restlichen Sachen ins Haus. Ich warte auf euch.“

Das ließen sich die beiden Tiger nicht zweimal sagen. Sie packten die letzten Sachen ins Haus, schlossen die Tür, stürmten aus dem Dorf, setzten sich auf den Drache und waren schon wieder in der Luft. Groodarn übertraf sich selbst und brach scheinbar jeden Geschwindigkeitsrekord.

Nach nur dreißig Minuten Flugzeit waren sie in Reichweite ihres Ziels angekommen.

„Seht, da unten. Der Regenwald“, rief der Drache.

Beide sahen nach unten.

Es tat sich, soweit das Auge reichte, eine riesige grüne Masse auf, die ihre Finger nach ihnen auszustrecken schien.

„Achtung! Ich gehe jetzt in den Sturzflug über um die Zeit bis zum Aufsetzen kurz zuhalten.“

„Mach das“, rief ihm Stella zu.

Der Drache stürzte in einem Wahnsinnstempo auf den Boden zu. Plötzlich wurde Cyron bewusst, wie ausgeliefert sie eigentlich seinen Flugkünsten waren, er kniff die Augen zu und legte die Ohren an. Die Sturzbewegung fand abrupt ein Ende, die Tiger fühlten sich viermal schwerer als sie eigentlich waren und ohne weitere Erschütterung setzte der Drache direkt vor einer kleinen Hütte auf.

„Bevor ich es vergesse“, sagte Groodarn. „Ich möchte euch noch etwas geben. Hier …“, er nahm mit seinen Lippen etwas aus einer seiner Tragetaschen, „… es ist das gleiche Gerät, was Finlay hat. Es sendet lediglich auf einer anderen Frequenz. Wir wissen nicht genau wie es funktioniert und wo es herkommt, lediglich, dass es einen Empfänger gibt, den trage ich und mehrere Sender. Einen davon habt ihr, drei liegen in meiner Berghöhle und einen hat, wie erwähnt, Finlay. Ich gebe sie nur wirklich guten Freunden. Und ihr seid welche.“

Cyron nahm das Gerät fast ehrfurchtsvoll entgegen. „Wo hast du das her?“

„Wie gesagt, es gibt keine genaueren Informationen. Diese Geräte lagen in den Bergen verstreut.“

„Die Form und das Aussehen sind so fremdartig, wirken so extrem technisch und kalt, als wären sie nicht durch unsere Hände entstanden und auch nicht für uns gedacht.“

Der Drache schnaubte kurz und drehte den Kopf in Richtung des Urwalds.

„Na, das ist ja mal ne Überraschung. Ich hätte nie gedacht, dass mich hier mal jemand besucht und schon gar nicht per Luftexpress.