Kapitel 3
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Kapitel 3
Lichtblick und schwarze Schatten
Nachdem sich die Tür zu besagter Räumlichkeit geöffnet hatte, traten Grain und Rogers durch selbige, während Selestral den beiden folgend wie angewurzelt stehen blieb und die anderen beim Betreten behinderte.
„Was ist los?“, fragte Zeus, welcher den Schluss bildete.
„Das ist ... in der Tat … eine Überraschung“, stammelte die Jaguarin.
„Hallo!“, rief Kromberg erfreut.
„Ich glaube das jetzt einfach nicht“, presste Selestral zwischen den zusammen-gebissenen Zähnen hindurch.
„Doch, doch“, frohlockte Kromberg.
„Können sie mir erklären was das jetzt werden soll und vor allem, wie kommen ausgerechnet sie hier her?“, hakte Selestral nach.
„Administrator Osiris hatte kurz vor eurem Start in den Subraum, eine Anfrage an die Guardian gestellt und wir war bereit auf die Byblos überzusetzen. Aber kommt doch rein und ich hoffe, dass ihr euren schnuckeligen Captain mitgebracht habt.“
„Na schön. Verteilen wir uns. Mit Captain Melina können wir nicht dienen. Wenn die gewusst hätte, dass sie hier sind, dann wäre sie bestimmt mitgekommen“, merkte Sitral zynisch an, nachdem sie ebenfalls den Raum betreten hatte.
„Das will ich doch hoffen“, entgegnete Kromberg übertrieben.
„Mister Kromberg. Meinen Zynismus haben sie scheinbar nicht verstanden. Ich bin eher der Meinung, dass Captain Melina die Horem-hab sprengen würde, bevor sie ihnen in die Arme läuft.“
„So schlimm bin ich nun auch wieder nicht und kann echt nett sein.“
„Wenn sie davon überzeugt sind…“
„Das ist jetzt zwar sehr lustig, aber nicht zweckdienlich“, unterbrach Rogers die Runde. „Was ist alles auf LV426 vorgefallen?“
„Was hat ihnen Mister Kromberg erzählt?“, fragte Zoya nach.
„Die Untersuchungen am versteinerten Steuermann, die Angriffe, der Tunnel, die eingeätzten Symbole und Bilder und letztendlich auch Zoyas Treffen mit den Lichtwesen“, gab Grain einen Kurzüberblick.
„Das ist ja schon mal eine ganze Menge“, begann Zeus. „Was er nicht wissen kann ist, dass die Aliens, nachdem er scheinbar entführt wurde, uns den Rück-weg abschnitten. Allerdings sperrten sie nur den Weg, sie griffen nicht an. Das kam erst später, nachdem Mister Kromberg wieder bei uns war.“
„Oh“, entfuhr es Rogers und er hob sichtlich amüsiert eine Augenbraue.
„Hat Mister Kromberg etwa seine Entführung unterschlagen?“, fragte Sitral betont gespielt.
Der ältere Kromberg räusperte sich getroffen. „Spielt doch keine Rolle.“
„Stimmt auch wieder. Vor allem, weil die Entführer ihn einfach so wieder frei ließen und wir ihn nach wenigen Stunden wieder am Hals hatten“, ergänzte die Schneeleopardin.
„Wie peinlich ist das denn?“, stichelte Grain.
„Tja und nun sitzt er hier und nervt uns“, stichelte Zeus ebenso.
„Egal. Die Lage ist ernst und wir müssen entschieden handeln“, ging Altarion Rogers dazwischen.
„Wir sind ganz Ohr“, stimmte Zoya zu.
„Wir haben einige Verdachtsmomente, aber leider keine ausreichenden Fakten. Allerdings sollte das ausreichen um eine Expedition zu starten“, fuhr Rogers fort.
„Was haben sie im Auge?“, bohrte Selestral.
Statt einer direkten verbalen Antwort, drehte sich der geflügelte Säbelzahntiger-Anthro um und ließ eine Videowand herunterfahren, schaltete den Beamer ein und zückten einen Zeigestock.
Auf der Leinwand erschien ein Satellitenbild.
„Was sehen wir?“, stocherte Tripal und Ionos schürzte die Lippen.
„Das, meine Lieben, ist ein 15 Quadratmeilen großer Ausschnitt des atlantischen Ozeans.“
„Sehr schön“, hub Zeus an, „aber wir sind bestimmt nicht hier um uns Wasser anzuschauen.“
„Mitnichten! Der Ausschnitt zeigt das Gebiet direkt vor Puerto Rico und damit einen Bereich in dem der Ozeanteil eine maximale Tiefe von 8376 Metern er-reicht, auch das Milwaukeetief genannt.“
„Aha, das ist ja schon mal ein Anfang. Aber worum genau geht es jetzt?“, fragte Sachmet 9405.
„Wir haben Informationen aus einem von uns erbeuteten Androiden einer Sekte ausgelesen“, ergänzte Grain.
„Erbeutet? Ausgelesen?“, hakte Ionos nach.
„Na ja, der 5er war nicht gerade begeistert als wir ihn ergriffen.“
„Was haben sie herausgefunden?“, wurde Tripal ungeduldig.
„Zunächst erstmal, dass ein gewisser Krondal dahintersteckt. Fragt mich nicht der wievielte er ist. Aber laut dem was uns vorliegt, scheint sich dieser Sektenführer schon seit dem 20.Jahrhundert in der Nähe von Gary herumzutreiben“, fuhr Grain fort.
Tripal machte ein langes Gesicht, runzelte die Stirn. „Während ich auf Eis lag, machte er munter weiter. Den will ich tot sehen.“
„Hat sich lange gehalten der Knabe“, witzelte Sitral.
„Generationen, welche sich am Ende immer denselben Namen gaben“, knirschte Tripal.
„Faszinierend, aber da kommt doch noch mehr“, bat Selestral um Fortführung.
„Aber sicher doch. In jenem Graben scheint sich etwas zu befinden. Wir wissen nicht genau was es ist, aber scheinbar ist es der Auslöser für einige Ereignisse.“
„Die da wären? – Herrgott, General! Muss man ihnen denn alles aus der Nase ziehen?“, wurde Sitral barsch.
„Es handelt sich angeblich um ein Artefakt. Etwas, was diese Sekte unbedingt haben will. Etwas, was mit LV426 zu tun hat und auch den Abtrünnigen der Antermerianer eine scheiß Angst gemacht haben muss. Zumindest haben auch die Anhaltspunkte auf dessen Existenz erhalten.“
„Daher der Wunsch nach Verhandlungen“, schlussfolgerte Zoya.
„Genau und während wir versuchen werden des Artefaktes habhaft zu werden, sollten schleunigst die Verhandlungen mit den Abtrünnigen laufen.“
„Hmmm… sie meinen, bevor die mitbekommen, dass wir es haben oder auf dem Wege sind es zu finden“, sinnierte Zoya.
„Eben und daher solltest du mit der Re-harachte sofort nach Genro aufbrechen. Ansonsten, sammelt alles an Leuten ein, die uns auf der Mission unterstützen wollen und schickt sie hierher. Wir sorgen für einen sicheren Korridor. Fünf U-Boote sind bereits auf dem Weg dorthin und sichern das Gebiet ab.“
„Und was ist mit diesem Krondal?“, wollte Tripal wissen.
„Der ist unter Beobachtung und sollte die geringste Gefahr darstellen, wobei wir seinen Einfluss nicht unterschätzen dürfen.“
„Klingt beunruhigend.“
„Was ist mit LV426?“
„Der liegt weitab und außerdem schwebt immer noch die Guardian im Orbit, wenn auch komplett auf Automatik. Falls sich dort etwas tun sollte, werden wir es erfahren“, schloss Rogers die Fragen ab.
„Gut, dann fliegen wir jetzt zurück auf die Horem-hab und aktivieren eine passende Gruppe“, hub Zoya an. „Ich werde unter der Leitung von Captain Seth und seiner Besatzung nach Genro fliegen. Die Nephtys, die Amun-Re und die Osiris sollten auf dem Weg und bei unserem Eintreffen schon im Orbit sein.“
„Das klingt ausgezeichnet. Auf geht’s“, forderte Grain auf und erhob sich.
Minuten später waren die beiden Roboterfähren und die bemannte auf dem Weg zur Horem-hab und Re-harachte.
„Selestral an Captain Melina!“, rief die Jaguarin ins Intercom.
„Hier Captain Melina. Ich höre.“
„Wir sind auf dem Rückweg und müssen uns dringend unterhalten. Es gibt beunruhigende Neuigkeiten.“
„Verstanden! Sobald ihr da seid, in meinen Raum. Melina, Ende!“
„Kurz und knapp wie immer“, flötete Kromberg. „Und danke, dass ihr meine Anwesenheit nicht erwähnt habt.“
„Warum sollten wir?“, hub Selestral an. „Um nichts in der Welt will ich die Überraschung verderben.“
„Frag sich nur, wer mehr überrascht sein wird“, murmelte Zeus.
„Der Captain auf jeden Fall. Ich bin nur auf ihre Reaktion gespannt“, merkte Sitral an und machte dabei ein finsteres Gesicht.
Nach fünfundzwanzig Minuten Flugzeit hatten sie ihr Ziel erreicht und näherten sich dem Kreuzer.
„Horem-hab! Wir sind im Landeanflug, erbitten Vektoren und Hangarzuteilung“, grollte Selestral kehlig ins Intercom.
„Landefähre Vier, Vektoren sind 0421 zu 0297, Abweichungswinkel 6°“, ertönte Arianas Stimme aus dem Leitstand.
„Aye! Führe Endphase ein.“
„Verstanden, Willkommen zurück!“
„Warum nur werden wir auf heftige Probleme stoßen?“, murmelte Zeus vor sich hin.
„Du bist zu negativ eingestellt. Ist das eine Einhornsache?“, fragte Kromberg provozierend.
„Mister Kromberg. Wir hatten genug Schwierigkeiten und werden auch zukünftig welche haben oder haben sie nicht aufgepasst?“, erwiderte der schwarze Hengst.
„Das wird sich zeigen. Bisher läuft doch alles glatt“, versuchte Kromberg zu beschwichtigen.
„Schluss jetzt“, schnauzte Selestral dazwischen. „Eintrittsphase. Festhalten!“
„Warum? Fliegst du plötzlich so schlecht?“, fragte Kromberg noch, aber bekam die Antwort prompt, als die Fähre unsanft aufsetzte.
„Genau deshalb. Und jetzt raus, es gibt viel zu tun.“
Nachdem das Außenschott sich geöffnet hatte, standen sie Captain Melina gegenüber.
„Hallo!“, hub sie an und stutzte plötzlich. „Das kann jetzt nicht wahr sein“, entfuhr es ihr noch. Sie hatte Kromberg entdeckt, atmete tief durch und hielt sich die Hände vors Gesicht.
„Hallo, hübscher Captain“, säuselte dieser und grinste breit.
„Warum nur immer ich?“, seufzte die Stute entnervt.
„Aber nicht doch. Geben sie es zu, sie freuen sich mich zu sehen.“
„Ja, ganz bestimmt. Ich freue mich genauso, wenn Parais mir einen Heiratsantrag macht.“
„Der ist homosexuell und mit Tristan zusammen“, rutschte es Sitral heraus.
„Eben! Drum!“, funkelte Melina die Schneeleopardin an. „Und jetzt bewegt euch. Alles in meinen Raum. Ich will was hören.“
Auf dem Weg dorthin brach Zeus das eingetretene Schweigen. „Mal ehrlich Captain. Das Kromberg auf dem Stützpunkt aufgetaucht war, wussten wir auch nicht.“
„Ändert nichts an der Tatsache, dass er jetzt hier ist. Wie ist er überhaupt dort hingekommen? Die Guardian ist doch immer noch um LV426.“
„Das kann ich leicht erklären“, mischte sich der Erwähnte ein. „Administrator Osiris hielt es für eine gute Idee, wenn die Besatzung der Guardian mit der Byblos mitkommen würde und das muss wohl im allgemeinen Durcheinander untergegangen sein.“
„Hier macht wirklich jeder was er will“, seufzte die Stute wiederholt und hob resigniert die Arme.
Die Türen zum Besprechungsraum öffneten sich und es nahmen alle Platz. Kromberg wollte es sich unbedingt in Melinas Nähe bequem machen, aber Selestral kam ihm zuvor und ergatterte den Sessel.
„Ihr gönnt mir aber auch gar nichts“, knurrte der Alte und setzte sich ans andere Ende des Tisches.
„Sicher ist sicher“, flötete die Jaguarin und grinste schief.
„So, dann schießt mal los“, befahl der Captain.
„Das Mister Kromberg hier ist und wie er hierher kam ist ja schon geklärt. Also komme ich direkt zum Wesentlichen“, startete Zoya. „General Grain und Major Rogers haben Informationen aus einem der uns schon hinlänglich bekannten Androiden geholt. Es gibt demnach etwas was die Abtrünnigen wollen und auch die Sektierer, welche uns gleichzeitig beseitigen möchten.“
„Hmmm… was sollte das sein?“, fragte Melina.
„Das weiß keiner. Jedenfalls gibt es wohl Hinweise darauf, aber keine klaren Fakten. Ein vermutlicher Ort ist auch schon ausgemacht, aber ebenfalls nicht zu 100% sicher“, antwortete Zoya.
„Wo?“
„Mitten im atlantischen Ozean, in der Nähe von Puerto Rico“, platzte es aus Sitral heraus.
Zoya schaute die Schneeleopardin scharf an und nickte langsam. „Richtig!“
„Mitten im Ozean? Hat jemand eine Idee, wie man da hinkommen soll und mit was?“
„Das weiß ich nicht und wir sollten eh erst mal sehen, dass wir alles andere nicht aus den Augen verlieren“, fuhr Zoya fort.
„Du spielst auf Genro an?“, hakte Melina nach.
„Ja! Grain merkte an das wir uns sofort auf den Weg dahin machen sollten und die Horem-hab hier verbleibt. Die Osiris, Amun-Re und Nephtys sollten schon vor Ort sein.“
„War da nicht noch was mit den Haldoranern?“, fragte Zeus nach.
„Ach ja. Die übergroßen Küchenschaben“, sinnierte Melina und hob dann ihre Stimme an. „Captain an Brücke! Querverbindung zum Besprechungsraum mit der Byblos und der Re-hara…“. Weiter kam die Stute nicht.
Während der Captain begann die Anweisung durchzugeben, öffnete sich an Steuerbord des Kreuzers ein Subraumtunnel und die gelbe Alarmstufe wurde ausgelöst.
„… Was ist los?“, schwenkte Melina ihren gerade begonnen Gedankengang um.
„Captain! Subraumankunft. Objekt noch unbekannt“, rief Colras ins Com.
„Verdammt! Ich bin auf dem Weg. Selestral und Sitral, ihr kommt mit mir. Der Rest geht auf die Quartiere. Ach ja, Herr Kromberg begleitet mich ebenfalls.“
„Ich wusste doch, dass sie mich mögen“, witzelte Kromberg.
„Vergessen sie das“, hub Melina an. „Erstens haben sie noch kein Quartier und zweitens will ich verhindern, dass sie Unsinn machen. Auf der Brücke habe ich jemanden wie sie wenigstens unter Kontrolle. Und jetzt los!“
Während sich die Einen auf ihre Zimmer begaben, betrat die Viergruppe den Aufzug.
„Wer oder was sollte ausgerechnet jetzt und hier auftauchen?“, überlegte Melina laut.
„Die Abtrünnigen?“, gab Selestral ihre Gedanken preis.
„Das wäre töricht“, entgegnete der Captain. „Das würde einer direkten Provo-kation gleich kommen.“
„Aber was ist mit diesem Artefakt?“, warf Kromberg ein.
„Sie meinen, dass die so offensichtlich darauf abzielen?“, wandte sich die Stute an den Mann.
„Genau. Die wissen auch was. Warum, dass bleibt allerdings deren Geheimnis.“
„Guter Ansatz. Aber wir werden es eh gleich wissen.“
In diesem Moment öffneten sich die Türen und das Quartett betrat die Brücke.
„Colras, Bericht!“
„Geschätzte Ankunft in einer Minute, wenn man der Ausschleusungssignatur vertrauen darf.“
„Sehr gut. Gibt es schon eine Kennung, welche dem Objekt vorausgeschickt wurde?“
„Nein, Captain! Bisher alles ruhig.“
„Überraschung, Überraschung!“, murmelte Sitral, während Melina ihren Platz in der Mitte einnahm und die persönliche Kennung eintippte.
Wenig später durchstach etwas den Wirbel, tauchte im Normalraum auf, erschien nicht irgendein unbekanntes Objekt auf dem Schirm, sondern ein Schiff, welches durchaus bekannt vorkam.
„Die Haldoraner?“, entfuhr es Selestral.
„Was wollen die hier?“, fragte Colras mehr rhetorisch in den Raum.
„Ruft sie! Ich will Antworten“, schnauzte Melina barsch.
„Aye, Captain!“, bestätigte Chiron.
Wenige Sekunden später stand die Verbindung und Commander Shar’tark erschien auf dem Frontschirm. „Ich grüße sie, Captain Melina“, startete der Haldoraner das Gespräch.
„Grüße zurück, Commander. Was verschafft uns die Ehre ihrer Anwesenheit. Sollten sie nicht im Elara-System sein und zusammen mit unseren Kreuzern den Planeten Genro absichern?“
„In der Tat. Die drei festridischen Subraumkreuzer sind auch vor Ort. Wir haben einen anderen Kurs eingeschlagen, da wir hörten, dass sich Vermittlerin Zoya immer noch bei euch befindet.“
„Das stimmt und ist ein gutes Argument. Sie sind auch informiert was alles vorgefallen ist?“, hakte Melina nach.
„Im Groben und Ganzen, ja. Aber Vermittlerin Zoya wird uns wohl noch auf den neuesten Stand bringen.“
„Perfekt. Ich würde vorschlagen, dass wir Zoya auf ihr Schiff schicken und sie nach Genro fliegen. Die Friedensverhandlungen bedürfen keinerlei Aufschubs.“
„Sehr gern. Ich würde mich geehrt fühlen“, bestätigte Shar’tark.
„Dann machen wir es so und unseren Mister Kromberg nehmen sie bitte auch mit. Es wird Zeit für ihn mal ein paar andere Cherit, Chafren und auch einen anderen Planeten kennenzulernen.“
„Oh. Wollen sie ihn loswerden?“
„Ist das so offensichtlich?“, schnaubte Melina.
„Ey! Habe ich hier auch noch etwas zu sagen?“, polterte Kromberg dazwischen.
„Nein und jetzt gehen sie mit Zoya und Zeus zum Hangar und nehmen Fähre sechs. Ich will erst wieder etwas von euch hören, wenn ihr an Bord des haldoranischen Schlachtschiffes seid“, befahl die Stute energisch und zeigte deutlich in Richtung der Aufzugtüren.
„Na toll“, knirschte Kromberg getroffen. „Da warf sie mich aus ihrem Leben.“
„Nicht lang genug, Mister“, wurde Melina laut. „Wir sehen uns bestimmt wieder.“
„Das lässt mich hoffen“, erwiderte Kromberg und versuchte zu lächeln.
Nachdem die Drei den Aufzug betreten und sich die Türen geschlossen hatten, atmete der Captain tief durch. „Das wurde aber auch Zeit.“
„Captain Melina, sie machen in der Gegenwart dieses männlichen Menschen einen sehr gereizten Eindruck oder täusche ich mich?“, fragte Shar’tark.
Die Stute verdrehte die Augen und musterte anschließend den haldoranischen Commander. „Nein, da täuschen sie sich in der Tat nicht. Und freuen sie sich drauf, dass sie eine echte Nervensäge bekommen.“
„Oh, mit solchen Zeitgenossen haben wir unsere Erfahrungen. Der Herr wird schnell ruhig sein.“
„Das glauben sie. Ich habe anderes erlebt.“
„Glauben sie mir.“
„Na schön. Sagen sie mir Bescheid, wenn meine Leute an Bord sind.“
„Sehr gerne, Captain! Ich melde mich später. Shar’tark, Ende!“
„Warum habe ich das Gefühl, dass Einer von beiden leiden wird?“, fragte Colras in den Raum.
„Weil es so sein wird“, mutmaßte Selestral und erntete dafür einen mahnenden Blick von Sitral, welcher sie zusammenzucken ließ.
„Benehmt euch, beide“, knurrte Colras. „Fangt jetzt nicht an zu streiten. Die Sache ist hinlänglich geklärt.“
„Darum geht es auch gar nicht. Es geht eher darum, dass mir Shar’tark leid tut“, entgegnete Sitral und fing plötzlich an zu lachen.
„Warum lachst du?“, fragte Cernos.
„Schon gut. Ich stelle mir nur gerade vor wie Shar’tark hektisch mit den Mandibeln wackelt und eine Art von Schnappatmung bekommt.“
„Hmmm… das ist in der Tat amüsant“, sinnierte Colras und grinste etwas.
„Captain! Commander Shar’tark von der Har‘lin‘ga lässt uns wissen, dass die Fähre eingetroffen ist und Zeus, Zoya und Kromberg an Bord sind“, verkündete Cernos.
„Ausgezeichnet!“, hub Melina an. „Lassen sie ihn wissen, dass wir ihm viel Erfolg wünschen und unsere Gedanken ihn begleiten.“
„Aye, Captain!“, erwiderte der Anthro-Hirsch und schickte die Nachricht raus.
Die Abschlussnachricht des haldoranischen Commanders ließ ihn auflachen. „Shar’tark dankt für die Wünsche und hat Mister Kromberg bereits in sein zugeteiltes Quartier sperren lassen. Er war wohl etwas neben der Spur.“
„Tja, dann hat sich das ja geklärt“, merkte Melina an und beobachtete mit den anderen, wie sich vor dem haldoranischen Schiff ein sanft-violetter Strudel zu bilden begann, welcher immer heftiger rotierte, sein zartes violett zu immer dunkleren Farben wechselte und schließlich, dass auf ihn zu steuernde Schiff eintauchte und darin verschwand.
„Wollten Cyron und Stella nicht auch nach Genro?“, fragte Chiron plötzlich quer über die Brücke.
„Wenn ja, dann ist es zu spät“, grummelte Sitral.
„Es war ja auch ursprünglich anders geplant“, knurrte Chiron.
„Finde dich damit ab, Tiger“, ging Melina dazwischen. „Außerdem kann es sein, dass wir immer noch abgezogen werden und auch dorthin müssen. – Und jetzt gebt mir Seth und den Administrator.“
„Aye, Captain!“, bestätigte Cernos.
Wenige Sekunden später stand die Querverbindung und man sah das etwas bleiche menschliche Antlitz des Osiris‘ und den typischen leicht grau befellten Kopf eines Esels.
„Captain Melina, was verschafft uns die Ehre?“, fragte Osiris betont freundlich.
„Administrator Osiris, Captain Seth! Die Haldoraner sind mit Zoya und Zeus, ebenso Herrn Kromberg an Bord auf dem Weg nach Genro. Die Amun-Re, Osiris und Nephtys sind laut Aussagen von Commander Shar’tark bereits im Orbit um den Planeten.“
„Das sind sehr gute Neuigkeiten“, verkündete Seth. „Aber was gab es beim Gespräch mit Grain und Rogers?“
„Ich war durch Shar’tark bereits informiert, aber trotzdem Dank für die Rückmeldung. Ich denke, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind. Ich werde die abtrünnige, antermerianische Strömung in zwölf Stunden in Kenntnis setzen. Ich möchte der Har’lin’ga genügend Vorsprung lassen. Die sollen ausreichend vor Marduk und seinen Schergen eintreffen und sich auf Genro einrichten. Ich mag keine Überstürzungen und vor allem keine Unwägbarkeiten.“
„Das ist ausgezeichnet, Administrator!“, lobte die Stute beiläufig. „Ich weiß nicht, ob sie es schon wussten, aber auf der Erde gibt es Etwas.“
„Ich bin ganz Ohr“, hub Seth an und schaute interessiert auf seinen Wandschirm, auf welchem er die Konterfeis von Osiris und Melina betrachtete.
„Ich ebenso, auch wenn ich mir da etwas denken kann“, merkte Osiris an.
„Gut, dann mache ich es kurz und knackig. Im Atlantik, in unmittelbarer Nähe von Puerto Rico befindet sich an der tiefsten Stelle bei ca. 8.300 Metern Tiefe der Lageort eines Artefaktes. Zumindest deuten Indizien darauf hin.“
Captain Seth machte ein langes Gesicht, während Administrator Osiris sich lediglich unter dem Kinn rieb. „Dann ist es also dort?“, murmelte er versonnen.
„Wie meinen?“, hakte Melina ein.
„Das ist etwas, was besser verborgen geblieben wäre“, setzte der Antermerianer mit ruhiger Stimme an.
Plötzlich hörte man Isis‘ Sopran durch die Verbindung hallen. „Erzähle nicht einen solchen Quatsch. Es ist besser, wenn es jetzt gefunden wird. Vor allem, bevor es der Falsche in die Finger bekommt.“
„Administrator! Wäre es nicht besser jetzt zu sagen um was es sich handelt und ob davon eine Gefahr ausgeht?“, seufzte Seth.
„Jetzt mach schon“, schnauzte Isis ungehalten.
„Also schön. Bevor es wieder heißt, dass ich etwas verschweige.“
„Ja, die Überraschung mit Kromberg war übrigens gelungen“, warf Melina ein.
„Hatte ich das vergessen zu sagen?“
„Nein, aber nicht doch. Ich verdränge es nur zu gerne“, knurrte die Stute.
„Dann muss ich mich wohl entschuldigen. Ich hielt es nicht für sonderlich wichtig.“
„Das Artefakt beinhaltet die Quelle der Lichtwesen. Wer es hat, weiß wo sie sind und angeblich kann derjenige diese auch kontrollieren.“
„Was sind diese Wesen?“, fragte Ariana frei heraus.
„Es sind instabile Existenzen. Sie sind eine Form von purer Energie. Diese Energie wird jedoch geformt und stabilisiert, ebenso von Intelligenz erfüllt, durch eine außerhalb liegende Quelle. Wenn das dort unten, das ist, was ich gerade vermute, dann haben wir eine der Quellen vor uns.“
„Klingt sehr mystisch“, entgegnete Captain Melina, „aber hört sich auch danach an, dass es mehrere davon gibt.“
„Dem ist auch so. Und das würde unter anderem begründen, warum die Lichtwesen ausgerechnet zur Erde wollten. Hier ist eine ihrer Quellen und damit ihre Kraft am stärksten.“
„Moment“, mischte sich Colras ein, „das würde bedeuten, dass das was Zoya und wir alle als Zeugen erlebten nur ein Bruchteil ihrer Macht war?“
„Ich fürchte ja.“
„Wir müssen uns dringend auf den Weg machen und uns dieser Quelle bemächtigen. Egal wer diese sonst hat, er könnte alles mit einem Wimpernschlag auslöschen“, gab Seth zu bedenken. „Wir sollten ursprünglich auch nach Genro, aber da die drei notwendigen Personen bereits unter Geleitschutz der Haldoraner auf dem Weg dorthin sind, bleiben wir hier und helfen.“
„Gut“, fügte Ariana ein, „jetzt brauchen wir nur noch Freiwillige und vor allem will ich persönlich wissen, wo fangen wir an, wo landen wir und wem begegnen wir. Ganz abgesehen davon, wer kümmert sich um die Verschwörung und diesen Krondal, von dem ich durch die Blume gehört habe?“
„Um diese selbsternannte Graue Eminenz, seine Exzellenz, welche überall so gerne auftaucht und Fäden zieht, werden sich Isis und zwanzig Sachmet-Klone kümmern. Das irdische Militär werden wir sicherheitshalber lediglich informieren. Es wäre zu auffällig, wenn plötzlich eine Hundertschaft in Kampfanzügen vor seiner Villa auftaucht. Um das Aufspüren der Androiden und deren Redelsführer kümmern sich die Seth-Klone, hier aber mit Unterstützung durch das Militär“, erklärte Osiris das weitere Vorgehen.
„Dann sollten wir uns mit General Grain in Verbindung setzen und unseren Plan übermitteln“, stellte Melina fest und stand aus ihrem Captainsessel auf.
„So soll es sein“, stimmte Osiris zu und stellte prompt die Verbindung her.
Wenig später gesellte sich der General, ebenso der Major zum bunten Reigen hinzu. „Administrator Osiris“, grüßten beide gleichzeitig. „Wie wir sehen sind alle anwesend. Wir sind gespannt“, führte Grain fort.
„Wir haben eine Plan und möchten diesen mit ihnen abgleichen“, übernahm Isis das Wort.
„Dann mal los“, munterte Rogers auf.
„Meine Wenigkeit und zwanzig Sachmet-Klone werden sich in einer Nacht- und Nebelaktion des Herrn Krondal annehmen. Auf das Militär verzichten wir dabei, denn das wäre zu offensichtlich. Gleichzeitig wird ein Trupp von Freiwilligen sich des Artefaktes annehmen und abtauchen. Des Weiteren werden mehrere Gruppen, bestehend aus Seth-Klonen und ihrem Militär, sich der infiltrierenden Androiden annehmen.“
„Das ist ein sehr guter Plan. Wie gedenken sie ins Milwaukeetief vorzudringen?“, fragte Rogers nach.
„Mit was müssen wir rechnen? Allein danach werden wir uns richten“, entgegnete Isis.
„Das Artefakt oder was immer wir dort finden werden, liegt in einer Tiefe von etwas mehr als 8.300 Metern. Der Druck an dieser Stelle beträgt aufgerundet 815 bar, also das gut 800fache des normalen Luftdruckes. Wie immer ihr dort hinkommt, euer Equipment sollte eine Menge aushalten.“
„Hört sich machbar an“, sinnierte Isis und schaute über ihre Kamera demonstrativ zu Melina und Seth.
„Wir werden einige Fähren umrüsten müssen und entsprechende Kraftfeldgeneratoren installieren“, stimmte Melina dem Plan zu.
„Wann werden die einsatzbereit sein?“, fragte Grain.
„Geben sie uns zwölf Stunden Zeit“, antwortete der Captain der Horem-hab und blähte siegesgewiss ihre Nüstern.
„Wie viele Fähren kommen von dir?“, fragte Seth an die Stute gewandt.
„Zwei Stück werden reichen, wenn du ebenfalls zwei Stück aufrüsten lässt“, antwortete Melina.
„Ausgezeichnet. Wir fangen sofort an. Schickt ihr schon einmal eure Gruppe los und versucht diesen Krondal festzusetzen. Wenn der mitbekommt was hier abläuft, dann wird er eingreifen wollen“, gab Seth zu bedenken.
„Machen wir“, erwiderte Isis und verschwand aus dem Bild. Aus dem Hintergrund hörte man noch den Befehl: „Sachmet-Klone 4920 bis 4940 sofort in Gefechtsbereitschaft, volle Kampfausrüstung. Einsatzbereitschaft in einer Stunde.“
„Wir haben es gehört“, konstatierte Grain und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „In zwei Stunden ist im entsprechenden Bereich die Sonne hinter dem Horizont verschwunden. Es sollte also alles planmäßig verlaufen. Greifen sie beherzt, aber bedacht zu.“
„Wie ich meine Gemahlin kenne, wird das wohl nicht passieren. Sie ist da sehr direkt und schmerzbefreit.“
„Eben“, merkte Grain an. „Wir stellen jetzt mehrere Gruppen zusammen und rüsten die ebenfalls aus. Captain Melina, Captain Seth, ihr schickt uns umgehend eure Leute nach Norad, damit wir die Teams zusammenstellen und ergänzen können. Grain, Ende!“
Colras schürzte die Lippen und fing dann an breit zu grinsen. „Es geht vorwärts. Genug der Planereien und der Diskussionen, kommen wir endlich zum praktischen Teil.“
Captain Melina tippte auf den Com-Taster. “An alle Quartiere und Stationen, wir brauchen zehn Freiwillige, welche sich dem irdischen Militär anschließen, um den Kreis der Infiltration aufzudecken und unschädlich zu machen. Freiwillige im Speisesaal einfinden. Treffen in zehn Minuten. Captain, Ende!“
„Da bin ich ja mal gespannt“, murmelte Ariana zunächst und wandte sich dann deutlich lauter an die Stute: „Captain! Ich bin dabei.“
„Erlaubnis erteilt, lass dich von Cernos ablösen und begib‘ dich in den Speisesaal.“
„Aye! – Cernos, übernehmen.“
Die Löwin erhob sich und machte dem Anthro-Hirsch Platz, schritt auf die Aufzugtüren zu und verschwand schließlich von der Brücke.
„Noch jemand der sich auf der Brücke langweilt?“, fragte Melina nach.
Als keine weiter reagierte, zuckte sie lediglich mit den Schultern, freute sich aber insgeheim, drehte sich um, ging ebenfalls zum Aufzug. „Selestral, du hast die Brücke.“
„Aye, Captain“, kam deren Bestätigung.
Als die Stute den Speisesaal betrat hatten sich sage und schreibe dreißig Besatzungsmitglieder versammelt und blickten ihr erwartungsvoll entgegen.
„Hallo Captain!“, grüßte Stella freundlich.
„Grüße zurück“, hub Melina an, „und ich freue mich, dass mehr erschienen sind als ich erwartet hatte.“
„Du hast die freie Wahl“, mischte sich Tarja dazwischen.
„Ja, da wird mir die Auswahl wohl nicht leicht gemacht, außerdem sehe ich einige Gesichter die zu hundert Prozent dabei sein wollen, egal was passiert.“
„Aber sicher doch“, intonierte Cyron. „Auch, wenn mehrere schon in die Jahre gekommen sind.“
„Mag sein“, fuhr Melina fort, „aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es bei meine Auswahl vor allem um Erfahrungen geht und nicht allein um frisches und junges Blut.“
„Hört, hört.“
„Gut, da die Zeit drängt, komme ich gleich zum Punkt. Chiron und Tarja, Cyron und Stella, Apophis, Andrew, ihr seid auf jeden Fall dabei. Ach ja Kira ebenso.“
„Sollen wir getrennt mit den militärischen Gruppen gehen oder bleiben wir zusammen?“, fragte Kira.
„Das wird General Grain entscheiden, aber ich plädiere dafür, dass ihr pärchenweise operieren solltet. Immerhin habt ihr in der Vergangenheit gezeigt, dass ihr als eingespielte Teams die besten Quoten erzielt“, antwortete der Captain.
„Ausgezeichnet! Welche Fähre nehmen wir?“, fragte Cyron fest entschlossen.
„Die Fähren 3 und 4 stehen zur vollen Verfügung, sobald die Umrüstung erfolgreich abgeschlossen ist. Solange könnt ihr euch vorbereiten und euch Ge-danken darüber machen wie ihr am effektivsten Vorgehen wollt.“
„Die Frage ist eher, wie machen wir die Androiden ausfindig? Uns fehlt jeder Anhaltspunkt und mit Sicherheit wird keiner von denen auf uns zu kommen und sich persönlich vorstellen“, merkte Cyron an.
„Das ist die andere Sache und über die müsste man noch diskutieren. Wir müssen ein Verfahren entwickeln, welches in der Lage ist nach gewissen Indizien Ausschau zu halten“, sinnierte Kira
„Und da ist sie wieder, unsere Computerkätzin“, frohlockte Andrew.
„Für andere Sachen haben wir im Moment auch nicht die Zeit, mein Schatz“, wandte sich die Luchsin an ihren Stier-Säbelzahnlöwen-Hybrid und zwinkerte schelmisch.
„Ja ja, lang ist es her.“
„Aber nicht aus der Welt“, stichelte Kira ihn, was ihm ein leises Seufzen entlockte.
„Schön für euch“, ging Ariana dazwischen. „Auch wenn es niemanden interessieren mag, aber ich mache auch mit und Hadron wird sich bestimmt dazu-gesellen.“
„Na ja, der sitzt gerade auf der Erde und bei ihm bin ich mir nicht sicher“, gab Cyron zu bedenken.
„Den polier ich schon wieder auf“, erwiderte die Löwin schnippisch.
„Kann ich mir gut vorstellen und über das Wie, will ich nichts wissen“, murmelte Cyron.
„Das werde ich dir auch bestimmt nicht auf die Nase binden.“
„Wie in alten Zeiten“, kicherte Andrew.
„Davon kannst du ausgehen“, prustete Kira plötzlich los und rammte ihm ihren Ellenbogen in die Flanke.
„Aua! Das war jetzt aber nicht nett.“
„Warts ab, wenn ich mit dir fertig bin, dann tut dir noch ganz was anderes weh.“
„Ich glaube, ich schicke euch alle auf die Erde“, merkte Melina an und schüttelte den Kopf.
„Aber Captain, du bist nur etwas aus der Übung“, stichelte Chiron.
„Woher willst du das wissen?“
„Nur eine Vermutung.“
„Tja, Mister Kromberg ist ja nicht mehr hier“, streute Andrew etwas Salz in die offene Wunde.
„Vorsicht Langzahnmähne!“, ermahnte ihn die Stute. „Ganz dünnes Eis.“
„Entschuldigung.“
„Wie dem auch sei“, hub jetzt Ariana an. „Wir sollten auf unsere Quartiere gehen und uns innerlich auf eine harte Zeit vorbereiten.“
„Das ist das Stichwort – harte Zeiten“, platzte es Tarja hervor und sie wurde knallrot an der Nasespitze.
„Okay, Erlaubnis erteilt“, sagte Melina. „Ich gebe Bescheid, wenn die Umrüstung abgeschlossen ist. Bis dahin wünsche ich viel Spaß und Entspannung.“
„Dann verdrücken wir uns mal wieder. Wir sehen uns“, floskelte Andrew und ließ sich von Kira mitziehen.
Der Speisesaal leerte sich kurzerhand und der Captain der Horem-hab stand allein im Raum. Ein Fuchs aus dem Serviceteam ging auf sie zu, nickte freund-lich: „Captain, darf ich ihnen etwas zu trinken anbieten?“
„Soll das eine Einladung sein?“, schnaubte die Stute leicht schnippisch.
„Nein, es war lediglich die Frage, ob sie etwas trinken möchten?“
„Bring mir ein Glas Mineralwasser. Da fällt mir etwas anderes ein – bring das Glas Wasser an Tisch eins.“
„Sehr wohl, Captain!“, sagte der Fuchs und verschwand.
Melina ging währenddessen zum Com-Terminal: „Captain an Technik.“
„Hier Technik! Zweiter Ingenieur Tiamira.“
„Ah! Da steckst du. Ist Miss Thomson bei dir oder hast du sie in letzter Zeit gesehen?“
„Aber sich doch, Captain. Juliana ist in meiner Freizeit fast ständig bei mir.“
„Ah, ihr habt euch schon kennengelernt?“
„Wenn ich so offen sein darf, mehr als das.“
„Ich habe das Gefühl, dass sich mein Kreuzer in eine Art Liebesschiff verwandelt.“
„Das entzieht sich meiner Kenntnis. Aber falls es sie beruhigt, wir übertreiben es nicht“, versuchte die Servalin den Captain zu beruhigen.
„Na schön. Aber mein eigentliches Ansinnen ist ein anderes. Wir haben gerade einige Freiwillige für mehrere Einsätze auf der Erde verpflichtet, hättet ihr beide nicht Lust dabei zu sein?“
„Uff“, entglitt es der Servalin. „Ich bin zwar Waffentechnikerin, aber ich wüsste nicht wobei wir beide helfen könnten?“
„Überlegt es euch. Melina, Ende!“
In der Zwischenzeit hatte der Bedienungsfuchs das Wasser bereitgestellt und wartete auf die Ankunft der Stute.
„Ah, mein Wasser. Danke!“, floskelte Melina.
„Bitte schön, Captain. Wenn sie noch etwas brauchen, dann sagen sie bitte Bescheid.“
„Nein, aber danke!“
Der Fuchs verneigte sich kurz und verschwand wieder.