Kapitel 4
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Kapitel 4
die Anfänge drängen ans Tageslicht
In der Nähe von Puerto Rico versammelten sich unterdessen mehrere U-Boote, verkleinerten den Suchradius, tauchten tiefer und begannen die vermutliche Fundstätte abzusichern. Ihr Auftrag war, dass es keinem gelingen durfte an ihnen vorbei zu kommen.
Captain Richardson war ein Mann in den Fünfzigern und dem D.S. Phönix vor wenigen Monaten als Captain überstellt worden. Er galt als harter Brocken, erfüllt von Strenge und Unnachgiebigkeit. Was er vor allem aber mochte war, dass er Schiff und Besatzung nur zu gerne an die Grenzen trieb.
Und so kam es, dass er bei dieser Mission Boot und Mannschaft scharf in die Pflicht nahm.
Während die vier anderen Unterseeschiffe gestaffelt bei 800 bis 1400 Metern ringförmig um besagte Stelle in Lauerstellung gingen, wollte er noch tiefer ab-sinken.
„Erster Offizier?“, schrie er quer durch den Kommandostand.
„Aye, Sir?“, kam die Antwort von Higgins, einem dreißigjährigen Jungspund, welcher die Karriereleiter recht schnell emporgeklettert war.
„Wir gehen tiefer. Die anderen sind mir zu lasch.“
„Sir, der Rumpf ist auf 2000 Meter ausgelegt. Wir sind bereits auf 1500 gesunken“, gab der Erste zu bedenken.
„Haben sie schiss?“, schnauzte der Captain zurück.
„Nein, Sir. Aber es nicht unser Auftrag, dass wir hier die Helden spielen. Wir sollen lediglich das Gelände absichern.“
„Das ist mir klar. Aber meinen sie nicht, dass wir auch weiter unten absichern sollten? Was ist, wenn der Feind tiefer tauchen kann als wir?“
„Dann könnte er rein theoretisch unter unseren Rümpfen hindurch tauchen.“
„Eben!“
„Allerdings würde uns das Sonar einen solchen Vorgang melden, Sir!“
„Es sei denn, es würde gestört werden. Schon mal daran gedacht?“
„Aber Sir, bei allem Respekt. Wer und warum?“
„Das kann ich nicht beantworten, daher lautet mein Befehl – tiefer.“
„Ja, Sir“, bestätigte der Erste. „Tanks fluten, auf 2000 Meter abtauchen und Boot auspendeln“, gab er den Befehl.
„Sonar?“, schrie der Captain. „Gibt es Kontakte?“
„Nein, Sir! Lediglich ein paar kleinere Lebensformen.“
„Ausgezeichnet. Weitermachen.“
„Sir, ich darf sie nochmals darauf hinweisen, dass wir bei 2000 Metern die Grenze der Garantie erreichen.“
„Das ist mir durchaus bewusst. Aber noch bin ich der Captain dieses Schiffes und dulde keinerlei Widerworte. Falls es ihnen nicht passt, können sie ent-weder ihren Rang ablegen oder ich lasse sie ungeschützt zur Oberfläche auf-steigen. Haben wir uns da klar verstanden?“
„Aye, Sir!“
Der Captain schaute seinen ersten Offizier durchbohrend an und verzog keine Miene.
Higgins plante hingegen einzuschreiten, sobald sein ranghöherer Offizier zu weit gehen würde und Boot und Besatzung unausweichlich in Gefahr brächte.
Mit einigen folgenden Seitenblicken verständigte er sich mit Steuermann, Navigator, Sonar und Funker. Diese nickten zustimmend und unauffällig.
Was die Besatzung vor hatte kam einer Meuterei gleich, aber anders war Richardson nicht beizukommen. Zu oft hatte der Captain der Phönix die Sicherheit und letztendlich auch das Leben aller aufs Spiel gesetzt. Zu oft kam es der Führungscrew so vor, dass ihm Boot und Befehle egal waren, dass er sein eigenes Spiel spielen würde und andere darin keinen Platz haben.
Wie dem auch sei, er wirkte eiskalt, empathielos, narzisstisch und was viel schwerer wog, unmenschlich. Es wurde höchste Zeit ihn zu bremsen und not-falls in seine Schranken zu verweisen.
Unterdessen sank das Boot langsam weiter, ging die 1800er Marke durch, wurde diese vom Ersten kundgetan.
Mit jedem weiteren Meter die das Boot an Tiefe zulegte wurden die Anwesenden leiser, wurden Angaben und technische Werte mehr und mehr zu einem Flüstern.
„1900 gehen durch“, raunte der Erste. „Sir! In 100 Metern haben wir die Garantiegrenze erreicht. Wir sollten die Sinkgeschwindigkeit verringern.“
„Geschwindigkeit wird beibehalten!“, schnauzte Richardson zischend.
„Sir! Wenn wir die Sinkgeschwindigkeit nicht reduzieren, laufen wir Gefahr, dass wir das Schiff nicht rechtzeitig abfangen können“, gab der Erste zu bedenken.
„Das ist mir egal. Wenn sie keine Nerven haben, dann sind sie hier falsch.“
„Sir! Bei allem Respekt, aber es geht hier nicht allein um das Boot, sondern um achtzig Menschenleben.“
„Die ersetzbar sind. Die Sache hier ist größer als das Leben eines jeden hier an Bord und unser Auftrag begründet jeden Verlust, selbst den meinen.“
Der Erste atmete tief durch, deutete unauffällig auf Steuermann und Sonar, zeigte kurz auf den Captain und streckte sich zur vollen Größe. „Captain Richardson! Hiermit erhebe ich ernsthaften Zweifel an ihrer Fähigkeit das Schiff weiterhin zu kommandieren. Der Arzt ist bereits informiert. Hiermit entbinde ich sie vom Kommando des D.S. Phönix und überstelle sie einstweilen dem Arrest. – Stan, Burger, nehmen sie Captain Richardson in Gewahrsam, er ist ab jetzt nicht mehr der Befehlshaber des Unternehmens.“
Dass sich das Ganze als schwerer herausstellen sollte als es angedacht war, bewies Richardson im gleichen Augenblick.
Der Erste hatte seine Sätze noch nicht einmal vollständig formuliert, da schrie Richardson wie am Spieß auf, nahm nicht einmal Anlauf und flog wie Pfeil auf Higgins zu, schaffte es ihn an der linken Schulter zu packen und riss ihn zu Boden.
Hart schlugen bei auf dem Deck auf, brachte der Aufprall Higgins fast um den Verstand, raubte ihm den Atem.
Schon waren Stan und Burger zur Stelle, packten den entthronten Captain von hinten, rissen ihn vom Ersten weg, wollten ihn zu Boden drücken. Das gelang jedoch nicht, den Richardson schlug wild um sich, traf Stan am Kehlkopf, raubte ihm Atem und Besinnung, was diesen wie einen Stein aufs Deck schickte. Burger hing noch immer am Captain, versuchte verzweifelt ihm die Kraft zu rauben, wich erfolgreich einigen Schlägen aus, wurde dann trotzdem getroffen und landete unsanft auf dem Rücken.
Stöhnend rappelte er sich auf, leicht nach vorne gebeugt rannte er auf den Captain zu, wollte ihn rammen, aber da war der Schiffsarzt schneller.
Unbemerkt hatte sich Doktor Oliver von hinten genähert, die Lage erfasst, das Handgemenge beobachtet, eine Betäubungsspritze aufgezogen und diese schlussendlich Richardson in den Hals gerammt.
Mit verdrehten Augen ging der Captain zu Boden, schlug lang hin und blieb liegen.
„Verdammt, Oliver!“, keuchte Burger, „Das wurde aber auch Zeit.“
„Mag sein, aber ich wollte ihre sportlichen Aktivitäten nicht unterbrechen. Irgendwie hatten sie Spaß daran“, entgegnete Oliver und machte ein unschuldiges Gesicht.
„Ich kann mir ehrlich gesagt schöneres vorstellen.“
„Wir alle“, erwiderte der Schiffsarzt und kniete sich neben Stan, welcher immer noch am Boden lag, aber lebte. „Er muss auf meine Station. Der Schlag war kräftig genug, dass sein Kehlkopf anschwellen könnte. Schnell!“
Während zwei Besatzungsmitglieder sich des Echolotoffiziers annahmen, gesellten sich drei weitere zum Doc und zum Ersten.
„Der hat aber mal Kraft“, sinnierte der Funker Welsch.
„Ja“, murmelte Higgins, „ich finde etwas zu viel für einen normalen Menschen. Stan ist nicht gerade der schlankeste und gut durchtrainiert. Spätestens mit Burger gemeinsam, hätten sie ihn zu Boden bringen müssen.“
„Was ist das denn?“, fragte Burger und kniete sich neben Richardson.
„Was meinst?“, fragte Prod aus der Technik.
„Das hier“, antwortete der Sonaroffizier und zeigte auf die Einstichstelle der Kanüle.
Prod sah genauer hin und pfiff leise. „Ein Synth. Verdammte scheiße! Die haben uns einen Synth als Captain untergejubelt. Wir sollten ihn sofort fesseln und in eine Zelle bringen. Fünf Mann Wache davor.“
Higgins sah Prod schief an und nickte schließlich. „Auf geht’s. Verpackt ihn. Ich gehe zum Doc und werde ihm die Neuigkeit überbringen. Lasst den Captain auf keinen Fall auch nur eine Sekunde unbeaufsichtigt.“
„Aye, Sir!“
Die Nachricht, dass der Captain des D.S. Phönix abgesetzt wurde, erster Offizier Higgins das Kommando übernahm und das Boot selbst bei 1950 Metern Tiefe hing, verbreitete sich wie ein Lauffeuer über alle Kanäle und drang schließlich auch bis Norad vor.
„Danke, Offizier Higgins“, schloss General Grain die Verbindung.
„Was sagt man dazu?“, fragte Rogers rein rhetorisch.
„Einer weniger, aber nur durch Zufall entdeckt.“
„Ich werde umgehend die Landungsschiffe des Kreuzers informieren. Die sollen sofort antanzen, wir haben keine Zeit mehr und die Gefahr ist größer als angenommen.“
„Altarion!“, hub Grain an. „Ich möchte, dass du dich der größeren Gruppe um die Cherit und Chafren anschließt. Ich brauche wenigstens einen Trupp auf den ich mich verlassen kann.“
„Mach ich. Sei unbesorgt, wir werde alle aufspüren und unschädlich machen.“
„Danke, mein Freund. Wir stecken tiefer in der Sache als ich dachte.“
„Darauf kannst du Gift nehmen“, antwortete Rogers noch und verließ den Raum.