Kapitel 6
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Kapitel 6
Mobilisierung
„Hey, hallo, Aufwachen!“
„Was?“ Stella machte die Augen auf und Cyron stand vor ihr.
„Na, meine süße Traumkatze. Hast du gut geschlafen?“
Sie gähnte herzhaft. „Geschlafen? Na ja, so wie ich mich fühle, keine fünf Mi-nuten.“
„Kann ich mir vorstellen“, sagte er und lächelte sie gütig an.
„Ist in der Nacht was passiert?“
„Nein, wie ich schon vorwegnahm ist nichts passiert.“
„Dann hoffen wir mal, dass das auch so bleibt.“
Er nickte.
Es klopfte an der Tür.
Cyron ging und öffnete. „Casandra!“, rief er erfreut.
„Hallo. Ich wollte mal sehen wie es euch so geht und verhindern, dass ihr den ganzen Spaß hier allein habt.“
Cyron grinste und schüttelte den Kopf. „Von Spaß kann man zwar nicht gerade reden, aber du darfst gerne daran Teil haben.“
Sie wurde kurzerhand zu Chiron ins Zimmer einquartiert, da er nichts dagegen hatte den Raum mit ihr zu teilen.
Jede Nacht gingen sie auf Streife und nichts passierte, über Tage, Wochen und am Ende über Monate. Nach sieben Monaten gaben sie auf.
„Hier ist bisher nichts passiert, also wird es auch so bleiben. Wir werden die Nachtwachen auflösen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, sich weiterhin jede Nacht um die Ohren zu schlagen. Außerdem sind wir alle in eine Art Routine gefallen und sehen, falls es drauf ankommt, eh keine Gefahren mehr.“
„Du hast Recht“, sagte Chiron.
„Es hat keinen Sinn, auf diese Art“, mischte sich Casandra ein.
„Und nun?“, fragte Stella.
Cyron sah seine Ehetigerin an. „Was wir machen? Ich werde dir sagen, was wir machen. Wir packen unsere Sachen. Du machst dich chic und dann rufe ich Groodarn herbei und wir beide, Chiron und, wenn sie möchte, auch Casandra fliegen nach Strongham. Damit dürften wir genug Abstand zu allem herstellen und falls wieder Erwarten doch ein Angriff erfolgen sollte, halten wir unsere Freunde und die Dorfbewohner außen vor. Abgesehen davon dürften die Kampfroboter eine Weile brauchen, bis sie kapiert haben, dass wir nicht mehr in Felgan sind. Bis sie in Strongham sind, haben wir uns vielleicht was Neues einfallen lassen.“
Alle, sogar Casandra murmelten zustimmend.
„Das ist ne prima Idee“, entfuhr es Chiron.
Er freute sich riesig darauf, dass er seine Tarja endlich wiedersehen würde. Sie gingen auf die Zimmer und packten ihre Sachen.
Cyron verschwand für eine kurze Weile aus dem Haus. Er sagte den Anderen Bescheid, damit die wussten wo sie sich aufhielten und sich keine Sorgen machten. Außerdem übermittelte er den Beschluss, die Nachtwachen aufzulösen.
Es gab nicht einen der sich darüber beschwerte, und alle waren eher froh, dass sie mal endlich wieder eine Nacht richtig durchschlafen konnten. Als Cyron zurückkehrte, saßen alle schon in der Küche und erwarteten ihn.
„Ah, da bist du ja“, sagte seine Frau.
„Japp. Wo sollte ich sonst sein? Die Anderen sind mit unserem Entschluss einverstanden. Also steht unserer Abreise nichts mehr im Weg.“
Cyron holte das kleine Gerät, das ihm der Drache gegeben hatte, aus der Tasche. „Ich werde dann mal unseren Groodarn rufen.“
Er drückte auf den einzigen Knopf, der sich auf dem Sender befand. „Okay, das war’s, glaube ich. Gehen wir mit unseren Sachen zum Flussufer und warten dort.“
Sie brachen auf.
Am Fluss angekommen stellten sie ihre Sachen ab und Chiron fragte Cyron plötzlich nach diesem Gerät, das er vorhin benutzt hatte. Cyron gab es ihm.
„Casandra, kommst du bitte mal her“, rief er der Wildkätzin zu. Er drehte das Ding hin und her und betrachtete es eingehend.
Die Kätzin trat zu ihm heran und schaute ebenfalls.
„Was meinst du, das sieht doch sehr nach der gleichen Technik aus, die auch die Kampfroboter hervorgebracht hat.“
Casandra nickte. „Du hast Recht.“ Und an Cyron gewandt: „Von wem habt ihr das und seit wann?
Cyron brauchte nicht zu überlegen. „Das haben wir von Groodarn erhalten, es ist ein Sender. Der Drache trägt den dazugehörenden Empfänger bei sich. Er gab ihn uns an dem Abend, an dem wir bei Chiron auftauchten.“
Alle stutzten.
„Moment mal“, sinnierte Cyron, „Das hört sich fast so an, als ob der Sender und der Angriff der Roboter zusammenhängen könnten.“
Chiron sah Casandra an und beide nickten mit leicht schief gelegten Köpfen. „Es sieht sogar verdammt stark danach aus.“
„Aber ich habe ihn zu diesem Zeitpunkt nicht benutzt“, versicherte Cyron.
„Dann fällt die Mobilisierung durch die Senderfrequenz aus. Aber vielleicht sendet das Teil ständig auf irgendeiner Frequenz und das hat den Angriff aus-gelöst. Wisst ihr noch was darüber?“
„Nein Groodarn konnte uns nichts darüber sagen. Er meinte nur, dass das in den Bergen herumlag und alles in allem aus einem Empfänger und mehreren Sender bestünde. Keine Ahnung wie es funktioniert, es klappt halt einfach.“
Casandra überlegte: „Ich glaube da steckt mehr dahinter als wir uns alle vorstellen können. Ich denke, wir sollten, wenn wir in Strongham angekommen sind, einen Plan darüber schmieden, was zu tun ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir ins Gebirge müssen, weil da der Schlüssel liegt.“
Chiron starrte in den Himmel und holte tief Luft. „Vielleicht sollten wir eine größere Gruppe zusammenstellen. Wir müssen darauf gefasst sein, dass wir es mit weiteren Robotern zu tun haben und da können wir jede Hand gebrauchen.“
Das war einleuchtend.
Mittlerweile war eine gute Stunde vergangen und noch immer war von Groo-darn nichts zu sehen. Cyron nahm den Sender und drückte wiederholt auf den Knopf.
Sie warteten.
Es vergingen weitere zwei Stunden und es geschah immer noch nichts. Ent-nervt gaben sie schließlich auf.
„Da stimmt was nicht. Groodarn müsste schon längst hier sein“, brummelte Stella.
„Du hast Recht, Liebling. Irgendwas ist da faul oder der Sender ist kaputt.“
Sie gingen zurück ins Dorf und in ihr Haus. Nachdem sie ihre Sachen wieder ausgepackt hatten, setzten sie sich zusammen.
„Unsere Idee ist wohl damit zunichte gemacht“, sagte Cyron.
„Ganz im Gegenteil“, merkte Casandra an, „Jetzt werden wir aktiv. Wir trommeln so viele kampfbereite Dorfbewohner zusammen wie wir können und ziehen in Richtung Urwald.“
„Und dann?“, fragte Chiron.
„Und dann sehen wir weiter. Fakt ist doch, dass es dort im Wald etwas gibt und das soll beschützt werden. Die Auswirkungen dessen haben wir alle gesehen und gespürt. Es sind Monate seitdem vergangen und plötzlich funktioniert der Sender nicht mehr? Ich glaube nicht an einen Defekt oder Zufall. Nein! Irgendetwas oder jemand möchte, dass wir hier bleiben und so schnell keine Hilfe holen können.“
Die Erkenntnis, die Casandra ausgesprochen hatte, traf sie alle wie ein kalter Schlag. Sie hatten alle etwas ähnliches gedacht, es jedoch vermieden auszusprechen.
„Verdammter Mist“, grollte Cyron, „Komm mit Chiron, wir mobilisieren unsere Freunde und nehmen diejenigen, die mitkommen möchten gleich mit.
Die beiden verließen das Haus und ließen die Weibchen allein.
„Es ist schon später Nachmittag und ich sollte mich langsam ums Abendessen kümmern“, sagte Stella und ging in den Keller.
Casandra hielt es nicht lange alleine aus und kam hinterher. „Kann ich dir helfen?“
„Ja, gerne. Wir sollten genügend Fleisch hoch bringen und ein Fass Pökelfleisch bereitstellen sowie mehrere Schalen mit Obst auf den Tisch stellen.“
Innerhalb von zwanzig Minuten waren sie fertig. In der Küche befand sich ein riesiges Bankett.
Chiron und Cyron waren indessen nicht untätig und hatten außer ihren drei Freunden, noch einige Säbelzahntiger, einen Schneeleopardenkater und eine noch recht junge Luchsin im Schlepptau.
Cyron öffnete die Tür und rief: „Liebste, dürfen wir reinkommen?“
„Ja, aber natürlich. Wie viele seid ihr denn?“
„Och … sieh selbst. Innerhalb von Sekunden war das Erdgeschoss mit acht Raubkatzen gefüllt und Stella, Cyron Chiron und Casandra kamen noch dazu.
Stella strahlte. „Alle wollen mitmachen?“
„Japp. Sie freuen sich auf ein Abenteuer. Vor allem das Luchsmädchen da hin-ten links. Siehst du sie? Sie ist mit ihrem vierpfotigen Säbelzahnfreund gekommen.“
Stella lächelte in ihre Richtung.
„Meine lieben Freunde“, eröffnete Chiron die Ansprache, „ich danke euch, dass ihr erschienen seid. Macht es euch erstmal gemütlich, esst und trinkt etwas. Währenddessen werden wir euch erklären worum es geht und was genau auf uns zukommt.“
Er übergab das Wort an Cyron. „Tja, also. Was wir wissen ist folgendes …“
Er erklärte über zwei Stunden um was es bei der ganzen Sache ging und ließ kein einziges Detail aus. Hin und wieder ergänzten Stella, Casandra oder Chiron etwas. Die anderen Katzen saßen nur da und hörten zu. Ab und an wurden sie unruhig und tuschelten miteinander. Am Ende der Erklärungen waren sie bereit Fragen zu beantworten und prompt kam die Frage, vor der sich alle gefürchtet hatten.
Das Luchsweibchen fragte: „Habt ihr eine Schwachstelle entdeckt? Wisst ihr, wie man sie vernichten kann?“
Chiron seufzte. „Nein, das wissen wir nicht. Sie haben garantiert eine Schwachstelle, aber wir haben keine Ahnung wo wir die suchen sollen.“
Ein Raunen ging durch die Gruppe.
„Soll das heißen, dass das Ganze ein Himmelfahrtskommando wird?“, rief einer der Säbelzahntiger.
„So würde ich es nicht nennen wollen, trifft aber den Nagel auf den Kopf.“
„Okay“, sagte jener, „es ist gut, dass ihr so ehrlich seid. Ich für meinen Teil bin dabei.“
Er stand auf, dreht sich zu den anderen um und fragte: „Wer kommt noch mit?“
Zunächst blieben alle sitzen, aber dann stand ein weiterer Säbelzahntiger auf, dann das Luchsweibchen und ihr Freund grollte zustimmend.
Die anderen schienen noch unschlüssig.
„Wollt ihr hier vermodern oder was für unser aller Leben tun?“, fragte plötzlich die vierpfotige Säbelzahnkatze.
Diejenigen die noch saßen, schauten ihn an und an ihrer Mimik und dem Spiel der Ohren konnte man erkennen, dass sie einen inneren Kampf austrugen. Da stand der Erste auf und Weitere folgten, bis am Ende schließlich alle entschlossen waren das Wagnis einzugehen.
Sie schauten sich gegenseitig an und nickten sich aufmunternd zu. Chiron war von der Luchsin und ihrem Freund beeindruckt. Sie schienen genug Kraft und Entschlossenheit zu besitzen, die ganze Gruppe immer wieder zusammenzuraufen. Genau das was sie brauchten.
Plötzlich brach draußen ein Höllenlärm los.
Die Katzen des Dorfes rannten durch die Straßen und schrien in Panik. Cyron riss die Tür auf um hinaus zu gehen, da prallte er mit Hargot zusammen.
„Cyron, Chiron und alle. Kommt raus und seht was passiert“, rief der Ozelot aufgeregt.
Sie traten vor das Haus und schauten sich um. Ein Schatten verfinsterte unvermittelt die Sonne. Sie starrten nach oben und erstarrten. Der Himmel war angefüllt mit mindestens zehn Drachen. Sie kreisten über dem Dorf und der davor liegenden Wiese sowie über dem Fluss. Einer von ihnen sah die Gruppe vor dem Haus, stieß einen Schrei aus und sauste hernieder.
Sie erschraken und wollten schon ins Haus flüchten, da stutzte Stella. „Halt, lauft nicht weg. Habt keine Angst, das sind Freunde.“
Sie hatte Groodarn erkannt.
Hargot nickte eifrig. „Ist das nicht toll?“
„Aber wie kommt’s dazu?“, fragte sie den Ozelot.
„Groodarn hatte aus verschiedenen Mündern von den Vorkommnissen gehört und nun, nachdem er über Monate nichts mehr von euch gehört hatte, war er in Sorge und wollte nach dem rechten sehen.“
Stella war begeistert und klatschte in die Hände. Groodarn hatte seinen Sturzflug natürlich abgebrochen, glitt über ihre Köpfe hinweg und ließ wiederholt einen Schrei los.
„Kommt alle mit zum Flussufer. Hier können die Drachen nicht landen“, rief Cyron.
Sie liefen, nein, sie rannten aus dem Dorf hinaus und zum Fluss. Groodarn war bereits gelandet. Stella lief auf ihn zu, nahm ihn beim Kopf und küsste ihn. „Es freut mich so unendlich dich zu sehen. Wir hatten befürchtet, dass dir etwas passiert ist.“
„Hallo, Tigerin Stella. Keine Angst, mir passiert so schnell nichts. Aber im ernst. Wie kommst du darauf?“
„Wir hatten dich heute Morgen per Sender angefordert, aber du bist nicht erschienen.“
Der Drache wirkte plötzlich nachdenklich. „Ich denke, das liegt an vielen Faktoren und vor allem auch an dem, was ich euch mitgebracht habe.“
„Was hast du denn feines?“
„Moment.“ Er stieß einen sehr hohen Pfiff aus und die umher stehenden Katzen waren darüber erstaunt.
Abgesehen davon staunten die meisten sowieso. Aber das große Staunen war gerade aktuell und sollte auch nicht so schnell enden.
Ein weiterer Drache landete und setzte neben Groodarn auf. Zwei Chafren schnallten sich ab und kamen herunter. Stella bekam plötzlich feuchte Augen und stieß einen schrillen Schrei aus. Chiron merkte, dass etwas nicht stimmte und schaute ihr nach. Stella rannte wie von der Tarantel gestochen auf einen Tiger zu, der gerade vom Drache herunter geklettert war. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund zog es ihn in die Richtung, in die Stella gerade gerannt war. Er ging drei Schritte und schaute genauer hin. Plötzlich brüllte auch er auf und seine Beine schienen gar nicht so schnell laufen zu können wie sie sollten.
„Tarja!“, schrie er, „Es ist Tarja!“
Als er ankam überhäuften sich Mutter und Tochter noch immer mit Küssen.
Er trat hinzu und tippte Stella auf die Schulter. „Darf ich auch mal?“, fragte er.
„Aber natürlich, Chiron.“ Sie ließ ihre Tochter los und Chiron baute sich vor seiner Tigerin auf. Sie sah ihn an und ihr Gesicht war nass vor Tränen der Freu-de. Sie umarmte ihn und küsste ihn heiß und innig.
„Ich freue mich so, dich endlich wiederzusehen“, sagte Chiron und schluchzte, „Aber was machst du hier und das vor allem in deinem Zustand?“
„Keine Sorge, mein geliebter Kater. Ich habe schon vor zwei Monaten unser Junges zur Welt gebracht und Sitara und Finlay ziehen es wie ihr eigenes groß. Aber ich war so beunruhigt, dass ich einfach herkommen musste.“
Stella schrie und deutete Cyron an, schnell zu ihnen zu kommen. „Wir wollten schon heute früh zu dir nach Strongham kommen, aber Groodarn hatte auf unsere Rufsignale nicht reagiert. Außerdem sind hier ein paar unangenehme Dinge passiert.“
„Ich weiß, ich weiß, Liebster. Groodarn hat es mir berichtet. Wir haben darauf-hin den Entschluss gefasst selber aufzubrechen und nach dem rechten zu se-hen. Wie ich sehe nicht zu spät.“
Sie umarmten sich und ließen sich nicht mehr los.
Cyron, der inzwischen dazugekommen war, mischte sich einfach dazwischen und knuddelte und herzte beide gleichzeitig. So standen sie minutenlang als großes freudiges Wollknäuel. Groodarn rief zu ihnen hinüber, dass es noch weitere Überraschungen gäbe und sie ließen voneinander ab.
„Was denn, noch mehr Überraschungen?“, fragte Cyron, „Du weißt doch, ich liebe Überraschungen. Dann also mal her damit.“
Tarja strahlte währenddessen wie ein Honigkuchen und kuschelte sich an Chiron. Er hielt sie fest in seinen Armen und beide genossen schweigend das folgende Schauspiel.
Am Ufer des Flusses landete ein Drache nach dem anderen, man erkannte am Ende nicht mehr, dass es einen Sandstrand gab. Überall lagen die großen Tiere verstreut und zwischen ihnen wuselten Dutzende von Chafren herum, die von ihren Rücken gestiegen waren und näher kamen. Sie waren alle fremd und unter ihnen waren jede Menge Wölfe, Stiere, Tauren.
In der Menge tauchten plötzlich fünf Greife auf, die sich im Pulk spontan angeschlossen hatten und auch ein Pegasus, sogar ein Einhorn war dabei. Cyron und sein Weibchen betrachteten mit wachsender Begeisterung das bunte Treiben.
Plötzlich stutzte Cyron. Er hatte ein paar bekannte Gesichter entdeckt. Er erkannte zwei Hyänen, die auch erschienen waren. Er ging auf sie zu und begrüßte sie freundlich.
„Ja, hallo. Wen haben wir denn da?“, fragte er mit Unschuldsmiene.
Die beiden schauten ihn an und mussten grinsen. „Na, wenn das nicht Mister Unglaube ist“, entgegnete Lyra.
Cyron nickte und fing an zu lachen. „Wir sollten alle zusammenrufen und uns auf dem Dorfplatz treffen“, sagte er zu den beiden.
Sie nickten und gingen in die Richtung, die ihnen Cyron zeigte.
Er brüllte und fuchtelte mit seinen Händen in der Luft. Die Menge beruhigte sich allmählich und schaute ihn an.
„Okay. Also, es freut mich, dass ihr alle gekommen seid, und möchte euch bitten auf den Dorfplatz zu gehen. Wir versammeln uns jetzt dort. Da gibt’s erst mal was zu essen und zu trinken. Alles Weitere wird sich dann finden.“
Groodarn stieß einen kurzen Schrei aus und die Gruppe hielt inne.
„Moment noch“, rief der Drache, „In meinen Taschen sind noch ein paar ganz wichtige Dinge.“
„Richtig“, rief Tarja, „das hätte ich beinahe vergessen. In den Taschen der Drachen befinden sich Waffen. Einer der Drachen hatte sich eine neue Höhle gesucht und war dabei auf ein ganzes Lager gestoßen.“
Cyron ging auf Groodarn zu, öffnete eine der Taschen und schaute hinein. Was sich ihm bot, war ein Anblick der Freude.
„Jeah“, schrie er auf, „das ist mehr als Spitze. Leute, das müsst ihr gesehen haben.“
Er griff hinein und verschwand plötzlich mit dem ganzen Oberkörper darin.
Der Drache musste unwillkürlich grinsen. Cyron verharrte ganze zwei Minuten in dieser Stellung. Dann hatte er scheinbar was Tolles gefunden. Er stöhnte kurz auf und beförderte ein großes Gerät ans Licht des Abends.
Chiron erstarrte. „Das ist, das ist …“, stotterte er, „Das kann nicht sein. Leute wir haben unsere Siegaussichten soeben verzehnfacht.“
Cyron hielt eine Maschinenkanone in den Händen.
Sie packten alle mit an und schleppten die Gerätschaften, Koffer, Truhen und Waffen auf den Dorfplatz. Als sie fertig und alle Drachen abgeladen waren, scharrten sie sich auf dem Platz zusammen. Cyron, Chiron, Stella, Tarja und auch Casandra hatten sich auf den Dorfbrunnen gestellt um einen besseren Überblick zu bekommen und um sich besseres Gehör verschaffen zu können. Sie erklärten zum wiederholten Male was sie zusammengeführt hat und worum es ging. Die Menge war schon vorab informiert und bereit zu sterben, wenn es darauf ankam.
Cyron lächelte Chiron an. „Wer hätte das gedacht?“
„Ja“, erwiderte er. „Das sind alles ungeahnte Wendungen, und es sieht so aus, als ob wir eine echte Chance hätten in die Basis eindringen zu können und Antworten auf unsere Fragen bekämen.“
Sie umarmten sich vor Freude.
„Okay, dann lasst uns jetzt was essen und trinken“, rief er aus.
Die restlichen Dorfbewohner hatten in der Kürze ihre Vorräte zusammengekratzt und bewirteten die Gruppe, die jetzt aus … Cyron begann durchzurechnen, … einem Pegasus, fünf Greifen, zwei Hyänen, sechs Wölfen, zwei Säbelzahntigern, einer Luchsin nebst Vierpfotler, einem Tigertaur, zwei Fuchstauren, einer Füchsin, vier Stieren, einem Einhorn und zehn Drachen bestand. Hinzu kamen seine Freunde Hadron, Hylas, Pathenon, er selbst und Chiron. Ihre Gruppe bestand also aus insgesamt einundvierzig Personen. Wow, das war mehr als er erwartet hatte. Damit würden sie alles überrennen.
Plötzlich legte Stella eine Hand auf seine Schulter. „Mein Liebling“, sagte sie, „wie es aussieht rechnest du gerade unsere Stärke und unsere Chancen durch.“
Er sah sie an und nickte.
„Gut. Ich hoffe, dass du uns auch mit eingerechnet hast.“
„Was? Ihr wollt mitkommen?“
Stella nickte auffordernd.
Cyron blickte unsicher zu Chiron und zupfte ihn am Arm. „Du!“
„Was gibt’s?“
„Unsere Weibchen wollen mitkommen.“
Chiron blickte Cyron in die Augen. „Nein, einen Scherz machst du nicht. Wenn Stella mitkommen will, dann soll sie es tun. Aber Tarja … ich weiß nicht.“
Cyron schaute an Chiron vorbei und auf seine Tochter. „Sie ist oben herum sehr üppig und straff geworden.“
Chiron nickte. „Ja, sie hat vor zwei Monaten entbunden. Sie konnte aber nicht anders und wollte unbedingt herkommen.“
Cyron nickte. „Sie wird Probleme bekommen, wenn kein Junges ihre Milch trinkt.“
Chiron zuckte mit den Schultern. „Sie ist erwachsen geworden, auch wenn man vielleicht nicht unbedingt den Eindruck hat. Sie wird wissen, was sie tut und was sie sich zumuten kann.“
Cyron schlug die Augenlider nieder und wandte sich seinem Weibchen zu. „Okay, ihr kommt mit. Damit sind wir dann vierundvierzig Personen. - Übrigens, wer hat das ganze Grünzeug angeschleppt?“, fragte er sie.
Die schaute ihn an und dann in die Runde. „Keine Ahnung, aber den Pflanzenfressern scheint es zu schmecken.“
„Ist ja auch egal.“
Er lächelte in die Runde und jeder, den sein Blick traf, lächelte zurück.
Tarja erhob sich und stupste Chiron an. Sie nahm ihn bei der Hand und zog ihn in ihr Elternhaus. Stella und Cyron merkten das und zwinkerten sich grin-send zu.
„Schön, dass das Traumpaar endlich wieder vereint ist“, sagte Hargot. Er hatte sich unbemerkt angeschlichen und sich zu ihnen gesetzt.
Der Tigerkater schaute den Ozelot an, zwinkerte ihm verschmitzt zu. „Alter Kuppler. Wie du das wieder gedreht hast.“
Der Ozelot legte die Ohren zur Seite und einen unschuldigen Blick auf. „Ich? Ich doch nicht.“
Aber er konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen und Cyron knuffte ihn freundschaftlich in den Arm.
Tarja öffnete die Haustür, trat ein und atmete tief durch. Chiron stand hinter ihr und umarmte sie innig. Sie biss ihm spielerisch in den Arm.
„Au! Das tat aber weh.“
„Sollte es auch.“ Sie warf ihren Kopf verführerisch nach hinten und schaute ihn herausfordernd an.
„So, so. Du möchtest also gefangen werden.“
„Natürlich oder hast du gedacht, dass ich mich dir einfach so hingebe?“
Chirons Jagdlust war geweckt. Er näherte sich Tarja, packte sie, zog sie an sich und küsste sie. Seine Zunge bohrte sich regelrecht in ihren Mund, fand die ihre und beide umschmeichelten sich. Ihr sehr üppiger Busen schmiegte sich an sein Brustfell und plötzlich wurde es feucht. Sie hörten auf sich zu küssen und schauten an ihr herab.
„Oh, es wird wieder Zeit meine Milch abzumelken.“ Sie ging die Treppe hinauf und ins Badezimmer.
Chiron war neugierig und betrat kurz nach ihr die Räumlichkeit. „Kann ich dir behilflich sein?“
Sie sah ihn an und schüttelte den Kopf. „Es ist eher eine lästige Aufgabe, die noch ein paar Wochen anhalten wird. Unangenehm ist nur, dass meine Brüste sehr empfindlich sind. Ich hatte eigentlich viele Sachen mit dir vor, aber die müssen erst mal warten.“
Sie seufzte und er schaute sie erwartungsvoll an. „Ist doch nicht so schlimm. Das kann warten. Wichtig ist nur, dass du endlich wieder bei mir bist. Wenn du wüsstest, wie sehr du mir gefehlt hast.“
Sie war fertig, was man ihrem Brustumfang merkwürdigerweise nicht ansah, nahm einen Waschlappen und wischte sich die Brustwarzen und das umliegende Fell sauber.
„Hast du unserem Welpen schon einen Namen gegeben?“
„Ja, aber natürlich.“
„Wie heißt er denn?“
„Sein Name ist Apophis.“
Sie wandte sich Chiron zu, umarmte ihn und kuschelte sich in sein Fell. „Du hast mir auch gefehlt, mehr als du dir vorstellen kannst.“
Er hielt sie in den Armen und seufzte leise. So standen sie etwa zwanzig Minuten und hielten sich einfach nur gegenseitig fest.
Der Kater öffnete seine Augen und schaute seine Partnerin liebevoll an.
„Danke“, hauchte sie ihm zu.
„Danke? Wofür? Ich habe zu danken.“
„Nein, ich dir.“ Sie küsste ihn voller Zuneigung, löste sich und ging zurück zur Tür.
Als beide am Dorfplatz ankamen wurden sie vom Anblick, der sich ihnen bot, vollkommen überrascht. Die AnChafren tanzen auf dem Platz, sie waren aus-gelassen und feierten ihr Zusammentreffen.
Cyron sah die beiden auftauchen und ging zu ihnen. „Das ist doch mal ein Ding, was? Wer hätte das gedacht“, sagte er und lachte.
Er schaute Chiron an und bemerkte seine leuchtenden Augen. „Na Schwiegersohn, alles in Ordnung mit dir?“
Chiron sah ihn an und nickte heftig.
Tarja hatte die Anrede zwischen ihrem Vater und ihrem Liebsten mitbekommen und fing an zu strahlen.
Das Fest dauerte noch drei weitere Stunden, danach waren alle so müde, dass sie sich in ihre Häuser und zugeteilten Unterkünfte schleppten und stehenden Fußes einschliefen.