Kapitel 3
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Kapitel 3
Heimkehr
Hargot rannte aufgeregt zwischen Casandra und Shiva hin und her. Sollte es wirklich stimmen, sollten ihre Freunde endlich wieder zurückgekehrt sein?
Als Hylas sie informiert hatte, dass ein fremder Kreuzer mit Cyron und all den Anderen an Bord in der Umlaufbahn schwebte, hatten sich sofort zehn Freiwillige in die Gleiter gesetzt und waren in Richtung der großen Steppe los geflogen. Zwei Stunden später hatten sie deren Rand erreicht und stoppten.
Nun suchten sie den Himmel ab, bis auf den Ozelotkater Hargot, der wuselte immer noch hektisch hin und her.
„Da, da kommen sie“, schrie plötzlich Casandra.
Der Himmel war angefüllt mit größeren und kleineren Gleitern und einem großen Schiff, welches schon einmal die Atmosphäre von Genro durchflogen hatte.
„Bei Anubis, sind das viele“, flüsterte Dark ehrfürchtig. Dark war ein Wolfstaur und sein Aussehen gewöhnungsbedürftig. Seine Mutter war ebenfalls ein Wolfstaur, aber sein Vater ein Tigertaur.
„Wie geht's dir?“, fragte ihn Shiva.
„Ganz gut, wenn man davon absieht, dass ich gleich meinem Vater gegenüber stehe und ihn zum ersten Mal sehen werde.“
„Bleib ganz ruhig. Helios wird mächtig überrascht sein, da er von deiner Existenz nichts weiß. Ich bin auf sein Gesicht gespannt.“
„Gerade das macht mich ja etwas nervös.“
„Ach was. Wir schon schief gehen. Er konnte ja nicht ahnen, dass seine Nacht mit deiner Mutter eine solche Auswirkung haben würde. Meistens bleiben Mischpaarungen ergebnislos.“
„Du hast recht. Ich sollte mich nicht schon jetzt verrückt machen.“
Shiva klopfte ihm liebevoll auf den Rücken und lächelte ihn an.
„Großer Thot“, schrie einer der anwesenden Stiere. „Das eine Schiff kommt mir aber sehr bekannt vor.“
Alle starrten fasziniert hinauf, dorthin wo sich die anfänglichen Umrisse zeigten und nun mehrere Schiffe dem Boden entgegen strebten.
Shiva wurde jetzt doch hibbelig. „Das ist das Schiff mit dem unsere Freunde geflogen sind. Also stimmt es wirklich, sie sind zurück und die Götter haben sie beschützt.“
Unter einem ohrenbetäubenden Getöse setzten die Schiffe weich auf dem Grasboden auf und die Triebwerke wurden abgeschaltet.
Ruhe legte sich über die Szenerie. Dann kam erneut Bewegung in einen der Schiffsrümpfe, eine Luke öffnete sich und die Gestalt eines Anthrotigers er-schien. Shiva blinzelte gegen die Helligkeit, kniff etwas die Augen zusammen.
Plötzlich schrie sie auf. „Tarja? Es ist Tarja.“
Lasziv schritt diese aus der Fähre und ging auf die Jaguarin zu.
Da standen sie sich gegenüber und schauten sich an. Minuten vergingen, dann war keiner mehr zu bremsen. Die beiden Weibchen fielen sich um den Hals und knuddelten sich herzhaft. So ging es reihum und immer mehr vertraute Gesichter erschienen und verließen die Schiffe.
Als Pathenon Stella und Cyron erblickte war es um ihn geschehen. Er rannte wie von der Tarantel gestochen auf die beiden zu und riss sie von den Pfoten. Mit einem dumpfen Schlag landeten alle drei im Gras und herzten sich minutenlang.
Als Chiron auftauchte wiederholte sich der Vorgang diesmal aber mit Casandra.
Apophis räusperte sich. „Ähm … Ja, also. Da wir nunmehr alle wieder zusammen sind und uns wieder beruhigt haben, möchte ich euch unsere neuen Mit-bewohner vorstellen.“
Als erste verließen fünfzehn Kampfanthros eine der Fähren und stellten sich der Reihe nach vor. Dann kamen Gregor Binder, Jody Thorn, Shana Grant und Walter Skort zum Vorschein und wurden entgeistert angestarrt.
„Sind das Menschen?“, fragte Hylas.
„Ja, wir sind Menschen“, entgegnete Shana.
„Komisch. Ich hatte immer gedacht, dass ihr größer wärt“, sagte Casandra und schüttelte den Kopf.
„Ich darf euch meine Partnerin vorstellen“, verkündete Apophis feierlich und zog Jody zu sich heran.
Pathenon und Shiva waren verblüfft. „Du bist mit einem Menschen zusammen?“
Er nickte. „Ja. Sie ist wirklich bezaubernd und eine sehr gute und liebe Frau. Und sie trägt unser Kind.“
Wenn sich alle bisher wieder im Griff hatten, jetzt nicht mehr. Augenblicklich waren die beiden umringt und hörten von allen Seiten nur Glückwünsche und gute Ratschläge. Jody war sichtlich nervös und versuchte der Situation zu entfliehen.
Glücklicherweise verließen genau jetzt Drekal und Syrgon als letzte, eine der Fähren und wurden unter lautem Jubel begrüßt.
„Wer ist denn das Weibchen?“, fragte Hylas neugierig.
„Das ist meine Partnerin, Drekal. Sie ist der Captain des Kreuzers Ra-em.“
Hylas grinste erst und zuckte dann zusammen. „Das wird Tristan aber bestimmt nicht gefallen.“
Syrgon schaute ihn schief an und Begriff. „Au man. Der wird doch seine Bemerkung nicht wirklich wahr gemacht haben und hat gewartet?“
„Ich glaube schon. Außerdem sagte er, dass du ihn wohl gefragt hättest ob er wartet und dass du die Beziehung zu ihm hergestellt hattest.“
„Ich? Au verdammt. Das liegt schon Ewigkeiten zurück. Dann haben wir tatsächlich ein echtes Problem.“ Der Rüde seufzte. Er würde einem guten Freund einen harten Schlag versetzen müssen und das schmeckte ihm nicht. Aber aus der Nummer kam er nicht mehr heraus.
„Wer ist Tristan?“, fragte Drekal direkt heraus.
„Ähm, er ist ein guter Freund.“
„Ein guter Freund? Und dann machst du so ein Gesicht?“
„Na ja, da gibt es noch ein Problem. Ich hatte mit Tristan eine Affäre, kurz bevor wir starteten und er meinte am Tag unserer Abreise noch, dass er auf mich warten würde. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass der Kerl es wahr macht.“
Der Wölfin entglitten die Gesichtszüge. „So, so. Du machst also mit mir herum und hier wartet jemand auf dich?“
„Nein, nicht direkt. Ach, verdammt. Wir hatten nur eine Nacht zusammen. Ich dachte, er meint es nicht so. Ich kann doch nicht in den Kopf eines Greifs schauen.“
„Oh. Du hattest Sex mit einem Greif? Wow. Das klingt faszinierend.“ Drekal konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
Syrgon stand daneben und schaute mehr als nur dumm drein. „Ich finde das gar nicht komisch. Ich weiß nämlich nicht, wie ich es dem Kerl beibringen soll.“
„Lass dir was einfallen. Die Suppe hast du dir eingebrockt, also wirst du sie jetzt auch auslöffeln.“
Syrgon schloss die Augen und ließ den Kopf sinken. „Du hast ja wieder mal recht. Außerdem bringt es nichts um den heißen Brei herumzureden. Ich sollte es aber am nötigen Taktgefühl nicht mangeln lassen.“
Drekal strich ihm über die Ohren und schnappte in die Luft. „Du packst das schon.“
„Ich habe da eine Idee“, sagte Syrgon plötzlich und ging auf Shana zu.
„Kann ich mal kurz mit dir sprechen“, sagte er und nahm sie etwas beiseite.
„Was kann ich für dich tun?“
„Ich habe ein Problem und du könntest die Lösung dafür sein.“
„Ich? Wie das?“
„Tja. Also. Das ist nicht so einfach, aber ich versuche es mal kurz zu erklären. Bevor wir zur Erde flogen übernachteten wir alle in Felgan und dort traf ich auch auf einen Greif namens Tristan. Er ist homosexuell und ich war zu diesem Zeitpunkt noch, na ja, noch …“
„Jungfrau?“
„ … ja, genau. Jedenfalls dachte ich bei seinem Anblick, dass ich es auch wäre, aber ich habe mich geirrt.“
„Ah ja und was habe ich damit zu tun?“
„Na ja, er hat auf mich gewartet und hofft, dass ich das auch getan habe, aber seitdem ich Drekal über den Weg lief haben sich die Dinge entscheidend geän-dert.“
Shana seufzte. „So, so. Du willst mich verkuppeln oder wie?“
„Hm, jetzt wo du es sagst.“
„Ich bin aber lesbisch und kann mit einem männlichen Greif nichts anfangen.“
„Hmhm. Das habe ich befürchte. Na gut. Ich danke dir trotzdem, auch wenn du mir nicht helfen kannst.“
„Kein Problem“, erwiderte sie etwas zynisch.
Er kehrte zu seiner Wölfin zurück. „Und großer Held. Konntest du was erreichen?“
„Nein, leider nicht. Shana steht nicht auf Männchen und Tristan nicht auf Weibchen. Da führt kein Weg zusammen.“
Drekal feixte. „Vielleicht kann ich dir helfen?“
„Du? Wie das denn?“
„Nun ganz einfach. Ich bin der Captain der Ra-em und kenne die Dienstakten.“
„Und?“
„Tja. Ich hätte da einen homosexuellen Leopardentaur im Angebot. Vielleicht erwärmt der ja Tristans Herz? Außerdem würde Parais nicht mehr so launig sein, wenn wir Glück haben.“
„Jeah. Das wäre die Chance schlechthin.“
Sie nickte schief. „Wenn du mich nicht hättest“, sagte sie nur noch und ging hinüber zu Parais.
Derweil unterhielten sich Stella, Cyron und Casandra miteinander.
„Was ist eigentlich vorgefallen? Als wir die Oberfläche gescannt haben, entdeckten wir Lasertürme um die Siedlungen herum“, begann Cyron.
„Nun, wir hatten etwas Stress. Hmmm… Ach, das Ganze ist etwas schwierig zu erklären“, druckste Casandra.
„Versuch's doch einfach mal. Ich bin viel zu neugierig, um es darauf beruhen zu lassen. Egal wie kompliziert es ist“, entgegnete Stella und ihr Kater stimmte ihr zu.
„Na schön“, seufzte Casandra. „Der Grund für die Bewaffnung ist vielleicht et-was aus der Luft gegriffen und vage. Aber wir fanden in der Urwaldbasis ein Archiv mit zum Teil beunruhigendem Inhalt. Da stand etwas über Genexperimente und eine Spezies, die einst auf Genro gelebt haben soll.
Weiterhin hieß es, dass bestimmte Forschungen und Experimente in den Anfängen steckten und oftmals fehlschlugen.“
„Das klingt ja grauenhaft“, sagte Andrew, der hinzu getreten war.
„Stimmt. Ist es auch. Es steht auch geschrieben wo sich der Ort der Entsorgung befindet.“
„Wo? Mach's nicht so spannend“, entgegnete Cyron aufgeregt.
„Haltet euch fest. Er liegt auf Sabeth.“
Alle wurden plötzlich blass um die Nasen. „Das ist ja ungeheuerlich. Warum sind wir damals nicht schon darauf gestoßen?“
„Wir haben nicht danach gesucht“, beantwortete Stella Cyrons Frage spontan.
„Wart's ab, das Beste kommt noch. Es steht nicht näher erklärt ob sie getötet wurden oder nicht. Tja und genau fünf Monate nach eurem Abflug begann es.
Des Nachts hört man unheimliche Schreie und seltsame Geräusche. Mal kommen sie von sehr weit entfernt, mal scheinen sie aus nächster Nähe zu kommen. Ihr seht, die Geschütze stehen nicht umsonst da.“
„Das ist unfassbar“, flüsterte Andrew sichtlich geschockt.
„Erinnert ihr euch noch an die Computeraufzeichnungen aus der Basis, die wir sahen?“, fragte Cyron an den Säbelzahnlöwen und Stella gewandt.
„Welche Aufzeichnungen?“, fragte Casandra dazwischen.
„Moment, teure Freundin. Das erklären wir dir, anschließend“, sagte der Tiger und richtete seinen Blick wieder auf die zuvor Angesprochenen.
„Meinst du etwa die Genversuche des Militärs?“, fragte Stella mit weit aufgerissenen Augen.
Er nickte. „Nirgends wurde erwähnt was genau bei deren Versuchen heraus-kam. Es wurde lediglich von einer Ausbildungsbasis gesprochen. Bei den Audiodateien der Wissenschaftler war aber plötzlich die Rede davon, dass das Militär auch experimentierte. Was ist aber aus den Produkten geworden?
Und da drängt sich noch eine Frage auf. Andrew war allein in der Station. Es wurde glaubhaft überliefert, das die lebensfähigen Klone fliehen konnten und das will ich gerne glauben. Aber was ist aus den sogenannten minderwertigen Ergebnissen geworden?“
„Kann mich endlich mal einer aufklären?“, polterte Casandra dazwischen.
„Eine Sekunde noch“, entgegnete Andrew und hob den Zeigefinger in ihre Richtung. „Angeblich wurden alle Tiere der Erde und alle nicht hundertprozentigen Klone getötet. So hieß es zumindest.“
„Nicht ganz“, korrigierte Stella. „Es hieß, dass sie getötet wurden und entsorgt. Was ist, wenn sie entsorgt wurden und dieses Entsorgen einer Tötung gleich-gesetzt wurde?“
„Dann leben sie vielleicht noch und sitzen auf Sabeth“, grübelte Cyron. „Was erwartet uns dort aber? Wie sehen sie aus und vor allem, sind sie friedlich oder aggressiv?“
„Redet ihr jetzt endlich mal wieder mit mir?“ Casandra riss Cyron und die beiden Anderen aus ihren finsteren Gedanken.
„Was möchtest du denn wissen?“, fragte Stella versöhnlich.
„Ich würde gerne erfahren wovon ihr da sprecht.“
„Hmhm. Interessant, dass du das fragst“, stellte Andrew fest.
„Wieso? Warum sollte ich nicht fragen?“
„Weil dir die Antworten zum größten Teil bekannt sein dürften.“
„Was? Wie kommst du denn darauf?“
„Du weißt doch, dass es hier um Genexperimente ging. Dass die Menschen mich erschufen und dass die Chafren in Wirklichkeit rückgezüchtete Cherit sind. Und du weißt auch, dass es vor langer Zeit Cherit auf der Erde gab, die überall ihr Genmaterial verstreuten und somit zu unserer Existenz beitrugen.“
Mit seinen Äußerungen hatte Andrew Casandra bloß gestellt. Die guckte jetzt ziemlich entgeistert drein, schien ihre weitere Vorgehensweise stark zu über-denken.
„Gib dir keine Mühe, meine Gute“, sagte Cyron. „Wir waren auf der Erde mehrfach in Lebensgefahr und als es am Schluss tatsächlich so aussah, dass es mit uns aus wäre, griffen die Cherit ein und retteten uns. Tja und dabei kam durch Sitral heraus das Chiron ein Agent war.“
„Hmmm … lasst mich raten. Ganz nebenbei ist meine Tarnung auch aufgeflogen?“
„Volltreffer und Hargots auch.“
Die Wildkätzin seufzte. „Und nun?“
„Wir sagen es nicht weiter. Das Ganze liegt allein bei dir“, antwortete Stella und Cyron nickte.
„Wir werden sehen und die Zeit dafür wird kommen“, sagte Casandra.
„Es ist deine Entscheidung.“
Casandra nickte noch kurz und verließ die drei um sich Chiron zu widmen.
Helios stand derweil allein herum, bis sich plötzlich ein ihm unbekannter Wolfstaurwelpe näherte.
„Hallo“, grüßte der Fremde ihn freundlich, aber sichtlich nervös.
Helios schaute ihn an und lächelte. „Hallo, junges Männchen. Wer bist du? Ich kenne dich nicht und deine Fellzeichnung ist recht außergewöhnlich.“
Der Welpe nickte. „Du kannst mich auch nicht kennen, dafür bin ich noch zu jung, aber du kennst meine Mutter.“
Helios kam ins Grübeln. Er betrachtete ihn ausgiebiger und riss plötzlich die Augen weit auf. „Nein, das kann nicht sein. Tabatha und ich waren nur eine Nacht zusammen. Du kannst unmöglich unser Sohn sein.“
Das junge Männchen legte den Kopf schief und musterte den Tigertaur. „Meine Mutter schwärmt heute noch von dieser Nacht und hat ein verzücktes Lächeln, wenn sie deinen Namen hört und ausspricht.“
„Aber wie ist das möglich? Ich meine, dass es sehr selten ist das Mischpaarungen zu einem Ergebnis führen.“
„Das darfst du mich nicht fragen, dafür fehlt mir das Wissen und außerdem bin ich noch zu jung um so etwas wissen zu müssen.“
Helios seufzte. „Natürlich. Du hast recht. War eine blöde Frage von mir. Wo ist eigentlich Tabatha? Ach ja. Wie heißt du eigentlich?“
„Mein Name ist Dark und meine Mutter lebt in Peschdan.“
„Peschdan? Ist das nicht eine der neuen Siedlungen?“
Er nickte.
„Gehen wir nach Peschdan? Ich habe vieles aufzuholen, fürchte ich", sagte Helios.
Darks Gesichtszüge hellten sich auf, denn damit hatte er nicht gerechnet. „Ja!“, sagte er schnell. „Ja. Das würde Mutter bestimmt sehr freuen und mich freut es auch.“
Helios grinste. „Komm mal mit zu den anderen.“
Er stellte Dark seinen Freunden vor und verkündete im selben Augenblick, dass er sich nach Peschdan zurück ziehen würde, da es dort ein Weibchen gäbe, das auf ihn wartet und er seinem Sohn ein guter Vater sein möchte.
„Das ist vollkommen richtig“, sagte Cyron und klopfte Helios freundschaftlich auf den Rücken. „Kümmere du dich erst mal um deine frische Familie. Wir schaffen das schon, auch wenn es schön wäre, wenn du bei uns bliebest. Aber es wird auch so gehen.“
Helios seufzte mal wieder und verabschiedete sich von seinen Freunden. Er begleitete Dark zu einem der Gleiter, in welchem schon Bargon saß und sie nach Peschdan brachte.
„Wow!", intonierte Stella. „Das sind wirklich überwältigende Neuigkeiten.“
„Genau! Du sagst es“, entgegnete Cyron. „Und so ganz nebenbei hat unser guter Helios eine nette Wolfstaurin beehrt. Wann, bei allen Göttern hat der Kerl das geschafft und vor allem die Zeit dafür gefunden?“
Jody kicherte und blickte zu Apophis. „Für manche Dinge findet man immer Zeit. Na ja, wenigstens bin ich jetzt nicht mehr allein mit meiner Schwangerschaft und es hat noch ganz andere erwischt.“
Apophis grinste breit und nahm sie in die Arme.
„Na schön“, sagte Cyron. „Und nun?“
„Wir sollten erst mal Chiron aus Casandras Krallen befreien. Ich fürchte, dass er sonst noch bleibende Schäden davon trägt“, stellte Kira fest.
Sie drehten sich in die Richtung, in die die Luchsin zeigte und sahen eine erzürnte Wildkätzin und einen etwas begossen dastehenden Tigerkater. Das Bild war wirklich unglaublich komisch, denn immerhin war Chiron 2,10 Meter groß und übertraf das Weibchen damit locker um Köpfe.
Also gingen die Luchsin, die vier Tiger und der Säbelzahnlöwe Andrew zu den beiden, um Chiron den Rücken zu stärken und Casandra zu bremsen.
„Mein lieber Freund!“, sagte die Wildkätzin scharf. „Noch bekloppter konntest du dich wohl nicht anstellen. Dass du dich eingemischt hast, obwohl du es nicht solltest, sei dahingestellt und im nach hinein sogar berechtigt. Dass du ei-ne Zeitreise unternommen hast und damit unsere Zukunft nachhaltig verändert hast, lasse ich auch noch gelten, auch wenn die jetzigen Umstände ein direktes Resultat deines Eingreifens sind.
Aber, dass deine Tarnung aufgeflogen ist, ist allein deine Schuld. Und damit nicht genug. Nein! Die von mir und Hargot platzt gleich mit.“
Chiron sah sie traurig an. „Soll ich dir mal was sagen. Das ist mir so was von egal. Ich für meinen Teil habe das Herumgespiele mit unseren Artgenossen satt. Ich habe keine Lust meine Beziehung zu meiner Ehekätzin zu verspielen, nur weil dir unsere Tarnung wichtiger ist. Ich bin froh, dass es so gekommen ist und ich danke allen Göttern, dass die Anderen es so gefasst aufgenommen haben und mir nicht gleich das Fell über die Ohren zogen.“
„Ach so?“
„Ja, stell dir das mal vor.“
„Und du glaubst, dass deine Beurteilung der Situation auch für uns spricht?“
„Was für euch sprechen würde, wäre die Tatsache, dass ihr endlich ebenfalls die Wahrheit sagen würdet und zwar vor allen. Ich jedenfalls werde es tun und mir ist es wirklich egal was ihr beide davon haltet.
Wir sind alle Cherit und nicht Chafren und Cherit und wir stehen auch nicht auf einer so tollen höheren Stufe der Entwicklung und wir haben nicht das recht irgendwas zu beurteilen und uns tatenlos im Hintergrund zu halten, während hier alles kaputt geht und ums Überleben kämpft.“
Casandra starrte ihn durchdringend an. „Du meinst das was du gesagt hast in der Tat ernst. Ich sehe an deinem Blick, dass du überzeugt bist das Richtige getan zu haben.“
„Ja, davon bin ich fest überzeugt. Außerdem habe nicht ich unsere Tarnung auffliegen lassen, sondern die gute Sitral und ihr Partner Colras. Die beiden standen nämlich unserer Gruppe auf der Erde gegenüber und verlangten namentlich nach mir. Woher hätten sie denn von mir wissen sollen, wenn ich nicht von Anfang an einer von ihnen gewesen wäre. Der Rest war ein Kinderspiel und wurde von Drekal erledigt.“
Die Erwähnte stand in der Nähe und unterhielt sich mit Syrgon, Pathenon und Shiva.
Als sie ihren Namen hörte spitzte sie die Ohren und drehte sich zu den beiden um. „Habt ihr nach mir verlangt?“, fragte die Wölfin schnippisch.
„Nein, nicht wirklich!“, herrschte Casandra zurück.
Das nahm Drekal zum Anlass auf die Konfrontation einzugehen und schritt auf die Wildkätzin zu. „So, so. Du suchst wohl mal wieder Streit?“
„Streit? Mach dich nicht lächerlich. Du kannst mir doch nicht das Wasser reichen. Du schmalgeistige Hündin, du!“
Die anderen, die sich den beiden langsam genähert hatten um eigentlich Chiron zu helfen, hielten inne und trafen die Entscheidung lieber auf Distanz zu bleiben.
Der Streit welcher sich zwischen Drekal und Casandra anbahnte ging in die zweite Runde und drohte langsam, aber sicher, heftigere Züge anzunehmen.
„Wie hast du mich gerade genannt?“
„Du bist eine halbe Portion und nicht mal eine Wölfin. Außerdem hast du die Diskretion eines Meteoriten der direkt auf der Oberfläche eines Waldsees ein-schlägt.“
„In blumenreichen Vergleichen warst du schon immer die Beste, aber leider auch nur damit. Casandra! Du hast als Agentin versagt und eine mehr als nur schlampige Arbeit hingelegt. Ich habe eure Tarnung auffliegen lassen, okay. Aber nur, weil ihr euch doch schon selbst das Wasser abgegraben hattet. Früher oder später wärt ihr eh auf die Schnauze gefallen. Ich habe diesen Vorgang lediglich beschleunigt.“
„Das ist ja wohl ne Frechheit. Nicht nur, dass du die Dreistigkeit besitzt dich mit mir anzulegen, nein, du besitzt sogar die Frechheit mir schlampige Arbeit vorzuwerfen. Wer hat denn schlechter gearbeitet? Du oder ich? Haben wir es geschafft dreihundert Jahre unerkannt zu bleiben oder du? Haben wir auf der Erde landen müssen um die angerichtete Scheiße wegzuräumen oder du?“
„Das glaube ich ja nicht. Den Mist habt ihr doch verbockt. Wir haben lediglich den Schaden begrenzt und die Trümmer weggeräumt. Wir haben eine Katastrophe verhindert, die auf dem Weg hierher war, von der du nicht mal was wusstest.“
„Na das ist ja mal wieder toll. Der große Captain lässt mal wieder den siegreichen Chef raus hängen.“
Das war zu viel des Guten. Drekal ging zwei Schritte auf Casandra zu und sprang. Im selben Moment sprang Tripal, die mit den anderen Kampfanthros seitlich stand, dazwischen. Sie erwischte Casandra und riss sie von den Pfoten. Beide landeten unsanft auf dem Boden und Drekal schoss wie eine Rakete quer über die beiden hinweg, landete ebenfalls, federte ihren Sprung ab, drehte sich abrupt um und visierte erneut ihre Kontrahentin an.
„Schluss mit dem Mist!", brüllte Andrew dazwischen. „Was soll der Blödsinn eigentlich?“
„Blödsinn? Das ist kein Blödsinn. Casandra war schon immer arrogant und rechthaberisch. Sie hat sich nie Befehlen gebeugt und war der Meinung, dass sie alles besser kann. Was dabei herauskam sieht man ja.“
„Beherrsche dich Wölfin oder du bekommst meine Krallen zu spüren.“
„Ach ja? Bist du dafür nicht schon zu alt oder sehe ich da tatsächlich noch Kämpferblut in deinen Adern fließen? Oder ist es einfach nur die Angst, dich vor deinem Sohn zu blamieren?“
„Halte deine Zunge im Zaum, du Schlampe!“, schrie die Wildkätzin plötzlich mit weit aufgerissenen Augen.
„Uhh, der war jetzt übel“, murmelte Cyron hinter vorgehaltener Hand.
„Casandra hat einen Sohn?“, fragte Stella plötzlich dazwischen.
„Aber natürlich. Nur deshalb ist sie ja hier. Damit sie ihn im Auge hat und er keine Dummheiten machen kann. Allerdings hat das nicht viel genutzt.“
„DREKAL! DU GEHST ZU WEIT!“, brüllte Casandra, fauchte bedrohlich und setzte zum Sprung an.
„Bevor du springen kannst, haben alle die Wahrheit erfahren“, lachte die Wölfin auf. „Sollen es doch alle wissen. Sollen doch alle erfahren das Chiron dein Sohn ist.“
Im selben Moment hatte sich Casandra aus Tripals Händen gerissen, schoss auf Drekal zu und ging gemeinsam mit ihr zu Boden. Fellbüschel flogen, Blut spritzte und ein Knäuel aus einer Wildkätzin und einer Wölfin rollte wild knurrend und fauchend hin und her.
Cyron, Apophis und Andrew stürzten sich in das Handgemenge und trennten die beiden Weibchen gewaltsam. Casandra hatte mehrere kahle und blutende Stellen am Kopf und Drekal sah auch nicht gerade wie das blühende Leben aus, außerdem hatte sie ein Veilchen geschlagen bekommen.
„Das glaube ich einfach nicht“, sagte Chiron leise. „Du hast das all die Jahre vor mir geheim gehalten?“
Casandra spuckte den Sand und das Gras, das sie im Mund hatte, aus. „Natürlich oder dachtest du ich hätte auch nur eine ruhige Minute gehabt oder selbständig Entscheidungen treffen können, wenn du davon gewusst hättest?“
„Ich begreife das nicht. Warum?“
„Das sagte ich schon. Ich bin im militärischen Abwehrdienst tätig und habe daher einen gefährlichen Job. Du hättest doch keine Minute ohne Sorge um mich gelebt. Davor wollte ich dich beschützen. Außerdem bist du so ein großer und stolzer Tigerkater, das wollte ich dir nicht nehmen.
Sieh mich doch an. Deine Mutter ist eine verkümmerte Wildkätzin. Lediglich deinem Vater ähnelst du sehr stark. Was hättest du gemacht, wenn du die Wahrheit gekannt hättest? Du hättest dich doch nur geschämt.“
Chiron schüttelte traurig den Kopf. „Du hast viel zu wenig Selbstvertrauen, Mutter und unterstellst mir Dinge, die du gar nicht beurteilen kannst.“
„Oh doch, denn du ähnelst nicht nur äußerlich sondern auch charakterlich sehr deinem Vater. Und der war ein verdammt stolzer Tigerkater. Ich habe bis heute nicht begriffen, was er an mir fand.“
„Ich schon“, sagte Chiron und blickte traurig zu Boden.
„Na schön“, sagte Cyron. „Nachdem auch das geklärt wäre, fliegen wir nach Felgan. Es wird Zeit endlich wieder die heimischen Gefilde aufzusuchen.“
Also stiegen sie alle wieder in die Gleiter. Casandra und Drekal waren tunlichst darauf bedacht in unterschiedliche Gefährte zu steigen, worüber alle sehr froh waren.
Auf dem Weg nach Felgan sah Chiron, der neben seiner Mutter saß, gespielt interessiert aus dem Fenster.
Er haderte mit seinem Schicksal. ‚Was ist nur so schlimm daran, dass meine Mutter eine Wildkätzin ist? Was ist so verwerflich daran, dass sie es mir verheimlicht musste?', dachte er. Casandra starrte derweil zu Boden und schwieg.
Pathenon hatte die Steuerung übernommen und brach das eisige Schweigen. „Shiva hat übrigens ihr Wirtshaus in Felgan aufgegeben und lebt jetzt ebenfalls in Peschdan.“
„Oh!“, entfuhr es Cyron. „Warum das denn?“
„Na ja, die meisten von unserer ehemaligen Meute leben auch dort, nur wenige sind in Felgan geblieben.“
„Aha, interessant und schade zugleich. Wer leitet jetzt das Wirtshaus?“, fragte Stella neugierig.
„Das hat Aldo übernommen. Der hatte keine Lust mehr auf irgendwelche Abenteuer und zog es vor richtig sesshaft zu werden. Er führt es aber erst seit acht Wochen. Zuvor hatte Shiva es mit Samantha versucht, aber das ging schief.“
„Mit Sam? Oh je, das konnte doch nicht gut gehen. Was genau ist denn passiert?“
„Ich möchte es mal so sagen. Wir hatten unsere Differenzen was ihren Umgang mit den Gästen anging“, mischte sich Shiva ein.
Tarjas Neugier war geweckt. „Was denn für Differenzen?“
Die Jaguarin seufzte. „Wie es aussieht werdet ihr wohl eh nicht ruhen, bis ihr alles wisst. Na gut, sei es drum. - Ich hatte ihr das Haus anvertraut und in den ersten Wochen lief es auch sehr gut. Dann erreichte mich die Nachricht, dass sich Dinge ereignet hatten, die nicht in das Ambiente gehörten.“
„Ja“, sagte Pathenon dazwischen. „Sie hat auf den Tischen getanzt und den Männchen dabei, sagen wir mal, sehr tiefe Einblicke in ihre Anatomie gewährt.“
„Ach?“, erwiderte Tarja und musste lachen.
„Das finde ich überhaupt nicht komisch“, entgegnete Shiva barsch. „Mein Wirtshaus war ein Ort der Anständigkeit und kein Freudenhaus. Dieses gefleckte Luder hat mir den Ruf versaut. Aber damit nicht genug.“
„Was? Da kommt noch mehr?“
„Aber sicher doch, denn sonst wäre es ja nicht Samantha. Ich hatte eigentlich gehofft, dass das alles gewesen wäre, aber es kam noch schlimmer.
Mehrere Gäste beschwerten sich massiv bei mir darüber, dass sie am Tresen saßen und plötzlich von einer Flüssigkeit getroffen wurden. Als sich einer der Getroffenen vorbeugte um zu sehen was da vor sich ging, hat er einen Schock bekommen.“
„Warum das?“, fragte Stella.
„Samantha war dabei ein Rind zu melken und das hinter meinem Tresen und bei vollem Haus.“
„Hmmm … na ja. Ist vielleicht ein ungeeigneter Zeitpunkt und Ort. Vielleicht hatte einer der Gäste ein Glas Milch bestellt und Sam hatte lediglich Wert auf Frische gelegt?“, fragte Tarja ohne den tieferen Sinn zu erfassen oder arges zu vermuten.
Pathenon prustete los und Shiva verzog das Gesicht. „Ich glaube kaum, dass das Zeug jemand trinken wollte, selbst Samantha zog es vor es nicht zu tun. - Und du hörst auf zu lachen. Das war ein Trauerspiel.“
Tarja Begriff langsam und machte große Augen. „Das ist doch wohl nicht dein ernst?“
„Oh doch, das ist es."
Pathenon setzte noch eins drauf. „Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Stier klapperdürr und schon um die 75 Jahre alt war.“
„Was immer sie dazu bewogen hatte, damit war sie mehr als deutlich unter ihr eigenes Niveau gerutscht und das will was heißen“, wetterte Shiva.
„Schlimmer kann es wohl nicht mehr kommen“, seufzte Cyron.
„Mitnichten. Außer seinem Lendenerguss verlor der Stier auch noch sein Leben. Die Erregung schaffte sein Herz nicht mehr und jetzt kursieren die dümmsten Sprüche.
Der Eine lautet: *Shivas und Sams Wirtshaus, wenn du überlebst, kommst du wieder raus* und der Zweite lautet: *Das Wirtshaus in Felgan, wir helfen dir bei all deinen Wünschen und Bedürfnissen*“.
Cyron konnte sich nicht mehr beherrschen und krümmte sich vor lachen. „Entschuldige bitte. Aber das ist zu komisch.“ Er lachte weiter und weiter.
Plötzlich hörte er auf, sah Shiva an. „Der erste Spruch ist böse, der zweite entbehrt nicht einer gewissen Logik. Aber da fällt mir noch ein besserer ein: *Sams Wirtshaus. Hier gibt es die etwas andere Art von Getränken mit Schuss*.“ Er riss die Augen auf und brüllte vor Lachen wieder auf.
Shiva schaute ihn scharf an, biss sich auf die Unterlippe, schaute dann zu ihrem Kater und merkte, dass der Atemprobleme hatte. Als er merkte, dass ihn sein Weibchen musterte. platzte es heraus. Er hielt sich den Bauch vor Lachen und ihm liefen die Tränen. Das war das Ende.
Tarja, Chiron, Stella und sogar Casandra stimmten in das Gelächter mit ein.
Shivas bitter ernste Miene verschlimmerte alles nur noch. Sie kaute heftig auf ihrer Unterlippe und schien zu weinen.
Das Gelächter verstummte schlagartig. „Entschuldige bitte, Liebste“, sagte Pathenon.
Die Jaguarin schaute ihn schief an, hörte auf ihre Lippe zu beknabbern und prustete los. „Klasse! Einfach herrlich eure Gesichter so zu sehen. Der Trick klappt doch immer wieder.“
Während Shiva jetzt lachte, schauten ihr die anderen dabei ernst zu.
„So, jetzt aber mal Spaß beiseite. Wie stellt ihr euch eure weiteren Schritte vor?“, fragte Pathenon.
„Tja. Wir werden erst mal von unserem Haus Besitz ergreifen und dann müssen wir unsere Vorräte auffüllen. Die Speisekammer …“, sagte Cyron.
„ ... ist schon frisch aufgefüllt. Dafür haben wir gesorgt, nachdem wir von eurer Landung erfuhren“, warf Pathenon dazwischen.
„Ihr seid wirklich lieb.“
Shiva zwinkerte ihm zu. „Und dann erzählt ihr mal in Aldos Wirtshaus, was ihr alles erlebt habt.“
„Aber gerne“, entgegnete Cyron.