Kapitel 25

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 25

des Rätsels Lösung und fatale Fehler

Monate vergingen, das nächste Schiff von der Erde war kurz vorm Eintreffen. Das Rätsel, welches sich gestellt hatte, war halbwegs gelöst.

Wie die intensive Analyse ergab, handelte es sich bei dem kleinen raubtierartigen Wesen in der Tat um ein solches, genauer gesagt um den Welpen eines vergleichbaren und in irdischer Vorzeit lebenden Smilodon fatalis. Auch wenn die DNA größtenteils abwich, gab es keinen anderen Rückschluss.

Letztendlich kam man zu dem, wenn auch unter Kopfschütteln und Schulterzucken, einhelligen Ergebnis, dass Rayn und Sammers die Station nachweislich verlassen hatten, aber dann infolge weiterer Ereignisse Rayn einen Weg fand unbemerkt in die Station zurückzukehren.

Auf ihrem Weg durch Wald und Steppe der genroischen Flora musste ihnen etwas begegnet sein, was eben schon erwähntem Smilodon entsprach.

Dieser verwickelte die beiden Frauen in einen Kampf, in dessen Zuge Sammers wahrscheinlich das Leben verlor und Rayn nur so leicht verletzt wurde, dass sie keine bleibenden Schäden davon trug, wohl aber so verletzt wurde, dass es zu einem Austausch von DNA-Material von Smilodon zu Mensch kam und somit der Intronenvirus in den Körper der Frau gelangte.

Dort angekommen nahm er sein veränderndes Werk zielgerichtet auf. Was allerdings nicht erklärte, warum ausgerechnet Rayns Gebärmutter und sonst nichts betroffen war. Das blieb weiterhin ein großes Rätsel.

Noch während dieser Umwandlungsprozess innerhalb des Unterleibes stattfand, traf sie bei ihrem Versuch einen Rückweg zu finden nochmals auf diesen raubkatzenartigen Säugetiertypus, wurde, auch das ist reine Spekulation, auf irgendeinem Weg schwanger und dies von eben jenem Säbelzahntiger. Ob bewusst, da die steuernden Hormone sich ebenso in einer Umwandlung befanden und damit auch das neurologische Gleichgewicht nicht mehr rein menschlich war, oder unbewusst, weil sie von der Raubkatze niedergestreckt und dann geschwängert wurde, blieb ein Geheimnis.

Das Ergebnis dieser Vereinigung lag jedenfalls innerhalb der Station. Rayn war zurückgekehrt, schwanger und wusste zunächst nicht an wen sie sich wenden sollte. Dann fiel ihr wahrscheinlich Beth Solgar ein, welche ihr mehrere Jahre zuvor den Ausflug mit Belinda Sammers empfahl, wandte sich an sie und zog in deren Quartier ein, da sie allein lebte und Magan Rodriguez zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war.

Dann vergingen die Monate, die Schwangerschaft verlief zunächst ohne Komplikationen, aber dann begann die Geburt und das Drama nahm seinen Lauf.

In den offiziellen Akten und Aufzeichnungen war nichts Ungewöhnliches zu finden, jedoch grub man im Zuge der Nachforschung tiefer und wurde fündig.

Anhand dessen muss es sich wohl so zugetragen haben: Die Geburt begann ohne ein nennenswertes Vorzeichen. Die normalen Wehen schlugen jedoch in extremste Schmerzen um und als Rayn nicht nur Fruchtwasser verlor, sondern dieses mit Blut vermischt war, bekam Solgar Panik, rannte aus dem Quartier um Hilfe zu holen. Diese fand sie beim damaligen militärischen Stationsleiter Bergheimer Senior, welcher Solgar wegen Vertuschung, Gefahr im Verzuge und bewusster Quarantäneverschleppung direkt in eine Zelle sperrte und für verrückt erklärte.

Allerdings ließ er es sich nicht nehmen persönlich nach dem Rechten zu sehen und tauchte mit mehreren Soldaten dort auf, öffnete mit Notfallcode die Tür und sah, dass es schon vorbei war. Eine kurze oberflächliche Untersuchung zeigte, dass Rayn bereits tot war, in einer Blutlache lag und sich etwas in die Nasszelle geschleppt hatte. Ohne zu zögern traf er einen Entschluss, ließ das Quartier unter Dauerquarantäne stellen und elektronisch versiegeln. Die Aufzeichnungen dazu wurden mehr als streng geheim eingestuft und lediglich der Hinweis auf eben jene Versieglung blieb in den offiziellen Akten.

Nachdem nun allerdings die Jahre verstrichen waren, Bergheimer Senior das zeitliche gesegnet und letztendlich auch das Militär die Station verlassen hatte, war diese Sicherheitsmaßnahme in Vergessenheit geraten und das Quartier wieder geöffnet worden, mit eben jenen schon bekannten Fundstücken.

Das alles sollte in dieser Form ungesehen auf Ebene – 10 in einem Giftschrank verschwinden und am besten nie wieder auftauchen. So war der Plan, so wurde es auch gemacht, allerdings würde sich genau das, Jahrzehnte und Jahrhunderte später als schwerwiegender Fehler präsentieren und letztendlich eine fatale Entscheidung nach sich ziehen.

<„Genro Landebasis, hier spricht Captain Kallas, Code 45RK107, vom irdischen Versorgungsschiff Elara Fist, Registrierung E3F6! Erbitte Kontaktaufnahme.“>

<„Hier Landebasis! Willkommen auf Genro, Captain Kallas. Sie haben Erlaubnis die Landebasis und im weiteren Zug den Planeten zu betreten. Material bitte direkt zur Basis auf Koordinaten 67°14'23“ zu 104°07'04“.>

<„Verstanden und danke Genrobasis!“>

Einen halben Tag später erschienen zwanzig Frachtgleiter mit weiterem Personal und Material. Darunter waren 96 Stasisröhren, neues Computerequipment und irdische Tiere, wie verschiedenste Raubkatzenarten, Wölfe, Hunde sowie Pflanzenfresser, wie Pferde, Rinder, Zebras, Esel. Am Ende glich der Bereich des inneren Basisgeländes einem ausgewachsenen Zoo und die Lautstärke war geradezu ohrenbetäubend.

„Bringt die Exemplare in den hinteren Bereich. Dort befinden sich die Vorgängerspezimen. Achtet auf korrekte Trennung, ich will kein Blutbad“, schrie der neu eingetroffene Personalleiter Friedhelm Spinner quer über den Platz und erntete dafür zustimmendes Gemurmel.

Während die Unterbringung in vollem Gange war, betraten sechzig Frauen und Männer die innere Station, durchschritten die Gänge und erschienen auf Ebene -6.

„Guten Abend“, hub er an, „mein Name ist Spinner und ich bin der neue Personalleiter. Wo finde ich Mister Altenhoffer?“

„Ah, die Ablösung“, entgegnete einer der Anwesenden sichtlich erfreut. „Mein Name ist Thomas. Mister Altenhoffer ist wahrscheinlich im Labor.“

„Ausgezeichnet. Würden sie die Güte haben mir den Weg zu weisen?“

„Aber sicher doch. Folgen sie mir auffällig“, versuchte Thomas zu witzeln, was bei Spinner auf ein freundliches Lächeln stieß.

„Mister Altenhoffer!“, rief der Wissenschaftler quer durch den noch leeren Raum. „Wir haben Besuch.“

Altenhoffer drehte sich abrupt um. „Ach ne, Friedhelm! Schön dich wieder zu sehen. Was machst du denn hier?“

„Krondal meinte, dass ich euren Laden mal ordentlich aufmischen soll“, antwortete Spinner und beide fielen sich freudig in die Arme.

„Noch so einer“, murmelte Thomas leicht bedrückt. „Scheint ja hier ein Nest zu geben.“

„Keine Sorge, Mister Thomas“, hub Altenhoffer an, der die leisen Gedanken gehört hatte, „Einen besseren Personalleiter wie ihn können sie gar nicht bekommen.“

„Das beruhigt mich jetzt doch etwas. Aber eine Frage sei mir erlaubt. Wie geht’s jetzt weiter?“

Spinner drehte sich zu ihm um. „Die Techniker die mit uns herkamen und natürlich die schon anwesenden werden die neuen Stasismodule installieren und einige Rechnerkomponenten austauschen. Gehen sorgfältig damit um, Mister Thomas. An das ganze Zeug ist hier draußen schwer ranzukommen.“

„Das ist mir bewusst, Sir und ich freue mich meinerseits auf eine gute Zusammenarbeit.“

„Da bin ich mir sicher“, erwiderte Spinner. „Wie sieht denn der Teamplan aus? Haben sie da eine grundlegende Rotation oder war die Planung eher frei Schnauze?“

„Teils, teils“, mischte sich Altenhoffer ein.

„Nun gut. Dann gibt es Arbeit für mich. Immerhin haben wir ein Ziel und Krondal will Ergebnisse sehen“, schob Spinner nach.

„Im Prinzip müssten wir noch einmal neu beginnen, denn vieles ist verloren gegangen“, erklärte Thomas und seufzte.

„Ich weiß, Bergheimer Junior hat ganze Arbeit geleistet. So ein beklopptes Arschloch. Gibt es sonst noch etwas, was ich wissen sollte?“

Thomas schaute unauffällig zu Altenhoffer und der schüttelte schwach, aber für den leitenden Wissenschaftler gerade noch erkennbar den Kopf. „Nein, Friedhelm. Mehr haben wir nicht zu berichten. Wir haben halt nur dagesessen und auf euch gewartet“, ergänzte Altenhoffer schnell, um jede weitere Frage in dieser Richtung zu unterbinden.

„Perfekt.“

„Aber eine Frage noch“, schob Altenhoffer nach, „Was haben die grünen Hosen hier zu suchen?“

„Wer? Ach so, du meinst die kleine Privatarmee. Die sollen sich auf dem Plane-ten umsehen. Da war etwas durchgesickert, auf das sich Krondal keinen Reim machen konnte.“

„Und das wäre?“, hakte Altenhoffer nach.

„Etwas, wie ein entflohener Gepardenanthro, was keiner so recht glauben mag. Die sollen das einfach mal überprüfen und feststellen, dass das nicht passiert ist“, versuchte Spinner abzuwiegeln.

Altenhoffer versuchte etwas zu erwidern, aber in diesem Moment erschienen einige Techniker und bugsierten mit schwerem Gerät die ersten Stasisröhren ins Labor, verbrachten sie zunächst in die hintersten Ecken, um Platz für den weiteren Nachschub zu lassen.

„Ausgezeichnet“, rief Spinner. „Bringt erstmal alles herein, packt es in den hinteren Teil und baut dann von vorne beginnend auf. Achtet auf die Bodenmarkierungen der Vorgängermodule. Die IT'ler sollen sich anschließend hierher bemühen und im Rechnerraum die notwendigen Veränderungen vornehmen.“

„Verstanden, Sir“, kam die Antwort und alles Weitere ging im bunten Treiben dutzender Angestellter unter.

Die Auf- und Umbauarbeiten nahmen erst Tage, dann Wochen in Anspruch, was der guten Laune der Wissenschaftler jedoch keinen Abbruch tat. Jeder genoss es sichtlich eine neue Spielwiese aufzubauen und jeden Fortschritt in Richtung des Ziels zu begrüßen.

Thomas beobachtete die Entstehung einer modernisierten und vor allem vollständigen Anlage, lächelte still vor sich hin, scherzte mit dem Einen oder Anderen Assistenten, machte Witze und zog sich in sein Quartier zurück, um sein offizielles Tagebuch zu ergänzen.

„Wissenschaftlicher Leiter, Doktor Thomas, Datum 13.07.2151.

Wir haben es endlich geschafft. Die Forschungseinrichtungen laufen ohne Störungen. Vor drei Monaten kam das Schiff mit den ersten Tieren hier an. Wir hatten sie auf dem Hof der Station zwischengelagert, bis wir endlich genug Platz hatten um sie unterzubringen. Wir haben im hinteren Teil der Station Käfige und Stallungen errichtet, um die Tiere schadlos zu halten und vor allem systematisch den Forschungen zuzuführen. Es handelte sich in erster Linie um Nutzvieh wie Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde. Das nächste Schiff trifft in zwei Jahren hier ein und soll weitere Fleischfresser wie Raubkatzen, Wölfe und so weiter liefern. Mit deren Hilfe können wir dann ein funktionierendes Ökosystem auf die Beine stellen und verhindern, dass sich die Pflanzenfresser unkontrolliert vermehren.“

Er beendet leise seufzend die Aufzeichnung und sah sich um, blickte auf die typisch spartanische Ausstattung, welche seinen Schreibtisch umfasste, ebenso ein ziemlich unbequemes Bett, dass bei jeder Bewegung knarzte, einen kleinen Spind für die notwendigsten Sachen und die Tür zu seiner Nasszelle, welche allerdings recht geräumig war und an Ausstattung keinen Wunsch übrig ließ.

So saß er da, sinnierte eine Zeit lang und trommelte mit den Fingern hart auf der Tischplatte herum.

„Computer! Eröffne neue Datei. Name, Thomas Privatlog“, sagte er schließlich.

„Aufzeichnung bereit“, antwortete der Stationsrechner. „Soll die neue Datei in der allgemeinen Cloud gespeichert werden?“

„Nein! Das ist ein privater Eintrag und soll in einem abgeschirmten Bereich ab-gelegt werden.“

„Bestätigt! Bitte bestimmen sie ein Passwort.“

„Thomas Alpha Sigma 1“, raunte er.

„Passwort verstanden Alpha Sigma 1, Aufzeichnung bereit.“

„Aufzeichnung starten“, befahl er.

Ein kurzer Piepton gab das Zeichen zu sprechen.

„Leitender Wissenschaftler, Doktor Thomas, Zeit 16:45, 13.07.2151.

Die Zeit verrinnt. Die Moral innerhalb der Station ist ausgezeichnet. Allerdings beschleichen mich Zweifel was das Unternehmen betrifft. Krondal gibt Aufträge und wir führen sie aus und keiner hat ihn bisher je gesehen. Ich komme mir manchmal vor, als ob ich fremdgesteuert wäre, ohne zu wissen was am Ende dabei wirklich herauskommt. Warum immer wieder diese Planänderungen?

Was bezweckt Krondal damit? Will er einen privaten Krieg anzetteln, einen noch widerlicheren als der gerade erst zurückliegende? Vor allem, was wird aus den zu züchtenden Tieren? So wie ich alles verstehe sollen es verschiedene Arten sein, Hybriden sind auch erlaubt. Wir sollen Vierbeiner erzeugen, aber auch Anthros. Alle sollen halbwegs intelligent sein, aber trotzdem recht dumm.

Eigenständiges Lernen und vor allem ein Selbstbewusstsein sind unerwünscht. Somit liegt es an uns, etwas entstehen zu lassen, was innerhalb der Parameter existiert. Das wird schwierig, denn mit dem aufrechten Gang kam beim Menschen auch im Laufe der Evolution die Vermehrung des Hirnvolumens automatisch hinzu. Das müssen wir unterdrücken. Intronenviren sind ein guter Weg, aber zu unkontrolliert. Wenn da etwas herauskommt, was uns plötzlich als Feind ansieht und sich in seiner Intelligenz über uns stellt, dann befürchte ich mehr als Ärger. Die Präsens von fünfzig ausgesuchten Privatsöldnern spricht Bände und die Anwesenheit dieser verdammten Kampfroboter und Messerdrohnen in den Gängen ist extrem beunruhigend. Keiner weiß was passiert, wenn irgendwas schief geht, keiner kennt die Parameter die dazu führen könnten, dass diese Maschinerie plötzlich aktiv eingreift. Es ist geradezu schizophren, dass man auf der einen Seite Scherze macht und auf der anderen bei jedem Schritt über die Gänge an die Existenz einer tödlichen Bedrohung erinnert wird. Verdammt nochmal, ich weiß nicht mal ob dieser private Eintrag auch da bleibt wo er ist. Was jedoch noch beunruhigender erscheint ist die Suchaktion nach einem geflohenen Gepardenanthro.“

Er streckte sich und gab den Befehl die Aufzeichnung zu beenden.

Nunmehr etwas missmutiger stand er auf, streckte sich nochmals und beschloss zum Labor zurückzukehren. Er verließ sein Quartier und setzte ein künstliches Lächeln auf.

An anderer Stelle begann die Suche nach dem vermeintlichen Geparden, welcher vor Jahren die Station verlassen haben soll, es aber keine Aufzeichnungen mehr gab. So stocherte man einfach mal ins Blaue hinein und hoffte, dass es sich um eine Fehlmeldung des MCSU handelte.

„Nach was genau suchen wir eigentlich?“, fragte P.F.C. Jansen.

„Das kann ich ihnen sagen, wenn wir es sehen“, antwortete Master Sergeant Paul.

„Das nenne ich ja mal eine präzise Aussage“, knurrte P.S.C. Renner und schaute

Jansen bedeutungsvoll an.

„Wenn es sie beruhigt“, hub Paul an, „dann suchen wir nach einem aufrechtgehenden Raubtier.“

„Nach einem was?“, entfuhr es Renner in etwas höherer Stimmlage.

„Oh man, Renner. Du klangst gerade wie ein Kastrat“, versuchte Jansen zu witzeln.

„Kann ich so nicht bestätigen. Bisher hat sich noch keine Frau bei mir beschwert. Wie steht's bei dir?“, ging Renner auf ihn ein.

„Alles fit im Gestrüpp“, kam Jansens Antwort.

„Gut für dich, aber wenn dem so ist, dann solltest du dich da mal rasieren“, entgegnete der P.S.C.

„Leute, kriegt euch mal wieder ein“, mischte sich Harris ein. Die junge Frau war bereits im Rang eines Corporal, bei den Marines ausgebildet und normalerweise knallhart. Allerdings machte sie in dieser Situation eher einen nervösen Ein-druck und war leicht gereizt.

„Ruhe jetzt!“, befahl Paul.

Sofort herrschte Schweigen. Bis auf Harris, welche nochmals nachhakte: „Steht irgendwo in unserem Auftrag geschrieben was wir mit dem Vieh machen sollen, wenn wir es wider Erwarten finden?“

„Ich weiß nur, dass wir es suchen sollen und dann, je nachdem wie es sich verhält, entscheiden.“

„Großartig“, kam der Zwischenruf eines anderen P.F.C. aus den hinteren Reihen.

„Also aufteilen und eine Linie bilden. Jansen, Harris und Renner bleiben bei mir. Ich will euch drei im Auge behalten, macht mir einen zu alerten Eindruck.“

„Freuen sie sich doch“, entglitt es Harris.

„Genau. Harris könnte ihre Tage haben und ist dann wieder mal biestig“, mischte Jansen die Runde erneut auf.

„Halt' die Klappe, du Depp. Das geht dich mit Verlaub gesagt einen feuchten Dreck an. Aber wenn du auf eine solche Diskussion bestehst, dann frage ich dich, ob du dich heute schon gewaschen hast. Du riechst so streng nach Fisch, vor allem im unteren Bereich“, knurrte Harris.

„Peng! Der hat gesessen“, entgegnete Jansen und zog es vor das Thema zu beenden, schaute die Frau nur noch böse an.

Im weiteren Verlauf legte die militärische Kette einen Weg von vier Kilometern zurück und nichts war auffällig. Die Insekten summten, die Sonne brannte sich durch das dichte, üppig grüne Blätterdach der Bäume und Renner schlug nach einem geflügelten Wesen, welches einer irdischen Bremse ähnelte und es gezielt auf ihn abgesehen hatte.

„Verdammter Drecksplanet“, murmelte er und erntete dafür einen schnippischen Blick von Harris.

Weiter kamen sie nicht, denn plötzlich flog etwas auf sie zu, quer durch das dichte Unterholz, war rasend schnell und fegte die junge Frau von den Beinen.

Wie in Trance beobachteten die umher befindlichen Soldaten die sich anbahnende Szenerie.

Harris war zu Boden gebracht, von einem Lebewesen, welches sie nie zuvor gesehen hatten. Einem Tier das vollkommen aus dem Rahmen schlug. Es schien körperlich entstellt zu sein, wirkte humanoid, aber gleichzeitig raubtier-haft, hatte eine befellte Haut und trug eine deutlich erkennbare Fleckenzeichnung.

„Kontakt!“, schrie Paul um seine Salzsäule zu entsprechender Reaktion zu be-wegen. Jedoch war es zu spät.

Noch während die Soldaten versuchten die Situation zu erfassen, hatte das Wesen den Corporal gepackt und war mit ihr im Dickicht verschwunden.

Das nächste was man hörte war der Schrei des P.S.C. Renner: „Verdammter Mist! Was war das?“

„Genau das, was wir finden sollten. Nur das Ergebnis ist jetzt ganz große Kacke“, murmelte Paul zunächst und hub dann laut an: „Alles dichter zusammenbleiben! Auftragsänderung! Wir suchen jetzt dieses Wesen und unseren Corporal.“

„Kann es im Rahmen des Möglichen liegen, dass wir im weiteren Verlauf immer mehr Dinge suchen müssen?“, fragte Jansen zynisch.

„Noch so eine Frage und sie suchen sich selbst“, fuhr der Master Sergeant ihn an. „Auf geht’s!“

So ging das Suche-und-Finde-Spiel weiter und der Tag verstrich, neigte sich der Mittag gen Abend.

„Abbrechen!“, schrie Paul plötzlich. „Wir müssen zurück bevor die Dunkelheit anbricht.“

„Und Harris da draußen lassen?“, fragte Renner ungläubig.

„Ja. Ich will nicht noch mehr Leute verlieren.“

„Klingt ganz danach, dass sie unseren Corporal schon abgeschrieben haben“, entfuhr es Jansen.

„Davon müssen wir wohl ausgehen. Verschleppt und gefressen.“

„Das gibt es einfach nicht. Sie mag ja eine Kratzbürste sein, aber sie so einfach aufzugeben halte ich für falsch“, motzte Jansen.

„Sie werden aber nicht gefragt“, fauchte Paul ihn an. „Also, Abmarsch! Das ist ein Befehl!“

Stunden später waren sie wieder in Reichweite der Basis und betraten sie schließlich. Zu ihrer Verwunderung mussten sie feststellen, dass sich gerade das wissenschaftliche Personal in heller Aufregung befand und sich Ebene -6 in einen Ameisenhaufen verwandelt hatte, ein Stimmengewirr aus dem Labortrakt tönte.

„Das sehen wir uns doch mal an“, intonierte Paul und winkte Jansen und Renner zu sich heran. „Mitkommen!“

Sie beschleunigten die Schritte, betraten das Labor und erblickten einen Auf-lauf, welcher sich um einen der hinteren OP-Tische gebildet hatte.

„Was ist hier los?“, fragte Paul barsch.

„Kann es sein, dass sie da draußen etwas verloren haben?“, fragte Altenhoffer zurück.

„Woher wissen sie das?“

„Weil sich ihr Corporal selbst gefunden hat.“

„Was? Wo? Wie?“

„Fragen sie sie selbst. Da sitzt sie“, entgegnete Altenhoffer und deutete in Richtung der umherstehenden Wissenschaftler.

Der Master Sergeant bewegte sich langsam in besagte Richtung und drängelte sich durch den Pulk, kam direkt vor Harris zum Stehen.

„Bericht, Corporal! Was ist passiert?“

„Nichts ist passiert!“, schnauzte die Frau ihn an. „Rein gar nichts und von ihrer Seite ja wohl auch nicht.“

„Wir haben sie stundenlang gesucht. Wo waren sie? Was hat man mit ihnen gemacht?“, forderte Paul eine Aussage.

„Wie sie sehen bin ich unverletzt.“

„Ja, das sehe ich. Aber ich will einen präzisen Bericht. Was griff sie an und was geschah danach?“ Paul wurde ungehalten.

„Sir!“, kam hinter ihm die Stimme von Thomas.

Der Master Sergeant drehte sich um und schaute den leitender Wissenschaftler unwirsch an. „Was wollen sie jetzt?“

„Ich muss dringend mit ihnen sprechen.“

„Hmmm..., wenn es denn sein muss.“

„Dringend. Aber bitte unter vier Augen.“

„Na schön, kommen sie mit“, forderte Paul Thomas auf ihm zu folgen.

Auf dem Gang bogen sie nach rechts ein und betraten den Computerraum der Ebene und setzten sich.

„Schießen sie los!“, leitete Paul das Gespräch ein.

„Kann ich auf ihre Verschwiegenheit bauen?“, begann Thomas verschwörerisch.

„Sicher doch.“

„Sehr gut. Harris steht unter einem schweren emotionalen Schock, sie ist physisch in einem sehr guten Zustand, aber die Psyche hat gelitten.“

„Was hat dazu geführt? Die Entführung allein kann das wohl nicht bewirkt haben, nicht bei einem Corporal, nicht bei einem Ex-Marine“, entgegnete Paul energisch.

„Sie ist schwanger“, konstatierte Thomas kühl.

„Was ist sie? Von wem und seit wann?“

„Nun, so wie es aussieht noch nicht lange und die Frage ist wohl nicht von wem, sondern von was?“, kam die mehr geflüsterte Antwort.

„Spucken sie es aus. Sie wissen doch mehr.“

„In der Tat. Wenn man den Untersuchungsergebnissen glauben darf, dann ist sie erst seit wenigen Stunden schwanger und wie es scheint von einem Wesen, von dem ihr Corporal uns berichtete.“

„Moment. Sie wurde da draußen von einem Vieh, halb Mensch, halb Gepard, verschleppt.“

„Das hat sie berichtet.“

„Und sie sind allen Ernstes der Meinung, dass sich dieses Wesen ihrer bemächtigte um sie zu vergewaltigen?“

„Es kommt einer Vergewaltigung gleich, ja. Für dieses Wesen war es eine ziel-gerichtete Auswahl eines Fortpflanzungspartners oder wollen sie die Tatsache leugnen, dass der Angriff ausgerechnet und ohne Umschweife auf die einzige Frau in ihrer Meute ausgerichtet war?“

„Unfassbar. Aber warum?“

„Fortpflanzung. Das Wesen da draußen, dieser anthropomorphe Gepard entkam aus unserer Anlage und scheint sich mit der einheimischen Fauna gut arrangiert zu haben. Harris kam ihm gerade recht. Aber da gibt es noch etwas.“

„Noch mehr? Ich dachte, dass das schon ausreichend ist.“

„Mitnichten, Sir. Das Lebewesen was sich in ihrem Corporal entwickelt ist erst wenige Stunden alt, aber jetzt schon ein Fötus. Es wächst extrem schnell und wir wissen nicht genau warum.“

„Dann versuchen sie mir eine Theorie zu präsentieren. Ich muss die Situation abschätzen können.“

„Gut, dann zeichne ich mal folgendes Szenario. Der Geparden-Anthro entkam damals, zumindest wenn man Gerüchten folgen darf, fand seinen Platz in der einheimischen Tierwelt.

Er fand eine Partnerin oder mehrere, pflanzte sich fort und was sie angriff war einer seiner Nachkommen. Primitiv, aber intelligent genug um ansatzweise bewusst zu agieren. Dieser Gepard war von uns jedoch mit einem Intronenvirus versehen. Wie es scheint hat der wunderbar funktioniert und schlägt sich im Genotyp deutlich nieder. Wie es um den Phänotyp steht wissen wir nicht.“

„Sie wollen damit andeuten, dass mein Corporal sehr schnell ein Kind von diesem Ding gebären wird und keiner weiß was dabei herauskommt?“

„Treffer.“

„Verdammte Scheiße“, entfuhr es dem Master Sergeant. „Und was schlagen sie jetzt vor?“

„Des Teufels Advokat, Mister Paul. Wir nehmen uns ihrer an und werden beobachten was passiert. Für unsere Forschung ist diese ganze Sache ein Glücksgriff. Eine Chance, bei passender Entschlüsselung der DNA des Neugeborenen, eine Basis für unser Projekt zu erhalten. Wir könnten etwas erschaffen was vorher nie dagewesen war.“ Thomas bekam leuchtende Augen.

„Sie sind wahnsinnig. Wissen sie das?“, entfuhr es Paul angewidert.

„Mag sein. Ich finde es sogar gut. … Überlassen sie uns die Frau und den Rest erledigen wir.“

Der Master Sergeant wägte das Für und Wider ab und fällte eine Entscheidung. „Meinetwegen! Aber wehe sie krümmen ihr auch nur ein Haar. Was sie und ich gerade tun ist mehr als verwerflich.“

„Danke, Mister Paul.“

Sie erhoben sich und kehrten ins Labor zurück.

„Was ist los? Was machen sie jetzt mit Harris?“, fragte Renner aufgeregt.

„Sie bleibt in den Händen der Wissenschaftler und erholt sich erstmal. Der Rest wird sich ergeben.“

„Das ist doch wohl nicht ihr Ernst?“, fragte Jansen.

„Doch, ist es. Es ist das Beste für sie und jetzt Schluss mit der Fragerei. Sie bleibt hier und gut ist“, schnauzte Paul gereizt und stapfte davon.