Kapitel 17

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Prolog 4

in den Jahren 2051 bis 2054

Am nächsten Tag stellte die Gruppe ihre Systemlösung vor und Gallagher, wie auch Mueller, waren schlagartig begeistert.

Die Gänge und Hohlräume zur Errichtung der Anlagen nahmen Gestalt an, die herausgebrochenen Trümmer wurden planmäßig verladen und abtransportiert, hatte man doch wohlweislich in der schroffen Gebirgsaußenwand die erste große Höhle so aufgeweitet, dass sie einen perfekten Start- und Landeplatz für die Transportfähren der Elara Fortress 2 bot.

Alles andere war in den darauf folgenden Wochen und Monaten ein Kinder-spiel. Die Innenwände wurden auf herkömmliche Art und Weise mit Spritzbeton ausgekleidet, geglättet. Ein geräuschdämmender Fußbodenbelag eingezogen und in den Schrägen zur Decke hin eine indirekte Beleuchtung implementiert. Ferner wurde ein extrem leistungsstarker Generator zur Stromerzeugung auf der Elara Fortress 2 vormontiert und entsprechend zugeführt, wie auch die passenden Solarmodule, welche auf dem Gebirgskamm ihren Platz fanden. Für den Generator selbst, welcher später die Waffenfabrik und auch den Hauptcomputer stabil mit Strom versorgen sollte, wurde eine Fusionszelle errichtet die ihrerseits einen abgeschirmten Platz in einer der kleineren Nebengrotten fand.

Geplant war zunächst, dass nach Fertigstellung und Inbetriebnahme der Anlage circa fünfzehn Leute ihre tägliche Routine dort abwickeln sollten und die korrekte Funktion zu überwachen hatten. Für den Fall, dass es einen Angriff geben sollte und man nicht rechtzeitig die Hangargrotte erreicht, wurde auf der rückwärtigen Seite des Gebirgsmassivs ein Notausgang, welcher in seinen Grundstrukturen schon auf natürlichem Wege entstanden war, geplant und auch umgesetzt.

Alle Einzelgrotten und die dazu gehörigen Gänge wurden zusätzlich abgesichert, mit Videoüberwachung ausgestattet und mit zuschaltbaren Kraftfeldern ausgerüstet.

Wenn die gesamte Anlage später sich selbst überlassen arbeiten würde, wäre jedes der im Fels befindlichen Module gegenüber dem danebenliegenden ab-geschirmt und nur durch eine Codierung erreichbar.

Zentral, in einer ausgearbeiteten Kathedrale, sollte dann der Computerkern stehen, säulenförmig ausgebildet sein und selbst durch ein Kraftfeld abgeschirmt werden.

Ein Teil der im Fabrikmodul hergestellten Messerdrohnen und Kampfeinheiten sollte sofort nach verlassen derer aktiviert werden und die anfänglichen menschlichen Patrouillengänge übernehmen.

Mit diesen Maßnahmen sollte der Fehlerfaktor in Richtung Null tendieren und damit eine optimale Sicherheit hergestellt werden.

Auf der Erde gelang es im gleichen Zeitraum den entscheidenden Durchbruch zu erzielen.

Der leitendende Wissenschaftler Professor Walner, seine Assistentin Verena Crafter nebst ihres Teams, hatten keine Mühen gescheut, sich schlaflose Nächte um die Ohren geschlagen und heftige Wortgefechte geliefert. Die Hightech-Anlage war bis an die Grenzen ausgelastet und lieferte am Ende das gewünschte Ergebnis.

Durch einen Griff in die Trickkiste und unter Benutzung verschiedener Rekombinationsmodelle, hatte man es im Jahre 2054 geschafft einen lebensfähigen Hybriden zu erzeugen. Das Problem, was man anfänglich hatte, stellte sich nach und nach als selbstproduziert heraus. Es war nämlich nicht eine Frage dessen wo das Zellmaterial herkam und von wem es stammte, sondern in welcher Reihenfolge die verschiedenen Segmente innerhalb des DNA-Stranges eingefügt werden mussten.

Oftmals war es so, dass die Basenpaarungen an bestimmten Stellen zwar die richtigen Schlüssel aufwiesen und sich daher Guanin, Cytosin, Tymin, Adenin sauber aneinander reihten, aber letztendlich trotzdem keinen stabilen Strang herstellten.

Es dauerte eine Weile, bis Walner über seinen Schatten sprang und den sprich-wörtlichen Schuss ins Blaue riskierte, was ihm sichtlich schwer fiel; an einer sich auflösenden Stelle die noch immer existierenden Fragmente der DNA des im Jahre 1961 an das Spin-Geninstitut überstellten Leichnams von Charon von Tabalth einfügte und damit die Helix an dieser Stelle fixierte.

Am Ende war die Doppelhelix soweit gediehen, dass man davon ausgehen konnte, dass der Hybrid als lebensfähig zu betrachten wäre. Aber Professor Walner wäre nicht der Leiter gewesen, wenn er kein Perfektionist wäre.

So beschloss er letztendlich und im Hinblick auf die gestellte Aufgabe ein wahres Meisterwerk zu erschaffen, in dessen Zuge er zunächst eine weitere Sequenz anfügte, welche einen Schnellwuchs bezwecken sollte. Da dies funktionierte und er mehr als überschwänglich wurde, entnahm er einer irdischen Tigerin eine Eizelle, ließ diese entkernen und die generierte Doppelhelix einbetten. Anschließend kam der zwangsentnommene Samen des gefangenen Cherit-Esels zum Einsatz und die Befruchtung fand statt.

Mit dieser Maßnahme wollte er eventuelle Fehler, welche doch noch auftreten könnten durch eine Art natürliche Befruchtung ausschließen.

Seine zunächst verrückte Idee funktionierte schlussendlich und die befruchtete Eizelle begann sich zu teilen, bildete den typischen Maulbeerkeim und ging im Laufe der Wochen und Monate über den fetalen Status hinaus bis zum Embryo über.

Nach nur sieben Monaten war es soweit. Der schon längst in der Stasisröhre befindliche und im künstlichen Fruchtwasser schwimmende Klon war im Stadium der frühen Kindheit angekommen. Drei Monate später glich er einem Jugendlichen und weitere sechs Monate danach, war er ein lebensfähiger ausgewachsener Hybrid-Klon.

Kapitel 17

der Hybrid und die Konsequenzen

„Guten Morgen, Professor Walner!“, begrüßte Crafter ihren Chef.

„Hallo, meine Liebe“, sagte er zwar etwas müde, aber voller Tatendrang. „Was macht unser Goldstück?“

„Es geht ihm prächtig. Laut den Daten der Vitalmonitore sind Blutdruck, Puls, Muskeltonus, Hautspannung und auch die Hirnaktivitäten bestens.“

„Ein anthropomorpher Eselhengst, mit allen typischen Merkmalen seiner Art. Jede Stute würde ihn haben wollen, wenn sie nicht auf jedes Detail achtet.“

„Mag sein, aber er würde beim Akt das Weibchen wohl verletzen oder gar töten, wenn es mit ihm durchgeht“, gab Crafter zu bedenken.

„Definitiv! Immerhin hat er Hände an deren Fingerspitzen zehn Zentimeter lange, rasiermesserscharfe, ausstreckbare Krallen sitzen, hat ein kräftiges Raubkatzengebiss und dann ist er zusätzlich ein 2,20 Meter großes Muskelpaket. Hmmm...“, Walner betrachtete den Anthro-Klon intensiv, „Das sieht gut aus. Ja, richtig gut. Aber leider nicht perfekt.“

„Was hast du vor?“, fragte Crafter irritiert.

„Ich bin Perfektionist. Das weißt du doch.“

„Ja und gerade das macht mich nervös.“

„Aber nicht doch, meine Liebe. Ich spiele mit dem Gedanken unser Meisterstück in ein Paradepferd umzuwandeln.“

„Dann schieß mal los“, forderte Crafter auf.

„Wie wäre es, wenn wir ihn aus der Stasis holen, aber schlafen lassen und uns eines unserer gelieferten und im Cryoschlaf befindlichen Päckchen nehmen und das Gehirn austauschen?“

„Du willst was?“

„Ich bitte dich, das war doch klar. Nicht umsonst hatte man uns vor 30 Jahren die entsprechenden Exemplare und Blüten der Menschheit geliefert. Aus Jux und Tollerei liegen die bestimmt nicht in ihren Kältesärgen. Wird Zeit das deren Hirne an die Arbeit gehen“, entgegnete Walner, mit einem mehr als zweifelhaften Gesichtsausdruck.

„Solche Gedankengänge machen mir immer Angst. Aber sei es drum, wenn es dein Wunsch ist.“

„Dann bereite mal alles vor. Die Vorbereitungen dürften Tage in Anspruch nehmen, ebenso die OP selbst. Und das alles wollte ich noch erleben, bevor ich mit meinen fast dreiundneunzig ins Gras beiße.“

„Ich veranlasse das Nötige.“

„Ausgezeichnet! Nimm unseren Auftragskiller, der sollte da am besten pas-sen“, sagte Walner, grinste zufrieden und ging.

Die Vorbereitungen hatten mehr als eine Woche in Anspruch genommen.

Zunächst war der Klon aus der Stasis geholt worden. Im Gegensatz zum vorgesehenen Plan wollte Walner dann doch zunächst, dass er geweckt wurde, damit er sicher sein konnte, dass er komplett normal reagiert. So wollte er ausschließen, dass der Anthro vorab körperliche Ausfälle zeigt und verhindern, dass später auftretende Unregelmäßigkeiten unentdeckt bleiben.

Zeitgleich wurde der seinerzeit überstellte ehemalige Auftragskiller Samuel Dan Ralson aus dem Cryoschlaf geholt, auf Normaltemperatur gebracht, jedoch nicht ins bewusste Leben zurückgeholt, denn das war nicht nötig. Er sollte nur als Spender herhalten und am Ende der Prozedur der Körper eh überflüssig sein.

Die anschließende Operation dauerte drei Tage und Nächte und hatte mehreren OP-Teams das Letzte abverlangt.

Am Ende war es vollbracht, jedoch wusste niemand ob die Verschweißung der Nerven und des Rückenmarks funktionieren, geschweige denn stabil sein würde.

Weitere zwei Wochen später war es soweit und das Ergebnis der ersten Gehirntransplantation lag im Aufwachraum.

Achtundvierzig Stunden nach der Aktivierung des Hybriden und dessen Aufnahme der regulären Lebensfunktionen, öffnete dieser die Augen und sah sich um, fokussierte zunächst Verena Crafter, dann Walner.

Ganz aus dem Häuschen beugte sich der Doktor über ihn, schaute ihm tief in die Augen und grinste breit.

Leider hatte er vergessen, dass sein Goldschatz momentan rein instinktgesteuert war und sich unter Umständen durch das Grinsen an das Fletschen der Zähne und damit an eine Drohmimik erinnert fühlen könnte, dass Bewusstsein erst viel später die Oberhand gewinnen würde, was aber in der gerade herauf-beschworenen Situation vollkommen egal war, denn Walner erhielt die be-rühmte Quittung und den eindrucksvollen Beweis, dass die Verbindung der Nervenenden erfolgreich war.

Der Hybrid-Anthro grinste nicht zurück, aber er entblößte die Zähne.

Walner wie auch Crafter registrierten zu spät, dass diese Miene nicht der reinen Freundlichkeit geschuldet war, sondern eine eindeutige Kampfansage.

Ohne Vorwarnung spürte der Doktor einen Luftzug und einen scharfen Schmerz am Rücken. Sein Grinsen wurde langsam zu einer grotesken Fratze und als er zu husten begann und Blut spukte, merkte Crafter das etwas nicht stimmen konnte.

Sie griff Walner am linken Arm, wollte ihn wegziehen, aber kam nicht weiter. Der Professor stand mit verzogenem Gesicht da, war vorn über gebeugt und spukte weiter Blut, war zu keiner Regung fähig.

Plötzlich kippte er seitlich über und ging zu Boden. Crafter registrierte entsetzt, dass der Esel-Raubkatzen-Klon seine Krallen zunächst in dessen Rücken geschlagen und dann ohne ein Geräusch dabei zu erzeugen, diese vom Halsansatz bis zur Gürtellinie durch das Fleisch hindurch gezogen hatte.

Walner war tot, dorsal förmlich filetiert.

Crafter schrie hysterisch, versuchte den Raum fluchtartig zu verlassen, hatte in der Panik aber vergessen, dass der Ausgang durch eine Codierung gesichert war, um zu verhindern, dass sich Unbefugte von innen heraus Zugang zur Anlage verschaffen konnten.

Der Hybrid-Klon war in seinen Reaktionen schnell, verdammt schnell sogar. Noch bevor einer der vor dem Aufwachraum stationierten Soldaten reagieren konnte, war er aufgesprungen, baute sich hinter der flüchtenden Frau auf, packte sie an den Schultern und riss sie zu Boden. Die Verschmelzung des menschlichen Gehirns mit dem Klon-Körper war erschreckend perfekt.

Als die Soldaten endlich die Tür geöffnet hatten und in den Raum rannten, war es wiederholt zu spät. Der Überlebens- ebenso wie der Killerinstinkt inner-halb der Raubkatzen-DNA hatte, gepaart mit dem Bewusstsein des Mörders und dem erwachten Trieb des Hengstes, sein Werk vollendet.

Vollständig entblößt, brutal vergewaltigt und anschließend getötet, lag Vere-na Crafters Leichnam am Boden, hatte sich in eine Blutlache gehüllt.

Der Hybrid selbst stand da, hatte eine Haltung eingenommen, welche eine Mischung aus Arroganz, Stolz, Verwunderung und Ruhe darstellte.

So stand er da, hatte die Arme verschränkt und die Krallen ausgefahren. Er verkündete mit dieser Geste, dass es keiner mit ihm aufnehmen konnte und sein noch sichtbares, halberegiertes Glied ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass er stolz war auf das, was er gerade getan hatte.

„Na, ihr Süßen?“, fragte der Klon, namens Dan Ralson.

Die Soldaten waren erstarrt und ließen ungläubig die Waffen sinken.

„Ah“, fuhr der Hybrid-Klon fort, „ich sehe, dass ihr jetzt schon die Hosen voll habt. Lasst die Waffen fallen und haut ab. Ansonsten sehe ich mich genötigt euch ebenfalls zu töten. Die beiden da“, er drehte sich zu den Leichen von Walner und Crafter um, deutete auf sie, „hatten es verdient und mein Feldzug beginnt erst.“

Die Soldaten waren bar jeder Gegenwehr. Krachend schlugen ihre Lasergewehre auf dem Boden auf und waren sie schneller verschwunden, als eingetreten.

Langsam sah der Raubkatzen-Esel-Hybrid sich um, überlegte intensiv und traf eine Entscheidung. Für ihn galt es, die Anlage schleunigst und ohne viel Auf-sehen zu verlassen. Dass es Colateralschäden geben würde war ihm klar, aber auch, dass er sie so gering wie möglich halten musste, um am Ende nicht vor der Zeit das zeitliche zu segnen.

Aber wie sollte er es anstellen, er fiel überall auf? So blieb ihm nichts anderes übrig als seinen gerade begangenen Fehler zu korrigieren und den Soldaten eilends zu folgen, um den Überraschungsmoment auf seiner Seite zu haben.

Wenige Augenblicke später hatte er den Raum verlassen, bog links ab und wurde unsanft gestoppt. Eine Gruppe von zehn Soldaten stand ihm plötzlich gegenüber, hatte die Waffen im Anschlag.

„Stehen bleiben!“, schrie der wachhabende Lieutenant.

„Ach ne! Wer sind sie denn?“, fragte Dan Ralson.

„Ich bin Lieutenant Fletcher, U.S. Marinecorps. Ich befehle ihnen hiermit ihre feindseligen Aktivitäten sofort einzustellen und in die Quarantänezone zurück-zukehren!“

Der Hybrid-Klon legte den Kopf schief und grinste. „Und du glaubst mich aufhalten zu können?“

„Wenn sie meinem Befehl nicht Folge leisten, dann werden meine Soldaten das Feuer eröffnen“, schrie Fletcher.

„Weißt du, was du mal kannst?“

Fletcher stand reglos und erwiderte nichts, fixierte den Hybrid mit stechendem Blick.

Schließlich legte der Klon nach, als er merkte, dass er so nicht weiterkam. „Du kannst zu deiner Mama gehen und sie von hinten nehmen.“

Immer noch rührte sich Fletcher nicht, ebenso konnte man keinerlei Regung bei seinen ihn flankierenden Soldaten erkennen.

'Na schön, dann noch eine Schippe drauf', dachte sich Ralson und trumpfte auf: „Ach nein, das kannst du ja gar nicht, denn du hast ja nicht mal einen richtigen Schwanz in der Hose! Soll ich dir mal einen richtigen zeigen? Dann sieh dir mal den an!“

Zunächst rührte sich weiterhin keiner. Das änderte sich jedoch als der Esel-Raubkatzen-Hybrid den Teil seiner Anatomie präsentierte, welcher ihn deutlich als Hengst kennzeichnete und er ihn in obszöner Weise der Truppe entgegenstreckte. „Na, wer will mal dran nuckeln?“, rief er.

Die Blicke, zunächst noch starr auf den Hybrid allgemein gerichtet, wanderten zögerlich, aber dann deutlich erkennbar für ihn, auf das entsprechende Körperteil.

Das war der Moment auf den Ralson gewartet hatte. Mit hin und her peitschender Männlichkeit rannte er ohne weiter abzuwarten auf die Truppe zu, fuhr die Krallen aus, fletschte die Zähne, brüllte auf und wieherte gleichzeitig.

Irritiert durch alle Details der gerade ablaufenden Szene war niemand in der Lage rechtzeitig zu reagieren. Mit Leichtigkeit zog der Hengst-Hybrid seine Krallen durch Fletschers Kehle, riss ihm förmlich den Kopf herunter. Blind vor Wut und mit purer Lust am Töten erlegte er einen Soldaten nach dem anderen, richtete ein Gemetzel an.

Nicht einmal drei Minuten brauchte er um sein Blutbad zu vollenden und brachte den Letzten der Truppe tödlich getroffen zu Boden.

Zufrieden schnaubte Ralson und nickte bestimmt, sah an sich herab, grinste bei dem sich bietenden Anblick und stellte den normalen und züchtigen Zu-stand wieder her.

Auf seinem weiteren Weg durch die Anlage machte er mehrfach Gebrauch von seinen Krallen, filetierte sich quasi den Weg frei und kam schließlich am Büro des amtierenden Colonels an. Er las den Namen langsam durch: „Colonel Hawkins“ stand da in großen und breiten Lettern.

Er spitzte süffisant die Lippen und klopfte höflich an.

„Herein!“, rief eine männliche Stimme und gab ihm damit den Freibrief sein Vorhaben fortzusetzen.

So öffnete er die Tür und trat ein.

Hawkins saß bis zu diesem Moment noch entspannt auf seinem Stuhl hinter dem Schreibtisch, im nächsten war er schon aufgesprungen, ging zwei Schritte zurück. „WAS?“, schrie er überrascht.

„Was ist was?“, fragte Ralson. „Wenn sie mit was, mich meinen, dann kläre ich sie sehr gern auf. Ich bin Samuel Dan Ralson und Dank ihrer komischen Anlage hier, bin ich kein Mensch mehr. Denn, wie sie unschwer erkennen, bin ich etwas ganz anderes und, auch wenn es mich geradezu umwerfend macht, was einige ihrer Getreuen schon zu spüren bekamen, irgendetwas anthropomorph hengstiges.“

„Hmmm... Na schön, setzen sie sich hin! Ich habe Großes mit ihnen vor“, entgegnete Hawkins streng und nahm wieder Platz.

Ralson beruhigte sich schnell, tat wie ihm geheißen und schaute den Colonel erwartungsvoll an. „Ich höre. Hoffentlich erzählen sie mir etwas was mich zu-frieden stellt, andernfalls sind sie der Nächste auf meiner Liste.“

„Sie sind nach vielen Fehlschlägen der erste wirklich erfolgreiche Prototyp, dem eine lange Reihe von weiteren folgen werden. Allerdings werden wir da wohl auf die Prozedur der Hirnverpflanzung verzichten, auch, wenn sie recht vielversprechend sind.“

„Was für ein Prototyp und was für weitere?“

„Oh, ihr Hirn ist rein menschlich und es steckte ursprünglich in einem Körper, der nach außen hin den Auftragsmörder Samuel Dan Ralson zierte. Leider brauchten wir ihre Hülle für unsere Zwecke nicht mehr und ist damit nicht mehr existent.“

„WAS? Sie haben mich umgebracht?“

„Aber, aber, aber. Wir gaben ihnen eine zweite Chance. Sie selbst leben ja noch, nur ihre Hülle wurde ausgetauscht.“

„Das habe ich gemerkt. Da muss ich nur an mir hinab sehen“, schnauzte Ralson.

„Tja, leider habe ich keinen Spiegel in meinem Dienstzimmer, aber lassen sie es mich so umschreiben. Sie sind eine Kreuzung aus Eselhengst und Raubkatze. Wir gedenken sie als Waffe gegen die Cherit einzusetzen.“

„Cherit?“

„Eine ziemlich aufdringliche Rasse von Außerirdischen, der es unsere gute alte Erde zu sehr angetan hat. Jedenfalls besuchen die uns seit den sechziger Jahren und werden langsam zu neugierig.“

„Gibt es einen Krieg von dem ich wissen sollte?“

„Nein, bisher nicht. Wir tun jedenfalls alles dafür, dass wir die Menschheit in ihrer Einzigartigkeit schützen und wenn es sein muss, dann erklären wir denen notfalls auch den Krieg. Bisher waren diese Cherit bedauerlicherweise zu defensiv um einen anzuzetteln, aber wir arbeiten daran. Und genau da kommen sie ins Spiel.“

„Wenn sie denken, dass ich ihre Drecksarbeit erledige, … dann… haben sie genau den Richtigen vor sich. Was schwebt ihnen vor?“

Colonel Hawkins fing an zu lächeln. „Sie werden den Cherit überstellt. Wir arrangieren es so, dass sie abtrünnig geworden sind, geflohen wären, alle um-gebracht hätten und von uns lebend oder tot gesucht würden. Um das Ganze noch hübsch zu dekorieren, werden wir sie mit Ceres bekannt machen?“

„Mit wem?“, fragte Ralson neugierig.

„Ceres? Oh, entschuldigen sie. Den können sie nicht kennen, aber sie sind mit ihm verwandt.“

„Ach ne?“, entfuhr es dem Anthro-Hybrid.

„Doch, doch. Ihr Körper entstammt auf der einen Seite der entkernten Eizelle einer irdischen Löwin, auf der anderen Seite dem Genmaterial zweier Cherit, eines weißen Anthro-Tigers namens Charon und eines Eselhengstes namens Ceres, außerdem hat man noch etwas menschliche DNA mit eingestreut. Warum auch immer Walner darauf bestand, denn anthropomorph war ihr Körper ja schon vorher.

Daher ihr Äußeres. Da sind sie fast komplett ein Esel, sorry für den Ausdruck, es sollte keine Beleidigung sein, aber so sehen sie nun einmal aus. Einige nette Details stammen von der Tiger-DNA, da wären zum einen die retractablen Krallen an ihren Fingern und zum anderen ihr Gebiss mit vier wundervollen Fangzähnen. Sie sehen erst so brav aus, aber dann… ist es zu spät.“

„Oh. Klingt sehr faszinierend. Dann stellen sie mich mal diesem Ceres vor. Wird Zeit die Familienbande zu knüpfen“, sagte der Ralson-Hybrid kurz und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.

„So mag ich es. Sie sind ein Mann…, ähm… Esel, … Cherit-Klon, … naja, sie wissen schon, nach meinem Geschmack.“

So geschah es, dass der Hybrid auf Ceres traf.

„Ich lasse sie beide dann mal allein. Ach ja, Ceres, ich darf ihnen ihren Sohn vorstellen“, verkündete Hawkins lapidar und verschwand aus dem mittlerweile zum Isolationsraum auserkorenen Zimmer.

Die beiden Anthros sahen sich zunächst nur an und eisiges Schweigen herrschte, dann brach Ralson die Stille.

„So, du bist also der Ursprung meines Körpers“, begann er. „Dann erzähle doch mal etwas über dich, die Cherit und was das Ganze hier überhaupt soll. Ich meine, ich kenne die eine Seite, jetzt würde mich deine Version interessieren.“

„Mein Name ist Ceres“, hub der Cherit an. „Ich komme vom Planeten Festrid.“

„Na, das ist doch schon mal ein Anfang. Und was macht ihr hier?“

„Wir suchen und forschen. Dass die hier lebenden Menschen ein Drama daraus machen und uns zum Feind erklären, können wir nicht verstehen. Immerhin haben wir zu keiner Zeit einen provozierenden Akt vollführt.“

„Jetzt wird es interessant. Was sucht ihr?“

„Nach Spuren früherer Besatzungen.“

Der Ralson-Hybrid hob eine Augenbraue. „Frühere Besatzungen? Heißt das, dass ihr schon mal auf der Erde ward?“

„Das ist korrekt. Und bevor du fragst, es war weit vor eurer Zeit oder besser gesagt, ihr Menschen stecktet noch in den Anfängen.“

„Was du nicht sagst“, entfuhr es Ralson sarkastisch.

„Glaub' es oder nicht. Unsere Spezies war hier und das vor 2,5 Millionen Jahren.“

Jetzt entglitten dem Hybrid die Gesichtszüge und er stand in der Tat da wie ein Esel. „Das ist jetzt nicht dein Ernst?“

„Oh doch. Leider ist diese Besatzung verschollen, wie auch die nachfolgende vor 150.000 Jahren. Aber das sind mehr oder weniger Vermutungen. Auf den Gedanken nachzuforschen kamen wir erst, nachdem wir einen Funkspruch auffingen, dass eines unserer Schiffe auf eurem Planeten abgestürzt war und das war im Jahr 1960 eurer Zeitrechnung.“

„Faszinierend und so nach und nach erscheint mir alles in einem anderen Licht“, sinnierte der Ralson-Hybrid. „Du weißt schon, dass wir beide zu deinen Artgenossen zurückkehren sollen, um dort so viel Unruhe zu stiften, dass es einen Krieg mit den Menschen auslösen soll?“

„Nein, aber ich hätte mir so etwas in der Art denken können.“

„Überzeuge mich, dass ich, wenn ich denen hier helfe, einen Fehler mache.“

„Ich bin nicht im Besitz aller Fakten.“

„Gib mir das was du hast.“

„Ich gebe kurz einen Umriss. Wir sind ein Volk, welches sehr viel im Raum unterwegs ist, beherrschen die Technologie Raum und Zeit nach Bedarf aufzufalten und damit sehr entfernte Orte des bekannten Universums zu erreichen. Ihr Menschen fangt erst damit an.

Vor 2,5 Millionen Jahren war unser Planet so stark bevölkert, dass ein Teil sich entschloss den Schritt zu wagen und sich auf einem anderen und unbewohnten Planeten niederzulassen. Das Ergebnis war, dass die Erde gefunden wurde. Hier lief es erst nach Plan, aber dann kamt ihr Menschen und entwickeltet euch rasch. Dieser erste Exodus ging sang- und klanglos unter.

Der zweite war dann wohl erfolgreicher und begann auf eurem Planeten vor circa 100.000 Jahren. Die Menschen waren in ihrer Urform im Aufstreben begriffen und was dann geschah wissen wir nicht. Es ist möglich, dass dieser Aufbruch unserer Spezies in den Raum ebenso endete wie der erstere oder dass es unter Umständen zu Einlassungen zwischen Cherit und Menschen kam.“

„Moment! Du willst damit ausdrücken, dass der heutige Mensch eine Kombination aus euren Genen und denen der natürlichen irdischen Evolution ist?“, fragte Ralson leicht unruhig.

„Genauso ist es. Es weist alles darauf hin.“

„Das glaube ich einfach nicht.“

„Unsere Spuren verlaufen sich erst bei eurer irdischen Zeitrechnung vom Jahre 850 vor Christus.“

„Das ist wirklich unfassbar. Das würde bedeuten, dass alle antiken Kulturen mit euch Kontakt hatten und daher diese Götterwelten und Wesen entstanden?“

„So in etwa kommt es hin.“

„Mythen und Legenden sind also alle real?“ Ralson schluckte schwer.

„Ich weiß, dass es nicht einfach ist das alles zu begreifen.“

„Da hast du Recht und ich komme langsam zu dem Entschluss, dass hier von einer Seite ein falsches Spiel gespielt wird. Eher…“, er sagte nichts weiter, sah Ceres gutmütig an und lächelte etwas, versuchte die Fangzähne nicht zu sehr zu entblößen.

Dann legte er den Zeigefinger vor den Mund und deutete durch den Raum. „Mikrofone!“, flüsterte er warnend und beugte sich zum Cherit rüber, ging mit den Lippen dicht an dessen linkes Ohr. „Wir müssen vorsichtig sein. Die Tarnung, dass ich weiterhin auf der Seite der Menschen bin, darf nicht auffliegen. Wir müssen beide mitspielen, wenn wir hier raus wollen.“

Ceres verstand was Dan ihm zu verstehen gab, nickte zustimmend, aber fragte so leise er konnte: „Warum sollte ich dir vertrauen? Du bist ein Mensch und kein Cherit?“

„Da liegst du ein bisschen falsch. Mein Geist ist der eines Menschen, aber sieh' mich doch an. Bis auf die Fangzähne und die Krallen sehe ich dir doch recht ähnlich. Ist das, was ich bin, noch so menschlich?“

„Nein, da gebe ich dir recht. Trotzdem macht mich dein plötzlicher Sinneswandel stutzig“, gab sich Ceres stur.

„Du bist wirklich ein Esel“, brauste Ralson auf, „was erwarte ich auch von einem dummen Eselvieh.“ Er sprang auf, holte aus und wollte zu schlagen, als die Tür aufgerissen wurde und Hawkins eintrat. „Sofort aufhören!“, schrie er.

Der Ralson-Cherit-Hybrid ließ den zum Schlag erhobenen Arm sinken, sah zu-nächst zu Hawkins und dann zu Ceres. Sein Blick blieb an dem Anthrohengst der Cherit kleben und wurde auffordernd. Dieser verstand erst nicht und schaute ihn etwas verständnislos an. Die vom Hybrid zwischen ihm und Hawkins hin und her wandernden Augen sowie die leicht zuckenden Augenbrauen brachten ihn schließlich auf die Spur.

Beide nickten sich unauffällig zu und zählten mit einem zuckenden Augenlid bis Drei.

Hawkins stand in der Tür, bemerkte nichts von der geheimen Absprache der beiden Anthros, aber sah von einer Sekunde zur anderen, zwei hünenhafte Gestalten auf sich zu fliegen. Anschließend schlug der Colonel mehr als unsanft auf dem Boden auf und verlor das Bewusstsein.

Als er wieder zu sich kam, musste er feststellen, dass er gefesselt war und die beiden Anthro-Esel sich ungeniert über die zukünftige Vorgehensweise berieten.

„Zunächst sollten wir den Funkraum aufsuchen“, drängte Ceres.

„Hmmm... und dann? Wem willst du was mitteilen?“

„Hallo? Ich kenne die Frequenzen unserer Schiffe und ich denke, dass die Menschen mittlerweile den Subraumfunk kennen sollten. Mit etwas Glück ist ein kleiner Kreuzer in der Nähe, hört uns und wir können nach Festrid fliehen.“

„Das klingt gut“, erwiderte Ralson und deutete auf Hawkins, „Aber was machen wir mit dem?“

„Der kommt mit, als Geisel und wird bei uns vor Gericht gestellt. Einerseits wegen des Angriffs auf uns und andererseits wegen dieser ganzen Sache hier und deines Zustands der daraus resultiert.“

Ralson nickte anerkennend. „Ausgezeichnet!“

„Wenn sie denken, dass sie damit durchkommen, dann haben sie sich getäuscht“, schnauzte Hawkins.

„Ach ne, schau mal Ceres, wer da wach geworden ist“, intonierte Ralson übertrieben freundlich. „Na, Mister Hawkins. Alles fit im Schritt?“

Der Colonel spuckte verächtlich auf den Boden. „Sie sind ein ganz durchtriebenes Aas. Ich hätte wissen müssen, dass ihnen nicht zu trauen ist.“

„Wissen sie“, hub Ceres an, „was das Schlimmste an der ganzen Sache ist? Niemand wird wohl die komplette Wahrheit erfahren. Niemand auf ihrem Planeten wird am Ende wissen was hier alles wirklich ablief; Wer was und wo zu sagen hatte und zu guter Letzt die ausführende Hand war.

Auf Festrid ist es für gewöhnlich so, dass der Auftraggebende für die Durchführung verantwortlich ist und auch für Fehler in der Planung gerade steht. Die ausführende Hand wird dann für Defizite im Ergebnis zur Rechenschaft gezogen. Und da streitet sich bei uns auch keiner um das ob und wenn und Aber. Fehler können passieren, allerdings muss jeder der dafür verantwortlich ist und der Auslöser derer ist auch dafür gerade stehen und es nicht auf andere abwälzen.“

„Vergiss es, Schnucki“, wandte sich Ralson an den Cherit, „Das ist bei dem sinnlos. Der steckt mit den Füßen zu tief im Dreck und mit dem Kopf zu weit in den Wolken“, und anschließend an Hawkins gerichtet, „Wer hier das größere Aas ist, steht auf einem anderen Blatt. Auf jeden Fall wird es ihnen diesmal nicht gelingen sich aus der Affäre zu ziehen.

Und wenn es auch nur dieses eine Mal sein sollte, so wird die ganze Wahrheit ans Licht kommen. Dafür werde ich sorgen und wenn es sein muss mit meinem Leben dafür bezahlen. Einem Leben das sie mir eh schon zur Hälfte genommen haben.“

Colonel Hawkins schaute stur zur Wand. „Also doch wieder der gleiche Fehler wie damals bei Brenner“, sagte er vor sich hin und schüttelte den Kopf.

„Klingt gerade interessant, aber für einen weiteren Plausch haben wir keine Zeit“, hub Ralson an. „Wo finden wir den Sende- und Empfangsraum in dieser elendigen Anlage?“

„Such' ihn doch?“, flüsterte Hawkins.

„Wir müssen nicht suchen, denn du wirst uns hinbringen“, sagte Ralson noch und packte den Colonel im Genick, zog ihn auf die Beine.

„Egal was ihr tut, ihr seid so gut wie tot!“, schrie er.

„Deine Meinung wird sich sehr schnell ändern“, frohlockte der Esel-Hybrid und fuhr die Krallen aus, hielt sie dem Colonel direkt vor die Augen. „Glaub mir, ich kann damit verdammt gut umgehen.“

Dem militärischen Kommandanten der Station wurde es etwas mulmig und er schluckte den Kloß im Hals runter. „Meinetwegen!“

„Sieh' an, sie sind schneller zu überzeugen als gedacht.“

„Wir müssen den Gang rechts runter und am Ende wieder schräg nach rechts“, schilderte Hawkins den Weg.

„Geht doch! Ceres, möchtest du auch mitkommen?“

„Ich dachte schon, dass du mich nie fragst und einfach hier lässt.“

„Aber nicht doch. Abgesehen davon dürfte es mir schwer fallen deinen Landsleuten die ganze Sache hier glaubhaft zu vermitteln. Da wäre deine freundliche Unterstützung mehr als angebracht.“ Ralson grinste frech und zwinkerte dem Cherit zu, welcher diese Mimik nicht recht zu deuten im Stande war und nur eine Augenbraue hob.

„Dann lasst uns mal gehen und hoffen, dass wir kein allzu großes Blutbad an-richten müssen“, verkündete Ralson fortführend und zeigte auffordernd zur Tür. „Sie gehen zuerst.“

„Dafür werden sie bluten“, plärrte Hawkins noch und ging widerwillig voraus.

Der Weg zum Senderaum stellte sich einfacher dar als gedacht und es gab nur vereinzelt Widerstand, welcher sich aber schnell verstreute, nachdem sich herumsprach, dass die beiden Anthros auf der Flucht waren und den Colonel als Geisel nutzten.

Nach fünfzehn Minuten betrat das Trio den gesuchten Raum und setzte sich Ceres an den Computer. „Ich hoffe, dass da jemand in der Nähe ist und ich vermisst werde.“

„Wie meinst du das?“, fragte Ralson.

„Es kann durchaus sein, dass man mich schon als Verlust abgeschrieben hat.“

„Das wäre dann ein Problem. Aber es gibt bestimmt auch eine Lösung“, munterte der Hybrid-Klon den Cherit auf.

Der scannte alle Frequenzbänder und fing durch Zufall das Echo des Subraumfunkspruches von Gallagher und damit von der Elara Fortress 2 auf.

„Botschaft an seine Exzellenz Mister Krondal sowie zur Weiterleitung an Mister Lawrence, Chef der Central Intelligence Agency. Hier ist die Elara Fortress 2, Commander Gallagher, Dienstnummer G12L1GH7.

Der Planet Genro ist unter unserer Kontrolle. Die Urwaldbasis ist in vollem Umfang einsatzbereit und entsprechend den Aufträgen im Status der Produktion. Die Gebirgsbasis zur Fertigung von autonomen Waffensystemen ist fertiggestellt und noch unter manueller Überwachung.

Die Klonreihen laufen an, stellen sich allerdings laut der wissenschaftlichen Abteilung unter den gesetzten Parametern und dem zur Verfügung stehenden Material als schwierig dar und es könnte zu Verzögerungen kommen. Die Moral unter den Teams ist hervorragend. Ich bitte hiermit um weitere Anweisungen und die Entsendungen weiteren Forschungsmaterials. Gallager, Ende!“

Ceres schaute den Ralson-Esel-Raubkatzen-Hybrid-Klon mehr als entmutigt an. „Also ist es passiert“, sagte der Cherit traurig, „Das ist der Beginn eines Krieges.“

„Wir haben ein Ass im Ärmel und das heißt Hawkins. Setze den Funkspruch ab und hoffe, dass es jemand hört. Dann werden wir uns eine Fähre schnappen und abhauen. Den da“, er deutete auf den Colonel, „nehmen wir mit. Natürlich nicht als Geisel, sondern als Pfand. Der Funkspruch von diesem Gallagher ist zwar beunruhigend, aber noch gibt es eine Chance zur Wende. Meine Entscheidung die Seite zu wechseln war mehr als berechtigt“, stellte Ralson fest.

„Okay. Ich scanne weiter“, gab der Cherit von sich und wurde tatsächlich fündig, fing eine Mitteilung ab, welche definitiv von einem kleineren festridischen Forschungsschiff stammte.

„Volltreffer“, entfuhr es Ceres. <„Kampfpilot Ceres Dienstnummer CR07S209 vom Geschwader Semeth des Cherit-Forschungsraumers Canopus ruft das unbekannte Schiff. Können sie mich hören?“>

Zunächst herrschte Schweigen, dann kam die erlösende Antwort. <„Hier ist der Suchkreuzer Thiboth unterwegs im Auftrag des tabalthischen Ordens. Pilot Ceres wo befinden sie sich und wie ist ihr Status?“>

Ralson sah den Cherit fragend an: „Tabalthischer Orden?“

„Nun ja, dieser Order hat sich gehalten. Ist so etwas wie ein leicht religiöser Hauch, aber harmlos. Schon vor Urzeiten gaben sie ihr Eremitentum auf und unterstützen Such- und Forschungstrupps beim Auffinden von Vermissten und bei der Wahrheitsfindung im rechtlichen Sektor“, entschuldigte sich der Anthro-Hengst.

„Oh! Alles klar. Mach weiter.“

<„Hier Ceres! Ich bin momentan noch in einer unterirdischen Anlage festgesetzt, aber bereits auf dem Wege der Flucht. Ich habe eine leitende Person als Gefangenen bei mir und einen Esel-Raubkatzen-Hybrid als Unterstützer. Es be-steht höchste Gefahr. Wir haben zuvor einen Funkspruch von einem Schiff namens Elara Fortress 2 aufgefangen. Es besteht die akute Gefahr eines Krieges mit der Menschheit.“>

<„Hier Captain Viranda, der Thiboth! Wir haben sie verstanden und bestätigen den von ihnen aufgefangenen Funkspruch. Ebenso bestätigen wir ihre Einschätzung der Situation. Ist es ihnen möglich diese Anlage zu verlassen, so dass wir sie abholen können?“>

Ralson nickte zustimmend.

<„Hier Ceres! Wir werden es versuchen… Moment bitte...“>, er drehte sich zu Hawkins, „Wie kommen wir hier raus?“

„Es gibt nur einen zentralen Ausgang, der liegt nördlich und das ganze befindet sich im Nordgebiet des Grand Canyon, in der Nähe von Flagstaff“, entgegnete der Colonel und verzog das Gesicht.

„Konnte ich es mir doch denken“, warf Ralson kurz ein und schüttelte den Kopf.

<„… Wie ich gerade erfuhr, befinden wir uns in einem Gebiet nördlich des Grand Canyon, in der Nähe befindet sich eine Siedlung namens Flagstaff.“>

<„Positiv! Wir haben die Koordinaten und werden sie in einer Stunde aufnehmen. Thiboth, Ende!“>

Ceres atmete tief durch. „Sieht so aus, als wenn wir gerettet werden.“

„Was wird mit ihm passieren, wenn wir auf deiner Heimatwelt sind?“, fragte Ralson und deutete auf Hawkins.

„Er ist dann unser Gefangener. Immerhin befinden wir uns scheinbar im Kriegszustand, zumindest aber am Anfang dessen. Was genau passiert weiß ich nicht, aber er wird vermutlich unserem Aufklärungsdienst überstellt. Alles Weitere liegt dann an ihm.“

„Gibt es bei euch so etwas wie Folter?“, bohrte Ralson.

„Nein. Es gibt andere Methoden.“

„Und die wären?“, fragte Hawkins barsch.

„Den Corticalausleser“, kam die kurze Antwort.

„Einen was?“, fragte Ralson.

„Eine nette und harmlose Haube für den Kopf. Der Befragte bekommt sie aufgesetzt, dann Fragen gestellt und der Ausleser empfängt durch einen Tiefen-scan der Hirnbereiche die Antwort. Ist schmerzlos und die Antworten entsprechen der Wahrheit, denn Lügen muss man sich erstmal ausdenken.“

„Klingt nach einer astreinen Methode. Respekt!“, sagte Ralson und pfiff anerkennend, dann an Hawkins gewandt: „Nehmen sie sich daran mal ein Beispiel.“

Es dauerte am Ende mehr als eine Stunde aus der Anlage herauszukommen. Zwar erwies sich Hawkins als Geisel ganz nützlich, hatte aber leider die Angewohnheit zu allem und jedem seinen Kommentar abzugeben und vor allem war die Art und Weise aufdringlich, mit der er bei jedem Truppenkontakt da-rum bettelte die beiden Anthros zu erschießen und dass man auf ihn keinerlei Rücksicht zu nehmen hätte.

Nach fünfunddreißig Minuten hatte Ceres genug vom Todessehnsuchtsgeheul des Colonels und verpasste ihm einen schnellen und präzisen Hieb mit der rechten Faust auf den Schädel. Die restlichen vierzig Minuten ward dann eine himmlische Ruhe eingezogen, lediglich die Schlepperei des Betäubten war jetzt wiederum auch nervig.

„Man, wie kann man nur so schwer sein“, stöhnte Ceres.

„Du bist aber auch schwer zufrieden zu stellen“, schnaubte Ralson.

„Diesbezüglich konnte sich bisher niemand beklagen“, antwortete Ceres arglos.

Der Ralson-Esel-Hybrid stutzte kurz und versuchte sich einen zweideutigen Flachwitz zu verkneifen, entgegnete stattdessen: „Darauf wollte ich nicht hinaus und möchte es auch nicht herausfinden. Aber was wäre dir lieber gewesen, ihn weiter labern zu lassen oder ihn zu schleppen?“

„Ich trage ihn lieber weiter“, erwiderte Ceres resigniert und folgte Ralson.

Endlich hatten sie es geschafft und traten in die Freiheit. Um die Sicherheitsposten am 4D-Hologramm brauchten sie sich nicht mehr zu kümmern. Das hatten schon die wartenden Cherit getan und leider auch ein paar Schaulustige, welche alles aus nächster Nähe miterleben wollten.

Das Staunen dieser kleinen Gruppe nahm kein Ende und als die zwei Anthro-Esel wie aus dem Nichts vor der Felswand erschienen, dachte ein jeder, dass das alles nur extrem realistische Filmeffekte sein müssen, denn weder das Eine noch das Andere gab es. Somit zuckte der überwiegende Teil mit den Schul-tern und trollte sich des Weges, war sichtlich stolz bei den Dreharbeiten eines neuen Science Fiction Filmes dabei gewesen zu sein.

Die Cheritgruppe sah leicht sorgenvoll dem vergehenden Menschenpulk hinterher und eine hochgewachsene, athletisch wirkende schneeweiße Löwin seufzte. „Das soll der Feind sein? Die Glauben ja noch an Osiris' Beerdigung.“

Anschließend drehte sie sich um und sah die beiden Esel an. „Ich bin Captain Viranda vom Forschungskreuzer Thiboth. Mit wem habe ich die Ehre?“

„Mein Name ist Ceres, der andere Esel ist ein gezüchteter Klon namens…“, er drehte sich zur Seite, „… wie heißt du überhaupt?“

„Samuel Dan Ralson, eure wunderbare Weißheit.“

„... genau. Das ist sein Name“, fügte Ceres hinzu und schnippte mit den Fin-gern.

Die Löwin konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und deutete, ohne Worte, aber fragend, auf den gefesselten und glücklicherweise immer noch in Narkose liegenden Colonel.

„Das ist unser Aas im Ärmel, ähm…, ich meine unser Ass. Der glücklicherweise schweigsame Schläfer auf Ceres linker Schulter ist Colonel Hawkins und er ist wohl einer der Rädelsführer bei der ganzen Sache. Zumindest offenbarte er mir, dass man mich und später noch mehrere von meiner Sorte gegen euch einsetzen will“, verkündete Ralson.

„Entzückend. Wie ich sehe sind diese Menschen schon verdammt weit vorangekommen mit ihrer Klonzucht. Na schön, der kommt mit. Wir fliegen jetzt nach Festrid und dort wird er uns Rede und Antwort stehen. Ich befürchte das Schlimmste“, schloss Viranda das Gespräch ab und deutete auf die Landefähre. „Wohl an. Hengste zuerst.“

Die beiden grinsten breit und gingen voraus, gefolgt von der Löwin und einem Crewmitglied, dessen Identität sich nicht sofort erkennen ließ.

Ceres, welcher immer noch das Hawkins-Paket in der Zustellung frei Haus mit sich trug, drehte sich, beim Weg zur Fähre leicht zu Ralson. „Sei froh, dass sie dich für deine Bemerkung nicht gleich gefressen hat.“

„Wieso? Ich war doch nur freundlich zu ihr.“

„Sie ist eine hohe Ordensträgerin. Da kommen manche Dinge nicht sonderlich gut an.“

„Oh, danke für den Hinweis. Aber eines fiel mir noch auf. Sie hat tolle Augen.“

„Das stimmt, in ihrem hellgrün kann man schier ertrinken“, erwiderte Ceres unbedarft.

Plötzlich erhielt Ralson einen kräftigen Hieb in den Rücken und strauchelte etwas. „Eh! Wie ungebührlich eure bleiche Weiblichkeit“, entfuhr es ihm.

Ceres blieb stehen und schloss die Augen. ‚Das gibt jetzt Ärger‘, dachte er noch.

Aber die Löwin baute sich vor Ralson auf und blieb sichtlich gelassen. „Pass' mal auf, Eselchen. Wenn du denkst, dass du es mit mir aufnehmen kannst, dann hast du dich getäuscht. Darfst es aber gerne austesten. Dann kannst du dir meine Augen mal intensiver ansehen.“ Viranda drückte ihre Arme in die Hüften und streckte die Brust nach vorne.

Ralson schaute ungeniert auf ihre unübersehbare Oberweite und nickte abschätzend. „Wann passt es dir?“

Ceres überlegte, ob er in diesem Augenblick den geschulterten Hawkins wegwerfen und lieber wieder in die Anlage flüchten sollte oder ob er einfach aufschreit und tot umfällt. Er entschied sich dann aber für eine ganz andere Variante und tat gar nichts.

Viranda hingegen trat einen Schritt auf den Ralson-Esel-Hybrid zu, sah ihm in die Augen, grinste aufreizend und packte ihn am Gemächt. Zunächst wollte der auf juchzen, verdrehte vor freudiger Überraschung schon etwas die Augen, aber dabei blieb es, denn die Vorfreude wich einem stechenden Schmerz, einem panikerfüllten Brüllen seinerseits und einem durchdringenden Lachens seitens der Löwin.

„Ich hoffe, du hast die Botschaft verstanden“, fauchte Viranda und ließ ihn los.

Jaulend wie ein Kastrat ging Ralson vor ihr auf die Knie und hielt sich beide Hände vor den Unterleib.

„Ich höre nichts!?“, frohlockte Viranda.

Immer noch war der Esel-Klon zu keiner klaren Antwort in der Lage.

„Wie lautet die korrekte Antwort? Was sagt der brave Eselhengst?“, bohrte Viranda.

„Entschuldigung, es kommt nicht wieder vor“, gab Ralson in schrillem Ton von sich.

„Na bitte, geht doch. Beim nächsten Mal sind die dicken Eier ab“, sagte sie noch und ging in Richtung Fähre. „Ach ja und sei froh, dass ich die Bemerkung mit meinen Augen nicht auf meine Titten bezogen habe.“

Ralson stand langsam auf und rang nach Luft. „Hättest du mich nicht warnen können?“

„Wenn ich es recht überlege...“, er spitzte etwas die Lippen, „... hatte ich es zunächst vor, aber dann fing ich an mich zu amüsieren.“

„Geht die immer so ran?“

„Ich sagte doch, sie ist eine hohe Ordensträgerin. Den Humor, den sie als lustig empfindet, kennt niemand“, antwortete Ceres.

„Auf jeden Fall ist sie sehr direkt und mehr als deutlich in ihrer Aussprache. Für eine Ordensträgerin zu deutlich“, konstatierte Ralson.

„Wie dem auch sei, beim nächsten Gespräch mit ihr mehr Distanz bitte“, mahnte der Cherit-Esel.

„Ich kann deiner Empfehlung nicht widersprechen.“

„Ausgezeichnet! Und jetzt lass' uns verschwinden, der Colonel wird langsam schwer.“

An Bord der Fähre nahmen alle Platz und als Viranda dem Hybrid-Klon einen Platz in ihrer Nähe anbot, lehnte er dankend ab und suchte sich ein ruhiges Plätzchen weit ab der Kratzbürste.

Die Löwin selbst quittierte es mit einem wohligen Schnurren und süffisant ge-spitzten Lippen. „Steuermann, starten sie! Direkter Kurs zum Kreuzer. Wir haben genug Aufsehen erregt“, gab sie den Befehl.

„Aye, Captain!“

Als die Fähre abhob, tauchten mehrere bewaffnete Soldaten vor dem Komplex auf, eröffneten das Feuer, aber dieses prallte wirkungslos ab.

Ratlos stand die eingetroffene Gruppe da, sah dem Schiff hinterher und wie es im leicht wolkenverhangenen Himmel verschwand.

„Irgendjemand sollte dringend den Verteidigungsminister verständigen“, murmelte einer der Privates und ließ die Waffe sinken.

Der neue Verteidigungsminister, namens Hans First, welcher sich mit seinem Namen bestraft fühlte, hatte die Ämter von Frederic Lang erst vor wenigen Wochen übernommen. Er war von seinem Vorgänger zwar unterrichtet worden was die gesamte Angelegenheit mit den Cherit, den Genexperimenten, der Grand Canyon-Anlage und vor allem auch was die Missionen im Elara-System betraf, aber was jetzt folgte war der berühmte Sprung ins kalte Wasser.

So klingelte mitten in der Mittagspause das Mobiltelefon des betreffenden und über ihm brach die Welt zusammen, als er zu hören bekam, dass er der Letzte war der erfuhr, dass es eine Entführung gab und es die Cherit gewagt hatten auf der Erde zu landen.

Das Einzige was er hervorbrachte war: „Fantastisch, dass ich das auch erfahre.“ Danach beendete er die Verbindung, stand vom Tisch auf und schleppte sich leichenblass in sein Büro.

'Was würde Lang jetzt machen?', überlegte er und traf instinktiv die für ihn einzig richtige Entscheidung.

Er stellte eine Bildverbindung zum Präsidenten her und unterrichtete ihn über die Vorfälle.

Der wiedergewählte Stone zeigte sich enorm begeistert und brachte dies auch mehr als überschwänglich zum Ausdruck. Dabei ließ er seinem Repertoire an Schimpfworten freien Lauf. Die Quintessenz daraus war, dass er das Gefühl nicht loswurde, dass die gesamte Erdverteidigung ein Sauhaufen aus Pennern wäre und die zuständigen Versager an den Pranger gestellt gehören.

Nach der zehnminütigen Tirade, welche First ruhig über sich ergehen ließ, hub er an: „Mister Präsident. Ich werde sofort auf DefCon1 gehen und alle Truppenverbände mobilisieren, ebenso werde ich die Verteidigungsminister von Russland, den arabischen Ländern, dem europäischen Raum und China sowie alles was noch etwas ferner liegt informieren. Leider bin ich gezwungen die Hosen runter zu lassen. Außerdem muss ich dringend mit diesem Krondal sprechen, welchen mir mein Vorgänger wärmstens ans Herz gelegt hat.“

„Dann machen sie das. Im Moment bin ich soweit, dass ich am liebsten den Kriegszustand verhängen würde. Aber das hat wohl noch etwas Zeit. Biegen sie die Sache gerade und ich werde mich meinerseits mit den entsprechenden Präsidenten beraten. Die Sache wird jetzt global.“

„Verstanden, Mister Präsident“, sagte First gerade, als plötzlich ein ankommender Ruf angezeigt wurde. „Einen Moment. Ich habe hier Krondal in der Leitung. Ich denke, dass er weitere konstruktive Vorschläge hat.“

„Dann schalten sie ihn dazu“, schnauzte Stone ungehalten.

„Mister Krondal. Ich grü...“, wollte First beginnen, wurde aber sofort unterbrochen.

„Was zum Geier ist in ihrem dämlichen Haufen eigentlich los?“, brüllte die Graue Eminenz. „Haben sie eigentlich auch nur die geringste Vorstellung von dem was jetzt passieren kann?“

„Wir haben immer noch alles unter Kontrolle“, entgegnete First.

Krondal wollte diesen Worten jedoch nicht so recht Glauben schenken und fuhr fort: „Kontrolle? Ist es etwa Kontrolle, wenn mehrere ihrer Soldaten abgeschlachtet werden und vor allem die beiden leitenden Wissenschaftler dieses verdammten Klonprogramms ums Leben kommen?

Nennen sie es Kontrolle, wenn auf unserem Planeten gottlose Kreaturen frei-en Eintritt erhalten und einfach mal so einen hochrangigen Offizier und damit auch noch den militärischen Leiter der gesamten Anlage klauen?“

Weder der Präsident, noch der Verteidigungsminister konnten sich den genannten Tatsachen entziehen und mussten eingestehen, dass der alte Mann am anderen Ende der Videokonferenz vollkommen Recht hatte.

„Mister Krondal! Ich versichere ihnen, dass wir alle Schritte einleiten um die Situation zu bereinigen.“

„Dann tun sie das! Und denken sie daran, dass ihre Ämter und die Gunst der Wähler in meinen Händen liegen und ich bestimme wer als nächster kommt. Ist das klar?“

„Ja, Mister Krondal!“

Seine Exzellenz beendete abrupt die Verbindung und Stone schaute auf dem Bildschirm zu First. „Machen sie einfach und informieren sie mich, wenn es was Neues gibt.“

„Verstanden, Mister Präsident.“

„Was für eine dämliche Scheiße“, sagte Hans First in den Raum und gab an-schließend per Telefon den Startbefehl für die Raumgleiter der Mondbasis.

Wenige Minuten nachdem der entsprechende Befehl angekommen war, be-fanden sich fünfzehn Angriffsgleiter im Raum und verteilten sich, um die Fähre der Cherit abzufangen.

Diese Aktion wurde seitens des Cheritkreuzers registriert und eine Staffel von vierzig Gleitern entsandt um ein sicheres Geleit herzustellen.

So kam es, wie es kommen musste und es entstand rasend schnell ein Kampf um den Fähreninhalt. Die eine Seite wollte ihn haben, um Colonel Hawkins wichtige Informationen zu entlocken, die andere wollte genau dies verhindern und ihn schnellstens zurück.

<„Semech-Führer, hier Semech 9. Ziele aufgefasst. Ich beginne mit dem Angriff.“>

<„Hier Staffel-Führer. Verstanden. Semech 1 bis 20. Folgen sie Semech 9 und schießen sie alles ab. Keine Gefangenen, ich will Resultate sehen. Semech 21 bis 40, schließen sie zur Fähre auf und bilden sie einen zylindrischen Schutzwall, schirmen sie sie ab.“>

<„Auftrag verstanden!“>, kam die Bestätigung über den Kanal.

Danach sah man nur noch unzählige saphirblaue und rubinrote Laserstrahlen durch den Raum zucken, welche ihre Ziele zunächst suchten, aber dann auch fanden.

<„Semech 12, drehen sie ab sonst kommen sie in meine Flugbahn“>, schrie der Piloten von Semech 6.

Der Angesprochene reagierte prompt, zog in einer Rechtskurve am feindlichen Gleiter vorbei und machte so die Schussbahn für den anderen Gleiter frei. Zwei längere Laserfeuer machten Gleiter und Piloten der Mondstaffel den Gar aus.

Auf Seiten der Cherit gab auch den ersten Verlust, als der Pilot von Ranger 4 der Erdstreitkräfte eine Schleife flog, sich hinter den Gleiter Semech 18 setzte und diesen abschoss.

Innerhalb von sechs Minuten lichtete sich das Feld der Kampfgleiter auf beiden Seiten, trieben Trümmer und getötete Piloten durch den luftleeren Raum.

Auch die Fähre kam nicht ungeschoren davon. Die zylinderförmige Umhüllung mit neunzehn Gleitern funktionierte zwar sehr gut, aber hin und wieder gelang es einem der irdischen Ranger-Gleiter ein paar gut geführte Schüsse durch den Schutzwall hindurch auf der Außenhülle der Fähre zu platzieren. Sie wurde heftig durchgeschüttelt und der positiv geladene Schild litt zunehmens.

Nichtsdestotrotz gelang es den Cherit ihre wertvolle Fracht sicher in den Han-gar zu bringen, was der Kampfmoral der kleinen Erdenflotte jedoch keinen Abbruch tat und zwei Gleiterpiloten dazu veranlasste dem Kreuzer der Fremden einen gehörigen Denkzettel zu verpassen.

Nach kurzer Absprache entschlossen sich Ranger 2 und 15 ihre Gleiter direkt in den Hangar des Angreifers zu steuern und an dessen Ende einzuschlagen. Sekunden später gab es innerhalb des Hangars 2 eine verheerende Explosion. Er glich einer Trümmerwüste und die Anzahl der getöteten Cherit überschritt mit fünfzig Opfern die Grenze des erträglichen.

Captain Viranda erreichte gerade die Brücke und nahm die Opferzahl zur Kenntnis, überlegte sich den nächsten Schritt, während sie ihren ersten Offizier, eine etwas in die Breite gegangene Anthro-Hyäne namens Cerina, ablöste.

„Status?“, fragte die Löwin kurz und bündig.

„Die Insassen der Fähre haben es rechtzeitig geschafft ins Schiffsinnere zu gelangen, bevor zwei der gegnerischen Gleiter in den Hangar flogen und im hinteren Teil explodierten. Die Toten sind fast ausschließlich unter den Technikern, dem Reinigungspersonal und dem Sicherheitsdienst zu beklagen. Der strukturelle Schaden liegt im vertretbaren Bereich“, informierte Cerina den Captain.

„Immerhin etwas…“, knurrte Viranda und drehte sich zur Waffenstation um. „Alle Laserbänke aufladen und Feind eliminieren. Holen sie unsere Staffel rein oder vielmehr das, was davon noch übrig ist.“

„Aye, Captain!“

Die noch im Kampf befindlichen Cherit-Gleiter brachen alle Handlungen sofort ab, drehten in Richtung des Kreuzers bei und verschwanden innerhalb kürzester Zeit von der Bildfläche.

Die irdische Staffel konnte sich zunächst keinen Reim daraus machen und verharrte der Dinge die da kommen mögen. Die ganze Zeit war der Kreuzer in-aktiv geblieben und keiner vermutete in diesem Augenblick, dass sich das ändern könnte.

Umso mehr waren die Piloten, der kleine Stützpunkt auf dem Mond und auch die beobachtenden Militärposten auf der Erde überrascht, als sich aus der bis dahin recht glatten Oberfläche des Cheritschiffes mehrere Lasertürme reckten und zeitgleich das Feuer eröffneten.

Noch bevor alle reagieren konnten, war es schon vorbei. Eine breitgefächerte Salve aus drei der sechs Türme reichte aus und ließ den Rest der Gleiter im Nichts verschwinden. Die anderen eröffneten ebenso das Feuer. Deren Strahlen waren wesentlich energiereicher und weitreichender, trafen gezielt die Mondoberfläche und legten einige Teile der dortigen Kampfbasis in Schutt und Asche.

Der Krieg zwischen Cherit und Menschen hatte damit endgültig begonnen und sollte in der Zukunft weitere Höhepunkte erreichen. Keine der beteiligten Sei-ten konnte ab diesem Zeitpunkt mehr zurück.