Kapitel 60

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 60

Entscheidungen

Wie Drekal gehofft hatte, zog Syrgon die gesamte Institutsverteidigung auf sich und seinen Mech. Er hatte keine ruhige Sekunde und lag praktisch unter Dauerbeschuss.

Leider zeigte der Waffenträger die ersten Ausfallerscheinungen. Nicht, dass nur die Munition zur Neige ging und er zum ersten Mal die Notabschaltung des Reaktorblocks überbrücken musste, was den Mechrechner zu einem energischen Fluch veranlasste a la: „Notabschaltung überbrückt, bei zweimaliger Notüberbrückung des Systems steht statischer Schaden unmittelbar bevor“, nein, auch der rechte Waffenarm bewegte sich nur noch sehr widerwillig und hakte ab und zu. Syrgon merkte, dass sein treuer Roboterfreund das Gebäude nicht mehr mit ihm verlassen würde.

<„Freunde, egal wo ihr seid. Ihr solltet euch beeilen. Mein Mech hat ernste Probleme“>, rief er ins Headset.

<„Hier Andrew. Halte noch etwas durch. Wir sind fast da.“>

<„Das freut mich, bringt mich aber nicht wirklich weiter.“>

„Dremal“, schrie Andrew von hinten, „wir sollten einen Zahn zulegen. Syrgons Mech macht langsam die Hocke. Wenn er lebend rauskommen will, dann müssen wir uns sputen.“

Dremal verstand was Andrew meinte und rannte plötzlich los. Die Anderen folgten ihm und innerhalb kürzester Zeit standen sie vor der Tür zum Treppenhaus. Sie war offen.

„Das sieht nicht gut aus“, murmelte der Löwe.

„Passt auf. Hier scheint schon jemand zu sein“, ergänzte er laut.

Sie gingen die Treppe hinab und sicherten sich immer wieder nach allen Sei-ten ab. Etage für Etage arbeiteten sie sich nach unten vor.

Syrgon kämpfte derweil um sein Leben.

Der rechte Waffenarm war seit Minuten nicht mehr ansprechbar und reagierte auch nach einem Neustart der autonomen Bewegungssteuerung nicht mehr. Der linke Waffenarm funktionierte noch makellos, aber die Munitionsanzeige neigte sich dem roten Teilbereich. Er hatte noch etwa sechshundert Schuss zur Verfügung, aber die Angreifer wurden und wurden nicht weniger. Er war extrem weit in die Station vorgedrungen.

„Zu dumm, gerade jetzt muss ich mich von meinem Spielgefährten trennen. Aber man sollte gehen, wenn es am schönsten ist.“

Er verschoss seine restliche Munition und verteilte noch ein paar ordentliche Schläge gegen die Gebäudeverteidigung. Dann drehte er den Mech so, dass er den Gang vollständig ausfüllte und keine der Kampfeinheiten und Messerdrohnen ihm folgen konnten. Er streichelte liebevoll das Cockpit und die Steuerungsarmaturen, gab eine Kusshand in Richtung des Hauptrechners. Anschließend stellte er den Hauptreaktor auf Überlastung, öffnete die Kanzel, sprang aus dem Mech und rannte so schnell er konnte in die Richtung aus der er gekommen war.

Nach vier Minuten hatte er den Hangar erreicht, sah sich kurz um und sprintete durch den Zugang, den hoffentlich auch die Anderen genommen hatten. Er hatte Glück und tatsächlich das richtige Loch in der Wand erwischt. Nach weiteren Minuten hatte er die Gruppe erreicht.

„Alles auf den Boden legen“, schrie er.

Andrew und einige andere drehten sich erschrocken um, sahen Syrgon und warfen sich augenblicklich hin. Wenige Sekunden später erschütterte eine Explosion das Gebäude, erfasste das Treppenhaus und brachte Teile dessen zum Einsturz. Eine dicke Staubwolke quälte sich durch die Gänge, drang ins Treppenhaus vor und brachte alle zum husten.

„Verdammt, Syrgon. Was hast du getan?“, fragte Dremal.

„Das war mein Mech. Ich erwähnte ja schon, dass er Probleme hatte. Tja und der rechte Waffenarm war endgültig hin und für den linken fehlte mir die Munition. Da habe ich den Fusionsreaktor auf Überladung geschaltet und damit vermutlich die Hälfte des Gebäudes eingeäschert.“

Apophis nickte ihm zu. „Gute Arbeit.“

Syrgon versuchte zu lächeln. „Ich habe mich aber nur ungern von meinem Schätzchen getrennt. Er war ein wirklich treuer Begleiter.“

„Nicht schon wieder“, brummelte Dremal und schaute zur Decke. „Los machen wir weiter.“

Sie stiegen weiter hinab und kamen schließlich an die Hochsicherheitstür, die ins Labor führen sollte.

„Sie ist verschlossen“, sagte der Löwe bitter.

„Lass mich mal ran“, mischte sich ein weiterer Kampfanthro ein und hielt ihm ein kleines Päckchen Sprengstoff unter die Nase.

Er nickte. „Seht zu, dass ihr die Treppe wieder hoch kommt“, brüllte er. „Wir müssen mindestens drei Stockwerke wieder hoch. Hopp, hopp.“

Minuten später erfolgte wieder eine Detonation, aber diesmal waren alle darauf vorbereitet.

Die Tür war offen und das Labor lag vor ihnen. Sie drangen ein und verteilten sich im Raum. Er war riesig und man konnte schnell den Überblick verlieren.

„Vernichtet alles und sichert die Aufzeichnungen.“

Sie durchsuchten die Schränke, die Schreibtische, kramten eine Kiste hervor und warfen alles was irgendwie nach Papieren aussah, hinein. Andere Anthros begannen mit brachialer Gewalt die leer geräumten Schränke und Tische zu zertrümmern.

Schließlich kamen sie bei den Computern an.

Kira stürmte hervor und betrachtete alles ausgiebig. „Okay, das übernehme ich.“ Sie setzte sich vor eines der Terminals und begann zu programmieren.

„Was hast du vor?“, fragte Andrew.

„Ich verpasse ihnen einen echt ekligen Virus und vernichte damit alle Datensätze und zwar gründlich. Ihre Finger flogen förmlich über die Tastatur. Nach acht Minuten hatte sie es geschafft. „Und Action“, sagte sie süffisant.

Sie drückte die Eingabetaste und nach wenigen Sekunden brach ein System nach dem anderen zusammen. Die Beleuchtung erlosch und die Notfallbeleuchtung ging an. In diesem Moment sprangen zwei Gestalten aus einer dunklen Ecke und rannten quer durch den Raum.

Die kamen aber nicht weit und prallten auf Stella und Cyron. Der Tigerkater erkannte, dass es sich um menschliche Gestalten handelte und schlug sofort zu. Sie gingen unter einem gedrückten Stöhnen zu Boden.

„Ich brauche hier mal Licht“, rief er.

Andrew und Dremal kamen hinzu und leuchteten mit ihren Taschenlampen.

„Ach ne. Wen haben wir denn da? Mr. Cromwell. Lange nicht gesehen und doch wieder erkannt“, sagte Andrew.

„Steht auf ihr jämmerlichen Gestalten“, sagte Dremal scharf.

Zwei der Kampfanthros packten jeweils Cromwell und den noch unbekannten Menschen, hoben sie hoch und stellten sie auf den Beine.

„Lasst uns mal hören. Was habt ihr hier zu suchen? Wolltet ihr alles zerstören oder in Sicherheit bringen?“

Cromwell spuckte Dremal ins Gesicht und erntete dafür nur eine Ohrfeige. „Wo sind die Materialien?“, fragte er. „Lüge mich nicht an. Ich warne dich. Du wirst lange und qualvoll leiden.“

„Die haben wir bereits gesichert, es gibt hier nur noch die Aufzeichnungen.“

„Das tut mir aber Leid“, sagte Kira zynisch.

„Wieso?“, fragte Cromwell.

„Eure Daten sind gerade einem ganz üblen Virus zum Opfer gefallen, fürchte ich“, die Luchsin zog dabei einen mitleidigen Schmollmund.

Cromwell lief rot an vor Wut. „Ihr seid doch vollkommen durchgeknallt. Ihr habt alles zerstört wofür wir Jahrhunderte gebraucht haben. Ihr seid total wahnsinnig.“

„Das glaube ich dir aufs Wort. Wir sind sogar so wahnsinnig, dass wir euch jetzt mitnehmen.“

„Was soll das? Wo bringt ihr uns hin?“

„Das werdet ihr schon sehen. Weg mit ihnen“, sagte Dremal und wedelte mit einem seiner Finger.

Andrew, Kira, Stella und Cyron fesselten sie und begleiteten sie aus dem Gebäude.

„Okay, egal was noch übrig ist. Wir sprengen jetzt das Gebäude.“

„Aye.“

„Verdammt. Die Zeitzünder sind hin.“

„Was ist los?“, schrie der Löwe.

„Die Zeitzünder. Sie müssen bei der Explosion des Mechs zerstört worden sein.“

„Ein EMP! SCHEIßE! Das darf doch alles nicht wahr sein.“

„Ist es aber!“

„Okay“, seufzte Dremal und atmete tief durch. „Alle mal herhören.“

Die Kampfanthros sahen zu ihrem Anführer. „Seid ihr bereit für den letzten großen Schritt?“

Sie begriffen was er meinte. Es würde schwer werden und ihre Freiheit wäre in unerreichbare Ferne gerückt, wenn sie diesen Schritt gingen. Aber sie wussten um was es ging und waren bereit. Sie legten die Sprengladungen an allen zugänglichen Stellen, verbanden sie mit Handauslösern untereinander.

„Ich bleibe hier“, sagte einer der Pumas.

„Gut. Die anderen verlassen augenblicklich den Raum.“

Sie zogen sich zurück und von Etage zu Etage wurden es immer weniger Personen die den Weg zurück antraten.

„Ist das wirklich nötig?“, fragte Tarja, an Dremal gewandt.

„Ja. Die Zeitzündung ist beschädigt und die Rückfallebene funktioniert nicht. Das Gebäude und der darin enthaltene Stahl schwächen die Funksignale der Zünder ab. Wir müssen die einzelnen Etagen und Räume von Hand sprengen. Es darf nichts übrig bleiben.“

Tarja nickte traurig. „So habe ich mir das nicht vorgestellt.“

„Ich weiß, das haben wir auch nicht. Aber du darfst eines niemals vergessen. Wir Kampfanthros sind ein Teil der hier durchgeführten Experimente, wenn das alles hier enden soll, dann müssen wir auch hier enden. Einen anderen Weg gibt es nicht. Außerdem habt ihr noch zwanzig von uns auf der Krankenstation des Kreuzers liegen, die sollten Hilfe genug sein, wenn ihr den Transporter angreift.“

„Ja. Ich verstehe was du meinst. Trotzdem erfüllt es mich nicht mit Freude oder Hoffnung.“

„Das sollte es aber.“ Er nahm Tarja bei der Hand und küsste sie vorsichtig, dann lächelte er. „Bring den Rest von euch hier raus. Ihr habt fünf Minuten, dann rummst es und zwar gewaltig.“

Tarja riss die Augen auf und schaute sich um. Sie entdeckte Chiron, Syrgon und die drei Menschen. „Wir verschwinden jetzt. Los, macht schon!“

Sie überlegten nicht lange. Nach drei Minuten hatten sie den Hangar erreicht und eine weitere Minute später waren sie in ihrem Schiff.

„Starten!“, schrie Tarja.

„Wo sind die Anderen?“, schrie Kira zurück.

„Verdammt. Mach einmal, dass was ich dir sage und bring die scheiß Blechkiste in die Luft.“

Kira glotzte Tarja verwirrt an, wollte was erwidern, überlegte es sich aber anders.

Sie stürzte an die Steuerungskonsole und Sekunden später schwebte das Schiff in der Luft, gewann an Höhe. Alle schauten gebannt auf das Institutsgebäude und verharrten der Dinge die da kommen mögen.

Plötzlich hörte man mehrere Explosionen. Das Gebäude schien zunächst zu erzittern, schließlich wankten die Mauern und brachen zusammen. Eine weitere Explosion zerriss die Bodenplatte und das Treppenhaus stürzte ein. Der letzte der Kampfanthros zündete die Ladungen im Labor.

Die Explosion ließ das gesamte Gelände erzittern und alles was noch übrig war stürzte in die Tiefe, begrub alles unter sich und hinterließ ein riesiges Loch im Boden. Es gab definitiv nichts mehr, was man noch hätte retten können.

„Wie ist das möglich? Wo sind die Kampfanthros?“, fragte Kira immer noch verwirrt.

„Entschuldige bitte, wenn ich dich angeschnauzt habe. Aber die Zeit drängte und ich konnte keine weiteren Erklärungen abgeben.“

Kira nickte. „Du weißt was passiert ist?“

„Ja. Die Zeitzünder waren durch die Explosion des Waffenträgers zerstört worden. Die Kampfanthros mussten die Ladungen von Hand zünden. Sie haben sich geopfert, um alles auszulöschen.“

Kira schaute Tarja betroffen an. „Deshalb mussten wir so schnell starten. Sie hatten keine Zeit mehr zu verlieren.“

„Ja. Dremal hatte Angst, dass ihm und seinen Leuten der bevorstehende Tod die Kraft nimmt.“

„Das kann ich verstehen. Wir hatten neue Freunde gefunden und verdammt schnell wieder verloren. Ich hätte, selbst nach dem Tod von Ikarus, niemals gedacht, dass der uns so schnell wieder einholen würde.“

„Das hat keiner gedacht“, sagte Chiron und nahm Tarja in seine Arme.

„Wo sind eigentlich Cromwell und sein Scherge geblieben?“, fragte Tarja.

„Die haben wir in eines der Quartiere gesperrt und holen sie erst raus, wenn wir beim Cheritkreuzer sind“, antwortete Chiron.

„Okay, dann machen wir uns jetzt auf den Weg. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich immer noch ein Transportschiff mit Soldaten an Bord auf dem Weg nach Genro befindet.“

„Was?“, fragte Selestral.

„Ja. Krondals letzte Rache, um die Brut des Teufels auszurotten“, sagte Apophis und vollführte einen angedeuteten Hexentanz.

Jody kicherte. „Lass es lieber. Ein Tiger macht beim tanzen eine urkomische Figur.“

Nach fünf Stunden hatten sie den Kreuzer erreicht und landeten im Hangar. Dort befanden sich schon zwanzig Cherit des Sicherheitspersonals, ebenso Sitral und Drekal und erwarteten die beiden Gefangenen sowie einen ausführlichen Bericht.

„Willkommen an Bord. Mit wem habe ich die Ehre?“, sagte Sitral zynisch, als die Gefangenen aus dem Landungsschiff geführt wurden.

„Mein Name ist Cromwell und mein Mitarbeiter ist Doktor Krings.“

„Ah so. Sie sind also dieser Cromwell, der uns so viel Kopfzerbrechen bereitet hat. Fein, dass sie uns nun doch Gesellschaft leisten wollen.“

Sitral deutete mit einer kurzen Kopfbewegung an, dass die beiden in die Zellen geführt werden sollen.

„Chiron, ich erwarte in zehn Minuten einen ausführlichen Bericht in meinem Besprechungsraum. – Ihr könnt wegtreten.“

Sie verließen den Hangar, auch Syrgon schickte sich an zu gehen.

„Moment noch, Syrgon“, rief Drekal. Sie ging auf ihn zu. „Ich freue mich zu se-hen, dass du es auch überlebt hast. Ich habe mir Sorgen gemacht um dich.“

Syrgon sah sie erstaunt an. „Aber Captain, du wirst doch nicht etwa Gefühle haben und diese zeigen?“

„Siehst du, das ist mein Problem. Alle sehen mich nur als kommandierenden Offizier. Keiner sieht die Wölfin in mir.“ Sie ergriff plötzlich die Hand des Rüden und rieb ihren Kopf an ihr.

„Ähm, wir könnten gesehen werden“, gab der Rüde zu bedenken.

„Und wenn schon“, entgegnete sie und umarmte ihn.

So standen sie ganze zwei Minuten, bis Syrgon sich dafür entschied, sie wie-der auf Abstand zu bringen. Er stand da, sah sie an und lächelte verlegen.

Drekal hub an: „Ich bin es leid immer nur Befehle zu geben und für alles und jeden unnahbar zu sein. Als ich mich zum Dienst auf diesem Kreuzer meldete, war die Karriere für mich alles. Partnerschaft, Sexualität sowie das Großziehen von Welpen war Sache von anderen. Seitdem du mir so selbstbewusst, fast schon arrogant, frech und vor Lebensfreude und Kraft strotzend gegenüber standest, spürte ich, dass sich mein Leben falsch entwickelt hatte.

Ich werde auch nicht jünger, das spüre ich sehr deutlich und ich sollte mir langsam darüber Gedanken machen wie es weitergehen soll. So wie bisher jedenfalls nicht. Ich möchte eine radikale Wende.“

Syrgon lauschte interessiert.

Drekal zeigte eine völlig neue Seite an sich.

„Komm mit, wir müssen zum Besprechungsraum und wollen die Anderen doch wohl nicht warten lassen“, ging sie schnell zur Tagesordnung über.

Sie gingen beide los und traten aus dem Hangar. „Erzähle mir von Genro“, bat sie den Wolf.

Der Rüde überlegte. „Hmmm … ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Erstmal ist es dort sehr gemütlich und nicht so hektisch wie bei euch. Wir haben alle klare Aufgabenteilungen. Ich lebe mit den anderen Caniden in Strongham. Das ist eine recht große Stadt. Die meisten von uns hüten Viehherden auf saftigen grünen Weiden. Ein geringer Teil von uns ist mit der Jagd auf Wild beschäftigt, der Hauptteil dessen obliegt den Raubkatzen, welche in Felgan leben.“

„Eure Arten leben getrennt?“

„Ja, aber das war nicht immer so. Irgendwann entwickelten sich die Dörfer und Städte jedoch entsprechend den Bedürfnissen des Hauptanteils der Bevölkerung.

Andere Arten die in diesen Städten lebten, drohten nicht genug berücksichtigt zu werden. Daher trennten wir uns entsprechend auf. In letzter Zeit entscheiden sich aber immer mehr von uns ihr Leben unter anderen Umständen gestalten zu wollen und ziehen in andere Städte. Außerdem ist es nicht so einfach eine geeignete Partnerin oder einen Partner zu finden.

Momentan sind wir zahlenmäßig noch so groß, dass eine Inzucht nicht zustande kommt. Aber das wird wohl nur noch eine Frage der Zeit sein.“

„Das klingt alles sehr schön, fast paradiesisch. Leider hat das Paradies einen Fehler und scheint dem Untergang geweiht zu sein. Was ihr braucht ist frisches Blut.“

Syrgon machte ein nachdenkliches Gesicht und nickte zustimmend.

„Seid ihr eigentlich bewaffnet gewesen, also bevor das Chaos ausbrach?“, fragte Drekal weiter.

„Wir hatten Waffen für die Jagd, aber immer nur Pfeil und Bogen sowie Speere. Die Waffen, die wir jetzt besitzen, haben wir aus den menschlichen Basen erbeutet.“

„Hmhm …“

„Warum hast du eigentlich danach gefragt?“

„Nichts, nichts. Ich hatte da nur so eine Idee.“

„Ach so? – Wie ist es denn bei euch auf Festrid?“

„Na ja, unser Planet hat auch seine schönen Seiten. Früher, also sehr weit in der Vergangenheit, war es natürlich schöner als heute.

Festrid war dünn besiedelt und man konnte stets alle Monde sehen. Heute ist der Planet sehr stark bevölkert, die Technik hat uns in vielen Bereichen die Arbeit erleichtert und uns sogar ersetzt. Leider ist auch sehr viel vom ursprünglichen Zauber verloren gegangen.

Sehr viele Städte sind regelrecht zugepflastert mit Bauwerken und man ist ständig von Artgenossen oder anderen Anthroarten umgeben. Manchmal ist man der Gesellschaft überdrüssig und dann flüchtet man in eines der wenigen Habitate die wir erhalten haben. Dabei handelt es sich um besondere Landschaften und exotische Orte, die man um nichts in der Welt aufgeben will.“

„Das hört sich einerseits sehr schön an, aber andererseits auch sehr trist und öde.“

„Wenn man es nicht anders kennt, dann vermisst man auch nichts anderes.“

Syrgon nickte nachdenklich.

Mittlerweile hatten sie das Besprechungszimmer erreicht und die Tür öffnete sich. Drekal und Syrgon traten gemeinsam ein.

Chiron saß bereits am Tisch und erhob sich respektvoll.

„Setz dich wieder hin und lass den Quatsch“, sagte Drekal barsch. „Schieß los.“

Chiron berichtete detailliert über die zurückliegenden Ereignisse. „… Ich hatte, um ehrlich zu sein, nicht gedacht, dass sich die Kampfanthros opfern würden. Immerhin ist es nicht ihr Kampf gewesen, sondern unser ...“, Chiron schloss die Augen, sah die Wölfin wieder an und fuhr fort: „Tripal deutete jedoch schon sehr früh an, dass sich die Kampfanthros nicht besonders verbunden mit den Menschen fühlten. Sie sagte, dass es brodeln würde und sie nur den richtigen Zeitpunkt abwarten wollten. Das Ergebnis sehen wir ja. Tja und nun?“

„Wir müssen das Transportschiff abfangen, wissen aber noch nicht wo es ist“, entgegnete Drekal.

„Das ist das Handikap“, entgegnete Syrgon. „Ich denke, wir sollten mal mit unseren Gefangenen reden. Vielleicht wissen die ja mehr.“

„Super Idee“, entfuhr es Chiron.

Als sie im Zellentrakt ankamen waren Apophis, Shana, Jody, Tarja und Selestral bereits mit einem Frage und Antwort Spiel beschäftigt. Cromwell und Krings schienen nicht sehr kooperativ zu sein.

„Hallo“, sagte Drekal, „habt ihr schon was rausbekommen?“

„Na ja, wie man es nimmt“, sagte Selestral. „Das Transportschiff von dem Krondal sprach, ist jetzt seit circa drei Wochen unterwegs und fliegt mit vierfacher Lichtgeschwindigkeit. Wo genau es ist, weiß keiner. Wir wären aber auf jeden Fall in der Lage eher auf Genro zu sein als die Soldaten.“

Drekal nickte. „Dann sollten wir das in Betracht ziehen. Sonst noch was?“

Apophis schüttelte den Kopf.

„Na dann, los. Wir sind noch lange nicht fertig“, munterte Drekal die Anwesenden auf.

Cromwell und Krings schienen plötzlich einen Disput zu haben, an dessen Ende Cromwell den Wissenschaftler nur scharf an sah und dieser beleidigt schwieg.

Drekal ging zum Intercom der Zellenebene. <„Drekal an die gesamte Besatzung der Ra-em. Unsere Aufgaben auf der Erde sind abgeschlossen. Allerdings ist es den Menschen geglückt ein Transportschiff nach Genro auszusenden. Dieses Problem müssen wir noch aus der Welt schaffen und den Bewohnern auf diesem Planeten helfen.

Wir setzen somit Kurs auf den eben genannten Planeten. Unterwegs werden wir das fremde Schiff überholen und haben dadurch genügend Zeit uns auf dessen Eintreffen vorzubereiten.“>

Krings sagte plötzlich etwas zu Cromwell, worauf dieser leichenblass wurde, die Augen weit aufriss und ungläubig den Kopf schüttelte.

Drekal setzte ihre Ansprache fort: <„Die Chafren auf Genro befinden sich, wie wir wissen auf einem niedrigeren technologischen Stand als wir, also sollten wir die nötige Sorgfalt walten lassen und unsere Freunde dort nicht zu extrem ins kalte Wasser werfen.

Außerdem ergeht von mir folgender Befehl. Ich werde den Planeten Genro nicht mehr verlassen und somit auch nicht nach Festrid zurückkehren. Wer diese Entscheidung für sich persönlich teilt, der möge mir rechtzeitig Bescheid geben. Auch nachdem wir den Planeten dort gesichert haben, werden wir dringend gebraucht. Wer möchte, kann also ebenfalls dort bleiben. Da ich als Captain auf dem Flug nach Festrid nicht mehr zur Verfügung stehe, muss ein Nachfolger gefunden werden. Für entsprechende Vorschläge wäre ich sehr dankbar. Drekal, Ende.“>

Selestral ließ hörbar die Luft entweichen. „Hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“

„Ja. Ich bin mir absolut sicher“, entgegnete die Wölfin, ging zu Syrgon und küsste ihn intensiv.

Apophis und Jody lächelten erfreut, Selestral verdrehte die Augen.

Die anderen schickten sich an, den Zellenblock zu verlassen.