Kapitel 6

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 6

da war er mal weg

„Gut gebrüllt, Stute“, flüsterte Horn schließlich. „Aber wie ein Echo klang das nicht. Eher wie ein Zischen, Raunen und gefährliches Säuseln in der Ferne.“

Alle wandten sich Apophis zu. Der stand nur da hatte einen entrückten Blick, konzentrierte sich und fing an zu sprechen:

„Ihr seid Fremde, auf einem fremden Planeten.

Ihr seid nicht hier um ihn anzubeten.

Ihr seid hier um seine Schutzbefohlenen zu zerstören,

sie werden sich wehren und eure Schreie,

niemand wird sie weit hören.

Kniet vor ihm nieder und empfangt eure Strafe,

der Tod allein ist für euch die gerechte Gnade.

Seine Kinder hat er erschaffen und ausgesandt,

sie sind mutig und sehr gewandt,

werden euch jagen und vertreiben,

noch habt ihr Zeit zu gehen und nicht hier zu bleiben.

Wagt ihr euch jedoch weiter vor,

so wird er durchschreiten das göttliche Tor,

wird erscheinen um als Gott zu richten,

denn seine Kinder werdet ihr nicht vernichten.

Er ist Madragadal und ein Gott,

der Gott der Götter schlechthin,

wenn er erscheint ist es zu spät,

dann ist es vorbei

und euer Tod ist ihm so einerlei.

Egal seid ihr ihm, soviel sollt ihr Wissen,

seine Kinder gehorchen seinem Wort

und sie haben keinerlei Gewissen.

Noch habt ihr Zeit zu gehen, zu flüchten,

nur dann wird er euch nicht richten.

Schreitet nicht weiter voran, dreht um,

denn er ist der Gott, die Gefahr

und überall und um euch herum.“

Apophis verstummte und sank in sich zusammen.

„Was zum Geier…“, entfuhr es Kromberg.

„Tja, das war dann wohl die gesuchte Drohne des Madragadal-Gottes und sie meldete sich sehr laut und verständlich“, sinnierte Tripal.

„Was tun wir jetzt? Immerhin gibt sie uns noch eine Chance abzuhauen“, sagte Thomson.

„Toll und die Antworten haben wir immer noch nicht“, stellte Horn in den Raum. „Was wäre, wenn zwei von uns weiter ins Schiff gehen, die anderen bleiben hier. Ich meine, dass die beiden unbewaffnet sind und vielleicht so auf Antworten stoßen. Immerhin scheint diese Drohne etwas verständlicher und logischer zu sein.“

„Du meinst ein Himmelsfahrtkommando mit der Chance auf einen schnellen Tod oder der Chance heil aus der Scheiße wieder raus zu kommen?“ Kromberg war sichtlich irritiert von diesem Plan.

„Die Idee hat was, etwas verwegenes.“ Captain Melina klatschte in die Hände und wirkte begeistert. „Das ist Forschergeist wie ich ihn schätze. Thomson und Tripal!“

Die beiden angesprochenen zuckten zusammen.

„Legt eure Waffen ab und geht weiter, vorbei an den Frachtmulden, ich vermute hinter der Biegung in geschätzten 300 Metern eine Kammer und da sollte es Antworten geben.“

„Jetzt wird der Plan verrückt. Wir sollten sie wenigstens ansatzweise in diese Richtung begleiten. Sicher ist sicher“, fluchte Kromberg in Richtung des Captains. „Wenn sie so ein großer Anführer sind, warum gehen sie nicht selbst?“

Der letzte Satz bewirkte bei Melina eine Reaktion, welche man lieber nicht sehen mochte. Sie straffte ihre ohnehin imposante Statur, schlug heftig mit ihrem Schweif, legte die Ohren flach an den Kopf und entblößte die wuchtigen Schneidezähne, baute sich vor Kromberg auf, holte mit der geballten Faust aus und stoppte den drohenden Schlag erst bevor dieser Krombergs Kopf traf.

Kromberg schloss die Augen und erwartete, dass ihn Stille umgab, dass er zu Boden gehen würde und die Kälte der Bewusstlosigkeit ihn holt.

Schon spürte er die schmerzhafte Nähe der riesigen Faust, das Schnauben des wutentbrannten Pferdes, das ihn zu Boden schicken würde.

Doch plötzlich geschah etwas anderes.

Es herrschte Stille, eisige Stille.

Kromberg dachte, dass es nicht mal wehtat, als sein Schädel brach, aber als er die Augen öffnen konnte und die Stute vor sich sah, war er sichtlich erstaunt.

„Nicht noch mal, Mister Kromberg. Ansonsten vergesse ich meine guten Manieren.“ Melina war außer sich vor Wut, hatte diesmal mehr als ihren normalen Tobsuchtsanfall, den alle anderen schon von früher kannten und fürchteten. Eine extrem leichte Reizbarkeit, die nur ihr toter Partner und erster Offizier Cebal seinerzeit im Zaum zu halten im Stande war.

Kromberg nickte nur vorsichtig und dankte allen Göttern die ihm einfielen, dass er das Überleben durfte.

Horn warf ihm einen Blick zu, der alles sagte, vor allem: Du wurdest mehrfach gewarnt. Jetzt hast du es hoffentlich kapiert.

„Gut. Wie dem auch sei. Wir begleiten die beiden bis zur Kammer, die ich dort vermute. Dann sehen wir weiter.“

Damit war die Entscheidung getroffen und unumstößlich.

So gingen sie mit einem unguten Gefühl in die Richtung, in der sie Etwas vermuteten, Etwas was keiner kannte, keiner je gesehen hatte und dem sie hoffentlich lebendig wieder entkamen.

„Was denkst du?“, fragte Thomson an Tripal gewandt.

„Ich denke, es ist ganz großer Mist, aber vielleicht die einzige Chance endlich Antworten zu bekommen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob wir die überhaupt noch wollen oder ob es besser wäre das stehende Angebot zu nutzen und das Drecksloch hier zu verlassen.

Wir haben Fragen über Fragen, die eigentlich schon seit Jahrzehnten auf diesem Höllenplaneten herumschwirren und die keinen interessieren. Was ist, wenn wir herausfinden, dass es tatsächlich Kolonialsklaven sind und dieser Madragadal ihr Gott ist? Was bringt uns das? Das Schiff und alles andere bleiben eh für immer hier.

Was ist, wenn wir herausfinden, dass das Schiff als Zielort eigentlich die Erde hatte oder Genro oder Festrid oder vielleicht sogar Antermerius in einem ganz anderen Universum? Es wird nichts ändern daran, dass am Ende alles so bleibt wie es ist und hier auf LV426 begraben liegt.“

„Aber sucht ihr nicht auch stets nach Antworten, habt ihr nie Fragen? Seid ihr nicht auch manchmal neugierig? Stell dir vor, wir bekommen jede Menge Ant-worten. Die größten Fragen würden beantwortet werden und wir könnten mit der Vergangenheit und den Geschehnissen auf LV426 ganz anders umgehen.“

„Das ist natürlich ein Argument. Aber was ist, wenn die Antworten schwerer wiegen wie die Fragen. Was ist, wenn wir mit den Antworten nicht umgehen können, weil eine Wahrheit ans Licht kommt die alles umwirft, alles was wir kennen auf den Kopf stellt. Es gäbe Chaos.“

Thomson zog es vor die Argumentation der Säbelzahntigerin zu überdenken und schwieg zunächst, dann platzte es aber aus ihr heraus. „Wer bist du eigentlich wirklich? Ich kenne dich nicht, aber du kommst mir bekannt vor und sehr vertraut.“

„Inwiefern sollte ich dir bekannt vorkommen? Du kannst mich nicht kennen. Meine Vergangenheit ist so ziemlich das Traurigste was du dir denken kannst“, erwiderte Tripal und kaute auf der Unterlippe.

„Willst du darüber sprechen?“

„Jetzt und hier?“

„Warum nicht, wir werden eh beide zusammen bleiben für den Rest unseres Weges.“

„Also gut, aber beschwere dich hinterher nicht“, begann Tripal. „Mein Name war ursprünglich, Tanja Irina Palowskaja.“

„Äh, bitte was?“, fragte Thomson irritiert dazwischen.

„Du willst die Geschichte hören, also unterbrich mich nicht“, entgegnete Tripal barsch und fuhr fort: „Ich war eine Prostituierte und lebte im Jahre 2022 auf der Erde. Ja, ich war ein Mensch, genau wie du einer bist.“

„Wie ist das möglich?“

„Ich wurde wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Prostitution und auch wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses mehrfach angeklagt. Später kam noch Drogenbesitz hinzu und damit endgültig meine Inhaftierung. Man wollte mich quasi hinter Gittern verfaulen lassen, als Abfall der Gesellschaft.

Da kam dann allerdings der Krieg zwischen Menschen und Cherit dazwischen und im Untergrund versuchte man eine wirksame Armee aufzustellen.

Ich wurde aus dem Gefängnis geholt, musste etwas unterschreiben und dann ist da ein großes schwarzes Loch in meiner Erinnerung. Die Fetzen die du jetzt von mir hörst, sind Bruchstücke, welche nach und nach zurückkehrten.

Das nächste was ich weiß ist, dass ich in einer Art Stasisflüssigkeit aufwachte, mich nur an seltsame Dinge erinnerte, welche keinen Sinn ergaben. Vor mir wurde ein Wesen aus einer Stasiskammer geholt, es war ein aufrechtgehender Tiger, welcher zweifellos ein Klon-Soldat war. Noch während zwei Menschen ihn in Empfang nahmen, begann er sich vor meinen Augen aufzulösen, zerfiel quasi in seine Einzelteile. Überall war Blut, seither habe ich ein Problem mit der Farbe Rot, wenn sie allgegenwärtig ist.

Danach habe ich in meinem Lebenslauf wieder einen Blackout. Als nächstes ist mir bewusst, dass ich auf dem Planeten Mars in einer Station zu mir kam, umgeben von einer bunten Mischung aus anthropomorphen Raubkatzen und ich selbst war eine Säbelzahntigerin geworden.

Durch Recherchen nach Kriegsende fand ich heraus, wer ich früher war und was mit mir gemacht wurde. Man hat mich nicht nur aus dem Gefängnis be-freit, sondern gleich noch des menschlichen Körpers entledigt und mir mein Leben gestohlen, mich in eine Raubkatze verwandelt. Und als ob das nicht genug wäre, auch noch eingefroren und erst knapp eintausend Jahre später wie-der aufgetaut, als Klon auf dem Mars abgeladen. Ich sollte als Kanonenfutter enden, genau wie die Chafren. Lediglich das beherzte Eingreifen der Cherit und genug Druck von deren Seite, hatte es beendet. Wie du siehst, ihr Menschen seid eine interessante Spezies, mit faszinierenden Ideen.“

Thomson zog es vor zu schweigen und trottete neben Tripal her.

„Was ist los, Thomson? Geschockt?“

„Ja. Ich wusste nicht zu was wir Menschen alles in der Lage sind. Aber wie kam es überhaupt dazu?“

„Scheinbar braucht ihr immer ein Feindbild. Es muss immer jemand existieren, den ihr entweder unterdrücken oder finanziell abhängig machen könnt oder einfach nur als schlechtes Beispiel benutzt. Und alles nur, um von euch selbst und den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken…“, hub Tripal anklagend an.

Wurde aber von Selestral unterbrochen, welche sich unbemerkt dazugesellt und interessiert zugehört hatte: „… zu deiner Frage. Im Jahr 1960 stürzte ein Raumschiff der Cherit auf euren Planeten und es gab nur einen Überlebenden. Ein weißer Tiger namens Charon von Tabalth. Er wurde gefangen genommen und als skurriles Objekt in einem Zirkus ausgestellt. Später geriet er auf Umwegen in die Fänge eures Militärs und schließlich, nach seinem natürlichen Tod in den 1980er Jahren eurer Zeitrechnung, auf die Tische und in die Computer eines fragwürdigen Gen-Institutes. Damit fing alles an und als später eine unserer Suchmannschaften mit ihrem Schiff im Orbit der Erde auftauchte, ging der Wahnsinn erst recht los...“

Tripal nickte kurz: „… Ich habe gelernt damit zu leben und das solltest du auch. Wir beide sind nur Marionetten im großen Spiel und ich gebe keinem die Schuld. Glaub mir, sonst wäre ich nicht hier“, schloss sie ab.

Während die drei sich weiter unterhielten und Thomson Tripals Vergangenheit kennenlernte und von Selestral einige unbequeme Fakten präsentiert be-kam, bewegte sich die Gruppe um Captain Melina langsam weiter.

Zuweilen blieben sie stehen und lauschten angestrengt in Stille. Es schien sich nichts zu rühren, kein Geräusch, keine Bewegung.

„Die Alieneier scheinen komplett geschlüpft zu sein“, merkte Thomson an und lenkte damit sich selbst ab.

„Trotzdem zerbreche ich mir den Kopf mit der Frage was hier gespielt wird? Sind die hier geschlüpft oder war das Schiff unter Umständen auf anderen Planeten gewesen und hat die dortigen Zivilisationen ausgelöscht?“, murmelte Selestral.

„Wir werden es bald wissen, aber wenn es dich beruhigt… das liegt nicht im Bereich des Möglichen, es sei denn, dass den dortigen Bewohnern die Eier mehr oder weniger unter die Nase gehalten wurden“, sagte Horn und wies im weiteren Verlauf auf eine tiefe Nische die gerade so zu erkennen war und zweifelsohne in einen weiteren Bereich des Schiffes führte.

„Denkt ihr auch was ich denke?“, fragte Kromberg rhetorisch.

„Keine Ahnung was du denkst, aber ich denke, dass ich genau das Gleiche denke was du denkst“, witzelte Cyron.

„Oh, das ist wohl der berühmte Galgenhumor?“, staunte Kromberg.

„Ist doch egal. Da ist unser Ziel und es wartet auf uns.“

„Richtig. Also, Schluss jetzt mit den Sprüchen und los“, schnauzte Captain Melina.

Sie zogen weiter, verwarfen die Idee unbewaffnet zu sein und nahmen die Waffen vorsichtshalber in den Anschlag. Während sie immer weiter in Richtung ihres Zieles gingen, hörte man plötzlich wieder das typische Säuseln und Flüstern. Es schien von überall herzukommen. Verunsichert schwenkten sie mit den Waffen herum, sahen auf die Bewegungsscanner, aber es war nichts. Keine Bewegungen, keine anderen Aktivitäten, lediglich die Geräuschkulisse hatte sich merklich verstärkt.

„Was ist hier los? Verdammt noch mal!“, grollte Andrew und feuerte kurz in die geplante Marschrichtung.

„Was soll der Blödsinn?“, brüllte Kromberg.

„Ich habe die Schnauze voll und will endlich eine Reaktion sehen.“

„Und du meinst mit dieser Nummer etwas zu ändern?“

„Ja oder hast du etwas Besseres?“

Kromberg atmete tief durch und zuckte unmerklich mit den Schultern. „Na, was gibt’s zu sehen, dass ihr so starrt? Nichts? Hat keiner eine Ahnung und davon reichlich? - War ja klar. Ich für meinen Teil gehe jetzt weiter. Wer Lust hat kann gerne mitkommen.“

Er drängte sich an den vor ihm stehenden Cherit vorbei und ließ den Rest der Gruppe einfach zurück.

Die Anderen sahen ihm eine längere Zeit hinterher, schienen unschlüssig zu sein. Aber das änderte sich schlagartig als auf Krombergs Höhe unvermittelt ein Schatten auftauchte, ihn von den Beinen riss und in eine weitere seitliche Öffnung zur rechten schleifte.

Das reinste Chaos brach aus. Alle schrien nur noch wirres Zeug, keiner verstand sein eigenes Wort, aber wenigstens rannten sie in die richtige Richtung und erreichten besagte Stelle.

Das Loch welches sich ihnen dar bot war groß genug um ein Alien passieren zu lassen, aber irgendwas war anders und passte nicht in das allgemein be-kannte Ambiente des Schiffes. Die Umrisse der Öffnung und auch, soweit man es momentan erkennen konnte, der dahinterliegende tunnelartige Bereich waren definitiv nicht mit Säure herausgeätzt und wies auch nicht das typische Alieninterieur auf.

Vielmehr sah es nach der sauberen Arbeit von bekannten Tunnelbohrmaschinen aus.

Thomson fand als erste die Sprache wieder. „Und jetzt?“

„Ganz großartig. Jetzt suchen wir wieder ein vermisstes Mitglied unserer Gruppe. Wieso muss immer etwas schief gehen?“ Cyron war sichtlich entnervt und fletschte die Zähne.

„Tja, wenn keiner etwas Besseres zu tun hat würde ich vorschlagen, dass wir ihm folgen oder eher dem was ihn verschleppt hat“, forderte Horn eine Regung der Anderen heraus.

„Einverstanden. Folgen wir dem Tunnel.“

„Wer weiß wo wir rauskommen, mir gefällt der Gedanke daran nicht sonderlich“, gab Zoya zu bedenken.

„Na ja. Immerhin findet es Kromberg gerade heraus.“

„Wie schön für ihn. Erst die große Klappe und dann auch noch abschleppen lassen. Typisch“, polterte Zeus. Er schaltete eine Taschenlampe ein und leuchtete damit langsam und sehr genau den Zugang und den dahinterliegenden Bereich aus, nickte kurz und ging voraus. „Bleibt hinter mir. Kira hat mir nicht nur eine Prothese gebaut, sondern gleichzeitig ein paar nette Überraschungen aus der Waffenabteilung implementiert. Zeit für einen Probelauf“, verkündete er und marschierte los.

Die Anderen taten es ihm gleich und folgten zögerlich.

„Passt auf wo ihr hintretet, der Boden ist recht glatt und führt schräg nach unten“, wies Melina an.

„Wohin gelangen wir bloß? Warum führt der Weg durch den Schiffsrumpf und schräg abwärts?“, fragte Thomson.

„Ich glaube, dass wir am Ende schlauer sind. Eines steht für mich schon fest; das wurde nicht von den Aliens erschaffen. Hier ist noch jemand zugange ge-wesen“, stellte Zeus fest.

„Und ist es wohl noch“, warf Cyron ein.

„Klar. Kromberg hat sich kaum selbst entführt. Wobei der alte Knochen selbst zu so etwas imstande wäre“, flachste Horn.

„Wie alt ist denn Mister Kromberg?“, fragte Andrew neugierig und hoffte die Stimmung etwas aufzubessern.

„Er ist jetzt 71 Jahre alt. Ich bin 57 und unser Nesthäkchen ist irgendwas um die 34.“

„Eh, mein Alter ist geheim, du Chauvie“, maulte Thomson.

„Jaja, meine Kleine. Alles wird gut“, entgegnete Horn frech und grinste.

Thomson knurrte noch etwas von einem Weltraumabenteuer, welches sie endlich gefunden hätte und es sich nicht vermiesen lassen wolle.

Kromberg wurde es schwarz vor Augen als er plötzlich gepackt wurde und nicht mehr Herr über seine Bewegungsfreiheit war. Er versuchte sich aus der Umklammerung zu lösen, aber es war vergebens. Irgendjemand hielt ihn gepackt und mit einer immensen Kraft regelrecht verschnürt. Er bekam es mit der Angst zu tun und wollte schreien, aber selbst seine Stimme versagte ihm den Dienst. So schloss er die Augen und erwartete ein hoffentlich schnelles und schmerzfreies Ende.

Die Gruppe aus Anthros und Menschen bestehend tastete sich derweil langsam und sehr unsicher in den Gang hinein, so man es als Gang bezeichnen wollte. Der Tunnel war um die vier Meter im Durchmesser und geradezu kreisrund, glich eher einem präzise gebohrten, schräg hinabführenden Zylinder.

„Gibt es Bewegungen?“, fragte Horn an einen der Cherit gewandt.

Selestral schüttelte den Kopf. „Nichts. Überhaupt nichts und das beunruhigt mich.“

„Du meinst die berühmte Ruhe vor dem Sturm?“

Diesmal nur ein kurzes Nicken.

„Na schön“, intonierte Captain Melina, „finden wir heraus was den Herrn entführt hat.“

„Vielleicht müssen wir gar nicht lange suchen und Kromberg wird uns mit einer Entschuldigung zurückgebracht“, witzelte Thomson.

„Das will ich nicht hoffen, denn dann haben wir den Knurrhahn wieder an der Backe und trotzdem eine Menge unbeantworteter Fragen. Ich favorisiere zuerst Antworten zu bekommen und dann genervt zu werden.“

Je weiter sie dem Gang folgten, umso merkwürdiger kam ihnen alles vor.

Andrew hielt es nach zwanzig Minuten des Weges nicht mehr aus und blieb stehen. „Ich will ja niemandem die Stimmung versauen, aber kommt euch das alles nicht komisch vor?“

Horn blieb stehen und drehte sich zu ihm um. „Worauf willst du hinaus?“

„Ist einem von euch schon mal ein ganz anderer Gedanke gekommen? Die Idee, dass das alles gar nicht von den Aliens stammt? Das hier jemand ganz anderes am Werke war oder sogar noch ist?

Dass die Aliens diesen Tunnel nicht gebaut haben, davon können wir wohl oder übel stark ausgehen, denn bisher haben wir nichts Vergleichbares gesehen. Tunnelbohrmaschinen besitzen die nicht oder andere schwere Techniken um etwas zu buddeln oder zu verändern.“

„Ah, daher weht der Wind“, merkte Thomson an.

„Ich habe bestimmt keine Angst, die liegt mir extrem weit entfernt. Aber die Zusammenhänge sind zweifelhaft“, gab Andrew zu bedenken.

Captain Melina, welche ebenfalls, wie auch alle anderen, stehen geblieben war, schien intensiv nachzudenken. „Da kommt mir eine Szene in den Sinn“, begann sie.

Die Aufmerksamkeit ruhte ungeteilt auf ihr.

„Ich wurde direkt am Anfang, nach unserer Bruchlandung im Hügelfeld, von einem dieser Aliens brutal angefallen und verschleppt. Ich verlor leider das Bewusstsein. Aber als ich zu mir kam und feststellen musste, dass ich in diesen klebrigen Gespinstfäden gefangen war, in der Luft hing und mir einen blöden Spruch anhören musste, der mir ein unangenehmes Ende ankündigte, befreite mich jemand aus der misslichen Lage.

Cyron wusste von nichts, auf meine Anfrage hin. Die Menschen und die übrigen Besatzungsmitglieder waren definitiv nicht anwesend, da sie sich an einer ganz anderen Stelle des Planeten aufhielten...“

„Du meinst, dass hier eine vierte Spezies sein Unwesen treibt“, platzte es aus Thomson heraus.

Die Stute nickte und verzichtete diesmal auf ein Schnauben. „Stimmt. Mir wurde in Interspeak gesagt, dass ich mich still verhalten soll, mich in einer unangenehmen Situation befinden würde und nicht viel Zeit bliebe.“

Selestral hob eine Augenbraue und starrte Melina an, welche fort fuhr: „Er, sie, es sprach nicht in diesen lächerlichen Reimen, wie es diese Biester machen. Es waren ganz normale Sätze. Ich erinnere mich daran, dass ich aus dem Gespinst befreit wurde, auf den Boden fiel, mich aufrappeln wollte, aber daraufhin einen Schlag erhielt und gerade noch ein albernes Gelächter hörte. Danach wurde es wieder dunkel.“

„Und als es wieder hell wurde, waren sie bei uns“, murmelte Tripal.

„Vorsicht mit diesen Bemerkungen“, grollte Melina. „Ich kann auch wieder sau-er werden.“

Die Zurechtgewiesene zuckte kurz in sich zusammen.

„Ich verstehe langsam was sie meint“, mischte sich Horn schnell ein. „Da passt Eines nicht zum Anderen. Wer befreite den Captain aus seiner Lage? Wer spricht normales Interspeak, außer uns? Wer bohrte diesen Tunnel? Wer verschleppte Kromberg? Wer ist dieser Madragadal-Gott wirklich?“

„Na toll. Noch mehr Fragen, wobei diese wohl eher zu beantworten sein werden, als alle anderen zuvor.“

„Gibt es wirklich diesen Gott oder glauben wir, dass die Aliens an einen Gott glauben, weil ihnen suggeriert wird, dass irgendwas ein Gott sei, was aber in Wirklichkeit ein normales sterbliches Wesen ist?“, fragte Stella.

„Uih, das ist ja mal ein sehr kühner Gedanke.“ Horn war sichtlich beeindruckt. „Wie sonst sollte alles zusammenpassen? Seid doch mal ehrlich. Wir patrouillieren hier seid gefühlten Ewigkeiten, der Planet ist Sperrzone, die Cherit tauchen auf, landen und alles steht Kopf. Die Aliens greifen sich einen nach dem anderen, kommunizieren plötzlich in dümmlich-zynischen Reimen. Jemand taucht auf, befreit den entführten Captain, spricht allerdings vollkommen normales Interspeak, gibt sich jedoch nicht zu erkennen.

Wir treffen uns alle im Alienschiff, Kromberg wird entführt, wir laufen einen Tunnel schräg hinab, wissen nicht wo der hinführt, wer den gebaut hat, werden nicht von Aliens angegriffen und die Lage wird immer abstruser“, fasste Stella zusammen.

„Trifft es so ziemlich auf den Punkt“, schloss Horn die Zusammenfassung der Tigerin schnell ab. Wer weiß, ob sonst noch mehr Geistesblitze auf alle Anwesenden hernieder regnen würden.

Jedenfalls wussten jetzt alle was sie dachte und alle, wirklich alle teilten diese Gedanken.

„Und nun?“, fragte Andrew.

„Wir gehen weiter und versuchen möglichst wenig Schaden anzurichten.“

„Besser wäre es, wenn wir möglichst wenig Schaden nehmen. Über den Rest reden wir später.“

„Wir haben schon genug geredet.“

Sie setzten den Weg fort. Von den Wänden rann hin und wieder in schmalen Einkerbungen Wasser, sammelte sich in kleinen Bächen im Bodenbereich und floss die Schräge des Tunnels hinunter ins Ungewisse.

Hören konnte man nur das Fließen des Wassers, kein anderes Geräusch lag in der Luft.

Es war sekundenlang gespenstisch ruhig.

Plötzlich hielt es Thomson nicht mehr aus und musste niesen.

Alle Anwesenden brüllten gleichzeitig auf.

„VERDAMMT, THOMSON. BIST DU DES WAHNSINNS? ICH WÄRE FAST GESTORBEN“, schnauzte Horn.

„Das war jetzt wirklich nicht nötig, aber...“, wollte Cyron seinen Satz beginnen, kam aber nicht weiter, denn im gleichen Moment hörte man einen Schrei aus der Finsternis des Tunnels.

Die Blicke versteinerten und keiner wagte es sich zu rühren.

„Was war das?“, fragte Zoya.

„Ein Schrei“, antwortete Apophis.

„Das habe ich nicht gemeint.“

„Aber gesagt.“

„Och Papa! Na gut. WER war das?“

„Es klang menschlich.“

„Oder die Aliens sind lautstarke Bauchredner geworden“, warf Cyron zur Entspannung ein.

Horn schnippte kurz in die Luft und legte den Zeigefinger auf den Mund.

Sie schwiegen einige Sekunden.

Plötzlich hörte man wieder einen sehr weit entfernten Schrei, diesmal klang er aber eher artikuliert. Es klang so als ob jemand nach einer anderen Person ru-fen würde.

„Kromberg?“, stellte Horn irritiert fest.

„Warum sollte er nach sich selbst rufen?“, sinnierte Chiron.

Von Tarja erhielt er dafür einen Schlag auf den Hinterkopf. „Lass diese Sprüche. Wie kommst du überhaupt auf diese Idee?“

„Weil er der Einzige ist der fehlt?“, entgegnete der Kater entrüstet.

„Klang auch fast wie er, aber...“, mischte sich Thomson flüsternd ein.

Wieder ertönte der Schrei, Ruf, was auch immer.

„Kommt das von sehr weit her?“, fragte Thomson.

Selestral schaute auf den Bewegungsscanner. „Keine Ahnung. Der Scanner kann keine Bewegung registrieren.“

„Na großartig. Hier funktioniert aber wirklich gar nichts“, schnauzte Zoya entnervt. „So langsam werde ich auch sauer.“

Apophis stand neben ihr und strich ihr über den Kopf. „Ganz ruhig, Kleine. Wir werden das Rätsel schon lösen.“

„Ja, Papa. Aber es ist nicht lustig.“

„Da gebe ich dir zunehmend recht. Wobei, was war hier jemals lustig?“

Wiederholt hörte man einen Schrei und es war deutlicher wahrzunehmen, dass jemand einen Namen rief, zwar immer noch nicht sehr deutlich artikuliert, aber es kristallisierte sich etwas heraus.

Plötzlich und wie aus dem Nichts schrie wieder etwas, allerdings nicht aus der Ferne des Tunnels, sondern direkt hinter der Gruppe.

Als sie herumwirbelten, standen sechs ausgewachsene Aliens vor ihnen, griffen jedoch nicht an. Sie standen nur da, entblößten die Zähne und hatten das Maul geöffnete, schoben die Beißzangen hervor und hielten die Köpfe dabei merkwürdig schief. Es schien fast so, als ob sie überrascht wären und die Gruppe anstaunen würden.

„Was wird denn das?“, murmelte Melina und rührte sich keinen Millimeter.

„Das ist jetzt nicht nur eine Frage, sondern ein verdammt großes Rätsel“, presste Horn zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Bloß keine falsche Bewegung“, flüsterte Melina.

„Das ist eine brillante Idee, Captain. Aber was schlagen sie vor? Zum Tanz auf-fordern oder warten bis die uns gepackt haben?“, fragte Thomson laut und rief eine Reaktion seitens der Aliens hervor.

Wenn jetzt jeder mit einem Angriff gerechnet hatte, bestimmt nicht mit dem Folgenden. Plötzlich ging ein Ruck durch die sechs Spinnenartigen, drehten diese sich förmlich gleichzeitig um und verließen in entgegengesetzter Richtung den Ort des Geschehens, verschwanden durch einen Seitengang.

Aus der Ferne des Tunnels hörte man wieder den lauten Ruf eines Namens, welcher immer noch unverständlich blieb.

„Jetzt reicht’s aber“, schnauzte Cyron. „Das war jetzt überhaupt nicht logisch. Es passte überhaupt nicht ins Schema.“

„Wir können froh sein, dass es so ist wie es ist“, seufzte Tarja und entspannte sich.

„Schön. Da gebe ich dir zwar recht, aber dennoch würde ich gerne wissen was sich plötzlich verändert haben sollte“, sinnierte Selestral.

„Sie haben was sie wollten“, entfuhr es Apophis.

Alle sahen den Säbelzahntiger an.

„Wie bitte?“, fragte Tripal nach.

„Sie haben was sie brauchten. Was immer es ist, es ist scheinbar anwesend“, fuhr der Kater fort.

„Warum? Was sollte das sein?“, hakte Cyron nach.

„Ich weiß es nicht. Die Stimme der Drohne ist verstummt. Es gibt im Moment keinerlei weitere Kommunikation und ich kann sie von meiner Seite nicht herstellen. Das können nur die Aliens in gereimter Botschaftsform, egal ob man sie albern findet oder nicht. Ich halte diese Form der Kommunikation als unan-genehm und gerade durch ihre nicht zu verbergende Komik innerhalb der Todesdrohungen als besonders bedrohlich.“

„Ich stimme dir zu, abgesehen davon heißt das, wir haben keine Anhaltspunkte“, murmelte Melina. „Das ist denkbar schlecht an dieser Stelle.“

„Egal wie“, hub Andrew an, „wir stehen irgendwo im Alienmutterschiff, haben Fragen, keine Antworten, Kromberg ist verschwunden, irgendjemand schreit einen unverständlichen Namen, sechs dieser Viecher haben uns dumm angestarrt und sind wieder abgehauen, außerdem stehen wir mitten in einem Tunnel den diese possierlichen Tierchen nicht gebaut haben und bekommen die Information, dass alles an dem Ort zu sein scheint, an dem es sein muss.“

„Perfekt! Du hast in der Tat nichts vergessen“, intonierte Zeus. „Tripal, was sagt dein Scanner, verlängere die Reichweite.“

Die Säbelzahntigerin tat worum gebeten und schüttelte den Kopf. „Nichts!“

„Das kann nicht sein. Wir hören doch Krombergs Stimme“, knurrte Cyron.

„Wenn es Kromberg ist und das haben wir noch nicht herausgefunden“, gab Stella zu bedenken.

„Was schlägst du vor?“, fragte Selestral.

„Wir gehen weiter. Manchmal ist die einfache Logik die beste“, sagte Melina und schritt voran.

„Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen?“, fragte Horn in die Runde.

„Genau darum ist sie der Captain“, stellte Selestral fest und folgte der Stute.

„Und bevor ihr da weiter herumsteht, kommt doch einfach mit“, rief Melina nach hinten.

Schweigend setzten sich auch die Reste der Gruppe in Bewegung und drang weiter in den Tunnel ein.

Es vergingen Minuten und am Ende fast eine Stunde. Danach erreichten sie das Ende und betraten eine gigantische Höhle.

„Tripal! Messung!“, befahl Melina kurz und bündig.

„Aye, Captain!“, kam die Bestätigung und die verschiedensten Daten wurden erfasst.

Sekunden später gab die Säbelzahntigerin die ersten Werte frei. „Der Tunnel selbst hat eine Länge von 3,5 Kilometer, die Höhle eine Höhe von zwanzig Me-tern und Breite wie Länge von exakt 150 Metern. Strahlungswerte liegen im unteren Skalenende, Luft ist zu 100% der irdischen gleich. Was immer es ist, es wurde maschinell erschaffen und das erst nach der Landung des Alienschiffes.“

„Damit haben wir quasi die Bestätigung, dass hier noch andere ihre Finger im Spiel haben“, zog Andrew das Fazit.

„Aber wer ist es?“, fragte Thomson.

„Die Sektierer?“, mutmaßte Apophis.

„Kann ich mir nicht vorstellen. Dann müsste es sie schon seit Jahrhunderten geben und weit vor eurem Eintreffen“, wiegelte Horn ab.

„Du vergisst, dass der erste verbriefte Besuch eines Cherit auf der Erde im Jahr 1960 stattfand“, gab Selestral zu bedenken.

„Ist euch überhaupt noch etwas ganz anderes aufgefallen?“, fragte Apophis dazwischen.

„Sag an“, munterte Selestral ihn auf und Melina machte ein sehr aufmerksames Gesicht, ebenso die anderen Begleiter.

„Nun. Wir scheinen dort zu sein, wo sie uns haben wollen. Aber es hat sich, seitdem der Captain mit mir und auch Zoya wieder zurück ist, erheblich etwas geändert. Waren zuvor alle von den Aliens stets attackiert worden, hat es aufgehört. Wir sind fast ohne Gegenwehr in das Mutterschiff eingedrungen, es gab keinerlei Angriffe als wir diesen Steuermann untersuchten, es gab auch keine Aliens im Bereich des Frachtraumes, wenn ich mal von Tripals Begegnung mit dem Facehugger absehe“, erklärte Apophis.

„Du vergisst, dass wir vor wenigen Stunden am Tunnelanfang angegriffen wurden“, wandte Andrew ein.

„Stimmt, aber wurde jemand verletzt? Ich finde, dass diese Attacke etwas sehr halbherzig ausgeführt wurde und eher das Ziel hatte uns in die eh schon eingeschlagene Richtung zu drängen. Ebenso die sechs Aliens die sich in den Weg stellten. Es sah fast so aus, als ob sie uns nur den Rückweg abschneiden wollten. Außerdem scheint Kromberg zwar verschleppt worden zu sein, ist aber noch am Leben. In welchem Zustand, weiß ich jetzt allerdings nicht“, gab Apophis seine Gedanken preis.

„Das ergibt tatsächlich einen Sinn. Aber was sollte sich geändert haben?“, sinnierte Captain Melina.

„Das müssen wir herausfinden, wenn auch sehr vorsichtig“, mahnte der Säbelzahntiger.

„Genau. Lasst uns die Halle, um es mal so zu nennen, genauer untersuchen. Vielleicht finden wir ja Hinweise auf deren Ursprung“, forderte Tripal auf.

Cyron nickte energisch. „Dann mal los.“