Unter Drachen Kap. 22- Bestrafung

Story by Lord_Eldingar on SoFurry

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Es ist soweit. Eldingar macht sich auf den Weg, die eingedrungenen fremden Krieger zu bekämpfen. Dabei übernimmt þorr, die Seele des ursprünglichen Drachen die Führung und macht kurzen Prozess mit den Raubmördern.

Nach einem abschließenden Besuch der Herkunftsstadt der fremden Krieger, wird es dann doch noch ein entspannter Abend für die Drachen.

Kapitel 22 der Story um den Menschen, der zum Drachen wurde und sich nun eingewöhnen muss in eine ihm fremde Welt.

--- Auf Adult gerated wegen der beschriebenen Gewalt. ---


Sorry, Story only in German Language now.

It's finally time. Eldingar sets off to fight the invaded foreign warriors. þorr, the soul of the original dragon, takes the lead and makes short law with the robber murderers.

After a final visit to the city of the foreign warriors, it will be a relaxing evening for the dragons.

Chapter 22 of the story about the human being who became a dragon and now has to get used to a strange world.

-- On Adult gerated because of the reported violence. ---


Unter Drachen

Kapitel 22 – Bestrafung

1.

Ich atme tief durch... es geht also los, ich mache mich auf den Weg, Menschen zu töten... Aber was sein muss... – schon bin ich voll und ganz Drache.

„Also los.“

Ohne mich weiter um irgendetwas zu kümmern, marschiere ich los, raus aus dem Zelt zum Höhlenausgang. Die anderen folgen mir, wie ich höre. Jaya tritt, noch mit einem Tuch über den Schultern, aus dem Gang zu ihren Quartieren, Shankar kurz hinter ihr. Beide nicken mir mit ernstem Blick ihren Gruß, den ich kurz erwidere.

Dann bin ich draußen, gehe noch ein paar Schritte und nehme die Umwelt bewusst wahr. Und mir fällt auch auf, dass sich so ein irgendwie militärischer Marschschritt sich etwas anders anfühlt, als ich es vom Mensch gewohnt bin. Durch das hochgestellte Sprunggelenk und die dadurch weniger steife Beinhaltung ist der Schritt immer federnder. Die Menschen haben eine mehr steife, geradlinige Stellung, die weniger Muskelkraft braucht, aber sie gehen dadurch auch viel steifer. Innerlich muss ich grinsen, wenn ich mir vorstelle im Stechschritt zu marschieren, das müsste mit unseren immer etwas angewinkelten Gelenken sehr merkwürdig aussehen.

Ich blicke mich kurz um. Es ist immer noch ungewöhnlich kalt, unter 10°, deutlich zeichnet sich mein Atem bei der hohen Luftfeuchte ab, obwohl mein Atem ist viel trockener ist als die Luft. - Wir Drachen sparen sehr viel mehr Wasser, als die Menschen, wir vergeuden es nicht über Urin, Kot und Atem, wie diese Wasseraffen... – wie komm ich jetzt darauf… na egal, es ist ja nicht ihre Schuld. - Dass es trotzdem, wenn auch erst etwas später dampft, liegt daran, dass mein warmer Atem sich sofort mit Wasser auflädt und dann etwas später beim Abkühlen wieder kondensieren lässt. Aber mein Atem ist auch deutlich wärmer, darum funktioniert es – sogar noch, wenn bei den Menschen schon nichts mehr zu erkennen ist. Vermutlich der Grund, warum Menschen glauben, dass Drachen Rauch aus den Nüstern blasen.

Aber ja es ist kalt, ich merke, dass die Draccier ihre Schwingen wie einen Mantel um sich legen - aber das hilft uns auch. Die Luft ist dichter, trägt besser und ist sauerstoffreicher. Zudem werden wir in den Rüstungen weniger überhitzen, können also schneller fliegen. - Sonst scheint hier in der Umgebung alles normal zu sein, der Regen hat offensichtlich keine größeren Schäden verursacht. Ein paar Menschen sind unten am Berg auf dem Weg hierher, aber das ist Sache von Jaya.

Ich drehe mich um, Tascha schließt zu mir auf und reckt auch ihre Nüstern in die Luft – eine offensichtlich normale Verhaltensweise von uns Drachen. Aditi, die mit herausgekommen ist, hilft Padmini, Shanti und Nala dabei, noch einmal kurz den Sitz ihrer Ausrüstung zu überprüfen.

„Bereit? Gut. Nala übernimmt die Führung, Padmini und Shanti folgen, dann Tascha und ich. - Ich möchte, wenn möglich, zuerst kurz beobachten, was im Dorf vorgeht. Erst wenn klar ist, dass die fremden Krieger dort beabsichtigen, die Siedler zu töten, landen wir. Grob vorab: ich vermute, dass dann die Siedler auf einem zentralen Platz zusammengetrieben werden, um brauchbare Sklaven auszuwählen, bevor die anderen getötet werden. Hoffentlich kommen wir genau zu diesem Zeitpunkt, wenn sie beginnen wollen. Wir landen dann am Rand dieses Platzes, ihr sichert die Fluchtwege – Siedler dürfen durch, die Krieger nicht. Ich kümmere mich um die Anführer – und die Verrückten, die es wagen mich anzugreifen. Wer von den Kriegern wagt, die Waffen gegen uns zu heben, hat keinen Anspruch auf Gnade, wer sich ergibt darf leben. Fragen? - Gut, ihr könnt mich unterwegs ja noch sprechen. Nala, dann los.“ -

„Ja, Isha Rajesh“ -

Sie spüren offensichtlich, dass ich jetzt nicht mehr menschlich denke.

„Aditi!“ -

„Mein Lord.“ -

„Schon gut. Auch jetzt reicht das N?tha. Sende einen Beobachter über die Täler in der Umgebung, ob es Schäden durch den Regen gegeben hat. Helft notfalls. Und informiere Jaya, dass Menschen hierher unterwegs sind. - Bitte.“ -

Sie kann ihr – dankbares – Grinsen über mein 'Bitte' nur mühsam unterdrücken.

„Natürlich mein Lord. - Verzeih, lasse uns bitte diese Unterscheidung zu Deiner menschlichen Seele. Jetzt bist Du doch zu sehr ein Drache durch und durch. Deine Anweisungen werden ausgeführt, mein Lord.“ -

Ich grunze kurz bestätigend, kann aber ein kurzes Grinsen nicht unterdrücken – ich will es auch gar nicht unterdrücken. Und sie erkennt es, wie ich bemerke, langsam lernen sie unsere Emotionen zu lesen.

Nala ist zwischenzeitlich gestartet, Padmini und Shanti folgen gerade. Tascha blickt mich an, als mir einfällt...

„Shakti... Aditi, ich habe die Anweisungen für Shakti fast vergessen. Sie soll sich heute in Ruhe unten umsehen, vielleicht begleitet Jaya oder Shankar sie dabei. Sie kann vorerst den letzten Schlafraum in der Anthrowohnung beziehen. Padmini bekommt einen anderen. Sie kann sich dann den Rest des Tages dort einnisten... einrichten.“ -

„Ja mein Lord.“ Sie grinst.

„Wir nutzen die Begriffe um das Nest zwar nur selten, aber sie berühren unsere Seele ebenso. Gute Jagd, mein Lord.“ -

„Danke, Dir einen ruhigen Dienst.“

Ich drehe mich um, Tascha hat nur darauf gewartet und startet mit einem kurzen Anlauf. Das braucht weniger Kraft, als aus dem Stand zu starten. Es geht nur ein schwacher Wind heute Morgen, also folge ich ihr mit einem kräftigen Sprung aus dem Stand.

Ein paar kräftige Schwingenschläge später habe ich Tascha eingeholt, die jetzt auch beschleunigt. Sie sieht mich an.

„Ich freue mich, dass Du trotz allem doch zuerst an die Siedlungen in der Umgebung denkst, Þórr.“ -

„Wir profitieren von diesen Siedlungen. Sie versorgen uns im Wesentlichen.“ -

„Interessiert das einen Drachen?“ -

„Natürlich. – Nicht für mich alleine, ich kann jagen, was ich brauche. Aber ich habe für andere zu sorgen. - Denke bitte nicht, dass Große nur an sich selber denken. Selbst wir Ursprüngliche, die an so etwas wie Untergebene und bedienstete Krieger nie gedacht hätten, verstehen diese Notwendigkeit.“ -

„Verzeih, Þórr. Ich möchte Dich nur verstehen lernen, darum frage ich.“ -

„Und damit Du mich verstehen lernst, beantworte ich es Dir gerne.“ -

„Du wirst diesen Kampf führen?“ Nicht Eldingar... nicht Deine menschliche Seele?“ -

„Ja ich. Das habe ich von vornherein so geplant. Meine menschliche Seite hat ihre Furcht vor ihrer dracoiden Seite verloren und ich handele, wie es die Logik gebietet. Geht es um Maschinen und Fortschritt, um das Miteinander mit euch und anderen, ist meine menschliche Seite besser geeignet. Im Kampf und wenn es um logische Härte geht, hat der Drache den Vorrang. Selbst wenn ich heute auf die Kampferfahrung des Menschen vertraue, dennoch bin ich nun mal ein Drache...“ -

„Interessant... Der Drache kämpft als Anthro mit den Erfahrungen des Menschen - und als Feral wie ein Ältester, ein wilder Drache... - Gut, dass ich Dich nicht zum Gegner habe. - Ich möchte nicht diesen... wie sagtest Du... Viking? … zum Gegner haben, aber wenn ich daran denke... wie viele andere Krieger mögen wohl in Dir noch stecken...?“ -

„Viele Früh-, Mittel- und Spätsteinzeitliche Jäger, einige Krieger der Kupfer- und Bronzezeit, Sumerischer Soldat, Akkadischer Gardist, Xia-Krieger, Babylonischer Unterführer, Offizier des Pharaos, Krieger der Shang, Nubischer Krieger, Eisenzeitliche Krieger und zweimal Kriegsfürst in der Zhou-Zeit, persischer Unsterblicher, griechischer Hoplit, Centurio des Aurelius in Ägypten, Chin-Krieger des ersten Kaisers, römischer Legionär, Keltischer Krieger, Germane, römischer General in Britannien, Krieger der Westgoten, sächsischer Krieger, noch einige Wikinger – Dänen und Norweger, dazwischen auch noch zweimal chinesischer Krieger, dann Normanne, Ritter, Kriegsknecht, Unterführer von Kublai Khan, Krieger des Papstes, Samurai, Landsknecht, Offizier unter Cortez, Janitschar vor Wien, britischer Seesoldat, Mogul-Krieger, Daimio unter dem zweiten Tokugawa-Sh?gun, Musketier im Heer des Wallenstein, der nicht lange überlebte, dann junger schwedischer Offizier gegen Ende des selben Krieges auf der anderen Seite, Krieger des letzten Ming-Kaisers, preußischer Soldat, wieder Samurai, Offizier im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, Offizier unter Napoleon, Soldat im amerikanischen Bürgerkrieg, französischer Soldat gegen Preußen... tja und dann die schon genannten Flieger. - Und das sind sicher noch nicht alle... – Dazwischen noch viele Bauern, Handwerker oder Händler.“ -

„Bitte, hör auf... das sind ja alleine Fünfzig einzeln genannte, die gesammelt genannten nicht mitgezählt... Wie alt bist Du dabei geworden?“ -

„Teilweise nur bis zum ersten Kampf, teilweise im hohen Alter im Bett gestorben. Ich denke, so durchschnittlich dreißig.“ -

„Also meistens im Kampf gestorben...“ -

„Abgesehen von allgemein schlechten Lebensbedingungen und Hunger, meistens im Kampf - ja, meine Drachenseele setzte sich wohl oft durch... Nicht so gesund für einen Menschen.“ -

Tascha grinst.

„Ja, das glaube ich gerne. - Alle Krieger mit Schwert und Bogen?“ -

„Ganz am Anfang mit Faustkeil, Steinklinge und Keule. Später dann Schwerter, Äxte, Bogen, Speere. Ab dem päpstlichen Krieger aber zunehmend auch Feuerwaffen. Das ist grob gesagt, ein Rohr, in dem ein schnell verbrennendes Pulver ein Projektil antreibt. Das fliegt dann schneller als ein Pfeil und durchschlägt auch diese Rüstungen, die wir tragen, ohne Probleme. Seitdem wurden keine Rüstungen mehr verwendet, auch wenn noch viel mit dem Schwert gekämpft wurde. Die Schwerter wurden leichter und es wurden andere Kampftechniken entwickelt. Wundert euch also nicht, wenn ich euch ein sehr schlankes, leichtes Schwert – ähnlich wie meines – um die Hörner haue, dass euch Hören und Sehen vergeht.“ -

„Wirst Du diese neuen Waffen bei uns einsetzen?“ -

„Ja. Wir werden das Rapier und das Katana ausprobieren. Das, womit ihr besser zurechtkommt, wird dann eingeführt. Auch wenn das Katana keine aufwändige Drachendekoration verträgt und sehr schlicht aussehen wird. - Verzeih, meine Drachin. Ich meine, womit die Drac?ier besser zurechtkommen.“

Sie schenkt mir ein Lächeln.

„Ich darf es aber auch probieren, oder?“ -

„Natürlich.“ -

Wir fliegen eine Zeitlang ruhig nebeneinander. Nala nimmt den direkten Kurs, also geht es pfeilgerade zu unserem Ziel. Irgendwann blickt Tascha mich wieder an.

„Verzeih Geliebter, meine undrachische Gesprächigkeit. Darf ich fragen, wie Du mich einzusetzen wünscht?“ -

„Ja. Achte auf Shanti und Padmini, sie sind im offenen Kampf zu wenig geübt.“ -

„Hältst Du mich wegen dem Ei im Hintergrund?“ -

„Unsinn. Zwar trägst Du unser Kind, aber Du bist eine Drachin. Die Nackthäuter können Dir nicht gefährlich werden. Den beiden Clankriegerinnen schon. Mein Entschluss hat keinen emotionalen Grund.“ -

„Danke mein Geliebter Drache.“ –

„Emotionaler Unsinn...“ ich grinse.

„Keinen Grund zum Danken. Ich würde nicht zulassen, dass ihr beide in Gefahr geratet – und wenn ich Dich irgendwo fesseln müsste, um es zu verhindern.“ -

Sie kichert.

„Ja, das müsstest Du wohl... - Trotzdem danke ich Dir, dass Du es nicht übertreibst mit der Sorge um Dein Kind. Man sagt, dass ihr Männchen stark dazu neigt, euer tragendes Weibchen einzusperren.“ -

„Nicht wir Ursprünglichen. Aber so, wie die Männchen heute von den Weibchen am Nasenring vorgeführt werden, verstehe ich diese Neigung, dass sie ihr Weibchen wenigstens zeitweise kontrollieren wollen.“ -

„Was machen die Weibchen...? Ich habe noch keinen Drachen mit einem Nasenring gesehen...“ -

„Da ist mir doch ein menschlicher Begriff dazwischen gekommen... - Du weißt schon, dieses ständige alleine lassen über lange Zeiträume und so.“ -

„Das gefällt Dir nicht, oder?“ -

„Nein. Ich werde akzeptieren, wenn Tyria sich für einige Tage, vielleicht mal einen Mond lang, zurückzieht. Sie hat ja noch ihr eigenes Revier, auf das sie achten muss. Aber irgendwann werde ich sie mir holen, ob sie will oder nicht.“ -

„Du würdest sie zwingen?“ -

„Sie hat mich oft genug angefleht, sie notfalls in einer kleinen dunklen Grotte anzuketten, aber sie nicht zu verstoßen. Das könnte sie dann haben.“ -

„Das sollte ich wohl sicher nicht erfahren...“ -

„Sagst Du ihr, dass ich es Dir verraten habe, müsste ich Dir ein paar unschöne Narben verpassen, meine geliebte Drachin...“ -

„Ich habe nichts gehört, mein Gebieter.“ -

„Ich weiß. Zudem ist es rhetorisch. Sie hat mir die ewige Partnerschaft angeboten.“ -

Fast rammt Tascha mich, so überrascht ist sie.

„Die ewige Partnerschaft der Großen? Jetzt schon? Und Du?“ -

„Verzeih mir. Ich habe es angenommen und meinerseits die ewige Partnerschaft geschworen. Vor Padmini und Erce als Zeugen.“ -

Tascha nimmt einen größeren Abstand und lässt sich ein paar Meter zurückfallen, folgt mir aber weiter. Also lasse ich ihr Zeit.

Es dauert nicht lange, dann schließt sie wieder auf.

„Es gibt nichts zu verzeihen. Wenn sie Dich so sehr liebt, dass sie Dir jetzt schon den ewigen Schwur geleistet hat, dann ist es nur logisch, wenn Du ihn ebenfalls schwörst. - Ich trauere nur, dass es mir nicht erlaubt ist, Dir ebenfalls die ewige Treue zu schwören.“ -

„Weil es unlogisch ist, dass ich zwei Weibchen ewige Partnerschaft schwöre?“ -

„Nein, weil wir Drakarin das nicht kennen und unsere Seelen im Lebensstrom aufgehen.“ -

„Deine nicht.“ -

„Verzeih, das ist Unsinn. Natürlich wird meine Seele zum Bestandteil des Lebensstromes. Wir haben nicht die Kraft, uns als eigenständige Seele zu behaupten, wie man es von euch sagt.“ -

„Erce sprach davon, dass Tyria auf mich warten wird und wir uns dann in der Lebenskraft auf ewig vereinen. Aber sie sprach auch davon, dass Deine Liebe stark genug ist, um ebenfalls auf mich zu warten.“ -

„Du meinst...“ -

„Du musst es nur wollen, dann werden wir uns dort finden, wenn ich zu euch komme.“ -

„Verzeih, ich muss darüber nachdenken, wenn Du erlaubst...“ -

„Natürlich.“ -

Sie verstummt und fliegt nachdenklich vor sich hin, bleibt aber an meiner Seite.

Wir haben mittlerweile schon das Vorgebirge hinter uns gelassen und fliegen über die Dschungelwälder, die sich über die hügelige Ebene ausbreiten.

Obwohl Nala ein flottes Tempo vorlegt, halten Shanti und Padmini noch gut mit. Ich blicke mich um, weit verteilt sind schwache Rauchfahnen zu erkennen, alles Siedlungen, hier haben sich schon einige im Drachenland niedergelassen, aber die meisten sind noch ein Stück weiter südlich, wo der Dschungel von weiten Grasflächen durchsetzt ist. Dort müssen sie nicht so viel roden, sagt mir die Erfahrung des Menschen...

Direkt vor uns, wo der Dschungel vor einem größeren Fluss - es wird der Koshi sein, wenn die Karten in meiner Wohnung richtig sind - einige größere Lichtungen hat, ist eine doppelte Rauchfahne. Entweder eine besonders große Siedlung, oder...

„Nala. Da vor uns die zwei Rauchfahnen...“ –

„Ja N?tha. Die Siedlung und nicht weit dahinter das Lager der Krieger.“ -

Ein kurzer Blick auf die Schatten sagt mir, dass es noch mehr als zwei Stunden bis zum Sonnenhöchststand sind. Der Boden beginnt abzutrocknen. Nach meiner Vermutung und der Erfahrung als Menschenkrieger, machen sie sich jetzt bereit, das Dorf zu überfallen. Sie brauchen keine Krieger in dem Dorf zu fürchten, überhaupt nur wenig Widerstand. Also ist ein Überraschungsangriff im Morgengrauen unnötig. Unser Timing dürfte also stimmen. - Timing... merkwürdiger Begriff... diese Nackthäuter... - ich schüttele den Kopf.

„Nala, wir anderen werden langsamer und niedriger fliegen, dann sehen sie uns nicht. Beobachte Du und informiere uns, wenn sie anfangen, die Siedler zusammen zu treiben oder beginnen sie zu töten.“ -

„Ja N?tha.“

Er beschleunigt deutlich, hat also bisher Rücksicht auf die beiden Weibchen genommen. Wir anderen werden langsamer und lassen uns bis kurz über die Bäume absinken, behalten unseren Kurs aber weiter bei. Die Rauchsäulen in der ruhigen Luft sind auch ohne unseren guten Orientierungssinn ein gutes Ziel für uns.

Nach einiger Zeit, wir müssten schon ganz in der Nähe der Siedlung sein, als Nala in hohem Tempo wieder zu uns kommt.

„Oh ihr seid schon hier… Die Krieger sind jetzt im Dorf und haben recht brutal angefangen, die Siedler zusammenzutreiben, auch von den Feldern – so wie Du gesagt hast, N?tha.“ –

„Ich habe vermutet, dass sie nicht pauschal alle töten, oder nicht sofort. Sie suchen sicher neben der Eroberung der Gebiete noch Söldner und Informationen, vielleicht Sklaven. Vielleicht wollen sie auch einen Treueschwur. Dann töten sie diejenigen, die sie nicht brauchen können oder die den Schwur nicht leisten wollen. Oder alle, damit es keine Zeugen gibt.“ –

„Das ist gut möglich, N?tha. Sie haben die Siedler vom Rand der Siedlung her zusammengetrieben, wohl damit keine entkommen können. Wir können also direkt vor der Siedlung landen, ohne gleich bemerkt zu werden.“ –

„Sehr gut, vermutlich besser als mitten rein zu fliegen, führe uns.“ Bestätige ich nickend.

Nala setzt sich wieder an die Spitze und führt uns direkt zum Dorf an einen Weg, der aus den Feldern hier mit einigen Windungen durch das Dorf zum zentralen Platz verläuft.

Wir landen.

„Tascha, warte einen Moment und dann geht ihr ins Dorf zum Zentrum und wartet dort auf uns. Nala und ich werden den nächsten Weg ins Dorf nehmen. Sobald wir uns blicken lassen, könnt ihr auch herauskommen. Alles weitere wird sich zeigen, Ihr lasst keinen Krieger mit Waffen entkommen. Unbewaffnete können passieren.“ –

Die Drachenstimme hat den Vorteil, dass niemand mich hören kann, den ich nicht mit einbeziehe. Sonst würde ich natürlich eher Gesten einsetzen.

Tascha nickt, während die drei ihre Schwerter leise ziehen. Ich fliege mit Nala schnell ein Stück um das Dorf und wir landen auf dem nächsten Weg, der von einem Wasserlauf aus hineinführt.

2.

Hier um uns ist alles ruhig, aber im Dorf hören wir rufen, schreien und wohl auch weinen. Dazwischen Rufe, die ich als scharfe Kommandos erkenne. Ich blicke zu Nala, der sein Schwert zieht und mir zunickt. Ich recke mich kurz und gehe dann in das Dorf hinein, Nala nur einen Schritt hinter mir – aber mehrere Schritte seitlich, damit wir beide genug Platz zum Kämpfen haben und nach allen Seiten sichernd – Nala immer mit einer Deckung und vorsichtig, ich etwas arrogant mitten auf dem Weg und scheinbar sorglos, aber doch mit wachen Sinnen alles um mich beobachtend. Aber hier rührt sich nichts, alle Siedler sind offensichtlich bereits auf dem zentralen Platz, ebenso alle Krieger.

Weit brauchen wir nicht gehen, so groß ist die Siedlung nicht. Der Weg macht einen Bogen und wir sehen vor uns den Platz, auf dem Menschen in einheitlichen, leichten Lederrüstungen – es sind etwa fünfzig wie ich schnell zähle – die Bewohner des Dorfes zusammengetrieben haben und nun anfangen, junge Männer – vermutlich als Sklaven - und die jungen Frauen herauszuziehen – letztere wohl auch als Sklaven oder um sie zu missbrauchen, ehe sie diese und die restlichen Dorfbewohner vermutlich töten werden. - Männer, die versuchen ihre Frauen zu schützen, werden brutal zusammengeschlagen, einer vor unseren Augen getötet.

In mir beginnt es zu kochen. Meine menschliche Seite wird zu einem der Krieger, der sie früher war und will gnadenlos zuschlagen.

‚Überlasse es mir Eldingar, teile mit mir Deine Erfahrung gegen Menschen zu kämpfen und es wird geschehen, was Du wünscht.‘ -

'Wirst Du einen der Banditen am Leben lassen?' -

'Wer von Ihnen jetzt ein Schwert trägt, ist bereits tot.' antworte ich kalt – sofort gefrieren auch die Gefühle in mir – die Gefühle des Menschen. Bis auf eines: Ich fühle nur noch Wut, kalte Wut, die Blut will.

'Ich bin bereit für Dich.' Spüre ich in mir.

Ein Stück weiter treten jetzt auch Tascha mit Padmini und Shanti auf den Platz vor. Noch hat niemand von den Menschen uns bemerkt, obwohl wir schon einige Schritte auf dem Platz stehen. Der Platz ist sehr kompakt umbaut, es gibt nur drei Wege, ansonsten ist praktisch kein Fluchtweg offen. Die Soldaten hatten das ausgenutzt, nun wird es ihr Verhängnis werden, denn ich verstehe das Zeichen, das Tascha mir gibt. Sie will den letzten Weg abriegeln, sobald es losgeht – nicht ganz das, was ich ihr gesagt habe, aber logisch.

Jetzt bemerkt uns einer der Menschenkrieger, nach den Zeichen an seiner leichten Lederrüstung offenbar einer der Anführer. Er wendet sich uns zu und kommt mit zwei weiteren Kriegern, die er auf uns aufmerksam gemacht hat, ein paar Schritte auf Nala und mich zu.

„Was wollt ihr Mischlinge hier? Seht zu, dass ihr wegkommt, ehe wir euch zusammenhauen.“

Er hat also nicht erkannt, dass er auch Drachen vor sich hat. -

„Ihr habt jetzt eine letzte Chance euer Leben zu retten, wenn ihr alle eure Waffen wegwerft, eure Beute zurücklasst und euch sofort in euer Land zurückzieht.“ antworte ich grollend.

„Dieses ist Drachenland, ihr Menschenkrieger habt hier nichts zu suchen. Verschwindet.“ –

Er lacht hämisch, weitere seiner Truppe sind aufmerksam geworden und nähern sich uns ebenfalls.

„Ich werde Dir zeigen, dreckiges Echsenblut, wo Du hingehörst.“ -

Er ist mir inzwischen recht nahe gekommen, reißt sein Schwert hoch und springt die letzten paar Schritte mit dem hoch erhobenen Schwert auf mich zu. Ich zeige ihm ein kurzes kaltes Grinsen, denn seine Aktion ist ohne einen Kampfschild so völlig sinnfrei und kann höchstens einen unerfahrenen Neuling erschrecken. So offen ohne Deckung sollte sich ein erfahrener Krieger nicht einem Gegner nähern. Aber ich unterlaufe seinen Angriff nicht einmal, ich greife einfach mit der Linken seinen niedersausenden Unterarm nahe seinem Handgelenk und drehe seinen Arm mit einer blitzschnellen Bewegung, seinen Schwung dabei ausnutzend, nach außen und unten – seine Knochen halten der Belastung unter meinem Griff und der Drehung nicht stand, Elle und Speiche splittern, sein Schwert fällt aus seiner kraftlosen Hand.

„Kein Mischling, kein Echsenblut“ zische ich ihn an und ihm lege die Fingerspitzen meiner rechten Hand auf seine linke Brustseite.

„Nur reines Drachenblut.“

Meine Krallen schießen heraus und bohren sich in sein Herz – das Leder war kein Gegner gegen meine scharfen Krallen. Er sieht mich mit einer Mischung aus Schmerz und maßlosen Erstaunen an. Langsam, fast genüsslich ziehe ich meine Krallen aus seinem Körper, er sackt mit einem kurzen Röcheln zusammen und ist bereits tot, bevor er den Boden berührt.

Die anderen Krieger in meiner Nähe sehen mich entsetzt an, das Töten nur mit den Krallen und ohne dafür Schwung holen zu müssen, haben sie offenbar noch nie gesehen. Nun ja… welche Menschen sind je einem Drachen so nahe gekommen und haben das überlebt…

Meine Krallen sind noch voll ausgefahren, ich lecke langsam, geradezu theatralisch das wenige noch anhaftende Blut von ihnen. Im Augenwinkel bemerke ich, dass auch Tascha mich erschreckt anstarrt.

Aber… beim Lebensstrom, der Geschmack des Blutes ist so einzigartig, so gut, so belebend... warum hat mir keiner gesagt, dass Mensch so gut schmeckt! Grinsend drehe ich mich zu Tascha um, deren Blick noch schreckerfüllter zu werden scheint. Mein Grinsen muss wohl direkt aus der Hölle kommen oder sonst irgendwie furchterregend wirken. Dazu fahre ich jetzt auch die Krallen meiner linken Hand langsam aus.

Mein Nicken aber beantwortet sie ebenfalls mit einem Nicken und ist sofort voll auf die Krieger konzentriert. Das gleiche gilt für die drei Draccier, die dem Ganzen sehr viel weniger Aufmerksamkeit gewidmet haben. Ich konzentriere mich auch wieder auf die Krieger, der erste hat seine Schreckstarre überwunden und kommt mit einem Schrei, der mir vermutlich Angst machen soll und mit ebenfalls recht sinnfrei hoch erhobenem Schwert auf mich zu gerannt – und läuft direkt in meine vor mir durchgeschwungene Linke, die ihm den Brustkorb in Streifen aufschneidet. Sein Schrei verebbt in einem kurzen Röcheln.

Wieder lecke ich sein Blut genüsslich von meinen Krallen und nun ist es, als legt sich in mir ein Schalter um, wie ein Berserker denke ich nicht mehr, ich agiere nur noch. Schnell bewege ich mich entlang der Reihe der Krieger, die da vor mir stehen. Mit kurzen, harten Hieben wehre ich ihre Schwerter ab, mit denen sie fast hilflos auf mich einzudreschen versuchen - mit beiden Händen und meinen Schwingen, die ich ähnlich einem Schild kurz zu einer Seite ein wenig aufspanne - während ich gegenüber einem der Angreifer die Krallen meiner Hände in den Körper bohre, ihn regelrecht aufschlitze. Auf der anderen Seite trifft dann den nächsten die Daumenkralle meiner Schwinge in die Brust. Einen weiteren fetze ich im Umdrehen mit den Fingerkrallen meines anderen Schwingenarmes die Luftröhre in Stücke…

Einer versucht unter meinen Händen und Schwingen durchzutauchen und rollt sich über den Boden vor meine Füße, doch bevor sein Dolch an den Schuppen meines Schienbeines abgleitet habe ich meinen Fuß schon in seinem Nacken - mit einem kurzen Tritt dringen meine Krallen tief in sein Genick und trennen seine Wirbelsäule an der Schädelbasis. Sein kurzes Röcheln beachte ich nicht weiter.

Mir ist bewusst, dass ich eine Spur des Todes hinterlasse. Jeden der diese Rüstung mit den Farben der Krieger trägt trifft mein Zorn, egal ob er mich angreift oder sich nur zur Wehr zu setzen versucht. Selbst wenn er entsetzt versucht zu fliehen, treffen ihn die Krallen meiner Flugfinger, wenn er bei dem Fluchtversuch immer noch sein Schwert in der Hand hält. Nur die, die ihre Waffen fallen lassen und jede Gegenwehr aufgeben, bekommen meine Krallen nicht so direkt zu spüren, aber ein harter Schlag mit dem Handrücken lässt sie meist bewusstlos zusammensacken, aber sie kommen lebend davon. Nur das sind wenige, sehr wenige.

Einige versuchen sich mit Dorfbewohnern als Schutzschild vor mir zu schützen – vergeblich, sie sind nicht schnell genug. Ohne dass der Dörfler ernsthaft verletzt wird, fällt bei einem sein Schwert, mit dem er den Dörfler bedrohte um mich zu stoppen - noch von seiner Hand umklammert. Der Dörfler reißt sich los, lässt sich zu Boden fallen, mein Weg ist frei, der Kopf des Kriegers folgt dann seiner Hand, der Hals von einem Hieb meiner Krallen durchtrennt. Der nächste ist schlau genug, seine Geisel nicht zu töten, als diese sich wehrt, er würde das wenige an Schutz ja sofort verlieren. Helfen tut es ihm nicht, der Wiederstand macht es mir einfach – mit einem Sprung stehe ich links neben dem Krieger, greife von hinten über seinen Kopf, bohre ihm zwei Krallen in die Augen und reiße seinen Kopf zurück – Sein Schrei erstickt unter meinem Biss in seine Kehle… Schnell ziehe ich meinen Kopf zurück, seinen herausgetrennten Kehlkopf zwischen meinen Zähnen. Mit einem blubbernden Geräusch sackt er zusammen, als ich meine Krallen wieder herausziehe. Am liebsten würde ich ihr Fleisch verschlingen, den delikaten Geschmack genießen, aber etwas hält mich zurück – Erce? Meine menschliche Seele? – Vermutlich diese. Den Kriegern möglichst deutlich meine Verachtung zeigend, spucke ich es aus.

Im Hintergrund höre ich den markerschütternden Kampfschrei von Tascha. Sie hält offenbar flüchtende Krieger auf. Das trockene Knallen ihrer Blitze ist sehr markant.

Der nächste hat auch nicht mehr Glück mit seiner Geisel. Der Dörfler lässt sich ebenfalls einfach fallen, der Krieger versucht zwar, ihn zu halten, steht aber ziemlich frei und mit einem waagerechten Schwung meiner Schwinge braucht auch dieser Krieger nie wieder einen Helm…

Ein weiterer lässt seine Geisel los, als er merkt, dass ich mich ihm zuwende. Er nimmt seine Beine in die Hand und versucht zu fliehen… in Richtung von Padmini und Shanti. – Der letzte von denen, die das mit den Geiseln versucht haben, gibt auf, lässt den Dörfler los und wirft sein Schwert zur Seite. Nala, der sich an ihn herangeschlichen hat, zuckt seufzend die Schultern und prügelt ihm die Breitseite seinen Schwertes so auf den Schädel, dass es den Krieger vorerst außer Gefecht setzt.

Parallel sehe ich, wie Padmini und Shanti dem näherkommenden Krieger zu beiden Seiten ausweichen und ihm anschließend beide gleichzeitig ihre Schwerter in den Körper rammen. Er fällt noch im Laufen – sein Schwert fest umklammert.

Ich weiß im Moment nicht, wie lange es schon dauert, aber die Rüstungen werden zunehmend weniger. Ich bemerke nebenbei, dass Tascha sich ausschließlich darauf konzentriert, keinen entkommen zu lassen. Sie blockiert den Weg nach Süden, zum Lager der Krieger, vor sich schon ein paar, die reglos am Boden liegen. Die anderen beiden Wege werden von Nala, Padmini und Shanti bewacht. Hier auf dem Platz lassen sie mich wüten, sie wagen es wohl nicht, sich einzumischen. Nur Nala kommt immer mal wieder aktiv mit herein, wie eben.

Gerade sehe ich, wie er einen der markierten Krieger, also wohl einer der Unterführer, mit geradezu brutal harten Hieben eindeckt. Anfangs versucht der Menschenkrieger noch sich aktiv zu wehren, aber schnell kämpft er nur noch darum, sein Schwert in der Hand zu behalten, um es den Hieben von Nala in den Weg zu halten - mehr als sich so nur noch minimal zu schützen kann er nicht mehr machen.

Wankend versucht er weiter sich zu verteidigen, aber ein weiterer schwerer Hieb reißt ihm fast das Schwert aus der Hand, er sinkt auf seine Knie. Nala setzt, noch außerhalb der möglichen Reichweite des Kriegers mit Schwung zu einem Hieb an, der den Menschen von oben treffen soll, der hebt mühsam sein Schwert zur Abwehr, Nala springt, weiter seinen Schwung ausführend, heran, damit auch die Wucht noch verstärkend und schon prallt sein Schwert auf das des Kriegers, das mit einem Klirren zerspringt. Der Hieb von Nala ist mit so viel Kraft und Schwung ausgeführt, dass er sein Schwert trotzdem weiter herabtreibt und dem Krieger, mit dem Geräusch des Hackmessers eines Metzgers, den Schädel und noch den halben Oberkörper spaltet. – Geradezu verächtlich setzt er einen Fuß gegen die Brust des Soldaten und mit einem Ruck zieht er sein Schwert aus dessen Körper und stößt mit dem Tritt diesen zugleich von sich.

Ich muss gestehen, dass ich als Mensch damals nur ungern gegen Nala gekämpft hätte…

Einer der Krieger hinter mir scheint zu glauben, dass ich abgelenkt bin. Der Schwung meiner Schwinge, der ihm die Brust zerfetzt, belehrt ihn eines Anderen.

Der Anführer versucht jetzt – endlich sozusagen - die verbliebenen Krieger zu sammeln umso geschlossen gegen mich vorzugehen. Sollen sie, dann brauche ich sie nicht zu suchen oder ihnen nachlaufen.

Ich warte ab, stehe vor ihnen und lecke meine Hände sauber. Genieße den Geschmack des Menschenblutes - das Adrenalin und die Angst, die ich darin schmecke. Wieder konzentriert sich mein Bewusstsein, fokussiert sich ausschließlich auf den Kampf. Gerade einmal zwanzig von ihnen stehen noch, haben noch einen Funken Leben in sich, den Funken Leben, der mich geradezu magisch anzieht, um ihn auszulöschen. Sie sind für mich nichts anderes als Kerzen - Kerzen, die ich ausblasen werde.

Ein Kommando ertönt, die ersten zehn stürmen auf mich zu. So eng beieinander, dass sie sich gegenseitig behindern – und es mir gleichzeitig viel einfacher machen. Ich springe ihnen entgegen und in den Krallen meiner vier Hände, Handlungs- und Flughände, und zwischen meinen Fangzähnen erlöschen vier Lebensfunken praktisch gleichzeitig. Wäre nicht der erregende Geschmack des Menschenblutes auf meiner Zunge – es wäre fast schon langweilig, so einfach ist das.

Die verbliebenen sechs versuchen nun mich zu umzingeln – und unterschätzen wieder einmal die Reichweite meiner Schwingenarme, sie hauchen ihr Leben an den Krallen meiner Flugfinger aus.

Bleiben noch zehn – neun Soldaten und der Anführer.

Jetzt schickt er sie in Zweiergruppen auf mich los. Die ersten beiden laufen blind in die Krallen meiner Flughände, die ich ihnen in die Schädel treibe – sind die Blöde? - Die nächsten zwei sind vorsichtiger, versuchen sich gegenseitig zu decken. Ich weiche dem ersten Schwert aus, blocke das zweite und der Körper des einen wird von vier Krallen meiner Rechten von oben bis unten aufgeschnitten. Der zweite stirbt durch die Krallen meiner linken Hand, die durch sein Schulterblatt in sein Herz dringen.

Die letzten fünf gehorchen nicht mehr und stürmen sofort gemeinsam auf mich zu. Der erste, der mich erreicht sackt nach einem schnellen Hieb von mir mit aufgeschlitztem Bauch zusammen. Die Schwerter der nächsten beiden prallen wirkungslos an meinen Schwingen ab, die Krieger werden durch schnelle Hiebe von den Krallen meiner Hände diagonal aufgeschlitzt, Nummer vier verliert durch einen Schlag meines linken Flugarmes sein Schwert und anschließend bohren sich vier Krallen meiner rechten Hand in seine Stirn. Noch während er vor mir zusammensinkt, genieße ich den Geschmack seines Hirns, das ich von meinen Krallen lecke.

Der letzte schafft es doch tatsächlich mich zu überraschen. Zwar bin ich mir bewusst, dass er angreift und wo er gerade ist, ich bin auch sofort wieder konzentriert. Aber er unterläuft mit einer schnellen Drehung in die richtige Richtung meinen Flugarm, mit dem ich ihn abwehren wollte und rammt mir mit einem Sprung sein Schwert in die Brust – genau genommen, auf Bhimas Rüstung. Ich werde durch die Wucht einen Schritt zurückgetrieben, aber sein Schwert prallt, nur eine harmlose Delle zurücklassend, an der stabilen Rüstung ab und wird ihm aus der Hand geprellt. Sofort springe ich wieder vor und greife mit meiner Linken um seinen Hals, meine Krallenspitzen liegen direkt über seinen Halsschlagadern. Aber etwas hält mich zurück.

„Du bist bisher der einzige von euch, der mich wirklich getroffen hat – das verdient eine Belohnung.“ knurre ich ihn an und verpasse ihm mit der flachen Hand einen Schlag auf den Solarplexus, der ihn vorerst außer Gefecht setzt.

Der erste aus dieser Gruppe, dem ich den Bauch aufgeschlitzt hatte, lebt noch. Aber überleben wird er die Wunde auch bei Behandlung nicht, zumindest nicht ohne Drachenheiler, der nicht zur Verfügung steht – die Krallen meines rechten Fußes beenden sein Leiden.

Jetzt steht niemand mehr zwischen mir und dem Anführer dieser Banditenbande. Er sieht wichtig aus in seiner prächtigen Tunika mit der glänzenden Rüstung – aber ist ein Feigling. Er weicht, mit ängstlich vor sich gehaltenem Prunkschwert, vor mir zurück, bis er gegen eine Wand stößt. Ein kurzer Schlag mit dem linken Flugarm, sein Schwert landet weit weg im Dreck. Genüsslich langsam drücke ich ihm die Daumenkrallen meiner Flughände in die Schultern und hebe die jammernde Gestalt daran hoch. Langsam ziehe ich ihn zu mir heran, die Krallen meiner Hände bohren sich gnadenlos langsam in seine Taille – flach, unter die Haut - es soll schmerzhaft sein, ihn nicht schnell töten. Vor Schmerz stöhnend und jaulend hängt er da vor mir. Er zappelt mit den Füßen, aber wagt nicht nach mir zu treten… oder er kommt nicht drauf. Ich lege meinen Kopf auf die Seite und drücke ihm meine Fangzähne hinter die Luftröhre, presse sie langsam zusammen bis sein Jammern und Winseln aussetzt, weil er keine Luft mehr bekommt und genieße seinen Todeskampf, wie bei einem Hirsch, den ich als Beute geschlagen habe. Der Geschmack seines Blutes berauscht mich noch einmal – dann setzt sein Herz aus, er ist erstickt. Ich lasse ihn los und achtlos zu Boden fallen. So gut mir die Menschen auch geschmeckt haben – trotzdem will ich sie nicht als Beute, als Nahrung für mich ansehen, obwohl dieser Gedanke in mir aufblitzt.

Ich schaue mich um und verschaffe mir einen schnellen Überblick. Außer uns Fünf sehe ich keinen mit Rüstung mehr stehen. Das wars dann wohl… schnell sinkt meine Anspannung und ich beginne wieder normal zu denken – oder genauer, überlegt zu handeln und nicht mehr überwiegend instinktiv zu agieren.

Tascha steht da, vor sich drei der Soldaten am Boden, die sie mit ihrem Schwert in Schach hält, die aber auch nicht so recht den Anschein machen, schnell wieder auf den Beinen zu sein. Ihre Blitze haben ganze Arbeit geleistet. Zwei weitere sind offensichtlich tot.

Padmini und Shanti bewachen vier verletzte Soldaten, die von den beiden und Nala aufgehalten wurden und die offensichtlich nur froh sind, noch am Leben zu sein.

Nala, der mindestens noch zwei andere Krieger auf ähnliche Art getötet hat und dessen Schwert aussieht, als ob es dringend einen Schmied braucht und nur durch neuschmieden noch zu retten ist, so zerschlagen sind die Schneiden, kommt langsam zu mir… dabei befreit er zweimal mit einem schnellen Schwertstich einen schwer Verletzten, gerade so noch lebenden von seinen Leiden.. Als er bei mir ankommt, zuckt er nur die Schultern.

„Mach ich auch nicht gerne, aber die konnte kein Heiler dieser Welt mehr retten… dann besser schnell, als noch stundenlang langsam sterben.“ -

Ich nicke und schaue mich um, da bewegt sich sonst keiner mehr – nur der eine, den Nala mit dem Schwert gestreichelt hat, im Vergleich zu den anderen, scheint langsam wieder zu sich zu kommen. Und der letzte der Krieger, den ich leben gelassen hab, kommt jetzt wieder zu Atem und setzt sich langsam auf. Er blickt sich ebenfalls um und erkennt, dass er einer der wenigen Überlebenden ist. Mühsam rappelt er sich hoch und winkt müde ab, als Nala sein Schwert kampfbereit hebt.

„I… ich ergebe mich… es ist sinnlos… ich habe nie einen Draccier so kämpfen sehen.“ –

„Ihr Menschen seid immer so überheblich…“ faucht Nala zurück. –

Der Krieger, dessen Haltung selbst so angeschlagen nicht recht zu seiner einfachen Rüstung passen will, nickt.

„Ja. Leider sind viele so… auch unser derzeitige Herrscher.“ Er klingt verbittert.

„Eigentlich wäre es besser, ihr tötet mich jetzt auch, mir winkt ohnehin dieses Los, wenn ich so wieder zurückkomme…“ –

Während Nala sich schon bereit macht, schnell zuzustechen und ich überlege, was der Krieger damit meint, ruft ein schon älterer Siedler, der in der Nähe steht, herüber und beeilt sich zu uns zu kommen.

„Halt… wartet.“ Er stellt sich schützend vor den Krieger.

„Nicht… tötet ihn nicht. Das ist Prinz Govinda von Bhagalpur – der rechtmäßige Herrscher von Bihar.“ –

Der zuckt nur die Schultern.

„Was ein ziemlich gefährlicher Titel ist, seit mein älterer Cousin die Macht an sich gerissen hat. Ich habe bisher nur überlebt, weil ich zu der Zeit nicht in der Stadt war und ihm dann meine Treue geschworen und ansonsten meinen Mund gehalten habe. Und hier bin ich auch nur, weil ich unter ständiger Überwachung von Soldaten bin, die meinem Cousin treu ergeben sind, weil sie ihm etwas schulden oder reichlich belohnt werden. Sie haben mich einfach mitgeschleppt, weil sie glaubten, in der Truppe hier sind keine mir freundlich gesinnten Soldaten. Und vermutlich wollten sie mich auch irgendwann einfach verschwinden lassen. Aber wie ich sehe haben die beiden einzigen, die hier doch auf meiner Seite waren, überlebt.“ –

„Die drei waren neben Prinz Govinda auch die einzigen, die sich uns gegenüber noch anständig verhalten hatten“ ergänzt der Siedler sofort.

„Sicher hätten sie nichts machen können, aber sie haben immerhin nicht mitgemacht. Prinz Govinda hat sich trotz der Gefahr für sich noch für uns eingesetzt. Ich hatte dabei den Anführer beobachtet… der Tod von Prinz Govinda war offensichtlich schon geplant, ihr habt ihn gerettet, Herr.“ –

Ich winke ab.

„Das hat er selber gewissermaßen. Aber als Prinz solltest Du mir ja sagen können, was ihr hier wollt. Dies ist Drachenland, schon lange vor Valarinn. Und der jetzige Herr wird das Eindringen hier nicht tolerieren. Schon gar nicht auf diese Art, unschuldige Siedler zu versklaven und zu töten.“ –

Govinda schüttelt den Kopf.

„Ich verstehe, warum Du das denkst. Aber ich weiß es nicht. Mein Vater hatte nie derartiges vor, wir haben das Drachenland immer respektiert. Er ist nur manchmal zur Jagd ein Stück über die Grenze geritten. Ich habe auch keine Interessen hier. Gold können wir aus den Flüssen auch auf unserer Seite genug waschen. Und unser Land ist fruchtbar genug für unser Volk. – Ich vermute, mein Cousin erhofft sich irgendwelche Schätze... Gold, Silber…vielleicht besonders reines Eisen für Waffen… Aber warum auf diese Art? Ich weiß es nicht… ich hoffe nur, er erzürnt den Herrn dieses Landes, den Drachen so sehr, dass dieser kurzen Prozess machen wird mit dem Thronräuber, der meinen Vater umgebracht hat.“ –

Oha… jetzt hat sich Govinda in Rage geredet… bisher war er sehr zurückhaltend und diplomatisch, aber jetzt ist ihm wohl klar geworden, dass er von mir weniger zu befürchten hat, als von „seinen“ Leuten.

„Du willst also, dass ich Dir Deinen Thron zurückhole?“ –

Er senkt seinen Blick und schüttelt den Kopf.

„Ich weiß, dass ein Drache sich nicht um die Menschen kümmert. Ihr habt hier aber gezeigt, dass Ihr Euch durchaus auch für die Menschen interessiert.“ Er geht auf sein Knie.

„Verzeiht… aber Ihr habt gerade meinen Verdacht bestätigt. Eure Schuppen, die von keinem Schwert verletzt werden konnten… Eure Hand an meinem Hals, die sich so anders angefühlt hat, als die von Dracciern… Eure ganze Erscheinung… Ich weiß nicht, ob Ihr der Herr dieser Region oder sogar der Drache seid, der über uns alle wacht. – Nein ich habe nicht vor, Euch darum zu bitten. Meine Hoffnung ist, dass der Thronräuber bald vertrieben sein wird, damit mein Volk wieder frei und ohne Furcht leben kann. Ob ich dann wieder an der Spitze stehen werde, wird mein Volk entscheiden. Das war ohnehin der Plan von meinem Vater und mir. – Und das, was mein Cousin unbedingt verhindern wollte.“ –

Ich muss grinsen.

„Du bist diplomatisch, Prinz. ‚Wacht‘ und nicht ‚Herrscht‘… Und dass Du nicht nach der Macht strebst…“ –

Jetzt greift der Siedler ein, der sich jetzt auf die Knie wirft, weil ihm jetzt auch klar wird, dass ich ein Drache bin.

„Herr, Gebieter… verzeiht. Prinz Govinda spricht die Wahrheit. Es ist bekannt im Volk, dass unser gütiger Herrscher Rajesh Gopal das Volk entscheiden lassen wollte, wer der nächste Herrscher sein sollte, aber Prinz Govinda hatte den meisten Rückhalt im Volk und schien den meisten auch als der geeignetste nächste Herrscher.“ –

Govinda seufzt.

„Wäre mein Cousin durch das Volk erwählt worden, hätte ich es auch akzeptiert. Aber er hat meine Abwesenheit genutzt sich selber auf den Thron zu setzen, nachdem mein Vater sehr plötzlich starb… Als ich zurückkam, wurde ich sofort gefangen genommen… und mir wurde gedroht, das gleiche Schicksal zu erleiden wie mein Vater… was mich vermuten lässt, mein Vater wurde von meinem Cousin ermordet. – Aber das ist nicht Eure Sache, das ist Sache von uns Menschen.“

Er schaut sich erneut seufzend um.

„Lasst mich zuerst dafür sorgen, dass die Toten nach den Riten zu den Göttern gehen können. Auch wenn es meine Feinde waren, oder zumindest Fehlgeleitete, so sind es doch Menschen meines Landes. – Außerdem möchte ich diese Arbeit nicht den Dörflern hier auch noch aufbürden.“ –

Nala steckt sein Schwert ein und nickt.

„Richtig, wir sollten wenigstens helfen hier aufzuräumen. Wie sind denn die Riten bei euch?“ –

Ich werde von Tascha abgelenkt, die jetzt zu mir kommt und mich eingehend mustert.

„Mir geht’s gut. – Wenn Du das wissen möchtest.“ –

„Ja, das auch. Aber… Du hast doch das Menschenblut nur getrunken, um sie zu schockieren…?“ –

„Ja schon. Aber es schmeckt auch sehr gut. Das hätte Erce mir sagen sollen… - nicht, weil ich Menschen auf den Speiseplan setzen möchte, das wäre mir auch zuwider, intelligente Wesen als Nahrung zu sehen. – Aber es wäre mir leichter gefallen, den Drang das Blut zu trinken unter Kontrolle zu halten. Darum hatte ich das so oft gemacht. Verzeih.“ –

„Du… Dir schmeckt das? – Für mich hat das einen richtig widerlichen Geschmack. Und soweit ich weiß auch für die Großen… - Warum für Dich nicht?“ –

„Weil ich so alt bin, dass Erce das noch nicht sozusagen mit eingebaut hat…? Weil sie vergessen hat, mir das auch mitzugeben? Weil sie sicher ist, dass meine menschliche Seite das schon verhindern wird, dass ich mich von Menschen ernähre?“ –

Sie seufzt.

„Ja, das sollte ich wohl Erce selber fragen… Aber gerade das Erste klingt logisch. Du sagst ja, dass alle Drachen von Erce weiter entwickelt wurden… verändert wurden.“ –

„Nur in einigen Bereichen zu einem Ziel geleitet worden sind. Weiterentwickelt und verändert haben die Drachen sich auch ohne den besonderen Einfluss von Erce. Dass ihr den Geschmack von Menschen nicht mögt, ist vermutlich aber so ein gezielter Einfluss. Dass die meisten Drachen Menschen insgesamt ablehnen, ist wohl eher unbeabsichtigt daraus entstanden.“ –

„Und wie steht Eldingar dazu?“ –

Ich grinse schief.

„Wirklich glücklich bin ich nicht, aber es war wohl notwendig und nur mit vielen eigenen Kriegern, die hier dauerhaft abschrecken, anders zu lösen gewesen – wäre ich als Drache aufgetreten, hätten sie sich zwar verzogen aber wären morgen wiedergekommen. – Außerdem habe ich früher schon schlimmeres getan und gesehen.“ –

Sie schaut mich fragend an.

„Eldingar?“ –

„Ja.“ –

„Schlimmeres?“ –

„Ja. Noch schlimmer. Sogar mehr als das als Vikingr – jedenfalls an einem Tag. Und nicht immer waren die Getöteten Soldaten.“ –

„Dann war das von Dir nicht mal das mörderischste gewesen? – Bei Erce… sind die Menschen drüben noch kriegerischer?“ –

„Das als Vikingr war insgesamt wohl das brutalste, das ich selber gemacht hatte. Und ja sie sind drüben noch kriegerischer. Oder vielleicht nicht mal. Aber sie sind schon immer mehr gewesen. Viel mehr als hier, da sind Kriege schnell größer und tödlicher. Ich bin dort durch Städte gezogen, in denen manchmal viele tausend Einwohner tot in den Straßen lagen. – Zu der Zeit war ich aber an deren Tod nicht direkt dran beteiligt.“ –

Sie seufzt.

„Tausende, die einfach so… langsam verstehe ich, warum Erce euch als Wächter über die Menschen bestimmt hat.“ –

„Ja. Nimm nur diese Siedlung, die ist mit 50, vielleicht 60 Menschen ja sogar schon recht groß für das Drachenland. Die wären vermutlich alle versklavt oder getötet worden. Wobei ich nicht weiß, warum eigentlich. Außer die wollen das Land hier für sich erobern und probieren gerade aus, ob ich mich darum kümmere.“ Ich schaue mich um.

„Nun, die Antwort haben sie. – Aber drüben wäre das zu meinen Kriegerzeiten vor 400 Jahren leicht eine Siedlung mit mehreren hundert, vielleicht 1.000 Bewohnern gewesen. Und auch solche wurden manchmal vollständig verwüstet. Was hätten die auch gegen einen Heereszug von Fünf- oder auch mal Zehntausend hungrigen Söldnern machen sollen. Oder gegen moderne Waffen…“

3.

Mittlerweile haben die Siedler einige Karren herausgeholt und alle, auch die überlebenden Soldaten, haben begonnen, die Toten aufzuladen und vor die Siedlung zu bringen.

„Tascha, geh Du bitte mit Padmini und Shanti in das Lager der Krieger. Da sie hier ja anscheinend auch Sklaven gesucht hatten, ist es möglich, dass dort noch mehr Gefangene sind.“ –

Tascha nickt nur und ruft dann die beiden zu sich. Kurz darauf heben sie ab und fliegen in die Richtung, wo das Lager sein müsste. Ich beteilige mich dabei, die toten Krieger aufzuladen – durch die Karren ist das dann auch schnell erledigt, obwohl alle vermeiden, sie übereinander zu stapeln.

Vor dem Dorf ist hier ein recht beachtlicher Vorrat an Holz, teilweise eindeutig Brennholz, teilweise bessere Stämme, die als Bauholz geeignet scheinen. Alles in Reihen aufgeschichtet, das Brennholz in ca. 2 Meter breiten, gut mannshohen und ungefähr 20 Metern langen Reihen. Auf einer dieser Reihen Brennholz werden jetzt die Körper abgelegt, nachdem ihnen die Rüstungen abgenommen worden sind. Also wird das eine Feuerbestattung, in dem Klima hier auch durchaus sinnvoll. Nala erläutert mir, dass nur die Rüstungen abgenommen werden, weil die das Verbrennen behindern würden. Alles andere wird ihnen gelassen, was er schulterzuckend als ‚etwas Dumm‘ bezeichnet. Draccier lassen zwar den Toten ihre persönlichen Dinge, aber gute Waffen und Rüstungsteile gehören für die Krieger zum Allgemeingut, das nach dem Tod weitergegeben und genutzt wird. Schmuck und Geld dagegen hat für sie zwar auch einen Wert, gilt aber als persönliches Gut, dass der jeweiligen Familie gehört. – Aber da hier nur Menschen betroffen sind, hält er sich an deren Regeln, obwohl er der Meinung ist, dass die Siedler die Waffen durchaus gut gebrauchen könnten und die Wertgegenstände für die Familien der Toten bewahrt werden sollten.

Wir helfen dabei, die Körper auf den Holzstapel zu legen, was für uns beide kein Problem ist, auch Nala ist kräftig genug einen der Menschen alleine hochzuheben. So brauchen wir keine halbe Stunde und die Stätte ihres letzten Weges ist bereitet.

Wie auf Bestellung kommt jetzt auch Tascha vom Dorf her.

„Wir haben das Lager gefunden. Zwei Wachen, die haben gleich ihre Schwerter fallen lassen, als sie uns gesehen haben. 22 junge Männer, 20 Frauen, alle fast noch Kinder, gefesselt – sollten wohl als Sklaven verkauft werden. Dazu ein paar Karren mit allem möglichen Zeug. Und natürlich Verpflegung. Aus meiner Sicht nicht der Sinn des Raubzuges hier. Eher so als Beute für die Krieger um sie bei der Stange zu halten.“ –

„Klingt logisch… so wie es ausgesehen hat, hätten sie hier die 50 vollgemacht… für jeden Krieger einen Sklaven oder Sklavin…“ –

Govinda ist näher gekommen.

„Glaubt bitte nicht, dass unser Volk bisher Gefangene gemacht und als Arbeitskräfte oder schlimmeres benutzt hat. Aber seit einigen Monaten hat sich leider viel verändert. Und ich bin mir sicher, es ist schon geplant, dass ich auch als Arbeitssklave nach irgendwohin verschwinde, wenn ich nicht umgebracht werde. Als Krieger bin ich immer noch sichtbar und gefährlich für den Thronräuber. – Und ja. Jedem der Krieger wurde ein Sklave versprochen.“ –

„Nun… wir werden sehen. – Was passiert jetzt mit ihnen, Tascha?“ –

„Die Siedler kümmern sich erstmal um sie. Und wenn sie hier bleiben… die Siedlung kann sie durchaus aufnehmen und ihnen eine Zukunft bieten. – Ich habe nebenbei mit den Leuten hier gesprochen – das Holz hier ist von der Rodung der Siedlung und der Felder. Und hier wächst viel gutes Holz. Davon gibt es hier in der Umgebung auch noch mehr. Einige der Siedler können sehr gut mit Holz umgehen und sie planen derzeit, sich als Gemeinschaft neben der Nahrungsproduktion auf Tischlerarbeiten zu spezialisieren. Dafür haben sie rundherum so viele geeignete Bäume in Reichweite, dass sie genug als Samenbäume stehen lassen können, selbst wenn sie voll ausgelastet sind. Und wir könnten das ja auch gut brauchen, wenn die Garde aufgebaut wird. Die meisten Unterkunftshöhlen weiter unten sind ja leider nicht oder nur sehr einfach eingerichtet.“ Sie grinst. –

„Du hast schon was besprochen, oder?“ –

„Ja. Genau.“ Sie grinst noch breiter.

„Verzeih, aber das gehört doch auch zu meinen Aufgaben, wenn ich das richtig verstanden habe.“ –

Ich nicke.

„Ja richtig. Und wenn ich es mir überlege, ist es sinnvoll auch weiter entfernt liegende Siedlungen zu beteiligen. Nicht nur die direkt bei der Höhle liegenden.“ –

„Du solltest langsam überlegen, Deinen Wohnsitz nicht mehr einfach als Höhle zu bezeichnen, auch wenn es von außen immer noch so aussieht.“ Sie zwinkert mir zu. –

Ich schüttele den Kopf.

„Es wird eine Höhle bleiben. Ich sollte überlegen, die Menschen nicht mehr vor dem großen Eingang ihre Waren handeln zu lassen. Besser weiter unten und einen anderen Zugang schaffen. Da oben sollen sie nicht alles zu Staub zertreten, das bleibt Drachengebiet. Ich denke an die Steilwand unterhalb, noch vor den ersten Unterkünften. Ausreichend Platz für Handelsstände und noch mit Karren erreichbar. Und gleich die erste Unterkunft da unten ist ja auch eine größere Unterkunftshöhle, ideal für eine Wachtruppe, die den weiteren Zugang kontrolliert.“ Ich blicke sie etwas verwirrt an.

„Rede ich gerade Unsinn? Ich sollte jetzt andere Probleme haben…“ –

Tascha streicht mir über die Wange.

„Schon gut. Das ist normal. Nach heftigen Kämpfen reden alle Krieger ziemlich wirres Zeug. Meistens aus Erleichterung, das überlebt zu haben. Bei Dir wohl eher um die frischen Erlebnisse ein wenig zu verdrängen. – Und wirr ist das ja nicht bei Dir, nur nicht so ganz zu der Situation hier passend.“ –

„Ja, gut möglich. – Vielleicht um die Gleichgültigkeit des Drachen etwas zu überwinden…“ –

„Du bist nicht gleichgültig gegenüber dem, was Du getan hast. Es war notwendig, sie waren Mörder und sie waren Nackthäuter, es gibt noch mehr als genug von ihnen, also kein Grund mehr Gedanken drüber zu verlieren.“

„Þórr… das… es sind Men… es sind intelligente Wesen, über die wir wachen sollen.“ –

„Richtig Eldingar. Aber Du selber wolltest sie töten. Erinnere Dich daran und lasse dann diese Gefühlsduseleien, wie der Mensch es nennt. Sie haben gemordet. Eine Tat in einer Art und Weise, die eine harte Strafe erfordert, um es zu sühnen. Drüben hätten die Menschen sie früher in tiefe Kerker geworfen, in denen sie den Rest ihres Lebens ohne das Tageslicht je wieder zu sehen, dahinvegetieren müssten, was eine gerechte Strafe wäre – oder sie getötet. Du hast so etwas nicht, also hast auch Du sie ebenfalls getötet. Schnell, ohne langes Leiden. – Du hast oft genug erlebt, dass so ein Tod nicht schmerzlos ist, auch wenn es die Menschen gerne sagen, wenn es schnell geht. Manchmal dringt es nur nicht mehr zum Bewusstsein durch, weil das schon im Todestraum gefangen ist. Auch das hast Du schon oft genug erlebt.“ –

Mit Todestraum meint Þórr den Zustand, wenn das Gehirn sich beim Sterben von der Außenwelt abschließt und sich, bzw. dem Bewusstsein einen letzten kurzen, meist sehr angenehmen Traum erleben lässt, ehe alles verblasst… - Ich reiße mich von diesem Gedanken los.

„Du meinst also… es war sogar die bessere Entscheidung, sie zu töten?“ –

_„Obwohl wir wissen, dass wir im Lebensstrom aufgehen werden, hängen wir an unserem Leben. Wir Alten besonders, wir hatten nichts anderes als unser bewusstes Leben. Selbst wenn Du Dich selber umbringen wollen würdest, Du wirst nicht an meinem Lebenswillen vorbeikommen.

Du bist erschreckt über die unendlich erscheinende Lebensspanne eines Drachen, eine Spanne die Erce Dir bisher schon sehr viel weiter gewährt hat, als bei allen anderen Drachen – wenn auch in kurzen Etappen. Und Du wirst noch deutlich länger als Drache leben dürfen. Für Dich etwas erschreckend, ich weiß - aber ich freue mich darauf. Leben… und als Drache hier ohne Gefahr, dass einer dieses gewaltsam beenden könnte… abgesehen von Erce natürlich - Du freust Dich darauf, zu den Sternen zu fliegen, ob in dieser Welt oder einer anderen… Ich fürchte es, weil das unser Leben beenden könnte…

  • Trotzdem erkenne ich, wenn es besser ist, ein ohnehin begrenztes Leben nicht unter Leiden leben zu müssen. Und eine Zeitspanne die länger sein dürfte, als das bisher gelebte Leben – so lange eingesperrt zu sein, ohne das Licht der Sonne sehen zu dürfen. In unendlicher Langeweile das eigene Leben dahinrinnen sehen zu müssen, weil der Tod als zu hart gilt… - das sehe ich als sehr harte Strafe an. – Ich will leben… und sei es praktisch ewig. Aber nach tausenden Jahren in so einer Gefangenschaft, würde ich mir irgendwann auch den Tod wünschen, um das nicht weiter erleiden zu müssen. So gesehen hast Du sie hart, sehr hart bestraft für ihre Taten – aber nicht undrachisch, oder unmenschlich, wenn Dir das lieber ist.“ –_

„So gesehen… - Aber ich bin immer noch der Meinung, ein Mensch sollte keinen Menschen töten, auch nicht als gerechtfertigte Strafe“ –

„Es ist logisch. Und es entspricht unserer Mentalität. Wir sind ein Drache. Du etwas weniger, ich etwas mehr. Du bist das, was ich als Mensch erlebt und gelernt habe. Ich bin der fossile Drache, der noch viel mehr auf sich selber bezogen ist, als die heutigen. Viel arroganter, viel gleichgültiger gegen alle anderen. Für mich sind Drachen hauptsächlich Konkurrenten, alle anderen bestenfalls Beute, wenn nicht vollkommen egal. Zusammen sind wir aber dieser Drache, der alle fasziniert. Aber auch wenn selbst die Nackthäuter Dich irgendwo sympathisch finden, wird sich keiner besonders erschrecken, wenn Du mal einige von Ihnen tötest. Und in diesem Fall werden die meisten sogar zustimmen, dass es richtig war.“ –

„Ich verstehe. – Siehst Du die anderen immer noch so?“ -

„Ja und nein. Ich denke aufgrund Deiner Erfahrungen jetzt ein wenig anders, erkenne andere Drachen jetzt als mein Volk an und nicht mehr nur als Nahrungskonkurrenten. Und nicht mehr alle anderen nur als Beute. Menschen sind für mich immer noch sehr merkwürdig, aber ich erkenne ihre Intelligenz an. Und ich weiß, dass sie diese ohne den direkten Einfluss von Erce entwickelt haben.“ -

„Du bist gerade so gesprächig…“ –

„Nein, Du bist es. Wir sind eins - nur unterschiedliche Erfahrungen… Aber ein – wie nennst Du die… Psychopath…“ –

„Psychiater… ja der würde mich gerade wohl als schizophren diagnostizieren…“ –

„Richtig… so was war das. – Naja… Du diskutierst mit Dir selber, Deine Gedanken sind von zwei unterschiedlichen Erfahrungen geprägt, Du hörst die Stimmen von Erce und Sálleiðtogi… - sie versucht ja schon seit einiger Zeit Kontakt aufzunehmen, ich hatte das blockiert, weil sie nicht alles mitbekommen sollte. Sie ist nun mal eine Freundin der Menschen…“ –

„Oh… ja, das war besser so…“ –

Ich hebe die Blockade auf, lasse meine Erinnerungen aber weiter gesperrt.

„Eldingar… endlich. Warum hast Du mich ausgesperrt? Ich mache mir Sorgen.“ –

„Verzeih Schwester. Aber Þórr war der Meinung, dass es besser sei. Und ich stimme ihm zu.“ –

„Oh, was ist denn passiert?“ –

Ich spüre zwar ihre Neugierde, aber sie versucht nicht mal an meine Erinnerungen zu kommen.

„Ich… musste töten.“ –

„Oh… ich vermute Menschen…“ –

„Ja. Sie hatten bereits selber Menschen, friedliche Siedler getötet.“ –

„Hmm… bedauerlich, das sowas passiert ist. Du weißt… Aber wenn es Deine Entscheidung war, war es sicher die richtige.“ –

„Danke für Dein Vertrauen…“ –

„Ernsthaft Eldingar. Ja ich bin noch sehr jung. Ja ich mag die Menschen sehr, viel mehr als die anderen Drachen, die ich kenne, Menschen mögen. Sogar mehr als Mama sie mag, oder Eldflóð, die ja beide in die Menschenwelt reisen. Aber ich weiß auch, dass Menschen sehr grausam sein können gegeneinander. Und dass es manchmal sinnvoll ist, einige zu töten, damit viele am Leben bleiben. – Ich bin nicht wütend oder böse auf Dich. Vielleicht enttäuscht, dass einige Menschen Dich dazu gezwungen haben, Du bist ja auch einer gewesen.“

Ich spüre, dass sie meine Stimmung auf sich wirken lässt, offensichtlich ist sie aber beruhigt, dass es mir soweit gut geht. Sie verabschiedet sich kurz, hält aber den Kontakt enger, als normal. Sie macht sich also Sorgen um mich.

Tascha hat bemerkt, dass ich mit mir selber beschäftigt war und hat geduldig abgewartet und mir dabei sanft den Nacken gestreichelt.

„Na? Hat Þórr Dir den Kopf zurechtgerückt?“ Sie grinst frech. –

„Er hat mich daran erinnert, dass ich ein Drache bin und Nackthäutergefühlsduselei nicht angebracht ist. – Und Sálleiðtogi hat Verständnis für das was geschehen ist. Wie Þórr meinte… wir Drachen unterscheiden eben alle anderen nur nach Beute oder unwichtig.“ –

„Oh… obwohl da schon was dran ist. – Ich bin in einem anderen Umfeld aufgewachsen, für mich gibt es auch bei den anderen noch mehr Unterscheidungen. Aber bei euch… manche von euch finden die Menschen ja noch interessant, aber im Grunde unwichtig wie du sagtest. Nur Du denkst da manchmal anders…“ –

„Zum Glück nur manchmal…?“ –

„Ja. Deine Gedanken vorhin, die Menschen vom Eingang deiner Wohnstätte wegzuhalten und sie weiter unten Handel treiben zu lassen, ist wieder eher typisch für einen Drachen. – Obwohl die anderen nicht mit Menschen handeln würden, sie würden es einfach fordern.“ –

„Da muss ich auch noch drüber nachdenken… wäre ich alleine als Drache könnte ich ihnen ohne Gegenleistung helfen und sicher das eine oder andere einfach so einfordern. Aber so… mit einem ja irgendwie repräsentativem Wohnsitz und einer Garde, die ja sicher bald auch größer wird, da muss ich entweder die Menschen ausplündern oder mit ihnen handeln um alle notwendigen Waren zu bekommen. Handeln ist mir sympathischer, aber dafür sollte ich auch Einnahmen haben. Ob Steuern, ob Hilfe gegen Bezahlung, oder ob ich selber Waren anbiete… - dass muss ich noch überlegen.“ –

Govinda, der immer noch bei uns steht hört interessiert zu.

„Garde? Ich vermute, ihr habt Draccier als Eure Garde gewählt. Würdet Ihr auch Menschen in Betracht ziehen?“ –

„Du denkst daran, in meine Garde einzutreten? – Was ist mit Deinem Volk?“ –

„Verzeiht, es klingt egoistisch, aber in Eurer Garde wäre ich sicher vor den Attentätern meines Cousins. – Und wenn es an der Zeit ist, stehe ich meinem Volk wieder zur Verfügung, wenn sie es wünschen. Und wenn Ihr es erlaubt.“ –

Ich schaue Tascha an, sie zuckt mit den Schultern.

„Warum nicht. Du hast ja schon gesagt, dass Du auch Menschen aufnehmen würdest. Und er scheint nicht der unfähigste Soldat zu sein. Immerhin ist er mit der Waffe in der Hand Dir entgegengetreten und lebt noch…“ –

Ich schaue Govinda wieder an.

„Gut. Nun… vielleicht kannst Du ja auch etwas an Kampferfahrung und Taktik der Menschen an die Draccier weitergeben. Du darfst Dich als … Gastkrieger oder so meiner Garde anschließen. Nach außen Gardist, intern mit Sonderstatus. Es sei denn, Du willst voll in meinen Dienst treten, dann natürlich ohne diese… besondere Regelung. Und dann auch ohne einen schnellen Weg zurück als Herr über Dein Land – Es wird sich finden. – Allerdings können wir Dich jetzt nicht mit uns nehmen, da wir fliegen werden. Du musst Dich schon selber durchschlagen.“ –

Er verneigt sich.

„Ich danke Euch für diese Ehre. – Und ich verstehe. Da ich nicht alleine unterwegs sein werde – und wenn unsere Bants noch nicht fortgelaufen sind – werden wir sicher bald Euren Sitz erreichen.“ –

„Ich verstehe. – Wie geht es hier weiter?“ –

„Ein paar Gebete, dann werden wir die Toten zu den Göttern senden. Danach suche ich meine Sachen zusammen und schaue, ob ich den Siedlern noch irgendwie helfen kann. Und dann mache ich mich mit den anderen noch lebenden Kriegern – sie sind alle mehr oder weniger auf meiner Seite gewesen oder zumindest nicht gegen mich - auf den Weg. Ich verstehe, wenn Ihr euch nicht für das weitere interessiert, Herr. Ihr habt bereits mehr getan, als jeder andere Drache...“ Er stockt kurz.

„Verzeiht… ich wollte Euch nicht beleidigen.“-

Ich muss kurz grinsen.

„Ich verstehe. Du hast mich mit der Anspielung nicht beleidigt. Aber sei anderen gegenüber vorsichtiger. – Verzeih, aber ich muss zurück, es gibt noch viele Dinge zu regeln, daher kann ich den Ritualen nicht beiwohnen, aber ich weiß, dass sie ihren Weg in den Lebensstrom gefunden haben.“ –

Er verneigt sich wieder, was ich mit einem kurzen Nicken erwidere. Dann machen Tascha und ich uns auf den Weg zu den anderen drei, die uns schon erwarten.

„Hmm… ist euch auch aufgefallen, dass besonders Govinda nicht so unterwürfig mir gegenüber ist, wie die anderen Menschen sonst?“ frage ich in die Runde, als wir angekommen sind.

„Mich stört das nicht weiter, so ist es so ja auch einfacher mit ihm zu sprechen, aber es fällt mir schon noch auf.“ –

Nala nickt.

„Ja, alle hier sind deutlich weniger verängstigt Dir gegenüber. Ich denke, die meisten glauben nicht, dass Du der Drache bist, der hier der Herr über alle ist. Wer hat jemals einen Großen Drachen als Anthro gesehen… - Dazu vielleicht unser Beispiel, auch wir Draccier gehen mit Dir ja fast wie mit einem Anführer unserer Stämme um. Zumindest jetzt und hier. In Deiner blutverschmierten Rüstung siehst Du aber auch wie ein normaler Hauptmann unserer Krieger nach einer Schlacht aus. – Verzeih das ‚normal‘ Herr.“ –

„Das muss ich nicht verzeihen. Genau das wollte ich ja erreichen. – Aber wir sollten zurück. Hier ist alles getan und ich möchte schauen, was für Informationen gekommen sind. – Auch wenn ich noch keinen eigenen Geheimdienst habe, bin ich mir sicher, dass Jaya und Shankar über ihre Stämme schon Informationen bekommen, soweit ihre Beziehungen reichen. – Das nächste, dass ich in Angriff nehmen muss… noch weiß ich nichts, was im Süden so passiert. Die müssen da langsam auch den Drachen sehen und wissen, dass ich sie nicht vernachlässige…“ –

Die drei Draccier grinsen.

„Selbst wenn Du morgen schon aufbrichst, die Nachricht, dass der Drache hier eine Armee vernichtet hat, wird schon vor Dir dort sein.“ Antwortet Padmini mir immer noch grinsend.

„Ob Menschen oder Draccier – Latrinenparolen sind schneller als der Wind. Und überall hat immer irgendwer Zugang zu einem Informationsknoten.“ –

„Oh ja… und an jeder Station wird neues dazu gedichtet…“ seufze ich, muss aber auch grinsen. –

„Ja… aus einer kleinen Gruppe Draccier im Auftrag eines Drachen wird am Ende eine Horde von Großen Drachen, die ganze Landstriche ausgelöscht haben…“ meint Nala grinsend.

„Gut so wild wird es nicht werden, aber es wird schon ziemlich übertrieben…“ –

Ich nicke.

„Ja leider. Lasst uns aufbrechen, dann kommen wir noch vor Sonnenuntergang an.“ –

Alle nicken, alle sind bereit und so starten wir nacheinander nach einem kurzen Anlauf und steigen langsam höher nachdem wir Kurs auf meine Höhle genommen haben. Die drei Draccier haben jetzt eine gemeinsame Formation eingenommen, der Tascha und ich dichtauf folgen.

Wir kommen jetzt schnell voran, alle hatten von den angebotenen Speisen der Siedler genommen, was sie brauchten, auch Tascha – nur ich hatte keinen Appetit, spüre aber, dass ich noch genug Energie habe. Allerdings wird Abend mindestens eine Hirschkeule dran glauben müssen – oder was auch immer Jaya eingehandelt hat.

Etwas belustigt beobachte ich Padmini und Shanti, die einen kleinen, aber offensichtlich freundschaftlichen Wettstreit am Laufen haben, wer wohl schneller ist, bzw. genau genommen, wer von ihnen die bessere Ausdauer hat. Jedenfalls treiben die beiden Nala schon recht flott voran, was Tascha und mir allerdings zu Gute kommt, denn so erreichen wir schon fast unsere normale Fluggeschwindigkeit, was uns wieder Kraft spart.

Tascha betrachtet die beiden kopfschüttelnd.

„Die beiden… wie die Kinder. Eben noch ernst und angestrengt bemüht, ihre Aufgaben zu erfüllen – übrigens beide haben sich sehr besonnen angestellt und haben mit Übersicht und dem nötigen Ernst ihren Job getan. Beide haben ohne Zögern einen der Menschenkrieger sehr schnell getötet, auch wenn es ihnen nicht leichtgefallen ist. Wenn es drauf ankommt, kannst Du Dich auf beide verlassen.

Aber schau sie Dir jetzt an… egal was passiert ist, sie wollen einfach ihr Leben genießen… - Wäre ich doch auch nur so. – Wieder so…“ –

„Du warst doch jetzt schon mindestens so lange eine Dracci-Kriegerin, wie die beiden überhaupt leben. – Sicher für eine Drakari bist Du damit immer noch jugendlich und vermutlich auch noch so verspielt wie die beiden, aber Du hast schon jahrelang damit gelebt, zu überleben und anderen eben dieses so schwer wie möglich zu machen. Glaub mir, Du würdest Dich in wenigen Tagen zu Tode langweilen, wenn Du Dich mit so überaus wichtigen Dingen wie Kleidern, Schmuck und Frisuren Deinen Tag verbringen würdest.“ –

„Bäh! – Da wird mir ja jetzt schon schlecht…“ –

Ich grinse breit.

„Ja, und einfach alles wegmeditieren… das machen wir Großen ja wenn wir etwas älter sind. – Das was die beiden da gerade machen, ist aber durchaus vergleichbar wenn auch auf andere Art. – Und ich fürchte, in einem Jahr werden sie wie wir anderen ernst und darauf bedacht kräftesparend den Weg zurückfliegen. Lassen wir ihnen noch den Spaß. – Wir profitieren ja auch davon.“ –

„Aber Du wirst Dir heute Abend das Gejammere von Padmini anhören dürfen. Und Bhima beneide ich auch nicht…“ –

„Bist Du nicht da?“ –

„Doch, ich meine heute Nacht, im Bett.“ Sie grinst. –

„Ich denke Tyria wird wohl mit mir schlafen wollen… oder auch ein wenig mehr.“ Ich grinse zurück. –

„Na… so wie Padmini mit Dir heute Morgen angekommen ist… Aber Du hast schon recht, Tyria wird nicht mit Dir die Partnerschaft festigen und Dich dann in der Nacht einer anderen überlassen.“ –

„Es wird ohnehin nichts zwischen Padmini und mir passieren, was über ein Kuscheln hinausgehen wird. Ich mag sie sehr, aber wir haben uns auf ein familiäres Verhältnis geeinigt. Das lässt viel Schuppenkontakt zu, aber eine Paarung wird es nicht geben.“ –

„Gut. Sehr gut.“ –

Das klang sehr zufrieden, fast glücklich. Tascha war immer so zurückhaltend in dieser Sache gewesen, hat immer alle anderen Weibchen um mich herum geduldet… Aber diese kurze Stimmung zeigt mir, dass sie mich eigentlich auch voll und ganz für sich haben möchte.

„Ich gehöre Dir, meine Blitzkriegerin, sei unbesorgt. Dir und Tyria. Und Tyria wird ihre vollen Rechte erst … viel später erheben.“ –

Tascha seufzt.

„Ich will Dich nicht verlassen…“ –

„Wir werden zusammenbleiben.“ –

Sie grinst etwas schief, konzentriert sich dann aber wieder nach vorne, wo jetzt die schon vertrauten Bergrücken auftauchen. – Kurz überlege ich, wie schnell das alles hier für mich zur Heimat geworden ist und ich an „zu Hause“ denke, wenn ich meine Höhle hier meine.

Die kleinen Waldsiedlungen hier haben den heftigen Regen in der Nacht alle gut überstanden, ich kann auch im weiteren Umfeld keine Erdrutsche erkennen. Aber jetzt ist der Monsun auch voll angekommen. Im Moment scheint hier oben zwar die Sonne, aber rundum hängen die Täler schon wieder voller Wolken. Und eine Front ist auch schon wieder auf dem Weg hier hoch. Die Gewitterlage ist gerade eher niedrig. Also alles völlig normal für diese Jahreszeit.

Da es also auch Abend und in der Nacht kräftig regnen wird, habe ich genug Zeit, NüShi viele ihrer Fragen zu beantworten. Denn natürlich werde ich sie nicht in diesem Regen weiterziehen lassen.

Dann, wir fliegen recht niedrig an, kommt meine Höhle nach einer Kurve in Sicht. Ich spüre das allgemeine Aufatmen deutlich, denn langsam werden die Draccier doch müde. Trotzdem veranstalten die beiden jungen Nachtkriegerinnen ein letztes Wettrennen zur Höhle, das sie dann am Ende doch zusammen mit einer praktisch gleichzeitigen Landung auf der Wiese beenden. Nala, der es nicht mehr übertrieben hat, landet etwas später, nur kurz vor Tascha und mir.

4.

Wir machen uns auf den Weg zum Eingang meiner Höhle, wo ich seitlich schon die Banner meiner Garde vor den teilweise schon geöffneten Nebenhöhlen sehe. Jaya und Shankar haben also schon damit begonnen, die Unterkünfte und wohl auch die notwendige Verwaltung einzurichten. Noch sind die Draccier aber in den Gästewohnungen gleich hinter dem Eingang untergebracht, bis die Unterkünfte hier draußen fertig eingerichtet und wetterfest sind.

Schon bevor wir ankommen, steht Bhima im Eingang des Gardebaus und atmet sichtlich erleichtert auf, uns vollzählig und offensichtlich unverletzt zu sehen. Oder gilt das nur Shanti? Aber egal. Er winkt uns in den Eingang und direkt in einen größeren Raum rechts, der schon eingerichtet ist. – Sogar Fenster sind schon eingesetzt. Offensichtlich ist der als Bereitschaftsraum oder so vorgesehen, es gibt bequeme Möbel und auch für das leibliche Wohl ist mit verschiedenen Speisen und Getränken gesorgt. – Sinnvoll, denn meine Garde ist noch so klein, dass selbst die wenigen Dienste halt sehr lang sind.

Während die anderen schon dabei sind, ihre Rüstungen abzulegen, schaue ich mich kurz hier um. Der Raum gegenüber, der auch direkt an der Außenwand liegt, ist recht klein. Die Fensteröffnung ist nicht verschlossen – offensichtlich beabsichtigt. Dieser Raum soll offensichtlich dazu dienen, den Eingangsbereich zu überwachen, ohne dass Posten draußen stehen müssen. Gerade jetzt bei Monsun eine sinnvolle Idee, zwar werden nur Verrückte versuchen, in eine bewohnte Drachenhöhle einzudringen. – Aber da die Menschen hier langsam zutraulich werden, nicht ganz überflüssig.

Dahinter geht eine Treppe nach oben, ich schaue auch dort schnell rein und sehe schon zwei eingerichtete Räume, die offensichtlich als Büros dienen sollen. Offensichtlich will Jaya die Garde so schnell wie möglich aus meiner Höhle holen. Nun… warum nicht…

Ich höre die Schritte eines Dracciers hinter mir.

„Du weißt doch, dass Du hier nicht in so einer Rüstung… oh. Verzeih Nata, ich hatte nicht bemerkt, dass ihr schon wieder zurück seid.“ –

Aditi verneigt sich – sicherheitshalber recht tief. Dann betrachtet sie mich neugierig.

„Ich sehe eine neue Schramme auf der Rüstung, aber auch viel Blut… auch noch an Deinen Krallen. Ihr wart also erfolgreich.“ –

„Ja, einer war überraschend schnell und gut, daher die Schramme. Er wird in einigen Tagen zu uns stoßen, mit denen, die schlau genug waren, sich zu ergeben. – Der Rest…“ ich hebe meine rechte Hand, die Krallen ausgefahren. Aditi hat recht, da klebt noch deutlich Blut an den Krallen und in den deren Hauttaschen, die nicht so abperlend sind, wie meine Schuppen.

„Verzeih… ich hätte mich unterwegs noch säubern sollen.“ –

Aditi winkt grinsend ab.

„Ach was, ihr kommt gerade aus dem Kampf und werft jetzt erstmal die Rüstungen ab. Da ist es völlig normal, noch mit Blut und Dreck bedeckt zu sein. Und dann gemeinsam ins Bad – das ist die Tradition. Du musst das natürlich nicht mitmachen, als unser Dienstherr.“ –

„Doch natürlich mach ich da mit. Ich wollte mich nur kurz umschauen, was ihr hier schon auf die Beine gestellt habt.“ –

Sie schaut mich fragend an.

„Auf die Beine…? - ach Du meinst, was wir hier gemacht und eingerichtet haben. – Ja. Uns haben aber auch ein paar Menschen mit handwerklichen Kenntnissen geholfen.“ –

„Gut. Ich werde mich dann auch mal mit ins Bad begeben.“ –

„Oh, noch etwas. Heute sind noch drei Freie Draccier eingetroffen. Ich kenne sie nicht, sie waren noch in keiner Truppe, in der ich ebenfalls war. Wir haben ihnen erstmal das wichtigste gezeigt, Ohne Zuviel zu zeigen. Ich habe da aber so ein Gefühl, dass sie als Truppe besser geeignet sind, nicht als Garde.“ –

„Truppe… Ach, Du meinst als Krieger für Außerhalb. Nun, Du kannst die Krieger besser einschätzen, ich vertraue Euch da.“ –

Sie seufzt.

„Ja. Nur sollten wir jetzt schon eine Truppe aufstellen? – Wir haben ja noch nicht mal genug für eine Garde…“ –

„Wenn Du der Meinung bist, dass sie geeignet sind – ja nimm auch ruhig schon Krieger für die Truppe. Sie können ja vorerst hier die Wache verstärken, oder die Quartiere vorbereiten.“ –

„Wie Du befiehlst, N?tha.“ –

„Nicht um jeden Preis, Aditi. Ihr siebt, ihr entscheidet. Wenn ihr glaubt, sie sind geeignet können sie in meinen Dienst treten. – Spätestens, wenn die Stämme hier eintreffen, werde ich mir um eine Truppe ohnehin Gedanken machen müssen.“ –

„Ja natürlich N?tha. Aber… verzeih – die Kosten…“ –

Ich grinse.

„Keine Sorge, die Reserven, die Valarinn hinterlassen hat, werden wohl ein paar hundert Sommer selbst bei voller Besatzung reichen. Ein paar Drachenlichter werden uns schon auch etwas einbringen. Tyria wird sicher etwas beisteuern können… Ein kleiner Magmastrom mit einem ordentlichen Gehalt an Gold und Silber vielleicht. – Dazu eine Vergütung, wenn ich meine Hilfe gewähre – und die eine oder andere Idee für Handelsware habe ich ebenfalls noch. – Mach Dir um Geld und Sold bitte keine Gedanken.“ –

„Aber… N?tha… verzeih, so meinte ich es nicht.“ –

„Ich habe lange unter Menschen gelebt, für die Geld und Wohlstand wichtiger war, als den Menschen hier. Ich weiß, wie ich damit umzugehen habe, auch wenn ich bisher aus Vorräten geschöpft habe, die noch sehr lange reichen werden. – Aber ich habe nicht vor, diese Vorräte aufzubrauchen. – Nehmt also an, wer gut geeignet scheint. Aber auch nicht mehr als die notwendige Garde um einen sinnvollen Dienst machen zu können. – Und vorerst nicht mehr als ein oder zwei Hundertschaften Truppe. Ich fürchte ich werde die bald schon zur Sicherung meiner Grenzen gegen einige Menschenfürsten brauchen.“ –

„Krieg, N?tha?“ –

„Sie sollen nur abschrecken. Sollte es zu Kämpfen kommen, kümmere ich mich drum. Krieg wird es nicht geben. Jedenfalls nichts was man so nennen müsste…“ –

„Du machst mir Angst, N?tha…“ –

Ich grinse.

„Das klingt jetzt gewaltiger, als es sein wird, falls es passiert. – Vermutlich muss ich nur ein paar überhebliche Anführer einatmen und durchkauen – und der Rest wird vernünftig sein. – Wie immer… beseitige die Fürsten und das Volk kann in Ruhe leben. – Gibt aber auch vernünftige Fürsten, so ist es ja nicht.“ –

Wir gehen zusammen nach unten.

Aditi grinst.

„Ja einige wenige gibt es. Aber manchmal sind sogar gewählte Oberhäupter so vermessen, Krieg als notwendig zu erachten.“ –

„Also sind sie hier genauso bekloppt wie drüben.“ –

Im Bereitschaftsraum haben die anderen schon die Rüstungen abgelegt. In einer Ecke stehen drei mir unbekannte Draccier in etwas verwilderter Kleidung und betrachten uns interessiert. Bhima kommt auf mich zu und beginnt mir die Rüstung abzunehmen – als erstes fädelt er grinsend den Helm zwischen meinen Hörner heraus. – Den hatte ich schon völlig vergessen. Er schaut sich den Kratzer in den Brustplatten an und beginnt dann mich aus dem Metall zu schälen.

„Ist tatsächlich einer soweit gekommen?“ –

„Ja, gut, schnell und etwas überraschend. Ihr werdet ihn kennenlernen, wenn er in einigen Tagen ankommt.“ –

„Oh, er hat überlebt. War er so gut?“ –

„Wird sich zeigen. Sie sagten er wäre ein Prinz. – Wie geht’s Shanti und Padmini? Die beiden haben ziemlich Luft unter die Schwingen genommen auf dem Rückweg.“ –

„Ach deshalb. Shanti ist ziemlich abgekämpft, kriegt die Flugarme kaum noch hoch. Padmini sieht auch nicht besser aus. – Erstmal gleich ins warme Wasser.“ – Beim Abnehmen der Arm- und Beinschienen schaut er sich meine Krallen an.

„Du kannst das aber auch gebrauchen, N?tha. Menschenblut klebt recht stark.“ –

„Ja. Ich komme mit. Etwas entspannen wird mir auch nicht schaden.“ –

Ich ziehe mir die wattierte Jacke noch aus, die ich als Polsterung unter der Rüstung getragen hatte. Bhima wehrt ab, als ich wie die anderen die Rüstung in einen angrenzenden Lagerraum bringen will und macht das selber.

„Es ist meine Rüstung, N?tha.“ –

Ich hätte ihn nur mit Gewalt noch aufhalten können, also lasse ich ihn machen. Tascha, Padmini, Shanti und Nala sind ohnehin schon bereit und nehmen mich mit in das unterhalb gelegene Bad, in dem neben kleinen Becken mit mehr oder weniger heißem Wasser auch ein recht großes Becken ist, dass zwar noch leer, aber mit reichlich 25m schon zum Schwimmen geeignet ist.

Nala schaut sich das große Becken zweifelnd an.

„Hat Lord Valarinn sich hier ein Bad bauen lassen…?“ –

Ich muss leise lachen.

„Nein. In der Wohnung ist ein ausreichend großes Becken für uns. – Das ist für euch Krieger, damit ihr das Schwimmen üben könnt, ohne in die kalten Flüsse hier springen zu müssen.“ –

„N?tha… Schwimmen… in einer Rüstung…?“ sein Blick ist unsicher. –

„Nein, nicht mit der Rüstung. – Jedenfalls nicht mit einer normalen. Aber Schwimmen zu können kann wichtig sein oder euer Leben retten.“ –

„N?tha… auch wenn wir fliegen können?“ –

„Ja, das eine schließt das andere ja nicht aus. Keine Sorge, ich will euch ja nicht zu Enten machen.“ –

Er muss doch grinsen.

„Ja… denk bitte nicht, dass wir Angst vor Wasser haben, aber so ohne Grund unter den Füßen…“ –

„Genau wegen diesem Aber ist es sinnvoll, wenn ihr wenigstens wisst, wie es geht. – Und wenn irgendwann mal ein Angriffstrupp Draccier aus dem Fluss gestürmt kommt…“ –

„Das wäre eine böse Überraschung für den Gegner. Ich glaube, ich verstehe, N?tha.“ –

„Los jetzt… ab ins Wasser, wir sind nicht hier, um euch jetzt zu Spitzenschwimmern zu machen, wir wollen uns entspannen.“ –

Das lassen sie sich nicht zweimal sagen, ziehen ihre restlichen Sachen aus und gleiten langsam ins wohltuend warme, fast heiße Wasser. Ich lass mich einfach reinplumpsen, es ist noch nicht so heiß, wie ich es von Tyria gewohnt bin. Aah… entspannend, sich so im warmen Wasser einfach nur auf dem Rücken treiben lassen. Bhima ist auch nachgekommen und beginnt seiner Shanti die Schwingenarme zu massieren. Ich rudere zu Padmini, aber Nala winkt ab und übernimmt das Massieren bei meinem Schatten, die es wohlig knurrend genießt.

Also lasse ich mich weitertreiben, bis Tascha mich festhält.

„Lass mal sehen, ob die Krallen schon sauber sind.“

Sie hat sowas wie eine weiche feine Bürste in der Hand, woher auch immer sie die hat.

„Braucht noch etwas Nacharbeit. Du willst ja nicht mit blutigen Händen ins Nest. Oder Dich mit NüShi unterhalten…“

Sie fängt an sanft meine Krallen und vor allem die Zwischenräume abzubürsten, ein sehr angenehmes Gefühl, wenn auch nicht unbedingt notwendig… etwas einweichen noch und ein paar Mal die Krallen raus und rein und es wäre auch sauber. Aber so ist es doch schöner. – Als Padmini dann noch beginnt, mir auch die Fußtatzen mit so einer Bürste zu säubern, fange ich leise an zu schnurren. Die Draccier schauen mich direkt erstaunt an, das haben sie noch nicht von einem Drachen gehört, aber die vier sind ja auch noch nicht lange so nahe bei einem Drachen.

Tascha grinst.

„Das ist ein Geräusch, das sein Wohlbefinden zeigt. Wenn ihr das hört, ist er entspannt und fühlt sich wohl. – Bei den Weibchen klingt das noch etwas gurrender.“ –

Bhima schaut mich ungläubig an.

„Wie eine Katze… eine große…“ –

„Fast. Eigentlich ist es ein leises Knurren, das sich nur so anhört wie das Schnurren einer Katze.“ Erkläre ich grinsend.

„Aber richtig ist, dass wir es machen, wenn wir uns wohlfühlen.“ –

Ich lasse mich weiter treiben und spüre, dass Padmini auch meine Ballen und die Zwischenräume säubert und dabei meine Füße sanft massiert.

Rohit kommt herein, mir scheint, er humpelt jetzt stärker als heute Morgen. Bhima schaut ihn an.

„Na? Auch etwas entspannen? Sieht aus, als würde Dein Bein schmerzen.“ –

„Ja…“ nickt Rohit.

„Es schmerzt tatsächlich jetzt mehr, ich war heute wohl doch etwas Zuviel auf den Beinen. Aditi hat mich hierher kommandiert, mich auszuruhen.“ –

Bhima winkt und Rohit zieht schnell die Tunika aus. Dann lässt er sich ins Wasser gleiten und schaut sich um. Schnell hat er bemerkt, dass Bhima immer noch Shantis Schwingenarme sanft massiert und Padmini ihre Schwingen noch in einer Schonhaltung vom Wasser tragen lässt, während sie sich um meine Füße kümmert. Ich habe mir schon vorgenommen, sie anschließend noch mal kräftig zu massieren, um ihr die nächsten Tage etwas einfacher zu machen.

Aber Rohit überlegt nicht lange und stellt sich hinter Padmini.

„Du hast Dich anscheinend etwas verausgabt, wie mir scheint. Ich habe eure Ankunft gesehen, wenn unser Herr es erlaubt, kann ich Dich gerne massieren. Meine Mutter hat es mir beigebracht, sie gleitet zwar gut im Wind, aber ihre Schwingenarme sind etwas schwächer als bei den meisten anderen.“ –

Er schaut mich an. Dass er relativ offen spricht geht in Ordnung, da hier alle ja wissen, dass er ein Großer Drache ist.

„Da musst Du aber nicht mich fragen, sondern Padmini.“ Antworte ich grinsend. –

Die schaut ihn kurz an und nickt dann nur, während sie noch meine Füße weiter massiert. Rohit beobachtet ihre Schwingen.

„Ziehst Du die rechte Schwinge absichtlich an?“ –

„Nein, warum?“ Padmini schaut ihn fragend an.

„Dann lass mich besser gleich anfangen, bevor der Krampf richtig einsetzt.“ –

Er tastet ihren rechten Arm schnell ab und beginnt dann mit der Massage. Padmini zuckt etwas zusammen.

„Muss das so wehtun?“ –

„Leider ja. Dein Muskel ist schon recht hart und da muss ich erst durch, das tut eben weh. Aber ein Krampf wäre noch unangenehmer.“ –

Seufzend lässt Padmini ihn gewähren, aber so wie sie meine Füße quetscht muss es schon noch recht stark schmerzen. Ich lasse sie weiter machen, auch wenn es jetzt nicht mehr so angenehm ist. Nach einer Weile drückt sie mich nicht mehr so und Rohit massiert sie jetzt auch deutlich sanfter. Den anderen Arm muss er nicht so hart bearbeiten, aber anscheinend zog der Muskel auch da schon langsam an.

„So N?tha, kein Blut mehr an Deinen Füßen.“ Sie lässt mich los und beginnt die jetzt offensichtlich angenehme Massage zu genießen.

Blut an den Füßen… ich hatte gar nicht drüber nachgedacht, dass da so viel Blut auf dem Boden war und das noch an meinen Füßen kleben könnte…

Mach Dir darüber jetzt keine Gedanken. Es ist vorbei. -

Ja… es ist nur… es ist sehr lange her, dass ich barfuß durch Blut gegangen bin… -

Ist das wichtig für Dich? –

Nein… nur… irgendwie ungewohnt… -

Ja… alles perlt von meinen Schuppen ab, aber Blut bleibt zwischen den Krallen kleben. Aber das war früher schon so, also nichts Besonderes. -

  • Ich spüre ein Gewitter heranziehen, nichts Gefährliches aber schon recht kräftig… das wird mich ablenken. Langsam stehe ich auf und steige aus dem Becken.

„Ich schau mich nochmal ein wenig um. Für euch habe ich heute nichts weiter, also lasst euch Zeit. Schaut aber, ob Aditi noch was für euch hat. Tascha, bleib ruhig noch hier. Ich will nur eine Runde drehen und nach dem Gewitter schauen.“ –

Sie nickt einfach nur und bemüht sich, mich nicht besorgt zu beobachten, wie ich merke. Dabei will ich wirklich einfach nur etwas Zeit für mich haben.

Schnell bin ich wieder am Eingang, ich höre, dass es zu regnen begonnen hat dazu das Grummeln der Gewitter in der Ferne. Im Aufenthaltsraum schließt Vasu, ein brauner, schwingenloser Drac?ier, daher gerade die Läden an den Fenstern und zündet einige Oellampen an. Denn leider haben die Fenster keine Glasscheiben, sie sind mit geöltem Pergament bespannt. Das schützt zwar vor der kühlen Luft hier oben und lässt wenigstens etwas Licht herein, aber heftige Regenschauer würde das trotz der Behandlung nicht gut überstehen. Glas ist hier zwar bekannt, aber anders als da bei Eldflóð im Westen, wird es hier nicht für Fenster benutzt. Ist eben insgesamt ein sehr warmes Revier. Na, schauen wir mal, vielleicht können wir ja ein wenig Walzglas herstellen, damit dann die Wohnkammern hier mehr Licht bekommen. Oder finden einen Glasbläser, der auch Flachglas herstellen kann.

Aber immerhin sind überhaupt Fenster vorhanden. Die Unterkünfte waren ja sozusagen eingemottet und daher die Fensteröffnungen komplett und recht massiv verrammelt und getarnt.

Vasu bemerkt mich und deutet eine Verneigung an.

„N?tha. Würde es Dich stören, wenn ich in einer der Schmieden weiter unten, einen Schmelzofen aufbauen würde?“ –

„Schmelzofen… für Glas?“ –

„Verzeih, ja N?tha. Bevor ich Krieger wurde, hat mich ein alter Glasmeister in die Kunst, Trinkgefäße, Flaschen und Schalen aus Glas herzustellen eingeweiht. Ich bin nicht so gut, wie er war, aber er war recht zufrieden mit meinem Können. – Und ich habe Ideen gesammelt, wie ich Glas für Fenster machen könnte. Das Pergament ist ja nicht so haltbar, gerade bei Regen und Sturm.“ –

Ich muss grinsen.

„An das habe ich auch gerade gedacht. Ja. Soweit es Deine Zeit erlaubt, kannst Du Dich darum kümmern. Du kannst auch einen oder zwei Handwerker zur Unterstützung anwerben. Vielleicht können wir dann später mit Flaschen und Gläsern – und vielleicht auch mit Fensterglas – etwas handeln und ein wenig Geld damit für den Unterhalt der Garde verdienen.“ –

Er überlegt kurz.

„Wenn es Dein Wunsch ist, N?tha, werde ich die Schmelze gleich entsprechend größer planen als es nur für uns notwendig wäre.“ –

„Bereite es vor und sprich dann mit Natascha. Bedenke dabei, dass ich die Wälder hier nicht komplett abholzen und verbrennen möchte und ebenso die Verwendung von Steinkohle und Erdöl für den Schmelzofen nicht erlauben werde. Ich weiß, dass es viel Hitze braucht, Glas zu schmelzen. Aber es gibt Gründe für meine Einschränkungen, aus der Welt drüben. – Das erkläre ich später genauer.“

Ich nicke ihm zu und lasse den etwas verwirrt schauenden Draccier stehen und gehe vor die Tür und weiter auf die Wiese vor meiner Höhle.

Es regnet jetzt etwas mehr, aber noch ist das so ein feiner Dauerregen. Mal schauen, was die Gewitter so bringen. Ich schaue mich um, schnuppere, aber der Wind trägt nur den Geruch des nassen Waldes mit sich. NüShi steht als Feral am Höhleneingang, nickt mir zu und schüttelt sich leicht, mit einem Blick auf die Wolken. – Keine Sorge, ich schicke Dich jetzt nicht weg.

Auch ich wandele mich jetzt zum Feral, strecke mich kurz genüsslich und schwinge mich schnell in die Luft, ehe NüShi sich entschließen kann, zu mir zu kommen. Sie werde ich später noch lange genug treffen. Zuerst steige ich in einem weiten Kreis bis dicht unter die Wolken und nehme erstmal Kurs Richtung Osten. Ich will mir die Gewitter mal direkt anschauen, auch wenn die für die Jahreszeit normal sind.

5.

Ich lasse mir etwas Zeit, schaue noch in die Täler und brauche so eine knappe halbe Stunde bis zu den Gewitterzellen. Alles normal, die haben auch kein Potential viel kräftiger zu werden, aber es wird sicher ordentlich rummeln bei uns und Regen haben sie auch einiges dabei. – Gut… mir geht das von heute Morgen noch nicht aus dem Sinn, so wende ich, steige über die Wolken und fliege mit hoher Geschwindigkeit in Richtung auf das Dorf. Als die Berge, die ich mir zur Orientierung gemerkt habe, im richtigen Winkel zueinander stehen, lasse ich mich wieder unter die Wolkendecke fallen. Hier regnet es noch nicht, das Dorf liegt ganz nahe, ich nehme Kurs und fliege langsam über den Ort. Der Scheiterhaufen ist vollkommen heruntergebrannt, die Körper wohl nahezu vollständig zu Asche zerfallen. Gut, das können die Dörfler leicht alleine handhaben. – Ich kurve und fliege auf dem Weg zurück über den Dorfplatz. Es sind nicht viele draußen, aber es scheint auch alles aufgeräumt zu sein. Insgesamt 5 Menschen sehe ich da unten, alle anscheinend auf dem Weg nach Hause, bevor der Regen losgeht. Aber alle bemerken mich und winken mir zu. – Gut, die sehen mich also nicht als Monster. –

Kurz entschlossen nehme ich südlichen Kurs, die Stadt, wo die Soldaten hergekommen sind, ist für mich nur ein paar Flugminuten entfernt. Dort dürfte mein Erscheinen am Himmel ganz andere Gefühle wecken…

20 Minuten sind es geworden, als die Stadt vor mir zwischen den Wolken zu erkennen ist, aber was solls… der Flug lenkt mich ab und ich muss mich nicht beeilen. Hier sind die Wolken noch nicht so dicht, ich kann von hier oben die Flussmündung des Koshi weiter östlich sehen und die beiden Flüsse, Ganges und Koshi die hier erst noch ein paar km parallel fließen. Und am Ganges, noch bevor der Koshi in ihm aufgeht, liegt also Bhagalpur. Ich muss zugeben, eine zwar nicht riesige, aber mit der großen Stadtmauer, den Türmen und der gesamten Bebauung durchaus beeindruckende Stadt. Sie streckt sich im Wesentlichen in west-östlicher Richtung entlang des Flussufers, von Nord nach Süd ist sie deutlich schmaler. Ich gehe langsam noch tiefer, die Dächer und besonders die Türme in der Stadt sind mit verschiedenfarbigen, offenbar glasierten Ziegeln gedeckt. Es glänzt und blinkt sobald einer der seltener werdenden Sonnenstrahlen darauf fällt. Die Türme der Stadtmauer sind dagegen überwiegend ohne Dach, nur an den Toren mit einem einfachen Dach etwas aufgeputzt. In den Randbezirken ist die Bebauung sehr dicht, es sind kaum Wege zwischen den Gebäuden zu erkennen, weiter im Zentrum sind aber einige größere Plätze um die offensichtlich wichtigen Gebäude und der Palast - Schloss, Burg oder was auch immer - ist sogar von einem kleinen Park umgeben.

Von hier oben sieht das alles noch sehr freundlich und locker aus, aber je näher ich komme, desto mehr sehe ich Zeichen, Flaggen, Banner, die sich immer wiederholen und an den Plätzen und am Palast sogar in großer Zahl angebracht sind. – Irgendwie ähneln die Anzeichen von Diktaturen sich überall, wie es scheint.

Nun gut, ich gehe tiefer bis auf Höhe der Palasttürme und fliege weiter in einem Bogen, um vom Westen her über die ganze Länge der Stadt zu fliegen. Innerlich muss ich grinsen… mir geht gerade die Melodie von Wagners Walkürenritt durch den Kopf… irgendwie passend, nur leider habe ich keine entsprechenden Lautsprecher – und ein aus vollen Luftsäcken ‚Hojotoho Heiaho‘ trällernder Drache würde wohl für reichlich Verwirrung sorgen, auch wenn es mir geradezu in den Stimmbändern juckt… Aber schon überquere ich die westliche Stadtmauer und fege über die Straßen und Plätze… hier sind sehr viel mehr Menschen draußen auf den Straßen, als drüben in den kleinen Siedlungen. Sie schauen erschreckt und mit offensichtlichen Schreckensrufen zu mir hoch. Gut, hier verbreite ich Schrecken. Und das will ich auch. Die Menschen hier, vor allem die Anführer sollen nicht mehr ruhig schlafen können. Und bei jedem Schatten erschreckt nach oben starren… - Wenigstens die nächsten paar Tage.

Schnell umkreise ich den Palast einmal, deutlich von allen dort zu sehen. Dann nehme ich wieder westlichen Kurs, weiter über die Stadt um anschließend zurück zu meiner Wohnstätte zu fliegen.

Drei oder vier Wachposten auf einem der westlichen Tortürme, an dem ich dicht vorbeifege, versuchen hektisch und offensichtlich auch sehr verschreckt, Pfeile auf ihre Bögen zu bekommen, aber ehe auch nur einer einen Pfeil abschießen kann, bin ich schon weit draußen über den Dörfern und Feldern außerhalb der Stadt.

Moment… haben die da eben tatsächlich versucht, auf mich zu schießen…?

„Ja. Du warst nur zu schnell für sie. Aber eindeutig ja.“ –

Sálleiðtogi… ohne drüber nachzudenken, wann sie sich in meine Gedanken geschlichen hat, leite ich eine schnelle Kampfkurve ein – also einen halben Looping mit anschließender halben Rolle – und nehme wieder Kurs auf diesen Torturm. Keine 5 Sekunden später richte ich mich auf und bremse voll ab. Genau vor dem Turm halte ich mich mit kräftigen Schwingenschlägen in der Luft und schaue auf die Menschenkrieger dort herab.

Die haben schon bei meinem Anflug schleunigst ihre Bögen weggeworfen und liegen jetzt zitternd auf ihren Bäuchen… ob vor Angst, ob wegen der heftigen Luftverwirbelungen vielleicht ist es auch nur weil der Turm, der unter den heftigen Luftwirbeln meiner Schwingenschläge schon deutlich erbebt und sich so langsam seiner Anbauten entledigt - wobei meine Schwingen den Turm aber nicht berühren. Das Ziegeldach liegt genau im Zentrum der Wirbel und die Ziegel wehen vom etwas stabileren Holzunterbau, wodurch ich einen guten Blick auf die dort liegenden Krieger bekomme. Und auch die hölzernen Wehrgänge der Stadtmauer am Turm und über dem Tor lösen sich langsam auf und wirbeln davon.

Die Bevölkerung der umliegenden Häuser haben sich wohl schon schnell in Sicherheit gebracht. Einzelne Krieger, die noch im Turm sind, versuchen in den kurzen Pausen, wenn ich meine Schwingen hebe, noch aus dem Turm zu flüchten, ich beachte sie nicht weiter.

Die vier hier werden sicher nicht mehr versuchen, etwas gegen mich zu tun. Ich blicke zum Palast, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist, so groß ist die Stadt ja nicht. Dort ist deutliche Hektik, ja Panik zu sehen… wild durcheinanderlaufende Soldaten, weiter oben auf einer Terrasse einige in übertrieben bunten Gewändern mit in der Sonne blinkendem Schmuck… offensichtlich der aktuelle Herrscher hier und seine Speichellecker.

Über dem allgemeinen Geschreie und Gekreische in der Umgebung kann ich zwar hören, dass die im Palast aufgeregt miteinander reden… nur nicht was sie sagen. Einzig eine panische kreischende, sich überschlagende Stimme „Angreifen, töten, vertreiben… rettet mich…“ kann ich kurz eindeutig von dort her heraushören. – Ich seh‘ schon… ein tapferer Fürst hat sich hier an die Macht gemordet, wenn das so stimmt. Und versucht sich mit Mord in meinem Land auszubreiten.

Aber die Anführer seiner Krieger sind offensichtlich nicht wirklich gewillt, hier und jetzt gegen mich anzutreten, nichts passiert, alles was nach Krieger aussieht zieht sich eher von mir zurück. Na gut, dann war es das fürs erste hier. Kurz meine Aufmerksamkeit nach unten gerichtet, die Krieger da liegen immer noch auf ihren Bäuchen.

Also mehr Kraft in die Abwärtsschwünge, die jetzt nochmal verstärkten Verwirbelungen lassen das Stadttor heftig hin und her flattern und gegen die Mauer schlagen, die werden einiges zu reparieren haben… Aber ich steige jetzt auch mit zunehmender Geschwindigkeit gerade nach oben. Leider sind gerade keine Wolken hier, in denen ich verschwinden kann, also lege ich mich in gut 500m Höhe in die Waagerechte und gehe nach einem letzten kräftigen Schwingenschlag in einen ruhigen Streckenflug über. Dabei steige ich langsam weiter und bin schon bald in den herantreibenden Wolken jenseits des Ganges.

„So geht man mit denen um. Angst und Schrecken verbreiten, dabei aber keinem direkt was tun. Toll – Ich glaube sogar Mama hätte da schon ihren Feueratem eingesetzt.“ – meldet Sálleiðtogi sich wieder.

„Ich dachte, Du magst Menschen.“ –

„Ja tue ich ja auch. Aber wenn sie so auf der Seite des Bösen stehen…“

„Dann haben sie Strafe verdient, meinst Du.“ –

„Ja. Vergiss nicht, ich bin zwar noch sehr jung, aber trotzdem eine Drachin, es ist für mich nur logisch, dass Menschen, die böses tun, bestraft werden. Menschen haben dafür zwar auch Kerker, aber sie töten ja auch als Strafe. – Wir Drachen sind da einfach direkter und verstecken uns nicht hinter schönem Tun.“ –

Ich spüre sehr deutlich, wie ärgerlich sie gerade ist.

„Was ist passiert?“ –

„Ein Onkel meiner Menschenfreundin wurde wegen irgendwas beschuldigt. Wie sie sagt, wohl auch zurecht. Die Strafe ist normal einige Monde lang Kerker oder Strafarbeit. – Aber das war dem, der ihn beschuldigt hatte nicht genug. Er wurde auf dessen Einfluss hin dann als Strafe dafür getötet. Das ist doch total unlogisch… Warum sagen die Menschen immer das Eine und tun dann das Andere?“ –

„Das kann ich Dir leider nicht beantworten. Nur dass die Menschen zwar Gesetze machen, aber leider einige immer glauben, sie würden sich nicht daran halten müssen oder sie sich so hinbiegen, wie sie es gerade brauchen.“ –

„Aber dafür haben sie doch Menschen, die darüber wachen und die Strafen nach den Gesetzen bestimmen… - wie kann das so unterschiedlich sein.“

„Das kann je nach Umfang des Vergehen schon von langer Kerkerhaft bis zur Todesstrafe gehen – aber mir scheint nach Deiner Beschreibung das hier schon sehr übertrieben bestraft worden zu sein. – Und ja, sie haben Richter, die darüber urteilen. Manchmal auch die Fürsten selber. – Aber selbst ein Richter kann von einem Fürsten abhängig sein, einem in ihrer Hierarchie wichtigem Menschen irgendetwas schulden, oder einfach sehr viel Geld zugesteckt bekommen - und dann ein Urteil falsch oder übertrieben hart fällen.“ –

„Das ist aber doch nicht gerecht…“ –

„Nein ist es nicht. Und manchmal werden die Richter dann auch dafür zur Rechenschaft gezogen.“ –

„Und hier bist Du der Richter.“ –

„Ja, und der Strafende. Aber ich handle hier nach alten und sehr einfachen Gesetzen. Auf den Ebenen können die Menschen sich ansiedeln und dort so ziemlich alles tun und lassen, was sie wollen. – Die Berge gehören uns Drachen. Dort haben Menschen nichts zu suchen.“ –

„Aber bei Dir siedeln doch auch Menschen in den Bergen, dem Drachenland, wie Du es nennst. Ebenso wie hier bei Mama oder bei Eldflóð. Sie kommen sogar zu Deinem Wohnsitz… Die verjagst Du doch auch nicht, Du hast sie sogar geschützt.“ –

„Ja. Grundsätzlich haben die Menschen im Drachenland nichts zu suchen. Aber einfache Bauern und Handwerker, die nur kleine Siedlungen gründen, um dort zu arbeiten und in Freiheit zu leben, werden wir Drachen normalerweise in Ruhe lassen. Manche von uns ärgern die zwar öfters, aber insgesamt leben die meisten ruhiger als in den Menschenreichen. Ich werde vielleicht jetzt eine kleine Abgabe zur Erntezeit erheben, aber nichts, was sie nicht leisten können. Und auf keinen Fall mit dem Zwang, wie viele der Menschenfürsten es fordern.“ –

„Und die Krieger und die Stadt jetzt eben?“ –

„Sie sind nicht zum Siedeln gekommen, sie wollten plündern und erobern. Die Siedler im Drachenland haben mehr Vorräte, vielleicht auch Geld, weil sie etwas zum Handeln haben, mehr als die Bauern in ihrem Menschenreich da jenseits des Ganges, die immer einen Teil ihrer Ernte abgeben müssen, oft ohne Rücksicht darauf, wie gut die Ernte war. – Vielleicht sollte das auch eine Art Strafe sein, weil die Siedler aus dem Menschenreich, das von der Stadt da hinter uns regiert wird, ins Drachenland geflüchtet sind, um in Ruhe leben zu können. Aber wie Govinda sagte, herrscht sein Cousin dort noch nicht lange, es soll vorher besser gewesen sein. Die Siedler heute leben jedenfalls schon länger, vermutlich einige Jahre dort. “ –

„Die Krieger der Stadt stehen also nicht unter Deinem Schutz.“ –

„Nein, sie sind Eindringlinge, benehmen sich nicht als Gäste, sondern als Eroberer und werden daher bekämpft und wieder vertrieben.“ –

„Hihi… Deine Interpretation von Vertreiben ist aber sehr drachisch…“ –

„Ja, stimmt schon. Aber einfach Vertreiben wäre zu wenig Strafe gewesen. Und Kerker oder Strafbergwerke habe ich nicht. Noch nicht zumindest…“ –

„Du hast da gerade eine Idee?“ –

„Ja… Es gibt Erze in den Bergen… auch Silber und Gold… Edelsteine… - warum sollen die nicht von solchen Kriegern und anderen, die schwerwiegende Verbrechen begangen haben, in Bergwerken gewonnen werden.“ –

„Also totarbeiten lassen?“ –

„Nein, das ist nicht das Ziel. Ordentliche Unterkünfte, ausreichend Verpflegung, medizinische Versorgung. Auch keine übertrieben harte Behandlung. - Aber tägliche Arbeit im Bergwerk und der Erzgewinnung und keine Möglichkeit zu fliehen.“ –

„Ist das nicht zu milde?“ –

„Die meisten Menschen wünschen sich dann irgendwann, ich hätte sie direkt getötet… keine Sorge, das ist Strafe genug, selbst wenn sie dabei anständig behandelt und ausreichend versorgt werden. – Aber ich bin nun mal Drache, mein Hort soll wachsen, nicht schrumpfen.“ –

„Ja richtig. Schade, dass Du die heute nicht mehr dafür einsetzen kannst.“ –

„Glaub mir… in spätestens einem Jahr schuften sicher schon viele in einem Strafbergwerk für mich.“ –

„Du glaubst, sie machen weiter?“ –

„Ja. Sie werden vielleicht nicht mehr so offen in mein Gebiet ziehen, aber sie werden viele kleine Gruppen entsenden… jeweils ein Dorf überfallen und sich wieder zurückziehen. Sie werden den Siedlern sicher beweisen wollen, dass ich sie nicht schützen kann. – Auch jetzt sind ja leider schon viele getötet worden, ehe ich es erfahren habe.“ –

„Oh…das wird dann schwierig…“ –

„Ich werde Dracciereinheiten an den Furten am Ganges stationieren. Die werden also nicht weit kommen. – Wer von den Eindringlingen überlebt kommt ins Bergwerk, sobald es eingerichtet ist. Bis dahin… überlebt eben keiner… - danach… na ich denke so zwischen einigen Jahren und je nachdem, bis ihr Leben normal endet… so ungefähr. Natürlich nur für die, die eindeutig zum Rauben und töten gekommen sind.“ –

„Und wenn die nicht über Furten kommen?“ –

„Dann brauchen sie Boote oder Flöße. Die werden wir finden. Und selbst wenn sie schon wieder auf ihrer Seite des Ganges sind… wir holen sie uns.“ –

„Du hast Dir das anscheinend schon gut überlegt…“ –

„Das ist sozusagen der normale Vorgang, nur erste Gedanken dazu. Da muss noch sehr viel überlegt werden. Ich vermute, da werden mir einige meiner Krieger auch noch Unterstützung geben können.“ –

„Gut. Verzeih Bruder, ich muss hier wieder ganz anwesend sein. Lord Eldflóð ist zu Besuch und will mit Mom besprechen, wie einige der Menschen bestraft werden sollen. Ich soll auch meine Meinung dazu sagen. Mom findet das zwar etwas früh, aber Lord Eldflóð möchte es trotzdem. Er will wohl sehen, wie ich darüber denke… vielleicht auch, wann die Trennungszeit kommt. – Er will auch mit mir jagen gehen…“ –

„Oh, soll es schon vor dem Winter losgehen?“ –

„Ich weiß es nicht… Aber ich will noch nicht weg.“ –

Das beruhigende Gefühl und die Zuversicht, die ich ihr übermittele, lassen sie wieder ruhiger werden.

„Es wird schon nicht zu früh passieren. – Und da Mom und Eldflóð ja wissen, dass Du zu mir willst, finden sie sicher Drachen, die unterwegs etwas aufpassen oder sogar helfen.“ –

„Du nicht?“ –

„Doch, aber ich bin noch nicht lange genug hier, um zu wissen, wen ich um so etwas bitten kann. Die meisten, die ich kenne haben ihre Reviere nicht am Weg hierher. – Erst, wenn Du das Revier von Kyrin erreichst, kann ich auch weiterhelfen. Aber in meinem Revier kann Dir dann jeder Drakarin eine Höhle zeigen – und wo man leicht Beute machen kann.“ –

Ich höre regelrecht ihr Seufzen.

„Ja… das ist ja auch noch ein langer Weg da am Gebirge entlang. – So ich muss jetzt wieder voll hier sein… Bis nachher irgendwann großer Bruder.“ –

Ohne eine Antwort abzuwarten, zieht sie sich zurück. Aber sie hat mein ‚Tschüss‘ sicher schon gefühlt, ehe ich es wirklich gedacht habe.

Obwohl diese Gedankenverbindungen sehr viel schneller ablaufen als ein akustisches Gespräch, hat es sich doch etwas hingezogen und ohne weiter darauf zu achten, bin ich zudem sehr schnell unterwegs. Von den ca. 230 km Luftlinie von der Menschenstadt zu meiner Wohnstätte habe ich schon mehr als die Hälfte hinter mich gebracht. Also noch ein wenig mehr Schwung hineinlegen, ich hab zwar nebenbei auch schon über 1.000m Höhe erreicht, brauche aber noch gut 1.500 m mehr zu meiner Wohnstätte.

Ich überquere gerade den Kankai, der zwar weniger Wasser führt als der Koshi, an dem die überfallenen Siedlungen liegen, aber auch hier sind vereinzelnde Siedlungen zu sehen, meist so 1 bis vielleicht 3 Familien groß also nicht mehr als 20-25 Menschen. Näher zu meiner Wohnstätte werden die dann sehr viel seltener, wohl wegen der Nähe zum gefürchteten Drachen – womit vor allem Valarinn gemeint ist. – Erst dann in den Tälern um die Wohnstätte leben wieder ein paar mehr Menschen in Siedlungen, die von Valarinn direkt geduldet wurden. Vermutlich, weil er dort Handwerker und Bauern für seinen Bedarf in relativer Nähe direkt angesiedelt hatte.

Schnell liegen die ersten Ausläufer des Himalaya vor mir aber ich komme jetzt auch in die Wolken. Zwar kann ich jetzt schon nicht mehr gegen einen der Berge fliegen, weil die schon unter mir liegen, aber ich steige lieber schnell höher und bin auch schon bald über der Wolkendecke, die auch nur leichten Regen bringt – aber von Südost kommt es ja noch dicker, wenn auch weiter mit nur leichten Gewitterzellen.

Die höheren Berge ragen noch über die Wolkenschicht hinaus, auch meine Wohnstätte. Ich kann also direkten Kurs nehmen und bleibe dabei noch trocken. Wenn das für mich so bleiben soll, muss ich mich aber etwas beeilen, denn einige erste Wolkenfetzen wehen schon über die Spitze. Lange wird es nicht mehr dauern, dann wird es auch bei mir wieder regnen. Es ist nun mal Monsun, also alles normal.

Es ist noch reichlich eine Stunde bis Sonnenuntergang, also muss ich mich eigentlich nicht zu sehr beeilen und nass zu werden stört mich nicht… spontan entschließe ich mich ein Stück weiter zu fliegen zum Kangchendzönga, da oben, unterhalb des Gipfels ist eine auch für uns Feraldrachen recht bequeme Felsstufe, von der aus ich einen weiten Überblick auf mein Revier habe und zuschauen kann, wie die Nacht langsam über das Land zieht.

Es braucht zwar zusätzliche 20 Minuten ruhigen Flug, aber dann steuere ich die Klippe an, die hier in dieser etwas wärmeren Welt noch nicht von Schnee bedeckt ist und setze zur Landung an. Von hier kann ich gut über mein Revier blicken, wenn auch nur ungefähr eine Flugstunde weit. Ein paar Schritte vor mir direkt an der Klippenkante ist der Fels angenehm eben, ohne Steine, genau richtig für einen Drachen, um es sich bequem zu machen. Ich genieße die Sonne, noch steht sie hoch genug, dass auch die Ebenen noch im Licht liegen, aber da unten wird es bald dunkel werden.

Ich schaue in die Ferne, südöstlich ragen die höchsten Gipfel der „Heimstätte der Wolken“ über die Wolken, aber die kann ich auch nur gerade so erkennen, weil ich hier aus fast 8,5 km Höhe schaue und einige Gipfel dieses Mittelgebirge auch bis 2.000 m hoch sind. Und weil hinter dem Brahmaputra wohl gerade eine große Wolkenlücke zu sein scheint. Den Fluss kann ich jetzt nicht sehen, der liegt unter den Wolken, die zu uns ziehen. Kurz überlege ich, dass es ganz gut ist, hier oben bei Darjeeling zu wohnen, hier gibt’s nur ein Viertel der Regenmenge, wie da hinten, wo die Wolken zu Hause sind. – Aber eine Wohnhöhle habe ich da auch, wie ich den Aufzeichnungen von Valarinn entnehmen konnte.

Im Süden und Südwesten liegen die Ebenen unter den Monsunwolken, auch die eher niedrigen Höhenzüge hinter der Gangesebene, ragen nicht darüber hinaus. – und viel weiter kann ich selbst von hier oben nicht schauen, selbst bei der guten Sicht hier über den Wolken, lässt mich die Erdkrümmung keine 400 km weit sehen, wenn da nicht gerade ein Berg über den Horizont ragt.

Zwei Silhouetten, die sich da aus Richtung meiner Wohnstätte nähern und sich dunkel gegen die angeleuchteten Wolken abheben, lenken mich ab. Hmm… eindeutig Drachen, eine mit Lichtreflexen, eine ohne auf den schwarzen Schuppen… Da haben sich wohl meine beiden Mädels entschlossen, mich zu suchen. Oder genauer, mich besuchen, denn sie kommen direkt in meine Richtung. Nicht mal hier oben hat man lange seine Ruhe…

Ich bleibe einfach hier liegen und schaue nach Süden über die Wolken. Da muss ich auch noch mal runter… ich kenne ja praktisch noch gar nichts von meinem Revier und da unten warten noch mir unbekannte Menschenreiche und dichte tropische Dschungel auf mich. Und sicher auch lange, leere Strände an einem angenehm warmen Meer…

Ein sirrendes Rauschen unterbricht meine Gedanken… Tyria setzt gerade auf, während Tascha noch eine Runde dreht, bevor sie auch zur Landung ansetzt. Ich sage nichts, ebenso, wie die beiden schweigend zu mir kommen und sich eng neben mich legen, sich regelrecht an mich kuscheln, Tyria rechts, Tascha links – noch immer lässt Tyria ihr die Seite an meinem Herzen. Ruhig, ohne ein Wort schauen wir gemeinsam über die Wolken, nur immer wieder kurz unterbrochen von einer Zunge, die von links oder von rechts meine Kehle entlang, oder über meine Nüstern gleitet.

„Heute wird das Wetter ganz normal werden für die Jahreszeit. Nicht zu viel Regen, ein paar Gewitter, die die Menschen sicher ein wenig erschrecken werden, die aber nicht sehr heftig ausfallen.“ breche ich nach sicherlich einer halben Stunde das Schweigen. –

Deutlich spüre ich das Aufatmen der beiden, sogar bei Tyria spüre ich, wie sich ihr Körper entspannt, sie geradezu weich wird, wie sie sich an mich schmiegt. Tascha reibt ihren Kopf sanft an meinem Hals.

„Du hast also nach dem Wetter geschaut?“ fragt Tascha mich. –

„Ja, das war der Grund, warum ich los bin. Aber ich habe dann doch noch bei der Siedlung vorbeigeschaut, dort scheint alles langsam wieder in einen normalen Gang zu kommen. Die Feuer sind auch heruntergebrannt und die Asche war auch schon entfernt. – Was auch immer das Ritual damit verlangt.“ –

„Gut. Damit können die Siedler und die Verschleppten dann einen Schlussstrich ziehen. – Vermutlich wird die Asche vergraben, manche Menschengruppen streuen die auch in einen Fluss. Auf jeden Fall ist damit für die diese Episode in ihrem Leben abgeschlossen. Und da sie sich jetzt unter Deinem Schutz wissen, geht das Leben für sie normal weiter – fast normal.“ –

Tyria seufzt leise.

„Menschen… ich verstehe sie einfach nicht.“ –

„Weil sie einfach so weitermachen, als wäre nichts passiert?“ frage ich. Sie nickt.

„Menschen leben sehr viel intensiver mit dem immer drohenden Tod. – Nicht nur weil sie nur so kurz leben, verglichen mit den Drachen, selbst die Draccier leben ja mehr als doppelt so lange, wenn sie ihre Kriegerzeit überleben. Aber für Menschen sind auch viele Raubtiere schon gefährlich, selbst wenn sie durch ihre Intelligenz gute Überlebenschancen haben. Verletzungen können sie umbringen, schon ein kleiner Schnitt kann zu einer tödlichen Infektion führen, wenn sie nicht die richtigen Pflanzen, Pilze oder sonstige Heilmittel haben. Überhaupt leiden die Menschen an vielen Krankheiten, die sie umbringen können. – Und dann noch die anderen Menschen… eine andere Gruppe, ein anderer Anführer und schon kann es passieren, dass sie sich gegenseitig umbringen.“ –

Tyria blickt mich nachdenklich an.

„Aber müssten sie dann nicht viel intensiver auf so etwas reagieren?“ –

„Sie sind eher froh drüber, dass sie es überstanden haben. Kein Freudenfest, aber zufrieden. Und das Leben ist hart und geht weiter, ob sie wollen oder nicht, keine Zeit lange darüber zu meditieren. Was nicht heißt, dass sie es einfach vergessen… in stillen Momenten erinnern sie sich dann und denken darüber nach. – Wir Drachen haben es da besser. Die Nahrung ist ja schnell gejagt, notfalls nehmen wir uns einfach etwas von den Menschen aus einer ihrer Herden - und ansonsten viel Zeit zu meditieren.“ –

Während Tascha kurz leise knurrt, als ich das mit den Herden sage, nickt Tyria nachdenklich.

„Ist das Leben für die Menschen so schwer? Ich habe da nicht drauf geachtet… aber ja, gelegentlich, meistens unterwegs, wenn mir die Zeit fehlte zu jagen, habe ich schon mal ein Tier von den Menschen geholt… die haben oft ja viele, die da einfach so rumstehen.“ –

„Das mag für Drachen so aussehen…“ antwortet Tascha.

„Aber die stehen da auf der Weide, weil sie da ihre Nahrung bekommen. Ansonsten werden die von den Menschen natürlich genutzt… Als Zugtiere, zum Reiten, Transport von Dingen, mit denen die Menschen handeln, dann die Wolle und Leder für Kleidung oder Vorhänge, wenn es kalt ist, – und auch für Nahrung, ob Milch oder Fleisch…“ –

„Die Menschen essen auch Fleisch…?“ Tyria schaut uns ehrlich erstaunt an.

„Ich dachte immer, die essen nur Pflanzen? – So viel, wie die um ihre Wohnstätten bewusst wachsen lassen…“ –

Ich muss grinsen.

„Ja, die Menschen essen auch Fleisch. Wenn sie es sich leisten können sogar recht viel. Die meisten jedenfalls. Es gibt auch welche, die nicht wollen, dass ihre Nahrung getötet wird, damit sie es essen können. – Wobei eigentlich ja auch Pflanzen leben… aber die schreien ja nicht hörbar…“

Jetzt schauen beide mich an, als ob ich verrückt geworden bin – das mit den Pflanzen die schreien, wenn sie abgeschnitten werden, ist für Drachen wohl eine komplett unverständliche Vorstellung. Aber für die meisten Menschen ja auch. – Ich lenke ein wenig ab.

„Das ist was von drüben. Da wollen einige kein Fleisch essen, weil sie gegen das Halten von Tieren zu Nahrungszwecken sind. Genauer, gegen die Art, wie die dort oft gehalten werden. -

Nach der Siedlung war ich dann noch kurz bei der großen Menschensiedlung, von der die Krieger geschickt worden sind. Da hab ich wohl ein paar etwas erschreckt.“ Ich grinse breit. –

„Ein paar Blitze?“ fragt Tyria mit einem deutlich bösem Grinsen. –

„Nein, nur einmal um den Wohnsitz des Menschenfürsten und über die Stadt geflogen. Und weil da ein Wachposten es wagte, seinen Bogen auf mich zu richten – auch wenn er keinen Pfeil auf die Sehne brachte vor Angst – habe ich den Wachturm von seinem Dach befreit, als ich mich da dann in der Luft hielt und böse schaute. – Der Fürst hörte sich jedenfalls so an, als hätte er sich gerade in die Hosen gemacht.“ –

Während Tyria mit dem in die Hosen machen offensichtlich nicht so viel anzufangen weiß, muss Tascha laut loslachen bei der Vorstellung.

„Da wäre ich gerne dabei gewesen. Du musstest das hoffentlich nicht riechen…“ –

Tyria grinst jetzt zufrieden.

„Ja, noch besser. Dich zeigen und nur durch Deine Anwesenheit schon Deine Macht beweisen. Menschen erschrecken macht Spaß. – Verzeih… natürlich war das notwendig und nicht um Langeweile zu vertreiben.“ –

„Zugegeben… Spaß hat das wirklich gemacht. Ist ja keiner wirklich zu Schaden gekommen.“ Ich grinse ebenfalls, werde dann aber schnell wieder ernst.

„Leider wird das nicht wirklich reichen. Menschen haben leider nur sehr kurz Angst und verdrängen schnell die Gefahr für sich. Die werden schon bald wieder über den Ganges kommen und weiter die Siedler angreifen. Schon um allen zu beweisen, dass sie keine Angst vor mir haben, ich bin ja harmlos und habe es nicht gewagt, ihre Stadt anzugreifen… So denken die Menschen… gefährlich ist etwas erst, wenn Menschen sterben und Siedlungen niederbrennen… bis dahin wird es bis zum äußersten ausgereizt… Mit dem Glauben: Gestern ist nichts passiert, warum sollte heute was passieren…“ –

„Menschen…“ Tyria blickt nach Osten, wo langsam die Dunkelheit heranzieht.

„Die Sonne beendet bald ihren Lauf über den Himmel… es ist immer ein schönes, etwas Melancholisches Bild, wenn die Schatten der Nacht sich über das Land legen.“ Mit einem Grinsen schaut sie mich an.

„Natürlich weiß ich, dass diese Welt sich dreht und dadurch Tag und Nacht entsteht. Wir verstehen zwar nicht alles, worüber Du manchmal sprichst, aber wir hatten genug Zeit, um das Zusammenspiel von der Sonne und den Welten zu begreifen. Auch wenn wir nicht wissen, warum Erce das so gemacht hat.“ –

Tascha schaut sie unter meinem Kopf hindurch fragend an.

„Drehen? Die Welt? Wie…?“ –

„Oh… Das wisst ihr doch auch? Ich glaube, einige Klei… verzeih die dumme Gewohnheit… einige Drakarin waren sogar daran beteiligt, sie haben viel beobachtet um die Vermutung, die der Großvater von NüShi damals von anderen, älteren Drachen übernommen hatte, zu bestätigen. Und gerade die Drakarin hatten damals viel berechnet und das dann mit W?idà X?ng zusammen beschrieben. – Wir können zwar auch gut rechnen, aber wir finden es immer ein wenig langweilig.“ Tyria lächelt etwas verlegen. –

„Ah… ja gut, ich bin ja sehr früh von meinen Eltern getrennt worden und bin sehr jung zu den Dracciern gekommen. Und die wissen davon nicht mehr, als die Menschen.“ –

„Hmm, ja. Dann kannst Du es vielleicht wirklich nicht wissen… es gibt ja Menschen, die überzeugt sind, dass die Welt eine flache Scheibe ist. Auch wenn andere die gleiche Erkenntnis haben, wie wir.“ –

„Hihi… Ja, solche habe ich schon getroffen. Aber das konnten mir die Weisen schon erklären, das mit der Kugel. – Auch wenn keiner genau sagen konnte, wieso wir immer den Boden unter uns haben.“ –

Ich grinse.

„Das werde ich später mal versuchen es zu erklären, wenn alles da ist. Es ist einfacher, wenn ich das nachschauen und vielleicht auch etwas zeigen kann. – Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis die Dinge, die Eldflóð mir beschaffen wollte, hier ankommen. – Aber wenn die dann von Menschen hierher gebracht werden…“ –

„Keine Sorge, das wird er sicher mit dem Übergang hierher senden, der in meinem Revier liegt. Der ist zwar klein, da kann ein Drache nur als Anthro durch und es fühlt sich auch irgendwie merkwürdig an im Vergleich mit den großen Übergängen, daher nutzen wir den nur sehr selten für uns. Aber ein paar Ballen mit dem, was Du haben möchtest wird kein Problem sein.“ -

Ich wusste gar nicht, dass in Tyrias Revier, das ja gleich jenseits des Himalaya an meines angrenzt, auch ein Übergang zu ‚meiner‘ Welt existiert.

„Wie viele Übergänge gibt es eigentlich?“ –

„Ich weiß von sechs zu Deiner alten Welt. Vier größere und neben dem bei mir noch ein anderer Kleiner. Die Großen sind jeweils einer in der Nähe von Lady Fjörgyn und einer westlich von Lord Eldflóð Revier. Durch den da im Westen bin ich damals gekommen, als wir uns drüben das erste Mal getroffen haben. Dann einer gar nicht so weit weg von meiner Schwester auf dem großen Kontinent westlich von hier und der letzte mir bekannte ist drüben irgendwo auf den beiden Kontinenten östlich vom großen Meer. Aber es gibt noch einige zu anderen Welten. Welten mit und ohne Menschen. Zwei davon habe ich mal kurz besucht, beide ohne Menschen… Auf einer fand ich viele große Echsen, die andere war sehr kalt und ich fand nur sehr wenige Zonen, wo Pflanzen und Tiere leben. Es soll auch eine Welt geben, auf der die Menschen noch viel mehr… wie soll ich sagen… viel mehr kaputt gemacht haben, als in Deiner… und die viel kriegerischer sind… wohl, weil sie Nahrung und sowas sich gegenseitig abjagen… - Wir haben diesen Übergang so gut wir konnten verschlossen, falls die Menschen dort den Übergang finden sollten, können sie nicht so einfach zu uns kommen.“ –

Ich nicke nachdenklich.

„Gut. Hoffentlich bleibt das so zu dieser kriegerischen Welt und hoffentlich gibt es da wirklich keinen weiteren Übergang.“ –

6.

Wohlig seufzend reibe ich mich ein wenig an den beiden. Ob ich vielleicht zu den anderen Welten könnte? In ‚meine‘ darf ich ja nicht, das hat Erce mir ja fürs Erste verwehrt… Aber das ist jetzt unwesentlich. Gemeinsam beobachten wir jetzt schweigend, wie die Nachtgrenze über mein Reich nach Westen läuft und die Ebenen weit hinten in Dunkelheit hüllt, während hier oben noch die Sonne hinreicht. Noch bevor uns auch hier die nach oben kriechende Nacht erreicht, brechen wir kurzentschlossen und ohne große Worte auf, stürzen uns von der Klippe und gleiten in Richtung auf meine Wohnstätte durch die Dunkelheit noch immer über den Wolken.

Erst als unser Orientierungssinn uns sagt, dass wir ganz in der Nähe sind, tauchen wir in die Wolken ein. Und trotz der dunklen, sehr dichten Wolken hier habe ich ein deutliches Bild der Umgebung, das meine Sinne mir vermitteln, als würde ich es direkt sehen. Ich weiß, dass Tyria sich ähnlich orientieren kann. Und Tascha kann mindestens uns beide sehen, wenn sie nicht auch die Umgebung so gut spüren kann.

Nicht lange und wir landen in einem leichten Landregen vor meiner Höhle. Nala grüßt uns mit einem Nicken aus dem Wachraum seitlich des Zugangs. Er hat wohl eine der frühen Schichten bekommen, damit er sich möglichst lange ausruhen kann. – Von dort aus den Eingang zu überwachen reicht völlig aus, da braucht keiner mit Speer ‚vor dem Tor‘ stehen. Es ist ohnehin wenig wahrscheinlich, dass sich jemand außerhalb der Handelszeiten hierherwagt, nicht mal die Menschen, die zum Handeln kommen - immerhin leben hier drei Drachen und die könnten bei Störungen nachts ja ungemütlich werden.

Wir betreten nacheinander die Höhle und schütteln uns kurz, womit wir Bhima ziemlich nass machen, der gerade auf dem Weg nach draußen ist.

„Ihr macht Doppelposten?“ frage ich ihn. –

„Nein N?tha, jetzt hat nur Nala Wache. Aber es ist ja noch nicht spät und ich habe noch etwas mit Jaya für morgen besprochen. Ich lege mich jetzt etwas hin, ich bin später erst dran mit meiner Wache.“ –

Ich nicke und er huscht schnell aus dem Eingang die paar Schritte rüber zu ihrer Unterkunft, wo er Nala auch kurz begrüßt.

Tascha schaut ihm auch hinterher.

„Keine Sorge, sie haben dort geräumige Quartiere, auch schon recht gut ausgestattet. Nicht lange und es sind bequeme und gemütliche Räume, in denen sie dann gemeinsam oder einzeln die freie Zeit verbringen können und jeder hat eine eigene Schlafkammer, je nach Wunsch.“ –

„Ich sorge mich nicht. Ich weiß, dass sie es sich so angenehm wie möglich machen und so wünsche ich es auch. Der Dienst wird nicht unbedingt spannend sein, wenig Kämpfe, viel Repräsentieren – da sollen sie es sich gerne bequem machen. Überfüllte dreckige Ställe, in denen sie sich einen Platz zum schlafen erkämpfen müssen, wird es bei mir nicht geben.“ –

Wir gehen zusammen ohne Hast und noch als Ferals den Weg nach unten zu meiner Wohnung.

„Du hattest so geschaut, da dachte ich, Du machst Dir darum Gedanken. – Und dreckige Ställe als Unterkunft sind dann doch sehr selten, denn wir sollen ja für den Menschenfürsten oder die Stadt kämpfen. Und Krieger, auch ungeliebte Draccier, behandelt man nicht zu schlecht, sonst kämpfen sie nicht, wenn es soweit ist.“ Erklärt Tascha grinsend.

„Aber es kann schon recht vollgestopft mit Kriegern sein. Oder sie kommen in Zelten unter. Keine Möglichkeiten seine freie Zeit außerhalb der Unterkunft zu verbringen, weil man uns oft nicht gerne in den Tavernen sieht. – Gut dafür sparen dann die Krieger oft viel an Sold, der ohnehin nicht sehr hoch ist.“ –

„Hoffentlich verwöhne ich sie dann nicht zu sehr.“ Grinse ich zurück. –

„Nein. Sicher nicht. Da mach Dir keine Gedanken. Wir sorgen schon dafür, dass sie nicht faul und fett werden.“ –

Wir durchqueren den großen Saal unterhalb der Eingangshöhle. Belustig sehe ich, wie NüShi es sich auf dem Podest als Feral bequem gemacht hat und anscheinend etwas vor sich hin döst… Jedenfalls sieht Meditieren meist doch etwas anders aus.

Durch unsere Schritte schließlich geweckt ruckt ihr Kopf hoch und sie sieht uns… mich etwas erschrocken an.

„Oh… Lord Eldingar… Ihr… verzeiht, ich wollte mir nicht anmaßen hier… äh… ich bin doch tatsächlich etwas eingenickt… Bitte… ich…“ –

Grinsend schüttele ich leicht den Kopf.

„Macht euch keine Gedanken darum. Solange Ihr nicht alle Fürsten der Menschen, Drakarin und Draccier hierher befohlen habt, um euch huldigen zu lassen… - nein verzeiht ich weiß, dass Ihr nicht an so etwas gedacht habt.“

Sie schüttelt nur mit erschrockenem Blick den Kopf.

„Macht euch keine Gedanken. Ich verstehe, dass diese selbst für Drachen sehr große Halle durch ihre Ausstaffierung eine durchaus beeindruckende Wirkung hat. Ich habe auch schon dort gelegen und mir vorgestellt, dass die Halle voller Abgesandter aller Stämme meines Revieres wäre… - Wie ist es, wenn es Euch nichts ausmacht könnt Ihr gerne mit zur kleinen Wohnung kommen, vorher noch ein entspannendes Bad, dann etwas Nahrung – ich habe einen drachenmäßigen Hunger – und anschließend können wir bei einem Getränk zusammen hocken und ein wenig über mich sprechen.“ –

„Oh ja, das klingt sehr gut. Und nein, ich habe kein Problem damit eine Anthro zu sein. Das gestern war nicht nur Höflichkeit. Zu Hause lebe ich normalerweise auch immer so. Es ist so viel einfacher und bequemer in einem von Menschen und Dracciern gebauten Haus… Höhle zu leben.“

Ihre Art, Freude und Begeisterung durch das in die Hände klatschen zu zeigen, kann sie auch als Feral nicht ganz ablegen. Auch wenn das mehr eine Art leichtes auf den Boden trommeln ist.

Sie steht flink auf, springt ziemlich undrachisch vom Podest und senkt ihren Kopf tief vor mir.

„Bitte verzeiht mir meine Anmaßung, Euren … Thron…? Euren Platz, ohne Euch zu fragen und aus reiner Neugier einfach belegt zu haben.“ –

Auch ich senke meinen Kopf, nur halb so tief.

„Ich bitte Euch. Es ist keine Angelegenheit von Belang. Ich muss zugeben, dass der Eindruck eines Thrones, wie die Menschen es nutzen, sich schon aufdrängt. Sicher auch beabsichtigt. Aber ich habe keine entsprechenden Gelüste über meine Aufgaben als Drache Erces hinaus. Erhebt Euch, N?shì Huoyàn xing. Wenn Ihr mir bitte folgen wollt.“ –

Sie hebt ihren Kopf wieder und nickt. Ohne weiteres Gerede drehe ich mich um und marschiere weiter zum Gang, der zu meiner Wohnung führt. An den Schritten hinter mir höre ich, dass die drei mir folgen – auch wenn Taschas Schritte wie üblich sehr sanft und leise sind, denn auch als Feral hat sie vergleichsweise sehr kurze Krallen und weichere Ballen als wir anderen.

Nicht lange und wir erreichen meine Wohnung. Ich gehe direkt zum Bad und wandele mich zum Anthro, weil die kleineren Becken mehr Temperaturmöglichkeiten bieten. Ich weiß ja nicht, ob NüShi mit den Temperaturen zurechtkommt, in denen sich Tyria erst so richtig wohl fühlt.

Noch bevor ich ins Bad gehen kann und während die anderen auch in ihre Anthroform ‚schlüpfen‘ treten aus der Küche Padmini, Shakti, Ravi und Shankar auf den Flur. Alle tragen nur den schmalen Lendenschurz, wie vor ein paar Tagen. Auch Padmini und Shakti sind ansonsten bis auf die Schuppen nackt. – Wobei Shakti auch in ihrem schon etwas fortgeschrittenen Alter einen straffen, durchtrainierten und recht muskulösen Körper, aber auch deutliche weibliche Formen zeigt. Ihre Schuppen haben durchgehend die Laubgrüne Farbe, mit unregelmäßigen etwas dunkleren Flecken durchsetzt. Wobei ihre Bauchschuppen dunkler sind, nicht heller wie bei den anderen drei.

Sie bemerkt, dass ich sie betrachte und lässt lächelnd ihre Muskeln etwas spielen. Dann flüstert sie Padmini etwas ins Ohr, was ich wegen dem deutlichen Schnurren NüShis direkt neben mir leider nicht verstehe. Padmini nickt grinsend, vermutlich wegen meinem offensichtlichen Interesse. Dann tritt Padmini einen halben Schritt vor, alle sinken auf ihre Knie und verneigen sich vor uns.

„Verzeiht edle Ladys, mein Lord. Wir sind hier, um Eure Bedürfnisse nach besten Kräften zu erfüllen.“ –

Ich nicke grinsend.

„Oh, eine angenehme Überraschung. Du bist dann für mich zuständig, wie ich vermute?“ –

„Nein, Shakti bat darum, Dich umsorgen zu dürfen, da sie Dein Interesse bemerkt hat. Ravi wird Lady NüShi ihre Wünsche erfüllen und Shankar wünscht, Ishwari jeden ihrer Wünsche erfüllen zu dürfen. Ich werde für die Wünsche von Herrin Natascha sorgen.“ –

„Gut, ich bin damit einverstanden.“ Grinsend drehe ich mich zu den anderen.

„Wie seht ihr das?“ –

„Ja gerne…“ nickt Tascha lächelnd mit einem vielsagendem Seitenblick zu mir und Shakti. –

NüShi mustert Ravi mit unverhohlenem Interesse.

„Fein… Ihr bietet Euren Gästen aber wirklich alles, mein lieber Lordpaladin. Ja sehr gerne.“ –

„Da bekomme ich ja früher meinen Shankar, als Du Deine Jaya, Liebster…“ meint Tyria und züngelt mir leicht über die Nüstern. -

NüShi schaut Tyria fragend verwirrt an, blickt dann aber Ravi jetzt deutlich zufrieden an. Offensichtlich steht ihr Entschluss, ihn ein wenig näher kennenzulernen, jetzt fest - wo ja selbst Tyria deutliches Interesse an Shankar bekundet hat. Der lächelt sichtlich verlegen, aber was Padmini sagte, dass er den Wunsch hatte, für Tyria zu sorgen, lässt schließen, dass er bewusst diese Entscheidung getroffen hat. So hat er den ersten Schritt gemacht, wenn es passieren sollte und sich so selbstbewusst einer Drachin gestellt - und macht es mir so, sicher auch beabsichtigt, einfacher Jaya ihren Wunsch zu erfüllen. Beide sind ja bereit, ihrem Partner mit Anderen, die nicht Draccier sind, ein ‚Abenteuer‘ zu erlauben.

Ich nicke zustimmend.

„Dann ist es entschieden. Ich hoffe, niemand wird etwas erwarten, dass dann nicht erfüllt wird oder ist enttäuscht, wenn Hoffnungen nicht erfüllt werden… verzeiht, aber hier schweben gerade Hormone in der Luft, die sehr ungewöhnlich sind für eine Drachenwohnstätte. – Lasst uns erst etwas in den Wasserbecken entspannen, bevor wir die Dienste meiner Garde in Anspruch nehmen.“ –

Ich nicke Tyria zu, die darauf grinsend NüShi ins Bad schiebt, Tascha folgt den beiden. Einen Moment warte ich noch ab, dann wende ich mich zu den Vier.

„Ich danke euch für euren freiwilligen Dienst als Bedienstete, den ihr für uns machen wollt. Keiner verlangt von euch, mehr zu machen, als uns zu bedienen. Insbesondere die Dienste, die hier angeklungen sind. Seid ihr freiwillig zärtlich oder sogar mehr, habe ich nichts dagegen, aber fühlt euch nicht verpflichtet. Ihr habt das Recht, zu viel Nähe auch abzulehnen unbeachtet der Tatsache, dass wir Drachen sind und allgemein als diejenigen angesehen werden, denen man nichts verweigert. Habt keine Furcht, etwas abzulehnen, ich werde euch notfalls gegen jede verteidigen. Das gilt entsprechend auch für Dich Shakti. Es wird keinen Einfluss auf euren Dienst bei mir haben. Denkt dran: Ihr seid meine Garde, keine Liebessklaven für meine Gäste.“ –

Alle nicken ernst, dann drängt Padmini sie, schon in die Wohnung zu gehen und das Wohnzimmer vorzubereiten.

„Die Polster und Kissen so verteilen, dass ihr miteinander gut sprechen könnt, wir machen schon keine Liebeshöhle daraus.“ Meint sie grinsend auf meinen fragenden Blick.

Bis auf Shankar verschwinden alle.

„N?tha. Ich mache es wirklich freiwillig und werde gerne Lady Tyria auch so weit zu Diensten sein, wie sie es wünscht, es wird sicher eine einmalige Erfahrung sein, die ich vielleicht machen darf. – Bitte, gewähre auch Jaya ihren Wunsch bald. – Und… mache Dir keine Gedanken wegen Shakti. Es ist Jaya nicht wichtig die erste zu sein. Ihr sind Deine Gefühle für sie dabei viel wichtiger. Und ich spüre gerade auch jetzt, dass Du für meine Jaya starke Gefühle hast. Aber gewähre Shakti heute ein paar schöne Stunden an den Schuppen eines starken Männchens. Du hast sie jetzt nur in ihren Schuppen gesehen, gesehen wie attraktiv sie selbst für uns jüngere Draccier ist… aber mit ihr können nicht viele Draccier wirklich mithalten, so durchtrainiert und erfahren wie sie ist. Aber Du könntest ihr den Wunsch erfüllen sich einem stärkeren Männchen hinzugeben. Welches Männchen könnte stärker sein, als ein Großer…? Noch dazu der, der sie gestern besiegt hat und dem sie ihr Leben geben wollte.“ –

„Ist es vernünftig, mit der Wächterin meines Kindes vorher Sex zu haben?“ –

„Dracci denken da anders als die Menschen, die Du sicher besser kennst. Wenn sie mit Dir Sex hatte, und wenn es nur ein einziges Mal ist, dann fühlt sie sich Dir sehr viel stärker verbunden. Und damit auch mit Deinen Kindern, denn diese sind Blut von Deinem Blut. Und da Shakti bereit ist, Dir sehr viel länger als normal als Kriegerin zu dienen, ist die Wahrscheinlichkeit dann noch einen Partner bei den Stämmen zu finden schon jetzt sehr gering, da sie ja jetzt schon über der normalen Kriegerzeit ist und es wird in 25 Sommern fast unmöglich sein. Sie wird Dich also nach einer Paarung - und wenn ihr das öfter wiederholt umso mehr - als ihren Partner ansehen solange sie Du ihr erlaubst hier bei Dir ihr Leben weiter zu führen. Und sie wird Dir und Deiner Familie treu bis in den Tod sein.“ –

„Darauf hofft sie?“ –

„Nein N?tha. Sie möchte hier nur ihren Dienst leisten und hofft, anschließend hier dann leben und arbeiten zu können. – Das eben… nun, Du hast sie sehr deutlich und interessiert betrachtet, sie ist ja auch sehr attraktiv mit ihrem voll trainierten und doch weiblichen Körper, dessen Formen sehr an ein Menschenweibchen erinnert, wenn auch mit Schwingen. Das hat sie bemerkt – und Du bist ja auch sehr attraktiv. Ich glaube, sie hat da in dem Moment keinen Drachen gesehen und nur ihren Hormonen gehorcht und keiner Vernunft.“ –

„Ich danke Dir für Deine Auskünfte. Wir sollten jetzt zu den anderen gehen. Ich möchte schon noch gerne nochmal ins Wasserbecken, vorhin bin ich früher wieder raus, als ich eigentlich gerne gewollt hätte.“ –

„Und ich schau mal, ob ich noch helfen kann. Und ob Shakti nicht der Mut verlassen hat. Bis gleich N?tha. Hoffentlich verlässt mich nicht der Mut…“ –

Ich lege ihm die Hand auf die Schulter und nicke ihm zu, um ihm nochmal zu zeigen, dass ich ihn nicht als Rivalen ansehe. Er nickt auch und geht in die Kleine Wohnung, ich durch den vorderen Bereich des Bades, der für die täglichen Bedürfnisse eingerichtet ist und öffne die Tür zu den Becken. Sofort schlägt mir fröhliches Gekicher entgegen. Die Drei haben offensichtlich ihren Spaß. Sie planschen gemeinsam im mittelwarmen Becken, ich nehme aber Kurs auf das Heißwasserbecken. Ein kurzer Blick sagt mir, dass der Regler noch auf die Kompromisstemperatur zwischen Tyria und mir eingestellt ist, also hechte ich direkt aus dem Gehen ins Wasser.

Huh… mir eigentlich schon zu warm, aber schnell reagiert mein Körper und schottet die Hitze ab. So kann ich es gut ertragen, nur tauchen ist mir dann doch zu warm, egal wie viel Drachenfeuer ich so vertrage. Also lasse ich mich auf dem Rücken liegend im Becken einfach treiben, genau das, was ich ohnehin wollte. Mich einmal richtig durchwärmen lassen, die Muskeln, besonders die Flugmuskulatur in der Wärme entspannen und locker werden lassen.

Es dauert nicht lange und ein obsidianschwarzer Kopf mit zwei glutroten Augen taucht neben mir auf.

„Alles mit Shankar geregelt?“ –

„Ja. Sie sind wirklich alle aus eigenem Antrieb hier. Sie wollen unserem Gast zeigen, dass unser Haushalt einem Drachen eine mehr als angemessene Gastfreundschaft entgegenbringen kann und will.“ –

„Schön. Da kannst Du Dir etwas drauf einbilden. So wird das wohl kein anderer Drache können, nicht mal Eldflóð. Vielleicht mal ein Drakarin… aber für jeden einen persönlichen … hm, Diener… trifft das nicht wirklich, auch wenn sie Dir damit dienen.“ –

„Hoffentlich überrennen mich die Drachen nicht bald, um diese Gastfreundschaft zu erleben. – Übrigens Shankar… er hat sich bewusst entschlossen, Dir zu Diensten zu sein. Voll und ganz wie es Dir gefällt.“ –

„Und Du?“ –

„Was Shankar und Jaya betrifft, waren wir uns ja einig. – Was Shakti betrifft… ich weiß nicht was daraus wird. Shankar hat mir erklärt, dass sie es als eine Art Partnerschaft ansehen würde, was ihre Treue sehr vertiefen würde.“ –

„Du meinst, weil sie schon jetzt über ihre normale Kriegerzeit hinaus ist? Und noch 25 Jahre als Kriegerin Dir dienen wird? Und sie dann sicherlich nur sehr schwer noch einen Draccier als Partner finden wird?“ –

„Du weißt anscheinend mehr über Draccier, als Du zugeben magst.“ Stichel ich grinsend. –

Sie drückt mich kurz unter Wasser. Als ich wieder oben bin, zieht sie eine Grimasse.

„Blöddrache… Du denkst doch nicht, dass ich hier schon so lange nur die Erde platttrampele und nichts mitbekomme von den anderen Völkern? – Nun…, wenn Du sie Dir mit ein paar Mal paaren im Jahr zu einer treuen Gefährtin machen kannst, warum nicht. Draccier sind mir egal… verzeih, sind sie nicht, Du weißt schon was ich meine. – Aber Jaya…?“ –

„Ja. Ich weiß, was Du meinst. Und Shakti wäre mir auch nicht nur eine gefügig gemachte Bedienstete. Große Lebenskraft… ich halte mir hier bald Mätressen wie ein barocker König… an jedem Finger eine… Ja und Jaya… Shankar meint, es würde ihr nichts ausmachen, nicht die erste Dracci zu sein, die sich mit mir paart…“ –

„Glaubst Du das?“ –

„Nein. Ich möchte ihr das Vorrecht lassen. Aber ich kann ja schon ein wenig zärtlich zu Shakti sein, wenn es sich so entwickelt.“ –

„Gut. Was sind Mätressen, was ist ein barocker König?“ –

„König weißt Du sicher. Ein hoher Fürst der Menschen. - Barock ist eine Zeit bei den Menschen drüben, die ungefähr 200 Jahre dauerte und vor 230 Jahren zu Ende ging. In der Zeit entwickelte sich vor allem an den Fürstenhöfen die Dekoration, die Kleidung, sogar das Verhalten hin zu mehr Farben, wurde verspielter – die letzten Jahrzehnte zudem fast ins Extrem sehr überspitzt. So gar nichts, was Drachen verstehen würden. - Und eine Mätresse ist eine Geliebte, die ein Menschenfürst neben seiner Partnerin hat. – Das gab es zwar immer, war um die Zeit herum aber mehr verbreitet, als davor und danach - viele, gerade die hohen Fürsten, hatten mehrere Geliebte. Lag wohl auch daran, dass die alle Langeweile hatten, diente aber auch der Kontrolle der untergebenen Fürsten.“ –

Den sehr fragend zur Seite geneigten Kopf von Tyria vor mir, versuche ich weiter etwas mehr zu erklären.

„Entstanden ist das, weil der König die hohen Adligen an seinen Hof befohlen hatte und die dort damit beschäftigte, dass sie sich sehr aufwändig und teuer repräsentieren mussten, auch mit immer der neuesten Kleidung und fast täglichen Festen, wo alle bewirtet wurden Alles um ihren Rang nicht zu verlieren und kleine Ämter am Hof zu ergattern, womit sie dann vom König entsprechend besoldet wurden, denn die meisten waren nach kurzer Zeit schon pleite, so kostspielig wurde dieses Repräsentieren. So kamen sie dem König politisch nicht mehr in die Quere und er konnte alleine regieren.“ –

Mir ist klar, dass es nur ein grober Umriss der Zeit des Barock und des Absolutismus ist und sicher nicht in allem korrekt, aber jetzt auf die Schnelle muss es reichen.

Tyria schüttelt den Kopf.

„Menschen… - haben die Fürsten nicht die Aufgabe, über ihre Untergebenen zu wachen und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht?“ –

„Eigentlich wurde dieses Amt aus dem Grund geschaffen, ja. Aber wirklich lange hat das nicht gehalten. Schnell haben die Anführer sich für was Besseres gehalten und die anderen für sich arbeiten lassen. Solange dann alle ein Dach über dem Kopf haben und genug zu essen, funktioniert das auch. Wenn nicht, kann es zu Reibereien kommen. Auch darum haben die Fürsten Krieger – die sollen nicht nur gegen andere Fürsten, bzw. deren Krieger kämpfen. Die sollen auch das eigene Volk in Schach halten. Wer aufmuckt landet im Kerker, oder schlimmeres. Und die Abgaben, die das Volk leisten muss, landet nicht nur im Bau von Straßen, Brücken und ähnlichen für alle nützliche Dinge – davon landet auch einiges in der Tasche der Fürsten, die sich damit ein sehr gutes Leben leisten.“ –

„Und das lassen die Menschen sich gefallen?“ –

„Lange, sehr lange ja. Sie werden auch so erzogen, dass es genauso richtig ist. Aber wenn die Fürsten und die Adligen es übertreiben, so wie im Barock, und dann noch falsche Entscheidungen dazu kommen, wodurch der Staat mehr Geld ausgibt, als Abgaben erhoben werden können und schon eine nicht so gut ausfallende Ernte dann zu Hunger führt - dann kommt es irgendwann doch zum Kampf und manchmal auch zum Sturz der Fürsten.“ –

„Ernte… also wenn die Pflanzen nicht so gut gewachsen sind wie normal, oder? Verwirrend… So ist das drüben?“ –

„Ja, das ist mit schlechter Ernte gemeint. Und so war das vor 250 Sommern etwa. Danach gab es dann einen Aufstand, der auch viele Wirren brachte. Aber danach bekamen die Menschen in einigen ihrer Reiche nach und nach mehr Mitspracherecht. Jetzt ist es in vielen der Menschenreiche so, dass die Menschen alle paar Jahre diejenigen bestimmen, die für die nächste Zeit regieren sollen.“ –

„Wie umständlich… Aber demnach sind wir Drachen ja auch alleine die Herrscher in unseren Revieren.“ Tyria grinst – ein wenig fies. –

„Ja. Wir beherrschen unsere Reviere sehr ähnlich wie die Alleinherrscher der Menschen. Vielleicht noch eine Mischung mit der bei den Menschen davor üblichen Herrschaftsform, wo der höchste Fürst Gebiete und die Herrschaftsrechte dort an weniger hohe Adlige vergab und dafür den Treueschwur bekam. Also wenn wir jüngere oder weniger ambitionierte Drachen in einem Bereich unserer Reviere leben lassen und sie dort dann einen Teil unserer Aufgaben übernehmen – das wäre so ähnlich. - Keine Sorge, ich will das hier für uns nicht ändern. Nicht komplett jedenfalls. Vielleicht irgendwann mal eine Versammlung von Vertretern aller Völker, die mir für einige völkerübergreifende Angelegenheiten dann Empfehlungen geben, was am besten zu machen ist.“ –

„Mach es nicht zu umständlich… Wir herrschen ja nicht über die Menschen, wie deren Fürsten. Ja, wir entscheiden, ob sie richtig oder falsch handeln und setzen dann das Richtige durch. Aber ansonsten kümmern wir uns ja nicht weiter darum, wie sie ihre Stämme anführen.“ –

Tascha, die mit NüShi unser Gespräch neugierig verfolgt hat, nickt.

„Ja, auch den Drakarin ist es unwichtig, was die Menschenfürsten machen. Der da in der Stadt, von der die Krieger kamen, der interessiert uns ja auch nicht weiter. Nur weil er Dein Land sozusagen angegriffen hat, bist Du auf ihn aufmerksam geworden. Hält er sich in Zukunft von Deinem Land fern, dann hält er sich an Deine Regeln und ist damit unwichtig. Das sehen wir ebenso. – Und die Draccier interessieren sich ohnehin nur für ihre eigenen Schuppen, so böse das auch klingt, aber es hat auch seinen Sinn. Die Stämme hätten zwar leicht die Macht, einen Menschenfürsten zu stürzen, aber das interessiert sie nicht. – Für sie ist nur wichtig, einen angemessenen Sold zu erhalten. Nur wenn sie einfache Bauern und Handwerker in deren Siedlungen umbringen und da alles zerstören sollen, weigern sie sich meistens und können dann auch mal gegen den kämpfen, der sie angeworben hat. Aber das ist insgesamt selten, weil bekannt ist, dass sie sowas nicht machen.“ –

„So wie Aditi.“ –

„Richtig. Aditi hat genau das schon gemacht. Nur dass sie nicht gegen den Fürsten selber die Waffe erhoben hat. Nur gegen die Heerführer.“ –

„Die Fürsten sind ja auch nicht da, wo die Draccier sind. – Aber ich glaube wir sollen rübergehen. Ehe die vier vor Langeweile uns alles wegessen und trinken.“ –

Tascha nickt grinsend und lässt NüShi vor sich aus dem Becken steigen. Ich stupse Tyria an, die mich neckisch anknurrt und dann auch aus dem Becken steigt, dabei geht ein kurzer Ruck durch ihren Körper, kaum bemerkbar, nur der Tropfenregen, der noch ins Becken prasselt, zeugt von ihrem Trockenschütteln. Ich mache es ihr nach und schon sind wir beiden trocken. NüShi schüttelt sich etwas heftiger, obwohl ich nicht glaube, dass sie es müsste. Nur Tascha muss sich ein wenig mehr die Mähne ausschütteln, ihre matten Schuppen dagegen lassen auch das Wasser abperlen.

7.

Tascha geht voran, gefolgt von NüShi und Tyria, die nebeneinander zu meiner Wohnung gehen, ich folge als letzter. Drinnen steht Shankar an der Tür zum Wohnraum, aus dem ich schon das leichte Knistern des Kamin vernehme – und das leise Tappen der anderen Draccier, die sich offenbar noch schnell positionieren. Shankar macht eine einladende Geste und Tascha geht mit einem leichten Nicken auch hier vorweg in den vom Feuer und Oellampen sanft erleuchteten Raum.

Beim Betreten sehe ich, dass die Draccier sich an der Außenwand aufgestellt haben und darauf warten, dass wir uns einen Platz suchen. Sie haben die Sessel in der Außenecke des Raumes in einer Art Halbkreis aufgestellt, den Schreibtisch zur Seite, auch an die Außenwand gerückt und so einen größeren freien Platz vor dem Kamin geschaffen und reichlich mit Polster und Kissen ausgelegt, eine große Liegewiese sozusagen geschaffen. In der Luft verbreitet sich ein angenehmer, fast berauschender Duft von irgendeiner Kräutermischung, die in einer Schale leicht rauchend glimmt.

Da alle jetzt irgendwie unschlüssig herumstehen, mache ich eine einladende Geste.

„Bitte, alles ist ja vorbereitet. Bitte macht es euch bequem, Sessel oder Polster. – Mir wären gerade die Polster sehr recht.“ –

Alle nicken und schnell haben wir uns auf die Polster gelümmelt, anders kann man es kaum beschreiben. Interessant, wie sich so stolze Drachinnen hier völlig unbefangen benehmen, obwohl noch die vier Draccier mit hier sind. – Mir haben sie einen Platz zwischen sich freigelassen. Tascha auf der einen, NüShi auf der anderen Seite, daneben dann Tyria. Kaum haben wir es uns bequem gemacht, hockt schon die, oder der jeweilige Draccier neben uns auf den Knien.

„Darf ich Dir zunächst etwas zu trinken bringen, N?tha?“ fragt Shakti mich leise. –

„Gerne. Etwas Wein und dazu kaltes Wasser bitte.“ –

Ihre Augen leuchten kurz auf als sie bestätigend nickt - dass ich sie bitte, ist wohl auch für sie immer noch ungewöhnlich. Schnell ist sie auf den Füßen und bewegt sich mit den schnellen, gleitenden Schritten der trainierten Kriegerin aus dem Raum zur Küche. Nicht so leichtfüßig wie Padmini, die aber auch zierlicher ist, aber fast ebenso leise. Shankar und Ravi können da an Eleganz nicht mithalten, obwohl sie alles andere als plump in ihren Bewegungen sind. Das Zungenschnalzen von NüShi ist da eindeutig.

Es dauert nicht lange, bis alle wieder zurückkommen. Sie tragen alle Tabletts, eins mit den Getränken, aber auch das Essen haben sie gleich mitgebracht, das sie auf dem Schreibtisch abstellen. Shakti hockt gleich wieder neben mir und reicht mir einen Becher, die beiden Krüge hat sie hinter uns auf einem niedrigen kleinen Tisch abgestellt, der mir unbekannt ist, den müssen sie von oben mitgebracht haben. – Aber da stehen die Krüge deutlich besser als auf dem erwärmten Boden, wo das Wasser schnell warm werden würde.

Auf meinen Wunsch füllt sie den Becher mit Wasser, sie hockt direkt neben mir, so dass sie meine Sicht auf NüShi nicht behindert, aber doch so nah, dass ich ihre Körperwärme spüre, fast ihre Schuppen fühle, ihren Geruch deutlich wahrnehme. Und sie riecht sehr angenehm, nichts Künstliches, nur sie. Ich bemerke, dass auch NüShi fast unverhohlen den Geruch von Ravi erschnuppert. Und auch Tyria konzentriert sich auf Shankar, möchte ihn wohl etwas beruhigen, denn er wirkt gerade etwas nervös. Aber ob ihre Hand auf seinem Oberschenkel da hilfreich ist, muss sie selber wissen.

Tascha und Padmini dagegen unterhalten sich gerade leise, wie ich an minimalen Gesten erkenne. Da ja auch Padmini das Sprechorgan der Drachen hat, sind sie nicht zu hören. – Bin mal gespannt, was die beiden gerade aushecken… scheint irgendwie um mich zu gehen, wenn ich ihre Blicke richtig deute.

Shakti reicht mir den zweiten Becher und füllt den halb mit dem Wein. Ich nehme einen Schluck. Sehr lecker… hoffentlich können wir mehr davon bekommen… oh… bei der Bewegung zieht es recht schmerzhaft durch meine Schulter. Shakti hat das offensichtlich bemerkt.

„Dreh Dich doch mal auf den Bauch, N?tha.“ –

Ich schaue sie fragend an, aber ihre Kopfbewegung und der Griff an meinen Arm sind eindeutig. Also mache ich, was sie möchte. Kaum liege ich bäuchlings auf dem Polster hockt sie schon rittlings auf meinem Rücken, ich spüre ihren Schwanz, der sich auf meinen legt. Schnell hat sie ein paar Kissen zurechtgerückt und drückt meinen Kopf sanft hinein, dass ich entspannt liegen kann. Anschließend positioniert sie meine Schwingenarme ebenso sanft, aber bestimmt so, dass sie gut meinen Schulterbereich erreicht. Ein paar Griffe und sie hat die schmerzende Stelle gefunden. Ihre flinken Finger und der fast sanfte, aber gezielte Druck macht meine Muskeln schnell wieder weich.

Trotzdem bekomme ich sozusagen das Komplettprogramm, sie findet noch eine Verspannung in den Schwingenschultern.

„Ich weiß nicht, warum ich heute so verspannt bin… so heftig war das noch nie“ –

„Bist Du schon mal mit einer Stahlrüstung so weit geflogen, N?tha?“ –

„Du meinst daran könnte es liegen?“ –

„Bei einem Draccier würde ich sagen: Ja daher kommt das. Ungewohnte Belastung.“

Sie rutscht von meinem Rücken.

„Umdrehen bitte.“

Ich dreh mich wieder auf den Rücken und lege dabei meine Schwingen leicht geöffnet locker unter mich.

„Ja, das sieht gut aus. Verzeih N?tha, aber ich habe oft Schwingenträger gesehen, die immer verkrampft auf dem Rücken lagen.“ –

Ehe ich antworten kann hockt sie schon wieder rittlings auf mir, jetzt auf dem Bauch. Wieder drückt sie meinen Kopf sanft aber mit Nachdruck nach hinten und die Arme an die Seite, bis ich wieder entspannt liege. Dann beginnt sie meine Brustmuskeln wieder so merkwürdig sanft, aber doch mit dem nötigen Druck zu massieren. Das ganze… wie sie so auf mir hockt, mich meistens fast mehr streichelt als massiert... ihren Schwanz ruhig aber deutlich warm auf meinem Slit… angenehm, ohne mich erregen zu wollen… mir geht der Gedanke durch den Kopf, dass auch die Draccier eindeutig warmblütig sind - warum auch immer… dazu der Geruch der Räuchermischung… fast bin ich am wegnicken.

Als Shankar und Padmini ein paar Schalen neben uns stellen, wie auch bei den anderen, werde ich wieder munter. Neben mir liegt NüShi auf ihrem Bauch und lässt sich von Ravi, der ähnlich wie Shakti vorhin rittlings auf ihrem Rücken sitzt, die Schwingenarme mehr streicheln als massieren, wie ich belustigt bemerke. Aber auch Shakti streichelt mir jetzt mehr meine Bauch und Brustschuppen, fährt mit den Fingern meine Narben entlang, deutlich kann ich ihre langsam ansteigende Erregung in ihrem Duft wahrnehmen. Noch kein sexuelles Verlangen, aber sie scheint meine Schuppen unter ihren Händen und zwischen ihren Beinen zu genießen. Und meine Hände, mit denen ich über ihre Schenkel streichele…

„Wir sollten vielleicht etwas essen, N?tha… bevor die Kräuter uns zu etwas verleiten, was Du nicht möchtest…“ flüstert sie, als sie sich vorbeugt, um eine der Schalen zu nehmen. –

„Die Kräuter?“ –

„Ja. Es ist auch Ganja mit drin. Es stört euch hoffentlich nicht, aber Padmini meinte, es würde uns allen helfen einen angenehmen Abend zu haben, wo Du… verzeih.“ –

So ist das also… der berauschende Geruch im Rauch… offenbar wollte Padmini mich durch die Wirkung von dem Ganja – also Hanfblüten – vom heutigen Erlebnis ablenken. Ein Blick auf die anderen zeigt mir, dass alle sehr entspannt wirken, wobei zumindest Tyria sich dessen Ursache bewusst ist, wie mir ihr Blick zur Räucherschale sagt, als wir uns über NüShi hinweg anschauen. Ich nicke kurz und sie richtet ihre Aufmerksamkeit lächelnd wieder Shankar zu, der jetzt beginnt, ihr Fleischstreifen in den Mund zu legen.

„Nein, es stört mich nicht Shakti. Vielleicht eine gute Idee.“ –

Sie beginnt jetzt auch, mich langsam zu füttern, nimmt sich auch etwas von dem Fleisch, reicht mir den Becher damit ich einen Schluck trinken kann. Reicht mir im Wechsel das Fleisch verschiedener Tiere, das sehr frisch ist. Dazu verschiedenes Gebäck. Schließlich – offenbar ein spontaner Entschluss, legt sie sich auf mich, ich spüre ihre straffen Brustdrüsen auf meiner Brust. Sie nimmt jetzt das Fleisch zwischen ihre Zähne und hält es mir so direkt vor meine Lippen… - ihre Werbung um mich ist jetzt sehr eindeutig…

Der Blick von Tascha zeigt mir ihre leichte Belustigung, aber auch, dass ich ihre Zustimmung hätte. Tyria ist jetzt voll auf Shankar konzentriert, natürlich bemerkt sie, was hier passiert, aber so zeigt sie mir ebenfalls, dass sie mich gewähren lassen wird. Und NüShi… nun, sie nimmt Ravi voll in Beschlag…

Shakti reckt sich ein wenig und flüstert mir sehr leise ins Ohr

„N?tha… bitte gewähre Deiner treuen Kriegerin, der zukünftigen Wächterin über Deine Kinder einen Wunsch. Sei für mich mein Partner, gewähre mir ein Leben an Deiner Seite, lass mich für Dich da sein, lass mich die niedrigste Deiner Partnerinnen sein. Bitte lasse mich die zweite Dracci sein, die sich mit einem Drachen paaren darf.“ –

Oh... sie ist sehr direkt und lässt sich nicht viel Zeit… aber warum nicht… Tyria ist einverstanden, Tascha, die jetzt von Padmini ebenfalls zärtlich gestreichelt wird, hat offensichtlich auch nichts dagegen…

„Die zweite Dracci?“ –

„Jaya wirbt bereits länger um Dich, N?tha. Sie hat den Vorrang, sie hat Dich vor mir von ihrem Speichel kosten lassen und Du begehrst sie für eine Paarung. Ich dagegen wünsche mir eine dauerhafte Beziehung zu Dir, über die 25 Jahre hinaus, bis ich in die Leere gehen muss.“ –

„Oh… in die Leere? – das muss ich unbedingt verhindern. Wenn Deine Zeit in ferner Zukunft kommen wird, werde ich Dich zu Erce begleiten, wie es für meine Partnerin sein soll.“ –

„Das steht uns Dracciern nicht zu… wir leben um zu töten… unser Leben widerspricht Erce… - äh… Deine Partnerin?“

Ich nicke und ihre Augen beginnen zu strahlen.

„Du… Du gewährst mir den Wunsch?“ –

Ich lasse meine Zunge über ihre Nüstern gleiten, was sie mit einem wilden Gezüngel über mein ganzes Gesicht beantwortet.

NüShi betrachtet uns mit einem Lächeln.

„Nun, da auch der Lordpaladin seine Partnerin für die Nacht gefunden hat… darf ich ein wenig Neugierig sein…?“ –

Shakti hebt ihren Kopf, setzt sich wieder aufrecht auf meinen Bauch und schaut deutlich verlegen auf meine Bauchschuppen.

„Nun… vermutlich nicht nur für diese Nacht.“ Gebe ich lächelnd zurück. Ich lege meine Hände auf Shaktis Taille und kraule sie sanft, was sie sehr zu genießen scheint.

Tyria kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Dann willkommen im Harem unseres Lordpaladin, Shakti. Aber es macht es mir auch leichter, unsere Nestlinge Deiner Obhut anzuvertrauen.“ –

„Seid gewiss, Ishwari. Ich werde über Eure Nestlinge wachen, als wären es meine. Mit meinem Leben. Das gilt ebenso für Deine Nestlinge, Tascha.“ –

„Aber Du wirst keine mit Eldingar haben können…“ wirft Tyria ein. –

„Das ist mir bewusst. Aber der Grund, warum ich immer noch Kriegerin bin ist… ich habe keine Eier, die befruchtet werden könnten. Ich bekomme keine eigenen Kinder. Die Heiler gaben mir nach meiner ersten ernsthaften Verwundung nur die Wahl, mich für ein Leben als Kriegerin oder für meine zukünftigen Eier, dann aber als kraftloses Hausweibchen mit ständigen Schmerzen zu entscheiden. Ihr seht, wie meine Entscheidung damals war. Meinen Ruf als Kriegerin habe ich bekommen, weil ich, nachdem mir das klar geworden ist, anfangs doch noch versucht hatte, im Kampf den Tod zu finden. Nur… wer ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben kämpft, überlebt meistens. – Aber das ist lange her, da bin ich schon lange drüber weg. Ich neide keinem Weibchen ihre Kinder, auch wenn ich Kinder gerne habe und mich gerne um die meiner Freundinnen gekümmert habe. Und welche Dracci darf sich schon um die Nestlinge von Drachen kümmern?“ –

Ich kraule sie intensiver, knete ein wenig ihre Pobacken, rieche ihre langsam steigende Erregung.

„Du wirst Dir sicher noch wünschen, nicht auf unsere Nestlinge aufpassen zu müssen.“ –

Sie grinst mich breit an und beginnt wieder meine Brust zu streicheln, was mir durch ihr Vorbeugen die Gelegenheit gibt, es ihr gleich zu tun. Das leise wohlige Stöhnen zeigt mir, wie sie die Zärtlichkeiten genießt.

„Oh, das muss eine schwere Entscheidung gewesen sein.“ meint Tyria nachdenklich.

„Wegen einer Verwundung so eine Wahl treffen zu müssen.“ –

Shakti zuckt leicht mit den Schultern.

„Hinterher habe ich mir manchmal gewünscht, länger drüber nachgedacht zu haben – aber ich war da noch jung und draufgängerisch… ich wollte unbedingt eine gute Kriegerin werden. Ich bin es jetzt, wie die meisten sagen. Bekannt unter allen Kriegern. Aber eine Familie war mir nicht vergönnt. Ich hatte es versucht, mir Männchen ausgewählt, aber ich habe keinen Partner gefunden, den ich mir gewünscht hätte. – Das war der zweite Einschnitt in meinem Leben, der mich weiter zur Kriegerin verdammte. – Aber auch das habe ich akzeptiert. Und jetzt zeigt sich das Glück darin. Ich darf Partnerin eines Drachen sein und mein weiteres Leben in Sicherheit verleben.“ –

„Und sich mit Drachennestlingen herumärgern.“ Ergänzt Tyria grinsend.

„Aber das wird sicher nicht so schlimm werden. Wir legen ja immer nur ein Ei, selten mal zwei.“ –

„Das könnten dann aber auch mal vier mehr oder weniger gleichzeitig werden… Zwei von Dir, zwei von Tascha…“ –

Beide strecken mir gleichzeitig die Zunge raus, während Shakti grinst.

„Nun gut. Verzeiht NüShi. Ja Ihr dürft neugierig sein. Euch interessiert sicher, wie ich hier gelandet bin…“ –

Sie hört mir gespannt zu, wie ich meine Geschichte, vom Zusammentreffen mit Sálleiðtogi an, im Wesentlichen erzähle. Shakti und Ravi sind ebenso gespannt. Padmini hört nur mit halben Ohr zu und krault Tascha ein wenig. Tyria und Shankar kennen meinen Werdegang ja schon und streicheln sich gegenseitig zärtlich, züngeln miteinander… Tyria lässt sich ganz auf Shankar ein, ist zurückhaltender, weniger fordernd, als bisher bei mir - da bahnt sich tatsächlich eine liebevolle Nacht an.

Shakti liegt inzwischen wieder auf meiner Brust, auch wir streicheln uns sanft. Und NüShi lässt ihren Ravi ohnehin nicht los. Bei ihr ist es eindeutig, dass ihr männliche Schuppen, die sich an ihren reiben, sehr gefehlt haben.

Wenn die Menschen uns so sehen würden… unser Ruf wäre dahin… Drachen, die mit Dracciern kuscheln und das genießen…

Natürlich hat NüShi noch Fragen über Fragen an mich. Ob es wirklich keine Drachen gibt drüben, was die Menschen dort von denen hier unterscheidet, wie das mit den Maschinen und der Technik ist, was wir hier machen können, um auch von der Technik zu profitieren… - Sehr offensichtlich steht sie dem Thema sehr offen gegenüber.

„Mit Maschinen können Menschen sehr viel erreichen.“ Sagt sie nachdenklich.

„Bei mir ist da ein Stamm, die mit Wind, Wasser und Dampf sich vieles leichter machen. – Oh, ich weiß, was passieren kann. Als sie anfingen die schwarzen brennenden Steine zu benutzen, bin ich dazwischen gegangen… Sie waren lange böse auf mich – für Menschen lange… Inzwischen kann ich wieder zu ihnen gehen, ohne dass sie sich ängstlich verstecken. Und sie benutzen nur noch Holz, ohne alle Wälder in ihrem Land zu roden. – Wenn wir mit Hilfe der Menschen drüben Maschinen herstellen können, die unsere Welt nicht so zerstören, wie die drüben…“ –

Ich grinse.

„So ein Volk klingt interessant. Aber Ihr habt da einen Widerspruch… Technik von Drüben, die unsere Welt nicht so negativ beeinflussen soll, wie es Drüben passiert…“ –

„Richtig. Aber ich habe gehört, dass die Menschen drüben anfangen so etwas zu machen, weil sie ihre Welt nicht weiter zerstören wollen.“ –

„Ja. Leider nutzen sie dazu Metalle oder andere Stoffe, die sie aus der Erde graben und dabei doch wieder die Natur zerstören oder die bei der Verarbeitung giftig sind.“ –

„Oh… also sie machen etwas, das ihre Welt schützen soll, aber sie indirekt dann doch schädigt… Schade.“ –

„Ja, Aber sie wissen es, jedenfalls die, die es herstellen. Und sie versuchen Ersatz zu finden, der nicht so zerstörerisch in der Herstellung ist. Nur soll der natürlich ähnliche gute Eigenschaften haben. – Hier allerdings können wir gleich eine andere, unschädliche Technik nutzen. Allerdings muss das dann vollkommen harmlos für unsere Welt sein. – Also am besten nicht mal Holz verbrennen, um Dampf zu erzeugen, sondern die Sonne nutzen - mit Spiegeln. Wobei Holz, auch wenn es Rauch erzeugt, am Ende noch unschädlich ist, wenn die Wälder geschont werden.“ –

„Vielleicht kannst Du es Dir ja mal anschauen bei mir. Weißt Du… oh… verzeiht Lord Eldingar… ich…“ –

„Macht Euch keine Gedanken… mir wäre das Du nicht unlieb, da Du mit Tyria ja bereits diese vertraute Anrede pflegst.“ –

„Oh, gut, gut… ja gerne. – Nun… Du solltest wissen, dass ich… nun…“ sie seufzt.

„Ich würde den Menschen auch auf dieser Welt gerne die Maschinen erlauben, sie zu… – wie sagst Du… - zur Technik führen, sie anleiten, Ihnen helfen, gute Maschinen zu bauen. Ich denke, auch wir könnten so sehr davon profitieren.“ Sie schaut mich etwas unsicher an.

„Ich verstehe. Und ich habe auch die Aufgabe erhalten, ihnen eine technische Entwicklung zu ermöglichen, die unsere Welt schont. Dazu müssen wir Drachen ihnen allerdings helfen. Wir können ihnen die benötigten Metalle und Minerale so zur Verfügung stellen, dass sie danach nicht lange graben müssen. Das würde schon deutlich besser sein, als manches drüben. Naja, ich kann das wohl weniger, aber die Erddrachen und sicher auch Tyria als Magmadrachin.“ –

Die nickt.

„Metalle und Mineralien. Ja kein Problem. Normal lasse ich ja einfach das nach oben kommen, dass da unten sozusagen auf mich wartet, aber gezielt Eisen, Kupfer, aber auch dieses sehr leichte Metall oder notfalls Gold dann in einem vergleichsweise hohen Anteil im hochquellenden Magma zu konzentrieren ist sogar recht einfach, jedenfalls für mich und meine Schwester. Aber auch jedes andere Mineral, das da unten vorhanden ist. Nur etwas, das es nicht überall gibt, wird schwieriger. Am besten ich lasse es dann da hochkommen, wo die Menge dann ausreichend vorhanden ist. Wie viel müsste es denn sein, wenn sie Metall brauchen?“

„Das kommt auf das Metall an. Es können schon mal ein paar tausend Tonnen sein, z.B. bei Eisen, dann haben sie eine Zeitlang Vorrat. – Am besten aber keine Mischungen von verschiedenen Metallen, oder nur, was sich von selbst trennt. Denn vermischtes Erz benötigt eine Bearbeitung, die oft nicht gut für unsere Welt ist, weil giftig oder so etwas.“ –

„Sie brauchen reine Metalle und Mineralien?“ –

„Nicht zwingend, aber es hilft mehr als nur Pflüge und Schwerter zu schmieden – gerade in der nächsten Zeit, solange sie noch ganz am Anfang stehen. Und sie müssen dann, wie gesagt, keine schwierigen Verfahren nutzen, um beispielsweise reines Eisen zu erzeugen. Aber andere Metalle – gerade auch das eigentlich sehr praktische Aluminium, dass Du ja schon angesprochen hast, liegen drüben oft als Mineral vor, das bei der Produktion von reinem Metall viel giftige Rückstände hinterlässt. Bei Gold ist das besonders schlimm… Quecksilber oder Kaliumcyanid… beide giftig, wenn auch unterschiedlich stark.“ –

„Ah, so ist das? Sie vergiften alles, wenn sie Metalle aus dem Erz machen? Hier wird Gold aus den Flüssen, aus dem Sand gewaschen.“ –

„Ja kennen sie drüben auch, aber das über viele hunderttausende, wenn nicht Millionen Sommer angespülte Gold ist fast überall schon herausgeholt. Jetzt wird auch der letzte Rest aus uralten, nicht mehr existierenden Flüssen geholt – und auch die Erzlager direkt abgebaut. Bis tief unter der Oberfläche oder in riesigen Löchern. Und die paar Goldflitter aus wahren Bergen von Gestein, werden dann mit solchen giftigen Mineralien herausgelöst, weil diese sich auf die eine oder andere Weise mit dem Gold verbinden und es sozusagen sammeln.“ –

Tyria seufzt.

„Menschen… sie bringen sich in ihrer Blindheit für das Leben direkt selber um… langsam zwar, aber…“ –

„Ja… sie sind schon sehr merkwürdige Wesen…“ nickt auch NüShi.

„Die meisten hassen den Krieg und doch lassen sie sich von ihren Anführern immer wieder in ihre unlogischen Kriege führen. Sie bestrafen Ihresgleichen hart, wenn diese andere Menschen getötet haben – und töten in einem Krieg, ohne Schuldgefühle zu haben. Sie wissen, dass sie ihre Welt nicht zerstören dürfen – und doch nutzen sie alles, ohne über die Folgen auch nur nachzudenken.“ –

Ich zucke leicht mit den Schultern.

„Menschen haben eine tiefsitzende Angst vor fremdem… wie uns Drachen, die ihnen so fremd sind – und dazu so übermächtig und tödlich, dass sie uns am liebsten ausrotten würden – Auch wenn sie uns immer wieder sehr unterwürfig und ängstlich gegenübertreten - Wenn sie könnten, wären wir morgen alle tot…

– Aber das gilt genauso für andere Menschen, die eine andere Sprache sprechen, andere Kleidung tragen, irgendwie anders aussehen – oder nur an andere Götter glauben… oder auf eine andere Weise an dieselben Götter…“

Der so total ungläubige Blick der anderen lässt mich grinsen.

„Ja… der Glaube an ihre Götter – so dumm uns das auch erscheinen mag – der hat viele unnötige und dumme Kriege hervorgebracht… Fremde Götter sind böse… aber an den gleichen Gott zu glauben, den aber auf einen andere Art anzubeten… oh… sehr schlimm…

  • Aber es geht noch verrückter: Der selbe Gott, mehr oder weniger die gleiche Art zu ihm zu beten. Nur einmal auf einer alten Sprache, die fast nur noch die Priester verstehen – die sich deshalb für unentbehrlich erklärt haben um Kontakt zu dem Gott zu bekommen. Und dann welche, die sich davon abgespalten haben, weil sie in ihrer eigenen Sprache zu dem Gott beten und deren Priester nur ein paar Rituale halten, aber nicht unbedingt notwendig sind um Kontakt zu dem Gott zu bekommen. - Dieser an sich winzige und unwesentliche Unterschied war der Grund, wenn auch nicht der einzige, warum es nach der Trennung der beiden Wege recht schnell zu 30 Jahren unerbittlichen Krieg kam in dem viele Menschen umgebracht wurden, nicht nur Krieger – da war ich übrigens auch ein Krieger, habe aber keine Zivilisten getötet. – Aber nach dem Frieden danach haben die beiden Parteien sich mittlerweile weitgehend aneinander gewöhnt. Für die meisten Menschen ist dieser Unterschied inzwischen auch ziemlich unwichtig.“ –

Tyria schaut mich nachdenklich an.

„War das zu der Zeit, als wir uns drüben getroffen hatten?“ –

„Unser Treffen war etwas später einige Jahre nach dem Frieden, da waren, auch durch den Krieg, die unterschiedlichen Gedanken über die Anbetung unseres… - ihres Gottes schon sehr festgelegt. Aber da waren, zuerst bei der älteren Glaubensrichtung, Priester bestimmt worden, die den Glauben der Menschen prüfen sollten – und diese gegebenenfalls auf den, ihrer Meinung nach richtigen Weg zurückzuführen. Daraus wurde dann schnell – aus dem Glauben an böse Kräfte heraus – eine Jagd nach Menschen, die anders dachten, oder von denen das behauptet wurde. Und ich hatte mit Dir ja ein Wesen, das dem Bösen zugehört‚ in ihren Augen angebetet und beschützt‘, so war jedenfalls deren Glaube damals.“ –

„Ja, mir war aufgefallen, dass es Unstimmigkeiten zwischen den Menschen drüben gab. Darüber, wie sie zu ihrem höheren Wesen stehen, auch wenn es derselbe war.“ –

„Das war da so offensichtlich?“ –

„Ja… so offensichtlich, dass sogar eine Drachin, für die diese Menschen nur unnütze Tiere waren, das bemerkt hat. Du warst da so unbefangen damals, furchtsam aber doch mir gegenüber offen… ich glaube, Du warst zu der Zeit einer der Rebellen.“ –

Ich lache leise.

„Ja, ich war Protestant damals – und vermutlich das einzige Mal aus freiem Willen und nicht in einen Glauben hineingeboren…“ –

„Hineingeboren…?“ – Tyria schaut mich verwundert an – aber NüShi antwortet schneller.

„Ja… für uns kaum zu verstehen, aber bei den Menschen glauben viele an das, was ihre Eltern und die anderen in ihrer Umgebung glauben… oder auf die gleiche Weise. Warum so wenige das selber für sich entscheiden… ich weiß es nicht.“ –

„Das hat damit zu tun, dass Menschen sich in ihr Umfeld einfügen wollen. Nicht zur engeren Gruppe dazugehören… auffallen und deswegen vielleicht sogar ausgestoßen werden, ertragen nur sehr wenige.“ Versuche ich zu erklären. –

NüShi wirkt jetzt sehr nachdenklich.

„Sind Menschen Herdentiere? Verzeiht Lordpaladin… aber es scheint nur logisch.“ –

Ich überlege kurz.

„Ja… nicht im engeren Sinn, aber ja, sie wollen von den anderen anerkannt werden. Nicht besonders auffallen, sich eingliedern… Ja, in dem Sinn sind sie auch Herdentiere. Auch wenn sie in anderen Dingen durchaus Individualisten sind. Sie wollen schon einzigartig sein, ein wenig aus der Masse hervorstechen – aber nur wenig und nicht um den Preis, dann alleine zu bleiben. Oder nur sehr selten.“ –

„Das macht mir einiges etwas klarer… Ich habe da einige, die mir gegenüber sehr freundlich sind, wenn wir alleine sind – aber kaum taucht ein anderer Mensch auf, sind sie plötzlich deutlich zurückhaltend und manchmal fast ablehnend. – Ich habe diesen ständigen Sinneswandel nie wirklich verstanden – vielleicht weil ich ihnen dann auch nicht mehr zuhören mochte.“ –

Ich nicke.

„Das alte Problem, an dem viele gute Ansätze scheitern… eine Seite macht etwas, das die andere Seite nicht versteht und schon sind die Vorurteile bestätigt und man redet aneinander vorbei.“ –

Tyria dreht sich um, damit Shankar eine Stelle kraulen kann, an der Sie es gerade mag.

„War eigentlich Deine Überlegung, dass wir den Menschen Metalle und so praktisch vor die Nasen setzen, nur ganz allgemein gedacht, oder denkst Du an etwas spezielles“ –

„Ja, schon ein gezielter Gedanke. Ich habe Erce so verstanden, dass ich nicht nur eine Gefahr abwenden, sondern auch ihre technische Entwicklung lenken soll – besser, dabei helfen soll, dass wir Drachen sie gezielt leiten. Ob sie will, dass wir Drachen zu den Sternen fliegen sollen, weiß ich leider auch nicht, aber möglich wäre es. – Aber es hat durchaus auch einen kleinen egoistischen Grund. Ich bin zwar – dank Valarinn – nicht arm, aber ich habe auch nicht unbegrenzt Gold und Silber, um es unter die Menschen zu werfen. – Mein Ziel ist es zwar über Steuern und Handel so viel hereinzubekommen, damit ich die Draccier bezahlen kann. Aber eine sichere direkte Quelle wäre ja nicht verkehrt.“ –

„Warum Gold an die Menschen geben?“ NüShi schaut mich ziemlich verwirrt an. –

Tyria kichert.

„Er hat die verrückte Idee, die Menschen für alles, was wir uns von ihnen nehmen, zu entschädigen. Sich aber auch von ihnen für seine Dienste belohnen zu lassen.“ –

„Aah… handeln. Schutz gegen Nahrung. Einen Gewittersturm besänftigen gegen Arbeit in Deiner Wohnstätte. Ja, klingt logisch. Es entspricht ihrer Art.“ NüShi nickt zufrieden. –

„So ähnlich, ja. Aber weniger als direkter Tausch, mehr gegen einen allgemeingültigen Gegenwert, das Geld der Menschen. Und ich muss ja auch den Dracciern einen Gegenwert für ihre Dienste geben. Immerhin wird es in Zukunft auch bei mir neben den Wachen hier, noch weitere Krieger geben, die vor allem die Menschen und Draccier in meinem direkten Revier schützen.“ –

„Na… sag schon.“ Tyria schaut mich breit grinsend an.

„Ich soll Dir Gold und Silber ranschaffen, weil die Menschen das für wertvoll erachten.“ –

„Äh… ja so ähnlich.“ –

„Und wie geht das so ähnlich?“ pure Ironie liegt in ihrer Stimme – aber doch auch deutlich freundlich gemeint. –

„Nun… ich könnte natürlich fremde Krieger, die hier ins Drachenland eindringen, immer einfach direkt zu Erce senden. Aber… sie könnten ja auch für mich arbeiten, wenn wir sie lebend erwischen – also die Draccierkrieger sie erwischen meine ich.“ –

„Ah, ich verstehe. Wieviel brauchst Du?“ –

„Langsam mit der Magmadrachin…“ grinse ich.

„Das muss nicht gleich passieren. Ich erkenne keine Erzlager, jedenfalls nicht besonders gut. Ich weiß nur, dass in der Menschenwelt weiter im Südosten viele Erze zu finden sind, hier am großen Bogen eher weniger. Aber vielleicht kannst Du mir gute Lagerstätten für einige für die Menschen wertvollen Metalle und Kristalle hier in der Nähe zeigen. Wenn fremde Krieger hier in mein Land zum Rauben und Morden einfallen, sollen sie als Strafe für mich arbeiten und die Dinge fördern, die ich brauche. Nicht nur Gold, auch andere Minerale. Nur wenn es keine Lagerstätten gibt, die ohne Erce zu schaden zu fördern sind, könnte ich Deine und Fjörgyns Hilfe brauchen diese leicht verfügbar zu machen.“ –

„Ja, so viel gibt es hier nicht. Aber durch die Berge gibt es genügend Spalten, in denen sich Gold aber auch Kristalle angesammelt oder gebildet haben. Du wirst hier also eher etwas für Deine Schatzkammer finden, als für die Rüstungen.“ –

„Das ist kein Problem. Eisen können wir dann ja einkaufen. Und irgendwann sicher auch Aluminium – oder das Erz. Das wird sich finden, wenn es soweit ist.“ –

Shakti, die immer noch ausgestreckt auf mir liegt, trommelt sanft mit ihren Fingern gegen meine Halsschuppen. Ich schaue sie fragend an.

„Verzeih N?tha, darf ich Dich dazu etwas fragen?“ –

„Ja, gerne. Mich interessiert auch eure Meinung. Ihr lebt ja hier und habt vermutlich mehr Wissen über die Menschen hier, als wir Drachen – und besonders ich. Ja ich kenne die Menschen in der anderen Welt, wo ich sehr lange gelebt habe. Aber da kann es Unterschiede geben, die ich nicht kenne.“ –

Sie grinst verlegen.

„Nun ja… wir sind nur einfache Krieger und Handwerker…“ –

„Quatsch.“ –

„N?tha…?“ –

„Krieger und Handwerker ja. Einfache… - nein, genauso gut und wichtig wie alle anderen Völker hier. Einfach höchstens im Sinne von Bodenständig und ohne unnötige Schnörkel.“ –

„Oh… wir mögen es durchaus auch mit Verzierungen. Nur meistens reicht uns das einfache, wenn es funktionell ist.“ –

„Ja so meine ich das. – Was wolltest Du fragen?“ –

„Oh… ja wegen den gefangenen Kriegern… also die Dich… Dein Land angreifen…“ sie schaut etwas unsicher zu NüShi und Tyria, offensichtlich befürchtet sie eine ablehnende Reaktion, die aber ausbleibt.

„Es gibt unter den Menschenkriegern oft Handwerker, die aus irgendeinem Grund Krieger geworden sind. Ist es nicht Vergeudung von Wissen und Können, die nur in der Erde wühlen zu lassen? Ich meine, die könnten doch auch in ihrem Handwerk für Dich arbeiten.“ –

„Eine Frage, die ich wirklich bedenken sollte. Natürlich könnten Steinmetze, Zimmerleute, Schreiner, aber auch Schmiede und sogar Schneider sich nützlich machen. Aber was meint ihr, wäre das als Strafe ausreichend?“ –

Sie wiegt ihren Kopf leicht.

„Das kommt meiner Meinung nach auf das Verhalten der Krieger vor und bei der Gefangennahme an. Wenn es deutlich wird, dass sie mit ihrem Einsatz nicht wirklich einverstanden sind und es nur aus Gehorsam oder mit Zwang machen – ja, dann wäre das aus meiner Sicht ausreichend. Sie sind ja nicht frei, werden immer bewacht und müssen tun, was von ihnen verlangt wird. – Wenn sie sich aber als überzeugte Täter zeigen, die sogar gerne Siedler überfallen, dann gehören sie in die Minen… ganz nach unten und monatelang ohne Sonnenlicht.“ -

„Klingt gut. Was meinen die anderen?“ –

NüShi nickt.

„Ich habe über so etwas noch nie nachgedacht. Aber ich hatte bisher auch kaum solche Probleme, dass irgendwelche Krieger mein Heim angegriffen haben – ob nun direkt oder indirekt das Land, in dem mein Heim ist. Die haben das nicht überlebt. – Aber sie dann für Dich arbeiten lassen…, dass sie sich dann wenigstens noch nützlich machen können, ehe Du sie zu Erce sendest – Ja, lass sie nach ihrem Können und der Schwere des Vergehens arbeiten.“ –

„Ich glaube nicht, dass Eldingar die Gefangenen so schnell zu Erce senden will…“ Tyria kichert leise.

„Sie sollen sicher arbeiten, bis sie von alleine gehen und wenn das 100 Sommer dauert. – Aber ja. Sollen sie arbeiten. Sollen sie ihr Vergehen sühnen und dabei Deine Krieger bezahlen und alles was Du brauchst für Dich herstellen. Ich vermute, Du wirst dafür sorgen, dass es ihnen dabei noch besser gehen wird, als bei einer vergleichbaren Strafe bei den Menschen selber.“ –

Ich grinse.

„Vermutlich. – Tascha?“ –

„Als Drachin meine ich, lass sie arbeiten. – Als Kriegerin… das ist – kann eine harte Strafe sein für Krieger, die würden wohl meistens lieber den Tod wählen als in einer Mine sozusagen begraben zu sein. Aber wenn die auch gezwungene Handwerker und Bauern dabei haben, ist das für die deutlich angenehmer. Die erkennen dann eher, dass sie zumindest noch leben und eine Chance haben, irgendwann auch wieder frei zu kommen – was ich jetzt mal so vermute. Und die sind dann vielleicht auch produktiver in ihrem Handwerk, als beim Erz brechen. Und Bauern können Nahrung für das Lager und für Deine Krieger produzieren.“ –

„Wenn sie noch an der Grenze erwischt werden oder sie auch später keine Morde begangen haben, soll es zeitlich begrenzt bleiben. Aber einige Jahre werden mindestens zusammenkommen. Anführer mehr als einfache Krieger. Wenn sie aber Siedler morden, kommen sie nicht mehr lebend aus der Mine - bzw. dem Lager.

Padmini?“ –

„Lass sie für Dich arbeiten, was sie am besten können. Die nur Krieger waren, dann eben in der Mine.“ –

„Ravi?“ –

„Ich…? Er ist anscheinend erstaunt, auch gefragt zu werden.

„Nun… ja. Leben und Arbeiten lassen. Was sie am besten können, solange genügend in der Mine sind.“ –

„Gut, Shankar?“ –

„Begrab sie in der Mine N?tha. Sie haben den Tod verdient, wenn sie das gleiche vorhaben, was die Krieger jetzt getan haben. Lass sie sich totarbeiten. Da unten neben dem Platz, wo sie das Erz brechen, Schlafen und Essen… - verzeih… ich bin eher der Meinung, sie sollten gleich getötet werden. Für die Mine wirst Du genügend Freiwillige bekommen, wenn sie ausreichend bezahlt werden.“ –

„Oh, warum so hart?“ –

„Wer Krieger geworden ist, weiß was er macht. Und wenn er Verbrechen begeht, auch wenn es befohlen wurde, der hat die höchste Strafe verdient.“ –

„Nun… ich hoffe ja, die meisten schon zu erwischen, ehe sie wirklich Verbrechen in meinem Land begehen.“ –

„Trotzdem… verzeih N?tha. Das ist meine Meinung… ich habe nichts für solche ‚Krieger‘ über. Aber ich werde Deinen Weg gehen und diesen auch vertreten, da ich den Grund verstehe.“ –

„Hmm…“ ich schaue ihn an… offensichtlich hat er irgendwelche persönlichen Gründe für diese Meinung.

„Ich verstehe. Sei unbesorgt, wer dort hinkommt, kommt nur wieder raus, wenn die Strafe verbüßt ist und dessen gesamtes Verhalten, das auch bestätigt. Wer uneinsichtig bleibt, bleibt auch in der Mine.“ –

Er nickt.

„Wie ich sagte, ich verstehe und akzeptiere Deinen Entschluss und werde diesen auch genau so vertreten. Du kennst jetzt meine Meinung, die aber meine Handlungen nicht beeinflussen wird. So gut ich es vermag zumindest.“ –

„Du wirst hier gebraucht. Und ich habe einen anderen Kommandanten für die Mine im Sinn. Ansonsten denke ich, Du wärst gut geeignet für den Posten. Jedenfalls würdest Du nichts durchgehen lassen und alle am kurzen Zügel halten, wie mir scheint.“ -

Er grinst und muss sich gleich wieder Tyria widmen, die ihn an sich zieht.

„Darf ich fragen, wen Du im Sinn hast?“ – Tascha kann ihre Neugierde nicht verbergen. –

„Ich denke, Govinda könnte der Richtige sein. Ein Mensch als Kommandant des Straflagers in dem sicher viel mehr Menschen als Draccier landen werden, wird für diese eine gewisse Sicherheit bringen. Jedenfalls gefühlt. – Er dagegen hat sicher viele gute Gründe die Krieger seines Landes nicht zu sehr zu begünstigen. Aber das muss sich zeigen, ob er bereit dazu ist.“ –

„Gut. Ja das ist sicher gut, wenn der Anführer der Wachmannschaft für menschliche Gefangene selber ein Mensch ist. Auch und gerade wenn ansonsten Draccier sie bewachen. Und sein Stellvertreter?“ –

Ich würde jetzt so auf Verdacht einen Draccier wählen. Aber das soll Govinda dann selber entscheiden, wem er dabei vertraut. Wenn er das überhaupt annimmt.“ –

„Warum sollte er nicht?“ –

„Nun… vom Prinz über einen Todeskandidaten zum Gefangenenwärter…“ –

„Ja stimmt schon. Für den eigentlichen Nachfolger eines Herrschers ist das schon eine Art Abstieg. Aber der Zwischenschritt des Todeskandidaten im eigenen Land, könnte ihn für diese Aufgabe interessieren. So hat er ja auch sehr viel direktere Macht über die ihm unterstellten Menschen. Und kann so zeigen, wie er sich als Herrscher bewährt hätte.“ –

„Hmm… wir werden sehen. Vielleicht muss Shankar zumindest zeitweilig doch noch ran…“ –

Der hört gar nicht mehr zu, so wird er jetzt von Tyria beansprucht. NüShi hat sich Ravi soweit gefügig gemacht, dass der gar nicht mehr drüber nachzudenken scheint, dass er gerade eine Drachin sehr intensiv küsst. Und auch Shakti beginnt wieder zunehmend mit mir zu züngeln bis sie plötzlich ihre, wenn auch kurzen, Fangzähne hinter meine klemmt und mich geradezu liebevoll küsst.

Ein wenig bedauere ich Tascha, die ja nicht unbedingt auf Weibchen steht, aber wie ich schnell merke, hat Padmini offensichtlich einige Erfahrung darin, auch mit einem Weibchen sehr liebevoll umzugehen.

8.

So vergeht noch einige Zeit, dann wird deutlich, dass NüShi und auch Tyria sich jetzt am liebsten mit ihrem Partner für die Nacht zurückziehen möchten. Also entscheide ich mich, den Abend zu beenden – Das Feuer im Kamin ist ohnehin gerade dabei auszugehen, da nichts nachgelegt wurde.

„Würdest Du die Nacht mit mir verbringen wollen, Shakti?“ –

Das geradezu strahlende Lächeln, das ihr Nicken begleitet ist für mich Beweis genug, dass sie nichts lieber möchte.

Tascha und Padmini schauen gemeinsam noch nach den Lampen, während Tascha und NüShi schon mit ihren Partnern leise in ihre Räume verschwinden. Gemeinsam gehen wir dann auch zu unseren Zimmern.

Tascha lächelt mich augenzwinkernd an.

„Mach Dir keine Gedanken. Mir ist ohnehin nicht nach dem, was euch gerade so antreibt. Auch wenn ich denke, dass Padmini da sehr viel Erfahrung hat, ein Weibchen glücklich zu machen.“ –

„Naja… die langen Nächte während der Ausbildung… - ich stehe auf Männchen, aber kann auch mit einem Weibchen viel Spaß haben.“ Grinst Padmini schelmisch. –

Ich nicke.

„Na dann. Euch auch eine gute Nacht.“ Dann schiebe ich Shakti sanft in mein Schlafzimmer.

Sie bleibt – irgendwie unentschlossen wirkend – mitten im Raum stehen und schaut mich mit unverhohlenem Verlangen aber auch verlegen an.

„Verzeih N?tha… ich hätte nicht so handeln sollen…“ –

„Wie handeln? Mich so umwerben? Warum nicht? – Ich habe nichts dagegen, mich mit Dir zu paaren.“ –

„Ja, ich weiß. Ich habe es auch sehr deutlich gespürt, auch wenn Du sehr zurückhaltend agierst. – Aber ich möchte Jaya das Vorrecht nicht nehmen.“ –

Ich nicke.

„Das ehrt Dich. Aber das Verhältnis zu Jaya wird immer ein anderes sein, als zu Dir. Jaya hat einen Partner, das ist nur ein… eine… wie soll ich das beschreiben…“ –

„Abenteuer. Liebelei. Ein schneller Fick. Nenn es, wie es ist. Du weißt es, ich weiß es und Jaya weiß es noch am besten. Sie wird ihrem Shankar nie untreu werden. – Auch wenn die Menschen die Beziehungen untereinander sehr deutlich anders… enger sehen, als wir Draccier. -

Wir haben manchmal auch schon während unserer Kriegerzeit einen festen Partner. Aber da wir nicht immer einen gemeinsamen Dienstherrn haben, hat es sich entwickelt, dass jeder mit anderen Partnern schnellen Sex hat, manchmal auch eine zeitweilige Beziehung eingeht – aber immer wieder zu dem festen Partner zurückkehrt, sobald es geht. Ja, das hier ist ein Sonderfall, da beide zusammen im Dienst bei Dir stehen. Aber welcher Draccier wird es ablehnen, mit einem Drachen intim werden zu können. Noch dazu mit Großen. -

Ja. Für Jaya und Shankar ist das jetzt nur eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lässt. Beide sind damit einverstanden. – Für euch ist das umso mehr nur ein kurzer Fick… ohne besondere Gefühle dabei.“ –

Ich schüttele heftig den Kopf und ziehe sie auf das Bett.

„Da sind auch bei uns durchaus Gefühle dabei. – Ich kann nicht für NüShi sprechen, ich kenne sie zu wenig und es ist bei anderen Großen vielleicht auch wirklich so. – Aber ich spüre bei Tyria echte Zuneigung zu Shankar – ohne dass sie ihn Jaya wegnehmen will. – Und ich… Ach Shakti… Du wirst meine Kinder anvertraut bekommen… was Menschen durchaus neutral sehen können, aber für einen Drachen – zumindest für mich – ist das sehr viel leichter, wenn Du zu meiner Familie gehörst. Für uns Alte gilt, dass nur das Weibchen, das die Eier gelegt hat, an sie ran darf… und an die Nestlinge… Naja… ich könnte das mit meiner menschlichen Seite schon kontrollieren, aber ich will das eigentlich nicht.

Aber darum würde es auch für mich einfacher sein, wenn Du meine Partnerin bist. Wenn wir miteinander schlafen und uns paaren. Ist emotionaler Unsinn… verzeih. Aber ich bin immer noch ein alter, ein ursprünglicher Drache… einer der erst von Erce Intelligenz erhalten hat, einer, der als Tier geschlüpft und aufgewachsen ist. – Schon mit Intelligenz gesegnet, aber erst durch Erce geweckt damals. Wer weiß… ich hatte noch, bevor Erce uns erwachen ließ, zweimal Nachwuchs gezeugt. – Mit Drachinnen, die auch geweckt wurden. Vielleicht ist Tyria ja meine UrUrUr…“ –

„Glaub ich nicht… ihr seid viel zu unterschiedlich.“ Meint Shakti grinsend.

„Aber Du kannst nur einer Partnerin vertrauen, mit der Du Dich gepaart hast?“ –

„Nur wenn die Nestlinge dann auch von ihr sind.“ Antworte ich augenzwinkernd.

„Ein anderes Weibchen hätte meine Nestlinge alle totgebissen… - ich übrigens auch ihre, wenn die von einem anderen gewesen wären. Da habe ich inzwischen schon etwas Zivilisation gelernt.“ –

„Oh… ziemlich hart… - wie ist das mit mir dann?“ –

„Wie gesagt, wir waren noch als Tiere geschlüpft. Und da zählt nur das eigene Erbgut, nicht das eines anderen. Arterhalt war uns – selbst noch mit Intelligenz geschlagen… äh… gesegnet – nicht so wichtig, als unsere eigenen Gene weiterzugeben. – Das habe ich erst als Mensch langsam gelernt, so wie sie es gelernt haben – übrigens schneller als wir, wie mir scheint. –

Mit Dir… als Drache, so wie ich damals war – Hättest Du Dich nicht in die Nähe meiner Nestlinge wagen dürfen… egal wie oft wir uns paaren. Sind halt nicht Deine, also bist Du gefährlich für sie. – Aber ich habe gelernt, dass Liebe und Gefühl stärker sein können, als Blut. Dass Ammen für die Kinder ihrer Herrschaft durchaus zu sterben bereit sind, weil sie die lieben, wie ihre eigenen.“ –

Sie nickt ernst.‘

„Ja. Aber auch für uns ist eine Partnerschaft durchaus bedeutend dabei.“ –

„Das macht es auch für uns einfacher. Es ist nicht, dass ich Dir nicht vertraue. Verzeih.“ –

„Ach Unsinn“ kichert sie leise.

„Aber für einen Partner ist es, als wären es dann meine eigenen, die ich ja nicht bekommen kann. Ich kann seinen Geruch an ihnen finden. Das macht sie zu meinen Nestlingen.“ –

„Und das ist der einzige Grund, warum Du Dich mit mir paaren willst?“ –

Sie schaut mich kurz fragend an, erkennt aber schnell, dass ich es nicht so ernst meine, wie es geklungen hat.

„Ach Was… Das ist nur der Grund, womit ich Dich rumkriegen will. Hey… ich hab hier einen Großen Drachen… habe ihn gefüttert, sitze auf seinem Nest… Da will ich dann auch den Rest haben.“ Sie kichert leise. –

„Also… warten bis ich Jaya geweckt habe und sie gevögelt hab oder haben wir jetzt so auch den Rest…?“ –

„Männchen… Draccier wie Drachen – alle gleich…“ spielt sie die entrüstete… aber lässt sich von mir sanft in mein Nest schieben.

Ich lege mich neben sie und ihr verlangender Kuss, wie ihre Hand an meinem Slit, lässt keine weiteren Fragen mehr offen… es wird vermutlich eine interessante Nacht werden.