Unter Drachen Kap. 23 - Shakti
Ein ruhiger Tag nach dem Kampf.
Shakti muss sich an ihre Stellung gewöhnen, NüShi verabschiedet sich und die Händler bekommen einen neuen Platz zugewiesen.
Zum Schluss hat Tyria noch eine Überraschung für mich.
Kapitel 23 über den Menschen der zum Drachen wurde.
(Ab Abschnitt 7 wird es dann "adult", eine jugendfreiere Version folgt kurzfristig.)
- Shakti und NüShi
1.
Ich wache auf, mit einer eng an mich geschmiegten Dracci an meinen Schuppen. Ja, die Nacht war interessant. Sehr interessant. Was Shakti mit mir veranstaltet hat… und das fühlte sich so an, als ob es nur die Spitze des Eisbergs an Erfahrung in sexuellen Dingen ist, die sie vorweisen kann. Und auch wenn wir beide durchaus auf unsere Kosten gekommen sind, kann Jaya immer noch die erste Dracci sein, mit der ich richtig Sex habe.
Von draußen höre ich den kräftigen Regen, der Nacht aufgezogen war und nur wenig nachgelassen hat bisher. Ich bewege mich vorsichtig, um mich etwas zu recken, aber trotzdem ist sie sofort wach und nach zwei, höchstens drei Sekunden springt sie fast aus dem Nest und kniet sich nieder.
„Ich hoffe, Du hast gut geschlafen N?tha.“ –
Ich ziehe sie wieder auf die Nestkante.
„Ja habe ich. Es war überhaupt eine sehr angenehme Nacht mit einer liebevollen Partnerin.“ –
Ich bin mir sicher, dass sie ohne Schuppen jetzt knallrot geworden wäre.
„Ich bin nur eine unbedeutende Dracci, die Dir sehr dankbar ist, dass Du ihr diese Nacht gewährt hast. Nicht alle Männchen denken dabei auch an ihre Partnerin. Ich bin jedenfalls auch auf meine Kosten gekommen, N?tha.“ –
„Das freut mich. Kommst Du mit in die Küche? Ich habe Lust auf einen Kaffee.“ –
Sie grinst, während sie ihre Abzeichen in ihre Schuppen nestelt.
„Natürlich. Auch wenn ich nicht verstehe, was Menschen daran finden.“ –
„Da ist etwas drin enthalten, dass Menschen anregt und sie wach macht. Das brauche ich zwar jetzt nicht, aber das ist auch so etwas wie ein Ritual. Und mir schmeckt es. – Übrigens brauchst Du die Abzeichen hier nicht.“ –
„Ich weiß, aber später ist vielleicht keine Zeit, sie anzustecken. Und ich werde nicht versuchen, Dich vom Kaffee abzubringen, N?tha.“ –
„Diese Abzeichen in den Schuppen ist für mich etwas ungewöhnlich, aber ich weiß, dass es für euch ein wichtiges Symbol ist. - Nun… vielleicht magst Du den Tee, der hier oben geerntet wird. Auch sehr gut, wenn auch nicht so kräftig. – Und sag nicht N?tha. Wir sind Partner. Ich heiße Eldingar. Und als Mensch hieß ich zuletzt Ralf. Oder sag irgendwas anderes, nur nicht N?tha, Isha Rajesh oder sowas.“ –
Sie überlegt, während wir leise in Richtung Küche gehen.
„Naja… Dein Menschenname ist ja so etwas wie euer Nestlingsname. Dann ist, zumindest öffentlich und wenn ich nicht im Dienst bin, für mich Eldingar die beste Wahl. Denke ich… N?tha…“ –
Ich grinse, während ich sie in die Küche schiebe.
„Ja dann Eldingar. Aber als Amme meiner Nestlinge bist Du ja praktisch immer im Dienst.“ –
„Du weißt schon, wie ich das meine.“
Ein deutlicher Schauer läuft über ihre Schuppen, die sich kurz ein wenig aufrichten.
„Hu… hier ist das aber kühl… ich hätte mir doch ein wenig überziehen sollen.“ –
„Es ist hier nicht viel kälter als im Schlafraum… aber da hattest Du ja eine Wärmflasche mit Hörnern.“ –
Sie sieht mich ziemlich verständnislos an.
„Ich hatte… was? – Oh, Du meinst, Du hast mich gewärmt… Ja das stimmt. – Verzeih, ich komme aus den wärmeren Gegenden weiter unten am Ganga. Ich werde mich aber bald dran gewöhnt haben.“ –
„Kein Problem. Ich finde es ja angenehm, dass Du Dich anpasst und auf Kleidung verzichtest. Aber frieren musst Du natürlich nicht.“ –
Ein Griff zum Regler öffnet den Zufluss des warmen Thermenwassers, das unter dem Boden aus dünnen Schieferplatten hier in der Küche strömt. Und nicht lange, spüren wir die Wärme unter unseren Fußballen. Shakti hockt sich hin und streicht mit den Händen über die Platten.
„Eine wunderbare Erfindung, den ganzen Boden zu erwärmen. Viel besser als nur ein Kamin an der Wand… selbst eine offene Feuerstelle mitten im Raum bringt nicht so viel Wärme überall zugleich. – Hast Du das von der anderen Welt mitgebracht?“ –
„Nein“ schüttele ich den Kopf, während ich die Gasflammen im Herd mit einem kleinen Funken entzünde und den kupfernen Wasserkessel und die Röstpfanne auf die Feuerstellen stelle – was Shakti neugierig beobachtet.
„Da gibt es sowas zwar auch, etwas anders beheizt und vor allem nicht überall. Aber das war hier schon so eingebaut. – Ob die Idee von Valarinn oder einem Menschen stammt, weiß ich nicht. Aber ja, es ist sehr praktisch und angenehm.“ –
Langsam verbreitet sich der Duft der röstenden Kaffeebohnen und Shakti schnuppert neugierig.
„Oh… das riecht aber sehr lecker… ist das dieser… Kaffee?“ –
„Ja. Wir rösten den hier immer ganz frisch. – Leider verliert sich immer etwas vom Aroma, wenn der aufgegossen wird. Da kommen mehr bittere Stoffe mit rein, die jetzt nicht zu riechen sind. – Trotzdem mögen wir… die Menschen drüben den sehr gerne.“
Interessiert schaut sie zu, wie ich die gerösteten Bohnen im Mörser schnell zerstoße und die dann in die glasierte Steingutkanne fülle, ehe ich das jetzt kochende Wasser drüber gieße. Noch eine Fingerspitze feiner Salzkristalle, die sich auch an einer meiner Thermen absetzen – zum Glück sehr reines Speisesalz ohne Schwefel – und in einer kleineren Kanne, die ich auch mit dem kochenden Wasser gefüllt habe, versenke ich einen kleinen Leinenbeutel mit den hier üblichen unfermentierten Teeblättern.
„Was ist, wollen wir uns drüben ins warme Wasser legen und dort frühstücken?“ –
Shakti nickt. Sie kennt das offenbar auch von den Menschen hier und schneidet einiges an Brot, Schinken, Käse und für mich noch frisches rohes Fleisch zurecht und legt alles auf eine Holzplatte. –
Mittlerweile sind auch der Kaffee und der Tee gezogen, ich hole den Beutel heraus, Der Kaffee kann in der Kanne bleiben, der hat sich gesetzt. Wir schnappen uns alles und wechseln ins Bad, wo wir alles am flachen Warmwasserbecken abstellen und uns ins Wasser gleiten lassen.
Wohlig seufzt Shakti.
„Ah… so ist das gleich viel angenehmer. Verzeih einer dummen frierenden Dracci…“ –
„Frieren vielleicht, dumm nicht. – Aber wir sollten die Wohnungen insgesamt ein wenig mehr heizen, es wird ja noch kälter hier oben.“ –
„Ja davon habe ich gehört… wird es … dieses weiße Wasser hier regnen?“ –
„Schneien? Nein, hier wäre Schnee sehr ungewöhnlich. Aber für euch aus dem Tiefland im Süden wird es schon unangenehm kalt werden. Die Menschen hier oben sind das ja gewohnt und haben auch entsprechend wärmere Kleidung für diese Zeit. Jetzt ist es vor allem wichtig, nicht nass zu werden. Nasse Kleidung entzieht viel Wärme. – Denke bitte daran, mit Tascha entsprechende Informationen für alle aus den warmen Gegenden zu erstellen. Sie kommt ja aus dem Norden und kennt sich besser mit Kälte aus als ihr aus dem Tiefland.“ –
„Was für Informationen? – Verzeih, ich möchte nur wissen, was ich sie fragen muss.“ –
„Kein Problem. - Nun ja, Informationen darüber, wie man sich am besten vor Kälte schützt. Unten an der Küste ist der Monsun eher warm, oder eine willkommene Erfrischung. Hier oben können der Regen und der Wind sehr kalt sein. – Da solltet auch ihr wissen, was die Bewohner hier oben wissen. – Und nebenbei will ich keinen meiner Garde vor Kälte schlotternd auf Wache sehen, nur weil ich es mag, eure Schuppen zu sehen. Wenn es euch zu kalt ist, haltet euch warm, zieht entsprechende Kleidung an. Selbst wenn ich ohne Kleidung herumlaufe und fliege.“ –
„Gut… dann weiß ich ja ungefähr, was ich fragen muss. Hast Du denn entsprechende Kleidung?“ –
„Ehrlich, ich weiß es nicht. Da musst Du Jaya fragen, die kriecht hier in jede Höhle und durch jeden Gang, um zu schauen, was Valarinn dort versteckt hat. Aber ich gehe davon aus, dass er sowas auch auf Lager hat. – Vielleicht nicht in der richtigen Farbe oder nicht sehr attraktiv, aber warme Kleidung oder wenigstens einen Umhang wird es sicher geben. – Nutzt das erstmal.“ –
Shakti probiert sowohl den Kaffee wie auch den Tee und entscheidet sich dann für den Tee.
„Der Kaffee schmeckt zwar, aber mir ist der Tee lieber.“ Meint sie grinsend und reicht mir die Schale mit dem Fleisch.
Wir genießen das wohlig warme Wasser und frühstücken gemütlich bis die Tür aufgeht und Tyria mit NüShi, Shankar und Ravi hereinkommen und uns grinsend anschaut.
„Sieh an… ihr seid schon hoch. Habt ihr noch etwas für uns übriggelassen?“ –
Ich nicke, denn ich habe mehr als genug Kaffee und Tee gemacht und Shakti hat es sehr gut gemeint mit dem Frühstück, das für uns alle ausreichend ist. Denn wir alle essen nur eine Kleinigkeit morgens, wenn nichts Besonderes geplant ist.
Schnell sind die vier auch im Wasser und nur wenig später geht die Tür wieder auf und Tascha steht mit Padmini auch im Bad – wobei die beiden noch etwas zu essen und Fruchtsaft mitbringen.
Wir unterhalten uns über unsere Tagesplanung – NüShi möchte noch vor Mittag aufbrechen zu ihrer Wohnstätte, die ja noch ein gutes Stück weit nordöstlich von uns liegt. Sie lädt uns ein, sie dort bald mal zu besuchen.
Ich bremse ihren schon wieder aufschäumenden Elan etwas.
„Wir werden dich sehr gerne besuchen, NüShi. Allerdings bitte ich um Verständnis, dass ich mich doch vielleicht zuerst um mein Revier kümmern sollte. Oder besser gesagt, es erst einmal ein wenig kennen lernen.“ –
„Oh… ja natürlich. Verzeih, ich habe nicht daran gedacht, dass Du ja gerade erst angekommen bist. Doch - natürlich solltest Du Dir zuerst einen Überblick verschaffen, was in Deinen Ländern passiert ist, seit Valarinn nicht mehr darüber wachte.“ –
„Solltest Du allerdings aus irgendeinem Grund ein wenig Unterstützung benötigen, werden wir schnell bei Dir sein können.“ Ergänze ich lächelnd. –
„Das wird vermutlich nicht notwendiger werden als die Sommer bisher, aber ich Danke für Dein Angebot.“ Sie neigt ihren Kopf ebenfalls lächelnd.
„Und Du solltest Deine anderen Nachbarn nicht vergessen. Auch wenn die meisten von uns sich eher selten besuchen, werden sie, wie ich, sicher bald bei Dir reinschauen. Oder Du solltest sie mal besuchen.“ –
„Ja, natürlich. Wie weit gilt hier eigentlich Nachbarschaft?“ –
Tyria legt sich neben mich. Ich bemerke deutlich, dass es ihr eigentlich zu kühl hier im Wasser ist, aber sie nimmt Rücksicht auf die Draccier.
„Oh… hmm… die beiden Kontinente drüben und der ganz im Süden gehören nicht direkt dazu. Aber sonst alles was über Land von hier zu erreichen ist. Auch das Gebiet, wo Du angekommen bist und der Kontinent den Du als Afrika kennst. Das ist allerdings schon weitere Nachbarschaft.“ –
„Oh…“ –
„Ja, wobei eigentlich alle zu Besuch kommen werden, oder Deinen Besuch erwarten. Aber das hat einige hundert Sommer Zeit, also keine unnötige Eile. Ich denke aber, meine Schwester wird sicher schon bald zu Besuch kommen.“ –
„Ah… also am besten mal Rundreisen machen.“ –
Padmini reckt sich und krabbelt aus dem Becken.
„Wir räumen noch etwas auf, während Du vielleicht nach dem Rechten schauen möchtest?“ –
„Na dann“ – ich grinse.
„Mein Schatten wirft mich raus, ich soll was tun.“ –
„Aber… nein… ich dachte nur…“ – ihr Blick ist jetzt etwas erschreckt.
„Alles gut, Du hast ja Recht. Ich sollte schauen, ob es was Neues gibt und mich mit Jaya und Aditi besprechen. Es gibt ja einiges, was sich ändern wird.“ –
„Neues? Denkst Du nachts wird viel entschieden?“ –
Ich grinse.
„Nein. Es mag manches im Dunkeln passieren, aber wichtige Entscheidungen werden sicher meistens tagsüber oder abends gefällt. Aber die Informationen darüber können über Nacht zu mir kommen und morgens eintreffen.“ –
Padmini nickt.
„Stimmt wohl, auch beim Clan kamen die meisten Boten immer morgens. Verzeih, ich hätte nachdenken sollen.“ –
„Lass dir deswegen keine grauen Haare wachsen.“ Winke ich ab. Und außer Tascha schauen mich alle fragend an. –
„Die Menschen sagen sowas, wobei bei ihnen die Alten irgendwann graue Haare bekommen. – Und alte Menschen überdenken alles mehr als junge, vielleicht deswegen.“ Erklärt sie grinsend. –
Ich steige auch aus dem Becken und schüttele kurz meine Schwingen.
„Den Spruch gibt’s hier also auch. Ja richtig, das bedeutet, darüber nachdenken bringt jetzt nichts. – Kommt ihr gleich mit, oder kommt ihr später hoch?“
Ich blicke dabei NüShi, Tyria und Tascha an. –
„Geh schon vor, ich komme mit NüShi dann nach.“ Antwortet Tyria mir. Sie will vermutlich noch kurz ins heiße Wasser. –
Auch NüShi lässt sich noch im Wasser treiben.
„Verzeih, Deine Quelle ist wärmer als meine – die reicht zwar direkt an der Quellöffnung so gerade noch für Tyria, dass sie nicht erfriert und ich finde ja auch Eiswasser als angenehm – aber ein so großes Becken, so warm…“ –
Ihr Drachendackelblick lässt mich grinsen. Tascha steht schon neben mir und Shakti auf der anderen Seite ebenfalls.
„Shankar und Ravi wollen hier noch helfen. Ich soll jetzt erstmal bei Dir bleiben – wenn Du und Tascha das erlaubt. – Außerdem möchte ich noch einiges zusammensuchen, um meinen Raum etwas mehr nach Dracci-Art einzurichten.“ Erklärt Shakti mir kurz.
Ich nicke, auch wenn ich mich etwas wundere, dass sie nicht vorzuhaben scheint, sich etwas überzuziehen. Außer dem Gardewappen und ihren Rangabzeichen in ihren Schuppen, trägt sie nichts.
„Ich bin die Partnerin eines Drachen – Du wünscht es so, also warum sollte ich jetzt Kleidung tragen. Was bei Dracciern Sitte ist, muss mich nicht mehr interessieren. Aber keine Sorge, ich werde der Situation entsprechend auch passende Kleidung und Rüstung tragen.“
Auf mein fragendes Stirnrunzeln ergänzt sie schnell.
„Ich möchte mit Dir kommen, allen zeigen, dass ich einen Partner gefunden habe – und Dich nicht warten lassen, bis ich mir die Uniform zusammengesucht und angezogen habe. – Außerdem ist so Dein Geruch an mir deutlicher. – Verzeih meine Eitelkeit. Und es stört mich wirklich nicht. Ich bin alt genug für sowas.“ –
„Ach so. Ich möchte nur nicht, dass Du denkst, Du musst es so machen. – Aber ich weiß auch nicht, was bei euch noch akzeptiert und was gegen alle Konventionen ist. – Bei Menschen wäre es jedenfalls gegen alles, was akzeptabel ist. Da gibt es je nach Situation ein Minimum an Kleidung, das nicht unterschritten werden sollte. - Das ist drüben beispielsweise aber zugegeben schon sehr wenig geworden. Männchen eine Hose, die ihr Genital bedeckt, Weibchen zusätzlich etwas, das Ihre Brustdrüsen verdeckt. – Aber wie gesagt, das ist das Minimum, solange es kein Notfall ist – oder streng privat.“ –
Padmini war offensichtlich kurz drüben und trägt schon ihren Lendenschurz in den Farben meiner Garde. In der Hand trägt sie einen zweiten, den sie Shakti reicht.
„Den kannst Du erstmal auch tragen, bis Du was Eigenes hast. Der verdeckt eigentlich nicht wirklich was, aber wahrt die Sitte. - Das sollte reichen, mit dem Schurz – und mit Deinem Geruch, der auch nach dem Bad eben, noch auf ihren Schuppen haftet – wird sie immer als ehrenhafte Dracci gelten, die sich an die Sitten hält. Und was einer Nachtkriegerin ausreicht, ist auch für die Partnerin eines Drachen genug.“ Erklärt sie abschließend mehr mir als ihr. –
„Mir soll es recht sein.“ meine ich lächelnd.
„Denk nur dran Shakti, dass Dir hier in der Wohnung schon kalt war. Das wird in der Eingangshöhle und draußen noch kälter sein.“ –
„Oh… ja. Da werde ich mich dann wohl dran gewöhnen müssen.“
Shakti schaut jetzt doch etwas unsicher und zieht schon mal die Schultern hoch, als würde sie jetzt schon frieren.“ –
Padmini grinst.
„Nur gut, dass ich auch einen Wollumhang mitgebracht habe. Der ist zwar dunkelgrau, ist halt von uns Nachtkriegern, aber hält ganz gut warm. Wir durften den nur tragen, wenn es so kalt war und regnete, oder wenn wir weiter oben in den Bergen waren wo Schnee liegt. Ich war einmal mit hoch während meiner Ausbildung, damit ich das mal kennengelernt habe. Ich weiß noch, dass ich dauernd kalte Füße hatte.“ –
NüShi kichert leise.
„Dann darfst Du mich im Winter aber nicht besuchen. Bei mir liegt dann oft so viel Schnee, dass ein Draccier da drin verschwinden würde. Und so warm wie hier habe ich es da dann auch nicht. – Die Menschen haben das dort als Sommerpalast für ihre Könige gebaut, das aber schon vor einigen hundert Jahren, es wurde nicht mehr genutzt, seit das Land von anderen erobert wurde. Mir hat es dort gefallen, so habe ich es vor etwa 200 Sommern als meine Wohnstätte genommen, bevor es verfallen wäre. Da die Menschen und Draccier bei mir immer noch so bauen, halten die Handwerker mir das auch instand und haben es auch noch erweitert.
Die Gebäude können zwar winterfest verschlossen werden, damit kein Schnee eindringt, sie sind aber eigentlich eher sommerlich luftig und offen gebaut. – Das Badehaus war ursprünglich auch so, aber das haben wir so umgebaut, dass es winddicht ist und die Wärme gut hält. Mit dem warmen Wasserbecken im Zentrum und ein paar Feuerschalen in den Räumen ist es zwar nicht so warm wie hier bei Dir, aber auch ohne tiefe Höhlen für die anderen im Winter auszuhalten.“ –
„Du hast Menschen bei Dir am Wohnsitz?“ frage ich. –
„Nicht dauernd. Normal nur einige handwerklich begabte Kleine… Aber ich helfe einigen Menschensiedlungen in der Nähe im Winter etwas, wenn es zu viel Schnee geben würde. Dafür helfen sie mir im Sommer ein paar Tage die Gebäude instand zu halten.“ –
„Ach so, also nicht so ein Trubel wie hier.“ Meine ich grinsend, worauf sie auch grinsend den Kopf schüttelt. –
„Nein. Obwohl der Palast früher sicher zeitweise von 200 bis 300 Menschen bewohnt wurde. Heute beansprucht da aber so eine Drachin den meisten Raum für sich.“ Meint sie breit grinsend.
„Im Hauptgebäude und angrenzend ist genug Platz für mich und die Drakarin als Feral geschaffen worden, dadurch wurden natürlich viele Räume, die vorher da waren, ausgebaut. Aber es sind noch alle Kunstwerke und das meiste der Ausstattung vorhanden, damit wurden die anderen einfacher ausgestatteten Gebäude dann aufgehübscht.“ –
„Ah, klingt interessant, ich werde mir das gerne mal anschauen. Hier hat Valarinn ja eher die dracoide Ausstattung durchgezogen. Nur hier in der kleinen Wohnung ist es eine schlichte, eher menschliche Einrichtung. Mir reicht das auch so weit.“ –
„Oh, die Wohnung ist nicht von Dir eingerichtet worden? Ich dachte, weil die so nach Menschen aussieht.“ –
„Nein, dazu hatte ich auch keine Zeit. Aber etwas zum Ausgestalten werde ich mir sicher noch kommen lassen und das eine oder andere wird noch nach meinem Geschmack umgebaut oder gestaltet.“ –
„Oh ja, natürlich. Ich freue mich, dass es noch einen anderen Drachen hier gibt, der die menschliche Art eine Wohnstätte zu gestalten mag. – Wählst Du einen menschlichen Stil? Und welchen? Den hier vorherrschenden?“ –
„Ja, einen Stil der Menschen, aber einen anderen. Ich muss nur schauen, ob ich welche finde, die das so können.“ –
Shakti zuckt mit den Schultern.
„Wenn ich mich einmischen darf. – Wenn die Menschen sich zu dumm anstellen, dann kann Dir immer noch ein Draccier helfen. Unsere Schreiner sind es gewohnt, alle möglichen Formen und Verzierungen nachzubilden.“ –
Ich nicke.
„Du darfst natürlich. Und es wird sich finden. Noch ist das alles hier wie neu und praktisch nicht genutzt worden. Das lasse ich jetzt auch nicht gleich alles herausreißen. Aber nach und nach dann bei Reparaturen werden wir dann auch Verzierungen machen lassen. Was mich aber ein wenig verwundert ist, dass hier die Drachen Wohnstätten mit vielen menschlichen Einflüssen haben, im Nordwesten, wo ich angekommen bin, aber eher dracoid schlichte Wohnstätten haben. Aber ich habe auch nur zwei dort selber gesehen. –
Tyria lächelt kurz.
„Das ist vermutlich eher Zufall. Meine Wohnstätte ist eine vielleicht typische, für die anderen Völker bedrohlich wirkende Drachenhöhle. Aber das hier gefällt mir auch, vielleicht denke ich über eine gemütlichere Nebenhöhle nach.“ –
„Deine Wohnstätte werde ich ja sicher auch bald sehen. Ich bin schon gespannt auf Dein Revier. Über meines habe ich zumindest einige Informationen gefunden. –
Aber ich gehe jetzt erstmal nach oben, mal schauen, was alles passiert heute.“ –
2.
Ich schaue mich kurz um, aber alle nehmen das als feststehende Entscheidung. Tyria und NüShi lassen sich schon entspannt im Wasser treiben, die Draccier machen sich hinter Padmini auf den Weg, alles aufzuräumen – was nicht allzu viel sein dürfte. Und Tascha zupft Shakti den Umhang etwas zurecht – leicht belustigt bemerke ich den offensichtlich tief gegründeten Stolz der Draccier, Krieger zu sein. Die sicher eigentlich vorn mittig gedachte Öffnung des Umhangs, die mit drei knöpfbaren Riegeln offensichtlich auch gut geschlossen werden kann, trägt Shakti zur Linken Seite verschoben und natürlich offen – so kann man das Gardewappen und ihre Rangabzeichen noch sehen, die sie jetzt wohl nicht umstecken will. – Nur sitzt der Umhang so nicht richtig, da der nicht rund geschnitten zu sein scheint und da fummeln die beiden gerade dran rum.
Ich schüttele leicht grinsend kurz den Kopf und geh schon mal los. Wie erwartet, sind die beiden sofort hinter mir. Es ist schon faszinierend, als Drache jetzt so beherrschend zu sein, dass sich praktisch alle mir unterordnen, ohne groß darüber nachzudenken. Selbst Tyria und NüShi sind zwar bereit meine Entscheidungen zu diskutieren, stellen sie letztlich aber nicht in Frage. – Obwohl Tyria mir sicher irgendwann auch mal deutlich und offen widersprechen und ihre Meinung durchsetzen wird. Da bin ich mir sicher, denn auch wenn meine Seele ein Vielfaches älter ist, bin ich als Drache, selbst mit meinem ersten Leben, doch ein Jüngling ihr gegenüber.
„Werde nicht übermütig. Sie ordnen sich Dir unter, weil Du ein Drache bist. Aber Du hast dadurch auch Verantwortung.“ Vernehme ich Þórr in mir.
„Und vergiss nicht, dass ich Dir da weniger helfen kann. Ich hatte diese Art der Verantwortung Schwächeren gegenüber damals noch nicht. Wir begannen erst, in die Rolle der Wächter der Lebenskraft zu schlüpfen. Und es ist nicht leicht, seine bisherige Beute plötzlich schützen zu sollen.“ -
„Gab das keine Probleme? So von heute auf morgen vom Jäger zum Heger werden zu müssen?“ –
„Doch, natürlich gab das Probleme. Viele verstanden nicht, was Erce mit uns plante. Viele dachten, wir dürfen nicht mehr jagen und sollten nur noch Pflanzen essen. Und sie weigerten sich, die neuen Aufgaben zu übernehmen und lebten weiter als Drachen wie vorher.“ –
„Was hat Erce dagegen unternommen?“ –
„Direkt nur wenig. Die Widerstrebenden durften so weiterleben, wie sie es gewohnt waren. Viele begriffen durch ihre neue Intelligenz aber schnell, dass sie den falschen Weg gingen und begannen Erce zu folgen. Die anderen… nun, sie starben aus.“ –
„Erce hat sie vernichtet?“ –
„Nein. Oder genauer: nur indirekt. Soweit ich weiß, lebten sie ihr Leben, bis sie auf natürlichem Weg in den Lebensstrom aufgingen. Aber sie bekamen keine Nachkommen mehr. Ich konnte das aber nicht lange beobachten, da ich ja schon recht bald nach meiner Geschlechtsreife in Deine Welt gesandt wurde. – Offensichtlich hat Erce irgendwann entschieden, dass die …ich sage mal, die besten Wächter dann mit einer intensiven Verbindung zur Lebenskraft belohnt wurden, wodurch ihre Kräfte sich entwickelten und ihre Lebensspanne sich deutlich verlängerte.“ –
„Aber woher wissen wir das jetzt? So lange waren wir eigentlich doch gar nicht mehr hier, damals.“ -
Diese Erinnerungen sind uns bei unserer Rückkehr als Drache wieder gegeben worden… du weißt schon, wir wissen seitdem Dinge, die wir vorher nicht wussten und die immer wieder mal in unser Bewusstsein kommen. Aber ich weiß nicht mehr und nicht weniger als Du auch. Mir ist nur ein wenig mehr von dem bewusst, was direkt mit meinem alten Leben zusammenhängt, Dir ist dafür sehr viel bewusst, was zum Leben als Mensch gehört, wo ich mich schnell in unser Unterbewusstsein zurückgezogen habe, weil es besser für unsere Leben dort war. Und ein wenig möchte ich noch meine alten Erinnerungen behalten, ein wenig mehr sein in uns, als nur die Logik des Drachen, die harte Geradlinigkeit, die uns dann von der menschlichen Denkweise Deiner Seite unterscheidet und die ein Drache manchmal zeigen muss. Wir sollten neben dem menschlichen Drachen, der wir geworden sind, auch immer noch der alte, noch wilde, nur mühsam von der plötzlich erwachten Intelligenz beherrschte Drache sein, der ich in unserem ersten Leben war. Wenigstens manchmal.“ –
Wir sind mittlerweile im direkten Gang schon fast oben angekommen. Wieder hatte ich das Gefühl mit dem alten Drachen in mir zu sprechen, auch wenn ich weiß, dass es nur meine Gedankengänge sind, die von den verschiedenen Erinnerungen geprägt sind. Wobei ich die Erinnerungen an mein erstes Leben immer noch als „Þórr“ in mir erlebe und das auch so möchte. Denn diese Erinnerungen sind mit der damals noch sehr strengen Logik der gerade erwachten Intelligenz und dazu mit den meist nicht stark ausgeprägten Emotionen der alten Drachen damals eng verbunden.
Natürlich hatten wir damals auch Emotionen, manchmal auch sehr starke – aber das war dann direkt mit Fortpflanzung oder Kampf verbunden. Schon die Erinnerung direkt danach weckt dann nur noch schwache Emotionen. Liebe, Hass, Wut… das alles kannten wir, aber es hatte keine besondere Bedeutung.
Als Mensch kenne ich die Macht, die diese Gefühle haben können, als Drache spüre ich sie aber nur schwach und sie sind sehr leicht zu beherrschen. Für mich als alter Drache vielleicht sogar noch mehr, als für die heutigen Drachen – dadurch halten uns aber andere Völker leicht für Gefühlskalt, wie ich weiß.
Dazu die Gedankenstruktur von uns reinen Jägern – der vielleicht einzigen Spezies dieser Welt, die immer nur die Jäger waren, nie einen wirklichen Feind hatten den wir fürchten mussten – dieses Denken wird insbesondere von den Menschen nicht wirklich verstanden. – Die Menschen haben es durch ihre Intelligenz erreicht, ihre Welt und sogar ihre Jagdfeinde weitgehend zu beherrschen – drüben noch mehr als hier. Aber sie sind immer noch mit dem Unterbewusstsein von einem körperlich vergleichsweise schwachen und vielen Nahrungskonkurrenten unterlegenen Beutetier ausgestattet. Sie sind tief im inneren immer noch geprägt vom prähistorischen Primaten, der noch mehr Affe als Mensch in der Steppe nur mit List und seiner etwas höheren Intelligenz die vielen kräftigeren und mit besseren natürlichen Waffen ausgestatteten Beutegreifer austricksen konnte.
Natürlich haben sie sich sehr weit darüber hinaus entwickelt. Aber diese uralten Instinkte, die heute eigentlich nicht mehr notwendig sind, brechen immer wieder – meist unbewusst – hervor und machen die Menschen so schwer berechenbar. Und leider auch manchmal gefährlich – für sich selber und für andere.
Nun ja… vielleicht werden diese Überreste ihrer fernen Vorfahren auch bald zivilisiert und endgültig begraben.
Für mich hat die Struktur meines Drachenhirn zwar die Besonderheit, dass ich sozusagen mit mir selber in zwei unterschiedlichen Denkweisen spreche, aber auch, dass ich nach außen problemlos einmal der kalt denkende Drache sein kann und dann etwas später auch wieder mehr nach menschlichen Maßstäben denke und handele. Auch wenn alle die mich drüben kennen, mich jetzt wohl nicht mehr wiedererkennen würden. – Ich muss grinsen, denn so als Drache werden die mich ohnehin nicht erkennen. Aber auch mein Denken und Handeln ist jetzt sicher deutlich verändert, auch wenn mir selber das nicht so bewusst ist.
Shakti schaut mich nur verwundert an, ich war ja auf dem ganzen Weg sehr still und jetzt, als wir in die Eingangshöhle kommen, grinse ich still vor mich hin. Aber sie sagt nichts. – Tascha dagegen hat da keine Hemmungen.
„Na, was hast Du Dir jetzt für Gemeinheiten ausgedacht… den ganzen Weg so finster gegrübelt und nun das diebische Grinsen…“ –
„Ich habe nur daran gedacht, ob die Menschen, die mich drüben kennen, mich jetzt noch erkennen würden.“ –
„Natürlich – wenn ihnen da so unerwartet ein Drache gegenübersteht und sagt: ‚Hey, ich bin’s‘ dann werden die Dich natürlich sofort erkennen…“ Sie kichert leise. –
„Ja, genau daran habe ich auch gedacht.“ –
„Aber ich weiß, was Du meinst. Als Drache hast Du Dich auch in der Persönlichkeit sicher verändert. Es könnte sein, dass sie sich sehr wundern werden.“ Sie schaut nachdenklich
„Du wirst vorsichtig sein müssen und darfst nicht enttäuscht sein, wenn sie sich zurückziehen.“ –
„Ja, ein wichtiger Hinweis. Aber ich werde ja ohnehin alle Kontakte aufgeben müssen, wenn ich überhaupt nochmal Familie und Freunde sehen darf.“ –
„Du hast doch hier Deine Familie und Freunde.“ –
„Ja natürlich, verzeih. Aber meine menschliche Seele möchte ihre alte Familie und einige Freunde doch gerne noch einmal sehen und sich verabschieden. Sie sollen wenigstens wissen, dass es mir gut geht.“ –
„Warum darfst Du eigentlich nicht in Deine Menschenwelt? Du sagst ja, dass einige dort öfter zu Besuch sind.“ –
„Ich weiß nur, dass ich für viele Sommer nicht darf und mir die Tore versperrt sind. Warum kann ich nur vermuten. Ich denke, ich soll mich so von der Welt drüben trennen und hier wieder eine Heimat finden. Damals als ich nach drüben gesandt wurde, konnte ich ja auch nicht hierher zurück… sogar sehr viel endgültiger als jetzt.“ –
„Oh, ach so. Ja wäre ein Grund.“ –
Shakti schaut mich etwas traurig an.
„Deine Familie nicht mehr sehen dürfen… sehr schade. Aber Du wirst sie ja sicher später dann wieder sehen können.“ –
Ich schüttele den Kopf.
„Leider nicht. Mir wurde gesagt, dass ich über 100 Sommer nicht in diese Welt darf. Andere Welten schon, aber nicht die, in der ich so lange gelebt habe. Und auch wenn die Menschen drüben durch bessere Gesundheitsversorgung länger leben als die meisten hier, werden nach 100 Sommern sicher keine mehr leben, die ich jetzt kenne. Also ist damit so gut wie alles, das mich mit der Welt drüben verbindet dann abgeschnitten.“ –
„Oh… das ist… sehr traurig. Ich habe zwar keine eigene Familie, aber natürlich Geschwister und deren Familien. Und Du hast das jetzt alles verloren…“ –
„Irgendwie schon, darum möchte ich ja auch nochmal rüber, um ihnen persönlich sagen zu können, dass es mir hier gut geht. Auch wenn sie nicht wissen müssen, wo ‚hier‘ ist. Aber weil mir das als Drache ja sehr bewusst ist, dass ich sie dann nie wieder sehen werde, suche ich mir hier jetzt wohl so viel Familie wie es geht. Eigentlich sind wir Drachen ja jeweils nur mit einem Weibchen zur Zeit zusammen. Wir damals allerdings nur jeweils recht kurz, dann vertrieben uns die Weibchen wieder aus ihrem Revier.“ –
Tascha grinst breit, Shakti spürt die deutlich kühlere Luft hier in der Höhle und zieht den Umhang enger zusammen.
„Wird das hier auch mal wärmer?“ –
„Nein, eher kälter. Wir sind ja jetzt im Monsun in der wärmeren Zeit. Aber eigentlich hätte ich auch gedacht, dass es hier etwas wärmer wäre als bei uns drüben. Da müssen wir mal die Siedler hier fragen, ob das normal ist.“ –
„Noch kälter? Brrrr… - Gut, tagsüber ist das ja ganz angenehm hier, aber nachts wird der Regen doch recht kalt.“ –
Tascha kichert.
„Das ist doch nicht kalt hier. Wenn Schnee liegt und die Flüsse zufrieren ist es kalt. Und auch da leben Draccier und halten das besser aus als die Menschen.“ –
„Ja, weiß ich ja.“ Grinst Shakti.
„Aber ich komme nun mal aus den immer warmen Ebenen unten am Ganga… Mein Stamm siedelte in der Nähe der Menschenstadt Kalkata. Aber ich werde mich schon noch dran gewöhnen.“ –
„Oh, da unten… da war mir das viel zu warm, als ich da kurz als Söldnerin einen Vertrag hatte. Ich bin ja da weit im Norden geschlüpft und meine Draccierfamilie lebte damals auch in deutlich kälteren Ländern. Ich finde das richtig angenehm hier.“ –
„Ja, schon gut. Ich werde zukünftig mehr anziehen, bis ich mich daran gewöhnt habe. – Aber darüber, wie eine Drachin zu den Dracciern gekommen ist, musst Du mir mal mehr erzählen.“ Shakti schaut Tascha neugierig an. –
„Ja mach ich. Eldingar weiß ja auch kaum was darüber. Es sind nicht alles schöne Erinnerungen.“ –
Ich nicke Jaya zu, die gerade in die Höhle kommt, uns sieht und näher kommt, während ich Tascha antworte.
„Einen Teil weiß ich ja und Du weißt ja auch noch lange nicht alles aus meinem letzten Leben drüben. Aber interessieren würde es mich auch.“–
Shakti blickt mich jetzt mindestens nochmal so neugierig an.
„Das würde mich auch interessieren, wie die Menschen da sind, wo Du herkommst.“ –
„Nur die Ruhe. Wir haben noch viele lange Winterabende zu füllen. – Guten Morgen Jaya. Gibt es etwas Wichtiges?“ –
Jaya kommt die letzten Schritte zu uns.
„Wirklich Wichtiges nicht. Wir haben den Bereich vor der Höhle gesperrt und den Händlern unten vor der Klippe den neuen Handelsplatz zugewiesen. Nicht alle waren glücklich darüber, aber nachdem sie verstanden haben, dass sie dort feste Lager errichten können, waren sie doch zufrieden. Ich glaube, ein paar wollen dann sogar dort eine kleine feste Handelssiedlung bauen.“ Sie schaut Shakti leicht verwirrt an, wie die so mit dem Nachtkriegerumhang neben mir steht. –
Ich beachte das nicht weiter. Diese geplante Siedlung ist mir gerade wichtiger.
„Hmm… an sowas hatte ich jetzt nicht wirklich gedacht. Ein paar Lagerschuppen vielleicht, mit einer Kammer, um mal zu übernachten für Händler, die von weiter weg kommen, mehr nicht. Ich dachte, wir lassen uns die benötigten Waren direkt kommen und handeln diese dann auch direkt und sofort, nicht über feste Handelskontore, die Waren einkaufen, dort dann erstmal einlagern und dann an uns weiterverkaufen. Ich habe zwar nichts gegen solche Handelskontore, aber hier wäre das mehr, als wir brauchen.“ –
„Das habe ich ihnen auch gesagt. Aber sie meinen, dass sie vieles billiger ein- und verkaufen können, wenn sie es in größeren Mengen einhandeln und hier lagern, bis wir es brauchen. Außerdem würden sich in so einer kleinen Handelssiedlung dann auch sicher Handwerker ansiedeln, die für uns hier direkt die Dinge so herstellen, wie wir sie brauchen. Oder auch mit uns zusammen arbeiten – bei der Glasherstellung oder in der Schmiede zum Beispiel. Sie könnten dann hier mit uns arbeiten und dort in der Handelssiedlung würden sie dann leben, von uns etwas getrennt, aber doch nah dran. Und ich denke, wir werden ohnehin leichter Handwerker unter den Menschen finden, als unter den Dracciern. Krieger werden gerne zu Dir kommen, aber unsere Handwerker haben dann ihre Familien und sind nicht mehr sehr wanderfreudig, wenn sie ihren Platz gefunden haben. Eine kleine Handwerkersiedlung für die Menschen wäre also nicht verkehrt.“ –
Ich muss grinsen.
„Die Menschen haben Dich wohl bestochen… Du machst ja richtig Werbung für ihre Siedlung. – Ja gut, ich habe die Vorteile verstanden und hoffe, dass sie auch so eintreten. Aber ich werde entscheiden was und wo gebaut wird. Ob das 56. Handelshaus oder der 87. Schmied wirklich eine eigene Hütte braucht. Wir werden hier maximal eine kleine Garnison haben, keine Großstadt.“ –
„Nee, bestochen haben sie mich nicht, das Trauen sie sich bei uns nicht. Auch wenn sie schon mal erwähnten, dass ich daraus keinen Schaden haben würde, was bei ihnen oft ja die Umschreibung von bah?š?š ist. Dass es nicht zu viele werden, dafür sorgen die Menschen schon selber. Sie wollen ja auch davon leben können. Und wenn wir hier irgendwann mal die 500 Krieger Deiner Kampftruppe untergebracht haben, dann entspricht das ja schon einer kleinen Stadt der Menschen. Da leben dann auch immer mehrere Händler und Handwerker.“
Auf meinen zweifelnden Blick grinst sie.
„keine Sorge, ich denke auch, dass wir nicht alle angelegten Unterkünfte hier oben wirklich öffnen und fertig ausbauen sollten. Hier oben sollte die Garde mit 50, allerhöchstens 100 Kriegern völlig ausreichen. Wer sollte schon eine Drachenhöhle angreifen wollen.“ –
„Drachen…?“ –
„Ja gut… aber dann reichen auch 5.000 Draccierkrieger nicht aus. Das musst Du dann so oder so selber regeln. – Aber ich denke, wir sollten die Hundertschaften, die Du als Eingreiftruppe zentral hier haben möchtest, vielleicht auf dem nächsten Bergrücken da drüben, oder auf dem Weg dorthin unterbringen. Dadurch werden sich Händler und Handwerker auch dort mit ansiedeln und die Handelssiedlung hier klein halten.“ –
„Das ist ein Argument. Zudem habe ich dann mehr Ruhe hier oben. Gut, soweit bin ich erstmal grundsätzlich damit einverstanden.“ –
„Wenn Du erlaubst… ich bin mit Aditi und Shankar verabredet. Wir wollen diese ganzen Überlegungen mal in einem ersten Entwurf aufzeichnen, damit Du einen Eindruck davon bekommst, wie es aussehen könnte, wenn Draccier eine Festung entwerfen.“ –
3.
Ich nicke zustimmend und Jaya deutet eine Verneigung an, bevor sie in Richtung auf die kleine Gästewohnung ganz vorne am Eingang verschwindet. – Nicht ohne noch einen schwer zu deutenden Blick auf Shakti geworfen zu haben. Die erste Wohnung hat sie als Büro für sich in Beschlag genommen, da es die kleinste der Wohnungen hier vorne ist und sie auch direkt von der Höhle aus betreten werden kann. Die anderen dahinter hatten die Draccier vorläufig genutzt, aber ich bemerke, dass sie alle schon dabei sind, in die Unterkunft vor der Höhle zu ziehen. Die entspricht insgesamt mehr ihren Vorstellungen und bietet auch einiges an Annehmlichkeiten, wie das Schwimmbecken, die größeren Fenster und auch eine Küche, die hier drin fehlt. Und nicht zuletzt, reicht die Unterkunft auch für eine Hundertschaft, was hier nicht möglich wäre ohne massive Bergbauarbeiten aka weitere Räume in den Fels zu treiben.
Als Wohnung haben Jaya und Shankar ja eine der größeren 2-Raum Gästewohnungen auf der anderen Seite vom Eingang bezogen, wo auch Tascha ihre Wohnung genommen hatte als Tyria eingezogen war. Warm sind aber alle Gästewohnungen, da die an derselben heißen Quelle hängen, die auch die Kriegerunterkunft nebenan mit Wärme versorgt.
Ich recke meine Schwingen wohlig und spüre einen fast schon warmen Lufthauch vom Eingang her. Mit den Worten
„Ich lass mir mal den Wind um die Nüstern wehen.“
mache ich mich auf den Weg nach draußen. Tascha folgt mir direkt, Shakti zögert kurz, zieht dann aber den Umhang noch etwas enger und folgt uns dann auch.
Draußen merkt sie aber auch schnell, dass die Kaltluftzelle der letzten Tage durch eine kräftige Warmfront abgelöst worden ist. Daher auch der kräftige Regen heute Nacht, der jetzt aber aufgehört hat. Und soweit ich das spüre, wird es jetzt auch wärmer bleiben.
„Ah, so ist es schon angenehmer. Auch wenn ich den Sommer wärmer kenne.“ meint Shakti, während sie den Umhang öffnet und über die Schultern wirft. –
„Ja, es war wirklich die letzten beiden Tage sehr kalt hier oben. Da hatten wir ungefähr die Temperaturen wie im Winter hier. Ich bin mir nicht sicher, ob das eine Folge davon ist, dass ich den Zyklon aufgelöst habe. Das hat die Luftströmungen schon etwas durcheinander gebracht, denn die Energie war ja weiter in der Atmosphäre. – Aber der war schon sehr viel stärker als die üblichen Zyklone hier. Da habe ich es dann lieber hier für ein paar Tage etwas kälter, aber dafür keine zerstörten Siedlungen mit vielen Toten unten in Gegenden, die normal nicht so stark betroffen sind. Auch wenn es mir deutlich zeigt, dass ich lieber nicht ständig in das Wetter reinpfuschen sollte.“ –
Tascha schaut sich um.
„Das kann so weite Auswirkungen haben? So ein großer Sturm ist doch auch nicht normal.“ –
„Stimmt schon, so ein Zyklon hat immer einen Einfluss auf das ganze Wettersystem, vor allem sehr kräftige, die nur selten auftreten. Aber sie gehören trotzdem dazu. Wenn ich das auf meine Weise verändere, dann leite ich die Energie, die in dem Sturm steckt, ja nur um und verteile sie etwas, aber sie bleibt erhalten und muss irgendwo hin. In diesem Fall wohl recht harmlos in eine ungewöhnliche Kaltluftblase, die uns hier getroffen hat.
Wetter ist nun mal ein System, das sich über lange Zeiträume auf eine Regelmäßigkeit eingependelt hat, aber sehr empfindlich reagieren kann, wenn da etwas anders ist als sonst in der Zeit. So ein Zyklon ist zwar auch eine Störung, aber die läuft dann immer wieder sehr ähnlich ab, meistens in derselben Jahreszeit und in einem bestimmten Gebiet entlang der Ostküste. – Ich habe da jetzt eingegriffen und habe damit an einer ganz anderen Stelle eine ungewöhnliche Veränderung verursacht.“ –
„Na gut. Aber Wetter und regelmäßig? Keiner kann doch genau sagen, wann es morgen regnet, oder wann es in einem Jahr regnet oder ob es dann ein Gewitter gibt. Wo ist das denn regelmäßig…?“ Tascha schaut mit zweifelnd an. –
„Ja, schon richtig. So zuverlässig regelmäßig wie ein Wachwechsel vor einem Fürstenpalast, ist das Wetter natürlich nicht. Da gibt es viel zu viele Einflüsse… theoretisch kann schon ein Schwingenschlag jetzt von Dir oder von mir in einem oder zwei Mondläufen auf der anderen Seite der Welt einen Wirbelsturm verursachen, der nicht entsteht, wenn wir erst einen Herzschlag später diesen Schwingenschlag machen. – Wenn auch wenig wahrscheinlich und nur als Beispiel, dass das Wetter sehr empfindlich auf Einflüsse reagieren kann.
Aber mit Regelmäßig meine ich, dass beispielsweise der Monsun immer in derselben Jahreszeit mit nur wenigen Tagen Abweichung eintrifft, meistens annähernd die gleiche Menge Regen bringt und ziemlich gleich lange dauert. Gefühlt jedenfalls. Und umgekehrt es im Winter wenig bis gar nicht regnet. Wobei das Wetter immer dem Klima und den Jahreszeiten unterliegt, was ich gerade etwas miteinander vermische.“ –
Während Shakti zwar interessiert zuhört, aber sichtlich verwirrt ist, verdreht Tascha seufzend die Augen.
„Ja… schon klar. – Müsst ihr Großen eigentlich immer so kompliziert sein?“ –
„Naja. Ich vermute, Tyria würde mich jetzt auch so ähnlich anschauen und an meinem Verstand zweifeln. Das ist mehr Wissen der Menschen von drüben.“ –
„An Deinem Verstand zweifele ich ja nicht. Nur sollten wir irgendwann noch mal drüber sprechen, damit ich das verstehe. Immerhin habe ich verstanden, dass Du hier, oder sonst wo das Wetter verrücktspielen lässt, wenn Du da weit im Süden einen Sturm die Kraft nimmst.“ –
„Ja, so ungefähr kann das passieren.“ –
Ich bemerke, dass auch Shakti mit dieser vereinfachten Erklärung mehr anfangen kann als mit meinem langen Vortrag. Ich sollte wirklich besser möglichst einfache Erklärungen hier finden. Es wird von den Drachen aber auch den Menschen zwar viel Mathematik, Geometrie, Astronomie und Architektur betrieben, soweit ich gesehen und vor allem gehört habe. Die Menschen dabei mehr in der praktischen Anwendung, während die Drachen reine Theoretiker sind, die bereits vieles, was drüben an Wissen erworben wurde, hier auch für sich herausgefunden haben. Aber insgesamt glauben in dieser Welt fast alle noch an irgendwelche Geister oder Götter als unmittelbare Verursacher der Ereignisse.
„Verzeih N?tha. Für uns Draccier sind Deine Erklärungen sehr oft nur schwer verständlich. Viele denken, dass Naturgeister für viele Geschehnisse verantwortlich sind und diese manchmal von den Schamanen beeinflusst oder überredet werden können. Ein paar denken, dass die Lebenskraft das verursacht. Andere geben ein paar Göttern der Menschen die Schuld für alles. Aber die meisten, wie ich auch, nehmen einfach alles was sie nicht beeinflussen können, so wie es kommt. Wie eben das Wetter, das ist so wie es ist, da ist niemand, der uns damit ärgern will. Die Menschen sind meiner Beobachtung nach aber sehr viel abergläubischer.“ Bestätigt Shakti meine Überlegungen. –
„Ja, abergläubisch sind viele auch drüben mehr oder weniger. Heute aber eher bei anderen Dingen, die sie sich auch bei allem Wissen nicht sinnvoll erklären können – oder wollen. – Nun… wir werden den Menschen, Draccier und Drachen hier schon so viel Wissen vermitteln, wie es nur geht. – Allerdings bei weitem nicht alles von mir, ich habe zwar sehr viel Wissen angesammelt, aber das meiste ist eher praktisch. Wie man einen Draccier zum Mond bringt und ihn wieder zurückholt – das müssen andere lernen und anwenden.“ –
Der mehr als zweifelnde Blick von Shakti lässt mich breit grinsen.
„Du willst uns zum Mond bringen? Willst Du uns los werden? Und geht das überhaupt? Ich habe gehört, der Mond ist zwar eine große Kugel, ähnlich, aber kleiner als die Erde, um die der Mond kreist – wie auch immer das gehen soll… aber der soll weiter weg sein, als ein Drache fliegen kann, alleine schon, weil die Luft viel zu dünn sein muss da oben. Ich spüre hier ja schon, dass Fliegen anstrengender ist als unten in den Ebenen. Und wie das noch viel höher ist, weißt Du besser als ich.“ –
„Ich sagte ja, dass ich ihn auch wieder zurückholen will. – Und ja, das geht. Wenn auch das Fliegen dann völlig anders abläuft, als hier in der Luft, weil da eben schnell wirklich so wenig davon noch da ist, dass man auch sagen kann, da ist keine Luft mehr. Atmen ist da dann schon lange nicht mehr möglich. - Aber der Mond ist überhaupt nur ein Ziel, damit das zu erwerbende Wissen auf etwas ausgerichtet wird – und nicht das einzige. Ich hoffe ja, dass wir hier ein Wissen erreichen, dass mindestens den Stand von drüben haben wird, nur ohne, dass daraus die gleiche Zerstörung der Natur und Beeinträchtigung der Lebenskraft entsteht. Aber Erce weiß auch, dass es trotzdem einen Einfluss auf diese Welt geben wird, nur muss der, zumindest ein negativer, eben sehr gering ausfallen.“ –
Tascha, die über den sehr zweifelnd verständnislosen Blick von Shakti ein wenig grinsen muss, schaut mich aber auch fragend an.
„Wie soll das denn gehen? Du sagst, die Menschen hier sollen die gleichen Dinge haben und können, wie die drüben, aber alle sagen immer, dass drüben die Welt zerstört wird, die Lebenskraft dort nur schwach ist. Wie soll das dann hier gehen, ohne die gleichen Auswirkungen?“ –
Ich zucke mit den Schultern.
„Ehrlich, ich weiß es noch nicht. Mein Wissen ist ja von drüben. Das genauso zu machen, ist recht einfach – aber das ohne die Zerstörung und Vergiftung der Welt hier zu erreichen… eine sehr schwierige Aufgabe. Alles was ich im Moment hier machen kann ist zu versuchen die Menschen davon abzuhalten, fossile Energie einzusetzen. – Damit ist jetzt erstmal Kohle gemeint. Und dann vor allem das Erdöl, das ihr vielleicht als Erdpech kennt. Dieses schwarze, zähklebrige, stinkende Zeug, dass an einigen Stellen aus der Erde sickert und in dem oft Tiere verenden, weil sie sich nicht mehr befreien können. – Kohle sind diese meist schwarzen Steine, die brennen können.“ –
Tascha schaut nachdenklich in die Berge. Shakti dagegen nickt.
„Diese brennenden Steine und das was Du Erdpech nennst, kennen wir. Einige sammeln die Steine für die Schmiede, weil die ein sehr heißes Feuer haben. Wir sagen Drachensteine dazu. Aber das klebrige schwarze Zeug… Ein paar Menschen dichten ihre Boote damit ab, aber sonst… - Und verzeih einer alten Kriegerin. Ich zweifle nicht an Deinen Worten und Deinem Wissen. Nur verstehe ich viel zu wenig davon.“ –
„Mach Dir keine Gedanken deswegen. Du wirst einiges mit der Zeit auch verstehen.“ –
„Vielleicht. – Warum ist es eigentlich schädlich, etwas das aus dem Boden, aus dieser Welt kommt, hier auch zu nutzen?“ –
„Weil dabei gespeichertes Kohlen… oh, ich vergesse, dass euch hier das ja nicht so bekannt ist. – Hmmm… also die Luft enthält verschiedene Gase… hmm… verzeih, ich muss das erstmal umständlich erklären vermute ich. – Ihr wisst, dass Luft nicht einfach nichts ist, sondern eine Substanz hat. Darum können wir fliegen und spüren den Wind…“ –
Shakti nickt.
„Ja. Und bei Sturm wird die Luft so zäh wie Wasser, fühlt sich jedenfalls fast so an.“ –
„Richtig. Auch wenn das mehr durch die Geschwindigkeit, als durch die Masse so ist. Wasser ist flüssig, wenn es friert wird es fest und wenn es kocht entsteht Wasserdampf – und so ähnlich wie Wasserdampf ist die Luft.“ –
„Kann die Luft auch flüssig werden, wenn der Sturm stark genug ist? Oder ist das wie mit dem Wasser, wenn der Dampf auf einer kalten Platte wieder zu Wasser wird?“ –
„Ah, das ist euch also schon bekannt.“ –
„Ja, wenn wir kein sauberes Wasser finden, kochen wir es und lassen den Dampf wieder zu Wasser werden. – Alter Kriegertrick.“ -
„Ah ja. – Mit der Luft ist das wie mit dem Wasser. Nur sind die Temperaturen sehr viel niedriger, damit die Luft flüssig wird. Die gibt es so hier nicht. Hier nicht und drüben auch nicht. – Aber es gibt Tricks – mit viel Technik – mit denen man Luft flüssig machen kann.
Aber das ist ein anderes Thema. Es geht ja um die Drachensteine und das Erdpech. – Dazu muss man erstmal wissen, dass die Luft aus verschiedenen Teilchen besteht.“
Etwas umständlich und möglichst kurz erkläre ich ihr und nebenbei auch Tascha, den CO² Kreislauf und dass vorwiegend Pflanzen den Kohlenstoff festgehalten und in der Erde eingelagert haben und somit den Sauerstoff in der Luft angereichert haben. Und nebenbei versuche ich den Treibhauseffekt auch noch zu erklären…
„Wenn wir das jetzt alles ausgraben und verbrennen, weil es mehr Hitze bringt als das Holz der jetzt lebenden Pflanzen, dann entziehen wir der Luft den wichtigen Bestandteil zum Atmen ja wieder. Und es wird dann langsam auch wärmer. Also viel mehr Wolken, viel mehr Stürme, viel mehr Regen. – Und nebenbei kommen auch giftige Stoffe, die auch da in der Erde mit festgehalten werden, dann in die Luft und können Wälder vergiften. Da hat es dann schädliche Auswirkungen auf den Lebensstrom.“ –
Keine Ahnung, ob das wirklich verständlich war, aber Shakti scheint zumindest einige Zusammenhänge begriffen zu haben.
„Und das passiert nicht, wenn wir Bäume fällen und das Holz verbrennen?“ –
„Dann setzen wir nur das frei, dass diese Bäume in ihrem Leben festgehalten haben und das auch frei wird, wenn die Bäume im Wald vermodern.“ –
„Hmm… gibt es denn genug Bäume, um alles das zu machen, was drüben gemacht wird?“ –
Ich schüttele den Kopf.
„Wie Du anscheinend vermutest, gibt es nicht genug Wälder, um das zu erreichen. Und das ist das Problem, dass wir noch lösen müssen. Aber in ein paar hundert Sommern, werden wir da sicher nahe dran sein auch ohne alles zu vergiften und die Erde aufzureißen, um riesige Löcher zu graben.“ –
Shakti grinst leicht.
„Also Lady Tyria…“ –
„Oder Erddrachen, ja gut möglich.“ –
„Aber… bringt ihr dann nicht auch alles durcheinander?“ –
Kurzes Schulterzucken meinerseits.
„Ja natürlich. Aber das gehört wohl noch zu den vertretbaren Einflüssen. Ich habe jedenfalls nicht das gleiche schlechte Gefühl dabei, wie bei dem Gedanken riesige Löcher zu graben oder Kohle und Öl zu verbrennen.“ –
Tascha hat sich offensichtlich auch schon Gedanken gemacht.
„Willst Du Feuerdrachen darum bitten? Metall aus Steinen schmelzen braucht große heiße Feuer. Ich habe das schon beobachtet, wie Schmiede das Eisen geschmolzen und daraus dann Schwerter geschmiedet haben… da sind für ein Schwert schon 2 große Bäume verbrannt worden. Mindestens.“ –
„Wenn die Feuerdrachen da mitmachen…“
Der Gedanke, dass Eldflóð den Menschen das Metall aus dem Erz schmilzt, scheint mir auch etwas weit hergeholt zu sein. –
„Bei uns Drakarin gibt es überwiegend Feuerdrachen und die können meistens mit ihrer Gabe nicht viel anfangen. Feuer ist nun mal leichter zerstörend einzusetzen als hilfreich. Und die meisten von uns wollen eben hilfreich sein. Auch wenn wir mit den Menschen nicht so viel zusammen sind. Sie fürchten uns ja auch.“ –
Nachdenklich grinse ich.
„Klingt eigentlich nicht schlecht. Zumindest für den Anfang, wenn es dann etwas mehr Metall sein wird. Aber schauen wir mal. Wochenlang nichts anderes machen als Eisen schmelzen… sehr viel Eisen und andere Metalle… das wird auch für Drachen schnell anstrengend und auch langweilig.“ –
„Aber wie soll das sonst gehen? Man braucht doch heißes Feuer dafür. Und wieviel brauchst Du überhaupt?“ –
„Naja… die Menge die drüben aus der Erde gegraben und zu Eisen und Stahl geschmolzen wird, das ist selbst auf die hier viel kleinere Anzahl an Menschen umgerechnet immer noch sehr viel. Drüben produzieren sie jedes Jahr 250 bis 300 kg Stahl pro Mensch.“ –
Tascha grinst kurz.
„Du meinst aber jetzt durchschnittlich. Ein Krieger braucht ja auch mehr Eisen als ein Händler oder Töpfer.“ – schnell wird sie wieder ernst.
„Aber 300 kg… jedes Jahr? Das graben sie alles aus der Erde? Wofür brauchen sie so viel?“ –
Shakti schaut mich auch zweifelnd an.
„Aber doch nicht alles für Waffen, oder? Die kann doch kein Mensch mehr tragen.“ –
„Ja, jedes Jahr, sogar jedes Jahr etwas mehr momentan. Und teilweise schmelzen sie Metall, das nicht mehr gebraucht wird, auch wieder ein. Aber das meiste graben sie noch immer aus der Erde. Und nein, natürlich nicht alles für Waffen, auch wenn viele Dinge, die für den Krieg gebaut werden, sehr viel schwerer sind als ein Schwert. So ein Kampfwagen aus Stahl kann schon 50.000-mal so schwer sein, wie ein gutes Schwert. – Aber sie bauen auch Gebäude aus, oder mit Stahl, und Fahrzeuge, Brücken, Schiffe. Und viele davon sehr, sehr groß.“ –
„Jetzt machst Du Dich aber über uns lustig… Schiffe aus Stahl. Eisen schwimmt doch nicht.“ Tascha schaut mich empört an und Shakti nickt vorsichtig… sie will mich wohl nicht verärgern. –
Ich grinse breit.
„Ja richtig. Ein Schwert geht im Wasser unter, weil es aus Eisen und viel schwerer ist als Wasser. Auch ein Kupferstück oder ein Lehmklumpen gehen unter. Aber eine Keramikschüssel oder ein Kupferkessel schwimmen.“ –
Shaktis Mine zeigt klar, dass sie beginnt zu begreifen.
„Ah… das geht mit Stahl auch? – Ich habe es noch nie gesehen, dass damit etwas anderes als Waffen, Rüstungen und Werkzeuge gemacht werden. Oh… aber zu voll dürfen die Schüsseln auch nicht sein.“ –
„Ja, das geht auch. Es ist nur schwieriger, weil es nur glühend zu Töpfen geschmiedet werden kann – oder mit sehr viel Kraft. Aber es muss nicht verzinnt werden, wenn man darin kochen will und es ist stabiler. Darum wurde es drüben gerne auch zu Töpfen und Pfannen verarbeitet. – Und ja, das ist der Trick dabei, damit es schwimmt.“ –
„Hmm… viel Kraft… das wäre doch was für euch Drachen…“
Tascha schaut Shakti überrascht an, ihr Ton passte eher zu Frotzeleien unter Kriegern als gegenüber ihrem Dienstherren.“
Ich grinse die entstehende Unsicherheit einfach weg.
„Vermutlich ginge das, aber selbst ich habe nicht vor, das den Menschen abzunehmen, die sollen sich selber anstrengen. Aber wenn unsere Küche ein paar große Kessel für Suppe braucht, kann man da ja mal drüber nachdenken.“ –
„Verzeih… ich wollte nicht unhöflich sein, ist mir so rausgeplatzt. Ich achte eigentlich immer darauf, Dienstherren und Anführer höflich zu behandeln. Nur so wird man als Krieger alt.“ Shakti ist deutlich erleichtert. –
„Für mich hier und jetzt kein Problem. Aber mach das lieber nicht bei den anderen. – Rohit erstmal davon ausgenommen, der muss da durch.
Aber ich möchte noch kurz da unten schauen, wie die Händler damit zurechtkommen.“ –
Ich habe das alles so umfangreich erklärt, weil ich möchte, dass sie die Gründe kennen, warum wir meiner alten Welt nicht alles einfach nach machen dürfen und einen anderen Weg finden müssen. Vielleicht helfen sie mir dann dabei, das zu verbreiten. –
4.
Nachdem Shakti den Umhang schnell im Wachraum deponiert hat, gleiten wir mit ausgestreckten Schwingen in Formation die Wiese runter bis zu dem Wachposten vor unserem Bereich. Dilip steht hier – recht entspannt – mit Lanze, Schild und Schwert aber nur mit der normalen Tunika meiner Garde bekleidet, seinen Posten. Er nickt uns zu, als wir kurz vor ihm landen.
„Alles ruhig N?tha. Nach einer kurzen Diskussion am Anfang haben die Menschen den neuen Standort akzeptiert. Wobei die Zusage, dass sie dort feste Stände errichten können, sehr geholfen hat.“
Sein Blick wandert immer wieder zu Tascha und vor allem zu Shakti, die er offensichtlich zum ersten Mal nur in ihren Schuppen sieht.
Er beantwortet mir einige Fragen zu den Menschen, ehe er bemerkt, dass wir drei ihn grinsend beobachten.
„Oh… Äh… verzeih N?tha… Tascha, Shakti… Aber ich habe Dich noch nie ohne Rüstung oder komplett gekleidet gesehen Shakti… und… und würde ich nicht den Geruch von N?tha an Dir bemerken…“ –
„So ist das also… kaum ist die alte Kriegerin nackt, wird sie als Frau interessant für euch Männchen…“ antwortet Shakti freundlich ironisch. Lächelnd schmiegt sie sich an Dilip, über dessen Schuppen das Äquivalent von einem Rotwerden läuft.
„Vielleicht erlaubt mein Partner mir ja das eine oder andere Abenteuer mit einem Draccier…“ flüstert sie ihm unüberhörbar ins Ohr. –
Dilip erstarrt geradezu, wobei ich mir nicht sicher bin, ob aus Furcht vor mir oder aus Erregung über den Gedanken mit ihr ins Nest zu steigen…
„Aber… Du und N?tha…“ –
Ich zucke betont unbeteiligt mit den Schultern.
„Wenn eine meiner Partnerinnen sich mit einem Draccier oder Menschen vergnügen will, habe ich kein Problem damit, solange es nicht heimlich geschieht. Ein Drache wäre mir nicht so lieb. Das gilt übrigens auch für Rohit, der soll sich seine eigene Partnerin suchen.“ –
Ohne weiter darauf einzugehen, gehe ich den Weg weiter Richtung neuem Handelsplatz. Tascha folgt mir grinsend, Shakti nutzt die Gelegenheit und leckt Dilip schnell noch übers Gesicht und den Nacken, ehe sie mit schnellen federnden Schritten zu uns aufholt.
„Verzeih Eldingar, ich wollte ihn eigentlich nur etwas reizen, aber er riecht wirklich gut. Besonders seine Unsicherheit und Erregung sind sehr erotisch.“ –
„Mach Dir keine Gedanken. Ich meine das Ernst, dass Du Dir gerne zwischendurch eine Nacht mit einem Draccier oder Menschen nehmen darfst. Ich muss mir die Zeit mit euch ja etwas einteilen, besonders, wenn Tascha wieder mit in den Ring steigt.“ –
„Nicht ein kleines bisschen Eifersucht?“ –
„Doch schon etwas. Aber ich kann ihm ja schlecht den Kopf abbeißen, nur weil Du Dir die gleichen Rechte nimmst, wie ich sie meinen anderen beiden Drachinnen gewähre. Aber solltest Du das gleiche wie eben mit Rohit oder einem anderen Drachen machen, willst Du den eifersüchtigen Blitzdrachen besser nicht erleben.“ –
Statt zu erschrecken, ernte ich von ihr einen sehr dankbaren Blick. Sie hat verstanden, dass ich sie darin auf die gleiche Stufe stelle, wie Tascha und Tyria. Zumindest fast die gleiche Stufe.
„die gleichen Rechte wie Deine anderen beiden…“ sie zuckt zusammen… „die anderen Drachinnen…? – die anderen…? Also… ich auch…?“ –
„Ja Du auch. Du bist meine Partnerin und ich freue mich schon auf die nächste gemeinsame Nacht. Und wer die Partnerin eines Drachen nicht wie eine Drachin behandelt, bekommt Probleme mit mir. – Natürlich wird Tyria immer meine geliebte Partnerin sein, meine Große, meine schwarze Wolke. Und Tascha ist die Drachin, in die ich mich als erste hier verliebt habe. Du gehörst aber jetzt dazu. Ich habe Dich als Partnerin gewinnen können. Du bist sehr attraktiv, Deine Narben zeigen Deine Erfahrung, Du kannst mir viel zeigen, mich viel lehren für mein Leben hier. Und ich war heute Nacht mit einer sehr liebevollen Partnerin zusammen, mit der ich gerne weiter zusammen sein möchte. – Ich zähle Dich also zu meinen Drachinnen.“ –
Shakti schaut verlegen auf ihre Zehen während sie neben uns her tappst. Tascha legt lächelnd den Arm um sie.
„Du wirst Dich schnell dran gewöhnen. Durch Deinen Ruf als Kriegerin bist Du hier ja auch nicht nur die Gespielin vom Drachen. Die Draccier werden Dich mehr als erfolgreiche Kriegerin sehen, die einen Drachen erobert hat.“ –
„Danke Tascha. Aber davor habe ich auch keine Angst. Wer mir dumm kommt, muss sich mit einer erfahrenen Kriegerin auseinandersetzen. – Ich kann nur noch nicht glauben, dass Eldingar mich auch öffentlich als seine Partnerin annimmt.“ –
„Na… so öffentlich ist das ja noch gar nicht.“ Meine ich grinsend.
„Aber keine Sorge, das werde ich auch allen Großen genauso sagen.“ –
„Du hast es gegenüber Lady NüShi sehr deutlich gemacht. Das ist mir gerade bewusst geworden, jetzt wo Du mir so klar gesagt hast, wie meine Position als Partnerin von Dir ist. Aber ich begreife auch, wie wenig ich mich dabei gegenüber den Drachen verteidigen und durchsetzen kann.“ –
Tascha schüttelt den Kopf.
„Kein Drache wird Dich angreifen. Und auch nicht wagen, dich zu ignorieren. Du hast immerhin zwei Drachinnen, die auf Deiner Seite sind und notfalls für Dich eintreten. Und der Große da ja sowieso.“ –
„Aber Du bist ja auch nur eine Drakari… verzeih, ich wollte nicht…“ –
„Ich bin als Drakari geschlüpft, aber meine Kinder mit Eldingar werden alle keine Mähne haben, Große Drachen sein und von ihnen als solche anerkannt werden. Und auch wenn ich ein Gewitter brauche, um mich aufzuladen, oder mir was von Eldingar schnorren muss – ich bin auch eine Blitzdrachin.“ –
Ich schaue sie fragend an.
„Von mir schnorren?“ –
„Ja. Oder meinst Du, ich kann keine Blitzenergie von Dir bekommen?“ –
„Ach das meinst Du. Keine Ahnung, müssten wir mal ausprobieren. Aber wäre hilfreich, wenn Du mal viel abgeben musst, ohne dass ein Gewitter in der Nähe ist.“ –
Shakti seufzt, grinst aber dabei.
„Schade, wäre doch hübsch, wenn ich auch ein paar Blitze schleudern könnte.“ –
„Ja, oder den Boden vor Dir zu Magma werden lassen.“ Antworte ich grinsend.
„Nur weiß ich nicht, ob das möglich wäre. Ich weiß nicht, wie nahe Draccier der Lebenskraft stehen. Wie weit ihr sie spüren, aufnehmen und durch euch leiten könnt.“ –
Sie schüttelt den Kopf.
„Draccier schlüpfen als Krieger. Krieger zerstören Leben, wir schützen es nicht. Erce würde nie erlauben, dass Draccier die Lebenskraft erfahren oder sogar für sich nutzen können.“ –
Ich bleibe stehen und halt sie an den Schultern fest.
„Nein, rede nicht so einen Unsinn. Ja, ihr seid Krieger, aber ihr schlüpft nicht als Krieger. Ihr seid nach der Kriegerzeit auch Handwerker, Bauern und Händler. Ihr habt in dieser Welt für euch das Leben als Krieger gewählt, weil ihr für die Menschen als Söldner wertvoll seid. Heute haben viele Menschenherrscher auch Draccier in ihren Söldnertruppen und es ist für sie normal geworden. Ihr seid stärker, weniger leicht zu verletzen und kämpft kompromissloser. Ihr wollt auch nicht sterben, aber der Tod ist für euch weniger erschreckend als für Menschen. Und weil ihr sehr viel länger lebt als Menschen, könnt ihr mit dem Sold, den ihr bekommen habt, euch noch ein friedliches Leben nach der Kriegerzeit aufbauen. Und einige hier sind, obwohl Krieger, doch auch als Handwerker ausgebildet und die anderen sind zumindest dazu begabt. – Sag also nicht, dass alles was ihr beherrscht nur der Krieg ist. –
Und selbst wenn es so wäre, würde Erce euch deswegen nicht ausschließen. Auch wir Drachen, obwohl wir ‚Bewahrer oder Hüter des Lebensstromes‘ genannt werden, töten ja durchaus. Und nicht nur totkranke.
Nein. Es liegt nicht an eurem Leben als Krieger, dass ihr keinen, oder genau genommen nur einen geringen Zugang zur Lebenskraft habt. Ihr seid da nicht anders als die meisten Menschen. Egal ob Krieger oder Heiler. Wobei Heiler meistens schon als Kind einen besseren Zugang haben, darum werden sie ja oft Schamanen oder Heiler. Bei Shankar spüre ich das zum Beispiel.“ –
Shakti seufzt wieder.
„Es wäre schön, wenn wir nicht ausgeschlossen sind. Vor allem als Deine Partnerin und Amme für Deine Nestlinge, wäre der Lebensstrom als Ziel meines Lebens doch passend.“ –
„Und wenn ich Dich persönlich bei Erce abgeben muss. Du wirst uns irgendwann im Lebensstrom schon noch ärgern können.“ –
„Oh, dann habe ich ja noch lange Zeit.“ Kichert sie. –
„Aber wer erzählt euch eigentlich, dass ihr nicht zu Erce finden werdet? Und wohin dann? – Eure Schamanen?“ –
„Nein, die sprechen zwar mit Geistern, aber mehrere haben mir gesagt, dass es eigentlich nur Erscheinungen des Lebensstromes sind. Unsere Schamanen glauben also im Grunde auch an Erce. Es sind wohl mehr die Menschen, die versuchen uns von ihrem Glauben zu überzeugen. Deren Priester sind ja immer darauf aus, neue Opfer zu finden, die sie ausnehmen können.“ –
„Du hast keine besonders gute Meinung von den Menschenpriestern?“ –
„Einige sind recht freundlich uns gegenüber. Aber die von anderen Göttern hassen uns, weil wir uns nicht von ihnen zu ihrem Glauben zwingen lassen wollen. – Die halten ihre Gläubigen meistens dumm und rauben sie regelrecht aus. Und die reden meistens davon, dass wir sowieso verdammt sind, weil wir töten und dass wir nach dem Tod entweder grausame Qualen erleiden oder einfach im Nichts verschwinden würden. Und anderen ähnlichen Unsinn.“ –
„Und woran glaubst Du?“ –
„Naja… unsere Schamanen haben in mir die Hoffnung geweckt, dass ich trotz meines langen Kriegerlebens noch mit meiner Seele den Lebensstrom stärken darf. – Aber glauben… - Du lässt mich jetzt glauben, dass mein Leben nicht einfach sinnlos vergehen wird.“ –
Ich ziehe sie an mich.
„Du wirst mich die nächsten Tage zum Energieknoten begleiten. Ich kann nichts versprechen, aber vielleicht wirst Du dort mit mir Erce und die Lebenskraft direkt spüren können. – Das wird zwar nichts daran ändern, dass Du auf jeden Fall in den Lebensstrom eingehen wirst, denn das ist das Schicksal von allem das in dieser Welt lebt. Aber Du sollst wissen und nicht glauben müssen.“
Ich lasse sie wieder los.
„So. Und nun zu den Händlern und schauen, was die so vorhaben. Und NüShi wird wohl auch bald aufbrechen wollen.“ –
Shakti trottet mit einem etwas verwirrten Blick hinter mir her, Tascha bleibt an ihrer Seite, sie hat das ja auch schon hinter sich.
Ein paar Schritte weiter geht es durch eine Engstelle mit Felsen zu beiden Seiten, die von Jaya als Grenze bestimmt worden ist. Dahinter geht der Weg über eine breite, ebene Wiese auf der mehr als genug Platz für die Händler ist. Bisher haben die zwar immer viel Trubel verbreitet, vor allem mit ihren Trag- und Zugtieren und den für unsere Versorgung bestellten Schlachttieren – denn auch die Draccier bevorzugen meistens sehr frisches Fleisch. Aber die Anzahl der Händler war bisher noch auf wenige mutige aus der Umgebung beschränkt. Aber mehr als Drei oder Vier waren am Tag nie bei uns und so viele auch nur, weil sie jeweils andere Güter brachten.
Hier unten werden es mit der Zeit sicher mehr werden, insbesondere wenn sie sich hier kleine Kontore errichten und Waren, die wir seltener brauchen, so zwischenlagern können. Auch hier in dieser Welt ist der Transport der Waren durchaus eine Kostenfrage. Ich erhoffe mir dadurch auch Einsparungen für uns. Wenn ich so darüber nachdenke, hat Jaya sicher recht damit, die Händler und Handwerker hier oder in der Nähe siedeln zu lassen.
Denn so wird es für uns auch leichter, unsere Produkte zu verkaufen, wenn die Aufkäufer hier ein festes Lager haben und mehrere Tage vor Ort bleiben können. – Gut, noch haben wir nicht viel anzubieten, aber wenn die Minen fördern und Güter, die wir für uns herstellen bei den Menschen Interesse finden, hoffe ich für mich einen Gewinn zu erzielen. Das Glas, das wir für die Unterkünfte herstellen wollen, könnte so ein Produkt sein, das sich verkaufen lässt, denn in den Orten wo ich bisher war, habe ich kaum Glasfenster gesehen.
Etwas überrascht sehe ich, dass schon zwei Zelte aufgebaut werden.
„Einige Händler reisen oft über Strecken von mehreren Sonnenläufen. Und meistens auch auf dem direkten Weg zu den Städten, da sind nicht immer Siedlungen, wo sie übernachten können. So sind sie aber immer vorbereitet, einen gewissen Schutz für sich und empfindliche Waren zu haben. Gerade jetzt in der Monsunzeit.“ Erfahre ich von Shakti, die offensichtlich ein wenig stolz ist, mir das erklären zu können. –
Wir gehen gerade an einem der noch nicht komplett aufgebauten Zelte vorbei, die mich ein wenig an die weitläufigen, geduckten und luftigen Beduinenzelte erinnern, nur dass der Stoff auch wasserdicht zu sein scheint. Unvermutet stehen wir vor zwei noch recht jungen Menschenkindern, Mädchen und Junge, die um einen Lastkarren gelaufen kommen und etwas erschreckt vor uns stehen bleiben.
Nach einem kurzen Schreckmoment fasst das Mädchen als erstes wieder Mut.
„Warum habt ihr nichts an? Seid ihr die Drachen?“ –
Ich bemühe mich möglichst so zu grinsen, dass ich sie nicht erschrecke.
„Ja. Wir sind die Drachen. Wir brauchen keine Kleidung, um uns warm zu halten oder vor dem Regen zu schützen.“ –
„Bist Du ein Junge? Und die anderen Mädchen?“ –
„Ja, das ist richtig.“ –
„Dann bist Du der Drache, der hier wohnt? Papa sagt, der blaue Drache, der hier wohnt, passt auf uns alle auf.“ –
Ich muss etwas breiter grinsen, aber anscheinend hat sie keine große Angst.
„Ja, der Drache bin ich. Und die beiden Drachinnen wohnen auch hier bei mir. Wir alle passen auf die auf, die unsere Freunde sein wollen. Seid ihr mit eurem Papa hier?“ ein wenig wundere ich mich, dass einer der Händler seine Kinder mitgenommen hat. –
„Ja, Papa und Mama. Die sind da drüben und machen das Zelt für uns fertig.“ –
Vom Zelt her kommt ein recht gut gekleideter Mann mit hektisch erschrecktem Gesichtsausdruck schnell, aber doch auch vorsichtig näher. Schließlich fällt er auf seine Knie und verneigt sich vor uns.
„Verzeiht Isha Rajesh. Ich hoffe die Kinder haben Euch nicht belästigt.“ –
„Es sind Kinder. Wie alle Nestlinge noch neugierig und furchtlos. Nein, sie haben uns nicht belästigt.“ –
Er atmet sichtlich auf.
„Verzeiht… aber sie waren so neugierig Drachen zu sehen, dass ich schließlich nachgegeben habe.“ –
„Beruhige Dich. Wir sind ja kein Geheimnis. Aber das erklärt, warum sie hier sind. – Und steh bitte wieder auf.“ –
„Oh, wir sind oft gemeinsam auf Handelsreisen. Das ist eigentlich nichts besonderes bei uns reisenden Händlern, dass unsere Familie mit uns unterwegs ist. Danke Isha Rajesh.“ Er steht jetzt vor uns, hält seinen Blick aber meistens gesenkt. –
„Gibt es keine Gefahren? Die Reisen sind offensichtlich oft sehr lang, wenn ihr solche Zelte mitführt.“ Eine gute Gelegenheit für mich, die Menschen hier, die mich besuchen, besser kennenzulernen. –
„Kaum. Wilde Tiere trauen sich nicht heran, wenn wir ein Feuer haben. Und Menschen brauchen uns Händler, also lassen sie uns in Ruhe. Selbst wenn wir durch Gebiete reisen, wo die Menschen mit unseren Völkern in Feindschaft leben.“
Interessant. Sie fühlen sich also nicht als vollständig eigenes reisendes Volk und haben noch ihre Wurzeln. Und interessant, dass sie trotzdem als neutral behandelt werden und sich wohl auch so verhalten.
„Und ja, meine Handelsreisen gehen oft bis zu 20 Tagesreisen weit nach Süden und Westen. Und einmal im Sommer auch noch über 30 Tagesreisen nach Norden. So kann ich andere Händler treffen, die dann von noch weiter aus allen Himmelsrichtungen zu den Handelsplätzen anreisen. So kann ich vieles auch von ferneren Völkern hier handeln. – Andere reisen nicht so weite Strecken, sind aber oft zeitlich länger bei einigen Handelsplätzen als ich es dann bin. Ich habe da dann ein paar Partner, mit denen… - oh verzeiht Isha Rajesh… das interessiert Euch alles sicher nicht…“ –
„Dann hätte ich nicht gefragt…“ ich merke wie er bei meiner etwas harsch geratenen Antwort leicht zusammenzuckt.
„Doch es interessiert mich. Es hilft mir die Völker hier ein wenig kennenzulernen. Und auch wenn ihr es nicht glaubt, mich interessiert durchaus auch was die Menschen so machen. Erce hat eine Aufgabe hier für mich, die weiter geht, als nur dieses Revier zu überwachen. Und da könnte es sein, dass auch die Menschen eine Aufgabe zu erfüllen haben.“ –
„Ihr wurdet hierher gesandt… - Verzeiht Isha Rajesh, es steht mir nicht zu Euch auszufragen.“ –
Ich grinse etwas schief, weil ich ihn nicht mit meinen Fangzähnen erschrecken will.
„Nun, ich habe sicher nicht immer die Zeit und Lust, um Fragen zu beantworten, aber ich werde keinem das Herz herausreißen, weil er mich etwas fragt. Ob ich die Fragen beantworte, steht auf einem anderen Blatt. – Allerdings hat jeder in meinem Revier das Recht, ein Anliegen, ein Problem oder eine Anregung an mich zu richten. Ich kann nicht alles sehen und wissen. Wenn es wichtig und sinnvoll ist, werden wir uns darum kümmern. Entweder die von uns beauftragten Drakarin und Draccier oder auch meine Partnerinnen und ich selber. – Also bitte keine Hemmungen, wenn einmal etwas sein sollte. – Ich sage Dir das, weil Du als Händler herumkommst und den Menschen darüber berichten kannst.“ –
Er nickt.
„Ich verstehe, ja das werde ich machen, wenn ich eine Notwendigkeit dazu sehe. Und ich werde auf meinen Reisen alle darüber informieren.“ –
„Gut. Und zu Deiner Frage: ja, ich wurde in eine andere Welt gesandt, um zu lernen, was ich zur Erfüllung meiner Aufgabe hier in meiner Heimat brauche und jetzt zurückgeholt. – Aber in dieses Revier wurde ich durch den Entschluss der Drachen gesandt. Da es für Erce nicht wichtig ist, wo sie mich findet, bin ich also der Große Drache hier vom Gebirgsbogen bis zu den Inseln weit im Süden, wo das Land und mein Revier im Meer ein Ende findet.“ –
Er seufzt leise.
„Ich beneide Euch Isha Rajesh. Ihr könnt in Stunden an Orte gelangen, die für mich viele Monde Reise bedeuten und leider unerreichbar sind.“ –
„Unerreichbare Orte für einen Fernhändler?“ –
„Interessante Bezeichnung für das, was ich mache… darf ich das benutzen, wenn ich mich irgendwo vorstelle? –
Und ja. Mit meiner Familie sind Ziele, die über einen Mond entfernt liegen, leider zu weit weg, für eine Familie ist eine sichere Heimat einfach zu wichtig. Es gibt nicht viele Händler, die unabhängig sind und weitere Strecken als ich reisen.“ –
Ich nicke zu seiner Frage.
„Ja, kannst Du gerne als Bezeichnung nutzen. Wo lebt Deine Familie? Wenn Du weit in den Norden reist, wohl hier in der Nähe?“ –
„Relativ nahe, ja. Wir leben in Bhagalpur. Aber ich habe Nachricht bekommen, dass ein Drache sich für die Stadt – wie soll ich sagen… interessiert hat… sollte ich mir eine andere Stadt als Heimat suchen, Isha Rajesh?“ er zwinkert grinsend.
„Wir leben dort, weil wir aus der Umgebung stammen, aber wir sind deswegen nicht Anhänger des jetzigen Herrschers.“ –
„Die Stadt und ihre Bewohner haben grundsätzlich nichts zu befürchten. Wenn der Herrscher dort aber weiterhin ins Drachenland auf diese Seite des Ganga Krieger schickt und Siedler überfällt und tötet, wird er es bedauern.“ –
„Ja, davon habe ich auch gehört. Nun, er wird mich nicht fragen, leider kann ich ihm diese Warnung nicht mitteilen. Jedenfalls nicht ohne Gefahr für mich und meine Familie. Sie sind also auch in Bh?galpur sicher?“ –
„Vor uns direkt ja. Wer keine Waffe gegen uns richtet, wird nichts zu befürchten haben. Ob sie vor dem Herrscher dort sicher sind, kann ich aber nicht sagen. Solltest Du Bedenken haben, kannst Du Dich mit Deiner Familie jederzeit hier in der Nähe ansiedeln.“ –
„Hier oben?“ –
„Tut mir leid, aber es soll ein Handelsplatz bleiben. Gelegentliche Übernachtungen aber keine feste Siedlung. Aber es werden sicher bald Draccierfamilien in der Nähe siedeln, da wir ihre Handwerkskünste brauchen. Dort wärt ihr sicher, welcher Menschenfürst würde es wagen eine Siedlung von ehemaligen Draccierkriegern in unmittelbarer Nähe zu einer Drachenburg anzugreifen…?“ –
Er grinst – wenn auch nicht ganz so breit und hämisch wie Shakti, die sich das wohl gerade vorstellt, was dann passiert.
„Ja, das wäre dann wohl sicher für uns. Wenn die Draccier uns akzeptieren.“ –
„Warum sollten sie einen Händler, der gute Kontakte zu den Menschen hat, nicht akzeptieren? Sie profitieren dann ja von Deiner Tätigkeit auch direkt.“ –
„Naja… aber Drachenkrieger und Menschen…?“ –
Shakti grunzt etwas ungläubig.
„Ach was, w…“ sie zögert, weil ich kurz den Kopf schüttele begreift dann aber schnell, was ich meine.
„… warum sollten sie Euch nicht bei sich siedeln lassen. W… - Ihr Menschen solltet eure Abneigung gegen die Draccier nicht auf sie übertragen. Sie verachten zwar die Menschen, von denen sie als Krieger angeworben und gebraucht, aber gleichzeitig abgelehnt und schlecht behandelt werden, aber nicht pauschal alle Menschen. Sie haben auch Freundschaften zu Menschen. Oft zu ehemaligen Kriegern. Gehe so mit den Dracciern um, wie Du auch mit Menschen umgehen würdest und Du gewinnst viele Freunde unter ihnen. Und wenn sie Ihre Waren mit Deiner Hilfe verkaufen können, haben sie mehr als einen Grund, Dir zu helfen, wenn es notwendig ist. Auch ohne einen Drachen hier auf dem Berg.“ –
„HEY… Was machst Du…“
Alle schauen verwundert Tascha an, die schon ein paar Minuten abgelenkt zu sein schien und jetzt einen kurzen Blitz auf einen mir unbekannten Menschen entlädt. Der kippt zuckend um, versucht zwar sich wieder aufzurichten, was ihm aber noch nicht gelingt, noch sind seine Muskeln verkrampft durch die Energie, die noch durch seine Nerven strömt.
„Verzeiht mir die Störung… ich kenne den Menschen nicht, aber ich bin mir durch sein Verhalten sicher, dass das Kästchen da neben ihm, nicht ihm gehört…“ –
Der Händler ist sichtlich verwirrt und blickt Tascha an, deren Blitzmarken langsam wieder verblassen.
„D… das ist m… meine Geldreserve… Einiges an Gold und Edelsteinen. Was ich so auf Reisen brauchen könnte. Woher… wie habt Ihr das bemerkt Ishwari Rajeshri?“ –
„Er war so übervorsichtig und blickte sich verdächtig oft um, ob ihn jemand bemerkt. Nur hat er das Blickfeld von uns Drachen nicht bedacht. Außerdem habe ich einige Erfahrungen mit Dieben gemacht, wo er gut reinpasste.“ –
„Er ist einer meiner Helfer, aber erst vor ein paar Tagen zu uns gekommen… wer hätte das gedacht, dass er so ein diebisches Stück ist…“ er winkt einigen anderen Menschen, die sofort herankommen, den Dieb packen und den immer noch hilflos zuckenden recht unsanft zum Zelt transportieren.
„Verzeiht Isha Rajesh. Ich bin euch dankbar, dass Ishwari Rajeshri mein Eigentum geschützt hat, aber dennoch gehört der Dieb zu uns Menschen und hat uns berauben wollen…“ –
„Er untersteht eurem Recht, wenn Du das meinst. Macht mit ihm, was bei euch Recht ist. Ich habe zudem noch keine Möglichkeiten, um Verbrechen zu bestrafen – außer ihn zu töten, was mir in diesem Fall nicht angemessen scheint.“ –
„Oh… ja, das wäre zu hart. Es geht nur um zwar wertvolles, aber ersetzbares Eigentum und gefährdet nicht direkt meine Existenz. Wir Händler haben da unsere Strafen für sowas. Und mit gesunden Gliedern ist er da auch nützlicher als mit einer abgehackten Hand, was in den Städten teilweise gemacht wird bei Diebstahl. Er wird seine Tat abarbeiten, vielleicht auch als Sklave verkauft. – Oh… ich möchte das nicht, aber darüber wird der Rat entscheiden. Ist aber eher unwahrscheinlich, da ja Dank Ishwari Rajeshri kein wirklicher Schaden entstanden ist außer dem verlorenem Vertrauen.“
Er hat meinen grimmigen Blick sofort richtig interpretiert, als er vom versklaven sprach.
„Was würdet Ihr mit ihm machen, wenn Ihr die Möglichkeiten habt, Isha Rajesh?“ –
„Ich plane Straflager einzurichten, in dem vorrangig schwere Verbrechen mit harter Arbeit bestraft werden wird.“ –
„Zu Tode arbeiten?“ –
„Nein. Jedenfalls nicht direkt. Je nach Strafmaß werden sie auch wieder herauskommen. Sie sollen zwar arbeiten, aber so lange wie möglich. Sie erhalten ausreichend Nahrung und werden gesundgepflegt bei Krankheiten und Verletzungen. Auch die Art und Schwere der Arbeit wird vom Verbrechen abhängen. Sie sind mir im Bergwerk oder als Metallschmelzer und Schmiede was auch immer, nützlicher – als Tote können sie nicht für mich arbeiten.“ –
Er blickt zum Zelt, wo ein Mensch, offensichtlich ein anderer Händler, zu uns herüberschaut.
„Ich verstehe, zwar härter, aber doch ähnlich wie wir. Verbrecher sollen zur Strafe arbeiten, um es zu sühnen. – Verzeiht Isha Rajesh, man wartet auf mich als Geschädigten, damit die Strafe festgelegt werden kann.“ –
„Natürlich, ich werde auch erwartet und muss wieder zurück. Ich danke für Deine Informationen.“ –
„Oh, ich habe zu danken für Eure Freundlichkeit und Hilfe. Auf gutes und erfolgreiches Handeln.“ –
Er verneigt sich tief, schaut nach seinen Kindern, denen es schon lange langweilig geworden ist und die sich mit anderen Dingen beschäftigen und geht dann zum Zelt, wo der andere Händler sich beeilt sich in unsere Richtung zu verneigen.
Shakti stuppst mich leicht an.
„Warum sollte ich nicht sagen, dass ich eine Dracci bin? Auch wenn es sich sehr gut anfühlt, als Drachin angesehen zu werden, ich bin es aber ja nicht.“ –
„Weil es sich gut anfühlt für Dich. Hauptsächlich. Und weil Du auch meine Partnerin bist.“ –
Sie grinst spitzbübisch.
„Nicht, weil sie nicht wissen sollen, dass Du mit einer Dracci im selben Nest liegst…?“ –
Ich lege meinen Kopf schief.
„Gut, lass uns ins Zelt gehen und jedem sagen, dass ich mit Dracci schlafe…“
Nach zwei Schritten in die Richtung hält sie mich schon fest. –
„Nein, bitte nicht. Es fühlt sich wirklich gut an, so ehrerbietig behandelt zu werden… und nicht als dreckige Draccier Schlampe beschimpft zu werden, was auch schon passiert ist. Aber gut, das war während einer groben Rauferei, das zähle ich eigentlich nicht. Meistens ist das eine überhebliche Verachtung, die wir erfahren, besonders wenn die Menschen uns als Weibchen erkennen, das verstehen sie irgendwie nicht.“ –
Tascha nickt dazu, sie hat das anscheinend auch schon so erlebt, weil sie sich ja den Dracciern angepasst und nicht gezeigt hatte, dass sie als Drakari eigentlich eine Drachin ist.
„Ja. Das waren zwar nicht alle Menschen, insbesondere die Krieger waren meistens friedlich und froh, dass wir die heißen Einsätze angenommen haben, aber die Anführer, fast alle und leider auch viele Zivilisten, verachteten uns. Und da ich leider meine Kraft noch nicht gefunden hatte, konnte ich ja auch nicht wirklich als Drachin mal Ordnung schaffen… Aber einmal haben die Menschen sich wirklich erschreckt, als da plötzlich eine Drachin stand und mal laut wurde.“ Sie kichert. –
Shakti kichert mit.
„Ich war zwar leider nicht dabei, aber die Erzählungen darüber waren interessant. Wir hätten gerne öfter einen Drachen gehabt, der die Menschen mal auf den Boden geholt hätte. – Allerdings war nach dem Vorfall viel Unruhe unter den Menschenkriegern. Wir wurden immer wieder überprüft, dass da nicht noch irgendwo ein Drache war. Oder die Tests bei den Rekrutierungen… Ich wollte damals zu den Kriegern wechseln, wo Du warst… Ich wurde abgelehnt, weil sie in mir auch eine Drachin vermuteten, weil ich ja schon älter war. Ich habe aber schnell eine andere und vermutlich sogar bessere Truppe gefunden, in der wir auch besser behandelt wurden.“ –
„Drakarin werden nicht angeworben?“ Das interessiert mich noch.
„Da unten bei der drohenden Überschwemmung neulich waren ja viele Drakarin da, die geholfen haben.“ –
„Es gibt viele, die den Menschen helfen. Aber da geht es meistens um Notfälle oder um etwas Hilfreiches zu bauen. Die Drakarin sind ja stark und haben auch oft mehr Wissen als die meisten Menschen und können so zielgerichtet eingreifen. Ihr Großen kümmert euch ja nicht darum.“ -Shakti schaut mich unsicher und entschuldigend an, als sie den letzten Satz sagt. –
„Ja das ist wohl so. Wir Großen sollen darauf achten, dass die Menschen nicht die nachteiligen Auswirkungen auf die Lebenskraft erlangen, wie in der Welt drüben. Also halten wir die Menschen klein. Und wenn wir sie dezimieren und ihre Siedlungen zerstören, um ihre Zahl nicht übermäßig wachsen zu lassen, warum sollten wir ihnen dann helfen, wenn die Natur das für uns übernimmt.“ –
Tascha schaut mich fragend an.
„Ist das Deine wirkliche Meinung dazu?“ –
„Ja. Warum sollte ich heute Menschen vor einem Sturm retten, wenn ich morgen ihre Siedlung vernichte und die Menschen dort töte, weil es zu viele sind oder sie gegen eine Regel verstoßen haben.“ –
„Aber Du hast doch einer Siedlung unten in den Ebenen geholfen?“ –
„Richtig. Momentan gibt es keinen Grund für mich, Menschen aus meinem Reich zu dezimieren. Dann bin ich auch bereit ihnen zu helfen. Außerdem war ich da auch noch mehr der Mensch.“ –
Tascha schüttelt leicht den Kopf.
„Du machst mir Angst, Eldingar…“ –
„Weil ich inzwischen mehr wie ein Drache denke?“ –
„Weil Du so kaltherzig über das Töten von Menschen sprichst. Was ist gestern mit dir nur passiert…?“ –
„Gestern ist mir nur bewusst geworden, dass ich mehr wie ein Drache denken muss, wenn ich dieses Revier kontrollieren und für meine Aufgabe, wegen der ich wieder hier bin, bereit sein soll.“ –
„Und die Menschen hier? Was soll mit denen passieren? Du hast sie so freundlich behandelt, aber Dich nicht um den Dieb gekümmert, den ich vielleicht umgebracht habe.“ –
„Hey… Die Menschen, die hierher zum Handeln kommen, haben von mir nichts zu befürchten. Sie sollen bei der Reise hierher oder von hier auch nicht durch irgendein Naturereignis zu Schaden kommen. Ich werde aufpassen, dass sie hier und auf dem Weg durchs Gebirge sicher sind. Und die Menschen in meinem Revier sollen ja auch nicht ausgerottet werden, wenn es droht, dass sie deutlich weniger werden als jetzt, werde ich ihnen auch helfen. Und ich hoffe, es wird auch bald keinen Grund mehr geben, dass ich zulasse, dass viele von ihnen umkommen. – Der Dieb lebt noch, das habe ich deutlich gespürt und auch gesehen. Du hast ihn zwar kräftig unter Strom gesetzt, aber doch so, dass er sich nur für etwas längere Zeit nicht bewegen konnte. Unangenehm, aber ungefährlich. Mach Dir wegen ihm keine Sorgen.“ -
Tascha atmet auf.
„Gut… ich konnte da nichts spüren… - Aber wie meinst Du das, dass es keinen Grund mehr geben wird?“ –
„Ist sicher nur die Anspannung, beim nächsten Mal bist Du sicher ruhiger dabei. – Du meinst den Grund, keine Menschen sterben zu lassen? Nun, drüben haben Stämme, die mehr Wissen erlangt haben und dadurch auch Krankheiten besser heilen können, auf natürliche Art und ohne Zwang ihre Vermehrung angepasst. Das hat aber noch mehr Gründe. Leider ist das immer noch ein kleinerer Teil der Menschen dort. Die meisten anderen Stämme haben ein weniger gutes, sattes und gesundes Leben und die halten viele Kinder immer noch für notwendig als Altersversorgung – auch wenn da schon lange nicht mehr so viele früh sterben. Für mich heißt das, dass wir hier allen Menschen immer das gleiche Wissen bringen müssen, dass alle Menschen hier immer auf dem gleichen Stand der Maschinen sind und sie ihr Wissen unter allen austauschen, dann sind sie irgendwann soweit, ihre Nachwuchsrate selber zu kontrollieren, wie die Draccier.“ –
Shakti zuckt die Schultern.
„Also so ganz freiwillig kontrollieren wir unsere Zahl ja auch nicht. Das liegt an unserem Kriegerleben, wir sind dann ja schon etwas älter – also auch die anderen nicht nur ich…“ sie grinst breit
„…und deswegen – und nach den gemachten Erfahrungen – wollen die meisten nicht mehr so viele Nestlinge, ein oder zwei reichen uns da schon. Und mit euch Großen hat das auch noch zu tun. Unsere Ältesten haben erkannt, dass ihr die Menschen stark kontrolliert. Ihre Anzahl und ihre Handwerker reguliert. Und wir haben gesehen, wie Siedlungen aussehen, die von Drachen vernichtet wurden. So haben wir uns entschlossen, euch keinen Grund zu geben uns auch so zu kontrollieren. Es ist besser, gar nicht erst Nestlinge zu haben, als sie und ihre Mütter im Drachenfeuer sterben sehen zu müssen. – Verzeih… ich sollte nicht so vorlaut sein, Dir gegenüber.“ –
„Du hast solche Aktionen selber gesehen? Ich dachte, es war – zumindest hier – lange nicht notwendig, weil durch die Stämme und ihre Kriege immer genug starben. Jedenfalls steht das so in den Schriften in meiner Bibliothek.“ –
Shakti hebt ihre Hände beschwichtigend.
„Oh verzeih… ich habe zwar einmal eine Festung gesehen, die von Lady Tyria schon vor langer Zeit dem Boden gleich gemacht wurde. Aber das sind alles uralte Erfahrungen, die unseren Regeln zugrunde liegen.“ –
„Du warst auch mal in Tyrias Revier?“ –
„Ja. Damals war ich noch eine ganz junge Kriegerin. Der Anblick von geschmolzenen Mauern einer einstmals starken Festung war sehr einschüchternd. Da versteht man viele der Regeln, über die unsere Ältesten wachen. Allerdings sagen die Erzählungen, dass in der Festung ein Kriegsherr mit seinen Kriegern war, der sich ein eigenes Herrschaftsgebiet erobern wollte, und der alle Siedlungen in der Umgebung unterdrückte und ausraubte. Also waren keine Familien dort. – Aber alleine der Gedanke, es wäre eine Siedlung gewesen…“ –
„Gerechte Strafe also? – Sie hatte mir schon gesagt, dass sie schon öfter Menschen bestraft und getötet hatte.“
Ich überhöre bewusst die Anspielungen, für die ich als Drache sie eigentlich zurechtweisen müsste… mindestens – aber sie betrachtet mich als ihren Partner und vertraut mir, so wie ich ihr vertraue, das mache ich nicht wegen so einer Kleinigkeit kaputt, auch als Drache nicht. –
Shakti nickt.
„So wird es erzählt in den Stämmen dort. Und die haben wenig Grund, sie zu verteidigen. – Verzeih N?tha, aber Ishwari Rajeshri hat keinen guten Ruf unter Dracciern und Menschen in ihrem Revier. Auch wenn es realistisch gesehen wohl mehr aus uralten Zeiten überliefert ist und wenig halbwegs Aktuelles und da sind auch immer die Gründe verständlich – auch wenn sie immer als harte Richterin bezeichnet wird in ihren Handlungen.“ –
Sie schaut mich aufmerksam und mit einem Blick an, der doch etwas Unsicherheit vor meiner Reaktion ausdrückt. Ich nicke nur nachdenklich.
„Sie weiß von ihrem schlechten Ruf und sie hat es mir auch gesagt. Auch dass es begründet ist, obwohl das uns Große ja eher nicht interessiert, wie die anderen Völker über uns denken, denn Furcht hilft uns ja, sie zu kontrollieren. Aber sie sagte mir auch, dass sie seit einiger Zeit darüber nachdenkt, ob es nicht besser wäre, mehr auf Kooperation zu setzen und weniger auf Furcht.“ -H
„Wenn ich ehrlich bin… wir Draccier hier zweifeln ein wenig, ob Ishwari Rajeshri wirklich dieselbe Lady Tyria ist, die in ihrem Revier heimlich auch Lady Tyrannia genannt wird. – Verzeih N?tha… ich…“ –
Ich winke gelassen ab.
„Keine Sorge. Ich beiße dich schon nicht. Nicht deswegen jedenfalls. – Es bestätigt nur, was sie mir selber schon über sich gesagt hat. Sie möchte ihren Ruf ändern und so die Zusammenarbeit mit den Völkern möglich machen. – Nur wird sie sicher immer die strengere von uns sein und wir werden alle trotzdem darauf achten, dass die Menschen sich nicht unbegrenzt vermehren und irgendetwas machen, wodurch der Lebensstrom gefährdet oder geschwächt wird. Auch kein anderes Volk in dieser Welt. Und wenn das nicht kooperativ geht, dann eben auf die harte Tour.“ –
„Du meinst damit… vernichten?“ –
„Ja.“ –
„Das ist deutlich.“ –
„Ja.“ –
Shakti seufzt leise.
„Verzeih N?tha.“ –
„Warum?“ –
„Ich wollte Dich nicht verärgern.“ –
„Quatsch.“
Sie schaut mich erschreckt - oder überrascht an.
„Ich bin nicht verärgert, das meine ich.“ –
„Aber Du bist plötzlich so wortkarg, nicht wie sonst.“ –
„Ja, aber das Thema braucht auch keine Erklärungen.“ –
„Stimmt schon…“ –
Tascha stuppst mich grinsend an, um die Situation etwas zu entspannen.
„Du oller Drache, Du…“ –
„Ja.“ Ich grinse auch. –
„Wir werden übrigens verfolgt… und beobachtet.“ –
„Du meinst das Pferd.“ –
„Richtig. Ich hab noch nie so ein riesiges Pferd gesehen…“ –
Bemerkt hatte ich auch schon, dass ein Pferd seit dem Händlerstand hinter uns hergetrottet ist. Sehr groß und klar ein Kaltblut, mich erinnert es an ein Shire Horse, allerdings sogar dafür noch groß und mit etwas ungewöhnlichen Farben in der Mähne und mit einem roten Muster im Rückenfell. Jedenfalls habe ich bisher noch kein Pferd mit blauer Mähne und violetten Strähnen gesehen. Aber ich weiß auch nicht, was hier so Mode ist bei den Händlern – Marktleute fallen oft ja gerne etwas auf.
Das Pferd macht zwar den Anschein, nur so mit in unsere Richtung zu trotten und wirkt auch sehr gelassen, aber das Spiel der Ohren und der sehr aufmerksame Blick lässt mich vermuten, dass es uns interessiert beobachtet.
5.
Ich werde von Stimmen, die oben vom Höhleneingang her zu hören sind, abgelenkt.
„Lady Nü Shi scheint aufbrechen zu wollen. Ich sollte mich wohl ordnungsgemäß verabschieden. Kommt ihr mit auf dem direkten Weg?“ –
Shakti schaut zweifelnd auf die Felsklippen.
„Willst Du da hochklettern?“ –
Tascha kichert laut.
„Das wäre für ihn zwar kein Problem, aber er wird sicher mit ein paar Schwingenschlägen hochfliegen wollen.“ –
„Aber das ist ja nicht der direkte Weg…“ erwidert Shakti augenzwinkernd. –
Ich schaue die Klippe hoch.
„Wetten, dass doch?“
Mir ist schon klar, was sie meint. Normal ist der Start in weg vom Berg, um über dem Tal in einem Bogen Höhe zu gewinnen und dann Kurs auf den Höhleneingang zu nehmen. – Aber ich weiß, dass ich wie fast alle Großen, genug Kraft habe auch ohne Einsatz meiner Kräfte direkt senkrecht aufzusteigen, auch hier aus dem Stand.
Shakti seufzt und ich spüre ihre leichte Enttäuschung, dass sie nicht mit mir zusammen nach oben fliegen kann, wenn ich mich hier senkrecht hochwuchte.
„Gut, klettern ist sicher nicht so vornehm, wie Tyria es gerne hätte von mir. Sie würde den Anflug über das Tal sicher vorziehen. Ich denke, es wird von mir erwartet, dass ich NüShi als Feral verabschiede und von Tascha sicher auch, ich werde mich im Flug wandeln – wenn ich gelandet bin, möchte ich Dich dann aber auf meiner Schulter haben Shakti, nicht irgendwo da unten bei meinen Händen. Und ich möchte, dass Du selbst auf meine Schulter fliegst und ich Dich nicht hochhebe – die Großen sehen die Symbolik dahinter anders als Menschen.“ –
„Wenn Du sagst, dass es richtig ist…“ –
„Ja ist es. Du sagst, ich bin Dein Partner. Ich habe es akzeptiert, vor allem haben Tascha und Tyria das akzeptiert also kannst Du Dich auch so verhalten. Zeige ruhig Selbstbewusstsein als meine Partnerin.“ –
Shakti nickt ernst.
„Sagt mir aber, wenn ich etwas Unangemessenes mache. Ich muss mich ja auch erst dran gewöhnen, und dann noch mit Dir…“ –
Sie nimmt einen kurzen Anlauf und schwingt sich als erste in die Luft, ohne meine Antwort abzuwarten.
Tascha ergänzt kurz.
„Sie meint den Drachen…“ und folgt ihr –
Ich habe Shaktis Bemerkung auch nicht direkt auf mich bezogen. Schnell noch einem Blick zurück zu dem Pferd – das noch dort steht und den Eindruck macht, uns aufmerksam zugehört zu haben – und dann breite ich meine Schwingen aus und lasse mich über den Rand ins Tal fallen.
Schnell trägt mich die Luft, nach zwei, drei Schlägen spüre ich den Energieschub der Wandlung und nur wenig später fühle ich den Wind auf den Schuppen und den Flughäuten meines Feralkörpers. Ich fliege die Kurve über dem Tal voll aus und steige dabei langsam auf die Höhe der Wiese vor meinem Höhleneingang.
Tascha ist gerade am Rand gelandet und leitet ihre Wandlung ein. Shakti dreht noch eine Runde sie wartet vermutlich auf mich.
Vor dem Höhleneingang stehen Tyria und NüShi, die jetzt zuschauen wie ich anfliege. Mit dem Gedanken, dass NüShi ja erwähnte, ihre Flugkünste wären nicht sehr gut im Vergleich zu uns anderen Drachen, verzichte ich auf die Show, die ich ja sonst gerne abziehe und fliege einfach flach an. Beine ausstrecken, kurz abbremsen und den letzten halben Meter einfach runterplumpsen, kurz in den Beinen ausfedern und ich stehe nur wenige Schritte vor den beiden Weibchen. Gleich darauf landet Shakti auf meiner rechten Schulter, was Tyria mit einem leichten Nicken akzeptiert.
Trotz meiner „normalen“ Landung ernte ich kurz – sehr kurz – einen leicht traurigen Blick von NüShi, den sie wohl nicht unterdrücken konnte. Aber sie verliert die ihr typische heitere Lockerheit nicht.
„Fein… ich würde gerne mehr von Deinen Flugkünsten sehen, wenn wir uns mit mehr Zeit wieder treffen. Leider muss ich Deine Wohnstätte und Gastfreundschaft jetzt verlassen.“ –
Da lag deutlich ein Bedauern in ihrer Stimme und ihrem Blick. Ganz offensichtlich würde sie viel lieber hier bei uns bleiben.
„Du kannst gerne noch bleiben, wir haben Platz, ich habe gerne Besuch und neben allem was ich von Tyria lernen kann für meine Aufgabe hier, sind die Erfahrungen anderer Drachen für mich auch interessant.“ –
Sie wirft einen schnellen Blick auf Tyria, die aber freundlich nickt und schaut dann sichtlich verlegen zu Boden.
„Es ehrt mich, dass Du von mir etwas lernen möchtest, bin ich doch so viel jünger als Deine Partnerin und habe auch noch nicht lange ein eigenes Revier…“ –
Ich lächele beruhigend.
„Natürlich wird Tyria mir insgesamt mehr beibringen können und sie wird mich auch sicher noch darin unterrichten, wie ich die anderen Völker am besten beherrsche…“ –
„Sag ruhig unterdrücken, um sie dann leichter zu beherrschen… - darin habe ich ja lange Übung. – Ja, das werde ich Dir sicher auch beibringen, aber nur damit Du weißt, wie leicht es ist diesen Weg zu gehen auch wenn Du es nicht willst.“ Unterbricht Tyria mich mit ernster Miene.
„Nein, im Umgang mit anderen Völkern und auch mit Menschen ist NüShi neben Deiner Mutter und Eldflóð sicher eine der besten Lehrerinnen, die Du unter den Drachen finden wirst. – Auch wenn Du mit Deinen Erfahrungen als Mensch uns da sicher mehr beibringen kannst als wir Dir.“ –
„Ja, vermutlich habe ich mehr Wissen über Menschen allgemein als die Drachen hier. Aber mein Wissen kommt aus einer anderen Welt und auch wenn die Menschen hier sehr ähnlich zu sein scheinen, kann es auch deutliche Unterschiede geben. Und wie ich als Drache mit ihnen umgehen sollte, kann ich am besten von Drachen lernen. – Tyria wird mir sicher die beste Lehrerin sein. Da Mom und Eldflóð ja deutlich weiter weg leben, als Du NüShi, ist das ja nur logisch, wenn ich von Dir auch etwas lerne. Du bist natürlich eingeladen und es gibt keinen Grund aus Höflichkeit weiterzureisen.“ –
NüShi seufzt.
„Verzeih. Ich würde gerne noch bleiben. Leider muss ich in mein Revier, es gibt ernste Konflikte zwischen einem Menschenstamm und einem Stamm der Draccier. Wenn ich nicht eingreife, wird das in einem Krieg enden, nicht nur zwischen den Kriegern, das wird auch die Völker insgesamt betreffen. Beide Völker halten sich ansonsten an unsere Regeln, aber ich werde nicht akzeptieren, dass sie sich gegenseitig die Siedlungen niederbrennen und die Alten, Frauen und Kinder töten.“ –
„Oh, ich verstehe. Ja das ist ein logischer Grund. Machen die Völker sowas hier?“
Leider kenne ich so etwas ja nur zu gut. Ich war selber schon an sowas beteiligt und das waren Menschen gegen Menschen… -
„Ich fürchte die Menschen werden damit beginnen, weil ihre Krieger nur schwer gegen die Draccier bestehen werden. Und die Draccier in meinem Revier werden sich dann ebenso verhalten.“ –
Shakti richtet sich auf meiner Schulter auf.
„Nun… verzeiht Lady NüShi, mein Stamm würde zwar schon versuchen die direkt Schuldigen zu finden und zu töten, aber dasselbe mit den Menschen machen, ihre Familien umbringen - nein. Eher unsere Familien in sichere, befestigte Siedlungen bringen und dann die feindlichen Krieger ohne Gnade niedermachen ohne Gefangene zu machen.“ –
NüShi blickt sie an und nickt.
„Ja, die meisten Draccier würden sich sicher so ähnlich verhalten. Der Stamm, der mit den Menschen in Streit geraten ist, ist da leider sehr viel aggressiver. Soweit ich herausfinden konnte, hatte dieser Stamm wohl in der Vergangenheit sehr negative Erfahrungen mit diesem Menschenstamm. Leider erfährt eine Drachin nicht alles auf freiwilliger Basis.“ –
Shakti senkt ihren Blick.
„Verzeiht Lady NüShi. Ich wollte nicht an Euren Worten zweifeln“ –
„Nein, Du hast ja recht, ich habe es zu allgemein gefasst. Diese Stämme der beiden Völker haben eine alte Feindschaft, die ich noch nicht beenden konnte, aber es war auch fast 20 Sommer ruhig.“ –
Ich bin natürlich neugierig, wie NüShi sich in dieser Situation verhalten wird. Tyria habe ich schon deutlich angesehen, dass sie wohl nur eine Warnung an die Streitparteien senden würde und wenn das nicht hilft, hart durchgreift, also vermutlich die Streithähne mit ihrem Magma konfrontieren und Tote dabei in Kauf nehmen. Wobei ich das sogar verstehen kann, weil es so oder so Tote geben wird. Aber mir wäre es dennoch unangenehm.
„Was hast Du vor NüShi? – Verzeih meine Neugier, aber ich bin mir nicht sicher, wie ich bei sowas reagieren sollte.“ –
Sie grinst.
„Nein, frag nur, vielleicht kannst Du mir ja einen Rat geben. – Ich werde da erstmal auftauchen und deutlich machen, dass ich diesen Krieg nicht zulassen werde. Aber vor allem versuchen, die Streitigkeiten zu schlichten. Vielleicht klappt es, vermutlich nicht. Nun, solange sie gegeneinander nach den üblichen Regeln kämpfen, halte ich mich aber noch zurück. Ihnen den Krieg einfach etwas schwer machen mit heftigem Regen oder einem tief verschneiten Kampfplatz. Aber sobald eine Seite beginnt die Regeln zu verletzen, also Siedlungen des Gegners zu überfallen oder sowas, wird es kalt in ihren Siedlungen werden. Wenn beide Seiten sich da hochschaukeln, werde ich ihre Länder komplett einfrieren, alle ihre Siedlungen. Dauerhafter Winter, keine Ernten mehr, kein Futter für die Tiere - Und dieser Winter wird ihnen überall hin folgen, wenn sie versuchen dem auszuweichen… solange bis sie Frieden schließen. Eine Zeitlang werden sie noch Nahrung einhandeln können, auch Holz, um ihre Wohnstätten zu wärmen. Aber irgendwann haben sie nichts mehr zum Handeln, wenn keine Nahrung, kein Gras, kein Baum mehr wächst, die Tiere aufgegessen sind und kein Schmiedefeuer mehr brennt. Gold gibt es nur sehr wenig in einigen Bächen, Silber kaum und auch Kupfer nur wenig“ –
„Wenn sie stur sind, wird das eine harte Bestrafung.“ –
„Ja. Ich weiß auch, dass ich möglicherweise dann ebenso ihre Familien töte, aber ich verstehe unsere Aufgabe nun mal so, dass besser ich den Tod bringe als sie sich gegenseitig. Dabei töte ich keinen sofort und unmittelbar, beide wird es gleich treffen und sie können es sofort beenden. Als Eisdrachin kann ich was ich einfriere auch wieder auftauen.“ –
Ich nicke etwas nachdenklich.
„Nur wenn ich mir vorstelle, die sind so stur, wie seit hunderten Sommern und lassen ihre Stämme langsam verhungern und erfrieren… dann erscheint mir das Magma von Tyria fast schon wie eine Gnade. Aber Du hast Recht. Es lässt ihnen die Zeit zur Einsicht zu kommen. –
Was wirst Du machen, wenn eine Seite bereit ist, Frieden zu schließen, die andere Seite aber weiter auf Krieg beharrt?“ –
NüShi schaut Tyria und mich abwechselnd an.
„Zugegeben… das weiß ich noch nicht. Die Strafe aufheben würde ja die Sturen, wie Du sie nennst, auch belohnen ohne dass die es verdienen…“ –
„Ja, nicht einfach. Aber die Friedensbereiten weiter unter der Strafe lassen, wäre kontraproduktiv. Vielleicht dort die meisten Gebiete wieder vom Frost befreien, dass die sich dann wieder selber versorgen können. Dafür dann die Grenze so unüberwindbar wie möglich werden lassen, damit die kriegerischen dort nicht so einfach einfallen können… vielleicht die kriegerische Seite noch stärker einfrieren, weil Vernunft ja noch möglich ist, wie die anderen zeigen…“ –
Tyria grinst mit einem fiesen Ausdruck.
„Da ist meine Methode mit dem Hintern ansengen ja die einfachere Methode. Da ist hinterher keiner mehr, auf den ich noch lange aufpassen müsste.“ –
„Würdest Du es heute noch so machen?“ fragt NüShi geradeheraus. –
Tyria seufzt leise.
„Ja, sehr wahrscheinlich würde ich es auch jetzt noch so machen. Vielleicht eine oder zwei Sekunden länger drüber nachdenken, aber ja.“ –
Ihr Blick zu mir bittet mich geradezu um Verzeihung.
„Ich habe durchaus Verständnis für eine schnelle, wenn auch sehr endgültige Lösung. Wenn einige hundert schnell sterben, kann das besser sein, als es lange laufen zu lassen und irgendwann sind tausende in ihren Kämpfen umgekommen. Aber wenn Du es mit einer Lavaspalte zwischen den Stämmen auch lösen kannst, wäre es mir lieber.“ –
NüShi schaut mich überrascht an.
„Du meinst, dass eine Grenze schon ausreichen würde?“ –
„Wenn die weitgehend unüberwindbar für die Stämme ist, reicht das natürlich schon aus, um die Hitzköpfe auseinander zu halten. Nur wird das niemanden wirklich abhalten, weiter mit den anderen streiten zu wollen, nur können ist dann nicht mehr möglich.“ –
„Hmm… das ist wohl richtig. Verzeih, Es ist eben leichter, eine zwar lange, aber schmale Grenze so kalt werden zu lassen, bis die Luft fast flüssig wird. Ganze Länder dagegen abkühlen, auch wenn es nur für Eis und Schnee ausreicht, braucht dagegen sehr viel mehr Kraft. Ich bin zwar eine Elemental und könnte die halbe Welt für die nächsten paar tausend Winter in eine Eiszeit hüllen… aber Du verstehst sicher was ich meine.“ –
Ehe mir eine passende Antwort einfallen will, denn ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt über mehr als eine Handvoll Kilometer meine Kräfte noch sinnvoll einsetzen kann, grinst Tyria schon breit.
„Er weiß zwar sicher, was Du damit meinst, aber soweit ich von den Blitzdrachen gehört habe, setzen sie ihre Kräfte eher so ein, dass sie ihren Spaß dabei haben. Also nicht so häufig über weite Gebiete.“ –
„Was würdest Du eigentlich machen in so einem Fall?“ fragt NüShi mich neugierig. –
„Ja… das ist wirklich eine gute Frage. Ich könnte zwar sicher ganze Landstriche mit Dauergewitterstürmen überziehen. Aber ich müsste mich ständig darum kümmern. Die Wirkung eurer Kräfte halten einige Zeit an – meine sind kurzlebiger und unterliegen stärker dem Wetter. Ich könnte da wohl nur alle Krieger und Anführer, die sich nicht an die Regeln halten… nun ja, sie alle töten…“ –
„Also doch wie die anderen Drachen?“ NüShi zwinkert schelmisch. –
„Wenn ich unnötige Tote bei den Stämmen so verhindern kann, dann ja. Aber gut möglich, dass mir noch was einfällt, wenn es soweit ist.“ –
„Wenn es so kommt, wie es jetzt erscheint, hast Du aber bald den Vorteil vor uns anderen, dass Krieger Dich unterstützen. Sie können für Dich beobachten, Gruppen abschrecken und sicher auch Übertritte an der Grenze verhindern. Das wird vieles für Dich einfacher machen – oder Dir ermöglichen insgesamt weniger tödlich sein zu müssen als wir anderen.“ –
„Ja, vielleicht. Schauen wir, was passieren wird. Aber Du hast mich gerade indirekt auf eine Idee gebracht, wie wir hier vielleicht Nachrichten schnell bekommen können. Mal schauen, was Raja da machen kann.“ –
Tyria schaut mich neugierig an.
„Du möchtest die Wyvern als Kuriere einsetzen?“
Ich nicke.
„Du nutzt alles und jeden für Deine Zwecke, wie ich wieder merke… Selbst mich als Deine Goldbeschafferin.“ Sie grinst aber breit bei ihren Worten. –
„Naja… ja irgendwie schon. Ich kann auch nicht alles. – Aber die Wyvern möchte ich dabei haben, weil die wahrscheinlich weniger Ansprüche haben, wo sie ihre Nester bauen. Soweit ich weiß, reichen ihnen ja schon hohe Bäume dafür aus. Und sie sind von Natur aus immer auf der Hut vor Gefahren, also uns Drachen. Wenn sie die Furcht vor uns Drachen weitgehend verlieren, sind sie die idealen Wachposten und Beobachter auch in unbewohnten und bewaldeten Gebieten, wo sie genug Beute finden können – und gleichzeitig so ziemlich die schnellsten Kuriere für Informationen und Warnungen.“
Alle nicken bestätigend. – Ich konzentriere mich kurz auf meine Sinne, die mir einige Gewitter und viel Regen melden, alles noch weit weg. Und eine Bewegung in der Luft, mit einem winzigen, leicht pulsierenden elektrischen Feld, näher dran, die sich recht schnell auf uns zu bewegt und die ich schon unbewusst wahrgenommen hatte.
„Wenn das, was da etwas quer zum Wind auf uns zukommt, kein Flugzeug, sondern Raja ist, sind zumindest einige Wyvern wirklich sehr schnell…“ –
NüShi schaut mich nur fragend an, Tascha grinst und Tyria horcht in sich hinein, bevor sie leicht kopfschüttelnd seufzt.
„Deine Kraft reicht vielleicht nicht viel weiter, als Du sehen kannst und ist auch sehr viel kurzlebiger als die von uns beiden. Aber dafür sind Deine Sinne, zumindest was die Luft angeht, extrem fein und reichen offensichtlich sehr viel weiter als alles was wir können. Anders gesagt, ich bilde mir ein, feine Sinne zu haben, aber ich spüre rein gar nichts außer dem leichten Wind hier…“ –
Tascha lächelt jetzt sanft.
„Es ist nicht so sehr die Luft und ihre Bewegungen, es ist sicher mehr diese Blitzkraft, die auch in sich bewegenden Lebewesen zu spüren ist, wenn man für Blitze empfänglich ist. Ich spüre auch alle hier, wo sie sind und wie sie sich bewegen, wenn ich mich darauf konzentriere. Aber Raja kann ich auch noch nicht erkennen, dazu ist er noch viel zu weit weg.“ –
„Ja, es ist genau das, was in hoher Intensität zu einem Blitz werden kann, was ich offenbar sehr weit und auch in geringster Stärke spüre. Aber auch Bewegungen der Luft, also Wind und sowas, kann ich recht gut spüren.“ Bestätige ich Taschas Erklärung. –
Sie stupst mich kurz an.
„Also wenn das wirklich Raja und kein Vogel ist, dann ist er entweder superschnell, oder zumindest schnell und hat nicht geschlafen… Ich schätze, selbst wir würden als Feral bei guter Geschwindigkeit gut 4 Stunden für die Strecke brauchen. Er ist ungefähr einen Sonnenlauf unterwegs gewesen… rechnet man jetzt die Hälfte ab, für eine Antwort…“ –
Ich schaue sie neugierig an
„Ein Vogel ist es nicht, die Bewegungsmuster sind anders. Du meinst, er ist fast ebenso schnell, wie wir als Anthro?“ –
„Eher schneller. Ihre Körper sind ja Vögeln ähnlicher als unsere. Sie sind als Flieger geschlüpft.“ –
„Hmm… ja stimmt. Umso mehr wären sie als Späher und Kuriere geeignet. Mal schauen, was er sagt, ob er eine Chance sieht, dass sein Volk daran Interesse hätte.“ Ich blicke ins Tal, weil ich eine irgendwie bekannte Schwingung spüre, die auch näherkommt. So langsam entwickeln sich offensichtlich meine Sinne. –
Tascha zuckt leicht mit den Schultern.
„Als Krieger wirst Du sie nicht anwerben können. Sie wissen, dass sie selbst Menschenkriegern unterlegen sind.“ –
Ich schüttele den Kopf.
„Als Krieger sollen sie mir ja auch nicht helfen. Als Kuriere Nachrichten überbringen, das wäre es schon, womit sie mir helfen können. Ansonsten können sie sich gerne aus irgendwelchen Scharmützeln raushalten.“ –
„Aus was raushalten?“ –
Ich grinse.
„Entschuldigt. Damit ist gemeint, dass eine Handvoll Krieger aufeinandertreffen sich dabei mal kurz die Schwerter um die Ohren hauen und dann wieder trennen. – Sie können sich komplett aus irgendwelchen Kämpfen raushalten.“ –
Ein tiefer Seufzer von NüShi lässt unsere Aufmerksamkeit wieder auf sie konzentrieren.
„Verzeiht. Ich muss jetzt wirklich los.“
Wir nicken. Sie schaut mich lächelnd an.
„Ich hoffe, Dich schon bald mal in meinem Schloss begrüßen zu können. Der Frühling oder jetzt der Spätsommer und Frühherbst sind besonders schön dort. Natürlich auch der Winter, wenn Du Schnee und Eis magst. – Und…“ sie schaut mich jetzt geradezu niedlich an „und ich wäre bereit, Dir eins meiner Eier zu geben…“ –
Oha… sie möchte einen Nestling von mir haben… Ich muss nicht überlegen und vermeide einen Blick zu Tyria, den diese nur als Schwäche auslegen würde.
„Du machst mich sehr verlegen. Ich weiß von Tyria, dass ihr Eisdrachen nur untereinander Nestlinge habt, ich weiß diese Ehre sehr zu schätzen. – Aber, verzeih, ich habe drei Partnerinnen, Shakti hier, die Herrin meiner Wohnstätte, Tascha, die erste Drachin, der ich nach Fjörgyn, deren Blut in meinen Adern fließt, hier in dieser Welt getroffen habe und die meinen Nestling trägt und vor allem mein Vulkan, meine Tyria, meine Ewige Partnerin, die ich schon als Mensch kennenlernen durfte vor hunderten von Sonnenumläufen. Nein, ich muss Dein Angebot leider ablehnen, so verlockend es auch ist.“ –
Ich höre geradezu, wie Tascha schelmisch grinst und Tyria sich innerlich wieder entspannt. Shakti dagegen ist mindestens 2 Meter gewachsen auf meiner Schulter. – NüShi lächelt mich weiter an.
„Ich verstehe. Und natürlich achte ich Deine Standhaftigkeit. Ich glaube, nicht viele Drachen hätten dem widerstehen können, wenn nicht sogar alle Männchen weich geworden wären. Ich weiß nicht warum, aber sich mit einer Eisdrachin zu paaren scheint für alle ein Traum zu sein. – Es war aber ehrlich gemeint. Für Dich werde ich immer ein Ei haben, wenn Du in einigen zehntausend Sommern vielleicht eine Drachin an Deiner Seite brauchen solltest.“ –
Das sehr langsame Ausatmen von Tyria sagt mir, dass sie gerade um ihre Beherrschung kämpft. Aber sie bleibt zumindest äußerlich ruhig.
NüShi tritt einen Schritt zurück und verneigt sich tief vor mir, ich neige ebenfalls den Kopf. Wir murmeln einige Abschiedsfloskeln, danach verabschiedet NüShi sich ebenso von Shakti und Tascha. Meine kleine Shakti wächst gefühlt nochmal um einiges, so stolz ist sie, als meine Partnerin so anerkannt zu werden.
Schließlich steht sie vor Tyria. Die beiden wechseln leise einige Worte und Tyria legt daraufhin ihre Stirn gegen die von NüShi. Sie haben offensichtlich ihren Streit beigelegt, ehe er wirklich ausbrechen konnte.
Dann geht NüShi einige Schritte weiter auf die Wiese, verneigt sich nochmal, was wir erwidern.
„Es wird jetzt kalt werden, ich sagte ja bei meinem Eintreffen, dass der Einsatz meiner Kräfte mir das Fliegen sehr viel einfacher macht.“ –
Unmittelbar darauf trifft mich ein eiskalter Luftschwall. Schnell hebe ich meine rechte Schwinge ein wenig, damit Shakti darunter Schutz findet, für sie ist das sonst schon zu kalt. NüShi bemerkt, dass Shakti sich schnell an die warmen Schuppen meines Schwingenarms schmiegt.
„Oh, verzeiht, ist das wirklich so kalt? Das war mir nicht bewusst.“ –
Schnell scheint sie den Radius, in dem ihre Kräfte wirken, enger zu halten. Zumindest taut der Reif vom Gras hier bei uns wieder.
Ich nicke.
„Ja, es ist deutlich kälter, als alles was in der Welt drüben vorkommt – und die ist schon deutlich kälter als diese. Aber mache Dir keine Sorgen, wir können das gut handhaben.“ –
NüShi nickt, lächelt uns… mich nochmal an. Sie atmet tief durch, breitet ihre – gar nicht so kleinen, aber relativ schmalen – Schwingen aus und hebt mit recht schnellen Schwüngen aber doch elegant wirkend schnell ab. Nachdem sie etwas Höhe erreicht hat, wechselt sie zwischen kurzen Gleitflügen und ebenso kurzen schnellen Schwingenschlägen, was durch ihre fast schlangenartig windenden Körperbewegungen zu dem auf- und abgleitenden Flug führt, der auch den asiatischen Drachen in der Welt drüben zugeschrieben wird. Das sieht weniger anstrengend aus, als ich es mir nach ihrer Beschreibung vorgestellt habe, aber man erkennt am leichten Schneefall hinter ihr auch den Einsatz ihrer Kräfte, was ihr sicher hilft.
6.
Während wir NüShi noch hinterher schauen, blickt Shakti mich verlegen an.
„Entschuldige Eldingar. Ich hätte es nicht so übertrieben zeigen sollen…“ –
„Ach quatsch. Es war für Dich schon gefährlich kalt, das kannst Du ruhig zeigen. Wie es scheint, war NüShi das ja nicht ganz bewusst, wie kalt es in ihrem Umfeld wird, wenn sie ihre Kräfte zum Fliegen einsetzt.“ Antworte ich ihr leise. –
„Danke für Deine Nachsicht. Aber ich sollte mich zukünftig wohl bei Treffen von euch Drachen lieber fernhalten.“ –
„Nein, musst Du nicht. Aber ich verstehe, was Du meinst. Mir ist bewusst, dass ich sicher ständig die anderen Drachen daran erinnern muss, dass Du zwar keine Drachin bist, aber dennoch zu meinen Partnerinnen gehörst. Und dass ich zumindest ein Mindestmaß an Höflichkeit und Aufmerksamkeit Dir gegenüber verlange. Und wer das nicht will, braucht nicht auf Gastfreundschaft bei mir hoffen.“ –
„Gilt das auch für Lady Tyria und Lady Natasha?“ Sie schaut mich ziemlich besorgt an. –
„Ja. Zumindest teilweise. Aber mach Dir deswegen keine Sorgen. Beide, insbesondere auch Tyria, haben ja zugestimmt, bevor ich mich entschlossen hatte. Natürlich nicht ganz uneigennützig.“ –
Shakti grinst breit.
„Das ist mir klar. Und ich werde jedem Drachen an der Kehle hängen, der meinen – Deinen Nestlingen unerlaubt zu nahe kommt.“ –
Bei der Vorstellung grinse ich auch breit. Wobei sie mit der richtigen Waffe einem Anthro durchaus gefährlich werden könnte.
„Wir besprechen das nochmal in Ruhe und gemeinsam mit Tyria und Tascha.“ –
„Gut. Du bist Dir aber auch bewusst, dass ich als Hüterin Deiner Nestlinge durchaus einen Einfluss auf sie haben werde? In den ersten Jahren bin ich sicher oft mit ihnen zusammen.“ –
„Du willst sie zu Dracciern erziehen?“ frage ich grinsend. –
„Nein, das nicht. Drachen sollen auch Drachen bleiben, auch wenn Natasha sich gut eingegliedert hatte. Aber ich werde ihnen vorleben, was eine Draccikriegerin ausmacht. Und ich denke, es wird auch ein wenig Einfluss auf sie haben.“ –
„Sicher wird es das. Und ich denke, es ist auch nicht verkehrt, wenn sie ein wenig vom Weg des Kriegers kennenlernen. Und ein wenig mehr darüber wissen, wie die Kleinen Völker denken.“ –
Sie schaut mich verwundert an.
„Aber das kannst Du ihnen doch mindestens genauso beibringen…“ –
„Ja schon, aber nur aus der Sicht der Menschen einer anderen Welt ohne Drachen und doch als Drache, was sie erst später richtig einordnen werden. Du kannst es ihnen aus der Sicht einer Drachin nahebringen, die direkten Kontakt mit Menschen hatte. Zudem mit den Menschen hier, was durchaus ein Unterschied ist.“ –
Shakti schaut mich nachdenklich an.
Da NüShi in den Wolken verschwunden ist dreht Tyria sich zu uns um.
„Du hast also die erste ernsthafte Prüfung bestanden.“
Ich lege langsam meinen Kopf nach rechts… was will sie mir damit sagen?
Sie kichert leise.
„Na, NüShi hat Dich doch massiv umworben.“ –
„Äh ja… aber unter massiv stelle ich mir noch was anderes vor. Du warst da deutlich eindeutiger, wenn Du Dich erinnern magst.“ –
Sie seufzt.
„Ja stimmt. Ich habe nicht lange geworben, ich habe Dich überfallen.“ Sie grinst irgendwie fies und zufrieden.
„Sie hat mir gesagt, warum Sie um Dich geworben hat. NüShi ist nur wenig älter als Du, so 15 oder 18tausend Sommer. Wir alle wissen, dass ich deutlich älter bin und auch nicht ewig lebe.“ –
„Tyria… wir sind noch nicht mal richtig zusammen und Du sprichst schon über sowas…“ –
„Es ist nur Tatsache. Wenn ich gehen muss, ist Sie immer noch jünger als ich jetzt. Sie hat jetzt schon um Dich geworben, um ihre Chancen bei Dir zu verbessern, wenn Du dann eine neue Partnerin suchst. – Zudem rechnet sie damit, dass ihr jetziger Partner sie bald verlassen wird. Aber auch wenn nicht, er ist einiges älter als ich.“ –
„Aber… ach Tyria… manchmal macht ihr Drachen mir Angst, selber einer zu sein. – Aber ist es nicht so, dass die Eisdrachen nur untereinander Partnerschaften eingehen? – Wie passe ich da also rein?“ –
„Ganz einfach, sie hat sich in Dich verliebt. Meistens bleiben die Eisdrachen unter sich, das stimmt schon. Aber manchmal suchen sie sich auch unter uns anderen einen Partner. Ihre Familie ist da auch recht offen und hatten oft andere Partner.“ –
Ich atme irgendwie überrumpelt tief ein.
„Ihr habt also schon festgelegt, wer meine nächste Partnerin sein wird…“ –
Tyria schaut mich etwas erschreckt an.
„Eldingar, bei Erce, nein. Da ist nichts festgelegt. Es sind noch ein paar Sommer, die Du mich ertragen musst. Und bis dahin ist alles möglich. Nein. Sie will nur in Deinem Blickfeld bleiben.“ –
„Hmm… aber ihr näherkommen… irgendwann mal…“ –
„Dann kratz ich Dir die Augen aus. Sie ist eine Große und damit für mich trotz unserer Freundschaft eine Konkurrentin… sogar eine gefährliche…“ fügt sie leiser hinzu. –
„Ich weiß nicht, was in 50.000 Sommern sein wird. Aber momentan eher nicht gefährlich. – Was hat das mit dem Ei, das sie für mich haben wird? Bezieht sich das auf die ferne Zukunft?“ –
„Nein. Natürlich schon auch, wenn sie dann Deine Partnerin sein wird. Aber das gilt schon jetzt. Du kannst in ein paar Tagen zu ihr fliegen und sie wird ein Ei von Dir befruchten lassen. Oder in ein paar Sommern. Nicht um Dich an sie zu binden, sie hat aber wohl ähnliche Gedanken zu unserem Volk wegen zu wenigen Nestlingen, wie Du.“ –
„Ah…“ –
„Es wäre mir trotzdem lieber, wenn Du Dir noch ein wenig Zeit lässt.“ –
Ihre Stimme klingt normal fast lustig, aber ihr Blick zeigt mir ihre Sorgen.
„Gut. Dann verstehe ich das jetzt. Aber das hat ja auch noch Zeit, wenn sie noch so jung ist.“ –
Ich lecke schnell über ihre Nüstern. Noch weiß ich lange nicht genug über die Drachen heute, dass ich ihre Stimmung so genau interpretieren könnte. Ich werde immer wieder überrascht, als Mensch meistens positiv, als Drache eher kopfschüttelnd. So wie ich mich auch jetzt wieder darüber wundere, dass ich NüShis Angebot nicht sofort angenommen habe – in meiner Jugend hätte ich keine Sekunde gezögert. Wobei meine menschliche Seite und ihre Erfahrungen jetzt nicht mal ausschlaggebend waren.
Trotzdem hat mich irgendwas zurückgehalten… doch die menschliche Monogamie, die ich zuletzt leben musste? Oder die, wie auch immer empfundene, Treue zu meiner Partnerin, der ich ein Versprechen gegeben habe? Alles nichts, was ich aus meinem ersten Leben hier als Drache kenne. Aber ich habe Vertrauen in Tyria gewonnen, dass dieses Versprechen einen Wert hat. Nicht wie damals, wo ein Weibchen die erste gewesen wäre, die es bricht. So ein Versprechen jedenfalls.
Tyria reißt mich aus meinen Gedanken.
„Gut. Belassen wir das erstmal dabei. Das ist ein Gesprächsthema für lange dunkle Winterabende am Feuer.“ –
Ich muss grinsen.
„Über richtig lange, dunkle Winterabende kann Tascha sicher besser erzählen. Für sie aber auch für mich werden die Winterabende hier schon eher kurz und hell sein.“ –
Tascha macht eine abwehrende Geste.
„Du meinst die Winter oben im Norden, oder? Da kann ich gar nicht so viel drüber erzählen. Als junger Nestling kommen einem die Nächte ja ohnehin immer sehr lang und dunkel vor. Dafür waren die Wintertage manchmal aber auch hell und gleißend weiß und voller Spaß im Schnee. Und die Sommertage waren ewig lang und nie richtig dunkel. Aber da waren wir dann auch noch weiter im Norden glaube ich.“ -
Tyria verdreht die Augen, grinst aber dabei.
„Eldingar - Du Mensch… - Du weißt doch genau, was ich gemeint habe.“
Ich grinse, sie kommt näher und züngelt mir über die Nüstern.
„Was hast Du jetzt für Pläne? Die Krieger und die Händler werden ja auch ohne Dich hier weiter ihre Dinge machen können.“ –
„Sicher können die das. Da will ich mich auch gar nicht so groß mit befassen. Und die Menschen drüben in der Ebene werden sicher auch einige Zeit Ruhe geben. – Ich weiß noch nicht, was ich mache… vielleicht mal ein paar Tage irgendwo da oben auf einem Felsen liegen und in die Wolken schauen…“ ich zeige in Richtung der Achttausender im Hintergrund. –
„Du sagtest heute Morgen doch, dass Du erstmal Dein Revier erkunden solltest. Die Gelegenheit ist doch ganz gut, denke ich.“
So fragend, wie sie mich anschaut, hat sie sicher irgendwas vor –
„Jetzt sofort?“ –
Sie kichert.
„Wenn Du willst… aber Du kannst Dir ja vorher noch anschauen, was für Deinen ersten Kontrollflug am interessantesten ist und wo wir übernachten werden.“ –
„Wir? Ihr kommt mit?“ –
„Ich begleite Dich auf jeden Fall. Ich muss doch aufpassen, dass Du Neuling keinen Unsinn machst.“ Ihr sanfter Nasenstupser bestätigt meine Vermutung, dass sie mich nur necken will.
„Aber ernsthaft: ich möchte mir Dein Revier gerne einfach mal anschauen. Und ich werde Dich natürlich unterstützen, denn als Erce Dich zu einem Drachen machte – oder wieder machte – hast Du auch Aufgaben übertragen bekommen. Wir befassen uns nicht aus Langeweile mit den anderen Völkern und halten die Menschen kurz. Nicht nur jedenfalls.“ Sie grinst etwas schief. –
Ich nicke
„Begleitung ist immer willkommen und Du kannst mir viele Informationen geben für den Umgang mit den Völkern. – Willst Du Dir das nur aus Neugierde anschauen?“ –
„Nun… zumindest solange wir als Partner zusammen sind, sollten wir unsere Reviere gemeinsam überwachen, sozusagen zusammenlegen. Wir werden uns sicher auch schnell auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Ich friedlicher und vielleicht mehr auf Zusammenarbeit ausgerichtet und Du auch mal härter und beherrschender. – Bei den Menschen da unten in der Ebene bist Du ja schon auf einen guten Weg.“ –
„Auch wenn ich das nicht so pauschal, sondern eher gezielt auf die dort Herrschenden und deren bereitwilligen Helfer richten werde.“ –
Sie nickt bestätigend.
„Das ist logisch. Immerhin scheinen hier in Deinem Reich nicht viele Menschenstämme die Regeln Erces zu verletzen. Selbst die da in der Ebene handeln ja überwiegend gegen andere Menschen, ohne sonst die Lebenskraft zu schädigen.“ Sie schaut Tascha fragend an.
„Was ist mit Dir Tascha? Du hast jetzt ja das Recht auf ein eigenes Revier, zumindest auf ein Teilrevier hier bei Eldingar. Möchtest Du mitkommen und Dir eines aussuchen?“ –
Tascha schüttelt den Kopf.
„Naja, sehen würde ich das schon gerne, aber ein eigenes Revier… dafür fühle ich mich nicht berufen. Und vielleicht sollte von uns jemand hierbleiben.“ –
„Keine logischen Gründe.“ Lehnt Tyria klar ab.
„Ich will Dich nicht zu einem eigenen Revier zwingen, aber auch Du solltest zumindest die grundsätzlichen Regeln und Handlungsweisen einer Großen kennen. Dass eine Drachin hier aufpasst ist auch nicht notwendig. Solange bleiben wir nicht weg, dass die Draccier die aufdringlichen Menschen nicht abwehren könnten. Ebenso Dein Ei. Eine Reise von ein paar Tagen schadet da nicht. Und gib es ruhig zu. Du möchtest doch auch wissen, was es da im warmen Süden zu sehen gibt.“ –
Tascha schaut mich fragend an.
„Würdest Du mich denn mitnehmen wollen?“ –
„Warum sollte ich nicht? Ist doch unterhaltsamer als alleine. Und was Tyria sagt, ist ja richtig.“ –
Tascha wirkt noch etwas unentschlossen, nickt aber.
Shakti atmet tief ein.
„Also… ehe Du jetzt auf die Idee kommst… ich bleibe auf jeden Fall hier. Mit euch kann ich auf keinen Fall mithalten und möchte euch nicht zur Last fallen – auch wenn das nur eine sehr kleine Last wäre. Ich kenne meinen Status und bin trotz allem eine Dracci und keine Drachin. Vielleicht später mal.“ –
Tyria nickt leicht.
„Das verstehe ich und auch wenn ich mit Dir vor kurzem nicht mal gesprochen hätte – aber Du kannst gerne mitkommen. Deine Sicht der Dinge kann uns den einen oder anderen Einblick verschaffen und als Partnerin von dem ollen Drachen da, steht es Dir auch zu.“ Sie verzieht ihre Nasenschuppen etwas als sie mich ansieht, was dem Herausstrecken der Zunge bei Menschen entspricht. –
Aber Shakti schüttelt bestimmt den Kopf.
„Nein. Es ist eine Ehre für mich und ich danke euch dafür, dass ihr mich mitnehmen wollt. Aber wie gesagt, ich bleibe hier. Wenn ich mich daran gewöhnt habe, als Partnerin eines Drachen zu gelten, sicher gerne mal. Ich gehe nicht davon aus, dass Eldingar nur alle paar tausend Sommer über sein Revier fliegt.“ –
„Nee, eher nicht.“ Antworte ich grinsend.
„Ich denke mindestens einmal in jedem Sommerzyklus. Aber gut, ihr könnt euch noch überlegen, ob ihr mitkommt. Heute werde ich in den Schriften nachschauen, was dort über dieses Revier verzeichnet ist. Dazu bin ich bisher leider noch nicht gekommen. Dann Jaya und die anderen informieren, was wir planen. Und vielleicht erreicht Govinda uns ja auch heute noch. – Aufbrechen dann morgen nach einem guten Frühstück.“ –
„Klingt logisch.“ Nickt Tyria.
„Erwartest Du sonst noch Besuch?“ –
„Nein. Ich fliege aber gleich zum Knoten und schau mal nach Informationen. Und werde da ankündigen, dass ich ein paar Tage nicht hier sein werde. Das geht zwar eigentlich niemand etwas an, aber ich möchte vermeiden, dass hier plötzlich ein fremder Drache auftaucht.“ –
„Ja logisch, wenn auch nicht notwendig. Wir achten die Wohnsitze der anderen, wenn Du nicht hier bist, wird niemand hier eindringen.“ –
„Aber könnte die Draccier falsch verstehen…“ –
Tyria verdreht die Augen.
„Verdammt… hab nicht dran gedacht. Ich habe mich so schnell an das Gewusel gewöhnt… - Ja, ist wohl doch sicherer, Deine Abwesenheit bekannt zu geben. Vielleicht auch, dass die Draccier mit Deiner Zustimmung hier sind. Es werden einige dummes Zeug reden, aber so ist Deine Garde sicher.“ –
„Ich hoffe es. Aber sollte es eskalieren bin ich mir auch sicher, dass Aditi notfalls ihre Geheimwaffe einsetzen wird.“ –
Tyria und Tascha schauen mich fragend an, nur Shakti beginnt zu grinsen.
„Du meinst, dass uns im Notfall überraschend ein Feuerdrache helfen könnte…“ –
Ich nicke, Tascha beginnt auch zu grinsen und Tyria legt in einer fast verzweifelnden Geste ihre Hand über ihre Augen.
„Erce, wie dumm ich doch bin… Ja klar, Fi… ich meine Rohit ist ja auch noch hier. Aber wird er als Drache eingreifen und Dir ungehorsam sein?“ –
„Du kennst die Drachen heute doch besser als ich.“ –
„Ja… ja, ich denke, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, er als Draccier auch nicht mehr helfen kann und Aditi oder Jaya es von ihm fordern – ja er würde dann als Drache seine Truppe unterstützen wollen.“ Ich bemerke, dass Tyria mich bei ihren Worten scharf beobachtet. –
„Das vermute ich auch. Und ich würde es auch akzeptieren, wenn er zur Unterstützung seiner Kameraden und auf Bitte seiner kommandierenden Offiziere, in extremen Situationen als Drache eingreift.“ –
„Trotz der Bedingungen seiner Unterwerfung?“ –
„Die er ja nicht grundsätzlich bricht, da er ja seinen Vorgesetzten gehorchen soll.“ –
„Darf ich es ihm sagen?“ –
„Er liegt Dir sehr am Herzen, scheint mir.“ –
Tyria schaut mich schaut mich sehr offen an, als sie nickt.
„Ja. Nicht als Partner, aber ich kenne seine Eltern und ich kenne ihn. Lord Eldflóð hatte mich vor einigen Sommer gebeten, mich um ihn während seiner Wanderzeit zu kümmern. Unsere Fähigkeiten haben gewisse Ähnlichkeiten. – Er war bisher also sehr verschwiegen.“ –
„Ah… jetzt wird mir auch klar, warum Du ihn so vehement verteidigt hast. Du fühlst Dich immer noch irgendwie verantwortlich für ihn.“ –
„Ich vermute, dass ich indirekt auch für seinen Angriff auf Dich verantwortlich bin. Ich hätte Dir das gleich sagen sollen, aber Du warst so zornig, so unbarmherzig wie ein Drache… und doch spürte ich den Menschen in Dir, der so war…“ –
„Ich bin froh, dass es jetzt auch geklärt ist. Aber ich möchte jetzt umso mehr, dass Du ihn ausbildest. Seine Kräfte sind stark. Ich konnte ihn als Anthro nur besiegen, weil ich dadurch wendiger und flinker bin als ein Feral. Als Feral hätte er mir ganz schön einheizen können.“ –
„Besiegen?“ –
„Vermutlich nicht. Ich weiß aber nicht, wie Blitzresistent er ist.“ –
„Ich soll also seine Fähigkeiten ausbilden. Zusätzlich dazu, ihn zu einem geachteten Drachen zu machen. Klingt spannend. Und ist logisch, da unsere Fähigkeiten über weite Bereiche sehr ähnlich sind.“ Sie züngelt mir über die Nüstern. –
Shakti fängt plötzlich recht heftig zu zittern an. Ich schaue sie an, sehr offensichtlich friert sie schon einige Zeit, wohl seit NüShis Start. Es ist auch Wind aufgekommen, der zusätzlich etwas kühl wirkt - wobei kühl doch sehr relativ ist. Aber für eine Bewohnerin der brütend warmen Niederungen sind 21°C doch schon Erkältungswetter.
„Gut. Tascha, kümmere Dich bitte darum, dass Shakti sich schnell wieder aufwärmt. Ich fliege zum Knoten, Tyria möchte sicher mitkommen.“ –
Die schaut mich fast etwas erschreckt an und deutet mit einer leichten Kopfbewegung eine Verneigung an.
„Ja, Þórr.“ –
Tascha gibt vor, nichts zu bemerken, „pflückt“ Shakti sozusagen von meiner Schulter, setzt sie auf den Boden und geht mit ihr – auch zur Anthro geworden – zur Höhle. Sicher werden die beiden sich dort im Bad der Gästewohnungen ins warme Wasser legen.
„Verzeih Tyria. Ich wollte Dich nicht herumkommandieren.“ –
Sie schüttelt leicht lächelnd den Kopf.
„Nein, hast Du auch nicht. Dass ich Rohan ausbilde braucht keine weitere Antwort. Und Du hast nur die Information von mir, auch noch zum Knoten zu wollen, in eine Aufforderung umgesetzt, gleich mitzukommen. Wie es normal für Drachen ist. Ich war nur etwas überrascht, dass Du es so direkt und logisch gesagt hast, weil ich das nicht von Dir kenne.“ –
„Gut, ich verstehe. Lass uns schnell rüberfliegen.“ –
Sie nickt und ist auch direkt nach ein paar Schritten in der Luft. – Dass sie nicht weiter wartet ist nur logisch: ich fliege etwas schneller und wir haben ja keine Rangordnung untereinander. Mit wenigen kräftigen Schwingenschlägen habe ich sie auch schnell eingeholt. Da sie weiß, dass ich gerne fliege, macht sie einen Bogen über die Täler, wo wir auch gleich eine Gruppe Menschen ein wenig erschrecken, die offensichtlich in Richtung meiner Wohnstätte unterwegs ist. Wir kümmern uns aber nicht weiter darum und bald landen wir neben dem Kraftknoten.
„Du zuerst“ lässt sie mir den Vortritt. Ich öffne meine Sinne und schnell breitet sich das Gefühl, auf einer warmen Sommerwiese zu stehen in mir aus. – Erce ist nicht weit, aber nimmt keinen direkten Kontakt zu mir auf. Also horche ich auf neue Nachrichten, aber da ist nichts was an mich gerichtet ist. Ich lasse also die Information da, dass ich einige Tage mein Revier kontrollieren werde. Und spüre daraufhin eine Art zustimmender Zufriedenheit ehe die „Sommerwiese“ langsam vergeht noch bevor ich mich zurückziehe. Erce achtet also auf mich, aber lässt mich mein Ding machen.
Tyria geht dann in den Knoten, um Nachrichten zu bekommen und andere abzusetzen. Es ist interessant zu sehen, wie vollkommen entspannt sie dabei wirkt. Nach einiger Zeit – sie hat offensichtlich mehr Nachrichten als ich – löst sie sich auch wieder aus der Verbindung. Sie grinst breit, als sie sich zu mir umdreht.
„Eltern… mein Vater hat mir ins Gewissen geredet, damit ich Dir eine gute Partnerin bin. Manchmal denke ich, er ist auch ein Mensch. Meine Mutter hätte mir nur geraten, Dich mir zu unterwerfen. Allerdings ist ihr das bei meinem Vater nicht gelungen.“ –
„Und? Welchem Rat wirst Du folgen?“ ihr Grinsen ist ansteckend. –
„Mutter kann mir ja nicht mehr selber ihren Rat geben – und Vater hat mir fast nur das gesagt, was Du mir sozusagen schon beigebracht hast.“ –
„Oha. Kennt Dein Vater Menschen so gut?“ –
„Scheint so. Er ist schon ein richtiger Drache und insgesamt interessieren ihn Menschen nur am Rande, aber er hat sich auch mit ein paar von ihnen sozusagen angefreundet. Da hat er wohl mehr aufgeschnappt als ich mitbekommen habe. Naja, er weiß eben, dass Du ein Mensch warst, wenn natürlich nicht alles.“ –
„Er hat nichts gegen unsere Partnerschaft?“ –
„Er sagt, dass es meine Entscheidung ist, aber er freut sich auch darüber. Der starke Einfluss meiner Mutter war ihm nie recht, auch wenn er es akzeptiert hatte“ –
„Ich werde ihn hoffentlich bald mal kennenlernen.“ –
„Sicher. Er lebt nur recht weit weg und wohl auch im Moment einiges zu regeln in seinem Revier.“ –
7.
„Gut, läuft ja nicht weg. – Und welchem Rat wirst Du nun folgen?“ –
Sie kommt schuppennah an mich heran, reibt ihren Hals an meinem und beginnt in den Grübchen hinter meinen Ohren zu züngeln. Das wohlig angenehme Gefühl lässt mich schnurren.
„Was Vater mir rät, hast Du mir ja schon beigebracht. Also folge ich dem Rat, den Mutter mir sicher gegeben hätte… ich unterwerfe Dich mir. Mein Gebieter.“
Ihr Züngeln, das warme wohlige erregende Gefühl, dass sie damit auslöst… ich verstehe sehr gut, was und wie das mit dem Unterwerfen gemeint ist…
„Folge mir!“
Sehr bestimmt, dominant kommt dieses Kommando. Sie dreht sich um und hebt mit einem kurzen Anlauf ab. Gespannt folge ich ihr und schließe schnell zu ihr auf. Wir fliegen 5 Minuten in ein anderes Tal wo sie auf eine kleine Lichtung zusteuert. Ich lande direkt nach ihr, sie züngelt über meine Nüstern.
„Anthro. Jetzt.“ Befiehlt sie.
Ich schaue sie fragend an, gehorche aber und gleich darauf wird sie auch zur Anthro.
„Komm“
Überrascht folge ich ihr zwischen die Büsche und niedrigen Bäume, die hier von der Lichtung zum Hang hin wachsen und den auch weiter hoch bedecken. Aber am Hang angekommen, schiebt sie sich zwischen das hier sehr dicht wachsende Blattwerk durch und verschwindet darin… Gehorsam und neugierig folge ich ihr… und stehe hinter den Büschen in einer schmalen Felsspalte, die tiefer in den Berg hineinführt. Es ist hier dunkel, nach wenigen Schritten liegt das wenige Tageslicht, das zwischen den Büschen noch durchdringt, hinter uns.
Dank der Drachensinne kann ich Tyria durch das schwache Wärmebild von ihr aber noch erkennen. Wie ich weiß, kann sie im Infraroten sehr viel besser als ich sehen, dafür bin ich im Ultraviolettem im Vorteil. Ich folge ihr weiter, nach ein paar Windungen spüre ich, dass die Felswände zurückweichen, wir sind in einer recht geräumigen Höhle, in der wir beide mehr als genug Platz finden. Fast wäre ich in sie gelaufen, als sie stehenbleibt.
„Kannst Du etwas sehen?“ immer noch der dominante Ton von ihr.
„Nur Dich - schwach. Du weißt, ich kann nicht gut nur Wärme sehen, ich brauche immer einen kleinen Restschimmer Licht.“ –
„Gut. Leg Dich da auf den Rücken.“ –
Ich taste mich zu dem Platz, auf den sie gezeigt hat. An der Stelle stehe ich auf etwas angenehm Weichem und lege mich gehorsam und immer noch neugierig auf den Rücken. Mit ausgestreckten Schwingen stoße ich rechts gerade eben an eine Felswand, links ist etwas mehr Platz.
„Schwingen neben Dir zusammenfalten.“ –
„Was hast Du vor?“ –
„Ruhe!“ –
Überrascht halte ich den Mund. Offensichtlich will sie mich wirklich unterwerfen… Sie kommt näher, setzt sich rittlings auf meinen Bauch und fixiert meine Schwingen mit ihren Füßen. Sie legt sich dann auf meine Brust, streckt meine Arme nach oben und züngelt wieder um meine Nüstern, wobei ich zu spät bemerke, dass sie gleichzeitig etwas um meine Handgelenke schlingt. Gleich darauf legt sie Schlingen um meine Flugarme, die ich so nicht mehr auffalten kann. Zum Schluss legt sie auch noch Schlingen um meine Fußgelenke.
„Fesselst Du mich?“ –
Tyria geht ein Stück zur Seite. Plötzlich werden meine Arme und Beine ein Stück zur Seite gezerrt und meine Bewegungsfreiheit sehr eingeschränkt.
„Ich habe doch gesagt, Du sollst die Klappe halten.“ –
„Aber, warum fesselst Du…“ weiter komme ich nicht, denn sie hat meine unerlaubte Gesprächigkeit genutzt und etwas großes hartes tief zwischen meine Kiefer gedrückt. Offensichtlich verkeilt sich das hinter meinen Fangzähnen, denn ich bekomme es nicht heraus obwohl sie es nicht festbindet. Überraschend behindert der Knebel sogar mein Sprechorgan.
„Hnnnng haa hoo haaag. “ –
“Schon besser.” Kommt kalt von ihr.
Sie legt irgendwas über meine Augen und es wird komplett dunkel um mich. Verwirrt drehe ich den Kopf. Aber jetzt kommt auch keine Wärmestrahlung mehr in meine Sinne, sie hat mich völlig blind gemacht. Ich versuche die elektrischen Impulse ihrer Muskeln zu orten, aber in den Felsen ist ein leitendes Metall, vielleicht Magnetit, das die gesamte Höhle einhüllt… Ich spüre ihre Bewegungen noch, aber sie scheinen von überall gleichzeitig zu kommen. Ich bin auch da praktisch blind. Einen Moment später spüre ich wie sich eine weitere Schlinge hinter die Finnen an meinem Schwanzende legt und auch diesen fixiert… Sie hat mich tatsächlich gefesselt, geknebelt und blind gemacht… ich teste die Fesseln etwas… hmm… die sind stärker als erwartet, vielleicht kann ich sie zerreißen, zumindest mit meinen Krallen zerfetzen, aber sie sind auf jeden Fall deutlich mehr als nur Zierrat.
So liege ich eine Zeitlang da, ich spüre ihre Anwesenheit, versuche irgendwas zu erkennen, aber muss im Dunklen warten, was jetzt passiert. Ich bin mir zwar sicher, dass ein Ausbruch möglich ist, aber zum Feral zu werden ist mir durch die Enge der Höhle verwehrt, ich muss als Anthro die Fesseln wohl akzeptieren. Ab und Zu zerre ich ein wenig an den Fesseln, was mir jedoch ein zunehmend deutlicheres Gefühl von Hilflosigkeit vermittelt.
Dann mag Tyria offensichtlich nicht mehr nur zuschauen.
„Mutter hätte zwar sicher etwas anderes gemeint, aber ich glaube Dich ihr so zu unterwerfen hätte ihr auch gefallen.“ Ihre Stimme ist wieder deutlich weicher, liebevoller als gerade eben noch.
Plötzlich spüre ich ihre Krallen über meine Schuppen gleiten, in dieser Situation ein unglaublich erregendes Gefühl. Es kitzelt, aber ich spüre auch die gnadenlose Schärfe ihrer Krallen… manchmal drückt sie eine Kralle etwas in bestimmte Stellen, harmlos, aber durch den Schmerz auch Gefahr vermittelnd, der ich mich nicht entziehen kann, … Die Fesseln halten meinen Versuchen ihrem Kitzeln und Pieksen zu entkommen problemlos stand.
Sie lässt ihre Krallen um meinen Slit gleiten, auch etwas hinein… lange dauert es jedenfalls nicht, den von ihr offenbar erwünschten Erfolg zu zeigen. Und schon windet sich ihre Zunge um mein Glied und ihre Krallen spielen mit meiner Eichel. Mein Grunzen wird zum leisen Jaulen, als ich mein Glied langsam in ihren Mund gleiten spüre. Sie weiß sehr genau, wie sie mich zu behandeln hat, um meinen Willen nach ihren Wünschen zu formen. Sie hat schon ein paar Mal so mit mir gespielt, nur ohne Fesseln.
Und jetzt, als mächtiger Drache, aber ihr so hilflos ausgeliefert… Eine Drachin die mir ebenbürtig ist an Macht und Kraft, die mich jetzt zu ihrem Spielzeug macht, mit mir spielt, mich immer und immer bis fast zur Explosion treibt, mich aber auch immer wieder mit manchmal sehr unangenehmen Methoden sofort wieder runter holt. Ich vergesse Zeit und Raum, schwimme in einer Woge von Lust und Verweigerung der Erfüllung und völligem ausgeliefert sein… Logisches Denken existiert nicht mehr… nur mein menschliches Fühlen sagt mir kurz, dass Tyria mich jetzt so vollkommen beherrscht, dass sie mich leicht zu ihrem Sklaven machen könnte, nur damit ich das wieder erleben darf.
Wieder hat sie mich soweit, ich zittere vor Lust, zerre an meinen Fesseln, die aber doch zu kräftig sind, mein Glied pulsiert in höchster Erregung… und wieder muss ich fiepend erleben, dass sie gekonnt meine Lust wieder killt. Ein heftiger Schmerz im Nacken, sie presst ihre Krallen tief in eine Grube am Nackenansatz und jegliche Erregung fällt in sich zusammen… zwar ist mein Glied sofort wieder hart sobald sie den Druck wieder wegnimmt, aber meine Lust ist erstmal wieder im Keller… ich warte, dass sie einen neuen Anlauf nimmt, mich weiter streichelt, leckt, an meinem Glied saugt – aber es passiert nicht. Dafür sitzt sie auf einmal auf meinem Bauch, ihre Hände gleiten über meine Brust, ihre Zunge gleitet über meine Kehle und ich fühle, wie sie ihren Slit an meinem Glied reibt.
Wieder bin ich kurz vor dem Kommen, wieder presst sie ihre Krallen in meinen Nacken, wieder bricht meine Erregung fast vollkommen zusammen, nur um das Verlangen auf ein weiteres Mal noch stärker wachsen zu lassen.
Sie rutscht jetzt ein Stück zurück und ich spüre mein Glied direkt in ihren Slit wachsen. Dieses jetzt neue Gefühl treibt mich in höchste Erregung, meine Lust bläst den letzten Rest an Verstand aus meinem Hirn, ich bin nur noch ein willenloses Spielzeug ihrer Lust, die auch mich vollkommen ausfüllt. Ich ahne mehr, als dass ich spüre, wie sie mich mit der Massage ihrer Vagina ständig knapp davor hält zu kommen, das aber auch erfolgreich mehrfach verhindert. Gleichzeitig kommt sie mehrfach, ohne dass ich es ihr gleichtun darf… mein verzweifeltes Jaulen und Fiepen ignoriert sie einfach…
Sie bewegt sich, hebt ihren Unterleib – nein… bitte… nicht aufhören, bitte lass mich in Dir kommen. Verzweifelt versuche ich mich loszureißen, sie festzuhalten, aber die Fesseln sind gnadenlos – oder ich schon zu schwach. Doch sie beginnt das Spiel ihrer Vaginamuskeln wieder, unterstützt von einem langsamen heben und wieder zustoßen… schnell bin ich soweit, zittere vor Lust, versuche krampfhaft mein Kommen zurückzuhalten. Da spüre ich, wie ihr Körper sich entspannt nur um gleich darauf in einem kräftigen Orgasmus zu verkrampfen… und endlich… ich darf auch kommen. Sie melkt mich, auch wenn das nicht notwendig ist, so treibe ich stöhnend meinen Samen tief in sie. Viel zu schnell ist es auch wieder vorbei.
Sie entspannt sich, sinkt auf meine Brust, hält mich aber in sich weiter fest. Langsam komme ich auch wieder zu mir aus diesem langen Fluss der Lust. Sie streichelt meine Brust, leckt meine Kehle und über meine Nüstern, was ich gerne auch bei ihr machen würde, aber ich habe ja noch den Knebel im Rachen, der meinen Mund sehr effektiv verschließt. Meine Versuche, sie darauf aufmerksam zu machen, ignoriert sie.
„Eigentlich habe ich diese Höhle dazu gedacht, damit Du mich so einsperren kannst, um gewaltsam mein Ei zu befruchten… Aber, verzeih. Dich so zu meinem Spielzeug zu machen, macht mir einfach so viel Spaß, viel mehr als ich je gedacht hätte. Ihr Menschen seid doch raffinierte Wesen.“
Auf mein fragendes Quietschen legt sie ihren Kopf auf meinen Hals und streichelt mich weiter.
„Ich habe den Löwen gefragt wegen der Einrichtung meiner Folterkammer. Er hat mir diese Seile besorgt und das hier mit eingerichtet. Und mir viel erklärt und erzählt. – Ach übrigens, jetzt wo das Dein Kerker sein wird, kann ich mein Versprechen ja viel einfacher einlösen. Er würde Dich gerne mal in dieser Situation haben und mit Dir machen, was er möchte. Ich denke, ich weiß was er meint, da er ja lieber mit Männchen…“
Mein Knurren und Zerren unterbricht sie. Ihre Bewegungen auf mir und um mich lassen mich vor Lust aufjaulen… sie braucht nur einige Minuten und ich komme wieder… fülle sie weiter, denn sie hält mich auch jetzt noch in sich fest.
„Ja mein Kleiner… verausgabe Dich. Umso ruhiger wirst Du bleiben, wenn ich Dich hier zurücklassen werde. Gut, dass Du Dich für einige Zeit abgemeldet hast, da wird Dich niemand vermissen.“
Wieder zappele ich und wieder falle ich der Lust zum Opfer, die mein in ihr gefangenes Glied mir bereitet. – Nachdem ich wieder klar denken kann, bleibe ich jetzt still liegen, sie weiter auf mir. So döse ich einige Zeit, bis sie unvermittelt beginnt mein Glied in sich heftig zu stimulieren… und so sehr ich mich auch bemühe, erliege ich nochmal der Lust… Es dauert zwar einige Zeit, in der sie mich kichernd traktiert, eine sehr erregende Tortur, aber am Ende unterliege ich wieder und gebe ihr noch mehr von meinem Samen. Insgeheim danke ich meiner Herkunft als ursprünglicher wilder Drache, weil wir viel und sehr schnell Samen produzierten, um immer ein Weibchen befruchten zu können. Und ich genieße die Situation gerade. Es ist auch für mich alten Drachen sehr erregend, einem Weibchen so hilflos ausgeliefert zu sein. Jedenfalls solange Tyria mich nicht als Frühstück ansieht.
Und ebenso überraschend erhebt Tyria sich, mir noch einige Lustvolle Momente dabei bereitend, ehe sie mich herauszieht und mit zuckendem Glied da liegen lässt. Die Geräusche klingen danach, dass sie aus der Höhle herausgeht, mich gefesselt und geknebelt da zurücklässt… Ich fiepe deutlich, aber bekomme keine Reaktion. – Warten… was hat sie vor? Will sie mich wirklich tagelang hier als ihr Spielzeug gefesselt halten?
Nach ca. einer Viertelstunde, als ich zu überlegen beginne mich zu befreien, höre ich ihre Schritte wieder näherkommen.
„Braves Männchen. Hat gehorsam auf seine Drachin gewartet.“
Ihre Stimme hat wieder diesen kalten, gebieterischen Klang. Ich fiepse leise. Wenn sie da ist, kann sie verhindern, dass ich mich selber befreie.
Sie kichert.
„Du hättest Deine Reaktion eben sehen sollen… Schreck… aber dann sowas wie Aufgabe… wirst Du Dich mir unterwerfen?“
Ich knurre leise.
„Also noch nicht. Umso besser, da haben wir noch viele erregende Spiele vor uns.“
Ihre Stimme ist wieder zärtlich und gehört der Tyria, wie ich sie mittlerweile kenne. Ich spüre sie neben mir, sie nimmt das ab, was meine Augen bedeckt hatte. Ich kann wieder ihre Wärmestrahlung sehen. Anschließend drückt sie meine Kiefer ein wenig weiter auseinander und schiebt dann diesen dummen Knebel aus meinem Mund. Erleichtert bewege ich meinen Kiefer.
„Danke meine Wolke“ –
Ich erkenne ihre Fangzähne, sie grinst also.
„Dafür, dass ich den Knebel rausgenommen habe?“ –
„Vor allem dafür, was Du gemacht hast, nachdem Du ihn reingesteckt hattest.“ –
„Oh, gerne. Aber ich muss Dir auch danken. Schließlich hast Du Dich ja fesseln lassen.“ –
„Du hast mich auch überrascht. Dann wollte ich aber auch wissen, ob dann wirklich das passiert, was mir durch den Kopf gegangen ist. Allerding war ich auch überrascht, dass eine Drachin so mit ihrem Partner spielt.“ –
Sie kichert wieder.
„Ich auch. Davon habe ich noch nie gehört. Aber meinen Partner zu dominieren liegt mir, auch wenn diese Art es zu tun völlig neu für mich ist. – Aber… es gefällt mir und ich hoffe, Du wirst mir erlauben es wieder zu machen.“ –
„Kann gut sein. Es war sehr erregend, mich nicht wehren zu können – egal was Du mit mir machst.“ –
„Ich werde mit dem Löwen reden müssen, damit er mir hilft, Dich wirklich hilflos zu machen… vielleicht hat er ja auch was gegen Deine Blitze. Dann bist Du wirklich mein Spielzeug.“ –
„Willst Du das denn? Mich zu einem Gegenstand machen, mit dem Du machen kannst, was Du willst?“ –
„Nicht Gegenstand… auch wenn ein vollkommen wehrloser Drache irgendwie sowas ist, wie die Dinger, mit dem die Menschennestlinge spielen. Und ja, das will ich.“ –
„Wenn Du es möchtest, bin ich gerne bereit, mich Dir so zu unterwerfen. Jetzt gleich?“ –
Sie schaut mich fragend an, dann bemerkt sie, was ich meine und löst schnell die Schlingen, die mich noch festhalten.
„Ich freue mich drauf. Aber nur für unsere Lustbefriedigung. Ich bin Deine gleichberechtigte Partnerin, daran wird sich nichts ändern.“ –
Sie reicht mir den Wasserkrug, den sie geholt hatte und ich trinke dankbar. Sie führt mich dann wieder aus der Höhle und zu einem Flüsschen, wo wir uns ein wenig ausgelassen frisch machen.
Nach dem Sonnenstand hat sie mich ungefähr 5 Stunden in der Höhle gefangen gehalten – ich muss also auch etwas geschlafen haben. Sie kommt zu mir nachdem ich meinen Slit gereinigt habe, schubst mich im Wasser um, umarmt mich dann und züngelt mir ausgiebig um die Nüstern. – Etwas ist aber anders… nicht ihre Zärtlichkeiten… irgendwas anderes… - Spielerisch drückt sie mich unter Wasser, lässt mich etwas theatralisch zappeln und zieht mich wieder heraus. Ihr Kuss mit dem intensiven Zungenspiel macht meine Reinigungsbemühungen fast sinnlos.
Wir trennen uns und sie steigt aus dem Fluss, um sich zu trocknen. Mir fällt ein ungewöhnlicher feiner Geschmack im Mund auf, aber ich kann den nicht zuordnen. Egal.
Sie schaut mich an.
„Ich denke schon die ganze Zeit darüber nach. Willst Du wirklich mit Shakti in Deinem Revier herumreisen?“ –
„Ja. Vielleicht nicht über die gesamte Strecke, aber zu einzelnen Stationen sicher. Solle ich nicht?“ –
Sie grinst.
„Aus Drachensicht wohl nicht. Aber als Partnerin solltest Du sie mitnehmen. Und sie kann Dir vermutlich bei einigen Problemlösungen sogar besser helfen als wir Drachinnen.“ –
„Gut. Naja, sollte dann ja bald passieren, ehe sie sich um eure Nestlinge kümmern muss.“ –
„Sie muss sich nicht um die Nestlinge kümmern. Wenn ihr unterwegs seid, kann Tascha sich ja selber um ihre Nestlinge kümmern. Shakti soll ja nur aufpassen, wenn wir alle mal nicht da sind.“ –
„Und Du willst Dich nicht um Deine kümmern?“ –
„Natürlich helfe ich Tascha, wenn es notwendig ist.“ Tyria schaut mich etwas verwirrt an. –
„Nein, ich meine Deine. Deine eigenen.“ –
„Eldingar… bitte stochere nicht in dieser Wunde…“ –
„Die schon verheilt ist.“ –
Ihr verwirrt fragender Blick kann nur bedeuten…
„Du hast es noch nicht bemerkt?“ – mir war plötzlich bewusst geworden, was ich gerochen und geschmeckt habe.
„Deine Hormone sind jedenfalls sehr eindeutig. – In meiner Jugend hätte ich jetzt dringend das Weite gesucht.“ –
Tyria starrt mich mit runden Pupillen an, torkelt etwas zurück, horcht sichtlich in sich hinein. Tastet verwirrt ihren Bauch ab.
„Das… unmöglich… es kann nicht sein… der Fluch… ich hatte kein Ei…“ –
„Nun, soweit ich das beurteilen kann, ist Dein Körper aber durchaus der Meinung, dass es so ist.“ –
Sie sinkt auf die Knie. Tastet immer noch ihren Bauch ab, als würde sie das Ei schon fühlen können. Und schüttelt fassungslos den Kopf.
„Wie… verrate mir, wie Du das gemacht hast… Der Fluch… ich kann keine Nestlinge haben bevor die Menschen diesen Fluch von mir genommen haben. Warst Du das? Du bist ja ein Mensch. – Eldingar… ist es wirklich wahr?“ –
„Ich bin also doch nur ein Mensch für Dich?“ ärgere ich sie etwas. –
„Ja… NEIN! Natürlich nicht. Aber Du warst doch die meiste Zeit ein Mensch.“ –
„Ja das war ich. Aber das ist nicht der Grund. Oder nur sehr indirekt. – Ich denke, Du warst bisher bei Deinen Paarungen, die nicht nur dem Spaß dienlich waren, einfach zu angespannt. Du hattest Diesen Fluch im Kopf, wenn Du Sex hattest. Du wolltest unbedingt ein Ei befruchtet haben. Aber Dein Unterbewusstsein erkannte, dass der jeweilige Partner nicht der richtige war. Und so verweigerte sich Dein Körper und Dir kam dann der Fluch in den Sinn. Bei mir erkanntest Du dann anscheinend in mir den Partner, den Du schon tausende Sommer gesucht hattest. Vielleicht sogar nur ein paar hundert Sommer seit dem Menschen, den Du in der anderen Welt getroffen hattest.“ –
„Aber der Fluch hat mich doch auch bei Dir getroffen…“ –
„Da warst du noch nicht wirklich bereit. Zu lange an den Fluch geglaubt.“ –
„Und jetzt?“ sie wird ruhiger. Anscheinend sickert die Erkenntnis in ihr Bewusstsein. –
„Jetzt? Du bist bereit. Und das Spiel mit mir hat Dich so von dem Fluch abgelenkt, dass Dein Unterbewusstes Ich ein Ei bereit hatte und es befruchten lies. Genug Samen solltest Du ja bekommen haben.“ Ich grinse.
„Jetzt musst Du es nur auch bewusst wollen. Der Fluch jedenfalls ist gebrochen.“ –
Sie starrt mich an.
„Ja natürlich will ich das Ei, den Nestling, Dein Kind. Bist Du sicher, dass der Fluch gebrochen ist?“ –
Ich muss grinsen. Wie können sich logische Wesen wie Drachen so an einen imaginären Fluch klammern?
„Ja, ich bin mir sicher. Der ist einer dominanten, mit ihrem zur Puppe degradierten Partner spielenden Drachin zum Opfer gefallen. Also gerne wieder.“ –
Tyria hat es jetzt anscheinend voll erfasst. Sie steht auf stürmt auf mich zu, umarmt mich heftig und küsst mich noch heftiger.
„Es ist… so umwerfend. Ich kann Nestlinge von Dir bekommen… Ich… ich möchte Dich… Aber ich kann doch den Drachen, der mich vom Fluch befreit hat, nicht als mein gefesseltes Spielzeug benutzen…“ –
„Doch kannst Du. Das hat nichts damit zu tun. Und es hat ja geholfen, warum also solltest Du es nicht wieder machen.“ –
„Du möchtest es also unbedingt?“ –
„Nicht unbedingt. Aber wenn es meine Drachin zufrieden stellt und Spaß macht, bin ich gerne dazu bereit.“ –
„Gut.“ Sie überlegt.
„Ich glaube, wir sollten mein Ei noch geheim halten vor den anderen. Nicht lange, aber ich möchte Tascha nicht glauben lassen, dass sie damit jetzt in den Hintergrund geschoben wird, was von Seiten der anderen Großen oft so aussehen wird. Wir können es ihr im Laufe der Reise sagen und sie entsprechend vorbereiten. Und ihr die Sicherheit geben, dass sie weiter den gleichen Rang behält. Erst dann möchte ich, dass es allgemein bekannt wird.“
Ich schaue sie an und nicke. Sie seufzt.
„Ja, ich weiß, dass keiner glauben mag, dass ich auf Tascha Rücksicht nehmen möchte. Aber sie ist Deine erste Partnerin hier. Sie ist Dir wichtig… ach das hatten wir ja alles schon. Kurz, ich achte sie als Deine Partnerin neben mir und bitte glaube mir, ich mag sie wirklich. Ich werde sie notfalls verteidigen, als wäre sie meine Schwester. Und das möchte ich ihr vorher nochmal deutlich machen, bevor die anderen Drachen davon erfahren. Das wird sicher viel Aufregung geben, die sehr an ihr vorbeilaufen wird.“ –
Nachdenklich nicke ich.
„Du hast sicher recht. Ich kenne euer Volk noch nicht genug, um zu wissen, was passieren wird. Aber es klingt logisch genug.“ –
„Dann lass uns zurückfliegen. Du willst sicher noch einiges vorbereiten, Menschen planen ja immer alles. Und ich werde mich an das Gefühl gewöhnen müssen, das gerade in mir herumgeistert, als wäre der Nestling bereits in mir geschlüpft. Sehr unlogisch.“ –
Wir machen uns bereit, werden zum Feral und Tyria folgt meinem Rat gegen den Wind zu starten, was es ihr einfacher macht als mit dem Wind in Richtung auf meine Wohnstätte, was sie eigentlich wollte. – Sie ist eine gute Fliegerin, aber ich habe immer wieder den Eindruck, die Drachen machen sich keine Gedanken darüber, wie es besser oder einfacher geht. Obwohl sie in anderen Dingen mit ihrem Wissen leicht mit den Menschen drüben mithalten können.
Tyria nimmt den direkten Kurs und so sind wir schnell wieder über meiner Wohnstätte, wo das Gewusel wieder mal größer geworden zu sein scheint.