Kapitel 15

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 15

Götterdämmerung

Fast zeitgleich ging ein Seufzen durch die Reihe, und im Moment hatte keiner eine passende Antwort.

„Am Anfang erschufen unsere Götter unseren Planeten, danach betrachteten sie ihr Werk und freuten sich. Sie merkten aber, dass etwas fehlte und schufen den Ozean und die drei Kontinente.

Anschließend wurden von Chnum die immergrünen Zonen der Wiesen, Flüsse, Auen und Wälder erschaffen.

Seth erschuf, zusammen mit Ra, die Wüste. Horus erschuf das Gebirge.

Ptah bildete den Urwald und Anubis baute die unterirdischen Höhlen, Grotten und Labyrinthe.

Anschließend kam Osiris und hauchte dem Ganzen den lebensspendenden Odem ein.

Überrascht und überglücklich ruhten die Götter am dritten Tag aus, stellten aber gegen Abend desselben Tages fest, dass sich nichts veränderte. Enttäuscht darüber, wollten sie die Welt am vierten Tag zerstören, überlegten es sich aber anders und fegten lediglich über die Oberfläche hinweg. Es entstanden Wind und Jahreszeiten.

Sie merkten, dass sich etwas zu verändern schien auf ihrer Welt, und beschlossen sie zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Am fünften Tag erschufen sie Tiere und ließen sie auf der Oberfläche frei. Diese vermehrten sich, entzogen sich aber jeder Kontrolle. So erschufen sie am sechsten Tag uns. Jeder Gott erschuf eine Art nach seinem Bilde.

Die Wesen wurden jedoch schon sehr bald müde, konnten aber keine Kräfte sammeln und drohten zu sterben.

Ra war darüber sehr traurig und die Sonne verfinsterte sich. Die erste Nacht brach an und die Wesen gingen zur Ruh’ und konnten sich von der Müh’ des Tages erholen.

Ra und die anderen Götter bemerkten dies und führten am siebten Tag die Tageszeiten ein, mit Hell- und Dunkelphase“, sprach Pallas vor sich hin.

Die anderen schauten sie an.

„Soweit zur mythologischen Version unserer Entstehung“, entgegnete Kira. „Aber wer sind wir wirklich? Was sind wir? Geschöpfe der Götter oder vielleicht eine verrückte Idee von einem der was ausprobieren wollte?“

Ungewollt hatte sie einen Gedanken geäußert, der ein inneres Chaos zu verursachen drohte. Er drohte die bekannten Grenzen und Vorstellungen zu sprengen. Und was, wenn er sich als richtig herausstellte? Wie würden sie damit leben und umgehen? Und, von wem stammten sie dann in Wahrheit ab?

„Ich habe die Befürchtung“, sagte Cyron, „dass die ganze Sache nicht nur ein Kampf mit materiellen Dingen wird, sondern auch mit uns selbst unserem Glauben und unseren Grundeinstellungen.“

„Du meinst, dass wir auf der Suche nach unserem Schöpfer sind?“, fragte Triton unsicher.

„Ja, genau das meine ich. Wer immer die ganze Maschinerie auf unserem Planeten aufgestellt hat, hat auch Antworten auf all unsere Fragen. Und die sollten wir uns holen, immerhin ist er, sie, es, was auch immer, uns was schul-dig, wenn wir es bis dahin schaffen sollten.“

Sie nickten zustimmend und erhoben sich. Cyron ging zu den Ladestationen und schaute nach dem rechten. Kira ging in ihr Zelt, löschte das Licht, kuschel-te sich an ihren Schatten und schlief ein. Stella ging in ihr Zelt, und als Cyron eintraf schlief sie bereits tief und fest. Er legte sich neben sie, beobachtete sie und konnte nicht schlafen. Er war zu tief in seinen Gedanken gefangen und grübelte noch mehrere Stunden.

Schließlich fiel er in einen unruhigen und kurzen Schlaf.

Im Traum ging er durch einen langen und hell erleuchteten Gang. Er kam an eine Tür und klopfte an. Sie wurde von der anderen Seite geöffnet und er trat in eine riesige Halle. An den Wänden standen riesige Stühle und auf jedem saß einer der bekannten Götter. Sie sahen freundlich auf ihn herab und zeigten auf einen anderen Stuhl, der am Kopfende der Halle stand. Dieser war leer.

Er ging langsam und unsicher darauf zu, als plötzlich ein Wesen eintrat und darauf Platz nahm. Er dachte erst, dass es sich um Ra handeln müsste. Aber als er genauer hinsah, erkannte er, dass es nicht Ra war, der da Platz genommen hatte. Es war ein Wesen, wie er es noch nie gesehen hatte. Es ging aufrecht, hatte zwei Beine, zwei Arme und auch einen Kopf. Es war nackt und ihm anatomisch ebenbürtig. Aber trotzdem war da etwas was ihn regelrecht abstieß und gleichzeitig faszinierte. Dieses Wesen hatte eine rosige Haut. Das war es auch was ihn irritierte. Er konnte die Haut sehen, denn es hatte keinerlei Fell und auch keinen Schwanz.

„Wer bist du?“, fragte Cyron.

„Ich bin dein Gott“, erwiderte das Wesen mit donnernder Stimme.

Weiter kam er in seinem Traum nicht. Er schrie auf und erwachte schweißgebadet.

Er fasste neben sich und fühlte nach seiner Gemahlin, aber die war nicht da.

Das Tageslicht schickte sich mittlerweile an, die Regentschaft der Nacht zu be-enden. Er trat vor das Zelt und suchte nach Stella, fand sie auch und ging zu ihr.

„Hallo Liebling“, begrüßte sie ihn und küsste ihn sanft auf die Nase.

„Hallo“, sagte er, mit belegter Stimme.

„Was ist mit dir Schatz, geht’s dir nicht gut?“, fragte Stella besorgt.

„Nein, nein. Alles in Ordnung. Ich habe nur schlecht geschlafen und hatte merkwürdig geträumt.“

„Oh, oh. Ich hoffe, dass dich die ganze Sache nicht überfordert.“

„Ne, ich schaff das schon.“, sagte er und lächelte beruhigend.

Er sah sich um und stellte fest, dass er scheinbar der Letzte war, der aus dem Zelt gekrochen kam. Er schnappte sich seine Frühstücksration und schlang aus-gehungert sein Fleisch hinunter. Nach etwa einer Stunde hörte man ein leises summendes Geräusch und über die Hänge kamen die Drachen. Freudig streck-ten sich viele Arme in die Luft, um sie zu begrüßen. Cyron hatte aufgegessen und eilte zu Groodarn, der wie immer die Gruppe der Drachen anführte und somit als erster landete.

„Guten Morgen, Tiger Cyron und auch guten Morgen an alle anderen“, sagte der Drache.

„Hallo Groodarn.“

„Wie ich sehe habt ihr die letzten beiden Tage gut überstanden. Erzählt doch mal, was ihr alles erlebt habt.“

Cyron gab im Schnelldurchlauf die Geschehnisse wieder und die Drachen, die es mit anhörten waren sichtlich beeindruckt.

„Also war es, alles in allem, ein voller Erfolg“, bestätigte der Drache das Gehörte.

Cyron und auch einige andere nickten.

„Das freut mich zu hören, Tiger Cyron. Was habt ihr als nächstes vor?“

Der Satz war inzwischen eine Standardformel von Groodarn geworden und der Tiger hätte ihn wahrscheinlich verständnislos angeschaut, wenn er diese Frage nicht gestellt hätte.

„Wir möchten an den Rand des Urwalds. Dort schlagen wir unser nächstes Lager auf und überlegen unsere weitere Vorgehensweise.“

„Ihr solltet erstmal nach Felgan zurückkehren und eure Lebensmittelvorräte ergänzen“, gab der Drache zu bedenken. „Außerdem muss ich euch darüber in-formieren, dass wir einen tragischen Verlust hinnehmen mussten. Einer meiner Freunde war vorgestern auf der Jagd und flog bis dicht an die Grenze zum Urwald. Was genau ihn ausgerechnet dorthin geführt hatte, wissen wir nicht. Jedenfalls entdeckten wir ihn gestern blutüberströmt am Ufer des Tiglus. Wir vermuten, dass er schon an der Waldgrenze angegriffen und schwer verwundet wurde. Er muss sich noch bis zum Flussufer geschleppt haben und ist dann dort gestorben.“

Diese Nachricht war bestürzend.

„Verdammt, das tut mir ehrlich Leid. Die Situation gerät außer Kontrolle und nimmt an Schärfe zu. Scheinbar wird alles, was sich nur in Richtung des Urwalds bewegt, sofort niedergemacht“, warf Chiron ein.

„Okay, wir haben unsere Sachen soweit zusammen gepackt. Wir brechen nur noch die Zelte ab und fliegen dann nach Felgan. Die Lage ist scheinbar sehr ernst und mit der ganzen Bewaffnung der Station dort ist nicht zu spaßen“, entschied Cyron.

„Ich habe aber auch eine gute Nachricht, die euch vielleicht freuen wird“, sagte Groodarn.

„Wir helfen euch. Nachdem unser Freund angegriffen und getötet wurde sind wir involviert und euer Kampf ist nunmehr auch unser Kampf geworden. Wir greifen ab jetzt aktiv ein.“

Cyrons Augen begannen zu leuchten, denn das war in diesem Augenblick ei-ne wirklich dringend benötigte, gute Nachricht. Er zögerte auch nicht lange und weihte Groodarn in die Unterlagen ein, in welchen die Ausrüstung der Station beschrieben war. Der Drache nickte, als er Cyrons Ausführungen folgte.

„Wir fliegen jetzt nach Felgan und warten bis morgen. Ich werde die Anderen auch in die Unterlagen einweihen. Sie müssen wissen was auf sie zu kommt. Wir müssen vor allem damit rechnen auf extrem heftigen Widerstand zu stoßen und dass nicht alle lebend zurückkehren werden“, ergänzte Cyron.

Groodarn nickte und wirkte nicht erfreut. „Wir haben schon einen Drache verloren. Ich hoffe, dass es nicht noch mehr werden, aber ausschließen kann man es nicht.“

„Nein, es wird wirklich hart werden. Aber lassen wir die Köpfe nicht hängen. Wir haben jetzt einen entscheidenden Vorteil. Wenn wir angreifen, dann im Verbund. Also gleichzeitig aus der Luft und vom Boden aus. Das wird den Gegner vielleicht überfordern und uns wertvolle Zeit verschaffen.“

Das war einleuchtend, konnte sich der Angreifer, der sich scheinbar ihrer Welt bemächtigen wollte, doch nicht mehr nur auf eine Zielebene konzentrieren und war gezwungen seine Waffensysteme zu splitten.

„Okay, packen wir es an“, merkte Cyron auf. „Alle mal herhören!“, rief er laut. „Wir fliegen jetzt nach Felgan zurück, dort machen wir einen Zwischenstopp und übernachten. Ich habe euch wichtige Neuigkeiten zu vermitteln.“

Sie bauten die Zelte ab, verstauten sie und beluden die Drachen. Nachdem alle sicher und bequem Platz genommen hatten, hoben ihre geflügelten Freunde ab und nach vier Stunden erreichten sie ihr Ziel. Die Dorfbewohner freuten sich riesig über die Ankömmlinge und bereiteten ihnen einen herz-lichen Empfang.

Hargot war im Dorf geblieben und freute sich überschwänglich Casandra wiederzusehen. Er rannte auf sie zu und umarmte sie innig. Sie war zunächst verwirrt, und wusste nicht recht was sie von diesem Überfall halten soll. Ergab sich aber schließlich in ihr Schicksal und flauschte Hargots Fell durch.

Die Wirtin Shiva eilte herbei und sah sich um. Ihre Augen leuchteten auf, als sie Pathenon entdeckte und sie stürzte auf ihn zu. Er erstarrte zur Salzsäule, als er merkte wie ihm geschah. Aber es war eh schon zu spät. Shiva sprang ihm förmlich in die Arme, klammerte sich an ihm fest und küsste ihn heiß und innig. Die Umherstehenden beobachteten das und fingen an zu johlen und zu applaudieren.

Chiron stupste Tarja an. „Wie es aussieht hat sich da noch ein Pärchen gefunden.“

Tarja war gerade mit dem Abladen ihrer Sachen beschäftigt, aber unterbrach ihre Tätigkeit, schaute in die Richtung in die auch Chiron blickte und fing an zu kichern. „Sieht so aus. Shiva hängt ja förmlich wie eine Klette in seinem Fell.“

Chiron nickte, sah Tarja an und küsste sie. „Lass mich auch deine Klette sein“, flüsterte er ihr ins Ohr.

Sie schlug die Augenlider nieder und nickte bejahend. Er schwebte wie auf Wolken und wünschte sich, dass dieser Augenblick ewig halten würde.

Aber die Zeit verging und große Ereignisse warfen ihre Schatten voraus.

„Wir müssen uns mit allen zusammensetzen und beratschlagen wie wir weiter vorgehen. Die Sache wird morgen extrem haarig werden“, sagte er in einem ernsten Tonfall.

Tarja seufzte und nickte wiederholt.

Nach etwa einer Stunde waren die Drachen von ihrem Ballast befreit und leg-ten sich am Flussufer zur Ruhe. Die Truppe setzte sich auf den Dorfplatz und erholte sich ebenfalls. Es wurden reichlich Nahrung und Getränke gereicht, was seine Wirkung nicht verfehlte und die Moral aufpolierte. Während alle noch aßen, erhob sich Tarja und bat einen Augenblick um Aufmerksamkeit.

„Hört mal her“, begann sie und machte ein nachdenkliches Gesicht. Sie musste überlegen, denn einerseits wollte sie die vor ihnen liegende Etappe nicht schön reden, aber andererseits wollte sie auch nicht entmutigen.

Es war eine feine Gratwanderung, die sie hinlegen musste. „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Welche wollt ihr zuerst hören?“

Gemurmel entbrannte, legte sich aber schnell.

Der Stier Torus rief: „Zuerst, die gute Nachricht. Danach kann man sich über-legen, ob man die schlechte überhaupt noch hören will.“