Kapitel 59

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 59

das Geninstitut

Stunden später tauchte das Transportschiff in der Erdumlaufbahn auf. Seine Übernahme war leichter von statten gegangen als gedacht. Die Sicherheitsvorkehrungen waren minimal, da es diesmal keine Kampfanthros transportierte. Somit befanden sich nur fünf weitere Soldaten an Bord und die waren sehr schnell davon überzeugt, sich nicht zur Wehr zu setzen. Das Transportschiff war bis auf den letzten Quadratzentimeter voll gepackt mit Anthros und ihren Waffen.

„Okay, alle mal herhören. Das Schiff landet direkt in einem Hangar des Forschungsinstituts. Wenn wir gelandet sind möchte ich, dass alle sofort ausschwärmen und das Gelände sichern. Anschließend suchen wir das Labor mit den Genmaterialien und setzen dem Ganzen ein Ende. Danach räumen wir das Feld und jagen alles in die Luft. Es darf nichts übrig bleiben, auf das man wieder aufbauen kann“, sagte Dremal.

Zustimmendes Gemurmel der Übrigen durchflutete die beengten Verhältnisse. Mittlerweile war das Schiff angekommen und wie geplant im Hangar gelandet.

„Apophis!“

„Ja, Dremal.“

„Du, deine Eltern sowie die beiden Menschen bleiben hier bei mir. Der Rest der Truppe schaltet die Headsets und die Helmkameras ein. Auf geht’s Leute und macht ihnen Feuer unter den Arsch.“

Das Außenschott öffnete sich und 79 Anthros schwärmten aus, postierten sich vor allen Türen und sicherten den Hangar.

Plötzlich schrillte eine Alarmsirene: „Alarm, Eindringlinge, Alarm, Eindringlinge. Alle Verteidigungskräfte sofort zum Hangar.“

„Verdammt“, murmelte Dremal. „Das musste ja kommen.“

Im Hangardach öffneten sich mehrere Luken und es stürzten Dutzende von Messerdrohnen in die Tiefe.

„Na toll“, entfuhr es Tarja. „Das kommt mir alles so bekannt vor.“

Man sah und hörte unzählige Laserstrahlen durch die Halle zischen, fauchen und leuchten.

Die Messerdrohnen waren aber wesentlich effektiver programmiert als die auf Genro und somit schneller. Es fielen bei weitem nicht so viele aus wie bei den vorangegangenen Kämpfen.

Tarja und Chiron wurde die Warterei zu bunt.

Sie griffen ein, schnappten sich Waffen und rannten in den Hangar. Sie profitierten von ihren Erfahrungen und innerhalb von wenigen Sekunden lagen zwei der Drohnen zerstört am Boden.

Noch war die Gruppe vollzählig, aber das sollte sich jetzt schnell ändern. Mehrere Flugmesser stürzten sich im Pulk auf drei der Anthros, die dicht beieinander standen und hatten Erfolg. Zwei der Drohnen fielen dem Laserfeuer zum Opfer, aber die dritte schaffte es und riss einen der Anthros in den Tod. Sie durchschlug den Körper des Opfers, stieg wieder empor und suchte sich das nächste Ziel.

„Scheiße“, schrie Tarja. „Die sind zu schnell und auf Gruppenangriff programmiert. Das waren die, die wir kannten, nicht.“

Chiron bejahte ihre Bemerkung und schrie im gleichen Augenblick auf.

Eine Messerdrohne hatte den Kampfanthro der neben ihm stand attackiert und den Kopf abgetrennt. Sein Blut durchtränkte Chirons Overall, als er zu Boden ging. Der Tiger war für einen kurzen Moment wie gelähmt, löste sich aber schnell wieder aus der Erstarrung als er merkte, dass sich eine der Drohnen anschickte ihn als nächstes Ziel anzugreifen und Tarja laut schrie. Er riss die Waffe hoch und fegte den Angreifer aus der Luft. Die Drohne explodierte mit einem lauten Knall.

Mittlerweile lagen fünf Anthros tot am Boden, zwei weitere mussten ins Landungsschiff gebracht werden, weil ihnen von den Drohnen entweder ein Arm oder ein halbes Bein amputiert worden war.

„So, ein verdammter Mist“, schrie Dremal. „Wir fallen wie die Fliegen und es sind immer noch dreißig von diesen Dingern in der Luft.“

Die Anthros wehrten sich so gut sie konnten und nach dreißig Minuten war der Kampf beendet. Die Drohnen waren komplett vernichtet, aber auch die Truppe hatte starke Verluste erlitten. Von achtzig Kampfanthros waren nur noch dreißig einsatzfähig. Der Rest war entweder verwundet oder tot und auf dem Boden verstreut.

„Noch so ein Angriff und wir können einpacken“, grollte Chiron.

Da öffnete sich plötzlich eine der Türen und fünf kleine Kampfroboter betraten den Hangar. Sie eröffneten sofort das Feuer.

„JA“, schrie Chiron. „Das ist nach meinem Geschmack. Das wird jetzt immer besser.“ Der Zynismus war kaum zu überhören.

Ohne eine Einheit direkt anzuvisieren eröffnete er das Feuer und traf wie durch ein Wunder tatsächlich einen der Roboter. Der explodierte fast augenblicklich. Metallteile flogen durch die Halle und eines traf Tarja am Oberschenkel. Sie brüllte auf und ging zu Boden.

Chirons Herzschlag setzte für Sekunden aus, dann rannte er zu ihr, half ihr auf die Beine und schleppte sie in das Schiff. Er hatte Tränen in den Augen, als er ihr das Metallteil aus dem Oberschenkel zog und ihre Wunde verband.

„Das Ganze ist doch ein blöder Bockmist. Wir sollten hier verschwinden und das Institut von außen angreifen. Die Verteidigung ist zu stark und wir befinden uns immer noch im Hangar. Bevor wir es schaffen, weiter in den Komplex einzudringen, sind wir alle schon tot“, presste Tarja hervor.

Chiron sah ihr in die Augen und dann zu Dremal. Der holte tief Luft und aktivierte sein Headset. <„Sofort alle ins Schiff. Wir ziehen uns zurück. Macht hin!“>

Innerhalb von wenigen Sekunden waren alle die noch dazu in der Lage waren wieder im Inneren des Landungsschiffs und sie verließen den Hangar. Als sie die Atmosphäre verlassen hatten, resümierten sie über den zurückliegenden Kampf.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele meiner Leute sterben sehen würde“, begann Dremal und schluckte verbittert.

„Wir hatten mit Messerdrohnen und Kampfeinheiten schon auf Genro zu tun“, entgegnete Chiron. „Aber die, die wir kannten, waren eher stoisch und nicht so schnell und vor allem nicht flexibel in ihrer Angriffsstrategie.“

„Wie meinst du das?“, fragte einer der Kampfanthros.

„Ich denke mal, dass es am Alter der Programmierung lag. Jedenfalls reagierten sie immer sehr spät, griffen fast nie kombiniert an und waren leicht zu irritieren. Die hier sind anders, ihre Programmierung ist scheinbar extrem fortschrittlich und den neuesten Bedürfnissen angepasst. Wir hätten keine Chance gegen die gehabt.“

„So ein Mist. Das darf einfach nicht wahr sein.“

„Was machen wir jetzt?“, fragte Jody.

„Einen neuen Angriff“, sagte Shana. „Wir müssen da rein. Die würden das Institut nicht so schwer bewaffnen, wenn die da nur Gummibärchen herstellen würden.“

„Nochmal angreifen?“, fragte Dremal. „Garantiert nicht. Ich habe keine Lust noch mehr von meinen Leuten zu verlieren.“

„Hast du ne bessere Idee?“, fragte sie aufgebracht.

Er schwieg.

„Na toll. Keine Antwort, ist auch ne Antwort.“

„Ich schlage vor, dass wir uns aufteilen. Ein Teil von uns holt die Fähre der Mondbasis und damit den Waffenträger vor Shanas Haus ab. Der andere Teil fliegt mit dem Transportschiff zur Ra-em und liefert die Verwundeten ab“, sagte Chiron.

„Gute Idee“, entgegnete Apophis. „Aber den Mech kann von uns nur Syrgon bedienen und der ist auch auf dem Cheritkreuzer.“

„Ausgezeichnet, dann bringen wir den gleich mit. Wir laden die Verwundeten ab und lassen sie medizinisch versorgen. Dann krallen wir uns Syrgon und fliegen zum Mond. Ihr schnappt euch die Fähre inklusive des Mechs und kommt ebenfalls zum Mond.

Wir treffen uns dort und übernehmen wieder die Anthros Voyage. Anschließend landen wir mit unserem Schiff auf der Erde und dringen erneut in das Institut ein. Wir lassen den Waffenträger die gröbste Arbeit erledigen und alles was größer ist als ein Buch platt machen. Damit dürfte dann das Schlimmste überstanden sein. Den Rest erledigen wir auf die bekannte Art und Weise.“

Dremal biss sich auf die Unterlippe. Er sah sich im Schiff um und sein Blick fiel auf den Piloten. „Wir brauchen mehr Platz im Schiff.“

Er drängelte sich bis zum Pilotensitz durch, griff nach dem Menschen und zog ihn gewaltsam aus dem Sitz. Der schrie laut auf und versuchte sich zu wehren, aber es war zwecklos. Die Krallen des Löwen gruben sich tief in seinen Hals und er schleifte ihn gewaltsam hinter sich her.

Die Konditionierung auf Kampf zeigte sich in ihrer vollen Stärke und richtete sich gegen ihren Schöpfer. Dremal öffnete das Zwischenschott, warf den Menschen hinein und schlug auf den Verriegelungstaster. Zischend schloss es sich wieder.

„Will noch jemand was sagen?“

Keine Antwort, alle schauten nur zu und versuchten die bizarre Situation zu erfassen.

„Keiner der zum Abschied winken will? Na gut, dann eben nicht. Mal sehen, ob der fliegen kann.“

Er schlug aus dem Handgelenk heraus auf den Auslöseschalter. Das Außenschott öffnete sich und der ehemalige Pilot wurde mit dem Luftstrom in den freien Raum gerissen und in Richtung Erdoberfläche katapultiert.

„Gute Landung, bestell schon mal schöne Grüße von uns und schreib bitte keine Karte“, grollte Dremal zynisch.

Das Schott schloss sich wieder.

„So genug gefeiert. Jemand sollte das Schiff steuern und uns zum Kreuzer bringen. Unsere Leute brauchen dringend medizinische Versorgung.“

Jody stand auf und war augenblicklich an den Steuerungskontrollen. Sie brachte den Antrieb auf Maximalleistung und programmierte den Navigationsrechner auf die Koordinaten des Cheritschiffs.

„Wir sind auf Kurs 1,97 zu 2,800. Ankunft in etwa fünf Stunden. Bis dahin sollten wir uns alle etwas ausruhen.“

„Fein“, sagte Dremal. „Kira, Andrew, Shana, Apophis und Tarja gehen mit Krisal. – Tarja, wie steht es um deine Verwundung?“

Tarja nickte nur und bewegte das Bein. „Geht schon, halb so schlimm.“

„Ausgezeichnet. – Krisal, stell dich nicht so an und sieh zu, dass du noch neun von unseren Katzen aktivierst bekommst. Trefft euch im Landungsschiff des Transporters.“

Der Löwe hielt den Kopf schief.

„Jetzt mach schon, ihr habt wenig Zeit und müsst den Mech holen.“

Krisal nickte bestätigend und schnappte sich einen der Pumas, welcher etwas hilflos drein blickte, aber schließlich mitging. Die noch fehlenden Kampfanthros brauchte man nicht zu suchen und innerhalb weniger Minuten waren alle im Landungsschiff und flogen zurück in Richtung Erde.

„Captain“, sagte Sitral, „Wir haben das Transportschiff auf unseren Sensoren. Es hat direkten Kurs auf uns.“

„Was? Wie ist das möglich?“

„Keine Ahnung Drekal, aber es ist so.“

„Verdammt, da muss was schief gegangen sein.“

Stunden später befand sich das Schiff im Inneren des Kreuzers und die Verwundeten wurden auf der Krankenstation versorgt. Drekal hatte Chiron und Dremal zum Rapport gebeten.

Die beiden berichteten was vorgefallen war und die Wölfin machte ein sor-genvolles Gesicht. „Das ist sehr schlecht, mal ganz abgesehen von den Toten. Das Institut ist jetzt in erhöhter Alarmbereitschaft. Was schlagt ihr also vor, wie sollen wir jetzt noch vorgehen?“

„Da gebe ich das Kommando an Chiron ab“, sagte Dremal offen.

Chiron zuckte zusammen und die Aufmerksamkeit des Captains ruhte ganz auf ihm. „Ich schätze, dass du eine Idee hast.“

„Tja, also. Zunächst erst mal muss ich Parais lobend erwähnen. Die Blockierung der Paralysefrequenz funktioniert hervorragend. – Ja und nun, ich habe tatsächlich eine Idee und sie auch schon mit Dremal besprochen. Tarja, Apophis, Kira, Shana und Andrew sind mit Krisal und neun weiteren Kampfanthros auf dem Weg zur Erde. Sie holen die Mondlandefähre mit dem Mech und fliegen anschließend zurück zum Mond.

Wir fliegen mit dem Versorgungsschiff jetzt auch zum Mond. Auf der Mondbasis steht noch das Schiff mit dem wir herkamen. Dann laden wir einfach alle Waffen und erwähnten Mech in unser Schiff und fliegen vor das Institut. Außerdem müssen wir Syrgon mitnehmen. Er ist der einzige der den Waffenträger steuern kann.“

„Das klingt ausgezeichnet. Macht es so. – Aber was bitte ist ein Mech, respektive Waffenträger?“

Chiron erklärte es ihr und mit jedem Detail das er Preis gab, wurden die Augen der Wölfin größer. „Besser geht’s nicht. Das ist unsere Chance, außerdem werde ich noch zwanzig Leute aus meiner Besatzung auswählen, die euch verstärken werden. Vergesst aber das Transportschiff. Wir fliegen mit der Ra-em, denn sicher ist sicher.“

Dremal war begeistert und das merkte man ihm an. Der Löwe verließ zusammen mit Chiron mehr als ausgelassen den Besprechungsraum des Captains.

Sie begaben sich beide auf die Technikebene des Schiffes und steuerten auf den Maschinenraum zu, denn da sollte sich Syrgon angeblich aufhalten.

Aber soweit kamen sie erst gar nicht. Auf halbem Weg stolperte ihnen der Wolf direkt vor die Pfoten.

„Oh, wenn man vom Teufel spricht“, sagte Chiron erfreut.

Syrgon stutzte und sah zu Dremal. „Wer ist das?“

„Ach ja. Das ist Dremal er gehört zur Gruppe der Kampfanthros, die sich uns angeschlossen haben.“

„Ahhh … so schauen die also aus.“

Dremal knurrte leise.

„Das schockiert mich jetzt gar nicht“, entgegnete der Wolf frech.

Der Löwe kniff die Augen zusammen und atmete hörbar ein.

„Ihr habt mich also gesucht?“, änderte Syrgon schnell das Thema.

„In der Tat. Wir brauchen einen Mech-Administrator und hörten, dass sich hier in der Nähe einer rumtreiben soll. Würdest du uns beim suchen helfen?“, wit-zelte Chiron.

„Suchen? Ich würde sagen, gefunden habt ihr einen und den Besten dazu.“

Dremal verdrehte die Augen. „Ein Hund mit Egoproblemen.“

Jetzt knurrte Syrgon.

„Das wiederum beeindruckt mich jetzt nicht“, hielt Dremal dagegen.

Syrgon fletschte die Zähne.

„Beruhige dich wieder. Mag sein, dass du der beste Mech-Admin bist“, beru-higte Chiron die beiden.

Der Wolf bekam sich wieder in den Griff.

„Komm mit, die Ra-em ist schon auf dem Weg zum Mond, aber an deinem Ego solltest du trotzdem dringend arbeiten“, sagte Chiron noch und zerrte den Wolf mit sich.

Dremal folgte ihnen. „Der Beste? Pöh. Der Einzige und nur deshalb der Beste“, murmelte er.

„Das habe ich gehört“, rief Syrgon über die Schulter und knurrte wiederholt.

Als Dank hielt ihm Chiron die Schnauze zu, so dass ihm nur noch ein leises fiepen zu entnehmen war.

„Wir haben ihn gefunden. Er lief uns geradezu in die Fänge“, intonierte Chiron.

„Ja und der Hund hat echte Egoprobleme, hält sich für den Besten“, fügte Dremal hinzu.

„Könnt ihr das Thema endlich mal sein lassen“, grollte Chiron. „Das ist ja nicht mehr auszuhalten.“

Löwe und Wolf standen sich gegenüber und versuchten so Furcht einflößend zu knurren, wie sie nur konnten. Nach fünf Minuten war das Kräftemessen beendet und die Konkurrenten beruhigten sich wieder.

„Okay“, sagte Chiron, „ich glaube, dass wir jetzt soweit sind.“

Drekal schaute Syrgon durchdringend an. „Respekt, Rüde. Du steuerst also den Waffenträger und rettest damit unser ganzes Unternehmen.“

Syrgon schaute sich irritiert um. „Was soll ich?“

„Du rettest sozusagen unsere Hintern“, übersetzte Dremal.

Chiron fing an zu kichern.

„Na, das habt ihr euch ja fein ausgedacht.“

„Bleib locker, Männchen. Du sollst nur deinen Mech steuern und das Institut von Waffen säubern.“

„Nur?“

„Ja. Ist ja nicht so, dass ich dich vernaschen will, ich dich zwingen würde mir stets zu Diensten zu sein.“

Syrgon fiel die Kinnlade runter.

„So … soll …“, er schluckte heftig, „Sollte das jetzt ein Angebot sein?“

„Vielleicht? Ich mag Rüden die stark sind und wissen was sie wollen. Ich liebe es, wenn ein Männchen geschmeidig eins wird mit seiner Waffe.“

Sie schlich um Syrgon, streichelte sanft über seinen Rücken, pustete ihm plötzlich in das linke Ohr und schlug aufmunternd auf den Hintern.

Syrgon machte einen Satz nach vorn und heulte auf. Er rannte wie von der Tarantel gestochen aus dem Besprechungsraum und verschwand.

„Was war das denn?“, fragte Dremal irritiert.

„Ich glaube der Gute hat ein kleines Problem und muss kurz kalt duschen. - Also, Captain. Ich muss schon sagen. Du weißt wo ein Wolfsrüde seinen neuralgischen Punkt hat und gut motivierbar ist.“

Drekal kicherte, weil sie verstand worauf Chiron hinaus wollte. „Der ist ja schnell aus dem Gleichgewicht zu bringen“, stellte sie fest.

„Ja und das wo er vor unserem Abflug noch ein Abenteuer mit einem Greif hatte.“

Die Wölfin riss die Augen auf. „Hmhm“, sagte sie nur und grinste leicht.

Kurze Zeit später tauchte Syrgon wieder auf und war sichtlich erfrischt. „So, jetzt bin ich bereit für meine Aufgabe.“

Drekal sah ihn scharf an und fuhr sich mit ihrer Zunge über ihre Lippen.

Syrgon seufzte. „Dazu kommen wir später, meine Teure, ähm, Captain“, entgegnete er nur, woraufhin sie ihn anlächelte und nickte.

„Wir gehen dann mal in den Speisesaal“, sagte Chiron und zog den Rüden hinter sich her, bevor er wieder abdrehte.

„Wow“, sagte Syrgon, „was für ein Weibchen.“

„Ich dachte, du hättest etwas mit Tristan am laufen?“

„WAS?“, kreischte der Wolf schrill auf. „Woher weißt du davon?“, fragte er mit gesenkter Stimme.

„Das hatte mir ein kleines Vögelchen gezwitschert“, antwortete Chiron versonnen und starrte zur Decke.

„Lass mich raten. Dieses kleine Vögelchen ist weiblich und hat Rosetten.“

„Keine Ahnung wovon du sprichst.“

Sie setzten sich wieder in Bewegung und erreichten schließlich den Speisesaal. Die Hälfte der Kampfanthrotruppe, die von Drekal hinzugeorderten Cherit und auch der Rest der Chafren sowie Jody und Gregor Binder waren schon anwesend.

„Oh“, rief Syrgon, „kommen wir wieder zu spät? Haben wir was verpasst?“

Cyron drängelte sich durch die Massen. „Schön, dass du auch auftauchst, Wolf.“

Syrgon sprang Cyron förmlich an den Hals und überrumpelte den Tiger mit dieser Aktion.

„Ey!“, schrie Stella. „Lass die Finger von meinem Männchen.“

Alle Anwesenden drehten sich zu den beiden um und fingen an zu lachen. Der Raum schien unter dem Gelächter zu dröhnen und die zwei Menschen waren sichtlich verloren in dem Meer, das aus fünfundsechzig Anthros bestand.

Komisch, der Raum konnte in der Tat zweihundert Personen fassen, aber wenn man den Saal betrat hatte man den Eindruck, dass es mindestens dreihundert sein müssten. Irgendwie hatten es alle geschafft nur ein Viertel des Raumes in Beschlag zu nehmen und daher rührte das dichte Gedränge.

Wie dem auch sei, sie waren jetzt vollzählig und Captain Drekal, gefolgt von Sitral und Selestral betraten den Raum. Drekal räusperte sich, viele Augen richteten sich auf sie und es zog sehr schnell eine gespenstische Stille ein. Sie nah-men nunmehr auch den Rest des Raumes in Besitz und setzten sich.

„Okay. Leute. Alle mal herhören. Ich möchte kurz erklären um was es geht.“

„Hört, hört“, rief jemand dazwischen.

Kurzes Gekicher tönte durch die Reihen.

„Danke, sehr freundlich. Hoffentlich bleibt es dabei und ihr seid immer noch so erfreut und witzig, wenn es richtig losgeht. Ihr seid dazu auserkoren, ein Institut auf der Erde nochmals anzugreifen. Eure Gruppe hatte es vor kurzer Zeit schonmal versucht und ist leider gescheitert. Ich muss die Zahlen nicht schön reden, aber als ihr eindrangt, wart ihr noch achtzig Kämpfer. Als ihr den Rückzug antreten musstet, waren es nur noch dreißig Einsatzfähige und zwanzig Verletzte, die anderen dreißig sind innerhalb von fünfzig Minuten draufgegangen.

Die Verteidigung der Einrichtung ist sehr massiv. Das Gebäude sieht nach außen hin vollkommen normal aus, hat es aber in sich. Ich will wie gesagt, nichts schön reden oder verheimlichen. Ihr habt nur den Hangar gesehen, wurdet von schätzungsweise dreißig Messerdrohnen angegriffen und als noch fünf kleine Kampfroboter dazu kamen, war es aus. Wie viele von den Waffensystemen im Gebäude noch aktiv sind, wissen wir nicht. Daher halten sich alle zunächst im Hintergrund.

Wir haben einen Wolfsrüden unter uns, der einen Mech steuern und im Kampf führen kann. Er wird mit seiner Maschine in das Gebäude eindringen und das Gröbste beseitigen. Wenn der Hangar sicher ist, rücken alle nach und sichern die Nebenräume. Der Mech rückt weiter in den Komplex vor und wird vermutlich das Feuer auf sich ziehen. Somit ist der Rest der Truppe unbehelligt und kann die Suche nach dem Großlabor fortsetzen. Dringt ein und zerstört alle Computer und technischen Anlagen die ihr findet. Es darf nichts übrig bleiben. Sichert Papiere und holt sie raus. Wenn ihr euch zurückzieht, legen einige von euch Sprengladungen mit Zeitsteuerung. Stellt sie so ein, dass Syrgon auch noch raus kommt. Sollte dem irgendwas passieren, reiße ich euch den Arsch auf.“

Viele guckten zu Syrgon, dann zu Drekal und feixten. Der Captain hatte anscheinend einen Liebhaber ins Auge gefasst und hielt seine schützende Hand über ihn.

„Also Leute, ihr wisst worauf es ankommt. Bewegung!“

Die Anthros sprangen auf und verließen den Saal. Die zwei Menschen folgten.

„Captain“, sagte Selestral, „ich will mitgehen. Ich fühle, dass ich gebraucht wer-de.“

Drekal schaute sie nachdenklich an. „Gut. Geh mit, wenn es dein Wunsch ist, aber pass auf dich auf.“

Selestral nickte kurz und verließ den Raum.

„Ich brauche jetzt was herbes“, sagte Drekal daraufhin. „Bedienung, zwei Bier bitte.“

Sitral und die Wölfin prosteten sich zu, tranken die Gläser aus und gingen ebenfalls.

Die Fähre und den Mech zu holen war einfacher als befürchtet. Scheinbar hatte niemand damit gerechnet, dass jemand auf die Idee käme, einfach aufzutauchen und alles abzuholen. Shanas Haus war daher vollkommen unbewacht.

„Das ist wirklich erniedrigend“, grollte Andrew. „Reicht es nicht schon, dass wir in einen richtigen Kampf ziehen? Nein, jetzt müssen wir auch noch dicht gedrängt stehen und den Schweiß des anderen einatmen.“

Kira fand die Situation auch mehr als pikierend und gab Andrew Recht. Allerdings trieben eher Andrews Ausdünstungen die Tiger neben ihm fast in den Wahnsinn und sie fingen an, sich gegenseitig begehrliche Blicke zuzuwerfen. Nach endlosen Stunden, aber keine Sekunde zu spät, erreichten sie den Mond und landeten.

Die Schotten waren noch nicht einmal richtig geöffnet, da rannten die Ersten schon aus der Fähre, quer durch den Hangar, eröffneten das Feuer auf die her-bei eilenden Wachen und verschwanden in der Station. Die Tiger, die direkt neben Andrew gestanden hatten, taten das Gleiche, jedoch aus anderen Motiven. Sie schossen ebenfalls und töteten den Rest der Wachmannschaft, flitzten durch die Station, fanden die Quartiere und verschwanden in den einzelnen Zimmern.

Minuten später tauchten alle klatschnass wieder auf und man sah ihnen die Erleichterung förmlich an. Andrew schien zu ahnen was ihr Problem gewesen war und suchte ebenfalls eine Dusche auf. Nachdem sich alle wieder zusammengefunden hatten, marschierten sie zurück zum Hangar. Andrew und Kira nahmen sich bei der Hand und umkreisten das Schiff.

„Es ist tatsächlich noch da“, freute sich Kira.

„Ja, hoffentlich sind auch noch die Waffen an Bord“, murmelte Andrew vor sich hin.

Vier Kampfanthros überholten sie und stürmten in die offene Zugangsluke. Man hörte mehrere Schüsse, dann flogen die Leichen von acht Menschen auf den Boden der Station.

„Hier ist alles sauber“, sagte einer der Anthros.

Kira verschlug es die Sprache. Soviel Rohheit und Kaltschnäuzigkeit hatte sie noch nie erlebt. Wobei sie den Anthros keine Schuld geben konnte. Sie waren so gezüchtet worden und entsprechend ausgebildet.

„ALLE IN DAS SCHIFF, BEWEGT EUCH UND SEID NICHT SO LAHM“, brüllte Krisal.

Die Truppe beschleunigte die Schritte und war im Nu im Inneren der Anthros Voyage verschwunden. Die Chafren besetzten die Kommandobrücke und warteten auf das Eintreffen der Ra-em. Vierzig Minuten später landete ein großer Cheritgleiter neben der Anthros Voyage und Syrgon, Dremal, Jody und dreißig weitere Anthros stiegen aus. Damit waren sie vollzählig.

„Beweg deinen Hintern in die Landefähre und hol endlich den Mech“, brüllte Andrew zur Begrüßung.

Innerhalb von wenigen Minuten hörte man zuerst ein lautes Pfeifen und dann schwere stählerne Schritte. Der Mech verließ die Landefähre und steuerte direkt auf das große Cheritschiff zu.

Der Gleiter hob ab und flog lediglich mit seinem Piloten bemannt zurück zur Ra-em, während Syrgon unter großem Staunen der anderen mit seinem Mech geräuschvoll das Schiff betrat.

Wenig später waren sie auf direktem Weg zum Institut. Es wurde Zeit aufzuräumen. Sie durchstießen die Erdatmosphäre, stürzten förmlich dem Boden entgegen und setzten direkt vor dem Gebäude hart auf.

<„Okay, wir sind unten“>, sagte Kira über das Intercom.

Syrgon hatte es sich in seinem Mech häuslich hergerichtet und startete die System erneut. Er hob die Daumen in Andrews Richtung, welcher sich an der Schleuse postiert hatte und diese nun öffnete.

„Viel Glück!“, rief er dem Wolf zu.

Syrgon hörte ihn nicht mehr und gab der Maschine die Sporen. Der Mech rannte quer über den Vorplatz, überrannte den Absperrzaun. Syrgon zündete den Raketenwerfer und feuerte eine Salve in das Zugangstor. Drei Raketen bohrten sich in den massiven Panzerstahl und explodierten zwischen den Stahlplatten. Das Tor wurde mit einer gewaltigen Explosion aufgerissen.

<„Hört ihr mich?“>, kam Syrgons Stimme aus den kleinen Intercomlautsprechern.

Andrew drückte auf den Wechselsprecher.

<„Ja, wir können dich laut und deutlich hören.“>

<„Super. Ich habe mich ins Intercom eingeklinkt, damit ihr verfolgen könnt was passiert und ich euch warnen kann, falls es nötig sein sollte.“>

Plötzlich hörte man Laserfeuer und das Surren von Messerdrohnen.

<„Ich kriege gerade Besuch“>, rief Syrgon.

Danach hörte man wie der Mech seine tödliche Fracht im Hangar verteilte. Die Explosionen der Raketen und das Hämmern der Maschinenkanonen waren unüberhörbar.

„Wow, das glaube ich einfach nicht“, sagte Dremal begeistert. „Hört euch das an. Das klingt wie eine ganze Armee die da reinmarschiert.“

Auch für die anderen Kampfanthros klangen die Geräusche des Mechs wie Musik.

Nach zehn Minuten war Ruhe.

<„Ihr könnt jetzt rein kommen. Ich ziehe weiter.“>

Die Anthros rannten aus dem Kreuzer und in den Hangar hinein. Der Mech war nicht mehr zu sehen, man hörte nur noch seine Schritte in einem der großen Gänge hallen. Die Zerstörung die Syrgon angerichtet hatte war katastrophal. Der Hangar war nicht wiederzuerkennen. Keine der Türen, Tore oder Deckenluken existierte noch. Metallschrott, der von mehreren Messerdrohnen und Kampfeinheiten stammte, bedeckte den gesamten Boden.

„Okay, Leute. Wir gehen auch weiter. Ähm, wir nehmen das Loch in der Wand, das große Loch, da in der Mitte.“

Nacheinander tauchten sie in die Station ein. Tatsächlich erkannte man noch einen Gang, der sich hinter einer Tür befand. An seinem Ende klaffte ein weiteres Loch, welches von einer Rakete gerissen worden war.

„Da hinten müssen wir links herum und dann weiter geradeaus, dann nach rechts und durch die nächste Tür. Dahinter muss eine Treppe nach unten führen. An ihrem Ende liegt das Labor“, rief Dremal und ging voraus.

„Na super und wieder Gänge, Türen und Treppen“, sagte Andrew an Kira gewandt.

Die Luchsin grinste verschmitzt. „Was beschwerst du dich? Ist doch fast wie zuhause.“

Andrew rollte mit den Augen. „Du hast zwar recht, aber ich hoffte wir hätten diesen Part unseres Unternehmens hinter uns gelassen. Na ja, er holt uns jedenfalls immer wieder ein.“