Kapitel 5
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Kapitel 5
Altes Wissen und Neuigkeiten
Thomson, Kromberg und Horn standen zusammen, beobachteten Captain Melina und Selestral, hielten sich bewusst im Hintergrund, als die Stute sich ihnen zuwandte.
„Jetzt wird’s wohl unschön“, sagte Thomson kleinlaut.
Aber Captain Melina und Selestral waren entspannter Laune.
„Was kann ich für euch tun?“, leitete Horn ein und versuchte diplomatisch zu entschärfen.
„Spar‘ dir das auf“, kam die kurze Antwort. „Ich brauche dringend mehr Informationen. Wie ihr wisst drängt die Zeit und die Sektierer schlafen nicht. Auch, wenn der erste Versuch scheinbar daneben ging.“
„Das hört sich gut an“, lästerte Kromberg und erntete scharfe Blicke der Cherit, Chafren und einen vernichtenden von Horn.
Captain Melina legte die Ohren lasziv zur Seite. „Mister Kromberg, sie amüsieren mich mit ihrer Frechheit. Aber übertreibt es nicht. Ich will Daten und Ant-worten.“
„Bevor ich Fragen beantworte, möchte ich gerne eine Frage stellen, wenn ich darf“, entgegnete Horn.
„Wenn es sein muss“, stöhnte Selestral.
„Sie sagten gerade, dass der erste Versuch dieser Sektierer daneben ging. Wie meinten sie das?“
„Die Besatzung der ersten Fähre fand ein kleineres Schiff in der Nähe und davor und mittendrin jeweils eine Leiche“, antwortete Melina.
„Hmmm? Wie das? Wir hatten nichts auf dem Radar.“
„Ausnahmsweise mal nicht aufgepasst?“, witzelte Cyron dazwischen, als er hinzukam.
„Sehr lustig. Ich lache später“, knurrte Horn. „Dann müssen die wohl im Radarschatten angekommen sein und sofort zur Landung angesetzt haben. Aber um was für Leichen handelt es sich?“
„Cyron?“, gab Melina an den Tigerkater weiter.
„Es handelt sich scheinbar um künstliche Menschen. Jedenfalls fanden wir die Leichen, aber kein Blut. Stattdessen liegen die Körper oder eher die Einzelteile in einer milchigen Flüssigkeit“, erklärte dieser.
„Synths“, entfuhr es Kromberg. „Die haben uns gerade noch gefehlt.“
„Um was handelt es sich dabei?“, fragte Selestral.
„Cyborgs!“, begann Horn mit seiner Ausführung. „Künstliche Menschen, mit künstlicher Intelligenz. Die Weyland Yutani Corporation kam irgendwann auf die Idee immer einen von denen mitzuschicken, wenn die Missionen länger waren. Sie sollten dafür sorgen, dass Schiff und Fracht nicht verloren gehen, wenn die menschliche Besatzung durch Krankheit oder Tod komplett ausfallen sollte. Auf der Nostromo, war ein Halbert1A1 im Einsatz und die Corporation gab ihm den Auftrag eines der Aliens im Frühstadium unbedingt zur Erde zu bringen, egal was mit der Besatzung geschieht.“
„Und was geschah?“, bohrte Cyron.
„Der Synthetische tötete fast die komplette Besatzung“, erwiderte Horn kurz und knapp.
„Na entzückend“, entfuhr es Melina. „Und was sind die da draußen?“
„Kromberg, gehen sie mal nachsehen. Vielleicht finden sie eine Kennung“, ordnete Horn an.
Melina nickte kurz. „Cyron! Du gehst besser mit und gibst ihm Feuerschutz.“
„Aye, Captain! – Kommen sie Mister Kromberg. Wir haben einen Auftrag.“
Unwirsch, aber ergeben, trottete der Angesprochene hinter dem Tigerkater her.
„Na schön. Was genau sind diese Viecher und wo haben die ihren wunden Punkt? Was ist ein Madragadal-Gott? Inwiefern sind die Gegner telepathisch veranlagt?“, hub Melina an.
„Das sind schon drei Fragen, aber der Reihe nach“, setzte Horn an.
„Ich bin ganz Ohr.“
„Zum ersten. Das sind alles Mutationen. Nicht einer der Xenomorphe ist im Ursprungszustand. Die Originale, um es mal salopp auszudrücken, hatten Angst vor Feuer und waren mit Schusswaffen relativ gut zu töten. Von Nahkampfwaffen sollte man dringend absehen, da das Blut dieser Spezies eine organische Säure darstellt.“
In diesem Moment verzerrte Zeus das Gesicht und alle schauten auf den halben Rest seines Arms. „Ja, das kann ich sehr deutlich bestätigen“, presste er hervor.
„Am effektivsten zu töten sind die auf größere Entfernung mit Blastern, ein paar Stunner haben wir an Bord der Guardian. Ansonsten besteht ein Clan aus einer Königin, ihren Soldaten und Drohnen.“
„Aha. Wer von denen stellt die größte Gefahr dar?“
„Von der Königin sehen wir erstmal ab. Die hockt irgendwo tief im Inneren des Planeten, schmeißt den Laden, aber rührt sich nicht vom Fleck und legt fleißig Eier. Um die müssen wir uns später kümmern. Die Soldaten sind die Hauptbedrohung, die sind mehr oder weniger die Wache des Clans. Dann folgen die Drohnen als Leibwache der Königin. Wie die aber jetzt aussehen weiß keiner und wir sollten uns auf unangenehme Überraschungen freuen.“
Captain Melina stöhnte laut auf. „Das hat mir gerade noch gefehlt. Aber was ist dieser Madragadal?“
„Ein was?“
„Mir wurde etwas von einem Madragadal-Gott erzählt, wohl eher erwähnt, bevor ich aus den Spinnweben oder wie immer man es nennen mag, befreit wurde.“
„Noch nie gehört“, sagte Horn, starrte tief ins Alienschiff und überlegte. „Wie weit wurde das Schiff damals von der Crew der Nostromo erkundet und hat einer von euch mal tiefer nachgeschaut?“
Die Cherit und Chafren schüttelten die Köpfe. „Wir haben weiter hinten einen Nebenraum gefunden, der so etwas wie eine Art Krankenstation darstellen könnte“, sagte Tripal.
Thomson warf ein, dass die Crew der Nostromo nur das Wesen fand, welches wohl das Schiff steuerte. „Kane, ein Mitglied der Crew, entdeckte im Inneren des Schiffes und ein Deck tiefer tausende von Eiern, die unter einem Schutzfeld lagen. Er wurde infiziert, wenn man es so nennen mag und an Bord der Nostromo gebracht. Den Rest kennen wir ja aus den offiziellen Überlieferungen. Nach zwanzig Stunden lebte nur noch Ripley, von ursprünglich sechs Crewmitgliedern und zerstörte den Ölfrachter. Also sollten wir uns das Schiff hier nochmal genauer ansehen.“
„Hältst du das für eine gute Idee?“, fragte Selestral.
„Ich denke, ja“, warf Horn ein. „Wir sollten die Fähre am Eingang nehmen, zum Kreuzer fliegen und die nötige Ausrüstung her schaffen. Also Bewegungs-scanner, Stunner, Granaten und Rüstungen. Unsere Cheritfreunde sollten das auch tun und dann gehen wir mal näher auf Tuchfühlung mit den Xenos, dem Schiff und später auch mit den unterirdischen Labyrinthen. Es sei denn, ihr seid nicht neugierig und steht lieber in der Gegend rum.“
Die Anthros schienen sichtlich beeindruckt von dem kühnen Plan und nickten zustimmend.
In diesem Moment kamen Cyron und Kromberg zurück. „Wir haben was gefunden“, rief Kromberg schon von weitem.
„Ah! Schieß los“, forderte Horn auf.
„Es handelt sich um Halbert4B2 Systeme. Die Identifikationsnummern waren innerhalb der Schädeldecke zu erkennen.“
„Na toll. Noch etwas Neues. Aber was zum Teufel haben die mit den Sektierern zu tun?“, fragte Thomson.
„Vielleicht haben wir es mit Abtrünnigen zu tun“, versuchte Horn witzig zu sein, verzog aber augenblicklich das Gesicht, als ihm bewusst wurde, dass er unter Umständen gar nicht mal so falsch lag.
„Okay“, grollte Melina mit finsterer Miene. „So machen wir es. Colras und Zeus bleiben dann auf der Horem-hab und wir nehmen stattdessen Apophis und Andrew mit.“
„Was bitte?“, fragte Thomson.
„Apophis und Andrew. Die beiden sollten hier genau an der richtigen Stelle sein. Vor allem Apophis, weil er telepathisch veranlagt ist. Vielleicht kann er sich, wenn es hart auf hart kommt, mit den Aliens kurzschließen“, ergänzte die Stute und verdrehte die Augen. „Kira, du kommst auch mit und lässt dir schon mal was für Zeus‘ Arm einfallen.“
Gesagt, getan. Kurze Zeit später dockte die Fähre mit allen an Bord im Hangar des Kreuzers an. Sitral und vor allem Stella begrüßten alle ungewöhnlich freudig.
„Gut, dass sie zurück sind, Captain. Wie geht es den Anderen?“
Die Stute baute sich auf der Brücke auf und schaute sich um, während Zeus, Kira und Colras sich zur Krankenstation begaben.
„Hallo“, sagten Parais und Tristan gleichzeitig.
Als Schneeleopardentaur und Greif jedoch die beiden Ankömmlinge genauer betrachteten erschraken sie angesichts der körperlichen Verwüstungen. „Bei allen Göttern“, entfuhr es Tristan. „Was für Bestien sind das da unten?“
„Kein Grund zur Besorgnis, sonst würde ich nicht hier stehen“, wiegelte Zeus ab.
„Hinlegen, ich sehe mir das sofort an“, befahl Parais barsch und seufzte.
Der Einhornhengst ließ alles über sich ergehen und schaute zu Colras, welcher auf dem Krankenbett neben ihm lag.
„Übrigens, Glückwunsch zum Überleben. Wohl das einzig Gute nach diesem Verlust.“
„Was soll’s“, sagte er und knurrte kehlig, als Parais ihm die Versorgungsschläuche aus dem Armstumpf zog.
„Oh… oh. Das sieht übel aus“, seufzte der Schneeleopardentaur.
„Captain Melina hat Kira schon scharf gemacht, zwecks einer Prothese“, warf Zeus in den Raum und schaute zur Luchsin.
„Ich mach mich dann mal auf den Weg zur Technik und kratze ein paar nette Teile zusammen“, hub Kira an und verschwand.
„Ah, dann bist du ja in den besten Händen, abgesehen von uns. Gibt es sonst noch Verwundete?“, hakte Parais nach.
„Nein, ich bin bisher der einzige Idiot den es schwer erwischt hat.“
„Gut, du bleibst erstmal hier.“
Zeus schnaubte unzufrieden. „Ich soll laut Captain eh an Bord bleiben. Und Colras leistet mir dann ja auch Gesellschaft.“
„Ah ja. Aber wie es scheint mag er die Behandlung durch Tristan ganz und gar nicht.“
„Verdammt was soll das? Ich bin sehr wohl noch am Leben und nicht tot“, motzte der Tigerkater den Greif an.
„Nein, aber ihr habt den ganzen Spaß und ich flicke hier nur immer wieder die Reste zusammen.“ Tristan zwinkerte kurz, was untypisch war.
„Apophis und Andrew sollen auf den Planeten. Die Xenomorphe sind telepathisch veranlagt und Apophis soll sich mit denen wohl kurzschließen.“
„Verdammt. Da muss ich mir was einfallen lassen“, hub Parais an. „Ich kann ihn nicht ungeschützt diesen Viechern aussetzen.“
Zeus nickte kurz. „Nicht das die ihn am Ende für sich behalten wollen.“
„Wie sieht es eigentlich da unten aus?“, fragte Tristan dazwischen.
„Du bist aber neugierig“, knurrte Colras.
„Ich bin nicht neugierig, ich will nur alles ganz genau wissen.“
„Na schön. Das ist der erbärmlichste und aggressivste Planet den ich je erblickte. Aber die anderen Crewmitglieder werden schon Licht ins Dunkel bringen und dieser Brut ein Ende bereiten.“
„Klingt lustig“, sagte Parais und fletschte die Zähne.
„Du bist doch nur neidisch. Gib‘s zu.“
„Na klar und nebenbei verliere ich meinen Hintern. Da habe ich aber viel von. Wie sähe das denn aus, ein Taur ohne Hintern?“
„Ich würde ihn vermissen“, mischte sich Tristan ein und grinste sehr eindeutig.
„Schatzi! Ich habe auch noch andere Körperteile die du gut im Griff hast“, erwiderte Parais.
Zeus fing an zu lachen. „Wenigstens haben wir den Humor noch nicht verloren.“
Parais nickte, warf seinem geflügelten Partner einen begehrlichen Blick zu und kümmerte sich dann weiter um die Wunden des Einhorns.
Derweil hatten es sich Captain Melina und Selestral auf der Brücke bequem gemacht und schauten auf die Instrumente, nebenbei gab die Stute einen kur-zen Bericht zum Besten: „Es besteht auf dem Planeten ein hohes Risiko tödlich zu verunglücken, daher müssen wir sehr überlegt vorgehen. Colras und Zeus befinden sich auf der Krankenstation und bleiben an Bord, ebenso Kira.
Selestral und meine Wenigkeit werden zusammen mit Apophis und Andrew wieder zum Planeten fliegen. Dort werden wir auf Cyron und Tripal treffen, welche die Stellung halten. Die Menschen namens Horn, Kromberg und Thom-son sind dann auch wieder vor Ort. Im Moment sind die auf ihrem Schiff und klauben alles zusammen was hilfreich sein könnte. Und keine Sorge Stella, alle sind soweit unverletzt, es ist nur nervenaufreibend und es gibt kaum Ruhephasen.“
Die Tigerin nickte, war aber trotzdem nicht glücklich ob des Umstandes, dass ausgerechnet ihr Ehekater den Helden spielen musste, auch wenn sie es aus der Vergangenheit nur zu gut kannte.
Mehrere Mitglieder von Technik und Waffenentwicklung durchstöberten auf der Horem-hab die Waffenkammer und das Waffenlabor, stellten ein gut aus-gerüstetes Arsenal zusammen.
Horn, Thomson und Kromberg taten das Gleiche, allerdings auf der Guardian und klaubten schnell Handscanner, Stunner, Granaten, Flammenwerfer, Taschenlampen, Kampfmesser zusammen und legten die schweren Carbon-Rüstungen an.
„Das sollte reichen“, meinte Horn an die anderen beiden gewandt.
Kromberg nickte und Thomson schaute nicht besonders glücklich drein. „Keine Sorge Kleine. Wird schon schief gehen und außerdem sind da noch unsere Cheritfreunde und dieser Apophis. Warum der mit muss, keine Ahnung.“
„Weil die Aliens auch telepathisch veranlagt sind?“, warf Thomson dazwischen.
„Stimmt, da war ja was.“
„Starten!“, befahl Horn, „Andocken an Horem-hab. Tempo, wir haben nicht ewig Zeit.“
Zehn Minuten später verließen sie die Guardian und betraten den Hangar der Horem-hab, begaben sich unbehelligt in den ersten Zwischengang und warteten auf die Cherit.
Nicht viel später tauchten die auch auf, wirkten noch bedrohlicher als sie es eh schon waren.
Jeder von ihnen war eine ganze Armee wert, trug zwei Blaster, ein Plasmagewehr, war in einer schweren Rüstung verstaut und ebenfalls mit Handscannern und Taschenlampen ausgerüstet. Außerdem waren die beiden angekündigten Anthros namens Andrew und Apophis dabei.
Allerdings war noch jemand hinzugekommen und hielt sich im Hintergrund.
„Wer ist das?“, fragte Kromberg.
„Das ist Zoya“, antwortete Thomson begeistert.
„Ach ja, ich vergaß schon wieder, dass da noch was war. Die Heilsbringerin, wenn ich mich recht entsinne“, gab Kromberg leicht zynisch von sich.
„So, dann wollen wir mal“, intonierte Horn.
Captain Melina schaute ihn scharf an. „Erstmal sollten wir klären, wer für was verantwortlich ist und wer hier das Kommando hat.“
Kromberg riss die Arme hoch. „Oh, die gnädige Dame fühlt sich übergangen. Meinetwegen kannst du das Kommando übernehmen, aber zunächst sollten wir das Alienschiff gründlich erkunden und abgesehen davon, erstmal heil unten ankommen.“
Die Stute nickte zustimmend, aber blähte trotzdem die Nüstern.
„Irgendwann übertreibst du es Kromberg und man reißt dir den Arsch auf“, flüsterte Thomson.
Die Stute drehte sich beim Betreten der Fähre nicht mal um, hörte aber sehr wohl die Bemerkung von Thomson. „Den Arsch reiße ich ihm nicht auf, aber die Dinger ab.“
Kromberg verdrehte die Augen und Thomson kicherte albern.
„Alles rein jetzt. Wir haben viel zu tun“, rief Andrew und nahm an der Steuerkonsole Platz. Als endlich auch Zoya und Apophis, welche sich am Schott noch ein kurzes Wortgefecht lieferten, in der Fähre waren, konnte der Flug ins Abenteuer starten.
Eine Stunde später trat die Fähre in die Atmosphäre ein und wurde heftig durchgeschüttelt.
„Wir setzen wieder direkt vor dem Zugang zum Mutterschiff auf und blockieren mit den Blastergeschützen der Fähre den Eingang. Einen Flug übers Hügelfeld sparen wir uns, sonst haben wir gleich wieder die volle Aufmerksamkeit und die bekommen wir eh früh genug“, erklärte Selestral und klopfte Andrew auf die rechte Schulter, welcher es mit einem Nicken quittierte.
„Ich fürchte die haben wir schon“, sagte Kromberg wenig später, als die Fähre sich dem Alienschiff näherte.
Tatsächlich hatte sich eine Art Begrüßungskomitee vor dem Zugang postiert, war aber durch die Blastergeschütze der Landefähre schnell beseitigt.
„Okay, wir landen gleich, alles bereit machen! Denkt dran, wir sind ein Super-Team und keiner kann es mit uns aufnehmen“, munterte Melina die Truppe auf und sah Kromberg grinsend an. „Auch sie dürfen uns gern begleiten Mister Kromberg, wenn sie sich nicht gerade in ihre Hose machen.“ Ihr Sarkasmus war nicht zu überhören und wirkte bei Kromberg insofern, dass der die Backen kurz aufblies und die Stute herausfordernd ansah.
„Ich sehe, dass sie bereit sind“, kam ihre lapidare Entgegnung.
Nachdem die Fähre punktgenau gelandet war und die Besatzung den Zugang einstweilen und provisorisch gesichert hatte, sollte die nächste Hürde genom-men werden. In das Alienschiff vorzudringen und darin ein paar Informationen zu sammeln.
Gesagt, getan? Mitnichten.
Im Schiff hörte man zur Begrüßung schrille Schreie und spürte förmlich die physische und psychische Präsenz des Feindes.
„Mir ist nicht wohl bei der Sache“, flüsterte Thomson und hatte den Stunner im Anschlag.
Andrew stand neben ihr und sah sie mit gespitzten Ohren an. „Angst ist kein guter Begleiter. Angst macht blind, lähmt und beherrscht Geist und Körper. Respekt dagegen hält die Instinkte wach, macht im Auftreten sicherer und aufmerksamer. Halten sie die Ohren und Augen offen und reagieren sie schnell.“
„Was sie nicht sagen?“
„Und es wäre schön, wenn sie in ihrer Aufmerksamkeit so freundlich wären niemanden von uns zu erschießen“, ergänzte Zoya.
Thomson seufzte und schien sich etwas zu entspannen, besser gesagt, sie versuchte es.
„Wo ist eigentlich Apophis?“, polterte Melina.
„Sich zu verstecken war eigentlich nie seine Art“, gab Cyron zur Antwort.
„Huch!“, fuhr Selestral erschrocken herum, „Ihr seid auch da.“
„Wo sollten wir sonst sein. Aber faszinierend zu beobachten wie aufmerksam ihr seid, so dass ihr unser Anschleichen nicht einmal bemerkt habt“, stellte Tripal fest. „Wenn wir der Feind gewesen wären, dann wäret ihr jetzt schon tot.“
„Ja, danke für den Hinweis. Also, alles absuchen und sichern. Und findet den Säbelzahnkater“, wies Melina an.
Andrew machte sich auf die Suche und wurde sehr schnell fündig. Apophis stand in einer Ecke des Zugangs und hielt den Kopf zwischen den Armen.
„Was ist mit dir?“, fragte der Säbelzahnlöwe besorgt.
Apophis sah ihn aus verschwommenen Augen an. „Sie sind hier, sie sind hier. Sie rufen nach uns, sie rufen nach unseren Körpern und einer Gottheit.“
Andrew fackelte nicht lange, packte ihn am linken Arm und zog ihn mit sich zu den Anderen. „Captain! Ich habe ihn gefunden und er ist etwas abwesend, um es vorsichtig auszudrücken. Hört sich vage nach einem Kontakt an.“
„Was? Das ist besser als erwartet“, intonierte die Stute, baute sich vor dem Kater auf und zwang ihn, sie anzusehen. „Was spürst du? Apophis?!“
„Sie sind hier, hier drin. Es sind viele. Sie warten schon lange auf ihren Gott und wir sollen geopfert werden. Außerdem ist hier noch ein anderer Mensch. Die Aliens sind in Aufruhe. Dieser andere Mensch wollte etwas stehlen, etwas von großem Wert. Es ihnen entreißen.“
„Tja“, polterte Kromberg, „zum Opfern gehören immer zwei Seiten. Eine Seite die opfern will und eine die geopfert werden soll. Nur, die Seite, die den beschissenen Part hat, hat leider keinen Bock auf den Mist.“
Andrew grinste breit, Tripal nickte schweigend, Melina schnaubte und blähte dabei die Nüstern, Thomson schwieg weise und versuchte ihre Angst zu be-kämpfen und Horn sah Kromberg schief an. Der Rest der Gruppe sah sich einfach im Raum um.
„Das hört sich doch sehr lustig an“, murmelte Melina.
„Die Frage ist nur, wer der andere Mensch ist und welche Gestalt dieser Madragadal-Gott hat“, flüsterte Thomson gepresst.
„Das wird sich zeigen, wenn wir es gefunden haben“, knirschte Horn und deutete in Richtung des Schiffinneren. „Hopp.“
So bewegten sie sich langsam, sehr umsichtig und mit entsicherten Waffen Zentimeter für Zentimeter in das Schiff hinein. Aus Zentimetern wurden Meter.
„Was ist das eigentlich für ein komisches Zeug an den Wänden?“, fragte Thom-son.
„Das muss von den Xenos stammen. Quasi eine persönliche Innendekoration“, entgegnete Horn.
„Entzückend. Sehr schlechte Innenarchitekten.“
„Warum, ich finde es sehr kuschelig hier“, witzelte Kromberg.
„Nicht mehr lange, setzt eure Bewegungsscanner ein. Bleibt zusammen und einer passt mir auf Apophis auf, nicht dass er uns plötzlich abhandenkommt“, raunte der Captain.
Jetzt musste Thomson grinsen und entspannte sich tatsächlich etwas.
Was sollte schon passieren bei den Anthros direkt an ihrer Seite, wenn die solche Scherze machen konnten oder war es Galgenhumor? Kannten diese Anthros überhaupt Humor?
In der Ferne hörte man wieder Geräusche, die entfernt an ein Klacken erinnerten.
„Passt auf, die müssen ganz in der Nähe sein“, flüsterte Andrew.
„Kann nicht sein, mein Scanner nimmt keinerlei Bewegung war“, sagte Tripal und drehte sich schnell in verschiedene Richtungen. „Nein, da ist nichts, überhaupt nichts.“
„Funktionieren die Dinger auch? Nicht, dass sie durch irgendwas beeinflusst werden?“, fragte Horn.
„Nein, die hatten vorher auch funktioniert.“
„Okay, genug gelabert. Weiter geht’s“, mischte sich Selestral ein.
So arbeiteten sich acht Cherit, Chafren und drei Menschen immer weiter und tiefer ins Feindesgebiet vor und es nahm schier kein Ende.
Nach geraumer Zeit und ohne Zwischenfälle erreichten sie den Ort, an dem damals die Rätsel, die sich vor der Besatzung der Nostromo auftaten, immer größer wurden. Sie erreichten jenen Ort, an dem sich der vermeintliche Steuermann des Schiffes befand.
Alle sahen sich staunend um, denn außer der Besatzung des Ölfrachters Nostromo und den Siedlern die von der Weyland Yutani Corporation zum Terraforming ebenfalls nach LV426 geschickt wurden, hatte dieses Wesen niemand gesehen und die, die es gesehen hatten, waren bekanntermaßen tot.
Also begannen die Untersuchungen mehr oder weniger von neuem.
„Es ist geradezu versteinert und scheint aus dem Sitz herausgewachsen zu sein“, bemerkte Thomson.
„Oder es ist dasselbe Zeug was die Xenos für ihre Innenausstattung und zum einweben ihrer Opfer benutzen“, ergänzte Horn.
„Die Frage ist nur, war dieses Wesen ein Opfer und wurde das Schiff von den Aliens gekapert oder trug das Schiff die tödliche Fracht und dieses Wesen war der Überbringer mit einem ganz anderen Ziel. War es am Ende vielleicht doch eine Art biologischer Waffe in einem Krieg zwischen zwei vollkommen unbekannten Spezies und das alles war am Ende ein Unfall?“, fragte Kromberg.
Die Cherit sahen sich schweigend an. Die Scanner schwiegen immer noch weise. Ebenso Apophis, der glücklicherweise nicht auf einer privaten Ausflugstour war.
„Da kommen mir einige Fragen?“, mischte sich plötzlich Andrew ein.
Horn drehte sich zu ihm. „Und die wären? Nur zu.“
„Erstens: Da das Schiff aus einem anderen System und von einer anderen Spezies stammt, welche wie es aussieht komplett unbekannt ist, wie sieht diese aus oder ist dieses Wesen vor uns ein Vertreter jener?
Zweitens: Wenn das Schiff diese Aliens als Fracht hatte, warum starb dieses Wesen dann durch eines dieser Wesen? War es ein Unfall, eine Art Rückversicherung, dass im Fall eines Falles die Fracht aktiviert wird oder hat es sich geopfert um diese biologische Seuche freizulassen?
Drittens: Wenn es eine Königin gab, welche die Eier legte, wohin ist diese verschwunden oder woher kam sie oder wo befindet sie sich jetzt noch? An der Strahlung kann sie hier drinnen nicht verendet sein, denn die ist hier extrem gering.
Viertens: Wenn die Eier unter einem Schutzfeld lagen, welches sie wohl in Stasis hielt, dann wurden die absichtlich an Bord gebracht und diese Aliens sind somit wohl tatsächlich eine künstliche biologische Waffe.
Fünftens: Eine Königin wurde damals von Ellen Ripley eliminiert. Die Eier in diesem Schiff blieben aber vielleicht hier an Bord des Mutterschiffes. Die neue Königin, welche wie erwähnt vernichtet wurde, hatte laut euren Daten ja fleißig eigene Eier gelegt.“
Kromberg und Horn pfiffen gleichzeitig.
„Da schau her. Da tun sich gerade Abgründe auf“, warf Horn ein. „Ich ergänze um ein paar eigene Gedanken. In diesem Schiff existierte keine Königin, die gab es nie. Vielmehr wurden die Eier an Bord gebracht und in Stasis versetzt, also unter dem Stasisfeld quasi begraben. Das Wesen opferte sich nicht, es wurde infiziert. Entweder freiwillig und damit absichtlich, da es sich bei dem Schiff um einen Kamikazeflug handelte oder unfreiwillig, da es bei einem Zwischenfall unbeabsichtigt infiziert wurde. Das Schiff hob ab, der Steuermann brachte es auf Kurs und wenig später brach der Wirt auf und voila ein Alien war da. Aber was ist aus diesem Alien geworden? War es eine Art Sicherheitsalien um die Fracht zu schützen oder ganz was anderes? Vielleicht größer und bedeutender als eine Königin?“
„Du meinst…?“, Andrew legte die Ohren an.
„… den Madragadal-Gott“, vollendete Thomson den Satz.
„Bei allen Göttern“, entfloh es Cyron.
„Das würde bedeuten“, setzte Horn seine Gedanken fort, „dass dieser vermeintliche Alien-Gott sich irgendwo an Bord dieses Schiffes befinden könnte. Aber das ist eine reine Spekulation. Denn weder wissen wir, ob er wirklich hier ist, noch wissen wir in welchem Zustand er sich befinden sollte und außerdem, warum ist er selbst nicht schon aktiv geworden?
Egal ob jetzt aktuell oder früher, als die Nostromo-Crew hier auftauchte oder zwischenzeitlich bei den Siedlern. Nirgends ist er aufgetaucht und wir wissen nur davon, weil die Aliens telepathisch davon etwas Preis gaben.“
„Wir sollten noch etwas bedenken“, warf Kromberg seine Gedanken hinzu. „Es gibt einen vagen Hinweis in den Daten, nach dem Kane seinerzeit eine Öffnung zu einem tiefer gelegenen Deck entdeckte, vermutlich das Frachtdeck des Schiffes, und dieser Zugang war exakt quadratisch und in den Boden mit Säure eingeätzt.“
„Das Ganze ist sehr mysteriös“, sinnierte Captain Melina. Sie war erstaunlich still geworden. „Lasst uns das Wesen genauer untersuchen, vielleicht finden wir etwas, was uns weiterhilft.“
„Was mich aber umtreibt ist noch etwas ganz anderes“, ließ sich Apophis plötzlich vernehmen, „Was ist, wenn diese Gottheit bisher gar nicht existierte und sie erst viel später geboren wurde? Was ist, wenn das Alien eine Drohne war, aus dem Piloten herausbrach, was allerdings voraussetzt, dass es kein Un-fall war, sondern Absicht und diese Drohne irgendwo tief im Inneren des Schiffes hockt und diesen Gott in Empfang nehmen will, quasi ihn begrüßt?“
Alle schauten den Säbelzahntiger nachdenklich an und entrückten anschließend deren Blicke ins Leere.
„Lasst uns weitermachen“, forderte Cyron seufzend auf. „Mein lieber Enkel, du machst mir langsam Angst.“
„Das war nicht meine Absicht, Großvater. Aber es ist das was mir nach dem Kontakt mit den Aliens in den Sinn kommt.“
„Ich hoffe, dass du Unrecht hast.“
„Das hoffen alle.“
Sie verteilten sich im Raum, scannten nochmals intensiv nach verdächtigen Bewegungen, aber alles war reine Fehlanzeige. Es rührte sich nichts.
„Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Apophis scheint momentan keinerlei Kontakte mehr zu haben, ist vollkommen ruhig, hat klare Gedanken und die Scanner schweigen. Warum will mir das nicht gefallen?“, fragte Andrew in die Runde.
Horn kratzte sich am Kinnbart. „Entweder werden wir plötzlich überrascht, was mich nicht wundern würde oder man will, dass wir gezielt etwas suchen, finden und damit noch mehr Fragen haben und noch intensiver suchen.“
„Du meinst, man legt uns eine Spur aus Fakten und Fragen, derer wir folgen sollen und es bestimmt auch tun werden?“, fragte Tripal.
„Es hat den starken Anschein. Aber, wenn dem so ist, dann ist es nicht nur eine billige Falle. Dann wissen die Xenos mehr über uns Menschen und auch über euch Cherit als uns lieb ist.
Und die Frage Nummer eins in diesem Falle ist gerade, woher wissen die so viel?
Frage Nummer zwei im Zusammenhang, wohin wollte dieses Schiff und nicht nur woher kam es“, konkretisierte Horn.
„Das wird lustig werden“, wurde Melina wieder gesprächiger.
„Okay, haben wir einen Bioscanner dabei?“, fragte Thomson.
„Aber sicher doch“, erwiderte Kromberg.
„Reich mal rüber. Ich will mal die Öffnung im Brustkorb scannen. Selestral, bist du so nett und hilfst mir dabei?“
„Inwiefern?“
„Stell dich bitte neben mich und ziele während ich scanne auf die Öffnung. Ich glaube zwar nicht, dass sich dort etwas versteckt, aber ich will auch kein Risiko eingehen.“
Die Jaguarin nickte nur und kletterte Thomson hinterher, schaute mit gezogenem Blaster auf die Öffnung.
Thomson beugte sich über den gesprengten Brustkorb. „Sieht nach einer ext-rem starken Wucht aus, die das Brustbein und die Rippen von innen durchstoßen hat. Die Knochen scheinen laut Scanner ähnlich wie bei den anderen uns bekannten Spezies überwiegend aus Kalzium und Kohlenstoff zu bestehen. Die Rippen sind auf Grund der Größe des Wesens wesentlich stabiler gebaut und oh…“, Thomson wirkte erstaunt.
„Was ist?“, fragte Selestral.
„Sehr interessant“, setzte Thomson fort, „das Wesen hatte Osteoporose.“
„Knochenschwund?“, fragte Horn ungläubig.
Thomson nickte.
„War das Wesen stark davon betroffen?“
„Warum fragst du das?“
„Weil es dann vielleicht, aber nur vielleicht, ein Hinweis darauf sein könnte, dass es bei der Infizierung kein Unfall war, sondern, dass es sich um eine gezielte Infektion mit einem Xeno handelte.“
„Inwiefern? Warum glaubst du, dass es relevant sein könnte?“
„Stell dir vor, er hat eine Krankheit die ihn mehr und mehr schwächen wird und somit langsam tötet.
Seine Spezies steht im Krieg mit einer anderen, der Durchbruch im Bereich der biologischen Waffen gelingt und die Xenomorphe werden erzeugt. Seine Spezies droht den Krieg zu verlieren und diese Xenos sind die letzte Hoffnung auf den Sieg oder die Rettung, wie man das auch immer nennen mag.
Weiter geschieht folgendes. Ein Schiff wird gebaut mit einem leistungsstarken Antrieb, aber eines ist klar, es wird ein Kamikazeeinsatz. Ein Flug ohne Rück-kehr, mit einer biologischen Massenvernichtungswaffe an Bord.
Der Navigator hat nur eins zu tun, das Schiff zu starten, es auf Kurs zu bringen und die Antriebe auf maximalen Schub. Dieser Navigator muss gefunden werden, und da seine Erkrankung für ihn absolut tödlich enden wird, erklärt er sich bereit, sich quasi als Märtyrer, zu opfern.
Er lässt dich also mit einem Xeno infizieren, der entwickelt sich langsam in seinem Brustkorb und nachdem das Schiff auf den richtigen Kurs gebracht ist, sprengt der Chestburster ihn explosionsartig, schlüpft und er ist nicht sinnlos gestorben. Eine letzte gute Tat.“
„Wie melodramatisch, aber nicht von der Hand zu weisen“, intonierte Melina. „Aber da frage ich mich auch wieder, wo lag das eigentliche Ziel des Schiffes oder war es LV426, wenn ja, was lebte hier zuvor?
Wenn es vom Kurs abkam, warum blieb es in einem Stück beim Absturz und wenn es nicht abgestürzt ist, sondern notlandete, dann war jemand am Leben um diese Notlandung durchzuführen. Aber wenn dem so war, dann starb dieses Wesen, also der Navigator, erst später. Und warum ist dann im Boden zum Frachtdeck diese eingeätzte Öffnung und von wem stammt die?“
„Was ist, wenn das Schiff mit etwas kollidierte und durch einen Steuerungs-computer sanft zum Aufprall gebracht wurde, aber das Wesen schon lange tot war. Das Alien war schon ausgewachsen und hatte die Funktion, die anderen zu wecken. Nach dem Aufschlag funktionierte die Hauptenergieversorgung nicht mehr und damit auch die Luke zum Frachtdeck nicht. Das Alien stand vor einem Problem und löste dieses, indem es sich selbst verletzte und mit seinem Blut dieses Loch einbrannte. Nach den sehr vagen und spärlichen Berichten des Rettungsteams von Fury161 und dem letzten Datenpaket des militärischen Laborraumers Auriga können die Xenos das“, überlegte Kromberg laut.
„Tja, Fragen über Fragen und wenige Antworten“, sagte Horn. „Thomson, untersuche bitte den ganzen Körper auf Osteoporose. Vielleicht bringt uns das wenigstens bei einer Frage etwas weiter.“
Thomson nickte und überstrich den ganzen Körper systematisch mit dem Scanner. „Nun ja. Die Osteoporose ist recht fortgeschritten, vor allem in den Extremitäten.“
Plötzlich piepste einer der Bewegungsscanner auf, dann ein zweiter. „Wir kriegen ungebetenen Besuch“, rief Tripal.
„Welch‘ umwerfende Erkenntnis“, sagte Melina. „Aus welcher Richtung?“
„Aus dem Schiffsinneren, Entfernung circa 450 Meter, nähert sich langsam. Sehr langsam sogar. Das ist kein normaler Angriff. Da bewegt sich etwas Großes und Schweres wie es scheint.“
„Bekommen wir jetzt eine ganz andere Frage beantwortet?“, sinnierte Horn.
„Die Antwort will ich jetzt noch nicht haben. Vor allem, wenn die Antwort auf eine bestimmte Frage erfolgt und zu uns kommt und nicht wir zu ihr“, raunte Thomson.
Die Scanner piepsten etwas schriller, aber nur etwas – und – verstummten plötzlich.
„Was ist los? Wo ist der Kontakt hin?“, schnauzte Cyron.
„Es war es, es ist da, es wartet irgendwo im Dunkel“, schrie Apophis plötzlich und zitterte.
„Oh nein, der Kontakt muss heftig gewesen sein. Wurde dir etwas übermittelt?“, fragte Andrew.
Apophis nickte. „Ich bin hier, ich erwarte euch, ihr werdet eine neue Rasse er-schaffen.“
„Na, das ist ja wirklich entzückend“, sagte Kromberg und spuckte auf den Bo-den.
„Wie alt ist unser Navigator?“, fragte Horn, um möglichst schnell das Thema zu wechseln und weitere Antworten zu bekommen.
Thomson scannte weiter. „Der Scanner ist sich nicht ganz sicher.“
„Warum?“
„Er bekommt zwei Signale. Einmal die von den Xeno-Weben und zum anderen von unserem Navigator.“
„Lass hören.“
„Also, die Deckschicht oder auch Verwebungen sind etwa 850 Jahre alt. Damit dürften wir verdammt dämlich aussehen was die Lebensdauer eines Xenomorphs betrifft und haben wieder eine Frage im Raum stehen. Das Wesen selbst ist 200 Jahre älter.“
„Oh! Ein Krieg zwei unbekannter Spezies vor 800 Jahren. Ob der immer noch existiert?“, warf Kromberg ein.
„Was soll’s, wir sind nicht dabei“, entgegnete Horn barsch.
„Tja, aber mittendrin. Immerhin haben wir es mit den Xenos zu tun und deren Auswirkungen.“
„Gut, dann lasst uns weitergehen und suchen. Und hoffen, dass wir finden und nicht gefunden werden.“
So begaben sich zehn Personen zweier unterschiedlicher Spezies weiter ins Schiffsinnere, auf der Suche nach Antworten, wobei die Fragen die sich alle selbst stellten nicht mal ihre eigenen zu sein schienen, denn sie wurden eher durch zwei unbekannte Spezies gestellt, regelrecht aufgezwungen.
„Wir müssen unbedingt etwas wie ein Terminal finden oder zumindest irgendetwas was wir verwerten können“, sagte Horn genervt.
„Wo willst du das finden? Angenommen das Wesen war allein und unsere Theorien stimmen, wo willst du dann die Antworten finden? In einem Computer-terminal?“, fragte Kromberg gegen.
„Moment mal.“ Captain Melina blieb stehen und sah Tripal an. „Sagte nicht jemand etwas von einem Terminal und einer Art Krankenstation?“
Tripal zuckte kurz zusammen. „Aye, Captain! In etwa 150 Meter Entfernung, auf der rechten Seite.“
„Das würde aber bedeuten, dass der Navigator nicht allein auf diesem Schiff war und damit der Märtyrertod ausscheidet. Es war ein ganz normales Schiff, was eben diese Fracht an Bord hatte. Es geriet in Not, strandete auf LV426 und plötzlich brach das Chaos aus“, überlegte Kromberg.
„Schön. Aber wo ist der Rest der eigentlichen Besatzung dann hin? Und, wenn es keine Waffen waren, was dann und wofür?“
„Sklaven“, entfuhr es Thomson.
Alle schauten die Frau an.
„Natürlich“, hub Horn an. „Logisch. Sklaven, keine Waffen. Effektivere Sklaven gibt es nicht. Sie sind intelligent, kommunizieren lautlos untereinander per Telepathie, wissen als Kollektiv immer was gerade ansteht und wie es gemacht werden muss, leiten sich quasi selbst an und andere gleich mit. Haben Säure als Blut, können daher Hindernisse damit schnell aus dem Weg räumen.
Das Schiff wird gebaut, da ein Planet kolonisiert werden soll, eine Besatzung ist gefunden. Die Eier werden eingeladen, das Schiff bemannt und ab geht’s. Ziel ist LV426.
Aber die Sache hat einen Haken. Ein Alien braucht einen Wirt, ansonsten geht nix. Wo sollen die Wirte herkommen? Es sei denn, man hatte Wirte auf LV426 schon gehabt.“
„Das hinkt hinten und vorne als Theorie. Das passt einfach nicht. Die Waffentheorie und den sanften Absturz finde ich logischer“, sagte Kromberg.
„Aber warum sollten Waffen, auch wenn sie biologisch sind auf die Idee kommen sich einen Gott und damit vielleicht eine Art Religion zu schaffen?“, über-legte Horn laut. „Bei Sklaven würde ein Gott und eine Religion eher passen. Es würde den Zusammenhalt stärken.“
„Mag sein, aber für Sklaven ist die Art der Vermehrung reichlich aufwändig, da es immer eines Wirtes bedarf und der muss erstmal gefunden werden.“
„Was wäre, wenn es sich um keinen Krieg handeln würde, damit keine Waffen bei den Xenos, sondern um Sklaven die einen Planeten feindlich übernehmen sollten? Einen Planeten der schon besiedelt war und man schickt das Schiff voraus, lässt es gezielt auf dem Planeten abschmieren? Die Einheimischen sind neugierig, finden die Eier und aus die Maus. Genug Wirte sind vorhanden, es kommt zur Übernahme, die Xenos entwickeln sich und formen den Planeten so, dass er für die eigentlichen neuen Siedler bewohnbar ist. Immerhin sind diese Aliens extrem robust und halten verdammt viel aus. Lediglich Feuer macht ihnen Angst.“
„Und wieder Fragen über Fragen?“ Thomson stöhnte entgeistert auf.
„So kommen wir nicht vorwärts. Wir gehen jetzt in diese vermeintliche Krankenstation“, sagte Melina bestimmend. „Ihr könnt euch ja weiter den Kopf zerbrechen über unsinnige Theorien.“
„Wir bleiben besser zusammen und entwickeln weiter Unsinn und labern euch Cherit so zu, dass euch die Ohren abfallen“, witzelte Kromberg.
Cyron lächelte schief. „Das schafft ihr nicht. Eher würden wir euch töten.“ Er machte dabei ein entschlossenes Gesicht, lächelte aber weiter.
„Verarschen kann ich mich allein“, sagte Thomson, die neben ihm stand.
„Schluss jetzt, wir gehen weiter“, ging Melina entschieden dazwischen.
Sie zogen weiter, gefolgt von Apophis und sicherten sich nach allen Richtungen ab. Plötzlich hörte man ein schrilles Kreischen und drei Aliens sprangen nicht, sie flog förmlich mitten in die Gruppe hinein und griffen sofort an.
Ein Blasterschuss von Cyron traf eines von ihnen direkt am Kopf und brachte es damit zur Strecke. Horn zielte mit seinem Stunner auf das ferner stehende Alien und eröffnete das Feuer, verfehlte aber das Ziel und verpasste dem Angreifer nur einen Streifschuss.
Der Xenomorph schrie auf und hatte zwei Beine verloren. Er stand amputiert herum und konnte sich nicht mehr sicher bewegen, versuchte es und ein weiterer Schuss beförderte es zu seinem vermeintlichen Gott. Das Dritte merkte, dass es nicht sonderlich klug war den Angriff fortzusetzen und flüchtete schlagartig ins Dunkel und damit weit in den hinteren Teil des Schiffes.
Cyron sah verwirrt die anderen an. „Was war das jetzt?“
„Es ist geflüchtet“, bemerkte Selestral konsterniert. „Aber warum? Das haben die Viecher noch nie gemacht.“
„Irgendwas muss passiert sein oder hat sich plötzlich geändert“, warf Horn ein.
„Lasst uns weiter gehen. Und seid jetzt noch wachsamer. Da ist was und das erwartet uns“, schnaubte Melina.
„Da bin ich aber mal gespannt. Vielleicht ein Opferaltar?“, entfuhr es Thomson.
„Das wäre doch mal eine Abwechslung.“ Kromberg lachte albern.
Wenig später erreichten sie einen Seitenraum, welcher irritierenderweise fast unberührt war. Er war auch sehr überdimensioniert hoch und weit ausladend in seiner Grundfläche. An den Seitenwänden befanden sich mehrere Nischen.
„Sehen wir uns etwas um. Selestral, Cyron, ihr sichert den Zugang. Die anderen verteilen sich“, befahl der Captain.
„Aye!“, entgegnete Kromberg und grinste schief. „Auf diese Weise können wir schneller mehr Schaden anrichten.“
Die Stute entblößte leicht die Zähne.
Die anderen der Gruppe verteilten sich bereits und schauten sorgfältig in alle Nischen. Es fand sich nichts Brauchbares. Apophis schaute sich ebenfalls, wenn auch sehr irritiert, um. Plötzlich schrie er auf. „Ich kann es spüren.“
Alle sahen ihn fragen an.
„Was meinst du damit?“, schnaubte Melina aufgeregt.
„Die ganzen Weben an den Wänden sind wie ein Netzwerk zur Datenübertragung.“
Eine gespenstische Ruhe zog ein und alle fühlten sich plötzlich etwas unbehaglich.
„Das bedeutet, dass die Aliens über jeden unserer Schritte informiert sind, zu jeder Sekunde und dass die Flucht des einen Xenos uns vor ein Rätsel stellen soll“, merkte Tripal an.
„Genau, ein weiterer Happen auf unserer Jagd nach Antworten der uns in eine bestimmte Richtung locken soll“, warf Thomson entgeistert dazwischen.
„Aber wie sollen wir dann an Daten kommen?“
Captain Melina schaute Apophis scharf an und wandte sich dann an die anderen. „Wir gehen weiter, egal was uns erwartet. Viel schlimmer kann es eh nicht mehr werden.“
„Oh doch, es könnte Gott weiß was für eine Armee anrollen“, gab Horn zu be-denken.
Die Stute nickte leicht. „Aber wollt ihr keine Antworten? Nur immer weiter sinnlose Theorien entwickeln? Ich will Fakten und das Risiko ist mir mittlerweile relativ egal.“
„Da haben wir wieder das typische Gehabe.“ Kromberg schüttelte den Kopf. „Egal, lasst es uns versuchen. Wird schon schief gehen.“
So setzten sie ihren Weg fort. Die Suche glich einem Fischen im trüben und überall sah es gleich aus, dunkel und geradezu gespenstisch. Von der Decke tropfte an einer Stelle eine Flüssigkeit und bildete eine große Pfütze.
„Was ist das?“, fragte Cyron unsicher.
Thomson nahm den Scanner zur Hand. „Das ist nur Wasser.“
Cyron und Andrew leuchteten nach oben. Es war keinerlei Riss zu entdecken aus dem das Wasser dringen konnte.
„Nichts zu erkennen, scheint alles intakt zu sein“, merkte der Tigerkater an.
„An welcher Stelle soll eigentlich diese Öffnung in den Frachtraum sein?“, fragte Kromberg.
„Nicht mehr weit.“ Thomson zeigte in die entsprechende Richtung. „Achtet auf den Boden, nicht das einer nach unten fällt und Bekanntschaft mit dem Fracht-raum macht, ohne Chance auf Rückkehr.“
„Darauf hat wohl keiner Lust“, warf Horn ein.
Langsam und absuchend bewegte sich die bunte Gruppe weiter. Plötzlich rief Andrew etwas. Er hatte die Öffnung gefunden.
„Mir stellt sich wieder eine Frage oder besser gesagt mehrere Fragen“, hub Kromberg an.
„Was denn jetzt wieder?“ Captain Melina wurde langsam aber sicher ungehal-ten.
„Was Kane damals infizierte kam aus diesem Frachtraum und es entwickelte sich eine Drohne. Keine Königin, richtig?
Aber der Arbeiter der Station, der später infiziert, auf Selbige zurückgebracht wurde, war auch infiziert worden, aber mit was? War es eine Königin, die es sich dann im Komplex bequem gemacht hatte oder war es auch nur eine Drohne? Aber die legen keine Eier und die Kolonisten sind wohl kaum freiwillig in dieses Schiff gegangen um sich infizieren zu lassen. Und eine Drohne allein hätte es kaum geschafft so schnell und vor allem unbemerkt so viele Eier in die Station zu schleppen. Es muss also sehr rasch von diesen Viechern gewimmelt haben.“
„Das finden wir gleich heraus. Wer wagt es ob Rittersmann oder Knapp zu steigen in diesen Todesschlund hinab?“, fragte Thomson.
„Was war das?“, fragte Selestral.
„Ein epischer Spruch. Aber egal, ich gehe runter.“
„Du?“
„Ja, ich habe eh den Bioscanner und kann damit umgehen.“
Captain Melina zuckte mit den Schultern. „Wenn es dich glücklich macht? - Lassen wir Miss Thomson den Vortritt.“ Sie deutet charmant auf die Öffnung.
Thomson schüttelte den Kopf und reichte Horn das Sicherungsseil. „Das sind mir ja mal tolle Helden.“
Andrew grollte beleidigt. Die anderen Anthros winkten einfach nur ab.
„Lass mir genug Sicherungsleine“, sagte sie an Horn gewandt und kletterte langsam in die Öffnung.
Wenig später meldete sie sich. <„Hier unten wird es zunehmend feucht und sehr warm, fast wie in den Tropen. Ich sehe den Boden, der Frachtraum ist gigantisch.“>
<„Siehst du das Stasisfeld?“>
<„Nein, ein Stasisfeld gibt es nicht oder nicht mehr. Aber ich sehe die Eier, sie sind mit einer Art langen Tentakeln miteinander verbunden. Sie sind teilweise offen, aber nicht alle. Ich sehe im Hintergrund weitere Bereiche mit Eiern, über denen liegt noch ein Stasisfeld.“>
„Wir sollten vielleicht alle runter gehen und es genauer untersuchen, wenn auch mit größerem Abstand. Vielleicht finden wir etwas was uns eine Antwort gibt“, meinte Horn an Melina gewandt.
Die nickte und überlegte. „Wir schauen uns um und vernichten die Brut im Anschluss. Dann hat wenigstens in diesem Schiff der Spuk ein Ende und ein Teilerfolg würde uns gut zu Gesicht stehen.“
„Das ist eine sehr gute Idee“, warf Kromberg ein.
Plötzlich schrillte das eingebaute Intercom und die Stimme von Sitral war zu hören: <„Commander Sitral an Captain Melina! Können sie mich hören?“>
Die Stute schnippte mit den Fingern. <„Hier Melina! Ich höre dich laut und deutlich.“>
<„Ausgezeichnet. Wir haben das Signal verstärkt und bleiben in Verbindung. Wie sieht es bei euch da unten aus?“>
<„Es gibt viele Fragen, wenige Antworten, viele Theorien und keine Fakten. Doch halt. Die Xenomorphe verhalten sich laut Aussagen von Kromberg, Horn und Thomson nicht regulär.“>
<„Entschuldigung, aber was ist hier regulär?“>, merkte Sitral schnippisch an. <„Aber egal. Wie weit seid ihr?“>
<„Im Moment stehen wir am Zugang zum Frachtraum und damit zur Lagerstätte der Alieneier“>, antwortete Melina.
<„Hört sich gefährlich an. Passt bloß auf euch auf. Ach ja, falls es jemanden interessiert. Colras hat keine Lust mehr auf der Krankenstation zu bleiben und Parais gibt grünes Licht für Zeus. Die Wunde ist wohl schneller verheilt als gedacht. Kira hat sich etwas mit den Technikern für Systeme und Waffen geprügelt und dem Hengst eine tolle Prothese gebastelt. Laut ihrer Aussage ist er besser bewaffnet wie Colras‘ Spezialfähre.“>
<„Hört sich gut an. Ich schicke Cyron mit der Fähre hoch und wir tauschen die Positionen. Er bleibt oben und damit bei einer hoffentlich ruhigeren Stella und Zeus und Colras kommen als Verstärkung zu uns.“>
<„Positiv! Die beiden stehen einsatzbereit neben mir und nicken sich die Köpfe von den Schultern.“>
<„Verstanden! Wir werden uns wieder in Richtung Ausgang bewegen und auf die beiden warten.“>
<„Aye, Captain! Sitral, Ende!“>
„Cyron? Wie es aussieht ist dein Landurlaub auf LV426 beendet. Freust du dich denn auf Stella?“, fragte Melina zwinkernd.
Der Tigerkater nickt nur begeistert, sagte aber nichts.
„Na schön. Geleiten wir ihn zum Ausgang und warten dort. Vielleicht sollten wir uns nochmals das Schiff der Menschen vornehmen. Unter Umständen finden wir genaueres über deren Auftrag und was das Ganze sollte. Tripal und Selestral! Ihr beide bleibt hier und sichert das Abstiegsloch und damit auch Thom-son, wenn irgendwas sein sollte, dann holt sie wieder hoch und gebt uns sofort Bescheid“, ordnete der Captain an.
„Aye!“, erwiderte Selestral und schnippte mit den Fingern. „Auf geht’s!“
Nach und nach erschienen alle am Zugang zum Alienschiff und entließen Cy-ron in den Schutz der Fähre, welche kurz darauf die Triebwerke startete und abhob.
„So und wir entern jetzt das Schiff“, merkte Andrew beiläufig an und bewegte sich in Richtung dessen Zugangsschott.
„Nicht so hastig“, rief Apophis noch hinterher.
Fast im gleichen Moment schoss ein Alien auf Andrew zu, riss ihn von den Beinen, stellte sich über ihn und drückte den Säbelzahnlöwen zu Boden. Lang-sam trat die Beißzange aus seinem Maul hervor, tropfte schleimiger Speichel von seinen Zähnen, benetzte das Gesicht des Katers.
Doch viel weiter kam es nicht, denn Zoya, welche sich immer im Hintergrund gehalten hatte, zog ihre Laserwaffe und schoss ohne zu zögern, traf den Angreifer direkt in die Brust, riss ihn damit von Andrew weg und mit einem er-stickten Quieken fiel das Alien seitlich zu Boden.
„Das war ja einfach“, verkündete die junge Hybridin.
Melina und vor allem Kromberg schaute fragend in ihre Richtung und Horn pfiff leise vor sich hin.
„Nicht schlecht, her Specht“, murmelte Thomson versonnen. „Wie lange wird es dauern bis die Fähre zurück ist?“
„Nicht lange. Wenn alles reibungslos läuft, dann sollte sie in circa einer Stunde wieder hier sein“, antwortete Captain Melina, während sie und Selestral dem am Boden liegenden Andrew auf die Beine halfen.
„Verdammt lange Zeit, wenn man bedenkt, dass wir unverzüglich angegriffen wurden“, sinnierte Apophis. „Aber lasst uns mal sehen was wir in diesem Schiff finden.“
Nacheinander betraten Andrew, Zoya, Selestral, Captain Melina, Horn, Kromberg und als Nachhut Apophis das fremde Schiff, sahen sich vorsichtig um.
„Können wir das Schott schließen?“, fragte Zoya.
Apophis antwortete nicht, schlug stattdessen auf den Steuerungstaster und fauchend fuhr die Duraniumtür zu. „Wie man sieht, ja.“
„Ausgezeichnet!“, intonierte Melina. „Damit sollten wir erstmal sicher sein und nicht gleich wieder überrascht werden.“
„Wie viele Decks hat das Schiff eigentlich?“, fragte Apophis. „Von außen sieht es ziemlich plump aus.“
„Nur zwei, wobei das Zweite eher nur ein halbes ist, da es direkt zum Antrieb führt“, antwortete Kromberg. „Ist ein ganz stinknormales Standardschiff für Langstreckenflüge. Ohne Schnickschnack, rein dienstlich. Es gibt ein Klo, eine kleine Küche, einen Vorratsraum, ein paar Sitzgelegenheiten und fünf Tiefschlafkammern. Ansonsten besteht es nur aus Antrieb und einer kleinen Brücke, wenn man das Ding so nennen will. Wir nennen die Dinger auch die fliegenden Betten.“
„Sehr poetisch“, entfuhr es Andrew.
„Es dient nur dem Transport von Personen von A nach B und wieder zurück. Aber lasst uns mal nach den Synthetischen gucken und vor allem ins Logbuch. Ich fresse einen Besen, wenn die tatsächlich direkt von der Erde gekommen sind und nicht in Wahrheit dort draußen irgendwo noch ein größeres Schiff herumlungert.“
„Wenn dem so sein sollte, dann müssen wir die Horem-hab informieren“, schnaubte Melina.
„Erstmal ins Logbuch schauen, dann können wir immer noch die Pferde scheu machen“, bremste Kromberg und biss sich schlagartig auf die Zunge als er Melina ansah.
„Kann passieren. Vor allem ihnen“, mischte sich Selestral schnell ein und schaute den Alten scharf an.
Der hob entschuldigend die Arme hoch und setzte sich schweigen an die Konsole des Navigationscomputers.
Die anderen sahen sich in den beengten Verhältnissen um und besahen sich die Reste des Synthetischen.
„Erinnert euch das an was?“, fragte Apophis.
„Hmmm…, selbst wenn ich ausführlich nachdenke“, hub Andrew an, „komme ich nicht drauf.“
„Nein, nein. Ich weiß worauf du hinaus willst“, wandte sich Horn an den Säbelzahntiger. „Das hat nichts mit Boston Dynamics zu tun. Die bauen zwar auch wundersame Dinge, die teils nervös machen, aber nichts hat mit Androiden in Menschengestalt zu tun. Außerdem hatten die entscheidend in den Krieg mit den Abtrünnigen eingegriffen. Daran erinnere ich mich lebhaft. Ich komme gebürtig aus Salem.“
„Okay, dann sind wir beruhigt“, seufzte Selestral erleichtert.
„Haben sie schon was gefunden, Mister Kromberg?“, rief Andrew quer durch das Schiff.
„Nicht viel, aber Captain Melina darf ihren Kreuzer verständigen. Wir haben ein größeres Problem in Form eines Basisschiffes. Die Sektierer scheinen sich von der Erde gelöst zu haben und ziehen es vor ihre schmutzigen Machenschaften mitten im Raum fortzusetzen. Was genau diese umfassen, kann ich leider nicht sagen“, antwortete Kromberg sehr gedehnt.
„Danke!“, hub die Stute an. <„Melina an Horem-hab, Sitral bitte dringend melden!“>
<„Hier Sitral! Gut sie zu hören, Captain. Wir haben da was in größerer Entfernung geortet.“>
<„Lass mich raten, es ist ein Basisschiff und das abgestürzte Schiff hier bei uns stammt laut Signaturauswertung von dort“>, posaunte Melina heraus.
<„Äh… ja… Woher wissen sie das?“>
<„Wir haben das Logbuch gefunden. Gelber Alarm, alle Schilde auf positive Rotation.“>
<„Aye, Captain! Und was machen sie jetzt?“>
<„Wir warten auf unsere Fähre mit Zeus und Colras.“>
<„Ach ja. Ich vergaß. Die beiden sollten gleich bei euch ankommen und Cyron, Stella, Chiron und Tarja sind leider auch mit dabei. Die wollen ihre, Tochter, Enkel und Urenkelin nicht allein lassen. Cyron fing an einen Aufstand zu machen als Stella auf den Planeten wollte und meinte, dass er das nur zu lassen wolle, wenn er mitgeht.“>
„Na großartig. Ein Familientreffen. Aber was soll’s, ist ja wie in alten Zeiten. Alle wieder zusammen“, flötete Andrew und klatschte begeistert in die Hände.
<„Verstanden, Sitral! Melina, Ende!“>
Wenige Minuten später hörte man schon die Triebwerke und setzte die Fähre sanft auf.
„Macht gewichtige Mienen“, forderte Apophis auf. „Da kommt die Familie und wir sollten uns alle riesige freuen.“
Andrew schaute den anderen Kater an und hielt den Kopf schief. „Na entzückend“, flüsterte er noch, schwieg dann aber.
Dann standen sie sich gegenüber. Auf der einen Seite Apophis, Zoya und der Rest der unglückseligen Truppe und auf der anderen Stella, Cyron, Chiron und Tarja, nebst Zeus und Colras.
Während die beiden ersteren sich anschickten eine freudestrahlende Miene aufzusetzen, welche nicht zu gekünstelt wirkte, machte der gegenüberliegende Teil eher bedenkliche.
„Na, wen haben wir denn da?“, brach Andrew das Schweigen.
Stella schaute den Säbelzahnlöwen daraufhin scharf an. „Übertreib es nicht, mein Freund. Die Situation ist mehr als verfahren.“
„Ich weiß, aber trotzdem schön, dass ihr da seid. Wenigstens könnt ihr jetzt persönlich überprüfen, dass es uns gut geht“, wandte sich Zoya direkt an ihre Urgroßmutter.
„Wir sollten jetzt aber ins Alienschiff gehen“, hub Melina an, „da wir hier draußen nicht sonderlich sicher sind und gute Ziele abgeben.“
„Wo sind Tripal, Thomson und Selestral?“, fragte Zeus.
„Die sind im Schiff und untersuchen die Brut“, merkte Melina an.
„Was stehen wir dann noch herum? Auf geht’s!“, reagierte Zeus barsch und machte eine Bewegung mit seinem mechanischen Arm, welche keinerlei Widerwort zu ließ.
„Na schön“, ordnete Melina an, um wenigstens etwas die Kommandostruktur zu wahren.
So durchschritten sie das Schiff, kletterten einen Absatz empor, standen kurz vor der Versteinerung des Steuermannes und setzten ihren Weg zielstrebig fort, bis sie schließlich nach fünfzehn Minuten bei Tripal und Selestral ankamen. Seltsamerweise erfolgte keinerlei Angriff und auch sonst war von den Aliens weder etwas zu hören noch zu sehen, nicht einmal ein Schatten deutete auf deren Präsens hin.
„Hallo Selestral“, intonierte Stella bei ihrem Eintreffen.
„Wünsche ich auch“, erwiderte die Jaguarin und erhob sich. „Wie ich sehe ist der ganze Clan wieder beisammen?“
„Ja, ganz wie in alten Zeiten, wenn auch auf einer ganz anderen Welt“, warf Tripal ein. „Wobei wir schon ganz andere Höllenlöcher erlebt haben.“
„Mag sein“, hub Melina an. „Wo ist Thomson?“
„Immer noch im Frachtraum und sieht sich um“, antwortete Selestral.
„Gut, dann gehen wir jetzt alle runter wie zuvor geplant und werden sehen, dass wir den noch offenen Fragen Antworten hinzufügen“, ordnete der Captain an und schaute in die Runde.
Wenig später standen so nach und nach alle am Rande der Frachtraummulden in denen sich die Alienbrut befand. Viele der Eier waren offen und die Facehugger geschlüpft, aber keiner war zusehen. Weiter hinten war tatsächlich das sanfte Leuchten eines Stasisfeldes erkennbar.
„Ich schlage vor, wir räuchern erst einmal die Brut ohne Schutz aus. Cyron, Andrew und ich selbst sichern den Zugang und auch die Umgebung ab. Thom-son, Horn, Kromberg und vor allem Tripal, macht alles zu Asche was uns gefährlich werden kann“, ordnete Melina an.
Alle brachten ihre Stunner und die Cherit ihre Blaster in Anschlag.
„Bleibt weit genug von den Eiern weg und feuert schnell und gezielt, nicht eines darf uns entwischen“, rief Horn. „Der Rest geht schon mal weiter in den hinteren Teil und wartet dort.“
Sekunden später marschierten Selestral, Apophis, Zoya, Zeus, Selestral, Stella, Chiron und Tarja wie ein Gänsemarsch in den weiter entlegenen Teil des Alienschiffes und sicherten sich in alle Richtungen ab.
Der Rest machte sich an die Arbeit. Die Alieneier zerstoben förmlich ins Nichts unter den scharfen Vernichtungsstrahlen. Einige öffneten sich und die Gruppe musste hin und wieder einen eilends geschlüpften und heranspringenden Facehugger von seinem geplanten Ziel abbringen.
Plötzlich schrie Tripal auf.
Während Horn, Thomson und Kromberg um sich schossen, die Laserstrahlen ihre Arbeit verrichteten, hatte sich unbemerkt eines der Krabbelviecher auf den Weg gemacht und sich von hinten an die Säbelzahntigerin angeschlichen.
Noch ehe diese merkte, wie ihr geschah, hatte sich der Facehugger an ihrem Bein festgeklammert, erklomm sie langsam.
Sie versuchte ihn abzuschütteln, griff nach der tödlichen Gefahr, versuchte den Greifschwanz zu packen und riss schließlich an ihm. Aber es war vergeblich.
So warf sie sich zu Boden, schlug mit dem Lasergewehr auf das Alien ein, doch wie ein lebendiger Albtraum, ließ es sich nicht beirren, versuchte unaufhaltsam ihr Gesicht zu erreichen.
„Fertig“, intonierte Kromberg. „Saubere Arbeit. Mich wundert nur, dass sich keine Soldaten haben blicken lassen. Irgendwie war das langweilig. Kein wirklicher Angriff und nichts was in irgendeiner Art und Weise merkwürdig war. Wir sollten die in Stasis befindlichen Eier auch eliminieren. In den hinteren Schiffs-teilen war noch niemand gewesen. Vielleicht erleben wir ja dort eine Überraschung.“ Er sah sich langsam um und entdeckte quasi in letzter Sekunde die am Boden liegende und sich wild wehrende Tripal, welche ihr Hände zwischen den Facehugger und ihren Mund gebracht hatte.
„Verdammt“, schrie er und stürzte sich auf sie, packte mit zu, griff zwischen ihren Hals und den Greifschwanz, zog daran, während Tripal den Abstand zwischen Alien und Gesicht vergrößerte.
Horn und Thomson, die es bemerkten, standen zunächst leichenblass da, lös-ten sich aber aus der Erstarrung und griffen ebenfalls ein. Während der Facehugger immer verzweifelter versuchte Tripal habhaft zu werden, zog Thomson ihren Blaster, zielte und schoss.
Der Treffer war präzise, tötete ihn auf der Stelle, erschlafften seine Muskeln und konnte er noch rechtzeitig von Hals und Gesicht der Anthro-Säbelzahntigerin weggerissen werden, bevor die Säure sie verätzt hätte.
„Das war jetzt mehr als knapp“, keuchte Tripal und versuchte langsam aufzustehen.
„Wir müssen definitiv besser aufpassen, die Biester stecken voller Überraschungen“, stellte Cyron fest und half ihr auf die Beine. „Wir gehen weiter. Hier gibt es jedenfalls nichts mehr zu tun.“
Sie zogen mit der nötigen Vorsicht weiter, in Gefilde die noch nie jemand zu-vor betrat. Irgendein Scherzbold der Gruppe pfiff plötzlich die Melodie aus Akte X. Wie sich schnell heraus stellte war es einer der Chafren.
„Woher kennst du denn den alten Schinken?“, fragte Thomson erstaunt.
Andrew schaute sie mit wackelnden Ohren an. „Ich war wohl zu oft mit Menschen beschäftigt. Da sickert das Eine oder Andere durch.“
„Na, da hast du ja genau richtig angefangen“, witzelte Kromberg. „Scheinbar habt ihr Anthros doch einen Sinn für Humor.“
„Den hatten wir, haben wir und werden ihn immer haben, aber seitdem wir bei einer gewissen Gruppierung von Menschen auf der Abschussliste gelandet und wir wiederholt von der Auslöschung bedroht sind, zeigen wir ihn nicht mehr so wie früher“, polterte Andrew leicht genervt.
„Ah, ich vergaß. Dann könnte euch ja sonst eine Zacke aus der Krone brechen.“
„Wir tragen keine Kronen, die sind unpraktisch.“
„Nicht mal im Gebiss?“
„Mein Gebiss geht sie mit Verlaub einen feuchten Dreck an, Mister Kromberg.“
„Oh, wir sind wieder beim sie angekommen, wie ich bemerke.“
„Ja und das sollte Warnung genug sein. Denn sie übertreten, trotz der aktuellen Situation und trotz dessen, dass wir hier an einem Strang ziehen und dass wir uns gegenseitig die Ärsche retten, einige Schranken der guten Manieren und die sollte ihnen eigentlich ihre Mutter beigebracht haben. Wenn das nicht der Fall sein sollte, gebe ich ihnen sehr gerne eine kurze Einführung.“ Andrew war nicht nur genervt, er wurde sehr deutlich zornig.
„Andrew! Lass das! Wir haben anderes zu tun und ja, ich finde seinen Humor auch nicht gerade lustig“, ging Stella dazwischen. „Alles hat sich verändert. Die Menschen sind anders geworden, wenn auch nicht alle, sondern nur wenige. Was sich aber drastisch verändert hat sind wir. Wir sind in der momentanen Situation verbissen und zerfressen von Wut und Argwohn. Wo sind die alten Zeiten hin? Die Zeiten auf Genro, als wir an wesentlich auswegloseren Punkten ankamen und trotzdem unsere Witze machten. Als wir uns mit Haarspaltereien und Doppeldeutigkeiten, welche meiner Meinung nach schon grenzwertig waren, über Wasser hielten, weil wir sonst sang- und klanglos abgesoffen wären.
Und es sollte beherzigt und berücksichtigt werden, dass wir dabei sogar noch vornehm in unserer Ausdrucksweise bleibt, was ich bei uns aktuell vermisse.“
„Schnauze jetzt! Aber alle! Wir sind nicht in der Schule und schon gar nicht im Welpen- oder Fohlenalter!“, brüllte Melina in die Runde und ihre Stimme hallte durch den gigantischen Frachtraum.
Sie verhallte und in der Ferne vernahm man ein Echo, welches aber kein Echo war, sondern sich zu verdichten schien und sich zu Gedanken formte.
„Genau das meine ich“, grollte Stella und lief an der Nasenspitze vor Zorn leicht rot an.
„Schön!“, setzte Melina fort: „Falls ihr es vergessen haben solltet, wir haben hier etwas wichtiges zu erledigen. Wir haben Theorien, wir haben Fragen und nur wenige Antworten. Was aber viel wichtiger ist, wir versuchen gerade unseren Arsch zu retten und es fehlt ein Mitglied der Sektierer. Wahrscheinlich der einzige Mensch an Bord der Fähre. Abgesehen davon wäre Tripal fast dran gewesen und in nicht allzu großer Entfernung schwebt ein Basisschiff herum und dessen Besatzung will ich nicht unbedingt kennenlernen.“
„Das trifft es auf den Punkt“, intonierte Andrew und Zeus zuckte mit den Schultern, während die anderen lediglich finster drein guckten.