Jake der Dieb
Ein junger Taschendieb namens Jake versucht, in einer Stadt irgendwie über die Runden zu kommen.
Ich hatte letztens die Idee "Hm, was wäre, wenn Jaryl und Jin vor ihren Abenteuern mit dem Drachengott usw. davor die Anführer einer kleinen Gruppe von Banditen gewesen sind?"
Also dass sie sich aufgrund der Lage ihrer Welt, zum Beispiel weil Krieg ist oder gewesen ist, nicht mehr wirklich mit "normaler", legitimer Arbeit über Wasser halten konnten. Ich bin mir auch momentan noch am Überlegen, was genau der Grund sein könnte, warum dann irgendwann nur noch Jaryl und Jin auf Schatzsuche unterwegs sind, aber da hab ich noch nix konkretes.
Und ich hatte mir auch überlegt, dass Jin mit seinem Magieroutfit versuchen will zu verstecken, dass er ein Drache ist. Drachenmenschen könnten in ihrer Welt eventuell diskriminiert und verfolgt sein, eben wegen den Geschichten und Legenden zu dem bösen Drachengott, weswegen ich ihn hier in dieser Kurzgeschichte als Echsenmann bezeichne.
„Hehe, ich hab’ ‘nen Lauf heute~“, murmelte ein etwa 23-jähriger Streifenhyänenmann zufrieden mit sich selbst, als er durch die Seitengassen der Stadt schlich und einen kleinen Sack voll Goldmünzen in seinen schäbigen Mantel steckte. Er war etwas dürr geraten, was es ihm allerdings den Vorteil gab, sich schnell und wendig durch Massen an Leuten bewegen zu können. Er trug ein Kopftuch, durch welches durch zwei Löcher seine Ohren schauten. „Vielleicht“, dachte er sich, „kann ich vor Sonnenuntergang noch einen reichen Vollidioten etwas um sein Geld erleichtern.“
Als der Streifenhyänenmann in eine der größeren Straßen der Stadt bog, wurde er von der Seite allerdings von einer der Stadtwachen ergriffen: „Na? Wohin des Weges, Freundchen?“
Fünf Dobermannleute der Stadtwache standen vor ihm, und sie sahen nicht allzu freundlich aus.
„Für jemanden wie dich haben wir ein schickes Plätzchen“, höhnte der Wachmann, der den Streifenhyänenmann ergriffen hat. Er deutete auf einen Steckbrief, der an der Wand neben ihnen hing, wo ein Bild des Streifenhyänenmannes darauf zu sehen war. Darunter waren der Name „Jake“ und eine Summe von 300 Goldmünzen vermerkt.
„Da pfeif’ ich doch drauf“, erwiderte der Streifenhyännenmann, Jake, und zückte blitzschnell einen seiner zwei Dolche, den er dem Wachmann in die Seite rammen konnte, der daraufhin losließ und vor Schmerz aufschrie. Jake ergriff sofort die Chance und flüchtete zurück in die Seitengassen.
„HINTERHER! Bringt den Mistkerl um!“, schrie der verletzte Wachmann den anderen nach, die bereits die Verfolgung aufgenommen hatten.
Jake rannte verzweifelt durch die Gassen, allerdings wurde er in eine Sackgasse getrieben.
„Ende im Gelände, Kleiner“, knurrte einer der Wachen, die sich ihm jetzt langsam näherten und ihn immer weiter in die Ecke trieben.
„Verdammte Scheiße…“, murmelte Jake, der seine zwei Dolche nun gezogen hatte. Er sah sich schon mit einem Schwert zwischen den Rippen in dieser Sackgasse vergammeln.
Doch bevor dies geschehen konnte, surrte urplötzlich ein Feuerball herbei, der einen der Wachen direkt am Kopf erwischte. Durch den Aufprall stürzte dieser zu Boden und blieb regungslos liegen.
„Und da waren’s nur noch drei“, ertönte auf einmal eine tiefe, raue Stimme aus der Richtung, aus die der Feuerball geflogen kam. Ein stämmiger Tüpfelhyänenmann, der einen massiven Hammer mit Leichtigkeit über seine Schultern lehnte, näherte sich langsam den Wachen und Jake, „Also bitte. So viele gegen einen? Von Fairness habt ihr wohl noch nichts gehört, was?“
„W-was?! Wer bist du?!?“, schrie einer der drei verbleibenden Wachen. Der Tüpfelhyänenmann lächelte leicht, dann sagte er bloß, „Schatz? Dein Auftritt.“
Hinter ihm näherte sich ein in Magierroben gekleideter Echsenmann, dessen Kopf und Gesicht größenteils durch einen großen Zaubererhut verdeckt wurde. Seine Augen konnte man aber noch durch ein leicht blaues Leuchten erkennen. Er trug eine Zauberrute, mit der er wortlos auf die restlichen drei Wachen deutete. Ein großer Blitz schoss aus dem Juwel an der Rute, der die Wachen traf und auch sie zu Boden brachte.
„Was… wer… wer seid ihr zwei…?“, fragte Jake, der sich vor Überraschung und Staunen nicht mehr auf den Beinen halten konnte und nun ganz verblüfft am Boden saß.
Der Tüpfelhyänenmann ging zu ihm und hielt ihm die Hand hin, um ihn aufzuhelfen.
„Ich heiße Jaryl“, fing der Tüpfelhyänenmann an zu erklären, „ich und mein Mann Jin hier sind mit unserer Gruppe auf Durchreise. Hatten schon so einiges über die Wachen hier gehört, dass die ziemlich hart hier vorgehen. Aber so hart gegen einen einfachen jungen Taschendieb? Kommt mir ja etwas übertrieben vor.“
„Du hast Potenzial“, sprach Jin, der Echsenmann, „Etwas unvorsichtig bist du aber noch.“ Jin hielt auf einmal Jake’s Dolche in seiner rechten Hand. Er lächelte, als Jake verblüfft seinen Mantel prüfte.
„Hey, was--!? Wie hast du--???“
„Na, was sagst du, Junge? Alleine hier über die Runden zu kommen ist schwierig. Willst du dich uns anschließen?“, fragte Jaryl.
Jake war für einen Moment baff. Er war aber auch beeindruckt. Dann nickte er und sagte: „K-klar. Danke für die Rettung… Boss. Ich folge euch bis ans Ende der Welt!“
„Ha, das musst du nicht. Wie heißt du?“, fragte Jaryl.
„Ich? Ich heiße Jake.“