Kapitel 41
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Kapitel 41
Offenbarungen
„Zieht unsere Jäger wieder ab“, befahl Drekal. „Es macht keinen Sinn mehr, sie da draußen zu lassen. Nachdem, was wir von Isis mitgeteilt bekamen, wird es nicht zum Angriff kommen. Vielmehr sieht es danach aus, dass wir Verbündete gefunden haben.“
Sitral nickte und leitete den entsprechenden Befehl weiter. Binnen weniger Minuten waren die Kampfgleiter in die Hangars zurückgekehrt und der Raum um die Ra-em herum übersichtlicher. Lediglich die beiden Kampfinseln ließen ihre Gleiter weiterhin im Einsatz, ließen sie im umgebenden Orbit. Nur ihre Ausrichtung änderte sich. Waren diese zuvor der irdische Streitmacht gegenüber, so drehten sie ab und wandten sich dem offenen Raum zu.
Der wöchentliche Datenabgleich der Antermerianer veranlasste Osiris zu diesem Schritt und entlockte ihm ein Seufzen, welches einerseits entspannt war, da es offensichtlich zu keiner Kampfhandlung mit den Gleitern der Erde kam, aber andererseits eine Unruhe verriet, ob der Geschehnisse in der Antarktis.
Die Abtrünnigen waren in der Zwischenzeit nicht untätig, hatten sich entschlossen in den Subraum überzugehen und ihre Reise zur Erde sollte sich langsam dem Ende zu neigen.
Die Bodenkampftruppen waren aufgerüstet und in Bereitschaft, ebenso die Luft- und Raumstreitkräfte. Alles stand in den Startlöchern und wartete auf die Rückkehr in den Normalraum und den Befehl zum Angriff.
Die Re-harachte, Osiris, Horem-hab, Nephtys und Amun-Re hatten endlich ihr Ziel erreicht und tauchten zwischen Mars und Erde auf, fielen in den Normal-raum zurück.
„Roter Alarm“, schrie Captain Seth und tippte auf den Auslöser. „Ruf die Flotte“, giftete er seinen ersten Offizier an.
„Aye!“
Sekunden später war die Kreuzverbindung hergestellt und man sah, dass alle anderen Captains das Gleiche gedacht hatten wie Seth. Im Hintergrund hörte man die Sirenen schrillen und ein diffuses rotes Licht umhüllte die einzelnen Videobilder.
„Sollen wir die Gleiter raus schicken?“, fragte Melina sichtlich verunsichert.
„Nein“, schnauzte Maahes dazwischen. „Die Situation ist zu unübersichtlich. Aber wie es laut Scan aussieht, ist diese Gleiterflotte gemischt.“
Captain Seth schaute zu Althais. „Genauer Scan! Sofort!“
„Aye! Daten kommen! - Es handelt sich um 11.000 Kampfschiffe. Vom Typ her sind allein 8.000 von der Erde und die restlichen 3.000 stammen scheinbar von den Kampfinseln. Die Ra-em hat keinen einzigen Gleiter im Raum.“
„Okay! Lasst unsere Gleiter in den Hangars. Ich muss das erst abklären.“
„Dann mach das“, polterte Theseus.
Die Kreuzverbindung wurden beendet.
Auf der Erde, genauer gesagt im Bereich der Antarktis, hatten die drei Waffen-träger, besetzt mit den Wölfen Dana, Phil und Syrgon die Zwischenstation er-reicht, umkreisten diese weiträumig und blieben schließlich stehen.
<„Sieht alles ruhig aus“>, tönte Danas Stimme über Funk.
<„Ja. Meiner Meinung nach zu ruhig“>, knurrte Phil.
<„Ich gehe dichter ran“>, verkündete die Wölfin und stapfte mit ihrem Mech langsam auf das Gebäude zu, postierte sich vorm Zugangstor.
<„Wie lange braucht unsere restliche Truppe, bis sie hier ist?“>, fragte Syrgon.
<„Die Raupen und Mobile sind langsamer als wir, müssen teilweise Umwege nehmen. Außerdem wird der Schneesturm immer heftiger. Ich schätze mal auf zwei Stunden.“>
<„Verdammt lange Zeit. Aber wir sollten nochmals eine Runde drehen und dann mit zwei Trägern reingehen“>, empfahl Phil.
<„Gute Idee“>, warf Dana ein. <„Jungs. Ihr schaut euch nochmals um und ich bleibe beim Zugangstor. Egal was drin ist oder rein will, es muss dann an mir vorbei.“>
<„Alles klar, Süße“>, antwortete Phil und gab seiner Maschine die Sporen.
Syrgon konnte sich ein lautes Lachen nicht verkneifen und wandte sich in die entgegengesetzte Richtung.
Während Phil sich anschickte das Gebäude schnell zu umkreisen, hielt es Syrgon für eine wesentlich bessere Idee sich Zeit zu lassen und alles genauer unter die Lupe zu nehmen. Und er sollte letztendlich gut daran tun.
<„Hey, Syrgon!“>, begann Dana, während sie vor dem Zugang stand und die beiden anderen Wölfe auf Erkundungstour waren. <„Erzähl doch mal ein bisschen von Dir. Wie kommst du in die bunte Truppe der abenteuerlustigen Chafren? Und wie kamst du an den Proto-Mech?“>
Der Rüde schaute sich gerade eine der Teilwände genauer an, räusperte sich, ließ seine Maschine, die Beine überkreuzend, seitwärts gehen. <„Nun ja, wo soll ich anfangen?“>
<„Nicht unbedingt beim Urschleim, aber, wenn wir schon einander vertrauen wollen und müssen, wäre es nicht schlecht etwas mehr über dich zu erfahren“>, mischte sich Phil in die Verbindung.
<„Na schön. Geboren und aufgewachsen bin ich in Strongham. Das ist ein Ort auf Genro. Er gleicht eher einer Stadt, mit größeren massiven Häusern, teilweise mehrstöckig gebaut, im Inneren. Weiter nach außen wird der Baustil einfacher und besteht überwiegend aus flachen, ebenerdigen Holzhütten.“>
<„Klingt sehr idyllisch“>, murmelte Dana.
<„Ja, das war es auch. Zumindest bis die Großkatzen aus Felgan durch Zufall auf die Urwaldbasis der Menschen stießen und mit einer mörderischen Kampfmaschinerie Bekanntschaft schlossen.“>
<„Um was für Waffensysteme handelte es sich und was für eine Basis?“>
<„Es waren Kampfeinheiten. Also zweibeinige Roboter, gegenüber diesen hier primitiv gebaut, aber absolut tödlich. Zwei Waffenarme mit Maschinenkanonen oder mit Geschosswerfer oder Laserkanone. Und dann kamen diese verdammten Messerdrohnen dazu.“>
<„Messerdrohnen?“>
<„Ja. Wie soll ich die beschreiben? Etwas so groß wie eine Melone, mittels Rotoren flugfähig und auf zwei umgebenden Schienen bewegten sich, kreisförmig und quer zueinander versetzt, acht rotierende, rasierklingenscharfe Messer.“>
<„Au ha. Hört sich extrem übel an.“>
<„War es auch. Durch die Drohnen hatten wir viele Verletzte. Aber glücklicherweise keine Toten.“>
<„Das heißt ihr hattet mehr Glück als Verstand und seid alle lebend durch gekommen?“>
<„Nein, Dana. Wir verloren Ikarus, einen Pegasushengst und zwei Drachen. Später kam Wotan noch hinzu. Und eine Gruppe von Kampfanthros.“>
<„Oh. Davon musst du mehr erzählen“>, intonierte Phil neugierig.
<„Uff“>, entfuhr es Syrgon. <„Die Kampfanthros wurden auf der Erde gezüch-tet und auf dem Mars zwischen geparkt. Die schlossen sich uns vor circa fünf Jahren an, als wir das erste Mal hier waren. Warum es auf unserem Planeten eine Artenvielfalt gibt, die es hier nicht gab, erklärte sich erst später durch Sachmet und Isis. Es geht da um genetische Rückkopplungen, einen verstreuten Genpool und Arten die es auf Genro schon lange gab, bevor die abtrünnigen Antermerianer unseren Planeten entdeckten, bestehendes Leben zum größten Teil auslöschten, eine Basis auf Sabeth errichteten. Später tauchten die Menschen auf, wollten im Zuge eines Krieges gegen die Cherit, eine Armee auf Genro züchten, scheiterten im Großen und Ganzen, pfuschten und vertuschten und am Ende kamen wir dabei heraus. Besser gesagt unsere Vorfahren.“>
<„Das klingt verdammt kompliziert“>, verkündete Phil und stand mit seinem Mech plötzlich direkt neben Syrgons.
<„Kompliziert sind noch ganz andere Sachen, denn die Vergangenheit ist komplexer als wir alle denken und die Geschichte der Cherit, der Menschen, Chafren, Antermerianer und auch von irgendwelchen Balgaranern, Hermonitern und Haldoranern hängt eng verknüpft zusammen.“>
<„Faszinierend!“>, entfuhr es Dana. <„Habt ihr irgendwas gefunden?“>
<„Nein“>, antwortete Phil.
Syrgon hingegen, drehte seinen Waffenträger etwas in zur Seite und schaute zu Boden. <„Ich weiß nicht was es ist. Aber da liegt etwas unter dem Schnee.“>
Phil schaute in die gleiche Richtung, erhob sich etwas im Pilotensitz und drückte seine Schnauze gegen die Kanzelinnenseite. <„Ich sehe nichts.“>
<„Doch, doch. Da liegt etwas. Ich steige aus und sehe mir das mal genauer an“>, verkündete Syrgon und öffnete die Kanzel.
<„Was?“>, rief Dana ins Mikro des Headsets. <„Das lässt du schön sein, Meister! Wir warten bis die Anderen da sind.“>
<„Dana, hast du schon vergessen? Wir sind hier um die Station abzusichern und schon mal vorzubereiten“>, erwiderte Syrgon und kletterte herunter, stapfte durch den Schnee und beugte sich nach vorne.
<„Hier liegt tatsächlich etwas. Ich versuche es etwas freizulegen.“>
<„Pass bloß auf dich auf“>, ermahnte Phil.
<„Wird schon schief gehen.“>
<„Eben, genau darum.“>
Syrgon streckte eine Hand aus, griff vorsichtig in den Schnee und begann ihn wegzuwischen. Nach und nach legte er ein Stück nach dem anderen frei, wurden die Konturen klarer. Schließlich zog er die Hand zurück und atmete tief durch.
<„Was hast du?“>, fragte Dana besorgt.
<„Es ist ein Roboter. Aber einen solchen habe ich noch nie gesehen“>, verkündete der Rüde.
<„Okay, sofort zurück in deinen Träger. Das ist ein Befehl!“>
<„LDWC 2 an Major Altarion! Können sie mich hören?“>
Die Antwort war verrauscht, unterbrochen mit statischem Knacken, aber halbwegs zu verstehen. <„Hier Altarion. Wir sind auf dem Weg zu ihnen, Ankunft in fünfunddreißig Minuten.“>
<„Verstanden! Aber wir haben hier ein Problem.“>
<„Was gibt es?“>
<„Syrgon hat etwas gefunden. Es liegt am Fuße der Station.“>
<„Um was handelt es sich? Bitte genauer definieren. Mit irgendetwas kann ich nichts anfangen.“>
Der Wolfsrüde war mittlerweile wieder in der Kanzel angekommen, hatte sie geschlossen und loggte sich in das externe und damit über eine größere Reichweite verfügende, Funknetz ein. <„Ich mache einen Scan und sende ihnen die Bilder“>, mischte er sich ein.
<„Verstanden, Pilot. Wir erwarten die Daten.“>
So machte er sich an die Erfassung des Fundes und übermittelte die verfüg-baren Informationen.
Sekunden verstrichen, aus Sekunden wurden Minuten. Dann kam eine Antwort.
<„Datenvergleich positiv. Wir haben die Bilder an Norad übermittelt und eine Reaktion erhalten. Isis sagt, es sei ein Waffensystem der Abtrünnigen. Daher er-teile ich ihnen den Befehl, auf größere Entfernung zu gehen und auf uns zu warten. Ist das klar?“>
<„Verstanden! Wir sichern ab, gehen auf Distanz und warten“>, wiederholte Phil sinngemäß.
<„Los Leute“>, rief Altarion ins Headset. <„Wir scheinen Ärger vor Ort zu haben und keine Zeit mehr.“>
Der Pulk aus Schneemobilen und Raupenschleppern beschleunigte.
Smithers saß unterdessen in seinem Büro, sein Adjutant war anwesend, ebenso Cruncher und Barnowski.
„So. Mir gefällt das Ganze gar nicht. Aber absolut nicht“, wollte er einen Disput einleiten, aber dabei blieb es auch schon.
Plötzlich ging der Wechselsprecher. „Sir, wir haben hier Norad, den Stabs-chef.“
„Der hat mir gerade noch gefehlt“, knurrte er unhörbar und dann lauter: „Ge-ben sie ihn mir.“
„Hier Smithers! Ich grüße sie, Mr. Grain“, begrüßte er den Stabschef.
„Hallo, Mr. Smithers. Ich habe da einiges zu verkünden und wir werden eine Pressekonferenz einberufen.“
„Sie wissen schon, dass das jetzt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt kommt?“
„Kann ich mir denken, aber besser wird der bestimmt nicht, vor allem, wenn sie gehört haben, um was es geht.“
„Dann schießen sie mal los.“
Und der Stabschef schoss los und egal was er zu sagen hatte, er tat es, direkt und schonungslos.
Während Zoran, also der Stabschef, so nach und nach in Fahrt kam, klappten besonders Cruncher und Barnowski die Kinnladen immer tiefer.
Nach vierzig Minuten endete Zoran Grain mit seinen Ausführungen und es trat Stille ein.
Zunächst fand John Smithers seine Stimme wieder. „Und das wollen sie der Öffentlichkeit verkaufen?“
„Ja. Es geht bestimmt nicht um die nächsten Ostereinkäufe, sondern um die Zukunft der Menschheit.“
„Ah ja. Und sie meinen, dass das von Anthro-Klonen, Anthro-Hybriden und einem bunten Gemenge von Außerirdischen abhängig ist?“
„Wie es aussieht, ja. Sie haben sich ja bisher immer nur hinter den Fassaden versteckt. Haben ihre Rolle gespielt, die Geheimdienste die ihre und, zugegebener Maßen, wir auch. Aber damit muss jetzt Schluss sein, sonst spielen wir dem Feind alles in die Hände und haben schon verloren, bevor es überhaupt richtig angefangen hat.
Abgesehen davon, befinden sich mittlerweile fünf weitere Cheritkreuzer im Anflug und sollten in Kürze in den Orbit einschwenken. Damit beläuft sich, wenn die auch ihre Kampfgleiter starten, die Anzahl der Einsatzkräfte auf 50.000 irdische und geschätzten 20.000 der Antermerianer und Cherit. Zusätzlich die Schlagkraft der beiden Kampfinseln und der Kreuzer.
Und soviel wie mir mitgeteilt wurde, tragen erwähnte Schiffe eine schlagkräftige Armee von Cyborg-Skorpionen als Waffenträger an Bord. Sie sehen, wir sind auf alles vorbereitet“, verkündete Zoran Grain.
„Was macht sie da so sicher? Bei mir sitzen Barnowski und Cruncher und die können sich, ebenso wie ich, auf gewisse Details keinen Reim machen“, knurrte Smithers mehr als gereizt, da er merkte, dass er im Patt stand.
„Ah, sie spielen da auf den Verlust des Forschungsraumers an. Da kann ich alle beruhigen. Der befindet sich, nachdem er auf immer noch unerklärliche Weise im Elara-System auftauchte, an Bord der Ra-em, welche in Kürze am großen Salzsee in Utah runtergehen wird. Die beiden Wissenschaftler sind übrigens wohl auf und haben den Crashkurs in Geschichte besser verkraftet wie sie.“
Cruncher schaute den Russen an und der zuckte mit den Schultern. „Ih bin mjitelprehtig begjeisterrt.“
„Fragen sie mich mal“, konstatierte der Milliardär.
„Was schlagen sie also vor?“, fragte Smithers, sichtlich in Mitleidenschaft gezogen, da das zunächst gespürte Patt nunmehr ein deutlich Matt seinerseits war.
„Wir treten vor die Medien und geben uns zu erkennen.“
„Und beten, dass die Nachricht von ihrer Existenz wohlwollend aufgenommen wird?“
„Warum nicht? Die Klone die beim Militär und im Medizindienst arbeiten wurden ja auch nicht sonderlich abgelehnt.“
„Ja, aber das war schon grenzwertig und zudem ist das alles noch sehr frisch. Meinen sie, dass es gut wäre, jetzt noch einen drauf zu setzen?“
„Haben sie eine bessere Idee?“
„Nein. Daher stimme ich ihnen zu“, grollte Smithers, zerknüllte ein leeres Blatt Papier und warf es quer über den Schreibtisch.
„Ausgezeichnet. Ich setze mich sofort in eine Maschine und komme nach Washington.“
„Machen sie das. Ich erwarte sie.“
Das Gespräch endete.
„Ich rede jetzt mit Captain Drekal“, verkündete Zoran und stellte die Verbindung her.
<„Hier Drekal“>, hörte man die Stimme der Wölfin.
<„Hallo Captain. Wir beabsichtigen einen kleinen Geniestreich und ihr dürft mitwirken, wenn du deine Zustimmung gibst.“>
<„Ich bin ganz Ohr.“>
<„Ihr landet mit der Ra-em umgehend am Salzsee. Wir müssen den Plan be-schleunigen. Ich werde mich jetzt mit einer Maschine nach Washington begeben und mich dort mit dem Verteidigungsminister treffen, wohl auch mit dem Präsidenten. Es dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass ich ein Hybrid bin und Altarion ein Säbelzahn-Anthro.
Wenn das dann durch ist, werden der Präsident, meine Wenigkeit und Smithers nach Salt Lake kommen und genau dort steht ihr. Somit sieht alles nach einem Begrüßungskomitee aus und einem offiziellen Empfang, welcher dann live übertragen wird. Alles andere stinkt mir zu sehr nach Verschwörung und von langer Hand vorbereitet.“>
Die Wölfin atmete tief durch. <„Was ist mit den 8.000 ihrer Gleiter? Wenn wir uns jetzt auf den Weg machen, durchstoßen wir ihre Formation.“>
<„Darum machen sie sich keine Sorgen. Ich kläre das gleich.“>
<„Gut, dann soll es so geschehen.“>
<„Hervorragend. Die Landekoordinaten für sie sind 40° 45' Nord zu 111° 54' West. Beachten sie bitte, dass es sich dabei um die irdischen Zielkoordinaten der Stadt Salt Lake City handelt. Korrigieren sie bei Annäherung mehr als einen Grad nördlich und westlich nach. Landen sie am Rande, in einiger Entfernung zur Stadt. Die Einwohner sollten nicht unbedingt ein Problem darstellen, aber sind mit Vorsicht zu genießen, da alles historisch gesehen von den Mormonen gegründet wurde und auch heute noch ein sehr christliches Zentrum darstellt. Wenn da etwas zu Bruch gehen sollte, dann könnte es zu unangenehmen Konflikten kommen. Also bitte alles schön vorsichtig und mit Gefühl angehen.“>
<„Verstanden. Wir werden uns dann auf den Weg machen.“>
<„Ausgezeichnet! Wir sehen uns dann vor Ort. Grain, Ende!“>
Isis schaute Zoran überlegend an. „Ich brauche eine Verbindung zur Byblon.“
„Natürlich“, entgegnete der Stabschef.
Kurzer Hand stand die Leitung. <„Osiris? Kannst du mich hören?“>
<„Ja, mein Schatz! Was gibt es?“>
<„Alter Charmebolzen. Ich wollte dich nur informieren, dass die Ra-em jetzt den Orbit verlassen wird und auf der Erde landet. Es wird eine hoffentlich nette Begrüßung geben und die Menschheit wird auf die bevorstehenden Ereignisse eingeschworen. Das ganze wird über die Medien verbreitet.“>
<„Ah, gut das du mich informierst. Ich vermute, dass sich die Kampfgleiter um formieren werden?“>
<„Richtig.“>
<„Ausgezeichnet. Ich hole unsere Jäger wieder rein. Das sollte nochmals für Entspannung sorgen“>, stellte Osiris zufrieden fest.
<„Dann tu das. Isis, Ende!“>
Wenige Minuten später kam Bewegung in die kleine Flotte der Antermerianer und verschwand schließlich aus dem freien Raum, hinein in die Hangars der Kampfinsel Byblon.
Ebenso lockerte sich fast gleichzeitig die Formation der irdischen Kampfflotte auf. Die Raumjäger rückten von den Kampfinseln ab, zerstreuten sich teils lose, teils in kleineren Gruppen. Der größte Teil drehte ab und kehrte zur Oberfläche zurück, so dass am Ende nur noch 1.000 zwischen Erde und den Antermerianer schwebten, welche nunmehr einen freien Korridor bildeten. Eine Schneise, die groß genug war um die Ra-em passieren zu lassen.
„Sitral! Ich denke, dass wir die Einladung haben und ihr jetzt folgen sollten“, intonierte Drekal und erteilte unterschwellig den Befehl zum Landeanflug.
„Aye, Captain!“
Drekal tippte auf das interne Com: „An alle Decks und Stationen. Alarmstufe Orange, stiller Alarm. Wir landen auf Anweisung auf der Erde. Was dort passieren soll, wurde uns schon mitgeteilt und es besteht kein Grund zur Sorge. Wenn sich alles so darstellt, wie uns zugesichert, werden wir in Frieden empfangen. Drekal, Ende!“
„Und was, wenn nicht?“, fragte Colras besorgt.
„Dann können wir uns immer noch verteidigen.“
„Gute Idee“, entfuhr es Cernos. „Wir landen und lösen direkt auf der Oberfläche des Gastplaneten einen interstellaren Krieg aus.“
„Danke für den Einwand, Navigator. Aber ich denke nicht, dass es soweit kommen wird. Steuermann, setze Kurs auf den Planeten. Die Koordinaten des Landeplatzes sind bereits im System.“
„Aye, Captain!“
Langsam und würdevoll setzte sich der Raumkreuzer in Bewegung, verließ den Orbit und sank zunächst fast unmerklich, dann jedoch deutlich spürbar der Oberfläche des Planeten entgegen.
In der Nähe des Planeten Jupiter bildete sich eine kleine graue Fläche, ein zu-nächst unscheinbarer Wirbel, welcher jedoch nach und nach an Struktur gewann. Seine Farben wechselten von grau zu violett, dann in ein zartes pastell. Immer mehr durchmischten sich die Farben, die anfängliche Fläche erhielt eine deutliche Tiefenwirkung, die Größe nahm schnell zu und letztendlich verließ ein Schiff den geöffneten Subraumtunnel.
Keines der Schiffe, welche um die Erde kreisten, weder die Kreuzer, noch die Kampfinseln, ganz zu schweigen von den Gleitern eben jener und der Erdstreitkräfte, gleichten ihm.
„Kontakt auf Sol-Delta-Drei“, brüllte Arctus über die Brücke der Horem-hab.
„Alarmstufe Rot“, schrie Melina und tippte nicht auf den Auslösetaster, sondern schlug regelrecht darauf.
Ebenso handelten Captain Seth, Maahes, Theseus und Ramos, der Cheritkreuzer Re-harachte, Nephtys, Osiris und Amun-Re.
„Kreuzverbindung“, befahl der Captain der Horem-hab.
„Verbindung steht“, rief Cebal.
<„Ja doch, Melina. Wir haben es auch gesehen. Subraumkorridor im Quadrant Sol-Delta-drei, Null-Komma-sieben astronomische Einheit vom Planeten Jupiter entfernt“>, sagte Seth aufgebracht.
<„Ist es das was ich denke?“>, fragte Theseus.
<„Ja“>, entfuhr es Ramos. <„Ein Systemvernichter. Sie haben uns gefunden. In-formiert Isis. Es beginnt.“>
Während die Ra-em der Erdoberfläche entgegen schwebte, schrillten auch auf der Erde die Alarmsirenen und in Norad ging man sofort auf DefCon1. In allen verfügbaren Basen waren die Gleitereinheiten einsatzbereit und starteten, strebten 50.000 Kampfgleiter einer vordefinierten, unsichtbaren Linie zwischen Erde und Mars entgegen.
„Gebt mir Smithers, stellt eine Kreuzverbindung mit der Ra-em und dem russischen Verteidigungsminister her“, befahl Zoran Grain, der mittlerweile beim Präsidenten angekommen war, Cyron, Chiron, Tarja, Shana Grant, Skort und Isis im Schlepptau hatte und ihn sichtlich überging.
Innerhalb von Sekunden stand die Leitung zu den angeforderten Personen.
„Was ist los?“, fragte Belrukin sichtlich nervös. „Wir haben hier sehr obskure Meldungen vorliegen.“
„Wissen sie eigentlich, was sie da machen?“, schnauzte Grandner in alle Richtungen.
„Mr. Präsident. Wir haben soeben DefCon1 initiiert. Ein Systemvernichter von abtrünnigen Antermerianern ist aus dem Subraum in unseren Bereich eingedrungen.“
„WAS? Was hat das alles zu bedeuten? Warum werde ich erst jetzt darüber informiert?“
„Die Ereignisse überschlagen sich gerade, Sir.“
„Dann bringen sie mich doch endlich mal auf den aktuellsten Stand der Dinge.“ Grandner war als Präsident der Vereinigten Staaten mehr als sauer und fühlte sich hintergangen, machte gegenüber dem vor ihm stehenden Hybriden-Stabschef auch keinen Hehl draus.
„Keine Sorge, Mister Präsident. Noch haben wir alles im Griff. Im Moment stellt sich die Situation halbwegs übersichtlich dar.“
„Halbwegs ist nicht genug“, brüllte Belrukin. „Wir haben unsere Truppenverbände nicht nur in der Luft aktiviert, sondern auch am Boden.“
„Ausgezeichnet. Wir werden jetzt koordinieren müssen, damit wir uns nicht gegenseitig im Weg stehen“, intonierte Grain.
„Dann schießen sie los“, knurrte Präsident Grandner.
„Zur Zeit haben wir 1.000 Gleiter zwischen Erde und Mars stationiert. Dreitau-send sind gerade in der Auftankphase und 50.000 sind auf dem Weg zu den vorgesehenen Sammelpunkten.
Der Cheritkreuzer Ra-em wird in Kürze auf der Erde landen und seine Truppen als Verstärkung auf der Oberfläche absetzen. Die Kampfinseln Byblon und Atikon umkreisen um 180 Grad versetzt die Erde und sichern damit die Hemisphären ab. Ich vermute, dass die auch grob geschätzt um die 200.000 Gleiter entsenden werden.
Außerdem umkreisen unseren Planeten fünf weitere Cheritkreuzer, welche ebenfalls Kampfgleiter in die Abwehrlinie schicken werden. Eine weitere Truppe ist in der Antarktis unterwegs und versucht einigen merkwürdigen Dingen auf den Grund zu gehen und Ungemach abzuwenden.“
„Ist das alles oder kommt da noch mehr?“, schnauzte Grandner.
„Nein. Im Moment ist das alles“, versuchte Smithers zu beschwichtigen.
„Na schön“, entgegnete der Präsident. <„Wo wird die Ra-em landen?“>, wandte er sich an Drekal, welche gerade interessiert auf der Unterlippe kaute, den Disput in der Kreuzverbindung mitverfolgt hatte, aber zunächst stumm geblieben war.
<„Meine Order lautet, in der Nähe von Salt Lake City zu landen. Dort sollten wir uns ursprünglich treffen. Zumindest sind wir auf den Weg dahin.“>
<„Dann machen sie das.“> „Und sie Mr. Smithers werden mit einer Maschine umgehend zu mir kommen, mich abholen und auf dem Weg zum Salzsee einiges zu erklären haben. Haben wir uns da verstanden? Halten sie alle Leitungen offen. Ich will ständigen Kontakt zu allen Stabschefs weltweit und zu allen Einsatzkräften und deren leitenden Offizieren, egal wo die sich befinden und mir ist es auch egal wie sie das machen. TUN SIE ES EINFACH!“
„Ja, Mr. Präsident.“
Die Leitung wurde unterbrochen und Smithers verschwand vom Schirm.
„In ihrer Haut möchte ich nicht stecken“, verkündete Belrukin.
„Machen sie sich um mich mal keine Sorgen. Aber ich wünsche ihnen schon mal viel Spaß bei ihrem Präsidenten und wie sie ihm das beibringen wollen.“
Der russische Verteidigungsminister hob eine Augenbraue und seufzte. „Danke, dass sie mich daran erinnern. Der wird sich auch freuen.“
„Nicht nur der. Irgendwie haben wir wohl alle geschlafen.“
Danach verschwand auch das Konterfei Belrukins vom Wandschirm und lediglich der Captain der Ra-em verblieb.
<„Inwiefern ändern sich jetzt meine Aufträge?“>, fragte die Wölfin.
<„Wie lange brauchen sie noch zur Oberfläche?“>
<„Wir sind exakt in einer Stunde und zwanzig Minuten am vereinbarten Ort.“>
<„Ausgezeichnet. Sie bleiben beim Plan, Smithers und ich werden mit dem Präsidenten entsprechend dort sein, hoffentlich lebendig und nicht gegrillt.“>
<„Viel Glück. Drekal, Ende.“>
Smithers schaute derweil seinen Adjutanten unheilschwanger an. „Kommen sie. Auf zum Schlachtfest.“
Minuten später war sein Gleiter auf dem Weg nach Washington, um sich mit Grandner, Grain und den anderen zu treffen.