Kapitel 27
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Kapitel 27
unerwünschter Besuch
Natürlich blieb die Ankunft des kleinen Forschungsschiffes nicht unbemerkt und an Bord der Ra-em schrillte der rote Alarm.
„Bericht!“, brüllte Drekal quer über die Brücke, nachdem sie aufgesprungen war.
„Moment, Captain!“, rief Sitral zurück. „Laut Scan ist es ein kleines Schiff, zwei Lebensformen an Bord. Es handelt sich laut den Daten um Menschen.“
„Was? Wo kommen die her?“
„Das ist eine gute Frage. Ich schlage vor, dass wir das Schiff an Bord holen und die Fragen den beiden persönlich stellen.“
Die Wölfin verschränkte die Arme vor der Brust, kaute auf der Unterlippe und überlegte eine geraume Zeit. „Schickt zwei unserer Jäger raus. Fangt sie ein und bringt sie in den Hangar 2. Vier Leute der Sicherheit sollen sich bereit halten.“
„Aye, Captain!“
Wenige Minuten später waren zwei Abfangjäger auf Kurs, scannten das kleine Schiff und stuften es als unbewaffnet und damit unbedenklich ein.
Die beiden Besatzungsmitglieder der Ceres indessen setzten Kurs auf den Planeten, bemerkten die sich nähernde Eskorte nicht, ebenso wie ihnen die Anwesenheit der Ra-em verborgen geblieben war.
Allerdings sollte sich das in Kürze ändern und eine halbe Stunde später in Gewissheit umschlagen. Weder der Quantenphysiker, noch die Astrobiologin waren auf das was kam vorbereitet und entsprechend fiel ihre Reaktion aus, als plötzlich durch anfängliches statisches Rauschen ein deutlicher Funkspruch zu hören war.
<„Fremdes Schiff, identifizieren sie sich! Hier ist Abfangjäger Sechem 1 des Cherit-Subraumkreuzers Ra-em.“>
Minuten des Schweigens folgten. Minuten, in den die beiden Menschen weder ihren Ohren, noch ihrem gesunden Verstand trauen wollten. Minuten, in denen die Jäger Sechem 1 und 4 sich längsseits neben das Schiff setzten. Minuten, in denen beiden Wissenschaftlern gewahr wurde, dass sie mitten in einer Streitmacht gelandet waren, die scheinbar über Waffen verfügte, welche sie in ihrem Leben noch nie gesehen hatten, bewaffnet waren bis an die Zähne und definitiv dazu in der Lage diese auch zielgerichtet einzusetzen.
„Oh mein Gott!“, entfuhr es Aailyah Amarna. „Wo sind wir hineingeraten?“
„Egal was es ist. Es sieht nicht freundlich aus. Aber wir sollten antworten. Im Moment scheint es sich nur um eine einfache Frage zu handeln.“
Aasaf Singh betätigte die Com-Taste. <„Ähm... hallo. Hier spricht Quantenphysiker Singh vom Forschungsschiff Ceres. Neben mir sitzt die Astrobiologin Amarna. Wir sind vom Planeten Erde und waren in unserem Sonnensystem auf Forschungsmission. Wie wir hier her gekommen sind, wissen wir nicht und hoffen, dass sie uns da weiterhelfen können.“>
<„Ceres. Hier Sechem 4. Folgen sie uns. Wir geleiten sie auf Order zu Hangar zwei des Kreuzers Ra-em. Betrachten sie sich als Gäste der Cherit.“>
<„Verstanden! Wir folgen ihnen.“>
<„Sechem 4 an Ra-em.“>
<„Hier Ra-em. Sechem 4, wir hören.“>
<„Abgefangenes Schiff ist ein Forschungsraumer, definitiv unbewaffnet, Besatzung besteht aus zwei Wissenschaftlern. Beide sind irritiert und unwissend wie sie hierher kamen. Unwahrscheinlich, dass sie in irgendeiner Form von unserer Existenz wissen. Bitte um Landeerlaubnis in Hangar zwei.“>
<„Bestätigt. Landeerlaubnis für Hangar zwei erteilt.“>
<„Verstanden! Landeerlaubnis für Hangar zwei bestätigt und in Ausführung.“>
Der Abfangkurs der beiden Jäger war direkter und beide Gleiter schneller als der Raumer. So brauchten sie für den Rückflug fünfzig Minuten.
Fünfzig Minuten, in denen beiden Wissenschaftlern immer mehr Fragen in den Sinn kamen. Eine Zeitspanne, in derer ihnen immer mulmiger zumute wurde und als sie die Silhouette des Cheritkreuzers immer deutlicher erblickten, dieser immer größer wurde, bis er schließlich die komplette Fensterfront einnahm. Beide begannen innerlich mit dem Leben abzuschließen.
„Egal was das ist. Wir scheinen unwissentlich zwischen die Fronten geraten zu sein“, murmelte Singh.
„Mir stellen sich andere Fragen“, begann Amarna, „Wer sind die, wie sehen die aus und woher kommen die und was haben die hier draußen zu suchen?“
„Cruncher scheint uns einiges verschwiegen zu haben, wenn das zu seinem Plan gehören sollte.“
„Ja. Mit dem sollten wir mal dringend sprechen, wenn wir wieder auf der Erde sind. Aber erstmal sind wir wohl eingeladen und sollten das Angebot annehmen.“
Nachdem die Schiffe im Hangar sicher gelandet waren, öffneten die Wissenschaftler ein seitliches Schott und betraten zum ersten Mal in ihrem Leben ein vollkommen fremdes Gebiet.
Sie sahen sich um, als in nächster Nähe sich eine Tür öffnete und fünf Personen eintraten. Ihnen gefror das Blut in den Adern, als plötzlich vier bewaffnete, aufrecht gehende Hunde und eine ebenso aufrecht gehende Wölfin vor ihnen stand.
„Hallo, mein Name ist Drekal, ich bin der Captain des bescheidenen Weltraumhotels“, begann die Wölfin humorvoll. „Und die vier Helden neben mir, sind ein Teil unseres freundlichen Sicherheitspersonals.“
Warum auch immer, aber die humorige Einlage schlug nicht sonderlich gut an. Jedenfalls verzogen die beiden Neuankömmlinge keine Miene. Statt dessen wurden ihre Gesichter leichenblass und Amarna verlor den Boden unter den Füßen, wurde ohnmächtig. Lediglich Singh versuchte die Fassung zu wahren, kniete sich neben seine Begleiterin und tätschelte ihr vorsichtig das Gesicht.
Die Astrobiologin öffnete die Augen und zog sich an seinem linken Arm wieder empor, versuchte ihre Sprache zu finden. „Mein Name ist Aailyah Amarna. Ich bin Astrobiologin und Fachfrau für Sicherheitstechnik.“
„Ah ja! Es freut mich, sie kennenzulernen.“ Drekal wandte sich an Singh: „Und sie sind?“
„Ich bin Quantenphysiker und Fachmann für Luft- und Raumfahrttechnik. Ach ja, Aasaf Singh mein Name.“
„Sehr erfreut.“ Die Wölfin nickte freundlich und wedelte kurz mit dem Zeigefinger in die Runde, ohne das Wachpersonal dabei anzusehen. Die Hunde trollten sich und der Zugang zwischen Hangar und dem Rest des Schiffes schloss sich unter leisem Zischen.
„Wer sind sie? Was machen sie hier und vor allem ...“, Aailyah suchte nach Worten.
„... wie kann es sein, dass wir anthropomorphe Tiere sind?“, schloss Drekal den verzweifelten Gedankengang ab.
„Ja.“
„Begleiten sie mich einfach. Sie werden die Antworten, die sie suchen bekommen und wohl auch selbst finden.“ Die Wölfin deutete mit der Hand auf die Tür und damit an, dass die beiden ihr folgen sollten.
Auf ihrem Weg durch das Schiff wurden die Gesichter der Wissenschaftler immer länger, begegneten ihnen doch Wölfe, Pferde, Hunde, Hirsche, Raubkatzen. Ihnen kam die Besatzung der Ra-em wie ein überdimensionierter, vollkommen grotesker Zoo vor und immer wieder blieben sie stehen, schauten den Anthros hinterher, schüttelten die Köpfe und zuckten mit den Schultern.
Schließlich erreichten sie den Konferenzraum und nahmen Platz. Sitral und Berca gesellten sich auf Geheiß Drekals dazu.
Die Wölfin beugte sich leicht vor, tippte etwas auf dem Tableau, welches in der Tischplatte eingelassen war, ein und im Hintergrund leuchtete ein Wand-schirm auf. Wenig später erschienen die Gesichter von Kira, Andrew und Cyron im Bild.
<„Hallo Drekal. Was verschafft uns die Ehre deines Anrufes?“>
<„Ich grüße euch. Wir haben da wohl eine kleinere Planänderung in Aussicht.“>
<„Das hört sich nicht gerade gut an.“>
<„Was ist momentan schon gut? Aber mal im Ernst. Wir haben Besuch.“>
<„Oh. Ihr auch? Wir haben da auch jemanden, den wir vergessen haben dir vorzustellen.“>
In diesem Augenblick trat Isis vor die Kamera und nickte freundlich.
<„Fein. Isis höchst persönlich. Wir haben da etwas weniger zu bieten. Bei uns handelt es sich um zwei menschliche Wissenschaftler die direkt von der Erde bei uns gelandet sind.“>
Der Antermerianerin entglitten die Gesichtszüge. <„Wie kommen die hier-her?“>
<„Das wollen wir ja gerade mit euch gemeinsam herausfinden.“>
<„Dann sollen die beiden mal hören lassen.“>
Drekal sah Singh und Amarna an und nickte aufmunternd. „Nur zu.“
<„Ich fange einfach mal an“>, hub Amarna an. <„Wie alle sehen können, sind wir zwei einfache Wissenschaftler, wenn auch sehr spezialisiert. Ein Milliardär namens Cruncher hat uns angeheuert, um einigen Dingen im Asteroidengürtel auf den Grund zu gehen. Es handelt sich dabei um zwei etwas sehr interessante Gebilde, welche sich zu unauffällig bewegen. Sie benehmen sich geradezu so, als ob man sie nicht entdecken sollte. Außerdem kursieren auf der Erde in gewissen, eingeweihten Kreisen einige Gerüchte.“>
<„Ah. Und die wären?“>, fragte Shana, welche sich ebenfalls im Computerraum der Urwaldbasis befand.
<„Es gab eine Menge Toter, aber da waren wohl Streitereien die Ursachen. Das verschwinden von einigen Ägyptologen ist wohl nicht geklärt, da fand man einfach keine Anhaltspunkte. Der Rest ist lediglich ein Rumoren.“>
<„Oh“>, Jody war sichtlich erfreut. <„Wir verschwinden und keiner sucht nach uns. Warum hat das nicht schon früher geklappt?“>
<„Mich interessiert eher, was ihr im Asteroidengürtel gefunden und an diesen Cruncher übermittelt habt“>, warf Isis dazwischen.
Das kann ich ganz einfach beantworten. <„Nichts! Bevor wir in die Nähe kamen und Ergebnisse übermitteln konnten, brach der Funkkontakt mit einem lauten Pfeifen ab. Danach gab es einen grellen Lichtblitz und wir fanden uns hier wieder. Mehr wissen wir auch nicht.“>
<„Hmmm ... war da wirklich nichts weiter? Irgendetwas seltsames? Denken sie bitte gut nach?“>, stocherte Isis.
<„Ähm..., wenn ich es recht in Erinnerung habe, dann war da noch was.“>
<„Was? Was war es?“>
<„Nachdem das Pfeifen verstummte, hörten wir plötzlich etwas in einer fremden Sprache.“>
<„Fremde Sprache?“> Die Antermerianerin begann langsam wie bei einem Verhör zu bohren und fiel auch in eine Art Kommandoton.
<„Es klang wie eine Mischung aus Hebräisch und Arabisch“>, kam die Antwort.
Die Gesichtszüge entglitten ihr und sie fasste sich vor die Stirn, rieb drüber. <„Jetzt haben wir ein Problem und müssen einen Entschluss fassen. Die Ra-em startet sofort zum irdischen Solarsystem und dockt an der Kampfinsel Byblon an.“>
<„Jetzt gleich? Dann müssen wir unser Personal von Genro abziehen.“> Drekal war nicht begeistert.
<„Ja. Sofort! Wenn ich sage sofort, dann meine ich es auch. Wir werden die Umbauten beschleunigen müssen. Dieser Transfer des Raumers ist definitiv nicht unser Werk.“>
Die Wölfin seufzte.
Singh ergriff das Wort. <„So. Nachdem wir jetzt ihre Fragen beantwortet haben, würde ich darum bitten, dass sie uns jetzt einiges über sich erzählen.“>
<„Aber gerne. Andrew, Kira, trommelt bitte das Personal der Ra-em zusammen. Die sollen sich in die Gleiter setzen und Genro verlassen. Alles was zu uns an Bord gehört, hat sich schnellstens bei uns einzufinden. Sobald alle da sind fliegen wir los.“>
<„Verstanden. Wir machen uns gleich an die Arbeit.“>
<„Ausgezeichnet! Drekal, Ende!“>
Die Verbindung war beendet und die Wölfin drehte sich zu den Menschen und Sitral um. „Jetzt zu ihren Fragen....“
Innerhalb der nächsten vierzig Minuten war sie bemüht die ganze Geschichte der Antermerianer, der Cherit, Chafren und auch der Menschen zu zerpflücken und sie hinterher wieder passend zusammenzusetzen.
Nachdem die beiden aufgeklärt waren und sie innerlich sich selbst wieder gefestigt hatten, schauten sie sich an, überlegten kurz und waren sich einig. „Wir würden gerne helfen und an Bord bleiben. Mit unserem Wissen könnten wir innerhalb des Sonnensystems vielleicht nützlich sein.“
Sitral runzelte die Stirn und sah ihren Captain fragend an, aber Drekal ließ sich nicht beirren und lächelte mild. „Sie scheinen den Schock ja recht schnell überwunden zu haben. Ich hatte da mit einer heftigeren Reaktion gerechnet.“
„Na ja, es schon etwas, was man nicht alle Tage zu hören bekommt. Vor allem, wenn man unser Wissen über die zeitlichen Geschehnisse nimmt, unsere geschaffenen Fakten dazu und dann sind diese zwar richtig, aber nicht vollständig.
Es ist halt nur das Bild was erweitert wird, aber nicht gänzlich verändert. Insofern ist es nichts was jetzt unbedingt ehrenrührig wäre“, erwiderte Singh.
„Fein! Wenn es ihr Wunsch ist und bleibt ... Erlaubnis gewährt! - Sitral, weise den beiden die passenden Quartiere zu.“
„Aye, Captain! Sonst noch einen Wunsch?“
„Im Moment nicht, lasse es dich aber gerne wissen, wenn es soweit ist.“
„Stets zu Diensten.“ Die Schneeleopardin erhob sich, schaute zu Singh, Amarna und Berca, deutete auffordernd zur Tür und die vier verließen den Raum.
Drekal saß noch etwas in ihrem Sessel, schaute auf die geschlossene Tür, atmete tief durch und erhob sich schließlich auch, begab sich zur Brücke.
„Okay. Wir haben es alle gehört. Alles was zur Ra-em gehört packt seine Sachen, schnappt sich seinen Partner und verschwindet auf das Schiff. Keine Widerrede. Die Zeit drängt“, ordnete Apophis an.
Cyron blies die Wangen auf, schaute entrüstet zu seinem Sohn und schüttelte den Kopf.
Es kam wieder Betriebsamkeit auf die Ebene.
Callisto, Goran, Surat, Selestral und Cernos hatten sich schnell zusammengefunden. Bei Parais und Tristan dauerte es etwas, aber sie hatten schließlich auch ihre Sachen gepackt und waren startklar.
Nach einer kurzen Verabschiedung, verließen sie die Basis, bestiegen die Atmosphärengleiter und waren auf direktem Weg zum Mutterschiff.
„Tja, das ging ja schnell“, seufzte Chiron und sah Tarja an.
„Das ist eine sehr unschöne Entwicklung“, murmelte Ariana.
„Daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen.“ Hadron schaute nachdenklich und knirschte mit den Zähnen.
„Sobald die Verletzten genesen sind, werden alle auf ihre Schiffe nach Cyndra verbracht. Ich will hier nur noch die Chafren und die Kampfanthros haben“, befahl Isis.
„Das hört sich jetzt so absolut an“, entgegnete Andrew.
„Ja. Es muss sein. Wir müssen jetzt jederzeit mit dem außergewöhnlichen und vielleicht sogar mit dem Schlimmsten rechnen.“
„Nun gut. Ich gehe zu Kital und werde ihr die Entscheidung übermitteln. Sie soll schauen wer alles soweit gesundet ist, dass er zurückfliegen kann. Sobald ein Gleiter voll besetzbar ist, fliegt der ab“, stimmte Cyron zu.
Isis schien mit der Entwicklung der Dinge überhaupt nicht zufrieden zu sein. „Wie es aussieht, haben die Abtrünnigen schneller als erwartet einen Weg gefunden uns ins Handwerk zu pfuschen. Wir brauchen dringend die gespeicherten Daten.“
Cyron ergriff die Initiative und setzte sich neben Kira, schaute kurz auf die Terminals und drückte einen entsprechenden Button. <„Urwaldbasis an Sadral!“>
<„Hier Sadral! Was gibt es?“>
<„Wie weit seid ihr?“>
<„Noch zwanzig Minuten bis zur Ankunft. Bisher ist alles ruhig und keinerlei Gegenwehr, keine Bewegungen.“>
<„Sehr gut! Ihr müsst unbedingt an die Daten ran kommen.“>
<„Wir werden uns Mühe geben.“>
<„Dann strengt euch noch mehr an. Denn wir mussten die Pläne ändern.“>
<„Ich bin ganz Ohr.“>
<„Auf der Ra-em sind zwei Menschen eingetroffen, genauer gesagt zwei Wissenschaftler. Die beiden sind direkt aus dem Asteroidengürtel des irdischen Sonnensystems hierher katapultiert worden. Wie es aussieht haben unsere Feinde unsere Pläne erkannt und wollen uns einen Schritt vorauseilen.“>
<„Hört sich nach Ärger an. Wie wichtig sind die Daten?“>
<„Lebenswichtig!“>
<„Dann werden wir alles tun was möglich ist, auch wenn es unmöglich zu sein scheint.“>
<„Danke! Cyron, Ende!“>
Sadral schaute sich im Gleiter um und sah nur auf entschlossene Gesichter.
Er betätigte das Intercom. <„Alles herhören, es brennt. Wir müssen unbedingt an alle verfügbaren Daten die im Zentralrechner vorliegen. Egal was passiert. Wenn wir ankommen, dann will ich eine anständige V-Formation sehen. Tripal geht an die Spitze, der Rest fächert sich passend auf. Sichert das Oberflächengelände und sucht schnellstens einen Zugang zur Anlage. Rechnet mit dem Unmöglichen. Wenn sich da etwas bewegen sollte, dann schießt sofort. Egal was da existiert, es kann nur feindlich sein. Pustet alles weg. Das ist keine Bitte, das ist ein Befehl. Ende der Ansage.“>
In der Basis hatte sich Zeus unterdessen vor der Stasisröhre des vermeintlichen Cyrons aufgebaut und musterte ihn eindringlich.
Er war allein und starrte auf den Inhalt, welcher sich langsam bewegte und dessen Verletzungen fast vollständig abgeheilt waren. „Was willst du hier? Du weißt genau, dass du nicht hierher gehörst, sondern in eine ganz andere Welt. Du gefährdest alle mit deiner Anwesenheit.“
Unbemerkt war Chiron hinter ihn getreten und hatte seine laut ausgesprochenen Gedanken verfolgt. „Mich würde auch interessieren was er hier macht, aber noch mehr interessiert es mich, was du hier machst und vor allem, was findest du an ihm so faszinierend?“
„Das ist eine gute Frage. Ich habe das Gefühl, dass mich mit ihm etwas verbindet. Allerdings weiß ich nicht was das sein soll.“
„Hoffentlich ist es nicht etwas, was noch eine Planänderung erfordert.“
„Nein. Das glaube ich nicht. Es geht eher um Verstehen und Kommunikation. Um Zusammenhänge, die uns noch verborgen sind und scheinbar auch den Antermerianern.“
„Ich sollte Kital fragen, ob wir ihn endlich aus der Stasis holen können. Denn ich habe die Warterei auch langsam satt. Wir haben zwar viele Antworten bekommen, Antworten die uns nicht schmecken, die aber ein Bild ergeben, ein Bild ohne große Lücken und die auch einen Sinn haben, aber einige Löcher sind da drin und dieser Abziehbild-Cyron da drin passt überhaupt nicht. Es gibt keinerlei Frage auf die er eine passende Antwort geben könnte.“
„Zumindest fällt dir keine passende ein“, gab Zeus zu bedenken.
„Hast du denn eine Frage?“
„Ja. Warum bist du hier? Warum hast du versucht die Chafren und alle anderen zu töten? Warum hast du einen solchen Hass auf unseren Cyron?“
„Gute Fragen, aber die Antworten passen nicht ins Bild was sich gerade ergibt.“
„Vielleicht ist das Bild auch abhängig von den Daten, die die Kampfanthros auf Sabeth finden werden.“
„Du meinst, dass sich da noch einiges ändern wird?“
„Ich vermute es.“
„Ich suche Kital.“
Kital und Regar waren derweil auf der Ebene -7 unterwegs und hatten eine Liste der Entlassungsfähigen aufgestellt. Von 220 Verwundeten waren mittlerweile 80 soweit genesen, dass sie ohne Probleme auf ihre Schiffe gebracht werden konnten.
Die Piloten, welche teilweise auch das Sicherheitspersonal stellten, waren so-fort bereit die ihnen gestellte Aufgabe zu übernehmen und etwa zwei Stunden später waren nur noch einhundert in Betten liegend und zwanzig in den Stasis-röhren verbleibend. Der Rest war mit sechs Transportschiffen auf dem Weg nach Cyndra um das dortige Personal auf den Kreuzern wieder aufzufüllen.
„Kital!“, rief Chiron von weitem.
Die Katze drehte sich zu ihm um und winkte. „Hallo, Chiron! Was gibt es denn?“
„Dieser Dimensions-Cyron in Stasis. Zeus und ich haben überlegt, ob wir ihn nicht endlich aus der Röhre holen können. Vielleicht kann er noch ein paar Antworten geben.“
Kital kratze sich hinter dem rechten Ohr und verzog leicht das Gesicht. „Regar. Mach du hier weiter und schau mal nach Sirius. Er hat sich soweit erholt. Versuch ihm seinen Verlust so schonend beizubringen wie es geht.“
Der Wolfsrüde nickte und schaute alles andere als begeistert.
„Lass uns gehen und vorher Cyron Bescheid geben. Ich denke, dass er dabei sein will“, sagte die zierliche Katze.
Wie ein kleiner Stoßtrupp zweier wackerer Krieger durchschritten Kital und Chiron die siebte Unterebene, bewegten sich über die Schräge des Flures zur Ebene -6 und bauten sich vor der Tür zum Computerraum auf, verschränkten die Arme vor der Brust und schauten auffordernd zu Cyron.
„Was wird das denn jetzt?“, fragte der Angeschaute sichtlich irritiert.
„Mitkommen“, sagte Chiron verschwörerisch.
„Hä?“
„Mitkommen“, wiederholte der Tigerkater nochmals.
Cyron setzte sich langsam in Bewegung und folgte schließlich den beiden ins Labor.
Kital baute sich vor den Monitoren und dem Bedienfeld der Stasisröhre auf, schaute nochmals kurz auf die Vitaldaten, nickte kurz und ließ die Flüssigkeit ab.
„Oh“, flüsterte Cyron. „Jetzt wird es interessant.“
„Es wird höchste Zeit“, mischte sich Zeus ein.
Die Stasisröhre öffnete sich unter einem lauten Zischen und die Katze ent-fernte Atemschläuche und Maske sowie die Versorgungsleitungen.
Der Patient, welcher immer noch in den Haltegurten gefesselt hing, erwachte plötzlich, schaute sich irritiert um, kam erstaunlich schnell zu sich. Er zerrte an den Gurten und starrte erst Cyron an, dann aber zu Zeus und schien ihn zu er-kennen. „Was macht der hier?“, fragte der falsche Cyron klar und deutlich.
„Wie meinst du das?“, warf Chiron seine Frage in den Raum und schaute zwi-schen falschem Cyron und Zeus hin und her. „Zeus? Was hat das zu bedeuten?“
„Ich weiß es selbst nicht. Nehmt ihm die Gurte ab. Ich glaube, dass er mir was zu sagen hat.“
Kital war verunsichert, sah Cyron an und der schlug bestätigend die Augenlider nieder.
Wenige Augenblicke später standen sich der transdimensionale Tiger und der schwarze Einhornhengst direkt gegenüber und sahen sich tief in die Augen.
„Wer bist du und was verbindet uns beide?“, fragte Zeus.
„Du weißt es nicht? Dann kannst du es nicht wissen. Dann bist du der Schleife entkommen.“
„Welche Schleife?“, fragte Cyron dazwischen.
Der unechte Cyron, welcher allerdings genauso real war wie der normale Cyron, schaute sein Ebenbild an.
„Ich werde dir sagen, was ich damit meine. Als Chiron durch das Portal ging und ich es sprengte gab es eine Rückkopplung. Während ihr euren Zeitstrang neu sortieren konntet, während ihr Waffen hattet und so wie es aussieht alles schön im Griff habt, erging es mir anders. Ich wurde in die Zukunft teleportiert und in dieser ist der da“, er zeigte energisch auf Zeus, „der einzig Überleben-de.“
Alle sahen zu Zeus und der stand nur da und schaute verwundert drein. „Davon weiß ich nichts. Ehrlich.“
„Ich glaube, dass kannst du auch nicht. Wahrscheinlich habe ich auf der gleichen Zeitebene weitergelebt und nur hunderte von Jahren übersprungen. Jedenfalls siegte eine Gruppe von Antermerianern, zerstörte alles mir bekannte, Genro legten sie in Schutt und Asche, Cyndra wurde komplett zerstört und die Erde wurde mitsamt dem Solarsystem ausgelöscht. Ich kam genau an dem Punkt aus dem Zeitriss heraus, an dem die Antermerianer unser System auslöschen wollten. Unser Heimatplanet wurde mit Gravitationsbomben und thermonuklearen Sprengsätzen eingeebnet als ich erschien und anstatt aus dem Riss herauszutreten, wurde ich hineingeschleudert und in einer Schleife gefangen genommen. So rotierte ich immer wieder zwischen dem Zeitpunkt an dem Chiron durch das Tor ging und dem Zeitpunkt an dem ich auf unsere sterben-de Welt trat. Eine endlose Schleife ohne Raum, ohne Zeit, ohne Inhalt, ohne Sinn, ohne Leben, nur umgeben von Hoffnungslosigkeit, Verlust, Einsamkeit und Vernichtung.
Als ich die Chance bekam etwas zu ändern und die Schleife, egal zu welchen Konditionen, aufzulösen, ergriff ich sie, schaffte es, das Hologramm zu erschaffen und hoffte, dass ich durch einen einschneidenden Schritt, durch einen Schnitt der gewaltig ist, das Gefüge in dem ich steckte zu zerstören.“
„Das heißt, dass du durch unseren Tod und als das schief ging, durch meinen alleinigen Tod, die Hoffnung hattest in eine Alternative zu gelangen.“
„Ja. Allerdings begegnete mir am Ende des Risses dieser schwarze Einhornhengst und er schien damit etwas zu tun zu haben. Aber wie es aussieht, ist es wohl eher nur ein Zufall.“
„Oder ich bin der Schlüssel“, intonierte er.
Isis hatte sich dazu gesellt und schaute die Gesprächspartner der Reihe nach an. „In der Tat faszinierend. Aber was machen wir jetzt mit ihm? Er kann zwar hier bleiben und hat sein eigenes Ziel damit erreicht, aber richtig ist das ei-gentlich nicht.“
„Wir schicken ihn auf keinen Fall zurück. Er bleibt“, sagte Cyron noch, drehte sich zum anderen Cyron und hob einen Zeigefinger. „Du bleibst, aber hältst dich von Stella und meiner Familie fern. Ist das klar?“
„Ja. Damit habe ich kein Problem.“
„Du kannst bestimmt auf der Osiris anheuern. Helfende Hände werden immer gebraucht.“
„Sehr gern. Bloß nicht wieder in diesen Albtraum.“
„Gut. Also ist er kein Puzzleteil in unserem Bild, es ist ein ganz bescheuerter Zufall und hat nichts mit den Antermerianern und allem anderen zu tun.“