Kapitel 36

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 36

die Wege kreuzen sich

Die Öffnung des Subraumkorridors blieb logischerweise den anderen Schiffen und auch den Chafren auf Genro, auf dem es gerade Nacht war, nicht verborgen.

So schauten wie vor Jahren die Bewohner des Planeten in den Nachthimmel und beobachteten das Schauspiel, standen Pathenon und Shiva, nebst Aldo, mit vielen anderen vor der Dorfschänke und wünschten der Besatzung alles Gute.

Auf Cyndra wurde der Start ebenfalls registriert und selbst Captain Seth schaute auf den Subraumwirbel und wie dieser wieder verschwand. „Viel Glück, sture, bemerkenswert zielstrebige Wölfin. Wir werden uns wiedersehen.“

In der Antarktisstation liefen die Analysen des gewonnen Materials auf Hochtouren, während die vier Forscher sich am Mikrowellenessen labten.

„Immer das Gleiche“, murmelte Nia angewidert. „Schon wieder Hühnchen. Was würde ich auf ein leckeres Couscous geben, schön mit Tomaten, Minze, Oliven und Feta.“

Christian schaute auf sein ziemlich fades Rinderhack mit Reis und einer Beilage, welche wohl Gemüse darstellen sollte. Zumindest stand es auf der Umverpackung und legte die Gabel zur Seite. „Danke, jetzt ist mir der Appetit vergangen.“

„Was hast du gegen Couscous?“

„Nicht das Couscous ist Schuld, sondern der Gedanke an etwas leckeres und dann der krasse Gegensatz zu diesem Plastik- und Dosenfraß.“

„Entschuldige bitte.“

„Was habt ihr? Mir schmeckt es“, verkündete Bibi und schlang ihre Dosenravioli runter.

Scott Adwardson schaute ihr dabei interessiert zu. „Du weißt schon, dass da kaum etwas natürliches drin ist?“

„Egal, Hauptsache es macht satt.“

Christian Motomba überlegte kurz, dann: „Kein Wunder. Ihr Deutschen hattet schon immer einen robusten Magen. Wie kann man sich sonst eine Verträglichkeit mit Rosenkohl, Weißkohl und vor allem diesen Weißwürsten erklären.“

„Ey! Das sind alles Delikatessen. Ja, gut. Über Rosenkohl lässt sich streiten, aber die Münchner Weißwürste haben sich bis heute gehalten und das aus gutem Grund.“

Scott und Christian schüttelten gleichzeitig den Kopf.

„Wir sollten aber mal nach der Probenanalyse schauen“, lenkte Nia das Interesse auf das eigentliche Thema.

„Sehr gute Idee“, stimmte Bibi zu und war froh, dass die Diskussion beendet war.

Die Tür zu Labor und Krankenstation öffnete sich. Ursprünglich wollten die vier eigentlich eintreten, aber das wurde jäh verhindert, als ihnen ein beißender Verwesungsgestank in die Nase stieg, welcher die Nasenhöhlen wie ein Presslufthammer freilegte und die Augen aus den Höhlen zu quetschen drohte.

Scott kämpfte mit dem Würgereiz, während Bibi es nicht dabei beließ, sich schnell zur Seite drehte und die Ravioli den Stationsboden undankbar begrüßten. Glücklicherweise schloss sich die Tür wieder und der Zeitpunkt zum durch-atmen erreicht.

„Verdammt!“, entfuhr es Bibi. „Was ist das? Was haben wir da mitgebracht?“

„Auf jeden Fall etwas organisches, sonst hätten wir nicht diesen üblen Geruch“, antwortete Nia. „Egal wie, wir müssen da rein und schauen was passiert ist.“

Die beiden Männer der Gruppe schauten sich an. „Wir werden uns autarke Schutzanzüge nehmen und reingehen. Ihr bleibt in Deckung. Dann werden wir uns den Probenbehälter schnappen, ihn entsprechend verpacken und aus der Station schaffen.“

„Gute Idee. Anschließend entsorgen wir den Ravioliunfall“, bestätigte Nia und griff nach Bibis Schulter, zog an ihr, was diese dazu veranlasste der Iranerin zu folgen.

Im sonnigen Californien schauten so ziemlich alle betrübt drein.

„Was schlagen sie vor?“, begann, nach langem Schweigen, Smithers an seinen russischen Amtskollegen Belrukin gerichtet.

„Wir sollten es nicht der Öffentlichkeit preis geben. Ich werde den Präsidenten verständigen und der soll entscheiden. Das gleiche sollten sie auch machen. Egal was wir oder sie machen, wir sollten alles verknüpfen und nur mit gegenseitiger Absprache handeln.“

„Einverstanden. Wir machen es so. Gibt es sonst noch etwas von ihrer Seite?“

„Im Moment nicht“, seufzte Belrukin.

„Ausgezeichnet. Ich melde mich, sobald ich etwas vom Präsidenten habe.“

„Verstanden! Bis später, Mr. Smithers.“

Der Videoschirm wurde dunkel, der Verteidigungsminister schaute seinen Stellvertreter finster an und sagte gedehnt und sehr bedacht: „Linkin. Egal wie sie es anstellen. Holen sie mir den Präsidenten ans Rohr. Schauen sie nicht so blöd, machen sie was ich sage. Es eilt!“

Die Ra-em befand sich derweil im Subraum, raste der Erde entgegen und sollte laut Plan in drei Wochen die Umlaufbahn des Mars erreichen.

Drei Wochen in denen das Schiff von der normalen Außenwelt abgeschnitten war.

Ein Zeitraum in dem im Raum um die Erde herum alles passieren konnte, in dem alles so sein konnte, wie sie es vor nunmehr elf Monaten verlassen hatten, in dem aber auch alles anders sein konnte, in dem ein Systemvernichter vor der Tür stand und schon mit der Auslöschung der Menschheit begonnen oder ein Raumkrieg zwischen den antermerianischen Kampfinseln und den Abtrünnigen begonnen hatte. Im schlimmsten Fall sogar ein Kampf auf allen Ebenen ablief, die Abtrünnigen und Antermerianer im erdnahen Raum und die Menschen, die Abtrünnigen und Antermerianer auf der Erdoberfläche in einem Stellungskampf.

Egal wie man es drehte, es würde nicht leicht werden, bei letzteren Konstellationen gar unmöglich. Aber das würde sich erst bei ihrer Ankunft zeigen.

Die Kampfinseln hatten den Asteroidengürtel hinter sich gelassen und ohne Kollisionen sich aus dem Trümmerfeld heraus auf den Weg zur Erde gemacht.

Osiris saß missmutig im Administratorenstand. Er schaute aus der krönenden Glaskuppel hinaus in den Sternenhimmel, schaute zuweilen durch den unter ihm befindlichen Glasboden zu den einzelnen Stationskommandanten, welche sich ihrerseits hinter den Monitorfronten befanden, von Zeit zu Zeit Blickkontakt aufnahmen und hin und wieder untereinander ein Gespräch führten.

Sein taktischer Monitor verriet ihm, dass es nur achtzehn Tage zur Erdumlaufbahn waren und der Vektor ein direktes Einschwenken in einen stabilen Orbit um den Zielplaneten erlaubte.

„Was wird uns erwarten?“, sinnierte er laut. „Freund oder Feind? ... Verdammte Ungewissheit.“

Er betätigte das Intercom und stellte eine Verbindung zum temporären Offizier der Verteidigung her. „Commander Ptah 7, setzen sie die Stationen in Abwehrbereitschaft, Waffen bleiben deaktiviert, keine Kampfgleiter um die Inseln, die Piloten sollen lediglich bereit sein.“

„Verstanden, Administrator!“

Osiris schaute durch den Glasboden, der angesprochene Commander sah kurz zu ihm hoch, nickte nochmals bestätigend und gab alles in den Computer ein, leitete die Order entsprechend an die ausführenden Stellen weiter.

In der Eisstation betraten Christian Motomba und Scott Adwardson in Vollschutz das Labor, näherten sich dem Probencontainer und sahen ihn sich an. Der Inhalt hatte sich verflüssigt und über den Boden verteilt.

„Eindeutig organisch“, merkte Adwardson an.

„Gut, dann kratzen wir alles zusammen und verpacken es.“

Gesagt, getan. Nach zwanzig Minuten war alles in einem sterilen, hermetisch abgeriegelten Koffer verstaut und lag, in Ermangelung eines besseren Abstellortes, links vor der Tür der Station, um im ewigen Eis wieder einen festen und damit geruchsneutraleren Zustand anzunehmen.

Anschließend wurde von beiden das Labor mit einem starken Chlorreiniger gesäubert und damit wieder begehbar gemacht. Dabei fiel Motombas Blick auf das Analysegerät.

Scott zog die Kopfhaube ab, schaute sich um, atmete tief durch und schaute zum Afrikaner. Der rührte sich nicht, stand nur da und starrte geradezu entsetzt auf die Anzeigen.

„Was hast du?“, fragte Scott.

Christian reagierte nicht.

„Hallo? Ich rede mit dir?“

„Das glaube ich nicht. Da muss was schief gelaufen sein.“

„Wieso? Was ist los?“, fragte Scott wiederholt und stellte sich neben ihn. Seine Reaktion war der des Afrikaners identisch.

In diesem Moment traten Bibi und Nia in das Labor, sahen die beiden zu Salzsäulen erstarrt stehen und gesellten sich ahnungslos dazu.

Nia schrie entsetzt auf. „WAS? Vierundsechzig Millionen Jahre? Das kann nicht sein!“

„Doch. Da steht es. Es ist organisch und stammt tatsächlich aus der Zeit der Dinosaurier.“

„Das glaube ich einfach nicht.“

„Warte mal. Ich schaue mal auf den Genanalysator.“

Alle Augenpaare waren jetzt auf Nia gerichtet, welche sich die Struktur der DNA genauer ansah. „Das ist jetzt zu viel des Guten“, hub sie an. „Wir sollten dringend das Festland verständigen. Laut dem, was ich hier sehe, handelt es sich zwar um organisches Material, aber die DNA ist vollkommen unbekannt. Vom groben Überblick her scheint es eine seltsame Mischung aus tierischem und menschlichem Material zu sein, was aber in seiner Konfiguration nicht passt. Zumindest zu nichts, was wir als irdisch bezeichnen würden.“

„Gut. Ich gehe ans Funkgerät und verständige die Außenstelle auf Kap Hoorn. Sollen die sehen, was draus wird. Das ist die Sensation schlechthin“, verkündete Adwardson und verschwand.

Die Nachricht die er überbrachte löste helle Aufregung aus, verbreitete sich in Windeseile in alle Bereiche und leider auch, in die Bereiche, die es eigentlich besser nicht erfahren hätten.

Die Medien begannen ihre einstigen Meldungen, welche lediglich auf dem geheimen Treffen von Verteidigungsminister Smithers, seiner rechten Hand Linkin, dem Milliardär Cruncher und seinem Missionsleiter Barnowski beruhten, förmlich ausufern zu lassen und schlachteten die Meldung aus. Endlich wieder etwas außergewöhnliches um die Bevölkerung von den allgemeinen Berichten und dem täglichen Einerlei abzulenken.

Weder Smithers, noch sein russischer Amtskollege konnten mehr etwas dagegen tun. Vielmehr war es jetzt so, dass sich alles verselbständigte, aus dem Ru-der lief und es an der Zeit war, die Fakten öffentlich auf den berühmten Tisch zu legen. Zuviel war passiert, zu viel war an die Öffentlichkeit geraten und bevor noch jemand alles dermaßen ausschlachtet, dass die Endzeitbefürworter, Oberpessimisten und Verschwörungstheoretiker, Oberwasser bekamen, war der Punkt für die Offensive gekommen.

Während sich die beiden Kampfinseln der Antermerianer der Erde langsam, aber zielstrebig näherten, während die Ra-em im Subraum das Gleiche tat und leider auch die Abtrünnigen diesen Kurs verfolgten, traten die Präsidenten verschiedenster Länder vor die Presse und das globale Fernsehen.

Auf allen Fernsehkanälen und im Internet wurden die Pressekonferenzen und Ansprachen übertragen, kamen die momentanen Sendungen zum erliegen.

„Meine Damen und Herren! Bevor ich mit den unumstößlichen Fakten beginne, möchte ich einen Aufruf starten. Einen Aufruf zur Besonnenheit und vor allem zu globalem Frieden. Egal welcher Herkunft, welcher Hautfarbe, welchen Geschlechts, welcher Bildungsschicht, welcher Religion sie angehören mögen, ob Arm oder Reich, wir sind alle gemeinsam gefordert. Wir sind gefordert, weltweit zusammenzurücken und unsere kleinlichen Konflikte beizulegen.

Der Weltraum in seiner Unendlichkeit hat die Menschheit schon immer fasziniert. Erst war es nur der ehrfürchtige Blick mit bloßem Auge in die schiere schwärze des Nachthimmels, später kam der Drang hinzu ihn zu verstehen. Die Wissenschaften entstanden, zuerst die Astronomie, später die Astrophysik, die Astrobiologie, Astrogeologie, es entstanden immer mehr Zweiggebiete, um allen Dingen auf den Grund zu gehen. In den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurde ein Programm namens Seti ins Leben gerufen. Der Weltraum wurde mit Funkwellen bombardiert, die Sonden Voyager eins und zwei wurden gestartet und die Voyager zwei, mit einer Datendiskette ausgestattet. Diese Diskette enthielt alle Informationen um uns, die Menschheit, zu finden.

Lange Zeit geschah nichts. Lange Zeit war alles ergebnislos, bis zum Jahre 2047, als plötzlich eine außerirdische Spezies auf den Plan trat. Eine Spezies mit vielen unterschiedlichen Eigenarten, nicht nur in ihrem Aussehen. Die Situation, wir erinnern uns alle an die Geschichtsbücher, verlief nicht so wie wir und wohl auch die Außerirdischen es sich gewünscht hatten. Es kam erst zum Konflikt und dann zu einem Krieg. Es gab unzählige Tote auf beiden Seiten. Knapp einhundert Jahre später wurde diese bewaffnete Auseinandersetzung beendet und es kam zu einem Friedensvertrag. Danach wurde von dieser Rasse von Außerirdischen nichts mehr gesehen und nichts mehr gehört.

Heute, im Jahre 3012, scheint sich alles wieder zu ändern und damit komme ich zu den Fakten.

Ein kleines privates Forschungsschiff wurde in den Asteroidengürtel entsandt, um etwas zu überprüfen. Es war nur eine vage Vermutung, mehr ein leises Murmeln im Untergrund, was aber Anlass gab, etwas genau hinzusehen. Und diese Vermutung wurde zunächst ansatzweise bestätigt, denn das Schiff verschwand spurlos. Jeder Versuch es ausfindig zu machen schlug fehl. Dafür hat sich vor einigen Tagen etwas ganz anderes ereignet, etwas was mehr Fragen aufwirft, als Antworten gibt.

Dieses Etwas besteht aus zwei Objekten, zwei Objekten, welche ein Viertel der Größe unseres Erdmondes haben und sich seit einigen Tagen auf direktem Kurs zur Erde befinden.

Im Moment stellt es sich so dar, dass das die Antworten sind, welche wir haben. Die Fragen überwiegen dagegen, denn wir wissen nicht, was genau es ist, ob es bewaffnet ist und damit auch die entscheidendste Frage aufwirft, ob es friedlich oder feindselig ist.

Daher müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen und können uns mit der gegenseitigen Feindseligkeit nicht mehr länger aufhalten.

Wir alle sind berufen den Begriff Menschheit erneut neu zu definieren, die Waffen nicht mehr auf uns und unsere Mitmenschen zu richten. Vielmehr erfordert es die neue Situation, dass wir die Waffen bündeln, um einer vielleicht aufkommenden Bedrohung begegnen zu können.

Meine Damen und Herren, ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit, reichen sie ihrem Gegenüber die Hand und möge sie Gott begleiten.“

Die Menschen an den TV-Empfängern daheim, auf den Straßen, in den Geschäften, den Büros, den Pausenräumen der Betriebe und Werkstätten starrten ungläubig auf die, nunmehr wieder das normale Rahmenprogramm abspielenden, Geräte. War das gerade eine Fata Morgana, hatten sie das geträumt und würden gleich erwachen? Wurde die Menschheit angegriffen? Stand ihnen allen das Ende bevor? Oder war es genau das Gegenteil?

Keiner, selbst der Präsident, welcher doch im Vollbesitz aller Fakten sein sollte, konnte eine schlüssige Antwort geben.

Sollte das jetzt beruhigen oder eher beunruhigen? Was war, wenn die großen Staatenlenker selbst unwissend waren und nicht alles wussten, immerhin hatte die Vergangenheit oft genug bewiesen, dass die Geheimdienste und auch diffuse Unterorganisationen oft besser im Bilde waren als der Chef des Ganzen. War das hier auch der Fall?