Kapitel 30
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Kapitel 30
Apophis
Chiron klopfte kräftig gegen die Tür.
„Moment“, kam eine Stimme von innen.
„Das ist Sitara“, flüsterte Tarja.
Die Tür wurde geöffnet. Sitara stand in der Tür und erstarrte, dann überschlug sie sich und riss Tarja fast von den Beinen. „Finlay“, schrie sie vor Freude, „Komm schnell her und schau mal wer gekommen ist.“
Sie nahm beide bei den Händen und zog sie ins Haus. Die Tür stieß sie mit einer Pfote zu.
Finlay kam angelaufen und fiel regelrecht über Tarja her.
Chiron stand daneben und räusperte sich. Sie ließen von ihrem Tun und damit voneinander ab, richteten das Fell mit den Händen und sortierten ihre Gedanken.
Sitara schaute zu Chiron. „Aha! Das ist also der stolze Vater“, sagte Sitara, streckte die Hand aus und begrüßte ihn.
Chiron nickte und lächelte freundlich. Er und Finlay klopften sich zur Begrüßung kumpelhaft auf die Schultern.
„Willkommen“, sagte er.
„Ich denke mal, dass ihr euren Welpen sehen wollt“, sagte Sitara feierlich.
Beide Tiger nickten und begleiteten die Leopardin ins Kinderzimmer. Sitara öffnete die Tür und trat ein. Apophis schaute auf und kam auf die beiden zu-gelaufen.
Tarja erschrak und auch Chiron schaute aus großen Augen.
„Apophis?“, fragte sie ungläubig.
„Ja, ich bin es, Mutter. Du brauchst dich doch nicht zu erschrecken.“
Sitara lächelte und Tarja traute ihren Augen nicht. „Ich bin doch erst seit wenigen Monaten weg. Wie konnte er so schnell wachsen und vor allem hat er schon Laufen und Sprechen gelernt.“
Sitara zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es auch nicht. Er fing plötzlich damit an, quasi über Nacht. Mit sprechen hat er vor etwa zwei Wochen angefangen. Und hat jetzt schon einen Wortschatz wie ein Fachgelehrter.“
Chiron blies die Backen auf und legte die Stirn in Falten.
„Wer ist das Männchen, Mutter?“
„Ähm …, Apophis. Ich möchte dir deinen Vater vorstellen. Leider hatten wir es nicht geschafft euch eher miteinander bekannt zu machen.“
Chiron ging auf Apophis zu und gab ihm vorsichtig die Hand. „Hallo, mein Sohn. Wie ich sehe, geht es dir wirklich gut.“
Chiron schien etwas unbeholfen zu sein und das spürte sogar Apophis. „Eh, entspann dich wieder. Ich beiße nicht und außerdem bin ich dein Sohn. Zudem weiß ich, was ihr beide gemacht habt, damit ich entstehen konnte.“
Chiron schnappte nach Luft und setzte sich neben Apophis. „Das ich Vater bin, ist vollkommen okay und ich freue mich riesig darüber. Aber, dass ich ei-nen Sohn gezeugt habe, der dem Schnellwuchs unterliegt und eine Intelligenzbestie zu sein scheint, ist im Moment etwas heftig.“
Apophis schaute ihm intensiv in die Augen. Der kleine Kater hatte nicht mehr das typische Welpenblau, sondern schaute ihn aus hellblauen Augen an.
„Mach dir keine Sorgen, mein Sohn. Ich werde mich schon noch daran gewöhnen.“
„Ich weiß. Es ist für uns alle nicht sehr einfach. Ich bin eine Zerebralmutation, daher kommt die überdurchschnittliche Auffassungsgabe. Ich lese Bücher wie Andere essen und speichere jedwede Information wie ein Schwamm“, entgegnete Apophis.
Chiron betrachtete seinen Sohn eingehend. Er hatte genauso ein schönes Fell und aufregend frische Farben wie seine Mutter. Apophis lächelte ihn an und entblößte kräftige Zähne, wobei die Eckzähne im Oberkiefer deutlich länger er-schienen als die im Unterkiefer.
Konnte das möglich sein?
Der kleine Kater erinnerte ihn irgendwie an Andrew. Chiron stand auf, nahm Tarja beim Arm und ging mit ihr aus dem Zimmer.
„Wir kommen gleich wieder“, sagte sie noch schnell zu Apophis.
Der nickte nur und widmete sich wieder seinem Buch. Sitara und Finlay begleiteten die beiden Tiger ins Wohnzimmer.
„Also, ich muss nochmals sagen. Ihr habt wirklich ein herrliches Haus und es traumhaft eingerichtet“, bemerkte Tarja.
Sitara lächelte und schaute zu Finlay. „Er hat halt goldene Hände.“
Finlay schaute zu Boden und war sichtlich geschmeichelt.
„Okay“, hob Chiron an, „Jetzt mal im Ernst. Ist euch an ihm etwas aufgefallen?“
„Na ja, er wächst schnell, extrem schnell sogar. Er saugt Daten und Informationen in wenigen Minuten auf, für die andere Tage brauchen. Er läuft aufrecht, während andere noch krabbeln und er spricht ohne Probleme und sehr flüssig. Außerdem habt ihr beide einen wunderschönen Sohn“, sagte Sitara.
Tarjas Augen leuchteten.
„Sonst ist euch nichts aufgefallen?“, fragte Chiron erneut.
Die beiden Leoparden schüttelten die Köpfe.
„Schön, aber mir.“ Er wandte sich an seine Partnerin: „Tarja, ich will dich ja nicht beunruhigen, aber unser Sohn erinnert mich sehr an Andrew.“
Tarja sah ihn betroffen an. „Du meinst, er ist mutiert?“
„Ja, das hat er ja auch selbst gesagt. Allerdings ist mir auch aufgefallen, dass er scheinbar beginnt Säbelzähne auszubilden. Das deutet darauf hin, dass mehr Ursprungsblut in ihm steckt als wir denken. Wir sind seine Eltern und er unser Sohn, aber entweder deine oder meine Gene sind mutiert und haben ihn hervorgebracht. Ich spiele damit auf das Intronenvirus an.“
Die beiden Leoparden sahen sich aus großen Augen an und hatten nur die Hälfte verstanden.
„Ihr redet hier von Genen und Mutationen“, sagte Finlay, „Wie kommt ihr dazu? Ich meine, wie kommt ihr zu dem Wissen?“
Chiron gab das Wort an Tarja ab. Sie fing an, die ganze Geschichte von Anfang an zu erzählen. Nach Stunden war sie damit fertig und die Leoparden schüttelten ungläubig die Köpfe.
„Du sagtest was von diesem Andrew. Ähm, ja … da fällt mir noch was ein. Es betrifft Apophis.“ Sitara räusperte sich, „Ich habe Apophis als er kleiner war immer gewaschen und anschließend abgetrocknet. Na ja, das ist mir jetzt etwas peinlich. Aber dabei komme ich natürlich an alle Stellen seines Körpers. Ja, und da ist mir vor einiger Zeit etwas aufgefallen. Er ist sehr kräftig entwickelt für sein Alter.“
Chiron schloss die Augen.
„Das ist das Tüpfelchen auf dem I. Ich denke wir sollten unseren Sohn mitnehmen. In der Station kann er sein Wissen extrem erweitern und er ist unter Kontrolle von sehr vielen anderen. Außerdem kann Andrew ein Auge auf ihn wer-fen und ihn mal untersuchen. Die Geräte dort sind wesentlich höher entwickelt als unsere.“
Finlay bekam leuchtende Augen. „Ich überlege gerade was. Wie wäre es, wenn ich meine Praxis kommissarisch an einen anderen Arzt abgebe und Sitara und ich mit euch kommen, natürlich auch euer Sohn. Die Station und die Technik dort würden mich brennend interessieren. Vielleicht kann man ja auch das eine oder andere lernen oder sogar Geräte mitnehmen, die man dann hier vor Ort einsetzen könnte.“
Sitara bekam einen strahlenden Blick und richtete die Ohren steil nach oben. „Ginge das denn?“
Chiron kratzte sich hinter den Ohren und überlegte. Er sah Tarja an und die zwinkerte ihm zu.
„Okay, regelt das und kommt mit“, stimmte der Tigerkater zu.
„Jippie!“, entfuhr es der Leopardin. Sie ging hoch zu Apophis und kam nach wenigen Minuten wieder zurück. „Er will unbedingt mit.“
Tarja freute sich riesig. Sie setzten sich in die Küche und aßen gemeinsam zu Abend. Apophis berichtete über Sachen die er gelesen hatte und stellte unendlich viele Fragen. Als es schon spät war, gingen sie zu Bett und Finlay in die Praxis um sich abzumelden.
In der Station merkte man nicht den Wechsel zwischen Tag und Nacht, lediglich die Uhren verrieten wie spät es war.
Kira und Andrew hockten immer noch über den Daten des Mechs und versuchten die Bedienung zu begreifen. Syrgon saß bei den beiden, schaute eben-falls auf die Unterlagen, war aber irgendwann mit dem Kopf auf den Tisch geknallt und schlief jetzt.
Stella und Sinja unterhielten sich über Kater und Rüden und wie man am besten mit ihnen umgeht.
Der Rest hatte sich über die Räume verteilt oder lag im Gang und schlief tief und fest.
„Ich glaube, ich mach uns mal einen Kaffee“, sagte Kira schließlich und ging in den Seitenraum, um die Kaffeemaschine anzumachen.
Kurze Zeit später kam Andrew hinterher, drehte sich nochmal um, näherte sich der Luchsin und biss ihr zärtlich in den Hals.
Sie schnurrte wohlig und begann plötzlich zu zittern. „Na, mein großes starkes Männchen. Dein Weibchen friert gerade, möchtest du nicht etwas dagegen tun?“
Er nahm Kira auf die Arme und trug sie in den Computerraum. „Wir kommen wieder, wenn wir uns etwas aufgewärmt haben“, sagte er zu Stella und Sinja, die irritiert schauten und ging mit Kira ins Badezimmer.
„Was du brauchst ist eine schöne warme Dusche“, sagte er und lächelte hintergründig.
„Aber nur, wenn du mitkommst. Ich brauche Unterstützung, denn ich komme nicht an alle Stellen.“
Er nickte. Sie drehte die Dusche auf und gab sich ganz den Wasserstrahlen hin.
Andrew trat zu ihr und küsste sie zärtlich auf die Stirn.
„Das ist doch wohl erst der Anfang oder?“, forderte die Luchsin auf.
Es war erst der Anfang. Minutenlang liebkosten sie sich, durchpflügten die heißen Wasserstrahlen ihr beider Fell, dann plötzlich widmete Kira sich detailliert der vor ihr liegenden Aufgabe und nach langen Minuten konnte er sich nicht mehr beherrschen. Er maunzte diesmal nicht wie beim ersten Mal, nein, er brüllte. Er schrie mit einer gewaltigen männlichen Stimme auf.
Alle schreckten hoch und sahen sich irritiert um. Die Nachtruhe war gewaltsam beendet worden. Das Wasser spülte die Spuren, die aus dem Innersten gekommen waren weg und waren getilgt. Beide tapsten aus der Dusche und schickten sich an, sie nass zu verlassen.
„Der Kaffee müsste fertig sein“, flüsterte Kira.
Andrew lächelte glücklich und wackelte mit den Ohren. „Ich liebe dich und alles an dir ist es Wert geliebt zu werden“, sagte er.
Kira senkte geschmeichelt den Kopf und öffnete die Tür. Sie musste jedoch einen Schritt zurücktreten und prallte gegen Andrew.
„Schön, dass ihr beide gewartet habt, bis wir wenigstens drei Stunden Schlaf hatten“, sagte Wotan und war wirklich sauer.
„Tut mir Leid. Es ist mit mir durchgegangen“, entschuldigte sich Andrew.
„Ach Quatsch. Es ist meine Schuld. Ich hätte dich vielleicht nicht so hart ran nehmen sollen“, wiegelte Kira ab.
Auf einigen Gesichtern zeichnete sich nach und nach Belustigung ab.
„Du musst ja einen ganz kräftigen Griff haben, wenn er dabei sogar schreien muss“, warf Torus in die Runde.
Die Situation entspannte sich dank dieser Anspielung merklich.
Kira nahm ihren Geliebten bei der Hand und marschierte zur Kaffeemaschine. Der erste Schluck rann herrlich heiß die Kehlen runter. Sie setzten sich frisch und munter an die Unterlagen und lasen weiter. Die Anderen verteilten sich wieder auf dem Boden und suchten ihr Heil im Schlaf.
Stella und Sinja schüttelten die Köpfe.
„Irgendwann übertreibt ihr's und macht das Spielzeug kaputt“, sagte Stella und musste schmunzeln.
Andrew sah an sich runter. „Den kriegt se nich kaputt.“
Sinja prustete plötzlich los.
Zwei der schlafenden Chafren knurrten böse und Sinja kniff sich in den Oberschenkel um einen Lachkrampf zu unterdrücken. Es zog wieder Ruhe ein und Andrew und Kira lasen weiter und tuschelten hin und wieder über einige der Textpassagen. Nach zwei Stunden gab der Kaffee allerdings auch bei ihnen auf und zeigte keine Wirkung mehr. Sie legten sich in eine Ecke des Raumes, kuschelten sich aneinander und schliefen ein. Jetzt hielt es auch die Tigerin und Füchsin nicht mehr auf den Beinen und wenn eh alles schlief, dann konnten sie das auch. Die Station versank im Schlaf und man hörte aus allen Enden und Ecken der Ebene ein gleichmäßiges Schnaufen und Schnarchen.
Ein neuer Tag brach an. Finlay war spät in der Nacht zurückgekehrt und hatte seine Praxis bis auf weiteres übergeben. Der neue Arzt war sehr neugierig und als Finlay offenbarte, dass er von seiner Reise vielleicht neue Geräte und Techniken mitbringen würde, war der ganz aus dem Häuschen.
Tarja und Chiron erwachten, waren aber nicht die ersten. Apophis war schon auf den Beinen und hatte das Frühstück hergerichtet. Das Leopardenpärchen schnorchelte derweil noch friedlich vor sich hin.
Die beiden Tiger gingen ins Bad und frönten der Körperpflege, anschließend gingen sie in die Küche und trafen auf ihren Sohn.
„Guten Morgen“, sagte Tarja.
„Guten Morgen, Mutter und Vater.“
Chiron zuckte kurz zusammen. „Morgen. Entschuldige bitte, aber ich gewöhne mich nur langsam dran. Ich bin es halt nicht gewohnt als Vater bezeichnet zu werden.“
Apophis grinste frech. „Ich hole mal Sitara und Finlay aus dem Bett“, sagte der junge Kater und ging zum Schlafzimmer der beiden. Er klopfte an die Tür.
„Ja, bitte“, hörte man eine weibliche Stimme sagen.
Er öffnete sie und schaute herein. „Hallo Sitara, meine Eltern sind schon wach und sitzen in der Küche. Ich habe das Frühstück fertig und wir warten jetzt nur noch auf euch.“
„Okay, geh schon runter. Wir kommen gleich nach“, sagte sie und gähnte herzhaft.
Sie gab ihrem Kater einen kräftigen Schlag auf den Hintern. „Aufstehen!“
Er schrak hoch und stand förmlich im Bett. „Was? Ist was passiert?“ Er war noch benommen und gähnte herzhaft.
„Guten Morgen, mein geliebter Langschläfer. Zeit aufzustehen, denn nur der frühe Leopard fängt die Beute.“
„Och, bitte. Nur noch fünf Minuten.“ Er ließ sich wieder ins Bett fallen.
„Nix da, hoch mit dir.“
Finlay kroch mühsam unter der Decke hervor.
Sitara war bereits unter die Dusche geschlüpft, als er das Bad betrat. Er putzte sich schnell die Zähne und beide legten einen fliegenden Wechsel beim duschen hin. Das heiße Wasser belebte die Sinne und weckte den Körper des Katers. Die Leopardin war als erste fertig und ging in die Küche.
Apophis unterhielt sich angeregt mit seinen Eltern. Die erzählten ihm ausführlich von ihren Erlebnissen und davon wie sie sich kennengelernt hatten.
Der kleine Kater hörte sehr interessiert zu. „Du sagst nicht die ganze Wahrheit, Vater“, sagte er plötzlich.
Chiron zuckte zusammen.
„Ich spüre bei dir noch andere Gedanken und sehe dir an, dass du noch ganz andere Sachen gesehen und erlebt hast.“
„Das bildest du dir ein“, wiegelte Tarja ab.
„Nein, Mutter. Ich kann es deutlich spüren.“
Chiron sah seinen Sohn durchdringend an: „Du bluffst doch nur.“
Apophis schüttelte den Kopf.
„Na gut. Meinetwegen. Dann sollst du auch den Rest der Geschichte erfahren.“
Er fing an über die zweite Zeitlinie zu berichten, während Finlay dazu kam. Die Leoparden schienen sichtlich überfordert, nur Apophis nicht. Der starrte für die nächsten Minuten stumm auf die Tischplatte, sah dann wieder auf, musterte Chiron und nickte: „Das hört sich logisch an.“
Chiron legte die Ohren zur Seite. ‚Konnte es sein, dass sein Sohn Zusammenhänge und Sachverhalte verstand, die erwachsene Chafren überforderten? Konnte es sein, dass der kleine Kerl so weit entwickelt war und sie alle primitiv aussehen ließ?’
„Ihr kommt mit uns mit, vor allem du.“ Er sah Apophis scharf an.
„Andrew wird ihn sehr interessant finden“, ergänzte Tarja, „Und Oma und Opa wollen ihn bestimmt auch gerne sehen.“
Sie aßen noch schnell und packten ihre Sachen zusammen.
„Was müssen wir überhaupt noch mitnehmen?“, fragte Sitara.
„Nur eure ganz persönlichen Sachen. Alles weitere wird sich in der Station fin-den lassen“, sagte Chiron, „Und jetzt los. Wir sollten langsam in die Pfoten kommen.“
„Also, ich bin fertig“, sagte Finlay süffisant, „aber Sitara hat wohl Probleme.“
Die Leopardin rannte hin und her, suchte hier und suchte da. „Ich habe überhaupt keine Probleme, aber du hast gleich welche, wenn du noch mal so eine Bemerkung machst.“
Finlay versuchte ein ernstes und vor allem unterwürfiges Gesicht zu machen, was ihm aber nicht gelingen wollte. Er mutete eher an wie ein Kater der unter Krämpfen litt und erhielt dafür einen Biss in seine Nase.
„Maaaaaauh! Das tut doch weh.“
„Sollte es auch.“ Sitara fletschte demonstrativ die Zähne und fauchte kurz. „So, jetzt können wir starten“, sagte sie endlich.
„Okay, auf geht's. Wir müssen aus der Stadt raus.“
Sie gingen durch Straßen, bogen um mehrere Ecken und erreichten den Stadtrand.
„Wo wollen wir eigentlich hin?“, fragte Finlay verunsichert.
„Noch fünf Minuten, dann wirst du es wissen“, mehr sagte Tarja nicht.
Schließlich standen sie vor einem großen Gestrüpp und die beiden Tiger begannen irgendwas freizulegen.
„Ihr könnt uns gerne helfen“, rief Chiron.
Sie packten alle mit an und in kürzester Zeit war der Gleiter von allem Geäst befreit.
„Heilige Katzengöttin. Was ist denn das?“ Sitara fiel die Kinnlade runter.
„Das ist ein Gleiter. Und jetzt steigen wir alle ein und verschwinden hier, bevor wir noch Aufsehen erregen.“
Chiron sah sich um. Bisher hatte sie keiner bemerkt und das sollte auch so bleiben. Immerhin waren genug Chafren involviert und ein Flächenbrand war das Letzte was sie jetzt gebrauchen konnten. Ganz zu schweigen davon, dass sie den erst gar nicht auslösen wollten.
Nachdem sie bereits außer Sichtweite von Strongham waren, beschleunigte der Gleiter auf volle Geschwindigkeit. Selbst Apophis war beeindruckt und strahlte über das ganze Gesicht.
„Das ist Wahnsinn. Das Ding ist tatsächlich ganze 180 km/h schnell“, sagte er begeistert.
Sie rasten über die grünen Ebenen von Zurok, vorbei an dichten Wäldern und in der Ferne grasenden Viehherden. Sie erreichten den Rand des Urwalds, flogen die Schneise entlang und erreichten die Station. Tarja deaktivierte die automatische Steuerung und flog direkt in den Hangar hinein. Sie landete zu Füßen des Mechs und sah, dass die Kanzel geöffnet war und Andrew und Syrgon darauf herumkletterten.
„Hallo, ihr beiden“, rief sie nach oben.
Andrew sah sie und kam herunter, während es sich Syrgon in der Kanzel bequem machte und den Überblick genoss.
„Ja, hallöchen“, sagte Andrew erfreut, „wen haben wir denn da?“
„Darf ich dir Sitara und Finlay vorstellen?“ Chirons Frage war natürlich rein rhetorisch.
Der Säbelzahnlöwe sprang die letzten zwei Meter vom Mech herunter und landete zielsicher vor ihren Füßen.
„Wow. Wer ist das denn?“, fragte Sitara beeindruckt.
„Ich bin Andrew und es freut mich euch kennenzulernen.“
Er sah die beiden Leoparden an, dann zu Tarja und Chiron. Schließlich entdeckte er Apophis: „Und wer bist du?“ Er beugte sich zu ihm herunter.
„Ich bin Apophis.“
Andrew reichte ihm die Hand und schaute ihm tief in die Augen. Er zuckte zusammen. „Er ist euer Sohn?“, fragte er an Tarja gewandt.
Sie nickte. „Ja.“
„Ich spüre bei ihm einen extrem starken Geist. Ich vermute mal, dass er seiner Entwicklung weit voraus ist?“
„Ja, das ist er. Ich komme mir vor, als ob ich zurückgeblieben wäre, wenn ich ihn sehe.“
„Kann ich mir vorstellen.“
„Oh, danke. Das war genau die Antwort die ich hören wollte. Du hast ein echtes Talent dafür jemanden aufzubauen.“
„Bleib mal ruhig. Ich rede da auch für mich.“
Sie schaute Andrew schief an.
„Wir sollten auf Ebene minus sechs gehen und Apophis untersuchen. Ich er-warte unglaubliche Ergebnisse.“
Sie gingen in die Station und Syrgon ließ den Mech erst mal Mech sein und schloss sich ihnen an. Allein hatte er keine Lust im Hangar zu hocken. Sie er-reichten den Computerraum und stellten sich in die Tür.