Kapitel 11
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Prolog 2
im Jahr 2050
Der Funkspruch, welcher am 26.06.2005 um 0140 irdischer Zeit die Antennensysteme der Elara Fortress verlassen hatte, erreichte schneller als gedacht, im Jahre 2018, die Erde, kam bei Krondal an, welcher sofort reagierte, den Bau eines neuen Schiffes in Auftrag gab, dieses auf der Rückseite des Mondes montieren ließ.
Im zurückliegenden Jahr 2022 unterrichtete er, wie bereits bekannt, alle ihm wichtigen Stellen mit den nötigen Informationen, bezog Carl Lawrence, den damaligen Chef des CIA, den damaligen FBI-Chef Samuel Flint und auch den Verteidigungsminister Lang, sowie Graham, welcher seinerzeit der Präsident der Vereinigten Staaten war, mit ein.
Im Jahr 2025 startete eben jenes Schiff in Richtung des Elara-Systems, diesmal bewaffnet, bestens ausgerüstet und mit der Maßgabe, dass das Militär die Oberhand hatte, den Planeten in allen Teilen unter Kontrolle bringen, untersuchen sollte was in den Jahren 1997 bis 2005 vorgefallen war, alle nötigen Schritte einzuleiten hatte und die Wissenschaftler mit den modernsten Computern auf schnellstem Wege den anthropomorphen Supersoldaten zu liefern hatten.
Mittels des milliardenschweren Krondal war auf dem Mond, im Bereich des Kraters Prometheus, zusätzlich eine Kampfbasis entstanden, welche im Moment nicht bemannt war, aber im Fall des Falles schnell einsatzbereit. Außerdem gedieh die Forschung innerhalb der Anlage im Grand Canyon zwar extrem langsam, aber es gab keinerlei Ausfälle.
Die Bildung der Anthros nahm ihren Lauf und nichts wurde mehr überstürzt dem Zufall überlassen. Vielmehr lagen die Körper der Auserwählten der sogenannten niederen Gesellschaft auf Eis, dienten der Zellentnahme und wenn es dann soweit war und die anthropomorphen Körper definitiv den Anforderungen entsprachen, sollten deren Hirnscans in die lebensfähigen Gehirne transferiert oder im anderen Fall das Gehirn selbst, dem menschlichen Körper entnommen und direkt in den Anthro transplantiert werden.
Kapitel 11
die neuen Bewohner
Am 23.02.2050 war es soweit. Die Elara Fortress 2 schwenkte in den Orbit um den Planeten Genro ein und begann die Oberfläche und den nahegelegenen Mond, welcher von den Menschen auf den Namen Cyndra getauft worden war, zu scannen.
„Frage an Wissenschaftsstation“, hub Gallagher an, „Was sagen unsere Meßwerte?“
„Lufttemperatur liegt bei 21,3°C, keinerlei vulkanische Aktivitäten, Luftmischung bei 21,7% Sauerstoff, 67,1% Stickstoff, 10,2% Kohlendioxid und 1% Edelgase. Bei den Edelgasen gibt zwei Elemente die uns nicht bekannt sind. Ansonsten ist alles sehr irdisch und damit atembar.“
„Ausgezeichnet! Was sagt der Rest?“
„Es gibt eine reichhaltige Flora, welche auf dem größten Kontinent einen großen Teil als Tundra bedeckt, ein geringerer Prozentsatz ist von einem Urwald überzogen. Die Fauna verteilt sich zu Boden, in der Luft und im Wasser.
In den Ozeanen befindet sich nur Süßwasser, Salzwasser gibt es nur in einzelnen kleineren Seen, was extrem ungewöhnlich ist. Die Fischbestände sind sehr reichhaltig und beinhalten sehr viele Arten.
Die Landlebewesen haben unterschiedliche Entwicklungstufen, keinerlei erkennbare Spuren von hochentwickelten Säugetieren, aber es scheint flugfähige Echsen zu geben. Ich würde fast geneigt sein, dass wir es hier mit Drachen zu tun haben“, verkündete die Chef-Astrobiologin Belinda Sammers.
„Das klingt doch vielversprechend. Mich würde nur interessieren was hier damals das Problem war. Immerhin sind die übermittelten Daten mehr als unglaubwürdig. - Com, spielen sie nochmals den letzten Funkspruch vor“, ordnete Gallagher an.
„Aye, Sir! Funkspruch kommt auf die Lautsprecher.“
„Es sind unbekannte Roboter, sie kamen im Tunnelbereich direkt aus den Wänden und schießen auf alles was sich bewegt. Die Station ist eine Todesfalle geworden. Außerdem sind plötzlich die ägyptischen Götter aufgetaucht und machen mit.“
„Hmmm... sehr lustig. Möchte wissen was die geraucht haben? Auf jeden Fall klingt das unsinnig, vor allem die ägyptischen Götter.“
„Ich würde das nicht absolut ausschließen, Sir!“, intonierte Sammers. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es auf der Erde sehr viele Fragen und Ungereimtheiten gibt was den Ursprung der Götterwelt der alten Ägypter betrifft und auch vieler anderen antiker Religionen.“
„Ich kenne diese verrückten Verschwörungstheorien. Bitte fangen sie jetzt nicht auch noch damit an. Ich baue nur auf Fakten und hier gibt es keinerlei Anzeichen für irgendeinen Mystizismus. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass die irgendeiner Droge ausgesetzt waren und sich im Wahn gegenseitig auslöschten.“
„Wie sie meinen, Sir! Auf dem Mond Cyndra stelle ich keine sonderlich beunruhigenden Zeichen fest. Es ist ein fast reiner Felsbrocken, wenige Oberflächengewässer, keine großen Aktivitäten, weder geologisch noch im lebenden Be-reich. Ein paar fluktuierende Energiesignaturen, welche ich auf wenige unterirdische Magmaströme zurückführe“, verkündete Sammers.
„Genug der Daten! Navigator, halten sie das Schiff im Orbit“, befahl Gallagher.
„Aye, Sir!“
Er betätigte die Com-Taste für den schiffsweiten Ruf: <„Commander Gallagher an die gesamte Besatzung der Elara Fortress 2. Wir sind im Orbit um den Planeten Genro eingetroffen. Das gesamte Personal, welches für den Einsatz auf der Oberfläche eingeteilt wurde, hat sich mit sofortiger Wirkung seiner Ausrüstung zuzuwenden, diese zu sichten, vorzubereiten und in die zugewiesenen Hangare eins bis acht zu überführen. Die Frachtfähren sind zu bestücken und die Personalfähren zu bemannen. Die Mission beginnt hiermit. Gallagher, En-de!“>
Hektische Betriebsamkeit bemächtigter aller und der Ameisenhaufen an Bord des Schiffes nahm seine vorgesehene Funktion auf.
„Com, eine Verbindung zur Erde. Kreuzverbindung zu Krondal, dem Verteidigungsminister, dem CIA-Chef und zum Präsidenten.“
„Aye, Sir! Verbindung wird hergestellt.“
Einige Sekunden später verkündete der Com-Fähnrich die eingerichtete Kreuzverbindung.
<„Gallagher hier! Ich grüße sie.“>
<„Hallo, Commander“>, begann Krondal, welcher allerdings nicht das vom Schiffsstart bekannte Gesicht zeigte, sondern sein Nachfolger die Begrüßung einleitete.
<„Mister Krondal, nehme ich an?“>, fragte Gallagher vorsichtig nach.
<„Sehr richtig. Ich bin Krondal der 21., mein Vorgänger hatte sich vor vier Jahren zur Ruhe gesetzt und sein Amt an mich übertragen.“>
<„Hervorragend! Ich freue mich mit ihnen zusammenzuarbeiten“>, setzte Gallagher fort und wandte sich mit seinem Blick den anderen angezeigten Konterfeis zu. <„Mister Lawrence, schön dass sie immer noch im Amt des CIA-Chefs sind.“>
<„Danke, Mister Gallagher und ich hoffe, dass das noch etwas so bleibt.“>
<„Und Mister Lang, auch noch Verteidigungsminister?“>
Der Angesprochene nickte freundlich und schaute auf die Uhr.
<„Lediglich der Präsident hat gewechselt“>, flötete Gallagher.
<„Zuviel der Ehre“>, grummelte Stone. <„Wir Präsidenten sind scheinbar die einzigen die ständig, trotz guter Arbeit, wechseln müssen. Aber so ist das halt. Schießen los, Commander. Wie ist ihr Status?“>
<„Meine Herren, ich kann mit Freude verkünden, dass wir das Zielsystem erreicht haben und in einer stabilen Umlaufbahn um den Planeten Genro eingeschwenkt sind. Alle Scannerdaten sind optimal und es gibt keinerlei Hinweise auf feindliche Aktivitäten.“>
<„Perfekt!“>, rief Krondal. <„Haben sie die Landetruppen bereits aktiviert?“>
<„Die Landefähren mit Material und Personal sind in wenigen Augenblicken auf dem Weg zur Oberfläche und sollten mit den Arbeiten beginnen. Der militärische Bereich ist instruiert die Basis zuerst abzusichern und gegebenenfalls zu säubern.“>
<„Sehr gut, Commander. Machen sie weiter. Wir warten auf ihre weiteren Berichte. Ich für meinen Teil bin sehr zufrieden und wünsche viel Erfolg.“>
Krondal nahm sich aus der Verbindung und überließ die drei Verbliebenen sich selbst.
<„Commander Gallagher, ich möchte sie bitten vorsichtig zu sein. Der letzte Funkspruch der Elara Fortress war mehr als verwirrend und wenn nur ein Teil davon auf Fakten beruht, dann sollten sie sehr umsichtig sein.
Unsere Truppen sollten unbedingt erst alles abgesichert haben und die gesamte Basis unter Beschlag nehmen. Ich will nach dem damaligen Desaster nichts mehr dem Zufall überlassen.
Berichten sie in regelmäßigen Abständen über ihre Aktivitäten und Fortschritte. Von unserer Seite werden wir sie entsprechend ebenso informieren.
Soviel wie ich weiß, hat Krondal vor, in nächster Zeit ein weiteres Schiff zu starten, welches nur Tiere transportiert, damit ihre Forscherteams genug Gen-material zur Auswahl haben“>, merkte Lawrence an, während Lang zustimmend nickte.
<„Präsident Stone! Haben sie dem noch etwas hinzuzufügen?“>
Stone schaute grimmig drein. <„Nein! Wie ich sehe haben sie ja alles bestens im Griff und machen mich überflüssig. Halten sie mich wenigstens sporadisch auf dem Laufenden, sonst sehe ich im Nachgang aus wie der letzte Trottel.“>
Er schaltete sich aus der Verbindung und kurze Zeit später auch Lang und Lawrence, wobei Letzterer ein etwas merkwürdiges Grinsen auf den Lippen hatte.
„Was sagt man dazu?“, fragte Navigator Williams rein rhetorisch in den Raum.
„Wie es scheint hat unser Präsident nicht viel mit unserem Projekt am Hut. Aber das soll uns nicht stören. - Technikstation! Wie weit sind die Fähren?“
„Beladen und bereit“, kam die Antwort.
„Sie sollen starten. Landeplatz am Rande des Urwaldgebietes. Das Militär soll unbedingt zuerst reingehen. - Wissenschaftsstation! Was ist mit dem Gebirge?“
„Aye, Sir! Starterlaubnis mit entsprechenden Anweisungen wurde erteilt“, kam die Antwort der Technikstation, bevor die Wissenschaftsstation rückmeldete: „Gebirge ist unbewohnt, einige fliegende Lebewesen tummeln sich dort, aber leben in Felshöhlen. Die dürften kein Problem darstellen“, verkündete Sammers.
„Sehr gut! Machen sie sich bereit, nehmen sie ein paar Geologen mit und einen Trupp von unseren militärischen Einheiten. Erkunden sie das Gebirge und fin-den sie einen Platz um eine weitere Basis zu errichten“, entgegnete Gallagher.
„Sir?“ Sammers war verwirrt.
„Keine Verwirrung bitte. Das ist ein Befehl von Krondal direkt an mich. Wir sollen eine Waffenfabrik einrichten und zwei Waffensysteme entwickeln. Das eine soll durch eine zentrale KI gesteuert werden und das andere sich selbst programmieren und lernfähig sein. Das ist dann eine tolle Aufgabe für unsere IT'ler.“
„Verstanden, Sir! Ich informiere die entsprechenden Leute.“
„Fantastisch!“
Auf Attrion, von den Menschen jetzt Cyndra genannt, kratzte sich Commander Seth, welcher unter gleichem Namen den alten Ägyptern als Gott des Chaos, der Verwirrung, Verblendung, Neuordnung, Zerstörung und Verwüstung bekannt war, am Kinn seiner langen, rundlichen Eselsschnauze und blähte etwas die Nüstern auf. Neben ihm saßen Anubis und Sachmet.
„War ja klar“, sinnierte die löwenköpfige Antermerianerin und Gottheit.
„Was war klar, meine Liebe?“, fragte der Schakalgott.
„Das Seth mal wieder recht hatte und es in der Tat nicht lange dauerte bis mehr von diesen Menschen hier auftauchen.“
„Bleibt beide mal ganz ruhig. Alles läuft hervorragend nach Plan. Sie sind beschäftigt und wir haben unsere Ruhe. Außerdem hat sich die Technik der Menschen erstaunlich schnell weiterentwickelt und jetzt wo die wieder hier sind und freies Spiel haben, sollten sie früher oder später gut genug sein um mit uns und den Cherit gemeinsam gegen den Feind zu ziehen“, maßregelte der typhonische Gott die beiden anderen und lächelte mild.
„Wie du meinst, Schätzchen. So langsam wirst du mir unheimlich und scheinst sensibel geworden zu sein“, witzelte Sachmet.
„Sensibel? Im Moment ja, aber das kann sich auch ändern. Allerdings habe ich keinerlei Lust wieder so ein Gemetzel anzurichten, was vor 45 Jahren sein musste.“
„Das war auch ne sehr dunkle Nummer, Großer“, flüsterte Anubis.
Innerhalb der Forschungseinrichtung im Grand Canyon liefen die Experimente seit 28 Jahren relativ nach Plan. Die ersten Anthros hatten die Stasisröhren schon vor 18 Jahren verlassen, allerdings kämpften die Beteiligten, wie zuvor schon das Spin-Institut im Jahre 1980, mit dem Zerfall der Zellbindungen.
Kaum aus der Stasis entlassen und mit dem atmosphärischen Sauerstoff in Verbindung gekommen, oxidierte das in den Zellwänden eingelagerte Eisen, welches eigentlich durch die Blutzirkulation und in Verbindung mit dem transportierenden Hämoglobin für die Sauerstoffversorgung zuständig war. Die Zellwände wurden undurchdringlich, die Zellen starben ab, verloren die Kohäsion durch Verhärtung im Zellzwischenraum und bröselten schuppenartig zu Boden. Kurzum, der Anthrokörper zerfiel vor aller Augen in seine Einzelteile.
„Schöner Mist“, fluchte der in die Jahre gekommen Walner dezent.
„Na ja, was erwarten sie. Wir haben die gleichen Probleme wie seinerzeit das Spin-Genforschungslabor, aber wir werden sie schon noch in den Griff bekommen“, ermunterte ihn Sarah Vermouth.
„Das will ich hoffen.“
„Vielleicht sollten wir mehr menschliche DNA einbringen“, vermutete Sarah.
„Ich glaube, dass wir eher die Grundidee ändern sollten“, entgegnete der Chefwissenschaftler mürrisch. „Ich bin geneigt einen ganz anderen Weg zu gehen und einen Intronenvirus einzuschleusen. Vielleicht hält ein variabler Teil die Membranverhärtung auf?“
„Du meinst, dass wir eine nicht vorhersehbare Komponente einbauen sollen, um damit die DNA sich in der Strukturierung selbst zu überlassen?“
„Genau das. Mutter Natur will nicht, dass wir ihr zu gezielt ins Handwerk pfuschen. Sie möchte selbst kreativ sein und etwas Neues formen.“
„Dann sollten wir das doch mal ausprobieren. Was sollte schon schief gehen?“, sagte Vermouth und zwinkerte verschmitzt.
„Gut! Dann lass es uns probieren.“