Kapitel 13
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Kapitel 13
ein Tunnel der keiner ist
und
merkwürdige Zellhaufen
Auf den Ebenen -4 und -5 sowie -7 bis -9 richtete sich gestaffelt nach Aufgabenbereichen das Personal ein. Die Laborebene auf -6 blieb dabei unberührt und diente lediglich den Arbeiten an genetisch konstruierten anthropomorphen Tierhybriden.
Während sich die Wissenschaftler um ihren Teamleiter Frank Sinner auf den Ebenen -5 und -7 verteilten, sich an jedem Ebenenende zwei Zimmer mit privatem Sicherheitspersonal befanden und zentral ein Wohnraum mit Technikern, verstreuten sich auf den Ebenen -4, -8 und -9 die militärischen Einheiten.
Das Archiv auf Ebene -10 blieb ebenso unberührt, da es im Moment keinen dazu bewegte eine relativ steile Stahltreppe über fünfzehn Meter in die Tiefe hinabzusteigen.
Lediglich eine kleine und recht unauffällige Gruppe um Lieutenant Salinger machte sich das allgemeine Gewühl und Gewusel zu nutze, um unbehelligt zur ominösen Ebene -20 hinabzusteigen.
Dort angekommen, schaute sich die Truppe um und war erstaunt, dass es dort einen relativ großen Raum vorfand, welcher scheinbar keinerlei näheren Zweck erfüllte.
Salinger schaute Privat Second Class Bernd Reyman mit gerunzelter Stirn an. „Was hatten die hier vor?“, fragte er ohne Hoffnung auf eine präzise Antwort.
„Wenn sie mich fragen, Sir?! Es sieht nach einem Evakuierungsbereich aus.“
„Hmmm... könnte passen. Aber warum? Immerhin liegt die gesamte Anlage tief unter dem Boden.“
„Eine klare Aussage kann ich nicht treffen, dazu fehlen mir die Fakten. Aber ich könnte eine Vermutung äußern“, antwortete der P.S.C.
„Dann äußern sie sich mal. Nur zu!“, forderte Salinger auf.
„Nach dem was ich weiß, war der Tunnel während der Bauarbeiten aufgetaucht und ich könnte mir vorstellen, dass der irgendwo hinführt.“
„Oh, eine sehr logische Schlussfolgerung, Privat. Meistens führen Tunnel irgendwo hin. Es ist ja auch deren Sinn.“
„Entschuldigung Sir! Aber ich war mit meinen Ausführungen noch nicht ganz fertig.“
„Dann machen sie weiter“, entgegnete der Lieutenant und seufzte.
„Wohin genau der Tunnel führt weiß keiner. Aber vielleicht kam man auf die brillante Idee, dass man diesen für eine Flucht nutzen könnte.“
„Hmmm... Sie meinen, dass die erste Mission nicht ahnen konnte ob und wann der Feind hier einschlägt und sich quasi ein Hintertürchen offen lassen wollte?“
„Genau, Sir! Der Tunnel wurde bewacht, weil man nicht wusste was da drin sein könnte...“
„... oder rauskommt...“, warf Salinger dazwischen.
„... richtig und wie der Ablauf zeigte, wenn er denn so korrekt nachvollziehbar ist, war da wohl was drin und der Tunnel statt einer Fluchtmöglichkeit, eine plötzlich auftauchende Todesfalle.“
„Gut zusammengefasst Reyman... So Leute, unser Auftrag ist klar. Wir sollen nachsehen ob eben jene Gefahr immer noch besteht. Auf geht’s!“, intonierte Salinger und ging vor. Nur widerwillig folgte ein Soldat nach dem anderen, zu mulmig war das Gefühl was sich nach alldem gehörten breit machte.
Im genroischen Gebirge war die Drohne seit einer guten Stunde auf der Suche. Der Kamm des Felsmassives war überwunden und auf der anderen Seite sah man steil abfallende Wände und tief darunter den Ozean.
„Suchen sie weiter in östlicher Richtung, dort wird das Massiv breiter und steigt noch etwas an“, ordnete Barn an.
„Aye!“, kam die kurze Bestätigung des P.S.C.
Wieder vergingen Minuten des Wartens, aber nach fünfunddreißig Minuten raunte McGrey etwas unverständliches, rückte auf Nachfrage jedoch mit der Sprache raus. „Ich habe da etwas gefunden, glaube ich zumindest. Ich werde die Drohne näher heranführen, dann weiß ich es genau.“
„Machen sie es so!“
Brav folgte die Drohne der Fernsteuerung und bewegte sich bedächtig auf die steinerne Wand zu, die Kamera richtete sich aus und ein schmaler Spalt wurde sichtbar.
Barn schaute McGrey über die Schulter und brummelte aufgeregt vor sich hin: „Sieht interessant aus. Kommt die Drohne da rein?“
„Da bin ich mir absolut sicher. Ich fliege jetzt rein.“
„Seien sie vorsichtig. Es könnte sich um Feindgebiet handeln.“
„Ist das nicht der ganze Planet?“, fragte der Privat Second Class etwas forsch und Barn konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Da haben sie recht, auch wenn es im Moment geradezu idyllisch ist.“
„Die Drohne ist jetzt im Spalt, ich schalte die Beleuchtung ein“, kam, statt einer Reaktion auf Barns Äußerung, dessen Erklärung.
Die Ruhe der anderen Truppenmitglieder um die beiden herum war geradezu gespenstisch.
„Der Spalt ist laut den Drohnendaten drei Meter breit und kommt nur durch das Kamerabild etwas verzerrt rüber. Außerdem führt er zwanzig Meter in den Berg hinein.“
„Schon zu erkennen ob es eine Sackgasse ist?“
„Noch nicht, aber das wird sich wohl gleich ändern.“
„Immer schön behutsam.“
„Das bin ich, Sir! … Ah … Sehr gut! Wir haben Glück. Es handelt sich um eine mittelgroße Höhle. … Ich vermesse sie und schaue mich weiter um.“
„Fast perfekt!“
„Die Messdaten besagen, dass die Höhe achtzehn Meter beträgt und die räum-lichen Abmessungen bei dreiundsechzig mal achtzig Metern liegen.“
„Das ist jetzt noch perfekter!“, rief Barn. „Gibt es angeschlossene Höhlen?“
„Das werde ich gleich sehen. … Ja, gibt es. Der Scan besagt, dass es sich um ein ganzes Höhlensystem handelt. Ich fliege in den hinteren Teil, dort befindet sich eine Art Tunnel zur nächsten.“
„Ausgezeichnet! Ich merke, dass sie mitdenken.“
„Dafür werde ich bezahlt, Sir!“
„Mit dem Unterschied, dass man es bei ihnen merkt“, flüsterte der leitende Landentwickler so leise, dass es außer McGrey keiner hören konnte.
Der P.S.C. lächelte etwas verlegen und setzte den Drohnenflug unverändert fort. „Der Tunnel ist exakt 125,8 Meter lang und etwas trapezförmig, bei einer Höhe von fünf Metern, einer Scheitelbreite von drei Metern und einer Basis-breite von sieben Metern. Das sollte wohl groß genug sein um einiges an Material hinein und wieder hinaus zu bewegen.“
„Wird immer besser“, murmelte Barn.
„Ich glaube, wir haben einen Volltreffer gelandet. Die dahinter liegende Höhle ist ein Brecher“, verkündete McGrey.
„Inwiefern? Machen sie es nicht so spannend.“
„Gemach, gemach. Die Vermessung läuft …. und …. jetzt habe ich die Daten. Ausmaße sind 200 mal 300 mal 80. Sir!“
„Das ist ein der absolute Hit!“, schrie Barn begeistert. „Leute“, verkündete er, „wir haben gefunden was wir suchen.“
Bei nicht einem sah man Enttäuschung auf dem Gesicht, es war eher die Freu-de, dass man das zunächst sinnlose Unterfangen endlich abgeschlossen hatte und der Rückmarsch in greifbarer Nähe war.
„Was ist am Ende der Grotte?“, fragte Barn knapp.
„Ich kann es nur aus der Entfernung scannen. Ich habe die Befürchtung, dass ich die Drohne verliere, wenn ich noch weiter reinfliege.“
„Akzeptiert! Geben sie mir wenigstens einen kleinen Tipp.“
„Gerne! Es gehen zwei weitere Gänge oder Tunnel aus der Grotte ab. Einer direkt im hinteren Bereich und einer mittig links. Laut der räumlichen Echomessung sind die Tunnel unterschiedlich lang. Der hintere ist circa fünfzig Meter tief, der zur Linken sechshundert und führt schräg nach unten. Dahinter verbergen sich weitere Höhlen und Grotten von unterschiedlichem Ausmaß. Einige kleinere und zwei echt fette Brocken.“
„Das ist es. Danke, McGrey.“
„Aber gerne doch“, entgegnete der Angesprochene und holte die Drohne zu-rück.
„Sichern sie alle Daten, damit wir die Stelle wieder finden“, sagte er zu McGrey und wandte sich dann lauter werdend an die Rest der Truppe: „Wir brechen ab. Wir haben gefunden was wir suchten und rücken wieder in die Basis ein. Bis die Drohne zurück ist, dürfen sie Essen, Trinken und zur Not auch Rauchen.“
Die vorherige Anspannung unter den Soldaten wich zunehmends einer Campingatmosphäre und es entwickelten sich rege Gespräche.
Auf der Erde hoffte man mindestens einen Schritt weiter gekommen zu sein, aber fast alle Verknüpfungen der DNA-Stränge zwischen rein tierischen und menschlichen, lösten sich mehr oder weniger schnell auf. Bei vereinzelten jedoch schien diese stabiler zu sein und das war ein Geheimnis hinter das man nun kommen wollte.
Professor Walner schien an seinem Verstand zu zweifeln und rieb sich das Gesicht, während seine Mitarbeiterin Verena Crafter die Stirn in Falten zog.
„Ich frage mich was die Zellverbindungen bei den einen auflöst, bei den anderen aber nicht. Was sorgt da für den Zusammenhalt?“, kam Verenas rein rhetorische Frage.
„Ich weiß es nicht. Aber irgendetwas in der Sequenz ist anders und sorgt für Stabilität. Ich habe allerdings keine Ahnung welche Basenpaare dafür verantwortlich sind. Ich habe das Gefühl ständig etwas zu übersehen“, konstatierte Walner. „Ich werde wohl zu alt und sollte in den Ruhestand gehen.“
„Das glaube ich nicht, denn ich sehe es auch nicht.“
„Oh, danke. Das baut mich jetzt wirklich auf.“
„Gern geschehen. Lass uns weitermachen. Wir finden den Fehler schon noch.“
„Du hast recht. Ich versuche innerlich gerade einen Ansatz zu finden, komme aber nicht weiter“, grummelte Walner.
Crafter schaute gebannt auf den Monitor und auf die Doppelhelix der rekombinierten DNA. „Was wäre...“, hub sie an.
„... ich bin ganz Ohr“, murmelte der Professor.
„... hmmm..., wenn wir von einem falschen Ansatz ausgehen?“
„Wie meinst du das?“
„Wenn wir immer nur davon ausgehen, dass es nur zwei Prozent der DNA sind, die uns Menschen vom Affen trennen, liegen wir vielleicht falsch?“
„Jetzt hast du meine komplette Aufmerksamkeit“, horchte Walner interessiert auf.
„Okay, pass auf. Ich gehe jetzt mal extrem weit in der Entwicklungsgeschichte zurück und greife auch auf alte Mythen und Legenden zurück. Was wäre, wenn unsere DNA nicht so menschlich ist, wie wir es immer annehmen. Was ist, wenn da mehr fremdes Genmaterial drin steckt, als wir es immer dachten und durch die Rekombination mit angeblich normalem Erbgut dieser Zellzerfall erst ausgelöst wird?“
„Du meinst, dass wir in die falsche Richtung gehen?“
„Genau das meine ich. Was ist, wenn wir es so gut wie tierisch lassen und nur ganz wenig menschliches Erbgut einstreuen? Vielleicht gab es, wenn man den Geschichten der ganz alten Kulturen glauben darf, wirklich so etwas wie Götter auf der Erde. Also eine außerirdische Rasse oder sogar mehrere, welche ihr Erbgut in das der Menschen, egal in welcher Form, eingestreut haben und wir von dieser angeblich ausgestorbenen Information zu viel herausfiltern.“
Jetzt wurde Walners Gesicht mehr als finster. „Das klingt total verrückt ... Zumindest im ersten Moment. Wenn ich es aber richtig bedenke und du recht haben solltest, dann probieren wir es aus. Was aber, wenn es funktioniert und deine Idee richtig sein sollte? Wir würden die Menschheitsgeschichte vollkommen neu überdenken müssen und ich glaube kaum, dass es den etablierten Religionen gefallen würde, was da zu Tage tritt.“
„Damit müssen wir leben und was ist heute noch stabil? Sieh doch selbst. Da tauchen außerirdische Schiffe auf und es reißt einfach nicht ab“, gab Verena Crafter zu bedenken.
„Stimmt auch wieder. Aber jetzt wo du es sagst ... Warum klappte es mit der DNA dieses Cherit, von diesem Charon von Tabalth, welcher 1960 auf unserem Planeten strandete, aber nicht mit jeder menschlichen DNA? Irgendwas ist da doch im Busche. Es sieht fast so aus, als ob ein Teil der Menschheit mit den Genen der Cherit durchzogen ist und ein anderer Teil nicht. Aber wo fand diese Vermischung statt?“, bohrte Walner in seinen Gedanken.
„Wir bräuchten Glück und einen neues Schiff mit eben diesen Cherit. Da würden wir die Antwort schneller finden“, sinnierte Crafter.
An anderer Stelle schrillten plötzlich die Alarmsirenen, denn noch außerhalb der Jupiterumlaufbahn registrierte man das Erscheinen eines unbekannten und doch bekannten Raumschiffes. Seine Bauweise glich entfernt dem der Schiffe, welche in den letzten Jahrzehnten die entsprechenden Stellen weltweit immer wieder in Aufregung versetzt hatten.
An Bord befand sich eine Besatzung der Cherit, welche von ihrem Heimatplaneten den Auftrag erhalten hatten den Verbleib mehrerer vermisster Schiffe aufzuklären und die Spur dieser führte sie direkt zur Erde. Beim Weitstrecken-scan stellten eben jene fest, dass die Raum-Zeit-Faltungssignaturen identisch sind mit denen, die ihr schon seit Jahrtausenden im Einsatz befindlicher Generator hinterließ.
Die Cherit selbst wussten nicht, dass sich ihre Berechnungen im Laufe der nächsten Jahrhunderte als falsch erweisen sollten. Ihr Stolz in Sachen Raumfahrt nicht wie geplant Raum und Zeit dermaßen raffte, so dass das Schiff vorgeblich mit dreißig oder gar vierzig- bis sechzigfacher Beschleunigung gegenüber dem Licht operierte, sondern, dass sich ein Dimensionstor öffnete, und in eben jener Fremddimension andere Parameter herrschten. Das Schiff gerade durch das eine Tor eingetreten, nicht nach knapp 400 Jahren, bei normaler Zeitrechnung, auf der anderen Seite wieder erschien, sondern nach nur 2 Jahren. Daher blieb alles beim alten, der Zeitfluss unberührt, nur das Schiff selbst erschien urplötzlich da wo es sein sollte und wollte.
Und so war es auch diesmal.
Das vom neuen vereidigten Verteidigungsminister, dem 46jährigen Fritz Henriks, auf DefCon3 gehaltene Militär der Vereinigten Staaten reagierte prompt und eilends wurden mehrere raumtaugliche Kampfjäger startklar gemacht, wurden zur bereits existierenden Mondbasis entsandt und dort verteidigungs-fähig stationiert.
Henriks griff zum Telefonhörer und wählte die Nummer des CIA-Chefs Carl Lawrence.
Als der sich meldete, wurde er ohne Vorwarnung mit Informationen über-schüttet. „Carl! Es brennt! Frag nicht, höre einfach nur zu. Da ist wieder ein Schiff im Anflug, Bauart fast identisch mit der dieser Cherit. Ich habe bereits und ohne weitere Rücksprache mit Präsident Stone, eine Staffel von zwölf Raumgleitern starten lassen. Diese werden ab sofort auf dem Mond stationiert und auch dort bleiben.“
Lawrence versuchte die Informationen zu verarbeiten und blieb erstaunlich ruhig. „Gut! Wie ich merke hast du an alles gedacht. Wie geht es jetzt weiter? Und vor allem, was habe ich damit zu tun?“
„Ich werde jetzt den Präsidenten informieren. Wenn das Fremdschiff nahe genug an den Mond und damit auch die Erde herangekommen ist, werde ich mit Stones Erlaubnis den Angriff starten und es vom Himmel blasen. Diese Cherit werden mir langsam zu aufdringlich.“
„Dann mach es so. Ich werde Krondal informieren, wenn der es nicht eh schon weiß“, schloss Lawrence das Gespräch abrupt ab und legte auf. „Warum bin ich nur so versessen darauf gewesen über meinen Ruhestand hinaus in diesem Sessel sitzen zu bleiben“, murmelte er vor sich hin und wählte die Nummer der Grauen Eminenz.
„Krondal hier! Hallo, Mister Lawrence! Sie brauchen mir nichts zu sagen, ich bin schon informiert und habe Professor Walner verständigt. Er berichtete mir von seinen Gedankengängen, denen seiner Mitarbeiterin und einigen Merkwürdigkeiten bezüglich der Klonzucht. Egal was sie alle tun, fangen sie das Schiff ab, zerstören sie es und versuchen sie wenigstens einen von denen tot oder lebend zur Erde zu bringen. Seine DNA ist goldwert.“
„Sie überraschen mich wie immer auf der einen Seite, aber auf der anderen freut es mich, da ich mir einen Haufen Erklärungen erspare“, entgegnete Lawrence.
„Sehen sie, wir verstehen uns. Krondal, Ende!“
Carl Lawrence sah den Telefonhörer schief an und knallte ihn dann auf die Gabel. „Langsam wird der mir unsympathisch“, knurrte er, nahm den Hörer seufzend wieder zur Hand und wählte die Nummer von Henriks.
„Ja, Carl. Ich höre.“
„Was hast du erreicht?“
„Du meinst bei Stone? Er war gelinde gesagt angepinkelt, aber hat es dann unter sehr unanständigen Flüchen als Fakt hingenommen. Wir haben freie Hand und was hast du schönes auf dem Herzen?“
„Mein Gespräch mit Krondal war mehr als erschöpfend“, grollte Lawrence.
„Lass mich raten. Er wusste schon wieder alles im Voraus?“
„Ja, der Knauser wird mir irgendwann zuwider. Aber egal. Er hat uns auch freie Bahn erteilt und hätte gerne, dass wir das Schiff abschießen und gleichzeitig einen dieser Cherit gefangen nehmen. Versuch das mal deinen Piloten mitzuteilen.“
„Oh. Das wird bestimmt sehr lustig. Ich werde es weitergeben. Hat Krondal auch durchblicken lassen wofür genau er diesen Anthro braucht?“, fragte Henriks.
„Er meinte, dass das Projekt im Grand Canyon ins Stocken geraten wäre, zumindest gibt es Probleme was die Klonzucht betrifft. Daher wäre es wohl für Professor Walner sehr hilfreich, wenn er einen von denen in die Finger bekommen könnte“, erwiderte Lawrence.
„Hmmm... das wird jetzt aber nicht mehr so lustig. Hat er gesagt, ob er ihn le-bend braucht?“
„Er meinte, dass es egal wäre. Tot oder lebend ist alles erlaubt, Hauptsache in einem Stück.“
„Das überlasse ich meinen Piloten. Die sollen ein paar Sprengköpfe abschießen, ein Loch reißen und sich einen schockgefrostet schnappen. Irgendwas lassen die sich schon einfallen. … Gut! Wie dem auch sei. Ich lege jetzt auf und dann leite ich alles ein. Bis später!“, schloss Henriks ab.
Lawrence drückte kurz auf den Verbindungstaster des Telefons, ließ ihn los und tippte auf die Vermittlung.
„Vermittlung?“
„Ich brauche den Präsidenten, pronto“, schnauzte er in den Hörer.
Sekunden später meldete sich Stone.
„Mister Präsident, es gibt Neuigkeiten von Mister Krondal.“
„Nicht auch noch sie!“, bellte Stone in den Hörer. „Aber schön, dann erfreuen sie mich. Mister Henriks hat seinen Teil ja schon dazu beigetragen mich vor der Zeit aus dem Amt zu jagen.“
„Aber nicht doch, Mister Präsident. Mister Krondal hat registriert, dass unsere Klonzucht ins Stocken geraten ist und da sich gerade wieder ein Cheritschiff nähert und es wohl Probleme in der DNA-Aufschlüsselung zu geben scheint, hat er angeregt, dass wir das Schiff zerstören und einen dieser Anthros in Gefangenschaft nehmen. Das könnte Professor Walner einen entscheidenden Vorschub geben.“
Lawrence hörte Stone am anderen Ende schwer durchatmen. „Na schön. Machen sie es so. Halten sie mich einfach nur auf dem Laufenden. Geheim halten können wir es wahrscheinlich eh nicht mehr, daher ist mir das jetzt auch egal. Ich kann nur hoffen, dass die anderen Staaten halbwegs blind sind oder ihrerseits uns einfach ziehen lassen. Gibt es sonst noch etwas von ihrer Seite?“
„Ja. Ich möchte meinen Rücktritt einreichen“, vermeldete Lawrence und spitzte die Lippen.
„SIE WOLLEN WAS? SIND SIE DES WAHNSINNS!“, brüllte Stone unvermittelt.
„Mister Präsident. Ich fürchte, dass ich zu lange im Amt bin und einer solchen Situation nicht mehr gewachsen.“
„SIE BLEIBEN WO SIE SIND! Ist das klar? Erst liefert mich hier jeder ans Messer und dann wollen alle einfach flüchten. Ich glaub', ich spinne.“
„Dann behalten sie es wenigstens im Hinterkopf und wenn diese Situation bereinigt ist freue ich mich auf meinen Ruhestand.“
„Na fein! Meinetwegen. Sprechen sie mich nochmals darauf an, wenn wir le-bend aus der Sache raus sind“, knurrte Stone nunmehr etwas versöhnlicher.
„Ausgezeichnet, Sir! Danke!“
„Und jetzt machen sie sich an die Arbeit, Mister Lawrence.“
„Aye, Sir!“
Auf Genro war die kleine Truppe um Salinger in den Tunnel eingedrungen und auf dem Vormarsch. Laut Aufzeichnungen sollte er in einem zarten Rot-Ton leuchten und von gelben aderförmigen unregelmäßigen Streifen durchzogen sein, aber davon war nichts, wirklich überhaupt nichts zu sehen.
Ganz im Gegenteil. Der Tunnel war von Anfang an düster, geräuschlos und ohne Taschenlampen wären die Soldaten aufgeschmissen gewesen. Man konnte in der Tat keinen Zentimeter weit sehen und es schien eher so, dass die Wände, der Boden und auch die Decke die Lichtstrahlen zu schlucken schienen. Dort wo die Strahlen der Lampen die Oberfläche jedoch berührten, er-kannte man die extreme Gleichmäßigkeit mit der der Tunnel aus dem Felsen förmlich gebrannt worden zu sein schien.
„Gut aufpassen und nichts anfassen. Keiner weiß was hier passiert ist und was uns erwartet“, rief Salinger den vorgehenden Privates zu.
„Aye, Sir! Wir sind ja nicht lebensmüde“, entgegnete Private Pacer.
„Das will ich hoffen“, antwortete Salinger und stupste dem entsprechenden Private in den Rücken.
Dieser zuckte zusammen und atmete erleichtert durch, als er bemerkte, dass es der Lieutenant war. „Tun sie das bitte nicht nochmal“, bat er diesen.
„Schwafeln sie nicht, Privat.“
„Aye, Sir!“
Zwei Stunden später waren sie langsam und bedächtig geschätzte drei Kilometer vorangekommen und hielten inne.
„Sir!“, rief Privat Second Class Masters.
„Was gibt es, P.S.C.?“, fragte Salinger.
„Ich habe hier etwas am Boden gefunden.“
„Was ist es?“, fragte der Lieutenant weiter und näherte sich der Stelle.
„Keine Ahnung. Es ist eine kleinere Lache. Die Flüssigkeit ist gelblich und ...“, er tippte mit dem rechten Zeigefinger hinein und hob ihn in Richtung Nase, roch daran, „... riecht scharf und metallisch.“
„Na entzückend. Hatte ich nicht gesagt, dass hier keiner etwas berührt?“
„Eine Säure ist es nicht, Sir.“
„Na ja, der Finger ist ja noch dran. Lassen sie es wo es ist und gehen sie weiter.“
„Aye, Sir!“
Eine weitere halbe Stunde später standen sie unvermittelt vor einer Wand.
„Sir! Es ist eine Sackgasse. Der Tunnel führt nicht mehr weiter.“
„Interessant!“, intonierte Lieutenant Salinger. „Wie es scheint wurde der Tunnel nach dem Vorfall versiegelt. Egal wer es war. Derjenige scheint Wert darauf zu legen, dass sich entweder nichts mehr daraus hierher bewegt oder er will etwas verbergen.“
„Sir! Ich habe da ein mulmiges Gefühl und würde vorschlagen, dass wir es dabei belassen und zurückkehren. Egal was hier war, es existiert scheinbar nicht mehr und kann uns somit auch nicht mehr gefährlich werden“, wandte sich ein weiterer Private der Truppe an den Truppführer.
Salinger überlegte einen Moment, musterte den Private und nickte schließlich. „Gut! Genauso machen wir es. Hier gibt es nichts mehr zu sehen.“ Mit die¬sen Worten griff er zum Funkgerät. <„Salinger an Mueller!“>
<„Mueller hier. Was gibt es?“>
<„Sir! Wir sind hier fertig. Der Tunnel ist nur circa vier Kilometer tief und wurde nach den Vorfällen versiegelt. Egal was da rauskam, es existiert nicht mehr. Ich gebe Entwarnung.“>
<„Ausgezeichnet, Lieutenant! Kommen sie zurück. Den Rest erledigen unsere Ingenieure und IT-Spezialisten. Der Tunnel hat sich hiermit für uns erledigt.“>
<„Verstanden, Master Lieutenant! Auftrag verstanden.“>
Salinger schnippte mit den Fingern und zeigte an, dass sich alle auf den Rück-weg zu machen hatten.