Kapitel 34
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Kapitel 34
ein Mord und kein Mörder?
Nachdem die leitende Wissenschaftlerin innerhalb eines Monats gleich zwei Berichte im Logbuch an den MCSU übergeben und damit unbewusst diese zur Erde und dort direkt an Krondal den 28. gesandt hatte, zog in der Nähe von Gary und damit in der Villa des Konzils eine trügerische Ruhe ein.
Die Graue Eminenz war bei weitem nicht besänftigt und grübelte über weitere Schritte nach, die er ergreifen könnte. Aber wie er es auch drehte, er würde in eine Sackgasse laufen.
Die Schokoladenfabrik lief schon lange auf Hochtouren und im Hintergrund liefen die Genexperimente mit komplett künstliche Klonen, also Produkten die weder Ei- noch Samenzelle benötigten. Die anfängliche Ausfallquote war innerhalb von Jahrzehnten quasi auf null gesunken, wenn man vom einen oder anderen Zellhaufen absah.
Nervös machte ihn lediglich eine Nachricht, welche ihn unvermittelt wie ein Paukenschlag traf.
„Leitende Wissenschaftlerin, Laura Mitchell, Datum 13.04.2389.
Verrat! Wir hatten Wachen vor dem Labor postiert. Sie sind ermordet worden. Wer war das?“
Krondal saß in seinem Ohrensessel und musste diesen Kurzbericht dreimal lesen, um dessen Tragweite zu verstehen, dann nahm er eine Zigarre aus seiner Box, köpfte diese mit dem Schneider, lehnte sich zurück und zündete sie an.
„Bossmann!“, rief er schließlich. „Kommen sie her! Pronto!“
Sekunden später stand leicht gehetzt, aber guter Dinge, sein Adjutant neben ihm und beugte sich leicht in das Sichtfeld seines Dienstherren. „Sie haben mich gerufen?“
„Ja. Das habe ich in der Tat. Bitte lesen doch mal diesen Bericht und sagen sie mir, was sie davon halten?“
Bossmann, beugte sich noch weiter vor und überflog die Zeilen, erhob sich wieder und überlegte eine Zeit lang.
Schließlich ließ er sich zu einer Einschätzung hinreißen: „Wenn sie mich fragen, Sir! Es sieht nach einem Mord mit einem bestimmten Ziel aus.“
„Sehr gut nachgedacht. Aber können sie sich erklären, wer nach mehr als 389 Jahren, auf diesem gottlosen Planeten, am finstersten Ende des Universums, einen Mord vollbringen sollte? Egal was auch immer dort vorgefallen war, es wurde stets friedlich gelöst und es gab nur kleinere Laborunfälle, bei denen in der Regel ein Klon oder zumindest die Vorstufe dessen verloren ging. Niemals kam mir ein Bericht zu Ohren, der so widerlich war wie dieser. Wissen sie Bossmann, ich wünschte mich in die Zeit meiner Vorgänger zurück, die Zeit in der das ganze Drama begann und würde mit dem Wissen von jetzt, alles anders machen und mir die Besatzungen der Basen besser aussuchen. Aber gutes Personal findet man heute nicht mehr, nur noch Abschaum und vereinzelt einen Glücksgriff. - Was würden sie jetzt machen?“, er sah seinen Adjutant fragend an.
„Was ich machen würde, ist nicht zwangsläufig das was euer Ehren tun würde“, erwiderte Bossmann devot.
„Bossmann!“, fuhr Krondal auf. „Viktor. Ich möchte wirklich eine einfache Aussage haben. Diesmal nicht nur von meinem Adjutanten, sondern eher von einem Menschen der mir zur Seite steht, dem ich vertraue und der eine eigene Meinung hat.“
„Zu viel der Ehre, aber ich werde mich bemühen.“
„Dann machen sie das doch einfach“, forderte Krondal auf.
„Wir haben die Schokoladenfabrik. Ich würde die Klon-Produktion forcieren, diese auf Cryo legen und bei ausreichender Stückzahl nach Genro schicken, um dort aufzuräumen.“
Krondal beugte sich im Sessel leicht vor, und schaute Bossmann schief an.
Anschließend hob er eine Augenbraue und nickte leicht. „Faszinierender Gedanke, wenn auch nicht zu diesem Zeitpunkt. Die Klone existieren zwar und werden dann in den Cryoschlaf gelegt, aber die Zeit für einen militärischen Schlag auf Genro ist noch nicht reif. Ich will nicht vorher schon provozieren.“
„Sehr wohl, Sir!“
„Aber der Ansatz ihrerseits ist faszinierend simpel und sehr gut. Haben sie Dank für ihre Einschätzung.“
Während Krondal sich den Kopf zerbrach was da los war und sein würde. Machten die Mitarbeiter des Stations-Sicherheitsdienstes auf Genro Nägel mit Köpfen und drehten jedes vorhandene Staubkörnchen um, fanden Befragungen statt und wertete man Videoaufzeichnungen aus.
Einen Monat später hatten sie eine Spur und diese war schnell so wasserdicht, dass es gar keine andere Möglichkeit gab.
So saß am Ende der Ermittlungen der Leiter des Sicherheitsdienstes in seinem Büro, strich mit der rechten Hand über den Tisch, lehnte sich vor und begann unter einem leichten Seufzer, im Beisein von Laura Mitchell aus der Genetik, mit der Logbucheintragung:
„Leiter der Sicherheit, Bernhard Quant, in Gegenwart von Laura Mitchell, Leiterin der Wissenschaft, Datum 13.05.2389.
Wir haben den Schuldigen gefunden. Es war einer unserer eigenen Mitarbeiter.
Er gehörte zu unserem eigenen Team, nicht mal zur Sicherheit oder zur Technik. Sein Motiv war eindeutig. Er hatte Spielschulden bei den beiden Opfern gehabt, verstrickte sich in Widersprüche und hatte am Ende kein sauberes Alibi.
Das reicht für eine Anklage. Er ist bereits auf dem Weg zur Erde um dort vor ein ordentliches Gericht gestellt zu werden.“
Krondal erreichte diese Nachricht Monate später und er atmete tief durch, hatte nunmehr die Bestätigung, dass er es da draußen nicht nur mit Vollidioten zu tun hatte.
„Sehr gut“, murmelte er vor sich hin, „es geht vorwärts und das kleine automatische Schiff was da irgendwann ankommt, wird die Erde eh nicht erreichen. Dafür werde ich schon noch sorgen.“
Dass die Wahrheit ganz anders aussah und der wahre Täter sich immer mehr verborgen hielt, wusste weder die Graue Eminenz, noch ahnte es irgendein Mitarbeiter innerhalb der Station auf Genro.
Der wahre Täter, war der Liebling der Wissenschaftler, neugierig, lernbegierig, stets freundlich und definitiv nicht menschlich. Er hatte begonnen sich sein ei-genes Bild zu zeichnen, hatte alles genau bedacht und wollte es hier und jetzt und so schnell wie möglich beenden.
Dem Hybrid-Klon Anthro waren Lagepläne der Station in die Hände gefallen und er hatte sie mehr als ausgiebig studiert, stolperte nach langem Suchen auf Ebene -7 über eine Merkwürdigkeit.
Aufgrund seines angezüchteten, perfekten räumlichen Denkvermögens stellte er fest, dass die Ebene nicht komplett begehbar war und sich hinter einer Wand etwas befinde musste, dass die Fläche unsymmetrisch erscheinen ließ. Es fehlten geschätzte sechzig Quadratmeter und das machte ihn mehr als stutzig.
Aber nichtsdestotrotz verfolgte er noch ein anderes Ziel. Er hatte das Versprechen der Wissenschaftler eingefordert und fühlte sich aufgrund ihrer Arbeit betrogen. Auf schändlichste Art hintergangen und wie eine Sache behandelt, da konnte auch der angebliche Name Anthro nichts dran ändern, denn Anthros wurden schon seit Jahrhunderten in dieser Anlage gezüchtet.
Sein Tun würde keiner bemerken, dafür sorgte er und die Verhaftung eines wissenschaftlichen Assistenten, welcher als Mörder identifiziert wurde, kam ihm in seiner Situation mehr als recht.
Er hatte den Entschluss gefasst, dass es sinnlos wäre die Arbeit der Wissenschaftler zu sabotieren. Stattdessen sollten sie durch ihre eigene Arbeit, durch ihre Selbstsucht bestraft werden. Er selbst würde nur im Hintergrund agieren.