Kapitel 12

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 12

die Geschichte nimmt ihren Lauf

Während der nächsten Monate und Jahre wuchs der junge Tutanchamun auf.

Jedoch war er schwach und kränklich. Keiner der höfischen Ärzte konnte sich erklären warum. Keiner hatte die Möglichkeit in sein Innerstes zu sehen.

Sein Äußeres entsprach in jedem Detail dem eines Menschen, jedoch seine Organe und seine Seele waren die eines Cherit. Die Hybridisierung war äußerlich zwar vollständig, jedoch fehlerhaft.

Im Alter von 15 Jahren wurde er mit seiner älteren Halbschwester Anchesenamun vermählt, zeugte mit ihr in den wenigen verbleibenden Jahren zwei Kinder, welche jedoch schon als Föten einen Abort erfuhren. Der Grund dafür war exakt der Gleiche wie bei Tutanchamun selbst. Die Hybridisierung war bei beiden Kindern so abweichend und fehlerhaft, dass sie als deutlich sichtbare Mischung aus Mensch und Cherit den Mutterleib verließen.

Eh schon als Feind der verschiedenen Götter und der Priesterschaft verpönt, wurde er aufgrund dieser Vorkommnisse endgültig zur Zielscheibe. Er wurde im Jahre 1334 v. Chr. und somit im Alter von 35 Jahren das Opfer eines gewaltsamen Todes.

Sein Sohn Tutanchamun starb im Alter von 22 Jahren, hinterließ keine Nach-kommen und wurde in Prunk und Würde beigesetzt.

Nofretete selbst überlebte den Anschlag auf Echnaton, richtete sich das Attentat nicht auf sie, da im Laufe der Zeit durchsickerte, dass sie ursprünglich die Gefährtin eines Cherit namens Chelor war und Tutanchamun ein Mischwesen aus beiden Welten.

Nach dem Tod des Echnaton, bestieg sie selbst den Thron und regierte unter dem Namen Semenchkare zusammen mit ihrer Tochter Meritaton. Wenige Jahre später schrieb sie einen verzweifelten Brief an den Vater von Prinz Zannanza, dem damaligen Herrscher des Hethiterreiches. Dieser vermutete zwar eine Intrige, entsandte jedoch seinen Sohn an den ägyptischen Hof, wo er kurze Zeit später an den Auswirkungen der auftretenden Pest starb.

„Wir haben Kontakt zur Landmasse“, schrie Lisan nach Jahren auf dem Atlantik.

Drehende Winde und eine geradezu widerspenstige Steuerbarkeit des riesigen Floßes machten den Cherit zu schaffen, trieben sie teilweise ab, kamen dann gefährlichen Riffen zu nahe. Als endlich Land in Sicht war, stellten sie fest, dass es sich nur um eine winzige und damit vollkommen zu vernachlässigende Inselgruppe handel-te.

„Lass mal sehen“, entgegnete Selestral und nahm ihm den Geoscanner aus der Hand. „Das sieht gut aus, aber wir sind noch nicht am Ziel. Das da“, sie deutete nach vorne, „ist nur eine Meeresenge. Wir fahren weiter.“

„Hältst du das für eine gute Idee? Unsere Vorräte sind sehr schmal geworden.“

„Vertraue mir. Ich habe meine Gründe.“

„Gut. Dann soll es so sein. Wir fahren weiter.“

Wieder vergingen Wochen und endlich war es soweit, der Landgang in greifbarer Nähe. Plötzlich war in den Intercom-Geräten ein kurzes Knacken, dann ein Rauschen zu hören.

„Was? Wie?“, brabbelte Blox irritiert.

„Das glaube ich jetzt nicht. Haben wir den Rest unserer Gruppe gefunden? Irgendwo hier müssen die anderen Überlebenden gelandet sein“, intonierte Selestral erfreut.

Blox griff zum Gerät und betätigte den Sprechtaster. <„Ähm… hier Blox von den Cherit. Hört mich jemand?“>

Kein Ton.

Dann kam eine genauso verschreckte Antwort. <„Hallo? Wer ist da?“>

<„Hier ist Blox, ich bin ein Gepard und gehöre zu einer Gruppe von 150 Cherit. Wir kommen aus einem anderen Teil des Planeten und sollten in wenigen Augenblicken die Küste erreichen.“>

<„Blox? … Hey, Blox! Hier ist Lisan! Verdammt gut dich zu hören. Was hat euch denn hierher verschlagen? Wie geht es euch und was habt ihr alles erlebt?“>

<„Immer langsam, mein lieber Blox. Das erklären wir euch alles später. Wir haben hier ein Delta vor uns. Wo genau befindet ihr euch?“>

<„Legt da bloß nicht an. Wir sind weiter östlich. Warum, erklären wir euch, wenn ihr hier seid. Wir sind Gäste des hethitischen Königs Muwattalli dem Zweiten. Kommt her, er wird sich sicherlich freuen.“>

<„Das hört sich sehr gut an. Wir korrigieren gerade den Kurs. Einen Moment, die Geräte sind etwas langsam nach all der Zeit auf dem Ozean. … Jetzt! Wir sind auf dem Weg und kommen wohl in geschätzten drei Tagen an.“>

< „Wir freuen uns. Blox, Ende!“>

In Windeseile ward die Kunde verbreitet und tatsächlich war man im königlichen Hause mehr als erfreut.

Die Lage zwischen den Hethitern und den Ägyptern hatte sich unterdessen weiter zugespitzt, strebten die Ägypter eine Ausdehnung ihres Herrschaftsbereiches an, saß mittlerweile ein halbes Kind auf dem Thron. Sein Name war Ramses II.

Was seine Vorgänger nicht geschafft hatten, wollte er, jung, wild und naiv wie er war, mit Gewalt erzwingen. Er wollte den Hethitern auf den Pelz rücken, wollte die sagenumwobenen Götterwesen, von denen die Überlieferungen munkelten, in die Knie zwingen, sich ihrer Macht bedienen und anschließend die Assyrer zu Untertanen machen.

„Landkontakt“, sagte Selestral kraftlos und kündigte an, dass das Floß gleich er-schüttert werden würde.

„Danke für die Warnung“, flötete Lisan und schaute in die Runde. „Wir gehen gleich an Land. Willkommen in unserer neuen Heimat.“

Kaum war das Floß angekommen, sprangen die Cherit nacheinander ins seichte Wasser, schleppten sich vorwärts, gingen entkräftet auf die Knie und dankten den Göttern von Tabalth, dass sie überlebt hatten.

„Wir laden alles ab was noch übrig und brauchbar ist“, ordnete Selestral an und sah sich um.

Von den 150 gestarteten Cherit lebten noch 140. Ihre Mutter Min’tau hatte die lange Reise leider nicht überlebt, war nach drei Jahren an einem Schwächeanfall in ihren Armen gestorben.

Die Ausrüstung sah auch nicht mehr rosig aus. Von den Lebensmittelerzeugern und Entsalzungsaggregaten waren mehr als die Hälfte dem Meerwasser zum Opfer gefallen, hatte sich die Luftfeuchtigkeit gepaart mit dem hohen Salzgehalt des Wassers durch Aluminium, Kupfer und Duranium gefressen.

Das Floß selbst sah auch nicht mehr intakt aus und es schien eher einem Wunder zu gleichen, dass alle soweit gekommen waren. Bis auf fünf Boote, die als Steuerung am Floß befestigt gewesen waren, hatten über fünfzig die Reise nicht überstanden, ebenso das Segel, welches durch mehrfache Stürme einem zerrissenen Lumpen glich.

„Viel ist nicht übrig“, wandte sich Lisan an die Jaguarin.

„Ja. Aber wir hatten Glück und haben es geschafft.“

„Dank dir als Anführerin. Du bist Selestral und die Führerin des Clans der Jaguare. Du weißt, dass du dir den Rang unter der Besatzung verdient hast.“

„Hör auf zu schmeicheln.“

„Das ist nur die Wahrheit, meine Liebe. Aber mal sehen was uns hier erwartet. Im Moment lässt sich keiner blicken. Wundert mich sehr, nachdem Blox so laut verkündet hatte, dass sich alle freuen würden.“

„Ja, mag sein. Aber warum stellen wir unsere Fragen nicht direkt?“, merkte Selestral an und schaute über Lisans linke Schulter in die Ferne.

„Wie? Wer?“, fragte der Jaguar.

„Och Papa“, entfuhr es ihr und sie packte ihn an der rechten Schulter, drehte ihn unsanft um. „Da! Wie wäre es denn mit dem da?“

„Blox?“

„Genau und er ist nicht allein.“

„Jetzt bin ich aber gespannt.“

Neunzig Jaguaraugenpaare und mehrere Geparden-, Tiger-, und Pferdeaugen schauten aufmerksam in Richtung der Reiter, welche sich sehr schnell näherten.

Die Pferde stoppten kurz vor der Gruppe und die aufsitzenden Personen stiegen ab.

„Seid Willkommen, Cherit!“, hub eine große bärtige menschliche Gestalt an. „Mein Name ist Muwattalli und ich bin der König des bescheidenen Landes.“

„Wir grüßen dich Muwattalli. Mein Name ist Selestral und meine Begleiter direkt neben mir sind, mein Vater Lisan, unsere Geologin Miazan und unser Biologe Tar-pal.

„Ich grüße euch ebenso und wie ich sehe, seid ihr eher eine Gruppe aus Raubkat-zen.“

„Das seht ihr richtig“, hub Lisan an. „Und meine Tochter Selestral, ist die Anführerin des Clans.

„Wir gehören aber trotzdem dazu“, mischte sich der Anthro-Hengst namens Tarpal ein.

„Aber natürlich“, entgegnete König Muwattalli versöhnlich. „Euer Eintreffen ist mehr als eine Vorsehung. Ihr kommt genau zum richtigen Zeitpunkt und wir müssen dringend miteinander reden.“

„Sehr gern, aber zuvor möchte ich gerne noch mit einem Freund reden, wenn ich darf“, erwiderte Lisan.

„Sicherlich.“

„Blox“, hub Lisan an. „Kommst du mal bitte, ich habe eine Frage an dich.“

Der Gepard stieg vom Pferd ab und die beiden umarmten sich innig.

„Wie geht es dir?“ fragte Blox unbefangen.

„Das wird sich zeigen“, begann der Jaguar mit gesenkter Stimme. „Was ist hier eigentlich los? Warum kommen wir zum richtigen Zeitpunkt?“

„Keine Sorge. Es geht um eine wichtige Besprechung. Kurz erklärt, die Lage in der sich die Hethiter befinden bedarf unseres Eingreifens.“

„Wir sollen gezielt und bewusst die Entwicklung der Geschichte beeinflussen?“

„Ich bitte dich!“, erwiderte der Gepard scharf. „Das haben wir doch eh schon und wenn ich dir alles erzähle, dann wirst du eh anders denken.“

„Da bin ich ja mal gespannt“, sagte Lisan barsch.

„Beruhige dich und kommt alle mit. Ihr müsst hungrig sein und müsst außerdem ausruhen.“

„Das lasse ich gelten.“

„Schön, dann kommt. Der Marsch wird ein paar Stunden dauern.“

„Nicht schon wieder stundenlang laufen“, maulte Lisan entnervt.

„Wir haben leider keine Transportfähren“, säuselte Blox und klopfte dem Jaguar entschuldigend auf die rechte Schulter.

„Leute!“, rief der daraufhin. „Wir haben ein paar Stunden Pfotenmarsch vor uns. Also, lasst es uns positiv sehen, denn es erwarten uns Verpflegung und Schlaf-stellen.“

„Hört, hört. Auf was warten wir dann noch“, frohlockte Tarpal begeistert und zog die Menge in seine gute Laune hinein.

In Ägypten erwachte der junge Pharao Ramses II. wie jeden Morgen und drehte sich zur Seite, blinzelte versonnen in richtig der vergoldeten Tür und gähnte herzhaft.

„Guten Morgen, eure Hoheit“, knurrte eine vertraute Stimme hinter ihm.

Er schrak hoch und sah in das Gesicht seines Hauptwesirs und dem einzigen Ver-trauten.

„Verdammt! Willst du mich umbringen?“, schnauzte er gereizt.

„Aber nicht doch. Jedoch, es ist schon spät. Die Fellachen sind längst auf den Feldern und haben begonnen die Ernte einzubringen und die neue Saat zu setzen.“

„Ja. Eine Ernte die abhängig ist vom Nil und unter Mühsal dem Fluss und Schlamm abgerungen werden muss. Ganz zu schweigen von den verdammten Krokodilen.“

„Die Echsen sind Gleichnisse des Gottes Sobek. Fangt bitte nicht an wie Echnaton, der es sehr schnell bereute. Alle Geschöpfe sind von den Göttern gewünscht und frei in ihrer Entfaltung. Genauso ihr und euer Volk, welches euch heute sehr gerne sehen will und dann steht da noch eine Beratung mit dem Heerführer an.“

„Ach ja. Die Sache mit den Hethitern. Ich wünsche, dass er konstruktive Vorschläge mitbringt, damit ich endlich siegreich in den Kampf ziehen kann. Mein Vater hatte die Sache ja leider nicht beilegen können.“

„Die wird er haben.“

„Haben wir schon Meldungen von unseren Spähtrupps?“

„Bisher nicht oder sie sind wieder einmal abgefangen worden. Die Hethiter sind mittlerweile sehr feinfühlig und scheinen unsere Spione schon am Blick zu erkennen.“

„Toll“, stöhnte Ramses. „Wie wollen wir angreifen, wenn wir nicht einmal wissen wo genau sie angreifbar sind?“

„Ihr solltet aufstehen und euch vorbereiten, Hoheit!“, herrschte der Wesir, wenn auch freundlich.

„Ja. Geh hinaus und lasst mir meine engste Dienerin kommen.“

„Sehr wohl, Ramses.“ Er verließ das Gemach und schloss die Tür hinter sich.

Der junge Pharao richtete sich langsam auf, warf die Bettdecke zur Seite und sah an sich herab. Wieder einmal schmerzte sein linkes Bein.

Offiziell hatte er sich eben dieses bei einem Wettreiten gebrochen und es war nur der Unfähigkeit der Ärzte zu verdanken, dass er es immer wieder hinterherschleifen musste. Außerdem hatte er auch ein stärker werdendes Rückenleiden und lief seit wenigen Monaten immer häufiger an einem Stock.

Soweit zu dem was alle glauben sollten. Was lediglich sein Hauptwesir und seine engste, vertraute Dienerin wussten war, dass die Wahrheit ganz anders aussah.

Warum auch immer, so war er körperlich entstellt und trug seit jeher lange Kleider. Nicht, weil er es so mochte, sondern, weil niemand hinter sein Geheimnis kommen sollte.

Wohlbehütet verschleierte er seine Beine, ebenso seinen Leib bis zur Brust. So konnte er sicher sein, dass sein menschliches Haupt, Arme und Brust zur Geltung kamen.

Niemand sah je, wie unterhalb des Brustbeins die rosige, nackte Haut in getupftes Fell überging, das Fell mit der Musterung der schnellen Raubkatze, wie seine Beine dem des Tieres glichen und er den normalen ehelichen Pflichten nur mit Umständen nachkommen konnte, weil er selbst im Intimbereich einer Katze glich und der Akt der Liebe eher an ein Bespringen erinnerte.

Er wusste aus Überlieferungen der Vorregenten, dass sich in Ägypten ein Volk namens Cherit herumgetrieben hatte, welches so aussah, wie er anteilig. Ein Volk, welches von Echnaton vertrieben wurde und sich bei den verfeindeten Hethitern versteckte.

Sie sollten für seine körperliche Entstellung und seine Schmerzen bezahlen. Außer-dem sollten sie ihm helfen den Feind effektiv in die Knie zu zwingen und ihm die Assyrer möglichst schnell vom Halse schaffen.

„Guten Morgen, königliche Hoheit. Wie habt ihr geschlafen?“, fragte Miriana, die gerade das Gemach betrat.

„Hallo, Miriana. Wie du siehst unverändert. Mein linkes Bein macht mir heute mal wieder Schwierigkeiten.“

„Das bekommen wir schon hin. Wichtig ist nur, dass wie immer keiner hinter euer kleines Geheimnis kommt.“

„Klein ist das Geheimnis nicht, aber wohl eher ein Körperteil zwischen meinen Beinen“, versuchte sich Ramses an einem Witz.

„Eure Gemahlin hat sich bisher nicht bei mir beschwert und meinte nur, dass ihr damit sehr gut umgehen könnt und sie es sehr genießt.“

„Was sollte sie auch anderes sagen? Immerhin ist sie meine Gemahlin. Wenn ich wie ein Hengst gebaut wäre, dann würde sie es auch gut finden und sich nicht darüber beschweren, dass ich ihr die Schenkel sprenge.“

„Ich bitte euch. Seid nicht so missmutig. Ich denke, dass euer Heeresführer euch schnell auf besser Gedanken bringen dürfte.“

„Das will ich hoffen, immerhin will ich diejenigen zur Verantwortung ziehen, die der Auslöser für diese körperliche Schmach sind.“

„Das wird euch gelingen, da bin ich mir sicher. Aber jetzt sollten wir euch waschen und anziehen.“

„Eine Massage wäre mir lieber“, entgegnete Ramses und rieb sich das linke Bein.

„Dann lasst mich doch mal machen. Ihr werdet wie immer nicht enttäuscht sein“, frohlockte seine Dienerin und machte sich ans Werk.

Zehn Minuten später war Ramses im siebten Himmel, lächelte entspannt und hatte die Schmerzen vergessen.

„Du bist wirklich die beste Dienerin die sich ein Herrscher wünschen kann“, murmelte er.

„Stets zu Diensten mein Herr und jetzt hole ich Wasser und beginne mit der Waschung.“

„Das ist eine sehr gute Idee. Es muss nicht jeder wissen wie gut du zu mir bist. Schon gar nicht Nefertari.“

„Keine Sorge, mein Pharao. Eure Triebigkeit bleibt unter uns, da seid ihr ja wirklich wie eine Katze.“

„Ich danke dir für deine Verschwiegenheit und deine Behilflichkeiten.“

Die Dienerin verließ den Raum und schloss die Tür hinter sich.

„Warum danke ich ihr eigentlich? Es ist ihre Pflicht mir zu dienen und wenn sie auch nur einen Ton verlauten ließe, so würde ich sie richten“, sinnierte er flüsternd.

Am Hofe Muwattallis waren mittlerweile alle Cherit zusammengekommen und hat-ten sich nunmehr 270 von ihnen versammelt, belagerten den Zentralplatz gemeinsam mit 230 hethitischen Kriegern.

Selestral, Blox, Lisan, Chelor und Morana saßen derweil mit König Muwattalli und dem Heerführer Prinz Sahurunuwa an einem Tisch und schmiedeten Pläne.

„Was wisst ihr alles?“, fragte Muwattalli in die Runde.

„Nicht viel. Wir sind nach Terra gekommen, um den Planeten zu erforschen und um uns neuen Lebensraum zu erschließen“, antwortete Chelor.

„Das ist mir durch Blox schon einmal erklärt worden. Daher bin ich jetzt nicht sonderlich irritiert. Er erzählte mir von eurem Volk.“

„Oh!“, entfuhr es Morana. Die Hyäne machte bei ihrer Äußerung ein mehr als interessiertes Gesicht. „Was hat er denn alles erzählt?“

„Nun… Er erklärte mir, dass ihr keine Götter seid, auch wenn ihr ihnen vielleicht entfernt ähnelt und dass eure Welt unter einer Überbevölkerung leidet.“ König Muwattalli bot dabei ein sehr offenes Wesen und schien nicht sonderlich überrascht.

„Das ist soweit korrekt“, mischte sich Lisan ein. „Unser Schiff wurde von einer fremden Spezies angegriffen und vernichtet. Wir konnten mit Notkapseln entkommen und waren verstreut gelandet.“

„Ihr seid also auf Gedeih und Verderb an unsere Welt gebunden?“

„Ja, es gibt keine Möglichkeit zurückzukehren“, murmelte Chelor. „Wir sind ausgeliefert, ob wir es wollen oder nicht.“

„Wie ich durch meine Spione hörte, warst du ursprünglich mit Neferet-iti liiert?“, bohrte der Hethiterkönig.

„Ja“, hub Chelor an und merkte, dass die Aufmerksamkeit auf ihm ruhte.

„Wie kam es dazu?“, fragte Sahurunuwa.

„Auf Terra hörte ich einen geflügelten Spruch“, setzte Chelor fort, „ … Wo die Liebe hinfällt.“

„Also war es bei ihr nicht das exotische was im Vordergrund stand?“, hakte der Heerführer nach.

„Auf keinen Fall. Es war ein Band aus purer Zuneigung und Liebe. Sie wollte ein Kind von mir, aber ich sagte ihr, dass das nicht funktionieren würde.“

„Ja. Blox versuchte mir einiges zu erklären.“

„Eben und aus der DNA-Ungleichheit kommt es nicht zu den gewünschten Basenpaarungen.“

„Aber wie es scheint hat es bei euch beiden am Ende wohl doch funktioniert“, sinnierte Morana.

„Ja. Zumindest konnte das Kind was Neferet-iti in sich trug nicht von Amenophis stammen. Dafür hatten die beiden nicht genug Zeit.“

„Stimmt. Dieser Sonnenkönig schwor allen existierenden Göttern ab und wollte nur noch Aton gelten lassen. Wie traurig und vor allem bevormundend“, schnaubte Muwattalli.

„Ich höre aus deinen Worten, dass du es begrüßt, dass er verschwunden ist“, konstatierte Lisan.

„Aber sicher doch. Wir hatten nur Probleme mit ihm. Abgesehen davon, zog er es vor Chelor sein Weib zu nehmen und am Ende sogar noch eine ausgesuchte Truppe hinterher zu hetzen, um euch aus dem Weg zu schaffen. Aber da hatte er nicht mit uns gerechnet.“ Sahurunuwa lächelte beim letzten Satz.

„Leider lebte dein Sohn nicht lange“, seufzte Muwattalli.

„Da fehlen mir die letzten Informationen. Klärt mich auf“, verlangte Chelor.

„Dein Sohn wurde von Echnaton und deinem ehemaligen Weib auf den Namen Tutanchamun getauft, verstarb aber im Alter von 22 Jahren aus unbekannter Ursache.“

„Hmmm…“, flüsterte Chelor. „ … ich sagte ja. Es wird nicht funktionieren. Das war die Quittung.“

„Nicht nur das. Dieser Tut wurde noch schnell mit seiner älteren Halbschwester, die Amenophis aus einer vorhergehenden Ehe mitbrachte, vermählt. Sie wurde zweimal schwanger.“

„Oh!“, horchte Chelor auf. „Also habe ich quasi Enkelkinder?“

„Nein. Da schlug wohl genau das konsequent zu, was du schon angedeutet hattest. Beide Kinder wurden lange vor dem eigentlichen Termin unfertig und auf natürlichem Wege abgetrieben. Die Fehlgeburten zeigten jedoch deutliche Anzeichen für eine Vermischung beider Völker“, erklärte Muwattalli.

Chelor nickte lediglich beim Gehörten und schwieg.

„Für seinen Frevel wurde er ermordet und Nofretete bestieg den Thron, regierte noch wenige Jahre unter anderem Namen.“

„Und was passierte dann?“, fragte Morana nach.

„Sie starb eines gewaltsamen Todes.“

„Das musst du jetzt ausführlicher erklären“, forderte Chelor betroffen.

„Scheinbar überschnitten sich die Ereignisse und wir hatten da etwas falsch verstanden… Jedenfalls erreichte meinen Vorgänger ein Schreiben, in welchem sie ihn bat ihr einen Mann zur Seite zu stellen. Wahrscheinlich spielte sie wohl eher auf Chelor an, von dem sie wusste, dass er in unsere Richtung unterwegs war und hoffte scheinbar, dass er wieder zu ihr zurückkehren würde.

Leider wusste keiner zu diesem Zeitpunkt gesichert, was wirklich alles vorgefallen war und interpretierte die Bitte falsch. So entsandte mein Vorgänger seinen Sohn, den Prinzen Zannaza. Er starb wenig später an einer schweren Krankheit. Danach übernahm ich die Regierungsgeschäfte und die Informationen kreuzten sich, form-ten ein passenderes Bild.“

„Sehr unglückliche Umstände, aber Vergangenheit. Mir bleibt nur noch der Schmerz, um den Verlust meiner Geliebten, meines Kindes und die Wut auf den Pharao“, schnaubte Chelor frustriert.

„Da kommen wir ins Spiel“, hub Sahurunuwa an. „Wir planen eine Verteidigungslinie, da wir mit einem Angriff vom jetzigen König Ramses II. rechnen.“

„Späte Rache?“, sinnierte Morana an Chelor gewandt.

„Dafür ist es zu spät und dieser Jungspund hat nichts mit Echnaton gemein“, erwiderte der Löwe.

„Wie steht es denn mit euch und was hat euch hierher verschlagen?“, fragte Muwattalli an Lisan und Selestral gewandt.

„Ah. Ja, uns gibt es auch noch“, sagte Selestral leicht bitter.

„Entschuldigt meine Unhöflichkeit“, beschwichtigte Muwattalli.

„Ist schon gut“, wiegelte Lisan ab und deutete auf Selestral.

„Ja, wo soll ich anfangen? Wir waren in einem Urwaldgebiet gestrandet. Die Bevölkerung dort ist vollkommen anders oder besser gesagt, sie war es.“

„Wieso, war?“, hakte der König nach.

„Sie hat den Krieg der Fremden wohl nicht überstanden.“

„Welche Fremden? Gibt es etwa noch eine Partei in diesen Jahren?“

„Scheinbar. Auf jeden Fall bekämpften sich Gleiter, schossen sich gegenseitig ab, stürzten in den Urwald und brannten ihn teilweise nieder.“

„Das hat uns gerade noch gefehlt“, seufzte Sahurunuwa.

„Waren diese verfeindeten Schiffe hier nicht?“, fragte Lisan nach.

„Nein. Hier gab es nichts dergleichen.“

„Dann war es wohl lokal begrenzt“, atmete Selestral erleichtert auf. „Jedenfalls bin ich die Tochter von Lisan und Min’tau.“

„Ah, ich nehme an eine Einheimische?“, fragte Muwattalli nach.

„Ja. Anders als bei Chelor und Neferet-iti, klappte es jedoch mit der Mischpaarung und ich entstand. Allerdings brach daraufhin ein Krieg zwischen den einzelnen Clans aus. Jeder wollte mich haben, eine lebende Verkörperung eines ihrer Götter. Daraufhin nahm ich meine Mutter mit und wir packten alles zusammen, bauten ein Floß und irrten nicht nur Monate lang auf den Meeren umher, sondern am Ende wohl Jahre.“

„Ihr habt Glück, dass ihr das überlebt habt. Wir treiben Handel mit verschiedenen Völkern, auch auf dem Seeweg und können uns daher vorstellen was ihr durch habt“, tat Muwattalli kund.

„Wie war das mit der Einmischung?“, stichelte Blox, an Lisan gewandt.

„Na ja, jedenfalls sind wir hier. Meine Mutter hat es leider nicht überlebt. Sie starb erkrankt schon nach kurzer Zeit“, schloss Selestral ab.

„Von einem Krieg zum nächsten“, sinnierte Sahurunuwa. „Und es wird hoffentlich jetzt der letzte.“

„Wie meinen sie das?“, hakte Selestral nach.

„Es wird wohl oder übel zu einem offenen Konflikt kommen müssen. Es gibt viele ungeklärte Dinge und die verlangen geradezu nach einer Auseinandersetzung. Unsere Spione haben zumindest berichtet, dass sich Ramses sehr oft mit seinen Militärberatern trifft und allein das reicht schon aus, alarmiert zu sein“, erklärte Muwattalli.

„Und ihr benötigt unsere Hilfe?“, fragte Chelor und machte dabei ein unglückliches Gesicht.

„Ja. Wir haben Berichte erhalten, dass Ramses in Erwägung zieht einen neuen Regierungssitz zu ernennen, welcher sich Pi-Ramses nennen soll. Außerdem rekrutiert ihr mutige und kampfstarke Männer aus der Bevölkerung, lässt sie von seinen besten Ausbilder betreuen.“

„Welche Rolle spielen wir dabei?“, bohrte Chelor.

„Wir müssen die westliche Grenze absichern. Kadesh muss quasi ein Bollwerk werden, an dem er sich die Zähne ausbeißt“, verkündete Sahurunuwa.

„Dann seid ihr auf uns und unsere Technologie angewiesen. Allerdings gibt es da ein Problem …“, hub Morana an.

„… ich höre“, ging Muwattalli dazwischen.

„… Wir schworen uns stets unsere Technik niemandem zur Verfügung zu stellen, der nicht unserem ideologischen und auch gesellschaftlichen Normen entspricht. Wir werden zwar helfen, aber nicht zur Vernichtung des Feindes aktiv beitragen.“

Der Hethiterkönig bekam verhärtete Gesichtszüge und nickte überlegend. „Wenn ich euch zwingen würde, dann würde ich mich ins Unrecht setzen und nichts erreichen. Daher überlasse ich euch die Wahl, wie und inwiefern ihr uns unterstützen könnt.“

„Das ist akzeptabel und wir werden tun was getan werden muss“, bestätigte Morana.

„Eines habe ich aber noch“, hub Muwattalli erneut an.

„Das wäre?“, fragte Blox.

„Wir müssten einen Spähtrupp an die Grenze entsenden. Währet ihr dazu bereit?“

„Warum gerade wir?“

„Ich denke, dass ihr unter den Ägyptern immer noch Freunde habt und diese die Pläne von Ramses vielleicht nicht gerade erbaulich finden.“

„Das kann durchaus möglich sein. Wir werden darüber beraten und lassen es euch morgen wissen“, entgegnete Selestral und schickte sich an, sich zu erheben.

„Bleibt ruhig noch sitzen. Es eilt nicht. Der ägyptische Pharao wird Tage brauchen, um an die Grenze zu gelangen und fast jeder seiner Schritte wird überwacht.“

„Das beruhigt“, erwiderte Chelor.

Nach dem Ende der Kampfhandlungen auf Terra war Osiris mit den Kampfinseln Byblos und Attikon in den Asteroidengürtel zurückgekehrt und las sich die Aufzeichnungen durch, während er sich mit Ptah 566 unterhielt.

„Wie schätzt du die Lage ein?“, fragte der Administrator.

„Im Moment scheint es so, dass wir die Abtrünnigen erfolgreich geschlagen haben.“

„Sie werden wieder kommen. Zumindest hat Marduk das angekündigt.“

„Ja, bestimmt. Aber ich denke, dass sie sich da Zeit lassen werden. Immerhin war der Schlag vernichtend.“

„Da gebe ich dir recht und ich hätte zu gerne Marduks Gesicht gesehen.“

„Wir haben allerdings auch noch einige andere Daten ausgewertet.“

„Die wären?“

„Zum einen und das ist nicht das Schlimmste, hatte eine unserer Staffeln im Bereich des südlichsten Kontinents und damit am Südpol des Planeten, ein nicht näher zu identifizierendes Energiefeld entdeckt, welches jedoch plötzlich verschwand. Zum anderen und das wiegt schwerer, dass vernichtete Generationenschiff …“, setzte der Ptah-Klon an.

„Was ist damit?“, fragte Osiris schroff dazwischen.

„… wenn wir alles richtig deuten, dann stammt es von einem Sternensystem namens Betaniar, welches 60 Lichtjahre von Sol und Terra entfernt liegt. Die Spezies des Schiffes selbst, scheint sich Cherit zu nennen und kurz vor der kompletten Vernichtung des Generationentransporters, konnten sich mehrere Rettungskapseln absetzen.“

„Wie viele?“, schreckte Osiris hoch.

„Genug um geschätzte dreihundert Cherit auf der Erde abzusetzen, plusminus ein- bis zweihundert.“

„Auch das noch. Verdammt! Das ist Jahrzehnte her. Die können da unten wer weiß was angestellt haben.“

„Haben sie auch. Laut unseren Tiefenscans sind wohl einige Regionen massiv infiltriert worden.“

„Wo genau?“

„Exakt wissen wir es nicht, aber es war der südwestliche Teil eines Doppelkontinents, mit einer starken Waldgebietsausprägung und der nördliche Teil eines Kontinents mit ausgedehnten Wüstenregionen.“

„Anzeichen von menschlichem Leben in diesen Gebieten?“

„Ja und die Zahl steigt. Außerdem gibt es starke Fluktuationen was die Ansammlung von Menschengruppen angeht.“

„Schicke einen Spähtrupp mit einer Fähre in die südwestliche Region. Die sollen sich etwas umschauen und berichten.“

„Aye, Sir!“

Am Ende des Abends, zogen sich Chelor, Morana, Blox, Pollon, Lisan und Selestral in ihre Räume zurück und fingen an sich intern zu beraten.

„Was sollen wir jetzt tun?“, hub Morana an.

„Die Frage ist wohl eher, ob wir überhaupt etwas tun sollten“, entgegnete Selestral. „Du weißt was mit der Bevölkerung der Mayas geschah, nachdem ich geboren wurde.“

„Ja, das war mehr als verhängnisvoll“, erwiderte die Anthro-Hyäne.

„Wenn wir jetzt auf die Bitte eingehen, dann greifen wir so tief ein, dass wir die weitere Entwicklung nachhaltig beeinflussen“, gab Blox zu bedenken.

Chelor hielt sich im Hintergrund auf und starrte in die Flammen des Feuers, schwieg eisig.

„Hey, Chelor. Was ist mit dir? Willst du nur da sitzen und Trübsal blasen oder kommt von dir auch noch konstruktives?“

„Wenn wir eingreifen, was wir eh schon getan haben, dann sollte es wohl überlegt sein. Und ich halte mich raus, weil ich nicht unvoreingenommen bin.“

„Stimmt. Du hättest deine späte Rache an den Ägyptern.“

„Nicht unbedingt“, murmelte der Anthro-Löwe. „Echnaton und Nofretete sind schon längst Geschichte. Alles andere jetzt darauf auszulegen wäre schlichtweg falsch. Ich kann im Nachgang niemanden bestrafen, der nichts dafür kann.“

„Guter Ansatz“, fuhr Lisan auf. „Aber ich gebe zu Protokoll, dass wir eh schon alles verändert haben. Unsere Gene schwirren überall herum und dieser Tutanchamun ist nun einmal dein Sohn gewesen.“

„Ja!“, schnauzte der Löwe, „aber das weiß niemand, außer uns und den Hethitern, wobei die es eher mutmaßen.“

„Wenn wir mit in den Kampf ziehen, dann haben wir ein weiteres Problem“, fuhr Selestral fort. „Wir haben nicht genug Cherit um eine eigene Gruppe zu bilden.“

„Du meinst, dass 270 von uns nicht ausreichen, um einzugreifen?“, fragte Morana.

„Aber sowas von“, kam die legere Antwort.

„Dann müssten wir mit Muwattalli vereinbaren, dass wir einen gemischten Trupp bilden. Ich hoffe, dass er einverstanden ist“, merkte Pollon an.

„Ich bin der Meinung, dass wir uns zunächst nur auf die Defensive beschränken soll-ten“, warf Selestral entschlossen in die Runde.

„Wie sollte das, deiner Meinung nach, aussehen?“, bohrte Morana neugierig.

„Wir haben Bewegungssensoren im Gepäck, außerdem sollten wir an die Küste reiten und sehen was wir vom Floß holen können. Vielleicht hat das eine oder andere die lange Reise doch überlebt.“

„Dann sollten wir das tun. Wo willst du die Sensoren platzieren?“, hakte Chelor nach.

„An der Grenzlinie, westlich von Kadesh“, verkündete Selestral und ihr Entschluss schien fixiert.

„Dann werden wir Muwattalli morgen früh unsere Entscheidung verkünden. Wer ist damit einverstanden?“, fragte Blox.

„Es gibt keine Alternative und damit sind wir wohl alle glücklich, wenn auch nicht wirklich“, entgegnete Chelor. „Damit sind wir jetzt ein Stück der menschlichen Geschichte.“

„Mittendrin, statt nur dabei“, versuchte sich Morana an einem Wortspiel.

„Schwach, sehr schwach, aber guter Versuch. Da fällt mir noch etwas anderes ein. Wir sollten, wenn wir doch in die Schlacht eingreifen, die ägyptischen Truppen dermaßen überrennen, dass wir bis tief in das Land vordringen. Wir müssen an die Rettungskapseln herankommen, diese bergen“, entschied Chelor.

„Warum das denn?“, fragte Pollon.

„Hast du vor, unsere Spuren ewig auf dem Planeten zu lassen? Offiziell darf es uns niemals gegeben haben. Wir dürfen nirgends auftauchen.“

„Du meinst die Verwässerung in späteren Überlieferungen?“, fragte Morana nach.

„Genau das. Uns gab es nicht und wird es nicht geben. Da müssen wir uns noch et-was einfallen lassen.“

„Ich fürchte, dass es dafür zu spät ist“, warf Lisan ein.

„Wir haben genug Spuren hinterlassen“, hub Selestral an. „Wir sollten diese so gering halten wie es geht. Dass die Menschen früher oder später über uns stolpern werden, ist logisch. Aber im Moment sind sie dafür nicht reif. Wenn sie es in ihrer weiteren Entwicklung tun, werden sie damit umgehen können und es verstehen.“

„Dann machen wir es so“, schloss Chelor die Diskussion ab und zog sich in seine eigenen Gedanken zurück.

Ramses II. war unterdessen erfrischt und angekleidet auf dem Weg vor seinen Palast.

Wie sein Hauptwesir es angekündigt hatte, befanden sich bereits Hunderte vor den Toren und erwarteten voller Ungeduld seine Ansprache. Immerhin war es das Ende der Erntezeit und des neuen Überschwemmungszeitraumes, der Nil hatte sich zurückgezogen und die nächste Aussaat stand an. Es wurde Zeit für ein Gebet an die Götter und deren Wohlwollen.

Nachdem Echnaton mit seiner Einführung des Atonkultes gescheitert war und nach seinem abrupten Ableben ein Aufatmen durch die Ägypter ging, hatten seine Nachfolger die verschiedensten Religionen und Götter wieder eingeführt und damit das allgemeine Wohlwollen der Bevölkerung auf ihrer Seite.

Ramses trat vor das Tor und baute sich auf. Trotz seiner Schmerzen ging er entschlossen und setzte eine Pfote vor die andere. Dass sie wie Füße aussahen, verdankte er wie immer seiner getreuen Dienerin, welche sie so geschickt mit Stoff umwickelte, dass sie am Ende normalen Füßen fast perfekt nachempfunden waren und in seine Sandalen passten.

„Mein ägyptisches Volk“, hub er lautstark an. „Ein neuerlicher Sonnenweg ist angebrochen und die Gier des Apophis damit beendet. Der Gott Osiris ist uns wohlgesonnen und die Überschwemmung des Nils mehr als reichlich. Es wird in diesem Peret eine wunderbare und reichhaltige Aussaat und im darauffolgenden Schemu eine noch bessere Ernte geben, als die frisch eingefahrene.

So kniet nieder und betet zu Osiris, dass er uns weiterhin gesonnen bleibt und betet zu Seth, dass er Ruhe geben mag und uns nicht mit Chaos und Vernichtung überzieht.

Betet zu Isis, dass sie unser Volk mit ihren Schwingen umhüllt und vor Not und Verderben schützt.

Gebt eure Gunst an Bastet, dass sie das heimische Feuer hüten mag und es niemals verlischt.

Und kniet nieder vor Sachmet und Maahes, auf das sie uns im bevorstehenden Kampf gegen die Hethiter begleiten mögen und unsere Truppen stärken.“

Ein leises Raunen und Flüstern ging von den Massen aus, die danieder knieten, sich vornübergebeugt hatten und beteten.

Nach zehn Minuten, unterbrach Ramses das Gebet und ließ die Menschen sich er-heben. „So gehet nun an die Arbeit und tragt die Weisheit unserer Götter in euch.“

Nachdem der Platz sich gelehrt hatte, drehte sich Ramses um und verschwand im Schutze seines Palastes.

„Ausgezeichnet“, lobte Hauptwesir Paser.

„Was du nicht sagst, Wesir“, floskelte Ramses.

„Das Volk ist auf eurer Seite und egal was passiert, es wird euch folgen. Osiris ist eindeutig auf unserer Seite.“

„Das ist sehr gut. Aber jetzt zum Heerführer. Ich bin gespannt was er zu berichten hat.“

„Sehr wohl mein Pharao. Folgt mir bitte.“

Die Nacht war vergangen und die Cherit guter Dinge.

„Dann wollen wir dem König unseren Entschluss verkünden“, hub Chelor an und stand auf.

„Würdest du dich bitte bedecken, wenn du aufstehst“, kam von der anderen Seite des Raumes, die Stimme der Hyäne. „Ich empfinde es als etwas anstößig, wenn du dich streckst und alles Mögliche an dir das Gleiche tut.“

„Entschuldige bitte, ich hatte nicht daran gedacht, dass du ausgerechnet jetzt in meine Richtung schaust.“

„Ließ sich leider nicht verhindern, nachdem du das Wort ergriffen hattest und ich dir meine Aufmerksamkeit schenkte. Abgesehen davon ist es schon verdammt lange her, dass sich mir ein solcher Anblick darbot.“

„Dann hoffe ich, dass du die Darbietung wenigstens ein kleinwenig genossen hattest.“

„In der Tat, aber ich brauche es nicht dauerhaft. Wenigstens kann ich mir lebhaft vorstellen was diese Neferet-iti an dir fand“, schloss Morana ihre Gedanken ab und seufzte.

„Nenne bitte nicht mehr diesen Namen.“

„Entschuldige bitte. Es war nicht meine Absicht die Wunde aufzureißen.“

„Schon gut. Denk in Zukunft einfach daran.“

In diesem Moment klopfte es an der Tür und sie wurde geöffnet.

„Guten Morgen, ehrenwerte Cherit“, grüßte Sahurunuwa. „Würdet ihr euch bitte fertig machen und mir folgen. König Muwattalli erwartet euch zur morgendlichen Tafel.“

„Sehr gern“, erwiderte Blox und zog sich an. „Bewegt euch. Jetzt wird es ernst.“

Dem Prinzen folgend, erreichten sie kurze Zeit später die Küche. Es roch nach frischen Gewürzen, erlesenen Speisen. Im Zentrum standen mehrere kleine Öfen, auf denen das Mittagsmahl sanft köchelte und eilten sich acht Küchendiener und zwei Köche, nebst Vorkoster, um alles vorzubereiten.

„Was tun wir ausgerechnet hier?“, fragte Selestral irritiert.

Sahurunuwa sagte nichts und zeigte auf eine Nische zur Rechten und nickte freundlich einladend.

„Was immer sich da hinten versteckt, wir sollten es herausfinden“, merkte Chelor entschlossen an und ging voran, gefolgt von den anderen.

„Salem!“, grüßte Muwattalli der Zweite leise und winkte die Cherit zu sich heran.

„Grüße zurück“, flüsterte Chelor. „Was macht ihr denn hier?“

„Wenn ich tiefgreifende Gedanken habe, dann ist dies hier der schönste Ort um nachzudenken. Außerdem ist es da oben zeitweise nicht mehr sicher.“

„Das hört sich logisch an. Über was sinniert ihr denn?“, fragte Selestral.

„Über alles Mögliche und wie ich diesem Ramses Einhalt gebieten kann.“

„Darüber haben wir uns auch unsere Gedanken gemacht und eine Entscheidung getroffen.“

„Ah! Sehr gut. Ich bin ganz Ohr.“

„Wir werden zunächst halbaktiv eingreifen. Wir haben einige Anlagenteile, welche die Grenze zum Landstreifen zwischen eurem und dem Reich der Ägypter überwachen können. Allerdings müssen wir dazu nochmals ans Meer und unser Floß. Ich denke, dass wir da einige Sachen noch retten können.“

Muwattalli begann die Cherit mit immer größer werdenden Augen zu betrachten und lächelte breit. „Ausgezeichnet! Habt ihr schon einen Plan?“

„Wenn wir die Grenze abgesichert haben, werden wir einen Trupp zusammenstellen und versuchen nach Ägypten zu kommen. Es wird Zeit Ramses den Zweiten etwas aufzumuntern und damit zu Dummheiten zu verleiten. Nichts ist schlimmer als Überstürzung.“

„Da gebe ich euch recht und wieder einmal war dieser Ort der richtige, um sich etwas Gutes auszudenken“, frohlockte Muwattalli.

„Dann möchten wir um Pferde bitten und brechen auf, um das Material heranzuschaffen“, forderte Selestral auf.

„Aber sicher doch. Sahurunuwa! Sei so gut und gib ihnen zehn Pferde mit, damit sie ihre Sachen holen können.“

„Ja, eure Majestät. – Begleitet mich bitte zu den Stallungen.“

Eine halbe Stunde später waren Morana, Blox, Chelor, Lisan und Selestral auf dem Weg zur Küste.

„Meint ihr nicht, dass Muwattalli etwas sonderbar war?“, fragte Lisan.

„Na ja. Nachdem was ich so bisher mit Königen durchhabe“, entgegnete Chelor, „sind die scheinbar alle zwischen sonderbar und vollkommen debil einzustufen.“

„Muss wohl an der Inzucht liegen“, murmelte Morana.

„Lediglich mein Sohn war keine Inzucht“, knurrte Chelor, „stattdessen waren die Organe nicht dauerhaft funktionsfähig.“

„Die Guten sterben leider immer zuerst oder schaffen es erst gar nicht“, seufzte Selestral und dachte an ihre Mutter.

Ramses II. war mittlerweile mit dem obersten Heerführer namens Re-narat zusammengetroffen. Zudem waren vier weitere Truppenführer zugegen.

„Ich grüße dich, mein Herr“, floskelte Re-narat.

„Grüße zurück, oberster Heerführer. Ich hoffe, du hast gute Ideen mitgebracht. Ich will diesem hethitischen Bastard endlich seine Grenzen aufzeigen“, herrschte Ramses.

„Wir werden unser Bestes geben. Ich darf euch zunächst die Führer der einzelnen Truppenteile vorstellen?“

„Nur zu.“

„Ammon-herat für die Ptah-Einheit, Djet-anan für die Seth-Einheit, Min-merat für die Re-Einheit und Bes-nure für die Ammon-Einheit.“

„Ausgezeichnet. Es ist gut, meine Truppen in ihren Händen zu wissen.“

„Ehre unserem Pharao und langes Leben unter den Göttern“, murmelten die vier.

„Jetzt schießt los. Stärke der Truppen und den Schlachtplan“, befahl Ramses.

„Sehr wohl, Herr! Ammon-herat, hilf mir bitte mal mit den Karten“, forderte Re-narat auf.

„Aber sicher doch“, sagte der noch und griff zu.

Unter Geraschel und Geknister wurden mehrere große Papyrusrollen entfaltet und ausgerollt.

„So“, hub Re-narat an. „Das ist das Gebiet der Hethiter.“

„Ja, ich sehe die unangenehme Ausdehnung.“

„Wie ihr seht, befindet sich zwischen uns und deren Gebiet eine Art Pufferzone, in welcher es keine festen Ansiedlungen gibt. Es sollte also möglich sein, dass wir relativ schnell und unbehelligt bis an die Grenze vorstoßen.“

„Klingt ausgezeichnet. Was sagen unsere Spione?“

„Unglücklicherweise sind bisher alle entdeckt und getötet worden“, antwortete Djet-anan.

„Das ist allerdings sehr tragisch. Uns fehlen somit alle Informationen. Hat jemand eine Ahnung wie stark Kadesch befestigt ist?“, bohrte Ramses.

„Nur eine vage Vorstellung. Die Stadt selbst ist von einer extrem starken Mauer umgeben und wird vermutlich von 7.000 Mann gesichert“, informierte Ammon-herat. „Aber diese Beobachtungen sind mittlerweile zehn Jahre her und wenn wir Spione in unseren Reihen haben sollten, dürften die Hethiter wissen, dass wir uns zum Krieg rüsten und entsprechende Maßnahmen ergriffen haben.“

„Somit wissen wir also nicht was uns wirklich erwartet“, sinnierte Ramses.

„So ist es, mein Pharao.“

„Hmmm…, was ist eigentlich mit diesen Tieren, diesen Chittim?“

„Sie meinen diese falschen Götter, die Echnaton verjagt hatte?“, fragte Re-narat nach.

„Genau die meine ich.“

„Wir wissen nur, dass sie unser Land verlassen haben und in östlicher Richtung zogen.“

„Das würde bedeuten, dass sie uns wieder begegnen könnten?“, bohrte Ramses bitter.

„Das liegt im Rahmen des Möglichen.“

„Egal. Was ich mit denen mache, wird sich vor Ort zeigen. Wie soll die Strategie aus-sehen?“

„Wir haben vier Truppenverbände mit je 5.000 Mann. Teilweise zu Fuß, teilweise auf Streitwagen.“

„Ausgezeichnet. Sie sollen gestaffelt angreifen, damit sie nicht zu schnell aufgerieben werden“, ordnete Ramses an.

„Ich schätze ihr strategisches Talent, rate jedoch zu einem kombinierten Angriff. Wir wissen nicht wie sich das hethitische Heer präsentieren wird, es könnte ein schwerer Fehler sein, wenn wir die Truppen versetzt angreifen lassen. Sollte auch nur ein Verband fallen, dann kann das fatale Folgen haben“, gab Bes-nure zu bedenken.

„Danke für deinen Einwand. Aber ich bin der Pharao und meine Strategie stammt von Osiris selbst. Wagst du das anzuzweifeln?“

„Nein, mein Pharao. Ich wollte euch nicht Fehler unterstellen oder beleidigen.“

„Nimm dich in Zukunft mehr in Acht bei deinen Äußerungen. Also, es wird so angegriffen wie ich es sage. Die Abstände zwischen den Kontingenten werde ich persönlich im Felde entscheiden.“

„Ihr wollt selbst in die Schlacht ziehen?“, fragte Re-narat ungläubig.

„Natürlich oder dachtest du, dass ich feige bin?“, fragte Ramses mit sich erhebender Stimme.

„Nein, bestimmt nicht. Ich Sorge mich nur um euren Gesundheitszustand …“, fuhr Re-narat fort, wurde jedoch harsch unterbrochen.

„… der nicht dein Problem ist“, schrie Ramses. „Darum kümmern sich meine Leibärzte und am Ende meine Leibgarde, was meinen Schutz betrifft. Ist das klar?“

„Ja, mein Pharao.“

„Jetzt geht, lasst die Karten hier und kümmert euch um eure Truppenverbände. Sie sollen ausgeruht sein, wenn ich das Zeichen gebe.“

„Ja, eure Hoheit.“

Nachdem die fünf verschwunden waren, wandte er sich an seinen Hauptwesir Paser. „Was für Dilettanten. Halte die mir in Zukunft vom Leibe, sonst vergesse ich mich und das bekommt dir auch nicht gut.“

„Ich verstehe euren Zorn. Aber seht, sie sind besorgt und das ist gut so. Persönlich wäre ich wütend, wenn mir keiner zur Seite stehen würde und mich nicht zum Nachdenken anregt.“

„Das ist deine Einstellung, aber nicht meine“, entgegnete der Pharao barsch.

„Wie ihr meint, mein Herr. Darf ich euch sonst noch dienen?“

„Nein, geh und lass mich allein. Auch du hast heute schon genug gesagt.“

„Ja, mein Herr.“

Ramses war allein und schaute über die Karten, studierte sie genauer. ‚Ich werde dich zur Strecke bringen und mir dein Reich holen, du widerlicher Bastard Muwattalli.‘

Die Cherit waren zu Pferde unterwegs, schnell vorangekommen und hatten die Küste in Sichtweite.

„Stopp!“, rief Selestral.

„Was hast du?“, fragte Chelor nach.

„Gib mir mal den Bioscanner“, wandte sich die Jaguarin an Morana.

„Hast du etwas gesehen?“, fragte die Hyäne besorgt.

„Nicht direkt, aber ich habe ein komisches Gefühl.“

„Immerhin warst du bei den Mayas eine Göttin, die dürfen auch gerne mal Gefühle haben“, witzelte Lisan.

„Och Papa! Nicht schon wieder dieser Galgenhumor“, sagte sie noch und schaltete das Gerät ein. „Wusste ich es doch. Wir sind nicht allein. An der Küste tut sich etwas.“

„Wer ist es?“, hakte Morana nach.

„Den Signaturen nach sind es Cherit, aber das kann nicht sein. Wir sind allein hierher geritten und unterwegs hat uns auch keiner von unseren Leuten überholt.“

„Verdammt noch mal, man kann bei den Lichtverhältnissen kaum etwas erkennen. Wo kommen unsere Leute her? Sind vielleicht noch mehr Rettungskapseln erfolgreich geflohen?“, sinnierte Pollon laut.

„Ja, es ist so dunkel, dass selbst unsere Sinne kaum noch klare Bilder vermitteln“, knurrte Selestral. „Egal. Lasst uns absitzen und zur Küste gehen. Mal sehen auf wen oder was wir treffen.“

„Hoffentlich kommt uns dein Optimismus nicht teuer zu stehen“, murmelte Lisan und hatte ein deutliches Unbehagen.

Minute um Minute des Weges vergingen, kamen sie dem Strand näher und hörte man zunehmend Stimmen. Es waren eindeutig keine Menschen und die Sprache verriet, dass es sich tatsächlich um ihre eigenen Leute handelte.

„Hallo?“, rief Selestral schließlich und blieb stehen.

Sie erhielt keine Antwort.

„Hallo?“, rief sie nochmals und man hörte lediglich, dass sich Schritte näherten.

„Wer da?“, kam plötzlich aus einigen Metern die Rückfrage.

„Wer seid ihr?“, hakte Morana nach und wurde etwas ungeduldig, was man ihrer Stimmlage deutlich entnehmen konnte.

„Wenn wir uns weiterhin gegenseitig die gleichen Fragen stellen, sind wir morgen noch nicht fertig“, schnauzte eine aufgebrachte Stimme und wem auch immer sie gehören mochte, sie kam schnellen Schrittes auf die Gruppe zu und baute sich sichtbar auf.

„Sarina?“, fragte Lisan irritiert. „Wie? Was? Wie kann das sein?“

„Danke der Nachfrage, mir geht es gut und auch den anderen“, säuselte sie, war aber sichtlich entnervt.

„Entschuldige bitte, aber wir hatten nicht damit gerechnet, dass nach all der langen Zeit …“

„… noch andere von unserem Volk auftauchen würden?“, vollendete sie den Satz.

Er nickte nur.

„Wie unhöflich von mir. Ich bin Sarina“, stellte sich die ältere Zentauren-Stute den anderen vor.

„Es freut mich, dich kennenzulernen“, entgegnete Selestral.

„Ganz meinerseits. Wer bist du, wenn ich fragen darf?“

„Ich bin Selestral.“

„Sehr erfreut. Aber du kommst mir ungewöhnlich jung und vor allem unbekannt vor“, fuhr die Stute fort.

„Das ist auch richtig so. Du kannst mich nicht kennen, denn ich bin auf Terra geboren.“

„Oh, das erste Kind des neuen Planeten. Na ja, so neu ist er ja leider nicht mehr und was sich hier so abspielt spottet teilweise jeder Beschreibung.“

„In der Tat“, mischte sich Lisan ein. „Selestral ist meine Tochter.“

„Lisan? Das musst du mir erklären. Du warst Alleinstehenden als du mit allen anderen an Bord der Sevetin warst. Wie kommst du zu einer Tochter?“

„Ich muss gestehen, dass ich den Vorzügen einer einheimischen Maya-Frau erlag und aus unserer Beziehung zuerst Zuneigung, dann Liebe und schließlich Selestral wurde.“

„Du warst schon immer für Außergewöhnliches. Wo ist deine Frau?“, fragte Sarina.

„Meine Mutter starb auf der Reise über den Ozean hierher“, antwortete Selestral anstelle ihres Vaters, dem bei dieser Frage die Stimme erstarb.

„Es tut mir Leid das zu hören“, seufzte die Stute. „Aber wer ist denn noch bei euch?“

Lisan befreite sich aus seiner Beklemmung. „Da hätten wir Blox, Pollon, Morana und Chelor. Der Rest von noch 264 Verbliebenen ist im Palast bei Hattusa, der Hauptstadt des hethitischen Reiches.“

„Das bedeutet, dass ihr mit 270 Leuten überlebt habt? Das ist ja fantastisch. Wer sind die Hethiter und wie sind sie?“

„Langsam Sarina, langsam. Du wirst den König und alle anderen kennenlernen. Aber sag an, wie viele seid ihr oder bist du allein?“, hakte Lisan nach.

„Ich? Allein? Aber nicht doch. Wir sind mit einem gekaperten Schiff hierher gesegelt. Die Fahrt dauerte fast zwei Jahre und hat uns die letzten Nerven gekostet.“

„Also das Gleiche wie bei uns“, hub Selestral an. „Nur, dass wir uns ein Floß bauen mussten. Aber mal eine ganz andere Frage. Sind bei euch auch Fremde aufgetaucht. Eine fremde Spezies, welche sich mit einer ebensolchen Kämpfe lieferte?“

„Was meinst du damit?“

„Wir wurden vermehrt Zeugen von Luftkämpfen zwischen zwei verfeindeten, unbekannten Spezies“, führte Selestral aus.

„Davon haben wir nichts bemerkt“, entgegnete Sarina und überlegte. „Dauern die Kämpfe immer noch an?“

„Nicht das wir wüssten. Dafür sind andere Dinge passiert und über die werden wir euch später berichten“, warf Chelor ein und strich sich durch die Mähne.

„Wie viele sind denn auf eurem Schiff? Und vor allem wo kommt ihr her?“, fragte Morana und schaute die Centaurin etwas befremdlich an.

„Wir kommen vom Festland, einem Kontinent nordwestlich von hier. Auf dem Schiff befinden sich fast 400 Cherit“, antwortete Sarina endlich einmal ohne auszuweichen.

„Faszinierend. Aber warum weichst du seit einer ganzen Zeit unseren Fragen aus?“, bohrte Lisan.

„Das liegt daran, dass ich nicht mehr so freizügig mit Informationen hausieren gehe, dass ich zu oft von Menschen unter angeblicher Freundschaft betrogen wurde. Seitdem wir hier gestrandet sind, wurden ich und meinesgleichen gequält, mussten zur Schaustellung herhalten und einige von uns wurden gejagt und getötet.“

„Was? Sag, dass das nicht wahr ist“, grollte Chelor bedrohlich.

„Doch. Das ist es.“

„Es ist also noch schlimmer als ich dachte“, murmelte Selestral. „Ein jeder von uns hat seine Wunden die er trägt, egal wo er auf Menschen traf. Wir werden uns etwas einfallen lassen. Aber Schritt für Schritt.“

„Was habt ihr vor?“, fragte Sarina.

„Einen Teil unseres Versprechens werden wir nicht mehr einlösen. Wir lassen die Grenze unbewacht, sollen die Ägypter kommen, wir sind gewappnet. Ihr kommt jetzt mit uns zum Palast von Muwattalli dem Zweiten. Wir haben einen anderen Teil unseres Versprechens zu erfüllen und das werden wir tun. Zu gegebener Zeit werden wir uns erheben und unsere eigenen Regeln aufstellen, die Menschen wohl oder übel zu Frieden zwingen müssen und vor allem zu Respekt gegenüber anderem Leben“, verkündete Selestral und machte dabei ein entschlossenes Gesicht.

Als die Cherit mit unerwarteter Verstärkung beim Palast eintrafen, wurden sie wie gewohnt mit Freundlichkeit und Gastfreundschaft empfangen.

„Wie ich sehe habt ihr Verstärkung mitgebracht“, verkündete König Muwattalli begeistert. „Ich kann also davon ausgehen, dass wir gemeinsam gegen unseren Feind Ramses ziehen?“

„Ja. Wir werden unser Versprechen einlösen. Allerdings unter einer Bedingung!“, sagte Selestral direkt.

„Die wäre?“, mischte sich Sahurunuwa ein.

„Wir werden unsere eigene Lanze bilden und nicht mit euch gemeinsam antreten.“

„Wie soll ich das jetzt verstehen?“, fragte der Prinz irritiert.

„Ganz einfach. Mit euch rechnen sie, aber nicht mit uns. Wenn wir Seite an Seite mit euch auftauchen, dann wäre der Überraschungseffekt schlagartig verloren“, erklärte Selestral.

„Das klingt durchaus logisch und wird von mir akzeptiert.“

„Dann soll es so sein“, bekräftigte Chelor die Abmachung.

„Einverstanden! Wartet auf das Signal. Es wird nicht mehr lange dauern.“

Ramses II. brütete unterdessen über den Karten und ahnte nicht einmal ansatz-weise, dass er bei seinem Marsch auf Kadesch in eine tödliche Falle laufen würde. Er rechnete nicht mit weiteren Cherit und auch nicht damit, dass die aus Ägypten geflohenen derer, eine wundersame Vermehrung erfahren hatten und er am Ende an mehreren Fronten würde kämpfen müssen.

So gab er zwei Wochen später das Signal und die vier Einheiten marschierten los, setzten sich die Streitwagen in Bewegung.

Unter dem Jubel der Bevölkerung verließ der Pharao in seinem Eigenen, die Hauptstadt Pi-Ramses, zog in Richtung der hethitischen Grenze.

Die Spione der Hethiter hatten ganze Arbeit geleistet, hatten ihren König Muwattalli II. informiert und setzte sich dieser mit 37.000 Mann in Bewegung, verließen diese ihre Forts und näherten sich unaufhaltsam der Grenze.

Die Cherit hingegen hielten sich zurück, bewegten sich zur Küste und bestiegen komplett das Schiff.

Die Segel wurden gesetzt und die Fahrt in der Nähe der Küste begann.

„Wir dürfen nicht zu weit fahren“, betonte Sarina, „und vor allem dürfen wir nicht den Kontakt zum Land verlieren. Es wäre fatal, wenn wir abtreiben. Rigana!“, schrie die Stute einer anderen Centaurin zu, „Halte das Schiff hart am Wind und in Küstennähe. Achte auf Sandbänke und Riffe.“

„Aye, Captain!“, rief diese zurück und lächelte.

„Ihr macht das Ganze scheinbar Spaß“, merkte Selestral an.

„Es ist halt was anderes“, entgegnete Sarina. „Halte dich und deinen Jaguarclan bereit. Wenn wir an Land gehen, dann müssen wir schnell und präzise zu schlagen.“

„Aber sicher doch. Wir halten uns an unsere Abmachung und Ramses II. wird sich wundern.“

„Sehr gut.“

„Wie lange werden wir brauchen?“, fragte die Centaurin, an ihren Navigator gewandt.

„Etwa zwei Tage“, kam die Antwort.

„Das ist verdammt lange“, murmelte Chelor.

„Das ist nichts im Vergleich zur Langsamkeit der Truppen beider Verbände. Während wir den Ägyptern entgegen fahren, hinter ihnen an Land gehen, müssen die Truppen von Muwattalli den Weg aus dem Landesinneren zur Grenze auch erstmal zurücklegen. Wenn es dann zum Kampf kommt, werden wir von hinten angreifen und sie in die Zange nehmen.“

„Klingt nach einem wohldurchdachten Plan“, lobte Blox und lächelte die Stute an.

„Aber sicher doch. Ich bin für solche Ideen bekannt.“

Die Truppen von Ramses II. kamen langsam voran, was nicht an mangelnder Moral lag, sondern eher dem Umstand geschuldet war, dass er sich für brillant hielt, aber trotzdem naiv und kopflos reagierte. Überstürzt und ohne weitere Absprache mit den Anführern der einzelnen Verbände hatte er alles in Bewegung gesetzt was krabbeln konnte. War er der Hoffnung auf einen schnellen Sieg erlegen?

Den Hethitern unter Muwattalli II. erging es nicht anders, auch sie waren kampfeslüstern, wollten um jeden Preis einen schnellen Sieg erlangen, trieb sie der Ehrgeiz voran.

Anders als bei Ramses II. war der Hethiterkönig jedoch umsichtiger und ließ eine Ruhepause nach der anderen einlegen.

„Sahurunuwa!“, rief Muwattalli.

„Mein König!“, antwortete er und kam näher.

„Lass die Truppen ruhen, essen und trinken. Es bringt uns rein gar nichts, wenn wir auf die Truppen des Feindes treffen und unsere Krieger entkräftet sind, nicht mal das Schwert führen können.“

„Ich werde ihren Befehl weitergeben“, erwiderte er und entfernte sich.

‚Irgendwo da vorne bist du. Komm und mach den ersten Schritt, zeig dich‘, sinnierte Muwattalli.

An Bord des Segelschiffes war die Stimmung nicht gerade erbaulich. Die Centauren-Stute Sarina und Selestral stritten immer häufiger aus Nichtigkeiten heraus und deren Gereiztheit übertrug sich schleichend auf alle.

„Wir sollten abwarten bis wir in Sichtweite der Hethiter sind und erst bei Beginn der Kampfhandlungen eingreifen“, wetterte Selestral.

„Das ist Mist!“, schnauzte die Stute zurück. „Wir greifen vorher an und splitten die Truppen somit auf.“

„Dann riskieren wir hohe Verluste, weil die Truppen von Ramses noch ausgeruht sind. Ich bin nicht erpicht darauf unser aller Leben aufs Spiel zu setzen, weil ich ein Versprechen gab.“

„Das ist immer das Problem, wenn man Versprechen gibt. Die Art und Weise sie zu erfüllen liegt im Auge des Betrachters. Hast du kein Kämpferblut in deinen Adern?“

„Doch, aber auch eine gehörige Portion Verstand und der ist dir scheinbar abhandengekommen.“ Selestral wurde langsam, aber sicher, zornig.

„Beruhige dich. So kommen wir nicht weiter“, mischte sich Chelor ein und stellte sich zwischen die beiden. „Wenn du der Meinung bist“, wandte er sich an Sarina, „dass du unbedingt vorher eingreifen willst, dann tu das. Reih dich in die Verbände der Hethiter ein und begleite diese. Dafür musst du aber vorher von Bord.“

Die Centaurin kaute auf der Unterlippe und überlegte eine Weile. „Dann soll es so sein. Setzt uns ab und wir werden gleich hier auf die Truppen von Muwattalli warten. Er soll wissen, dass wenigstens wir Centauren zu einem Versprechen stehen und Seite an Seite kämpfen.“

„Das ist komisch. Als wir uns an der Küste trafen warst du eher zurückhaltend, argwöhnisch und reserviert, von Feigheit, Lug und Betrug der Menschen gezeichnet. Jetzt und wie aus dem Nichts bist du Feuer und Flamme“, setzte Selestral entgegen.

„Vielleicht habe ich mich geirrt und sollte nicht alle über einen Kamm scheren, ihnen nochmal eine Chance geben“, erklärte Sarina.

„Ein guter Schritt, aber sei auf der Hut“, gab Chelor zu bedenken.

„Wir werden aufpassen und jetzt, setzt uns ab.“

„Meinetwegen“, murmelte Selestral noch.

„Segel einholen und anlanden. Die Centauren verlassen das Schiff, der Rest bleibt hier“, schrie die Stute aus voller Kehle.

„Viel Glück!“, wünschte Morana, welche sich beim Streit genähert hatte.

„Danke. Wir sehen uns wieder.“

„Das will ich hoffen“, setzte Chelor nach und wandte sich ab.

„Selestral“, wandte sich Sarina an die Jaguarin, „dir wünsche ich auch Glück. Vergiss den Streit. Wir werden mit den Truppen frontal angreifen und ihr werdet ihnen den Weg abschneiden.“

„Einverstanden! Und schon vergessen“, verabschiedete sich Selestral und lächelte.

„Ramses“, mahnte Ammon-herat, „wir müssen eine Pause machen. Die Truppen sind sonst geschwächt, wenn wir auf den Feind treffen. Und du weißt selbst, dass wir nicht wissen was uns präzise erwartet.“

„Was sollte das schon sein? Ein Haufen von Feiglingen“, schnauzte der Pharao zu-rück.

„Mein Pharao, seid bitte nicht töricht. Ihr vergesst scheinbar die Chittim, die wohl den gleichen Weg nahmen den wir jetzt gerade beschreiten.“

„Ich glaube kaum, dass einer von denen es geschafft hat das Reich der Hethiter zu erreichen.“

„Und was wenn doch? Was ist, wenn die Hethiter sie überzeugen konnten mit ihnen in den Kampf gegen uns zu ziehen?“

„Das würde ich ihnen nicht raten. Die Götter stehen auf unserer Seite. Aber sei es drum. Wir werden eine Rast einlegen. Die Männer sollen sich stärken.“

„Wieder einmal eine sehr weise Entscheidung von euch“, floskelte der Anführer des Ptah-Verbandes. „Alles ablegen, Feuer entzünden, Zelte aufschlagen. Wir machen eine längere Pause“, rief er in die Runde.

Ramses knirschte mit den Zähnen, ihm ging das alles zu langsam. „Re-narat!“, schrie er über die Köpfe seiner Kämpfer hinweg.

Sekunden später war der Gerufene bei ihm „Mein Pharao!“

„Ich wünsche, dass die Pause nicht zu ausgiebig ausfällt. Sie soll angemessen sein, aber nicht ausufern.“

„Wie ihr wünscht. Aber nennt mir den Grund, damit ich es verstehe.“

„Ich möchte in weiter Ferne von unserem Reich auf die Hethiter treffen. So haben wir bei unerwartet stärkerem Widerstand die Möglichkeit sie trotzdem noch vor unserer Grenze zu stoppen.“

„Eine sehr weise Entscheidung“, entgegnete Re-narat.

„Das höre ich ständig.“

„Ihr habt auch stets weise Entscheidungen getroffen.“

„Hör auf mir Honig um den Mund zu schmieren. Ich erkenne eine Schmeichelei und die bringt dich und andere bei mir auch nicht weiter.“

„Ihr habt wie immer recht.“

Ramses seufzte und winkte ab. „Hau ab“, murmelte er lapidar.

Die Centauren waren unterdessen von Bord gegangen, blieben zunächst in Küstennähe, sahen dem ablegenden Schiff hinterher.

„So, wie geht es jetzt weiter?“, fragte Soraya an Sarina gewandt.

„Wir gehen langsam weiter ins Landesinnere, halten uns Richtung Osten. Somit sollten wir eher auf die Truppen der Hethiter treffen und uns mit ihnen vereinigen.“

„Gute Idee. Für Vereinigungen bin ich immer zu haben“, mischte sich Travor ein.

Sarina sah den Centauren-Hengst scharf an. „War mir irgendwie klar. Vor allem, dass das von dir kommt.“

„Danke für die Blumen“, erwiderte der Hengst und grinste süffisant.

„Ich hoffe, dass du noch so grinst, wenn wir ins Gefecht ziehen.“

„Wir haben Blaster, was soll uns schon passieren?“, kam die schnippische Frage.

„Wir haben Schwerter, Pfeil und Bogen und Schilde. Wir werden genauso kämpfen wie die Einheimischen“, schnaubte Sarina.

„Warum das denn?“

„Keine unserer Waffen soll sprechen. Das würde es zu leicht machen und am Ende Begehrlichkeiten wecken, egal ob bei den Ägyptern oder den Hethitern. Außerdem ist es leider immer so, dass man dir eine Waffe auch entreißen kann und dann ist sie im Besitz des Feindes.“

„Hmmm…“, hub Travor an. „Du hast recht. Daran hatte ich nicht gedacht.“

„Dafür bin ich ja da. Während du mal wieder mit dem Hinterleib dachtest, hatte ich mein Blut im Kopf.“

„Einer muss ja an die Arterhaltung denken“, schob Travor nach.

„Das kannst du gerne, wenn wir mit der ganzen Sache hier, durch sind.“

„Ich freue mich jetzt schon.“

„Darauf wette ich“, schnaubte Sarina abfällig.

„Wir ziehen los“, befahl die Stute und zeigte mit der Linken in die entsprechende Richtung.

Ramses durchschritt das Lager und sah sich um. Seine Männer schienen entspannt zu sein und führten lockere Gespräche. Keiner schien sich Sorgen zu machen und diskutierte niemand über seine Entscheidungen oder den bevorstehenden Kampf.

„Re-narat!“, schrie der Pharao plötzlich.

„Mein Pharao!“, kam die direkte Antwort hinter ihm.

Ramses zuckte zusammen und drehte sich um. „Wage es nicht noch einmal dich so an mich heranzuschleichen.“

„Sehr wohl, mein Gebieter. Was ist euer Begehr.“

„Entsende einen kleinen Trupp zu Pferd. Ich will die Lage vor uns beobachtet wissen. Sie sollen sich umsehen und so schnell wie möglich Bericht erstatteten.“

„Wie ihr wünscht“, bestätigte Re-narat und sah sich um, suchte nach drei geeigneten Männern, fand diese und schritt auf sie zu.

„Eh, ihr da“, hub er an. „Für euch ist die Pause beendet. Nehmt drei Pferde, spannt sie von den Wagen ab und reitet voraus. Seht euch um. Der Pharao wünscht einen ausgiebigen Bericht. Schaut nach Truppenbewegungen oder Lagerfeuern. Gebt auf euch Acht und fallt nicht in einen Hinterhalt.“

„Sehr wohl, Heerführer“, kam die Antwort. Wenige Augenblicke später war das Trio in der Dunkelheit verschwunden.

Der Ritt ging über zwei Stunden und nichts war zu sehen oder zu hören. Es gab keinerlei Bewegungen des Feindes.

„Absitzen und langsam weiter“, befahl Sech-mut. „Lasst die Pferde hier stehen. Ich vermute hinter den Felsmassiven die Truppen der Hethiter.

„Sehr wohl.“

Langsam und in geduckter Haltung bewegten sie sich weiter, umrundeten eine ausgedehnte Felsformation.

„Runter!“, herrschte Sech-mut plötzlich. „Wusste ich es doch.“

„Ich sehe sie auch“, flüsterte Men-tare. „Wie viele mögen es sein?“

„Ich schätze, dass sie uns überlegen sind. Zumindest sieht die Ausdehnung des Lagers danach aus. Lasst uns verschwinden und Ramses berichten.“

Der Weg zurück gestaltete sich als schwierig und sollte unangenehm enden.

Waren die drei Reiter unbehelligt bis in Sichtweite des Truppenlagers der Hethiter vorgedrungen, so standen ihnen plötzlich zweihundert bewaffnete Centauren gegenüber.

„Wer seid ihr?“, fragte Sarina scharf.

„Was geht euch das an, ihr Bastarde“, polterte Sech-mut und beging einen schweren Fehler. Nicht nur, dass er sich im Ton vergriffen hatte und Sarina direkt beleidigte, er zog zudem das Schwert und richtete es auf sie.

„Es bedarf keiner weiteren Diskussion. Eure Schwerter sprechen ihre eigene Sprache“, knurrte die Stute bedrohlich.

Das wiederum brachte Trevor auf den Plan. Entgegen Sarinas Weisung, zog er unbemerkt seinen Blaster, aktivierte ihn. Noch ehe die Stute und auch die berittenen ägyptischen Soldaten reagieren konnten, feuerte der Centauren-Hengst und fielen die drei leblos zu Boden.

„Na toll. Wirklich ganz toll“, schrie Sarina ihn an. „Was hatte ich dir gesagt?“

„Es ist niemand weiter da!“, schnauzte er zurück. „Deine Weisung war deutlich. Du sagtest, wenn wir in den Kampf eingreifen. Außerdem konnten wir hier kaum deine unerwünschten Begehrlichkeiten auslösen. Die sind hin und können keinen Schaden mehr anrichten.“

„Du bist …“, hub die Stute an und wurde barsch unterbrochen.

„… jetzt halte mal die Luft an“, mischte sich Iconos ein. „Ich gebe Trevor recht. Er hat nichts falsch gemacht. Die Situation war schnell zu klären durch sein Handeln oder wolltest du es wirklich auf einen riskanten Schwertkampf ankommen lassen?“

Sarina atmete tief durch und schloss die Augen. „Meinetwegen. Auf jeden Fall wissen wir jetzt, dass die Hethiter noch in östlicher Richtung liegen und die Ägypter in westlicher. Wenn ich jetzt richtig vermute, dann dürften die Lager beider Parteien nicht mal mehr einen Tag entfernt voneinander sein.“

„Wir sind also perfekt gelandet. Genau zwischen beiden“, konstatierte Trevor.

„So ist es. Wir ziehen jetzt Richtung Osten und müssten in Kürze mit den Hethitern zusammentreffen.“

„Was machen wir mit den Pferden und ihren Reitern?“

„Wir schicken eine Warnung an Ramses, damit er weiß was auf ihn zukommt. Schnallt die Leichen auf die Pferde und treibt sie zu den Ägyptern.“

„Das wird ein Spaß. Schade, dass wir das Gesicht von Ramses nicht sehen können“, murmelte Iconos vor sich hin.