Kapitel 11

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Prolog 3

Im Verlaufe der nächsten Jahrtausende geschah auf dem Mond Cyndra des Planeten Genro nichts. Der Dornröschenschlaf hielt an und es gab keinerlei unbekannte Bewegungen im Raum, warteten und kontrollierten Seth, Maahes, Sachmet, nebst den Klonen, welche sich in der Anlage auf künstlichem Wege reproduzierten, die Anlagen und standen die Cyborg-Skorpione friedlich schlummernd in den Hallen.

Auf Terra geschah unterdessen wesentlich mehr.

Im Gebiet des Urwaldes entstand die Urzivilisation, welche sich selbst Mayas nannte. Anhand der Beobachtungen der Baukunst der Cherit begannen diese selbst immer größer werdende Gebäude zu errichten. Lediglich die Statik machte ihnen zu schaffen und so stürzten die Bauwerke immer wieder in sich zusammen.

Abhilfe schafften hier Anlagen die in natürlichen Fels geschlagen wurden oder an einem solchen verankert wurden.

Im Bereich des heutigen Ägyptens dehnte sich der Handel immer weiter aus. Die Beziehungen zwischen Menschen und Cherit verliefen zu beiderseitigem Vorteil, die Sprachbarrieren waren verschwunden, Vorurteile komplett abgebaut.

Hinzu kamen Händler der späteren Nabatäer, welche zuvor unter der Bezeichnung der Horiter und Edomiter unterwegs waren.

Ein reger Austausch war die Folge und die Beeinflussung durch die Cherit bis ins Detail kaum noch zu ignorieren.

Im Bereich des späteren Irland und Germanien waren die Abtrünnigen tätig, jedoch in einem gemäßigten Maße. Es entstanden hier im Laufe der Jahrtausende Mythen und Legenden um Waldgötter, Drachen, Einhörner und unheimliche Schattenwesen die plötzlich auftauchen und wieder verschwinden konnten.

Im heutigen Irak, Iran, dem damaligen Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, herrschte hingegen Marduk mit seinem direkten Gefolge.

Mit Blut und Strenge hielt er die menschliche Bevölkerung gefügig, versklavte sie geradezu und trieb sie durch Anleitungen zu technischen Leistungen an, die sie selbst nicht hervorgebracht hätten.

Der berüchtigte Turm zu Babel entstand, sollte für ihn und seine Getreuen als Wohnstätte herhalten, gleichzeitig das Kontrollzentrum werden.

Jedoch hatte er nicht damit gerechnet, dass sich der Unmut der Bevölkerung mehren würde. Letztendlich scheiterte der Bau, wurde das Projekt unfertig abgebrochen.

Tausende Babylonier, wie sie sich nannten, fielen der Willkür Marduks zum Opfer.

Das war der Punkt an dem die systemtreuen Antermerianer eingriffen und zum Frontalangriff übergingen.

Lange genug hatten sie im Stillen dem Treiben zugesehen und sich zurückgehalten, um des lieben Friedens willen.

Kapitel 11

so entstehen Götter und Mythen

vor 3.500 Jahren

Osiris saß im Administratorenstand, überflog anfangs gelangweilt die Anzeigen, ließ seinen Blick jedoch etwas länger auf den Aufzeichnungen der letzten Tage verharren.

<„Osiris an Ptah 673!“>

<„Ich höre!“>

<„Hast du Nachrichten von Terra?“>

<„Unsere verbliebenen Klone beobachten mit wachsender Sorge die Geschehnisse in Marduks Einzugsgebiet. Die Menschen sind unzufrieden und planen einen Aufstand.“>

<„Wie stehen die Chancen, dass sie ihn verdrängen können?“>

<„Quasi bei null. Sie kennen ihn doch. Er war der Anführer des Aufstandes und hat Tausende von antermerianischen Klonen auf dem Gewissen. Meinen sie allen Ernstes, dass ihn ein paar Menschen interessieren? Er hat ein Ziel und das ist ein Prunkbau, etwas Überragendes. Er will sich zu einem Superwesen aufschwingen und scheinbar angebetet werden.“>

<„Sollten wir eingreifen? Ich erwäge zumindest den Gedanken, möchte aber eine unabhängige Meinung.“>

<„Wenn sie mich schon fragen“>, hub der Klon an. <„Auf jeden Fall sollten wir eingreifen. Wenn wir die Kampfinseln nahe an die Erde heranbringen und den richtigen Zeitpunkt abpassen, dann könnte es durchaus passieren, dass der Aufstand der Menschen erfolgreich ist.“>

<„Allerdings müssten wir so vehement zu schlagen, dass die Abtrünnigen nur die Möglichkeit besitzen, sich aus diesem Universum zurückzuziehen.“>

<„Mit allen verfügbaren Mitteln.“>

<„Hmmm…, gut. So werden wir es machen. Gib den Befehl, dass wir den Asteroidengürtel verlassen. Bringt die Byblos und die Attikon so dicht es geht an den Planeten heran. Die Byblos soll über dem Einsatzgebiet bleiben, während die Attikon sich über der westlichen Hemisphäre positioniert.“>

<„Aye, Administrator!“>, bestätigte Ptah 673 und beendete die Verbindung.

<„So war das nicht geplant“>, murmelte Osiris vor sich hin. <„Das hat Konsequenzen.“>

Derweil hatten sich die Cherit auf Terra sehr gut eingelebt, betrieben nicht nur im Bereich des späteren Ägyptens regen Handel, sondern mittlerweile auch mit den aufblühenden Mayas.

Während die Menschen im Bereich des Nils dazu übergingen sich anzusiedeln, den Strom an verschiedenen Stellen zurückstauten, ihre anfangs kleinen Siedlungen vergrößerten und sich nach und nach der Glaube entwickelte, dass die Cherit von den Göttern gesandet worden seien oder sie selbst Götter waren, geschah zwar in der Urwaldregion das Gleiche, nahm jedoch geradezu groteske Formen an.

„Geh zu den Göttern und bitte um ein gutes Jahr“, befahl Bel’har. Er war der Oberpriester der nördlichsten Zweigsiedlung und schaute herrisch auf das junge Mädchen herab.

„Aber was soll ich tun, was wäre die Gegenleistung?“, fragte Min’tau.

„Freunde dich mit ihnen an. Alles Weitere liegt an dir. Solltest du versagen, zurückkehren und das Jahr wird schon am Anfang schlecht, dann wirst du es bereuen“, schnauzte der Alte.

„Wie soll ich das machen? Sie sind Götter?“

„Das liegt an dir.“

„Ich werde gehen, wie ihr wünscht, aber…“, hub sie an, wurde jedoch unterbrochen.

„… dann wäre es für dich besser tot zu sein. Für Fehler wirst du bluten. Sollten uns die Götter nicht gewogen sein, so wird vielleicht dein Opfer sie freundlich stimmen.“

„Das könnt ihr nicht tun? Warum soll ich sterben?“

„Weil die Götter es so wollen.“

„Das kann und will ich nicht glauben.“

„Willst du etwa freveln und der Blasphemie anheimfallen?“

„Nein, Oberpriester. Ich werde gehen und sehen ob mir die Götter gesonnen sind.“

„Sehr gut und jetzt geh und stiel mir nicht noch mehr Zeit mit törichten Fragen.“

Min’tau erhob sich ängstlich und devot, ging verbeugt rückwärts und verließ die Behausung.

Was für ein Schicksal würde sie erwarten? Würden die fremden Wesen, die als Götter angesehen wurden, sie akzeptieren? Würden sie sie zurückschicken und als Opfer preisgeben oder sie in ihre Obhut nehmen und ihrem Stamm ein gutes Jahr bescheren?

Den Kopf voller Fragen, durchschritt sie das Dorf, wurde anfangs von einigen jungen Burschen begleitet, welche sich jedoch mit Annäherung an das Ende der Siedlung verstreuten und zurückkehrten, sie sich selbst überließen.

Es war früher Morgen. Die Sonnenscheibe erklomm mühsam ihren Weg, sandte ihre göttlichen Strahlen und wärmte huldvoll. Der Regen hatte aufgehört und von den dichten Blättern tropfte es hin und wieder auf die Haut des jungen Mädchens.

Sie war gerade erst 18 Jahre alt geworden, noch Jungfrau und ihr stand der Sinn eher nach Leben und nicht nach Tod, in den sie nun sicherlich laufen würde.

Stunde um Stunde ging sie den Weg entlang, kam zu einer Abzweigung. Wenn sie trotzig wäre, würde sie jetzt nach rechts abbiegen und versuchen sich im benachbarten Dorf zu verstecken. Allerdings würde sie dort auffallen, der dortige Oberpriester würde ihr Fragen stellen, sie hätte keine passenden Antworten und schlussendlich wäre sie wieder zurück und bei Bel’har, der ihr nicht nur die Zunge herausschneiden, sondern qualvoll auf dem Altar opfern würde.

So ging sie nach links, setzte einen Fuß vor den anderen. Der feste Weg verlor sich, ging in Erdreich über und schließlich in schmierigen Schlamm. Sie stand inmitten eines laubüberkrönten Platzes und verharrte. Angestrengt begann sie zu lauschen.

Der leichte Wind ließ das Blattwerk rauschen, in der Ferne hörte man das Geschrei der Affen, Insekten summten. Plötzlich vernahm sie ein kehliges Grollen und das Knacken von Ästen.

Sie zuckte zusammen und ging auf die Knie. „Wer ist da?“, fragte mit gebrochener Stimme.

„Steh auf“, kam die Antwort.

Sie tat wie ihr geheißen und richtete sich auf, hob jedoch keinesfalls den Kopf, denn das zeugte von Aufruhr gegenüber den Göttern und geziemte sich zudem nicht für eine Jungfrau.

„Was machst du hier?“, fragte der Fremde.

„Ich soll zu den Göttern gehen und um ein fruchtbares Jahr bitten“, flüsterte sie fast unhörbar.

„Du sollst was?“

„Die Götter anflehen, dass das Jahr erfolgreich wird.“

„Und was, wenn du sie nicht findest?“, fragte die Stimme, diesmal jedoch sehr sanft und versöhnlich.

„Dann werde ich geopfert, um sie milde zu stimmen.“

„Das hat mir gerade noch gefehlt“, seufzte der Fremde. „Und heb den Kopf. Du brauchst dich vor mir nicht zu verneigen.“

„Aber du bist doch bestimmt einer der Götter und es wäre frevelhaft, wenn ich dich ansehe“, sagte Min’tau mit erbebender Stimme.

„Hebe den Kopf, weil ich es so will. Sieh mich an!“

Das junge Mädchen tat worum gebeten ward und ihre Blicke striffen über kräftige Pfoten, lange schmale Beine, starke Oberschenkel, eine fellige Männlichkeit, ausgeprägte Bauchmuskeln, die sich nur schwer unter dem Fell verbergen ließen, eine muskulöse Brust und schließlich über das Gesicht eines Jaguars.

Min’tau stockte der Atem und sie kniete instinktiv nieder.

„Nein, nein, nein!“, knurrte die Gottheit, ging einen Schritt auf sie zu, packte sie an ihren Armen und zog sie hoch. „Was soll das?“

„Es ist mir so befohlen.“

„Und du meinst allen Ernstes, dass du mit diesem Verhalten meine Gunst erwirbst?“

„Ja, aber natürlich“, hauchte sie schüchtern.

Der Anthro-Jaguar legte einen Finger unter ihr Kinn und hob ihren Kopf an. „Du bist hübsch und verdienst es nicht zu sterben. Was soll ich tun? Was erwartest du von mir?“

„Ich weiß es auch nicht. Der Oberpriester Bel’har sagte lediglich, dass ich wissen würde was du erwartest, aber ich weiß es nicht.“

„Na toll. Dann sind wir ja schon Mal zu zweit“, sagte der Jaguar und fing an zu lachen.

Min’tau entspannte sich etwas und versuchte sich zumindest an einem Lächeln.

„Siehst du“, hub die anthropomorphe Raubkatze an, „so wirkst du noch hübscher. Komm mit. Begleite mich etwas und erzähle von dir.“

Im Laufe des entstehenden Gespräches erfuhr der Cherit, das Min’tau ihren acht-zehnten Geburtstag hatte und vom Oberpriester Bel’har in den Wald geschickt wurde, um die Götter zu besänftigen. Bei der Bittstellung ging es um gute Jagden, reichliche Ernten auf den Feldern und vor allem darum, dass der Regen nicht so extrem ausfallen solle, dass er die Siedlungen wegspült.

„Das klingt nach mächtig viel Arbeit für einen einzelnen Gott“, witzelte der Jaguar.

„Aber du bist Tepeyollotl, der Jaguar.“

„Ich bin ein Cherit und komme von sehr weit her. Ein Gott war ich nie und werde ich nie sein. Was immer dieser Tepeyollotl ist, ich bin es nicht. Außerdem heiße ich Lisan.“

„Dann bin ich gescheitert und werde sterben“, entgegnete Min’tau und fing an zu weinen.

„Nein, nein. Das wirst du nicht. Sei unbesorgt.“

„Ich weiß nicht wie ich nachweisen soll, dass ich dich getroffen habe und die Bitte vorbrachte. Außerdem kann ich nicht sagen, dass es dich in Wirklichkeit gar nicht gibt.“

„Du bringst mich in arge Schwierigkeiten. Ich kann nicht das sein, was ich nicht bin.“

„Dann bin ich verloren“, schluchzte Min’tau.

„Hmmm…, wie soll denn der Beweis unseres Treffens aussehen?“

„Ich weiß es nicht genau. Irgendein Zeichen von dir, ein Mal.“

„Du meinst, dass ich dich kennzeichnen soll?“, fragte Lisan entrüstet.

Min’tau nickte und schaute entschuldigend.

„Was für ein Mal?“ Der Jaguar war irritiert.

„Bei den anderen war es so, dass der Gott sich mit ihnen vereinigte und in seiner wilden Lust über den jungen Körper Striemen und tiefe Wunden zog.“

„Was bitte?“, schrie Lisan entsetzt auf. „Ich soll dich entjungfern?“

„Ja. Tue es. Es ist meine Rettung.“

„Du weißt aber schon, dass ich auch nur ein Lebewesen bin und unter solchen Umständen nicht gerade in gewünschte Arbeitslaune komme. Außerdem scheinen die Anderen wohl eher einem eurer wilden Tiere begegnet zu sein und nur durch Glück überlebt haben.“

„Was muss ich tun, um dich umzustimmen?“

„Gar nichts. So geht das nicht. Gehe zurück und sage, dass du mich getroffen hast und ich dir und vor allem eurer Siedlung gesonnen bin. Egal was sie auch sagen, bleib standhaft und sage auch, dass ich dich wiedersehen will.“

„Du willst mich nochmals treffen?“, hub das Mädchen erfreut an.

„Ja. Sehr gern.“

„Wirst du mich dann auch nehmen?“

„Oh bitte. Das entscheide ich nicht jetzt und hier.“

„Ich bin morgen wieder hier und werde jetzt deine Entscheidung überbringen.“

„Ich freue mich. Und bestelle deinem Oberpriester noch folgendes: Wenn du morgen zur gleichen Zeit nicht hier bist, dann wird Tepeyollotl extrem wütend sein und mit dem Krokodil- und Schlangengott auftauchen und die Siedlung verwüsten.“

„Ich werde es ausrichten.“

Einen Tag später, war Min’tau bei bester Gesundheit, zur gleichen Zeit, an gleicher Stelle, aufgetaucht und lächelte Lisan offen an.

„Hallo!“, rief sie von weitem und eilte auf den Jaguar-Anthro zu. „Wie geht es dir?“, fragte sie, als sie vor ihm stand.

„Sehr gut, jetzt wo ich sehe, dass es dir gut geht.“

„Ja. Das ganze Dorf war begeistert von dir und auch mir. Sie freuen sich darüber, dass wir uns häufiger treffen.“

„Ich vermute, dass sie sich sehr viel davon versprechen.“

„Ganz bestimmt“, entgegnete Min’tau.

„Du bist in der Tat etwas Besonderes“, sagte Lisan und hielt den Kopf schief, betrachtete sie ausgiebig.

„Gefällt dir heute was du siehst?“, fragte Lisan plötzlich frei heraus.

„Du hast mir gestern schon gefallen. Ich sagte aber auch, dass ich nicht in der richtigen Stimmung bin, wenn man mich zu bestimmten Sachen zwingt. Außerdem wäre es dein erstes Mal und das sollte auch etwas ganz Besonderes sein und kein stupider Akt unter Mordandrohung.“

„Da gebe ich dir recht.“ Sie betrachtete ihn wieder ausgiebig, schaute intensiv in seine Augen und umarmte ihn.

Lisan wollte erst zurückzucken, aber ließ es schließlich geschehen. Er begann sanft zu murren und schloss Min’tau fest in seine Arme.

„Das ist schön“, flüsterte das Mädchen und kraulte ihm vorsichtig über den Rücken. „Auch wenn du kein Gott bist, so bist du doch mehr als das.“

„Wenn du das sagst“, flüsterte Lisan und atmete tief durch. „Wir sollten uns jetzt aber trennen. Ich muss zurück in unser Lager und du ins Dorf.“

„Nein. Bitte nicht. Es ist gerade so schön mit dir“, maulte Min’tau mürrisch.

„Meinst du nicht, dass du jetzt etwas übertreibst? Ich habe das Gefühl, dass du mich zwar magst, aber dass die physische Vereinigung mit mir nicht aus dir selbst heraus kommt, sondern dass man es von dir jetzt und hier verlangt“, konstatierte Lisan.

Min’tau ließ den Cherit los und trat einen Schritt zurück. „Gestern verlangte man es von mir, aber ich kenne dich mittlerweile besser als du denkst. Jetzt will ich es mehr und mehr.“

„Trotzdem. Wir sollten uns Zeit lassen und du weißt über mich fast nichts. Du weißt nur, dass ich von weit, weit weg hierhergekommen bin.“

„Und das du Lisan heißt und nicht Tepeyollotl, auch wenn das alle im Dorf glauben.“

„Ja und das ist auch schon alles“, seufzte der Jaguar.

„Und dass du ein Männchen bist und als Lebewesen genauso viel Lust und Begierde empfinden wirst, wie der Jaguar als Tier des Waldes, wenn er auf ein williges Weibchen trifft.“

„Du vergisst, dass ich euch Menschen weit mehr gleiche, als diesem Tier.“

„Ich weiß und dem Tier würde ich mich auch nicht hingeben, aber dir.“

„Das denke ich mir. Auch, wenn es wohl vor Urzeiten bei euch anders war.“

„Ja und hin und wieder passiert sowas auch heute noch.“

„Na ja, wenn’s schön macht. Auch das wächst sich noch aus.“

„Das weiß ich nicht“, erwiderte Min’tau arglos.

Lisan lachte laut auf. „Eine fantastische Antwort.“

Das Mädchen schaute ihn verständnislos an, überlegte dann und prustete plötzlich los, als sie den Witz verstand.

Nach einer Weile hatten sich der Jaguar-Anthro und das Maya-Mädchen wieder beruhigt, sahen sich kichernd an. Plötzlich wurde Min’tau sehr ernst, reckte sich dem Kopf des Katers entgegen, packte ihn am Wangenfell und gab ihm einen kurzen Kuss.

„Wofür war das denn?“, fragte Lisan.

„Nur so. Ich wollte es.“

„Das war schön“, erwiderte er, umschlang Min’tau zärtlich und versank mit ihr in mehreren Küssen, welche an Intensität gewannen.

„War das schon alles?“, fragte das Mädchen, trat einen Schritt zurück, streifte langsam ihr Kleid von den Schultern, ließ es fallen und stand nackt, willig und makellos vor ihm.

„Ich glaube jetzt, dass es von dir kommt“, flüsterte er und atmete tief durch. „Du bist wunderschön und ich spüre, dass ich beginne deinem Ansinnen nachzugeben.“

„Das musstest du jetzt nicht sagen“, erwiderte sie. „Ich sehe es bereits“, fügte Min’tau frech an und schaute unverblümt auf Lisans Schritt.

Ihr Anblick, ihre Bemerkung und das eh schon warme aufsteigende Gefühl ließen es mit ihm durchgehen, brachten ihn als Anthro-Kater aus dem Gleichgewicht.

Die nächsten Minuten waren angefüllt mit Wollust, intensiven Bewegungen beider am und im Körper des anderen, heftigen Liebkosungen, zurückhaltenden Beißereien in die Schultern, tiefen Kratzwunden auf den Rücken und schlussendlich mit dem Aufschrei des nunmehr entjungferten Mädchens, welches seinen ersten Höhepunkt erreichte und tief in seinem Inneren den heißen Samen des jetzt laut aufbrüllenden Cherit empfing.

Entkräftet zog sich Lisan aus Min’tau zurück, ließ sich neben sie fallen und sah sie an. „War es das, was du erwartet hattest?“

„Mehr als das und ich würde es immer wieder tun.“

„Du weißt aber auch, dass wir keine Kinder haben werden.“

„Warum nicht?“

„Weil es nicht geht. Wenn ich es dir erklären würde, dann würdest du es nicht verstehen.“

„Versuche es.“

„Meinetwegen“, erwiderte Lisan und erklärte Min’tau ausführlich alles über Genetik, DNA und die unterschiedlichen Entwicklungen von Mensch und Cherit.

„Okay. Du hattest recht. Ich verstehe nichts.“

„Und was machen wir jetzt?“, fragte Lisan.

Statt eine Antwort zu geben, setzte sich die Maya-Frau auf seinen Schoss und schaute ihn auffordernd an. „Genau das“, sagte sie noch kurz und begann sich auf ihm zu bewegen. „Ich will mehr.“

Mehrmals sollte man noch das laute Stöhnen, Brüllen und Schreien von Min’tau und Lisan durch den Urwald schallen hören. Das jedoch nicht nur an diesem einen Tag, sondern über die nächsten Wochen und Monate.

Wider Erwarten fanden die verschiedenen DNAs der beiden zueinander, fand die eigentlich unmögliche Befruchtung einer Eizelle statt und gebar Min’tau 8 Monate und 17 Tage später ein gesundes Mädchen.

Sie wurde im Dorf als ein Geschenk des Gottes Tepeyollotl gefeiert und man behütete sie wie einen Augapfel, war doch ihr Aussehen nicht menschlich, sondern entsprach dem eines aufrechtgehenden Jaguars. So wuchs sie wohlumsorgt auf, war wie ein lebendiger Sonnenstrahl und erhielt von Min’tau den passenden Namen - Selestral.

Dass der Regen stärker ausfiel als gehofft, war unter diesen Umständen mehr als nebensächlich und man befand, dass auch Götter nicht unfehlbar waren, verzieh es ihnen.

Im Bereich des Nils war die Siedlung der Cherit stark angewachsen, wohnten dort mittlerweile nicht nur die Anthros selbst, sondern auch Menschen.

Die Technologie, welche zur künstlichen Reproduktion und zur willkürlichen Rekombination der DNA-Stränge führte, interessierte den humanoiden Teil der Bevölkerung recht wenig. Stattdessen schätzte man die Anwesenheit der ‚Vom Himmel gekommenen‘.

„Guten Morgen, mein Geliebter. Wir haben schon den vierten Duat“, säuselte Neferet-iti Chelor ins Ohr.

„Hallo, meine Wundervolle. Hast du gut geschlafen?“

„Ja. Kein Wunder nach der stürmischen Nacht.“

„Ich gebe wie immer mein Bestes“, erwähnte Chelor und zwinkerte verschmitzt.

„Das habe ich gemerkt. Ich hätte so gern einen Sohn von dir“, flüsterte Neferet-iti.

„Das wird leider nicht funktionieren. Du weißt, wo wir herkommen und dass da nichts laufen wird“, antwortete Chelor und seufzte.

„Ich weiß, aber wir sollten es weiter versuchen.“

„Gerne doch.“

Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Blox erschien im Rahmen. „Hey, raus mit euch. Habt ihr vergessen, dass heute am Hofe von Amenophis IV. großer Empfang ist?“, rief der Gepard aufgeregt.

„Oh je, auch das noch“, stöhnte Neferet-iti. „Der sucht doch wahrscheinlich eh bloß wieder nach einer Frau.“

„Nun ja. Es ist sein gutes Recht sich eine Partnerin zu erwählen. Immerhin ist er der König“, gab Chelor zu bedenken.

„König hin oder Pharao her. Das Problem ist, dass er sich einfach das nimmt, was er haben will. Er zeigt mit dem Finger darauf und schon hat es ihm zu dienen“, knurrte die junge Ägypterin mit hethitischen Wurzeln.

„Sieh es nicht so dramatisch. Immerhin hatte bisher niemand verlangt, dass wir beim Pyramidenbau aktiv helfen sollten. Gut, zugeben, einiges an Hilfe hatte man in Anspruch genommen, … aber nur was die Statik betrifft … und auch erst nachdem die ersten eigenen Versuche schon im Keim erstickten und es nur Mastabas wurden … und dann später die Knickpyramiden bevorzugt wurden, damit das Ganze nicht in sich zusammenstürzt“, protokollierte Blox aus Richtung des Eingangs.

„Deine Zuversicht möchte ich haben“, seufzte die Frau und zog sich an.

„Er wird bestimmt kein Auge auf dich werfen, wenn du in meiner Nähe bleibst“, wiegelte Chelor ab. „Er weiß, dass er uns braucht und wir ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind. Da wird er nichts Unüberlegtes tun. Außerdem braucht er die Hethiter, denn sie sind die Pufferzone zwischen Ägypten und den Assyrern. Er wird sich denken können, dass er verliert, wenn er uns zum Feind hat und die Hethiter ebenso.“

„Das ist natürlich ein Aspekt, den man nicht außer Acht lassen sollte“, warf Neferet-iti ein und lächelte wieder.

Zwei Duat später hatten sich Blox, Chelor, Neferet-iti, Morana, Pollon, und Danira zusammengefunden und waren am Hofe des Königs Amenophis IV. eingetroffen.

„Seid gegrüßt!“, intonierte der Wesir und veneigte sich vor den Cherit.

„Grüße zurück, edler En-ka-nach!“, erwiderte Chelor formeltreu.

„Es freut mich besonders dich zusehen, edle Neferet-iti. Der Pharao wird entzückt sein, dass ihr ihm die Ehre eurer Anwesenheit erweist.“

„Zu viel des Guten, edler Wesir“, wiegelte die Frau ab. „Ich bin nur hier um alte Freunde zu treffen.“

„Aber bitte, gerne doch. Ich werde eure Ankunft sofort Amenophis übermitteln“, erwiderte En-ka-nach und verschwand.

„Hier stimmt was nicht“, murmelte Blox unheilschwanger.

„Vielleicht sollte Neferet-iti verschwinden“, empfahl Morana.

„Ihr plötzliches Fehlen wird auffallen“, knurrte Chelor. „Wie es scheint hatte sie mit ihrem Gefühl wohl recht. Jetzt heißt es Augen zu und durch.“

Plötzlich wurde eine Seitentür aufgerissen und zwei Männer der königlichen Leibgarde erschienen, näherten sich der Gruppe der Cherit und bauten sich vor Chelor auf.

„Chelor von den Cherit! Sie und ihres Gleichen sind hier nicht länger erwünscht. Pharao Amenophi befiehlt den Palast zu verlassen oder sie tragen die Konsequenzen.“

„Ich wünsche eine Erklärung.“

„Seit viel zu langer Zeit werden sie als lebendige Götter angesehen und beeinflussen Wirtschaft, Handel, Soziales und Religion. Damit ist jetzt Schluss. Amenophis wird grundlegende Änderungen herbeiführen.“

„Wir waren nicht scharf darauf als Überwesen betrachtet zu werden. Das waren sie selbst und sie hatten damit seit Ewigkeiten keinerlei Probleme“, grollte Morana scharf.

„Gehen sie jetzt. Es ist nur zu ihrem Besten“, zischte einer der Leibgarde.

„Meinetwegen. Vielleicht ist es wirklich besser, dass wir verschwinden. Neferet-iti, komm wir gehen heim.“

„Nein! Sie bleibt hier und bei Amenophis. Sie ist auserwählt ihm als Gemahlin zur Seite zu stehen.“

„Was bitte?“, fragte Chelor scharf.

„Sie bleibt hier!“, polterte die Leibgarde zurück.

„Das könnte euch so passen.“

Plötzlich zog einer der Männer seinen Krummsäbel und deutete auf die Kehle des Anthro-Löwen. „Ist das jetzt deutlich genug?“

„Ja. Ich glaube, ich habe verstanden. Wir werden jetzt gehen. Aber bestellt eurem Pharao folgendes: Er hat ab sofort die Cherit, Hethiter und Assyrer gegen sich. Er wird verlieren und zu Grunde gehen.“

„Nimm den Mund ja nicht zu voll, du wildes Tier.“

„Komisch, das Gleiche wollte ich gerade dir empfehlen“, murmelte der Löwe, dreht sich weg, ging plötzlich in die Knie, zog den Blaster und schoss einen der Männer nieder.

„NEIN!“, schrie Neferet-iti dazwischen. „Lass es, Liebster! Das hat keinen Sinn und ich will dich nicht sterben sehen.“

Chelor hielt inne, sah auf den getöteten Gardisten und ließ den Blaster sinken.

„Tu mir den Gefallen und geh. Die Wahl ist getroffen und wir beide können nichts mehr daran ändern. Ich werde Folge leisten müssen und mein Schicksal antreten.“

„Nur über meine Leiche“, schnauzte der Löwe.

„Das lässt sich erledigen. GARDISTEN, WIR HABEN EINEN EINDRINGLING!“, schrie die verbliebene Wache.

Nur wenige Augenblicke später betraten vier weitere Personen den Raum und streckten ihre Waffen vor.

„Na schön“, sagte Chelor und drehte sich zu den anderen. „Wir gehen jetzt und verschwinden. Sagt eurem Herrn, dass er es bitter bereuen wird und seine Nachfolger ebenso.“

„Ich liebe dich und werde dich immer lieben!“, wimmerte Neferet-iti leise und warf ihm einen Kuss zu.

„Ich dich auch, für immer und ewig mit meinem Herzen und meiner Seele.“

„GEHT JETZT!“, forderte der Leibgardist nochmals und zeigte auf den Ausgang.

Chelor deutete auf die anderen Cherit und in besagte Richtung, zogen sie zu sechst ab.

„Was hast du vor?“, fragte Blox.

„Wir belassen es dabei. Soll dieser König seinen Willen haben. Aber wir werden das Land verlassen.“

„Wohin willst du gehen?“, hakte Morana nach.

„Wir gehen über die nordöstliche Grenze zu den Hethitern. Vielleicht hat sich dort ein anderer Teil von uns schon angesiedelt und wir können uns überlegen was wir weiterhin tun wollen. Hier, in Ägypten, werden wir jedenfalls nicht mehr glücklich. Nicht mit diesem Pharao.“

„Ja, da gebe ich dir leider recht“, mischte sich Danira ein. „Es ging Jahrzehnte gut, aber mit diesem Amenophis werden wir auf Dauer nicht klar kommen.“

„Eben. Darum packen wir jetzt und ziehen ab.“

Sechs Duat später und somit mitten in der Nacht hatten die Cherit ihre Behausungen verlassen und waren mit gepackten Sachen auf dem Weg zur Grenze ins hethitische Reich.

Im Gebiet der Mayas waren unterdessen Friede und Eintracht beendet.

Es gab mehrere Stämme und Fürsten, welche um die Vorherrschaft kämpften und vor allem ein Ziel hatten, sie wollten die junge Selestral, das Wesen der Götter, in ihren Besitz bringen, waren sie doch davon überzeugt, dass allein ihre Anwesenheit für ewigen Schutz und Erfolg sorgen würde.

Angriffe und Gemetzel waren an der Tagesordnung. Blutige Menschenopfer sollten die nicht in der Nähe befindlichen Götter besänftigen und die Feinde schwächen, mit Krankheiten überziehen.

Allerdings geschah nicht das, was man sich erhoffte. Vielmehr nahm die Entwicklung ganz andere Dimensionen an und überschlugen sich die Ereignisse.

Osiris war mit den Kampfinseln Byblos und Attikon im terranischen Orbit eingetroffen, rückte dem Planeten quasi auf die Pelle und waren beide aufgrund ihrer extremen Abmessungen in tiefster Nacht und am hellsten Tage deutlich zu erkennen. Hatten die Formen von Pyramiden, welche einen gigantischen Felsbrocken zierten.

Die Ägypter schauten in den Himmel und glaubten an ein göttliches Zeichen, waren fest davon überzeugt, dass die verschwundenen Cherit damit in Zusammenhang stehen würden und sie dem neuen Königspaar, bestehend aus Amenophis IV., welcher sich jetzt Echnaton nannte und seiner Gemahlin Neferet-iti, welche jetzt Nofretete hieß, ihren Segen geben wollten.

Anders als an ein gutes Zeichen der Götter, glaubten die Babylonier an das Signal zum Sturm gegen Marduk und sein Gefolge.

<„Ptah 764, hier Osiris! Start frei für alle Staffeln.“>

<„Aye, Sir! Befehl verstanden und weitergeleitet.“>

Wenige Minuten später schwärmten 25.000 Kampfgleiter aus, stürzten der Oberfläche des Planeten Terra entgegen und flogen zielstrebig in Richtung Babel, wo sich der Hauptsitz von Marduk und den anderen Abtrünnigen befinden sollte.

<„Hier Staffelführer Sachmet 1200. Ziel fixieren und Angriff beginnen.“>

<„Staffel Alep hat verstanden, Ziel aufgefasst.“>

<„Darlets! Hier Staffelführer Maahes 2600, folgt mir zum Turmbau. Wir äschern das Hauptquartier ein. Vielleicht reicht das schon.“>

<„Aye, Staffelführer!“>, kam die Bestätigung eines anderen Löwen-Klons.

Innerhalb von Minuten ward der Himmel über der Hauptstadt des babylonischen Reiches angefüllt mit unzähligen Gleitern, welche das Feuer zielgenau eröffneten, wurde der mystische Turm zu Babel zunächst an der Spitze getroffen.

Dutzende abgesprengter Trümmer stürzten weitläufig zu Boden, rissen Marduk aus dem Thronsaal, ließen ihn ins Freie stürmen.

Als er gewahrte was sich abspielte, konnte er seinen Augen kaum trauen. War sein Plan gescheitert den Waffenstillstand in den nächsten Jahren von sich aus zu been-den gescheitert und die systemtreuen Antermerianer ihm zuvor gekommen.

Wutschnaubend rannte er wieder ins Gebäude, verschanzte sich im Kommunikationsraum und aktivierte den Notsender.

<„Hier Marduk 02! Höchste Priorität auf Frequenz 0101. An alle die mich hören! Wir werden angegriffen. Sofort alle verfügbaren Piloten in die Kampfgleiter, radiert die Systemtreuen aus.“>

<„Cernunos hier! Ich höre dich. Was genau ist bei euch los?“>

<„Mein Turm wird gerade in Schutt und Asche gelegt. Die verdammten Menschen haben eine Aufstand angezettelt und nutzen die Gunst der Stunde.“>

<„Hmmm…, hier ist alles ruhig. Aber, wenn es dein Begehr ist, dann werden wir starten.“>

<„Du dämlicher Hirsch! Beweg deinen Arsch. Ich bin euer König, ich bin der Gott der Götter und wenn ich Hilfe brauche, dann habt ihr zu springen. Der Turm ist das Zentrum meiner Macht, meines unendlichen Einflusses über diesen Planeten und über alles was darauf existiert.“>

<„Ich lasse ein paar Gleiter aufsteigen und schaue bei mir nach dem rechten. Du hast deine eigenen Staffeln. In diesem Tonfall spiele ich nicht mit.“>

<„Hier Odin“>, mischte sich eine dumpfe Stimme ein. <„Im Bereich des Nordens ist alles ruhig. Vielleicht hättest du dir eine bessere Strategie überlegen sollen.“>

<„SEID IHR ALLE DES WAHNSINNS!?“>, schrie Marduk entsetzt. <„Diese widerliche humanoide Landplage lehnt sich auf.“>

<„Mag sein. Aber sei beruhigt, wir werden hier schon alles im Griff behalten“>, entgegnete Cernunos und beendete die Kommunikation.

<„An alle Staffelpiloten! Sofort starten! Das ist ein Befehl! Zerstreut den Feind, vernichtet ihn, tilgt die Menschen von der Oberfläche, egal wo ihr sie findet. Ich will diesen Planeten.“>

<„Hier Staffelführer Fenrir 160! Wir tun was wir können, aber der Angreifer ist uns zahlenmäßig überlegen.“>

<„Ich will keine Ausreden hören. Lenkt ihn zur Not ab. Seht zu, dass ihr einen Teil ablenkt und in andere Teile des Planeten hinterzieht. Am besten in den Norden und weit nach Südwesten zur dortigen Landmasse.“>

<„Verstanden! Das sollten wir hinbekommen. Fenrir 160, Ende!“>

Minuten später löste sich das Kampfgetümmel über dem Turm und Babel selbst, einigermaßen auf. Die Kampfgleiter der Marduktreuen hatten es geschafft und mehrere tausend Gleiter zu einer Verfolgungsjagd aufgehetzt.

Jetzt flogen mehrere Schwärme in Richtung des heutigen Nordeuropas, verlagerten sich die aggressiven Handlungen über die Gebiete des späteren Norwegens, Dänemarks, Finnlands, Deutschlands, Frankreichs, Polens und der Benelux. Ein anderer Pulk zog über den heutigen Atlantik in Richtung Südamerika und damit ausgerechnet in das Gebiet der Mayas und Cherit, in die Region in welcher sich eh schon ein Kampf ereignete.

Noch während die einzelnen Dörfer und Stämme im Clinch lagen, es tödliche Auseinandersetzungen gab, jeder der jungen Anthro-Jaguarin namens Selestral habhaft werden wollte und damit die göttliche Gunst auf seiner Seite hoffte, sollte sich unvermittelt die Zahl der Toten summieren.

<„Staffelführer Sachmet 890. Egal wie ihr es anstellt, vernichtet die Abtrünnigen. Osiris will, dass sie endgültig verschwinden.“>

<„Aye! Wir brennen sie runter!“>

In die Gleiter kam eine scheinbar unkontrollierte Bewegung. Jeder jagte jeden, wurden Verfolger zu Verfolgten und umgekehrt. Ein Schiff nach dem anderen ging in Flammen auf und explodierte, stürzten Trümmer in den Urwald, entfachten Brände.

Die Maya-Stämme, soeben noch in ihre eigenen Fehden verstrickt, sahen zum Himmel, erblickten wie sich himmlische Objekte umkreisten, sich gegenseitig vernichteten und in Feuerbällen zu Boden gingen.

Bedingt durch ihre Unkenntnis, gerieten sie in Panik, ergriffen die Flucht, zählte jetzt nur noch das eigene Überleben, hatten die Götter scheinbar ein Zeichen gesandt, waren diese durch ihre eigene Schuld selbst in einen Kampf gezogen.

Selestral nahm ihre Mutter bei der Hand. „Komm mit. Ich weiß was zu tun ist. Wir können hier nicht mehr bleiben und müssen fort.“

„Wohin sollen wir?“, fragte Min’tau weinend.

„Weg von hier und ich weiß auch wohin. Folge mir einfach.“

Die ansässigen Cherit hatten das Drama auch erkannt und ihrerseits Maßnahmen ergriffen. Als sie ihre Behausungen verließen, ihre Sachen geschultert hatten und sich auf den Weg in Richtung östlicher Küste aufmachten, erschien Selestral mit ihrer Mutter.

„Lisan!“, schrie sie.

Der Anthro-Kater stutzte kurz und kam auf sie zu gerannt. „Selestral, meine Tochter und Min’tau, meine Gefährtin. Was ist passiert? Wo wart ihr solange? Wer hat euch von mir ferngehalten?“

„Vater, es ist aus. Alles ist aus. Die Stämme bringen sich gegenseitig um und was immer da oben auch passiert, es löscht die verbliebenen Rest aus. Unser Oberpriester Bel’har hatte uns festgehalten und ist wie von Sinnen.“

„Ihr kommt mit uns! Wir verlassen das Land und suchen einen neuen Ort.“

„Dann soll es so sein, aber was ist mit den Anderen?“

„Denen kann keiner mehr helfen, auch wir nicht“, erwiderte Lisan traurig.

„Das ist das Ende unseres Volkes.“

„Es ist nicht der Willen der Götter. Was immer es ist, es ist nicht gegen euch gerichtet. Scheinbar ist dieser Planet Schauplatz anderer Kräfte und Mächte geworden.“

„Wir werden es später überliefern und eine Warnung geben“, konstatierte Selestral und nickte kurz.

„Gut! Brechen wir auf. Wir haben keine Zeit mehr“, rief Talora dazwischen. Die stattliche Anthro-Jaguarin zeigte in eine unbestimmte Richtung und legte dabei einen energischen Blick auf. „Beeilt euch gefälligst!“

Im Bereich des alten Ägyptens waren die Cherit aufgebrochen und hatten das Land verlassen, waren auf dem Weg zur hethitischen Grenze, in der Hoffnung dort ein neues zuhause zu finden. Waren auf dem Weg ins Ungewisse und ahnten nicht einmal ansatzweise, dass sie in weiterer Folge den einen großen und entscheidenden Schritt machten, der später in die Geschichtsbücher eingehen sollte und ansatzweise sogar in veränderter Form in heiligen Schriften beschrieben würde.

Echnaton stellte unterdessen fest, dass sich der Körper seiner Gemahlin Nofretete veränderte. Sie wurde rundlicher, vor allem im Bereich des Unterleibes.

„Meine Gemahlin“, hub er an. „Kann es sein, dass mein Beiwohnen erfolgreich war und du mir einen Sohn schenkst, den zukünftigen König über das ägyptische Reich?“

„Wie es mir scheint ist es so, mein König“, antwortete sie kurz und knapp. Allerdings wusste sie es besser, hatte sie sich doch von Chelor sehnlichst ein Kind gewünscht. Nachwuchs, der ihre Liebe untermauert hätte. Trotz seiner Absage aus Gründen, die nur er verstand. Ihr diese zwar erklärt hatte, aber da hätte er einem Steinzeitmenschen die Funktionsweise eines Farbfernsehgerätes beschreiben können.

Trotz aller aufgeführter Gründe war es wohl doch passiert und sie trug nunmehr ihr gemeinsames Kind unter dem Herzen. Beunruhigend war für sie nur der Gedanke darüber, wie das Neugeborene wohl aussehen würde. War es wie sie, ein Mensch oder sah es eher so aus wie Chelor und war ein aufrechtgehender Löwe? Damit wäre er göttlicher im Antlitz als der Pharao selbst, aber Echnaton bestimmt nicht sonderlich begeistert, wenn er ihn zum ersten Mal sehen würde.

Nichts destotrotz, war Echnaton erfreut über diese schnelle Entwicklung, stellte jedoch fest, dass ihn etwas umtrieb. Zunächst wusste er nicht, was es war, hatte er doch die Cherit erfolgreich aus seinem Reich vertrieben.

Aber je mehr er nachdachte, umso mehr kam ihm der Gedanke, dass er die falschen Götzen ausmerzen müsse. Zu lange hatten seine Vorgänger die aufrecht-gehenden Tiere als Götter verehrt, hatten sogar Handel mit ihnen getrieben, waren von ihnen geradezu besessen. Außerdem war ihnen ein Dorn im Auge, dass sich mehrere Männer und vor allem Frauen den Fremden an den Hals geworfen hatten und mit ihnen unheilige Verbindungen eingegangen waren.

Es wurde Zeit etwas entscheidend zu verändern.

So reifte die Idee einer grundlegenden Reform des ägyptischen Glaubens. Die Vielgötterei, welche sich zwar schon vorher breitgemacht hatte, aber durch die Cherit noch forciert worden war, musste enden. Einzig und allein der Tag und die Nacht waren für die Ägypter maßgeblich und kein Löwe, keine Hyäne oder sonst ein Tier.

So rief er im Jahre 1348 v. Chr. aus, dass es ein Ende gebe für die Priesterschaft. Es solle nur noch einen Gott geben, den einzig wahren Aton. Mit Bekanntgabe seiner Entscheidung rechtfertigte sich automatisch seine Namensänderung von Amenophis zu Echnaton, den von Aton auserwählten.

Als ob das noch nicht ausreichend gewesen wäre, ließ er Tempel schließen, verdammte die Priesterschaft der verschiedenen Götter ins Schattendasein und verbot die öffentliche Ausübung der Anbetungen, stellte sie als Ketzer dar.

Niemals wieder sollte je ein Ägypter den falschen Göttern huldigen und um dies zu bekräftigen, ließ er eine zweihundert Mann starke Truppe zusammenstellen, gab den Befehl die Cherit zu finden und sie zu töten.

Die einhundertfünfzigköpfige Gruppe um Lisan, Selestral und deren Mutter Min’tau, erreichte nach tagelanger Flucht die Küste des Atlantiks.

„So“, hub Selestral an, „da wären wir und jetzt?“

„Wir müssen über das große Wasser“, verkündete Min’tau und schaute erwartungsvoll in die Runde.

„Das ist alles sehr schön, aber …“, hub Lonfar an und verstummte.

„Was überlegst du?“, fragte Lisan.

„… ich habe eine Idee“, setzte er fort. Der Jaguar baute sich demonstrativ vor einem der Bäume auf. „Wie wäre es mit einem gigantischen Floß?“

„Gute Idee. Dann sollten wir allerdings schnell mit den Fällarbeiten beginnen, sonst wird das nie was“, entgegnete Lisan.

„Dann mal los. Wie groß stellst du dir das Ganze vor?“, fragte Selestral.

„Wir müssen die Stämme in fünf Lagen untereinander packen und verschränken, dann brauchen wir ein Steuerruder und als Antrieb werden wir den Wind nutzen. Kommt also noch ein Segel am Baum oben drauf. Die Fläche würde ich auf dreihundert Quadratmeter ansetzen“, antwortete er.

„Das klingt nach einer riesigen Aufgabe“, seufzte Min’tau.

„Keine Sorge Mutter, wir schaffen das“, beruhigte Selestral.

„Fangen wir an und stehen nicht sinnlos rum. Ach, ich sehe in einiger Entfernung kleinere Boote. Die nehmen wir auch mit, denn sicher ist sicher. Ich mag nicht, dass man uns folgt. Außerdem können wir mit den Booten das Floß notfalls ziehen und noch besser manövrieren.“

„Perfekt!“, rief Lisan und klatschte in die Hände. „Auf geht’s!“

Durch die Kämpfe der Abtrünnigen und der systemtreuen Antermerianer waren die Dörfer und größeren Ansiedlungen der Mayas komplett ausgelöscht worden, existierten nur noch einzelne versprengte Reste der einstigen Hochkultur, hatten sich diese in massive Pyramiden und Tempelanlagen zurückgezogen.

Später sollte man die Inschriften und Steinmetzarbeiten finden, welche von einem Luftkampf der Götter zeugen würden, die Hoffnung auf die Rückkehr der echten Götter zeigten und sich das Rätsel ergeben sollte, warum die Mayas plötzlich spurlos verschwanden.

Im Bereich des babylonischen Reiches, waren Marduk und sein Gefolge aus dem Turmbau geflohen, flüchteten sie zu ihren Fähren, bemannten diese und verließen den Planeten Terra.

Der Aufstand der Einheimischen, gepaart mit den unvermittelten Angriffen der systemtreuen Antermerianer und dem Auftauchen der beiden Kampfinseln Byblos und Attikon, hatte den gewünschten Erfolg.

Marduk war außer sich vor Wut. „WIE KONNTE DAS PASSIEREN?“, schrie er.

„Ich weiß es nicht“, brüllte Fenrir aufgebracht.

„Das war mir klar. Ihr wisst ja nie etwas“, schnauzte der selbsternannte Gott.

„Jetzt halt die Klappe“, ging C’thulu dazwischen und wedelte aufgeregt mit seinen Tentakeln. „Gib nicht uns die Schuld. Du bist derjenige, der immer das Sagen hatte, der sich als die Nummer Eins darstellte und nichts und niemanden um Rat gefragt hat. Jederzeit warst du derjenige der alles und jeden kontrollieren wollte. Jetzt hast du die Quittung. Du bist echt ein Idiot.“

Marduk sah den Tintenfisch wütend an, bekam einen noch schärferen Blick und stürzte sich auf ihn.

Die Prügelei war gepaart mit lauten Schreien, vulgären Beschimpfungen und dem schmatzenden Geräusch von Fangarmen, getroffenen Weichteilen und schließlich umherspritzendem Blut.

Fenrir stand daneben, verschränkte die Arme vor der Brust und beobachtete das Treiben. Nach zehn Minuten und der Einschätzung, dass es so nichts wird, ging er dazwischen, packte C’thulu an einem seiner Arme und zog ihn aus der Ziellinie.

„LASST DEN SCHEISS“, schrie er. „Was meint ihr, wem ihr mit dem albernen Geha-be nutzt? Lasst uns die Transferebene aufbauen und in der Phasenverschiebung verschwinden. Wir werden zurückkehren, wenn es an der Zeit ist. Verdammt nochmal, wir haben einen Systemvernichter.“

Marduk schnaufte außer Atem und kratzte sich am Kopf. „Vielleicht hast du recht. Aber eins sage ich dir noch, pass auf mit dem was du machst und du, du beklopptes Schleimvieh“, er schaute C’thulu verächtlich an, „wirst deine Tentakeln noch allesamt verlieren, wenn du es nochmals wagst mich so anzugehen.“

„Vielleicht wäre es besser, wenn du mal nachdenkst und nicht nur den Besserwisser spielst“, spukte der.

„Lasst uns zurückkehren und die Wunden lecken. Wir werden hier später wieder auftauchen und dann ein Infernal starten. Egal was diese Menschen auch entgegen-zustellen haben, sie werden scheitern und sterben der uns dienen.“

An der Atlantikküste, waren die Arbeiten nach einer Woche abgeschlossen, hatten sich die Cherit der Boote bemächtigt, dass fertiggestellte Floß, welches eher einer schwimmenden Holzinsel glich, ins tiefere Wasser gezogen.

„Und jetzt lasst uns hier verschwinden“, intonierte Selestral und schaute in erwartungsvolle Gesichter.

„Wohl an!“, bestätigte Lisan und lächelte. „Folgen wir unserer Anführerin.“

„Du Depp“, murmelte die Jaguarin und schüttelte den Kopf.

„Oh doch. Du bist der geborene Anführertyp und eine Mischung aus Mensch und Cherit, vereinst alles in dieser Welt.“

„Wenn du das sagst. Los jetzt!“

Wenig später waren die Boote besetzt, das Floß mit allen Aufbauten bereit und begann die Fahrt über hohe See ins Ungewisse. Das Ziel lag irgendwo da draußen, immer geradeaus, in östlicher Richtung.

Die anderen Cherit um Morana, Blox und Chelor hatten die ägyptische Grenze hinter sich gelassen, wussten nichts davon, dass hunderte Mann hinter ihnen her wa-ren.

So schritten sie gelassen voran und fingen an, sich eine geeignete Wasserstelle zu suchen.

„Wir sollten so langsam, aber sicher, mal rasten und ich schlage außerdem vor, dass wir tagsüber ruhen und des Nachts wandern“, merkte Blox an.

„Du hast recht. Tagsüber ist es fast unerträglich. Suchen wir nach Wasser“, bestätigte Chelor.

„Ich glaube, dass ich da etwas sehe“, murmelte Morana plötzlich.

„Wo? Ich sehe nichts“, sagte Danira.

„Na, da. Da hinten.“

„Ich sehe nur eine Luftspiegelung“, mischte sich Lenarion ein.

„Ihr Löwen seht aber auch nur, was ihr sehen wollt, oder?“, knurrte Morana.

„Ganz vorsichtig, Hyäne“, erwiderte Lenarion gespielt getroffen.

„Bleibt mal ganz entspannt“, rief Chelor dazwischen. „Ich höre etwas.“

Sie lauschten angespannt und tatsächlich schien sich etwas zu nähern, wurde das Geräusch lauter, erschienen hinter einer der Dünen plötzlich vier Reiter zu Pferd.

Eine Zeit lang standen alle nur da, betrachteten einander und versuchten sich an einer Einschätzung der Lage. Schließlich kamen die Pferde näher und stoppten endgültig.

„Salem!“, sagte einer der Reiter.

„Salem! Wir sind auf dem Weg in eine neue Heimat, kommen aus Ägypten.“

„Ihr sprecht gar wundersam, aber anteilig kann ich euch verstehen. Ihr kommt aus Ägypten, seht aber nicht gerade nach einem Spähtrupp aus, ganz zu schweigen ägyptisch.“

„Spähtrupp? Ich verstehe nicht ganz“, erwiderte Chelor.

„Wie es mir scheint wisst ihr nichts von den Ärgernissen zwischen uns Hethitern und dem Pharao, aber das ist eine lange Geschichte.“

„Oh. Das ist mir in der Tat entgangen“, floskelte Morana.

„Es sieht danach aus. Außerdem ist euer Äußeres ebenso wundersam. Aber seid beruhigt, wir hörten schon von euch und vor allem vom Ungemach zwischen Amenophis und einem Chelor. Ist er bei euch?“

„Du sprichst gerade mit ihm“, entgegnete der Anthro-Löwe.

„Es freut mich dich kennenzulernen. Ich bin Prinz Sahurunuwa und angehender Heerführer unter meinem König Muwattalli dem Zweiten. Willkommen im Reich der Hethiter. Folgt mir.“

So zog der Treck los und machte sich auf den langen Marsch nach Hattusa, der Hauptstadt des Königreiches.

Die Pferde der drei menschlichen Begleiter wurden von diesen geführt, während sie zu Fuß und zu Pfote unterwegs waren. Das machte die Gruppe wesentlich langsamer und die Rast an der nächstgelegenen Oase, wie die Einheimischen die Wasserstelle nannten, brachte die Truppe von Echnaton einen entscheidenden Schritt näher an das Ziel.

„Wir zünden ein Feuer an“, verkündete Sahurunuwa und deutete auf seine beiden Begleiter. „Sammelt Holz und anderes brennbares Material. Die Nacht wird wieder sehr kühl, außerdem möchten wir in der Finsternis nicht gerade ungebetenen Be-such bekommen.“

„Ja, Erhabener“, antwortete einer der beiden und sie trollten sich.

„Was hat es mit Amenophis dem Vierten und euch auf sich?“, fragte Morana neugierig.

„Setzt euch doch erst einmal, dann berichte ich.“

„Danke, wir nehmen das Angebot sehr gerne an“, entgegnete Chelor und setzte sich. Morana, Blox und Pollon zögert etwas, aber taten es ihm schließlich gleich.

Wenige Augenblicke später kehrten die beiden königlichen Begleiter zurück, schichteten mehrere Lagen Brennmaterial auf und entzündeten ein Feuer.

„So“, hub Sahurunuwa an, „jetzt lasst mich beginnen. Ich deutete ja an, dass es eine lange Geschichte wäre, aber ich werde es relativ kurz halten.

Wir Hethiter lebten mit den Ägyptern in der Regel in Frieden. Es gab und gibt hin und wieder das eine oder andere Geplänkel, aber es ist nichts was ehrenrührig wäre. Auf jeden Fall ging das eine geraume Zeit gut und keiner der Pharaonen fühlte sich bemüßigt bei uns einzufallen. Allerdings sind in unseren Reihen immer wieder Spione aufgetaucht, wurden enttarnt und entsprechend vom Leben zum Tode befördert. Die Vielzahl dieser Vorkommnisse lässt uns darauf schließen, dass sich etwas Größeres zu entwickeln scheint und diesem Amenophis der jetzt das Zepter führt, trauen wir keinen Schritt. Allein schon die Tatsache, dass er sich jetzt Echnaton nennt, den Göttern abschwor und euch zu Feinden erklärte, lässt uns aufhorchen.

Daher ist unser Zusammentreffen kein Zufall, sondern Vorhersehung.“

„Dann ist alles zu unserem beiderseitigen Vorteil und wir haben von euch nichts zu befürchten?“, fragte Blox frei heraus.

„Ganz im Gegenteil. Wir freuen uns, euch zu begrüßen. Außerdem muss ich euch berichten, dass unser Spähtrupp herausgefunden hat, dass Neferet-iti ein Kind erwartet.“

Chelor schnürte es die Kehle zu und Morana sah ihn traurig an.

„Hmmm…, es ist zu spät, um darüber nachzudenken“, murmelte er. „Es war ihre Entscheidung und sie hielt es für besser, sich zu fügen.“

„Sie hat euch das Leben gerettet, genauso wie es jetzt gerade unsere Truppen tun. Echnatons Truppe, die euch töten soll, ist gerade unglücklicherweise in einen Hinterhalt geraten und verliert ihr Leben.“

„Wie ich sehe, habt ihr für alles gesorgt“, sinnierte Blox.

„In instabilen Zeiten kann man nicht vorsichtig genug sein“, erwiderte Sahurunuwa und lächelte zweideutig.

„Was erwartet ihr jetzt von uns?“, fragte Chelor.

„Im Moment nichts, aber wenn es hart auf hart kommt, werden wir auf eure Hilfe zurückgreifen.“

„Sehr gerne.“

„Gut. Wir haben Proviant dabei. Greift zu, meine Freunde.“

„Das tun wir gerne und teilen unseren auch mit euch.“

„Auch wir nehmen dankend an.“

Tatsächlich waren zu diesem Zeitpunkt die hinterher geeilten Soldaten der Ägypter, in einen hethitischen Hinterhalt geraten und waren in einem kurzen, aber heftigen Geplänkel anteilig getötet worden. Der überlebende Rest zog den nicht vorhandenen Schwanz ein und flüchtete zurück nach Amarna, um dem Pharao zu berichten.

Außer sich vor Wut, nahm er die Schmach zur Kenntnis und schwor Vergeltung, zwar nicht sofort, denn damit könnten die Hethiter ja rechnen, aber zu gegebener Zeit und dann mit solcher Wucht, dass das ägyptische Reich sich alles zurückholen würde, was diese ungläubigen Tiere ihnen geraubt hatten.

Wenige Wochen später.

Bei Nofretete war es soweit, erschienen die Hebammen, wurden die Geburtssteine gerichtet und die Niederkunft erwartet.

„Lasset Echnaton wissen, dass sein Sohn das Licht der Welt erblickt und somit ein neuer Gottkönig geboren wird“, rief der Wesir und schickte eine der Leibwachen zum Pharao.

Der ließ jedoch auf sich warten, hielten ihn dringende politische Geschäfte von der Geburt fern. Intensive Gespräche mit seinen Heerführern nahmen seine volle Aufmerksamkeit in Anspruch, plante er einen massiven Schlag gegen Muwattalli II.

Nofretetes Niederkunft kam da mehr als ungelegen und musste warten.

Als er Stunden später eintraf, war sein Sohn bereits auf der Welt, lag in den Armen der Königin und schlief.

„Er ist der lebende Gott Ammon und mein Sohn. Er wird der neue Regent und Ägypten zu neuer Blüte führen“, verkündete er voller Stolz.

„Ja, mein Gemahl, sein Name soll dir und Ammon zu ehren, Tutanchamun lauten.“

„Ein gebührender Name für meinen Nachfolger.“