Kapitel 25
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Kapitel 25
dunkle Vergangenheit
Auf Genro waren die Kampfanthros aus dem nicht vollendeten Tunnel der Ebene -20 zurückgekehrt und schauten ziemlich befremdet drein, als sie Isis ansichtig wurden.
„Wer bitte ist das denn?“, fragte Tripal interessiert.
Die Antermerianerin antwortete für sich selbst. „Mein Name ist Isis und erfreut dich und die anderen kennenzulernen.“
„Oh. Hoher Besuch“, warf Callisto ein.
„Nein. So hoch nun auch wieder nicht. Aber sagt an, was habt ihr gefunden? Ihr ward immerhin sehr schweigsam“, wandte sich Cyron an Sadral.
„Nichts. Der Tunnel endete nach fünf Kilometern, scheint nicht fertiggestellt worden zu sein.“
„Ich werde aus dem Ganzen nicht mehr schlau“, murmelte Kira etwas abwesend. „Nach dem was ich hier finde, sollte der Tunnel nach Sabeth führen und eine Länge von 220 Kilometern haben. Zumindest sollen auf Sabeth Anlagen über und unter dem Boden liegen.“
„Dann nehmen wir uns ein paar Gleiter und fliegen rüber. Immerhin hat von Sabeth aus, irgendetwas Zurok schon mehrmals Besuche abgestattet.“
„Wisst ihr was darüber?“, fragte Cyron an Isis gewandt.
Isis schaute nachdenklich jeden einzelnen der Anwesenden an, dann zu Cyron, straffte ihre Statur und nickte schließlich.
Hadron atmete tief durch und begann finster zu grollen. „Wie wäre es, wenn ihr endlich mal die ganze Wahrheit auf den Tisch packen würdet und uns nicht mit Häppchen füttert.“
„Nun gut. Das wird jetzt sehr unangenehm. Aber sei es drum ...“, hub die An-termerianerin an.
„Wir sind ganz Ohr und diesmal bitte jedes Detail“, ging Chiron dazwischen.
„... Vor 300 Millionen Jahren entwickelte sich innerhalb der Antermerianer eine Strömung. Eine Strömung, welche erst unbemerkt blieb, aber nach und nach immer mehr Anhänger gewann. Es handelt sich dabei um Klone. Es sind Klone von Klonen. Zu dieser Zeit waren wir zwar schon extrem fortschrittlich, aber es schlichen sich immer wieder Fehler in den DNA Sequenzen ein. Diese potenzierten sich und ab einer gewissen Fehlerquote fiel der Klon ganz aus. Ich und auch die anderen Antermerianer sind die Originale. Wir altern nicht, unsere Körper und auch das Gehirn sind keinem Verfall preisgegeben. Unser Wissen umfasst sehr viele Teile der Universen, ebenso haben wir auch das Wissen unserer Urahnen. Wir entwickelten eine Technologie, die es uns ermöglicht auf das Wissen und die Erkenntnisse unserer gesamten Gesellschaft zuzugreifen.
Wir tragen Implantate im Gehirn die es ermöglichen auf einen zentralen Rechner zugriff zu erhalten. Alles was ein Antermerianer im Laufe einer Woche erlebt wird am Ende dieser relativ kurzen Zeitspanne auf eben diesen Rechner hochgeladen, gespeichert und nach einer Heuristik ausgewertet. Persönliche Bewertungen von Situationen, private Gefühle und Erfahrungen werden ausgefiltert und gelöscht, bleiben also nur im Gehirn des Antermerianers. Was am Ende bleibt sind klare Fakten, reines Wissen, welches die Gesellschaft voran bringt.
Diese Strömung, von der ich sprach, weigerte sich ihr Wissen zu teilen, zusätzlich wurde ihnen bewusst, dass sie nur Klone von Klonen sind. Sie weigerten sich zu akzeptieren, dass sie einer von vielen sind. Sie wollten unbedingt einzigartig sein, fühlten sich klein und vor allem als Personen dritten Ranges, als Abfall der Gesellschaft. Die Gegenwehr dieser Gruppierung wurde immer größer, bis sich deren Anhänger schließlich entschlossen einen unserer größeren Kreuzer zu kapern und bei Nacht und Nebel unseren Planeten zu verlassen.
Es gelang und wir verloren ihre Spur. Die Seth-Klone, welche bei uns den Sicherheitsdienst übernehmen und in diesem Fall auch die Hangars überwachten, wurden noch vor der Datenübertragung getötet. Damit verloren wir die Spur und alles was uns in die passende Richtung hätte führen können.
Aber ich kürze es einfach mal ab. Wir kamen wesentlich später in dieses System, forschten lediglich und fanden durch Zufall auf eurem Kontinent Sabeth industrielle Anlagen. Diese waren stillgelegt, aber vorhanden.
Wir landeten, um sie zu untersuchen und wurden direkt angegriffen. Wir hat-ten die Abtrünnigen aufgespürt. So zogen wir uns nach erbitterten Kämpfen zurück und fanden einen unterirdischen Tunnel der von Sabeth schnurstracks nach Zurok führte. Um zu verhindern, dass die Anlagen und damit auch die Abtrünnigen noch mehr Raum zur Verfügung haben, entschlossen wir uns den Tunnel zu versiegeln. Da das von Sabeth aus nicht möglich war, drangen wir von Zurok aus vor und wurden wieder in Kämpfe verwickelt. Tiefer als fünf Kilometer konnten wir nicht vordringen da wir wiederholt angegriffen wurden. So versiegelten wir an dieser Stelle den Tunnel und im weiteren Verlaufe überzogen wir ihn mit einer Substanz die auf jeden unserer Klone auf Dauer toxisch wirkt und ihn von innen heraus zersetzt.
Was immer auch auf Sabeth existiert, es ist entweder tot oder es lebt und ist ein Feind.“
Andrew atmete hörbar aus. „Das klingt ja wie in einem ganz schlechten Horrorfilm. Da leben wir hier seit Jahrhunderten und dachten, dass die Menschen und deren Kriegsmaschinerie der Gipfel wären und dann erfahren wir jetzt von dir, dass das alles nur ein kleines Teilchen ist und auf unserem Heimatplaneten ganz andere Sachen abliefen.“
„Ja. Daher auch unsere Verschwiegenheit“, erwiderte Isis.
„Mit etwas Glück hätte das auch keinen interessiert“, sinnierte Chiron laut.
„Das stimmt. Aber wir müssen nach Sabeth, da dort der Zentralrechner steht und der hat garantiert die Datentransfers der Abtrünnigen gespeichert. Diese Daten brauchen wir“, intervenierte Isis.
„Fantastisch! Und wieso dieser plötzliche Sinneswandel?“, raunzte Sadral.
„Das weiß ich selbst nicht. Aber vielleicht bringen diese Halbwahrheiten uns nicht weiter und wenn dann wirklich Schwierigkeiten auftreten, ist das Vertrau-en in uns und euch selbst extrem wichtig“, lenkte Isis ein.
„Ach ja? Das kommt jetzt aber recht spät“, entgegnete Ariana barsch.
„Ja, in der Tat. Aber für mich nicht zu spät“, warf Tarja ein und zuckte mit den Schultern. „Ich für meinen Teil bin für einen Ausflug zu haben.“
„Nichts da. Du bleibst hier“, stellte Sadral fest und ließ durch seinen energischen Blick dabei keinen Widerspruch zu. „Ebenso die anderen. Das ist etwas für echte Kämpfer und das sind wir.“ Er schaute bei den letzten Worten zu Tripal, welche etwas entfernt auf dem Flur stand.
„Aye, Staffelführer!“ Sie drehte sich zu Cepheus und Gienah, nickte und zeigte kurz mit dem Zeigefinger auf die beiden und machte dann damit eine drehen-de Bewegung.
Zur Antwort bekam sie nur ein kurzes Seufzen und beide gingen den Flur der Ebene hinunter und damit zu den anderen Kampfanthros.
Wenige Minuten später erschien der Trupp, bestehend aus vierzehn Mitgliedern, komplett aufgerüstet und bewaffnet.
Sadral schaute noch schnell in den Computerraum und verließ mit den Worten, „Wir sehen uns dann in der Hölle wieder“, den Raum, begab sich mit seinem Gefolge in den Hangar, bestieg die Gleiter und startete.
„Und was jetzt?“, brach Kira das eintretende Schweigen.
Skort sah Isis schräg an. „Die Wege der Götter sind unergründlich. Manchmal wohl auch ohne Grund ziemlich verworren und schräg. Ich dachte immer, dass Seth unter anderem der Gott der Verwirrung wäre.“
„Was?“, fragte Isis entrüstet. „Seth? Der ist mit all seinen Klonen für die Sicherheit innerhalb unserer Schiffe zuständig. Einen vorsichtigeren und umsichtigeren Antermerianer habe ich selten gesehen. Der ist weniger Verwirrung und Zerstörung als Maahes und Sachmet. Er riet mir auch ab, euch die ganze Wahrheit zu sagen.“
„Aha und warum?“
„Er macht sich Sorgen um euch und vor allem sorgt er sich darum, dass gerade die Chafren unter dem Druck der ganzen Wahrheit zusammenbrechen könnten.“
„Das nenne ich aber mal sehr mitfühlend von ihm. Wie man sieht leben wir noch und sind eher etwas sauer, weil ihr nicht gleich mit offenen Karten gespielt habt. Außerdem stiftet er mit dieser Nummer nur noch mehr Verwirrung“, sagte Cyron energisch und schlug auf den Tisch.
Apophis zuckte zusammen und ließ die Atemluft hörbar entweichen. „Egal wie. Wir wissen jetzt, dass unser Heimatplanet eine recht belebte Vergangenheit hatte, Kriegsschauplatz war, Zuchtstation, Gefangenenlager, Touristenattraktion und letztendlich unser zu hause.“
„Gut. Aber warum sind die Daten aus dem Zentralcomputer auf Sabeth so wichtig für euch? Was erhofft ihr euch in diesem Datentransfer zu finden?“
Isis spitzte kurz die Lippen und atmete tief ein. „Wir vermuten, dass die Systemvernichter hier ihren Ursprung hatten. Das zumindest die Pläne zum Bau hier geschmiedet wurden und auch die Basiskonstruktionen hier ihren Anfang fanden.“
„Ihr habt doch was vor?“, fragte Kira überlegend.
„Wir suchen eine Schwachstelle. Alles hat eine Schwachstelle. Die Kampfinsel, welche vor Jahrmillionen den Systemvernichter im irdischen Solarsystem stellte und mit ihm vernichtet wurde, fand diese Schwachstelle. Allerdings ging die komplette Datenübertragung verloren. Wir haben nur Bruchstücke davon im System finden können. Es handelt sich um eine Sicherheitslücke im rechten Außenschiff. Wenn wir wüssten was sich dort befindet, dann haben wir eine recht gut Vorstellung wo wir ansetzen müssen.“
„Klingt logisch und wäre definitiv von Vorteil“, sinnierte Cyron und kratzte sich am linken Ohr.
„Zumindest würde es einiges einfacher gestalten“, stimmte Hadron zu.
„Wisst ihr, was wir jetzt machen?“, intonierte Ariana.
„Was denn?“ Hadron schaute sie lächelnd an.
„Nichts. Wir gehen schlafen. Wer kann sich daran erinnern mal wieder richtig geschlafen zu haben?“
„Eine gute Idee“, gab Chiron zu, ging zu Tarja, küsste sie hingebungsvoll und zog sie mit sich.
„Fein. Die ersten beiden folgen schon dem Ansinnen. Machen wir es ihnen gleich.“ Hadron zog sich in den Nebenraum zurück, Ariana folgte ihm und so nach und nach leerte sich der Computerraum, legte sich Stille über die sechste Ebene unter der Oberfläche von Genro, einem Planeten mit einer bewegten Geschichte, einem Planeten mit vielen schönen Seiten und einer dunklen Vergangenheit.