Kapitel 8

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 8

Die Bestimmung

Thomson saß im Speisesaal und hatte sich ein Eis bestellt, knabberte genüsslich an der beigefügten Waffel und schaute sich um. Sie beobachtete die einzelnen Anthros, welche teils mit einem Tablet bewaffnet an den Tischen saßen und Daten auswerteten, teils allein saßen und lediglich einen Snack aßen und dann gab es da die Pärchen, welche sich unterhielten und Händchen hielten, sich liebevoll ansahen und zärtlich streichelten.

Gerade diese hatten es ihr angetan und ferner diejenigen die alleine und selbstvergessen herum saßen.

‚Gott, Thomson. Wirst du sentimental? Bist du zu lange allein oder einfach nur notgeil nachdem du Andrew nackt gesehen hast?‘, dachte sie bei sich. ‚Viel-leicht sollte ich einfach in mein Quartier gehen und abschalten.‘

Sie wollte gerade aufstehen, überlegte aber noch einen Moment, drehte sich um und sah ungewollt zu einem Serval hinüber. Die Katze schien sie schon eine Weile zu beobachten, hatte wohl gemerkt, dass Thomson das Gleiche tat. Spürte sie unter Umständen, was Thomson durch den Kopf ging?

Noch ehe die junge Frau sich der Tatsache bewusst wurde, stand das Servalweibchen auf und schlenderte wie beiläufig zu ihrem Tisch.

„Hallo, darf ich mich setzen?“, hauchte die Kätzin samtig zu ihr rüber.

Thomson schaute sie etwas irritiert an und nickte schließlich, deutete auf den freien Stuhl.

„Danke. Wie ich sehe bist du auch allein auf dem Kreuzer. Wo kommst du her, wenn ich fragen darf?“

Thomson schluckte kurz und fand dann ihre Stimme. „Mein Name ist Juliana, kurz Julia und ich stamme von der Erde.“

„Ah, hallo Juliana, mein Name ist Tiamira. Die meisten nennen mich Mira, wo-bei mir Tia mehr liegen würde“, entgegnete die junge Kätzin und lächelte sanft.

Mit Thomson ging es etwas durch und ihr wurde warm. „Was machst du denn so an Bord des Kreuzers? Ich bin hier ja nur zu Gast und bin mehr durch Zufall in die ganze Sache geraten.“

„Ah, du gehörst zu den drei Menschen die mit diesem mystischen Planeten zu tun haben?“

„Ja, so kann man es ausdrücken. Mystisch wohl weniger, aber dafür sehr unheilvoll und daher ursprünglich Sperrzone.“

„Klingt ja gefährlich. Ach ja, wie unhöflich von mir. Du hattest ja eine Frage gestellt… Ich bin Lieutenant in der Waffentechnik.“

„Oh, ein Waffenmeister. Klingt aufregend“, erwiderte Thomson und lächelte breit.

„Danke für die Blumen. Aber erzähle doch mal von dir? Was machst du sonst so, wenn du nicht gerade hier sitzt?“, forschte die junge Servalin.

„Uff, du bist ganz schön neugierig, aber das ist schön. Ich glaube, dass ich irgendwie an einem Punkt angekommen bin, an dem ich scheinbar mein Leben und meine Zukunft hinterfrage.“

„Man sagt zwar, dass die Neugier der Katze Tod sei, aber das glaube ich nicht. Jedenfalls habe ich alle meine Leben noch“, sagte Tiamira und fing an zu kichern.

„Ach gibt es bei euch auch diesen Mythos, dass Katzen neun Leben haben?“

„Wie? Bei euch auf der Erde auch? Das ist ja Wahnsinn. Dann scheint dieser Spruch überall zu existieren. Faszinierend.“

Thomson taute langsam etwas auf und fühlte sich wohler in der Nähe dieser scheinbar leicht schrägen Katzendame. „Bei mir gibt es eigentlich nichts Aufregendes. Ich bin eine 32jährige Durchschnittsfrau, komme gebürtig aus Los Angeles. Das ist eine Stadt in den ehemaligen Vereinigten Staaten von Amerika. Ich mag Eis, Pizza, den Sonnenuntergang und den Weltraum. Allerdings mag ich letzteres nur, wenn er nicht aggressiv ist und mir nach dem Leben trachtet.“

„Ich weiß was du meinst. Wir hatten in den letzten Jahrzehnten nicht so viel Glück und sind häufiger in Kampfeinsätzen gewesen. Beim letzten ging es um deinen Heimatplaneten.“

„Ich weiß, aber da waren Horn, Kromberg und meine Wenigkeit schon längst um LV426 im Patrouilleneinsatz. Es ging quasi an uns vorüber.“

„Na ja. Ihr hattet eine ruhige Zeit, anfangs. Dafür habt ihr ja jetzt mehr als genug zu tun“, stellte Tiamira fest.

„Oh ja, mehr als genug. Diese Aliens und auch alles was drum herum passiert ist mehr als verstörend.“

„Kann ich mir denken. Immerhin habe ich ja die Waffenausrüstung für Zeus, die ganze Landungstruppe und jetzt auch für die sechs Fähren zusammengestellt. Ausrüsten werden die zwei Hauptfähren die anderen in der Waffentechnik, aber dafür sind die ja da und ich habe mal meine Ruhe“, witzelte die Servalin.

Juliana Thomson musste herzhaft lachen und klopfte leicht auf den Tisch, was wiederum dazu führte, dass die Kätzin einstimmte.

Plötzlich schaute sie die junge Frau sanftmütig an, lächelte leicht und schnurrte leise. „Du bist niedlich, wenn du lachst. Bist du eigentlich allein oder ist einer der beiden Männer an Bord dein Partner?“

Thomson zuckte zusammen und lief rot an. Hatte diese Katze tatsächlich ihre Gedanken gelesen oder einfach nur gefühlt, dass sie Alleinstehend ist und sich allein fühlte, dass sie sich aktiv umsah und dabei Signale aussandte?

Egal, sie war überführt worden und fühlte sich angezogen von der Ausstrahlung der Katze. „Nein, weder der Eine noch der Andere. Ich bin in der Tat allein und fühle mich auch so. Daher wohl auch meine Gedanken über das hier und jetzt und die Zukunft. Ich sehe die Pärchen und beneide sie, während ich, wenn das alles hier vorbei ist, immer noch allein bin und jünger werde ich auch nicht.“

Tiamiras Blick wurde plötzlich sehr offen und ihre Augen bekamen einen silbrigen Schein. Überhaupt betrachtete Thomson die Katze plötzlich intensiver und unter einem neuen Gesichtspunkt.

Sie tauchte in deren Augen ein, welche einen tiefgründigen Blick hatten und strahlend hellgrau waren, regelrecht durch einen hindurchstachen. Die Nase des Servals war tiefschwarz, die extrem langen Schnurrhaare vibrierten leicht und die Ohren waren steil aufgerichtet und lang. Der Overall lag straff an ihrem Körper an und verriet eine sehr wohlgeformte und teils üppige weibliche Figur darunter.

Juliana hatte sich niemals um Dinge wie Lust, Leidenschaft, Partnerschaft, Liebe geschert. Jetzt schien sich vieles zu ändern und sie spürte in sich etwas aufsteigen. Sie spürte die Abenteuerlust, den Trieb etwas zu wagen und auszuprobieren, sich selbst zu erleben, sich erleben zu lassen und zu finden.

Katzen mochte sie schon immer. Allerdings war diese hier doch recht groß und fast einen Kopf größer als sie. Somit glich diese Tiamira einer großen lieben Kuschelkatze, zumindest im ersten Moment.

‚Vielleicht würde sich ja auch mehr daraus entwickeln? Vielleicht war sie genauso einsam und auf der Suche? Es käme einfach auf den Versuch an und sie wäre nicht mehr ganz so einsam.‘

Durch diese Gedanken hindurch hörte sie wie die Servalin sagte, dass die sich auch einsam fühlt und nach einer Freundin sucht, da ihre Arbeit an Bord sie aufzufressen drohe.

„Huhu Juliana, bist du noch da?“, fragte Tiamira.

„Hmmm? Aber ja doch, ich bin noch da“, antwortete sie, lächelte und griff schnell nach der pelzigen Hand.

Tiamira zog diese nicht weg, schnurrte wohlig auf und erwiderte diese Reaktion, strich mit der anderen Hand über Julianas Handrücken.

„Was hast du vor?“, fragte Thomson leicht verwirrt.

„Nichts Arges. Wollen wir beide durch den hydroponischen Garten spazieren gehen? Ich würde dich gern näher kennenlernen.“

„Aber gerne doch. Ich gehöre ganz dir“, entgegnete Thomson und seufzte leise.

„Warum seufzt du?“, fragte Tia besorgt.

„Nichts, nichts. Ich fühle mich gerade sehr wohl.“

„Geht mir genauso und jetzt lass uns gehen.“

Während Thomson und Tiamira auf dem Weg zur Hydroponik waren, schraubten und schweißten die Ausrüsterteams an den angeforderten Fähren herum.

Leider war auch ein Techniker dabei, welcher schon Jahre zuvor auf Genro ein ausgesprochenes Ungeschick an den Tag gelegt und nicht nur Probleme dabei hatte Türen aus- und einzubauen, auch hatte er schon gar kein Talent sich um die korrekte Montage von Waffensystemen berühmt zu machen.

Und so polterte es immer wieder mal, als ein Blaster aus der Montagehalte-rung fiel oder eine Führungsschiene zu Boden ging und alles in Schockstarre versetzte. Immerhin waren direkt daneben andere Teams damit beschäftigt die Abwurfautomatiken für die Sprengsätze zu montieren und in unmittelbarer Nähe standen die Aluminiumcontainer mit eben jenen Sprengsätzen.

„Wenn du es nicht gebacken bekommst und nicht einmal ohne Zwischenfall arbeiten kannst, dann lass es sein“, polterte ein genervter Stier vom Sicherheitsdienst und baute sich mit verschränkten Armen vor dem Wolfsrüden auf.

Der fiepte leise und entschuldigend auf und versuchte so unauffällig wie möglich seine Arbeit fortzusetzen.

Ein Aufatmen ging durch alle Arbeiter.

Captain Melina unterhielt sich mit Sitral und Selestral.

„Werden wir unter Umständen die Aufmerksamkeit dieses Basisschiffes auf uns ziehen?“, fragte Melina an Sitral gewandt.

„Das ist durchaus im Rahmen des Möglichen, Captain.“

„Gesetzt den Fall, dass es so ist. Wie stehen unseren Chancen uns in einem Kampf zu behaupten?“, bohrte die Stute.

„Das kann ich nicht beantworten. Dazu haben wir zu wenige Daten über dieses Schiff. Wir kennen keine seiner Aktiv- und Defensivwaffen. Es ist also alles möglich.“

„Wie wäre es, wenn wir eine kleine Sonde rausschicken und ein paar Untersuchungen anstellen“, fragte Selestral.

„Klingt interessant. Was ist aber, wenn der Schein trügt und sich etwas an Bord befindet was nur darauf wartet, dass wir etwas tun?“, gab Sitral zu bedenken.

„Das wäre in der jetzigen Situation mehr als unangenehm. Ich glaube, dass es besser wäre den schlafenden Hund da draußen erstmal nicht zu wecken und den Planeten einzuäschern. Wenn das Problem da unten gelöst ist, dann kümmern wir uns um das Basisschiff“, sinnierte Melina.

„Vielleicht erregen wir durch die Sprengungen auf der Planetenoberfläche und tief im Inneren eh deren Aufmerksamkeit und dann hätten wir so und so die Situation, dass wir uns ihnen stellen müssen“, ergänzte Selestral.

„Gut, dann belassen wir es erstmal dabei und konzentrieren uns auf den Planeten. Eins nach dem Anderen“, schloss der Captain die kleine Runde ab.

Juliana und Tiamira hatten den Garten erreicht, waren eingetreten und flanierten nebeneinander gehend auf einem der ausladenden Wege.

„Auf Festrid haben wir solche Gegenden wie hier nicht mehr so häufig“, hub das Servalweibchen an.

„Das ist schade. Wie ist es denn überhaupt auf deiner Heimatwelt?“

„Vor Urzeiten hatten wir sehr viele Biotope, üppiges Grün und eine reichhaltige Unterwasserwelt. Im Zuge der Industrialisierung ging immer mehr davon verloren. Das Klima änderte sich, es wurde erst sehr heiß, so dass Gegenden austrockneten, gefolgt von einem Artensterben. Dann kam der komplette Wandel und Gebiete die erst sehr trocken waren, wurden humid. Mittlerweile ist das Klima global ausgeglichen. Die Temperaturen schwanken sehr schwach. Die Städte sind nicht mehr in die Fläche gewachsen, sondern fast nur noch in die Höhe und sehr weit in die Tiefe. So etwas wie einen privaten Verkehr gibt es nicht mehr und wird nur in Ausnahmefällen genehmigt. Alles ist vernetzt und der öffentliche Allgemeinverkehr ist extrem gut ausgebaut, ersetzt ein privates Beförderungsmittel vollkommen.“

„Das klingt faszinierend“, flüsterte Juliana. „Eine solche Situation kennen wir auf der Erde auch. Aber wie habt ihr den öffentlichen Verkehr gelöst?“

„Nun ja. Jedes Wohngebiet setzt sich aus mehreren Wohneinheiten zusammen. Die Einheiten sind zu Beförderungsblöcken zusammengefasst und im Untergrund steht auf der ersten Ebene für jeden dieser Blöcke ein Waggon zur Verfügung. Der startet zu einer festgelegten Zeit und alle halbe Stunde ein weiterer. Mit diesem kommt man dann zu einer tiefergelegenen Transitebene, in welcher die Waggons aus den verschiedenen Blöcken zu einem Kurzzug zusammengefasst und anschließend zur tiefsten Ebene, dem Schnelltransit be-fördert werden. Im Schnelltransit werden alle Kurzzüge zu einem Komplettzug vereint und der fährt dann zu den größten Knotenpunkten. Will jemand unterwegs aussteigen, dann fährt er zu einem Knoten davor, der Waggon wird aus dem Verband gelöst und eine Ebene höher geleitet, fährt dort zum nächstgrößeren Zwischenknoten und bei Bedarf über die noch höhere Ebene zum End-punkt. Kein Waggon verpasst das Auslösen oder Vereinen mit den anderen Modulen. Es ist alles vollautomatisch und unter dem Boden.“

„Klingt nach einem sehr guten System“, merkte Juliana beeindruckt an.

„Ist es auch. Wie ist es bei euch?“

„Da ist alles in eigener Hand. Wir haben zwar Nahverkehrs- und Fernverkehrssysteme, aber die sind sehr unterschiedlich. Wir haben einen privaten Verkehr mit eigenen Beförderungsmitteln, welche entweder flugfähig sind oder straßengebunden. Dann haben wir oberirdische schienengebundene Fahrzeuge, auf dem Wasser haben wir Schiffe, in der Luft Flugzeuge oder Gleiter und unterirdisch die U-Bahnen. Man kann die Verkehrsmittel nutzen wie man möchte.“

„Das klingt sehr frei, aber auch ökologisch unklug“, gab Tia zu bedenken.

„Das ist es auch. Unsere frühere Antriebstechnik beschränkte sich auf Verbrennungsmaschinen auf Erdölbasis. Später kamen dann mehr und mehr Elektromaschinen und –antriebe hinzu und auch Wasserstoffantriebe.“

„Das klingt nach Fortschritt. Immerhin der richtige Weg“, munterte Tia auf.

Plötzlich blieb Juliana stehen und drehte sich zu Tiamira, sah sie durchdringend an.

Das Servalweibchen hielt noch in der Bewegung inne, griff sanft nach der Frau, nahm sie in die Arme und hielt sie fest umschlungen, streichelte vorsichtig über ihren Rücken. Ihr Atem ging deutlich beschleunigt und als Tia die Umarmung löste, ihr in die Augen sah, war es um sie geschehen. Ohne weiter zu zögern, umschlag Juliana das Servalweibchen und gab ihr einen intensiven und hingebungsvollen Kuss.

„Aber hallo“, begann Tia, nachdem Juliana den Anfall überwunden hatte.

„Entschuldige bitte, es überkam mich plötzlich.“

„Warum entschuldigst du dich? Ich finde nichts wofür du dich entschuldigen müsstest. Du solltest dich entschuldigen, wenn das schon alles war“, schnurrte Tia und zwinkerte schelmisch.

„Du meinst?“, stammelte Julia.

„Genau das. Aber nur, wenn du dir sicher bist.“

„Ich bin immer nur auf Nummer sicher gegangen. Die Patrouillentätigkeit war schon eine kleine Herausforderung. Was sollte mir mit dir schon passieren?“

„Oh, wenn du wüsstest. Ich bin eine Katze und mir fallen da viele Sachen ein die passieren könnten.“

„Ich bin sehr neugierig“, erwiderte Julia und grinste zweideutig.

„Dann lass uns in mein Quartier gehen und sehen was alles passieren kann“, forderte Tia auf und nahm ihre neue gefundene Freundin Julia bei der Hand.

In der Tat hatte es der Wolf bei der Ausrüstung der Fähren geschafft niemanden weiter zu erschrecken und standen die Arbeiten kurz vor der Vollendung.

Der leitende Techniker Cernos, ein stattlicher Anthro-Hirsch im besten Alter, ging zum Zugang des Hangars und betätigte das Intercom. <„Hangar an Brücke!“>

<„Hier Brücke, Captain Melina!“>

<„Die Umbauarbeiten sind in Kürze abgeschlossen.“>

<„Ausgezeichnet! Ich werde die passenden Besatzungen zusammen rufen und eine entsprechende Einweisung geben.“>

<„Verstanden. Die Fähren erwarten sie.“>

<„Sehr gut. Captain, Ende!“>

Nur zehn Minuten später standen die Besatzungen fest, hatten sich auf Hangar drei eingefunden und erwarteten den Captain.

Die Stute ließ auch nicht lange auf sich warten und erschien in Begleitung von Selestral und Sitral.

„Hallo in die Runde“, begann sie leger. „Cyron, Stella, Chiron und Tarja. Ihr übernehmt die erste Sprengfähre. Zeus, Colras, Apophis und Andrew, Sprengfähre zwei. Die anderen beiden übernehmen Cernos, Ionos, Sitral und Jody Thorn sowie Kira, Selestral, Tristan, welcher sich freiwillig gemeldet hat und Ariana. Den Geleitschutz gestalten wir einfacher und nehmen nur zwei pro Fähre. Die erste steuern Janus und Arctus, die zweite übernehmen Rasal und Merak. Alles klar?“

„Aye, Captain!“, bestätigten nacheinander die Anwesenden.

Fünf Minuten später saßen in der ersten Fähre vier Anthro-Tiger, in der zweiten, dritten und vierten jeweils zwei langzähnige Raubkatzen, ein Tiger und ein schwarzes Einhorn, ein Hirsch, ein Leopard, eine Leopardin und eine menschliche Frau sowie eine Luchsin, eine Jaguarin, ein Greif und ein Pumaweibchen.

In den beiden Geleitfähren nahmen ein Greif, ein Bär, ein Stier und schluss-endlich ein Widder Platz.

Der Captain beobachtete den sehr turbulent wirkenden Haufen, stellte fest, dass sich die Besatzungen so ziemlich aus allen Arten zusammensetzten die Festrid und Genro zu bieten hatten, nickte zufrieden, drehte sich auf ihren Hu-fen um und verließ den Hangar.

‚Hoffentlich geht das gut‘, dachte sie sich noch und war auf dem Weg zur Brücke.

Als sie dort ankam, bestätigte der anwesende leitende Offizier Acamas, dass die Fähren bereits gestartet sind und sich im Sinkflug befänden.

„Ausgezeichnet!“, sagte Melina kurz und übernahm die Brücke. „Alya, stelle eine Kreuzverbindung her.“

„Aye, Captain! Verbindung steht“, bestätigte die Füchsin.

<„Brücke Horem-hab an alle Fähren, könnt ihr mich hören?“>

<„Merak hier!“>, ertönte es aus dem Intercom. <„Wir hören sie, Captain.“>

<„Verstanden. Lasst die Verbindung offen, ich will stets den genauen Status der Aktion.“>

<„Aye, Captain!“>

<„Verdammt nochmal“>, hörte man Ariana fluchen, <„man kann überhaupt nichts sehen. Die Wolkendecke ist wie ein Brei.“>

<„Bleib ruhig, weiter unten kann man knapp zweihundert Meter weit gucken. Das ist auf diesem Felsen schon heller Tag“>, antwortete Andrew.

<„Oh, das beruhigt mich ungemein“>, knurrte die Löwin.

<„Konzentriert euch in der Kommunikation gefälligst auf das Wesentliche. Privaten Konversationen könnt ihr später frönen“>, donnerte Selestral ins Inter-com.

<„Aye!“>, kam kurz und knapp die Antwort.

<„Wir gehen auf Koordinaten zwanzig, drei, zehn zu einhundert, sechzig, vier. Da liegt das Hügelfeld. Steuert die Fähren nicht zu tief. Die spinnenartigen Ali-ens können sehr gut springen und sind verdammt schnell. Seid Wachsam!“>, wies Andrew an.

<„Verstanden! Das Hügelfeld kommt langsam in Sichtweite. Ab jetzt befinden wir uns im Angriffsflug“>, ordnete Sitral an. <„Die vier Sprengfähren sollen sich bereit machen, Abwurf vorbereiten und die Ladungen absetzen soweit ihr pas-send über den Hügeln schwebt. Geleitfähren, achtet auf die Aliens, es darf nichts schief gehen. Wir haben nur diesen einen Versuch.“>

<„Verstanden! Wir schwärmen aus“>, verkündeten Zeus und Cyron gleichzeitig.

Die Kette löste sich auf und vier der Fähren gingen tiefer, während die beiden anderen etwas höher flogen und das Gelände im Visier behielten. Der Pulk reduzierte merklich die Geschwindigkeit.

<„Okay Leute. Es geht los. Trefft gut und tief“>, hörte man Apophis sagen.

<„Tief ist immer gut“>, antwortete Ariana und gurrte unterschwellig.

<„Das war ja klar“>, hub Tarja an. <„Dein Hadron scheint dir zu fehlen.“>

<„Aber sicher doch. Immerhin ist er ein ganz besonderer Löwenkater.“>

<„Ich weiß, ich weiß“>, mischte sich Cyron ein. <„Wir sind seit Jahren befreundet.“>

<„Funkdisziplin! Das hier ist kein Spaziergang“>, hörte man Captain Melina fluchen. Sie verdrehte auf der Brücke der Horem-hab die Augen und fuchtelte kurz mit den Armen in der Luft herum, winkte schließlich ab und lehnte sich zurück.

<„Erste Sprengladung erfolgreich abgesetzt. Ein glatter Volltreffer“>, verkündete Chiron.

<„Sehr gut!“>, bestätigte Melina.

Von diesem Moment an, kamen die Meldungen über erfolgreich abgesetzte Sprengladungen im Minutentakt.

Allerdings blieb die Aktion nicht unbemerkt und zunehmend kam Bewegung aus dem Inneren der Hügel heraus. Nach und nach füllte sich die Oberfläche mit Aliens, welche den Fähren entgegen blickten, wild kreischten und versuch-ten sich im Sprung an die Fähren zu heften.

Die Geleitfähren hatten alle Händen voll zu tun um die Angriffe schon vorab zu vereiteln. Aber es gelang. Nicht einer der Xenomorphe schaffte es die Aktion zu unterbrechen oder zu vereiteln.

Eine Stunde später waren die Sprengladungen komplett gesetzt und warteten auf ihre Zündung.

<„Okay Leute!“>, rief Sitral ins Intercom. <„Wir sind hier fertig. Abflug zum Mutterschiff. Dort werden wir landen, wenn das Feld gesprengt ist. Die letzten Reste der Viecher vernichten wir dann von Hand.“>

<„Verstanden! Wer hat den Auslöser?“>, fragte Apophis.

<„Keiner von uns“>, antwortete Sitral. <„Der liegt auf der Horem-hab.“>

<„Ah, der Captain höchstpersönlich darf die Ehre einstreichen“>, merkte Jody Thorn an.

<„Geben sie Bescheid, wenn sie in sicherer Entfernung sind“>, befahl Melina und ging auf Jodys Bemerkung nicht ein.

<„Aye, Captain!“>, bestätigte Sitral.

<„Alien-Mutterschiff in Sichtweite. Wir verschanzen uns dahinter bis das Feld gesprengt ist“>, ordnete Selestral an.

<„Bestätigt“>, antwortete Zeus.

Der Pulk überflog den fremden Schiffsrumpf und ging dahinter, fast in Boden-nähe, in den Schwebeflug über.

<„Captain! Wir sind soweit“>, gab Andrew die Bestätigung, dass die Sprengung gefahrlos stattfinden konnte.

<„Haltet euch fest! Sprengung in Vier… Drei… Zwei… Eins.“>

Es gab mehrere gewaltige Explosionen in größerer Entfernung und die Planetenoberfläche schien zu beben.

Tief im Inneren von LV426 war der feste Boden unter den Klauen der Aliens in Aufruhe. Es begann erst mit den Explosionen der Sprengsätze, ging dann in ein leichtes und mehr und mehr in ein schweres Beben über.

Teile der gegrabenen Tunnel rissen, stürzten herab, begruben die Xenomorphe unter sich, brach der Boden weg, öffneten sich Krater und tiefe Löcher, stürzten die Aliens in die Tiefe. Die Kegel des Hügelfeldes fielen in sich zusammen, versperrten die Fluchtwege an die Oberfläche. Nur wenige Xenomorphe schafften es der Vernichtung zu entkommen, rannten in einer ihnen sonst fremden Panik in Richtung des Mutterschiffes, versuchten dort Schutz zu fin-den.

Allerdings hatten sie nicht mit den Fähren gerechnet, welche dort schon warteten, sich hinter dem Schiff zunächst verbargen, aber jetzt höher stiegen und das Feuer eröffneten.

Ein Alien nach dem anderen fiel dem Laserfeuer zum Opfer, bis sich nichts mehr bewegte.

<„Saubere Arbeit“>, verkündete Zeus. <„Da sollte nichts mehr sein was noch lebt. Captain, wir landen jetzt und legen die Sprengsätze im Schiff.“>

<„Macht das!“>, bestätigte Melina und hatte ein breites Lächeln im Gesicht.

Plötzlich rief Acamas quer über die Brücke: „Captain! Das unbekannte Basis-schiff. Es bewegt sich und ich registriere Lebenszeichen.“

„Kurs?“

„Direkt auf uns zu.“

„Verdammt. Selestral hatte recht“, fluchte die Stute. <„Brücke an Sitral! Wir bekommen hier oben Besuch.“>

<„Lass mich raten. Selestral hatte recht und nach der Sprengung nimmt das Basisschiff der Unbekannten, Kurs auf den Planeten.“>

<„Genauso ist es. Beeilt euch. Wir halten hier die Stellung.“>

<„Aye, Captain!“<

<„Ihr habt es gehört. Es wird sehr ungemütlich. Die Zeit drängt und wir müssen weg, bevor da oben die Hölle tobt.“>

<„Ja, wir sind ja nicht taub“>, schnauzte Andrew. <„Wir sind unten. Schnappt euch die Sprengladungen und dann ab ins Schiff. Im Laufschritt!“>

Einige der Fähren waren noch nicht einmal komplett gelandet, die Triebwerke heulten noch, da sprangen schon Cyron, Andrew, Stella und Kira aus den ge-öffneten Schotts und rannten mit Blastern bewaffnet in das Innere des Feindschiffes. In ihren Rucksäcken hatte sie jeweils zwanzig Kilogramm Sprengstoff, welcher wohl verteilt werden wollte.

Der Weg zum hinteren Ende war weit und der Tunnel noch nicht einmal berücksichtigt. Die Gegenwehr der Xenomorphe war enorm und überraschend. Nach einhelliger Meinung mussten sie bei der Sprengung der tief im Planeten liegenden Katakomben irgendetwas übersehen haben oder hatten die Aliens in weiser Taktik einen Teil der Soldaten verlagert.

Wie dem auch sei, der Widerstand war erbittert und jeder Meter musste mühselig erkämpft werden.

Kira wurde mehrfach von einem der Xenomorphe gepackt und zu Boden gerissen, entging nur mit knapper Not den tödlichen Beißzangen, erlitt schmerz-hafte Verätzungen durch das herumspritzende Alienblut.

Den anderen erging ist meist nicht besser. Zeus büßte seinen künstlichen Arm ein, als er angegriffen wurde, am Arm gepackt sich zur Wehr setzte und die Verbindung zwischen Oberarmstumpf zur Titanbiomechanik den Halt verlor und diese, unter einem schrillen Aufschrei seinerseits, abgerissen wurde.

Fast ohnmächtig vor Schmerz schleppte er sich zurück und ins Innere einer der Fähren, übergab seine aufgerissene Wunde dem Auto-Doc.

Andrew wurde gleichzeitig von zwei Seiten attackiert, schoss eines der Aliens aus der Luft herunter. Dieses flog auf seiner Flugbahn leblos weiter, traf das gegenüber stehende mit voller Wucht, riss es von den Beinen und Apophis erledigte den Rest mit seinem Blaster.

„Das war mal wieder knapp“, schrie der Säbelzahntiger seinem bemähnten Freund zu.

„Hast was gut bei mir“, kam kurz dessen Antwort, während er in weiterer Entfernung ein weiteres Alien in die ewigen Jagdgründe beförderte.

Die Zeit wurde langsam knapp, ein fremdes Schiff näherte sich der Umlaufbahn und damit der Horem-hab. Und hier unten kamen sie seit gefühlten Stunden keinen Deut weiter. Irgendetwas mussten sie sich einfallen, etwas entscheiden-des, etwas was das Blatt mit einem Schlag wenden würde.

Aber wie es in solchen Situationen meist der Fall ist, es kam keine zündende Idee zustande.

Plötzlich schrie Selestral auf, hatte sie sich gerade eines Xenomorphs entledigt, kam sie zu einem folgenschweren Entschluss.

Da die Sprengsätze diesmal nicht von der Brücke des Kreuzers gezündet werden sollten, sondern mit Zeitzündern ausgestattet waren, bedurfte es nur einer Person, die sie platzieren würde.

Noch während die Gruppe damit beschäftigt war sich die heranbrandenden Aliens vom Leibe zu halten, sah Selestral sich um, sammelte die mittlerweile herumliegenden Rucksäcke ein, band sie zusammen und begann sie hinter sich her zu schleifen.

Andrew bemerkte es als erster, wunderte sich darüber und schrie der Jaguarin zu, was sie da wohl vorhabe.

Selestral ließ sich jedoch nicht beirren, zog die Sprengsätze weiter hinter sich her, schrie aber zurück: „Haltet mir die Viecher lang genug vom Leibe, wenn ihr eine entfernte Explosion hört, dann rennt zu den Fähren und startet. Wartet nicht auf mich!“

Jetzt schien auch bei Ariana der Groschen gefallen zu sein. „Was hast du vor? Das kannst du nicht tun?“, schrie sie die Jaguarin an.

„Doch, ich kann. Es ist die einzige Lösung. Ich bin schon längst über mein Alter hinaus. Ich bin die Letzte die noch übrig ist und ich werde es beenden.“

„NEIN!“, brüllte Apophis durch das Kampfgetümmel.

„Doch! Ich will es so. Kümmert ihr euch um das fremde Schiff und um euch selbst. Beschäftigt die Xenos, während ich die Ladungen scharf mache und weiter ins Innere gehe. Die erste Ladung geht mit mir gemeinsam hoch. Danach folgen die vorderen im Frachtraum, gefolgt vom Tunnel.“

Andrew und Apophis sahen sich an, nickten in Richtung der Jaguarin und setzten den Angriff fort.

„Macht sie platt und haltet Selestral den Rücken frei. Sobald es knallt, rennt alle raus und weg von hier“, schrie Ariana.

Sitral erstarrte, schaute Selestral hinterher, welche sich unbehelligt von Angriffen langsam entfernte, die Sprengsätze hinter sich her schleifte und sich nochmals kurz umdrehte. Sie sah zu Sitral und nickte langsam, warf ihr einen Kuss zu und begann damit den Inhalt des ersten Rucksacks zu verteilen. Immer wieder ging sie auf die Knie, platzierte ein Päckchen, programmierte die elektronische Zünduhr und ging weiter.

Nach einer viertel Stunde war die Jaguarin nach rechts abgebogen und verschwand endgültig im Tunnel.

In Sitral kochte die Wut hoch. Nicht nur, dass sie genervt war von der Vehemenz der Xenomorphe und deren überschäumender Aggressivität, sie verlor in diesem Augenblick Stück für Stück eine geliebte Freundin.

Sie hatte ihr eh verziehen, dass sie mit ihrem Ehekater intim gewesen war. Auch, wenn beide ihr es nicht gesagt hatten, so wusste sie es, waren die Blicke von Colras und Selestral aussagekräftig genug und der Moment in dem sie beide allein in der gestrandeten Fähre festsaßen lang genug und die Situation geradezu aussichtslos. Sie machte beiden keine Vorwürfe und konnte nicht mit Sicherheit sagen, wie sie sich selbst in einer solchen Lage verhalten hätte.

Etwas in ihrem Inneren sagte ihr, dass sie ihr persönlich verzeihen sollte, wollte sie Selestral plötzlich noch so viel sagen, aber es war zu spät dafür und der Abschied abrupt und nicht beendet.

„Dafür werdet ihr mir büßen, ihr verdammten Mistviecher“, schrie sie auf, hob den Blaster und rannte mitten in die heranstürmenden Aliens hinein, durch sie hindurch und begann das Feld von hinten aufzuräumen.

Damit hatte niemand gerechnet und so ergab es sich, dass die Xenomorphe von jetzt auf gleich an zwei Fronten kämpfen mussten, was sich für sie als sehr schwierig erwies. Ihre Anzahl nahm innerhalb von wenigen Minuten drastisch ab, bis schließlich alle Kampfhandlung ein jähes Ende nahmen.

„Wir haben es geschafft“, frohlockte Kira.

„Ja. Ein bitterer Sieg“, seufzte Sitral und schaute zu Boden, setzte sich hin und begann zu weinen.

„Was ist los? Was ist passiert?“, fragte Stella.

„Selestral ist gegangen“, sagte Apophis und atmete tief durch.

„Was? Wohin?“, fragte Cyron.

„Sie wird nicht mehr zurückkehren“, murmelte Sitral und schaute durch glasige Augen in die Runde.

„Was hat sie vor?“, hakte Cyron nach.

„Sie hat die Sprengsätze mitgenommen“, hub Andrew an. „Sobald die erste Explosion zu hören ist, sollen wir verschwinden. Besser wäre es wohl, wenn wir gleich gehen und nicht länger warten.“

„Sie zündet von Hand?“, fragte Jody Thorn ungläubig.

„Tief im Inneren des Tunnels, innerhalb der Höhle, dann werden wohl die Sprengsätze hier hoch gehen und dann der Rest“, schlussfolgerte Apophis.

„Dann lasst uns hier verschwinden“, schrie Kira und zeigte in Richtung des Ausgangs.

Andrew beugte sich zu Sitral herunter, griff sie sanft beim Arm und zog sie langsam hoch. „Hey, komm mit. Sonst würdest du es dir nie verzeihen und Selestral dir erst recht nicht.“

„Sie ist dann eh tot“, schnauzte Colras und wurde Zornesrot.

„Dann erst recht!“, brüllte ihn Andrew an.

„Ach ja? Hast du schon Mal einen Freund oder eine Freundin verloren?“

„Ja! Das haben wir alle. Aber was bringt es, wenn man deren Entscheidung anzweifelt und sich selbst aufgibt. Sie hat diesen Weg gewählt und jetzt macht ihn nicht sinnlos, indem ihr euch vergesst“, grollte Andrew und packte Colras am Revers.

Der Tigerkater fühlte sich angegriffen und im Recht. Er holte aus, schlug Andrew die Hände weg, was dazu führte, dass der Säbelzahnlöwe die Beherrschung verlor, ausholte und ihm die Faust mitten ins Gesicht schlug.

Benommen torkelte der Tigerkater nach hinten, stolperte über einen den Alienkadaver und ging zu Boden.

Mit einem Mal war Sitral wieder ganz im Hier und Jetzt, schrie auf und stürzte sich auf Andrew.

Das wiederum hatte zur Folge, dass sich Apophis, Jody und auch Kira bemüßigt fühlten einzugreifen, die Streithähne zu trennen versuchten.

Kurzum, es ging schief und ein heftiges Handgemenge entstand. Es bildete sich eine wüste Schlägerei, flogen Fellbüschel, spritzte Blut und flog am Ende ein Eckzahn durch den Raum.

Gerade noch rechtzeitig piepste das Intercom. <„Captain an Bodentrupp! Wie sieht es bei euch aus. Wir empfangen hier Daten aus dem Auto-Doc und die sehen nicht gut aus.“>

Die Prügelei fand ein jähes Ende, standen alle wie angewurzelt, begriffen jetzt erst was sie gerade getan hatten und welche Konsequenzen ihre Handlung haben würde.

„Verdammt, was ist mit uns los?“, raunte Jody.

„Ich weiß es nicht. Wir sind einfach überreizt“, murmelte Apophis.

„Es tut mir Leid, Colras“, versuchte sich Andrew an einer Entschuldigung.

Der Tigerkater winkte ab. „Ist schon gut. Musste ja mal soweit kommen.“

„Jetzt lasst uns aber verschwinden“, mahnte Kira. „Die Explosionen werden nicht ewig auf sich warten lassen.“

„Du hast recht. Alle Mann raus hier“, schrie Andrew.

In diesem Moment hörte man Kilometer entfernt einen dumpfen Knall, dann einen weiteren und einen dritten.

Das war das Startsignal. Wie von der Tarantel gestochen rannte die Meute aus dem Frachtraum heraus, durchquerte den Saal mit dem Steuermann und verließ in Windeseile das sterbende Schiff.

Gerade noch rechtzeitig hoben die Fähren ab und setzten Kurs auf die Ho-rem-hab.

Als sie etwa vierhundert Meter entfernt waren, sah man wie das Schiff in weiten Teilen in sich zusammenstürzte, dichter Qualm aufstieg und andere Teile förmlich in die Luft geschleudert wurden.

„Wir haben es wirklich geschafft. Der Alptraum ist vorbei“, freute sich Ariana.

„Nicht ganz, meine Liebe“, konterte Cyron. „Wir haben da oben noch das Problem mit einem fremden Schiff, welches scheinbar die Basis für die Sektierer darstellt.“

„Ach ja. Das haben wir ja auch noch am Hintern kleben“, stöhnte Colras.

„Und es gibt Lebenszeichen an Bord“, mahnte Stella.

„Aber wer sollte dort an Bord sein?“, sinnierte Kira.

„Das wird sich zeigen, wenn das Schiff dicht genug heran ist und die Scanner durchdringen“, erklärte Sitral.

„Wie geht es dir?“, fragte Jody gedämpft.

„Danke, dass du fragst. Aber wie sollte ich mich schon fühlen? Ich habe gerade jemanden verloren der wie eine Schwester für mich war.“

„Kann ich mir vorstellen“, versuchte Jody zu trösten.

Aus dem Lautsprecher des Intercom hörte man plötzlich sehr verrauscht und fast nicht mehr verständlich eine Stimme. Man erkannte immerhin, dass sie weiblich war und einige Fetzen folgten, welche mit gutem Willen einen Sinn ergaben. Allerdings wollte deren Inhalt keiner recht glauben.

<„Seles… bin hier… kom… abhol… oder habt ihr… sen…“>

„Was?“, murmelte Andrew.

„Das ist Selestral!“, schrie Sitral aufgeregt. „Sie hat überlebt und wir sollen sie abholen.“

„Hmmm… klingt logisch und auch nicht“, grübelte Apophis.

<„Hier ist Captain Melina. Wir haben den Funkspruch auch gehört. Sitral, kehre um und schaue nach. Wenn Selestral noch leben sollte, dann hol sie da raus.“>

<„Nichts mache ich mit mehr Vergnügen wie Das“>, rief die Schneeleopardin begeistert und gab die entsprechenden Steuerungsbefehle ein, gab der Fähre förmlich die Sporen.

Während die fünf verbliebenen Fähren auf die Hangare zwei bis vier verteilt auf der Horem-hab ankamen, setzte Sitral zur Landung an und setzte die Fähre sanft neben den Trümmern des Alien-Mutterschiffes auf.

Nachdem das Schott geöffnet war betrat sie den Boden des nunmehr leblosen Himmelskörpers und gewahrte eine Gestalt, welche sich humpelnd und auf einem abgetrennten Alienbein abstützend in ihre Richtung bewegte.

„Selestral“, schrie Sitral aufgeregt und rannte ihrer Freundin entgegen.

Als sie sich gegenüberstanden ließ die Jaguarin die provisorische Gehhilfe fallen und fiel der Schneeleopardin um den Hals. „Es tut mir so leid. Wir wollten das nicht“, schluchzte Selestral.

„Ich weiß was ihr getan habt und es ist okay. Ich mache euch beiden keine Vorwürfe. Vielleicht hätte ich in der Situation auch so gehandelt.“

„Du wusstest davon?“

„Ja. Eure Blicke haben euch verraten und ich kann auch bis zwei zählen“, erwiderte Sitral und zwinkerte frech. „Aber jetzt komm an Bord. Wir müssen weg.“

Wenige Minuten später war die letzte Fähre auf dem Weg und weitere zwanzig Minuten darauf im Hangar drei angekommen.

<„Sitral an Krankenstation. Sofort hierher! Wir haben eine Verletzte.“>

<„Tristan hier! Ich bin mit zwei Helfern auf dem Weg.“>

<„Sitral an Brücke! Ich bin auf dem Weg zu euch.“>

<„Verstanden! Du wirst hier gebraucht“>, vernahm sie die Stimme des Captains.

<„Aye, Captain!“>

„Ich muss los“, sagte sie noch, lächelte offen und küsste die Jaguarin sehr innig, streichelte sie intensiv und ließ dann ab. „Bis später, meine liebste Freundin.“

„Erster Offizier auf Brücke“, rief Ionos von der Navigationskonsole, ohne seinen Blick von dieser zu lösen.

Captain Melina drehte sich zur Aufzugstür um und nickte freundlich. „Wie geht es Selestral?“

„Den Umständen entsprechend gut. Sie hat einige Schrammen und einen scheinbar angebrochenen Fuß. Ansonsten scheint sie unverletzt.“

„Ausgezeichnet!“, intonierte die Stute.

Sitral wirkte trotzdem irritiert und wandte sich an Ionos. „Was sollte denn die-se Begrüßung? Erster Offizier auf Brücke… Tz… Ich bin ja wohl kaum zu übersehen.“

„Und im Moment auch nicht zu überhören“, mischte sich Zoya frech ein.

„Eh!“, entfuhr es Sitral und sie streckte sich. „Was macht das Fremdschiff? Haben wir schon Daten?“

„Darüber wollte ich gerade mit dir reden“, antwortete der Captain und machte ein finsteres Gesicht. „Es befinden sich Dutzende Lebensformen an Bord. Wie es scheint sind sie fast ausschließlich künstlich.“

„Das hört sich beunruhigend an“, erwiderte Sitral.

„Nicht nur beunruhigend. Es scheint fast so, als ob es gar keine Sektierer unter den Menschen gibt und das Ganze ist eher eine Verschwörung der Synthetischen, die sich ihres Herren entledigen wollen und wir gerade recht kommen als Mittel zum Zweck“, erklärte die Stute.

„Du meinst, ich mache meinen Feind zum Feind des anderen Feindes, die räuchern sich gegenseitig aus, ohne dass ich mir die Finger schmutzig machen muss?“

„Genau so sieht es aus.“

„Damit haben wir unter den Menschen mehr Freunde als gedacht. Wie steht es mit Verstärkung? Haben wir da was in Reichweite?“, fragte Colras von der Wissenschaftsstation dazwischen.

Andrew stand an der Taktikkonsole und scannte den Bereich weiträumig. Schließlich schüttelte er den Kopf. „Nein, kein weiteres Schiff in Reichweite der Scanner, auch der Tiefenscan ist erfolglos.“

„Das ist jetzt ziemlich schlecht“, murmelte Sitral.

„Kira. Du bist doch ein Technikgenie. Wie würden die Synthetischen reagieren, wenn die bemerken, dass auf LV426 ihr Spielzeug von uns komplett zerstört wurde. Es geht dabei um künstliche Intelligenz und schneidende Logik in reinster Form“, wandte sich Melina an die kleine Luchsin.

„Wenn ich als Lebewesen mit Gefühl so etwas feststellen würde, dann wäre ich stinksauer und würde versuchen den Täter zu bestrafen. Wenn ich von reiner Logik ausgehe, dann würde diese Strafe mein kaputtes Spielzeug nicht wieder reparieren und ich würde alles stehen und liegen lassen und mir etwas anderes überlegen.“

„Klingt mir zu vage“, seufzten Zoya und Melina gleichzeitig.