Kapitel 20
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Kapitel 20
Schmerz
Im OP-Raum der Station neigte sich die Nierentransplantation langsam dem Ende zu. Sirius' Zustand war stabil und keiner der Anwesenden dachte auch nur ansatzweise daran, dass sich das Blatt abrupt wenden könnte. Warum auch, war Sirius' Zustand zuvor nicht gerade rosig, aber dafür der von Wotan in einem geradezu perfekten.
So achtete keiner, weder Finlay, noch Parais, Sitara oder Tristan darauf, dass sich bei Wotan etwas änderte. Zuerst nur unauffällig, aber dann rasant, wurde die Atmung des Rüden schwerer, unregelmäßiger, setzte zeitweise aus, das Herz fing an arhythmisch zu schlagen.
Jeder Versuch ihn zu stabilisieren schien von seinem Körper abgelehnt zu werden.
Minutenlang versuchten Parais und Finlay den Wolf ins normale Leben zurückzuholen. Aus Minuten wurden gefühlte Stunden.
…
…
…
…
…
…
…
„Zeitpunkt des Todes?“, sagte Finlay, wie in einem Albtraum.
„14.38 Uhr“, antwortete Parais mechanisch.
Sitara stand in einer Ecke des Raumes und begann bitterlich zu weinen, Tristan schaute zu Boden und verließ eilig den Raum. Draußen angekommen schrie er laut auf und sank auf die Knie.
Aufgeschreckt durch des Greifes Wehklagen kamen Regar, Kira, Andrew und Tarja angelaufen und halfen ihm auf.
„Was ist passiert?“, fragte Kira.
Der Greif zeigte tränenüberströmt auf das Labor, brachte aber keinen Ton hervor. Er brauchte auch nichts zu sagen, denn Finlay, Parais und Sitara er-schienen und ihre Gesichter sagten mehr als genug.
Betroffenheit machte sich breit und Tarja hatte einen Klos im Hals. „Was ist passiert?“, fragte sie mit belegter Stimme.
„Wir haben Wotan verloren. Sirius geht es gut, aber er wird seinen Partner nicht mehr wieder sehen“, sagte Finlay und seine Augen waren leer. „Wie sollen wir ihm das nur erklären?“
„Wichtig ist erstmal, dass Sirius wieder in Stasis ist, die Werte sehr gut aussehen. Der Rest wird sich ergeben, wenn er wieder wach ist und nach ihm fragt“, warf Parais ein. „Tut mir Leid, das klingt vielleicht herzlos, aber Wotan wusste um das Risiko und Sirius wird immer ein Teil von ihm bei sich haben.“
„Das ist ein verdammt schwacher Trost. Sirius wird sich eher denken, warum habt ihr mich nicht sterben lassen, denn dann würde Wotan noch leben. Du kennst diese Gedankengänge“, gab Kira zu bedenken.
„Ja, aber die sind nutzlos, denn die ändern nichts an den Tatsachen.“
„Eben!“, mischte sich Chiron ein.
„So langsam wird mir das mit den Verletzten, Amputierten und Toten zu viel des Guten. Ich habe das Gefühl in einem Daueralbtraum gefangen zu sein. Wann hat das endlich ein Ende?“, schrie Kira plötzlich auf und hämmerte mit den Fäusten gegen die Wand.
Andrew bremste sie und nahm sie in die Arme. „Hey, ganz ruhig. Wir leiden alle unter diesem Dauerkreislauf, aber es kommen wieder bessere Zeiten. Ganz sicher.“
Kira ließ ihren Tränen freien Lauf und krallte sich in die Mähne des langzähnigen Löwen.
„Wie viel kann man aushalten, bevor man zerbricht?“, fragte er beiläufig und ging mit ihr in einen Nebenraum.
„Das ist eine gute Frage“, sinnierte Ariana, welche mit Hadron aus einem Nebenraum herauskam und die abschließende Frage von Andrew gerade noch mitbekamen.
„Was ist denn passiert?“, fragte der Löwe.
„Wotan ist tot“, sagte Finlay trocken.
„Was? Wie das?“
„Er hat die Nierentransplantation nicht verkraftet.“
„Bei Bastet. Das nicht auch noch. Was ist mit Sirius?“
„Dem geht es soweit gut. Wenn er aus der Stasis raus ist, dann wird für ihn wohl erstmal die Welt zusammenbrechen.“
Hadron schaute zu Ariana: „Bleib bei mir, meine Löwin.“
Sie lächelte ihn an und gab ihm einen innigen Kuss.
„So stehen frische Liebe und Partnerschaft auf der einen Seite und der plötzliche Tod eines langjährigen Freundes und auch Partners auf der anderen“, seufzte Parais.
„In jedem Tod steckt ein Samenkorn. Ein Korn was aufkeimt, wächst und blüht.“
„Weise Worte, aber der Schmerz muss erstmal verarbeitet werden, dann kann erst wieder etwas blühen“, flüsterte Tarja.
Cyron saß schon wieder im Computerraum, starrte auf die Monitore und schüttelte den Kopf. „Wächst uns das alles über den Kopf?“, fragte er sich leise.
„Wir brauchen Antworten“, polterte Hadron. „Ich bin es Leid, dass wir nur Fragen haben und die Antworten die wir haben sind unbefriedigend.“
„Ja und dieser Cromwell sitzt auch hier nur herum, beschäftigt zwei Sicherheitsleute und gibt mehr Rätsel auf als es Wert ist.“
„Was schlägst du vor?“
„Ich weiß es im Moment nicht. Ich habe keinen Faden den ich gerade verfolgen könnte.“
Während in der Urwaldbasis eine Depressionswelle sich der involvierten Anwesenden bemächtigte, machten die vier Crewmitglieder der Re-harachte erstaunliche Entdeckungen.
Die kleine Gruppe beschritt folgsam den leicht grünlich beleuchteten Weg und ging immer tiefer ins Felsmassiv hinein.
Links und rechts ihres Pfades zweigten Seitengänge ab, welche zuweilen an einer Tür endeten, zuweilen sich wieder verzweigten und irgendwo endeten, was man von ihrer Position aus nicht erkennen konnte.
Nach mehreren hundert Metern änderte sich das Ambiente und die Wände, welche den Gang säumten, wurden durchbrochen von Aussparungen die einen Blick auf riesige, tiefer gelegene Hallen boten. In diesen Hallen waren entweder gewaltige Skorpione zu sehen, welche dem ähnelten mit denen sie hierher gekommen waren, in einer anderen Halle waren es ebensolche, nur wesentlich kleiner. Allen war aber eines gemein; sie alle standen still und extrem sortiert in Reih' und Glied.
Seth blieb stehen und schaute genau hin. „Seht euch das an. Sieht aus wie eine Angriffsarmee.“
„Du hast recht. Sieht tatsächlich danach aus. Aber warum das Ganze?“
„Das werden wir wohl erfahren, wenn wir weitergehen.“
„Gut, gehen wir weiter.“
Der Anblick links und rechts des Weges wiederholte sich anfangs, aber wenig später waren keine Hallen mehr zu sehen.
Hinter Glasscheiben sah man jetzt kleinere Räume in denen lediglich Roboterarme und fahrbare Maschinen aktiv waren. Allerdings war das nicht das außergewöhnliche, denn das kannten sie ja schon. Viel wichtiger war, dass was diese machten und es sollte einige Fragen aufwerfen, aber auch beantworten.
Eines war augenscheinlich. Diese riesigen Skorpione wurden nicht konstruiert. Nein, so einfach war es nicht. Vielmehr entstanden diese Tierchen durch normale Reproduktion, wurden gezeugt, geboren, wurden gefüttert, fraßen und wuchsen.
Sie durchliefen alle biologischen Reifungsprozesse wie ein normales Tier, allerdings geschah dann etwas, wenn das Tier im halberwachsenen Stadium war. Ihnen wurde eine Substanz injiziert, welche einen Riesenwuchs in Gang brachte und zusätzlich nach und nach biomechanische Implantate ein- und angepflanzt, welche ihrerseits scheinbar mitwuchsen.
„Die bauen hier Cyborgs?“, entglitt es Prior.
„Faszinierend“, entfuhr es Danae, „Mich würde interessieren wie die die bio-mechanischen Implantate mit dem Hirn und dem übrigen Körper vernetzen und wie die es schaffen, dass die Abstoßungsrate scheinbar bei Null liegt.“
„Lass uns besser weitergehen. Ich glaube, dass das alles hier mindestens eine Nummer zu groß ist“, flüsterte Seth.
„Was denn Captain, du hast doch wohl keine Angst?“, murmelte Sherat.
„Angst nicht, aber ich habe keine Lust wie eine Zielscheibe hier herumzustehen.“
„Ich auch nicht. Aber jetzt habe ich viele Fragen und keine macht mir Sorgen“, merkte Danae begeistert an.
„Biologin halt“, mehr hatte Prior nicht mehr zu sagen.
Sandra hatte sich ihren Sohn Apollo geschnappt, mit ihm im Schlepptau die Station verlassen und stand jetzt, im wahrste Sinne des Wortes, im Wald.
„Mein lieber Sohn“, begann sie, „was sollte diese Diskussion?“
„Welche meinst du? Immerhin diskutieren wir sehr oft.“
„Ich meine diese Bemerkungen in Bezug auf Hadron und Ariana.“
„Ach, das meinst du. Das ist doch harmlos. Zumindest denke ich das.“
„Das denkst du. Das Hadron der Meinung ist, so offen mit seiner Sexualität umgehen zu müssen, dann ist das seine Sache. Aber das du auch noch sehr eindeutig zweideutige Bemerkungen machst, hat mich schon sehr irritiert.“
„Was genau hat dich denn daran gestört? Mich musst du nicht mehr aufklären, das habe ich schon selbst gemacht und dich muss ich nicht aufklären, denn sonst würde es mich nicht geben.“
Die Einhornstute schaute ihren, in ihren Augen gerade etwas missratenen Sohn tiefgründig an.
„Okay, damit muss ich wohl leben und nein, ich verzichte auf Details.“
„Die hätte ich auch nicht Preis gegeben“, erwiderte der junge Hengst zwinkernd.
„Diese Situation ist jetzt echt unbegreiflich peinlich.“
„Oder die Zeit ist schneller vergangen, als du es für möglich hältst und du musst dich anpassen.“
„Einfach unbegreiflich peinlich. Da stehe ich mit meinem Sohn im Wald und stelle fest, dass ich alt geworden bin und mein Sohn Sex für sich entdeckt hat.“
„Soweit würde ich nicht gehen. Eher habe ich die Entdeckung selbst gemacht.“
„AHHHHHHHH! Das will ich nicht hören. Du bist versaut und hast das garantiert nicht von mir.“
„Nein, das stimmt.“
„Nun gut, lass uns wieder rein gehen oder wolltest du noch etwas hier draußen Lustwandeln?“
„Eigentlich nicht, aber ...“, begann er, kam jedoch nicht weiter da sich eine fremde Gestalt näherte.
Apollo schaute etwas verunsichert in den Wald hinein.
„Die Umrisse kommen mir etwas vertraut vor“, flüsterte Sandra.
„Ja, sieht nach einem Artgenossen aus.“
„Hallo?“, rief die Stute, der sich nähernden Gestalt entgegen.
„Hallo. Mein Name ist Zeus“, kam die Antwort.
„Komm ruhig näher. Was führt dich her?“
Die Gestalt näherte sich zielstrebig und entpuppte sich als Einhorn, wenn auch nicht wie gewöhnlich in weiß. Mitnichten, denn dieses Einhorn war ein kohlrabenschwarzer Anthrohengst.
Er baute sich vor den beiden auf und nickte freundlich.
„Hallo Zeus. Ich bin Sandra und neben mir steht mein Sohn Apollo.“
„Ich grüße euch. Ich bin auf einer Art Reise und erkunde unsere Welt.“
„Oh, dann bist du wohl schon sehr weit herumgekommen und lange unterwegs.“
„Ja, das bin ich in der Tat und wollte euch fragen, ob ihr wisst, ob ich in der Nähe ein Nachtlager und etwas zu essen bekomme?“
„Dann begleite uns doch. Wir wollten gerade wieder in die Station zurückkehren. Da findest du alles, was du suchst.“
Sandra und Apollo drehten sich seitlich und nahmen den fremden, namens Zeus, in die Mitte.
Minuten später erreichten sie die Umzäunung und betraten anschließend den Hangar.
„Was ist das hier?“, fragte das schwarze Einhorn.
„Das ist schwer zu erklären, aber keine Sorge, es droht keinerlei Gefahr“, beruhigte Sandra.
„Das freut mich zu hören. Seid ihr hier allein?“
„Nein. Im Moment sind in der gesamten Station circa 310 Personen unterwegs. Wobei man bei 220 von ihnen nicht wirklich von unterwegs sein reden kann, da es sich eher um Verwundete handelt.“
„Verwundete? Hattet ihr einen Kampf?“
„So kann man es nennen. Aber lass uns weiter hinein gehen. Es gibt viele die dir alles genau erklären können.“
Im Tunnelbereich waren die Akteure mittlerweile knapp tausend Meter vorgedrungen und hatten nichts ungewöhnliches entdeckt.
„Die Wände sind geradezu wie geleckt“, sinnierte Antares. „Keinerlei Unebenheiten, spiegelblank. Selbst mit bloßen Händen fühlt man keinen Riss, keinen Vorsprung, keine Delle.“
„Sieht fast so aus, als ob der nicht gebohrt oder gesprengt wurde, sondern jemand einfach so mit einem Skalpell durch den Stein geschnitten hätte“, entgegnete Tripal.
„Du hast recht“, warf Sadral ein. „Als ob der Tunnel aus dem Gestein geschmolzen wurde und die flüssige Glut sich über den rauen Fels gelegt und erstarrt wäre.“
„Ihr könnt sagen was ihr wollt. Aber gefallen tut es mir trotzdem nicht. Außerdem behagt mir der warme Luftstrom nicht. Für mich deutet er daraufhin, dass sich zumindest am Ende des Tunnels irgendetwas befindet, dass ihn erzeugt. Und das wiederum sagt mir, dass da jemand ist“, gab Gienah ihren Eindruck wieder.
„Wenn da jemand wäre, dann hätten wir es schon längst bemerkt“, wiegelte Menkalina ab.
„Du meinst, dass wir dann schon angegriffen worden wären?“
„Ja.“
„Das kann immer noch passieren.“
„Lasst uns weiter gehen“, lenkte Sadral ein und seufzte leise.
Danae, Sherat und Prior, unter der Leitung von Seth, waren inzwischen zur Überzeugung gelangt, dass es sich bei der Anlage die sie vor sich hatten, um eine Aufzucht- und Ausbildungsanlage handelt.
Nach weiteren sechshundert Metern des Weges hatten sie scheinbar ihr Ziel erreicht. Eine Doppeltür schwang auf und sie betraten einen weitläufigen Raum, welcher an den Wänden übersät war mit Monitoren, Tastaturen und Steuerungselementen.
Alle Symbole, Schriftzeichen und durchlaufenden Anzeigen hatten zu ihrem Er-staunen aber eines gemeinsam. Sie konnten sie nicht entziffern, wohl aber kamen sie ihnen bekannt vor, kannten sie diese doch aus alten Überlieferungen, aus Überlieferungen weit vor ihrer Zeit, von ihren Vorfahren.
Allesamt waren es Zeichen die wie kleine Zeichnungen aussahen.
Sie hatten Hieroglyphen vor sich. Die Urschrift ihrer Urahnen, aus einer Zeit stammend, die Jahrtausende zurücklag.
„Das wird jetzt immer interessanter, trotzdem bin ich irritiert“, entfuhr es Danae.
„Frag mich mal“, entgegnete Sherat, der Leopard fühlte sich sichtlich unwohl.
„Willkommen, Cherit. Nachfahren der Antermerianer“, ertönte eine Stimme, welche angenehm sonor, aber gleichzeitig auch beherrschend war.
Die vier sahen sich erschrocken um und richteten ihren Blick auf einen Sessel am anderen Ende des Raumes, welcher sich langsam zu ihnen drehte.
Mit erhobenen Augenbrauen und starrem Blick musterten die wagemutigen Forscher die Person, die da im Sessel saß und sie anschaute.
„Ich wiederhole meine Begrüßung. Seid willkommen.“
Der erste, der seine Sprache wieder fand, war Seth und fand es sehr verwirrend, dass er selbst Seth als Namen trug und in diesem Moment seinem Namensgeber gegenüberstand.
„Seth?“
„Ja, der bin ich.“
„Entschuldigt bitte. Ich bin sichtlich verwirrt.“
„Das kann ich mir vorstellen. Immerhin begegnet man nicht jeden Tag einem seiner Götter aus uralten Schriften.“
„Das kann man wohl laut sagen“, rutschte es Prior raus, „zumal ich es jetzt mit zwei Seth's zu tun habe und als Captain reicht eigentlich einer schon aus.“
Der Captain der Re-harachte drehte seinen Kopf in Richtung des Hengstes, schaute ihn an und sein Blick ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass er damit ihn am liebsten hätte töten mögen. „Das ist die zweite Verwarnung, mein Freund“, knurrte er.
„Entschuldigung, was besseres fiel mir nicht ein.“
„Angenommen“, schnaubte der Esel.
„Wie ich sehe habt ihr euren Humor nicht verloren“, fuhr das Götterwesen fort.
„Also. Was genau geht hier vor sich und was haben die Angriffe auf unsere Schiffe von eurer Seite zu bedeuten und vor allem eure plötzlichen Auftritte innerhalb dieser Basis auf Genro?“, platzte es aus Sherat heraus.
„Das sind viele Fragen auf einmal, aber ich werde sie gerne beantworten.“
„Das wäre sehr freundlich von euch.“
„Zunächst erstmal müsst ihr mich nicht in der dritten Person ansprechen. Ich bin Seth und wie alle Götter eurer Überlieferungen, ebenso der Chafren und auch der Menschen, kein Gott. Weder ich, noch Osiris, Ptah, Chnum, Thot, Bastet, Sachmet, Maahes, Anubis, Horus, Isis, Sobek, Hathor, Min und all die anderen sind Götter. Wir sind Antermerianer und ganz natürliche Lebewesen.“
„Das klingt mehr als faszinierend. Aber da kommen mir noch ganz andere Fragen in den Sinn?“, ging Danae kurz dazwischen.
„Darauf komme ich gleich zu sprechen“, fuhr der Antermerianer fort. „Wir kommen nicht aus eurem Universum. Wir begannen uns vor genau 8,9 Mrd. Jahren zu entwickeln. Unsere Evolution nahm rasante Fortschritte an, es gab nichts vergleichbares in unserem bekannten Universum. Genau wie ihr auch, machten wir Fortschritte in Ackerbau und Viehzucht, im Anbau von pflanzlichen Nahrungsmitteln, später kamen dann wissenschaftliche und technische Errungenschaften dazu.
Gerade auf dem Gebiet der Forschungen im technischen und wissenschaftlichen Bereich erreichten wir wahre Glanzleistungen.
Es gelang uns Raum und Zeit beliebig zu formen und uns darin frei zu bewegen. Es gelang uns, uns frei durch die Dimensionen innerhalb unseres Universums zu bewegen. Nichts konnte uns aufhalten, aber es sollte doch eine letzte Barriere bleiben. Unser Universum war nach unserem Kenntnisstand ein sogenannten Bläschenuniversum, es ploppte sozusagen vor 24,5 Mrd. Jahren auf, dehnte sich aus, Raum und Zeit entstanden, die Dimensionen formten sich.
Alles konnten wir beherrschen, nur eines nicht. Und dieser eine Umstand machte uns zu Vertriebenen und Gejagten und das bis heute.
Wir schickten Raumsonden an die Grenzen des uns bekannten Raumes, konnten uns teilweise durch entsprechende Technologien frei durch die Dimensionen teleportieren und uns selbst von der unumstößlichen Tatsache überzeugen. Von der Tatsache, dass die Zeit unseres Universums irgendwann gekommen sein würde.
Die Blase in der wir leben, begann schon zu schrumpfen, verkleinerte sich unaufhörlich. Die Katastrophe stand quasi vor der Tür und wir begannen fieberhaft nach einer Lösung zu suchen. Wir fanden eine. Wir haben eine Technologie entwickelt die einen Transfer durch die verschiedenen Universen ermöglicht.“
„Lass mich raten, irgendwas ging schief?“, fragte Captain Seth dazwischen.
„Anfangs nicht. Die Technologie ist relativ zuverlässig. Wir hatten herausgefunden, dass es String- und Bläschenuniversen gibt und diese sich zuweilen berühren, aber ein Übergang an diesen Berührungspunkten nicht möglich ist, da die Materie in ihnen in einer unabhängigen Frequenz schwingt. Wir hatten die Möglichkeit ausgearbeitet und auch später nutzbar gemacht, dass man die Materie seines eigenen Universums in ihrer Frequenz der des anderen anpassen kann.“
„Tja, das hat ja wohl funktioniert, sonst wäret ihr ja wohl nicht hier.“
„Ja, das ist korrekt. Leider waren wir nicht die Einzigen, die all das bemerkten und fieberhaft an einer Lösung arbeiteten. Derer sah ähnlich aus, allerdings mit Kombination des Dimensionstransfers.
Leider ist es eine extrem kriegerische Rasse und sie wollten diese Technologie für andere Dinge nutzen wie wir. Während wir überleben wollten, wollte diese Spezies unbedingte Macht über alles was bekannt und unbekannt ist.“
„Moment. Wer hat jetzt im Subraum auf uns gefeuert?“, fragte Captain Seth dazwischen.
„Das waren nicht wir. Wir können im Subraum unsere Waffen nicht nutzen, genau wie ihr.“
„Das heißt, wir haben alle einen gemeinsamen Feind. Einen Feind der alles ausradieren will?“
„Das trifft genau zu. Egal ob Cherit, Chafren, Menschen und auch wir, haben einen gemeinsamen Feind und er ist aktiv. Er verfolgte uns aus unserem Universum heraus in das eure, quer durch verschiedene Subräume und im letzteren trafen wir leider auf euch.“
„Schön und gut. Wir sind also quasi an der falschen Stelle zur falschen Zeit aufgetaucht. Aber, was ist das dann hier für eine Anlage? Sie wollen mir doch nicht weiß machen, dass so etwas wie das da draußen über Nacht entsteht“, grummelte Prior.
„Nein. Das Ganze was ich gerade erzählte erstreckt sich über einen Zeitraum von Millionen von Jahren in eurem Universum.“
„Ah, okay. Aber warum der ganze Zauber?“
„Um euch, die Chafren und auch die Menschen zu schützen und auf ein besseres Verständnisniveau zu bringen.“
„Das da draußen ist eine Armee und nicht gerade Diplomatie.“
„Die Diplomatie bei dieser feindlichen Rasse ist gescheitert, bevor sie überhaupt begann. Es gibt keinen gemeinsamen Nenner, es gibt nur einen Krieg der nicht erklärt wurde, weil er begann und nicht enden wird. Diese Armee ist der Erfolg von über 10.000 Jahren Arbeit und Forschung.“
„Jetzt mal ganz langsam zum mitschreiben“, knirschte Danae. „Sie sind Antermerianer, keine der Götter die wir in der Vorzeit hatten und auch die der Chafren und Menschen. Es handelt sich alles nur um Antermerianer, also euch. Euer Universum wird kollabieren, ihr fandet eine Lösung und zogt unbewusst eine machtgierige und kriegshetzerische Rasse mit euch in unser Universum. Ihr wurdet mehrfach angegriffen. Diese fremde Spezies kann im Subraum feuern, ihr nicht. Also waren es diese Fremden, die uns die schweren Schäden zugefügt haben. Also seid ihr Freunde, keine Feinde und wir Cherit, die Chafren und auch die Menschen stecken tief in der Klemme.“
„Ja, das passt, wenn man es ganz einfach ausdrückt.“
„Aber was ist mit eurem auftauchen in der Station und den Angriffen auf die Chafren und Kampfanthros?“
„Das waren teils Provokationen ihrerseits, aber um dich zu beruhigen, die An-griffe sollten eigentlich keine sein. Wir hatten Probleme mit der Phasenstabilität innerhalb der Dimensionsverschiebungen. Dabei handelte es sich um Flucht- und Sabotageversuche unsererseits an Einrichtungen des Feindes in dessen gerade gewählter Dimension.“
„Hä? Das verstehe ich nicht.“
„Ganz einfach erklärt. Der Feind sitzt in seiner gewählten Dimension und springt von Zeit zu Zeit an Orte an denen man ihn nicht vermutet und auch gar nicht haben will. Das können wir auch und wissen wo und wie er auftaucht. Daher springen wir auch hin und her. Der Feind weiß das mittlerweile.
Wir konnten eine Zeit lang durch gezielt Sprünge und Anschläge seine wichtigen Anlagen zur Produktion einer eigenen Armee und zur Produktion noch verheerenderer Waffen sabotieren. Anfangs lief das perfekt, aber wie das so ist, er passte sich an und konterte mit einer Störung in der Phasensynchronisation.
Daher tauchten wir so merkwürdig in eurer Station auf. Mittlerweile haben wir das Problem aber gelöst und die Phasendestabilisatoren des Feindes zerstört. Damit dürfte er für einen gewissen Zeitraum mit sich selbst beschäftigt sein und sollte uns nicht mehr zur Last fallen. Aber lange wird das so nicht anhalten.“
„Das klingt jetzt alles sehr plausibel. Aber was für eine Rolle haben wir jetzt in diesem Krieg?“
„Ihr wart schon mal auf der Erde und hattet Kontakt mit Menschen. Wie schätzt ihr sie ein?“
„Nun ja. Sie hatten uns den Krieg erklärt, haben Kampfanthros gezüchtet, auf der Erde und hier auf Genro, um uns zu vernichten. Im Nachhinein hat sich aber herausgestellt, dass das alles wohl doch nicht so war und alles nur ein Lügenkonstrukt, um die Menschheit im Argen zu belassen und eigentlich ihr der Feind seid.“
Der Antermerianer Seth atmete tief durch. „Dann wird es Zeit mit offenen Karten zu spielen und ein paar Ansprachen zu halten. Zunächst werden wir mal in der Station auflaufen und ein paar Erklärungen abgeben. Ihr kehrt bitte auf euer Schiff zurück, kontaktiert die anderen Schiffe und klärt sie auf.
Wir werden sehr gerne mit jedem Captain einzeln reden, wenn er es denn möchte.
Und bevor ihr die Frage stellt; ihr werdet auf der Oberfläche landen und eure Subraumkreuzer reparieren. Ihr müsst bereit sein, wenn wir zur Erde aufbrechen.“
„Wir werden was?“, fragte Danae erstaunt.
„Ein Teil eurer Flotte wird einen Teil von uns zur Erde begleiten. Ein anderer Teil wird hier bleiben und Genro und Cyndra absichern und eines unserer Schiffe wird sich auf den Weg nach Festrid machen. Das Versteckspiel hat ein Ende.“
„Okay, das wird aber eine Weile dauern. Wir haben Verletzte auf Genro.“
„Ich weiß Bescheid. Ich weiß auch, dass es in der Station einen Kampf gab, während ihr hier bei uns ward.“
„Es gab einen Kampf?“
„Ja. Der Hangar war zwischenzeitlich unter feindlicher Kontrolle, aber wir haben das geändert. Außerdem haben die Chafren unliebsamen Besuch. Einen Cyron aus einer Paralleldimension, welche sich aber nur als Relevanz bildete, nachdem vor längerer Zeit ein gewisser Chiron durch ein Zeitportal sprang und dadurch einiges durcheinander brachte. Wir konnten leider nicht korrigieren und auch nicht vorhersehen, dass dieser Cyron plötzlich einen Weg findet in diese Dimension einzufallen.
Damit müssen wir leben, aber das ist das kleinste Übel und keine Gefahr. Außerdem kommt gerade neuer Besuch in der Station an. Er ist ein Forscher, ein Suchender. Auch er ist keine Gefahr, er schlägt nur etwas aus der Art und wirkt zuweilen seltsam.“
„Ein neues Rätsel für unsere Chafrenfreunde?“
„Ja und das soll es auch bleiben. Es handelt sich um einen schwarzen Einhornhengst namens Zeus. Er ist auf unserer Seite und kennt sich mit kontrollierten und unkontrollierten Dimensionstransfers aus. Er weiß es nur im Moment noch nicht. Aber zu gegebener Zeit wird er es wissen und intuitiv das richtige tun.
Bis dahin bleibt das ein Geheimnis und er wird sich lediglich etwas sonderbar benehmen und teilweise aufdringlich neugierig sein.“
„Ah. Er ist also ein Informationssammler?“, fragte Danae frei heraus.
„So in etwa“, entgegnete Seth. „Ihr habt viel zu tun. Wie wir auch.“
Die vier drehten sich um und verließen die Anlage, bestiegen am Ende ihre Fähre und starteten.
„Wie geht es Sirius?“, fragte Kital an Parais gewandt.
„Sehr gut. Keinerlei Abstoßung der Niere, die Blutwerte haben sich normalisiert und der Heilungsprozess läuft in den erwarteten Parametern.“
„Ausgezeichnet.“
Grey und Sinja hatten sich derweil aus dem Bett bewegt, die Dusche geentert, benutzt, sich angezogen und waren auf dem Weg zum Speisesaal der Ra-em.
„Es ist sehr leer geworden hier“, merkte der Säbelzahntiger an.
„Ja. Die anderen sind alle auf Genro und in der Station. Es gab in der Zwischenzeit einige unangenehme Sachen die sich hier im Raum und auf dem Planeten abspielten.“
„Das hört sich nach einem Fall für Super-Grey an.“
Die Füchsin sah ihn an und musste grinsen. „Super-Grey? So so. Eine Sache kannst du wirklich super.“
„Ich weiß und versuche sie weiter zu verbessern.“
„Noch besser? Zu Hilfe, nicht doch. Dann will ich nachher gar nicht mehr aus dem Bett.“
„Käme mir sehr entgegen.“
„Von Luft und Liebe kannst aber selbst du nicht auf Dauer leben, mein Schatz.“
„Da gebe ich dir recht. Aber schön ist es trotzdem.“
„Au ja.“
„Aber jetzt sollten wir erstmal etwas essen.“
Sie betraten den Saal, nachdem die Tür sich leise zischend geöffnet hatte und trafen auf Berca.
„Hallo, ihr zwei. Es freut mich sehr, dass ich euch auch mal wieder sehe.“
„Ja. Mich hatte es schwer erwischt“, sagte Grey.
„Ich hatte da was gehört“, erwiderte die Hündin und seufzte.
„Ja. Dieser bekloppte Cromwell war auf ihn losgegangen“, knurrte Sinja.
„Hoffentlich haben die ihn in der Station besser im Griff.“
„Wie meinst du das?“
„Ach, das wisst ihr noch gar nicht?“
„Was?“, fragte Grey.
„Cyron hatte diesen verrückten Menschen direkt bei Drekal angefordert und ihn in die Urwaldbasis bringen lassen.“
„Was? Das ist nicht gut. Ich glaube ich sollte zur Oberfläche. Mittlerweile würde ich es eh vorziehen mal wieder frische Luft zu atmen und festen Boden unter den Pfoten zu haben.“
„Okay. Reden wir mit dem Captain und sehen mal was wir machen können“, er-widerte Berca.
Sandra, Apollo und der Neuzugang Zeus schritten langsam durch die Gänge der Ebenen, wurden von den Kameras erspäht und Tarja, welche den Platz von Kira eingenommen hatte, hob eine Augenbraue.
„Ähm ... Leute“, sie schnippte mit den Fingern der linken Hand, „wir bekommen Besuch. Sandra und Apollo bringen da jemanden mit.“
Cyron eilte durch den Raum und sah interessiert auf die Monitore, auf deren Splitbildern das Trio erst links oben auftauchte und dann mittig in den Fokus geriet.
„Faszinierend! Ein schwarzes Einhorn. Wo kommt das denn her?“
„Mehr interessiert mich, was es will.“
„Das werden wir gleich erfahren.“
Wenig später, alle richteten ihre Blicke auf die offen stehende Zugangstür zwischen Computerraum und Hauptgang der Ebene -6, erschien erst die Einhornstute Sandra, dann ihr Sohn Apollo und direkt dahin die imposante Gestalt des schwarzen Einhornhengstes.
„Wir haben da jemanden mitgebracht. Er durchstreifte den Wald“, setzte Sandra an.
„Ah. Was habt ihr denn im Wald gemacht?“, hinterfragte Stella neugierig.
„Meine Mutter hatte ein paar ernste Worte mit mir zu wechseln“, antwortete Apollo schnell, anstelle seiner Mutter.
Cyron schaute nachdenklich, zog die Stirn in Falten und fragte: „Es ging doch wohl nicht um die harmlose Sache auf dem Weg zu diesem mysteriösen Depot?“
„Doch genau darum ging es.“
„Sandra, jetzt mach doch aus einer Mücke keinen Elefanten.“
„Darum ging es mir auch nicht. Es ging eher um eine Frage der Erziehung meines Sohnes und vor allem um die mir etwas zu offene Einstellung zu Fragen der sexuellen Selbstfindung.“
„Oh oh“, entglitt es Tarja und Stella zugleich. Die beiden Tigerinnen sahen sich an und fingen an zu kichern.
„Was ist daran so lustig?“, die Einhornstute war etwas angeknabbert.
„Schon gut, es erinnerte mich an eine Diskussion zwischen meiner Mutter und mir“, begann Tarja, „aber die liegt schon ein paar Jahre zurück.“
„Aha und was war das Ergebnis?“
„Nun ja. Das Ergebnis steht in der linken hinteren Ecke und schaut gerade et-was sprachlos drein.“ Sie zeigte auf Apophis, welcher sich gerade mit der rechten Daumenkralle beschäftigte und vollkommen abwesend und untypisch für ihn, daran kaute.
Apollo fing an zu lachen und Sandra wurde blass. „Das nenne ich mal ein sehr sachbezogenes Ergebnis.“
Chiron tippte sich verlegen auf die Nasenspitze.
Zeus schaute sich die Szenerie an, hörte intensiv zu und schien sich seine Meinung zu bilden. „Mein Name ist übrigens Zeus. Ich bin ein Forscher und Entdecker und wollte nach einem Nachtlager und etwas zu Essen fragen.“
Cyron schaute das Einhorn freundlich an. „Ah ja. Danke, dass du dich in Erinnerung bringst. Natürlich bekommst du alles was du dir erwünschst. Wir haben ein Nachtlager für dich und ausreichend zu essen.“
„Danke. Ihr scheint euch länger zu kennen wie es mir scheint. Könnt ihr mir schildern wie ihr zueinander gefunden habt?“
Chiron entglitten die Gesichtszüge und schaute hilfesuchend zu Cyron. „Naaaaaa guuuuut! Warum auch nicht. - Setz dich doch.“ Der Tigerkater deutete auf einen freien Stuhl und fuhr fort: „Das ist eine sehr lange Geschichte.“
„Ich bin gespannt“, erwiderte der Anthrohengst, neigte das Haupt, nahm Platz und lauschte den Berichten von Cyron, Chiron, Tarja und Stella.
Nachdem alle die Ereignisse aufgefrischt hatten, schien Zeus zu überlegen, wiegte den Kopf hin und her, schaute kurz zur Decke. „Ich würde gerne bei euch bleiben und helfen, wenn ich darf.“
Stella schaute durch den schwarzen Hengst hindurch und brannte ein imaginäres Loch in die Wand hinter ihm, Chiron rieb sich das Kinn, Cyron schaute zu Sandra, Apollo schaute Zeus von der Seite her an und war sichtlich verwirrt, Kira und Andrew kamen gerade hinzu und schauten seitlich an Zeus vorbei und Apophis kaute zur Abwechslung nicht mehr an der Daumenkralle sondern an der vom Mittelfinger, den er dabei gerade nach oben richtete, so als ob er damit eine subtile Meinung kundtun wolle.
„Gut!“, rief Hadron aus, der mit Ariana unbeachtet im Nebenraum war, mit ihr leise diskutiert und dabei einen Kaffee genossen hatte.
Egal wer gerade mit irgendwas oder zumindest mit sich selbst beschäftigt war, er hörte damit auf und schaute zu Hadron.
„War ja klar“, grummelt der, „jetzt bin ich wieder Schuld.“
„Nein, nein. Wir waren gerade in einer Art Leere gefangen. Aber deine Idee ist sehr gut. Er soll bleiben“, schloss Cyron ab.
Zeus fing an zu lächeln. „Gibt es denn etwas, was ich tun kann?“
„Na ja, mach dich erstmal mit der Station vertraut. Sandra kann dich gerne herumführen, wenn sie denn möchte.“
Die Stute schnaubte kurz, schaute auf Zeus und nickte schließlich. „Aber natürlich, Cyron.“ Wobei sie den Namen des Tigers etwas zu sehr betonte, was deutlich durchblicken ließ, dass sie es nicht für angemessen befand. „Komm mit“, sagte sie an den Hengst gewandt, welcher ihr bereitwillig folgte.
„Hältst du das für eine gute Idee?“, fragte Stella an ihren Ehekater gewandt.
„Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass alle meine Idee anzweifeln und mir immer wieder die gleiche Frage gestellt wird“, knurrte er.
„Das sollte dir zu denken geben“, witzelte Andrew.
„Ich lache später. Bisher waren wir mit meinen Aktionen immer ganz gut gefahren.“
„Na ja, wenn man von dem einen oder anderen Aussetzer absieht, hast du eine Trefferquote von achtzig Prozent.“
„Immerhin.“
„Über die Aussetzer kann man diskutieren“, mischte sich Hadron ein, „denn vieles hätte jedem von uns passieren können.“
Cyron zeigte mit dem Zeigefinger auf Hadron und spitzte die Lippen. „Da haben wir es.“
„Gut, aber ich frage mich, ob es gut ist diesen fremden Einhornhengst mit einer Einhornstute allein zu lassen?“, bohrte Stella weiter.
„Was soll denn passieren? Fast kein Winkel der Station ist nicht videoüberwacht. Und er macht auf mich nicht den Eindruck, dass er sich über Sandra hermachen wird.“
„Bei Andrew warst du damals genau der anderen Meinung.“
„Bei ihm lag die Situation auch etwas anders und am Ende hat er sich ja Kira geschnappt.“
„Hey, hey, hey. Ja! Mal ganz langsam Herr Tiger. Ich wurde nicht geschnappt, ich habe mich schnappen lassen und das sehr gern.“
„Genau und immer wieder mit dem größten Vergnügen“, ergänzte Andrew und erhielt dafür ein liebevollen Biss in die linke Brustwarze. „Seht ihr.“
„Es wird nichts passieren“, betonte Cyron nachdrücklich, „und jetzt Schluss damit. Sandra ist erwachsen und kein kleines Fohlen mehr.“
„Dieser Zeus ist irgendwie merkwürdig, er wirkt sehr verschlossen, geradezu mysteriös.“
„Na klar. Er weiß von Dingen, die er selbst noch nicht weiß“, warf Hadron ein und grinste frech.
„Eben. Sie wird schon einiges über ihn erfahren und alles wird sich aufklären.“
Wie dicht sie mit dieser eigentlich humorvollen Bemerkung an der Wahrheit lagen, ahnte keiner von ihnen.
Auf Ebene -20 waren die Kampfanthros immer noch damit beschäftigt weiter in den Tunnel vorzudringen. Wie zuvor, so hatten sie auch jetzt noch nichts aufregendes entdeckt.
„Nichts, nichts, nichts, nichts, immer noch nichts, einfach gar nichts“, murmelte Sadral entnervt. „Kann mir jemand erklären, was wir hier machen?“
„Die Frage stelle ich mir auch gerade“, erwiderte Menkalina. „Gegen was kämpfen wir hier?“
„Gegen unsere Langeweile.“
„Wie wäre es mit Schattenboxen, wäre doch mal eine Abwechslung?!“
„Freu dich nicht zu früh. Wir sind gerade mal 1.200 Meter in den Schacht eingedrungen und, wenn die Karte stimmen sollte, dann liegen noch 50.000 Meter vor uns.“
„Ich glaube kaum, dass sich irgendetwas ändern wird“, mischte sich Tripal ein und zeigte auf ihren Bewegungsscanner. „Da rührt sich nichts. Wir sind quasi in eine Art Grab geklettert.“
„Ich bin wirklich sehr dankbar für diesen eindrucksvollen Vergleich.“ Gienah war nicht sonderlich begeistert, ging zwei Schritte weiter und rutschte aus. „Was zum Teufel … .“ Sie leuchtete mit ihrer Taschenlampe den Boden ab und wurde fündig. „Was ist das denn?“
Tripal ging in die Hocke, sah genauer hin und griff zu. „Ihhh. Was immer es ist, es ist schleimig.“ Sie zog die Hand zurück und stand wieder auf.
Mittlerweile hatten sich sechs der Anthros um die Stelle versammelt.
Tripal besah sich ihre Hand. Die Flüssigkeit, in die sie hineingegriffen hatte, war leicht gelblich und schmierig. „Okay, welches Ferkel war das?“
„Von uns keiner. Dafür reichte die Zeit nicht, abgesehen davon sieht es nicht gesund aus“, warf Cepheus ein.
„Da sagst du was. Aber trotzdem, das sollte uns warnen. Es sieht recht frisch aus, wenn ich das richtig sehe.“
„Oder es war frisch und das vor sehr langer Zeit“, gab Tripal zu bedenken.
„Hmmm …, Moment“, mahnte Sadral an und griff zum Funkgerät. <„Sadral an Kira.“>
<„Kira hier, wir hören.“>
<„Ist dieser Cromwell bei euch?“>
<„Ja, der ist in der Nähe.“>
<„Fein. Dann soll er mir mal sagen, wann in diesem Tunnel das letzte Mal jemand gewesen ist, ob vielleicht überhaupt jemand hier war und ob es vielleicht noch einen anderen Zugang zu Sabeth gibt?“>
<„Moment. Ich gebe dir den Herren mal persönlich.“>
<„Ich warte ...“>
<„Cromwell hier. Im Tunnel selbst war nur ein kleiner Erkundungstrupp und das ist schon siebenhundert Jahre her. Einen weiteren Zugang gibt es direkt auf Sabeth. Es handelte sich dabei um einen schwer befestigten Komplex, welcher allerdings zum genannten Zeitpunkt in einer Art Schlafzustand war. Dieses Areal ist weder von Cherit, noch von Chafren, ganz zu schweigen von uns Menschen errichtet worden.“>
<„Aha und warum sagen sie uns das jetzt erst?“>
<„Weil es besser ist, wenn dieser Komplex gemieden wird. Es weiß keiner was da jetzt gerade passiert.
Vor allem nach dem hier alles auf den Kopf gestellt wurde und Dinge geschehen sind, die vorher nicht waren. Außerdem ist das Team, was in den Tunnel ging, nur gute sechs Kilometer tief eingedrungen, dann kam ein sehr wirrer Funkspruch und seither waren sie verschwunden.“>
„Das ist echt entzückend, dass wir das jetzt auch erfahren“, donnerte Deinos aus dem Hintergrund. „Dieses Arschloch lässt uns in eine Falle rennen und freut sich noch. Kann den nicht endlich mal jemand umbringen?“
<„Cromwell. Sie stehen auf sehr dünnem Eis und es bricht gerade. Zumindest was mich betrifft, sind sie das hinterhältigste Subjekt was ich mir vorstellen kann. Und jetzt geben sie mir die Luchsin wieder ans Gerät.“>
<„Kira hier.“>
<„So. Wie es aussieht, sollte eine Gruppe mit Gleitern nach Sabeth fliegen. Wenn ich alles nehme was mir gerade so in den Sinn kommt und ich die Daten und die Karte vergleiche, dann passt nichts hinten und nichts vorne.“>
<„Stimmt. Der Tunnel endet in einer Sackgasse und der richtige Zugang liegt dann eher auf Sabeth selbst.“>
<„Oder aber in fünfzig Kilometern erwartet uns etwas sehr Ungewöhnliches. Wenn dieser Cromwell wenigstens in einem Punkt die Wahrheit gesagt haben sollte, dann war es zumindest vor siebenhundert Jahren der Fall.“>
<„Ja, aber wir machen es so, wie du es gesagt hast. Wir schicken eine bewaffnete Gruppe mit Gleitern nach Sabeth. Zuvor informieren wir noch Drekal. Ihr geht weiter zum Ende des Tunnels und schaut euch da um.“>
<„Machen wir und mit etwas Glück werden wir fündig und haben die Chance für immer zu verschwinden.“>
<„Das wollen wir doch mal nicht hoffen.“>
<„Du kennst uns, wir sind eher Pessimisten.“>
<„Ich weiß. Trotzdem viel Glück.“>
<„Danke. Sadral, Ende.“>