Kapitel 30

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 30

kleine Reibereien

Syrgon war derweil auf dem Weg zur Ra-em und wurde von dem einen oder anderen Mitinsassen der Fähre interessiert gemustert.

„Du bist also das Liebchen des Captains?!“, platzte es aus einer Luchsin heraus.

„Was bitte?“ Syrgon fühlte sich etwas überfahren.

„Du bist doch der, über den man munkelt, dass er technisch begabt sei und sich verdammt schnell im Bett des Captains der Ra-em einquartiert hat.“

Syrgon fletschte die Zähne, ob dieser beleidigenden Aussage. „Wenn du und auch die anderen das denkt, dann seid ihr aber schief gewickelt. Drekal kam auf mich zu und hat mich ausgesucht und ich wüsste auch nicht was dagegen spricht. Ich verstehe soundso nicht was es bringt, wenn man sich über die Partnerschaft anderer das Maul zerreißt. Bekommt erstmal euer eigenes Leben auf die Reihe. Ich rege mich auch nicht darüber auf, dass du Piercings trägst und einen Nasenring wie ein Brüllochse.“

Plötzlich stand ein hünenhafter Wolf auf, ging auf Syrgons Sitzplatz zu, sah ihn herausfordernd an und setzte sich raumgreifend neben ihn. „Hallo, ich bin Aramis.“

„Was willst du?“, fragte Syrgon ablehnend.

„Ich wollte mich nur mal kurz mit dir unterhalten“, flötete der Wolf salbungsvoll.

„Ah ja? Ich bin ganz Ohr.“

„Pass mal auf. Das sage ich dir jetzt, von einem Wolf zum anderen. Du bist nichts für einen Captain, du bist unter ihrer Würde. Jemand wie ich würde da viel besser passen, denn ich bin ein Wolf und du nur ein Abziehbild. Sie brauchte mal ein Häppchen zwischendurch und legt dich dann wieder ab. Und abgesehen davon, wenn du ein richtiger Wolf wärest, dann hättest du nicht versucht dieser Drekal ständig auszureden, dass sie das Kommando über ihr schmuckes kleines Schiff abgibt. Du hättest die Chance genutzt und es ihr entrissen. Aber wie gesagt, du bist ja kein richtiger Wolf.“

„Bist du fertig?“, fragte Syrgon und in ihm brodelte es.

„Ja, ich schon. Und du? Kleiner, niedlicher Welpe.“

In diesem Moment sprang Syrgon auf, holte mit der rechten Hand aus und zog dem blasierten Rüden namens Aramis, was für ein überdrehter Name, die Krallen quer durch das Gesicht.

Der Geschlagene saß erst da und rührte sich nicht. Scheinbar war sein Hirn überfordert, wenn er denn überhaupt eines besaß, denn nach seinen Äußerungen war dies wohl nicht der Fall.

Dann überschlugen sich die Ereignisse, in deren weiterem Verlauf eine wüste Schlägerei entstand.

Gerade noch rechtzeitig landete die Fähre in Hangar eins der Ra-em und gerade noch rechtzeitig tauchte eine Gruppe von zwanzig Sicherheitskräften auf.

Die Luke der Fähre öffnete sich und ein riesiges Knäuel, bestehend aus zwei Wölfen, einer Luchsin, welche wohl Langeweile und daher den Streit angezettelt hatte, einem Löwen, einem Stier und einer Hyäne, brandete aus der Öffnung, schlug wild, laut und vulgär schimpfend aufeinander ein.

Die Sicherheitskräfte hatten zwanzig Minuten alle Hände voll zu tun, die Streitenden voneinander zu trennen.

In diesem Augenblick trat Drekal hinzu. „WAS IST HIER LOS?“

Syrgon straffte seine Gestalt und der Rädelsführer blies die Wangen auf.

Die Wölfin registrierte diese Geste, trat auf ihn hinzu. „Arrestieren! Alle!“ Waren ihre einzigen Worte. Dann drehte sie sich um und verließ den Hangar.

„Das wird ein Spaß mit des Captains Liebelein in einer Zelle zu sitzen“, frohlockte Aramis.

„Vergiss es“, knurrte Syrgon.

„Jetzt lass ihn in Ruhe. Du siehst ja, wo deine Streitlust hingeführt hat“, mischte sich die Luchsin ein.

„Ach ne. Ausgerechnet du musst dich melden. Du hattest ihn doch angestachelt mit deiner bekloppten Aussage und dieses Spatzenhirn ist auch direkt eingestiegen“, wetterte Syrgon.

„Wie hast du mich gerade genannt?“, blähte sich Aramis auf.

„Taub bist du auch noch? Na das ist ja mal toll. Nicht nur blöd, sondern auch noch auf den Ohren sitzen. Du bist ein Wolf? Der letzte Heuler und nicht mehr.“

Nach dieser Ansage wollte Aramis sich auf Syrgon stürzen, holte aus, wollte zu schlagen, wurde aber augenblicklich überwältigt, zu Boden gebracht und gefesselt.

„Schluss jetzt! Ihr seid ab sofort unter Arrest“, brüllte einer der Sicherheitsstiere, zeigte kurz auf seine Truppe und die Kontrahenten wurden in den Zellenblock geführt.

Die Kampfanthros waren ein kleines Stück in den rechten Tunnelausläufer ein-gedrungen, duckten sich und gingen auf die Knie.

Sadral hob eine Hand, ließ den Zeigefinger kurz kreisen. Alle schauten zu ihm, dann hob er fünf Finger und zeigte mehrfach kurz wedelnd zur linken Wand, dann machte er das Gleiche zur rechten.

„Langsam vorwärts und bleibt am Boden“, flüsterte er und kroch langsam vorwärts.

Eine Stunde später waren sie circa siebenhundert Meter voran gekommen und der Weg erweiterte sich, nach weiteren dreihundert Metern erreichten sie eine Art gigantischer Kathedrale. Einen Raum welcher geschätzte vierzig Meter in die Tiefe reichte und ebensolche vierzig Meter hoch war.

Das Ganze wirkte wie ein in den Felsen gefräster Zylinder, mit extrem glatten Wänden, welche keinerlei Risse und Unebenheiten aufwiesen. Und doch war etwas anders als im Tunnelbereich, der sich auf Ebene -20 von der Urwaldbasis aus erstreckt hatte. Während dort absolute Finsternis herrschte und man ohne Taschenlampen nichts sehen konnte, so war es hier nicht von Nöten zusätzliches Licht einzusetzen. Die Wände schienen selbstleuchtend.

Angeregt durch eine jenseits des Gesteins liegenden Lichtquelle, scheinbar durchzogen von einem Netz einer lumineszierenden Substanz, leuchtete alles in einem zarten dunkelrot. Diese Farbgebung erinnerte aus einem unerfindlichen Grund an frisches Blut in welches die Umwandung erst kürzlich getaucht worden war. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch gelbliche Adern, wenn man es so nennen mochte, welche ihrerseits das gesamte Gestein wie Kapillargefäße durchzogen.

Langsam erhoben sie sich, sahen sich um und setzten sich in Bewegung, erreichten den Rand einer Brüstung, von der aus man alles überblicken konnte.

„Sieht wie ein Umlauf am Rande des Zylinders aus“, stellte Gienah fest.

„Ja, der schmale Weg und die Brüstung gehen einmal komplett an der Außen-wand herum. Ah, seht nach oben und unten. Dort sind nochmals zwei Umläufe zu erkennen und seitliche Öffnungen die in den Felsen hineinführen. Ich schlage vor, dass wir uns aufteilen und jeweils drei von uns die einzelnen Umläufe erkunden und vor allem mal schauen wo die Abwege an den Seiten hinführen“, erteilte Sadral eher eine Forderung, als eine Bitte.

„Aye!“, intonierte Tripal. „Gienah und Cepheus, ihr kommt mit mir. Wir suchen etwas wie eine Steigleiter und klettern dann abwärts zum untersten Umlauf. Der Rest wird sich einig und teilt sich auch auf. Auf geht’s! Ihr habt gehört was der Chef gesagt hat.“

Sadral grinste mal wieder sehr löwisch. „Ausgezeichnet! Menkalina und Ionos, zu mir. Wir klettern ganz nach oben. Sadr, Cassan und Adrianos. Ihr geht nach oben mittig. Schedir, Antares und Cronos ab nach unten, mittig.“

„Hopp, hopp!“, befahl Tripal. „Aktiviert eure Bewegungsscanner und dass mir hier keiner was anfasst, wer weiß was sonst passiert. Die ganze Umgebung wirkt auf mich surreal. Allein das Rot macht mich mehr als nervös.“

Tripal war, wie bereits mehrfach erwähnt, eine Säbelzahntigerin, gezüchtet auf der Erde, geboren in einer Stasisröhre, Produkt menschlicher Gentechnologie.

Allerdings ging bei ihr einiges schief.

Sie erwachte zu früh und mitten in der Stasis, was zunächst unbemerkt blieb. So öffnete sie ihre Augen zu früh, nahm ihre Umgebung aktiv war, blickte sie sich seinerzeit um. Jedes Detail brannte sich in das noch nicht vorprogrammierte Hirn ein. Die Beleuchtung um sie herum war hellrot, die Stasisflüssigkeit perlte vor ihren Augen, schmerzte auf der Hornhaut, reizte die Augenlider. Aus einer Röhre direkt ihr gegenüber wurde ein fertiger Klon geholt.

Allerdings war die Gentechnologie trotz aller Fortschritte immer noch nicht vollkommen und der Anthro, der vor ihren Augen ins aktive Leben geholt wurde, nicht lebensfähig. Seine Zellverbindungen waren nicht stabil genug und so erlebte sie einen Albtraum, gegen den sie sich nicht wehren konnte.

Noch während der Anthro die Stasis verließ, löste sich sein Körper auf, fiel das Fell des Tigers büschelweise aus, zerfloss die Haut und strömte in Bächen zu Boden, zerlegte sich der Körper selbst. Als der Brustkorb bereits in Einzelteilen der Schwerkraft folgte und das Fleisch in Fetzen herabhing, schlug sein Herz immer noch, versuchte das schwindende Blut durch nicht mehr vorhandene Adern zu pumpen. Die rote Lebensflüssigkeit spritzte durch den Raum und gegen die Stasisröhre in welcher Tripal angegurtet, mit Sauerstoff versorgt, bei vollem Bewusstsein war. Seither verband sie alles, was nur ansatzweise mit der Farbe Rot verbunden war, mit diesem Albtraum, den selbst die spätere Programmierung und Konditionierung nicht hatte auslöschen können. Und sie erinnerte sich an die Worte eines Wissenschaftlers, welche beleidigend und lebensverachtend waren, welche vor der Programmierung unverständlich klangen, dafür aber danach um so verständlicher wurden: „Nicht schon wieder ein Fehlschlag. Langsam hasse ich diese Missgeburten von Anthros. Verdammte, gottlose Sauerei.“

Tripal zog sich aus ihren Erinnerungen wieder zurück.

Die Gruppen teilten sich auf, marschierten den kreisförmigen Umlauf entlang, fanden seitlich der Wand, auf halbem Wege, links und rechts, tatsächlich zwei Steigleitern und trennten sich.

Auf Genro war das Thema des Mädchennamens geklärt und die Anwesenden verließen Jody und Apophis um sich wieder den eigentlichen Aufgaben zu widmen. Währenddessen stand Isis im Computerraum in einer der Ecken und schien reglos zu starren.

„Was hast du?“, fragte Kira irritiert.

Isis reagierte nicht.

„Hallo? Alles in Ordnung mit dir?“

Keine Reaktion. Die Antermerianerin stand wie versteinert da. Minuten später wurde ihr Blick wieder klarer und sie sah Kira an. „Entschuldige bitte. Der wöchentliche Datentransfer stand an. Was sagtest du?“

„Ich fragte, ob alles in Ordnung ist.“

„Ja ja. Ist alles in Ordnung soweit.“

Cyron, Chiron, Tarja, Stella sowie Finlay und Sitara betraten in diesem Moment den Raum.

„Gibt es was Neues?“, fragte Tarja unverfänglich.

Isis überlegte und machte ein ernstes Gesicht. „Ich habe euch etwas mitzuteilen.“

Cyron atmete tief durch und seufzte. „Nicht schon wieder.“

„Leider doch. Es sind nur zusätzliche Informationen von längst vergangenen Zeiten, welche euer Bild jedoch vervollständigen werden.“

„Wir hören. Mal wieder. Und jetzt komm bitte mal endlich auf den Punkt und nicht wieder nur halbe Sachen. Das ist jetzt wirklich absolut nicht vertrauensbildend.“

„Ja. Aber wie gesagt. Es handelt sich nur um Informationen, die nichts ändern.“

„Dann lass mal hören.“

Isis begann haargenau das zu erklären, was Anubis zuvor bereits Maahes verkündet hatte. Nach sieben Minuten endete sie.

Während dieser kurzen Zeitspanne, welche anhand der Faktenflut für die Chafren wie Stunden wirkte, geschah nichts dramatisches. Alle nahmen es erstaunlich gelassen auf und nickten etwas.

„Tja“, begann Chiron. „Das passt ja alles perfekt. Es begründet auf jeden Fall warum die Cherit auf Festrid leben und nicht irgendwo anders, ferner ist es schlüssig, dass es bei uns keine Drachen, Einhörner und ähnliches gibt und dass es die Chafren gibt, welche nunmehr, noch direkter bestätigt, als deutliche Rückkopplung aus schon vorhandenem Genmaterial bestehen und warum Jody und Apophis mich zum Opa machen konnten. Und das in meinem Alter.“

„Stimmt. Aber jetzt ergibt es wenigstens einen Sinn. Das ganze Warum, Weshalb und Wieso hat sich jetzt geklärt. Wenn wir diese Informationen schon vor-her gehabt hätten...“, warf Cyron ein und wurde von Isis unterbrochen. „Dann wäret ihr nicht so weit, wie jetzt. Denkt daran, ihr habt viele Sachen selbst her-ausgefunden und vor allem war euer Flug zur Erde sehr wichtig.“

„Ach so“, wandte sich Stella an Kira. „Was ist eigentlich mit den letzten Patienten? Sind die soweit, dass sie uns verlassen können?“

Die Luchsin schaute auf die Monitore und nickte. „Ich glaube Regar und Kital sind gerade dabei die letzten beiden Fähren füllen zu wollen. Dann sind wir wieder allein.“

„Da würde ich doch glatt vorschlagen, dass die Techniker und Sanitäter uns auch verlassen“, schlug Isis vor.

Ariana, welche gerade vorbei schlich, hielt inne und drehte sich um. „Was? Ihr könnt mich doch nicht von Hadron trennen.“

„Hadron geht mit auf die Osiris“, entschied Cyron.

Die Löwin bekam ein Leuchten in den Augen und machte sich auf, um ihren bemähnten Liebhaber zu suchen.

„Und was machen wir jetzt noch hier?“, fragte Tarja in die Runde.

„Wer auf Genro bleiben will, kann bleiben. Wer mit zur Ra-em will und Lust hat die Erde wieder einmal zu erleben, der darf mit kommen. Allerdings liegt das letzte Wort dazu bei Drekal. Außerdem sollten wir die Kampfanthros nicht vergessen. Abgesehen davon hatte Syrgon eine interessante Idee und will wieder einen Mech haben. Wenn die Zeit es hergibt, dann fliegt in die Städte und Dörfer, setzt diejenigen die auf unserer Heimatwelt bleiben wollen ab und bringt Leute mit, die uns unbedingt begleiten wollen. Vielleicht gibt es ja doch den einen oder anderen den die Vergnügungssucht packt.“

Isis stutzte kurz und machte eine einladende Geste. „Das sollte kein Hindernis sein.“

„Ausgezeichnet. Dann werde ich jetzt mal Drekal informieren“, sagte Kira und aktivierte die audio-visuelle Kommunikation.

Sekunden später stand die Verbindung und Sitral war zu sehen. <„Hallo. Schön mal wieder etwas von euch zu hören“>, rief sie eher beiläufig.

<„Ja, hallo. Was gibt es bei euch Neues? Wir haben eine ganze Menge“>, begann Kira das Gespräch.

<„Dann fangt ihr mal an. Zu unseren Neuigkeiten komme ich anschließend.“>

<„Wir haben da einiges von Isis erfahren, dass unser Bild komplettiert.“> Kira berichtete, endete und verkündete ihre Pläne was die Ra-em betraf. Ebenso er-zählte sie von Syrgons Ansinnen.

Die Schneeleopardin wiegte den Kopf leicht hin und her, kratzte sich kurz an der Nasenspitze. <„Machen wir alles sehr gern. Ist alles kein Problem, bis auf eines.“>

<„Und das wäre?“>

<„Drekal hat Syrgon zusammen mit fünf weiteren Cherit arrestiert.“>

<„Sie hat WAS?“>, Andrew, Cyron, Kira und selbst Isis schauten ungläubig auf den Wandschirm.

<„Syrgon sitzt in einer Zelle.“>, wiederholte Sitral.

<„Was ist passiert?“>

<„Keine Ahnung. Der Captain ist gerade im Zellentrakt und versucht es herauszufinden.“>

<„Alles klar. Wir treffen hier schon mal Vorbereitungen und warten ab, was die Kampfanthros an Informationen bringen und wer alles hier bleiben will und wer mitkommt.“>

<„Verstanden! Sitral, Ende.“>

„Na, Klasse! Wolfsrüde nicht in den Armen seiner Wölfin, sondern im Kerker“, grollte Andrew. „Hätte ich mir auch denken können, so überdreht wie der immer wieder war.“

„Ich glaube kaum, dass er der Schuldige ist. Da ist ganz was anderes gelaufen. Vor allem sind ja wohl fünf Cherit beteiligt und es würde mich nicht wundern, wenn die was ganz dämliches angestellt haben.“

Drekal war der Captain der Ra-em. Während sie durch die Flure des Schiffes schritt, um die Zellenebene zu erreichen, sinnierte sie. Sie war nicht nur der Captain, sie war damit auch verantwortlich was ihre Besatzungsmitglieder taten, egal in welcher Form. Vor allem war sie dafür verantwortlich, was ein gewisser Wolfsrüde veranstaltete, zumal beide miteinander in tiefster Zuneigung zueinander standen.

Ihr missfiel der Gedanke, dass sie ihren Liebsten in den Arrest gesperrt hatte. Sie hatte das Gefühl ihm Unrecht getan zu haben, hatte das Gefühl ihm weh getan, seine Liebe mit Füßen getreten zu haben. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er der Auslöser der Schlägerei war, zumal die fünf Cherit auf sie nicht gerade sehr löblich wirkten, vor allem dieser Wolfsrüde, dieser Macho der scheinbar mehr Muskeln als Hirn zu haben schien.

Aber solche Gedanken geziemten sich nicht, nicht vor dem Hintergrund der Ermittlung der Ursache und schon gar nicht vor dem Hintergrund ihrer Unparteilichkeit.

Sie erreichte den Zellenblock, betrat ihn und schaute den Wachhabenden an. „Ich möchte mit den beiden Wölfen reden. Was die Anderen zu sagen haben interessiert mich später.“

„Aye, Captain!“ Er deaktivierte die Kraftfelder der entsprechenden Zellen und die beiden angesprochenen traten dem Captain gegenüber.

„So, meine Herren! Ich höre, bin ganz Ohr. Egal wie sie es auch nennen wollen, ich will verdammt noch mal eine Erklärung. Eine Erklärung über den Blödsinn den sie da verzapft haben. Falls es ihnen nicht entgangen sein sollte“, sie sah in erster Linie den Wolf an, welcher ursprünglich von der Re-harachte stammte, „befinden wir uns in einer Art Ausnahmezustand, um nicht zu sagen im Krieg. Sie wissen was das normalerweise zur Folge hat. Und glauben sie mir, Captain Seth wird bestimmt nicht erfreut sein, wenn er von ihrer Entgleisung erfährt.“

„Darf ich frei sprechen?“, platzte es aus Aramis heraus.

„Nur zu“, entgegnete Drekal schroff.

„Ich trage die Schuld an der Schlägerei, ich hatte ihr Liebchen verbal angegangen und habe damit die Ursache gelegt.“

„Wie bitte? Liebchen?“

„Ja. Sie sind zwar der Captain der Ra-em, aber, bei allem gebührenden Respekt, ich halte nicht viel von ihnen und ihrem Führungsstil, schon gar nicht von der Tatsache, dass sie den Rang ablegen wollten und sich dann auch noch ein solches Würstchen angelacht haben.“

Die Wölfin stand versteinert da und musste das Gehörte erstmal sortieren, dann sah sie zu Syrgon und konnte plötzlich verstehen, warum er so reagiert hatte, denn in diesem Moment musste sie sich beherrschen, um nicht das Gleiche zu tun.

„Ich nehme ihre Worte zur Kenntnis. Ich schicke sie umgehend mit ihren fünf Kameraden zur Re-harachte. Des Weiteren wird Captain Seth über das Vorkommnis von mir informiert werden. Allerdings weiß ich auch, dass das nichts fruchten wird, denn die Besatzung der Re-harachte ist ein ausgezeichnetes Spiegelbild des Führungsstils seines Captains und dessen eigenen Charakters inclusive.

Das dürfen sie ihm gerne so weitergeben. Kritisieren sie nicht meine Entscheidungen und meine Verfügbarkeiten, denn die gehen sie mit Verlaub einen feuchten Dreck an. Kritisieren sie lieber ihren eigenen Captain, der ist auch nicht viel besser.“

Aramis schluckte den Brocken und schnaufte beherrscht. „Verstanden!“

„Syrgon, du bleibst hier. - Wachmann, zehn Sicherheitsleute als Begleitung hierher und dann die fünf von der Re-harachte in einen Gleiter setzen und weg damit. Ich bin ihres Anblicks überdrüssig.“

Wenige Minuten eisigen Schweigens später, traf die angeforderte Sicherheit ein, umringte die fünf Streithähne und eskortierte sie zu einem Gleiter in Hangar drei, lud sie ein.

Damit sollte sich der Fall für die Ra-em und vor allem für Captain Drekal eigentlich erledigt haben, ein Fehlurteil, wie sich wesentlich später herausstellen würde.

Die Kampfanthros waren unterdessen die Steigleitern hochgeklettert, hatten die Umläufe umrundet und standen mit ihren Dreiergruppen vor den Felsöffnungen, winkten sich noch kurz zu und drangen ein.

Nach kurzer Zeit tauchten jedoch alle wieder auf und hoben die Arme. Das Ergebnis war überall das Gleiche. Nichts!

So begaben sie sich vereint wieder aus der Kathedrale heraus, in den Gang, erreichten die Gabelung und folgten diesmal dem Weg zum vermeintlichen Ort des Zentralcomputers. Dem Computer der Abtrünnigen, dem Speicherort aller Fakten und dem Ort an dem alles Wissen aufbewahrt wurde und vor allem, der Platz auf den sich die Hoffnung konzentrierte, die Hoffnung eine Schwachstelle in der Konstruktion der Systemvernichter zu finden.

In der Urwaldbasis herrschte wieder einmal rege Betriebsamkeit, alles wirbelte durcheinander. Die Betten wurden geräumt, die vormals Verwundeten bestiegen eine Fähre nach der anderen, das überflüssige Equipment wurde zusammengepackt, verschnürt und in die Frachträume verladen. Die Ebene -7 leerte sich zusehends und war letztendlich verwaist.

Auf Ebene -6 hatten Ariana und Hadron sich dem Pulk der Abreisenden angeschlossen und damit die Urwaldbasis schon verlassen.

So saßen Kira und Andrew an den Monitoren im Computerraum, während sich ein kleiner Schwarm von Gleitern auf den Weg machte um Felgan, Peschdan und Strongham zu erreichen.

„Tja und damit haben wir nur noch den Kreis der Familie und einige denen es bei uns gefällt“, verkündete Andrew. „Selbst Samantha ist ausgeflogen und hielt es hier nicht mehr aus.“

„Kein Wunder“, mahnte Zeus an. „Ich sagte doch schon, dass sie genug hat.“

„Willst du nicht auch hier bleiben?“, fragte Cyron unverfänglich.

„Nein. Ich komme mit. Ihr wisst doch, ich bin neugierig und mein Forscher-drang schier unersättlich.“

„Wenn es beim forschen bleibt, bin ich beruhigt“, warf Sandra ein und Apollo fing an zu lachen.

„Ich finde das immer noch nicht lustig“, fuhr die Einhornstute ihren Sohn barsch an.

„Entschuldige bitte.“

„Hallo“, kam es von der Tür. Apophis war erschienen und neben ihm stand Jody, hatte ihre Tochter im Arm.

„Ah, hallo ihr drei. Wie geht es euch?“

„Sehr gut. So gut, wie es nur frischen Eltern gehen kann. Lediglich auf unserer Ebene ist es sehr ruhig geworden.“

„Ja. Viele sind bereits auf dem Weg zu ihren Häusern, einige sind geblieben und der Rest wird gerade auf die Schiffe gebracht“, unterrichtete Chiron kurz.

„Ah. Das große Flüchten?“, fragte Apophis der Form halber.

„So in etwa. Die Ra-em wird in Kürze aufbrechen und sich im irdischen Solarsystem mit einer der dortigen Kampfinseln treffen. Die restlichen Kreuzer befinden sich noch im Ausbau, aber es sollte wohl vorwärts gehen.“

„Klingt alles nach einem Plan.“

„Nicht ganz. Wir müssen improvisieren. Die Kampfanthros sind gerade auf Sabeth und versuchen die Computerdaten von dort zu holen“, mischte sich Isis ein.

„Warum das denn? Ist was passiert?“, fragte Jody beunruhigt.

„Das kann man so ausdrücken, aber Isis wird euch gleich genauer informieren“, merkte Cyron an und zeigte auf die Antermerianerin.

Die ließ sich nicht lange bitten und legte umgehend los. Nachdem sie ihren Vortrag beendet hatte, schaute Jody mit geöffnetem Mund zu Apophis.

Der tippte sich nachdenklich auf die Nasenspitze und kaute etwas Luft. „Klingt alles sehr logisch und das Puzzle ist vollständig. Zumindest für mich haben sich alle Fragen geklärt. Aber was sollen die Daten vom Zentralcomputer auf Sabeth bringen?“

„Wir haben da eine Vermutung, aber genaues werden uns wohl die Kampfanthros vermitteln können. Vielleicht sollten wir mal eine Statusmeldung anfordern.“ Isis sah Kira auffordernd an.

„Was? Ach so. Ja natürlich.“ Die Luchsin tippte eine Tastenkombination am Terminal. <„Urwaldbasis an Sadral. Könnt ihr mich hören?“>

<„Hier Sadral, wir hören dich.“>

<„Statusabfrage. Wie steht es bei euch?“>

<„Danke der Nachfrage. Wir leben noch, zumindest zum größten Teil.“>

<„Bericht“>, mischte sich Cyron ein.

<„Wir haben Deinos, Sabik, Scheat und Schedir verloren. Art des Angriffs und Typ der Waffe unbekannt, Angriff erfolgte noch vor erreichen des Gebäudes. Nach Eindringen keine weitere Gegenwehr. Eine Kathedrale gefunden, keinerlei Lebenszeichen und keine Angriffe. Wir sind jetzt auf dem Weg zum Computerkern.“>

<„Das hört sich mehr als beunruhigend an, passt auf euch auf. Wir brauchen die Daten mehr als dringend.“>

<„Verstanden! Wir setzen den Einsatz fort. Sadral, Ende!“>

„Vier Mann verloren. Das ist ein Himmelsfahrtkommando“, entfuhr es Shana.

„Wie man es nimmt. Wir hatten solche Situationen auch schon, aber haben es überstanden. Ich glaube nicht, dass es komplett schief geht“, entgegnete Tarja.

„Gib mir nochmal Sadral“, forderte Isis an Kira gerichtet. „Ich habe da eine Idee.“

<„Kira an Sadral, bitte melden!“>

<„Hier Sadral. Also, so langsam können wir uns eine Standleitung legen lassen.“>

<„Schön, dass du deinen Humor noch nicht verloren hast. Aber ich habe hier Isis für dich.“>

<„Alles klar. Lass sie mal ans Mikro.“>

<„Isis hier. Passt auf. Wenn ihr den Computerkern erreicht habt, dann ist es im Rahmen des Möglichen, dass sich direkt daneben ein Steuerungsraum befindet. Da müsst ihr hineingelangen. Aktiviert das Terminal und sucht nach einem Menü, welches eine außerplanmäßige Datenübertragung ermöglicht. Wählt das aus. Ich gebe euch, wenn es soweit ist den entsprechenden Empfängercode.“>

<„Verstanden! Ende!“>

„Ihr habt es gehört?“

Alle nickten zustimmend.

„Dann will ich Ergebnisse sehen. An den Wänden aufteilen, raus aus der Mitte des Weges und aufpassen, dass niemand auch nur einen Stein überflüssigerweise berührt. Ich will, dass wenigstens der Rest lebend zurückkehrt.“

„Aye, Staffelführer!“

Mit entsicherten und vorgehaltenen Waffen rückten sie Meter um Meter nach vorne, rechneten jederzeit mit einer Attacke. Aus einzelnen Metern wurden hunderte Meter und nach einer Stunde drei Kilometer Wegstrecke. Die Wände des Ganges ähnelten denen im Zugang zur, und in der Kathedrale selbst. Eine helle Röte umhüllte den Gang, lediglich die gelblichen Adern schienen in ihrer Anzahl von Meter zu Meter anzuwachsen.

An seinem Ende mündete der geschätzt sieben Meter im Querschnitt messende Tunnel, in einen perfekt quadratischen Raum mit einer Kantenlänge von achtzig Metern. Auch hier waren die Wände hellrot und leuchteten von innen heraus. Die gelben Adern entpuppten sich in der Tat als eine Art Netzwerk, denn zum eigentlichen Kern hin, bündelten sie sich, wurden dickere Stränge, um schließlich das kubische Computergehirn in ein helles gelbes Licht zu tauchen und in mehreren meterdicken Lichtleiterkabeln in diesen Kubus hineinzuführen.

„Wow!“, entfuhr es Cassan. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“

„Keiner von uns hat das“, flüsterte Menkalina ehrfürchtig.

„Okay. Vorsichtig umsehen und absichern“, ordnete Sadral leise an.

Keiner wagte es laut zu sprechen, so als ob es möglich wäre, dass der Komplex plötzlich erwachen könnte oder schlimmsten Falles einfach verschwindet und alles umsonst war.

Die Kampfanthros verteilten sich über den ganzen Raum, untersuchten die Wände, schauten zur Decke und umkreisten den Kernkubus.

„Okay, Staffelführer. Alles abgesichert“, rief Tripal in die Stille.

„Sehr gut. Sucht nach dem Terminal. Da soll angeblich ein Raum zur Ansteuerung der Anlage existieren.“

„Aye!“ Cepheus schaute zu Tripal, dann zu Sadr und Menkalina, deutete mit dem Zeigefinger kreisend an, dass sie sich in der Nähe des Kerns umschauen sollten.

Gesagt, getan.

Der Bereich um den Kubus herum, wurde genauer unter die Lupe genommen. Schließlich fand Ionos etwas, schrie laut. Alle versammelten sich innerhalb von Sekunden um ihn, schauten erst zu ihm und dann auf die Außenhaut des Kubus.

„Seht mal da“, sagte der Leopard und deutete auf eine schmale Steigleiter. „Sieht zwar primitiv aus, aber sollte wohl seinen Zweck erfüllen.“

„Sehr gut, Soldat. Du gehst als erster rauf, Tripal folgt. Zwei sollten reichen“, sagte Sadral und grinste breit.

Die beiden Genannten nickten kurz und Tripal packte die erste Querstrebe, zog sich langsam hoch, setzte die erste Pfote nach und erklomm langsam den Kubus, erreichte die Oberkante, überstieg sie und rollte sich auf die Oberfläche.

Wenig später stand sie am Rand, hob einen Daumen und Ionos kletterte ihr nach.

Als er oben ankam, reichte die Säbelzahntigerin ihre helfende Hand, zog ihn zu sich empor, drehte sich zur Mitte und zeigte auf eine Öffnung. „Da müssen wir hin.“

Und tatsächlich entpuppte sich die Öffnung als ein Aufzugsschacht. Bei ihrer Annäherung hörten beide einen leisen Summton und eine zylinderförmige Kabine, welche Platz für maximal drei Personen bot, hob sich aus diesem Schacht hervor.

„Es ist ein Aufzug“, schrie Tripal von der Mitte der Kubusfläche zu den anderen.

„Dann rein mit euch und schaut was ihr machen könnt“, schrie Sadral zurück.

Er wandte sich an den Rest seiner Truppe. „Verteilt euch und gebt acht. Wenn die beiden drin sind, kann hier vielleicht die Hölle losbrechen.“

Die verbliebenen neun Kampfanthros verteilten sich um den Zentralcomputer und hielten Ausschau.

„Okay“, flüsterte Tripal. „Rein da.“

Beide betraten den Lift, welcher sich augenblicklich in Bewegung setzte und sie mitten hinein in den Kubus beförderte. Strahlend helles Licht umgab sie und am Ende der Fahrt standen sie in einem Steuerungsraum.

Während der Aufzug seitlich und im hinteren Teil des Raumes hielt, standen direkt mittig zwei Drehsessel, welche ihrerseits von jeweils zehn weitläufigen Monitoren umsäumt wurden.

Ionos schaute kurz zu Tripal, nickte schief und ließ sich auf einen der Sessel fallen. Nichts passierte. Er tippte etwas auf einer der Konsolen herum und die Monitore erwachten zum Leben.

Tripal, welche immer noch im Hintergrund stand, fühlte sich jetzt angespornt es ihm gleichzutun und setzte sich ebenfalls, schaute gespannt auf die Monitore. „Okay. Hier haben wir verschiedene Menüs. Computerkern Wartung, Kubusabschirmung, Verteidigung, Datentransfer, Datenprotokolle, Datenschutz.“

Ionos sah sich um, fand auf einer Konsole einen Datenhandschuh, zog ihn über und auf den Monitoren begannen die Mauszeiger zunächst zu tanzen. „Ah. Sehr schön. Wo fangen wir an?“

„Ich würde bei der Verteidigung anfangen und hoffen, dass das nicht schief geht.“ Tripal war sichtlich nervös und griff zum Funkgerät. <„Tripal an Sadral!“>

Keine Antwort.

<„Tripal an Sadral! Hört ihr mich?“>

Wieder keine Antwort.

„Verdammt. Fang lieber mit der Kubusabschirmung an. Wie es scheint werden Funksignale aus der Ansteuerung hier, nicht nach draußen geleitet. Ich fahre hoch und gebe Bescheid.“

Ionos nickte kurz und Tripal ging zum Aufzug, fuhr hinauf und ging zum Außenrand. „Hey“, rief sie.

Sadral und die anderen sahen nach oben. „Was hast du?“, rief der Löwe hoch.

„Wir haben einen Ansteuerungsterminal gefunden. Der Kubus hat eine Abschirmung, welche Funksignale abschirmt. Daher bleibe ich hier oben stehen und halte den Kontakt zwischen euch und Ionos. Er wird erstmal die Abschirmung deaktivieren.“

„Sehr gute Arbeit. Macht das so.“

Die Säbelzahntigerin ging zur Mitte und schrie in den Aufzug hinein, hoffte, dass der Leopard sie hören würde. Sie hatte Glück und die Antwort kam prompt. „Ja, ich kann dich mehr als deutlich hören.“

„Fantastisch. Dann halten wir so die Verbindung.“

„Ja.“

„Deaktiviere die Abschirmung. Die Anderen wissen Bescheid.“

„Wird gemacht.“ Ionos strich mit dem Mauszeiger über die Monitore und klickte auf den Menüpunkt der Abschirmung.