Kapitel 29

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 29

erste Erfolge

„Leitender Wissenschaftler, Doktor Thomas, Datum 12.05.2156.

Die Ergebnisse übertreffen unsere kühnsten Erwartungen. Es ist nicht mal ein Jahr her, dass wir Zellkulturen angelegt hatten. Man erkennt jetzt schon erste Strukturen.“

„Was macht unser langsames Schätzchen?“, fragte Thomas als im Freizeitraum auf Laufer und Dreyer traf.

„Das entwickelt sich zögerlich, aber es geht vorwärts“, antwortete Dreyer.

„Wird wohl ein Weibchen und muss sich erst hübsch machen“, witzelte Laufer.

„Mit Sicherheit. Die anderen beiden?“

„Die sind bereits in der Aufzuchtstasis und sollten in einem Jahr soweit sein.“

„Dann warten wir mal ab was es wird. Ich rechne mit einem Löwenkater, einem Wolfsrüden und unser Spätzünder dürfte dann eine Jaguarin werden. Wenn die so weit sind, dann sollten wir uns auf Nutztiere beschränken. Die werden mit dem nächsten Schiff auftauchen.“

„Wann kommt das an?“, fragte Laufer.

„Es sollte in wenigen Wochen da sein“, murmelte Thomas. „Ich hätte mit seiner Ankunft eigentlich schon vor Tagen gerechnet.“

„Ich freue mich auf jeden Fall schon darauf das Zepter abzugeben“, murmelte Dreyer.

„Fragen sie mich mal“, entglitt es Thomas. „Wir sind alle reif für den Ruhestand. Bis dahin machen wir einstweilen weiter.“

„Aye, Sir!“, bestätigte Laufer.

Eine gute Woche später war es soweit und ein irdisches Versorgungsschiff schwenkte in den Orbit des Planeten Genro ein.

<„Hier Sirius 1, wir rufen die Hauptbasis des Planeten Genro. Können sie mich hören.“>

<„Hier Genrobasis, Stationsleiter Altenhoffer. Ich höre sie laut und deutlich.“>

<„Ich grüße sie! Mein Name ist Captain Miranda Johns und ich bringe eine kleinere zoologische Auswahl mit, ebenso das Austauschpersonal. Für die Übergabe der Funktionen und die Einarbeitung der Neulinge sind acht Monate geplant. Danach hat das in den Ruhestand gehende Personal die Stationen zu verlassen, an Bord zu kommen und mit uns die Rückreise zur Erde anzutreten.“>

<„Das hört sich hervorragend an und genauso machen wir es. Wir freuen uns schon auf die Heimkehr.“>

<„Kann ich mir gut vorstellen. Wir schicken die ersten Fähren zur Landebasis.“>

<„Das ist nicht Nötig, Captain Johns. Sie können direkt auf dem gesicherten Gelände der Urwaldbasis landen und hier alles ausladen.“>

<„Verstanden, Mister Altenhoffer. Erwarten sie die erste Lieferung in einer Stunde. Johns, Ende!“>

Altenhoffer grinste in sich hinein und betätigte den Taster für das stationseigene Intercom. <„An das gesamte Personal der Basis. Frohe Kunde. Das erwartete Versorgungsschiff ist gerade in der Umlaufbahn angekommen und in einer Stunde werden die ersten Fähren auf dem Stationsgelände landen. Wie erhofft wird in acht Monaten das ins Alter gekommene Personal mit der Sirius 1 zur Erde zurückkehren. Altenhoffer, Ende!“>

Im Tiefgeschoss, genauer gesagt auf Ebene -40, hatten sich alle Truppenmitglieder um Master Sergeant Paul versammelt und gingen den IT'ler und Technikern zur Hand. Innerhalb des vergangenen Jahres hatte es das beauftragte Team geschafft die Pläne zu überarbeiten, zu vervollständigen und den aktuellen Bedürfnissen anzupassen. Auch wurde der technische und wissenschaftliche Fortschritt mit einbezogen und so entstand innerhalb der nächsten vier Jahre ein Kampfroboter, ein Angriffs- und Verteidigungsmonster der Waffentechnologie, welches noch nie jemand zuvor gesehen hatte.

Der Waffenträger stand schlussendlich vor den wenigen Soldaten, die noch auf Genro verblieben waren und den Technikern die von der Sirius 1 vor einigen Jahren dazu gestoßen waren.

„Fehlt jetzt eigentlich nur noch der Probelauf“, intonierte Jäger feierlich und klatschte begeistert in die Hände.

„Das sollte möglich sein“, entgegnete Masters und klopfte Jäger auf die rechte Schulter. „Saubere Arbeit. Verdammt gute Arbeit von allen“, ergänzte er laut.

Die neuen Wissenschaftler hatten Thomas, Dreyer, Laufer und Rieger abgelöst, waren von diesen und dem Rest des Teams eingearbeitet worden. Die anfänglichen Verzögerungen, welche bedingt durch Versteckspiele und immer wieder auftauchende Fehlentscheidungen hervorgerufen wurden, existierten nicht mehr. Ebenso wurde der anfängliche Faden komplett durchtrennt und nicht fortgeführt. Stattdessen konzentrierte man sich darauf Klone ohne Eizelle und ohne Samenzelle zu erzeugen.

Schnell hatte man die Störquelle ausgemacht und war zu dem Entschluss gekommen, dass die Vorgänger zu sehr auf Mutter Natur bauten und diese nicht bedachten, dass es zwangsläufig zu unvorhergesehenen Resultaten kommen musste.

Die vom Vorgängerteam existieren drei Klone wurden planmäßig aus der Aufzuchtstasis geholt und gründlich untersucht. Bei zweien hatte der Intron nicht gezündet und sie gingen folglich auf vier Beinen, zeigten aber Anzeichen für eine gesteigerte Intelligenz. Beim dritten war es genau umgekehrt. Der ging zwar aufrecht, aber hatte die Auffassungsgabe einer Wasseralge. Der Intron hatte passend eingegriffen, aber sorgte wohl auch dafür, dass sich die Hirnleistung negativ entwickelte.

Kurzum, es waren mehr oder weniger Teilausfälle.

Eilends machte sich das neue Team um Doktor Mitchell an die Arbeit und konnte durch gezielte Manipulation von nicht spezialisierten Zellen von Hornvieh und Geweihträgern nach geraumer Zeit erste realistische Erfolge erzielen.

Mitchell zeigte sich begeistert und ging in sein Quartier, um sein Logbuch zu beginnen.

„Leitender Wissenschaftler Doktor Mitchell, Datum 22.09.2160.

Es ist gelungen. Innerhalb von nur fünf Jahren haben wir es geschafft einen kompletten tierischen Organismus zu erschaffen. Es geschah in einer reinen Stasisröhre und es war weder Spendersamen noch Spendereizelle notwendig.

Heute Abend werden wir diesen Erfolg gebührend feiern.“

„Sehr zum Wohle“, intonierte Mitchell und prostete in die Runde, welche sich im Speisesaal versammelt hatte. Er blickte nacheinander in die Gesichter seiner Teamkollegen.

Da waren die Zwillinge Natasha und Swetlana Winewska, 28 Jahre alt, frisch von der Lomonossow Universität, jung, dynamisch und voller Tatendrang.

Dann war da Jäger, wenn auch nicht zum Wissenschaftsteam gehörend ein Pfundskerl, im wahrsten Sinne des Wortes und eine Spitzenkraft im Bereich der Waffen- und Nanotechnologie. Mit seinen 39 Jahren nicht mehr der zartes im Alter, aber dafür extrem findig und zuverlässig.

Des Weiteren waren da Helena Waters, Nala Haddad, Liam O'Connor. Helena kam aus Kanada, mit ihren 45 Jahren eine erfahrene Einzelkämpferin auf verschiedenen Gebieten, vor allem im Bereich der Biotechnologie. Nala Haddad und Liam O'Connor kamen als Doppelpack zum Team, hatten sich schon im Erstsemester angefreundet und bildeten ein streitbares Freundespaar, allein schon, weil Haddad aus saudischen Medina stammte und O'Connor aus dem irischen Galway. Da stießen zuweilen Ansichten aufeinander die für ausreichend Diskussionsstoff sorgten.

Auf der anderen Seite saßen Melissa Franz aus Hannover, frisch von der dortigen Veterinärhochschule und gerade mal 24 Jahre alt und dann noch Louanne Dupont, die 47jährige Französin aus Saint Tropez.

Marc Mitchell machte keinen Hehl daraus, dass er es gerade auf Letztgenanntere abgesehen hatte, passte sie doch vom Aussehen, Charakter und auch Alter perfekt zu ihm.

So erhob er das Glas und lächelte in die Runde. „Wir haben es geschafft. Fünf Jahre der Arbeit und es zeichnet sich ein voller Erfolg ab. In der Stasis schwimmen jetzt über fünfzig Klone der verschiedensten Nutztierrassen, sechshundert sind bereits in Freiheit. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied. Sie sind zwar Vierbeiner, haben aber das was wir erschaffen sollten, nämlich einen Verstand, wenn auch begrenzt. Damit wird es uns gelingen diesen Planeten in ein wahres Biotop zu verwandeln, die bestehende Tierwelt zu ergänzen und im Laufe der weiteren Jahre das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Am Ende werden wir es mit einem perfekten Ökosystem zu tun haben, in welchem vierbeinige Pflanzenfresser existieren, welche einen Intellekt haben und dann Raubtiere, allerdings werden diese nicht quadropod sein, sondern anthropomorph und sich mit den bereits existieren primitiven ihrer Art vermischen.“

„Gibt es auch schon einen Plan, was dann mit diesem Planeten geschehen soll?“, fragte Haddad frei heraus.

„Ein exotischer Vergnügungsplanet. Die Anfänge der bemannten privaten Raumfahrt liegen nunmehr schon Jahrzehnte zurück und auf dem Mond waren diejenigen die es sich leisten können schon gewesen, der Mars ist auch nicht mehr der große Brecher, was liegt da näher als einen Planeten zu nutzen, welcher soweit ab liegt und so exotisch ist, dass man sich ins Märchenland versetzt fühlt.“

„Hmmm... wir gestalten hier quasi Disneyland für Überdrehte?“, fragte O'Connor.

„Wenn sie es so nennen möchten, bitte schön. Ich nenne es mal eine Goldgrube für weitere Forschungen.“

„Na schön“, schloss O'Connor, „dann auf maximale Erfolge.“ Er führte sein Glas zum Mund und nahm einen kräftigen Schluck.

Der festliche Abend zog sich und es wurde merklich später.

„So Leute, wir sollten jetzt ins Bett gehen. Der morgige Tag wird lang und wir müssen anfangen, uns Gedanken über die anthropomorphen Raubtiere zu machen, vor allem über eine stabile Helix und, welche wir aussetzen wollen und ob es artreine werden sollen oder eine hybride Form vorzuziehen wäre“, merkte Mitchell an.

Die Teammitglieder erhoben sich nacheinander, stellten Gläser und Geschirr weg und verließen den Raum, kehrten in ihre Quartiere ein. Mitchell tat es ihnen gleich, ließ sich in seinen Schreibtischstuhl fallen und schlug kurz auf den Tisch.

„Computer! Logbuch öffnen, neuer Eintrag:

„Leitender Wissenschaftler, Doktor Mitchell, Datum 22.08.2200.

Die ersten Tierarten sind komplett. Es handelt sich vor allem um Pflanzenfresser und Nutztiere. Alle Tiere die zu uns auf dem Wege des Raumtransportes kamen, sind bereits tot. Wir entnahmen allen Tieren Zellen in aus-reichendem Maße, froren sie ein, ließen sie von den Computern katalogisieren. Mit den Fleischfressern sind wir genauso verfahren. Die Kadaver wurden fachgerecht entsorgt, die noch lebenden Resttiere wurden ebenso beseitigt. Alles was wir jetzt noch an Tieren haben sind ausschließlich Klone.“

In den folgenden Jahrzehnten füllte sich der Planet unaufhaltsam mit Hybriden und artreinen vierbeinigen Klonen, bildeten diese eine stabile Basis und vermischten sich, durch natürliche Reproduktion mit der ursprünglichen, ein-heimischen Fauna und mit den in Vergessenheit geratenen und seinerzeit aus-gebrochenen irdischen Tieren.

Wenig später hatte sich das Team um zunächst Doktor Mitchell, später seinem Sohn, welcher aus der Ehe von ihm und Dupont hervorgegangen war, den Raubtieren gewidmet und war sehr schnell vom Erfolg verwöhnt. Alles klappte wie erhofft und der passende Gegenpol zu den Pflanzenfressern ward auf der Planetenoberfläche angesiedelt. Auch diese vermehrten sich untereinander und durch Mischpaarungen mit den schon vorhandenen anthropomorphen Arten auf Genro. Die Klone brachten hierbei eine entscheidende Beschleunigung im cerebralen Wachstum auf der einen Seite und die einheimischen Anthros auf der anderen, die Anpassung an die bestehenden Verhältnisse auf dem Planeten. Die von den Klonen eingeschleppten Intronenviren und die natürlichen spontanen Mutationen, welche nicht ausschließlich, wie zunächst vermutet, durch einen Intron verursacht wurden, wirkten sich zusätzlich auf die Jungtiere der Mischpaarungen aus, wodurch es immer wieder zu Veränderungen innerhalb der physischen und psychischen Konditionen kam.

Letztendlich wollten die Teams jedoch einen finalen Schritt wagen und aus einer Laune heraus ein Superwesen kreieren. Etwas was bisher nicht da gewesen war, den Superanthro schlechthin.

„Guten Morgen, ihr Lieben“, tönte Mitchell Junior vollmundig, als er das Großlabor betrat. „Alles fit für unser Megawerk und unseren Einzug ins Geschichtsbuch.“

„Was schwebt ihnen denn vor?“, fragte Waters, während die Winewska-Zwillinge ihn stumm ansahen.

„Wir werden jetzt mal den Weg einschlagen, den unsere Vorgänger gegangen sind und ihnen postum zeigen, dass es funktioniert, wenn man weiß was man tut. Ich glaube nämlich ganz fest, dass dieser Thomas ein Pfuscher vor dem Herren war und nicht einmal bis Drei zählen konnte. Er ließ außer Acht was da draußen schon vorhanden war und wollte die vorhandenen Reserven immer und immer wieder umprogrammieren, was diese jedoch zu verhindern wussten und es nur daher immer wieder zu Fehlschlägen kam“, intonierte Mitchell und hob einen Zeigefinger.

„Na schön, auch wenn es verrückt klingt. Was soll es denn werden?“

„Ein Hybrid. Wir nehmen die Eizelle eine Kuh und die Samenzelle eines Löwen. Die Eizelle wird entkernt, das Spermium wird mit einem modifizierten Kern versehen und dann geht’s ab zur Befruchtung. Der Rest ergibt sich automatisch. Beschleunigen werden wir das ganze durch zwei getrennte Intronen. Ersteres erzeugt einen Schnellwuchs, Zweiteres wird später durch uns passend hinzugefügt und aktiviert. Damit kontrollieren wir die korrekte Funktion und verhindern ein negatives Ergebnis durch fehlerhafte Überschneidung“, erklärte Mitchell kurz sein Vorhaben.

„Das klingt spannend und eine echte Herausforderung wäre doch mal wieder was. Genau genommen wurde es zum Ende hin langweilig“, flachste Natasha.

„Dann wird es wohl wirklich Zeit für was Neues“, munterte der leitende Wissenschaftler auf und grinste zweideutig.

In den nächsten Jahren waren alle vollauf damit beschäftigt die DNA-Sequenzen nochmals zu überprüfen, genauer zu rekombinieren, versteckte Lücken zu schließen, den Intron passenden in die Doppelhelix einzufügen und nach dessen Verschmelzung mit den nebenliegenden Basenpaaren nochmals durch den Computer überprüfen zulassen. Egal wie oft sie ihn auch den Tests unterzogen, das Ergebnis blieb immer das Gleiche. Es gab keinerlei Abweichungen oder fehlerhafte Entwicklungen. Die Erfolgsspur blieb erhalten.

So kam der Tag und die Verschmelzung von Löwenspermium und Rinder-Eizelle erfolgte. Zunächst geschah innerhalb der Nährflüssigkeit nichts, dann kam ein kurzer schwacher Elektroimpuls zum Einsatz und das Wunder der Entstehung eines Lebewesens begann.

Zunächst langsam, aber dann immer schneller, teilte sich die Zelle mittig, dann nochmals quer dazu, dann nochmals und wieder, entstand der sogenannte Maulbeerkeim, wuchs dieser, bildete einen Zellhaufen.

Nach kurzer Zeit entnahm man ihn der Petrischale, setzte ihn in ein größeres, aquariumartiges Gefäß, gefüllt mit einer nahrhaften Lösung, schloss verschiedenste Sensoren an und ließ jeden Schritt im weiteren Verlauf durch den Computer und den kleineren Vitalrechner zusätzlich überwachen.

Zehn Wochen später war der Fötus schon im embryonalen Stadium angekommen, der Schnellwuchsintron hatte frühzeitig seine Arbeit aufgenommen und erzeugte die gewünschte Reaktion.

Tage und Wochen verstrichen, der Klon entwickelte sich hervorragend. Die Vitalmonitore vermittelten einen mehr als positiven Eindruck, die ersten Lebenszeichen war Erfolg verheißend.

Aber nichtsdestotrotz war Robert Mitchell unzufrieden und konnte es kaum verbergen. Irgendwie beschlich ihn ein ungutes Gefühl. Das Gefühl, dass etwas nicht stimmte mit seinem Hybriden.

Anstatt seine Gedanken den anderen mitzuteilen, vergrub er sich immer öfter in sein Quartier, gab vor, dass er zu tun hatte und grübelte in Wahrheit vor sich hin, hinterfragte den Versuch und dass sich anbahnende Ergebnis, welches ihm scheinbar als Einzigen Bauchschmerzen bereitete. Seinem Team, selbst seiner erfahrenen Mutter Louanne Dupont schien nicht aufzufallen, dass die Anatomie nicht ganz den Hoffnungen entsprach die er hegte.

Oder jagte er einer Träumerei hinterher?

Er startete das persönliche Computerlogbuch und verfasste einen Eintrag:

„Leitender Wissenschaftler Doktor Robert Mitchell. Datum 22.03.2300.

Was ist schief gegangen? Wir haben alle Sicherheitsvorschriften beachtet. Unsere Forschung trug reichlich Früchte. Die geklonten Tiere, egal ob Omnivore oder Carnivore tummeln sich auf der Oberfläche des Planeten. Ihre Fruchtbarkeit und ihr schnelles Wachstum übertreffen selbst die kühnsten Vorstellungen.

Wir entnahmen den weiblichen Klontieren Eizellen und den männlichen Sperma. Wir untersuchten beides und trafen immer wieder auf das gleiche Ergebnis. Es gab keinerlei Anomalien und Ei- und Samenzellen hatten stets 100% Vitalität.

Wir hatten die verrückte Idee, eine weitere Steigerung einzubringen. Wir woll-ten den Tieren mehr Intelligenz geben, damit sie sich nicht sinnlos dahin metzeln. Aber wie gesagt, nur etwas und es ging vor allem darum, dass sie uns Menschen als ihren Herren anerkennen und niemals jemanden angreifen würden. Wir haben es getan und ein Monster erschaffen. Wir entnahmen einer Klonkuh eine Eizelle, manipulierten sie aber nicht. Einem Löwen entnahmen wir Samen und veränderten diese Zellen. Wir verseuchten sie mit einem entsprechenden Intronenvirus, das beim Menschen dafür sorgt, dass sich ab einem bestimmten Entwicklungsstadium vermehrt Hirngewebe bildet. Es gelang auch und das Experiment verlief planmäßig. Aber es muss etwas schief gegangen sein und es entwickelte sich eine tierische Kreatur mit einem menschlichen Hirn. Wir wissen nicht genau wie es vonstattenging, aber es ist sicher, dass sich während der Zellteilung das Intronenvirus zu früh aktivierte. Es konzentrierte sich vor allem auf den Bereich der später die Entwicklung des Gehirns beeinflusst. Außerdem geschah etwas, was eigentlich nicht sein kann, denn das Virus teilte und vermehrte sich. Die spontanen Virenableger beeinflussten nachhaltig die Form des Körperbaus und verschiedene Bereiche der weiteren Anatomie.

Die Rechner hatten uns vor einem solchen Ausgang nicht gewarnt, denn dieses Szenario war ihnen vollkommen unbekannt. Wir haben beschlossen dem Experiment ein schnelles Ende zu bereiten.“

Mit diesem Eintrag wollte er sich absichern, dass er nicht allein der Entscheidungsträger war und man ihn nicht vorwerfen konnte, dass er eine alleinige Fehlentscheidung getroffen hatte. Fehler konnten passieren, aber bestimmt nicht ihm.

Anschließend begab er sich wieder ins Labor, sah sich den Inhalt der Stasisröhre an und grübelte weiter. Als er keinen Schritt vorwärts kam, drehte er sich abrupt um und ging in den Speisesaal, nahm sich eines der Fertiggerichte, wärmte es auf und stillte seinen Hunger.

So verstrich wiederum Woche um Woche und die Entwicklung schritt voran. Eine Entwicklung die immer mehr Zweifel in ihm erzeugte, aber die anderen Teammitglieder nicht sonderlich in Aufruhe versetzte.

Schließlich platzte ihm der Kragen und er baute sich demonstrativ im Großlabor auf.

„So, mir reicht es. Ich habe lange genug Zeit verschwendet und mich mit Selbstzweifeln zerfleischt. Versammlung! Jetzt und sofort!“, rief er in den Raum.

Etwas beunruhigt scharten sich seine Mitarbeiter um ihn und schauten fragend.

„Was gibt es Robert?“, fragte Louanne.

„Ihr habt wohl gemerkt, dass ich seit Wochen etwas neben mir stehe und das hat seinen Grund. Scheinbar ist es niemandem aufgefallen, aber bei unserem Meisterwerk läuft etwas schief und zwar gewaltig. Es sieht so aus, als ob wir da etwas kreiert haben, was uns ziemlich übel vor die Füße fallen könnte.“

„Was meinen sie damit?“, fragte O'Connor.

„Die Anatomie entspricht nicht meinen Erwartungen. Entweder wächst es sich noch aus oder es wird ein Monster. Daher stelle ich jetzt jedem einzelnen die entscheidende Frage! Leben lassen und vorführen oder töten?“

„Das ist zu diesem Zeitpunkt eine schwierige Frage, denn wie sie selbst einräumten, kann sich alles noch auswachsen oder aber es wird ein Monster. Töten können wir es immer noch, wenn es zu brenzlig wird. Daher plädiere ich auf, leben lassen“, entschied sich Harrad deutlich.

„Danke für ihren Entschluss. Wie steht es bei den Anderen?“, bohrte Mitchell.

„Ich glaube, dass ich da für uns alle sprechen, wenn ich auf, leben lassen und sehen was daraus wird, plädiere“, entgegnete seine Mutter.

„Nun gut. Ich wollte eure Meinung hören und so soll es sein“, verkündete er kurz und knapp und beendete die ziemlich einseitige Beratung, zog sich in sein Quartier zurück, um einen weiteren Eintrag im Logbuch hinzuzufügen.

„Leitender Wissenschaftler, Doktor Mitchell, Datum 26.03.2300.

Wir haben uns eingehend beraten und kamen zu dem Entschluss das Experiment weiterlaufen zulassen. Unsere Neugier ist zu groß und wir möchten unbedingt erfahren, was daraus wird.“

Wenige Monate später war es soweit und ihre Neugier sollte befriedigt wer-den.

„Holt ihn raus. Es ist so weit“, befahl Mitchell.

„Aye, Sir“, sagte O'Connor und ließ, nach nunmehr acht Monaten Warte- und Aufzuchtzeit die Nährflüssigkeit aus der Stasisröhre ab, befreite den Klon von den Haltegurten und Kanülen und trat drei Schritte zurück.

„Da stimmt was nicht“, flüsterte Mitchell aufgeregt. „Das ist nicht richtig. Verdammt! Was ist das? Ich hatte mich also nicht getäuscht“, wurde er lauter.

„Das müssten eigentlich sie besser wissen als wir, Doktor! Immerhin war dieses Ding da, ihr Wunsch“, polterte Haddad.

„Was?“, platzte es aus Mitchell heraus. „Sie wissen selbst, dass ich frühzeitig meine Bedenken hatte und auf ihren Rat vertraute. Nur ihnen allen ist es zu verdanken, dass dieses Ding da“, er deutete auf den Hybriden, „noch lebt.“

Das Wesen stand da und hatte die Augen geschlossen, die Ohren waren an den Kopf angelegt. Es war geschätzte zweieinhalb Meter groß, die Nährflüssigkeit tropfte von seinem durchnässten, goldgelben Fell. Die Löwenmähne hing in dicken Strähnen herunter, bedeckte spärlich die sehr deutlich zu erkennende weibliche Brust, die Beine waren lang und schlank, wenn auch muskulös, seine Pfoten waren, wie auch der Kopf, die einer Raubkatze.

Was jedoch irritierte waren die Geschlechtsorgane, weil sie von einem Rind stammten, männlich waren und was ebenso nicht recht zu einem Löwen passen wollte, waren die extrem langen Säbelzähne.

Plötzlich öffnete dieses Wesen, dieser Klon, seine Augen. Es sah die Wissenschaftler von oben herab an und musterte sie eindringlich, dann hob er die Ar-me, schlug sich vor die Brust und spukte die noch in den Lungen befindlich Nährflüssigkeit aus, ergoss sich ein Schwall direkt vor die Füße des Genetik-Teams.

Keiner der Anwesenden war zu einer Reaktion fähig. In ihren Gesichtern stand Unglaube, Angst und Neugier geschrieben.

„Was haben wir getan?“, flüsterte Mitchell gepresst.

„Es ist ein Meisterwerk“, intonierte Harrad leise.

Sekunden danach blinzelte der Klon, sah an sich herab, betrachtete seinen Körper, atmete tief durch und verließ, und dass war einer der schockierendsten Aspekte, selbsttätig die Stasisröhre, vergleichbar einem neugeborenen Kind, welches nicht auf den Arm der Mutter will, sondern diesen ausschlägt, auf den Boden springt und einfach weggeht.

Schweigend standen sich Klon und Team gegenüber, musterten sich intensiv. Die Augen des Wesens waren nicht leer, man ertrank regelrecht in dessen grasgrünen Augen, welche einen extrem wachen Geist vermuten ließen.

Mitchell wagte einen Vorstoß und ging einen Schritt auf ihn zu.

„Was haben sie vor?“, fragte O'Connor nervös.

„Ich versuche eine Kontaktaufnahme“, gab Mitchell von sich und drehte sich dabei zu ihm um.

Plötzlich streckte der Hybrid-Klon die rechte Hand aus und berührte den leitenden Wissenschaftler an der Schulter. Der schreckte zurück und riss die Augen auf. Anschließend betrachtete die Kreatur seine eigenen Schultern und begann diese abzutasten, streckte wiederholt den Arm nach vorne und berührte Mitchell an der anderen Schulter.

„Was macht es da?“, fragte Natasha Winewska.

„Es scheint sich und uns zu erkunden“, flüsterte Mitchell. „Faszinierend. Es scheint direkt innerhalb der Aufzuchtstasis ein Bewusstsein entwickelt zu haben.“

„Wenn sie mich fragen“, fuhr Winewska fort, „ist es in der Tat nicht ganz das was wir zu erreichen versuchten.“

„Nein! Und ich bin auch nicht begeistert. Die Frage ist nur, ob wir es immer noch leben lassen sollten oder besser töten.“

„Was wollen sie? Halten sie an diesem Gedanken immer noch fest?“, fragte O'Connor entgeistert.

„Töten! Es scheint uns überlegen zu sein und wir wissen nicht, ob es uns ab einem gewissen Punkt als nutzlos einstuft.“

„Du siehst hinter jeder Ecke den Teufel persönlich“, knurrte Dupont ihren Sohn an.

„Mutter! Sieh' genau hin. Das ist ein Monster. Nicht einer der Klone war so direkt von hoher Intelligenz beseelt wie der hier.“

Der Hybrid-Klon trat zwischen die Wissenschaftler und begann sich genauer umzusehen.

„Siehst du was ich meine? Die anderen mussten wir stützen, mussten die sich erst orientieren. Der hier macht was er will und das mit einem eindeutigen Selbstbewusstsein. Irgendwas ist schief gegangen und wir müssen herausfinden, mit was genau wir es hier zu tun haben.“

„Tja, mein Sohn. Da müssen wir wohl oder übel auf seine Kooperation hoffen, denn so einfach wie die anderen wird er sich nicht Händeln lassen“, schloss Dupont ihren Gedanken ab.

„Dann muss ich es ihm halt vermitteln“, seufzte Mitchell und wandte sich ab. „Wenn mich jemand sucht, ich bin in meinem Quartier und werde versuchen einen Weg zu finden.“

„Mach' das“, sagte Dupont noch und sah ihrem entschwindenden Sohn hinterher.

'Nicht schon wieder einen Eintrag', dachte er noch und seufzte, gab dem Computer den entsprechenden Aufzeichnungsbefehl.

„Leitender Wissenschaftler, Doktor Robert Michell, Datum 23.10.2300.

Es ist geschafft. Die Aufzucht des Wesens in der Stasisröhre ist beendet. Die Veränderung der Gene hat den typischen Schnellwuchs erzielt. Wir haben die Kreatur aus der Röhre geholt und von den Geräten getrennt. Sie stand im Raum, aufrecht und starrte uns an. Sie blickte nicht leer, wie viele von den Tieren die wir hier schon geklont hatten, sondern hatte warme und intelligente Augen. Was haben wir nur getan?“

In diesem Moment hörte er den Türsummer.

„Herein!“, sagte er gereizt.

Die Tür öffnete sich unter einem leisen Zischen und seine Mutter, Louanne Dupont trat ein. „Mein Sohn!“, hub sie an, „Wir sollten miteinander reden.“

„Was hast du auf dem Herzen? Ich frage der Form halber, denn eigentlich ist es gerade ein denkbar schlechter Zeitpunkt“, entgegnete er, bot ihr aber trotzdem einen Sitzplatz an.

Nachdem sie sich gesetzt hatte, fuhr sie fort: „Was ist los mit dir?“

„Was soll mit mir sein? Mir geht es blendend.“

„Nein, das tut es nicht. Du bist nicht nur unausgeglichen, sondern du hegst Gedankengänge, die ich von dir nicht kenne.“

„Inwiefern?“

„Ganz einfach. Ich werde das Gefühl nicht los, dass du unter Zwang stehst. Dem Zwang dir etwas beweisen zu müssen.“

„Was? Warum sollte ich das tun?“

„Kann es sein, dass du aus dem Schatten deines Vaters heraustreten willst und das um jeden Preis?“

„Wie kommst du darauf?“

„Er hat dieses Projekt auf Genro erheblich voran gebracht. Die Besiedlung beruht mehr oder weniger fast ausschließlich auf seinen Forschungen und Experimenten.“

„Und du meinst, dass ich darunter leide und etwas komplett eigenes erschaffen will?“

„Ja. Zumindest deutet alles darauf hin. Du bist verbissen ehrgeizig und das spürt jeder, nicht nur ich.“

„Worauf willst du jetzt ganz genau hinaus?“

„Nimm dich einfach etwas mehr zurück. Das Experiment ist hervorragend verlaufen. Konzentriere dich auf das Ergebnis und nicht auf deine persönlichen Wünsche. Dieses Wesen, was du kreiert hast, ist etwas ganz besonderes und damit stehst du schon lange nicht mehr im Schatten deines Vaters.“

„Schön, dass du das sagst. Aber frage meinen Vater selbst, ob es ihm auch passiert wäre und er eine Kreatur erschaffen hätte die glatt als ein Monster in die Geschichte eingehen könnte. Geh' hinter das Basisgelände und stell' dich an sein Grab. Frage seinen Geist, vielleicht hat er eine Antwort?“

„Siehst du, jetzt wirst du zynisch“, brauste Dupont auf.

„Ach, was?“, knurrte er.

„Nimm dir was ich sagte zu Herzen und du wirst sehen, dass alles bestens ist.“

Daraufhin verließ sie Roberts Quartier und kehrte zu den anderen des Teams zurück, welche sich immer noch um den Hybrid versammelt hatten.