Kapitel 7
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Kapitel 7
die Ereignisse nehmen ihren Lauf
Zunächst vergingen Wochen, dann Monate.
Auf Cyndra nahmen neben der Einstiegsgrotte und dem ersten in Richtung Westen geschlagenen Stollen die Ausbauten feste Strukturen an.
Auf Antermerius hatte man sich daran gewöhnt, dass nur noch positive Meldungen kamen und lehnte sich mehr oder weniger entspannt zurück.
Auf der Erde nahm die künstlich eingeleitete Entwicklung sehr langsam ihren Lauf, aber schritt stetig voran.
Lediglich an Bord der Byblos machten zwei Personen finstere Gesichter. Auf der einen Seite war es der Anthro-Falke Horus 33 und auf der anderen die Anthro-Löwin Sachmet 08.
„Wie fühlst du dich?“, fragte der Horus-Klon.
„Wie soll ich mich schon fühlen? Ich bin schwanger und rund wie eine Kesselpauke“, knurrte der Löwen-Klon.
„Das sehe ich auch. Ich zielte damit auch eher auf die Nebenwirkungen ab.“
„Die halten sich in Grenzen, wenn ich davon absehe, dass ich mich nicht hinsetze oder hinlege, sondern umfalle wie ein Käfer und beim Aufstehen einem urzeitlichen reltankalischen Walross gleiche.“
„Ja, das kann ich mir denken. Vor allem ist dein Umfang recht bedenklich, wenn ich daran denke, dass du zwar im sechsten Monat bist, aber aussiehst als wären es zwölf. Entschuldige bitte, wenn ich das so derb sage“, entgegnete der Falke.
„Danke. Aber du musst dich nicht rechtfertigen. Das sehe ich selbst.“
„Ich möchte allerdings nochmals die Ultraschalldaten abgleichen. Du weißt, dass ich beim letzten Mal etwas irritiert war über die Knochenstrukturen. Mittlerweile sollte sich präzise zeigen, wie das Junge aussehen wird.“
„Dann mach das. Liegen tue ich ja schon. Immer ran an die Kugel“, seufzte Sachmet 08.
Während des Ultraschalls wurde das Gesicht des Falken immer düsterer. Die Federn im Nackenbereich stellten sich leicht auf, die Augen wurden schmaler und er hatte den Schnabel leicht geöffnet. Sein Blick wirkte starr und ungläubig.
„Das ist jetzt etwas schwierig zu erklären“, hub er schließlich an. „Dein Nachwuchs ist nicht ganz das, was ich erwartet hatte, aber entspricht dem was entfernt vermutbar war.“
„Wie meinst du das?“, fragte die Löwin beunruhigt.
„Okay, du kannst erstmal beruhigt sein. Alles ist soweit optimal und dein Kind wird gesund sein. Allerdings ist es ein unbekannter Hybrid und somit eine Mischung aus Anthro und Tier.“
„Ich will es sehen“, forderte die Löwin barsch und packte den Anthro-Falken am Arm.
„Wenn es dein Begehr ist“, sagte dieser und drehte den Monitor in einen besseren Winkel. „Du siehst, dass es einen anthropomorphen Oberkörper hat, allerdings beginnt ab der Hüfte der komplette Körperbau eines Vierpfoters.“
„Was ist mit den Organen? Ist da alles soweit am richtigen Platz?“
„Da kann ich dich beruhigen. Im Anthro-Teil befinden sich alle lebenswichtigen Organe, der Rest, welcher sich in unserem Unterleib befindet, ist nach hinten in den Tierkörper verlagert. So wie es aussieht ist es eine reine Raubkatze.“
„Es? Ist es ein Kater oder eine Katze?“, fragte die Löwin aufgeregt.
„Hmmm… ,wenn ich die Umrisse betrachte, dann ist ganz eindeutig ein Männchen. Wenn ich allerdings versuche die Umrisse der inneren Organe in diesem Bereich zu deuten, dann beschleicht mich das Gefühl, dass es sich um ein Weibchen handelt.“
„Du meinst, dass ich nicht nur einen Hybriden zu Welt bringe, sondern auch noch einen Herm?!“
Der Falke nickte langsam und legte den Kopf schief. „Damit wirst du dich wohl anfreunden müssen.“
„Und was jetzt? Wirst du es Osiris sagen? Was wird mit ihm und was mit mir? Wie soll ich jetzt noch normal leben können, wenn sich alles nicht nur auf mich stürzt, sondern auch auf mein Kind?“
„Ich werde es an Osiris nicht im Detail übermitteln. Ich werde lediglich sagen, dass dein Kind sich sehr gut entwickelt und gesund sein wird.“
„Du vergisst aber, dass wir im zentralen Netzwerk hängen und früher oder später die Einspeisung erfolgen wird.“
„Ich denke, dass ich da eine Möglichkeit finden werde. Lass es meine Sorge sein“, flüsterte der Falke verschwörerisch.
„Dann vertraue ich dir.“
„Gut so. Hab keine Angst.“
„Danke!“
In der Tat sollte sich dieses Thema zwei Wochen später zerstreut haben. Ammon hatte in Zusammenarbeit mit Shu, Bes und Chnum eine tatsächliche eine wiederholte Verbesserung der Datenübertragung ins zentrale Netzwerk ins Auge gefasst, hatten die drei eine neue Routine entworfen und wollte diese als neues, großes Upgrade einspeisen.
Wie versprochen leistete jedoch zeitgleich irgendjemand ganze Arbeit und die Andeutung, welche der Horus-Klon gemacht hatte, ging in Erfüllung.
Das Upgrade wurde ein Flop, ging vollkommen nach hinten los und ein Teil der Datenübermittlungen versiegten im Sand.
Leider hatte das Auswirkungen auf Cyndra. Das Bauvorhaben stand von einer Sekunde zur anderen still. Die Klone, welche zwar ihre Fähigkeiten grundlegend hatten, waren auf Neuerungen angewiesen und diese bezogen sie halt aus diesem zentralen Netzwerk. Statt eines Abgleichs erfolgte ausnahmsweise ein Salat aus unauswertbaren Datenleichen und brachte die weiteren Arbeiten halbwegs zur Stagnation.
Nachdem der Fehler auf allen Gebieten auftrat und die Konsequenzen gravierend waren, ruderte man zurück, entfernte die angebliche Verbesserung und veränderte die Laufzeiten der Übertragungen. Es wurde eine Dateneinspeisungpause von mindestens drei Woche eingerichtet, die Zugriffszeiten minimiert und nach und nach sollten die Klone mehr eigenständige und stets zugriffsbereite Fähigkeiten erlernen, damit es eine solche Schlappe nicht noch einmal gab.
‚Irgendwie hatten wir das schon einmal. Fluch der modernen Technologie‘, dachte sich Ammon noch, schüttelte den Kopf und beließ es dabei.
Wenig später informierte Osiris das Trio auf Cyndra darüber, dass es ein kleineres Malheur gab, welches mittlerweile behoben ist und die Vorhaben wie geplant weiter fortgesetzt werden können.
In der Tat reagierten die Klone wieder ganz normal, hatten keine Bretter mehr vor dem Kopf und gaben sich auch sonst selbstbewusst.
Genau in diese entspannte Situation platzte Nephtys, als sie der Meinung war sich höchstpersönlich auf Cyndra ein Bild machen zu müssen.
Ziemlich schnell wurde allen Beteiligten klar, dass es nicht die Neugier auf die Bauarbeiten war, die sie umtrieb, sondern eher die Tatsache, dass sich Sachmet und Seth so gut verstanden und vor allem das Maahes sich aus der ganzen Sache raushielt.
So erschien sie, landete mit ihrer Fähre am Rande des Plateaus, entstieg ihr und baute sich mittig zwischen dem Trio auf.
„Dann schießt mal los. Wie weit seid ihr?“, forderte sie eine Antwort ein.
Der Löwenkater wollte gerade etwas erwidern, kam aber nicht dazu, da sich der Halbesel bemüßigt fühlte sofort die Grenzen aufzuweisen.
„Nephtys, wenn du hier bist um für Ärger zu sorgen, dann bist du nicht nur an der falschen Adresse, sondern dann verschwinde lieber wieder“, polterte Seth direkt los.
„Och, das ist ja mal putzig“, hub die Angesprochene schnippisch an. „Du denkst ernsthaft, dass ich mich für dich oder die Löwin interessiere?“
„Deine Reaktion und vor allem dein kalter Blick lassen genau darauf schließen“, schob Seth energisch nach. „Deine Anwesenheit auf diesem Himmelskörper ist nicht von Nöten.“
„Das denkst auch nur du. Ich habe von Osiris den Auftrag hier nach dem Rechten zu sehen und vor allem für eure Sicherheit zu sorgen. Du vergisst wohl schon, dass es der Sachmet-Staffel auf Genro nicht so gut erging.“
„Oh, stimmt. Irgendwas war da ja, wenn auch nur im Hintergrund. Was sind wir für Dummerchen“, grollte der Halbesel und fletschte leicht die Zähne. „Und das gibt dir das Recht uns zu besuchen und für eine gereizte Stimmung zu sorgen?“
„Der Einzige der hier gereizt zu sein scheint bist du“, erwiderte Nephtys ganz ruhig.
„Übertreib es bloß nicht. Ich habe keine Lust mich mit dir zu streiten, werde es aber notfalls tun.“
„Seth. Du bist und bleibst was du bist, ein sturer Esel“, schnauzte Nephtys.
„Schön für dich. Sachmet weiß es wenigstens zu schätzen.“
„Oh, daher weht der Wind. Ich bin dir wohl nicht gut genug?“
„Nicht gut genug? Ich war dir wohl nicht mehr ausreichend, daher musstest du ja auch unbedingt mit Osiris in die Kiste springen“, wurde Seth lauter.
„Genau, aber erst nachdem du mit dieser bekloppten Löwenschlampe angefangen hattest und sie bereitwillig Maahes hinterging.“
„Löwenschlampe?“, mischte sich Sachmet ein. „Hast du billiges Rabenaas mich gerade als Schlampe bezeichnet?“
„Oh, sollte mir das jetzt leidtun?“, flötete Nephtys gespielt sanft. „Lass mich kurz überlegen…“, sie schaute zur Decke und spitzte die Lippen, „hmmm… Nein, tut es nicht.“
„Das wirst du bereuen!“, entgegnete Sachmet mit scharfem Unterton.
„Wag es ja nicht, mir zu drohen.“
„Was sonst? Rufst du sonst nach Osiris?“, ging Seth dazwischen. „Dann solltest du davon ausgehen, dass es bei Isis auch wieder hochkocht und mit der willst du bestimmt keinen Ärger.“
„Die ist aber weit entfernt und nicht einmal in diesem Universum“, frohlockte Nephtys zynisch.
„Das kann sich schnell ändern, wenn du so weitermachst. Aber leider steht in der Kommunikationskette zwischen uns und Ammon, noch Osiris im Wege“, resümierte Maahes.
„Seht ihr. Egal was ich mache, ihr müsst es ertragen“, schloss die Antermerianerin ihre Beweisführung ab.
„Na schön. Warum bist du wirklich hier?“, lenkte Sachmet ein.
„Es geht einfach darum, dass wir auf Genro Feindkontakt hatten, aber wie es aussieht handelt es sich nur um eine Abwehrwaffe. Daher ist der zweitgrößte Kontinent zum Sperrgebiet erklärt worden.“
„Danke für den Hinweis, aber wir hatten nicht vor dort einen ausgedehnten Urlaub zu machen“, hielt Maahes entgegen.
„Es war nur eine Warnung.“
„Nochmals danke. Du kannst deinen Heiligenschein wieder einpacken“, schloss Sachmet ab.
„Wie geht es denn mit den Arbeiten vorwärts?“, wechselte Nephtys das Thema.
„Die Eingangsgrotte ist in der Basis fertig, es fehlen nur noch die erweiterten Spundungen und die Auskleidung mit Spritzbeton sowie die elektrische Installation. Der Zentraltunnel in westlicher Richtung ist fast fertig, zumindest in der Länge.“
„Hört sich doch gut an“, säuselte Nephtys und versuchte zu lächeln.
„Einen roten Teppich wird es aber nicht geben“, konnte es sich Seth nicht nehmen lassen nochmals zu sticheln.
„Den will auch gar nicht, schon gar nicht von dir.“
„Ähm… was hat Ammon eigentlich mit der Basis vor? Ich meine, dass die Ausmaße am Ende ja nicht unerheblich sind“, wechselte Maahes wiederholt das Thema.
„Es geht zunächst um die Entwicklung von Waffensystemen und die Verbesserung der Kampfinseln. Was später kommt, weiß ich auch nicht“, erläuterte Nephtys.
„Immerhin ein Anfang“, sinnierte Seth. „Aber lass uns doch den Bauleiter fragen“, schlug er vor und zeigt zum Tunnelzugang.
„Gute Idee“, willigte die Frau ein und nickte zustimmend.
Wenige Minuten später stand das Quartett mitten im Tunnel und vollkommen im Weg, zog sich dafür prompt mehrere barsche Kommentare zu.
„Entschuldigung, aber wir suchen den Bauleiter“, erklärte Sachmet.
„Achso. Der ist weiter hinten, direkt bei den Aushubmaschinen.“
„Danke.“
„Und seid vorsichtig. Es rutscht immer noch etwas Geröll nach.“
„Wie weit seid ihr eigentlich?“, fragte Seth dazwischen.
„Wenn das letzte Geröll raus ist, werden wir in der Zugangsgrotte die Sicherungsspunde setzen und die Auskleidung auftragen. Hier hinten im Tunnel rentiert sich das noch nicht, da wir mit den Baumaschinen noch zu viel Schaden anrichten könnten.“
„Verstanden. Wir gehen dann mal weiter“, schloss Maahes ab und schob Seth etwas vorwärts.
Am Tunnelende wurden sie tatsächlich fündig und erhielten ausführlich Auskunft.
„Laut unseren Aufzeichnungen soll hier eine weitere Höhle entstehen sowie zwei Quertriebe“, sagte Sobek 145.
„Das ist richtig“, hub Nephtys an. „Osiris wünscht, dass von den Quertrieben kleinere Räume abzweigen sollen. Des Weiteren sollen zusätzlich Höhlen in den Abmessungen von 120x600x1000 entstehen, zu jeder Seite zwei Stück.“
„Ich weiß zwar nicht was er damit will, aber es klingt nach Arbeit für einige Jahre“, entgegnete der Klon etwas entgeistert.
„Es hat seinen Sinn“, beruhigte ihn Nephtys.
„Davon gehe ich einfach mal aus“, knurrte der Echsenköpfige.
„Gut. Macht weiter, wenn etwas sein sollte, dann gebt uns Bescheid“, sagte Sachmet.
„Perfekt“, warf Seth noch ein und zog die anderen mit sich zum Ausgang.
Später hatten sie Maahes‘ Fähre erreicht und setzen sich.
Im Solarsystem saß Osiris im Administratorenstand und überflog die Berichte. Bei einem hielt er kurz inne, überlegte einen Augenblick und betätigte die Com-Taste. <„Ptah 34 für Osiris.“>
<„Hier Ptah 34. Ich höre sie Administrator.“>
<„Gib mir die Krankenstation.“>
<„Verstanden! Die Verbindung wird hergestellt.“>
Sekunden später meldete sich Horus 33.
<„Hallo, hier Osiris. Was ist mit Sachmet 08?“>
<„Was soll mit ihr sein?“>, kam die Gegenfrage.
<„Wie verläuft ihre Schwangerschaft? Hier steht nur, dass es ihr gut geht und dass das Kind gesund ist.“>
<„Das ist auch so. Mehr kann ich nicht sagen.“>
<„Das ist verdammt wenig.“>
<„Wenn ich mehr sagen könnte, dann würde ich das auch tun.“>
<„Sicher?“>
<„Administrator. Nichts liegt mir ferner als ihnen die Wahrheit vorzuenthalten.“>
<„Das beruhigt mich irgendwie nicht, aber meinetwegen. Behalten sie sie im Auge.“>
<„Das tue ich unentwegt.“>
<„Ausgezeichnet. Osiris, Ende!“>
<„Administrator Osiris?“>, hörte man die Stimme des Ptah-Klons aus dem Lautsprecher. <„Ich habe Supervisor Ammon in der Verbindung. Er wünscht sie zu sprechen.“>
<„Auf den Schirm.“>
<„Aye!“>
<„Hallo, Osiris“>, begann der, ohne abzuwarten.
<„Ich grüße dich, mein Freund. Was ist dein Begehr.“>
<„Was haben die DNA-Analysen auf dem Planeten Tenerra ergeben?“>
<„Eine reichhaltige Flora und Fauna. Selbständig in der Entwicklung. Bisher aber keine Anzeichen dafür, dass es höheres Leben gibt.“>
<„Das freut mich sehr. Denke an deinen Auftrag.“>
<„Das tue ich unentwegt. Was soll ich dem Team auf Cyndra sagen, was die Funktion des Höhlensystems betrifft?“>
<„Im Moment sollen die erst einmal bauen. Später werden wir dort unsere Waffenforschung unterbringen. Ich habe vor, ein komplett neues System zu entwickeln. Etwas Revolutionäres.“>
<„Klingt interessant. Schwebt dir schon etwas vor?“>
<„Nicht wirklich. Da darfst auch du deine Phantasie spielen lassen.“>
<„Das kann ja was werden.“>
<„Du hast einen kleinen Vorteil. Lass dich doch einfach mal treiben und von der Tierwelt Tenerras inspirieren.“>
<„Du hast doch was vor? Du hast eine Idee.“>
<„Eine ganz vage Vorstellung. Mir schwebt etwas vor, was selbständig wäre, aber steuerbar. Etwas was groß und trotzdem wenig ist und vor allem muss es stabil stehen und gehen können.“>
<„Hmmm… ich lasse mir etwas einfallen.“>
<„Davon bin ich überzeugt. Ammon, Ende.“>
„Etwas einfallen lassen? Naja, ich habe ja noch viel Zeit“, murmelte er und lehnte sich zurück.
Nach wenigen Tagen hatte er jedoch die Nase voll, verließ seine Räumlichkeiten und begab sich zur Labor der Waffenforschung.
Dort war man über seinen Besuch mehr als überrascht.
„Administrator Osiris!“, rief einer der Seth-Klone erstaunt. Was verschafft uns die Ehre?“
„Lass die Förmlichkeiten. Ich habe ein Problem und möchte mit euch darüber beratschlagen wie wir das lösen.“
„Ich bin ganz Ohr“, antwortete Seth 76 und rief noch einen Anubis- sowie einen Sachmet-Klon herbei. „Das sind Sachmet 109 aus der Angriffsstaffel und Anubis 54 aus der Verteidigung“, stellte er kurz vor.
„Perfekt!“, begann Osiris. „Es geht darum, dass wir ein komplett neuartiges Angriffs- und Verteidigungssystem entwickeln sollen.“
„OH!“, entfuhr es dem Sachmet-Klon. „Das hört sich ja mal nach einer faszinierenden Aufgabe an.“
„Was wird gefordert?“, hakte der Anubis-Klon nach.
„Das ist das Problem“, entgegnete Osiris. „Ammon möchte, dass dieses System, A) autonom, B) steuerbar, C) stabil in Bewegung und Verharrung, D) schwer und E) bewegungsfreudig ist.“
„Das sind viele Eigenschaften, welche sich gerade in D und E nicht sonderlich gut vertragen. Meist sind schwere Dinge auch schwerfällig in der Fortbewegung und vor allem auch sehr schnell instabil in der selbigen“, sinnierte Anubis 54.
„Ich denke, dass wir eine Lösung finden werden“, warf Osiris ein. „Ammon sagte noch, dass wir uns auf Tenerra die Inspirationen suchen sollen.“
„Das klingt jetzt mehr als interessant“, hub Sachmet 109 an. „Wir sollten mit einer Fähre dort hin und die Tier- und Pflanzenwelt sehr genau studieren. Vielleicht finden wir ja Lebewesen, die diese Eigenschaften in sich vereinen?“
„Ich wusste, warum ich hierher komme. Genau wegen dieser Gedanken“, sagte Osiris und begann breit zu lächeln. „Lasst uns eine Fähre nehmen. Aber wir werden zur Sicherheit noch zwanzig Klone der Sachmet-Staffel mitnehmen.“
„Das ist eine sehr gute Idee. Wissen sie eigentlich was mit Sachmet 08 passiert ist?“, fragte die Klon-Löwin.
„Ja, aber das gehört nicht hierher. Ich sage nur so viel, passt auf euch auf. Die Tierwelt ist nicht unbedingt friedlich, sondern wild und ungestüm.“
„Das ist Erklärung genug. Danke, Administrator!“, sagte Sachmet 109.
„Lasst den Administrator jetzt mal weg. Ich bin einfach nur Osiris. Wir haben eine gemeinsame Aufgabe. Die Förmlichkeiten sind etwas fürs Protokoll und fürs Büro.“
„Danke, Osiris“, probierte es Anubis 54 gleich einmal aus und grinste etwas.
„Geht doch. So und jetzt lasst uns das Team zusammensuchen und passend bewaffnen. Ich gehe derweil zur Krankenstation, nehme noch zwei Horus-Klone mit und die entsprechende medizinisch-technische Ausrüstung. Wir haben eine lange Zeit auf Tenerra vor uns.“
„Auf geht’s“, intonierte Seth 76, drehte sich um, schritt auf den Ausgang zu, um sich zu den Quartieren der Sachmet-Staffeln zu begeben.
„Ich gehe mit ihnen zum medizinischen Bereich“, verkündete der Anubis-Klon.
„Sehr gut“, sagte Osiris und nickte. „Du gehst bitte zur Waffentechnik und sammelst passende Angriffs- und Verteidigungsmodelle zusammen“, wandte er sich an die Klon-Löwin, welche daraufhin nickte und ebenfalls verschwand. „Und wir machen uns jetzt ebenfalls auf den Weg.“
Die Wege hatten sich getrennt und Sachmet 109 erreichte als erste ihr Ziel, schaute sich kurz um und öffnete die passenden Schränke.
„Bingo“, flötete sie vor sich hin und griff beherzt zu. „Handlaser der fünften Generation mit Doppellauf“, begann sie vor sich hinzumurmeln. „Schallwellengewehre mit Langlauf und Zielvorrichtung, Blendgranaten, Positronenbeschleuniger, Betäubungsgewehre für Untersuchungen und die guten alten elektronischen Tensatoren mit Laserabsperrung und Alarmsender.“
„Kann ich helfen?“, fragte plötzlich eine weibliche Stimme.
Die Klon-Löwin drehte sich erschrocken um. „Ähm… ja, vielleicht. Ich packe gerade passendes Equipment für eine Entdeckungs- und Forschungstour auf Tenerra vor.“
Die ihr gegenüberstehende Klon-Löwin trug die Kennung 08 am Revers und machte einen deutlich schwangeren Eindruck. „Hmmm… ich könnte beim Tragen helfen. Und wenn es nichts ausmacht, würde ich mich gerne anschließen“, sagte Sachmet 08 frei heraus.
„Du bist doch die Löwin, von der man munkelt, dass sie eine Begegnung mit einem der dortigen Kater hatte.“
„Ja und das Ergebnis siehst du ja.“
„Hmmm… warum möchtest du mit, anstatt dich zu schonen?“
„Ich befürchte, dass ich hier als Versuchskaninchen enden werde und mein Kind genauso.“
„Warum? Es ist doch eine ganz normale Schwangerschaft.“
„Nein. Es ist ein Hybrid. Es ist eine Mischung aus uns und einem Vierbeiner.“
„Oh. Jetzt beginne ich einigermaßen zu verstehen.“
„Außerdem wird mein Nachwuchs ein Hermaphrodit sein und ich will nicht, dass er als Experiment endet.“
„Das leuchtet mir jetzt doppelt ein. Aber wie sollte das gehen?“
„Sucht ihr Verstärkung für ein Außenteam?“
„Ja, aber da ist Seth 76 schon auf dem Weg zu den Sachmet-Quartieren.“
„Verdammt! Ich muss vom Schiff runter, irgendwie muss es mir gelingen nach Tenerra zu kommen. Ich will nicht als Schauobjekt verenden.“
„Klone sind ersetzbar“, murmelte Sachmet 109 vor sich hin und kratzte sich am Kinn. „Wir normalen Klone schon. Immerhin wird ja nur der Körper ersetzt, aber nicht das was unser Wissen ausmacht.“
„Ich nicht mehr. Nicht mein Nachwuchs.“
„Das stimmt. Ich kriege dich schon nach Tenerra. Du bist durch deine Schwangerschaft nicht mehr ersetzbar und schon gar nicht dein Kind. Es gehört in die Freiheit“, konstatierte Sachmet 109 und nickte der Klon-Löwin 08 freundlich zu. „Wir müssen nur verhindern, dass die Übertragung ins zentrale Netzwerk erfolgen kann, sonst wissen es diejenigen die es nicht wissen sollten.“
Seth 76 hatte unterdessen die Reihe der Sachmet-Quartiere erreicht und drückte auf den ersten Türsummer. Diese Gelegenheit wollte sich der Klon-Halbesel nicht nehmen lassen und die Löwinnen persönlich aufsammeln. Es wäre auch per Intercom gegangen, aber irgendwie war diese altmodische Methode amüsanter.
Das Wort amüsanter hätte er allerdings nicht verwenden sollen.
Beim ersten Quartier wurde er ziemlich schief angesehen, aber die Löwin packte ihre Sachen zusammen und bereitete sich vor, beim zweiten und dritten war es das gleiche Spiel. Beim vierten Quartier änderte sich jedoch zunehmend der erwartete Anblick. Dort wurde er nicht normal empfangen. Die Klon-Löwin musste wohl gerade geduscht haben, war ziemlich unwirsch und lediglich mit einem Badetuch bekleidet.
„Es geht um eine Erkundungstour auf Tenerra“, versuchte Seth 76 zu erklären.
„Und warum müssen ausgerechnet wir mit?“, fragte Sachmet 47.
„Wir brauchen Geleitschutz. Osiris kommt auch mit.“
„Oh, der Administrator höchst persönlich. Da kann ich wohl kaum nein sagen. Ich bin dabei. Geh zu den anderen“, verkündete sie noch und ließ die Tür sich wieder schließen.
Bei den restlichen Quartieren war die Sache auch schnell erklärt und das Team so gut wie vollständig. Es gab keinerlei Widerworte von den Sachmets, wenn man von Nummer 99 absah. Die Löwin war mit sich selbst beschäftigt, wirkte aufgrund der Unterbrechung sehr fahrig und stand zudem noch nackt vor ihm.
Als er das Anliegen vorbrachte, plusterte sich die Löwin auf, stemmte die Fäuste in die Hüften und musterte den Eselhengst missmutig von oben bis unten.
„So so…“, murmelte sie vor sich hin. „Osiris ist auch dabei. Du hast Glück, dass du kein Kater bist. Aber wie dem auch sei. Ich komme mit, wenn ich fertig bin.“
Seth 76 verstand nicht ganz was der Sachmet-Klon damit andeuten wollte, aber als sie eine recht deutliche Handbewegung in Richtung der unteren Körperpartie machte, war ihm klar, dass seine Anwesenheit nicht mehr erwünscht war und nickte kurz.
Zehn Minuten später war die Sachmet-Staffel komplett angetreten, der Seth-Klon hatte sich dazugesellt, ebenso standen Osiris nebst Anubis 54 im Raum, dazu zwei Horus-Klone der medizinischen Abteilung.
„Na, Sachmet 99. Alles wieder am richtigen Platz?“, flüsterte der Halbesel-Klon der Klon-Löwin ins Ohr.
„Vorsicht mit dem was du sagst. Ich könnte mir gewisse Dinge überlegen, die dir nicht gefallen würden.“
„Ach ja? Was sollte das sein?“
„Das wirst du sehen, wenn ich es mir überlegt habe.“
„Dann überlege nicht zu lange, denn noch hält meine Neugier an.“
„Du bist verdammt frech für einen einfachen Klon der internen Sicherheit. Hast wohl keinen Respekt vor dem Kampfpersonal der Außeneinsätze?“
„Außen oder Innen, wo ist da schon der Unterschied?“
„Dann komm doch mit nach Tenerra. Ich werde dir die Unterschiede schon zeigen.“
„Sehr gerne, ich bin gespannt“, erwiderte Seth 76 noch.
Bevor der Sachmet-Klon eine doch etwas sehr frivole Reaktion formulieren konnte, öffnete sich eine der Seitentüren und Sachmet 109 erschien, hatte mehrere Kisten bei sich und eine Begleiterin.
„Ich habe alles abgegriffen, was ich kriegen konnte. Übrigens, dass ist Sachmet 11. Sie würde gerne mitkommen und hat mir bei der Waffenauswahl sehr geholfen.“
Osiris musterte die Klon-Löwin kurz, strich mit seinem Blick über ihren rundlichen Bauch und nickte schließlich. „Gut. Sie soll mitkommen. Eine Sachmet mehr als Schutz können wir gebrauchen und Freiwillige sind immer willkommen.“
„Aye, Sir!“, antwortete die Löwin kurz und hoffte, dass die Lüge nicht auffliegen würde, bevor sie die Oberfläche von Tenerra erreicht hatten.
Widererwarten schienen sich Osiris und die anderen mehr auf die Aufgabe zu konzentrieren als auf sie. Sachmet 08 schöpfte Hoffnung und als die Fähre mit ihr an Bord abhob, war sie sich sicher, dass ihr Plan aufging. Die Freiheit für ihr Kind lag in greifbarer Nähe.
Der Flug nach Tenerra sollte sieben Stunden in Anspruch nehmen. Es war also genug Zeit um sich miteinander bekannt zu machen.
„Hey“, rief Sachmet 99 zu Seth 76 hinüber. „Ich arbeite immer noch an der Sache mit dir. Fühl dich also nicht zu sicher.“
„Und ich bin immer noch neugierig“, erwiderte der Seth-Klon enthusiastisch.
„Was? Oh bitte!“, ging Osiris dazwischen. „Nicht auch noch die Klone. Reicht es nicht schon das Seth und Sachmet im Original sich daneben benehmen? Müsst ihr beide es ihnen jetzt auch noch nachmachen?“
„Ach?“, entgegnete Sachmet 99 und fing an schief zu lächeln. „Dann habe ich ja schon etwas gefunden für den Esel.“
„Macht doch was ihr wollt, macht hier ja eh jeder“, seufzte Osiris und hob resigniert die Arme. „Wenn wir gelandet sind, sichert die Umgebung ab und sorgt dafür, dass wir nicht direkt angegriffen werden. Seth 76 und Sachmet 99! Ihr beide begleitet zusammen mit Sachmet 109 unseren Kurzzeitgast in ein sicheres Gebiet. Findet einen Platz mit genug Nahrung, Wasser und Schutz für Sachmet 08.“
Dem Sachmet-Klon 109 wurde es schwarz vor Augen, ebenso der zuletzt Genannten.
„Sir!“, begann die Klon-Löwin. „Woher wussten sie es?“
„Ich wusste es bereits, bevor du Nummer 08 vorgestellt hattest. Ihr Babybauch ist nicht zu übersehen und bei Klonen so gut wie unmöglich“, erwiderte Osiris.
„Und trotzdem lassen sie mich gehen?“
„Gerade deshalb.“
„Warum?“, fragte Sachmet 08 ungläubig.
„Ammon schickte mich hierher um zu beobachten, zu untersuchen und vor allem um eines zu tun, selbsttätig zu entscheiden, ob ich eingreife, leben lasse oder vernichte. Ich habe mich entschieden und schütze das Leben, egal in welcher Form.
Eingegriffen haben wir eh schon und ein weiterer Eingriff in die Entwicklung von Tenerra macht es auch nicht mehr schlimmer. Wird bestimmt witzig zu beobachten was am Ende dabei herauskommt“, erklärte Osiris mit gehobenem Zeigefinger.
„Entschuldigung, Sir!“, hub Anubis 54 an. „Was sie da tun, wäre eine Art von Überwesen zu sein, zu bestimmen was aus der Entwicklung auf einem Planeten wird.“
„Nein. Es ist ohne mein Eingreifen eh schon geschehen. Vor etwas mehr als zwei Milliarden Jahren fand eh schon eine Beeinflussung statt. Das ist zwar als geheim eingestuft, aber die jetzige Lage erfordert von mir, dass ich mit offenen Karten spiele. Das A-D-T-S namens Vintara verschwand in diesem System, obwohl es im Elara-System den Dimensionswechsel abschließen sollte. Der Nachfolger namens Velora ging ebenso verloren und wie der Zufall es will, hier im Asteroidengürtel. Die Daten die Ammon mir zur Verfügung stellte sprechen ihre eigene und deutliche Sprache. Demnach sind wohl der Prototyp eines Systemvernichters der Abtrünnigen und unser Schiff in ein Gefecht geraten, haben mittendrin den Transfer durchgeführt und erschienen in der Nähe des Planeten Tenerra. Beide wurden zerstört und so wie die DNA-Analysen aussehen, sind beide zumindest in Resten eingeschlagen und haben unser Genmaterial eh schon verteilt.
Der Jaguar der Sachmet 08 schwängerte hat ebenso Spuren ihrer DNA mit sich mitgenommen und diese ausreichend verteilt. Damit ist der Planet Tenerra, der eh schon beeinflusst war, nochmals kontaminiert worden. Ich bringe jetzt nur das auf die Oberfläche, was eh schon existiert. Der Nachwuchs von Sachmet 08 wird nichts mehr verändern, es ist eh schon geschehen und nicht mehr rückgängig zu machen. Danach werde ich nicht mehr eingreifen oder nur, wenn es zwingend erforderlich ist.“
„Und das wäre?“, stellte Sachmet 99 ihn zur Rede.
„Die Abtrünnigen könnten sich für den Planeten interessieren oder eine andere Spezies, die die jetzige Entwicklung verändern will. Das werde ich verhindern. Egal was da unten auch passiert, es soll sich allein und frei entwickeln und unter keinerlei regulierendem Einfluss von irgendwas stehen. Wir sind keine Weltenherrscher, aber da unten leben und wuseln quasi unsere Kinder und ich fühle mich verdammt nochmal verantwortlich. Allein kann ich das nicht, daher bin ich auf euch alle angewiesen und vertraue jedem einzelnen“, schloss Osiris ab.
„Dann soll es so sein“, sagte Sachmet 08 und umarmte den Administrator plötzlich.
Wenn alle ein Donnerwetter seinerseits erwartet hatten, dann wurden sie enttäuscht. Osiris zog die Klon-Löwin an sich und streichelte sie lange Zeit, löste sich dann wieder von ihr und lächelte milde.
„Jetzt lasst uns landen und schauen was dort unten alles existiert. Wir werden Proben sammeln und uns einen detaillierten Überblick verschaffen. Raubkatzen gibt es wohl definitiv“, verkündete Seth 76 euphorisch.
„Dann los, Süßer“, schnurrte Sachmet 99 und kniff ihm in den Hintern, woraufhin er auf schnaubte und die Ohren seitlich stellte.
Die Landung erfolgte in einem Steppengebiet und die Fähren bildeten einen relativ gleichmäßigen Ring. In der Nähe ihres Platzes erhoben sich die ersten Bäume, welche fortlaufend zu einem dichten Wald wurden.
Nachdem sich die Außenschotten geöffnet und sich alle zu einem Pulk versammelt hatten, nahmen die Beteiligten zunächst die Umgebung intensiv in sich auf.
„Wahnsinn!“, entglitt es Sachmet 99. „Es ist eine richtige Märchenwelt.“
„Der Kater dachte das Gleiche bestimmt auch bei Sachmet 08, als er sie erspähte“, versuchte Sachmet 157 etwas zu scherzen.
„Ja. Die anderen Weibchen auf dem Planeten waren bestimmt nicht so leicht zu überwältigen wie ich“, knurrte diese.
„Mit Sicherheit. Aber es war nicht dein Fehler.“
„Es war insgesamt kein Fehler“, mischte sich Osiris ein. „Es war niemandes Fehler. Und einfach so geschehen Dinge auch nicht. Alles hat seinen Sinn und Zweck, auch wenn man es nicht sofort merkt, sondern erst viel später … Sachmet 99 und Seth 76, ihr beide begleitet Sachmet 08 … Sie soll sich einen geeigneten Platz aussuchen. Sorgt dafür, dass sie genug Nahrung und Wasser findet und helft ihr dabei einen passenden Unterschlupf zu finden. Ich will sie hier nicht einfach abliefern.“
„Aye, Sir!“, bestätigte Seth 76 die Order. „Wo möchtest du hin?“, fragte er im gleichen Atemzug an die entsprechende Klon-Löwin gewandt.
„Wenn es euch recht ist, würde ich gerne im Wald leben. Dort sollte es genug Schutz geben.“
„Gern doch“, intonierte Sachmet 99 und hob den Finger, deutete in die entsprechende Richtung.
Das Trio setzte sich in Bewegung und verschwand im Gehölz.
„So, wir bleiben in zweier Gruppen. Haltet Augen und Ohren offen. Wir suchen nach Lebewesen und brauchen aussagekräftige Analysen. Wenn ihr angegriffen werdet, dann verteidigt euch maßvoll. Ich will hier keinen Feldzug sehen. Außerdem habe ich noch den Auftrag mich inspirieren zu lassen für ein passendes Waffensystem. Wie auch immer das sich präsentieren soll“, gab Osiris weitere Anweisungen.
Es bildeten sich acht Sachmet-Klongruppen zu je zwei.
Anubis 54 blieb bei Osiris, ebenso die beiden Horus-Klone, welche sich absetzten und in Richtung Steppenzentrum aufbrachen, während die Sachmet-Grüppchen sich verteilten und im jeweils 25° Winkel versetzt ausschwärmten.
Schon bald waren alle außer Sichtweite und man hörte lediglich das sanfte Rauschen des Windes, welcher die Grashalme bewegte.
„So, dann nehmen wir doch mal eine schöne Bodenprobe“, verkündete Horus 612 und kniete nieder, nahm ein Reagenzglas aus einer der Taschen, füllte etwas destilliertes Wasser auf und gab das gerade entnommene Material hinzu. Anschließend ergänzte er das Ganze durch einen Flüssigindikator, verschloss alles und schüttelte es kräftig.
„Mal sehen was wir da haben“, flötete er beflissen. „Ah! Sehr interessant. Der Boden ist leicht alkalisch. Daher wohl auch die eingeschränkte Vegetation.“
„Ist es möglich, dass an anderen Stellen der Boden eine andere Reaktion zeigt?“, fragte Anubis 54.
„Mehr als wahrscheinlich. Ich vermute, dass die Sachmet-Gruppen auf andere Werte stoßen werden. Immerhin haben wir es hier mit sehr niedriger Vegetation zu tun. Am Rande unseres Landeplatzes war ein Waldgebiet in der Nähe, da sollten die Indikatoren vermutlich ausgeglichener sein oder mehr ins saure Milieu übergehen.“
„Dann haben wir also mehr den toten Bereich erwischt?“, fragte Osiris.
„Tot nicht, aber offensichtlich eingeschränkt. Aber zu präzisen Aussagen fehlen mir die Werte über klimatische Zonen und Witterungsverhältnisse, wie auch eventuelle Jahreszeiten“, stellte Horus 612 mit leicht forderndem Unterton fest.
„Dein Ansinnen ist angekommen“, entgegnete Osiris und nahm über seine Fähre Kontakt zur Byblos auf. <„Administrator Osiris an Byblos. Können sie mich hören?“>
<„Hier Byblos, Offizier Ptah 17. Ich höre sie!“>
<„Ausgezeichnet! Wir haben vom Weitstreckenscan und auch von der ersten Sachmet-Staffel nicht nur Oberflächendaten, sondern auch die Werte über Witterung und Zonenverteilung. Würdest du diese bitte außerplanmäßig ins Netzwerk ein-speisen, so dass wir Zugriff darauf haben. Dann ersparen wir uns dahingehend die Frage-Antwort-Spielchen.“>
<„Aye, Sir! Ich suche gerade nach den Daten…“>, kam Ptahs Antwort. Wenige Augenblicke darauf die finale Bestätigung: <„Ich habe sie gefunden und bereits eingespeist.“>
<„Danke! Osiris, Ende!“> Er schloss die Augen, verband sich mit dem Netzwerk und griff die entsprechenden Daten ab, ebenso taten dies die beiden Horus-Klone und Anubis 54.
„Ah… perfekt“, sagte Horus 33 und zwitscherte aufgeregt. „Verschiedene Klimazonen, unterschiedliche Niederschlagsmengen, sehr abweichende Temperaturverläufe und durch diese Faktoren auch extrem unterschiedliche Vegetationen und Verteilungen von Tieren.“
„Damit können wir doch schon mal mehr anfangen“, freute sich Anubis 54.
<„Osiris an alle Sachmet-Gruppen. Zwangsverbindung mit dem Netzwerk herstellen. Es gibt Daten über die klimatischen und biologischen Verteilungen auf Tenerra die dringend erforderlich sind. Osiris, Ende!“>
Innerhalb von wenigen Minuten waren alle Klone im Bilde und wussten jetzt auch Sachmet 99 und Seth 76 wo der beste Platz für Nummer 08 zu finden wäre.
Der Halbesel holte seinen Geo-Scanner hervor und schaltete ihn ein. „So. Jetzt sollten wir fündig werden. Sachmet, du holst bitte die Bio-Daten ein.“
„Aber gerne doch“, säuselte die Klon-Löwin und hantierte an den Einstellungen.
Sachmet 08 hatte sich etwas abgesondert und strich über ihren Bauch, in welchem sich ihr Nachwuchs langsam bewegte. „Keine Angst. Du bist in Sicherheit. Keiner wird dir hier etwas tun und du bist zuhause angekommen“, flüsterte sie beruhigend.
Plötzlich knackte es im Gehölz und auf einer kleinen Lichtung erschien ein Pferd, blieb stehen und sah zu ihr hinüber.
Sachmet 08 starrte gebannt zurück und bewegte sich keinen Millimeter. Dieses Tier war groß, schlank, wirkte athletisch, hatte pechschwarzes Fell, eine üppige Mähne und einen langen buschigen Schweif, mit dem es aufgeregt schlug.
Was die Löwin aber noch mehr faszinierte war, dass dieses Lebewesen schier riesige dunkelgrau gefiederte Flügel besaß und auf seiner Stirn ein schneeweißes Horn prangte.
„Was zum Teufel ist hier los?“, fragte sie ungewollt laut, woraufhin das Tier verschreckt flüchtete. „Ach, verdammt! Seth und Sachmet, kommt mal schnell her!“, rief sie durch den Wald.
Wenige Augenblicke standen die beiden neben ihr.
„Was hast du?“, fragte Sachmet 99 besorgt.
„Ich habe etwas gesehen“, begann die Klon-Löwin 08.
„Das ist schön“, witzelte Seth 76 und erhielt dafür einen Klaps auf den Hinterkopf.
„Das ist nicht lustig“, fuhr die Löwin fort. „Ich habe ein Tier gesehen. Es war ein geflügeltes Pferd mit einem Horn auf der Stirn.“
Sachmet 99 schaute irritiert zu Seth 76 und runzelte die Stirn, während der tief durchatmete. „Das hat jetzt gerade noch gefehlt“, murmelte der Halbesel und griff nach seinem Com-Gerät. <„Seth 76 an Administrator Osiris. Wir haben hier ein kleines Problem.“>
<„Hier Osiris! Beschreibe es!“>
Die anderen Klongruppen hielten inne und erwarteten ebenfalls eine Aufklärung.
<„Sachmet 08 hat einen Einhorn-Pegasus-Hybriden gesehen.“>
<„Näher beschreiben, bitte.“>
<„Das Pferd selbst hatte schwarzes Fell, das Horn war weiß und die Flügel dunkel-grau. So beschreibt es Sachmet 08.“>
Osiris vernahm es und verdrehte die Augen. <„Alles klar. Das ist nicht wirklich ein Problem. Aber wir haben jetzt die Bestätigung, dass auf Tenerra die Trümmer von A-D-T-S und Systemvernichter niedergegangen sein müssen. Wir haben es hier tatsächlich nicht mehr mit einer rein natürlichen Evolution zu tun, sondern mit einer beeinflussten. Der Pegasus stammt eindeutig von den Abtrünnigen und die Flügel von Isis. Was es mit dem Horn auf sich hat kann ich nicht mal mutmaßen.“>
<„Verstanden!“>, erwiderte Seth 76. <„Gibt es deinerseits Anweisungen?“>
<„Ja! Die folgende Anweisung gilt für alle Gruppen. Erweitert eure Scans um anormale Strahlungswerte. Wie gesagt, beider Schiffe sind auf der Oberfläche eingeschlagen. Ich weiß nicht genau wo. Seid auf der Hut. Der Einhorn-Pegasus ist ein Indiz dafür, aber keiner weiß was noch alles frei herumläuft.“>
<„Aye, Sir!“>, bestätigten nacheinander alle Gruppen.
<„Ist es im Bereich des Möglichen, dass wir auf Abtrünnige treffen oder Reste von unseren Klonen?“>, fragte Sachmet 27 via Intercom.
<„Nein! Die Schiffe gingen vor Milliarden Jahren nieder. Da kann nichts mehr sein. Allerdings sollten wir auf Kuriositäten gefasst sein.“>
<„Verstanden. Wir werden verstärkt darauf achten.“>
„Das gefällt mir überhaupt nicht“, murmelte Osiris vor sich hin und erregte damit die Aufmerksamkeit seiner Begleiter.
„Wie meinst du das?“, fragte Horus 33.
„Der Einhorn-Pegasus ist eine Mischung aus beiden verfeindeten Parteien. Jetzt kann uns noch mehr davon über den Weg laufen, aber auch reine Nachkommen.“
„Du meinst, ein reiner Nachkomme der Abtrünnigen, wie Marduk, Freya, Cernunos, Loki, Odin?“
„Ich befürchte ja. Die Frage ist nur, inwiefern dieser unfreiwillige Nachkomme das genetische Gedächtnis, welches jedes Lebewesen im Laufe der Evolution entwickelt, mit sich trägt und ob es dann auch zur Geltung kommt.“
„Das wäre sehr unangenehm“, raunte Seth 23. „Ich erinnere mich an die speziellen Daten im Seth-Unternetzwerk.“
„Eben. Gerade die Seth-Reihe hatte damals extreme Verluste erlitten, welche in die Zehntausende gingen am Ende. Die Sachmet-Reihe war auch nicht viel besser dran. Und ausgerechnet die Nachfolger dieser Klonreihen stehen jetzt hier und bewegen sich quasi auf halbfeindlichem Gebiet.“
„Wäre es nicht besser gewesen die Anderen zu warnen?“, fragte Anubis 54.
„Nein. Damit hätte ich nur für Panik gesorgt“, entgegnete Osiris bestimmt und schnitt mit einer Handbewegung die Diskussion ab. „Weiter jetzt.“
Auf Cyndra waren die Arbeiten im Verlaufe der nächsten Wochen vorangeschritten. Die Einstiegsgrotte war komplett fertiggestellt und die erste Beleuchtung fest installiert. Der Tunnelbereich war immer noch ein Rohbau, aber frei von allen Trümmern, so dass die Bohr- und Grabearbeiten für die Seitenstollen beginnen konnten.
„Wie ich auf dem Plan erkenne, sollen die seitlichen Gewölbe mit den Abmessungen 120x600x1000 einen planen Zugang zu den Stollen erhalten, dann aber wesentlich tiefer liegen?“, fragte Sobek 78 an Seth gewandt.
Der Halbesel schaute zuerst zu ihm, dann auf den Plan und nickte schließlich. „Genau. Die vier Höhlen liegen im Bodenbereich 100 Mitrox tiefer wie der Zugang und sind entsprechend über Aufzüge und Steigleitern zu erreichen.“
„Alles klar. Ein wirklich faszinierendes Projekt“, freute sich der anthropomorphe Krokodil-Klon, lächelte zähnefletschend und begab sich zu einer Gruppe von vier Aushubarbeitern, schwenkte mit dem Plan.
„Wie schaut’s aus?“, fragte Maahes, welcher gerade angekommen war.
„Die Sobek-Klone scheinen genau in ihrem Element zu sein. Auf jeden Fall ist dieser Sobek 78 als Vorarbeiter genau der Richtige“, antwortete Seth.
„Ja, ich seh‘ schon. Schade, dass die Klone so begrenzt in der Lebensdauer sind und vor allem, dass der Charakter nicht auch immer der gleiche ist wie das Wissen“, sagte Maahes und schaute zum Sobek-Grüppchen hinüber.
„Ja. Fluch und Segen der Klon-Reihen. An manche gewöhnt man sich, hat sie dann hunderte Jahre ins Herz geschlossen und dann kommt der nächste und kann einen enttäuschen, weil er vom Benehmen her eine Null-Nummer ist.“
„Komm Großer. Damit leben wir“, munterte der Löwenkater ihn auf.
„Wo ist eigentlich Sachmet?“, wechselte Seth das Thema.
„Die ruht sich etwas aus.“
„Hoffentlich nicht bei Nephtys“, entglitt es dem Halbesel entsetzt.
„Nein. Die beiden gehen sich brav aus dem Weg.“
„Wenigstens kein Drama“, seufzte Seth erleichtert.
Auf Tenerra waren logischerweise auch Wochen vergangen und die Gruppen hatten fleißig Material gesammelt und waren reich an Informationen.
In der Tat hatten sie, scheinbar normale Lebewesen gefunden, aber auch sehr skurrile. Einige erinnerten in der Grundstruktur entfernt an Abkömmlinge der Antermerianer, egal ob systemtreu oder abtrünnig, andere waren deutlich das Produkt der eigenständigen Evolution auf diesem Planeten.
Wobei keiner mit Sicherheit sagen konnte, ob Wasser- oder Flugdrachen zum natürlichen Repertoire gehörten oder durch Mutationen entstanden waren. Ebenso konnte man nur mutmaßen, ob Tenerra nicht von sich aus in der Lage gewesen wäre, Einhörner und Pegasi hervorzubringen oder ob auch hier die antermeria-nische DNA zwingend erforderlich war.
Was aber für Osiris und folgend auch für Ammon wesentlich wichtiger war, sie hatten eine Inspiration für die neue Wunderwaffe gefunden. Es handelte sich um ein kleines schwarzes und eher unscheinbares Lebewesen. Ein Tier, welches man schnell übersehen konnte, dass es aber in sich hatte.
Eher durch Zufall stolperte Horus 33 darüber, etwas später auch Sachmet 23 aus einer der Staffel-Gruppen. Es handelte sich um einen Gliederfüßer, mit vier Beinpaaren, zwei kräftigen Scheren, acht Augen und einem langen gegliederten Schwanz, welcher seinerseits am Ende ständig erhoben war und einen Stachel trug.
Während Horus 33 einen vorsichtigen Bogen um das Tier machte, trat Sachmet 23 direkt drauf und wurde gestochen. Dabei fand ihre Begleiterin heraus, dass es im Stachel ein Gift mit sich führte, durch welches es zu heftigen Lähmungserscheinungen kam.
Nach drei Tagen konnte Sachmet 23 sich endlich wieder halbwegs bewegen und nach weiteren zwei Tagen stand sie, wenn auch geschwächt, wieder auf eigenen Beinen.
Das Spezimen hatte Sachmet 17 vorsichtshalber festgesetzt und in einen Probebehälter gesperrt, denn sie wusste ja nicht wozu der Zufallsfund im Nachgang wichtig sein könnte.
Sachmet 99, Seth 76 und Sachmet 08 hatten unterdessen einen geradezu idyllischen Platz gefunden.
Es handelte sich um ein Tal wie aus dem Bilderbuch. Der Boden war mit saftigem Grün bedeckt, im Zentrum befand sich ein ausgedehnter See, welcher sich nach Entnahme einer Probe als mit Süßwasser gefüllt entpuppte und es gab eine reichhaltige Vegetation, bestehend aus Bäumen, Strauchwerk, Farnen. Im Hintergrund befand sich ein kleinerer Wasserfall, der von dunkelgrünen Ranken umrahmt wurde. Das Ambiente passte.
Und wie der Zufall es wollte gab es hier auch eine ausgewogene Fauna, die sich als gute Nahrungsquelle darstellte und die an den Sträuchern wachsenden Früchte und Beeren waren zu 80% genießbar und eine perfekte Ergänzung. Außerdem befand sich in östlicher Richtung ein kleineres Felsmassiv, in dem sich mehrere Öffnungen befanden. Bei eingehenden Untersuchungen stellte das Trio fest, dass sich dahinter Höhlen befanden. Leider waren zwei davon schon bewohnt und die Inhaber nicht gerade besucherfreundlich, die dritte ergab jedoch einen Volltreffer. Hier wollte Sachmet 08 bleiben und ihren Nachwuchs groß ziehen.
„Du bist dann auf dich gestellt“, mahnte Seth 76 an.
„Bin ich das nicht eh schon?“, kam die leicht anklagende Frage der Klon-Löwin.
„Nicht wirklich“, hub Sachmet 99 an und rieb sich über die Nase, „sonst wären wir nicht zu dritt.“
„Aber ihr verschwindet wieder und habt euer Leben an Bord der Byblos.“
„Ähm… 99, kannst du mal kurz mitkommen?“, sagte der Seth-Klon kurz und deutete zum Ausgang.
„Was möchtest du denn?“, fragte sie, als sie außerhalb der Höhle waren.
„Ich überlege gerade, ob es eine wirklich gute Idee ist, wenn wir sie hier allein lassen?“
„Willst du hier bleiben?“, kam die harsche Reaktion.
„Warum nicht? Sie braucht Schutz und ihre Stimmung ist jetzt schon mehr als gedrückt. Sie schafft das nicht allein.“
„Hmmm…, sie hat hier alles was sie braucht“, sinnierte Sachmet 99.
„Ja und eine ziemlich krude Nachbarschaft, bestehend aus unfreundlichen Kriechtieren und einem Raubkatzenpärchen, welches auch nicht gerade den roten Teppich ausrollte.“
„Nun ja. Das hätten wir auch nicht, wenn ein Fremder in unser Quartier eindringen würde.“
„Mag sein, aber was ist, wenn das Junge zur Welt gekommen ist? Wer soll sie und auch ihren Nachwuchs bewachen? Wer soll jagen gehen oder meinetwegen Beeren und Obst pflücken. Es mag zwar wie ein traumhaftes Paradies anmuten, aber wenn wir beide weg sind und sich dann Probleme ergeben…“, setzte der Seth-Klon fort und wurde von der Klon-Löwin unterbrochen, „… dann hat sie immer noch die Möglichkeit uns zu kontaktieren.“
„Ja, das kann sie, dafür müssen wir eine starke Sende- und Empfangsanlage aufbauen, welche auf keinen Fall beschädigt werden darf, sonst ist es vorbei mit Kontakten. Und in regelmäßigen Abständen hier mal vorbeizuschauen wird nicht funktionieren. Außerdem wissen wir nicht mal ansatzweise wie sich die ganze Entwicklung auf diesem Planeten noch gestalten wird.“
„Hmmm… vielleicht hast du sogar recht. Momentan ist alles friedlich, aber was ist in… Wie alt bist du eigentlich? Und wie alt ist sie?“, grübelte Sachmet 99.
„Ich bin gerade erst 45 Jahre alt geworden und habe noch mindestens 800 Jahre vor mir. Wie ist es bei dir?“, fragte der Halbesel-Klon.
„Ich bin knapp 39 und Sachmet 08 fing mit mir fast zeitgleich an.“
„Siehst du? Woher sollen wir wissen wie es in den nächsten Jahrhunderten hier aussieht oder ob wir dann überhaupt noch hier sind. Laut den Geodaten ist dieses Tal im Augenblick friedlich und stabil, aber der Planet ist auch in dieser Region recht aktiv. Was ist mit Beben, Vulkanausbrüchen, Überflutungen? Wissen wir, ob der Wasserfall im Hintergrund sich nicht irgendwann in einen reißenden Strom verwandelt und alles überflutet?“
„Das sind alles Argumente denen ich mich nicht entziehen kann. Aber was schlägst du vor?“, fragte Sachmet 99 weiter.
Der Halbeselhengst merkte, dass sie sich entschieden hatte und seine Bedenken teilte, es ihr aber am letzten Quantum Entscheidungsfreude mangelte. „Wir bleiben ebenfalls hier. Wir kehren jetzt allein zurück zum Landeplatz, lassen Sachmet 08 einstweilen vor Ort, verkünden unsere Bedenken und die Entscheidung und nehmen dann die Fähren für den Rückweg hierher. Am Rande des Sees sehe ich eine Art von Gestade. Dort könnten wir problemlos landen, hätten die Möglichkeit diesen Plane-ten weiträumig zu erkunden, ihn zu unserem neuen zuhause zu machen und hätten immer die Möglichkeit, im Fall eines Falles, zur Byblos zurückzukehren.“
„Dem schließe ich mich vollkommen an und stimme dir zu.“
„Dann lass es uns 08 verkünden und schauen wie sie reagiert“, schloss Seth 76 ab.
Die schwangere Klon-Löwin war nicht nur begeistert, sondern komplett aus dem Häuschen, freute sich dermaßen, dass sie den beiden abwechselnd um den Hals fiel.
Damit stand der Entschluss endgültig fest und sie machten sich auf den Weg, um Osiris den Plan zu verkünden. Klar wäre es auch via Intercom gegangen, aber eine solche Sache klärte sich besser von Angesicht zu Angesicht, abgesehen davon mussten sie ja noch die Fähren holen.
Der Rückweg zum Landeplatz gestaltete sich einfacher als gedacht und die zahl-reichen Begegnungen mit der einheimischen Tierwelt brachten weder neue Erkenntnisse, noch bahnbrechende Neuerungen.
Eines war jedoch ein unumstößlicher Fakt – die Vielfalt der Fauna auf Tenerra war teilweise durch eigene Kraft entstanden und hatte durch die eingeschleuste DNA der Antermerianer nur den entscheidenden Anstoß bekommen.
Das einige Arten daher aus dem Rahmen schlugen sollte nicht interessieren, da es sich im Verlaufe der Evolution verrennen würde.
Am Landeplatz hatten sich mittlerweile fast alle versammelt und waren mit dem Eintreffen von Sachmet 99 und Seth 76 komplett.
„Und wie geht es Sachmet 08?“, fragte Osiris frei heraus.
„Wir haben einen sehr schönen Platz gefunden und werden auch hier bleiben“, sagte die Klon-Löwin direkt und ohne Umschweife.
„Ihr wollte bitte was?“, entfuhr es Horus 33.
„Wir bleiben auch hier und es gibt mehrere Gründe dafür“, begann Seth 76 und erklärte nachfolgend, zählte dutzende Dinge auf, die für einen Verbleib sprachen.
„Habt ihr euch das gut überlegt?“, fragte Osiris und schaute nicht einmal ansatzweise finster.
„Ja. Wir haben das für und wider sehr gut abgewogen“, entgegnete Sachmet 99.
„Gut, dann soll es so sein. Der Rest kehrt mit mir zurück zur Byblos. Ach ja, Horus 33… Du bist ja sehr angetan und regelrecht fasziniert von Tenerra…“, hub Osiris an und wurde vom Anthro-Falken-Klon direkt unterbrochen. „… daher bleibe ich auch hier. Außerdem habe ich Sachmet 08s Schwangerschaft die ganze Zeit über begleitet. Ich kenne sie sehr gut.“
„Ausgezeichnet! Dann spare ich mir ja weitere Fragen“, sagte Osiris noch und wandte sich den anderen zu. „Auf geht’s. Wir haben genug Material und außerdem einen vierköpfigen Außenposten mit drei Fähren. Wenn etwas sein sollte, dann sind wir vor Ort und haben Beobachter, wenn auch nur zeitlich limitiert.“
„Wie schön“, hub Sachmet 99 an, „an diesen Aspekt hatten wir noch gar nicht gedacht.“
So machten sich drei Fähren mit je einem antermerianischen Klon auf den Weg ins selbstgewählte Paradies, während der Großteil derer auf dem Rückflug zur Byblos war.
Sachmet 08 merkte, wie sich ihr Nachwuchs innerhalb der Gebärmutter immer mehr zu bewegen begann, zunächst noch sanft, dann aber immer vehementer, verursachte er ihr stärker werdende Schmerzen.
Immer noch auf sich selbst gestellt, sah sie sich in der Höhle um, fand einen passenden Stein in der Nähe einer der Seitenwände und setzte sich vorsichtig.
Die Schmerzen ließen jedoch nicht nach, sondern kamen in regelmäßigen Abständen und wellenförmig.
„Nicht gerade jetzt, mein Kleiner“, presste sie hervor und lehnte sich an die hinter ihr befindliche Wand. „Warte wenigstens noch bis die anderen wieder da sind“, knurrte sie und strich sich über ihren Bauch.
Plötzlich hörte sie ein Geräusch. Etwas näherte sich dem Höhlenzugang und es klang nicht freundlich, waren leise Bewegungen wahrnehmbar, begleitet von einem beunruhigenden Grollen.
„Oh nein!“, entfuhr es der Klon-Löwin mitten im nächsten Schub ihrer einsetzenden Wehen. „Nicht auch noch die.“
Es war später Nachmittag und das Jaguarpärchen hatte sich entschlossen seine Höhle zu verlassen, um das Revier zu durchstreifen. Leider war in der Nachbarschaft Jemand fremdes aufgetaucht und es galt diesem einen Besuch abzustatten.
Einen ungünstigeren Moment konnten die Dinge nicht abpassen.
Sachmet 08 lag mehr oder weniger in den Wehen, konnte sich aufgrund ihrer Schmerzen nicht großartig verteidigen und wenn das Junge frisch auf der Welt war, dann wäre es eine leichte Beute, ebenso wie sie.
„Verdammt! Wo bleibt ihr?“, fluchte sie laut und schrie vor Schmerz auf. Es war soweit und nicht mehr aufzuhalten. Egal was jetzt auch passieren würde, das Schicksal nahm seinen Lauf.
Unter heftigen Wehen, begannen die Kontraktionsbewegungen, öffnete sich unaufhaltsam der Gebärmuttermund, um dem neuen Leben einen Weg ins Freie zu ebnen. War die Klon-Löwin bar jeder normalen Reaktion, ließ sich vollends nach hinten fallen, winkelte nur noch die Beine an und hoffte, dass es schnell ging und dass das drohende Unheil nicht über sie kommen würde.
Mitten in der stattfindenden Geburt erschienen zwei geduckte Schatten am Höhleneingang, waren durch ihre betäubten Sinne ganz klar als Tiere erkennbar, näherten diese sich unaufhaltsam, wurde das Grollen lauter.
Die Löwin schrie halb durch Schmerz, halb in Panik auf.
Jedoch geschah etwas Unerwartetes. Während das Jaguarweibchen sich umdrehte und vor dem Höhleneingang auf Position ging, näherte sich das Männchen, streckte den Hals und schnüffelte an ihrer geöffneten Scham. Der Kater fing an zu blinzeln und zuckte zurück, setzte sich hin und beobachtete das Geschehen.
Durch die Wehen hindurch kam dem Sachmet-Klon die gesamte Szenerie mehr als nur surreal vor, konnte sich aber nur noch auf die Geburt konzentrieren.
Schon kam der Kopf etwas zum Vorschein, wurde nach und nach weiter hervorgepresst bis er ganz frei lag. Wenig später folgten die Schultern und der Oberkörper.
Sachmet 08 schrie vor Schmerzen, war es doch keine normale Geburt, denn es handelte sich um einen Jaguartaur und der musste mit gestrecktem Beckenbereich und damit der Übergangsstelle zwischen anthropomorphen Körper und tierischem Leib durch diese eine existierende Passage.
Er steckte fest, die Presswehen reichten nicht aus um die Geburt voranzutreiben und die Klon-Löwin hatte nicht genug Kraft um selbst nachzuhelfen.
War die ganze Szenerie mit Geburt und Anwesenheit eines wilden Jaguars eh schon bizarr, so folgte in diesem Moment der Höhepunkt.
Der Jaguarkater stand plötzlich auf, näherte sich Mutter und noch nicht ganz geborenem Kind, packte dieses unvermittelt mit den Zähnen an der Schulter und zog daran.
Sachmet 08 schrie jetzt mehr in Panik als durch die Wehen gepeitscht, gewahrte sie durch den Sinnesnebel was sich gerade abspielte. Ging sie fest davon aus, dass ihr Nachwuchs noch nicht einmal richtig am Leben, direkt aus ihrem Leib heraus, als Beute diente.
Was sie jedoch nicht ahnte, es handelte sich bei dem Kater um keinen geringeren als den Vater ihres Nachwuchses.
Er hatte den Geruch deutlich wahrgenommen und was immer da aus dem Bauche von Sachmet 08 kam, als das eigene erkannt, hatte das Junge nicht an der Schulter gepackt um es zu töten, sondern um bei der Geburt zu helfen.
Wenige Minuten später war es geschehen. Die Sinne des Sachmet-Klons schwanden endgültig. Sie lag breitbeinig, nach hinten übergekippt auf dem Stein, die Nachgeburt lag vor ihr am Boden und das Neugeborene zwischen den Pfoten des Jaguarkaters, welcher seinerseits begonnen hatte es trocken zu lecken.
In eben jene vollkommen verzerrte Realität platzten Sachmet 99, Seth 76 und Horus 33 hinein und erstarrten unter Schock.
Das Jaguarweibchen lag seitlich des Höhlenzugangs, fauchte drohend, griff jedoch nicht an. Die gerade eingetroffenen Fremden hatten den gleichen Grundgeruch an sich wie die in der Höhle liegende Klon-Löwin.
Vorsichtig schob sich der Mediziner an dem gefleckten Raubtier vorbei, ließ es dabei keine Sekunde aus den Augen, während die anderen beiden mit entsicherten Waffen auf den Fall der Fälle vorbereitet waren.
Bei Sachmet 08 angekommen, kniete sich der Anthro-Falke neben sie, holte einen Scanner hervor und überprüfte die Vitaldaten.
„Alles im grünen Bereich. Ich muss nur noch die Nabelschnur durchtrennen“, verkündete er schließlich.
„So und jetzt zu dir“, säuselte er sanft und wandte sich dem Neugeborenen und dem Jaguarmännchen zu. „Dürfte ich Das mal haben?“
Wiederwillig, aber ohne wirkliche Gegenwehr erhob sich der Kater und ging auf den Höhleneingang zu, rieb sich an seinem Weibchen und verschwand unter einem kurzen Fauchen mit ihr im Unterholz.
„Was war das denn?“, fragte Seth 76 irritiert.
„Wie es scheint sind unsere Nachbarn wohl doch nicht ganz so unsozial wie ge-dacht“, entgegnete Horus 33. „Wobei ich da eher einen anderen Verdacht habe.“
„Und der wäre?“, hakte Sachmet 99 nach.
„Sachmet 08 empfing den Samen eines Jaguars. Du erinnerst dich an ihren Bericht?“
„Du meinst, dass er der Vater ist?“
„Es sieht ganz danach aus und das würde auch dieses für ein Tier doch recht aus-geprägte Sozialverhalten erklären. Sein Weibchen schien wohl zu wissen, was abgelaufen war und was hier gerade ablief. Sie schützte die Höhle und er die Mutter nebst Nachwuchs.“
„Er half mir“, stöhnte Sachmet 08 schwach.
„Bitte, was hat er?“, entfuhr es Horus 33, welcher das Neugeborene mittlerweile auf dem Arm hatte, es in eine Decke hüllte und festhielt.
„Mein Kind steckte fest und er zog es raus“, presste die Klon-Löwin heiser hervor. „Ich dachte es wäre aus, als er ankam und es packte.“
„Das ist jetzt noch ungewöhnlicher als es eh schon ist“, sinnierte der Seth-Klon. „Scheinbar haben unsere Gene hier einiges mächtig verschoben.“
„Ja, aber nicht in allen Bereichen. Viele der Tiere sind scheinbar nicht beeinflusst worden“, setzte Sachmet 99 entgegen.
„Es scheint abhängig davon zu sein, ob unsere DNA kompatibel war und ist oder nicht. Und scheinbar auch wie dominant und rezessiv die einzelnen Aminosäuren untereinander in den Basenpaarungen sind und dann bei der Prägung von Geno- und Phänotyp zum Vorschein kommen“, erklärte der Falkenköpfige.
„Bei unserem Neuzugang scheint es im Aussehen ganz heftig zur Geltung zu kommen“, murmelte Seth 76.
„Oh ja. Ich bin sehr gespannt wie er sich entwickelt. Vor allem fasziniert mich, dass er ein Hermaphrodit ist. So etwas ist uns Horus-Klonen in all den Jahrmillionen noch nicht untergekommen und glaubt mir, wir könnten viel berichten.“
„Das glaube ich dir gerne“, murmelte Seth 76.
„Wie geht es jetzt weiter?“, fragte Sachmet 99.
„Wir machen uns auf den Weg zu den Fähren und holen nötiges Equipment um uns häuslich einzurichten, hier droht keine akute Gefahr“, erläuterte der Horus-Klon kurz und deutete in Richtung des Ausgangs.
„Was brauchen wir denn alles?“, fragte die Klon-Löwin 99 neugierig.
„Das Übliche. Nahrungsmittel, Kleidung, Wasser, Decken, Notbetten, einige Heizgeräte, eine Aufbereitungsanlage für Abwasser inclusive einer passenden Toilette und vor allem eine leistungsstarke Sende- und Empfangsanlage. Ach ja, mehrere Solarmodule für die Stromerzeugung, wie auch eine kleine Fusionszelle.“
„Hört sich nach einiges an Schlepperei an“, entfuhr es dem Halbesel.
Dann sollten wir es anpacken“, mahnte Sachmet 99 an und klatschte in die Hände. „Los geht’s, großer, grauer Hengst“, ergänzte sie noch frech und schlug Seth 76 auf den Hintern.
Der wieherte untypisch erschrocken auf und fing an breit zu grinsen. „Du bist echt unmöglich.“
„Und wie! Das wirst du schon noch merken.“
„Ich bereue es bisher noch nicht, dass ich mich entschieden habe auch hier zu bleiben.“
„Musst du auch nicht. Du würdest es eher bereuen, wenn du es nicht getan hättest“, sagte die Löwin noch, ging voraus und begann vor sich hin zu pfeifen.
„Ich gehe nur beim ersten Mal mit“, verkündete Horus 33. „Wir stellen alles vor den Fähren zusammen und ihr macht die nächsten Transporte allein. Ich will Sachmet 08 nicht zu lange allein lassen.“
„Geht klar, Schnucki“, flötete deren Namensvetterin und tippte ihm auf den Schnabel.
Während die drei sich den Fähren näherten, bewölkte sich langsam der Himmel und verdeckte eine Wolke die Sonne.
„Oh“, sagte Seth 76 als er nach oben sah, „da braut sich wohl etwas zusammen.“
„Das geht aber verdammt schnell hier“, seufzte die Klon-Löwin und knurrte leise.
„Dann sollten wir uns eilen“, mahnte Horus 33.
Nach zwanzig Minuten hatten die drei das benötigte Equipment zusammengestellt und trugen die ersten Sachen vom Ufer des Sees die Felsen hinauf zur Höhle.
„Stellt es dort vorne hin, den Rest mache ich dann selbst.“
„Alles klar, Schnäbelchen“, entgegnete Sachmet 99 und zog den Seth-Klon hinter sich her. „Mach schon“, spornte sie ihn an, „wir essen zeitig und ich habe außerdem keine Lust nass zu werden.“
„Oh, du hast was gegen Nässe?“, versuchte Seth 76 die Löwin etwas zu sticheln.
„Kommt drauf an wie.“
„Das habe ich mir fast gedacht.“
„Aber erstmal sollten wir alle Sachen in der Höhle haben. Schnapp dir die Energieerzeugung, ich greife mir die Klamotten.“
„Aber gerne doch, Schnurrhaar.“
„Ah, ich merke, du lockerst langsam auf.“
„Wenn es hart auf hart kommt bin ich lieber gelöst.“
„Interessante Wortwahl, vor allem in dieser Reihenfolge“, erwiderte Sachmet 99 und grinste zweideutig.
„Lenk nicht ab, wir müssen uns sputen.“
„Solange du nur bei solchen Sachen tempo machst ist alles okay.“
„Dazu kommen wir später.“
„Dann mal los, packen wir es an.“
Eine knappe Stunde später hatten Halbesel und Löwin es tatsächlich geschafft alle benötigten Gerätschaften in der Höhle zu haben. Keine halbe Stunde später zuckte der erste Blitz über die fernen Hänge eines Gebirges, gefolgt von Donnergrollen.
„Soweit zum Paradies. Es zieht ein Gewitter herüber“, seufzte Sachmet 08 schwach.
„Ah. Sie kommt langsam zu sich“, intonierte Horus 33. „Ich hatte sie mit etwas Morphium ruhig gestellt, damit sie sich von den Strapazen erholen kann.“
„Gute Idee. – Hallo, Sonnenschein. Wie geht’s dir?“, fragte Sachmet 99 ihre Artgenossin.
„Soweit gut. Wird auf jeden Fall schon wieder.“
„Genau“, mischte sich der Klon-Falke ein. „deinem Nachwuchs geht es auch gut und er schläft.“
„Hast du schon einen Namen für sie oder ihn… weiß ja nicht…“ druckste Sachmet 99 herum.
„Ich glaube, dass wir andere Probleme hatten, als über einen Namen und das Geschlecht des Jungen oder Mädchens nachzudenken“, mahnte der Falke.
„Stimmt auch wieder“, lenkte die Klon-Löwin ein.
„Ich werde mir später einen passenden Namen einfallen lassen. Wenn es euch recht ist.“
„Aber sicher doch“, schloss Horus 33 ab.
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten geschahen weder auf Genro, noch auf Tenerra, ganz zu schweigen von Cyndra oder auf den Kampfinseln Byblos und Attikon, entscheidende Veränderungen.
Osiris langweilte sich, Isis war auf Antermerius damit beschäftigt die bestehenden Notfallpläne zu berichtigen, nur für den Fall des Falles, wie Ammon zu sagen pflegte. Sie selbst hielt es für eine unnötige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, ging aber ihrem Auftrag nach.
Die Abtrünnigen ließen sich nicht mehr blicken und auch zu hören war nichts von ihnen.
Die Arbeiten auf Cyndra waren sehr weit fortgeschritten und die Höhlen und Gänge komplett fertiggestellt.
Das gefangene schwarze Krabbeltier von Tenerra hatte Osiris stolz präsentiert, Ammon hatte es mit Begeisterung zur Kenntnis genommen und diesbezüglich keinerlei weitere Bemerkungen verloren.
Nach knapp einhundert Jahren, erwachten alle Beteiligten aus dem Dornröschen-schlaf, kam es quasi von jetzt auf gleich, vor allem ohne jede Vorwarnung, zu einer heftigen Betriebsamkeit.
Förmlich aus dem Nichts, tauchten zwei Transportschiffe via Dimensionstransfer-ebenen 3.1 und 3.5 vor den Türen des Planeten Genro auf.
<„Cyndra-Basis, hier spricht Captain Hathor vom Transportschiff Celtrix! Können sie mich hören?”>
Es dauerte einige Minuten bis überhaupt jemand registrierte was sich in der Nähe des Elara-Systems abspielte, daher nahm die Reaktion einige Zeit in Anspruch.
<„Hier Cyndra-Basis, Officer Maahes! Wir hören sie.“>
<„Ausgezeichnet!“>, hub die antermerianische Klon-Kuh an. <„In weit sind sie bereit technische Ausrüstung in Empfang zu nehmen?“>
<„Ähm…, das kommt jetzt etwas plötzlich, aber die Anlage ist teilweise fast fertig. Es sollte also kein Problem sein, wenn sie mit der Installation der Einrichtung beginnen.“>
<„Supervisor Ammon wollte es kurzfristig über die Bühne bringen und vor allem keine schlafenden Hunde wecken. Keiner weiß, wo die Abtrünnigen sich aufhalten und ob sie nicht doch durch Verzögerungen unsererseits, auf den Plan gerufen wer-den.“>
<„Das kann ich sehr wohl nachvollziehen“>, erwiderte Maahes. <„Schicken sie die ersten Fähren runter. Wir werden sie erwarten. Die Koordinaten sind 23° 50‘ zu 89° 03‘.“>
<„Verstanden Cyndra Basis. Die erste Landung erfolgt in geschätzt 1,8 Adaster. Hathor, Ende!“>
„Wow! Jetzt lässt Ammon aber wirklich nichts anbrennen“, ließ Seth verlauten. „Erst hört man gar nichts mehr von ihm oder von Osiris und jetzt der Überfall.“
„Immerhin hat man uns wohl doch nicht vergessen“, witzelte Sachmet.
„Wir sollten unsere Fähren an den Rand des Plateaus bringen. Ich denke, dass die Materialfähren einiges an Platz beanspruchen werden“, gab Maahes zu bedenken.
„Eine ausgezeichnete Idee“, bestätigte Seth und nickte zustimmend.
Wenige Minuten später, hatten die drei Antermerianer ihre Fluggeräte erreicht, waren gestartet und setzten die Landefähren sowie die automatische Lastenfähre am Rande des Plateaus ab, gaben somit das Zentrum und den mittig eingebauten Großraumlift frei.
Eine gute Stunde später tauchten vier Lastenfähren am Horizont auf, hörte man das schwere Pfeifen der Fusionsantriebe und setzten diese platzsparend auf.
„Willkommen auf Cyndra“, begrüßte Sachmet die Ankömmlinge, nachdem diese die Fähren verlassen hatten und dem Trio gegenüberstanden.
„Hallo, ich bin Nut 43 und die anderen sechs sind Shu 19, Min 12, Bes 108, Chons 07, Apophis 30 und Anubis 04.“
„Sehr angenehm. Was bringt ihr uns denn mit und wo soll alles hin?“, fragte Seth neugierig.
„Es handelt sich erstmal um die erweiterte Energieversorgung mit zwanzig Fusionszellen. Wenn wir diese installiert haben, dann kommt der Rest“, antwortete Nut 43.
„Sehr gut. Sieht nach einem Plan aus.“
„Den haben wir immer“, posaunte Apophis 30 heraus.
„Es ist etwas gewöhnungsbedürftig einen schlangenförmigen Vierbeiner an Bord eines unserer Schiffe zu sehen“, merkte Maahes an.
„Ich weiß“, entgegnete der Angesprochene, „und bisher auch der Einzige.“
„Freut mich sehr dich zu sehen. Aber zum Anliegen…, in der Mitte befindet sich der Großraumlift. Ladet alles was ihr zunächst benötigt aus und stellt es auf die Plattform. Danach geht es in die Katakomben“, schloss Maahes die kurze Anweisung ab.
„Alles klar“, bestätigte Nut 43. „Los Leute! Packt alles aus, schnappt euch die Stapler und Lader und bringt alles zur Plattform.“
„Auftrag verstanden!“, kam die knappe Antwort von Apophis 30 und die sieben Klo-ne strebten den Fähren entgegen, begannen mit den Entladearbeiten.
„Ein Apophis-Klon, soso“, entfuhr es Maahes an Sachmet und Seth gewandt. „Die sind doch sonst eher nur in der technischen Assistenz im Transportwesen der Untergrundbahnen zu finden.“
„Tja, ihm wurde es wohl zu langweilig“, floskelte Seth.
„Soll mir recht sein. So wie es aussieht macht er seiner Ausbildung beim Transport alle Ehre“, stellte Sachmet, beim Beobachten der Tätigkeiten, fest. „Schnell ist er ja.“
„Ich werde mal Kontakt zu Osiris aufnehmen. Er schuldet uns eine Erklärung“, hub Maahes an und ging seines Weges.
„Und wir beide werden jetzt nicht sinnlos herumstehen, sondern mal mithelfen und schauen, dass sich da unten kein Chaos entwickelt“, hub Seth an und schnaubte entspannt.
Der antermerianische Löwenkater war in der Fähre angekommen und hatte an der Com-Konsole platzgenommen.
<„Maahes an Osiris! Kannst du mich hören?“>
<„Hier Osiris! Kannst du mich vielleicht erschrecken.“>
<„Schön, dass mir das gelungen ist. Wir haben hier Besuch bekommen. Was kannst du uns darüber berichten?“>
<„Besuch? Ich weiß nichts von einem Besuch“>, kam die entrüstete Antwort.
<„Oh, dann hat Ammon uns aber alle in Unwissenheit gelassen.“>
<„Um was geht es denn überhaupt?“>
<„Wir haben zwei Transportschiffe in der Umlaufbahn. Captain Hathor hat uns unsanft geweckt und mittlerweile werden Fusionszellen ausgeladen.“>
<„Oh ha. Ich habe keinerlei Informationen darüber. Aber Moment mal, hat euch Captain Nephtys nicht vorgewarnt?“>
<„Ups! Jetzt wo du es sagst… Nein.“>
<„Frag mal bei ihr nach, warum sie sich nicht bei euch gemeldet hat.“>
<„Das ist eine hervorragende Idee. Ich werde das gleich mal tun. Maahes, Ende!“>
<„Maahes an Nephtys, kannst du mich hören? Hört mich bei euch überhaupt jemand?“>
<„Hier Nephtys, ich höre.“>
<„Ist ja entzückend, dass du persönlich zugegen bist.“>
<„Was soll das denn heißen?“>, schnauzte der Captain der Cerberus.
<„Das werde ich dir kurz und knapp erklären, denn scheinbar schlaft ihr da oben.“>
<„Werde mal nicht frech, Mähne!“>, kreischte die Antermerianerin ins Intercom.
<„Das wird sich gleich geben!“>, schnauzte Maahes zurück. <„Falls du es nicht wissen solltest oder es euch da oben einfach egal sein sollte. Wir haben Besuch.“>
<„Was? Moment ich prüfe es nach.“>
<„Das kann ja was werden.“>
<„Ach herrje. Ich sehe gerade, dass bei uns zwei schwere Transportkreuzer aufgetaucht sind.“>
<„Gut, dass es dir auffällt. Jetzt stelle dir mal vor, es wären die Abtrünnigen gewesen. Dann hätten wir arge Probleme.“>
<„Wir waren wohl auf der abgewandten Seite und Genro im Wege. Unsere Sensoren hatten die Ankunft auf jeden Fall nicht registriert.“>
<„Schlechtes Omen. Passt bitte beim nächsten Mal besser auf. Okay?“>
<„Jaja. Du hast ja recht.“>
<„Ich mag es aber nicht, immer recht zu haben“>, stichelte Maahes.
<„Du mich auch“>, knurrte Nephtys zurück und kappte die Verbindung.
<„Miststück“>, entglitt es dem Anthro-Löwen. <„So langsam kann ich Seth verstehen.“>
<„Maahes an Sachmet und Seth“>, grollte Maahes ins Intercom.
<„Hier Sachmet. Was gibt es?“>
<„Ich habe mit Osiris gesprochen. Der wusste auch von nichts und Nephtys hat alles verpennt. Ach ja, du kannst Seth ausrichten, dass ich ihn verstehe. Maahes, Ende!“>
Die Anthro-Löwin schaute den Halbeselhengst schief an. „Was hat er denn damit gemeint?“
„Ich glaube, dass er die andere Seite von Nephtys kennengelernt hat. Die Seite die mich zur Flucht veranlasste.“
„Ah, jetzt verstehe ich es auch. Hab Dank für die Aufklärung“, säuselte Sachmet.
„Schön, dass wir beide uns haben“, erwiderte Seth lächelnd. „Aber wir sollten jetzt zum Lift gehen. Ich sehe gerade, dass die Plattform beladen ist und die Klone schon auf uns warten.“
Wenig später setzte sich der Lift in Bewegung, glitt langsam und fast geräuschlos in die Tiefe, durchdrang die Abschirmung, welche die Atmosphäre im Inneren hielt. Nach zwanzig Metern Abwärtsbewegung, schloss sich über ihnen ein massives Schott, glitten vier Halbschalen ineinander über, trafen sich mittig und bildeten somit ein festes Gewölbe.
„Alles klar“, hub Seth an. „Wir können die Schutzhelme abnehmen.“
„Ein ganz schöner Aufwand den ihr hier betreibt“, hub Min 12 an.
„Es hat ja auch einige Jahrzehnte gedauert bis alles soweit war, wie es jetzt ist.“
„Kann ich mir denken“, entgegnete der Klon.
„So. Wir sind gleich unten“, mischte sich Sachmet ein.
„Ausgezeichnet. Finden wir da unten auch den ausführenden Bauleiter?“, fragte Anubis 04.
„Ja, heute ist es Sobek 103. Der vorherige war Sobek 100 und mir charakterlich lieber, aber er hatte sein Alter erreicht“, antwortete Seth.
„Oh?“, entfuhr es Min 12.
„Er ist wieder an Bord der Cerberus und genießt seinen Unruhestand, sitzt noch an den Konsolen und unterstützt mit Rat und Tat, weniger mit körperlicher Arbeit.“
„Ah, ich verstehe.“
„So, wir sind da.“
„Perfekt!“, hub Anubis 04 an und sah sich um. „Ein echtes Meisterstück“, fügte er noch begeistert hinzu und verließ die Plattform, sah nach oben und betrachtete die Konstruktion und die 120 Meter höher gelegene Decke. „Einfach genial.“
„Er ist leicht zu beeindrucken, was?“, fragte Sachmet.
„Nicht immer, aber im technischen Bereich schon“, antwortete Nut 43.
„Na gut. Da hinten kommt schon Sobek 103. Wenn ihr Fragen wegen der Installationsorte für die Fusionszellen habt, dann fragt ihn. Er kennt sich hier unten bestens aus. Ich habe mittlerweile den Überblick verloren“, sagte die Anthro-Löwin und zeigte auf einen der Krokodilköpfigen.
Der Aufgezeigte spürte wohl, dass es um ihn ging, kam auf die Gruppe zu und streckte die rechte Hand aus, griff direkt nach der von Nut 43. „Willkommen. Ich hörte vom Hörensagen, dass ihr die ersten richtigen Anlagenteile mitbringt.“
„Sehr richtig. Ich bin Nut 43 und wir wollen 20 Fusionszellen installieren.“
„Gut, gut, wir verteilen diese am besten in verschiedenen Sektoren. Die meiste Energie wird wohl in den Nebenhöhlen und den zukünftigen Laborsektionen gebraucht. Komm mit und ich zeige dir die Anlage. Wer mag kann auch mitkommen.“
„Gute Idee“, frohlockte Apophis 30 und ging einen Schritt vorwärts.
Der Krokodilköpfige schaute nach oben und betrachtete den Schlangenförmigen ausgiebig. Der Klon war langgestreckt, hatte eine dünne, grazile Gestalt, stand auf vier Beinen. Eine Art Hals war nicht erkennbar, stattdessen hatte er einen nahtlos ansetzenden Oberkörper, welcher den schlanken Rumpf noch länger erscheinen ließ. Von diesem wiederum gingen zwei Armpaare mit viel zu großen Klauen aus, von denen sich gerade ein Arm dem Sobek-Klon begrüßend entgegenstreckte. Der Kopf selbst war relativ ausladend, hatte ein breites Maul, welches in diesem Moment grinste und unzählige Barteln trug, die unaufhörlich in Bewegung waren.
Kurzum, er war keine Schönheit, aber dafür imposant, auffällig und in erster Linie sehr freundlich.
„Auch dir Willkommen!“, sagte Sobek 103 und deutete an, dass ihm alle folgen sollten.
Der Pulk setzte sich in Bewegung. Seth und Sachmet hielten sich im Hintergrund, vergruben ihre Hände in den Taschen der Overalls und schlenderten lässig mit.
„So langsam wird es ja was mit dem ganzen Gedöns“, entfuhr es Sachmet.
„Es wird aber auch Zeit“, murmelte Seth und legte einen Finger auf die Lippen, da sie in Hörweite waren und nicht stören wollten.
„So“, hub Sobek 103 an. „Hier befinden sich die Laborsektionen und somit später die Anlagen mit dem größten Energiebedarf. Habt ihr schon eine Ahnung was genau da hinein soll?“
Nut 43 räusperte sich, trat etwas hervor und sah sich die Räumlichkeiten genauer an. „Die Abmessungen passen fast perfekt“, begann sie. „Zur Linken wird die Aufzuchtstation entstehen und zur Rechten der biomechanische Bereich.“
„Klingt für mich interessant, aber trotzdem kann ich damit nichts anfangen“, mischte sich Sachmet jetzt doch ein.
„Ganz einfach“, setzte Nut 43 fort, „Ammon fand das possierliche Tierchen, welches auf Tenerra gefunden wurde und sich jetzt auf der Byblos befindet, mehr als nützlich. Er will eine Armee aus bodengebundenen Truppen erstellen, welche sich auf der Anatomie eben dieses aufbaut.“
„Er will was?“, entfuhr es der Löwin.
„Eine Armee aus Cyborgs“, ergänzte Seth kurz und knapp. „Hoffentlich weiß er, was er tut.“
„Definitiv. So viel wie ich weiß, wird in Kürze ein kleines Subraum-Schiff hier auftauchen und dieses Exemplar übergeben. Im linken Labor wird die Aufzuchteinrichtung etabliert, da beschäftigen sich dann die Horus-Klone mit der Entschlüsselung der DNA, später mit der Erzeugung der Jungtiere bis zu einem gewissen Stadium.“
„Und dann?“, fragte Sachmet dazwischen.
„Danach erfolgt der entscheidende Schritt. Durch eine gezielte Manipulation der DNA entwickelt sich im Inneren der Lebewesen ein Hohlraum, welcher zum Transport von Material und Truppen genutzt werden soll. So viel wie Ammon mir sagte, soll durch ein spezielles Programm, Spezialnahrung und gezielte Gabe von Substanzen ein Riesenwuchs erreicht werden.“
„Riesenwuchs? Von welchen Dimensionen sprechen wir gerade?“, bohrte Sachmet.
„So viel wie ich verstanden habe, sollen die Träger wohl etwa zehn Mitrox hoch sein und um die zwanzig Mitrox lang, wobei der Körper mit Schwanz, nebst Beinen eine Grundfläche von dreißig Mal fünfundzwanzig Mitrox einnimmt“, entgegnete Nut 43.
„Mein lieber Mann. Das nenne ich mal ein großes Krabbeltier“, murmelte Seth.
„Es soll ja nicht nur Personen oder Material transportieren. Es dient auch als Waffenträger.“
„Oh.“
„Ja. Das Original hat einen Stachel am Schwanzende und der soll bei den Klonen fehlen. Stattdessen wird es dort eine universelle Phalanx geben. Die Waffen dafür werden ebenfalls hier erforscht und produziert.“
„Das klingt jetzt wirklich nach mehr, als nur angedacht. Mein lieber Ammon, du hast echt was vor“, seufzte Seth und schaute zu Sobek 103. „Kriegen wir das alles hier unter?“
„Mit absoluter Sicherheit. Die Hallen, welche tiefergelegen sind, werden wohl die Hangare sein, zumindest lassen die gigantischen Ausmaße darauf schließen“, antwortete das Anthro-Krokodil.
„Darf ich die mal sehen?“, fragte Nut 43.
„Aber sicher doch, komm mit.“
Sie marschierten den Gang weiter hinunter und schauten durch eine ovale Öffnung im Fels.
Die Räumlichkeit war in der Tat riesig, hatte keine Auskleidung, wirkte durch die extrem starken Spundungen geradezu martialisch.
„Sauber!“, entfuhr es Nut 43. „Genau das was ich erwartet hatte. Wir installieren jetzt die Energieversorgungen. Ach ja, bevor ich es vergesse…, was ist eigentlich mit den Quartieren für die Mannschaften?“
„Die sind noch im Bau befindlich. Ebenso die Kommandozentrale im hintersten Winkel der Basis“, antwortete Sobek 103.
„Sehr schön. Dann starten wir jetzt.“ Sie drehte sich um und schaute zu Apophis 30. „Bringt die Fusionszellen her und vergesst die Plasmaleitungen nicht. Wir werden in den beiden Laboratorien beginnen und jeweils drei Stück verbauen. In den Stationierungshallen verbauen wir jeweils vier Stück. Dann haben wir noch sechs Stück übrig, da belassen wir zwei zur Stabilisierung in der Zugangsgrotte, zwei Stück für die Kommandozentrale und die letzten beiden links und rechts der Mannschaftsquartiere. Damit haben wir alles abgedeckt und für den Notfall immer mindestens eine redundante Ebene“, ordnete Nut 43 an.
„Aye, Ma’am.“
„Dann schieb ab“, knurrte sie.
Als Apophis 30 außer Reichweite war, seufzte sie. „Er ist zwar ein lieber Kerl, aber dieses Ma’am nervt ungemein. Es macht mich immer so alt.“
„Wir sind alle nicht mehr die Jüngsten“, entgegnete Sachmet beschwichtigend.
„Ich weiß, ich weiß.“
Drei Stunden später, waren die Energieerzeugungsblöcke an ihren vorgesehenen Orten abgestellt und begannen die Installationsarbeiten unter Nut 43s strengem Blick. „Sobald ihr mit einer Zelle fertig seid, lasst sie den Testmodus durchlaufen. Ich will sichergehen, dass die Dinger im Verbund zuverlässig funktionieren.“
„Aye!“, bestätigte Anubis 04 und kniete sich neben den nächststehenden Block, öffnete die Steuerungsklappe im Bodenbereich, nahm einen Vibroschrauber und stellte den Energiedurchsatz ein.
Während er das tat, hatten sich schon Apophis 30 sowie vier Sobek-Klone die Ehre gegeben, richteten den drei Meter hohen und vier Meter durchmessenden Zylinder aus, verankerten diesen im Gestein.
„Wenn ihr fertig seid, verlasst den Raum“, wies der schakalköpfige Klon an und wartete.
Nachdem er allein war, sah er sich sicherheitshalber nochmals um und aktivierte das Modul. Der Energieerzeuger brummte zunächst leise, dann wurde das Brummen lauter und verstummte schließlich. Im Zuge dessen flammte im Inneren des Zylinders zunächst eine dunkelblaue Kugel auf, welche das entzündbare Plasma bildete, ging immer schneller in wärmere Farben über und blieb am Ende stabil in einem warmen, hellstrahlenden Orangeton.
Der Anubis-Klon zog seinen Scanner und untersuchte den Block genauer. Schließlich kam die Entwarnung: „Alles im Normbereich. Ihr könnt aus der Deckung kommen. Das Plasma ist stabil. Legen wir die Leitungen zu den Verteilerpunkten.“
„Ausgezeichnet“, rief Sobek 103 und war mit drei weiteren seiner Klone vor Ort, hatten die Leitungen bei sich und schlossen diese unter Anleitung von Anubis 04 an. Die Leitungen selbst leuchteten bei Energiebeaufschlagung hellblau auf und gaben dem ersten Raum, zusammen mit dem orange des Erzeugerblocks ein angenehmes, gedämpftes Licht und strahlten eine wohltuende Wärme aus.
„Hattet ihr eigentlich schon die Deckenfluter in die Wände implementiert?“, fragte Sachmet neugierig.
„Aber sicher doch“, antwortete Sobek 103 leicht angeknabbert. „Wir sind doch nicht von gestern.“
„Dann schließt sie an, damit wir sehen, dass hier alles erledigt ist.“
„Aye, Officer Sachmet“, brummelte Anubis 04 vor sich hin.
„Sachmet reicht vollkommen aus.“
„Dann eben nicht“, knurrte der Rüde und ging an die Arbeit.
„Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass hier alle leicht gereizt sind“, flüsterte die Löwin dem Halbeselhengst ins Ohr.
„Ich weiß deine Gefühle zu schätzen, vor allem mir gegenüber und mit mir, aber dieses jetzt und hier, gefällt mir bei dir nicht.“
„Darauf kann ich keine Rücksicht nehmen.“
„Hmmm…“, raunte Seth unterdrückt. „Leider muss ich dir recht geben. Die Stimmung ist nicht nur gereizt, eher habe ich den Eindruck, dass sie explosiv ist. Bei Gelegenheit sollten wir mal nachhaken.“
„Gute Idee“, sagte Sachmet plötzlich laut. „Was ist hier eigentlich los?“
Alle Anwesenden drehten sich zu ihr um und stellten die Arbeiten ein.
„Wie? Was soll los sein?“, brummte Sobek 103 kehlig.
„Genau das!“, knurrte Sachmet und entblößte leicht die Zähne. „Die Stimmung die hier verbreitet wird ist ja kaum auszuhalten. Hat euch jemand den Humor geklaut und gibt es Fragen, die ich vielleicht beantworten kann?“
„Wenn du schon so ankommst, dann habe ich tatsächlich etwas auf dem Herzen“, platzte es aus dem schweigsamen Shu 19 hervor.
„Dann schieß los“, forderte Sachmet das Schicksal heraus, hätte es aber lieber lassen sollen.
„Was wird hier gespielt?“, fragte Shu 19 gereizt.
„Worauf willst du hinaus?“
„Das hier ein Versteckspiel abläuft. Es werden Fakten versteckt und Daten nicht ins zentrale Netzwerk übertragen. Das kotzt mich gelinde gesagt an.“
„Hmmm… Sehr direkte Aussage, sehr direkte Antwort. Ich weiß es auch nicht. Wir wussten noch nicht einmal, dass ihr hier ankommt. Merkwürdigerweise hatte selbst Captain Nephtys an Bord der Cerberus eure Ankunft nicht bemerkt. Merkst du, dass wir auch nicht alles wissen?“
„Überzeugt mich wenig!“
„Na schön! Da du scheinbar besonders langsam bist, erkläre ich es dir gerne detaillierter“, mischte sich Seth ein und bekam einen stechenden Blick, fixierte damit den Shu-Klon todesverachtend. „Wir wurden von Ammon hierher geschickt, weil es Anzeichen von Abtrünnigen gab. Er behielt Recht, aber die Abtrünnigen sind verschwunden, wohin weiß niemand. Ferner fanden wir das Plateau, Ammon kam auf die Idee hier eine Basis entstehen zu lassen, den genauen Zweck kannten wir nicht.
Später fand Osiris ein Lebewesen auf Tenerra, was wir auch gerade jetzt erst von Nut 43 erfuhren, sandte die Fakten an Ammon und der beschloss, dass man aus diesem Tierchen eine Waffe entwickeln könnte. Aber wie gerade erwähnt, das erfuhren wir erst durch euch. Verdammt nochmal, ihr kommt hier an habt mehr Informationen als wir und macht den Aufstand der Launenhaftigkeit. Was habt ihr euch dabei gedacht?!“, steigerte der Anthro-Halbesel sich immer mehr hinein und schrie letzt-endlich die halben Katakomben zusammen.
Die Reaktion ließ auf sich warten, denn zunächst waren alle von seinem Wutausbruch eingeschüchtert, wagten es nicht sofort zu antworten.
„Na ja …“, hub Nut 43 leise an, „… in der Tat haben wir scheinbar mehr Fakten als ihr auf dem Schirm.“
„Was?“, plärrte Shu 43. „Was behauptest du da? Die sind doch wohl die angeblich Echten, die Unersetzbaren, diejenigen die immer alles Wissen.“
„Wenn du das denkst, dann bist du aber auf dem Holzweg. Frag lieber Ammon, welcher Osiris, Isis, Seth, mich, Maahes und letztendlich auch Nephtys sowie Hathor quer durch ein fremdes Universum und über zwei ebenso fremde Sternensysteme verteilt hat. Alle Kommunikation läuft über Osiris, weil die Byblos das einzige Schiff ist, welches die Möglichkeit hat über eine Tunnelung, dass unsrige Universum zu erreichen.
Und die Byblos, wie auch die Attikon liegen in einem Solarsystem was dreißig Lichtjahre von hier entfernt ist. Er weiß selbst nicht einmal was hier im Elara-System abläuft, ist auf unsere umfangreiche Informationspolitik angewiesen. Wie es scheint hat sich der liebe Supervisor entschieden seinen Administrator und auch seine Officer im Dunkel tappen zu lassen“, erklärte Sachmet ausschweifend.
„Hmmm…, das klingt jetzt überzeugend. Ich dachte, durch die Übertragungsimplantate hätten wir die Zeit der Nachstellerei, Nachfragerei und Verheimlichungen überwunden“, resümierte Shu 19.
„Es wird nur das reine Wissen gespeichert, nicht die Emotionen und persönlichen Gedanken dahinter. Es sind die reinen Fakten. Da sind Pläne die einen persönlich betreffen und gefühlsgesteuert sein können nicht mit einbezogen. Die werden aus-geklammert und gelöscht“, erklärte Seth, welcher sich wieder beruhigt hatte.
„Und jetzt lasst uns weitermachen. Immerhin haben wir ja einen Überblick über alles gewonnen und sollten das Ganze zum Erfolg führen. Und was mich betrifft…, dieser Disput bleibt unter uns und wird diese Basis niemals verlassen“, schloss Sachmet ab.
„Okay. Dann vergessen wir das und ich fühle mich jetzt auch wesentlich besser“, sagte Shu 19 und lächelte etwas, zumindest versuchsweise.
An Bord der Byblos startete in diesem Moment, das zuvor angekündigte Schiff mit der wertvollen Fracht, drang in den Subraumkorridor ein und erschien mehr als punktgenau zwischen Genro und Cyndra.
„Gefechtsalarm!“, schrie Nephtys gereizt über die Brücke der Cerberus. „Bericht!“
Bes 26, welcher an der Taktikstation stand, rief: „Kleiner Frachtraumer. Kennung S.C.S. Byblos 2!“
„An alle Stationen! Gefechtsalarm aufgehoben. – Com! Rufen sie das Schiff.“
„Aye! Verbindung steht.“
<„Hier ist Captain Nephtys, von der Cerberus. S.C.S. Byblos 2, können sie mich hören?“>
<„Ich höre sie Captain. Hier ist Seth-Klon Kennnummer 88.“>
<„Darf ich fragen, was sie hierher verschlägt?“>
<„Das dürfen sie. Ich bringe eine wertvolle Fracht für die Basis auf Cyndra. Direkter Auftrag von Ammon und Osiris .“>
<„Ah! Dann will ich sie nicht weiter aufhalten und gebe ihre Ankunft auf Cyndra bekannt.“>
<„Sehr freundlich von ihnen, Captain Nephtys.“>
<„Kein Problem. Nephtys, Ende!“>
<„Nephtys an Cyndra-Basis! Cyndra-Basis, bitte kommen.”>
<„Hier Maahes auf Cyndra. Was gibt es?“>
<„Ihr bekommt nochmals Besuch. Ein S.C.S. ist gerade eingetroffen und hat im Auftrag von Ammon eine wertvolle Fracht für euch.“>
<„Oh, dann schickt den Überbringer mal runter. Wir sind schon gespannt.“>
<„Machen wir! Nephtys, Ende!“>
Wenige Minuten später war Maahes auf dem Weg zum Basiszugang, stellte sich auf die Liftplattform und ließ sich tief hinab.
Dort angekommen, sah er, dass gerade der vierte Energieerzeugerblock in Betrieb ging.
„Hallo. Wie geht’s?“, fragte der Löwe unbefangen.
„Sehr gut. Wir kommen hervorragend voran“, verkündete Nut 43.
Der Sobek-Klon 103 nickte zustimmend. „Und was führt dich hierher?“
„Wir bekommen in Kürze Besuch. Ein Auftrag von Ammon, direkt überbracht durch einen Piloten mit wertvoller Fracht. Mehr weiß ich auch nicht“, gab Maahes bekannt.
„Ah!“, rief Nut 43. „Das Spezimen ist da, wenn auch viel zu früh.“
„Den packen wir erstmal in das Aufzuchtlabor und installieren in den nächsten Tagen das Mobiliar. Dann kann er umziehen und wir kümmern uns um ihn. Wenn dann das medizinische Personal, die Genetiker sowie die Biomechanikabteilung hier sind, sollen die weitermachen“, sagte Sachmet.
„Punkt und Treffer“, entgegnete Anubis 04 und hob einen Daumen.
„Wir sollten möglichst schnell die Zentrale fertigstellen“, merkte Sobek 103 an. „Wir brauchen eine leistungsstarke Kommunikationsanlage damit wir unabhängig von der Byblos per Tunnelung mit Ammon reden können.“
„Zweiter Punkt, zweiter Treffer“, warf Anubis 04 ein und hob wiederholt den Daumen.
„Der fällt dir beim dritten Mal ab“, murmelte Seth.
„Du weißt gar nicht was mein Daumen alles kann und aushält.“
„Och nö! Das will ich lieber nicht wissen“, stöhnte der Halbeselhengst und hob abwehrend die Arme.
„Punkt und Treffer für dich“, mischte sich Sachmet ein und gab ihrem Partner einen Kuss.
„Sieh an, sieh an! Ihr beide also…“, flötete Nut 43.
Die beiden Angesprochenen nickten nur und grinsten.
Auf Tenerra war es nach all den Jahrzehnten nicht mehr so kuschelig wie anfangs.
Das idyllische Tal hatte sich erheblich gewandelt. Einerseits häuften sich die Gewitter und nahmen im Laufe der Zeit immer mehr an Heftigkeit zu, Ausschwemmungen, abrutschende Hänge und Überflutungen waren häufig das Ergebnis. Andererseits zeigte sich der Planet von einer weiteren unangenehmen Seite in Form von Vulkanausbrüchen und Beben. Das Tal versank förmlich im Boden, der See wich einer brodelnden und dampfenden Brühe, welche erbärmlich nach Schwefel stank und seinen tödlichen Odem verströmte.
Was sich auch veränderte war das Verhalten von Sachmet 08. Während Seth 76 und Sachmet 99 ein festes Paar gebildet hatten, sich mit dem Ausleben ihrer Triebe jedoch stark zurückhielten, wurde der erwähnte Löwen-Klon übellaunig und litt unter Stimmungsschwankungen. Grund war einerseits ihr durcheinandergeratener Hormonhaushalt, für den nicht einmal Horus 33 den Grund fand, zum anderen war es ihr Nachwuchs.
Der Jaguartaur hatte mit Eintreten der Geschlechtsreife ein Identitätsproblem zu bewältigen. Einerseits hatte er zwei Namen, zum einen hieß er Heros und zum anderen Helena. Er sollte als Hermaphrodit später selbst entscheiden, ob er sich mehr männlich oder weiblich fühlte.
Keiner konnte ahnen, dass er damit vor ein schwieriges Problem gestellt würde. Er war hin und her gerissen, fand jedoch kein passendes Pendant um sich zu erproben, zu erforschen oder um herauszufinden, welches Geschlecht er als Partner präferieren würde.
So entdeckte er nach und nach seine Sexualität mit sich selbst und beschloss seinen Namen auf Helenos zu ändern. Er konnte mit beiden Seiten seiner Geschlechter sehr gut leben und brachte es damit zum Ausdruck. Das gefiel seiner Mutter nicht sonderlich und es kam schließlich zum Streit.
Wenig später war Helenos spurlos verschwunden. Seither suchte die Klon-Löwin jede Gelegenheit um einen Streit vom Zaune zu brechen. Letztendlich kam es zu einer gediegenen Schlägerei unter Seth 76 und Sachmet 08, weil diese die Klon-Löwin 99 angriff.
Alles in allem wurde es für das Quartett höchste Zeit den Ort zu wechseln. So wurde unter der gebotenen Eile das Equipment abgebaut, Sachmet 08 währenddessen kurzerhand in einer der Fähren an einen der Sessel gebunden und trotz ihres Mord- und Totschlaggeschreis, allein gelassen.
Ein letztes Mal blieben Horus 33, Sachmet 99 und Seth 76 stehen, sahen auf das einst heimische Tal, seufzten fast gleichzeitig und bestiegen die Fähren.
„Auf geht’s“, befahl der Halbesel-Klon barsch. „Es bringt nichts zu trauern. Wir müssen einen neuen Platz finden.“
„Wie wäre es mit der Rückkehr zur Byblos?“, keifte Sachmet 08 aus dem Hintergrund.
„Wir haben uns alle etwas geschworen“, schnauzte Seth 76 die Klon-Löwin an. „Wir bleiben auf diesem Planeten, ansonsten sind wir gescheitert. Außerdem wissen wir nicht einmal was da draußen los ist. Von Osiris und den anderen haben wir seit Jahrzehnten nichts mehr gehört. Tenerra ist unsere Wahlheimat und ich werde hier sterben, zusammen mit meiner geliebten Löwin.“
„Wow! Das ist ja mal schön für dich, wenn du in den Armen deiner mähnenlosen Pussy verrecken willst. Ich will es nicht.“
„Du bist selbst eine, vergiss das nicht. Außerdem könnte es sein, dass wir Helenos finden und er es sich anders überlegt hat. Wäre doch schön, wenn er wieder bei uns wäre. Er ist auf jeden Fall wesentlich netter als seine Mutter“, stellte der Klon-Esel harsch fest.
„Was weißt du denn schon?“
„Ich weiß nur, dass du unausstehlich bist. Du warst anfangs ganz anders.“
„Du kennst mich nicht und warum ich so wurde.“
„Dann klär mich doch auf. Warum bist du so launisch geworden?“
„Ihr seid ein Pärchen und Horus 33 ist nur mit seiner Wissenschaft beschäftigt. Irgendwie ging alles an mir vorbei. Ich fühle mich vernachlässigt, als fünftes Rad am Wagen. Das ist los.“
„Und du meinst, dass Helenos es noch schlimmer machte?“
„Genau das. Ich hatte mich damit abgefunden, dass er ein Taur ist und damit komplett anders als wir. Dass er Fragen stellen würde, auch unbequeme Fragen. Darauf war ich vorbereitet. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass er in eine Existenzkrise geraten würde. Ich habe als Mutter versagt, hätte ihm mehr bieten müssen. Stattdessen musste er alles selbst herausfinden oder fand es erst gar nicht.“
„Ich bitte dich! Was hättest du ihm bieten sollen? Wo hast du versagt?“
„Wenn ich das jetzt sage, dann wirst du schlecht über mich denken.“
„Nur zu, warum sollte ich dich verurteilen?“
„Er kam mit einer Bitte zu mir, einer unkeuschen Bitte.“
„Und du hast eingelenkt?“
„Er kam zu mir und wollte sich ausprobieren, sich entdecken, wollte seine männliche Seite testen.“
„Das ist natürlich ein echtes Problem“, entgegnete Seth 76 nachdenklich.
„Eben! Er stand da und ich sah ihm seine Lust an, nicht nur in den Augen, sondern viel deutlicher. Ich lehnte nicht nur ab, sondern wurde wütend. Wehrte ihn ab, gab ihm das Gefühl, dass er etwas Verbotenes tat. Er zog wohl den falschen Schluss.“
„Du meinst, dass er jetzt der Meinung ist mit seinen sexuellen Trieben etwas extrem zu Verurteilendes tut?“
„Ja, das befürchte ich.“
„Das ist jetzt Unsinn. Tut mir Leid, wenn du deine Situation so falsch beurteilst. Denk doch mal genau nach. Was hättest du tun sollen? Sag jetzt bloß nicht, dass er dich hätte begatten sollen. Er ist dein Sohn, in diesem Fall. Genauso hättest du, wenn du sein Vater gewesen währest und er wäre als Tochter an dich herangetreten, nicht eingewilligt, sie zu besteigen.“
„Nein. Auf keinen Fall.“
„Siehst du, du bist doch eindeutig meiner Meinung.“
„Ja…, du hast recht“, murmelte die Klon-Löwin kleinlaut.
„Und, bist du jetzt ruhiger und nicht mehr übellaunig?“
„Ich kann es gerne versuchen.“
„Ausgezeichnet. Und jetzt suchen wir nach einem neuen Platz. Vielleicht finden wir auch Helenos.“
„Ich weiß nicht wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll?“
„Am besten lässt du dir nichts anmerken, entschuldigst dich und lässt den Rest der Sache ruhen. Vielleicht hat er auch nachgedacht und kehrt sein Ansinnen unter den Tisch?“
„Wovon träumst du nachts? Er ist ein Hermaphrodit. Er ist Männchen und Weibchen zugleich. Ich unterstelle ihm jetzt nicht, dass er maßlos sexsüchtig ist, aber er, ähm, sie wird alles ausprobieren wollen.“
„Keine Ahnung wovon du sprichst.“
„Der Höhepunkt eines Männchens ist anders als der eines Weibchens. Er wird wissen wollen wo der Unterschied ist.“
„Ach, das meinst du. Dann wird es bestimmt lustig.“
„Deinen kruden Humor will ich haben.“
„Siehst du, deiner kommt auch langsam wieder zum Vorschein.“
„Mag sein. Aber was soll ich tun?“
„Lass es auf dich zu kommen, außerdem ist es nicht gesagt, dass wir Helenos finden. Es kann gut sein, dass er sich versteckt oder in einer ganz anderen Gegend ist und wir hunderte Kilomitrox entfernt landen.“
„Du vergisst aber auch, dass er ein Taur ist und Jaguarblut in seinen Adern fließt. Er ist teilweise ein wilder Streuner.“
„Aber nur teilweise. Du vergisst deinerseits, dass er auch dein Blut hat und damit das eines Antermerianers. Wenn er so wild wäre, wie du es ihm gerade unterstellst, dann hätte er sich über dich hergemacht, so wie einst der Jaguarkater. Oder er hätte sich an mich oder Horus 33 herangemacht und versucht alles daran zu setzen, dass wir als Männchen seiner weiblichen Seite zugetan wären.“
„Hat er das nicht?“
„Nein. Nicht einmal. … Moment mal … Ich kann nur für mich sprechen.“
„Ha!“, entfuhr es Sachmet 08. „Horus!“
„Aber nicht doch. Nicht der Falke… Oder doch?“
„Er ist sehr schweigsam. Vielleicht ist mein Sohn/Tochter… verdammt ist das schwierig… weggelaufen, weil er den Falken rumgekriegt hat?“
„Das wage ich zu bezweifeln. Ich schätze Horus 33 nicht so ein. … Wobei er wirkt seit einiger Zeit relativ entspannt.“
„Ich sollte ihn mal fragen“, stellte Sachmet 08 fest und kaute auf ihrer Unterlippe.
„Lass es lieber. Sonst haben wir den nächsten Stress vorprogrammiert.“
„Wenn du meinst.“
„Das klang nicht überzeugend.“
„Ich überlege noch“, entgegnete die Klon-Löwin und zog es vor wieder zu schweigen.
<„Die Scanner zeigen ein Wüstengebiet voraus, ein großer Strom durchzieht es, mündet in einem kleinen Delta in ein Meer. Keinerlei Lebensformen größeren Ausmaßes zu registrieren. Wir gehen runter“>, verkündete Horus 33 via Intercom.
„Na bitte“, ergänzte Seth 76 in Richtung der Klon-Löwin. „Nichts von Helenos zu sehen, sonst hätten die Scanner etwas angezeigt. Also entspann dich.“
„Hast ja recht“, erwiderte sie und seufzte.
„Hmmm… sieht so aus, als ob du damit auch nicht ganz zufrieden bist.“
„Er ist mein Kind und ich vermisse ihn.“
„Das wird sich unter Umständen ändern. Ich sehe jetzt gerade etwas auf meinem Bioscanner.“
<„Seth an Horus. Hast du auch einen Bioscan gemacht?“>
<„Nein, ich sehe nichts was auf größeres Leben hindeutet“>, antwortete der Falke.
<„Dann solltest du das nachholen. Ich sehe da ganz deutlich etwas.“>
<„Moment! Huch“>, entfuhr es dem Horus-Klon, <„du hast recht. Da ist eine Lebensform auf dem Schirm. Lass uns in der Nähe landen und schauen wer und was das ist.“>
<„Einverstanden“>, bestätigte Seth 76.
Wenig später landeten die drei Fähren zielgenau und erkannte man durch die Frontscheiben eine vertraute Gestalt neben einem baugleichen Schiff herumlaufen.
„Na, wen haben wir denn da“, murmelte der Seth-Klon, stand auf, löste die Fesseln der Klon-Löwin und reichte ihr eine Hand. „Lass uns gehen. Es wird Zeit zur Aussprache.“
„Bleibst du bei mir?“, fragte sie unsicher.
„Ja, aber den entscheidenden Schritt musst du selbst gehen.“
„Ich werde es versuchen.“
„Immerhin ein Anfang.“
Der Halbesel-Klon öffnete das Außenschott und trat in den Wüstensand, hob eine Hand und schirmte seine Augen vor der gleißenden Sonne ab.
„Hallo ihr“, ertönte Helenos Stimme.
„Hallo, Flüchtiger“, witzelte Sachmet 99. „Was hat dich denn hierher verschlagen?“
„Das Gleiche wie euch. Die Suche nach einer neuen Heimat. Aber wie ich sehe, habt ihr mich wieder eingeholt.“
„Helenos“, hub Sachmet 08 an, „kann es sein, dass du auf der Flucht vor dir selbst bist? Junge, du bist nicht allein und du hast nichts falsch gemacht.“
„Doch Mutter, das habe ich. Ich habe dich bedrängt und auch Horus 33.“
„Sieh an, sieh an. Du hattest recht“, flüsterte Seth 76 der Klon-Löwin ins Ohr.
„Ihr beide habt nichts falsch gemacht. Du wolltest etwas herausfinden und Horus war nicht abgeneigt. Was sollte dich also hinfort treiben?“, fragte Sachmet 08.
„Ich hatte Spaß dabei und du hattest mir das Gefühl gegeben, dass das falsch sei.“
„Nein. Das hast du nicht richtig gedeutet. Es wäre nicht korrekt gewesen, wenn ich nachgegeben hätte. Es liegt aber auch nur daran, dass ich deine Mutter bin.“
„Das musst du mir genauer erklären.“
„Man paart sich nicht mit direkten Familienmitgliedern“, mischte sich Seth 76 ein.
„Aber ihr seid nur meine entfernte Familie. Ich bin anders, nicht wie ihr“, seufzte Helenos.
„Nur im weitesten Sinne. Auch Verwandtschaft ist Familie. Sachmet 08 ist deine Mutter und damit die nächste Blutsverwandte.“
„Ich verstehe nur sehr langsam.“
„Himmel Helenos!“, ging Sachmet 99 dazwischen. „Wenn ich mich von dem Esel durchnehmen lasse, dann ist das okay. Selbst, wenn ich es mit Horus täte, wäre das okay, auch wenn ich das nicht tun würde, weil ich auf den Hengst abfahre. Aber mit deiner Erzeugerin zu vögeln, dass ist obszön und falsch.“
„Jetzt scheine ich es zu verstehen.“
„Ah, er kapiert es“, frohlockte Sachmet 99.
„Ich muss mich entschuldigen, Mutter. Es tut mir Leid, dass ich dich verleiten wollte, dich mit mir zu paaren.“
„Ist schon okay. Ich wäre ja auch das erste verfügbare Weibchen gewesen“, winkte Sachmet 08 ab.
„Klar. Er ist ja auch zwischen deinen Schenkeln herausgekrochen, warum nicht um-gekehrt wieder hineinkriechen“, schlussfolgerte Sachmet 99 frivol.
„Eh! Bitte nicht solche Sprüche vor meinem Kind. Außerdem passt er nicht mehr hinein.“
„Das glaube ich schon, wenn auch körperlich nur anteilig“, übertrieb es die Klon-Löwin und erntete dafür einen missbilligenden Blick ihrer Artgenossin.
„Diese Art von Humor ist mir zwar fremd, aber wie es scheint spielt Sachmet 99 auf einen bestimmten Teil meiner männlichen Anatomie an.“
„Ja, aber lass es bitte. Es ist eine sehr merkwürdige Art von Humor und den solltest du besser nicht verstehen.“
„Wenn du es wünschst, dann soll es so sein“, sagte Helenos abschließend.
„Siehst du, war doch gar nicht so schlimm“, wandte sich Seth 76 an Sachmet 08. „Alles nur Missverständnisse und falsche Zuweisung von Eigenschuld.“
Die Klon-Löwin nickte nur und war sichtlich erleichtert.
„Und was machen wir jetzt?“, fragte Horus 33.
„Wir werden jetzt nach einem geeigneten Platz suchen. Also fliegen wir jetzt weiter, denn die Wüste ist nicht geeignet“, stellte Sachmet 99 fest.
„Einverstanden, weiter geht’s“, entgegnete Helenos freudestrahlend. „Mutter, magst du mit mir fliegen?“
„Aber gerne doch, mein Sohn.“
„Das ist so nicht ganz korrekt“, hub Helenos kurz an. „Ich fühle mich weiblich, denn ich habe zwar eine Mähne und die Fellzeichnung eines Jaguars, aber sieh‘ mal“, er schob die lange Mähne zur Seite, „ich habe Brüste, genau wie du. Das meine Genitalien gemischt sind, hat nichts mit meinem Gefühl zu tun.“
„Hast du das mit Horus herausgefunden?“, fragte Sachmet 08.
„Ja und mit mir selbst. Es macht zwar Spaß, wenn ich zum männlichen Höhepunkt komme und Horus 33 ist da auch sehr geschickt und zärtlich, aber als er in mich eindrang war es ein absolutes Hochgefühl und ich hatte beider Geschlechter Höhepunkt gleichzeitig erlebt.“
„Damit wäre auch diese Frage geklärt“, murmelte Seth 76 vor sich hin. „Lasst uns endlich weiterfliegen. Ihr macht mich noch ganz wuschig.“
„Da hätte ich eine Lösung parat“, frohlockte Sachmet 99.
„Das war mir klar. Du bist zuweilen ein echt verdorbenes Stück Löwin“, knurrte der Halbeselhengst.
„Nicht immer, aber immer wieder gerne.“
Seth 76 winkte nur noch ab und stieg in seine Fähre, während Horus 33 und Sachmet 08, nebst Helenos selbiges taten.
So stand die lockerzüngige Klon-Löwin kurze Zeit allein im Wüstensand, starrte dem Halbesel hinterher, zog eine abschätzende Grimasse, drehte sich schließlich um und bemannte ihre Fähre.
Auf Antermerius kam es derweil zum Eklat zwischen Re, Shu, Isis und Ammon.
„So! Ich will eine Erklärung!“, schrie Isis den Supervisor an.
„Nicht in diesem Ton“, schoss der zurück und verschränkte abweisend die Arme vor der Brust.
„Oh doch!“, brüllte die Antermerianerin weiter. „Du spielst hier ein ganz mieses Spiel und hältst bewusst Daten zurück.“
„Es ist nur zu eurem Besten!“, antwortete Ammon milde.
„Ach ja?“, mischte sich Re ein. „Was hast du vor? Was genau planst du?“
„Das wollt ihr nicht wissen und es reicht, wenn ihr es so hinnehmt wie es ist.“
„Oh nein. So einfach ist das nicht“, ging Shu ebenfalls gegen den Supervisor vor.
„Was wollt ihr dagegen unternehmen? Ich bin hier der Federführende und es reicht aus, dass jeder seinen Teil weiß und seine Aufgaben erfüllt.“
„Das glaube ich nicht“, knurrte Isis. „Ich bin eher der Meinung, dass wir einen neuen Supervisor benötigen und es sich ausgespielt hat.“
„Das bedeutet?“, fragte Ammon finster.
„Das wir nicht mehr mitmachen. Zumindest so lange nicht, bis hier alle Fakten auf dem Tisch liegen“, stellte Shu fest.
„Das ist Meuterei!“, schrie Ammon auf.
„Nein. Nur gesunder Eigenschutz. Mein Mann ist da draußen und die Ergebnisse seines Tuns in deinem Auftrag sind nicht nur spärlich, sondern zutiefst verstörend“, konstatierte Isis.
„Es reicht jetzt!“, brüllte Ammon und sprang auf.
„Das stimmt“, entgegnete Re, „es reicht in der Tat. Wir machen nicht mehr mit. Nimm zur Kenntnis, dass wir auf deinen Rücktritt warten und du alles in die Hände von Osiris und auch Isis gibst.“
„Was soll ich?“
„Stopp, stopp, stopp!“, mischte sich die geflügelte Antermerianerin ein. „Das geht mir jetzt aber etwas zu weit. Das Ammon abtritt ist unausweichlich, aber das ich jetzt vor den Karren gespannt werden soll, geht etwas zu weit. Zumindest hättet ihr mich vorher mal fragen können.“
„Du hättest nein gesagt und jetzt ist es so, wie es ist. Dein Ehemann ist da draußen und du weißt auch, dass er eigentlich das Sagen hat, denn er allein ist Herr der fremden Situation und fällt die Entscheidungen“, erklärte Shu.
„Das stimmt schon. Aber das letzte Wort hatte bisher immer Ammon.“
„Und wird es von jetzt an nicht mehr haben“, schob Shu nach.
„Werde ich hier vielleicht auch noch gefragt?“, schrie der Supervisor dazwischen, „Ihr diskutiert über mich und mein Amt, als wäre ich gar nicht anwesend.“
„Ach? Wir wurden auch nicht gefragt“, stellte Re fest.
„Ich werde gar nichts tun“, grollte Ammon tiefkehlig.
„Dank ab oder übergib die Befehlsgewalt im Universum Transferebene Alep3 an Osiris. Damit behältst du wenigstens dein Gesicht und es wird nichts nach außen dringen. Mach diese Idee zu deiner eigenen“, mahnte Shu.
Ammon sank auf seinen Stuhl, lehnte sich langsam zurück und überlegte eine Zeit lang. Er nahm sich einen Stift und kaute nervös auf den Enden herum.
„Gut!“, lenkte er schließlich ein. „Ich übergebe die komplette Befehlsgewalt in Administrator Osiris‘ Hände. Er soll allein entscheiden, denn er weiß was dort passiert. Die Tunnelung allein ist zu langwierig und damit auch die Übergabe der Auftragsdaten.“
„Was ist mit Isis?“, hakte Re nach.
„Sie wird Osiris gleichgestellt und ebenfalls zum Administrator erklärt. Ich werde die Daten gleich ins Netzwerk einstellen und Osiris informieren.“
„Letzteres mache ich selbst“, intonierte Isis. „Ich werde zur Byblos transferieren und es ihm persönlich übermitteln. Außerdem werde ich einen Abstecher ins Elara-System machen und schauen wie der Fortschritt innerhalb der Cyndra-Anlage aussieht.“
„Einverstanden!“, schloss Ammon ab und warf den angeknabberten Stift auf den Tisch. „Ihr dürft jetzt gehen. Wenigstens das darf ich noch sagen.“
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, drehten sich die drei um und verließen das Büro.
„Da habt ihr mich aber schön in die Mitte gebracht“, knurrte Isis entrüstet.
„Es ging nicht anders. Wir können niemanden zum Rücktritt aus bestimmten Aufgabenbereichen bewegen, ohne einen adäquaten Ersatz zu bieten und der seid ihr beide“, erklärte Re beschwichtigend.
„Na ja. Jetzt ist so und ich mache mich auf den Weg zum Transferraum. Haltet die Stellung“, sagte Isis noch und trollte sich.
Weder auf Tenerra, Cyndra, noch auf der Byblos ahnte man etwas von den Vorgängen auf Antermerius, sollte es aber sehr schnell erfahren.
Wenige Stunden nach Ende des Disputs, bildete sich mitten auf Hangar 8 der Byblos ein Sprungtor und erschien Isis auf der Bildfläche. Allein dieser Umstand reichte aus um die halbe Mannschaft in Aufruhr zu versetzen, gepaart mit den durchdringen-den Sirenen, die einen Eindringlingsalarm verkündeten.
<„Was ist da los?“>, schnauzte der Administrator der Kampfinsel ins Intercom.
<„Sir! Wir haben hier jemanden auf Hangar 8 und der möchte sofort zu ihnen“>, verkündete Seth 13 von der internen Sicherheit.
<„Wer ist es?“>
<„Das sehen sie lieber selbst.“>
<„Dann schicke ihn zu mir.“>
<„Sie ist schon auf dem Weg.“>
<„Ach, jetzt ist schon eine sie?“>
<„Das werden sie gleich wissen.“>
<„Meinetwegen.“>
Im gleichen Augenblick stand Isis neben ihm. „Hallo, mein Geliebter“, hauchte sie.
„Isis? Schatz? Was machst du denn hier?“
„Das ist eine lange unangenehme Geschichte, aber schnell erklärt. Ich bin Co-Administrator und Ammon hat alle Befehlsgewalt in diesem Universum an uns abgetreten.“
„Hä? Das geht mir jetzt etwas zu schnell. Ganz langsam und von vorn.“
„Re und Shu haben ihm den Hintern heiß gemacht und er lenkte ein. Letztendlich ist die Übergabe an uns seine Entscheidung, da wir hier vor Ort sind und schneller agieren können.“
„Klingt unrühmlich, aber plausibel. Na schön. Dann machen wir weiter wie bisher. Was hast du jetzt vor?“
„Du scheinst nicht sonderlich begeistert zu sein.“
„Doch, doch. Es kommt nur etwas überraschend. Und einige Dinge sind passiert, die sehr unschön sind.“
„Dann klär mich doch mal auf.“
Osiris startete seine Aufklärungsarbeit mit Sachmet 08, ging über zu den fremdartigen Funden auf Cyndra und endete schließlich bei dem tenerranischen Krabbeltier.
„Dann ist es wirklich gut so, dass wir hier das Zepter halten. Ich jedenfalls mache mich jetzt auf Weg nach Cyndra. Es wird Zeit das Ort-zu-Ort-Transfer-Modul auszuprobieren. Wenn ich fünfmal vorhanden bin, dann hat es nicht funktioniert.“
„Lass bitte diese Sprüche, mein Schatz. Ich bin nicht in der Laune für solche Orakel.“
„Gut. Es wird funktionieren. Wir sehen uns wieder“, schloss Isis ab, betätigte ohne ein weiteres Wort zu verlieren das Gerät an ihrem Oberarm und ging in einen soeben aufgebauten Tunnel hinein, verschwand von der Bildfläche.
„Na ja. Immerhin scheint es jetzt wirklich zu laufen“, murmelte Osiris vor sich hin und nahm wieder Platz.
Auf Cyndra war man mehr als überrascht als Isis plötzlich aus einem Transferstrudel heraustrat und seitlich in der Zugangsgrotte erschien.
Anubis 04, Sobek 103 sowie Nut 43 standen in unmittelbarer Nähe, diskutierten gemeinsam mit Maahes über die Installationsorte der beiden Energieblöcke, als plötzlich einer der Sobek-Klone aufschrie.
Direkt neben ihm materialisierte die Antermerianerin und entschuldigte sich bei ihm ausführlich, ob ihres unangekündigten Auftauchens.
„Isis!“, schrie Maahes erfreut. „Was verschlägt dich denn in diese trübe Ecke?“
„Ich bin neben meinem Gemahl die Co-Administratorin in diesem Universum. Ammon hat seine Befehlsgewalt auf uns übertragen.“
„Sehr gut“, entgegnete der Anthro-Löwe. „Jetzt haben wir wenigstens einen direkten Ansprechpartner.“
Sie nickte kurz. „Klärt mich auf. Wie weit seid ihr und wo liegen die Probleme?“
„Probleme haben wir nicht. Es läuft alles Plan, es erfordert nur Zeit. Das Spezimen ist in einem Isolationscontainer im medizinischen Bereich untergebracht. Mehr als die Hälfte der Energieblöcke ist installiert und angeschlossen. Die Mannschaftsquartiere lassen noch auf sich warten, sind auch zweitrangig. Wir erwarten eigentlich das Personal für die bionische und biomedizinische Abteilung später“, erklärte Anubis 04.
„Das klingt erfreulich. Wo sind Seth und Sachmet?“, fragte Isis nach.
„Keine Ahnung. Vielleicht weiter hinten im Bereich der Sammelpositionen für die späteren Kampfklone“, verkündete Maahes.
„Dann werde ich die beiden mal besuchen“, sagte sie noch und verließ das Grüppchen.
„Sieh an, sieh an. Alles ergibt sich von selbst“, murmelte Sobek 103 und grinste.
„Auf jeden Fall wird es einfacher“, entgegnete Maahes. „Trotzdem brauchen wir die Leitstelle. Wir müssen ab jetzt sehr aufmerksam sein. Allein der Transfer von Isis könnte schon ausreichen, um irgendetwas wachzurütteln.“
„Wir machen uns an die Arbeit“, verkündete Sobek 103, ging ebenfalls und näherte sich einem Pulk von Arbeitern.
Auf Tenerra näherten sich die Fähren dem Rand eines großen Gewässers. Später sollte es den Namen Mittelmeer tragen, war es zu diesem Zeitpunkt aber nicht einmal ansatzweise.
<„Seht ihr das?“>, rief Sachmet 99 ins Intercom. <„Dort gehen wir runter. Laut meinem Scan ist die Gegend geologisch recht stabil.“>
<„Verstanden! Wir landen“>, antwortete Seth 76.
Nach zwanzig Minuten standen die Fähren am Ufer und waren die Piloten, derer entstiegen.
„Was sagen unsere Bioscanner“, wandte sich Horus 33 an Seth 76.
„Moment. Die ersten Daten sollten sofort erscheinen“, entgegnete der antermerianische Anthro-Hengst. „So, jetzt. Reichhaltige Fauna im Wasser. Gigantische Lebensformen werden angezeigt, ebenso Kleinstlebewesen. Raubtiere und Pflanzenfresser in einem ausgewogenen Verhältnis. Das Wasser ist jedoch in seiner reinen Form nicht trinkbar.“
„Salzwasser?“, fragte Helenos.
„Ja, relativ konzentriert. Wie es aussieht waren die tektonischen Bewegungen bis vor geraumer Zeit sehr heftig und das Gewässer ein Teil des Ozeans. Im Moment ist es von diesem jedoch abgeschnitten“, verkündete Sachmet 99, welche sich den Geoscanner gegriffen hatte.
„Besteht die Gefahr, dass die Gegend instabil wird?“, fragte Horus 33 dazwischen.
„Im Moment sind die Plattenverschiebungen minimal und sehr langsam. Bis auf kleinere Erschütterungen sollte nichts passieren.“
„Das hört sich gut an. Was sagt die Tierwelt an Land?“, bohrte der Falkenköpfige an Seth 76 gewandt.
„Da gibt es einiges. Raubkatzen, Wolfsähnliche, sehr große Pflanzenfresser sowie auch sehr kleine. Die Scannerdaten sind sehr deutlich in der näheren Umgebung, aber auch extrem reichhaltig. Wenn ich alles richtig deute, dann ist vor allem die Fauna in einem gigantischen Umbruch. Es gibt noch alte Arten und neue erobern denselben Lebensraum. Helenos passt prima hierher. Er ist auch etwas Neues aus einer alten Welt in Verbindung mit einer vollkommen unbekannten“, erklärte der Halbesel.
„Wie es scheint ist ganz Tenerra nicht nur geologisch im Umbruch, sondern auch klimatisch und damit innerhalb der vorkommenden Artenvielfalt“, mutmaßte Helenos.
„Du hast sehr gut aufgepasst“, freute sich Horus 33.
Der Jaguartaur-Antermerianer-Klon-Hybrid grinste breit und wurde verlegen. „Ich habe auch sehr gute Lehrer.“
„Wie dem auch sei. Wir bleiben hier und hoffen, dass es friedlich bleibt. Auf geht’s, Lager aufschlagen!“, hub Sachmet 99 an und nickte besonders Seth 76 zu.