Kapitel 6
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Kapitel 6
Unfälle, Vorfälle, Reinfälle, irgendetwas fiel immer
Auf Cyndra fraßen sich unterdessen die Maschinen in den Mond, kamen sie Mitrox um Mitrox vorwärts, als plötzlich der Boden nachgab und eines der Aushubgeräte in eine unbekannte Tiefe stürzte.
„Sofort abbrechen“, schrie einer der Sobek-Klone. „Zieht die Geräte zurück, alle Maschinen sofort stoppen.“
Nach dem ersten Schock, gingen acht der Echsenköpfigen, nebst Maahes, Sachmet und Seth zur Unglücksstelle, näherten sich auf wenige Mitrox dem Rand.
„Bioscanner“, knurrte Sachmet an den Anthro-Löwen gewandt.
„Schon dabei. Seth, du solltest einen Tiefenscan der Substanz durchführen. Wir müssen wissen wie tief das Loch ist und vor allem würde mich interessieren, warum uns dieser Hohlraum überraschen konnte.“
„Das ist eine gute Frage“, hub der Halbesel an. „Zuvor war alles mit erstarrtem Magma gefüllt und das hier hätte nicht passieren dürfen.“
„So langsam beschleicht mich ein ganz mulmiges Gefühl.“
„Nicht nur dich. Ich werde zu meiner Fähre gehen und Osiris Bericht erstatten. Eilt euch, wir brauchen Fakten und keine schwammigen Aussagen“, ordnete Maahes schließlich an, übergab den Scanner an Sachmet und trollte sich.
„Wir sollten nicht hier sein. Erst das Ärgernis auf Tenerra und jetzt das hier“, seufzte Seth.
„Ich weiß was du meinst. Probleme ohne Ende. Ich hoffe, dass das der Höhepunkt ist und nicht erst der Anfang“, murmelte Sachmet vor sich hin. „Aber lass uns mal sehen was wir da haben.“
Die beiden schlugen drei Mitrox vor der Abbruchkante mehrere Sicherungshaken in den Boden, seilten sich an und tasteten sich vorsichtig weiter vor.
Das Loch verriet größere Ausmaße. Es war fast kreisrund, die Kante selbst unregelmäßig und ausgefranst, der Durchmesser betrug an seiner weitesten Ausdehnung exakt 20,50 Mitrox. Der Bodenbohrer sollte einstweilen nur einen ersten Zugang von 2,50 Mitrox fräsen, war somit hoffnungslos verloren und irgendwo in der Finsternis verschwunden.
Seth kniete sich hin und streckte seinen linken Arm vor, berührte den Rand und fuhr mit dem Handschuh darüber. „Scheint natürlichen Ursprungs zu sein, zumindest deutet nichts darauf hin, dass hier schon jemand vor uns gebohrt hatte.“
„Ich empfange keinerlei aktive Biosignaturen“, verkündete Sachmet die Scanner-daten.
„Das ist beruhigend.“ Seth hielt den Geoscanner soweit er konnte über den Schlund und aktivierte ihn. „Hmmm … es geht ganz schön tief runter.“
„Das nenne ich eine präzise Tiefenmessung“, witzelte die Löwin.
„Wird bei dir auch mal wieder Zeit“, entgegnete der Halbesel extrem zweideutig, woraufhin die Löwin unter ihrem Helm deutlich errötete.
„Später, jetzt haben wir zu tun.“
„Gut so. Die Daten habe ich jetzt. Außer, dass das Loch einen unregelmäßigen Durchmesser bis zu 25,50 Mitrox hat, ist es ganze 150 Mitrox tief. Egal was da alles hineingestürzt ist, es ist platt.“
„Die ersten Verluste“, knurrte Sachmet.
„Ja, eine Fräsmaschine und vor allem zwei Sobek-Klone. Verdammt! Wir haben noch nicht einmal richtig angefangen und schon zwei Tote.“
„Das meinte ich mit meinem unguten Gefühl. Was ist, wenn das erst der Anfang ist?“
„Hey ihr beiden“, rief Maahes in den Helmfunk. „Ich habe Antwort von Osiris. Ammon weiß Bescheid und er möchte, dass wir mit der nötigen Vorsicht die Erkundung einleiten.“
„Na toll. Hat der Supervisor unseres Verteidigungs- und Sicherheitszentrums noch mehr solcher tiefschürfender Forderungen?“, schnauzte Seth.
„Im Moment nicht“, verkündete Maahes und näherte sich wieder dem Schauplatz.
„Gut. Treffen wir die Vorbereitungen und stürzen uns ins Abenteuer“, sagte Sachmet und klatschte mit den Händen. Die umherstehenden Sobek-Klone wurden aktiv, nickten unmerklich und begannen ihrerseits den unausgesprochenen Auftrag auszuführen.
Eine halbe Stunde darauf war ein Trupp von elf Anthros gebildet, war angeseilt und machte sich auf den Weg in die unerforschte Dunkelheit.
Maahes blieb, auf Anraten Sachmets, an der Oberfläche, sollte den Funkkontakt zu ihnen halten und notfalls Osiris verständigen.
Ammon seinerseits blieb nicht untätig und hatte den Auftrag erteilt ein schweres Kampf- und Transportschiff vorzubereiten und unverzüglich nach Genro zu starten.
Egal was dort vor sich ging, es war nicht mehr die richtige Zeit um sich zu verstecken. Wenn die Abtrünnigen auf dem Planeten selbst noch aktiv waren, dann hatten die eh schon mitbekommen, dass sich auf dem Mond Cyndra etwas abspielte.
Dass es bisher ruhig blieb und es keinerlei Übergriffe gab, deutete laut seiner Meinung daraufhin, dass sich diese, aufgrund der vergangenen Geplänkel, entweder zurückgezogen hatten oder ganz und gar vernichtet waren oder aber, und das wollte er nicht hoffen, dass sie auf den richtigen Moment warteten und dann überraschend und unerwartet heftig den Mond überrollen würden.
Stunde um Stunde verging und der Abstieg in den Schlund der eingestürzten Baugrube gestaltete sich schwieriger als zunächst gedacht. Immer wieder mussten Seth, Sachmet und die Sobek-Klone sich erneut mit zusätzlichen Haken absichern, Umweg erklettern, da sich größere und scharfkantige Unebenheiten in den Weg stellten.
Schließlich hörte man via Helmfunk einen der Klone die Erlösung verkünden: „Bodenkontakt!“ Mehr bedurfte es nicht.
Maahes und die anderen an der Oberfläche Verbliebenen taten ihre Erleichterung kund, teilte der Löwen-Anthro die Botschaft sogleich Osiris mit.
Der schwierigste Teil sollte jetzt allerdings noch folgen. Der Hohlraum musste mit der nötigen Vorsicht erkundet werden und keiner wusste was ihn erwarten würde.
„Seth!“, intonierte Sachmet. „Nimm nochmals den Scanner und nimm die Ausdehnungsdaten. Ich werde mir die präzisen Biodaten einholen.“
„Aye!“, antwortete der Halbesel und griff nach dem passenden Gerät, schwenkte es langsam herum.
„Es gibt nichts Neues“, rief er nach wenigen Augenblicken. „Es handelt sich um eine Höhle, die natürlichen Ursprungs sein kann, aber nicht sein muss. Die Abmessungen sind relativ regelmäßig und betragen in der Höhe 60 Mitrox und in der Breiten- und Tiefenmessung ebenso.“
„Sieht fast so aus, als ob hier im Zentrum Etwas diesen Hohlraum erschaffen hat“, murmelte einer der Sobek-Klone.
„Hmmm …“, brummte Sachmet vor sich hin und hub schließlich laut an: „Ich habe hier etwas auf dem Bioscanner, aber ich werde nicht schlau daraus. Laut meinen Daten existiert an den Wänden eine fremde DNA. Sie ist nicht nur verbrannt, sondern geradezu in das Gestein eingedampft worden.“
„Mach keinen Scheiß. Du liest die Daten nicht richtig“, grollte Seth.
„Oh doch. Komm her und sieh selbst.“
Der Halbesel gesellte sich zur Löwin und schaute auf das Display. „Verdammt, du hast recht.“ Er sah sich um und versuchte im Schein der Taschenlampen mehr zu erkennen, sagte dann: „Mir gefällt das überhaupt nicht. Da ist etwas faul.“
„Damit könntest du recht haben“, mischte sich einer der Klone ein. „Ich habe hier hinten eine merkwürdige Form gefunden. Sie ist direkt in das Gestein gebrannt.“
„Wo? Wo ist es?“, rief Sachmet aufgeregt.
„Hier hinten“, entgegnete der Klon und schwenkte mit der Taschenlampe herum.
Wenige Augenblicke später standen die beiden neben ihm und nahmen die Sache genauer unter die Lupe.
„Es ist regelmäßig“, erklärte Seth was er sah.
„Ja, eine sehr glatte Struktur, ähnlich einer ovalen Halbschale.“ Die Löwin leuchtete die nähere Umgebung weiter aus. „Da! Da ist dieselbe Struktur nochmals und direkt daneben noch eine.“
„Komisch. Was immer es ist. Das da“, Seth deutete aus die Strukturen, „ist eindeutig nicht natürlichen Ursprungs. Was ist mit der DNA?“
„Nicht identifizierbar. Es ist weder von uns, noch von einer der uns bekannten Spezies“, antwortete Sachmet.
„Wird immer lustiger“, knurrte der Halbesel. „Seth an Maahes!“
„Ja. Ich bin auch noch anwesend“, kam dessen Antwort via Helmfunk.
„Gib an Osiris durch, dass wir einen Notplan erarbeiten müssen. Hier unten muss etwas passiert sein. Irgendwas hat diese Höhle erschaffen und dabei seine DNA in die Felsstruktur gebrannt.“
„Mache ich sofort. Gibt es sonst noch etwas? Besteht akute Gefahr?“
„Nein. So wie es aussieht gibt es hier keinerlei Aktivitäten“, sprach Sachmet dazwischen.
„Wenigstens das nicht“, seufzte Maahes erleichtert.
„Frag uns mal. Wir stehen hier und sind nur noch sprachlos.“
Wenige Minuten später hatten der antermerianische Anthro-Löwe und Administrator Osiris einen Plan geschmiedet und meldete sich Maahes bei den anderen: „Ihr sollt, wenn es geht, eine Probe des fragwürdigen Gesteins nehmen. Ammon hat ein Kampfschiff hergeschickt. Es sollte in Kürze eintreffen.“
„Das hört sich gut an“, erwiderte Seth. „Wir schauen uns dann mal weiter um.“
„Macht das und seid vorsichtig.“
„Das sind wir doch immer.“
„Da gebe ich Seth ausnahmsweise recht. Er ist immer sehr vorsichtig“, murrte Sachmet mit einem merkwürdigen Unterton.
„Ah. Ist es wieder Zeit für Zweideutigkeiten?“, hinterfragte Maahes.
„Du kennst mich doch“, bestätigte Sachmet dessen Vermutung.
„Eben. Daher mahnte ich die Vorsicht nochmals an.“
„So, mein Schätzken“, wandte sich die Löwin an den Hengst. „Wir werden dann mal etwas an der Substanz kratzen und eintüten. Vielleicht finden wir ja etwas heraus.“
„Gute Idee und dann nichts wie raus hier. Die Sache ist mir unheimlich“, bestätigte Seth den Plan.
Nach zwei Adastern war der elfköpfige Trupp zwar ratlos, aber gesund, wieder an der Oberfläche erschienen und machten sich Sachmet und Seth auf den Weg zu Maahes, um die Probe in den Analyser zu geben.
„Das wird etwas dauern“, verkündete der Anthro-Löwe.
„Wir haben Zeit“, seufzte Seth und lehnte sich zurück.
„Was ist, wenn hier schon weit vor uns jemand war?“, stellte Sachmet die unausweichliche Frage,
„Dann wird es richtig interessant. Außerdem wäre es töricht anzunehmen, dass wir hier draußen allein wären“, gab Maahes zu bedenken.
„Ich denke, dass wir die Haldoraner und Balgonier ausschließen können. Die könnten zwar auch transuniversal springen, tun es aber nicht“, warf Sachmet ein.
„Dann ist es etwas komplett Unbekanntes“, stellte Seth fest.
„Genau. Wie es aber scheint ist dieses Etwas nicht mehr aktiv unterwegs, zumindest nicht hier“, konstatierte Maahes nachdenklich.
Plötzlich rauschte es kurz im Intercom und nachfolgend hörte man eine strenge weibliche Stimme: <„A.S.K. Cerberus an Oberflächenteam. Können sie mich hören?“>
„Was?“, fragte Sachmet mehr beiläufig und kurz irritiert.
„Ah, da ist unsere Absicherung“, frohlockte Maahes und betätigte den Intercom-Taster. <„Hier Bodenteam, Maahes. Wir hören sie laut und deutlich.“>
<„Ausgezeichnet. Hier ist Nephtys und ich bin direkt von Ammon zum Captain des Zerstörers ernannt worden.“>
<„Oh, willkommen“>, grüßte der Löwe die junge Antermerianerin.
<„Danke und Grüße zurück. Wie steht es bei euch?“>
<„Na ja. Die Bodenproben sind noch in der Analyse, sollten aber jeden Moment fertig sein.“>
<„Sehr gut. Ich schicke euch gleich vier Fähren runter, zur Verstärkung. Die bringen nicht nur Bodenpersonal, sondern auch neues Gerät zur Tunnelbohrung, Hochleistungsschmelzer sowie Waffen, falls wir widererwarten auf etwas Unangenehmes treffen sollten. Außerdem werde ich eine Gleiterflotte mit vierzig Sachmet-Klonen nach Genro schicken. Die sollen sich dort auf dem zweitgrößten Kontinent umsehen und nach Aktivitäten der Abtrünnigen suchen. Schickt eure verbliebenen acht Gleiter hoch damit die Pause machen können.“>
<„Ausgezeichnete Idee“>, bestätigte Sachmet und drehte sich zu Seth um. „Komm bloß nicht auf komische Ideen. Das sind nur Klone und nicht ich.“
„Hey. Was soll diese Anspielung?“, knurrte der Halbesel. „So blind bin ich nun auch nicht. Und falls du auf Nephtys abzielst, sie ist lediglich ein Teil meiner Vergangenheit, mehr nicht.“
„Gut so. Ich wollte nur sicher gehen, dass du mit deinen Umtrieben nicht eine ganze Staffel beglückst.“
„Nein! Das bleibt dir vorbehalten“, rechtfertigte sich Seth energisch.
„Ist ja entzückend“, murmelte Maahes vor sich hin. „Ich glaube, dass ihr beide euch mal dringend miteinander beschäftigen solltet.“
„Würde ich ja gerne, aber es gibt zu viel zu tun und ich brauche dafür Zeit und keine Zuschauer und Zuhörer“, hub Sachmet an.
„Eben!“, ergänzte Seth.
„Kann ich mir lebhaft vorstellen, will es aber nicht“, stellte Maahes abschließend fest und drehte sich wieder zu seinen Displays.
Derweil saßen in den Tiefen des Alls mehrere Gestalten zusammen und hielten Kriegsrat. Es waren Loki, Cernunos, Marduk, C’thulu und auch Cerberus, wobei sich letzterer zurückhielt und den stillen Zuhörer mimte.
Marduk, als Anführer der Abtrünnigen, saß am Stirnende des Kartenraumes und runzelte die Stirn. „So, die Systemtreuen sind also auf Tenerra und Genro angekommen“, murmelte er und schlug plötzlich auf den Tisch. „Wie konnte das passieren?“
„Das wissen wir nicht“, antwortete Loki und schmollte.
„Das eingeschnappte Gesicht hilft dir auch nicht“, wies Marduk ihn zurecht. „Ich will Antworten, keine Ausflüchte. Wie sind diese Idioten auf unsere Spur gekommen. Mit Tenerra bin ich ja noch halbwegs einverstanden, aber gerade unsere Forschungsbasis auf Genro. Verdammt nochmal! Mit der Entwicklung eines vollkommen neuartigen Vernichters hätten wir jedes Sternensystem in der Umgebung im Griff gehabt“, polterte er weiter.
„Wir werden unser Bestes tun, um herauszufinden wo der Fehler lag“, beschwichtigte Cernunos.
„Netter Versuch, aber zu spät. Sei es drum, wir geben das Elara-System auf. Zieht alles zurück, legt die Anlage schlafen und schließt die Transfertunnel. Aber wir geben nicht auf, wir werden zu passender Zeit zurückkehren.“
„Jawohl!“, bestätigte Loki die Anweisung.
„Die werden Fehler machen und dann schlagen wir zu. Gehen wir einstweilen ins Berena-System, die dortigen Anlagen gefallen mir eh wesentlich besser. Und wenn wir wieder auftauchen, werden die sich wundern. – Macht alles klar. Wir starten“, befahl Marduk abschließend.
„Ah“, hub Sachmet an, „die Analyse ist fertig.“
„Dann lass mal hören“, forderte Maahes auf.
„Hmmm … die Daten sind sehr merkwürdig. Wenn ich das richtig sehe, dann ist die DNA vollkommen unbekannt. Kein Lebewesen der uns bekannten Spezies weißt diese Struktur auf, inclusive der Daten die wir vom Sachmet-Team auf Tenerra über-mittelt bekamen.“
„Hast du sonst noch etwas?“, murmelte Seth halblaut.
„In der Tat. Es befinden sich Spuren einer organischen Säure im Gestein. Diese ist zwar nicht aktiv, aber die Reste deutlich vorhanden.“
„Daraus werde ich jetzt überhaupt nicht schlau“, wurde der Halbesel lauter.
Maahes saß schweigend da und hatte die Augen geschlossen, überlegte intensiv. „Was ist, wenn da etwas vor langer Zeit eingeschlagen wäre und innerhalb des Mondes explodierte?“
„Dann hätte man es von der Oberfläche aus aber sehen müssen“, stellte Sachmet fest.
„Nicht unbedingt. Nicht, wenn der Mond zu diesem Zeitpunkt noch eine halbwegs aktive Phase hatte. Der Vulkanismus war schon stark abgeschwächt, in Resten vorhanden. Ein fremdes Schiff, um es einfach mal aus der Luft zugreifen, nähert sich, aber es ist, warum auch immer, manövrierunfähig. Es hat direkten Kurs auf den Mond, schlägt wie eine Bombe ein. Es hat jedoch eine so hohe Geschwindigkeit, dass es an dieser Stelle den noch sehr dünnen, festen Boden durchdringt und innerhalb des halberkalteten Magmas explodiert. Der Hohlraum bildet sich und das Magma wird hochgeschleudert, kommt an die Oberfläche, verteilt sich jedoch so gleichmäßig, dass das Plateau entstehen kann. Ferner sitzen wir hier und finden alles so vor, wie es halt ist“, resümierte Maahes.
„Also etwas vollkommen Fremdes“, hub Sachmet an. „Unheimlich.“
„Egal, die Höhle kommt wie gerufen. Wir tragen das fremde Material ab und haben schon mal eine Basis für den weiteren Vortrieb. Ich informiere Osiris und werde vorschlagen, dass wir die Baumaschinen umgehend in die Höhle bringen und anfangen“, verkündete Maahes.
„Das dürfte einen entscheidenden Zeitvorteil bringen“, schloss Seth ab und lehnte sich zurück.
„Ich werde unsere Planung übermitteln“, sagte Maahes und drehte sich zum Intercom.
Während drei Tage später das benötigte Baugerät auf Cyndra in der Tiefe des Kraters verschwunden war und die weiteren Aushubarbeiten begonnen hatten, meldete sich Sachmet 08 an Bord der Kampfinsel Byblos wie gewünscht auf der Krankenstation bei Horus 33.
„Hallo und Willkommen“, flötete der zur Begrüßung. „Wie geht’s dir?“
„Den Umständen entsprechend gut. Den Psychologen kann ich mir sparen. Ich bin ein zähes Vieh.“
„Ich kann dich nicht dazu zwingen, nur den guten Rat geben. Aber lass uns jetzt erst einmal den Ultraschall nutzen und nochmals Blut abnehmen.“
„Ich bin bereit.“
„Hast du irgendwelche Symptome? Also Übelkeit oder Gefühlsschwankungen?“
„Als Klon mit entsprechender Konditionierung?“
„Na ja. Wie ich schon vor Tagen erwähnte, hast du unfreiwillig den Samen einer fremden Art empfangen und ich kann nicht sagen was da jetzt passiert.“
„Ja, ich kann mich daran erinnern. Aber bevor du weiter unkst, solltest du Fakten schaffen.“
„Dann werde ich das jetzt auch tun. Leg dich bitte auf die nächste freie Liege.“
Der Horus-Klon untersuchte die Löwin eingehend und nach einer guten Stunde stand das Ergebnis fest.
„Du bist am Beginn einer Schwangerschaft“, verkündete er trocken.
„Und was jetzt?“, fragte die Klon-Löwin kühl.
„Ich für meinen Teil werde dir die Entscheidung überlassen. Eine Bedrohung für das Schiff und seine Besatzung kann ich im Moment nicht feststellen, daher sage ich nichts weiter. Bericht muss ich dem Administrator trotzdem erstatten, allerdings mit der Empfehlung dich weiter zu untersuchen, zu beobachten, aber keine zwingenden Schritte einzuleiten.“
„Das ist akzeptabel“, reagierte der Sachmet-Klon mechanisch.
„Gut. Ich bin dann fertig.“
„Darf ich dann gehen?“, fragte sie.
„Nur zu. Du bist keine Gefangene.“
„Danke“, erwiderte die Klon-Löwin, stand auf und gab dem Falkenköpfigen einen kurzen Kuss auf den Schnabel. „Bis später.“
„Aber sicher doch“, zwitscherte er hinterher. „Das liegt nur an ihrer Rolligkeit“, murmelte er leise und begab sich wieder in den angeschlossenen Labortrakt.
Osiris nahm Horus 33s Bericht auf, wirkte dabei mehr als ruhig, summte überlegend vor sich hin und lehnte sich schließlich vor. „Es ist deine Entscheidung. Wenn du sagst, dass von ihr oder der Schwangerschaft keine Gefahr ausgeht, dann vertraue ich dir und deinem fachlichen Urteil. Eine Bitte habe ich lediglich … behalte sie im Auge und sobald du sagst, dass es riskant wird, dann leite die nötigen Schritte ein.“
Der Anthro-Falke tippte sich mit einem Finger auf die Schnabelspitze und nickte zustimmend. „Ganz wie ihr wünscht.“
„Ausgezeichnet. Osiris, Ende!“
Auf dem dritten Planeten des Solarsystems, welcher bei den Antermerianern längst auf Tenerra getauft war, später und zu Menschenzeiten, Terra oder einfach nur Erde heißen sollte, begann sich ein dramatischer Umschwung abzuzeichnen. Dieser sollte in Folge mehrere Jahrmillionen in Anspruch nehmen, aber sein Startpunkt war gesetzt.
Der Jaguarkater, welcher triebbedingt sich mit der antermerianischen, anthropomorphen Klon-Löwin vereinigt hatte, trug nunmehr deren Scheidenflüssigkeit und, bedingt durch die spezielle Anatomie im männlichen Genitalbereich eines Katers, auch Blut und somit DNA-Material mit sich herum.
Herumziehend, streifte er geringe Mengen der Sekrete an Gras und Gebüsch ab, blieben diese dort haften, übertrugen sich auf andere Lebewesen, die denselben Pfad nahmen, kam er schließlich um zu Trinken an einen größeren See, nahm ein paar Schlucke und ging ins tiefere Wasser.
Der Kontakt zwischen Wasser und Leopardenkörper gab schließlich den entscheidenden Ausschlag. Die kompletten Flüssigkeiten des Sachmet-Klons wurden abgewaschen, gelangten ungehindert in die Umgebung, wurden verdünnt verteilt und erreichten die normale Nahrungskette.
Die Verunreinigung mit der fremden DNA war vollzogen, sollte nachfolgend die weitere Entwicklung auf dem Planeten beeinflussen und die Evolution später in eine ganz andere Richtung lenken als sie ursprünglich vorgesehen war.
Während auf Tenerra das Unheil unbemerkt seinen Anfang nahm, sollten wenigstens auf Cyndra die Dinge wie geplant laufen.
Die Gerätschaften waren ohne Zwischenfälle in der künstlich geformten Höhle an-gelangt, waren bereits die Teams zur Abtragung der Aufdampfungen vorangekommen und erweiterten sich in Folge dessen die Ausmaße des Hohlraumes auf 100x120x240 Mitrox.
Der anfangs dunkle Abgrund war durch hunderte Strahler taghell erleuchtet und gab es so gut wie keine Schlagschatten.
„Hervorragend“, rief einer der leitenden Sobek-Klone. „Wir beginnen jetzt mit dem ersten Vortrieb in der Waagerechten. Vermesst alles genau und richtet den Tunnel in westlicher Richtung aus. Wir wollen so viel wie möglich unter dem Plateau bleiben. Ich informiere die drei Führungsoffiziere.“
„Alles klar, Chef!“, antworte Sobek 42 und hob einen Daumen nach oben.
Der Angesprochene atmete tief durch, entschloss sich jedoch keine Antwort zu geben und verließ über einen Baulift den Arbeitsbereich.
Ammon wurde durch Osiris stets auf dem Laufenden gehalten, war scheinbar zufrieden mit den Entwicklungen, wirkte auf alle mehr als entspannt und hatte demzufolge fast immer ein Lächeln im Gesicht.
<„Der Vortrieb in Richtung Westen wird laut leitendem Sobek 100 morgen gestartet“>, verkündete Maahes, welcher gerade via Subraum-Intercom mit Osiris verbunden war.
<„Bestens!“>, hub Osiris an. <„Treibt den Stollen etwa eintausend Mitrox vor, mit einer Neigung von 6°, dann schafft wieder eine Grotte. Abmessungen diesmal 100x500x600 Mitrox. Wenn ihr damit fertig seid, dann meldet euch wieder.“>
<„Verstanden! Der Bauleiter wird noch heute Kraftfeldresonatoren am Kraterrand installieren lassen. Dann werden wir wenigstens die hinderlichen Schutzanzüge und Helme los.“>
<„Noch besser“>, intonierte Osiris zufrieden und beendete die Verbindung.
Zum xten-Mal überflog die Sachmet-Staffel den zweitgrößten Kontinent des Planeten Genro und setzte schließlich zur Landung an.
„Alles ausschwärmen und absichern“, befahl die Staffelführerin Sachmet 56.
„Aye!“, bestätigte Sachmet 319, sah zu den anderen Anthro-Löwinnen und schwenkte mit dem erhobenen Zeigefinger herum.
Sofort verteilten sich alle, rannten vornübergebeugt in die verschiedensten Richtung, gingen mit den Waffen im Anschlag in die Hocke, sondierten das Gelände.
„Nichts zu sehen“, hub Sachmet 176 an und richtete ihr leicht verschobenes Headset.
„Auch wenn nichts zu sehen ist, heißt es nicht, dass es nicht da ist“, knurrte die führende Klon-Löwin barsch.
„Das ist mir klar“, kam die leicht erboste Antwort. „Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass es im Moment keinerlei Bewegungen gibt.“
„Schön“, erwiderte Sachmet 176 und grollte dabei drohend.
„Na ihr beiden. Streitet ihr euch wieder?“, mischte sich Sachmet 49 ein.
„Nein. Nicht doch. Wie kommst du darauf?“, zischten die beiden Erwähnten fast zeitgleich.
„Nicht zu glauben. Unter diesen Umständen ist es so gut wie unmöglich ordentlich zu arbeiten“, brüllte eine andere Klon-Löwin ins Mikro.
„Ja, da gebe ich dir recht“, seufzte die Staffelleit-Löwin schließlich und gab das Zeichen weiter vorzurücken.
„Wird ja auch Zeit“, flüsterte Sachmet 176 in sich hinein und hätte damit fast den nächsten Streit ausgelöst, wenn die anderen Löwinnen es nicht einfach ignoriert hätten.
Lediglich Sachmet 401 konnte es sich nicht nehmen lassen und wollte unbedingt das letzte Wort haben. „Mädel, irgendwann wird dir jemand das Maul stopfen.“
„Das Maul? Zwischen meinen Schenkeln was reingestopft zu bekommen wäre mir tausend Mal lieber“, kam Sachmet 176 unverblümte Reaktion.
„Auch das noch“, stöhnte die Wortführerin auf. „Was soll’s, in jeder Staffel gibt es ein versautes Luder.“
„Du bist doch nur neidisch.“
„Auf was?“
„Das verrate ich nicht, aber wir können uns gerne mal treffen, dann zeige ich es dir“, forderte Sachmet 176 frivol auf.
„Das fehlte mir noch.“
„Siehst du, also fehlt es dir, genauso wie mir. Damit haben wir beide doch schon mal einen Ansatz für eine gemeinsame Nacht.“
„So war das nicht gemeint“, schrie Sachmet 401 entnervt.
„Schnauze jetzt, verdammt nochmal“, ging die Staffelführerin dazwischen. „Du“, wandte sie sich an Sachmet 401, „bist jetzt ruhig und hältst nicht immer dagegen. Und Du“, wandte sie sich schließlich an den 176er Klon, „bist nicht so ein frivoles Aas. Schön für dich, wenn du dauergeil bist, aber es interessiert keinen.“
„Scheinbar doch“, schob diese nach.
„Wisst ihr was?“, versuchte die Staffelführerin die Situation zu klären, „Ihr beide sucht euch, wenn wir hier fertig sind, ein stilles Plätzchen und vögelt euch das Hirn weg. Wie ihr das anstellt ist mir egal, Hauptsache ihr beruhigt euch wieder. Wir sind im Kampfeinsatz und ihr denkt nur daran, wie feucht ihr untenherum seid.“
„Wenn es halt schön macht?“, fragte Sachmet 49 dazwischen.
„Ne. Das glaube ich jetzt nicht. Fängst du auch an?“, schrie die Leit-Löwin vollkommen entnervt.
„War nicht mei …“, begann sie mit ihrer Antwort, kam aber nicht weiter.
Die Löwinnen vernahmen ein kurzes fauchendes Geräusch, sahen kurzzeitig eine schillernde Bewegung aus den Augenwinkeln und hörten dann nur noch ein kehliges Gurgeln. Anschließend war der Spuk schon vorbei.
„Was war das?“, fragte Sachmet 176 irritiert und sah sich um.
„Ich habe keine Ahnung“, flüsterte die vorherige Streitpartnerin gepresst und ging einen Schritt seitwärts, schwenkte mit ihrer Waffe herum.
Es war nichts mehr zu hören und nichts zu sehen, wenn man von sich leicht bewegenden Grashalmen absah und dem dumpfen Säuseln des Windes.
„Wenn ihr soweit seid, dann gehen wir weiter“, befahl die Anführerin.
Plötzlich schrie Sachmet 129 auf.
Sie stand zu diesem Zeitpunkt direkt neben Sachmet 49, wollte weitergehen und stieß diese etwas unsanft an.
Statt, dass die angestoßene Klon-Löwin die Bewegung mitmachte, kippte der Körper ohne weitere Bewegung um, ging wie ein Stein zu Boden. Allerdings schlug er eher auf als der Kopf, welcher der Fallrichtung wenige Augenblicke später folgte und abgetrennt vom Rumpf zwischen den Füßen der Löwin zu liegen kam.
Jetzt war es vorbei mit wilden Diskussionen und Streitereien. In die Löwinnen kam hektische Bewegung, jede schrie nur noch, warf sich auf den Boden und visierte einen unsichtbaren Feind an.
„SCHEIßE!“, schrie Sachmet 129 panisch.
„Das gibt es nicht. Was verbirgt sich hier, dass es auf eine solche Waffe zurück-greift?“, fragte Sachmet 176.
„Das sieht verdammt nach den Abtrünnigen aus“, intonierte Sachmet 401.
„Was ist, wenn wir uns einfach zurückziehen?“
„Dann ist es immer noch vorhanden und die Frage ist, ob es uns verfolgt oder nur lokal operiert.“
„Probieren wir es aus. Lasst uns doch einfach hundert Mitrox abrücken und dann sehen was passiert“, forderte Sachmet 305 die anderen auf.
„Ich halte das für keine gute Idee. Was ist, wenn es nicht so ist?“, gab die Leit-Löwin zu bedenken.
„Was schlägst du denn vor? Hier auf ewig liegen zu bleiben?“
„Hmmm … okay. Drehen und kriechender Weise auf Abstand zur jetzigen Position gehen.“
„Aye!“, kam die Bestätigung.
Geschätzte einhundert Mitrox entfernt von der vorherigen Position erhoben sich die Anthro-Klone langsam und verharrten mehrere Minuten.
Nichts geschah.
„Wie es scheint hat 305 recht. Was immer es ist, mag eine Art Verteidigung sein und dient nicht dem Angriff. Wir müssen eine Sicherheitszone einrichten. Informiert die Fähren auf Cyndra damit es Maahes und Osiris wissen. Die sollen sich etwas einfallen lassen“, ordnete die Führerin an.
„Aye! Ich gebe es durch“, bestätigte Sachmet 305.
Während die Löwinnen der Staffel zu ihren Gleitern zurückkehrten, berieten Osiris, Maahes und am Ende auch Ammon miteinander, wie auf Genros zweitem Kontinent weiter zu verfahren wäre.
Der Entschluss stand nach zäher Diskussion fest. Der Kontinent sollte zur Sperrzone erklärt werden, bis Näheres bekannt würde.
Diese Entscheidung wurde von Osiris an Maahes und vom Anthro-Löwen der Sachmet-Staffelführerin übermittelt.
Schlechte Laune machte sich, ob des Verlustes eines Löwen-Klons zwar breit, aber Aufatmen, ob der Weisung, sich sofort aus der Gefahrenzone zurückzuziehen und dieses Gebiet auf keinen Fall mehr zu betreten.
Auf Cyndra gingen die Vortriebarbeiten zögerlich voran. Der Basalt schien härter zu sein als gedacht und ließ sich nur schwer aufbrechen.
„Wie wäre es mit kleineren Sprengladungen?“, fragte Sobek 68 an Sachmet gewandt.
„Gute Idee. Das Problem ist nur, das wir nicht wissen wie stabil die Decke ist und ob uns dann das ganze Plateau hinterher kommt.“
„Was schlägst du dann vor?“, hakte er nach.
„Einfach weitermachen. Es dauert halt länger, aber wir haben es nicht so extrem eilig. Immerhin hat sich ja die erste Höhle quasi von allein erbaut.“
„Stimmt auch wieder“, gab der Sobek-Klon zu und zuckte mit den Schultern.
„Wie weit sind wir vorgedrungen?“, fragte Sachmet.
„Vor zehn Myton waren es 50 Mitrox. Wenn es so weitergeht, dann dürften wir in drei Monaten fast durch sein.“
„Hmmm …“, seufzte die Löwin, „das ist wirklich langsam, aber das Risiko ist hoch, wenn die Sprengladungen nicht zu 100 Prozent korrekt gesetzt werden. Da reicht vielleicht schon eine Abweichung von nur wenigen Zentimitrox und alles ist aus.“
„Dann müssen wir halt extrem präzise arbeiten und mit sehr geringen Ladungen sprengen.“
„Okay. Ich kläre das mit Seth und Maahes ab. Bis dahin bohrt einfach weiter.“
„Gut.“
Als Sachmet den Vorschlag des Echsenköpfigen vorbrachte, versteinerte der Löwenkater zunächst, kratzte sich dann langsam unter dem Kinn und verzog schließlich das Gesicht, machte mit dem Unterkiefer mahlende Bewegungen.
„Okay. Die Entscheidung treffe ich jetzt ohne Rücksprache mit Osiris. Die Schuppigen sollen wirklich nur minimalste Sprengladungen legen und gestaffelt zünden. Angefangen von unten, nicht von oben. Vielleicht reichen die sohlennahen Ladungen aus, um das obere Basaltgestein zum Einsturz zu bringen, ohne die natürlich gewachsene Decke in Mitleidenschaft zu ziehen.“
„Einverstanden“, entgegnete Sachmet. „Ich werde es dem Bauteamleiter sagen und beaufsichtigen.“
„Gut. Seth, du gehst mit. Wenn was sein sollte, dann ruft mich.“
„Das mache ich doch gerne“, flötete der Halbesel und grinste die Löwin frech an.
„Das war ja wieder klar“, seufzte Sachmet, schnappte sich Seth und zog ihn mit sich.
Nachdem beide mit dem Baulift am Boden der Höhle angekommen waren, näherte sich auch schon der Bauleiter. „Und was konntet ihr erreichen?“
„Maahes ist einverstanden und nimmt alles auf seine Kappe. Aber, die Sprengladungen müssen präzise gesetzt und nur unten gezündet werden. Nicht oben sprengen. Mit etwas Glück rutscht das Gestein nach und die Decke zum Plateau hin bleibt stabil. Falls dann noch etwas übrig bleibt, sollte es problemfreier abgetragen werden können.“
„Damit bin ich einverstanden. Wir setzen die Ladungen“, gab der Leiter noch von sich und verschwand.
„Und was machen wir jetzt?“, fragte Seth an die Löwin gewandt.
„Wir bleiben hier stehen und beobachten das Geschehen. Genauso wie es Maahes will.“
Der Halbesel seufzte und betrachtete seine Partnerin von der Seite her, überstrich mit seinen Augen ihren sehr weiblichen Körper.
„Ich spüre deutlich deinen Blick auf meinen Rundungen. Komm jetzt bloß nicht auf die Idee den Lärm hier unten auszunutzen“, knurrte Sachmet eher halbherzig.
„Und was wenn doch?“
„Dann finde du bei der Helligkeit hier unten erstmal eine passende dunkle Ecke, in welcher wir definitiv ungestört sind. Viel Spaß beim Suchen.“
„Ich bin da sehr erfinderisch“, gab Seth zu bedenken.
„Ja, leider und nicht nur darin. Außerdem werden wir bei der Sprengung wieder unsere Anzüge anhaben, falls wider Erwarten doch die Decke einstürzen sollte.“
„Dann sollte ich mich beeilen“, flüsterte Seth in ihr linkes Ohr und zog los.
‚Geht der Kerl doch echt los und sucht. Man, muss der es nötig haben‘, dachte Sachmet noch und schaute ihm erfolgheischend hinterher.
In der Zwischenzeit erscholl das durchdringende Hämmern der Gesteinsbohrer, welche die Löcher für die Sprengladungen in das poröse Gestein trieben.
Sachmet ging näher heran und verschränkte die Arme, beobachtete genau wie die Sobek-Klone exakt ausmaßen, nochmals nachprüften und schließlich die Maschinen ansetzten. So entstand ein Loch nach dem anderen.
Die Löwin schaute zu, wie der Bohrer sich langsam in den Felsen grub und die Arbeiter diesen schließlich herauszogen und sorgsam die Stäbe in die Öffnungen schoben. Der eigentlich ganz normale Arbeitsvorgang bekam für sie, ob des Umstandes, dass der Hengst nach einem Platz für ein kurzes Schäferstündchen suchte, eine recht zweideutige Bedeutung.
Plötzlich packte sie jemand am rechten Oberarm, zog sie zu sich und hinter sich her. Verschwand sie mit Seth hinter einem Stapel Kisten, waren beide vor neugierigen Blicken geschützt.
Eilig und begierig auf den Körper des Partners, rissen sie sich förmlich die Kleidung herunter, hob Seth die Löwin an, packte sie an den Lenden, drückte sie fest an den Kistenstapel und sah ihr tief in die Augen.
Die Augen der Löwin verrieten nur eines und dem kam der Halbeselhengst bereitwillig nach.
Als er gepresst aufstöhnend hart in sie eindrang, hörte man ihren gierigen Aufschrei nicht, da zeitgleich die Gesteinsbohrer liefen.
Als er begann sich in ihr zu bewegen, sorgte ihre Kussorgie dafür, dass sie nicht zu laut dabei wurden, verklang das Kreischen der Gesteinsbohrer.
Im Taumel der Lustbefriedigung vergaßen Sachmet und Seth völlig ihre Umgebung, merkten nicht, wie es in der Grotte still wurde. Entging es ihnen wie die Sobek-Klone die Anzüge und Helme anlegten und sich für die Sprengung vorbereiteten.
Nur auf sich fixiert und das langsame Aufsteigen des nahenden Höhepunktes spürend, verkrallten sich Hengst und Löwin fest ineinander, lösten den innigen Kuss und verbissen sich in ihren Schultern, wollten den Akt durch leichten Schmerz versüßen.
Als Seth es nicht mehr zurückhalten konnte, löste er den Biss, fletschte die Zähne, entblößte er sein Gebiss, welches halb Esel, jedoch mit langen wolfsartigen Fangzähnen war, und brüllte seine Erlösung heraus. Angespornt dadurch kam Sachmet nur wenige Sekunden später, schrie sie gemeinsam mit ihm den Namen der Wollust heraus.
Die Arbeiter konnten die beiden glücklicherweise nicht hören. Im Moment der sexuellen Explosion beider Seelen, zündeten die Sprengsätze, übertönten ihr Treiben.
Es wäre auch dabei geblieben, wenn nicht … ja …, wenn nicht die Druckwelle die in kurzer Entfernung stehenden Kisten ergriffen und die obersten zwei Reihen ins Rutschen und zum Absturz gebracht hätte.
Seth merkte als erster, dass sie in einer peinlichen Situation waren, duckte sich hinter die verbliebene Deckung, zog seine Partnerin mit sich zu Boden.
Sanft, aber bestimmt, legte er ihr den linken Zeigefinger auf den Mund. „Psst. Keinen Ton. Die Klone haben bereits gesprengt und unsere Deckung hat sich zerlegt. Wir müssen es irgendwie schaffen unsere Anzüge anzuziehen, ohne dabei aufzufallen. Wenn wir Glück haben, hat keiner unsere Abwesenheit bemerkt.“
„Du schaffst es immer wieder mich rumzukriegen und ich frage mich gerade, warum ich mich überhaupt sträube“, flüsterte Sachmet.
„Die gleiche Frage stelle ich mir auch immer wieder. Und es war wieder einmal sehr heiß.“
„Ich vermag es nicht, dir zu widersprechen.“
„Gut für mich.“
„Und für mich.“ Sie tastete an ihrem Halbesel vorbei, erreichte einer der Anzüge und zog ihn zu sich heran, befühlte ihn kurz und drückte diesen gegen Seth. „Zieh dich an und reich mir den anderen.“
Die Sobek-Klone betrachteten ausgiebig ihr Werk und waren zufrieden.
„Saubere Arbeit, Jungs“, verkündete der aktuelle Bauleiter, Sobek 157. „Nicht ein Krümelchen zu viel. Kontrolliert zur Sicherheit die Decke auf Risse. Maahes hatte recht mit der Ansage, dass wir oben nicht sprengen sollen. Der Basalt ist in der Tat nachgerutscht.“
„Wir machen uns an die Untersuchung“, rief einer der Klone in der Nähe und winkte vier weitere zu sich heran, deutete auf den Ort der Sprengung.
„Apropos Maahes … Wo sind eigentlich Sachmet und Seth?“, fragte der leitendende Klon in den Raum und suchte die Umgebung ab, wurde jedoch nicht fündig. „HEY!“, schrie er, „Hat jemand von euch den Esel und die Löwin gesehen?“
Statt einer Antwort kam zunächst nur Schulterzucken und schließlich deutete einer der Klone hinter ihn.
Sobek 157 drehte sich um und erblickte die beiden Helden der Lust.
Etwas derangiert, mit einem leicht wirren Blick und glänzenden Augen sowie schwerer Atmung kamen sie hinter den Kisten hervor, taten so, als ob sie Schutz gesucht und sich in der Sprengkraft verschätzt hätten.
So war der Plan der beiden.
Der Bauleiter brauchte allerdings nur wenige Sekunden und einen guten Blick, um zu begreifen was wirklich passiert war, denn der Aufzug von Löwin und Hengst war vorsichtig gesagt nicht ganz korrekt.
Nachdem die Sprengung erfolgt war und sich im Zuge der Explosionen Seth in seiner Geliebten fast genauso heftig entladen hatte, zogen sie ohne Kontrolle und in Windeseile die Anzüge an, kamen hinter den Kisten hervor und näherten sich gespielt arglos dem Ort des Geschehens.
Was die Opfer ihrer Leidenschaft jedoch nicht merkten war, dass sie jeweils den Schutzanzug des anderen an hatten.
So stand Seth da, hatte plötzlich obenherum, wenn auch nur andeutungsweise, eine üppige Oberweite, während unten herum einige Teile eingezwängt ihren Raum forderten und Sachmet ihrerseits platt war wie ein Waschbrett, aber auch dort die weibliche Anatomie Platz erzwang und im Bereich der Taille etwas sein sollte, was bei ihr logischerweise nicht da war.
Sobek 157 schaute die beiden nur nachdenklich an, ließ sich so gut es ging nichts anmerken. „Sprengung erfolgreich“, hub er an. „Wir untersuchen gerade die Decke auf Risse. Es war übrigens eine gute Idee in Deckung zu gehen. Die Druckwelle war bei der Nähe doch etwas intensiver wie gedacht.“
Sachmet lächelte nur und deutete auf Seth. „Es war seine Idee.“
Der Halbesel kratzte sich verlegen an den Nüstern und errötete leicht.
„Egal wer die Idee hatte, sie war für euch definitiv gut“, entgegnete der Klon noch und drehte sich um, verließ die beiden.
So standen Halbesel und die Löwin nebeneinander, seitlich in der Grotte, sahen den Klonen bei der weiteren Arbeit zu und unterhielten sich, ohne sich anzusehen.
„Wie hat er denn das gemeint?“, fragte Seth an die Löwin gewandt, starrte dabei schnurstracks geradeaus.
„Ich habe das Gefühl, dass mein Anzug etwas kneift. Du nicht auch?“, fragte Sachmet themenübergreifend.
Er sah unauffällig an ihr herab und dann an sich. „Tja, er weiß garantiert, dass es hinter den Kisten gut für uns war.“
„Ja …“, seufzte Sachmet verlegen. „Beim nächsten Mal sollten wir danach den richtigen Anzug nehmen.“
„Aber die Sprengungen waren toll. Hat super geknallt“, sagte Seth.
„Ich habe es deutlich gespürt, brauchst es also nicht noch zu bestätigen“, knurrte die Löwin.
„Ich gab mein Bestes.“
„Das ist noch steigerungsfähig.“
„Gerne doch, sag wann und wo“, schnaubte der Halbesel auffordernd.
„Nicht jetzt und in diesem Moment.“
„Warum? Wir müssen die Anzüge eh noch tauschen.“
„Ich weiß, ich weiß. Aber warte noch etwas. Lass uns erstmal zu Atem kommen.“
„Ich hätte schon wieder Lust dazu.“
„Du bist wirklich schlimmer wie ein Kater. Was habe ich mir nur dabei gedacht?“
„Du bist hin und weg und einfach ein Energiebündel“, bestätigte Seth.
„Irgendwann laufe ich nur noch breitbeinig.“
„Das glaube ich nicht.“
„Oh doch.“
„Dann lass es uns doch ausprobieren.“
„Jetzt?“, fragte Sachmet halblaut.
„Na klar. Die Klone sind alle beschäftigt. Sieh nur, die Decke scheint keine Risse zu haben. Genau der richtige Zeitpunkt sich einen anderen Platz zu suchen“, sagte Seth und sah jetzt zu ihr rüber.
„Und wo, wenn du schon keine Ruhe gibst?“
„In einer der ANC-Kisten? Die sind nach der Sprengung teilweise leer“, deutete der Hengst an.
„Du überraschst mich immer wieder. Warum nicht gleich im Baulift?“
„Nein, da ist es mir zu zugig.“
„Oh. Du hast wohl Angst, dass du dir das Ding verkühlen könntest.“
„In dir bestimmt nicht, dafür bist du viel zu hitzig.“
„Wo sind die Kisten?“
„Da wo wir eh schon waren. Eine davon ist runtergefallen und schon offen. Genau der richtige Ort um die Anzüge zu tauschen.
„Und Körpersäfte“, ergänzte Sachmet.
„Dann verschwinden wir jetzt unauffällig. Vorsichtiger Rückzug, jetzt“, ordnete der Anthro-Halbesel an und zog die Löwin langsam mit sich.
Neun Minuten später verdrehte der Bauleiter entnervt die Augen. Hatte er innerhalb der Baustelle aus größerer Entfernung zwei laute Schreie vernommen, wusste, dass keine Notsituation bestand und ließ die Arbeiten fortführen.
Wenige Augenblicke später standen zwei Gestalten neben ihm. „Und wie läuft es?“, fragte Seth beiläufig.
„Alles läuft nach Plan. Und wie es scheint bei euch beiden auch und es ist vor allem schön, dass ihr diesmal die passenden Anzüge gefunden habt“, kam die knappe Antwort.
„Ja, wir hatten da ein Problem mit der Auswahl der Größen“, erklärte Sachmet.
„Das habe ich gesehen, sehr deutlich sogar.“
„Hmmm… wir reden wohl nicht mehr darüber“, seufzte Seth.
„Eine gute Idee. Das bringt nachher nur noch meine Arbeiter durcheinander und eine notgeile Phantasie ist meist ein Produktivitätskiller“, schloss der Sobek-Klon die Unterhaltung ab.
„Weiß es außer dir sonst noch jemand?“
„Nein und dabei bleibt es auch und jetzt hört auf damit.“
„Na gut“, murmelte Sachmet und starrte auf den lockeren Basalt, welcher an einigen Stellen nachrutschte.
„Wieviel Gestein hat sich gelöst?“, schwenkte Seth das Thema.
„Etwa zehn Tonnen durch die Sprengung. Drei weitere Tonnen sind nachgerutscht. Wie weit wir jetzt weiter vordringen wird sich zeigen.“
„Sehr gut. Die Decke ist stabil?“
„So stabil, dass wir uns keine Sorgen machen müssen um die darüber liegenden zweihundert Mitrox Fels. Wir werden trotzdem Spreizringe aus Duranit einziehen, denn sicher ist sicher.“
„Ausgezeichnet!“, schloss Sachmet ab und schaute bei den Arbeiten zu.
Schweres Arbeitsgerät rollte unentwegt heran, luden Schaufellader hunderte Kilogramm an losem Geröll auf und schafften es ans andere Ende der Grotte, schütteten es auf ein Band, welches seinerseits im Minutentakt Förderkörbe befüllte.
Mit dem überschüssigen Material befrachtet, durchstießen sie das Kraftfeld, welches die atembare Atmosphäre innerhalb der Grotte hielt, kamen diese an der Oberfläche an, wurden von Antigrav-Liftern gepackt und zur Basis eines nahegelegenen Ringwalls geflogen, entleert und wieder zurückgeschafft.
Nach und nach erhielt der Genro-Mond Cyndra eine partiell neue Oberflächenstruktur, ließen sich die Arbeiten der Antermerianer fortschreitend auch aus größerer Entfernung wahrnehmen.
An Bord der Byblos vergingen die Wochen, ebenso wie auf Tenerra und Antermerius. Allerdings machte das Fortschreiten der Zeit auch vor dem weit entfernt liegenden Planeten Festrid kein Halt.
Das zuvor vernichtete Schiff, war ein früher Prototyp und sollte ursprünglich die Annahme bestätigen, dass man Raum und Zeit entkoppeln kann und somit eine Geschwindigkeit weit jenseits der Lichtgeschwindigkeit, welche ihrerseits das Maximum darstellte, erreichen kann. Dass es sich um einen Berechnungsfehler der Cherit, wie sich die Bewohner des Planeten nannten, handelte, wussten diese zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Ferner hatten die Cherit, wie die Antermerianer während des Eintreffens des Testschiffes richtig erkannt hatten, einen Subraum kreiert und diesen lediglich nicht richtig erkannt.
Das kommt davon, wenn man falsche Berechnungen anstellt, diese für das Non plus Ultra hält, das Ziel erreicht, aber den korrekten Weg nicht erkennt.
Auf jeden Fall tauchte, wie zuvor beschrieben, eben jenes festridische Schiff auf, platzte in die Kampfhandlungen zwischen Abtrünnigen und Antermerianern, wurde zerstört und rettete durch den unfreiwillig heroischen Akt, der einen Seite den berühmten Hintern und ließ der anderen Seite nur den Rückzug zur Wahl.
Auf Festrid wurde der Verlust registriert, diskutierte man wochenlang und gelangte zum Entschluss, dass es besser wäre das Elara-System einstweilen zu meiden, jedoch mit der Option es zu einem späteren Zeitpunkt und mit verbesserter Technologie nochmals zu versuchen. Die Bestätigung der angeblichen Richtigkeit der Theorie über Überlichtgeschwindigkeitsreisen war erbracht und damit der Testflug kein Komplettverlust. Außerdem hatten die letzten Sensorendaten der Quantaros ergeben, dass der vierte Planet im Elara-System Leben trug und es interessant wäre dieses näher zu untersuchen.