Kapitel 7
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Kapitel 7
Fortschritte
im Jahr 2022
Nachdem Parker in Flagstaff den Militärjeep verlassen, die Maschine zurück nach Washington genommen, diese ebenfalls hinter sich gelassen hatte, betrat er wenige Stunden nach den Vorfällen und Gesprächen in der Grand Canyon Forschungsanlage das CIA-Zentralgebäude und begab sich direkt zum Büro des Chefs.
Er stand kurz vor der Tür, atmete tief durch und klopfte an.
„Herein!“, schallte es von innen.
Langsam öffnete er die Tür und erstarrte in der Bewegung. In Lawrence' Büro saßen mehrere Personen, von denen ihm zwei sehr eindrücklich bekannt waren.
„Ah, Mister Parker!“, hub Lawrence an. „Kommen sie herein, setzen sie sich und berichten sie. Die Anwesenden brauche ich ihnen ja nicht großartig vorzustellen. Präsident Graham ist uns vom Weißen Haus her, direkt zugeschaltet.“
Der Leiter der Informationsabteilung trat wie ihm gehießen ein, umrundete den Tisch und blieb zunächst stehen. „Mister Lawrence“, begann er kurz die Begrüßung der schon anwesenden Personen und verbeugte sich angemessen. Anschließend nickte er kurz zu FBI-Chef Flint, dann zu einer ihm relativ unbekannten männlich Person.
„Nun setzen sie sich schon hin“, forderte Lawrence etwas nachdrücklicher, „Mister Flint hat nicht ewig Zeit und seine Exzellenz Mister Krondal kennen sie ab jetzt auch“, fügte der CIA-Chef direkt an und stellte damit die Graue Eminenz ohne Umschweife und Zusätze vor.
„Sieh an“, entfuhr es Parker, „der große Unbekannte persönlich. Was verschafft uns denn die Ehre?“
„Wohl an!“, begann Lawrence die Runde endgültig zu eröffnen. „Mister Krondal hat sich die Mühe gemacht und uns aufgesucht, weil er Antworten will und nicht nur brodelnde Gerüchte und Halbwahrheiten. Ich hoffe, dass sie uns etwas zu berichten haben.“
„Sehr wohl Sir! Das habe ich in der Tat.“
„Dann los. Bericht!“, befahl Lawrence.
„Nun, ich war, wie sie mir auftrugen, im nördlichen Grand Canyon und in der dort liegenden Forschungseinrichtung.“
„Ja. Soweit sind wir informiert“, knurrte Krondal.
„Die Anlage braucht Gelder. Dringend! Das 4D-Hologramm, welches die in den Fels gehauene Anlage vor unbefugten Blicken schützt, ist in bestem Zustand.
Die Anlage selbst ist einsatzfähig, braucht aber hier und da Modernisierungen. Vor allem im Bereich der Computerausrüstung ist die Einrichtung in den Achtzigern stecken geblieben. Vollkommen veraltet.“
„Gibt es Projekte die gerade aktuell sind?“, fragte Krondal dazwischen.
„Ja. Besser gesagt, es gab sie.“
„Beschreiben sie!“, forderte Lawrence.
„Es gab drei Projekte“, fuhr Parker fort und zog einen Notizblock aus seiner Aktentasche. „Es handelte sich um die Projekte 35B, 47A und 36C. Alle sind seit heute ausgelöscht.“
„Was? Wieso?“, fragte Krondal.
„Laut Aussagen von Professor Walner, dem leitenden Wissenschaftler der Anlage, waren die Experimente anfangs gut verlaufen, die anthropomorphen Tierkörper voll einsatzfähig und die Implantierung der Hirnscans erfolgreich. Allerdings begann die Katastrophe wohl als man anfing die natürlichen Körper mit biomechanischen Elementen zu ergänzen oder sogar ganze Teile derer zu ersetzen.“
„Wessen Scans wurden verwendet? Was wurde alles ersetzt? Inwiefern äußerte sich die von ihnen angesprochene Katastrophe?“, fragte Krondal unwirsch, da er sich uninformiert fühlte, was ihm nicht schmeckte.
„Nun, ich war selbst Zeuge derer. Die Scans stammten, laut Aussage Professor Walners, von Frank Brenner, Gregor Fletcher und Leila Johnson. Ersetzt beziehungsweise implantiert wurden Titanplatten im Bereich des Brustkorbes und bei einem der Projekte die kompletten Extremitäten.“
„Wollen sie uns damit sagen“, hub Krondal zornig an, „das diese Verrückten tatsächlich die Scans von Brenner und Fletcher benutzt haben?“
„In der Tat. Auch ich war etwas sprachlos.“
„So etwas dummes, die sollte ich feuern“, warf Präsident Graham in den Raum. Allerdings mehr um überhaupt etwas von sich zu geben, weniger um kundzutun, dass er in der Kürze so gut wie nichts verstanden hatte.
„Präsident Graham, bitte nicht so vorschnell. Alles hat seinen Sinn und seinen Zweck“, sagte Krondal in einem sehr ruhigen Ton. „Außerdem sollten sie bitte nicht die gleichen Fehler machen wie ihr erst kürzlich aus dem Amt geschiedener Vorgänger. Der war irgendwann auch zu schnell mit dem Entlassen und wurde am Ende selbst gegangen.“
„Der hatte auch genug Fehler gemacht, allein schon in der Außenpolitik und ich glaube kaum, dass er in der Lage gewesen wäre die Erde vor einer Alieninvasion zu schützen. Wahrscheinlich glaubte er sogar noch, dass unser Planet eine Scheibe ist“, schoss Graham in Krondals Richtung.
„Wie dem auch sei“, ging Lawrence dazwischen. „Mister Parker, fahren sie fort.“
„Sehr gern! Es handelte sich bei den Projekten um einen Anthro-Löwen, eine ebensolche Löwin und einen Wolf. Wobei Brenner der Löwe, Johnson das weibliche Gegenstück und Fletcher der Canide war. Vor Ort machte ich mir ein Bild vom Zustand der Spezimen und musste erleben, wie sich der Löwe das Leben nahm, auf den näheren Umstand möchte ich nicht eingehen, der Wolf sich versuchte die Titanplatten aus der Brust zu reißen und die Löwin Johnson zuerst apathisch, dann, nach dem Tod des männlichen Pendants, laut lachend in ihrem Kubus saß.“
„Irre geworden. So wie es sich anhört, sind die einfach Irre geworden“, murmelte Graham.
„Genau so ist es“, entgegnete Parker. „Anschließend wurden die Projekte mit Nervengas abgetötet.“
„Also ist es bisher ein Totalausfall“, seufzte Lawrence.
„Ja“, bestätigte Parker, „aber mit den entsprechenden Mitteln würden brauch-bare Ergebnisse in naher Zukunft zu verzeichnen sein.“
„Wie nah, ist nah?“, fragte Krondal.
„Wenn man die Hard- und Software ohne auf finanzielle Mittel streng achten zu müssen neu aufbaut, dann würde ich mit einem ersten Ergebnis in circa fünf bis zehn Jahren rechnen“, antwortete Parker.
Krondal wurde etwas blass um die Nase. „So wie ich es sehe, werde ich wohl von meinen Milliarden nicht mehr viel übrig behalten. Sie alle wissen gar nicht was ich unserem Planeten Gutes tue ... Okay. Sie sollen die Mittel bekommen, machen sie eine Kostenaufstellung und zusätzlich“, er drehte sich bei seinen letzteren Worten in Richtung des Monitors, welcher Graham zeigte, „verlange ich, dass sie alle, besonders sie, alle Anstrengungen unternehmen um mein Schiff zu bemannen und auf den Weg zum Elara-System zu bringen. Die Zeit drängt.“
Graham schaute missmutig drein, da er es nicht mochte Befehle zu empfangen, nickte aber schließlich etwas und musste akzeptieren, dass Krondal die Mittel und die Macht hatte, alle Fäden zu kontrollieren.
„Na schön“, hub Lawrence an, „wir sollten uns an die Arbeit machen. Wenn sie gehen, dann möchte ich sie bitten das Gebäude getrennt zu verlassen und nicht unbedingt gleichzeitig. Wenn man uns zusammen sieht, dann brodelt die Gerüchteküche noch höher und das Letzte was wir brauchen ist ein Gemenge aus waghalsigen Pressevermutungen.
„Eine sehr gute Idee“, ging Krondal dazwischen, „aber da habe ich noch etwas anzumerken.“
Die Anwesenden schauten die Graue Eminenz fragend an und blieben einstweilen sitzen.
„Wir sind ganz Ohr“, intonierte Flint.
„Mister Lawrence. Sie hatten doch eine Idee bezüglich der Hirnscans“, warf Krondal in den Raum.
„In der Tat und da benötige ich die Hilfe des FBI“, hub Lawrence an.
„Inwiefern?“ Flint horchte auf.
„Immer mit der Ruhe“, murmelte Krondal sanft und fuhr lauter fort: „Wie wäre es, wenn Mister Lawrence zunächst eine zusätzliche Verbindung mit Mister Burnett und Professor Walner herstellen würde. Ich bin gespannt was er zu einigen Gedanken vorbringt und was er zu tun gedenkt, wenn es an dem wäre.“
Lawrence zog zunächst die Stirn in Falten, nickte aber schließlich und stellte weitere gesicherte Verbindung via Skype her.
„Hallo“, grüßte Burnett vom Computerbildschirm her und versuchte zu lächeln. „Was gibt es dringendes, dass du mich persönlich kontaktierst? Aber, lass mich raten, dein Informationsleiter Parker ist bei dir und du hast noch Fragen?“
„Sei gegrüßt und ja, du hast den richtigen Riecher. Wenn auch einige andere Personen noch Fragen an dich beziehungsweise Professor Walner haben“, entgegnete Lawrence.
„Dann lasst mal hören. Wer interessiert sich denn so alles für unsere Arbeit?“
„Nun, da hätten wir unseren Präsidenten Mister Graham, der freundlicherweise zugeschaltet ist und den persönlich anwesenden Mister Krondal.“
„Oh! Eine ausgesuchte Runde. Wenn ich das gewusst hätte, dann wäre ich vorher in meine Galauniform gesprungen.“
Graham fand die laszive Art und Weise der Unterhaltung mehr als despektierlich und wollte gerade einschreiten, als Krondal seine Stimme erhob: „Guten Tag, Mister Burnett! Mein Name ist Krondal und ich hörte von ihren Fehlschlägen. Aber wie wäre es, wenn sich Professor Walner zu ihnen gesellen könnte.
Ich hätte einiges im Angebot und wollte die Nachfrage prüfen und Mister Lawrence hätte da auch noch etwas mitzuteilen. Vielleicht finden wir einen gemeinsamen Nenner und kommen zum gewünschten Ziel?“
Colonel Burnett starrte auf seinen PC-Bildschirm, welcher das etwas entfernt befindliche Gesicht von Krondal zeigte und rührte sich nicht, dann stimmte er schließlich zu und rief nach Walner.
„Ach ja, Carl. Was wird eigentlich aus unserer monatlichen Pokerrunde?“, überbrückte Burnett die Zeit bis zum eintreffen des Profs.
„Die müssen wir erstmal auf Eis legen. Ich glaube, nein, ich bin mir sicher, dass du es auch so sehen wirst, wenn wir dir erstmal unsere Seite dargelegt haben.“
„Auf der einen Seite ist es sehr schade, aber auf der anderen machst du mich gerade verdammt neugierig. Um was genau geht es?“
„Das wirst du erfahren, wenn Professor Walner endlich auftaucht. Ist eure Grotte so riesig, dass er so lange braucht?“
„Frag deinen Mister Parker. Er hatte bei mir den Eindruck hinlassen, dass er befürchtete nicht mehr lebend aus unserem Verlies herauszukommen.“ Burnett konnte sich ein kurzes Auflachen nicht verkneifen.
Parker rutschte in sich zusammen, ob der treffenden Aussage des Colonel. „Na ja“, flüsterte er getroffen, „es ist ein Labyrinth und nicht gerade sehr einladend.“
Lawrence grinste und Krondal hob eine Augenbraue, als der leitende Wissenschaftler Professor Fritz Walner endlich eintraf und ebenfalls auf dem Monitor erschien.
„Gut!“, begann Krondal, „Da wir jetzt vollzählig sind, fange ich einfach mal an. Auf der Rückseite des Mondes befindet sich ein Raumschiff, eine Besatzung fehlt noch. Dafür suche ich Wissenschaftler, Soldaten, Offiziere, Piloten und einige Statisten mit speziellen Kenntnissen. Was ich ihnen und ihrer Forschung anbieten kann ist, dass ich ihnen alle möglichen finanziellen Mittel zur Verfügung stelle die sie benötigen. Was genau brauchen sie?“
„Unser Hindernis ist ganz einfach zu benennen“, entgegnete Walner. „Wir brauchen Computerequipment, welches in der Lage ist die Hirnscans aufzusplitten und auf drei Ebenen zu verteilen. Die erste wären die reinen Daten, die zweite die Emotionen und die dritte der Charakter. Solange wir diese nicht isolieren und getrennt verarbeiten und bearbeiten können, wird es immer wieder zu Fehlschlägen kommen.“
„Gut. Das stellt kein Problem dar. Die nötigen Geräte sollen sie bekommen“, versicherte Krondal.
„Fantastisch!“, entfuhr es Burnett. „Was gibt es sonst an positiven Neuigkeiten?“
„Mister Lawrence kam auf eine sehr konstruktive Idee und wird uns allen diese jetzt gerne mitteilen.“
Carl Lawrence nickte kurz und hub an: „Es geht um die Hirnscans. Mir kam die Idee, diese von Ausgestoßenen der Gesellschaft zu nehmen.“
Präsident Graham rutschte unruhig auf seinem Stuhl herum, hob langsam den Zeigefinger, lenkte damit die Aufmerksamkeit auf sich: „Um welche Personen würde es sich handeln?“ Diese Frage war natürlich mehr rhetorisch, da er wusste, dass die Antwort eh gleich kommen würde. Aber wenigstens hatte er den Eindruck, dass die gesamte Diskussion nicht gänzlich an ihm vorbei ging.
„Die Frage ist sehr gut, Mister Präsident“, antwortete Lawrence. „Es handelt sich um den sogenannten Abfall über den viele, teilweise zu Unrecht, die Nase rümpfen, obwohl sie Teile der Gesellschaft sind und bei einigen auch deren Dienste in Anspruch genommen werden.“
„Und das wäre?“, bohrte Graham.
„Ausrangierte Soldaten, Sträflinge, Prostituierte. Egal wie, wir könnten dort ganz schnell Ergebnisse verzeichnen und das wäre dann die Aufgabe des FBI uns die passenden Kandidaten zu präsentieren.“
Walner stutzte, machte große Augen und dann ein nachdenkliches Gesicht. „Eine interessante Variante. Was wäre verlockender als auf eine solche Art und Weise von der Straße zu kommen und nutzvoll zu sein?“
„Ich weiß ja nicht“, warf Graham ein. „Ich empfände es als ziemlich schmachvoll in den Körper eines Tieres gestopft zu werden.“
„Sie schon und die hier Anwesenden wohl auch. Aber stellen sie sich doch mal vor, sie wären ein Auftragskiller, geschnappt vom FBI und lebenslang hinter Gittern oder vielleicht sogar zum Tode verurteilt. Was wäre, wenn wir einem solchen Individuum eine zweite Chance geben würden? Wenn er in ein fremdes Leben transportiert würde und mehr oder weniger seinem Hobby, um es salopp auszudrücken, frönen könnte. Lediglich die Kommandostruktur und die Kontrolle über seine Aktivitäten müsste er anerkennen“, gab Krondal zu bedenken.
„Und wie wollen sie das sicherstellen?“, fragte Graham. „Bedenken sie, es geht hier um sehr viel. Auf der einen Seite um die Sicherheit der Menschheit und des ganzen Planeten und auf der anderen Seite um die Gewährleistung, dass die Individuen nicht plötzlich die Seite wechseln und zum Feind überlaufen oder gar ausrasten und sich auf alles stürzen was lebt.“
„Das ist dann unsere Aufgabe“, mischte sich Walner ein. „Immerhin verfügen wir dann über entsprechende Hard- und Software und können gezielt eingreifen.“
„Und wie soll das aussehen? Haben sie da schon eine konkrete Vorstellung?“, fragte Flint neugierig.
„Und ob“, setzte Walner fort, „mit der Aufteilung der Scans auf ihre drei Ebenen sind wir in der Lage die Emotionen gezielt zu unterbinden oder zumindest so zu minimieren, dass sie nur in bestimmten Situationen beeinflussen. Immerhin sind Gefühle einer der Hauptschwerpunkte, wenn es um das begehen von Fehlern geht, ich meine damit das sogenannte Bauchgefühl oder Gefühle wie Liebe und Hass. Mit der Eindämmung oder nötigenfalls kompletten Unterbindung sollten die Anthros mehr den logischen Schemen folgen.“
„Was ist mit Charakter und Logik?“, fragte Lawrence.
„Die Logik basiert auf Daten, auf Erfahrungen die selbst gemacht wurden und selbständig erlernten Dingen. Da kann man sehr gut eingreifen und Daten manipulieren, sprich hinzufügen und entfernen. Hinterher würde der Anthro keinerlei Unterschiede bemerken. So könnten wir durch gezielte Datenfilter dafür sorgen, dass der Anthro der festen Meinung ist immer schon ein Anthro gewesen zu sein und kein Mensch. Am Charakter kann man auch basteln und durch gezielte Programme im Unterbewusstsein eine Steuerung erzielen“, ergänzte Walner seine Ausführungen.
„Klingt nach einer ganz üblen Nummer“, entfuhr es Graham.
„Das mag sein. Aber lassen wir Professor Walner doch mal ein Beispiel geben, wie er sich einen solchen Anthro vorstellt?“, bremste Krondal den Präsidenten aus, welcher nur noch die Hände hob.
„Das ist eine gute Frage. Ich würde Raubtiere bevorzugen, denen liegt das Tö-ten schon in der tierischen Seele“, überlegte der Professor. „Verschiedene Spezies wären auch von Vorteil, da jede Vorzüge und Nachteile hat. Die eine hat mehr Kraft und Ausdauer, die andere ist flinker und unauffälliger.“
„Schön, dann geben sie uns doch mal als Beispiel einen Löwen“, hakte Lawrence nach.
„Ich würde als Kämpfer ein Männchen bevorzugen, möglicherweise sogar in einen leitenden Rang setzen. Zunächst würden wir einen entsprechenden kultivieren, aufziehen und entsprechend aus der Wachstumsstasis holen. Anschließend würde die Programmierung erfolgen. Wenn der Löwe eine leitende Position haben soll, dann würde ich den Scan eines ehemaligen Auftragskillers bevorzugen. Er bringt entsprechende Voraussetzungen mit, wie Lust am Töten, Töten gegen Belohnung, Machtausübung und Spaß an Waffen und Technik.
Am Charakter muss man nicht viel ändern, lediglich die Emotionen kontrollieren und da würde ich ein nettes Unterprogramm nutzen. Die aus dem Originalhirn gewonnen reinen Daten würde ich dahingehend manipulieren, dass er keine Menschen, sondern Cherit getötet hat und diese automatisch zum Feind erklärt.“
„Stopp, stopp!“, warf Flint ein. „Die Cherit sind Anthros und was sie da züchten wollen auch. Wie soll er diese also unterscheiden?“
„Er wird sie unterscheiden können. Immerhin setzen wir ihm zunächst keine Cherit vor die Nase, sondern nur Anthro-Freunde und die sind in der Programmierung implementiert, alles andere ergibt sich dann aus der normalen Weiterentwicklung.“
„Und wie wollen sie die Kontrolle behalten, also wie stellen sie sich die Belohnung vor?“, fragte Burnett, welcher sich neben Walner befand und ihn über die Schulter hinweg ansah.
„Durch Sex.“
„Durch was bitte?“
„Immer wenn es am schlechtesten aussieht, dann kommt auch beim Menschen ein Programm durch, nämlich die Arterhaltung. Daher plädiere ich bei unseren Anthros darauf diese in zwei Geschlechtern zu erzeugen. Sollten zu viele Anthro-Soldaten im Kampf fallen, dann springt das Programm zur Arterhaltung an, sie zeugen auf natürlichem Wege Nachwuchs und der wird die entstehenden Lücken im Laufe der Jahre füllen und schon zum Kampf erzogen sein. Als Belohnung würde ich dieses Programm aktivieren wollen, wenn der Feind in großer Stückzahl getötet wurde. Lustbefriedigung als Honighäppchen um die Kampfmoral zu forcieren.“
„Das ist sowas von pervers“, polterte Graham.
„Ja, aber effektiv“, entgegnete Brunett, „und definitiv der richtige Ansatz.“
„Dann machen sie es so und ich werde jetzt gehen und meinen Teil dazu beitragen“, sagte Krondal und erhob sich.
„Gut. Ab wann können wir mit neuem Equipment rechnen?“, fragte Lawrence den im Gehen befindlichen Krondal.
„Wir haben heute Donnerstag. Die benötigten Materialien sollten ab Montag geliefert werden. Wenn etwas fehlt, dann lassen sie es mich wissen. Ich empfehle mich.“
„Sehr wohl, Sir“, murmelte Graham konsterniert und schaute nachdenklich in die Kamera und zu Lawrence und Parker. „Wo haben sie denn dieses Unikum ausgegraben?“
„Mister Präsident. Dieses Unikat bringt uns wesentlich weiter als unsere Politik, unser ständiges Streiten ums Geld und vor allem erspart er uns jede Menge Papierkram und vor allem die unangenehmen Fragen des Kongresses. Sie wissen doch selbst, dass wir gewisse Fragen von gewissen Personen nicht mögen“, entgegnete Lawrence.
Flint räusperte sich und lehnte sich vor. „So! Und sie, Mister Lawrence wollen also an die Gehirne oder besser gesagt deren Inhalt.“
„Nun ja, es war zwar eine fixe Idee, aber es scheint die beste zu sein. Zumindest, wenn man der Aussage von Professor Walner folgt“, kam dessen Antwort.
„Sie wissen schon, dass alles was wir hier besprochen haben und ins Rollen bringen zutiefst grenzwertig ist und das ist noch vorsichtig ausgedrückt“, gab Flint zu bedenken. „Wir sind das FBI und fassen Täter, wenn die Polizei nicht mehr weiterkommt oder es die nationale Sicherheit betrifft. Wir begehen keine Straftaten.“
„Die begehen sie auch nicht“, polterte Parker dazwischen. „Es ist eher so, dass sie inhaftierte Straftäter aus dem Gefängnis oder Menschen, die im Begriff sind sittenwidrige Taten zu vollziehen, von der Straße holen und sie vor eine Wahl stellen. Sie zwingen niemanden Folge zu leisten.“
„Genau“, stimmte Burnett via Skype zu.
„Dass du zustimmst war mir klar“, erwiderte Lawrence in Richtung des Monitors.
„Na ja, wir erwarten hier die erste Lieferung an Hardware am Montag. Bis dahin schalte ich mich erstmal aus“, gab Burnett noch schnell von sich und verschwand zusammen mit Professor Walner im off.
„Meine Herren, es wird Zeit, dass wir uns auch trennen. Ich wünsche ihnen einen schönen Abend und Erfolg. Passen sie gut auf sich auf.“ Lawrence erhob sich demonstrativ und deutete auf die Tür, wandte sich FBI-Chef Flint zu und geleitete ihn zur Tiefgarage. „Schön, dass du dich nochmals persönlich in mein Büro bemüht hast.“
„Ja. Das war schon etwas ungewöhnlich für mich. Normalerweise lasse ich die Leute bei mir antanzen. Aber ich glaube, dass es auf diese Weise besser war und die Presse nicht gleich Wind davon bekommt.“
„Da gebe ich dir uneingeschränkt recht, aber ich befürchte, dass eben jene schon noch früh genug den Braten riechen wird.“
„Ja“, sagte Flint noch, drehte sich zum Wagen, sah sich um und stieg ein.
Lawrence sah kurz der abfahrenden Limousine hinterher, wandte sich ab und betrat wieder den Lift um sein Büro zu erreichen.