Camilla - Die Eroberin, Kapitel 21
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Kapitel 21
Wieder wurde die Atmosphäre eines Planeten verlassen, um anschließend im luftleeren Raum herumzukreuzen.
„Wie sieht denn jetzt euer Plan aus, wenn wir gelandet sind?“, hakte Maahes nach und drehte sich zu Anuset um.
„Wir steigen aus und laufen 2000 Meter zu Fuß“, kam die einfache Antwort.
„Du willst mir doch nicht etwa sagen, dass das dein Plan ist?“
„Doch. Ich weiß ja nicht, ob meine Truppen von der ursprünglichen Rotation abweichen, wie viele ausgefallen sind“, ergänzte Anuset.
„Also landen wir und lassen uns überraschen?“, fragte Onari nach.
„Genauso ist es. Es gibt keinen Plan. Es gibt uns, unsere Waffen und die Wachposten in und um die Katakomben. Der Rest ergibt sich aus der Situation.“
„Super“, rief Camilla, „davon habe ich schon immer geträumt.“
„Ich dachte, dass nur ich in deinen Träumen vorkomme?“, flötete Anuset.
„Das war jetzt auch sarkastisch gemein. Natürlich bist du immer in meinen Träumen gewesen und nur du.“
„Wann landen wir?“, lenkte Anuset ab.
„In zehn Stunden. Wir haben also noch viel Zeit“, beruhigte Maahes, „Und du willst wirklich in diesem Taur-Körper bleiben?“
„Ja.“
„Du weißt aber, dass auf Sirius D Anubis‘ und auch Seths Körper liegen“, gab der Löwe zu bedenken.
„Das weiß ich, zumindest war das mal so gewesen. Bist du dir sicher, dass es noch so ist?“, hakte Anuset nach.
„Nein. Seither war keiner mehr von uns da.“
„Jetzt lasst uns erstmal auf Sirius B ankommen“, mahnte Camilla, „Was für Waffen haben wir denn?“
Maahes erhob sich und ging in den hinteren Teil der Fähre. Man hörte ein leises Fluchen, ein Klappern, dann ein kurzes, tiefes Durchatmen und der Löwe erschien mit einem Dutzend Waffen auf den Armen, legte sie auf eines der Pulte: „Reicht das?“
„Lasergewehre“, murmelte Onari, „Die sollten gegen Seths Mumien reichen“, sie griff sich eins, drehte es hin und her und kontrollierte dessen Zustand, „Nicht schlecht. Zwar nicht das Neueste, aber akzeptabel und ausreichend.“
„Was hast du erwartet?“, knurrte Anuset, „Das alles hier ist älter als jeder der noch lebt, abgesehen von Isis, Maahes, mir und Nephtys.“
„Punkt für dich“, entgegnete Onari und winkte ab.
„Kannst du die Oberfläche scannen?“, wandte sich Anuset an Maahes.
„Aus dieser Entfernung zwar möglich, aber wonach suchst du?“
„Frag nicht so viel. Tue es einfach“, schnauzte der Taur plötzlich.
„Pass mal auf, wenn du Streit haben willst, dann …“, hub der Löwe an.
„… was dann?“, knurrte Anuset weiter, „Mach einfach was ich gerade gesagt habe. Was ist daran so schwer zu verstehen?“
„Darf ich fragen was auf einmal los ist?“, ging Camilla dazwischen.
„Ich habe so ein komisches Gefühl“, versuchte Anuset sich zu rechtfertigen.
„Inwiefern?“
„Da stimmt etwas nicht. Frag mich nicht was es sein könnte. Aber mich beschleicht eine böse Ahnung.“
„Deine Scannerdaten purzeln gerade herein“, rief Maahes und schaute mürrisch zu Anuset, „Darf ich jetzt wissen wonach du suchst?“
„Ja, darfst du. Ich schaue erstmal auf die Anzeigen.“
Maahes baute sich mit verschränkten Armen neben dem Taur auf, während der intensiv auf die Monitore starrte.
„Genau wie es mir dachte“, hub der Taur an, „Die Truppen sind teilweise ausgefallen und der Rest bewegt sich nicht planmäßig.“
„Du meinst …“, begann Maahes.
„… die tauchen da auf wo wir sie nicht brauchen oder vermuten.“
„Das Plateau?“, fragte Isis dazwischen.
„Ist frei“, antwortete Anuset knapp.
„Gibt es sonst etwas Außergewöhnliches?“, klinkte sich Onari ein.
„Bis jetzt nicht, aber das kann sich ändern. Die erste Katakombe beinhaltet den linken Unterschenkel und eine Kaverne weiter, den dazugehörigen Oberschenkel. Ursprünglich waren zwei Trupps mit je 20 Wächtern unterwegs. Wenn es aber, wie es scheint, nur noch die Hälfte sein sollte, dann haben wir leichteres Spiel“, erklärte Anuset.
„Was ist mit den Fallen?“, erkundigte sich Stephen per Einwurf.
„Nachrutschendes Geröll. Also nichts bewegendes, wenn es selbst nicht bewegt wird.“
„Und was, wenn doch?“, fragte Camilla.
„Dann rutschen einige tausend Tonnen des sauber aufgetürmten Materials. Solange wir uns vorsichtig bewegen passiert nichts. Der Zugang selbst ist nicht blockiert und das Geröll liegt nur seitlich vor den Scheinzugängen“, ergänzte Anuset.
„Klingt einfach“, sinnierte die Fuchswölfin und zuckte mit den Schultern.
„Die Wächter werden versuchen uns in diese falschen Gänge zu drängen. Also müssen wir aufpassen und diese schnellstmöglich eliminieren. Kein Schuss darf das Geröll treffen, sonst rutscht alles ab“, mahnte Anuset.
„Danke. Das relativiert meine Aussage“, seufzte Camilla.
„Leute!“, rief Onari plötzlich, „Ich glaube, dass wir Besuch kriegen.“
„Was? Wer soll das sein?“, knurrte Maahes.
„Die Bauart des Schiffes ähnelt entfernt dem von Nephtys‘.“
„Noch ein Antermerianer?“, hinterfragte Camilla.
„Scheint so“, murmelte Anuset, „aber wer sollte das sein, vor allem, wer weiß noch, dass wir hier sind?“
„Das Schiff ruft uns“, intonierte Onari.
„Ich geh ran“, rief Maahes und betätigte die Com-Taste. „Wer da?“, fragte er leger.
„Hallo Maahes, schön, dass es dich noch gibt“, säuselte eine weibliche Stimme.
„Sachmet?“, hakte der Löwe ungläubig nach.
„Wer sonst? Ich habe gehört, dass ihr ein Pulk von Verrückten seid und wollte mich als Voll-Verrückte gerne anschließen.“
„Das Figurenset vervollständigt sich“, entfuhr es Onari.
„Komm an Bord, wir klären das“, knurrte Maahes.
„Aber sicher doch. Bis gleich“, erwiderte die Löwin.
„So verrückt klang die aber nicht“, stellte Camilla fest.
„Wart es ab“, ermahnte Anuset, „ich hoffe nur, dass sie nicht plötzlich auf die Idee kommt mich wieder haben zu wollen.“
„Oh nein“, rief Camilla energisch, „das lasse ich nicht zu.“
„Wird auch nicht passieren, meine Liebste!“, beruhigte der Taur die Fuchswölfin.
Wenig später stand Sachmet an Bord der Fähre und sah sich um, musterte die Anwesenden. „So, so. Da wolltet ihr Spaß haben und das ohne mich.“
„Wie man es nimmt“, entfuhr es Anuset.
„Seth und Anubis in einem Taur-Körper. Entzückend. Egal, wen du gerade bespringst … Seth gehört mir, den Anubis-Teil kann er oder sie haben.“
„Ich will aber beide behalten“, hielt Camilla entgegen.
„Ach ne, eine süße kleine Fuchswölfin. Schätzchen, Seth und ich waren ein Paar bevor an dich überhaupt zu denken war. Du kannst Anubis gerne haben, aber ich beanspruche meine Ältestenrechte auf Seth.“
„Mädels!“, ging Anuset dazwischen, „Wir werden Osiris zusammensetzen und er wird entscheiden wie es mit mir weitergeht.“
„Gut, er soll entscheiden. Aber ich gebe nicht freiwillig auf“, motzte Sachmet.
„Ich auch nicht“, hielt Camilla gegen.
„Süße. Ich kann dich ja verstehen. So ein Hengst ist natürlich etwas anderes als ein Schakalrüde.“
„Denkst du etwa, dass es mir nur um die Größe seines Schwanzes geht?“, empörte sich die Fuchswölfin.
„Na ja, zumindest dachte ich daran.“
„Sachmet! Aus!“, zischte Anuset, „Es geht ihr nicht nur darum. Sie hat sich an das Gesamtpaket gewöhnt und liebt mich wie ich bin.“
„Ich dich auch, zumindest den Schakal-Muli-Hybriden“, hielt Sachmet weiter dagegen.
„Dann soll Osiris eine weise Entscheidung fällen. Ich bleibe Anuset, geistig und auch körperlich und bei Camilla. Seth hat die körperlichen Attribute und den Charakter den du willst und die sollst du haben.“
„Anuset! Nein!“, schrie Camilla.
„Camilla, Liebste! Ich werde so bleiben wie ich bin. Sachmet bekommt die Kopie meines Seth-Geistes und den Seth-Körper, der auf Sirius D liegt. Ich selbst bleibe der Taur und wie du mich kennst.“
„Und das geht?“, hakte die Fuchswölfin nach.
„Natürlich“, beruhigte Anuset seine Partnerin, „und du kannst dir in der Zwischenzeit sogar noch überlegen, ob du wirklich den Taur behalten willst oder den Körper des Anubis bevorzugst.“
„Willst du mich gerade verarschen?“, erzürnte Camilla sich.
„Nein, das meine ich total ernst. Da Osiris sich auch an der Töpferscheibe des Chnum auskennt, kann er den originalen Schakal-Körper sogar mit dem Hengstpenis ausstatten. Überleg es dir, wenn es soweit ist.“
„Unterstellst du mir gerade wirklich, dass es mir bei dir nur um deine Mannespracht geht?“, murmelte Camilla enttäuscht.
„Das habe ich nicht gesagt. Ich zeige dir nur alle Möglichkeiten auf und du würdest mich Lügen strafen, wenn du meine Hengstseite nicht lieben würdest oder zumindest bevorzugst, wenn es in diese Richtung geht“, erklärte Anuset.
„Hmmm …, da gebe ich dir ansatzweise Recht“, gab die Fuchswölfin kleinlaut zu, „aber es ist nicht der Hauptgrund.“
„Das weiß ich und das weiß jeder andere auch. Aber du weißt selbst, dass wir beide als Hengst und Fähe den meisten Spaß hatten“, beruhigte Anuset sie.
„Stimmt. Würde ich nicht mehr missen wollen.“
„Siehst du, es unterstellt dir keiner, dass du nur auf Sex aus bist.“
Sachmet lächelte die Fuchswölfin sanft an: „Siehst du …“
„Was soll ich sehen? Dass du auch auf den Hengstschwanz stehst?“
„Treffer“, erwiderte Sachmet kurz und knapp und schämte sich nicht mal.
„Na toll, dann ist das ja geklärt“, schloss Anuset ab, „Sind wir endlich da?“, wandte sich der Taur im gleichen Atemzug an Maahes.
„In Reichweite“, erwiderte der Löwe.
„Wird ja auch Zeit. Lande den Blechhaufen und dann sehen wir weiter“, knurrte Anuset. „Und jetzt zu dir“, wandte er sich an Sachmet, „Was ist jetzt deine Funktion?“
„Ich begleite euch.“
„Maahes sagte, dass du dich komplett zurückgezogen hättest.“
„Wie du siehst brauchte ich die Zeit für mich, aber das ist zu Ende. Ich möchte mit Seth zusammen sein, außerdem braucht ihr Verstärkung.“
„Und was machst du, wenn es vorbei ist?“, hakte Camilla nach.
„Ich hörte, dass du eine Villa und ein großes Anwesen hast? Wie wäre es, wenn sich bei dir ein paar angebliche Götter in fleischlicher Form niederließen?“, stellte Sachmet fest.
„Du meinst, dass ihr nach dieser Mission als Pärchen auf meinem Grund und Boden lebt?“
„Warum nicht? Anuset und du, ich und Seth, dein Butler und Nephtys und dein Bruder und Isis“, fasste die Löwin zusammen, „Außerdem kann ich auch auf eure Kinder aufpassen.“
„Woher weißt du das alles?“
„Sachmet ist nicht nur leicht verrückt, sondern halt Sachmet“, mischte sich Isis ein.
„Jetzt sollten wir uns aber konzentrieren“, ging Onari dazwischen, „Wir haben Sachmets Fähre im Schlepptau und müssen die im Orbit um Sirius B parken. Das Plateau hat nur Platz für unseren Transporter, dann haben wir 2000 Meter Fußweg vor uns und wohl das erste Zusammentreffen mit Untoten.“
„Seth?“, hub Sachmet an, „Was hast du getan?“
„Das Übliche. - Ich habe mir ein paar Freiwillige abgegriffen.“
„Du bist ja pervers.“
„Meinst du?“, fragte der Taur rhetorisch und sah zu Camilla.
Die Fuchswölfin zuckte mit den Schultern, grinste zweideutig und leckte sich über die Lippen.
„Na schön. Ich bin schon ganz wild drauf“, intonierte Sachmet und griff nach einem der Lasergewehre.
„Nicht nur darauf, ich hörte da was von Cyndra“, entfuhr es Camilla.
„Seth? Du erinnerst dich an die vertauschten Raumanzüge?“, frohlockte Sachmet.
„Nie im Leben würde ich das vergessen.“
„Vor allem an die beiden Explosionen als wir gemeinsam ebenfalls explodierten“, ergänzte die Löwin.
„Oh, davon hast du mir aber nichts erzählt?“, hakte die Fuchswölfin neugierig nach.
„Na ja, es war ja auch nicht wirklich wichtig“, rechtfertigte sich der Taur.
„Sachmet scheint es aber wichtig zu sein“, ermahnte Camilla ihn.
„Was wird das denn jetzt?“, empörte sich Anuset, „Stehe ich hier vor Gericht?“
„Nein, Schätzchen“, hub Sachmet an, „aber wir waren schon zwei wilde Feger.“
„Ja, lang ist es her und du bekommst Seth ja wieder zurück.“
„Und ich behalte meinen Anuset“, rief Camilla dazwischen.
„Landeanflug“, rief Onari dazwischen.
„Landeplatz verifiziert“, ergänzte Maahes, „hinsetzen und Klappe halten.“
Eine gute Stunde später setzte die Fähre auf dem Plateau auf, schwebte die kleinere Fähre, mit der Sachmet erschienen war, in einem stabilen Orbit um den Planeten.
„So weit so gut“, murmelte Onari, „Anzüge schließen, bewaffnen und raus“, befahl die Hyäne schließlich.
Wenige Augenblicke später stand die Gruppe auf dem Plateau, hatte die Waffen im Anschlag und sicherte sich nach allen Richtungen ab.
„Nichts!“, verkündete Onari, kam die Bestätigung von Maahes und ebenso von Sachmet.
„Das ist doch schon mal ein Anfang“, seufzte Anuset erleichtert und deutete in die zukünftige Marschrichtung.
„Okay Leute!“, hub Onari an, „Alles in Richtung Osten und seid vorsichtig. Es ist jederzeit mit einer Begegnung zu rechnen.“
Sie legten einen Meter nach dem anderen zurück, setzten ein Bein vor das andere. Nichts passierte. Aus einigen Metern wurden hunderte und am Ende standen sie kurz vor dem ersten Ziel.
Plötzlich und ohne Vorwarnung raste etwas auf sie zu, kam wie aus dem Nichts. Anuset drehte sich grade zu Camilla um und wollte etwas sagen, kam aber mit keiner Silbe dazu.
Das Etwas stürzte sich direkt auf den Taur, fegte ihn von Beinen.
„Feuer!“, schrie Maahes.
Kopflos und voller Irritation schossen alle Beteiligten um sich, trafen jedoch nur Felswände.
„Verdammt!“, brüllte Onari, „Was war das?“
Anuset rappelte sich auf, klopfte sich den Staub aus dem Fell und hob ein Stück Bandage auf: „Eine meiner Mumien“, erklärte er kurz.
Noch während er mit dem Stofffetzen herumwedelte, tauchte die nächste auf, bog um einen Felsvorsprung und baute sich vor ihnen auf.
Leicht verwundert betrachteten sich alle gegenseitig.
„Was schlägst du vor?“, fragte Camilla.
„Ich versuche es mit Kommunikation“, antwortete Anuset und ging langsam auf den Bandagierten zu: „Grüße! Ich bin‘s, Seth.“
Die Mumie schien den Taur zu verstehen, hielt den Kopf etwas schief, konnte aber scheinbar den Namen seines Meisters nicht mit dessen Auftreten verknüpfen. So zuckte sie mit den Schultern und senkte den Krummdolch.
„Herr und Meister?“, nuschelte die Mumie schließlich in Ermangelung einer Zunge fragend, „Ihr seht verändert aus, aber ich erkenne eure Stimme.“
„Ja, der bin ich. Wo sind die anderen?“
„Wir sind nur noch sehr wenige. Die Luft ist schlecht und der Herr des Balsams hat uns ebenfalls verlassen. Aber sagt, oh Meister, was bringt euch zu uns?“
„Wir sind hier um die Teile des Osiris zu holen. Kannst du die anderen erreichen?“
„Ich kann es versuchen.“
„Dann tu das bitte und bitte jetzt sofort“, ordnete Anuset freundlich an.
Die Mumie drehte sich um und verließ den Ort.
„Was wird das denn jetzt?“, wunderte sich Camilla.
„Er sucht nach den anderen“, schlussfolgerte Anuset und erhielt wenige Minuten später die Bestätigung, als nach und nach zehn bandagierte Körper vor ihm standen und sich verneigten.
„Willkommen zurück, Meister. Was ist euer Begehr, wie können wir helfen?“, ertönte es aus deren Innerem.
„Wir sammeln die Teile des Osiris und setzen ihn wieder zusammen. Ich bin Anuset. In diesem Taur-Körper sind Anubis und Seth vereint. Wir begehren Einlass in alle Katakomben.“
„Dann soll es so sein“, sprach der Anführer der Gruppe und machte eine einladende Geste, zeigte zum Zugang.
Die Gruppe schickte sich und setzte sich zögerlich in Bewegung.
„Hältst du das für eine deiner besseren Ideen?“, fragte Onari zweifelnd.
„Eine bessere habe ich nicht. Trotzdem sollten wir vorsichtig sein, die Kerlchen sind nicht ohne und stellen geschickte Fallen“, flüsterte Anuset.
Unbehelligt und ohne Gegenwehr betraten sie die erste Katakombe, stiegen eine sanfte Schräge hinab, welche sich nach und nach in eine Wendel wandelte und tief in das Innere des Planeten führte.
„Mich beschleicht ein ganz beschissenes Gefühl“, knurrte Maahes und sah die neben ihm laufende Sachmet finster an.
„Du und deine Gefühle. Ich will hoffen, dass du dich wiedermal irrst“, seufzte die Löwin und sah auch nicht glücklich drein.
Plötzlich beschleunigten die Mumien ihre Schritte, gingen in einen Laufschritt über, sprangen an die Wände, klammerten sich an die Unebenheiten und verschwanden von einer Sekunde zur anderen, ließen die Gruppe allein.
„Warum nur muss ich immer Recht haben“, grollte Maahes angesäuert und brachte seine Waffe in Anschlag.
„Lasst uns einfach weitergehen“, schlug Anuset vor, „noch ist nichts passiert und das Verschwinden unserer Begleiter muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass es eine Falle ist.“
„Dein Vertrauen in die Götter möchte ich haben“, entfuhr es Camilla und sie sah sich entschuldigend um.
Ihr Blick traf sich mit dem Sachmets: „Keine Sorge, wir fühlen uns nicht angesprochen oder beleidigt“, entgegnete die Löwin.
„Ruhe!“, rief Anuset, „Hört ihr das?“
„Was sollen wir hören?“, flüsterte Onari.
„Ich höre es auch“, murmelte Frank Simson, „Was ist das?“
Angestrengt lauschten alle in die Tiefen der Wendelganges, starrten mit angehaltenem Atem in die Dunkelheit der mittig liegenden Untiefe.
„Alles zurück an die Seitenwand“, schrie Camilla plötzlich und zog den weiter schräg oberhalb stehenden Anuset zurück.
Keine Sekunde zu spät hatten alle reagiert, als aus der Dunkelheit ein gewaltiger Feuerstrahl in Richtung des Zugangs raste.
„Entweder war das künstlich oder die haben ein feuerspeiendes Haustier da unten“, keuchte Camilla entsetzt.
„Drachen passen nicht zu ägyptischen Mumien“, polterte Maahes.
„Dann erkläre mir den Ursprung“, schnauzte ihn Sachmet an, „Meinst du, dass sich Untote an irgendwelche Mythen halten oder an Regeln?“
„Meine Truppen haben einen Auftrag, sind stark dezimiert, da hilft alles was irgendwie helfen kann und sei es …“, hub Anuset an und unterbrach sich selbst.
„Was hast du?“, fragte Camilla besorgt.
„Apophis“, sinnierte der Taur.
„Du meinst doch nicht allen Ernstes, dass deine Untoten den Unterweltswurm gefangen genommen haben?“, erboste sich Nephtys, während Isis wieder einmal etwas blasser wurde als gewöhnlich.
„Moment mal“, mischte sich Stephen Fang ein, „das würde bedeuten, dass sich Seth als Anuset dem Apophis stellen muss?“
„Wie im Himmel so auf Erden“, murmelte der Taur.
„Wir sind aber nicht auf der Erde“, ging Sachmet dazwischen.
„Das ist jetzt zweitrangig“, schnaubte Anuset, „Wenn es sich um Apophis handelt, dann wird es episch.“
„Was machen wir jetzt?“, fragte Camilla verunsichert.
„Wir gehen dicht an die Wände gedrückt weiter hinab. Passt auf wo ihr hintretet“, ordnete der Taur an und ging weiter, nahm Camilla bei der Hand.
Der weitere Abstieg gestaltete sich nicht als schwierig, wenn man von den regelmäßig wiederkehrenden Feuerstößen aus den Tiefen absah, er war eher langwierig. Am Ende zog sich das ganze Unterfangen über mehrere Stunden.
„Wenn wir unten sind, gehe ich erstmal pinkeln“, verkündete Camilla und zog leicht irritierte Blicke auf sich, „Was denn? Müsst ihr nicht?“, fuhr die Fuchswölfin fragend fort.
„Doch, doch“, hub Stephen an, „aber das kam gerade etwas überraschend. Vor allem müssen wir dann erstmal die passenden Örtchen suchen.“
„Wir schießen uns den Weg dahin frei“, beschloss Onari und nickte bestätigend, „Auch Hyänen müssen irgendwann mal.“
„Dann los und auf sie mit Gebrüll“, intonierte Maahes und rannte schreiend mitten in die Katakombe, eröffnete blindlings das Feuer und traf durch reinen Zufall drei Mumien, welche dumm wie hundert Meter Feldweg gerade im Weg standen, „Ja, so geht das“, schrie er und schoss die nächste zu Boden.
„Brauchst du Hilfe?“, schrie Anuset von hinten.
„Nicht wirklich“, brüllte Maahes zurück, „aber es wäre von Vorteil, wenn ihr jetzt das Klo suchen würdet, damit wir anschließend den Spuk beenden könnten.“
Während Onari, Camilla und Stephen einen Platz für die Notdurft suchten, ihn schließlich auch fanden, Maahes und Sachmet die Anzahl der endgültig getöteten Untoten nach oben schnellen ließen, sonderte sich Anuset ab und begab sich auf die Suche nach der wahren Ursache der Feuersbrünste.
Insgeheim hoffte der Taur, dass es sich nicht um Apophis handelt, aber er ahnte, dass es so sein würde und egal was geschieht es zu einem Kampf auf Leben und Tod kommen könnte.
Leise und bedächtig bewegte sich der Taur vorwärts, sah sich vorsichtig um, verursachte keinerlei Geräusch, bog mehrfach links und rechts ab, verließ die vorhergehende Katakombe und betrat einen schmalen Gang.
Grade noch rechtzeitig warf der Taur sich in eine Nische. Wenige Augenblicke später schoss eine Feuerwalze hinweg, nahm ihm den Atem.
Zögernd gab er die Deckung auf, wandte sich den Gang entlang und betrat an dessen Ende eine Grotte.