Kapitel 9
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Kapitel 9
von Menschen, Antermerianern und Cherit
vor 15.000 Jahren
Die Menschheit hatte sich zu diesem Zeitpunkt stark ausgebreitet, waren erste Zusammenschlüsse von mehreren Individuen entstanden, teilten diese sich Wohn-höhlen, die bei der Jagd erbeutete Nahrung, wurden monogam und hielten ihren Partnern die Treue.
Zwei wichtige Zweige der Menschen entstanden hierbei. Auf der einen Seite die Neanderthaler und auf der anderen die Neumenschen, zunächst Homo sapiens, später Homo sapiens sapiens.
Beide sollten unbeeinflusst in der weiteren Entwicklung bleiben, jedoch setzte sich der Homo sapiens zunehmend durch und der Neanderthaler blieb auf der Strecke.
Fortan hatten es die Antermerianer nur noch mit einer Menschheit zu tun, welche sich in einem immer schnelleren Maße vermehrte, aus ihren Höhlen kroch, begann die Umwelt selbstbewusst zu verändern, Ackerbau und Viehzucht betrieb und schließlich in einigen Regionen der Welt startete, um nicht nur Siedlungen zu errichten, sondern letztendlich ganze Reiche.
Als den Antermerianern bewusst wurde, dass sie trotz ihrer Zurückhaltung und ihres geradezu perfekten Versteckspiels scheinbar doch entdeckt worden waren und sie bei ihren weiteren Beobachtungen auf Götzenfiguren stießen, welche eindeutig sie zeigten, zogen sie sich gänzlich zurück, gaben ihr Versteckspiel auf und verließen Tenerra.
Diese Feststellung kam jedoch zu spät. Die Menschheit entwickelte sich weiter und hatten die Antermerianer durch ihre Anwesenheit eine entscheidende Beeinflussung vorgenommen, hatte man sie zu Göttern erhoben. Zunächst noch ohne Namen, später dann mit unterschiedlichen.
Das hätte alles niemals passieren dürfen, war nun jedoch nicht mehr zu ändern.
Vor allem waren einige andere Dinge, ebenso nicht zu ändern und musste wohl oder übel dramatisches Geschehen, um die Menschheit zu retten und sie nicht untergehenzulassen.
Etwa 15.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung erschienen die Abtrünnigen in der Nähe der Venus, nahmen mehrere Kampfschiffe Kurs auf den Planeten Tenerra, welcher von der Menschheit nunmehr Terra genannt wurde und damit auch kund getan ward, dass es ebenfalls eine sprachliche Beeinflussung gab.
<„Alarmstufe Rot“>, schrie Osiris ins Com. <„Alle Maahes- und Sachmet-Staffeln sofort in die Gleiter und Kurs auf Tenerra nehmen. Schützt die Menschen, vernichtet den Feind. Luft- und Bodenkämpfe in Kauf nehmen. Es ist egal, ob wir gesehen werden dabei, es ist eh schon passiert. Um Schönheitsreparaturen kümmern wir uns später.“>
< „Aye, Sir! Wir starten sofort“>, ertönte die Bestätigung.
Zwanzig Minuten später hatten die Byblos und Attikon 25.000 Gleiter in Richtung Terra ausgespien, jagten die Staffeln dem Feind entgegen.
<„An alle Staffeln, hier spricht Staffelführer Maahes 1.000! Sobald wir Feindkontakt haben, dass Feuer selbständig eröffnen. Sollten Gefechte innerhalb der tenerranischen Atmosphäre erforderlich werden, versucht sie entfernt von humanoiden Gebieten zu halten. Ich will keine Schäden unter der jungen Zivilisation haben.“>
<„Hier Sachmet 1.000! Wir haben verstanden. Also Mädels, der Kater hat gesprochen. Machen wir uns an die Arbeit und liefern wir für eventuelle spätere Mythen und Legenden auf dem Planeten ein schönes Schauspiel.“>
<„War ja klar“>, mischte sich Maahes 699 ein, <„Ihr Mädels denkt immer nur an euren effektvollen Auftritt.“>
<„Hey, 699“>, knurrte Sachmet 2.428 spielerisch ins Intercom, <„Ich hätte da noch andere Gedanken als nur den Effekt.“>
<„Später Süße. Erstmal die Arbeit. Der Spaß kommt danach.“>
<„Alles klar. Du weißt ja, wo du mich findest.“>
<„Da kannst du sicher sein“>, murrte Maahes 699 mit leicht gutturalem Unterton.
<„Wenn es euch nicht stört, dann solltet auch ihr euch jetzt konzentrieren. In Kürze wird es ungemütlich“>, ging Sachmet 1.000 dazwischen und sorgte wieder für Ruhe.
<„Genau! Machen wir sie schön glühend“>, frohlockte Sachmet 2.428.
<„Auf geht’s! Ziele erfassen und vernichten“>, befahl die Staffelführerin und erhielt von ebenjenem der Maahes-Staffel die Bestätigung.
Anderthalb Stunden später war es soweit. Die verfeindeten Schiffe trafen in Terra-nähe aufeinander, gerieten sofort in ein Gefecht auf Leben und Tod.
<„Habe das erste Ziel erfasst“>, verkündete Maahes 786.
<„Mach ihn fertig. Ich bin bei dir“>, bestätigte Nummer 1.500.
<„Was immer ihr da vorhabt, macht es gründlich. Sachmet 804, 809 und 1.203 schließt zu den beiden Mähnen auf und feuert was das Zeug hält. Wir machen keine Gefangenen“>, befahl Sachmet 1.000.
<„Was immer du willst“>, bestätigte Sachmet 804 und nahm mit den anderen beiden Kurs.
<„Ich brauche dringend Hilfe“>, schrie Maahes 934 ins Intercom. <„Da hängt einer an mir dran und ich kann ihn abschütteln.“>
<„Bin gleich bei dir“>, versuchte ihn Sachmet 1.450 zu beruhigen. <„823 und 912, sofort zu mir aufschließen und Kurs setzen auf seinen Verfolger. Schaltet das Feindschiff auf den Zielcomputer.“>
<„Verstanden!“>
Noch während die Löwinnen-Klone sich auf den Weg machten, den in Not geratenen in wenigen Augenblicken erreichen sollten, war es auch schon zu spät.
Im Intercom hörte man nur noch einen schmerzerfüllten Schrei und der Kampfgleiter des Löwen-Klons war vernichtet.
<„Verdammte Scheiße“>, brüllte einer der Klon-Piloten. <„Wir müssen uns bündeln und mit mehreren ein Ziel angreifen, während die anderen das Feuer ablenken.“>
<„Gute Idee. Macht es so. Egal wer“>, bestätigte Sachmet 1.000.
<„Junges, Mädels. Schaltet euch auf meinen Zielcomputer und folgt mir“>, ordnete Sachmet 1.450 an.
<„Alles klar.“>
Ein Pulk von einhundert Jägern steuerte das erstbeste Kampfschiff der Abtrünnigen an, nahm es ins Visier und feuerte.
Mehrere Explosionen an der Oberfläche zeigten an, dass die Treffer präzise saßen.
<„Ausgezeichnete Arbeit. Weiter so!“>, schrie Sachmet 1.250 begeistert.
Wenige Minuten später erlag das Feindschiff dem Verbundfeuer der antermerianischen Gleiter. Mehr und mehr Explosionen erfolgten, sah man deutlich die Einschlagstellen der Rubinlaser und Ionenkanonen.
Doch die systemtreuen Klon-Piloten sollten sich nicht zu früh freuen. Die Schlacht war noch nicht gewonnen und sollte sich unangenehm wenden.
Aus dem teilweise glühenden Wrack heraus erschienen mehrere kleine Flugobjekte, welche eindeutig schwächer bewaffnete Gleiter waren. Diese griffen widererwarten jedoch nicht an, sondern schlugen einen ganz anderen Weg ein.
<„Oh nein“>, hub Maahes 1.300 an. <„Die setzen sich nach Tenerra ab.“>
<„Folgt ihnen in die Atmosphäre“>, ordnete Maahes 1.000 an. <„Stellt den Feind und sorgt dafür, dass Nichts die Oberfläche erreicht.“>
<„Verstanden, Staffelführer!“>
Auf Tenerra oder auch Terra genannt, hatten die frühen Menschen natürlich keinerlei Ahnung was sich hoch über ihren Köpfen abspielte, sollte es auch ursprünglich dabei bleiben.
Leider änderte sich das schlagartig, als ein wild fauchender Pulk aus Kampfgleitern am Horizont auftauchte und in Richtung größerer Ansiedlungen flog.
<„Maahes 967 an alle. Die verdammten Lumpen nehmen Kurs auf humanoide Siedlungen.“>
<„Ich sehe es auch“>, antwortete Maahes 708 und schaltete den Nachbrenner zu.
<„Wir müssen sie abfangen bevor sie die Orte erreichen.“>
<„Ich fürchte, dass wir da etwas zu spät kommen.“>
< „Dann verhindern wir wenigstens das Schlimmste.“>
<„So sehe ich das auch“>, mischte sich Sachmet 780 ein und eröffnete das Feuer auf den ersten Feindjäger, traf ihn am Heck und ließ ihn abstürzen. <„Das war der Erste.“>
<„Ausgezeichnet!“>, triumphierte Maahes 1.201.
Während die Gleiter der systemtreuen Antermerianer zu den Abtrünnigen aufschlossen, eröffneten diese das Feuer auf die erste Ansiedlung.
Es waren Neanderthaler und wussten nicht mal was auf sie zukam. Innerhalb von Sekunden lagen die ersten einfachen Unterstände, bestehend aus Zweigen, Baumstämmen und Laub, in Schutt und Asche. Rasch breitete sich das entfachte Feuer aus, griffen die auflodernden Flammen um sich. Gerieten die Felle der Eiszeitmenschen in Brand, wurden ihre Träger die ersten Opfer eines Krieges, welchen sie nicht ausgelöst und mit dem sie überhaupt nichts zu tun hatten.
Wenige Augenblicke später waren zwar sechs feindliche Jäger von den Gleitern der Antermerianer hinweggefegt worden, aber die kleine Siedlung der Neanderthaler ebenso. Zwölf Menschen starben bei diesem ersten und leider nur leichten Angriff.
Die Verfolgungsjagd ging weiter. Die Abtrünnigen hatten ihre gewonnen Daten an die im Raum verbliebenen Kampfschiffe weitergegeben und diese änderten schlagartig die Strategie. Von einem Moment zum nächsten strömten Kampfgleiter aus den Hangaren, setzten Kurs zur tenerranischen Oberfläche und hatten die Piloten derer eine genaue Vorstellung ihrer Angriffsziele.
Von überall fielen die Gleiter der Abtrünnigen über die langsam erblühende Bevölkerung her, wurden Siedlungen der Neumenschen unter Beschuss genommen, ebenso die der Neanderthaler.
Letztere hatten weniger die Möglichkeit zu einer koordinierten Flucht, als die besser organisierten Neumenschen. Erstere rannten, durch eine fortschrittlichere Kommunikation rechtzeitig gewarnt, aus den primitiven Hütten, ließen alles stehen und liegen, flohen in nahegelegene Wälder oder suchten Unterschlupf in Höhlen.
Die Neanderthaler fielen jedoch der totalen Vernichtung anheim, wurden in ihrer Entwicklung nicht nur ausgebremst, sondern existierten nicht mehr.
Den Neumenschen erging es etwas besser, waren sie auf der Flucht und hatten ausreichend Schutz gefunden.
<„Staffelführer Ninurta 235 an Marduk!“>
<„Hier Marduk, ich höre!“>
<„Wir haben die Menschen teilweise vernichtet, die anderen sind auf der Flucht und haben sich verschanzt. Erbitte weitere Anweisungen.“>
<„Lasst mich überlegen. Bleibt einstweilen in der Luft und stellt das Feuer ein, sobald ich einen Plan habe, werde ich mich melden.“>
<„Verstanden!“>
Marduk saß auf der Brücke, neben ihm sein erster Offizier Nusku. An der taktischen Station befand sich Loki und an der wissenschaftlichen Tigernmas. Die Navigation und Steuerung befanden sich zu diesem Zeitpunkt in den Händen von Tyr und Thor.
So saß ein kleiner Kreis der Abtrünnigen da und fing Marduk an zu sinnieren: „Was machen wir mit den Verrückten? Die bräuchten eine Anleitung, jemanden der ihnen sagt wo es lang geht.“
„Das wäre eine zielgerichtete Beeinflussung. Wir wissen nicht wie sich das auswirkt. Schaden hat die Entwicklung eh schon genommen. Aber wenn wir jetzt abziehen, dann richtet sich das vielleicht wieder“, gab Nusku zu bedenken und schaute Marduk nachdenklich an.
„Das wäre eine Option, aber für mich nicht akzeptabel. Wir würden den Planeten und alles darauf den Systemtreuen überlassen und dazu habe ich ehrlich gesagt keine Lust.“
„Gut, dann fällt mein Vorschlag weg“, entgegnete Nusku und wandte sich wieder dem Wandschirm zu.
„Loki, hast du eine Idee?“
„Nicht im Ansatz. Ich bin zwar begeistert davon, dass wir gezeigt haben wozu wir fähig sind, aber das war es auch schon.“
„Dann eben nicht. Tyr! Wie wäre es mit deinen Gedankengängen?“, forderte Marduk auf.
„Ich habe in der Tat eine verwegene Idee.“
„Lass hören!“
„Unsere Gleiterstaffeln befinden sich jetzt über den verschiedensten Kontinenten von Tenerra oder auch Terra…“
„… nennen wir es Terra. Immerhin ist es jetzt deren Planet, bis zu einem gewissen Grad …“, ging Marduk kurz dazwischen.
„… gut, Terra. Du sagtest, dass die Lebewesen namens Mensch eine Anleitung, eine Führung bräuchten. Wie wäre es, wenn unsere Klone und damit unsere eigenen Abbilder landen, aussteigen und sich den Menschen zeigen.“
„Hältst du das für eine gute Idee?“, knurrte Thor dazwischen.
„Vielleicht sehen die uns als eine Art Überwesen an und wir hätten leichtes Spiel?“
„Du meinst also, dass wir uns als Herrscher aufspielen sollten?“, fragte Tyr.
„Genauso ist es. Es kann natürlich auch etwas ganz anderes passieren und die greifen uns an.“
„Das sollen die ruhig versuchen. Die werden ihr blaues Wunder erleben. Für jeden Angriff wird einer von ihnen sterben. Wir sind weit überlegen“, polterte Marduk und erhob sich. „Gib den Befehl raus. Die Staffeln sollen landen und die Menschen vorbereiten. Sie sollen uns huldigen und auf die Knie gehen. Wir werden die neuen und wahren Herrscher des Planeten Terra. Mein Entschluss steht fest.“
„Ich gebe die Order an die Staffeln“, bestätigte Tyr und tippte auf seiner Konsole herum. „Bestätigung von den Staffelführern. Unsere Jäger werden landen.“
Die Kampfgleiter der systemtreuen Antermerianer stellten die plötzliche Zieländerung der feindlichen Staffeln fest und gaben die Meldung an Osiris durch.
<„Die machen was?“>, fragte der Administrator verwirrt.
<„Sir! Wie es aussieht setzen die Angreifer zur Landung an. Was immer die auch vorhaben, es ganz nach einer nachhaltigen Beeinflussung der Menschen aus“>, gab Maahes 1000 seine Gedanken preis.
<„Ja klar, das liegt nahe. Aber warum?“>, überlegte Osiris angestrengt.
<„Ich bin mir nicht ganz sicher, aber was wäre, wenn man versucht Hörige zu bilden?“>
<„Du meinst, dass man sie zu Gläubigen erziehen will? Einen Glauben an eine höhere Macht?“>
<„Das läge für mich am nächsten. Für diese Menschen müssen wir doch wie himmlische Wesen wirken, zumal wir auch von dort kommen. Sie selbst können gerade einmal einfache Behausungen bauen, kennen keine Form von Energie wie wir, lediglich die natürlichen Gewalten wie Blitze und Feuer. Fernkommunikation in unserer Form muss auch wie Magie wirken, ganz zu schweigen von unseren Gleitern.“>
<„Na ja, die Beeinflussung ist eh schon vorhanden. Aber im Gegensatz zu uns wollen die es forcieren, anstatt es dabei beruhen zu lassen und zu hoffen, dass es nur als eine Episode und damit als früher Mythos durchgeht. Wir müssen verhindern, dass sich da etwas wie ein Götterkult entwickelt.“>
<„Ich fürchte, dass wir das nicht mehr können. Wir könnten es lediglich abschwächen und versuchen die Bahnen so zu lenken, dass es nicht zu sehr ausufert“>, erklärte Maahes 1000 die Situation aus seiner Sicht.
<„Wäre wohl die einzige Möglichkeit“>, antwortete Osiris. <„Die Frage ist nur, wie wir es anstellen.“>
<„Angreifen können wir nicht. Wir würden unzählige Opfer unter den Menschen riskieren.“>
<„Die haben wir eh schon und ich glaube nicht, dass die noch recht frühe Intelligenz ausreichen wird, um zwischen unseren und den Gleitern der Abtrünnigen zu unterscheiden.“>
<„Trotzdem kein Grund noch mehr Tote zu produzieren. Hmmm…“>, überlegte Osiris weiter, <„wir könnten lediglich versuchen die Abtrünnigen in gewisse Gebiete abzudrängen und zu kontrollieren.“>
<„Ich denke, dass die nicht zustimmen werden“>, gab Maahes 1000 zu bedenken und kreiste zum wiederholten Mal über einem gigantischen Waldgebiet, in welchem sich unzählige Menschen versteckt hatten.
<„Wo genau treiben sich die Gleiter der Abtrünnigen gerade herum?“>
<„Sie sind überall da, wo man sie nicht braucht.“>
<„Braucht man die denn überhaupt?“>
<„Wenn du mich so fragst…, du kennst die Antwort selbst.“>
<„Okay. Bevor wir noch lange überlegen. Versucht sie soweit abzufangen und zu vernichten wie ihr könnt, haltet die zivilen Opfer so gut es geht in Richtung Null. Ansonsten tut was ihr für richtig haltet.“>
<„Aye, Administrator. Wir tun was wir können.“>
<„Davon bin ich überzeugt. Osiris, Ende!“>
Während sich auf Terra immer weitere Dramen anzubahnen drohten, blieb es auf Genro und Cyndra ruhig. Es gab keinerlei Feindkontakte und die Cyborg-Armee stand im Tiefschlaf in den Hallen.
Nephtys langweilte sich auf der Cerberus, Maahes sprach mit Osiris oder Ammon, ansonsten sehr viel mit dem Apophis-Klon aus dem Transportteam, Sachmet und Seth gaben sich einander hin und hinter ihrem Rücken genossen sie den zweifelhaften Ruf des animalischen Duos.
Die restlichen Klone der Sobek- und Anubisreihe waren geraume Zeit nach der Fertigstellung der einzelnen Bereiche, in die Fähren gestiegen und zu den Frachtern im Orbit des Mondes aufgebrochen.
Wenige Tage später waren alle Flottenteile, bis auf den Kampfkreuzer Cerberus, verschwunden und waren durch den Dimensionstransfer in das Heimatuniversum zurückgekehrt.
Somit war die Basis vollkommen in die Autonomie übergegangen und es zog Routine ein. Das Warten auf den einen bestimmten Moment begann.
Die Kämpfe auf Terra nahmen derweil erbitterte Züge an. Eine Seite wollte die Menschen zu Untertanen erziehen und sich als Götter aufspielen, die andere wäre automatisch auch zu solchen erklärt worden, wollte es aber nicht.
Ein noch unsichtbares Problem kündigte sich ebenso an.
Das vernichtete Generationenschiff der Cherit, welches von der Maahes-Staffel auf Osiris‘ Geheiß förmlich aus dem tenerranischen Orbit geblasen wurde, hatte vor seiner Vernichtung dutzende Notkapseln abgesetzt. Diese waren unbemerkt, innerhalb des Durcheinanders zwischen den verfeindeten Gleitern der Antermerianer und der Abtrünnigen, auf dem Planeten gelandet. Ebenso hatten es einige wenige Fähren geschafft sich abzusetzen, enthielten notwendiges Equipment um auf einer fremden Welt monatelang zu überleben.
Bedingt durch die Kampfhandlungen der fremden, sich feindlich gesonnen Parteien, mussten diese versprengt die Landmassen erreichen, um nicht aufzufallen und wiederholt angegriffen zu werden.
Somit war die Beeinflussung, welche Osiris befürchtete und weitgehend unterbinden wollte, endgültig vollzogen und nicht mehr aufzuhalten.
Die Gefechte zwischen Systemtreuen und Abtrünnigen gingen in eine neue Phase über. Eben noch waren alle Gleiter in der Luft, umkreisten sich wie zornige Hornissen, so landeten immer mehr von ihnen auf den verschiedensten Kontinenten, entbrannte ein Bodenkampf.
Der Planet Terra hatte bisher nur Waffen aus natürlichen Ressourcen gesehen. Wo Speere, Wurfäxte, Steinschleudern und Keulen bisher den Alltag bestimmten, zuckte nunmehr fauchend und irrisierend Laser- und Plasmagewehrfeuer durch Savannen, Wüsten und Wälder.
Die verstreuten Menschen waren Zuschauer eines martialischen Gebarens, töteten sich gegenseitig, aufrechtgehende Wesen mit einer vollkommen fremden Sprache, einem Körper welcher halb Mensch, halb Tier war.
Innerhalb von Stunden lagen dutzende Leichen derer verstreut, machten sich im Nachgang wilde Tiere über sie her und tilgten deren Spuren.
Einzig die Cherit blieben unbehelligt, versteckten sich ebenso wie die Menschen, trafen zuweilen aufeinander, betrachteten sich verstört und stoben wieder getrennt auseinander.
Wochen vergingen. Die Kampfhandlungen auf Terra ebbten ab, die systemtreuen Antermerianer hatten die Klone der Abtrünnigen erfolgreich geschlagen und deren Reste in einige Gebiete zurückgedrängt.
Marduk 02 als Anführer lenkte schließlich ein und es kam zu einem Treffen zwischen ihm und Osiris.
Frisch aus dem Asteroidengürtel heraus, war er mit einer Fähre gestartet und traf in einem Gebiet ein, welches von zwei Flüssen durchzogen wurde. Die weitläufige Region sollte später das Zweistromland genannt werden und die Flüsse die Namen Euphrat und Tigris tragen.
Die Menschen, welche zu diesem Zeitpunkt ebenso in diesem Gebiet lebten und sich von den ersten Schrecken erholt hatten, wurden stumme Zeugen der Ereignisse, verarbeiteten die Verhandlungen in ihrer eigenen Form in Epen, mündlichen Überlieferungen und Legenden.
„Sieh an, sieh an“, hub der Marduk-Klon an, als er die langsam herangleitende Fähre erblickte. „Da kommt ja er ja, der Meister der Intrigen.“
„Lass es bitte“, setzte Cernunos an, wollte noch weitere Worte verlieren, ließ es dann aber.
„Warum sollte ich? Die haben uns nur festgesetzt, aber mildtätig wie die sind, gehen die nicht mal ansatzweise den finalen Schritt.“
„Den will keiner von uns“, knurrte Fenrir.
„Misch dich nicht ein“, schnauzte Marduk den Halbwolf an. „Du bist äußerlich fast einer von denen. Wir sehen den Menschen sehr ähnlich, du nicht. Manchmal frage ich mich, warum gerade du bei der Meuterei vor Jahrmillionen mitgemacht hast.“
„Jetzt mach aber mal halblang“, polterte der anthropomorphe Wolf. „Du bist verdammt selbstgerecht geworden für einen Klon. Immerhin habe ich den ganzen Mist der gerade abläuft nicht verbockt. Du hingegen bist ein perfektes Spiegelbild deines Originals.“
„Du spielst mit deinem Leben.“
„Du tust das Gleiche, allerdings mit dem Leben aller. Wir sind hier keine Marionetten, die für dich spielen. Du magst zwar die Fäden halten, aber daran ziehen tust du bestimmt nicht“, entgegnete der Rüde zornig und baute sich vor Marduk auf.
„Ich werde dich in die Verbannung schicken, wenn das hier erledigt ist. Ich kann deinen Anblick nicht mehr ertragen“, schrie Marduk ihm direkt ins Gesicht.
Mittlerweile war Osiris‘ Fähre gelandet und der Antermerianer entstiegen.
„Guten Morgen“, versuchte er eine freundliche Begrüßung einzuleiten, sah aber gleichzeitig wie sich die beiden Streithähne anschickten verbal umzubringen. „Oh! Wie ich sehe seit ihr gerade beschäftigt.“
Marduk ließ von Fenrir ab und wandte sich dem Administrator zu. „Grüße zurück! Sag an, was du verlangst.“
„Hmmm…, wenn du so fragst. Ich möchte, dass ihr euch von Terra zurückzieht, komplett.“
„Das wird so leicht nicht gehen. Immerhin liegen auf unserer Seite noch einige Kampfschiffe in der Umlaufbahn und von euch nur ein lumpiger Kreuzer mit einer von einem Halbesel gevögelten Hure als Captain an Bord“, spuckte Marduk wütend und arrogant.
„Aber nicht doch. Nephtys macht ihre Arbeit ausgezeichnet“, hielt Osiris mild dagegen. „Und jetzt kommen wir zu den Verhandlungen. Was schwebt euch denn so vor?“
„Ah, jetzt wird’s interessant“, hub der Marduk-Klon an. „Ich verlange einen Waffen-stillstand. Lasst uns ziehen und wir werden es uns in einigen Ecken des Planeten gemütlich machen. Schau mal, großer Lenker und Denker, die Menschen sind uns gegenüber primitiv, haben aber erlebt was wir sind und zu was wir fähig sind. Aus der Nummer kommt keiner von uns mehr raus, weder wir noch ihr. Das Einzige was wir tun können ist, dass wir den Schaden begrenzen und die Regionen unter uns aufteilen.“
„Du meinst, dass wir uns als höhere Wesen aufspielen sollten und den Menschen ihre niedere Herkunft vorwerfen? Dass wir sie unterdrücken sollten?“
„Nein. Sie sollen selbst entscheiden auf welcher Seite sie stehen. Wir lassen uns getrennt voneinander nieder, laufen uns nicht mehr über den Weg und die Menschen werden im Laufe ihrer weiteren Entwicklung selbst erkennen, wem sie folgen wollen und ob überhaupt.“
„Hmmm…, das klingt interessant. Darüber muss ich nachdenken“, murmelte Osiris.
„Bevor du weitere Einwände vorbringst, kontaktiere doch mal die Cerberus im Elara-System“, frohlockte Marduk.
Osiris schaute ihn unvermittelt an und zog sein Intercom-Gerät. <„Osiris an Cerberus, Captain Nephtys! Kannst du mich hören?“>
<„Hier Nephtys! Ich höre dich, aber wir haben hier ein Problem.“>
<„Bericht!“>
<„Aus dem Subraum sind drei Kampfschiffe der Abtrünnigen aufgetaucht, sind uns auf den Leib gekrochen und haben die Waffensysteme aktiviert.“>
<„Verstanden! Unternehmt nichts und verhaltet euch ruhig. Ich kläre die Lage.“>
<„Aye, Sir!“>
„Und wie ist deine Antwort?“, fragte Marduk locker.
„Ich kann wohl kaum widersprechen“, knurrte Osiris.
„Genauso ist es.“
„Sprich es ruhig aus. Welche Regionen willst du?“
„Nicht viel. Ich will lediglich dieses Land auf dem wir gerade stehen und dann einige Gebiete weiter nordwestlich.“
„Die da wären?“
„Es gibt eine hübsche Insel, sehr grün, mit rauen Felsen und tosendem Meer. Die wäre das Richtige für Cernunos.“
„Hmmm…, meinetwegen. Was noch?“
„Ein kleineres Gebiet auf der größten Landmasse, ziemlich zentral gelegen.“
„Ich stimme zu. Noch was?“
„Nein. Im Moment ist das alles.“
„Im Moment? Was soll das heißen?“
„Du bist nicht in der Situation so etwas zu fragen.“
Osiris atmete tief durch. Da oben war eine Besatzung in Gefahr, wenn er jetzt etwas Falsches sagte. „Na schön. Wie du willst. Aber komme uns nicht in die Quere. Wir werden auch hier bleiben und genau beobachten, was du tust, wann du es tust und wie du es tust. Ist das klar?“
„Aber sicher doch. Und haltet euch an den Waffenstillstand. Deine neuen Freunde, die Menschen, werden sonst leiden“, säuselte der Marduk-Klon mit einem gefährlichen Unterton.
„Ich stelle mir die Frage, warum du so darauf aus bist, dass die sich auf Terra entwickelnde Zivilisation leidet“, bohrte Osiris.
„Das fragst du allen Ernstes? Ich hasse feste Systeme und hier wird sich auch eines entwickeln. Eines Tages werden diese primitiven Menschen den ganzen Planeten ins Chaos stürzen“, knurrte Marduk.
„Das kannst du nicht beurteilen und ich auch nicht. Und wenn doch, dann haben wir mit unserem Verhalten und unserem offensichtlichen Eingreifen vielleicht selbst den Grundstein dafür gelegt.“
„Mag sein. Wir werden sehen. Für meinen Teil ist die Abmachung getroffen und das Treffen beendet. Hätte eh nie gedacht, dass ich mich mal so herablassen würde und ausgerechnet mit dir rede.“
„Danke für die Blumen, geht mir nicht anders.“
Marduk griff sich daraufhin ans Handgelenk und aktivierte das Intercom. <„Thor! Ziehe unsere Kampfschiffe zurück. Lasst die Cerberus in Ruhe. Wir haben hier alles unter Kontrolle.“>
<„Hier Thor! Verstanden!“>
„Du siehst, ich halte mich zuweilen an meine Abmachungen.“
„Ja, ich bin ehrlich gesagt erstaunt.“
„Beim nächsten Treffen wird es nicht mehr so freundlich, das sage ich schon Mal vorab.“
„Erwarte ich auch nicht anders“, erwiderte Osiris knapp.
„Wie schön“, hub der Marduk-Klon scharf an. „Ach, noch eines. Ich weiß mittlerweile, dass ihr im Elara-System seid und ich weiß auch, was ihr da tut. Macht auf Cyndra was ihr wollt und meinetwegen auch auf Genro, aber haltet euch aus der Sperrzone auf dem Kontinent Sabeth raus. Anderweitig ist dieses Gespräch mit all seinem Inhalt gegenstandslos. Hast du mich verstanden!“
„Aber sicher doch“, murmelte Osiris versonnen.
„Dann war’s das. Ich bin wieder weg.“
Marduk verschwand mit seinem kleinen Gefolge und ließ Osiris stehen.
Der neben ihm stehende Sachmet-Klon wandte sich dem Administrator zu. „Sir! Was sind ihre Befehle?“
„Wir kehren zur Byblos zurück.“
„Aye!“
Nachdem sie die Fähre bestiegen hatten und auf dem stundenlangen Flug waren, grübelte Osiris stillschweigend nach.
Plötzlich brach er die Ruhe und betätigte das Intercom, öffnete einen Sendetunnel im Subraum. <„Osiris an Maahes! Dringend!“>
Wenige Augenblicke später meldete sich der antermerianische Löwe. <„Hallo! Ich grüße dich!“>
<„Hör genau zu! Wir haben offensichtlich ein Problem. Ich hatte gerade ein Treffen mit Marduk bezüglich Terras. Er weiß was wir auf Cyndra machen.“>
<„Das klingt jetzt sehr unangenehm. Ist mit einem Angriff zu rechnen?“>
<„Vielleicht, vielleicht auch nicht. Solange es auf Terra nach seinem Willen läuft, wird wohl eher nichts passieren, aber garantieren kann ich es nicht.“>
<„Was sollen wir deiner Meinung nach tun?“>
<„Es soll sich nur noch notwendiges Personal in der Basis aufhalten, keine Gleiterstaffeln mehr nach Genro schicken. Verkleinert die Mannschaft soweit, dass sich nur noch wirklich vertrauenswürdige Personen im System aufhalten. Wir scheinen einen Spion zu haben.“>
<„Einen was? Wo sollte der denn herkommen?“>
<„Ich weiß es auch nicht. Aber Marduk gab eine deutliche Drohung raus.“>
<„Verstanden! Ich werde mit Seth, Sachmet und Isis hier bleiben. Ein paar Horus-, Anubis- und Sobek-Klone sollten reichen. Die schicken wir in Stasis und holen die raus, wenn wir sie brauchen.“>
< „Das klingt sehr gut. Aber ich werde Isis durch die Dimensionsphase wieder nach Antermerius schicken und die Cerberus ebenso. Die Kampfgleiter werden auch verschwinden. Ich will keinerlei Aktivitäten um Genro und Cyndra haben.“>
<„Das klingt nach drastischen Maßnahmen.“>
<„Ich bin leider dazu gezwungen. Auf Terra werde ich auch die Staffeln verringern und nur im äußersten Notfall eingreifen. Zumindest solange, wie sich die Abtrünnigen an die Abmachungen halten.“>
<„Alles klar. Sonst noch Wünsche?“>
<„Ja, aktiviert zehn der Träger-Cyborgs. Ladet die Waffensystem auf und lasst sie auf dem Plateau patrouillieren. Das sollte einstweilen reichen um rechtzeitig gewarnt zu sein.“>
<„Aye, Administrator!“>, flötete der Löwenkater und beendete die Verbindung.
„Sir!“, hub der Fährenpilot an. „Wir nähern uns der Byblos.“
„Einfliegen und landen. Wir ziehen uns zur Ruhe zurück, bleiben aber extrem wachsam. Noch glaube ich daran, dass wir jetzt Ruhe haben.