Der Hurenbock
Ein Job kann Freude machen, wenn man ihn gerne macht...
So, diesmal wieder etwas größeres. Wenn das auch garnicht mal beabsichtigt war. Sowas wächst sich mitunter aus.
Ich bin mir nichts sicher, was das Ende angeht; aber alle Alternativen haben sich einfach nicht richtig angefühlt.
Wie immer gilt natürlich, das Ganze ist nur was für Erwachsene und diesen wünsche ich viel Vergnügen.
Der Hurenbock
(eine pöse Furry-Fantasy)
Eine Begegnung
Li Somi blickte aus dem Fenster ihres Hotelzimmers und fühlte sich fremd. Dieses Gefühl war der Geschäftsreisenden nicht neu, es stellte sich immer ein sobald sich die Lücken in den Ablaufplänen auftaten und die übrigen Mitglieder der Delegation sich zurückzogen. Jedes Hotel, selbst die teuersten, rief diesen Zustand in ihr hervor. Diese besondere intensive Gewissheit, nicht an diesen Ort zu gehören, ein Eindringling zu sein. Heute aber spürte sie es umso stärker, und der Blick aus dem Fenster rief ihr in Erinnerung weshalb.
Es ließ sich gut verdrängen solange sie dem Tagesplan folgte, nicht von den Vorplanungen der Firma abwich. Doch dies war heute vorüber. Die Verhandlungen waren abgeschlossen oder soweit vertagt dass sie von der nächsten Delegation wieder aufgenommen wurden. Verträge waren unterzeichnet, andere aufgekündigt worden. Hände, oder das jeweilige Äquivalent, ausreichend geschüttelt um der Höflichkeit genüge zu tun. Ihre Arbeit war getan, und nun blieb die Zeit bis zur Abreise am morgigen Tag. Selbstverständlich wusste sie genau, wie die restlichen Mitglieder der Abordnung diese Zeit überbrücken würden, aber daran gedachte sie nicht Teil zu nehmen. Immerhin war sie verheiratet! Das mochte für die übrigen Mitglieder der Delegation ebenso gelten, doch sie gedachte nicht sich aus dieser Verantwortung zu stehlen. Ganz gleich wie oft jemand behauptete, so würde es ohnehin nicht zählen. Stattdessen würde sie abwarten. Siebenundzwanzig Stunden, in denen ihre eigene Spiegelung, die ihr halbtransparent aus der Fensterscheibe entgegenblickte, das einzige menschliche Gesicht bleiben würde, das sie zu sehen bekam.
Somi unterdrückte die Unwürdigkeit eines lauten Seufzens. Erbärmlich, wie sie sich in Selbstmitleid verlor. Ihr graues Geschäftskostüm, für gewöhnlich ein sicherer Garant ihres Selbstvertrauens, schien langsam an Macht zu verlieren. Sie überlegte noch einmal einen der lokalen Sender einzuschalten. Zumindest ein Geräusch dieser absurden Welt an ihre Ohren zu lassen. Das hatte vor einer halben Stunde nicht viel gebracht, aber vielleicht jetzt. Sie sparte sich den Versuch und blickte weiter aus dem Fenster.
Eine abendliche Stadt breitete sich vor ihr aus, erbaut aus jungen Häusern, teils in konfus wirkenden Formen. Moderne Architektur, oft naturalistisch genannt. An manchen Stellen so sehr von Pflanzen überwuchert, dass die Fenster wie Tautropfen wirkten. Breite Straßen teilten die Häuser in durcheinander gewürfelte Formen auf, hier ein Kreis, dort ein Rombus, kaum je ein Quadrat. Als hätten sich die Architekten gegen die Ordnung selbst verschworen. Fahrzeuge fuhren eng aneinander gepresst in der Mitte, kleine Passagierdrohnen, klassische Autos, Schwertransporter; während sich an den Rändern die Passanten drängten. Die... Leute bis man einen besseren Begriff fand, schritten, rannten, staksten über die Gehwege, und ihr Anblick ließ Somi sich noch fremder fühlen. Außerhalb dieser Hotelmauern gab es keinen anderen Menschen.
Es klopfte an der Tür.
Somi erstarrte, was kaum einen unterschied zu ihrer vorherigen Haltung ausmachte. Für einen Augenblick dachte sie, sie hätte es sich nur eingebildet. Dann wurde das Klopfen wiederholt.
"Was wollen sie?", fragte sie, ihr Geschäftsenglisch klang seltsam als es die Stille des Raumes zerriss.
"Bestellung für Golden Sun Inccorporated", flötete eine dumpfe Stimme mit einem seltsam vibrierenden Unterton. Somi schob die feingezeichneten Brauen zusammen. Es war ihr nicht bekannt, dass die Abendmahlzeit vorgebucht wurde. Wohl ein weiteres Detail, dass die Assistenz der Reiseplanung vergessen hatte zu erwähnen. Somi zögerte. Zwar verspürte sie durchaus Hunger, doch hatte sie sich vorgenommen diesen auf die Mahlzeit des Heimfluges zu konzentrieren. Sie wollte nicht mehr von dieser unmenschlichen Stadt mit sich nehmen als unbedingt nötig. Dieser Entschluss allerdings war vor einer langen Abschlusszeremonie und einem eher zeremoniellen Mittagessen gefallen. Mit maßvollen Schritten durchquerte sie den Raum und betrat das angeschlossene Badezimmer.
"Kommen sie herein!", befahl sie und verschloss die Tür der Nasszelle hinter sich, noch bevor das andere Schloss klickte. Sie hörte wie ihr Zimmer betreten wurde und Schritte die fast vollständig vom weichen Boden geschluckt wurden, dann unklares Kratzen.
"Wo möchten sie es haben?", fragte die fremde Stimme. Somi vermied es mit aller Kraft ihres Geistes sich den dazu gehörigen Leib vorzustellen. Sie hatte in den vergangenen Tagen mehr als genug Zeit in Gesellschaft dieser... Geschöpfe verbracht um jeden weiteren Kontakt zu meiden.
"Auf dem Tisch", erwiderte sie harsch. Musste man hier selbst solche Selbstverständlichkeiten noch extra betonen? Dabei wurde ihr umso schmerzhafter bewusst, wo sie sich befand. Mochte ein hypothetischer Beobachter es kindisch nennen, sich im Bad vor dem Etagenkellner zu verbergen, Somi musste vor sich selbst genügend Dinge rechtfertigen, dies bereitete ihr keinen Kummer.
"Sind sie fertig?"
"Ja, wann immer sie bereit sind", antwortete die seltsame Stimme. Somi lauschte bis die Geräusche verstummten. Leider schlossen die Türen zu leise um auch sie noch zu vernehmen. Doch nach einer Minute war sie sich sicher, dass er fort sein musste. Sie öffnete die Tür des Bades, trat zurück in ihr Zimmer; und sah einen humanoiden Ziegenbock, der lächelnd und nackt auf ihrem Esstisch lag.
Ben hörte wie das Schloss klickte und setzte sein professionellstes Lächeln auf. Nicht dass ihm viel schauspielerisches Talent gegeben war, aber darauf legte man auch nur selten wert. Ein wenig grundlegende Höflichkeit schadete eigentlich nie. Auch ließ sich dahinter seine Überraschung verbergen, als eine Frau das Zimmer betrat. Eine Menschenfrau noch dazu; er brauchte einen Moment um sie einzuschätzen. Eine Asiatin, vielleicht 30, 40? Schwierig zu sagen, wenn eine Schnauze so flach ausfiel. Was er allerdings sofort einschätzen konnte, war der Ausdruck schierer Panik der sich über ihr Gesicht legte kurz bevor sie es hinter den Händen verbarg.
Brennende Erkenntnis schoss wie ein Blitz durch Bens nackten Körper, irgendwas lief gerade fürchterlich schief. Dem Mund der Frau entstieg ein Geräusch, dass sich einigen Horrorfilmen zuordnen ließ, und sie stakste mit ungelenken Schritten rückwärts. Sie hob eine Hand von ihrem Gesicht, wollte damit wohl nach der Badetür greifen, doch zugleich verfing sich der Absatz ihres Schuhs im Saum der Badematte. Ben hörte wie ihr Schrei die Tonlage änderte, dann sah er sie stürzen. In einem Akt reinen Instinkts schnellte er von der Tischplatte und durchmaß den Raum in nur zwei halb gesprungenen Schritten. Doch er konnte den Fall nicht mehr abfangen. Die Menschenfrau landete rücklings in der Badewanne, begleitet von einem dumpfen Klacken als ihr Hinterkopf dort auftraf.
Der Schrei verstummte und machte einem tonlosen Röcheln Platz. Ben reagierte ohne großes Nachdenken. Er hob die kahle Gestalt aus ihrer misslichen Lage, sie war höchstens halb so schwer wie sein letzter Kunde, und platzierte sie vorsichtig auf dem übergroßen Bett. Dass sie dabei beständig versuchte nach ihm zu schlagen und zu treten schloss zumindest eine Wirbelsäulenverletzung aus. In diesem Moment wünschte er sich, doch dass Medizinstudium weiterverfolgt zu haben.
Die Frau stieß eine seltsame Abfolge von Lauten aus, die Ben nach einigen Momenten einer asiatischen Sprache zuordnete. Chinesisch vielleicht? Er hatte gehört, dass Chinesisch spitz klang, aber damit verließen ihn seine linguistischen Fähigkeiten. Es beeinträchtigte außerdem seine Konzentration als die Frau begann mit den Fäusten auf seine Brust einzuschlagen. Ben wich zurück und wippte unsicher auf den Hufen während er den Raum nach dem Hotelinterface durchsuchte.
Auf dem Bett richtete die Frau sich auf, betastete ihren Kopf mit einer Hand und hielt die andere abwehrend vor sich. Es ähnelte der Haltung eines Dompteurs.
"Bleib... weg... von mir!", brachte sie schließlich in kantigem Englisch heraus.
Ben hob beschwichtigend beide Arme so dass sie seine Hände sehen konnte. Ein seltsames Rot breitete sich über die blassen Wangen der Menschenfrau aus und sie versuchte in einer stakkatoartigen Bewegung gleichzeitig wegzusehen und ihn im Auge zu behalten.
"Keine Panik", sagte er langsam und bedächtig. Jeder wusste, dass Primaten keine raschen Bewegungen mochten. "Keine Panik, ich suche ja nur das Interface. Das Hotel lässt sicher jemanden kommen, der sich ihren Kopf ansieht."
"Meinen Kopf?" Die Asiatin schien noch immer benommen, ließ ihre Hände jedoch nicht sinken. "Das ist deine Schuld! Was hast du mir aufgelauert? Ich trage ein Notfallarmband, und Golden Sun hat noch niemals Lösegeld bezahlt, also wenn du..."
"Moment!", fiel Ben ihr ins Wort. "Moment, Moment, Moooooment!" Er trat einen Schritt zurück und setzte sich auf einen der Stühle. Es war einer ohne Aussparung für den Schwanz, also saß er weit vorne und sehr breitbeinig. Was dabei schwer nach unten baumelte, ließ das Gesicht der Frau noch röter zu werden.
"Ich, ihnen aufgelauert?", fragte Ben. "Sicher nicht! Ich bin hier, weil ich gebucht wurde."
Die Frau drehte ihrer hochroten Kopf ein wenig herum. "Gebucht?"
"Na sicher, weswegen wäre ich denn sonst hier? Sehen sie her."
Gerade das schien die Menschenfrau jedoch vermeiden zu wollen, als Ben sich umdrehte und in den Taschen seiner am Boden liegenden Hose kramte.
"Hier!", rief er triumphierend aus und hielt präsentierend ein Pad in die Höhe. "Sehen sie, dieses Hotel, dieser Raum, Datum und Zeit auch korrekt. So gut wie. Entschuldigung dass ich so spät dran war, aber deswegen müssen sie nicht gleich umkippen. Und zu guter Letzt, hier die Bestätigung. Gebucht auf den Namen Ling."
Er hielt das Pad hoch, auf dem die fragliche Kalenderseite blinkte und all seine Angaben bestätigte. Die Frau versuchte noch immer ihn nicht anzusehen.
"Dann sind sie eine *eine seltsame Folge von Silben, vermutlich ein chinesisches Wort*" Sie blinzelte. "Eine, ich meine ein..."
"Die offizielle Bezeichnung lautet Gesellschafter mit Intimitätsoption, aber sagen sie ruhig Nutte, ich bin da nicht beleidigt. Ein paar Kollegen allerdings..." Ben bewegte vage die Hand in der Luft "...die können schwierig sein."
Es war deutlich zu sehen, dass hinter der durchgeschüttelten Stirn der Menschenfrau die Gedanken rasten. Nun war es offiziell, irgendwas ging gerade gehörig schief. Ben seufzte, von dem Bonus konnte er sich verabschieden.
"Hören sie", begann er nochmals ruhig. "Es ist ganz offensichtlich, dass hier jemand Mist gebaut hat. Jemand außerhalb dieses Raumes. Aber das ist jetzt nebensächlich, wichtig ist dass wir jemanden herbekommen, der sich ihren Kopf ansieht."
"Meinen Kopf...", wiederholte die Frau. Ben spürte seine Nervosität wachsen. Nach allem was er über Menschen wusste, zugegebenermaßen nicht übermäßig viel, waren ihre Schädel der Regel nach deutlich zarter gebaut als etwa sein eigener. Zwar besaß er mit seiner Lizenz natürlich die üblichen Versicherungen die zu dem Job gehörten, aber er legte keinen Wert darauf sie auszuprobieren.
"Du... Sie..." Die Worte schienen der Frau seltsam schwer zu fallen. "Bedecken sie sich endlich!"
Ben blinzelte und blickte an sich herab. Ohja, da war noch was. Umständlich fischte er seine tief geschnittene Hose vom Boden und stieg hinein. Verkrampft zerrte er die Hosenbeine über seine Hufe. Er kam sich unprofessionell dabei vor, so schnell hatte das noch kein Kunde von ihm verlangt. Andererseits tat er Kunden sonst auch nur weh, wenn sie vorher die nötigen Formulare unterzeichneten. Resignierend atmete er aus, der ganze Tag wurde mehr und mehr zum Fehlschlag.
"Besser?", fragte er noch während er das Hemd zuknöpfte.
Die Frau nickte nervös. Sie hielt nicht länger ihren Hinterkopf fest, und entgegen des Trends beschloss Ben darin ein guten Zeichen zu sehen.
"Also gut. Darf ich ihnen dann jetzt einen Arzt rufen?"
Menschliche Mienen zu deuten war sicher nicht Bens Talent, aber in dieser stand die Ablehnung nun so deutlich geschrieben, dass selbst er sie nicht übersehen konnte.
"Nein!", erwiderte die Frau ruhig, aber mit eisiger Bestimmtheit.
Ben gab es auf. "Na schön, meinetwegen. Ich hab hier noch irgendwo die Verzichtserklärung, die bräuchte ich dann von ihnen unterzeichnet. Und dann, wie gesagt, die Buchung kam ganz korrekt; für Golden Sun, auf dieses Zimmer, unter Ling."
"Mein Name ist nicht Ling!", zischte die Menschenfrau.
"Ja, das ist jetzt allerdings weniger überraschend. Typischerweise laufen solche Buchungen immer auf Ling, oder Smith oder Müller oder sonst wie. Das ist nicht ungewöhnlich. Wenns die falsche Zimmernummer..."
"Ich vertrete einen Kollegen", sagte die Frau, hörbar bemüht ihre Beherrschung wieder zu gewinnen.
"Oh, das könnte es natürlich sein." Ben kratzte sich den Hornansatz während er mit der anderen Hand seinen Terminplan durchsuchte. "Die Buchung wurde vor drei Monaten gemacht, kam es kurzfristig dazu?"
Die Frau schien fast peinlich berührt, aber andererseits schien das ihr typischer Ausdruck zu sein.
"Ja", antwortete sie knapp.
"Dann wäre das schon eine Erklärung." Ben seufzte tief. "Ach verflucht, wer ist jetzt dafür wieder zuständig? Die Gewerkschaftsagentur wird sich rausreden weil sie nur die Buchung gemacht haben, die Reiseveranstalter haben das sicher irgendeinem Praktikanten übergeben. Ver- und -damt. Hören sie, ich will sie nicht weiter belästigen, aber darf ich kurz noch was organisieren? Ich sitze hier gerade ein wenig fest."
Die Menschenfrau nickte knapp.
Somis Kopf schmerzte noch, aber das dumpfe Hämmern ließ fühlbar nach. In keinem Fall würde sie sich die Blöße geben, vor diesem... Tier zu zeigen dass sie Schmerzen hatte. Nun saß es dort an ihrem Tisch, oder zumindest am Tisch ihres Hotelzimmers, dieses sprechende Ziegenwesen. Tippte auf seinem Pad herum und tat dabei so als wäre es ein Mensch. Somi nutzte die Ablenkung und betrachtete ihren ungebetenen Gast genauer.
Er überragte sie, selbst ohne die Hörner die sich aus seinen Schläfen nach oben drehten, und war eher sehnig als muskulös gebaut. Im Notfall durfte sie sich nicht darauf verlassen, flinker zu sein. Womöglich bot das weiße Fell eine Angriffsmöglichkeit. Dazu war es eigentlich zu kurz, nur am Kopf wo es in helles Haar überging konnte man es womöglich packen. Zur Not ließ sich sicher auch das Bartbüschel am Kinn gegen ihn einsetzen.
"Na wunderbar!", maulte der Ziegenbock sarkastisch.
Ruckartig trat Somi in Verteidigungshaltung und spannte die Muskeln an.
Das Halbtier schien es nicht einmal zu bemerken.
"Sehen sie sich das an!", lamentierte er und wedelte mit einer Hand vor seinem Pad "Stornierungen dieser Art müssen vom aktiven Sachbearbeiter beglaubigt werden, sonst kann man sie nicht eingeben. Vor drei Wochen hat irgendwer sich einen Spaß mit dem System erlaubt, und die wollen sich immer noch nicht wieder drauf verlassen. Wofür gibts eigentlich Datensicherheitsunternehmen?"
Er wischte die blumig gestaltete Site beiseite und hangelte sich durch die lokalen Verkehrswege.
"Das kann was werden", seufzte er tief und straffte dann seine Gestalt. "Die Heimfahrt wird lustig, und bis ich mein Geld wieder kriege machts dann richtig Spaß. Wie auch immer, sie muss das nicht kümmern. Wenn sie mir hier bitte noch unterzeichnen würden?"
Dabei hielt er Somi sein Pad hin, auf dem ein Formular angezeigt wurde.
"Was soll das sein?", zischte sie.
"Die Verzichtserklärung", antwortete der Ziegenbock schulterzuckend. "Wenn sie mich schon keinen Arzt rufen lassen wollen, dann geben sie mir das wenigstens schriftlich."
Hitze schoss in die Wangen der Geschäftsfrau.
"Ich werde gar nichts unterzeichnen!"
Der Ziegenmann drehte seine sanduhrförmigen Pupillen nach oben. Ein seltsamer Laut verließ seine Schnauze.
"Wie sie wollen!", stieß er in seiner merkwürdig keckernden Art hervor.
Ruckartig wandte er sich um. Somi hob die Arme zur Verteidigung. Doch der Ziegenbock ging zum Tisch, setzte sich und schaltete den Bildschirm ein. Für eine ganze Weile saß er einfach nur da und wischte mit kleinen Gesten durch die verschiedenen Kanäle. Dann gab er es mit einem ächzenden Seufzen auf.
"Haben sie vielleicht Interesse an irgendetwas?", fragte er und deutete auf den Bildschirm.
"Woran sollte ich Interesse haben?" zischrte Somi.
Der Bock zuckte die Achseln.
"Na, viel haben sie sich ja nicht gebucht. Den Hotelkanal, die Stadtwerbung, das 24-Stunden Kochen?" Seine seltsamen Augen bedachten sie mit einem noch seltsameren Blick. "Ehrlich?"
Somi bedachte ihn mit einem zornigen Ausdruck, und er wandete sich wieder dem Display zu.
"Uh, Bunch á Litter! Ich steh auf Soaps!"
Auf dem hauchdünnen Bildschirm vergrößerte sich ein Fenster und nahm die gesamte Breite ein. In einer billig wirkenden Kulisse stritten sich eine Ozelotfrau und ein halbnackter, überaus muskulöser Löwe. Die Frau trug orientalisch anmutende Kleider, die aber ihren geradezu obszön angeschwollenen Bauch unbedeckt ließen. Die weit fortgeschrittene Schwangerschaft schien ihre Wut aber nicht zu dämpfen.
"Ich habs schon ewig nicht mehr gesehen", sagte der Ziegenbock. Sollte das eine Entschuldigung sein? "Anscheinend will Philipp immer noch nicht glauben, dass er höchstens der Vater von zwei der sechs Welpen sein kann."
"Wie bitte?", fragte Somi verwirrt.
"Ja, das geht bei Katzen. Verschiedene Väter bei einem einzigen Wurf. Natürlich nur, bei einer Zeugung auf die ganz altmodische Art."
Somi fühlte die Schamesröte auf ihren Wangen brennen.
"Warum verschwinden Sie nicht einfach?"
"Geht nicht", antwortete der Ziegenbock ohne auch nur den Blick von der kitschigen Handlung zu nehmen. "Wir können das wiederholen, so oft sie wollen. Entweder sie unterschreiben mir den Haftungsausschluss, oder ich muss hier bleiben und sicher stellen dass ihnen nichts fehlt. Sonst bin ich womöglich noch wegen Fahrlässigkeit oder sowas dran."
Somi versuchte die Situation zu überdenken. Sie nahm das Pad und gab sich Mühe den legalen Text zu verstehen. Ihr dröhnender Schädel machte die Sache nicht eben leichter. Etwas dass für gewöhnlich alltäglicher Teil ihres Berufes war, wurde zur Tortur. Unter den Bedingungen nicht nur einer fremden Kultur sondern auch noch einer anderen Gattung durfte sie nichts übereilen. In ihrem Kopf hämmerte die Gewissheit, dass man ihr aus alledem einen Strick drehen konnte.
"Wie lange müssen sie... ich meine..."
"Die Buchung geht über die ganze Nacht", antwortete der Ziegenbock. "All inclusive, übrigens." Er deutete auf den Bildschirm. "Also wenn ich ihnen die Show erklären soll, ist das auch abgedeckt."
"Sie wollen nur nicht verschwinden", seufzte Somi.
"Ich darf nur nicht verschwinden!", korrigierte der Bock. "Entweder unterschreiben, oder Sie sagen wir, wie ich ihnen sonst Freude machen kann. Immerhin garantiere ich vollste Befriedigung.
Er grinste so anzüglich, dass Somi rasch einen Schritt zurückwich.
"Entschuldigung, Berufskrankheit."
"Das heißt, wenn sie nur hier sitzen bleiben genügt das auch?"
"Wichtig ist, was ihnen genügt. Ich bin für alles offen. Naja, fast alles. Wenn sie mögen bestellen wir uns die schnulzigsten Filme aller Zeiten, besorgen Pralinen und heulen uns die Seele aus dem Leib."
Somi fiel es schwerer und schwerer zu beurteilen, was ihr ungebetener Gast ernst meinen mochte und was nicht. Sie versuchte sich noch einmal auf den Haftungsausschluss zu konzentrieren, doch es wollte ihr nicht gelingen. Ein tief in ihr geschäftiges Wesen eingegrabener Instinkt weigerte sich, eine Spur in Form einer Unterschrift hier zu hinterlassen. Lieber ertrug sie die Gesellschaft dieses Halbtieres für einige Stunden, bevor sie ihren Namen auf einer obszönen Buchung im System wiederfand. Somi atmete tief und unauffällig im Versuch, Gelassenheit wieder zu gewinnen. Behutsam setzte sie sich auf einen Stuhl.
Da rumpelte ihr Magen.
"Hungrig?" fragte der Ziegenmann "Oder soll ich nur lauter drehen?"
Sie verließen das Hotel durch den Hinterausgang. Ben kam sich albern dabei vor, aber andererseits hatte er für andere Kunden schon weitaus absurdere Kunststücke vollführt. Die Menschenfrau folgte ihm, schrittweise winkte er sie am Personal vorbei, damit nur niemand sie zu Gesicht bekam.
Schließlich standen sie auf der Straße, ein luftig gekleideter Ziegenbock und eine Menschenfrau; eingepackt wie ein Schaf nach fünf Jahren ohne Schur. Somi hatte darauf bestanden, sich unkenntlich zu machen; obwohl sie in der ganzen Stadt niemand identifizieren konnte. Also trug sie den schlecht sitzenden Gratis-Sportanzug des Hotels, darüber eine Jacke die eigentlich zum Pyjama gehörte und biologisch abbaubare Wegwerfschuhe. Alles an ihrer Haltung verriet, dass sie sich am liebsten noch eine Sonnenbrille auf ihre Sonnenbrille gesetzt hätte.
Ben ignorierte ihren Aufzug nach Möglichkeit.
"Worauf haben sie Lust?"
Die Frau gab einen kaum verständlichen Laut von sich.
"Was Lokales vielleicht?"
Wenig später zuckte Somi wieder vor Ben zurück, als dieser mit einem krachenden Geräusch in ein dickes Knäckebrot biss.
Sie standen am Tresen einer schmalen Snackbar, die sich gleich hinter den Eingang des großen Infi-Night-Komplexes duckte. Das Einkaufszentrum ging gerade in seine Nachtschwärmerphase über, und die großen Türen standen weit offen um die laue Abendluft einzulassen.
Somi hatte ihren Probenteller kaum angerührt, ihre Augen waren zu beschäftigt sich an die Passanten zu heften, als dass sie dafür Konzentration gefunden hätte. Erst das laute Brechen des Brotes riss sie wieder aus ihrer Trance.
"Nichts für Sie dabei?", fragte Ben mit halbvollem Mund.
Die Asiatin blickte starr auf ihren Teller.
"Ich kann die Hälfte nicht einmal identifizieren."
"Oh, hier" Ben schaltete das in den Tisch eingelassene Display ein. Die Speisekarte erschien, mit detaillierten Herkunftsangaben. "Hier können sie die Sprache einstellen."
"Das ist Gras?", fragte Somi nach einem schnellen Überfliegen.
"Ja, also verschiedene Gräser. Kräuter eigentlich. Ich mag es pur, aber wenn sie Dressing wollen, gibts das auch. Dann schmeckts eher wie ein Salat."
Somis Erwiderung wurde vom Lärm einer Gruppe Jugendlicher übertönt, die hordenartig durch den Eingang stürmten, die Hälfte davon nackt. Fast hätten sie dabei ein altes Luchspärchen umgeworfen. Ben holte bereits Luft sie anzuschnauzen, als ein donnernder Befehl eines Pferdes von der Security die Bande auseinander trieb. Zwei Jungen und ein Mädchen, alle drei Caniden von verschiedenen Arten, blieben stehen und halfen den alten Luchsen auf die nächste Bank. Der Securityhengst wollte schon zu einer Standpauke ansetzen, doch die Luchse winkten ab. Sinnierend begannen sie zu erzählen, wie sie sich doch an ihrer eigene Jugend erinnerten, wobei fast nicht auffiel wie die Luchsfrau einem der Hundejungen den nackten Hintern tätschelte.
Die Gruppe zerstreute sich, als der Securityhengst davon überzeugt war dass es den Alten gut ging, die Luchse blieben sitzen und der Mann flüsterte seiner Frau etwas zu, während er ihr zugleich eine Hand unter die Bluse schob.
Somi starrte schnell wieder auf den Tisch, ihre Wangen leuchteten rötlich.
"Stört sie etwas?", fragte Ben.
"Kennt eure Welt denn gar keine Scham?", gab die Menschenfrau giftig zurück.
"Was?" Ben hob den Kopf. "Ach so, die."
Er winkte, die älteren Luchse erwiderten fröhlich.
"Nettes Pärchen, weiß den Namen nicht mehr. Vor ein paar Monaten war ich bei denen Geschenk zum Hochzeitstag."
"Bitte?"
"Ja, wie hat sie sich ausgedrückt? Kaum etwas zeigt mehr Liebe, wie ein saftiger Ziegenarsch. Ohne mich selbst loben zu wollen." Ben grinste ungeniert. "Natürlich hielt der Gatte nicht zu lange durch, aber die Dame hat sich verblüffend gut gehalten."
"Von Sittsamkeit hält sie offensichtlich nicht so viel." In ihrem Zorn bemerkte Somi kaum, wie sie von den eingelegten Wiesenkräutern as.
"Sittsamkeit?" Ben schluckte auffällig. "Die beiden sind verheiratet nach Menschenart, wenigstens fünfzehn Jahre und turteln noch immer wie Verliebte. Wie sittsam sollen sie denn noch sein?"
"Genug, um nicht einen fremden Bock in ihr Ehebett zu holen!"
Ben bedachte sie mit einem langen, durchdringenden Blick.
"Ernsthaft? Daran machen sie das fest? Nicht an Zuneigung oder Aufopferung oder Mühe oder Freundschaft; nur daran wer wann auf wen steigt?"
Das vulgäre Wort ließ Somi abermals zurückweichen, wobei sie entdeckte dass ihr Teller leer war.
"Hören sie", setzte der Ziegenbock erneut an. "Mir ist klar, dass sie unsere Welt nicht verstehen, und vielleicht wollen sie das auch nicht. Ist ihr gutes Recht. Aber ich muss doch fragen; all ihre Kollegen kommen hierher, um genau das zu erleben. Jeder weiß doch, wofür die Konferenzreisen da sind. Weshalb sträuben sie sich so dagegen?"
"Weil ich verheiratet bin!"
"Das sind die auch." Ben wies diskret auf das Luchspärchen.
"Aber ich nehme es ernst!"
"Auch das kann man übertreiben."
"Wie dieses Gespräch, das ich nicht fortzuführen wünsche. Nun, da die Nacht hereingebrochen ist, können sie mich verlassen. Ich finde allein zum Hotel zurück."
"Ganz abgesehen davon, dass ich das bezweifle", entgegnete Ben "gilt mein Vertrag für die gesamte Nacht. Es sei denn, sie unterschreiben den Verzicht."
Für eine ganze Weile starrten sie einander grimmig in die Augen.
"Ich sehe, weshalb sie auf diesen Rückweg bestanden haben", bemerkte Somi bitter. "Äsop-Allee, ein netter Euphemismus."
Die Straße vor ihnen erstreckte sich zwischen Gebäudekomplexen, in denen sich Nachtclubs und Open-Air Tanzflächen abwechselten. Musik und Geschrei lieferten sich einen schwankenden Wettstreit um die Lufthoheit. Dicke Bäume durchbrachen ohne Muster den Straßenbelag, eingefasst von Bänken und Trinkbrunnen für alle möglichen Schnauzenformen. Dazwischen wuselten Gestalten in mannigfaltigen Fell- und Farbschattierungen durcheinander, die sich zu einem wahren Meer an Haaren vermengten. Partygänger, Straßenkünstler, Sehnsüchtige, ein paar Polizisten in zerwühlten Uniformen dazwischen. Es schien nichts zu fehlen.
"Der Hinweg ist um diese Zeit total überlaufen", entgegnete der Ben, ohne sich große Mühe beim lügen zu geben. Dieser Weg war kürzer, soviel entsprach der Wahrheit. Aber es erlaubte ihm auch, der prüden Menschenfrau einen breiten Querschnitt der einheimischen "Sittsamkeit" zu vermitteln. Ob sie nun wollte oder nicht.
An diesem Abend war es ohnehin noch verhältnismäßig ruhig. Die richtige Party brach selten vor Mitternacht an. Im großen Fenster des Everlove an der Ecke vollführte eine flachbrüstige Schimpansin einen gemächlichen Schaukelstrip. Zeitweise hing sie nur an ihren Füßen von der Decke, und lediglich der Blickwinkel verwehrte den Zuschauern tiefere Einblicke zwischen ihre sehnigen Schenkel. Ihr Kleid; ein Gewirr aus Blättern als hätte sie sich in Efeuranken gehüllt; war noch frustrierend vollständig. Ganz auf das Bild einer Dschungelschönheit bedacht zupfte sie an einzelnen Blättchen, prüfte und wand sich ehe sie mal wieder eines zu Boden fallen ließ. Für den Augenblick gab es nur ein nacktes Hinterbäckchen zu sehen, und der Geschwindigkeit nach mit der sie sich entlaubte, würde das noch ein Weilchen so bleiben.
Ben genoss es zuzusehen, wie die Wangen der Menschenfrau ihre Farbe veränderten. Einige Sekunden lang stand sie starr und gaffte auf den halb entblößten Affenhintern, ehe sie ruckartig den Blick zu Boden riss und weiter stapfte.
Rasch eilte Ben ihr nach, mit den Armen bahnte er ihnen einen Weg durch die Menge.
"Dafür werden sie bezahlen", knurrte die Asiatin leise.
"Nicht ganz, dafür werde ich bezahlt", entgegnete Ben in aller Unschuld.
In der Mitte der Straße öffneten sich die Türen eines Abendclubs, schwallartig ergoss sich das junge Tanzvolk aus dem Gebäude um Platz für die reiferen Semester zu machen. Bässe versetzten das Straßenpflaster in Vibration, höhere Töne stachen direkt auf das Gehirn ein.
Ben hatte keine Mühe seine menschliche Begleitung im Auge zu behalten. Selbst wenn er sie verlöre brauchte er lediglich der geschnaubten Missbilligung zu folgen. Langsam bahnten sie sich einen Weg durch die drängelnde Menge, ehe diese auch schon wieder ausdünnte. Die Menschenfrau tastete ihre Taschen ab.
"Fehlt was?"
"Zu ihrem Glück nicht", zischte sie.
Ben lächelte. Ihm war nicht entgangen, wie sehr sie sich abmühte ihre Augen bei sich zu behalten, und wie sie mehr und mehr versagte. Die Flut an jungen Körpern, die ihr noch flaumiges Fell mit modisch weiter Kleidung schmückten, wenn überhaupt, arbeitete beständig am Schildwall ihrer Entschlossenheit.
Galant bot der Ziegenbock ihr den Arm an, die Menschenfrau stieß ihn voran.
"Hey Mister!" Die Stimme war fremd, jung und zweifellos feminin.
Ben wandte den Kopf. Auf der Seite, gerade hinter der Deckung einer Werbetafel, stand ein Grüppchen junger Frauen, genau betrachtet eher Mädchen beieinander. Überschwänglich winkten sie und riefen ihn zu sich.
Er wandte sich ihnen zu.
"Was soll das?", zischte Somi und riss am Kragen ihres Shirts. "Wir müssen zum Hotel! Das sind Lockvögel, der Rest der Gang wartet um die Ecke!"
"Kein Grund unhöflich zu sein", säuselte Ben gelassen.
Ben trat zu der Schar, es war schwer abzuschätzen wie viele es sein mochten, ständig sprang eine weg, Neue kamen hinzu.
"Womit kann ich den Damen helfen?", fragte Ben übertrieben höflich und genoss wie die Menschenfrau ihn durch die Gläser ihrer Sonnenbrille anfunkelte. In seinen Nüstern kitzelte der vertraute Mischmasch aus Bier, Fruchtsäften, mildem Gras und Baldrian.
Die junge Frau, eine dickliche Stute mit tiefbraunem Fell, nahm ihn nur kurz in Augenschein. Ihre dunklen Augen blieben am Schritt des Ziegenbocks haften.
"Oh Klasse, bei ihnen hängen sie ja richtig tief!" Sie drehte den Kopf und rief hinter sich. "Christy, komm schnell, ich hab noch einen!"
Die Menge teilte sich widerwillig und gab eine schlanke Katze frei, kaum älter als die Stute oder sonst ein Mädchen aus der Gruppe. Tänzelnd kam sie zum stehen und vermaß Ben gierig mit den schimmernden Raubtieraugen. Diese waren auch das letzte Detail ihres Gesichts, dass noch frei zu erkennen war. Ihr, vermutlich, eigentlich dreifarbiges Fell hing vom Scheitel bis über den Hals hinab in den Ausschnitt voll mit weißlichem Glibber. Fäden über Fäden, mal Tröpfchen, mal handgroße Kleckse, rannen auf dem Gesicht der Katze ineinander. Als sie den Mund öffnete wirkte es fast, als zerreiße sie eine konturlose Maske aus schleimiger Nässe.
"Super!", lallte sie fröhlich, hob sie Arme und präsentierte sich wie eine Diva. "Wollen sie auch was beitragen, Mister? Nur hier und jetzt, abspritzen auf die Klassenbeste!"
"Klassenbeste!", fiel der grölende Mädchenchor ringsum ein.
"Oh ja!", rülpste das Kätzchen. Ihr Atem roch nach Baldrian, für einen Augenblick überdeckte der Geruch sogar die Masse an Sperma. Mit beiden Händen packte sie den weiten Kragen ihres Shirts, das ihr halb von der Schulter hing, und zog ihn nach unten. Die aufknospenden Brüstchen hatten bisher nur Tropfen abbekommen.
"Kommen sie, Mister. Hier hab ich noch Platz!"
Sie löste eine Hand und schob sie ungeniert unter ihren Hosenbund. Ihre Augen glänzten als sie sich weiße Sprenkel von den Lefzen leckte.
Grinsend blickte Ben zu seiner Begleitung. Allein schon der fassungslose Ausdruck auf ihrem Gesicht machte es die Sache wert.
"Also, wenn ihr schon so lieb bittet..."
"Scheiße!", rief eine andere Mädchenstimme von hinten. "Er kommt!"
Im Nu war die Menge in Bewegung. Das samenverschmierte Kätzchen wurde unversehens zwischen die Stute und ein Kaninchen geklemmt, und wie ein Schwarm Sardinen auf der Flucht stoben die Mädchen auseinander.
Ben blieb nur Zeit für einen kurzen Sicherheitsblick in Richtung der Asiatin, dann stolperte ein schlanker Kater, schwarz mit weißen Akzenten, aus der Gasse auf ihn zu. Er wirkte abgehetzt, sein blumenbedruckes Sommerkleid bebte unter den heften Atemzügen.
"Wo...?", keuchte er. "...Katze... Party!"
"Die Klassenbeste?", fragte Ben. "Die Bukkakequeen?"
Schnaubend verzog der Kater das Gesicht, knurrte und nickte.
"Da lang, glaub ich", sagte der Ziegenbock und wies in eine Richtung.
"Danke", hustete der Feline und sprang davon.
Ben wandte sich wieder der Menschenfrau zu. "Entschuldigen sie die Unterbrechung."
Diese war zu verdattert um noch etwas zu erwidern. Traumwandlerisch ließ sie sich von dem Ziegenbock zurück in die Mitte der Straße führen.
"Wie können sie nur so etwas zulassen?", fragte sie schließlich. "Dieses kleine Mädchen, das war..."
"Ja, ich weiß", sinnierte Ben versonnen. "Kann man wohl kaum verhindern, wenn sie jetzt nicht lernt wie Baldrian auf Katzen wirkt, wann dann?"
"Und dass sich fremde Männer in aller Öffentlichkeit an einem kleinen Mädchen vergehen wie es ihnen beliebt berührt sie nicht einmal?", fauchte die Menschenfrau.
Bens Schultern strafften sich. "Zunächst, wenn die Kleine durch die Abschlussklasse kam, dann ist sie kein Kleinkind mehr. Katzen kann man ohnehin schlecht schätzen. Dann ist sie umgeben von ihren Freundinnen..."
"Freundinnen", schnarrte Somi. "Vermutlich waren diese es, die ihr die ersten Drogen gaben. Und am nächsten Tag amüsieren sie sich über die Erniedrigung ihrer sogenannten Freundin, wenn die Videos online stehen."
"Jeder hat Videos online stehen", meinte Ben. "Himmel, ich hab seinerzeit mein erstes Mal gefilmt. Keine tolle Idee, aber was solls."
"Und diese gesellschaftlich breit akzeptiere Schamlosigkeit rechtfertigt, eure Kinder jedem Perversen zum Missbrauch frei zu geben?"
Ben blieb stehen, so unvermittelt dass die Menschenfrau auf ihn prallte.
"Hören sie, ich behaupte nicht, so etwas gäbe es bei uns nicht. Irgendein Monster bewegt sich immer unter uns. Aber sie zu verleugnen gibt ihnen nur noch mehr Macht! Keins der Mädchen da hinten würde zögern zu schreien, sobald ihr etwas nicht gefällt. Statistisch gesehen haben wir genauso viele Delikte wie jedes Menschenland. Aber unsere Dunkelziffer fühlt sich sehr viel geringer an! Unsere Kinder lernen was Liebe ist, und was Sex. Und das sie keins von beidem irgendwem schuldig sind! Oder sich damit schuldig machen." Für einen Augenblick starrten Mensch und Ziegenbock einander an wie Feinde auf einem Schlachtfeld. "Aber gut, ich bin nur das käufliche Lustobjekt, was weiß ich schon."
"Wie könnte jemand wie sie es überhaupt begreifen?", fragte Somi kalt und ging an ihm vorbei. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie ein jugendlicher Rüde mit einem Polizisten sprach. Der junge Dalmatiner war bis auf eine zerrissene Hose nackt.
Sicher ein Opfer dieser markerschütternden Unsittlichkeit, entkommen aus dem Verlies eines Perversen, der...
Der gepunktete Hund reichte dem Polizisten etwas metallisches, eine Patrone? Wenn ja war sie riesig. Der Polizist, ein Hammel mit beeindruckend Hörnern, drohte ihm mit dem Finger, schmunzelte dabei jedoch verstehend. Er drückte auf eine Pumpflasche die an seinem Gürtel befestigt war und drehte die Patrone dann zwischen den Händen. Was ging dort vor?
Der junge Dalmatiner nickte, drehte sich um und spreizte weit die Beine. Noch ehe Somi begriff, führte der Polizist die Patrone durch eines der zahllosen Löcher in der Hose, direkt in den After des Jungen ein. Dieser wackelte wohlig mit dem Schwanz, bedankte sich und verschwand in der Menge.
Keuchend setzte Somi sich in Bewegung, rasch, immer hinter ihrem Ziegenbock her. Fort, nur fort von hier. Dabei wehrte sie sich schüttelnd gegen das warme Gefühl in ihrem Unterleib.
"Meine Füße bringen mich um", seufzte Somi tief, und schleuderte die Einwegschuhe mit einer raschen Bewegung in die Ecke. Der biologisch abbaubare Verbundstoff löste sich bereits an mehreren Stellen von den dünnen Sohlen ab.
"Diese Dinger sind auch nicht für zu lange Wege gemacht", meinte der Ziegenbock, als er sanft die Tür ins Schloss gleiten ließ. Mit einem recht merkwürdigen Blick bedachte er das ausgetretene Schuhwerk. "Persönlich bin ich mir nicht einmal sicher, wofür es überhaupt gemacht ist."
Somi drehte den Kopf und betrachtete die Beine des Bocks aus den Augenwinkeln. Mit seinen klauen-artigen, doch sichtlich gepflegten Hufen benötigte diese Kreatur in der Tat keinen Schutz vor heißem Asphalt, vor Kies oder Dornen. Diese Kreatur...
Der Gedanke fühlte sich anders in Somis Kopf an, schwerer, falscher. Lag es nur daran, dass sie seinen Namen kannte? Dass sie nun über Stunden mit einem solchen Geschöpf gesprochen hatte, anstatt mit einem Menschen? Das Gefühl, aussprechen zu können was kein Mensch je hören sollte? Oder konnte es noch andere Gründe geben? Rasch schob sie ihre Gedanken auf etwas anderes, irgendetwas, nur um diesen Pfad nicht weiter zu gehen.
"Hätten sie dieses Mädchen wirklich..." Somi verfluchte sich, diesen Pfad gewählt zu haben.
"Verziert?", bot der Ziegenbock ihr fiesant an.
Sie würdigte dieser Unsittlichkeit keine Beachtung und ließ sich in den Sessel fallen. Lächelnd tänzelte der Bock auf seinen Hufen um sie herum. Ständig dieses verfluchte Lächeln auf seiner fremdartigen, hübschen Schnauze. Verschreckt riss Somi die Augen auf.
"Nun", sagte Ben langgezogen. "Vielleicht nicht sofort. Die Kleine sah mir nicht mehr ganz nüchtern aus. Besser abwarten, ob sie einen Moment später tatsächlich noch will. Aber wenn sich die Gelegenheit schon bietet, weshalb nicht?"
Somi brachte des kaum fertig, das Bild des jungen Katzengesichtes zu verdrängen, und wie stolz es unter dem milchigen, schleimigen Überzug ausgesehen hatte.
"Wie können sie nur?"
"Die Kleine? Ein bisschen Gruppenzwang vielleicht, aber nicht viel. Sah mir schon so aus, als wollte sie selber auch ganz schön feiern. Wenn sie wirklich Klassenbeste war..."
"Eine Klassenbeste dürfte sich am Allerwenigsten derartig entwürdigen!"
"Was hat das mit Würde zu tun? Manche Mädchen wollen auf die Art feiern", meinte der Ziegenbock. Er überlegte. "Wenn auch eher die Jungs, nach meiner Erfahrung."
"Schluss damit!", gebot Somi. "Ich will nichts mehr davon hören."
"Sie haben gefragt."
"Nun frage ich nicht mehr!" Somi ließ sich tiefer in die Polster sinken. Prüfend bewegte sie die Füße und zuckte zusammen. Spannug verhärtete ihre Muskeln bis hinauf in die Unterschenkel.
"Wie wäre es mit einer Massage?", fragte der Ziegenbock.
Ruckartig setzte Somi sich auf. Sie hatte nicht einmal bemerkt, wie weit ihr Geist fort gedriftet war. Wie sehr ihre Wachsamkeit doch nachgelassen hatte.
Der Ziegenbock schien es nicht zu bemerken. Rasch hob er die Arme zu einer beschwichtigenden Geste. "Eine vollkommen keusche Massage selbstverständlich, keine Sorge."
Somi selbst war erstaunt, dass sie nicht rund heraus ablehnte. Die tauber werdenden Schmerzen die von ihren Beinen aufwärts zogen mochten etwas damit zu tun haben, aber dergleichen hatte sie schon zehnfach schlimmer ausgestanden. Bei diesen Gelegenheiten hatte ihr aber auch niemand ein solches Angebot gemacht.
"Wenn sie meinen", sagte sie leise.
Der Ziegenbock setzte sich vor dem Bett auf den Boden.
"Was ich meine spielt jetzt keine Rolle", erwiderte er sanft und seine Finger umfassten Somis linken Fuß. Sie spürte die rauen Ansätze der breiten, stumpfen Nägel, die Fremdartigkeit die doch nicht die Sicherheit des Griffes überwog. Langsam glitten die Fingerspitzen ihren Fußrücken hinauf, bis zur Ferse und wieder zurück in einem galant geschwungenen Bogen. Wieder und wieder, präzise und mit genügend Kraft aber nicht zuviel. Somi konnte ein Seufzen nicht unterdrücken, es fühlte sich an als flösse die Spannung direkt aus ihren Beinen. Wie ein gefällter Baum fiel sie zurück aufs Bett und streckte sich der Wohltat entgegen.
Der Ziegenbock schaltete Musik zu, ohne in der Massage nachzulassen. Etwas Einheimisches erklang, es erinnerte fern an Hundejaulen, besaß aber eine angenehme Melodie.
"Möchten sie vielleicht noch etwas bestimmtes?", fragte der Ziegenbock nach einer Weile. "Fußreflexzonen, Q-Gong oder etwas in der Art?"
Raunend drehte die Asiatin sich halb auf die Seite "Sie wissen schon, dass das alles Unsinn ist?"
"Das spielt keine Rolle", erwiderte der Ziegenmann "Ich bin dafür da, dass sie sich wohl fühlen."
Somi ertappte sich bei Gedanken, die sie sich zu jedem anderen Zeitpunkt streng verboten hätte. Ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.
"Auf der Straße fühlte ich mich nicht wohl."
Der Ziegenbock lächelte zu ihr hoch.
"Ich bin ja auch fürs Hotel gebucht."
Somi schnaubte um ein Lachen zu unterdrücken. Diese Genugtuung wollte sie dem Tier nicht gönnen.
"So, für das Hotel. Hier würden sie demnach alles tun?"
"Natürlich"
"Was ich verlange, selbst wenn es sie erniedrigt?"
"Alles, was vertraglich zugesichert wurde."
Sie hob ein Bein an und drückte ihre verschwitzten Zehen gegen die Nüstern des Ziegenbocks. "Dann lecken sie meine Füße!"
Im Nachhinein wusste Somi nicht mehr, was sie erwartet hatte. Dass das halbe Tier voll Ekel zurückwich? Sich von ihrer Abartigkeit abwandte, und ihre Perversion mit Abscheu verdammte? Dass er beschwerte, und sich auf seinen Vertrag berief?
Gleichwohl war nichts davon von Belang. Als er ohne zu zögern seine Zunge zwischen ihre Zehen drückte, waren all diese Gedanken wie weggefegt. Rau und heiß glitt der fremdartige Muskel über ihre Haut, und brachte klebrigen Speichel mit sich. Somi wusste kaum noch wie ihr geschah. Nie hätte sie erwartet, dass der Ziegenbock sich derart für sie erniedrigte, doch seine Berührung nun so zu spüren drohte ihr den Schädel zu sprengen.
Auch beschränkte er sich keineswegs auf die Zehen. Vielmehr wechselte er in rascher Folge, sowohl den Fuß als auch die genaue Stelle. Mit langen, langsamen Bewegungen leckte er ihre Fußsohlen von der Ferse bis zum Ballen, saugte an den kleinen Zehen bis Somi glaubte den Verstand zu verlieren; ehe er an der Ferse neu ansetzte und das Spiel in exakter Weise mit der nächstgrößeren Zehe wiederholte. Nichts an dem Ziegenbock sprach von Scheu oder Zögern. Im Gegenteil, fast schien er es ehrlich zu genießen. Somi erbebte, als die raue Zunge über ihre Knöchel glitt. Die Schamlosigkeit die sie allerorten gesehene hatte, nun erlebte sie sie am eigenen Leibe, und es war glorreich.
Nie, nie in ihrem ganzen Leben nicht, hatte sie gewagt, dieses Bedürfnis in Worte zu kleiden. Geschweige denn, es einem anderen Menschen zu offenbaren. Aber, und das war gerade das geniale an dieser absurden Situation, der Ziegenbock war kein Mensch. Somi beschloss, es so für sich zu rechtfertigen, und die nächste Berührung der nassen Zunge vernichtete jeden Ansatz eines Zweifels. Sie glaubte regelrecht zu spüren, wie ein essentieller Damm tief in ihrem Innersten barst. Sovieles das sie wollte, dass sie brauchte!
Wenigstens für eine Nacht.
In einer Bewegung, deren Eleganz einem Kung-Fu-Meister Ehre gemacht hätte, riss sie ihren Fuß aus dem Maul der Ziege und setzte ihm den großen Zeh mitten auf die Brust. Sein struppiges Fell fühlte sich auf ihrer feuchten Haut unglaublich an. Widerstandslos sank der Bock nach hinten, bis er vor ihr auf dem Rücken lag.
"Sie haben mich überzeugt, nun will ich sehen, wie weit dieser Vertrag reicht!"
Ruckartig warf sie die Hose von sich und ihre unförmige Unterwäsche gleich mit. Bebend vor Erregung kniete sie über dem Kopf des Ziegenbocks nieder. Das kochende Aroma ihrer femininen Säfte schlug dem Ziegenbock mit Wucht in die Schnauze und brachte ihn zum sabbern. Somi trug ihre Scham so hygienisch nackt wie den Rest ihrer Haut, dadurch rannen ihre brünstig duftenden Sekrete ungehindert nach unten und hatten schon ihre Knie erreicht.
Die eigentlich zierliche Asiatin riss die Pyjamajacke von ihren Schultern, dicht gefolgt von Bluse, Halskette und A-Körbchen BH. Seufzend spürte sie zugleich die kühle Luft an ihren harten Nippeln wie auch den heißen Atem an ihrer triefend nassen Weiblichkeit.
In ihrer Nacktheit erhaben wie eine Kaiserin ließ sie ihre Finger andächtig an sich herabgleiten, ehe sie mit beiden Händen die Hörner des Ziegenbocks packte. Sie dirigierte den Schädel des vermenschlichten Tieres tiefer zwischen ihre Schenkel, setzte ihm ihren bebenden Spalt auf die Nase und benetzte ihn mit ihrem Saft. Seine Schnauze berührte ihre nassen Lippen, seine raue, doch unsagbar heiße Zunge öffnete sie. Und die Wände rings um sie erbebten.
Li Somi stand am Rande ihrer Gruppe Geschäftsreisender. Der Reisekoordinator hielt die Ansprache, ganz so wie von Golden Sun festgelegt. So festgelegt wie der Abflugtermin, ihre Planvorgaben bis hin zu ihrem grauen Firmenjackett. Sobald der Redner fertig war würden sie an Bord gehen, starten, und diese Stadt der Tiere hinter sich lassen. Sie hörte kein einziges Wort. In ihrem Gehirn gab es keinen Platz dafür.
Sie hatte ihren Mann nicht betrogen! Wie zur beständigen Versicherung kreiste dieser Gedanke durch ihren Kopf. Sie mochte Abscheuliches von dem Bock verlangt haben, aber er hatte es ihr gegeben, wieder und wieder. Ohne sich zu beklagen. Doch kein Teil von ihm hatte den Weg in sie gefunden. Nun, die Zunge durfte nicht zählen! Doch jetzt fühlte sich alles was sie umgab so eng an.
Es kostete Somi alle Willenskraft die sie aufbringen konnte, nicht in ihren Schuhen vor und zurück zu wippen, nur im Versuch sie zu weiten. Wie konnten ihre Schuhe sich nach nur einer Nacht so eng anfühlen, als wollten ihre Füße ausbrechen?
Somi blickte zurück, durch eines der großen Fenster hinter denen die Skyline sich in die Ferne erstreckte. Gegen das Licht der höhersteigenden Sonne glänzten die Ränder dieser Stadt die von Tieren für Tiere erbaut worden war. Tief in ihrem Bauch entdeckte sie Gefühle, die dort nicht hin gehörten. Den Wunsch fort zu laufen, die viel zu engen Schuhe von sich zu werfen und sie mit nackten Füßen durch die Gräser zu trampeln. Kribbelnde Wärme kroch ihr über die Schenkel in den Unterleib, sie wagte nicht einmal den Gedanken zu formulieren, doch sie wollte soviel mehr.
Somi atmete tief, fügte sich in die Reihen der Geschäftsreisenden ein und packte ihre Tasche mit beiden Händen. Zwischen den Fingern verbarg sie den Anhänger mit ihrem Andenken, der Kapsel voll frisch geschnittener, duftender Ziegenhaare. Niemand sollte bemerkten, wie sehr sie die nächste Reise herbeisehnte.
Gähnend lümmelte Ben sich über zwei Sitzplätze in dem ansonsten leeren Zugabteil. Für gewöhnlich besaß er eine bessere Kinderstube, doch heute bemühte er sich, seinen Schließmuskel nicht unnötig zu belasten.
Er strich sich durch das frisch gewaschene Fell seines Kopfes und die Haare, vor allem die Stelle wo Somi ihm ein Souvenier abgeluchst hatte. Kopfschüttelnd grinste er in sich hinein. Menschen, was sollte man davon noch halten?
Träge wischte er die Nachrichten mit einem Daumen über sein Pad. Das bürokratische Hickhack würde sich noch ein paar Tage hinziehen, aber zumindest hatte er sein Geld bereits. Nicht zu vergessen das Trinkgeld in bar, selbst wenn die Menschenfrau es wie etwas Antikes in die Hand nahm. Immerhin war sie großzügig gewesen. Ihr Blick war ohnehin unbezahlbar gewesen, als er sich vor ihren Augen seinen längsten Dildo in den After geschoben hatte. Fast wünschte Ben sich, ihr chinesisches Geflüster verstanden zu haben. Es klang zumindest schön versaut. Dann natürlich die Füße, immer wieder die Füße lecken. In den nächsten Wochen konnte Ben auf Käse jeder Art verzichten. Es schien ihr aber gefallen zu haben. Doch das verblasste ohnehin gegen ihre explosive Reaktion auf seine Bemühungen mit der Zunge an anderer Stelle; man wollte meinen die Frau hätte noch nie die Muschel geleckt bekommen.
Auf dem Pad vibrierte ein Anruf. Das Bild einer Graubraun gescheckten Ziege füllte den Bildschirm aus.
"Hey Liebling!"
"Zhani!" Ben strahlte in die kleine Kamera. "Na, wie gehts meiner Süßen?"
"Schläft noch", antwortete die Gescheckte mit gebleckten Zähnen.
"Oh Nein" Spielerisch drohte Ben mit dem Finger. "Das ist mein Schätzchen, du bist meine Süße! Glaub mir, ich habs überprüft!"
"Dann glaub ich dir das besser mal." Zhani stützte sich auf die Ellbogen. "Bist du schon auf dem Rückweg?"
"Ja, dauert nur noch ein paar Stunden, wenn der Zug mitspielt."
"Gut, kannst du auf dem Heimweg noch ein paar Sachen besorgen? Liste ist im Anhang."
Ben warf einen Blick in das Dokument und hörte auf der zweiten Seite auf.
"Zhani..."
"Och, hat der große böse Mensch dich ausgelaugt?", frotzelte die gescheckte Ziege.
"Die, meinst du wohl. Ich komm da rein, und da lauert mir ein Menschenweibchen auf."
"Hui!", pfiff die Ziege. "Das stand aber anders in der Buchung."
"Ja", nickte Ben. "Da hat irgendwer mal wieder Mist gebaut."
"Auch nichts Neues." Neugierig legte Zhani den Kopf schief. "Aber eine Menschendame, das ist Neu. Die hat mir sicher gar nichts mehr übrig gelassen."
"Schön wärs", grummelte Ben. "Bis ich die auch nur ansatzweise aus ihren Verklemmungen raus hatte war schon die halbe Nacht rum. Und dann wollte sie alles mögliche, aber keinen vernünftigen Bocksprung."
"Du Armer", zirpte Zhani lächelnd und ohne jedes Mitleid. "Dann bringst du mir also diesmal mehr als nur die Reste mit Heim?"
"Süße", raunte Ben tief und verwegen. "Ich bringe dir..."
"HEY PAPI!" Wie von einem Sturm donnernder Fröhlichkeit erfasst wurde das Pad auf der anderen Seite hin und her gerissen, ehe das niedliche Gesicht eines entsprechend niedlichen Zickleins den Bildschirm ausfüllte. Sie besaß weißes Fell, bis auf einen breiten, braunen Ring um ihr linkes Auge.
"PAPI!", krähte sie. "Mein Zahn ist immer noch nicht draußen, schau!"
Das Bild wurde dunkel als sie eine Ecke des Pads in ihren Mund steckte.
Es raschelte und rumpelte, gefolgt von kurzem Ringkampf, dann bekam Zhani das Pad wieder in die Finger. Sie hielt es am ausgestreckten Arm, während das kleine Zicklein auf ihrem Schoß auf und nieder sprang.
"Ist alles Gut gegangen?", rief die Kleine. "Bist du bald wieder daheim?"
"Ja Schätzchen, alles gut. Die Menschen sind nur so merkwürdig. Und ich bin auch bald wieder da, die Mama hat mir nur eine gaaaaaanz lange Liste noch zum einkaufen geschickt."
Die Augen des Zickleins wurden groß. "Bringst du mir was mit?"
Ben verzog nachdenklich die Schnauze. "Soll ich denn?"
"Ja!!", krähte die Kleine und ratterte aus dem Stand drei Werbespots herunter, inklusive Schauspieleinlagen. Zhani signalisierte hinter ihr mit einer Hand "klein".
"In Ordnung Schätzchen."
"Für Mami aber auch!"
"Natürlich Schätzchen!", betonte Ben und fasste seine Frau überdeutlich ins Auge. "Einen ganzen Beutel, prall voll!"
Zhani reckte sich ihm genießerisch entgegen. Wie zufällig fiel dabei ihr Morgenmantel offen und entblößte eine ihrer Brüste. Ben meckerte tief aus der Kehle. Für diesen Nippel allein ließ er gerne eine Kompanie Menschen stehen.
Das kleine Zicklein zog eine misstrauische Schnute. Noch ehe Zhani den Mantel schließen konnte sah die Kleine sie, dann zurück auf das Pad.
"Ach so!", sagte das Ziegenmädchen altklug. "Ich will heute Nachmittag eh noch zu Bieni gehen, dann könnt ihr zwei nackig spielen. Aber erst, wenn ich dich begrüßt hab, Papa!"
"Selbstverständlich Schatz, ich beeil mich auch!"
"Dann is gut!"